Zurzeit sind 563 Biographien in Arbeit und davon 337 Biographien veröffentlicht.
Vollendete Autobiographien: 212

Aus Erzählungen meiner Mutter weiss ich, dass ich es sehr eilig hatte, das Licht der Welt zu erblicken. Während der Taxi Fahrt ins Spital St.Gallen tobte ein massiver Schneesturm. Auch ist mir bekannt, dass ich notgetauft wurde. Ich nehme an, dass es aus gesundheitlichen Gründen erfolgte. Früher herrschte noch die Meinung, dass ungetaufte Kinder im Todesfall nicht in den Himmel kommen , sondern in der Höhle oder zumindest im Fegefeuer schmoren würden.
Meine Grossmutter väterlicherseits hiess Anna, eine Schwester des Vaters ebenso. Vielleicht existierte auch eine Maria. Ich nehme an, das war der Ursprung der Namensgebung.
Ich war nie richtig glücklich mit meinem Namen,entweder wurde er verniedlicht,Anneli; oder in Anna umgemünzt, beides gefiel mir nicht.
Meine Kindheit fand in den in den fünfziger Jahren statt. Ich entsinne mich an Bauern, welche auf den Feldern arbeiteten.Es waren noch Pferde im Einsatz für die Arbeit, jedoch auch schon kleine Traktoren.An ein emotionall gravierendes Erlebnis erinnere mich gut. Ein Begräbniss im Dorf,der Leichenwagen wurde durch Pferde durch das Dorf gezogen, die Trauergemeine und Bevölkerung marschierten hinterher. Das war meine erste Wahrnehmung mit dem Tod und sehr beängstigend.
Eine meiner ersten sehr positiven Erinnerungen an die Kindheit war der Besuch des Kindergartens, wo es viele Spielsachen und Puppen hatte.Etwas, was zuhause sehr spärlich vorhanden war.
Meine Paten habe ich nie kennengelernt, was ich oft schmerzlich vermisste. Ich erinnere mich an ein Twinset als Weihnachtsgeschenk, welches damals höchstmodern war. Ansonsten besassen wir 5 Kinder keine neuen Kleider.
Ich erinnere mich an eine Situation, als ich meinen Vater zum erstenmal Tränen vergiessen sah. Unser Hund Zita war beim nächtlichen Spaziergang angefahren worden und verstarb. Ich sehe die Scheune noch vor mir, die Situation war sehr bedrückend.Unser Vater war ansonsten eher introvertiert und zeigte keine Gefühle.
Ich habe 4 Geschwister, bin die zweitälteste. Wie hatten alle einen guten Zusammenhalt, was der Mutter zu verdanken war. Trotz der misslichen finanziellen Verhälnisse hat sie es geschafft, uns Kindern ein liebevolles Zuhause zu schaffen.
Wir wohnten jeweils in alten Bauernhäusern zu günstigen Mitzinsen, jedoch ohne Bad und Heizung. Einzig in der Wohnstube gabs einen Kachelofen, welcher zuerst extrem heiss war und dann wieder abkühlte. Also keine konstante Wohlfühltemperatur. Die drei Mädchen teilten ein einfaches Zimmer,drei Betten und ein Schrank.Im Winter eisig kalt, sodass ich oft in den Kleidern geschlafen habe.
In der Küche gabs noch einen Holzkochherd mit einem Wasserschiff, das war der Warmwassertank für den ganzen Haushalt. Daneben stand ein Elektoherd, worauf auch gekocht wurde. Es gab eine Schnellkochplatte, welche im Nu erhitzt war. Diese durfte jedoch nicht oft genutzt werden, weil dadurch dir Stromkosten höher wurden.
Aus der Küche führte eine Holztreppe in den oberen Stock zu den Schlafräumen. An die Steinbodenplatten erinnere ich mich gut, ebenso der Schüttstein, welcher auch aus Stein war. Es floss nur kaltes Wasser aus dem Hahnen.
Draussen hatte es viel Platz. Eine Steintreppe führte zum Eingang, direkt in die Küche.
Während einigen Jahren wohnten italienische Gastarbeiter in einem Zimmer neben der Küche. Sie wurden vom Vermieter zugeteilt. Es ist mir nicht bekannt, ob dadurch die Miete günstiger wurde. Ich schätzte deren Anwesenheit gar nicht, sie kochten wohl selber in Ihrem Zimmer, jedoch nutzten sie unseren Schüttstein, um Ihr Geschirr zu waschen.
Gespielt haben wir oft Versteckspiele und Fangspiele.Wir waren oft draussen. Im Haus erinnere ich mich an Eile mit Weile, später dann auch Monopoly.
Bücher gab es keine im Haushalt, jedoch erinnere ich mich an Zeitschriftenabonnements.
Fernseher waren noch nicht verbreitet, im Dorf besassen nur vereinzelte Familien ein Gerät.Wir durften dort jeweils bestimmte Sendungen schauen. Ich erinnere mich an Lassy und Fury. Es brauchte jeweils Überwindung, nach der Sendung wieder aufzustehen und das gastliche Haus zu verlassen.
Ich erinnere mich an mein Schulsingbuch. Die Bücher mussten jeweils am Ende des Schuljahrs wieder abgegeben werden.Es war ein wundervoller Frühlingstag, ich sass auf einer Wiese und habe mich durch das Buch gesungen. Ich hätte es gerne behalten, besass ich doch keine eigenen Bücher.
Angst hatte ich, wenn ich mit meinen jüngeren Geschwistern ins Nachbardorf zum Metzger laufen musste. Ich fühlte mich verantwortlich und hatte immer Angst, dass etwas passieren könnte. Wir mussten an einem Wäldchen vorbei, das war mir immer unheimlich.
Kinderkrippen gab es keine, wir haben gegenseitig auf uns aufgepasst.Wobei ich als ältestes Mädchen schon mehr Verantwortung tragen musste.
An den Wechsel der Jahreszeiten erinnere ich mich gut. Es hatte noch sehr viel Schnee, die Sommer waren heiss. Wir hatten sogar noch Hitzefrei in der Schule.Wir haben geschlittelt mitten im Dorf, die Schlitten aneinander gehängt und in einem rasenden Tempo die Strasse hinunter. Abgesperrt war nichts, es gab nur sehr wenige Autos.Jedoch erinnere ich mich an einen Unfall mit Kopfverletzungen, welcher dabei passierte. Betroffen war war ein Junge namens Kurt, dunkle Haare , braune Augen.Ich erinnere mich auch, dass dieser Junge unter Asthma litt, worunter ich mir zu diesem Zeitpunkt gar nichts vorstellen konnte. Er war einfach irgendwie anders in meiner Erinnerung.
Weihnachten wurde in unserer Familie immer mit geschmücktem Baum gefeiert.Es gab auch Geschenke,lauter nützliche Sachen. Warme Socken, Pyjamas. Schulttornister. Zur Bescherung wurden wir Kinder mit einem Glöcklein in die weihnachtliche Stube gerufen.Das war wunderschön,Zum Essen gabs meistens gefüllte Pastetli, ein Festessen für uns.
Kindergeburtstage wurden nicht gefeiert, das war noch nicht so üblich.Ich erinnere mich an gar keinen Geburtstag , der als spezieller Tag gefeiert wurde.
Wie haben eure Mahlzeiten ausgesehen?

Wir waren 5 Kinder und das Budget allgemein war klein. Wir assen viel Kartoffeln. Ich erinnere mich gut an Röschti, welche durch den ältesten Bruder nch seinem Landdiensteinsatz jweils schon zum, Frühstück verzehrt wurde. Dann gab es Apfelrösti, also geröstetes Brot mit Apfelstückli. Das war nicht mein Lieblingsessen, Ich bevorzugte rezentes. Aus der Käserei gabs manchmal, eher selten , ein Stück Tilsiter oder Appenzellerkäse. Den liebte ich heiss und habe jeweils auf dem Rückweg nach Hause bereits ein rechtes Stück abgebissen.In meiner Erinnerung wurde ich nie gescholten, meine Mutter war sich wohl bewusst, dass dieser Käse für mich ein besonderer Genuss war. Zu jener Zeit ging man noch täglich in die Milchhütte, wo die Bauern die Milch ablieferten und die Kunden jeden Tag frische Milch im Kesseli nach Hause trugen.In der Milchhütte duftete es immer fein, es gab auch die, für uns sehr teuren ToniJoghurts. Die gab es nur sehr, sehr selten.Erst als der Migrowagen ins Dorf kam, gab es für uns Erdbeer und Naturjoghurt.
Das Kaffepulver zum Zmorgekaffe wurde in kochendes Wasser geschüttet und dann in einen Krug umgeleert. Der Satz sammelte sich am Boden, deshalb wurde der Kaffee sehr sorgfältig eingeschenkt, um möglichst wenig Kaffesatz mitzutrinken. Für mich speziell wichtig, da ich den Geruch der gekochten Milch überhaupt nicht mochte und deshalb als Frühstücksgetränk den Kaffe rabenschwarz getrunken habe.
Das Brot kauften wir immer in 1 bis 2 Kilo Laibern in einem kleinen UsegoLaden im Dorf.Bäcker gab es keinen. Das Brot war immer sehr schnell gegessen, je frischer es war.
Das Häueli, wir der Erstanschnitt hiess, war das Lieblingstück des ältesten Bruders und meistens bekam er es.
Teigwaren gab es sehr selten, ich denke, unsere Grundnahrung bestand aus Kartoffeln, welche ich heute noch liebe.
Die Kleider wurden selten neu gekauft, nur zu speziellen Anlässen wie Firmung oder wenn etwas wirklich nötig war. Wir besassen nir mehrt als ein paar Schuhe, welche dann jeweils von den Geschwistern weiter getragen wurden.
Ich erinnere mich an meine Firmung. Da wurde auf Kosten meiner Firmpatin ein Kleid für mich geschneidert, in einem wunderschönen himmelblau. Für mehrere Anproben musste ich bei der Schneiderin vorbei zur Anprobe.
Bei einem weiteren kirchlichen Anlass trugen wir drei Mädchen alle die selben blauen Manchesterjupes, wobei ich nicht weiss, wie das finanziert wurde. Eines der wenigen Fotos aus der Kindheit zeigt uns fünf auf einem Mäuerchen sitzen, neben dem Haus der Grossmutter, welche wir an diesem Tag wohl besuchten.
Wer und wie waren deine Spielkameraden?

Spielkameraden waren die Dorfkinder.Wir spielten auf dem Dorfplatz, es gab einen grossen Dorfbrunnen.Unsere Spiele waren Versteckis und Völkerball. Den liebte ich heiss.
Wer waren die Nachbarn? Kanntest du/kanntet ihr sie gut?

An unsere Nachbarn erinnere ich mich nicht im spezielllen, ausser an eine alte Frau, welche mehrere Katzen hatte, welche täglich mit Hackfleisch und Hörnli gefüttert wurden. Das habe ich damals überhaupt nicht verstanden, weil wir sehr selten Fleisch bekamen und nur in kleinen Portionen.
Wer war für dich die einflussreichste Person?

Als einflussreichePerson würde ich rückblickend den Lehrer und Pfarrer nennen.Das waren noch absolute Autoritäten. Wobei ich mich gut an den Lehrer erinnern kann. Er konnte sehr laut werden, vor allem, wenn er vom Militärdienst zurückkam. Seine Wohnung befand sich oberhalb des Klassenzimmers und mann konnte seine dröhnenden und polternden Schritte im Klassen zimmer gut wahrnehmen. Der Lehrer hatte auch die Angewohnheit, als erzieherische Massnahme den Rohrstock einzusetzen, vor allem bei den Buben. Mein jüngerer Bruder kam oft zum Zug, da er eher rebellisch war und Mühe mit Autoritäten zeigte. Ich habe mich immer der Situation angepasst.Es war eine Gesamtschule, dass heisst erste bis sechste Klasse in einem Raum.Als der jüngste Bruder in die erste Klasse kam, war sowohl der älteste als auch ich als mittlere im selben Raum.Der älteste hat sich vermutlich wie ich den Umständen angepasst, ich entsinne mich nicht, dass er oder ich je in den zweifelhaften Genuss des Rohrstocks kamen. Auch die beiden jüngsten waren beim selben Lehrer.Das heisst , als die jüngste eingeschult wurde, war ich bereits inder sechsten Klasse und erinnere mich gar nicht , dass die beiden irgenwie aufgefallen sind.
Was für Kontakte hattet ihr mit euren Verwandten? Gab es unter diesen solche, die dir damals oder auch später besonders nahe standen?

unser Kontakt mit Verwandten beschränkte sich auf ein Minimum.Wir besassen kein Auto .Auch sonntägliche Ausflüge fehlen fast gänzlich in meiner Erinnerung.Ausser einer Wanderung, wo wir als grosses Erlebniss in eine Beiz einkehren durften und jeweils ein Fläschli Orangina teilten. Ein Schwager von unserem Vater erschien gelegentlich mit seinem DKW, war also stolzer Autobesitzer. Seine Frau war schwer krank, ist dann auch bald gestorben.
Dann war da noch Onkel Oskar, ein Bruder unseres Vaters. An Ihn hab ich nur gute Erinnerungen. Von Ihm kamen regelmässig Weihnachtspakete mit Schokolade, welche bei uns hochwillkommen waren. Da Schokolade bei uns nicht zum Alltag gehörte. Von seinen Töchtern kamen später auch regelmässig Sendungen Kleidern. Die meisten waren neuwertig und ich als Älteste habe mich immer darauf gestürzt und mich bedient.
Diese Cousinen waren etliche Jahre älter als wir. Deren Mutter war im damaligen Glarner in Schaffhausen in einer leitenden Position tätig und hatte von daher bestimmt bessere Einkaufsoptionen. An ein Kleid erinnere ich mich im speziellen, es war aus einem Brokatstoff gefertigt und passte mir wie angegossen. Nur leider nicht unbedingt das passende für den ländlichen Alltag. In meiner Erinnerung habe ich es oft getragen, vermutlich auch in der Schule.Was garantiert Reaktionen auslöste.Es war noch üblich, dass die Mädchen Schürzen trugen.Auch ersichtlich auf einem der wenigen Klassenfotos, die noch in meinem Besitz sind.
Da wir keinen Kontakt pflegten als Familie, lernten wir unsere Cousinen leider auch nie richtig kennen. Der einzige Cousin kam in jungen Jahren bei einem Flugzeugunglück ums Leben. Den Onkel habe ich als alten Mann ab und zu in Schaffhausen angetroffen, habe jedesmal mit Ihm ein paar Worte gesprochen.Jedoch wirklich eng war der Kontakt nie. Einmal erzählte er mir, er sollte eigentlich seinen Leistenbruch operieren, war jedoch nicht sehr motiviert.
Einmal besuchte ich Ihn im Spital, er hatte eine Streifung und keinen Lebenswillen mehr. Ich weiss nicht mehr, woher ich die Information seines Gesundheitszustandes hatte, vermutlich von Tante Meta, seiner Schwester, welche zu diesem Zeitpunkt noch lebte.Bei diesem Besuch redete er nicht mehr, jedoch dankte ich Ihm nochmals für seine von uns sehr geschätzten, regelmässigen Weihnachtspäckli. Er reagierte mit einem warmen Händedruck. Die Beerdigung war im ganz kleinen Rahmen, ich erinnere mich nicht an eine Todesanzeige.
Auch zu Tante Meta war der Kontakt nicht besonders eng. Sie lebte mit unserer Grossmutter, also der Mutter vom Vater zusammen im Nohl. Im gleichen Haushalt lebten auch mehrere Katzen, welche durch eine massiven Duftmarke in der ganzen Wohnung präsent waren.
Dort feierten wir mehrere Weihnachten mit belegten Schinkenbroten oder gefüllten Pastetli unter sehr beengten Platzverhältnissen. Trotzdem haben wir diese Kontakte mit Familie sehr genossen. Einmal waren auch unsere Cousins dabei, sie kamen uns sehr erwachsen vor.

Unsere Mutter war eine Persönlichkeit, bescheiden , freundlich und hilfsbereit. Sie hat den "Charren" gezogen mit den fünf Kindern, da unser Vater dazu nicht in der Lage war. Aus verschiedenen Gründen.
Glücksmomente mit der Mutter waren die, wenn ich mal allein mit Ihr war und Ihre Aufmerksamkeit nicht zu teilen brauchte. Seltene Momente der Zweisamkeit. Auch als ich im Welschlandjahr war,waren Ihre Telefonanrufe im 2 Wochen Rhytmus immer ein Glücksmoment für mich, den ich durch möglichst lange Telefonate zu verlängern trachtete. Sie telefonierte jeweils vom Spital, wo sie Nachtwache machte, da wir zuhause erst später in den Genuss eines eigenen Telefonanschlusses kamen. Die Nummer weiss ich noch heute auswendig. Auch dass unsere Mutter sich immer mit Name und Wohnort meldete:)
Wenn ich an meine Mutter denke, empfinde ich Hochachtung und Respekt.Einbe starke Frau, die aus den Gegebenheiten das Beste machte.
Ich weiss nicht allzuviel von Ihr, sie war wohl vollauf damit beschäftigt, den Alltag zu meistern, sodass wenig Energie und Zeit blieb. über Gewesenes nachzudenken.
Was ich sicher von Ihr weiss,, dass sie sie sehr früh Ihre Mutter verlor und Ihr Vater nochmals heiratete. Sie hatte eine schwere Jugend, kannte auch nagenden Hunger, weil viel zuwenig essen für die zahlreiche Kinderschar da war. Die zweite Frau des Vaters brachte auch Kinder mit in die Ehe und diese wurden wohl bevorzugt- Aus Erzählungen meiner Mutter weiss ich, dass sie oft hungrig zur Schule musste, ein langer Schulweg mit hungrigem Bauch. Es gab in Ihrer Klasse Kinder, welche immer feine Pausenbrote dabei hatten.Sie hatte nichts, nur einen knurrenden Magen. Einmal hat sie ein Znünibrot gestohlen, das hat sie noch lange sehr beschäftigt.Jedoch war Ihr Hunger zu gross, um der Versuchung zu wiederstehen.Sie wusste jedoch genau, dass gesündigt hatte.
Im Krieg arbeitet sie als Krankenschwester in Linz, war dort eine gefragte Assistenz eines Augenchirurgen. Die Ausbildung als Krankenschwester hat sie in einem strengeführten Kloster absolviert. Ihre Schwester trat auch in dieses Kloster ein und verbrachte Ihr Leben dort. Es wurden Ihr nur sehr wenige Besuche zu Hause erlaubt. Im Spital in Linz wurden viele Kriegsversehrte behandelt und die Arbeit hat Ihr sehr gefallen. Aus dieser Zeit hatte sie noch Anerkennungschreiben der Klinik,welche Ihr sehr viel bedeuteten.Wenn sie vom Krieg erzählte, waren das bedrückende Erinnerungen.Hunger war immer wieder ein Thema. Lebensmittel waren für sie nie selbstverständlich, sie lehrte uns Kinder Respekt und Dankbarkeit gegenüber der Nahrung. Es wurde nichts weggeschmissen. Vor dem Essen haben wir als Kinder immer ein Tischgebet gesprochen, bis dieses Ritual irgendwann verloren ging.
Wie würdest du sie beschreiben?

Sie war eine eine intelligente,kluge, warmherzige Frau. Wir Kinder waren Ihr das Wichtigste. Wir fühlten uns geliebt trotz der nicht immer einfachen Umstände geborgen .
Als Mutter war sie der absolute Mittelpunkt ,wir wurden nie gezüchtigt, sie hat einzig mit Worten Ihre Traurigkeit über unser Verhalten , unser Streiten ausgedrückt. Das hat immer gereicht, um uns zu stoppen.
Was waren ihre herausragenden Eigenschaften?

Sie hatte eine grundsätzlich positive Einstellung zum Leben. Wir haben auch viel gelacht, hatten oft andere Kinder im Haus.
Was habt ihr alles zusammen unternommen?

Unternommen haben wir nicht wirklich viel zusammen, sioe war beschäftigt mit Haushalt Kochen . Daneben arbeitete sie viel bei Bauern auf dem Feld. Auch hatte sie Putzstellen.
Sie musste dringend dafür sorgen, dass etas Geld ins Haus kam, da vom Vater nicht viel hereinkam.
Ich erinnere mich lebhaft, als ich meine erster Mens bekam, ich war etwa 13 Jahre alt. Hatte keine Ahnung, was das war und habe mich an sie gewandt. Sie sagte mir, dass ist jetzt so, das kommt jetzt jeden Monat, das war die ganze Aufklärung. Ich bekam Watte als Unterlage, im nächsten Monat hatte sie mir bereits richtige Binden bereitgelegt.
ich erinnere mich gut, dass ich die seltenen Abendspaziergänge mit Ihr sehr genossen habe.Ich versuchte dann jeweils hartnäckig, etwas darüber zu erfahren, weshalb Mädchen die Mens bekommen und Buben nicht. Auch insitierte ich sehr, wie das den funktioniert, wenn Kinder gemacht werden. Da war Ihr sehr peinlich,auch Ihre Antwort mehr als ausweichend. ich würde es dann schon sehen.. Es war natürlich ein andere Zeit, innerhalb der Familie sahen wir uns auch nie nackt.
Meine Mutter war Krankenschwester, eine sehr geschätzte. Als ich zwölf war, ist sie wieder in den Beruf eingestiegen, als Nachtwache im Spoital Winterthur. Das hiess, sie musste die Familie um sechs Uhr abend verlassen, mit dem Velo nach Henggart zum Bahnhof fahren , dort auf den Zug und dann zu Fuss ins Spital laufen.
Hobbies konnte sie aus Zeitgründen keine pflegen, sie hat aber gerne gesungen und auch getanzt., jedoch selten Gelegenheit dazu gehabt. Im übrigen nutzte sie die Dorffester auch zum Geld verdienen, indem sie im Servicc arbeitete.Das wiederum gab meinem Vater Anlass zu Eifersüchteleien.Er sass in der Beiz und liess sich bedienen, das realisierten natürlich die Dorfbewohner und stichelten gegen ihn. Mutter war charmant, bekam Trinkgeld und sicher auch manches Kompliment zu hören.
Kennengelernt haben sich die Eltern in St. Gallen. Meine Mutter kam nach dem Krieg in die Schweiz, es wurden dringend Krankenschwestern gesucht. Zu diesem Zeitpunkt war mein Vater bereits das erste Mal geschieden und hatte einen kleinen Sohn.
Wenn ich an Vater denke, sind das Gefühle aus Mitleid, Verständnis aber auch Groll über sein Verhalten. Nur wenige positive Erinnerungen sind geblieben. Er arbeitete sehr gerne in der Pünt, das war ein gemieteter Pflanzblätz.Doer erinnere ich mich an sonnige Nachmittag, recht harmonisch und Vater war in seinem Element. Er zog die Gartenbeete schnurgerade, richtig pefektionistisch. Dorthin fuhren wir mit Veloanhänger, Werkzeug und Verpflegung.Im Anhänger fuhr die Kleinste mit. wir andern mussten laufen.
Ein weiteres positves Erlebnis war ein Sonntagsspaziergang im Wald, wo irgendwo eingekehrt wurde. Ein sehr seltenes Erlebnis.
Er war sicher von den zwei Weltkriegen geprägt. Im ersten verlor er als 10 jähriger Bub seinen Vater und die Familie den Ernährer. Das war auch der Grund, weshalb er keine Ausbildung machen durfte, sondern möglichst rasch Geld verdienen musste, um die Familie durchzubringen.Er hatte noch einen Bruder, Oskar und eine Schwester ,Anneli. Im zweiten Weltkrieg stand im Einsatz zur Landesverteidigung. Da posierte er auf den alten Bildern als schmucker Soldat.
Wie würdest du ihn beschreiben?

Wenn ich zurückdenke, wie ich ihn als Kind empfunden habe,war immer eine Prise Angst dabei, wenn er spätabends alkoholisiert nach Hause kam, was die Regel war. Wir Kinder verhielten uns dann immer mucksmäuschenstill. Wir hörten ihn oft poltern und auch Geschirr rumschmeissen, was mir schon sehr Angst machte.
Vor allem konnte ich sein Handeln nicht verstehen, er befand sich vorwiegend in den Beizen, besass ein Generalabonnement und reiste in der ganzen Schweiz herum als Vertreter.Die Mutter chrampfte bis zum Umfallen und er behandelte sie richtig abschätzig.
Aus heutiger Sicht sehe ich das so, dass er grosse Mühe hatte,zu akzeptieren, dass er nicht in der Lage war, seine Familie zu ernähren und stattdessen die Mutter gezwungenermassen diese Funktion übernahm. Er war immer in Schale gekleidet, und marschierte so durchs Dorf zum Bahnhof. Das fiel natürlich in den Bauerndörfen natürlich besonders auf und gab Anlass zu Gerede. Zumal er sich meist in den späten Vormittagsstunden auf dern Weg machte.
Was waren seine herausragenden Eigenschaften?

Herausragende Eigenschaften sehe ich eigenlich keine.Er war ein Opfer seiner Zeit. Er war sehr intelligent, wäre gerne irgendwo in Führungsposition gewesen, jedoch war ihm dies aufgrund mangelnder Schulbildung verwehrt. Unterordnung fiel ihm sehr schwer, er wusste wohl viel, jedoch konnte er nicht mit Auroritäten umgehen, wenn sie seiner Meinung nach viel weniger Wissen als er hatten. Das führte immer wieder zu abrupten Stellenwechseln.
Was habt ihr alles zusammen unternommen?

An eine Situation erinnere ich mich speziell, wo ich mich an ihn direkt wenden musste.
Ich hatte in der Sekundarschule die Probezeit nicht bestanden .was für mich sehr schlimm war. Nun bestand meine Mutter daruf, dass ich es dem Vater selber mitteillen müsse.
In diesen Sommerferien hatte ich mich verpflichtet, zwei Wochen im Tessin in einer Jugendherberge zu arbeiten, jeweils morgens, gegen Kost und Logis. Nachmittags war frei und ich konnte baden im See. Nun war die Abmachung, dass Vater mich besuchen sollte uns ich ihn dann informieren sollte. ich erinnere mich an einen Spaziergang im Sonnenschein, wo ich mit der Information herausrückte, was mir sehr schwer fiel. Wobei seine Reaktion recht gelassen war, ich weiss auch nicht , ob er im Vorfeld bereits Bescheid wusste. Sonst erinnere ich mich nicht, dass ich mich je an Ihn gewandt habe mit irgendwelchen Problemen.
Welches war der Beruf deines Vaters bevor er heiratete? Hat er später seinen Beruf gewechselt?

Da er keinen Beruf erlernt hat, war er immer in Hilfsjobs tätig, vorwiegend als Vertreter.
Seine Leidenschaft war sicher der Garten, die Pünt. Auch besass er eine Werkbank, wo er irgendwas werkelte. Weiss aber nicht mehr was. Mein Bruder erzählte mir, dass er sich sehr gut erinnere, dass der Vater ihm ein Velo himmelblau angemalt hat. Ich habe keine Erinnerung daran.

Die Ehe der Eltern war eine eher einseitige Zweckgemeinschaft, zu Beginn sicher Liebe. Jedoch hatte mmeine Mutter zuviel durchgemacht mit ihm, auch in finanzieller Hinsicht.
Rechnungen hat mein Vater oft gar nicht geöffnet, sondern schön säuberlich eine Beige auf seinem Schreibtisch angelegt.Er hatte immer ein eigenes Zimmer, welches er als Studierzimmer betitelte. Dort hielt er sich auf, wenn er zuhause war. Er las viel, und wusste auch viel.Laut meinen Geschwistern konnte man ihn alles fragen, er hat recherchiert und dann die Antwort geliefert. Ich entsinne mich gar nicht an solche Vorkommnisse, sondern hatte sehr Mühe damit, dass er soviel Platz , ein eigenes Büro, hatte. Dabei aber ausser viel Schreibkram nicht viel herauskam.Er führte jedoch säuberlich Buchhaltung von seinen Reisen und Verkäufen als Vertreter. Wobei die Kosten, bedingt durch auswärts essen und häufige Wirtschaftbesuche, eher höher ausfielen als die Einnahmen.
Fakt war, dass sich die prekäre finanzielle Situation erst spürbar entschärfte, als meine Mutter wieder auf Ihrem Beruf als Krankenschwester arbeitete.Sie begann mit Nachtwache im Spital Winterthur.
In sehr guter angenehmer Erinnerung bleibt mir sicher meine Mutter als eine starke Frau, die alles tat für Ihre Familie. Dabei nie klagte oder jammerte, sie war eine fröhliche , liebenswürdige und bescheidene Frau.
Erzogen wurden wir mit Worten .Geschlagen sind wie nie geworden, auch vom Vater nicht. Ich entsinne mich, dass ich oft abens im Bett mit der Taschenlampe unter der Decke gelesen habe.Wenn er mich spätabends oder nachts dabei erwischte, wies er mich darauf hin, dass ich so meine Augen ruiniere. Ich hab es trotzdem gemacht,Lesen hat mich von Beginn weg fasziniert.
Arbeiten im Haushalt war vor allem meine Aufgabe, wobei früher nicht so viel zu putzen war. Wir hatten eine Reisbesen, mit dem wurde die Stube gewischt. An mehr Reinungungsarbeiten erinnere ich mich nicht. In der Küche gabs einen Steintrog, der sah immer gleich aus.Das Wasser zu Geschirr waschen wurde auf dem Holzofen aufgeheizt, das Geschirr dannin einem grossen Plastikbecken abgewaschen.
Es war meine Aufgabe, auf die Kleineren aufzupassen.Als ich etwa zwölf war, hat mich meine Mutter darauf angesprochen, dass sie die Möglichkeit habe, wieder als Krankenschwester in der Nacht zu arbeiten. Ich müsste dann so ab sechs Uhr abends die Familienverantwortung übernehmen, da sie ja bereits so früh das Haus verlassen musste.Vater war zu diesem Zeitpunkt meistens noch nicht zu Hause.Das hiess Nachtessen bereitstellen und dafür sorgen, dass alle rechtzeitig ins Bett kamen. Ich habe keine Ahnung mehr, wie das ablief.Jedoch fühlte ich mich sehr nützlich und habe der Mutter meine volle Unterstützung zugesichert.Ich war mir sehr bewusst, dass alles etwas einfacher würde, wenn endlich etwas Geld verfügbar wäre.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an den kleinen Usego oder VeGe Laden im Dorf. Dort musste ich manchmal einkaufen. Es war ein winziger Laden, Mehl, Reis und Zucker waren in Schubladen gelagert . Die gewünschte Menge wurde von der Ladenfrau mit einer Schaufel in Papiersäcke abgefüllt, zuerst gewogen. Meistens hatte ich kein Geld dabei und musste aufschreiben lassen. An das ungute Gefühl erinnere ich mich gut, es war wie ein Makel.Wenn ich ein anderes Mal mit Geld kam und die Schulden bezahlen konnte, fühlte ich mich jeweils ungleich besser.
Politik war kein Thema, die Tage waren ausgefüllt mit Arbeit.
Behörden waren negativ besetzt, ich entsinne mich nur an die Jugendanwaltschaft, welche versuchten, den kleinen Bruder fremdzuplazieren.
Die Kirche war vor allem für meine Mutter sehr wichtig, es gab Ihr Halt.Wir hatten in unserer Pfarrei auch einen sehr guten Pfarrer, welche unsere Situation wohl kannte. Ich ging auch gerne in den Religionsunterricht, welchen dieser Pfarrer abhielt. Er führte Wettbewerbe durch, und ich habe zu erstenmal in meinem Leben einen Preis gewonnen, weil ich alle Fragen beantworten konnte.Da war ich mega stolz.Der Preis war ein Christopherus, so eine Medaille.
Fotos habe ich nur sehr wenige von meine Eltern.Aus Vaters erster Ehe existiert die eher unrühmliche Korrespondenz mit seiner ersten Frau, welche die Scheidung verlangte. Er war schon zu diesem Zeitpunkt häufig in den Wirtschaften, dort auch gerne in der Nähe der hübschen Serviererinnen. Das hielt ihm seine Ex brieflich vor und beklagte sich auch bitter, dass er nicht mal die Kosten für das Kinderheim bezahle, wo ihr gemeinsamer Sohn Bernhard untergebracht war. Sie musste ja arbeiten,um den Lebensunterhalt zu verdienen Er erhielt immer wieder Betreibungen und Pfändungen. Wechselte auch häufig den Wohnsitz, weil er die Miete nicht zahlte.
Von meiner Mutter habe ich nach Ihrem Tod den Ehering behalten und trage ihn seither.
Ich denke schon, dass ich Ihr sehr ähnlich bin, habe auch den selben Beruf gewählt. Jedoch nicht bis zur Selbstaufgabe.
Als Vater gestorben ist, war ich einfach nur erleichtert, vor allem wegen meiner Mutter. War er doch im Alter eine noch grössere Belastung für sie..Er sass jeweils in der Stube und hat sie ständig beobachtet, das hat sie mir erzählt und sich unwohl gefühlt dabei. Er wurde immer abhängiger, wollte keinen Arzt und hielt sich nur noch im Haus auf.
Als meine Mutter gestorben ist, das war nur sieben Jahre später, war ich schlussendlich auch erleichtert.Jedoch den Zeitpunkt empfand ich als viel zu früh. Sie hatte Darmkrebs und nach der Diagnose noch genau drei Wochen zu leben. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits als Nachtwache etwa 4 bis 6 Nächte im Monat tätig.Habe mich dann spontan entschlossen, die Arbeit aufzugeben und dafür die Mutter zu uns zu nehmen. Sie war in unserer Familie sehr willkommen .Wir hatten auch ein eigenes Zimmer für sie. Ihre Dankbarkeit war gross, dass sie bei uns leben durfte. Ihr Allgemeinzustand verschlechterte sich rasch und innert drei Wochen war sie gestorben.Im Vorfeld konnte sie noch Ihre Wünsche bezüglich Beerdigung , gewünschte Lieder und Ihr eigenes persönliches Nachthemd äussern. Auch erhielt sie noch Besuch von Ihrer Lieblingsschwester aus Österreich.Dieser Besuch brachte Ihre Augen zum Leuchten. Diese Schwester lebte sonst nur auf Ihrem Bauernhof und verliess ihn nie. Deshalb war die Freude meiner Mutter auch so gross über den Besuch. Auch den Pfarrerbesuch wünschte sie, er kam, zündete eine Kerze an und betete mit Ihr. Es war bewunderswert, wie sie dem nahen Tod ins Auge blickte,ohne Angst. Sie äusserte nur Bedauern darüber, dass sie nun Ihre Enkel nicht grosswerden sieht. An etwas erinnere ich mich auch sehr gut. Sie hatte ja Ihre Mutter als kleines Mädchen verloren. Kurz vor Ihrem Tod erzählte sie mir, sie habe Ihre Mutter mit den schönen schwarzen Haaren gesehen. Sie sei Ihr lächelnd entgegengekommen.Sie freue sich jetzt darauf, Ihre so früh verstorbene Mutter wieder zu treffen.Sie war fest davon überzeugt, dass die Verstorbenen auf sie warten.
Ihr Tod löste bei mir einiges aus. Ich war ja während 10 Jahren voll Hausfrau und Mutter, hatte das auch immer gerne gemacht.Doch die Kinder wurden grösser und selbständiger, waren vermehrt ausser Haus und ich verspürte den Drang, auch vermehrt Aussenkontakte zu pflegen.Da war auch der Grund gewesen. dass ich mit der Nachtwache angefangen hatte .Ich entschloss mich, den schon länger vorhandenen Wunsch nach einer Zweitausbildung umzusetzen.Im folgenden Sommer begann ich mit der Ausbildung, welche ich ohne Probleme absolvierte. Die Unterstützung zu Hause war gross,mein Ehemann putzte und kochte und auch die Jungs, damals 12 und 14, machten keine Probleme. Waren auch nie krank. Das wäre für mich der einzige Grund gewesen, die Ausbildung abzubrechen.
In der Folge konnte ich noch während zwanzig Jahren als Berufsfrau eine höchst befriedigende Arbeit ausführen.
Wie erlebtest du die Beerdigungen? Besuchst und pflegst du das Grab?

Das Grab des Vaters ist bereits wieder aufgehoben, das Vogelbädli, welches mit seinen Initialen und Daten darauf stand, befindet sich jetzt in meinem Garten.Besucht habe ich es ab und zu.Hingegen das Grab der Mutter, welche 7 Jahre später starb, habe ich regelmässiger besucht, auch immer wieder Kerzen aufgestellt. Habe oft Zwiesprache mit Ihr gehalten und mich immer sehr wohl gefühlt am Grab. Schloss aber nicht aus, dass ich oft an sie denke, auch ohne Grabbesuch.
Die Beerdigungen waren beide sehr emotional, wobei bei Vaters Beerdigung eher die Angst da war, wie lange es dauern wird, bis auch die Mutter sterben wird. Das machte mir mehr Mühe.Es wurde mir sehr bewusst, dass das Leben endlich und eben nicht unendlich währt.

Die Grosseltern mütterlicherseits habe ich gar nie kennengelernt. Von Vaters Seite war es die Grosi im Nohl, in meiner Wahrnehmung schon immer eine uralte Frau in langen Röcken, welche nach Katzen roch.Unternommen haben wir gar nie etwas zusammen, unsere Kontakte beschränkten sich auf die seltenen Familienbesuche, vermutlich an Weihnachten.
An Ihren Tod erinnerere ich mich ganz vage. De Sarg wurde dem Rhein entlang vom Nohl zum Friedhof Laufen getragen. Von wem weiss ich nicht mehr. Ich habe von Ihr uraltes Geschirr, teilweise mit Goldrand. Nicht oft im Gebrauch, jedoch ab und zu, wenn Familienfeste anstehen.
Meine Kindergartenjahre habe ich total positiv in Erinnerung.Ganz viele Spielsachen, Puppenstube und viele Puppen. Der Kindergarten wurde ziemliche neu eröffnet und war etwas 500 meter entfernt, zwischen Guntalingen und Waltalingen.
Unser Haustier war ein Hund, Zita.Das war bereits in Humlikon, da war ich etwa 6 Jahre alt.Ich hatte keinen besonderen Bezug. Der Hund liefe frei herum, im Gegensatz zu heute, wo die Hunde meist an der Leine ausgeführt werden. Er wurde dann ja auch irgendwann nachts von einem Auto angefahren, als mein Vater mit ihm unterwegs war. Vermutlich war er öfters mit dem Hund unterwegs, ich habe keine Erinnerung daran, dass ich jemals mit der Leine mit Hund unterwegs war. Im Gegensatz zu heute, wo mein Hund eine sehr wichtige Rolle spielt.
TV Apparate gab es bereits, nur hatten wir keinen Fernseher, konnten jedoch bei Nachbarn gewisse Tiersendungen wie Fury und Lassy anschauen.
An Krankheiten erinnere ich mich gar nicht, auch an keine Unfälle.Nur ganz schwach an Essigsocken, welche ich im Bett anhatte. War also vermutlich grippig im Bett und die Mutter nutzte die altbekannten Essigsöckli, um das Fieber zu senken. Ich erinnere mich an das Gefühl von Speziell umsorgt werden, was ich als sehr angenehm empfand.
Unsere Wohnsituation war durch viele Umzüge geprägt.Der Vater hatte regelmässig Dispute mit den Vermietern, zahlte häufig die Miete nicht oder verspätet, was zur Folge hatte, dass wir innerhalb meiner Schulzeit zweimal umgezogen sind und wir Kinder uns immer wieder an neue Gegebenheiten gewöhnen mussten. Die 6 Jahre Primarschule konnte ich in Humlikon absolvieren. War jedoch auch eine ganz spezielle Situation.Wir sind als Familie kurz vor meinem Schuleintritt von Waltalingen nach Humlikon gezogen. Ich habe mich sehr auf die Schule gefreut,jedoch hat mich eine Anfangsbemerkung des Lehrers sehr irritiert. Er äusserte sich mir gegenüber,jetzt hätte er mal keine Erstklässler gehabt, nur weil wir zugezogen sind, war die Situation wieder anders. Ich hatte den Eindruck, er hätte es lieber gehabt, wenn ich nicht in seine Schule gekommen wäre. Fühlte mich nicht wirklich willkommen.Nun war ich also während der ganzen 6 Jahre Primarschule immer die einzige Schülerin in meiner Klasse. Total waren wir so etwa 20 Schüler und ich bin immer gern zur Schule gegangen. Wir hatten eine Schulbibliothek mit SIW Hefte, das war für mich eine Offenbarung, konnte ich nun endlich meinen Lesehunger befriedigen.
Wir hatten ein grosses braunes Radiogerät in der Stube, wo eigentlich nur Radio Beromünster empfangen werden konnte. In der Küche wurde mit Holz angefeuert, um Wasser zu erwärmen. Später hatten wir irgendwann einen Elektoherd.
Wir wohnten immer in günstigen uralten Bauernhäusern, wo nur die Stube heizbar war durch einen grossen Kachelofen. Ich jedoch träumte immer von einer Blockwohnung mit Badezimmer und geheizten Räumen.
Im Heute schätze ich sehr meine komfortable Wohnsituation.Immer schön warm, genügend Platz und auch Rückzugsmöglichkeiten.Ich denke, die nächsten 20 Jahre sollten in dieser Wohnung problemlos möglich sein. Es hat wohl Treppen, jedoch WC auch im unteren Bereich

Ich habe schon erwähnt, wie ich meine Einschulung erlebte. Das Lesen lernen eröffnete mir eine neue Welt.Auch das Schreiben machte mir keine Mühe.
An die Schulkameraden erinnere ich mich nur vage, Klassenfotos existieren, jedoch erkenne ich nur vereinzelte.
Der Lehrer war eine Autorität, eher streng, wobei ich immer ganz angepasst war und keine Strafen kassierte. Es war noch der typische Frontaluntericht,der Lehrer erzählte,schrieb an die Tafel und hantierte mit seinem Rohrstock, welchen die nicht so Braven zu spüren bekamen.
Vor allem im Kopfrechnen war ich sehr gut, aber auch im Diktat und Aufsatz konnte ich punkten. Ich bekam oft die Aufgabe, allen Schülern vorzulesen aus"die rote Zora und Ihre Bande/ die Kummerbuben) Der Lehrer begab sich dann oft in seine Wohnung, welche über dem Klassen zimmer lag. Die Schüler lauschten aufmerksam, die Geschichten waren sehr packend.
Ich erinnere mich an einen heissen Sommer, unser Lehrer fuhr mit allen Schülern per Velo , also 1 bis 6 Klässler etwa ein halbe Stunde ins nächste Schwimmbad. Da ich die Jüngste war, und bestimmt noch kein eigenes Velo hatte, hat er mich hinten auf dem Gepäckträger mitgenommen. Da fühlte ich mich sehr privilegiert.In jenem Schwimmbad habe ich auch schwimmen gelernt. Ich musste ins tiefe Wasser springen und er hat mich aufgefangen. Zusätzlich gabs noch diese Korkschwimmgürtel,welche teilweise im Einsatz waren.
An Hausaufgaben entsinne ich mich nicht, ich nehme an wir hatten schon. Zusätzlich gefördert wurden wir zu Hause nicht. Die Zeugnisse waren in Ordnung.
Schulreisen waren Highlights, ich freute mich immer sehr auf diese Anlässe, erinnere mich jedoch nur bruchstückweise an eine Schifffahrt, Wandern über grüne Wiesen bei schönstem Sonnenschein und Verpflegung aus dem Rucksack.
Klassentreffen von der Primarschule war vor ca. 6 Jahren die erste.. Wir trafen uns im neugebauten Schulhaus in der selben Ortschaft, sassen in den kleinen Schulbänken, Nostalgie pur. Anschliessend machten wir noch einen Rundgang in unserem alten Schulhaus, welches zwischzeitlich umgenutzt wurde. Das Klassenzimmer mit den markanten Säulen war noch im Urzustand.Es kam mit total winzig vor. Der Lehrer war auch dabei und es war spannend, mit Ihm auf gleicher Ebene zu kommunizieren.Laut Ihm war ich eine aufgeweckte, interessierte Schülerin:)
Nach der Schule haben wir viel draussen gespielt, die Sommer waren noch heiss und wir waren meistens barfuss draussen.Im Dorfbrunnen haben wir gebadet.

In der Oberstufe fühlte ich mich sehr verloren. Ich musste das vertraute Schulhaus verlassen, kam in eine fremde Umgebung, kannte gar niemand und war total unglücklich. Dazu kam, dass ich dem Lehrer überhaupt nicht folgen konnte.Mein Primarschullehrer hat mich für die Sekundarschule angemeldet, wobei ich von all dem Neuen total überfordert war. Ich war zu diesem Zeitpunkt noch sehr schüchtern und fand keinen Anschluss in der neuen Klasse.
Nach der Probezeit musste ich in die Real wechseln, zu meinem Glück. Den Lehrer dort empfand ich im Umgang mit uns Schülern als sehr menschlich und fair und war dadurch rasch heimisch in der Klasse. Ich konnte auch dem Unterricht problemlos folgen, im Französisch gingen die Noten steil nach oben. Das motivierte mich natürlich zusätzlich.
Leider hatte ich diesen Lehrer nur ein Jahr, dann sind wir wieder umgezogen und ich musste mit der 2ten Real wieder in einem ganz neuen Umfeld , in einem neuen Dorf,beginnen. Mit diesem Lehrer hatte ich wieder grosse Mühe, er bevorzugte sichtlich die bessersituierten Kinder aus dem Dorf. Eine Begebenheit hat sich mir tief eingebrannt.Ich bekam, vermutlich auf Weihnachten, eine von mir sehnlichst gewünschte Schürze mit James Bond Aufdruck. Zu jener Zeit mussten wir Mädchen Schürzen über den Röcken tragen, wenn wir zur Schule gingen . Ich war also überaus Stolz auf meinen neuen Besitz. Nun hat der Lehrer mir vor der ganzen Klasse klar zu verstehen gegeben, dass diese Schürze, aus welchen Gründen auch immer, während der Schulzeit nicht tolerierbar sei.Ich war zutiefst verletzt und gedemütigt.
In späteren Jahren, als ich eine ehemalige Schulkameradin aus jener Zeit antraf,. haben wir über unsere Schulzeit bei jenem Lehrer gesprochen und hatten beide die selbe Wahrnehmung und gar keine guten Erinnerungen an dieses Schuljahr.
Zu meinem Glück für mich gabs es wieder einen Schulhaus und Lehrerwechsel. Da unsere Klasse zu klein war, wurde aus zwei Dörfern jeweils die zweite und dritte Real zusammengelegt und der Untericht für das letzte Schuljahr fand in Stammheim statt. Wir wurden mit dem Schulbus transportiert, das war für mich Luxus pur.Dort erwartet mich zu meinem Glück wieder ein absolut fähiger und sehr menschenfreundlcher Lehrer und ich bin sehr gerne in die Schule gegangen.Auch hier waren meine Leistungen gut.Auch das Klassenklima war hervorragend. Wir fühlten und alle sehr wohl bei Herrn Schmid.
Das Mittagessen konnten wir Schüler jweils bei einer Gastfamilie einnehmen. Ich hatte grosses Glück mit meiner Familie, die Frau kochte hervorragend und die Portionen waren reichlich. Ich genoss diese Essen sehr.
Wie war euer Schulalltag?

Unsere Pulte in der Primarschule waren aus Holz.Zur Grundausstattung gehörte ein Tintenfässchen und eine Federkiel mit Stahlfeder zum Schreiben. Das Schreiben verursachte einen unangenehm kratzendes Geräusch. Dazu waren wir im Besitz eines Tintenlappens, welcher die überschüssige Tinte aufnahm. Auch die Hände waren regelmässig mit Tinte verschmiert. Wir nutzten auch Löschblätter, um ein Verschmieren des geschriebenen Textes zu vermeiden.Gelang nicht immer. Später kam dann der Füllfederhalter, ich erinnere mich an die Marken GeHa und Pelikan. In der ersten Klasse starteten wir mit der Schiefertafel. Auch im Klassenzimmer war eine grosse Wandtafel vorhanden, worauf der Lehrer mit Kreide schrieb.Das Tafelputzen war nach der Stunde jweils eine Aufgabe der Schüler.
Ich erinnere mich gut an die Pausenmilchaktion, weiss jedoch nicht mehr, ob das gratis war oder auch von den Eltern bezahlt wurde. Die Milch war hervorragend, pasteurisiert in Halbliterflaschen angeboten.Ich kannte nur rohe Milch von zuhause, die musste zuerst abgekocht werden, ich mochte den Geschmack gar nicht, deshalb trank ich keine Milch zuhause. Dann gabs auch eine Äpfelaktion.Daran erinnere ich mich gut, wir mussten zu Hause einen Zettel ausfüllen lassen und bekamen dann täglich einen feinen Znüniapfel.
In den Pausen waren wir ausnahmslos draussen auf dem Schulhausplatz.Die Stimmung war meist friedlich, also keine Kämpfe die ausgetragen wurden.Mir sind keine Rivalitäten unter den Schülern präsent. Ob der Lehrer auch draussen war, kann ich nicht mehr mit Bestimmtheit sagen.
Der Schulweg in der Primarschule dauerte ein paar Minuten.In der Oberstufe befand sie die Schule im Nachbardorf und der Weg musste per Velo zurückgelegt werden. Bei schönem Wetter kein Problem, jedoch bei Regen besass ich nicht die optimale Ausrüstung.Diese Nässe habe ich als sehr unangenehm empfunden.
Beziehungsnetz war die Familie, Kino gab es nur sehr selten, erst so ab der zweiten/dritten Real.Das waren ganz spezielle Momente.
Mein Gefühlsleben war noch nicht sehr gefestigt, wurde jedoch zusehens stabiler. Es begann damit, dass ich in der Freizeit eigenes Geld mit Wümmen verdiente, also Arbeit im Rebberg beim Nachbarn.Mit diesem eigenen Geld konnte ich mir endlich neue, modische Kleider kaufen.Das war ein Meilenstein, auch für mein Selbstwertgefühl. Ich kaufte grasgrüne Hosen mit einem orangegrünen Ringelpullover.Leider existiert kein Foto.
Politik hat mich zu jenem Zeitpunkt überhaupt nicht interessiert.
In der Freizeit habe ich sehr viel gelesen, eine Weile waren es mit Vorliebe Arzt und Liebesromane. Später dann Biografien und verschiedene Zeitschriften.Da war vor allem der Beobachter, den hatte mein Vater schon abonniert, das tat ich auch sobald ich meine erste eigene Wohnung hatte.Dann die SchweizerFamilie, ebenfalls eine Zeitschrift, die in unserer Familie abonniert war.
Sportlich bewege ich mich gerne draussen, Vereine gabs noch keine oder es war mir nicht bekannt. Schwimmen und wandern zählen auch zu meinen bevorzugten Betätigungen.
Musik hat mich immer schon angesprochen, früher aus dem Radio. Singen war schon inder Schule ein Lieblingsfach.Heute singe ich regelmässig im Chor.
Flöte hab ich einmal ansatzweise gespielt, jedoch zu wenig geübt und irgendwann die Freude daran verloren.
Heute ist der Computer für mich ein nützliches Gerät, wo ich mich rasch informieren kann, wenn mich etwas interessiert. Auch das Internet ist heute für mich schon wichtig, vor allem wegen der Kontaktpflege mit Canada, wo mein Sohn mit Familie lebt.Wir skypen regelmässig.
Vor Thomas Fritsch, einem sehr hübschen jungen Mann , ein Schauspieler, denke ich, war ich sehr angetan. Ich hatte ein lebensgrosses Poster von Ihm neben dem Bett aufgehängt.Ich nehme an, es war aus der Jugendzeitschrift Bravo.
Das Lesen hatte immer einen sehr grossen Stellenwert für mich. Sobald ich lesen konnte,hab ich alles lesbare verschlungen. Konsalik und Marie louise Fischer waren eine Weile lang meine Lieblinge, so richtig Herzschmerz und am Schluss immer ein Happyend. Das hab ich geliebt, bis es irgendwann langweilig wurde.
Gelesen hab ich meist im Bett und unter der Decke mit Taschenlampe, wenn ich längst schlafen sollte. Bücher hab ich nie zweimal gelesen, die Spannung war weg, weil ich immer schon wusste, wie es weiterging. Ich habe schon Bücher doppelt gekauft, im Abstand von einigen Jahren, habe es jeweils sehr schnell gemerkt, dass ich den Verlauf der Story schon kannte und das Buch weitergegeben. Ich behalte nur Bücher, die mir extrem gefallen haben, das sind zur Zeit etwa 30 Stück, alle andern wandern zu Kolleginen oder ins Brocki.
Teilweise lese ich ein Buch in zwei Tagen, wenn es mich packt. Es gibt Monate, da kaufe ich bis zu vier Bücher. Ich nutze auch die Stadtbibliothek zum Ausleihen.Bücher von Peter Stamm faszinieren mich auch. Jedoch auch Milena Moser liebe ich, sie schreibt so wunderbar direkt aus dem Leben,immer ein Anlass zum Schmunzeln oder laut herauslachen. Ich nutze auch den e-bookreader vor allem beim Reisen, bei Flügen nach Canada. Das Lesen bereichert, erweitert den Horizont und bietet immer wieder guten Gesprächsstoff unter Gleichgesinnten.
Einmal war ich Mitgliede eines Literaturclubs auf ganz privater Basis. Da sollten wir jeweils ein Buch innert einer Frist lesen und dann der Gruppe vorstellen. Da kam ich zeitlich neben der Berufstätigkeit und den übrigen Pflichten nicht mehr nach.Auch die Gruppe hat sich verändert und ich bin wieder ausgestiegen.
Beziehungspflege in der Jugend istr mir schwergefallen, bedingt durch die häufigen Domizilwechsel und Klassenwechsel. Ich bedauere es noch heute, dass mir fast keine Kontakte aus der Schulzeit geblieben sind. Genau genommen nur ein einziger.
Meine erste richtige Beziehung endete in unserer Ehe. Zusammengewohnt haben wir erst, als der Hochzeitstermin feststand. Die Wohnungsvermieterin wollte ursprünglich nicht an Unverheiratete vermieten. Nur dank des fixen Hochzeitstermin im folgenden Sommer erhielten wir die günstige 4 Zimmer Altwohnung in zentraler Lage.
Unsere Freizeit gestalteten wir mit Tanzen oder Spaziergängen. Tanzen war sogar am Sonntagnachmittag angesagt. An ein Erlebnis mit guten Kollegen erinnere ich mich. Das waren Arbeitskollegen von mir und wir waren gemeinsam mit unseren Partnern mehrere Tage in einer Berghütte.Das war lässig.Jedoch hat der Kontakt nicht gehalten.Freunde hatten wir eigentlich keine, wir genügten uns zu dieser Zeit noch selbst. Rückblickend finde ich das schade, wir waren auch nie in irgendwelchen Vereinen .
An meinen letzten Schultag beim Lehrere Schmid erinnere ich mich gut.Ich war voll Erwartung und Freude, was das Leben wohl bringen mag. Im Anschluss an die obligarorische Schulzeit ging ich für ein Jahr in die Westschweiz, um Französisch zu lernen.
In der Zwischenzeit ist meine Familie wieder umgezogen, und als ich nach dem Welschlandjahr zurück kam, kannte ich am neuen Wohnort im Gegensatz zu den jüngeren Geschwistern niemand.Die Geschwister besuchten die letzen paar Schuljahre an diesem Ort und konnten so langlebigere Kontakte knüpfen.
Der älteste Bruder , zwei Jahre älter als ich, war bereits in der Lehre. ich blieb nur zwei Jahre in diesem Dorf, dann zog ich in meine erste eigene Wohnung. Mein Traum war immer, Krankenschwester zu lernen. Da dieser Beruf früher erst mit achzehn gelernt werden konnte, musste ich überbrücken. Ich arbeitete kurze Zeit in der Epa in Winterthur, dann bei dem Migrosverkaufswagen.Das hat mir sehr gefallen und ich verdiente mein eigenes Geld, was ich auch ziemlich locker wieder ausgab. ich liebte es, mir schöne modische Kleider zu kaufen. Wenn ich mich recht erinnere, waren der Lohn um die tausend Franken..Ich entschloss mich dann für eine Lehre als Telefonistin, weil die n ur ein Jahr dauerte und ich sofort anfangen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits mit meinem Mann liiert und hatte kein grosses Interesse mehr, noch eine dreijährige Ausbildung als Krankenschwester zu machen. Dert Abschluss als Telefonistin war gerade ein Vierer, ich habe mich nicht sonderlich angestrengt.Wollt einfach nur einen Abschluss.
Die Arbeit als solche hat mir gut gefallen, sie beinhaltete den Besuch verschiedener Landzentralen, wo die Leitungen überprüft werden mussten.Die Abwechslung liebte ich, auch das Essen in cden Landbeizen, das ging alles auf Spesen und es waren meistens gute grosszügige Portionen. Nebenher lief immer Radio Beromünster, mit Nachrichten und Musik.

Als ich knapp vierzig war, startete ich meine Zweitausbildung zur Krankenschwester. Ich liebte den Beruf, der Kontakt mit den verschiedensten Menschen war sehr bereichernd.Die Familienphase dauerte 10 Jahre und ich war top motiviert, im Berufsleben wieder Fuss zu fassen. Mein Eindruck war schon so, dass die Arbeit, die ich machte geschätzt und anerkannt wurde. Die Arbeit mit Demenzerkrankten stellte hohe Anforderungen, jedoch fühlte ich mich sicher darin, da ich jetzt ja ausgebildet und eine Fachfrau war. Bevor ich die Ausbildung machte, arbeitete ich 4 Jahre als Alleinnachtwache in einem kleinen Altersheim.Da gab es schon Situationen, wo ich mich recht unsicher fühlte, da ich ja noch keinerlei fachmedizinische Ausbildung hatte.
Besonders die Arbeit mit den Demenzerkrankten ist sehr befriedigend gibt oft Anlass zum Lachen. Das Leben reduziert sich immer auf den aktuellen Moment, im Hier und Jetzt.Befindlichkeiten sind sofort spürbar Da diese Menschen eigentlich nur auf Gefühlsebene ansprechbar sind, habe ich sehr oft mit Ihnen gesungen und konnte so manche Situation entschärfen.
Wie und wann hast du dich das erste Mal beruflich verändert?

Das war, als ich aus dem Hausfrauenleben wieder in den Arbeitsprozess einstieg.
Möglich was das nur, weil mein Mann tatkräftig im Haushalt mithalf und meine Söhne über Mittag zu mir ins Spital zum Essen kamen.
Nach Abschluss dieser Ausbildung war ich selbstbewusster, verdiente wieder mein eigenes Geld und konnte dadurch auch der Familie etwas mehr Sonderwünsche erfüllen.
Bei meinem letzten Arbeitgeber, also die letzten 13 jahre habe ich mich sehr wohl gefühlt.Meine Arbeit wurde geschätzt und ich arbeitete in einem tollen Team. Nun bin ich seit Januar pensioniert.
Ich vermisse nichts, pflege immer noch Kontakt mit Arbeitskolleginen und geniesse die freie Zeiteinteilung.





