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Vollendete Autobiographien: 212

1. Prolog

2. Kurzer Lebensrückblick

2.1. Mein Studium

2.2. IBM - mein erster und einziger Arbeitgeber

2.3. Autor, Promotion (Doktorat) und Habilitation (Lehrberechtigung)

2.4. Meine Gattin Priska

2.5. Meine Lebenspartnerin Zita

2.6. Mein Alter

3. Überlegungen zur Bedeutung unseres Daseins

4. Gelassenheit, Abgeklärtheit, Zuversicht, Zufriedenheit

5. Überlegungen zum Sinn unseres Daseins

6. Epilog


Beizutragen vermag dazu sicherlich der Rückblick auf ein reich befrachtetes, erfülltes und zumeist glückliches Leben und damit einhergehend die Einsicht, nichts wirklich falsch gemacht zu haben.
Vor allem aber vermag mich eine längst gesuchte, mittlerweile auch gefundene Antwort auf die fundamentale Frage nach der Bedeutung und dem Sinn unseres Daseins vollauf zu befriedigen und in hohem Masse mit einem wohligen Gefühl der Gelassenheit, der Abgeklärtheit, Zuversicht und Zufriedenheit zu erfüllen.
Nun aber zunächst ein kurzer Lebensrückblick und alsdann – mehr im Sinne einer Standortbestimmung, denn eines Rückblicks – Überlegungen zur Bedeutung und zum Sinn unseres Daseins.



Das Forschungsinstitut der IBM in Brüssel war wie eine Hochschule organisiert und wurde von langjährigen, bewährten IBM-Mitarbeitern aus der ganzen Welt besucht. Ihr Ziel war es, Einblick in die Zukunft der Informatik zu erhalten und meine Aufgabe bestand darin, ihnen diesen Einblick zu vermitteln. Zu diesem Zwecke musste ich eine Unmenge an Forschungsliteratur (nicht nur der IBM) zur Kenntnis nehmen und diese präsentationsgerecht aufarbeiten. Meine dabei erworbenen, damals sehr seltenen Kenntnisse, bewogen die IBM, mich an internationalen Konferenzen, Kongressen, Symposien und Tagungen, aber auch bei interessierten Unternehmungen auf der ganzen Welt (ausser in Australien) auftreten zu lassen. Mitunter wurde ich dabei von Verlagen angesprochen, meine Erkenntnisse in Buchform zu publizieren, was denn auch umgehend recht erfolgreich geschah (davon später).
Die Beschäftigung am Forschungsinstitut der IBM in Brüssel war äusserst anspruchsvoll, hatte ich doch mit meinem rudimentären Schulenglisch sehr komplexe, englisch festgehaltene Sachverhalte zunächst zu verstehen und alsdann zu erklären. Dabei unterliefen mir immer wieder recht peinliche Sprachfehler, die meine Zuhörer zu schallendem Gelächter verleiteten. Ich erinnere mich beispielsweise, dass mich ein englisch sprechender Zuhörer einmal gefragt hat, was ich eigentlich mit dem Wort 'a Volleyball' meine. Ich erklärte ihm, was ich damit zum Ausdruck bringen wollte, worauf ich zur Antwort erhielt: Das Wort sei nicht wie 'a Volleyball', sondern wie 'available' (verfügbar) auszusprechen! Und noch ein Beispiel dieser Art: Eines Tages forderte ich meine Zuhörer auf, ein Blatt Papier zur Hand zu nehmen. Meine Aufforderung hörte sich Englisch wie folgt an: 'Please take a shit of paper!' Erneut wurde meine Aussage mit schallendem Gelächter quittiert, worauf man mir zu sagen beliebte, was 'shit' (Kot) zu bedeuten habe, und dass ich sattdessen besser 'sheet' (Blatt) hätte sagen sollen. Wie peinlich!
Am meisten profitiert habe ich anlässlich der zahlreichen Einladungen nach Tokio, wo die IBM ein ähnliches Forschungsinstitut betrieb wie in Brüssel. Ich hielt dort zahlreiche Vorlesungen und benutzte die Gelegenheit, selber Vorlesungen meiner japanischen Kollegen zu besuchen. Obschon kein Japanisch sprechend, war ich überrascht, wie gut ich meine Kollegen verstand. Ich erkannte, dass diese alle wesentlichen Aussagen mit Bildern untermalten und Bilder sagen bekanntlich mehr aus als tausend Worte. Das Geheimnis also: Visualisierung von Gedankengängen zwecks Optimierung menschlichen Kommunikationsverhaltens. In der Folge machte ich mir diese Erkenntnis zur Devise, an die ich mich fortan in all meinen Vorlesungen, Vorträgen und Seminaren, aber auch als Autor mit Erfolg hielt.
In Japan hat man mir übrigens versichert, dass man eines meiner Bücher ins Japanische zu übersetzen gedenke. Voller Stolz kam ich in der Schweiz anlässlich eines Seminars darauf zu sprechen, worauf mir ein Zuhörer vor versammelter Zuhörerschaft zu verstehen gab, das sei gar nicht nötig - er habe mein deutsches Buch gelesen und dieses sei ihm japanisch genug vorgekommen! Wie liebenswürdig Menschen doch mitunter sein können!
Dass mein gewagter und mutiger Entschluss, von der Chemie auf das seinerzeit praktisch unbekannte Gebiet der Informatik zu wechseln, richtig war, beweist die Tatsache, dass ich der IBM bis zu meiner Pensionierung im Alter von 56 Jahren (d.h. 30 Jahre lang) die Treue gehalten habe. Anschliessend habe ich bis zu meinem AHV-Alter (also weitere 9 Jahre) als Berater und Dozent für Informatik selbständig weiter gearbeitet, was mir übrigens anlässlich der schweren Erkrankung meiner Gattin sehr zustatten kam (davon später).

Schliesslich ermöglichten mir meine Kenntnisse, berufsbegleitend an der ETHZ auf dem Gebiet der Informatik zu provomieren (doktorieren) und zu habilitieren (Lehrberechtigung an einer Hochschule). In der Folge hielt ich – immer noch berufsbegleitend – an der ETHZ (als Privatdozent), der Universität Zürich (als Lehrbeauftragter) wie auch an der Akademie für Militärwissenschaften der ETHZ (als Lehrbeauftragter) Vorlesungen auf dem Gebiete der Informatik.

Selbstverständlich verschickte ich nach der Geburt unserer Zwillinge Geburtsanzeigen, worauf mir ein ägyptischer Studienkollege antwortete: `Nur so weiter machen, Ramses!` Um die Aufforderung meines Kollegen zu verstehen, muss man wissen, dass der ägyptische Pharao Ramses 98 Kinder zu zeugen vermochte! Wie man mich seither in Freundeskreisen wohl zu nennen pflegt? Richtig: `Ramses`!
Übrigens: Unsere Zwillinge kamen in Brüssel zur Welt. Als sie des Gehens mächtig waren, pflegten wir jeden Samstag zum Einkauf nach Brüssel zu ziehen, wo wir das Mittagessen immer im selben japanischen Restaurant einnahmen. Dabei spielte sich jedes Mal das gleiche, pittoreske Ritual ab. So wurden wir von den Kellern, die uns mittlerweile kannten und sich bewusst waren, was ihnen bevorstand, überaus freundlich empfangen und an einen Tisch begleitet, wo bereits zwei Kindersessel bereitstanden. Was das Essen anbelangt, so gehörten für unsere Zwillinge unbedingt zwei Schalen Reis mitsamt den obligaten Essstäbchen dazu. Was sich in der Folge abspielte, entbehrt nicht der Ironie. So versuchten unsere Zwillinge den Reis zweihändig mit den Essstäbchen in den Mund zu schieben. Erfolglos - versteht sich - nachdem sie schon mit Löffel und Gabel kaum umzugehen vermochten. Folge war: Die Schalen waren schon nach kurzer Zeit leer, ohne dass indessen der Hunger unserer Zwillinge gestillt gewesen wäre. Dafüt bedeckte der Reis - einer Schneedecke gleich - den Boden. Erfreulich, dass wir von den Kellern nach wie vor überaus freundlich empfangen und verabschiedet wurden.
Meine Gattin erkrankte kurz nach meiner Pensionierung an Brustkrebs, was eine sofortige Operation erforderlich machte. Leider bildeten sich rasch Metastasen, die weitere Operationen an ihren Eierstöcken wie auch an ihrer Gebährmutter erforderlich machten. Gestorben ist sie schliesslich an einer Metastase der Leber. Während sieben Jahren hat man ihr ständig schlimmere Chemotherapien zugemutet. Erwähnenswert ist dieser Sachverhalt deswegen, weil sie - ohnehin mit einer Migräne belastet - nach jeder Chemotherapie mit fürchterlichen Kopfschmerzen während drei Tagen in der Dunkelheit das Bett hüten musste und zu keinerlei Hausarbeit fähig war. Zum Glück war ich zu jener Zeit bereits selbständig und vermochte während der Leidenszeit meiner Gattin den Haushalt zu führen und insbesondere für die Verpflegung unserer Kinder zu sorgen.
Mitunter überlege ich mir, wie ich reagieren würde, wenn mir ein Arzt eine ähnliche Krankheit wie jene meiner Gattin in Aussicht stellen würde. Zwar - so der Arzt - liesse sich mein Abtreten mit geeigneten, mich und meine Angehörigen belastenden Massnahmen hinauszögern. Eine Annahme wie gesagt, doch bin ich mir - nicht zuletzt meiner bitteren Erfahrungen mit meiner Gattin Priska wegen - sicher, dass ich mit Ausnahme einer palliativen Behandlung alles von mir weisen würde. Schliesslich habe ich dank meiner Gattin Priska gelernt, Unabänderliches zu akzeptieren und loszulassen - selbst mich selbst!

Mir fällt auf, dass ich - wann immer ich die Wahl zwischen mehreren Kandidatinnen hatte - aufgrund weniger Anzeichen auf Anhieb wusste, wer zu mir passt. Bei meiner leider viel zu früh verstorbenen Gattin Priska war es wie bereits erwähnt der Hinweis, Kindergärtnerin zu sein, woraus sich unschwer ableiten liess, dass sie - genauso wie ich - Kinder mag.
Bei meiner Lebenspartnerin Zita war es ihre überragende schriftliche Ausdrucksfähigkeit, wie auch ihre Bereitschaft, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen und abenteuerliche Wanderungen wie auch Reisen zu bestreiten. In der Folge haben wir wandernd die ganze Schweiz, sodann (auch wandernd) Japan, China, Vietnam, Thailand, Sizilien, Madeira, New York und Südafrika erkundet. Auch gegenüber Kreuzfahrten wie beispielsweise nach Dubai, Singapur, Mumbai (Bombai), Stockholm, Helsinki, Petersburg, Myanmar (Burma), San Franzisko, Hawaii etc., wie auch gegenüber Schiffsfahrten auf dem Rhein, der Donau, der Seine, der Rhone, der Mosel, der Wolga mit Besuchen in Wien, Budapest, Moskau, Köln, Berlin, Hamburg, Brüssel, Marseilles, Arles, Lyon, Paris, Honfleur etc. war sie nicht abgeneigt.
Erwähnenswert sind sicher auch die gemeinsam absolvierten, recht anspruchsvollen Tanzkurse. Auch wenn wir es nie bis zur Vollkommenheit geschafft haben, so waren besagte Tanzkurse für uns doch recht unterhaltsam. Auch diverse Kochkurse (etwa: Wie grilliert man Fisch, wie bereitet man Sushi zu, wie kocht man Fisch mit Sauce etc.) sind bemerkenswert! Auch Kochkurse, in denen wir von Fachkräften demonstrativ belehrt und bekocht wurden, ohne selber Hand anlegen zu müssen, haben uns sehr gefallen. Auch die Teilnahme an einem Hochschulverein, der sehenswerte Ausflüge in unbekannte, entlegene Gebiete der Schweiz organisierte und äusserst interessante Vorlesungen über wichtige, vor allem ältere Personen ansprechende Lebensfragen veranstaltete, vermochte uns zu begeistern.
Ich bin erschüttert und kann es nicht fassen! Nach mehr als 17 gemeinsam verbrachten, wunderschönen Jahren teilt mir Zita soeben mit, dass sie mich verlassen möchte. Und alles so plötzlich, unvorbereitet! Warum nur verschmäht sie mich und tut mir das an? Ich verstehe sie nicht! Wie kann man nur eine derart wundervolle Beziehung nach so langer Zeit abbrechen? Ob ich ihr - unbewusst - wohl etwas angetan habe? Ich bin sehr, sehr traurig! Vermutlich stören sie - genau so wie mich - meine ständig verheerenderen Altersgebresten (als da sind: Sexuelles Unvermögen, Schmerzen allenthalben, schwindendes Seh-, Hör-, Geruchs-, Geschmacks-, Gefühls-, Denk-, Erinnerungs- und Gehvermögen, nachlassende Kräfte, immenses Schlafbedürfnis) und eine schwere Rückenoperation, die all meine Kräfte zu verzehren vermochte! Unsere verflossenen, wunderbaren Jahre werden demzufolge mit Sicherheit nie wiederkehren. Selbstverständlich akzeptiere ich - wenn auch mit grossem Bedauern - Zitas Entscheid. Leider werde ich die mir verbleibende Zeit nicht mehr zu meinen glücklichen Lebensjahren zählen können! Aber wie auch immer: Ich werde Zita nichtsdestotrotz immerzu als meine Lebenspartnerin betrachten, ich werde sie weiterhin lieben, auch wenn sie mich leider verlassen hat!

Im Alter habe ich mich vor allem belletristisch betätigt und dabei unter anderem eine längst gesuchte, mittlerweile auch gefundene, mich durchwegs zufriedenstellende Antwort auf die fundamentale Frage nach der Bedeutung und dem Sinn unseres Daseins im Buch „Denken vor Glauben“ (August von Goethe Literaturverlag, Frankfurt) wie auch nachfolgend zum Ausdruck gebracht. Im Übrigen empfinde ich mein Alter - vor allem dank Zita - als recht angenehm, wenn nur die ständig verheerenderen Altersgebresten (als da sind: Sexuelles Unvermögen, Schmerzen allenthalben, schwindendes Seh-, Hör-, Geruchs-, Geschmacks-, Gefühls-, Denk-, Erinnerungs- und Gehvermögen, nachlassende Kräfte, immenses Schlafbedürfnis) nicht wären.
Nun aber zu Überlegungen, die Bedeutung unseres – notabene ungefragten – Daseins betreffend.

Was die Frage nach der Bedeutung unseres Daseins anbelangt, so ist dafür kein tiefschürfendes Hinterfragen erforderlich. So genügt der Anblick eines Friedhofs mit in der Regel einer Vielzahl von Verstorbenen, die zu Lebzeiten der Meinung waren, unentbehrlich zu sein, um uns unsere absolute Bedeutungslosigkeit überdeutlich vor Augen zu führen.
Noch markanter wird dieser Eindruck, wenn man sich vorstellt, auf einem winzigen Planeten zu leben, der von einem Mond umkreist wird und – zusammen mit sieben weiteren Planeten – unsere Sonne umrundet. Diese gehört einer milliardenfachen Ballung von weiteren Sonnen an. Man nennt derartige Ballungen Galaxien, wobei im Falle der Galaxie, die unsere Sonne mitsamt der Erde beinhaltet, von der Milchstrasse die Rede ist. Das Licht, das sich mit einer Geschwindigkeit von 300‘000 Kilometern pro Sekunde fortbewegt (also pro Sekunde 7,5-mal die Erde umkreist) soll dem Vernehmen nach 100‘000 Jahre benötigen, um die Milchstrasse – unsere Galaxie also – zu durchqueren. Dies bedeutet, dass wenn eine Sonne am äusseren Rand unserer Galaxie erlischt, so wäre dieser Sachverhalt am gegenüberliegenden Rand erst in 100’000 Jahren feststellbar. Damit nicht genug: Unsere Galaxie existiert inmitten von Milliarden anderweitiger Galaxien mit jeweils wiederum Milliarden von Sonnen und dies seit Milliarden von Jahren und vermutlich für viele weitere Milliarden von Jahren! Übrigens: Die unserer Galaxie nächstgelegene Galaxie (der Andromedanebel) liegt unglaubliche 2,5 Millionen Lichtjahre von unserer Galaxie (der Milchstrasse also) entfernt. Das bedeutet, dass zwischen unserer Galaxie und der uns nächst gelegenen bildlich gesprochen 25 aneinandergereihte Galaxien liegen. Das Universum: Zeitlich wie räumlich: Grandios und unvorstellbar!
Dass es bei dieser unendlichen Vielzahl von Sonnen auch welche mit Planeten gibt, die erdähnliche Konstellationen aufweisen, ist mehr als wahrscheinlich. Mithin dürfte Leben im Universum weit verbreitet sein!
Wo der Himmel (so es diesen überhaupt gibt) in diesem unbeschreiblich grandiosen All wohl angesiedelt ist? Oben? Unten? – gibt es nicht im Universum! Überall ist man demzufolge geneigt zu sagen, was mit Sicherheit auch nicht zutrifft. So beansprucht doch auch die Hölle (so es diese überhaupt gibt) einen mindestens vergleichbar grossen - wenn nicht sogar grösseren! - vom Himmel klar abgegrenzten Raum, ansonsten weder Himmel noch Hölle ihrer Bestimmung gerecht zu werden vermöchten. Irgendwie absurd, grotesk, unvorstellbar! Ich neige eher dazu, davon auszugehen, dass uns sowohl der Himmel wie auch die Hölle von einer Kirche suggeriert wurden und nur in unserer bescheidenen Vorstellung existieren.
Ich frage mich mitunter, inwiefern eine die absolute Unfehlbarkeit in Anspruch nehmende Kirche noch glaubwürdig ist, wenn sie vor dem geschilderten Hintergrund behauptet, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums. Welch absurder Hochmut!
So wie wir heute in Erscheinung treten, repräsentieren wir nur ein Durchgangsmodell zu Lebewesen mit noch mehr Bewusstsein und Verstand. Auch wenn sich unsere Nachfahren ständig anpassen – eine nächste Störung wird aller Wahrscheinlichkeit nach alles von dannen fegen und neuem Leben Platz machen. Ob sich eine derartige Störung mit dem Klimawandel bereits jetzt wohl wieder abzeichnet?
Und abermals zweifle ich an der absoluten Unfehlbarkeit der Kirche, hält diese doch - gegenteiliger, erwiesener Tatsachen zum Trotz - unbeirrt an der Behauptung fest, der erste Mensch namens Adam sei dank göttlichem Einfluss mit einem Schlag auf die Welt gekommen! Welch unverständlicher Starrsinn!
Einem Interview mit der Schweizer Astrophysikerin Katrin Altweg (Magazin von Pro Senectute, Nr. 1, 2024) ist zu entnehmen: ‚Angenommen, das Universum wäre genau ein Jahr alt, dann gäbe es die Menschheit seit sechs Minuten. Wenn wir nochmals sechs Minuten überleben, wäre das sehr gut. Zum Vergleich: Die Dinosaurier haben fünf Tage überlebt. Allerdings: sechs Minuten entsprechen immerhin 300 Millionen Jahren. Wenn wir so weitermachen wie bisher, machen wir keine sechs Minuten mehr, sondern nur noch ein paar Sekunden. Sicher ist: Es wird ein Ende der Menschheit geben! Wie bereits angedeutet: In den letzten 500 Millionen von Jahren gab es fünf Mal ein grosses Aussterben. Und bei globalem Aussterben nimmt es immer zuerst die grossen, “obersten“ Lebewesen, die am meisten Ressourcen konsumieren. Das letzte Mal waren es die Dinos, das nächste Mal sind wir an der Reihe. Wenn wir nun davon ausgehen, dass es jeweils 100 Millionen Jahre dauert, bis eine globale Katastrophe geschieht, so haben wir statistisch gesehen noch zirka 30 bis 40 Millionen Jahre.‘
Aber zurück zu bescheideneren Verhältnissen:
Vor meiner Geburt hat es mich während Milliarden von Jahren nicht gegeben, weshalb ich absolut keine Verdienste zu erzielen vermochte. Alsdann folgte eine verschwindend kurze Zeit, mir die Gelegenheit bietend, zu agieren und zu einer marginalen Bedeutung zu kommen. Nach meinem Ableben wird diese aber mit Sicherheit während vermutlich weiteren Milliarden von Jahren von niemandem mehr wahrgenommen (was mir eigentlich völlig bedeutungslos erscheint).

Vor dem geschilderten Hintergrund erscheint jedes zeitliche Ereignis völlig bedeutungslos.
Allerdings: Was mich persönlich betrifft, so ist für mich insofern bedeutsam, als ich mir meiner absoluten Bedeutungslosigkeit, ja Nichtigkeit dank meiner Anblicke auf Friedhöfe, meiner gedanklichen Ausflüge ins Universum wie auch in die Menschheitsgeschichte mit aller Deutlichkeit bewusst geworden bin. Höchst willkommen ist dabei, dass mit dieser Einsicht eine wohlige Gelassenheit, Abgeklärtheit, Zuversicht und Zufriedenheit einhergeht. Auch verspüre ich eine willkommene Horizonterweiterung wie auch eine hohe Toleranzbereitschaft, ja selbst Demut und Dankbarkeit machen sich bemerkbar. Lauter Eigenschaften also, die vor allem im Alter ausserordentlich willkommen sind!
Nun aber zur Frage nach dem Sinn unseres Daseins.

Ob die Verheissung der Kirche, derzufolge ich nach meinem Abtreten je nach Lebenswandel seelisch entweder im Himmel oder aber in der Hölle anzutreffen sein werde, wohl zutrifft?
Ich erinnere mich, dass ich einem Priester einmal die Frage gestellt habe, ob der Seele menschlich ein Organ zugrunde liege, vergleichbar mit dem Gehirn, welchem der Geist zu verdanken ist.
'Mitnichten', antwortete mir der Priester, 'die Seele wird einem bei der Taufe von einem Priester eingehaucht!'
Ich: 'Und was passiert alsdann mit der Seele?'
Priester: 'Die Seele wird nach unserem Tod je nach Lebenswandel von Gott im Himmel (allenfalls erst nach erfolgter Läuterung im Fegefeuer) oder dem Teufel in der Hölle in Empfang genommen!'
Ich hinterfrage: Ein von einem fremden Menschen stammender Hauch soll sich in mir zur Seele wandeln, um dereinst je nach Lebenswandel von Gott oder dem Teufel in Empfang genommen zu werden? Ich erwäge: Eine Vorstellung, die nur mit dem Glauben (allenfalls mit einer übergrossen Portion an kindlicher Phantasie), niemals aber mit dem Verstand zu akzeptieren ist. Für mich eine absolute Illusion.
Übrigens: Genauso verbietet mir der Verstand, an die von der Kirche praktizierte Wandlung von Wein und Brot in das Blut und den Leib Christi zu glauben!
Ich begehre vom Priester weiter zu wissen: ‚Und was passiert mit einem Säugling, der vor der Taufe verstirbt?‘
Priester: ‚Der Säugling kommt in einen Vorhimmel.‘
Ich: ‚Nur, was genau kommt in einen Vorhimmel, nachdem dem Säugling nichts, mithin auch keine Seele eingehaucht wurde?‘
Leider blieb mir der Priester eine Antwort schuldig!
Ich hinterfrage erneut: ‚Auf der Welt leben schätzungsweise 7 Milliarden ungetaufte Menschen. Was passiert dereinst mit diesen?‘
Priester: ‚Sie können der Barmherzigkeit Gottes gewiss sein, sofern sie einen gottgefälligen Lebenswandel geführt haben.‘
Ich: ‚Was genau kann der Barmherzigkeit Gottes gewiss sein, nachdem auch diesen ungetauften Menschen kein Hauch zuteilwurde und demzufolge auch keine Seele zu Gott in den Himmel gelangen konnte. Zudem: Wie sollen diese Menschen überhaupt wissen, was ein gottgefälliger Lebenswandel zu bedeuten hat?‘
Leider blieb mir der Priester abermals eine Antwort schuldig!
Imponderabilien (Unwägbarkeiten) sonder Zahl!
Ich hinterfrage, wäge ab, verwerfe, akzeptiere und komme zur Überzeugung, dass mich mein Schöpfer bis ans Ende aller Zeiten gewähren lässt, indem er mich dereinst nach Massgabe der mir zugrunde liegenden Atome immerzu in Neues – belebter und unbelebter Natur – einfliessen lässt. Ist der Gedanke nicht tröstlich: Ich verschmelze dereinst zur Gänze mit der Natur, so als hätte es mich nie gegeben. Mir genügt das – mehr brauche und begehre ich nicht! Zudem: Wofür sollte mir – besser: der mir angeblich eingehauchten Seele – dereinst Besseres zuteilwerden?
So betrachtet erübrigt sich im Grunde genommen der von der Kirche propagierte Gott (bzw. Teufel), der die mir angeblich eingehauchte Seele bei gutem (bzw. schlechtem) Lebenswandel dereinst in Empfang nehmen soll.
Offenbar besteht der Sinn des Lebens darin, am atomaren Kreislauf teilzunehmen, d.h. aus Atomen des Universums hervorzugehen und dereinst atomar ins Universum zurückzukehren. Damit verschiebt sich aber der Fokus der Frage nach dem fundamentalen Sinn. Nicht mehr die Frage nach dem Sinn des Lebens, sondern nach dem Sinn des Universums gilt es zu beantworten. Angesichts dessen Dimensionen – zeitlich wie räumlich – wie auch unserem doch recht bescheidenen Denkvermögen, wird uns eine Antwort darauf wohl für immer erspart bleiben!

Ich denke (besser: ich weiss, ich bin überzeugt): Die Vorstellung, wonach die Seele einem menschlichen Hauch zu verdanken sein soll, ist mit zu vielen Ungereimtheiten (Imponderabilien) behaftet. Demzufolge: Gott wie auch der Teufel im Sinne der Kirche als mögliche, künftige Empfänger der uns angeblich eingehauchten Seele sind eine Illusion und es gibt sie nicht!
Ich glaube (d.h. ich nehme an, bin mir aber - mangelnder Beweise wegen - nicht sicher): Gott als Schöpfer ist unentbehrlich, muss doch nach menschlichem Ermessen alles Existenzielle einen von einer höheren Macht geschaffenen und in Gang gesetzten Ursprung haben!
Erstaunlich ist, dass ich wiederholt auf Meinungen namhafter Zeitgenossen gestossen bin, die meine doch nicht alltäglichen Aussagen vollumfänglich teilen. Beispielsweise antwortete der bekannte frühere Nationalrat und Onkologe Franco Cavalli (sein Sohn ist mit 14 Jahren in der Maggia ertrunken) ganz im Sinne der vorausgegangenen Ausführungen im Magazin des Tages Anzeigers vom 8. Juni 2024 auf die Frage: „Ihr Schicksalsschlag, die vielen todkranken Patienten, ihr vorgerücktes Alter – das könnten doch Gründe sein, um religiös zu werden?“ kurz und bündig: „Was ich glaube, ist: Es gibt nichts als Materie, wir leben in einem bedeutungslosen, unendlichen Weltall, sterben und fertig. Es ist nicht leicht, so zu denken. Irgendwann werde ich meinen Sohn im Jenseits wiedersehen – dieser Gedanke wäre damals ein grosser Trost gewesen. Aber ich glaube nicht daran.“
Allerdings: „Und fertig“ stimmt meines Erachtens nicht ganz, haben wir doch zur Kenntnis genommen, dass wir nach Massgabe der uns zugrunde liegenden Atome bis ans Ende aller Zeiten am Schöpfungsakt beteiligt sind!
Oder: Auf die Frage, ob er an Gott und das Paradies glaube, antwortete der bekannte Astronaut und Psychiater Piccard: „Ja, ich glaube an einen Gott, der die Menschen und die Erde erschuf. Aber ich glaube nicht an den Gott, den sich die Menschen erdacht haben. Denn Gott ist doch eine ganz andere gigantische und grossartige Dimension – wir können ihn uns einfach nicht vorstellen.“
Erfreulich ist, dass die vorstehenden Gedanken geeignet sind, zermürbende Angst- und Schuldgefühle religiöser Art abzustreifen, vor allem aber Gelassenheit, Abgeklärtheit, Zuversicht und Zufriedenheit zu erlangen und damit einhergehend zusehends verheerendere Altersgebresten (als da sind: Sexuelles Unvermögen, Schmerzen allenthalben, schwindendes Seh-, Hör-, Geruchs-, Geschmacks-, Gefühls-, Denk-, Erinnerungs- und Gehvermögen, nachlassende Kräfte, immenses Schlafbedürfnis) zu tolerieren und unserem finalen Erlebnis – unserem Ableben also – ohne Befangenheit und Besorgnis entgegenzuschauen!





