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Von Karl Knaus – Wie vielseitig ist doch das Leben....
Karl Knaus
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1.
Erste Erinnerungen und Kindheit
2.
Meine Eltern
2.1.
Meine Mutter
2.1.
Meine Mutter
2.1.
Meine Mutter
2.1.
Meine Mutter
2.2.
Mein Vater
2.2.
Mein Vater
2.2.
Mein Vater
2.2.
Mein Vater
2.2.
Mein Vater
2.2.
Mein Vater
2.3.
Die Ehe meiner Eltern
2.3.
Die Ehe meiner Eltern
2.3.
Die Ehe meiner Eltern
2.3.
Die Ehe meiner Eltern
3.
Meine Grosseltern
3.1.
Mein Grossvater väterlicherseits
3.1.
QX Was sind deine Erinnerungen an diesen Grossvater?
3.1.
Was weisst du noch über das Leben und die Lebensumstände deines Grossvaters? Wie war das z.B. im Krieg/in den Kriegen?
3.1.
Was habt ihr zusammen unternommen?
3.1.
Was für Selbstzeugnisse oder Objekte über deinen Grossvater existieren noch? Was bedeuten sie dir?
3.1.
Was war seine berufliche Tätigkeit?)
3.1.
Erinnerst du dich an seinen Tod?
3.1.
Wie hat er im Alter gelebt?
3.1.
Erinnerst du dich an Personen, die im Leben deines Grossvaters eine wichtige Rolle, positiv oder negativ, gespielt haben?
3.2.
Meine Grossmutter väterlicherseits
3.2.
Meine Grossmutter väterlicherseits
3.2.
Meine Grossmutter väterlicherseits
3.2.
Meine Grossmutter väterlicherseits
4.
Krankheiten und Unfälle
5.
Primarschulzeit
5.1.
Grundschule Unterstufe
5.1.
Grundschule Unterstufe
5.1.
Grundschule Unterstufe
5.1.
Grundschule Unterstufe
5.2.
Grundschule Oberstufe
5.2.
Grundschule Oberstufe
5.2.
Grundschule Oberstufe
5.2.
Grundschule Oberstufe
6.
Sekundarschule und/oder Gymnasium?
7.
Meine Freizeit
7.1.
Lesen
7.1.
Lesen
7.1.
Lesen
8.
Beziehungen in der Jugend
8.1.
Beziehungen als Volljähriger bzw. Volljährige
8.1.
Beziehungen als Volljähriger bzw. Volljährige
8.1.
Beziehungen als Volljähriger bzw. Volljährige
8.1.
Beziehungen als Volljähriger bzw. Volljährige
8.1.
Beziehungen als Volljähriger bzw. Volljährige
9.
Lehr- und Wanderjahre
10.
Armee
11.
Arbeiten
11.1.
Beruf oder Berufung?
11.1.
Beruf oder Berufung?
11.1.
Beruf oder Berufung?
11.1.
Beruf oder Berufung?
11.2.
Auslandaufenthalte
11.2.
Auslandaufenthalte
11.3.
Berufliches auf und ab
11.3.
Berufliches auf und ab
11.3.
Berufliches auf und ab
11.3.
Berufliches auf und ab
11.3.
Berufliches auf und ab
11.3.
Berufliches auf und ab
11.3.
Berufliches auf und ab
11.3.
Berufliches auf und ab
11.4.
Arbeit, Familie und Freizeit
11.4.
Arbeit, Familie und Freizeit
11.4.
Arbeit, Familie und Freizeit
11.4.
Arbeit, Familie und Freizeit
11.5.
Arbeitskollegen ? Vorgesetzte ? Vorbilder?
11.5.
Arbeitskollegen ? Vorgesetzte ? Vorbilder?
12.
Eheleben
13.
Lebensfreude
14.
Gutes Leben im Alter
15.
Ausblick
16.
Nachgedanken
Hier kannst du eingeben, wem du die Aufzeichnung deiner Lebensgeschichte widmen willst.
Welches waren deine damaligen Medien? Telefon? Radio, TV, Bücher, Comics, Computer, Spielkonsolen, etc.? Gab es Vorschriften deiner Eltern?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Welches waren deine damaligen Medien? Telefon? Radio, TV, Bücher, Comics, Computer, Spielkonsolen, etc.? Gab es Vorschriften deiner Eltern?
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Appenzeller Zeitung

So wie das Radio waren auch die Zeitungen für uns grundsätzlich Tabu. Der Postbote kam nur nachmittags, zwischen halb vier und halb fünf Uhr, zu Fuss vom Hafnersberg herauf.  Höchst begierig zu wissen waren für uns die Resultate der Tour de France der Vortagsetappe. Sportresultate am Radio „gab“ es für uns infolge der eben unten  geschilderten „Restriktionen“ nicht. Also blieb nur die Appenzeller Zeitung, die einzige Zeitung in Staubhausen. Aber es durfte niemand merken, dass wir als erste die Zeitung konsultierten. Wie wir das nur angestellt haben! Es gab glücklicherweise nie eine Schelte. Mit Sperberaugen schauten wir in der fraglichen Zeit (die Tour de France fiel in die Ferienzeit) nach dem Postboten Karl Braunwalder und einer von uns (Joggi oder ich) fand in der Regel eine Möglichkeit, unbemerkt in die Zeitung zu schauen: nach den Resultaten von Ferdy Kübler, Hugo Koblet, Carlo Clerici, Charly Gaul, Gino Bartali, Fausto Coppi usw. Wenn wir uns nur aus dieser ausgezeichneten Zeitung auch anderes zu Gemüte geführt hätten. Doch das haben wir erst einige Jährchen später gemerkt.

 

Das Wort „Radio“ war für meinen Bruder und mich so um 1952/1954 ein wichtiges „sorgenvolles“ Reizwort. Das Radio (der Radio) stand an der Westwand gegen die südlichen Fenster in der Hauptstube.

Tagsüber waren wir im Tenn, im Stall, auf dem Vorhof oder auf dem Feld. Wenn nicht, dann war Grossmutter bestimmt in der Küche oder in der Nebenstube oder selbst in der Hauptstube und hätte gehört, was wir „im“ Radio suchten bzw. sie hätte gehört, dass wir nicht das hörten was galt in Staubhausen in der Hauptstube, bzw. wir hatten eher gar nichts zu suchen „am“Radio. Wie die Häftlimacher achteten Joggi und ich darauf, ob sich doch eine Gelegenheit ergab, am Radio zu suchen und zuzuhören: nicht Ländlermusik, sondern Orchestermusik oder eben Jazz. Und Jazz gab es nur am Abend nach 19.00 Uhr und zwar auf Kurzwelle 49- Band.

Es war ein „amerikanischer“ Sender. In Deutschland? Und worauf warteten wir? Auf Louis Armstrong; im Grunde genommen nur auf den Trompeter des Totenbegräbnisses! Wir warteten oft vergeblich, lernten dafür vieles Neues. Soweit es eben die Umstände zuliessen. Das Signet (erst 30/40 Jahre später festgestellt, dass es „Take the A – Train“ war) pfiffen wir oft vor uns her und tauschten die Namen der Instrumentalisten aus:

Wie Johnny Hodges (Saxophone), Jack Teagarden (Trombone), Buddy Bolden (Trumpet), Benny Goodman (Clarinet), George Lewis (Clarinet), vor allem dessen „Burgundy-Street-Blues“, Bix Beiderbecke (Trumpet), Gerry Mulligan (Bariton-Saxophone) usw .usw.

 

Noch heute zehre ich von den Namenkenntnissen der „alten“ Jazz-Scene.

Hattest du auch Übernamen?
Seite 2
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Hattest du auch Übernamen?
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Dialekt

Obwohl Staubhausen auf Gossauer Boden und damit im St. Gallischen liegt, wuchsen wir wie im Ausserrhodischen auf. Die Grosseltern in Langelen und Staubhausen hatten ihre Wurzeln im Appenzellischen und unsere Eltern wuchsen auch so auf. Die Umgebung war fast wie eine appenzellische Enklave. Die Nachbarn hiessen damals nämlich u.a. Ruesch, Fässler, Fischbacher, Eisenhut, Mittelholzer, Schläpfer, Kellenberger.....In der ersten und zweiten Klasse hatte ich wahrscheinlich ziemlich ungebrochen den Bergler-Dialekt gesprochen.

Bis zur sechsten Klasse war dann schon vieles abgeschleift. In der Sekundarschule war es extrem anders. Ein Wort allzu appenzellisch ausgesprochen reichte, dass einem die ganze Klasse mit ihrem Gespött überfuhr. Damit die Plaggeister und Meuten keinen Grund mehr hatten, zwang man sich, jeden „anrüchigen dibidäbi" Anklang zu vermeiden.

Heute hat sich das geändert; es ist umgekehrt. Simon Enzler hat allein schon mit seinem – allerdings noch ausgeprägterem – Diktum grossen Erfolg.

 

Jodeln

Im Winter waren die Tage daheim in Hafnersberg (15 Minuten unterhalb Staubhausen) kurz in Bezug auf Tageslicht, aber für uns Buben in der Stube lang. In der Regel schneite es oft und lang und die Schneemassen türmten sich. Der Kindergarten war in Winkeln und damit viel zu weit weg von Zuhause. Zudem musste Licht und damit Strom und Kerzen gespart werden. Sehr oft verrichtete Mutter an den Abenden Arbeiten, die sie auch im Dunkeln zuwege brachte. Und dann sang sie dazu und wir sangen bald mit. Sennenlieder, Mutters Schullieder und verschiedene Jodel/Zäuerli konnten wir bald auch. Etliches sogar zweistimmig. Bevor wir in die Schule gingen, konnten wir schon leidlich singen. Ich hatte Freude daran; vor allem zweistimmig erschien es mir als etwas ganz Besonderes.

Der Beginn, das Anstimmen, das war das schwierigste. Entweder ging es irgendwo zu „hoch hinauf“ oder dann zu „tief hinunter“. Wann sangen wir zwei Buben das erste Mal vor den Nachbarn?

In was für eine Zeit wurdest du geboren?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

In was für eine Zeit wurdest du geboren?
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1944 oder Januar oder Februar 1945

Völlig grauer Tag, dichter Nebel. Wir, Mutter, Joggi und ich, sassen in der Stube in Hafnersberg. Plötzlich hörten wir schwaches Flugzeuggebrumm. Es wurde stetig lauter.

Lauter, lauter, es kam immer näher. Von Nordwestnord kam es. Sind es die Amerikaner oder sind es Deutsche? Immer furchtbarer wird das Hören, das Warten, immer furchtbarer die Anspannung, die Angst, der Schrecken. Wann fallen die Bomben? Das Dröhnen war jetzt über uns. Schier unerträglich! Wir stellten uns auf einen furchtbaren Knall ein. Doch das Dröhnen nahm allmählich ab.

Wohin fliegen sie? Sie waren bestimmt weiter als der Gübsensee. Kehren sie um? Wir hören sie immer noch recht laut. Prallen sie auf den Säntis, in die Wand des Schäflers? Da, auf einmal ein lauter, kurzer Knall, eher ein kurzer Donner......

Und dann ist es totenstill. Wir auch, aufschnaufen, aufschnaufen, kein Friedrichshafen am Tag.......

Wenige Tage danach sagte uns Mutter, ein amerikanischer Bomber sei in die Hundwilerhöhe

„geschossen“.

Was ist deine erste eigene Erinnerung an dein Leben?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Was ist deine erste eigene Erinnerung an dein Leben?
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Erste Erinnerungen

Die Stube ist weiss. Rechts von mir sind eine Reihe Fenster. Die Fensterrahmen sind auch weiss. Die Sonne scheint nicht.

Ich stehe auf einem Schemel vor dem Stubenwagen und schaue nach meinem Bruder, besser gesagt: ich sehe das Gesicht meines kleinen Bruders in all den Decken und Tüchern. Er schläft, er hat sicher warm darin und mit seiner weissen, dicken Wollmütze erst recht. Der Stubenwagen hat Vorhänge rechts und links und in einigem Abstand vom Gesicht baumelt an einem dicken Faden ein Fabeltierchen. Alles ist still und ich muss auch mucksmäuschenstill sein. Dies hat mir Mutter eingeschärft. Mein Bruder muss schlafen. Er ist noch so klein. Ich bin schon grösser und fast drei Jahre älter und muss nur kurz am Mittag und Nachts schlafen.

Stubenwagenvorhänge, Decken, Leintücher, Fabeltier, schlafendes Kindergesicht, ganz still schauen... Eine kurze Sequenz an erster Erinnerung........

Welche andern frühen Ereignisse hast du nicht vergessen?
Seite 5
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Welche andern frühen Ereignisse hast du nicht vergessen?
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Es ist spät abends für Kinder, die eigentlich schon im Bett wären.

Aber Weihnachten ist etwas ganz besonderes. Wir, Mutter Joggi und ich gehen so spät vom Hafnersberg nach Staubhausen. Dort wird mit Vater, seiner Schwester und unserer Tante Ida und den väterlichen Grosseltern Weihnachten gefeiert. War es beide Weihnachten aper? Auf alle Fälle eine Weihnacht war nicht weiss. Wie viele Sterne es doch hat! Das erste Mal, es war fast nicht zu glauben. Und der dichte, breite Streifen mit dem fransigen Rand, erklärte Mutter, sei die Milchstrasse. Aber noch viel mehr Aufmerksamkeit verlangten zwei volle Lichtstreifen, die sich „über“ den Himmel bewegten, sich kreuzten, steiler und wieder flacher wurden. Beide kamen von Norden. Von über dem Bodensee, von den Deutschen; die Streifen sind von Scheinwerfern, sie suchten nach Flugzeugen, um sie abzuschiessen. Mit Fernrohren werden die Soldaten die Streifen, die beleuchteten Stellen absuchen. Es ist halt Krieg. Sie werden doch wohl nicht kommen, nicht an Weihnachten, die Flugzeuge.

Bestimmt haben wir Mutter mit Fragen überhäuft.

 

Weitere Erlebnisse der Kriegszeit

1944? (oder früher oder später?) sah ich eines grauen Vormittags von uns aus (Staubhausen) zwei voll-schwarze „grosse“ ein- oder zweimotorige Flugzeuge stehen. Wie haben diese landen können? Während des Krieges – auf alle Fälle während der Zeit meines Erinnerungsvermögens – waren dort drei, vier Erdwälle in Süd/Nordrichtung von zwei bis (vier?) Meter Höhe aufgebaut worden. Sie wurden errichtet, dass – so wurde mir gesagt – keine Flugzeuge weder landen noch starten könnten. Und nun standen dort zwei bestimmt ausländische Flugzeuge. Der Schauder lief mir den Rücken hinab. Lange können sie nicht gestanden sein; sie waren weg, wie ich sie dort stehen sah. Ich habe sie nicht abfliegen sehen. Traum, Vorstellung oder Tatsache? Der Schauder lief mir den Rücken hinab. Lange können sie nicht gestanden sein; sie waren weg wie ich sie dort stehen sah. Ich habe sie nicht abfliegen sehen. Traum, Vorstellung oder Tatsache?

Falls du Geschwister hattest, wie haben sie dich aufgenommen?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Falls du Geschwister hattest, wie haben sie dich aufgenommen?
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Er war fast drei Jahre jünger, deshalb hatte ich zu ihm zu schauen und auf ihn aufzupassen. Ich kann mich nur an ganz wenige Situationen vor meiner Schulzeit erinnern, etwa beim Spielen im Hafnersberg auf dem Stubenboden mit Planteli, dem Kind von Mansers im unteren Stock, oder beim Jödele bei Fässler's, Germann's oder Wild's im Hafnersberg oder.... Halt: Joggeli, das erste Mal beim Coiffeur Herr Sonderer, wo er sich wie ein Wilder gegen die Schere sträubte...... aber auch wo er mir half, im Staubhauserwald Tannzapfen in einen Sack zu sammeln, den ich dann auf den Achseln in den Hafnersberg heimtrug. Das war 1945 und 1946 sehr oft der Fall. 

Wie es zum Namen kam? Zuerst hiess er Joggeli, wie ich Karli, dann Joggi, ich blieb Karli, in der Schule Joggi und Karl, in der Lehre Köbi und dann Jakob und von mir ab der „Rütizeit“ (Rüti, Zürcher Oberland): James. Karl hiess ich, weil Vater und schon Grossvater Karl hiessen.

Wie gross war dein erstes Zuhause? Erinnerst du dich an die einzelnen Räume?
Seite 7
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wie gross war dein erstes Zuhause? Erinnerst du dich an die einzelnen Räume?
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Immer noch vom Krieg

Die Eltern waren aufgestanden (1944) und kamen in unsere Kammer. Ich war auch wach: vom unentwegt gewaltigem Lärm; von hinter dem Bodensee, wahrscheinlich von Friedrichshafen her, sagte Mutter. Aufstehen liess sie mich nicht. Durch den Zimmerladen sah ich aber lang einen flackernden Lichtschimmer. Joggi erzählte am Morgen, er habe Eichhörnchen die Hauswand hinauf und hinunter huschen sehen.

 

Kriegsende

Kaum hatte ich im Frühling 1945 meine Schulzeit begonnen, brachte das Ende des 2. Welt-krieges die grosse Erleichterung. Die Entkrampfung, aber auch fast Ungläubigkeit war bei meinen Eltern und anderen Erwachsenen gross. Der Krieg fertig? Und weit im Osten? Kommt er noch zurück?  Vor Beginn des Unterrichts für uns Erstgix, während der grossen Pause für die grösseren Schüler, blieb alles draussen vor dem Schulhaus. Einige Flugzeuge schwirrten hin und her, im Süden über die Sturzenegg hinweg. Wann das Ende des Krieges an jenem Tag mitgeteilt wurde, erinnere ich mich nicht mehr.

 

Aus irgendeinem heute mir unbekannten Grund hätten die Erstklässler an diesem schönen September-Nachmittag nicht zur Schule gehen müssen. Auch nach der Information durch den Lehrer, blieb ich trotzdem in der Schule. Ich ging ja gerne in die Schule. Mitten am Nachmit-tag musste der Lehrer, Hr. Baumgärtner (?), ans Telefon. Es ging gar nicht lange bis er zurück kam. Er kehrte mit ganz besonders ernster, geheimnisvoller Miene in die Klasse zurück und teilte uns fast leise mit – den Tränen nahe (?) - , dass jetzt der Krieg endgültig vorbei sei. Es sei Frieden nun auf der ganzen Welt.

Als ich daheim ankam, staunten meine Eltern und Grosseltern – die gerade beim Vesper waren – als ich ihnen mitteilte: „In der Schule hat es heute Nachmittag der Lehrer gesagt. Der Krieg ist auf der ganzen Welt fertig , auch in Japan mit Amerika!“ Viel Zeit darüber nachzudenken hatte ich nicht, denn die die Arbeiten in der „Streui“ (Feucht- oder Mager-wiesen) und dann die „Obstete“, aber auch das letzte Emden, wohl auch das Dreschen usw. waren voll im Gange.

 

Gab es ein Fenster, aus dem du besonders gern rausgeschaut hast? Was sahst du?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Gab es ein Fenster, aus dem du besonders gern rausgeschaut hast? Was sahst du?
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Zum Fenster hinaus geschaut? Ganz selten; höchstens im Winter, wenn es Schnee "staubte" und stürmte. Die Gehöfte hiessen nicht umsonst Staubhausen. Man fühlte sich zu dieser Jahreszeit oft eingeschneit. Der Waldsaum mit den hohen Tannen gegen Westen - etwa 400-600m entfernt - war dann voller Schnee und voll "Picki" (Rauhreif). Man wähnte sich in einer Märchenlandschaft.

Nein, man schaute von draussen in die Weite.

Ausser es war neblig oder die Wolken hingen tief, so hatte man eine Prachtsaussicht auf den Alpstein und weiter nach links zum Scesaplana im Osten bis zum Urirotstock (?)) im Westen: die Rote Wand (bei Lech und Zürs) und eben den Scesaplana, Fähnern, Kamor, Hoher Kasten, Ebenalp, Schäfler, Öhrligrueb, Säntis, Silberplatte, Lütispitz, Stockberg, Hochalp, einen Teil der Churfirsten, Speer, Rautispitz, Glärnisch mit Vrenelis-Gärtli..... um nur die wichtigsten Bergnamen zu nennen.

Natürlich estimierten wir schon in der Jugend diese prachtvolle Gegend. Wie oft haben wir die Säntiskette auswendig gezeichnet und stellten uns vor, sie zu besteigen.

Dies haben wir in all den Jahren auch ausgiebig betrieben.

 

Wie war es draussen? Gab es einen Hof oder einen Garten?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wie war es draussen? Gab es einen Hof oder einen Garten?
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Arbeiten auf dem Bauernhof in Staubhausen dominierte mein Leben ab 1946 bis 1955/1956. Obwohl Grossvater einer der fortschrittlichsten Landwirte bezüglich Maschineneinsatz in der Umgebung war (er konnte es bestimmt auch wegen der jämmerlichen Entlöhnung von Vater und Mutter), war die Arbeit „von Hand“ das Alltägliche: Worben, zetten, mädeln, schochen, huenzen, „Mahden machen“, Heu aufladen, rechen, Heu abladen, misten, Obst auflesen, ernten von Kartoffeln und Runkeln, Heu rüsten, melken, Gartenarbeiten, Hausarbeiten......Immerhin mag ich mich an die Mähmaschine mit Ross, später eine Zettmaschine, 1949 an den Traktor (Massey Harris), Güllen-“Verschlauchung“, Heuaufzugsystem in der Scheune, 1957 Heulader erinnern. Landwirtschaft war damals Handarbeit. Viele Bauern beschäftigten einen Knecht. Das veranschaulicht, warum ein ansehnlicher Teil der damaligen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig war. Heute sind es noch ca. 2 %. Seit damals – so in den sechziger Jahren - ist die Handarbeit dank immensen Investitionen wie Worbmaschinen, Maschinen zum mädeln und Mahden machen, Mistzettmaschinen, Obstaufleser, Kartoffelernte-Maschinen, Melkmaschinen, Heugebläsen, Maschineneinsatz für Siloballen (für „fast“ Heu).... die Freilaufställe mit Kühen, die keine Hörner mehr haben (was sagt der Tierschutz, wenn die ein- oder zweiwöchigen jungen Tieren enthornt werden? Jetzt genetisch ohne Hörner!),   die hohen Milchleistungen........   All dies kam nach meiner Zeit in der Landwirtschaft! Bauern (burne im Prättigau) ist derart vielseitig geworden. Investitionen an Maschinen und Geräte warten in den Remisen und Scheunen, um gebraucht zu werden, von denen ich nicht einmal weiss und erfahren habe. Eine Bauernfamilie bewirtschaftet heute mindestens die doppelte Fläche (50 Jucharten und mehr).1945 hätte man dies nicht für möglich gehalten. Zahllose Zäune und feste Umzäu-nungen sind verschwunden. Zahllose Obstbäume ebenfalls. Was ein Steckenhag ist bzw. wie einer aussieht weiss kaum mehr jemand, selbst bei den Landwirten.

Wohnte noch jemand bei euch?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wohnte noch jemand bei euch?
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Während des Krieges waren die Bauern verpflichtet, Getreide anzupflanzen, dies selbst in Lagen auf 800 m und mehr über Meer. Auch in Staubhausen wurden Äcker für Getreide be-stellt. Den ersten Getreideacker an den ich mich erinnern kann, war das grosse Feld nördlich der Scheune. Später besonders nach dem Krieg pflanzten Grosseltern/Eltern dort Kartoffeln

oder Runkeln. Im folgenden Jahr wurde das Getreide im schrägen Feld „hene n’obe“ nord-westlich etwas weiter weg von der Scheune, gegen Anschwilen, gesät. Von der Höhe der nordwestlichsten Ecke des Feldes konnte man weit über Gossau hinaus Richtung Nollen sehen.

 

Eines schönen Spätsommernachmittags kam ein Hausierer auf dieses Feld. Wir waren gerade daran, von Hand den gemähten Weizen zu „Puppen“ zusammen zu fassen und an die bereits aufgestellten Stacheldrahtzäune zu hängen. Grossmutter hatte den „Geldseckel“ nicht bei sich. So hiess sie mich, diesen aus der Stube zu holen. Ich rannte los.......direkt in einen Stacheldraht. Ich blutete enorm und es tat auch „verrockt“ weh. An den Lippen und unter den Augen war die Haut aufgerissen. Mutter salbte und verband mich so gut es ging. „Du hast viel Glück im Unglück gehabt. Es hätte in deine Augen gehen können“. Die Narben sind geblieben.

Erinnerst du dich an deine Spiele? Was oder womit spieltest du/spieltet ihr besonders gern im Haus oder im Freien?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Erinnerst du dich an deine Spiele? Was oder womit spieltest du/spieltet ihr besonders gern im Haus oder im Freien?
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1943/44 Der Grossvater geht vom Heuen weg den ganzen Weg heim; eine Stunde nach dem Mittagessen. Ich zottle hintennach. Barfuss. „Narichten“ hören.........

Ich suche die Steine auf dem Fahrweg zu vermeiden und auf den Grasstellen auf der Seite oder in der Mitte des Strässchens zu gehen. Aber aufgepasst, auf den Kamillenkräutern könnten Bienen ihren Nektar suchen. Es ist heiss. Der Barfussweg für mich fünfjährigen ist weit..... Warum weg von den anderen? Der Grossvater ist der Wichtigste und wenn der etwas macht und lässt mich hintennach zotteln, dann wohlan werde ich wohl dürfen.....und es wird auch richtig sein. Und der Bless kommt ja auch mit.

Auf dem Gehöft angekommen, geht es direkt in die Hauptstube. Dort unmittelbar vor den Radio, der auf dem Radiomöbel steht, setzt sich der Grossvater auf den Stuhl. Der Bless bleibt draussen. Ich stehe neben dem Tisch und schaue auf die Stelle des braunen, viereckigen (sanft gedrechselte runde Ecken) Radios, wo der Ton „entspringt“. Der Grossvater räuspert sich hin und wieder, leiser und lauter, verzieht sein Gesicht und murmelt unverständliche Worte vor sich hin oder flucht wahrscheinlich kurz. Die Stimme aus dem Radio ist gleichförmig, monoton. Ich verstehe nur wenig von den Nachrichten; einige Worte sind bestimmt sind geblieben: Krieg, Bern, Hitler, Deutschland, Front, Fluggeschwader, Alliierten, Stalin, Churchill......Wo wurde von den Erwachsenen nicht davon gesprochen! In der Milchhütte, mit dem Fleischträger, dem Pöstler, dem Beck, mit dem Nachbar Ueli, Vater, Mutter, dem Elektriker und und         Ich wartete wie immer auf das schöne Zeitzeichen von Beromünster,

auf die Glöckchen mit „Zit isch do, Zit isch do, singt’s uf em Nussbaum scho Guggu“.

Was für Bücher gab es in deiner Familie? Durftest du sie anschauen?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Was für Bücher gab es in deiner Familie? Durftest du sie anschauen?
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Mein Bruder und ich lasen mehr als gerne. Aber Bücher waren Mangelware. Der Struwelpeter und ähnliches erhielten wir von Götti, Tanten und Onkeln. Eines trüben Tages an dem für uns beide nichts draussen zu tun war und wir uns verdrücken konnten, fanden wir im „Schloff“ eine Kiste mit alten Schulbüchern. Das war eine Fundgrube: alte Schweizergeschichte, Bücher über Eroberungen, über afrikanische Kolonien und den ersten Weltkrieg, Lesebücher der siebten und achten Klasse usw. Stundenlang , halbe Tage waren wir im „Schloff“ und lernten Habermuus des Bauern in Obwalden, Unterseeboote, Tell und Gessler, Flugzeuge, Burgunderkriege, Marignano, Untergang der alten Schweiz, Nordpolfahrten, Viktoriafälle, Verdun, Villmerger Kriege, Unterseebote-gegen-normale-Schiffe-Krieg, Zeppeline, Tele-graphen, Hunger in der Welt, Rennautos...... „kennen“.

Man hat sich hie und da auch etwas falsches eingeprägt. Tagasatzung las ich immer. Wie war ich erstaunt, als der Lehrer Signer von Tagsatzung sprach! Wie gerne hätte ich Einspruch erhoben. Zum Glück nicht. Daheim im „Schloff“ fand ich das Richtige schnell bestätigt.

 

„Holiho diahu“ war eine Erzählung aus der französischen Besetzung der Eidgenossenschaft ab 1798, die wir unter vielen anderen in einem Lesebuch fanden. Diese „Novelle“ lasen wir unzählige Male.

Viele Jahre später entdeckten Helene und ich, dass uns beiden “dieses „Holiho diahu“ in der Jugendzeit unter die Haut gefahren war.

Erinnerst du dich an Märchen, Gutenachtgeschichten, die man dir erzählt hat? Oder Kinderlieder, die man dir vorgesungen hat?
Seite 13
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Erinnerst du dich an Märchen, Gutenachtgeschichten, die man dir erzählt hat? Oder Kinderlieder, die man dir vorgesungen hat?
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Strauss Johann

Am Radio bekamen wir "trotz Zensur" hin und wieder Strauss-Walzer zu hören. Oft nur eine kurze Sequenz. Strauss interessierte mich.  Eines der ersten Bücher, das erste Taschenbuch das ich erstand (wahrscheinlich 1954), war die Nr. 90 der rororo Taschenbuchreihe über Johann Strauss und seine Söhne von Heinrich Eduard Jacob.

Die Informationsfülle über die Musikwelt und andere Welten wie Geschichte, Politik, Literatur hat mich damals fast erschlagen bzw. ich fühlte mich überfordert. In meiner Umgebung hatte es niemand, der mir Zusammenhänge aufzeigen und den Zugang zu diesen Welten hätte erleichtern können. Mein Bruder, obwohl er zwei Jahre jünger war, hatte auch grosses Interesse daran. Aber den Wissensstand musste auch er zuerst über Jahre hin erarbeiten. Die vielen Notenbeispiele, die Anzahl der erwähnten Persönlichkeiten, die Tanzformen, Orchesterbesetzungen, Oper und Operette, Sinfonien, Jazz, Bezüge zu einzelnen Ländern, Regionen Oesterreich, Italien, Ungarn, Frankreich, England und schlussendlich sogar zu Amerika; das war alles völliges Neuland für uns.

Grosse Meister der Musik: Hummel, Weber, Cherubini, Mozart, Mendelssohn, Beethoven, Liszt, Berlioz, Wagner und.... oder eben die Strauss’ Vater und Söhne, Radetzky, Sousa und......     der Literatur Balzac, Gautier, Heine, Raimund, Gottfried Keller und......der politischen Welt Napoleon, die Habsburger Kaiser Oesterreich’s, Bernadotte, Metternich, Talleyrand und und...

 Dieses Taschenbuch war ein „phänomenaler“ Beginn für mich, mit unzähligen Anknüpfungs-punkten und die Sensibilisierung für die kulturelle Welt. Ich lernte, dass Wissen unendlich und Wissen Zufall ist. Für Jahre war dieses Buch eine wahre Fundgrube. Schade, dass es keinen Apparat d.h. kein Stichwortverzeichnis gab.

Erinnerst du dich an deine Bilderbücher, Tonbandkassetten, CDs, usw. oder an solche, die deine Freunde oder Freundinnen besassen?
Seite 14
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Erinnerst du dich an deine Bilderbücher, Tonbandkassetten, CDs, usw. oder an solche, die deine Freunde oder Freundinnen besassen?
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Mulorgle / Mundharmonika     

Schon mit drei / vier Jahren hörte ich Vater gerne mit Zither und Mundharmonika spielen. Und dies noch lange, bis ich etwa 8/9 Jahre alt war. Mindestens an ein Stück mag ich mich besonders gut besinnen. Natürlich, weil mein Bruder und ich den „Odo-Jodel“ – unser erstes Jödeli - so oft selber sangen. An weitere vier oder fünf Stücke mag ich mich erinnern, wie etwa „Mer gönd no lang nöd hä“, „Gang rüef de Brune, gang rüef de Gäle“, „Lueg use wies rägelet, lueg use wie n‘es schneit“, „Of de Ebenalp bini g’hocket, ha Bää öberabe ghenkt“, „Taar i nöd ä betzeli, taar i nöd ä chli, taar i nöd e betzeli loschtig see“ oder eben den heute noch viel gespielten Walzer „Mer gönd nöd hä bis morge n’isch“.

Vaters Spiel konnte ich –  natürlich selten genug hören, eben nur im Winter an einigen Sonntagnachmittagen oder an einem Sommersonntag bei ausgeprägtem „Ruchwetter“.

Es ging nicht lange, da probierte ich „s‘Mulörgeli“ selber und dies bald auch so wie Vater es tat, mit „de Zethere“. Und mein Bruder Joggi (später James) wollte mir auch nacheifern. Wir wechselten uns ab, während der Eine „Zethere ond Mulorgle“ traktierte, jodelte und sang der Andere dazu. Die Melodie spielte man mit der „Mulorgle“, die Akkorde, die Begleitung mit der Zither. Die Zither zu diesem Spiel war nicht ein Zupfinstrument, sondern ein „Streich-instrument“. Mittels eines Zitherringes erfolgte das Streichen der Saiten. Diese Vaters Spezialzither hatte einen Steg mit drei Längs-Tasten über die Saiten, dank dem man verschiedene Dur-Tonarten begleiten konnte. Ohne Betätigung einer Taste klang die Zither in C-Dur. Welche Tonarten ergaben sich mit den drei verschiedenen Tasten des oben erwähnten Steges bei Vaters Zither? Dies weiss ich schlicht nicht mehr, höchstens, dass man den 3. Steg ganz selten, nur in einem Stück ganz kurz benutzen musste. Natürlich haben wir das auch ausprobiert, damals nicht möglich mit Theorie oder Anleitungen, sondern mit Zuhören, Hören, Hören und Höranweisungen durch Mutter.

Selbst das Spielen der beiden Instrumente zusammen war nicht so einfach. Zum Glück habe ich viel später von Vater ein Photo geschossen. Da sieht man, dass das „Orchester“ Verrenkungen, eine besondere Haltung verlangte: Links die Mulorgle an den Mund führen, die Töne findend hin und her bewegen, die Stegtaste bedienen und mit einem Finger der rechten Hand den Knauf im richtigen Rhythmus auf und ab über die Saiten streichen.

Auch hier galt es üben, üben….     Ja, wir haben etwas von der Musik in die Wiege gelegt bekommen. Aber dies konnte ich erst mit etwa Dreissig selbst in Erfahrung bringen.

Wer passte auf dich auf, wenn deine Eltern nicht konnten? Gab es Kinderkrippen, Kinderhorte, o. ä.?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wer passte auf dich auf, wenn deine Eltern nicht konnten? Gab es Kinderkrippen, Kinderhorte, o. ä.?
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"Wir passten selber auf uns auf". Wir hatten damals alltäglich Selbstverantwortung zu üben, bei der Arbeit im Stall, auf dem Feld im Haus, zu Tieren und Garten. Das war eine Selbstver-ständlichkeit, nur das waren wir uns, Joggi und ich, damals natürlich nicht bewusst.

Etwas Besonderes dennoch das Alleinsein einmal im Jahr: 

Saumchörliabende 1950-1953 (ff?)

 

Zwischen unseren Grosseltern väterlicherseits und unseren Eltern herrschte kein gutes Verhältnis. Deshalb war es schon etwas ganz besonderes, wenn sie zusammen von Staub-hausen zu Fuss nach Herisau (hin und zurück je ca. 1 1/2 Stunden) an den Saumchörliabend marschierten und dann am Sonntagmorgen früh wieder heimwärts.

Uns zwei Buben war das Saumchörli auch ein Begriff. Es war der einzige Abend im Jahr, an dem wir ganz allein auf dem Heimwesen blieben. Viel gespürt haben wir nicht - ausser eben dem Einmaligen, dem ganz Alleinsein -  denn wir mussten ja ohnehin schon bald ins Bett, wenn sie abmarschierten.

 

Dreissig Jahre später wusste ich immer noch, was das Wort „Saumchörli“ bedeutet.

Beruflich war ich soviel unterwegs, dass das Hören von Musikkassetten und später von CD’s

ergiebig war. Und zudem konnte man während des Autofahrens so gut mitsingen, vorzauren und gradhäbe (begleiten).

Und heute: Viele Saumchörli-Gesänge, Lieder, Jodellieder und Zäuerli sind in meinem Repertoire. Und ein umfangreiches Repertoire brauche ich, wenn jeder Freitagnachmittag (seit ca. 1998 oder etwas früher) Abwechslung bringen soll.

 

Wovor hattest du am meisten Angst?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wovor hattest du am meisten Angst?
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Furcht vor dem Krieg?

Der Fleischträger von Schalch, Bruggen, kam in der Regel am Mittwoch in Staubhausen vorbei und ass bei uns zu Mittag. Da wurde geredet und diskutiert wie es sonst während des Mittagessens absolut nicht Mode war. Ich hörte zu. Verstehen? Ich nahm Wortfetzen wie Nazi, Hitler, Juden, Flugzeuge, Bomben auf. Eines Mittags hörte man entferntes Grollen und Brummen im Norden. Alles verliess die Stube und stand dann auf dem gemauerten Boden vor der Haustüre. Es flogen Flugzeuggeschwader hinter dem Tannenberg durch von Westen nach Osten und nach einer Weile wieder zurück und dies während mehreren Malen. Es wurde dabei weiter gestikuliert und diskutiert. Und noch eine bleibende Erinnerung: die suchenden Scheinwerfer am Nachthimmel an Weihnachten auf dem Weg von Hafnersberg nach Staubhausen. Unsere Fragen und die Antworten von Mutter und die Weiterverarbeitung in unseren Gedanken ...   

 

Kühe spielen verrückt

Die „Jonathan“ (Apfelbäume) haben sich gut entwickelt. Es ist ja auch schönes Wetter im Sommer 1944. Die Kühe weiden auf der fast flachen Wiese östlich unterhalb der "Pyramide"-Wiese. Es hat einige verstreute Staniolstreifen. Es ist warm. Da plötzlich werden die Kühe unruhig. Einige halten den Schwanz in die Höhe und beginnen wild umher zu rennen. Bald sind alle Kühe in Aufruhr und rennen und „gumpen“ mit hoch erhobenen Schwänzen wirr durcheinander. Vater versucht sie zu beruhigen. Ich gehe hinter den Hag. „Hät’s grossi Bremen? I g’höre nünt! Wa isch ächt los?“

 Es geht eine rechte Weile und das Vieh beruhigt sich. Doch ein paar Minuten später hören wir auf einmal ein tiefes Brummen. Es wird immer lauter und lauter. Ein, zwei – drei, fünf - ein Dutzend kleinere und mittlere und zwei ganz grosse Flugmaschinen fliegen von Nord-westen über uns gegen das Vorarlberg. Sie schiessen leuchtende Kugeln gegeneinander durch die Luft. In fünf Minuten ist der ganze Spuk vorbei. Aber eine halbe Stunde später sehen wir weit weg über dem Vorarlberg Flugzeuge auf und ab „turnen“. Es ist nichts zu hören. Lautlos geht das so etwa zehn Minuten. „Da isch än Luftkampf“ sagt Vater. Was ist, wenn es über uns so zu und her gehen würde? Wie geht das alles weiter?

Haben das die Kühe im Voraus gehört oder gespürt? Es sollte noch fast ein Jahr vergehen, bis der Weltkrieg vorbei war.

   

Erinnerst du dich an die Jahreszeiten?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Erinnerst du dich an die Jahreszeiten?
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Andere Arbeitswelt

Im Parterre des grossen Hauses mit den gelblichen Schindeln in Hafnersberg befand sich ein immenser Raum. Es soll früher ein Lokal für grössere Stickmaschinen gewesen sein. Es war fast leer. Aber eben nur fast; die Lokalhöhe war bei weitem nicht ausgenutzt. Altes, teilweise angerostetes Zeug lag wahllos umher. Spinnweben fast überall. Ein verwunschener Saal im Schloss von Dornröschen.

Im ersten Stock über diesem Saal wohnten die Eltern Koch mit Hugo, dem kleinsten Kind – gerade gleich alt wie Joggi - Ottilie, Maria, Paul und dem ältesten August. Wir wohnten für zwei Jahre in der kleinen Wohnung im zweiten Stock über der Wohnung Koch’s. Mutter wollte mit uns beiden Buben nicht mehr bei den Grosseltern in Staubhausen wohnen. Jeden morgen früh ging Vater nach Staubhausen bauern. Ich musste in die Schule ins Bild, Winkeln. Mutter folgte nach dem Morgenessen ebenfalls nach Staubhausen. Spät abends kehrten wir wieder heim. Das war anders in unseren Sommer- und Herbstferien. Vater ging allein bauern.

Mutter und wir zwei trafen Mutter Koch und Kinder im verwunschenen Saal zum emsigen Treiben mit Karotten, Bohnen, Schefen oder Chefen und Kartoffeln. Die Konservenfabrik vergab Heimarbeit. Morgens oder abends brachte der Konsiwagen Neues zum Rüsten und nahm das Gerüstete zurück in die Konsi. Wir schälten und richteten die Ruebli zu Karotten, die Kartoffeln zu vorgegebenen Stücken und fädelten die Bohnen für Konservenbüchsen. Noch weitere Nachbarskinder und Erwachsene halfen mit. Der Saal war wie verwandelt; neues junges Leben erfüllt ihn. Anstelle von rostigem Gerät und Maschinenteilen standen Rüsttische und Stühle, leere und volle Säcke Kübel und Gelten und was es alles für dieses Treiben so brauchte. Ein Dutzend Personen/Kinder dürften stetig anwesend gewesen sein. In meiner Erinnerung war alles Sonnenschein: man hatte Arbeit, man hatte Verdienst. Wir Kinder spürten trotz Arbeit nicht, dass man Akkordzeiten zu erreichen oder zu übertreffen hatte. Es herrschte eine Fröhlichkeit. Und man sang mehr als nur oft! Die grösseren Koch’s hatten gute Stimmen und sangen „und die Rosen blühen am Wegesrand, wir marschieren, marschieren vorbei....“ und „unser Leben gleicht der Reise“   - Soldatenlieder – und alle halfen mit. Morge früh, wenn d’Sonne lacht..., Mer Senne heis luschtig..., Min Vatter isch en Appenzeller... Wenn einem Erwachsenen oder einem grösseren Kind ein Lied in den Sinn kam, hatte er nur zu beginnen und der „gemischte Chor“ stimmte ein. Oder die Erwachsenen erzählten Geschichten. Mutter erzählte von Ihrer Arbeit und dem Singen im Webkeller ihrer Eltern in der Langelen, Herisau. Und zwischendurch haben Joggi und ich das „O do O do“ oder ein anderes gejodelt.

Wenn es genug Arbeitsvorrat hatte, wurde oft bis in den späten Abend gearbeitet und gesungen. Von Trübungen, Sorgen oder von gedämpften Stimmungen spürte man nichts; ich auf alle Fälle nichts. Täuscht die Erinnerung?

Diese Akkordarbeiten dauerten dann aber leider nicht mehr als Sommer- und Herbstferien von zwei Jahren. Wir bekamen keine Heimarbeit mehr. Was hat wohl dazu geführt? Neue, effizientere Maschinen, Konkurrenzfirmen anderswo, zu hohe Akkordzeiten oder zu tiefe Akkordmengen, Änderung der Kundenwünsche, Änderung des Kundenverhaltens, Verlagerung der Produktion mehr zu den thurgauischen oder zürcherischen Gemüsebauern-betrieben?

Welche Rolle spielten Sonntage und Feiertage wie Weihnachten, Sankt Nikolaus, Ostern und Geburtstage in deinem Kinderleben?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Welche Rolle spielten Sonntage und Feiertage wie Weihnachten, Sankt Nikolaus, Ostern und Geburtstage in deinem Kinderleben?
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Grossmutter, Mutter,Tante Ida und wir zwei Buben hatten jeweils ein-zwei Tage vor Weihnachten in Staubhausen in den Jahren 1946 bis ca. 1949 etwas besonders zu tun. Mehl, Eier, Zucker usw. usw. zu Teig zu vermischen und zu kneten und vielerlei andere Tätigkeiten zu meistern, wie zutragen, vor das Fenster stellen, Eigelb an zu streichen, den Teig mit der Hefe zu Zöpfen zu formen, vor dem Fenster hatten die Zöpfe zu warten um "auf zugehen", vielerlei Guetzli, Mailänderli, Zimtsterne, Stängeli mit Formen aus dem mit dem Wallholz ausgewallten Teig – von verschiedenen Teigmassen - zu stechen: runde, sternförmige, stängelige, mondförmige „rohe“ Guetzli, ebenfalls mit Eigelb zu bestreichen...... und dann hinein in den Ofen, in den Holzofen, auf den Holzherd oder gar schon in den elektrischen Backofen.

Das alles und noch mehr lief ab unter dem Stichwort „guetzle, Chrömli bache“ oder eben backen und es roch unverschämt gut im ganzen Haus. Aufregend war es nur für uns zwei Buben; von einer Aufregung von Mutter, Grossmutter, Tante Ida spürten wir nichts, still und besinnlich war es auch nicht, denn mit Tante Ida ging es immer lustig zu und her....... Beim „Baumrüsten“ waren wir auch dabei. Den Weihnachtsbaum brachte Vater aus dem eigenen Wald. An ein Weihnachtsgeschenk von Tante Ida erinnere ich mich heute noch ganz intensiv, an mein Moo-Beckeli (eine Milchtasse in der Form und mit der Zeichnung eines Vollmondes). Es ist ohne mein Dazutun etwa zwei drei Tage nach Weihnachten auf den Boden gefallen und zerborsten. Ich musste wirklich fürchterlich weinen und schluchzen. Eine so schöne Tasse habe ich nie mehr gesehen.  

 

Wer und wie waren deine Spielkameraden?
Seite 19
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wer und wie waren deine Spielkameraden?
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Drei Bläss (alles Mischlinge) haben James und ich während unserer Jugend erlebt. Was waren sie doch anhänglich und so freudig. Wer hat uns bei jedem Heimkommen, zu jeder Zeit, zuerst begrüsst? Staubhausen ist für uns mehrheitlich nicht viel wert, daran zurück zu denken. Aber mit Freude erinnere ich mich an diese treuen Begleiter - jeder zu seiner Zeit - zurück.

„Der Appenzeller Bläss wird seit bestimmt tausend Jahren im Appenzellerland und im Toggenburg „aufgezogen“ und zwar für die Aufgabe, auf Anweisung des Bauern und Viehalters das Vieh vom Unterstand/Stall wegzutreiben, die Herde tagsüber zusammen zu halten und am Abend wieder zum Unterstand/Stall zu treiben. Im Frühling hilft der Appen- zeller Bläss dem Bauern das Senntum auf die Alp und im Herbst von den Alpen wieder heim- wärts zu treiben. Ohne viel zu denken, muss es einleuchtend sein, dass der Bläss seine Arbeit nicht von vorne, sondern von hinten verrichten tut. Grossmehrheitlich ist das Beschriebene die Tätigkeit das Leben eines Bläss. Das „von hinten kommen“ ist seine jahrtausend alte eingeübte und vererbte Arbeit und Arbeitshaltung. Und er verrichtet alles mit Freude und Hingabe.

Wir hatten mehr als dreissig Jahre Cocker-Spaniels (Rassehunde). Nie im Traum wäre es mir in den Sinn gekommen, dass wir Helene und ich in Oberuzwil im Alter einen Bläss (auch ein Mischling - von zwei Appenzeller-Mischlingen) halten würden. Der glückliche Zufall hat es gewollt, dass wir auf Berit, einen Bläss, gekommen sind. Es ist eine wahre Freude mit ihr!

Was für Kontakte hattet ihr mit euren Verwandten? Gab es unter diesen solche, die dir damals oder auch später besonders nahe standen?
Seite 20
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Was für Kontakte hattet ihr mit euren Verwandten? Gab es unter diesen solche, die dir damals oder auch später besonders nahe standen?
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Knaur’s Lexikon

Habt ihr einen Onkel, der ein Buch herausgeben hat?

Das fragte uns Onkel Hans, der Bäcker-Onkel (Bruder von unserer Mutter) in Biel. Aus verschiedenen Ecken (Joggi von ? und ich von Rosshäusern) „stiessen“ wir in den Sommerferien für ein, zwei Tage in Biel „zusammen“. Welch eine andere Welt, im Laden, in der Backstube, im Konditorraum.

Anscheinend hatten wir einige Hilfsdienste geleistet, so dass uns Onkel Hans Geld gab, uns etwas zu kaufen, wobei er wissen wollte, wofür wir das Geld ausgeben würden. Wir mussten nicht lange studieren: wir beide wollten abklären, ob das Geld reichen würde, den Knaur’s Lexikon zu kaufen. Onkel Hans war bass erstaunt. Erstens verhörte er sich im Namen Knaus – Knaur und zweitens verstand er nicht, was kleine Primarschüler mit einem Erwachsenen-Buch – einem Lexikon viel anfangen konnten. Wissbegierde in diesem Alter und dann kamen sie erst noch vom Lande, wo „Fuchs und Hase sich gute Nacht“ sagen.

Und so kamen wir zu unserem gemeinsamen Buch, das wohl in den folgenden Jahren am

meisten durchgeblättert und in dem am meisten gesucht und gelesen wurde.

 

Woher stammt deine Mutter? Was weisst du über ihr Leben? Wie hat sie den Krieg erlebt?
Seite 21
Seite 21 wird geladen
2.1.  Meine Eltern – Meine Mutter.

Woher stammt deine Mutter? Was weisst du über ihr Leben? Wie hat sie den Krieg erlebt?
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Die Jugend meiner Mutter Hulda Grob geb. 10.6.1910 war auch Arbeit, Arbeit....

Praktisch immer wenn ein Neugeborenes in Langelen die Arbeit von Mutter Grob-Lämmler erhöhte, kehrte sie von ihren „Plätzen“ (im Grunde genommen Verdingkind) heim um auszuhelfen und um im Keller zu weben, damit auch die Heimarbeit rechtzeitig abgeliefert werden konnte. Nach Teufen, Langwies und Nördli Waldstatt und weiteren Orten? im Schulalter, war sie im Alter um zwanzig herum, bei einer Familie Nef (Möbelwerkstatt?, Herisau ) und bei Metzger Alder, Herisau (im Wiesental und Oberdorfstrasse?).

Langwies

Dieser Ortsname hat mich schon früh sensibilisiert. Er hatte Reizcharakter. Mutter erzählte oft von der für sie schönsten Zeit in ihrer Jugend. Nach Aufenthalten – eben als Verdingkind – in Teufen, südlich des Dorfes, bei einer Familien Oertli, in Waldstadt (im Nördli) und auswärts im Dorf Herisau – wurde sie zu der Pfarrersfamilie Marty nach Graubünden, nach Langwies im Schanfigg gewiesen. Langwies hatte für mich nicht umsonst den Nimbus eines Heididorfes. Dort könnte Peter und Heidi aufgewachsen sein, denn Mutter erzählte von den zwei oder drei Pfarrerskindern, von der morgendlichen "Geissensammlung", vom schönen alten, heimeligen, grossen Pfarrhaus, von der näheren und weiteren Umgebung, von Medergen, Sapün, Strassberg, Strela, Litzirüti ..... Mutter wurde 1926 auch dort konfirmiert. Die zahlreichen von Mutter gesammelten und zum Teil selbst gemachten Fotos haben wir uns jeweils an Winterabenden oft zu Gemüte geführt.

Und Mutter probierte, uns das Langwieser Lied vom Büeli zu singen. Das klang eigenartig und fremd; es wollte und wollte nicht in unsere Köpfe.

Wie hast du sie als Mutter empfunden?
Seite 22
Seite 22 wird geladen
2.1.  Meine Eltern – Meine Mutter.

Wie hast du sie als Mutter empfunden?
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Mutter’s Vorhaltungen

Mutter holte mich mit ihrem Velo am Bahnhof Gossau ab. So musste ich den Koffer nicht heim tragen, sondern den Koffer auf dem Packträger des Velos und im Gleichgewicht halten. Mit dem Koffer zurück aus den Ferien in Lavey-les-Bains, durchs Mettendorf und hinauf nach Neucheln, dort wo sich heute der Walter Zoo befindet. „Halte doch,....kannst du nicht... schau dass.... Hast du auch... du solltest... warum hast du nicht... es ist doch so...“Mutters stetiges „Anhalten“ bzw. kommandieren war mir noch nie so aufgefallen. Ungefähr dort wo heute links der Strasse der Eingang zum Walter Zoo ist, stand rechts ein Brunnen. Meine Vorhaltung an Mutter bei diesem Brunnen habe ich nicht mehr vergessen: „Ich bin drei Wochen bei Tante Clairie gewesen. Und jetzt bin ich seit einer halben Stunde wieder daheim. "Aber in dieser halben Stunde hast du x-mal mehr herumgenörgelt, als ich in den drei Wochen von tante Clairie Anweisungen erhalten habe".

 Wenn ich wiedereinmal Mutters Vorhaltungen genug fand, erwähnte ich „drei... trois semaines avec tante Clairie“. Noch mit fünfundneunzig Jahren konnte sie ihr stetiges „Anhalten etwas zu tun oder nicht zu tun“, nicht lassen.

Was habt ihr alles zusammen unternommen?
Seite 23
Seite 23 wird geladen
2.1.  Meine Eltern – Meine Mutter.

Was habt ihr alles zusammen unternommen?
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Unternommen, etwa Ausflüge? Ja, an Feiertagen "i d'Langele" Herisau zu ihren Eltern und unseren Grosseltern mütterlicherseits. Das war klar, sonst "lag doch nichts drin". Haus, Garten, Hof warteten mit Arbeit! 

böschele

Ab Spätherbst, vor allem aber im Januar und Februar an schöneren Tagen wurden die Obst-bäume auf dem ganzen Heimwesen von Ästen gereinigt und zurückgestutzt, aber auch bei Waldrändern, Bachbörtern und Hecken wurde Reisig zusammen getragen. All dies kam auf dem Hof auf einen Haufen. Dieser Haufen befand sich südlich, gegenüber der Scheune, westlich des Hofbrunnens. Im Zwischenraum zwischen Brunnen und Reisighaufen hatte gerade der Böschelistuehl noch Platz. Wenn wir nicht am Misten waren, dann war März und April an schöneren Tagen Reisigwellenmachen die Arbeit von Mutter, Joggi und mir. Misten war für mich viel schlimmer als böschelen. Nach einem Tag „mistalegge“ hatte ich „Blotere“ an beiden Händen, die in der Regel „aufgingen“ und blutig waren. Auch Mist auf den Wagen laden, war ebenso „grausam“. Meine Hände waren dann mit Verbandsstoff umwickelt. Erheblich Schmerzen machte es trotzdem. Misten war für mich eine der schrecklichsten, härtesten Arbeiten damals auf dem Bauernhof. Heute hat man Mistmaschinen und kleine Bagger für das Laden.

Deshalb war eben böschelen angenehmer, aber mit der Zeit sehr langweilig. Das tat man sowieso eher an schönen Tagen. Aber es gab weniger Bewegung, als das harte Misten, sodass man sofort zu frieren anfing, wenn es kalt und regnerisch war. Es war ausserordentlich zügig dort, wo der Reisighaufen lag. Eine Erkältung konnte schnell im Anzug sein.Da die Arbeit praktisch ohne Kraftaufwand – ausser das Zusammenziehen des Böschelidrahtes - bewältigt werden konnte, war sie eben todlangweilig: 70/75cm – lange Äste und Stauden suchen, aus dem Haufen zerren, auflesen, brechen, zu einem Büschel zusammenhalten und dann auf den "Stuehl" zwischen die vier Pfropfen legen; nach einer Viertelstunde etwas warten, bis Mutter das Böscheli mit den stärkeren, dickeren Äesten versehen und umdrahtet hatte...und wieder 70/75cm – lange Äste, Stauden zerren, suchen, auflesen, kürzen, zwegmachen.......das während drei Stunden! Da konnte man schon söderig werden.

Wir fanden Abhilfe. Für Joggi war mistalegge zu „streng“. Aber böschelen helfen, das konnte er auch. Nach einer halben Stunde Reisighaufen-kleinermachen konnte Joggi für eine Viertelstunde fortfahren und ich durfte dann mit den Spielzeugkühen und -maschinen spielen oder sonst etwas nach meinem Gutdünken unternehmen. Nach diesen fünfzehn Minuten war dann ich wieder an der Reihe am böschelen.

Als Joggi grösser war, hatten wir dann zwei Böschelistüehl. Dann gab es mehr Abwechs-lung.Wir hatten auch Zeit zu fragen und miteinander zu reden. Bestimmt haben wir Mutter mit unserer ewigen Fragerei gelöchert. Die Bücher im Schloff, die Schule damals bei Mutter und heute ca. 1950, der St. Galler Bauer, die Zeitung, die Diskussionen in der Käserei und die Landwirtschaft als solche, alles war Anlass für unsere Wissbegierde.

Bis der Reisighaufen aufgearbeitet war, wurde es jeweils so Ende April. Die fertigen Böscheli lagen trocken unter dem Scheunendach. Am nächsten schönen Tage wurden alle auf dem zementenen Platz vor dem Wohnhaus aufgeschichtet und dann Böscheli um Böscheli mit der Seilwinde bis zum obersten Guckfenster gezogen und im Schloff gelagert.

Gibt es ein bestimmtes Bild früheren Glückes, das dir im Zusammenhang mit dem Vater in den Sinn kommt?
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2.2.  Meine Eltern – Mein Vater.

Gibt es ein bestimmtes Bild früheren Glückes, das dir im Zusammenhang mit dem Vater in den Sinn kommt?
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Handlen

Es ist Zeit zum Melken. Das Heu ist eingebracht und mit dem Rolli und Gabelarbeit auf dem Heustock. Das Abendessen ist auch vorbei. Vater ist in den Stall gegangen. Ich bin müde, gehe mit und lehne an den Kalbtrog mit dem ein paar Wochen alten Kuhkalb drinnen. Bald wird es die frische Milch aus dem Kessel zu saufen bekommen.

Eigentlich könnte ich handlen – vormelken. Vater wäre eher mit der ganzen Stallarbeit fertig und ich könnte früher mit dem Traktor in die Hütte (Käserei) fahren. Und und ......also handlen. Und mit dem handlen kommt fast selbstverständlich das Zauren. Odo odo, das von Mutter gelernte Buebezäuerli und Vater stimmt ein, er fährt fort und „tüet vorzaure“ und ich „tue gradhebe“. Sonst ist es ganz still im Stall. Die Kühe hören mit. Geben sie mehr Milch oder geht es uns leichter von der Hand, weil wir uns durch das Singen von der Arbeit ablenken?

Die Bauernsame sagt das mindestens, dass sie mehr Milch geben. Glauben wir dran. Auf alle Fälle ist es schön im Stall. Und Vater hat dann auch besonders gute Laune.

Mit Hans Haas 1), dem Knecht bei Bauer Haltner im Hafnersberg, ist das Zauren besonders gut und neu - neu das innerhodische oder dann aus dem Bernbiet..... Er freut sich, wenn ich ihm mit Handlen helfe; und eben auch das Vieh im Stall.

1) Hans Haas, später der in der ganzen Welt berühmte "Schnitzer" von Alphütten usw.; lange Vorjodler beim Jodlerclub Alpenblueme Herisau.

Woher stammt dein Vater Was weisst du über sein Leben? Wie hat er den Krieg erlebt?
Seite 25
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2.2.  Meine Eltern – Mein Vater.

Woher stammt dein Vater Was weisst du über sein Leben? Wie hat er den Krieg erlebt?
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1913 wurde mein Vater (11. Generation im Stammbaum der Knaus) in Schwellbrunn geboren. Die Eltern waren Karl Knaus 1888 und Albertine Knaus-Klarer 1886. Sie wohnten damals am südlichen Abhang und rechts unmittelbar an der Hauptstrasse, ziemlich am Anfang des Dorfes, von Schwellbrunn bzw. „Säntisblick“ herkommend, kurz nach Rank und Abzweigung nach Dicken, dort wo heute zwei Liegenschaften der Familie Waldburger gehören und wo in einer davon Hermann Waldburger, der Zusenn auf der Alp „Aueli“ im Gebiet Schwägalp-Steinflue bei Werner Meile aus Dicken (siehe Film „Sennenballade“ von Erich Langjahr), in der Jugend wohnte.

Aber schon im Jahre 1915 - wie eine Postkarte vom 22.03.1915 beweist - bewirtschafteten sie Pachtland im Obstgarten oberhalb von Flawil in der Wohnung über den Restauranträumlich-keiten. Ab 1918, als Vater fünfjährig war, bewirtschafteten sie die eigene Liegenschaft in Staubhausen, Gemeinde Gossau, Post Winkeln, Kirche Gossau, Vieh-Assekuranz Abtwil, Käsereigenossenschaft Sonnenberg Abtwil.

Was habt ihr alles zusammen unternommen?
Seite 26
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2.2.  Meine Eltern – Mein Vater.

Was habt ihr alles zusammen unternommen?
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Unternommen? Es hiess für ihn und Mutter und für uns, arbeiten, arbeiten, arbeiten.

Man hatte etwa 10-12 Kühe, einige Rinder, ein Pferd, Hühner und einen Bläss. Im Frühling und Herbst gaben sehr zahlreiche Obstbäume viel Arbeit. In der näheren und weiteren Umgebung hatte es kaum einen Bauernbetrieb mit mehr Obstbäumen. Und den Garten und die Streui!  Etwa eine halbe Stunde zu Fuss war es bis zu etwas eigenem Wald. Die Krux dieses Waldes war aber ein Übergang über den Bach zum Hinterberg. Diese "Brücke" hat Vater viel Arbeit und Verdruss verursacht.

Ich mag mich nur an zwei Ausflüge mit Vater und Mutter erinnern: Einmal auf den Hohen Kasten. Der zweite ging gegen den Kronberg, zum mittleren oder oberen Hackböhl zu Franz Broger (Kollege der Eltern).  Beide mit den Velos und zu Fuss. Mutter fuhr allein voraus. Vater kam dann etwa eine Stunde oder mehr hintennach. Wir mussten jeweils nicht so lange warten. Vater konnte ohne Zusatzlasten von uns beiden schneller radeln. Heute im Nach-hinein erinnere ich an etwas besonderes im Bauernleben: Im Hackböhl gab es eine kräftige "Rohmzone", eine Spezialität, ein wohlmundender, überaus sättigender Brei aus Mehl, viel Rahm und Milch und...  Äusserst selten gab es diese Leibspeise auch daheim, vom Vater angerichtet.

A propos Velo: Auf Mutter's Velo vorne an der Lenkstange hatte es einen kleinen Sitz für meinen Bruder, auf dem Packträger des Velos sass ich.

 

 

Hatte er Hobbies oder Leidenschaften?
Seite 27
Seite 27 wird geladen
2.2.  Meine Eltern – Mein Vater.

Hatte er Hobbies oder Leidenschaften?
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Als er so um 1975/80 herum pensioniert wurde, konnte er seinen Liebhabereien fröhnen:

Vechschauen besuchen, Öberfahre helfen, Zauren, Schelleschötte, z'Berg goh, Neuer und Alter Sylvester "feiern", Hilfe beim Bergweg-Instandhalten mit Sepp Rusch (ehemaliger Nachbar von Staubhausen), Jasse mit seinen Alterskollegen von Gossau; vornehmlich mit Götte und Rusch, vornehmlich in einer "Alphötte" = alter Vechstall in der Nähe von Dietenwil.... 

Einige wenige Male war ich mit ihm an einer Vechschau (Schwellbrunn und Schönengrund), oder beim Öberfahre in die Barenegg, gleich mehrere Male natürlich an Sylvester in Herisau, Waldstatt und Urnäsch.

...der Apfel fiel nicht weit vom Stamm......   Ich pflege diese Tradition seit meiner Pensionierung (schon etwas vorher, soweit es die beruflichen Termine zuliessen) mit grosser Freude weiter......

Wie kleidete er sich? War ihm das wichtig?
Seite 28
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2.2.  Meine Eltern – Mein Vater.

Wie kleidete er sich? War ihm das wichtig?
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Auf Klassenphotos ist mein Vater in der Tracht zusehen. Ich meinte, ich hätte früher Photos gesehen: Vater und Mutter in der Tracht. An der Hochzeit? Sie haben mir auch von ihrem Besuch des "Sennenbaal's - Sennenball im Rossfall erzählt.

Wir haben Vater nie in der Tracht gesehen, aber natürlich im bäuerlichen Gewand.

Was fällt dir spontan ein, wenn du an deine Eltern als Ehepaar denkst?
Seite 29
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2.3.  Meine Eltern – Die Ehe meiner Eltern.

Was fällt dir spontan ein, wenn du an deine Eltern als Ehepaar denkst?
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Die Bilder der Gant des Pächters Toni Jöhl in Staubhausen (oder Staubhusen, wie im Telefonbuch unter Strassenverzeichnis der Stadt St. Gallen genannt) im Wiler Tagblatt vom 27. und 30. März 2009 haben mich doch etwas aufgewühlt. Die letzte Gant dort hat im Frühling 63, am 09.04.1963, stattgefunden, als die Eltern Staubhausen (Kündigung Pachtvertrag) verlassen mussten. Als Grossvater 1968 starb, fand keine Gant mehr statt.

 Wie ist das alles so gekommen? Das ist vor allem eine Leidensgeschichte meiner Eltern. Aber es hat auch mich und meinen Bruder James getroffen. Aber der grosse Trost: es ist alles gut „heraus gekommen“, für die Eltern und uns beide Nachkommen.

 Mutter erzählte uns so nach und nach ihre „Geschichte“. Vater habe lange, lange um sie geworben. Aber sie hätten 1937 gegen den Willen der Eltern von Vater geheiratet. Ich hätte dann ganz früh den Mumpf gehabt. „Somit müsse ich bei Erkältungen immer aufpassen – Sorge tragen“. So hiess sie mich noch viele Jahre, noch in der Sekundarschule. Ich hätte immer still sein sollen, vielfach hätte ich gewimmert. „So brüelet de Sausiech scho wieder“ war die Reaktion von Grossvater. Gegen Ende 1940 kam dann Joggi (James) auf die Welt. Und dann wird es noch schlimmer geworden sein mit Kindergeschrei. Deshalb sind sie dann 1941 nach Amriswil in die Sandbreite gezügelt. Vater war dort als Melker bei den Tschümperlins eingestellt. Er hatte aber nicht viel Vieh zu besorgen, sondern musste mehrheitlich in den Kiesgruben Erde, Steine schaufeln und gegen eine Gitterwand werfen. Je nach Gitter fielen die gröberen Brocken vor dem Gitter herunter und hinter dem Gitter das Feinere: Kies oder Sand. In weiteren Arbeitsgängen wurden immer feinere Steine oder dann eben nur Sand hinter dem Gitter „gewonnen“. Das gefiel Vater wenig und je länger mehr weniger.

 Dann sollen eines Tages Vaters Eltern erschienen sein und sie hätten meine Eltern gebeten wieder zurückzukehren. Er könne ja dann einmal Staubhausen übernehmen. Es kam ja dann nie dazu; aber dies alles geschah dann viel, viel später. Die Hoffnung Staubhausen dann einmal übernehmen zu können, half meinen Eltern, wieder „heim“ zu kehren. Mutter wollte aber nicht in Staubhausen wohnen. Es fand sich eine Lösung. So wohnten wir so ab ca. 1943 im gelben Haus im obersten Stock im Hafnersberg bis 1951 oder 1952. Vater ging morgens früh nach Staubhausen hinauf und spät abends hinunter heim. Mit dem Beginn des Frühlings, im Sommer und Herbst folgte Mutter und wir – soweit wir nicht zur Schule nach Winkeln mussten - etwas später. Von der Schule ging es dann für Joggi und mich Mittags und Abends immer bis nach Staubhausen. Je nach Witterung kehrten Mutter und wir abends um sechs oder sieben Uhr hinunter in die Wohnung. Wir hatten sofort nach der Schule und an den freien Nachmittagen (und oft auch an den schönen Sonntagen) auf dem Hof wacker zu helfen.Wir mussten schmal durch, vor allem im Winter. Vater und Mutter liessen sich vom Grossvater den Lohn drücken. Es hiess immer, der Hof gebe nicht mehr her. Die Heirat gegen den Willen des Grossvaters und wir Kinder waren Grund genug, uns zu schikanieren und äusserst selten ein anerkennendes Wort fallen zu lassen. Wir hatten Grossvater nicht mit Du anzureden, sondern mit „Ehr“. Mit Grossmutter hingegen waren wir immer per Du. Anfang der fünfziger Jahre wurde das gelbe Haus im Hafnersberg von einer Familie Schmidhauser gekauft und wir mussten dort ausziehen. Es blieb Mutter nichts anderes übrig, als den ganzen Haushalt nach Staubhausen zu verlegen. Wir hatten eine Stube, das Elternschlafzimmer und eine behelfsmässige Küche. Wir Buben hatten unser Zimmer im Schloff oben (Zutritt mit einer grossen Falltüre). Mutter war den Grosseltern natürlich wieder so „ausgesetzt“, wie in den Jahren 1937 bis 194l. Durch den Schulbesuch in Winkeln und dann in der Sekundarschule in St. Gallen, konnten wir uns Buben dem etwas besser entziehen. Aber wir wuchsen auch und es wurde von uns auch mehr an Hilfe vorausgesetzt. Wir rebellierten oft, ohne etwas zu sagen. Wir „verschwanden einfach“. Wie der Grossvater „kochte“ und wie das von den Eltern ausgehalten wurde!? Vorhaltungen von unseren Eltern erhielten wir selten. Auch Mutter rebellierte hie und da. In einer Herbstzeit – und wir hatten ja sehr viel Obstbäume, sowohl Apfel- als auch Mostobstbäume – arbeiteten Mutter und James und ich nicht in Staubhausen – nein, wir halfen bei der Obsternte dem Nachbarsbauer Haltner im Hafnersberg! Grossvater mischte sich in alles ein. So hiess im Frühling 1951: „Du gehst nicht in die Sekundarschule. Du hilfst daheim und wirst Bauer“, so entschied Grossvater, bzw. so wollte Grossvater entscheiden. Meine Eltern hielten sich sehr zurück: „Wenn Du kannst, wenn Du willst......“. Ich wollte und so konnte ich so Ende April/Anfang Mai 1951 nach St. Gallen ins Bürgli in die Sekundarschule. Es fand vorher eine Prüfung für die Tauglichkeit im Februar (?) statt. Ich war zu jenem Zeitpunkt längere Zeit krank (Hirnerschütterung? Ich fiel ganz unsanft mit dem Kopf beim Turnen) auf den Turnhallenboden). Niemand sprach von einer Prüfung bzw. Nachholung der Prüfung. Ich hatte so gute Zeugnisse, dass es anscheinend klar war, dass ich die Sekundarschule beginnen könne. Die Probezeit bereitete mir dann auch keine Probleme.

Meine Eltern verbuchten 1954 einen Teilerfolg. Grossvater liess sich herab, einen Pachtvertrag zu unterzeichnen. Er hatte etwa drei bis vier Kühe und etwas Rinder für sich selbst. Neun Kühe und zwei drei Rinder waren Gegenstand des Pachtvertrags für die Eltern. Grossvater war damals sechsundsechzig und Grossmutter achtundsechzig. Ein sechsundsechzig Jähriger von damals ist bei weitem nicht mit einem Gleichaltrigen von heute gleichzusetzen. Grossvater war ein Greis und konnte nicht mehr viel körperlich arbeiten. Seine Kühe konnte er allerdings noch teilweise selber melken. Das hiess also, dass meine Eltern den Anteil von drei bis vier Kühen zu einem ansehnlichen Teil für Grossvater auch erledigten. Aber auch in diesen Jahre waren Vater und Mutter guter Dinge.

Da kam ein Blitz wie aus dem heiteren Himmel. Helene und ich waren kurz verheiratet, da erhielten meine Eltern im Sommer 1962 von Grossvater die Kündigung des Pachtvertrages. Die Eltern versuchten Amtspersonen einzuschalten. Auch Tante Ida, Vaters Schwester, erreichte nichts. Ich schrieb damals einen Brief an das Bauernsekretariat. Auch dies half nichts. Grossvater machte einen Pachtvertrag mit dem Bauer Jöhl sen. (Vater von Toni Jöhl siehe oben) und meine Eltern mussten ausziehen. Sie wohnten etwa ein Jahr in einer Wohnung der abbruchbereiten Gebäude der katholischen Kirchgemeinde Herisau. Aber es ergab sich bald ein Lichtblick. Der Bauernkollege Paul Bleiker auf dem hinteren Ätschberg musste das „Bauern“ aufgeben und so konnten am 01.11.1963 meine Eltern einen Pachtvertrag mit Paul Bleiker-Meier bis 30. April 1967 über 14.5 Jucharten (518 aren; für sieben bis acht Kühe) abschliessen. Zwar habe ich keine Belege gefunden, aber mir ist, dass der auf 1967 folgende Pachtvertrag dann zwischen dem Forstamt St. Gallen und Vater lautete, da Paul (Georg?) Bleiker das Gut an die Forstverwaltung verkauft hatte. Und Vater und Mutter konnten wieder guter Dinge sein. Aber nicht lange!

Wie würdest du ihr Verhältnis/ihren Umgang miteinander bezeichnen?
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2.3.  Meine Eltern – Die Ehe meiner Eltern.

Wie würdest du ihr Verhältnis/ihren Umgang miteinander bezeichnen?
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1968 begann schon sehr schlecht. Es hatte wohl nicht viel Schnee auf dem hinteren Ätschberg, aber es staubte; es schneite stetig etwas, vor allem blies stetig ein mehr oder weniger heftiger Wind aus Westen. Die Schneewächten türmten sich. Der Weg, etwa hundert Meter von Wohnhaus und Scheune entfernt, war sehr gegen Westen exponiert. Die Eltern schaufelten den Weg frei für den Pöstler, den Bäcker, den Metzger, für den Gang in die Hütte mit der eigenen Milch und........Und sie schaufelten und schaufelten sich immer wieder durch die sich bildenden Schneewächten; die Schneewand westseits des Strässchens wurde gegen zwei Meter hoch. Vater und Mutter mussten sich „übertun“, sie zogen sich Sehnenentzündungen an Armen, insbesondere an den Ellbogen zu. Vater konnte nicht mehr melken und schaufeln; Mutter ebenso nicht mehr schaufeln. Ich argumentierte damals, sie sollten sich doch das Schaufeln ersparen. Zu Fuss konnten ja Brot, Fleisch und die Post geholt werden, nicht jeden Tag...und melken und die Milch...? Eine Melkmaschine „anschaffen“ oder auslehnen und die Milch den Kühen geben und..... soweit nicht mehr benötigt in den Schnee leeren. „Das können wir doch nicht machen....und wir wollen uns doch nicht versündigen“ laut Mutter. Sie waren wirklich verzweifelt. Und genau in dieser Zeit der Verzweiflung starb Grossvater!

 "Ich kann nicht melken usw., Mutter ist auch krank. Auf dem Ätschberg kann ich nicht bleiben. Einen Knecht will ich in Staubhausen keinen einstellen. Was soll jetzt werden?“ Bestimmt haben die Eltern stundenlang gewerweisst. Und Vaters Tante, die Gotte von James, die drängte auf einen Verkauf.

Zudem war da noch die Enterbung von Vater laut Testament des Grossvaters. Für Tante Ida war klar, die Enterbung war ein Unrecht, aber es war für sie doch ein Grund mehr, zum Verkauf zu drängen. So kam es, dass mit dem Bund Kontakt aufgenommen wurde und es zum Verkauf der Liegenschaft in Staubhausen an den Bund kam, für den Bund als zusätzliches Land für den geplanten Waffenplatz in Neucheln-Anschwilen. Staubhausen grenzte an Anschwilen. Mit Tante Ida gab es eine gütliche Teilung und so konnten Vater und Mutter das Wohnhaus an der Brunnenstrasse 3 im Niederdorf, Gossau, erwerben. Vater arbeitete in Herisau bei Scheer im Magazin so bis 1976 und genoss dann das Rentnerleben, die zahlreichen Viehschauen im Toggenburg und im Appenzellerland, die Alpfahrten und Alpabzüge von Brunner's in der Neckerschwendi (Nähe Bächli Hemberg und seine Gossauer Jass-Kollegen bis 1989. Das waren die glücklichsten Jahre, auch für Mutter.

Dann nahm ihn das Asthma gefangen; mehrere Lungen-Embolien musste er erleiden. Er zollte dem lebenslänglichen "Lendauerli"-Rauchen Tribut. Mehr als ein Jahr lag er eigentlich nur im Bett, angehängt an einen Sauerstoffapparat. Nur dank der Pflege durch Mutter musste er nicht in ein Pflegeheim. Am 07.03.1991 ist er verstorben.                                Es war eine grosse Beerdigung.

Glücklicherweise erholte sich Mutter sehr gut. Neunzig jährig (in 2000) liess sie sich die zweite Hüfte noch operieren. Es gelang und sie konnte das Wohnhaus an der Brunnenstrasse geniessen. Lange konnte sie mit dem Stock ins Dorf Gossau walzen und praktisch alles selbst verrichten. 

Gibt es Lebensweisheiten, die dir deine Eltern mitgegeben haben?
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2.3.  Meine Eltern – Die Ehe meiner Eltern.

Gibt es Lebensweisheiten, die dir deine Eltern mitgegeben haben?
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Schicksalschläge gibt es immer wieder. Geduld und Hoffnung; Zusammenhalten. Dies haben Vater und Mutter vorgelebt. Der Worte mehr..... ?

Fast jede Woche fuhr sie mit der Appenzeller-Bahn und dem Bus in Herisau ins Alters- und Pflegeheim Heinrichsbad, ihre Schwester Frieda Krüsi-Grob besuchen. Wahrscheinlich 2003/2004 „böserte“ es dann plötzlich. Nicht mehr mit dem Stock posten, Mittagessen von der Pro Senectute, putzen durch Annelies Signer (Tochter von Schwester Frieda Krüsi-Grob, Ruth Frei-Krüsi), Abendverpflegung durch mich, fast tägliche Besuche durch Krankenschwester Schwester Sigberta. Ab Dezember 2005 ging es nicht mehr anders. Mutter konnte sich in einer Nacht nicht mehr aus einer Schräglage im Bett selbst befreien. Einen Arm und die Hand konnte sie dann kaum mehr gebrauchen. Mutter musste ins Pflegheim, obwohl ihr Schwester Sigbertra „versprochen“ hatte, sie werde dafür sorgen, dass sie nie ins Pflegeheim „müsse“.

Wir fanden einen Platz im renommierten Tertianum Gossau. Das hat sie schwer getroffen. Ich fühlte dies bei den Besuchen so alle zwei Tage. Sie fügte sich dem Schicksal, abgefunden hat sie sich damit aber nicht. Sie fand alles, mindestens vieles als eine Erniedrigung. In der Nacht vom 04. November 2006 ist sie 97-jährig still gestorben.

 

Was sind deine Erinnerungen an diesen Grossvater?
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3.1.  Meine Grosseltern – Mein Grossvater väterlicherseits.

Was sind deine Erinnerungen an diesen Grossvater?
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Breitfeld 1950

Auf einer alten Fotografie (aus 1931 wahrscheinlich) sind Sennen, Bauern und Vieh zu sehen. Mein Vater ist auch dabei, mit einer "Sennenschlotte". Er wird wohl damals etwa 17/18 jährig gewesen sein. Zu dritt tragen sie "Sennenschlotten", zwei Sennen sind sogar mit dem Roten Brusttuch bekleidet und tragen drei Senntumschellen. Im Ganzen hat der Fotograf neun Erwachsene und meinen Vater als Halberwachsenen mit der Kamera erfasst. Im Hintergrund sieht man das Haus (Zürcher) an der Gossauer-/Hafnersbergstrasse und die Villa eines Fabrikanten (1950 Hueberli) in Winkeln. Noch mehr im Hintergrund ist der Sedel, die Walke und der Rosenbergrüti. Die Kuhställe des Breitfeldes sieht man nicht. Sie sind mehr rechts des Hauses Zürcher......    So um 1950 herum "fuhr" man im Mai jeden Jahres mit dem Vieh immer noch „ins“ Beitfeld. Das dies sennisch wie 1931 geschah, kann ich mich nicht erinnern. Vater und Grossvater waren im Mai täglich, aber zu verschiedenen Zeiten, im Breitfeld. Dennoch wurde daheim „geheut“ und „buuret“ von Mutter, Grossmutter, Joggi und mir, soweit es die Schule und auch von Vater und Grossvater, soweit es „das Breitfeld“ zuliess.

Risiken hat der Landwirt immer. Dieses tägliche Risiko lauert überall und macht uns alle nachdenklich, ängstlich, furchtsam, das pure Gegenteil von übermütig.........

So eines Morgens auf dem Schulweg auf dem Breitfeld: Eine unserer Kühe liegt seitlings auf der Wiese; tot? Wir rennen zu den Ställen und rufen zu Hilfe.....  Aber dann sofort in die Schule! Nach der Schule am Mittag erfahren wir, dass die Kuh zuviel gefrorenes Gras gefressen habe und an einer Blähung gestorben sei. Grossvater habe die Kühe zu früh auf die Weide gelassen.

 

Heuet und Urkultur

Wenn der Heuet oder das Emden zügig von statten ging, d.h. wenn man nicht des Wetters oder sonst etwas wegen im Rückstand war, dann konnte es geschehen, dass bei schönstem Wetter, die ganze Familie, also Grossvater, Grossmutter, Vater und Mutter und wir beide vom Heuet weg, zum Hof zurück gingen, dies auch dann, wenn wir auf der am weitesten vom Hof entfernten, westlichsten Wiese des Heimwesens, der Pyramidenwiese arbeiteten. Wir begaben uns in die Stube und sassen dann vor dem Radio und hörten einem volkstümlichen Konzert zu: vielfach mit Vreni Kneubühl, Jakob Ummel und vor allem mit dem Jodeldoppelquartett des Pontonierfahrvereins Worblaufen und anderen. Alle waren ganz still und hörten nur zu.

Wenn das Konzert beendet war, dann machten wir uns alle wieder auf den Weg zum Heuet oder zum Emden.

 Erst später bin ich mir bewusst geworden, dass dies eigentlich das Urgestein der Kultur ausmacht. Und kaum zu glauben, dass so etwas in der sonst mehr als frostigen Atmosphäre in Staubhausen möglich war.

 

Meine Grossmutter väterlicherseits
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3.2.  Meine Grosseltern – Meine Grossmutter väterlicherseits.
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Breitfeld 1950

Auf einer alten Fotografie (aus 1931 wahrscheinlich) sind Sennen, Bauern und Vieh zu sehen. Mein Vater ist auch dabei, mit einer "Sennenschlotte". Er wird wohl damals etwa 17/18 jährig gewesen sein. Zu dritt tragen sie "Sennenschlotten", zwei Sennen sind sogar mit dem Roten Brusttuch bekleidet und tragen drei Senntumschellen. Im Ganzen hat der Fotograf neun Erwachsene und meinen Vater als Halberwachsenen mit der Kamera erfasst. Im Hintergrund sieht man das Haus (Zürcher) an der Gossauer-/Hafnersbergstrasse und die Villa eines Fabrikanten (1950 Hueberli) in Winkeln. Noch mehr im Hintergrund ist der Sedel, die Walke und der Rosenbergrüti. Die Kuhställe des Breitfeldes sieht man nicht. Sie sind mehr rechts des Hauses Zürcher......    So um 1950 herum "fuhr" man im Mai jeden Jahres mit dem Vieh immer noch „ins“ Beitfeld. Das dies sennisch wie 1931 geschah, kann ich mich nicht erinnern. Vater und Grossvater waren im Mai täglich, aber zu verschiedenen Zeiten, im Breitfeld. Dennoch wurde daheim „geheut“ und „buuret“ von Mutter, Grossmutter, Joggi und mir, soweit es die Schule und auch von Vater und Grossvater, soweit es „das Breitfeld“ zuliess.

Risiken hat der Landwirt immer. Dieses tägliche Risiko lauert überall und macht uns alle nachdenklich, ängstlich, furchtsam, das pure Gegenteil von übermütig.........

So eines Morgens auf dem Schulweg auf dem Breitfeld: Eine unserer Kühe liegt seitlings auf der Wiese; tot? Wir rennen zu den Ställen und rufen zu Hilfe.....  Aber dann sofort in die Schule! Nach der Schule am Mittag erfahren wir, dass die Kuh zuviel gefrorenes Gras gefressen habe und an einer Blähung gestorben sei. Grossvater habe die Kühe zu früh auf die Weide gelassen.

 

Heuet und Urkultur

Wenn der Heuet oder das Emden zügig von statten ging, d.h. wenn man nicht des Wetters oder sonst etwas wegen im Rückstand war, dann konnte es geschehen, dass bei schönstem Wetter, die ganze Familie, also Grossvater, Grossmutter, Vater und Mutter und wir beide vom Heuet weg, zum Hof zurück gingen, dies auch dann, wenn wir auf der am weitesten vom Hof entfernten, westlichsten Wiese des Heimwesens, der Pyramidenwiese arbeiteten. Wir begaben uns in die Stube und sassen dann vor dem Radio und hörten einem volkstümlichen Konzert zu: vielfach mit Vreni Kneubühl, Jakob Ummel und vor allem mit dem Jodeldoppelquartett des Pontonierfahrvereins Worblaufen und anderen. Alle waren ganz still und hörten nur zu.

Wenn das Konzert beendet war, dann machten wir uns alle wieder auf den Weg zum Heuet oder zum Emden.

 Erst später bin ich mir bewusst geworden, dass dies eigentlich das Urgestein der Kultur ausmacht. Und kaum zu glauben, dass so etwas in der sonst mehr als frostigen Atmosphäre in Staubhausen möglich war.

 

Was sind deine Erinnerungen an diese Grossmutter?
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3.2.  Meine Grosseltern – Meine Grossmutter väterlicherseits.

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Ostereier

Nachbarskinder Näf suchten Ostereier und spielten dann mit den gefundenen farbigen Eiern, die sie die Wiese herunterkollern liessen. „Muetter, hesch Du mer au ä farbigs Eier?“ „ Wofür?“ Nun dann halt bei Grossmutter: „Machsch Du mer ä farbigs „Eier“?“ (diese Form für Ei in der Einzahl war bei uns gebräuchlich; von Herisau oder von der Schneetere?) 

Bald hatte ich auch ein paar Eier, in Kaffeewasser gekochte, kaffeebraune Eier, die ich herum „bohlen“ konnte; auf dem Wiesenweg und auf der Wiese mit den Maienblumen zwischen unserem kleineren, weiss-grau-haften normalen, banalem Bauernhaus (ohne angebaute Scheune) und dem ziemlich grossmächtigen, dunkelbraunen, prächtigen Toggenburger Bauernhaus mit angebauter Scheune von Näf’s. Diese beiden so unterschiedlichen Häuser konnte man von weit her sehen, vom Bahnhof Winkeln, von der Sturzenegg oder sogar vom Säntis aus. Vor gut zwanzig Jahren baute der „Bund“ nebenan ein schönes, braunes Bauern-Einfamilienhaus und eine separate neue Scheune und vor etwa zehn Jahren wurde dann das kleine weissliche Haus abgebrochen. Als ich die leere Stelle dort von der Käserei Sonnenberg aus das erste Mal sah, hat es mich innerlich doch etwas beschäftigt.

 An jenen Ostern mit den kaffeebraunen Eiern war ich glücklich. Dass Grossmutter mir das „gemacht“ hat? Das war schon etwas ganz besonderes! Wenn Grossmutter kochte, dann erinnere ich mich eigentlich nur an eines, das sie machte: Chratzete. Mehl und Wasser zugegossen und zwei, drei rohe Eier getütscht und dem Mehl-Wassergemisch zugemischt. In etwas Fett gebraten. Und mit einer Holzkelle in kleine unregelmässige Stücke zerteilt. Das nannte sie und auch Mutter „Chratzete“, schnell gemacht nach Feld- und Stallarbeit. Eine appenzellische Volksnahrung in früheren Zeiten! Heute?

Mit der Grossmutter hatten wir soweit Kontakt, als dies Grossvater zuliess. Sie war eine Klarer, eine Innerrhoderin, eine Klarer's Medel, eine von der Schneetere. Ihr Vater, also unser Urgrossvater, habe Geige gespielt. Mehr Informationen brachte ich erst etwa 15-20 Jahre später zusammen.

Was weisst du noch über das Leben und die Lebensumstände deiner Grossmutter? Wie war das z.B. im Krieg/in den Kriegen?
Seite 35
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3.2.  Meine Grosseltern – Meine Grossmutter väterlicherseits.

Was weisst du noch über das Leben und die Lebensumstände deiner Grossmutter? Wie war das z.B. im Krieg/in den Kriegen?
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Von Grossmutter Albertine Knaus-Klarer ist noch recht viel zu erzählen. Zu ihren Lebzeiten erfuhren wir allerdings praktisch nichts, ausser ihr Vater hätte eben mit der Geige zum Tanze aufgespielt. Viel später stiess ich im Zusammenhang mit der Suche nach dem naiven Maler (es waren dann die beiden Schoch aus Herisau) und der GVS Gesellschaft für Volksmusik der Schweiz auf den Namen Schneetere, einem Flurnamen südlich von Enggenhütten am nordöstlichen Abhang (schattenhalb) der Hundwilerhöhe. Dort auf dem Heimwesen, das heute von einem Sohn des „More'n Emil“ (Signer, Herisau) bewirtschaftet wird, dürfte sie geboren sein. Ihr Grossvater – also mein Ururgrossvater – hiess und heisst heute noch im Volksmund „d'Schneetere Marei“ und mit richtigem Namen Anton Maria Klarer. Er spielte Cello im berühmten Quartett Appenzell um die Jahrhundertwende 1900. Der Urgrossvater, auch Anton Maria Klarer getauft, aber „de Schneeterebueb“ genannt, der Vater von meiner Grossmutter Albertine, spielte wie oben erwähnt Geige in verschiedenen Formationen. Daheim – zuerst in Haslen, dann im Eggeli, Schwellbrunn – bewirtschaftete die Mutter mit ihren Töchtern Josefine, Albertine, Hermine, Frieda und Theres das Heimwesen. „De Vatte het giigelet ond g'soffe ond Muette ond d'Meedle hönd dihäm möse weä(r)che“. Diesen Ausspruch habe ich oft von den verschiedensten Seiten zu hören bekommen. Aber sogar die „Aldere“, die später berühmte Alder Streichmusikdynastie, mindestens der Geiger Jakob Weiss, hat vom Schneeterebueb „Schulung“ erhalten. Musikalisch waren die Klarer. In „Heemetklang us Innerrohde“ von Johann Manser heisst es: „...so sind aus diesem Geschlecht der Schnetere/oder Schneetere-Klarer noch zwölf Musikanten hervorgegangen“.

D'Schneetere-Marei usw. werden noch in weiteren Büchern erwähnt. Neben Grossmutter und Vater, haben auch wir James und ich etwas von dieser Musikalität geerbt? Auf alle Fälle  unser immenses Interesse an Musik und die Liebe zur Musik - zu Appenzellermusik und insbesondere zur Klassik - wird wohl daher ihre Wurzeln haben.

Erinnerst du dich an ihren Tod?
Seite 36
Seite 36 wird geladen
3.2.  Meine Grosseltern – Meine Grossmutter väterlicherseits.

Erinnerst du dich an ihren Tod?
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Ende Januar 1956 ist Grossmutter von Staubhausen gestorben. Ging damals ein Brauch zu Ende?

Am Mittag kam der Leichenwagen mit zwei Pferden nach Staubhausen hinauf. Sehr viele Nachbarn waren schon zwischen Scheune und weiss/grauem Wohnhaus und beim Brunnen zugegen und alsogleich formierte sich der „Leichenzug“, die anfangs steile, äusserst holprige „Strasse“ hinab zum Hafnersberg gegen Westen zur Klausenmühle. Immer mehr Leute schlossen sich dem Zug an. Er schien bereits fast endlos. Mettendorf, Gossau die ganze Hauptstrasse bis fast zum Ochsenplatz, rechts weg und hinauf zur Haldenkirche. Der ganze Weg beanspruchte bestimmt zwei Stunden. Für die Erwachsenen von damals war das nichts Ausserordentliches. Bereits wenige Jahre später war es nicht mehr vorstellbar.

Wir waren mit Tante Ida und ihren Freundinnen Liseli Näf, Lisel Etter und....? am Leichenmahl.

Hattest du in deiner Kindheit schwierige Phasen mit Krankheiten oder Unfällen durchzustehen?
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4.  Krankheiten und Unfälle

Hattest du in deiner Kindheit schwierige Phasen mit Krankheiten oder Unfällen durchzustehen?
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Auf der Treppe vom Parterre in den ersten Stock der St. Gallischen Kantonalbank, meiner Lehrfirma in St. Gallen, wirkt sich meine Atemnot, ein Asthma-Anfall erstmals in dieser Heftigkeit aus. Der Herr Blumer, Abwart des Hauses geht die Treppe hinab an mir vorbei. „Ja was ist denn los, Erstjahrstift ?“ „Ich kriege keinen „Schnauf“ mehr". Es vergeht keine halbe Stunde und ich werde zum Personalchef Herrn Rüesch gerufen. „Also Knaus, es geht Ihnen wirklich nicht gut. Erhebliche gesundheitliche Probleme? Deswegen schon beim Arzt gewesen? Gehen Sie doch so bald als möglich zum Arzt. Ich melde Sie bei Dr. Seel an!“

 

Dr. Seel wirkt auf mich mehr als ein Vater oder gütiger Grossvater, hagere, grosse Gestalt, braungebrannt. Freundlich gestellte Fragen macht er während den Untersuchungen. Und als Schlussgespräch: „Am besten Du würdest ein Blasinstrument lernen und bei einem heftigen Asthma-Anfall eine Menthol-Zigarette rauchen“. Ich habe bestimmt völlig entgeistert - wie ein ungläubiger Thomas - dreingeschaut! Ein Blasinstrument?! „Das ist ja mein längsgehegter Wunschtraum“. Es hat daheim immer geheissen, was da blasen.....wir haben soviel Arbeit, bei uns gibt es immer etwas zu tun.....

 

Meine Eltern gingen sofort darauf ein. „Wenn das hilft, dann sind wir eine grosse Sorge los!" "Wenn ich in der „Hütte“ (Milchsammelstelle und Käserei) das nächste Mal Karl Jöhl sehe, sage ich’s ihm“. Es vergingen keine zwei Wochen; eines Abends lag ein Instrumentensack mit einem Flügelhorn, Mundstück und der Schule für Flügelhorn, Trompete, Kornett, Althorn, Tenorhorn von J. Andres als Inhalt auf dem Küchentisch. „Am Sonntagnachmittag sollst Du mit dem Instrument hinauf zum Säntisblick zu Karl Jöhl; er werde Dir alles erklären“.

Noten konnte ich ja lesen und es dürften nur wenige Minuten vergangen sein, hielt ich schon das Mundstück an die Lippen und probierte Töne „herauszubringen“.

Ich hatte einen sehr guten „Lehrmeister“. Als einfacher Bauernbursche (etwas mehr als 20-jährig) gelang es ihm, mit Begeisterung gute Musik zu vermitteln.

Leidest du aktuell an Krankheiten oder Folgen von Unfällen oder Krankheiten? Wie kam es dazu?
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4.  Krankheiten und Unfälle

Leidest du aktuell an Krankheiten oder Folgen von Unfällen oder Krankheiten? Wie kam es dazu?
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Diabetes – Verlauf

1978    Zucker im Blut festgestellt   mit vierzig bei Dr. Samuel Holliger, NU

            stetige, halb/dreivierteljährliche Arztkontrolle

            Dies dank der Anmeldung für Engadiner Skimarathon: (Ca.Alter 40 oder     

            bei erstmaliger Anmeldung soll der Hausarzt konsultiert werden)

            keine Diät, ausser jeglichen Zucker vermeiden, kein(e) Desserts, Bier, Alkohol  

            seit ca. 1999 pro Woche   einmal eine Stunde joggen   zusätzlich

            seit Anfang 2010 mit Joggen aufgehört infolge Kniebeschwerden

 1998 -  Medikamente   einfache      

 2009     stärkere Medikamente

             deshalb ca. 14-15 kg an Gewicht verloren, jetzt Idialstgewicht

            Unterzuckerungen kommen aber vor allem zwischen 08.00 und 09.00 Uhr vor

            aber etwa auch ca. 21.00-22.00 Uhr; dies in der Folge vermeiden können

 2011    Frühling Zuckerdurchschnittsdaten steigen wieder; übersteigerte Werte von 13/14               ca. 18.00-19.00                dies nach dem Abendessen um 17.00-17.30

2011 Dank Frau Häfelin, Flawil, Ernährungsberatung stelle ich folgendes fest: Bei Vermeidung von Unterzuckerungen am Morgen fühle ich mich den ganzen Tag wohler. Unterzuckerung nur noch ca. 21.30/22.00: Auch Durchschnittswerte sinken etwas.

Unterzuckerungen unbedingt vermeiden!

2014    Abends 22.00 Uhr zusätzlich neu Insulin 5ml (?) auf Grund Kontrolle/Empfeh-       lung durch Dr.C; und zusätzlich neu "Abendessen" ca. 22.00;  ab jetzt sind Werte erfreulicherweise ziemlich stetig 6-7. Unterzuckerungen im Griff!

 

Erinnerst du dich an deinen ersten Schultag?
Seite 39
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5.1.  Primarschulzeit – Grundschule Unterstufe.

Erinnerst du dich an deinen ersten Schultag?
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Die Erinnerung ist nur ein kurzer Augenblick. Mutter und ich stehen auf dem Kiesplatz neben dem Schulhaus und warten. Wir sind etwas zu früh dran. Den Tag des Endes des 2. Weltkrieges ist etwas mehr "im Kopf geblieben; siehe etwas weiter unten.

Schulhaus "Bild", Kapelle und Restaurant samt Breitfeld 1945-1950 und „Bild“/Breitfeld heute?!

 

Auf einer Photo von ca. 1930 weideten Kühe und standen verschiedene Sennen, darunter mein damals ca.17-jähriger Vater in einem sennischen Herzschlüfer, zusammen und unter-brachen das Küheputzen für den Photografen. Welche Idylle!

 

Barfuss ging ich kurz nach der Pulverhütte am Gründenmoos-Waldrand etwa 600 m links quer über die Breitfeldwiese bis zum Sandhüttchen (mit Drehkreuz) neben der Liegenschaft Zwicker zum Bildschulhaus. Welche Idylle immer noch.

 

„Riesenbauten“, wie die Arena, stehen nun nach mehr als sechzig Jahren fertig neben dem "Bild" auf der ehemaligen Breitfeldwiese. Die Autobahn, die schon seit 1969 besteht, ist jetzt noch verbrei-tert worden. Fünfzig Geschäfte samt Gastronomiebetrieben sollen täglich durchschnittlich von zehntausend und mehr Kunden besucht werden.

Umgepflügt, die kleinen Moränenhügel abgetragen, Erde, Eisen und Beton herangeführt und gebaut und gebaut, in Rekordzeit. Für viele Arbeitsplätze, für die Zukunft, für die nächsten Generationen nach den Sennen, Schulkindern, Sportlern, Spaziergängern, Hundedressuren, Pferderennen nach alter Manier.........

 

Ab 25.05.2008 rollte im grössten Einkaufszentrum der Ostschweiz oben der Fussball und unten das Geld für die Konsumgüter.

Welche Erwartungen hattest du an die Schule?
Seite 40
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5.1.  Primarschulzeit – Grundschule Unterstufe.

Welche Erwartungen hattest du an die Schule?
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Was bewegte uns im Zusammenhang mit der Schule?

 Wir wohnten in Staubhausen (ca. 1 gute Stunde nördlich von St. Gallen-Winkeln, sonnenhalb) an einem Ort, wo „Füchse und Hasen einander Gute Nacht sagen“. Der Lebensstil war ausgesprochen bäuerlich und damit sehr „konservativ. Die Eltern hatten genaue Vorstellungen, wie unsereins sich zu kleiden und zu verhalten habe. Und das musste schon 1945 zu Meinungsverschiedenheiten führen. Die Schüler im Bild Winkeln kamen zur Mehrheit aus dem quasi städtischen Milieu. Schüler aus Kräzern oder Altenwegen und eben Staubhausen und wohl schon auch teilweise aus Winkeln kamen aus „ländlichem“ Umfeld im Gegensatz zu der Mehrheit aus dem Dorf bzw. westlichem Stadtteil von St. Gallen.

 In der Primarschule konnten Joggi und ich nur innerlich protestieren und die Unterschiede „entgegen nehmen“: schwarze Pelerine (statt Schirm oder Regenjacke) bei Regenwetter und im Winter kurze Hosen und lange Strümpfe mit Gstältli. Welche Erniedrigungen ergaben sich da beim Ausziehen für das Turnen oder den Nachhilfeschwimmkurs. Ein innerlich wütiges Schämen.......  

Dass Taschengeld für uns unmöglich war, das sahen wir von selbst ein. Dass es nicht für Ski's und Schlittschuhe reichte, infolge der niedrigen Entlöhnung meiner Eltern durch Grossvater (wir waren froh, dass die Skimiete – für Ski's ohne Kanten ((Metall)) bezahlt werden konnte), dass wir am Samstag nicht Fussballspielen oder Schwimmen oder in die Pfadi, nur im Winter vielleicht und deshalb äusserst selten heim zu Schulkollegen gehen durften, das waren Selbstverständlichkeiten. Das waren zwischen Mutter und uns auch kein Thematas. Der wichtige Stein des Anstosses war damals unsere Ausstaffierung – Kleidung und das Essen etwas später.

Was weisst du noch über deinen Schulweg?
Seite 41
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5.1.  Primarschulzeit – Grundschule Unterstufe.

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Schulweg 

Ein weiter Schulweg hatte auch seine Vorteile. Was hat man nicht alles erlebt. Die Tannen, die nach den Stürmen im Herbst und gegen den Frühling über der Strasse lagen und über-stiegen oder umgangen werden mussten. Die Soldaten, die biwakierten, oder die sogenannten „Rüben“ auf die in den Gräben fahrenden Tanks schossen. Die auf dem Breitfeld übenden Hündeler, die Sportler, die den „Hammer“ in die Luft schleuderten und so weit als möglich warfen, die Motocrossler, die die Moränenhügel befuhren....

Die Vorbereitungen des „Pferderennens“ auf dem östlichen Teils des Breitfeldes, mit den Hindernissen, dem Wassergraben, den Tribünen und Zelthallen waren jedes Jahr das längste und wichtigste Ereignis. Fast jedes Jahr wurde es umfangreicher, fast immer wurde wieder etwas Neues aufgestellt oder gebaut. Es war, als ob das Breitfeld dann aus den Träumen geweckt und zum Zentrum von St. Gallen würde. Dutzende von Männern waren am arbeiten und befehlen. Fahrzeuge hatte es jede Menge, die Materialien heranfuhren. Und erst an den Veranstaltungstagen: welche Welt kam da zusammen!

Den Segel- und Motorkleinflugzeugbegeisterten konnte man ebenfalls oft lange zuschauen. Die für uns „riesigen“ Schafherden, die im Herbst auf dem Breitfeld grasten, die Rosskastanienbäume neben der Pulverhütte, mit den wunderbaren Blüten im Frühling und den dunkelbraunen Früchten, aus denen wir Spielzeuge bastelten.

Ein Jahr lang war auch Bachstauen ein Thema. Den Wiesenbach im Westen des Breitfeldes im Norden des eigentlichen Waffenübungsplatzes, wollten die Hafnersbergler stauen und vergassen sich. Schnell heim, aber trotzdem zu spät und schon wieder in die Schule, aber auch zu spät. Folgen? An Folgen daheim und in der Schule kann ich mich nicht erinnern.

Im Winter 1947 hatte ich nur den Schlitten. Es lag viel Schnee. Einige Hafnersbergler hatten die Ski bei sich. Am Mittag gingen wir alle miteinander heim. Nach dem Breitfeld geht die Hafnersbergstrasse etwas hinunter (70 m) zur Wiesenbachbrücke, bis die Strasse wieder ansteigt in den Hafnersbergwald. Rechts von der Strasse (an der tiefsten Strassenstelle) kommt eine grosse Wasserröhre aus dem Unterbau der Strassenbrücke. Der Wiesenbach bildet dort eine ansehnliche Wasseransammlung. Die mit den Ski’s fuhren rechts das kleine „Bort“ hinab, über die etwas herausragende Röhre und am schrägen „Bort“ wieder hinauf auf den Weg.

 Am Abend nach der Schule – es war kalt, noch kälter als am Mittag – hatten die Hafnersbergler viel zu diskutieren und schlenderten über das Breitfeld. Die Diskussion hatte ich satt und ging deshalb mit meinem Schlitten schneller voraus. An der „tiefsten“ Strassenstelle, nach dem Breitfeld, mit Röhre, Bort und Wassertümpel, nahm ich den Schlitten und fuhr wie die mit den Ski’s das Bort hinunter....... Auf dem schiefen „Bort“ mit der Röhre kippte ich mit meinem Schlitten nach rechts und .........fiel ins Wasser ... ich, der Schlitten, der Thek, sogar das Lesebuch schwammen im Wasser. Ich muss laut geschrieen haben, denn die Hafnersbergler waren sofort zur Stelle und zogen mich aus dem Wasser, entfernten die nassen Kleider. Im Nu sass ich warm eingewickelt auf dem Schlitten. Im Laufschritt ging es die Waldstrasse hinauf. „ Au, d’Muetter werd chiibe, d’ Muetter werd chiibe, au, d’ Muetter werd......

Im Hafnersberg, ins gelbe Haus, die Treppe hinauf, die Mutter schlug die Hände zusammen, kurze Erklärungen der Hafnersbergler, ....heissen Tee.......und ins Bett. Die grosse Schimpfe blieb aus. Mutter war heilfroh, dass ich keine Lungenentzündung "bekam".

 

Wie waren diese Jahre für dich ganz allgemein, unabhängig von der Schule?
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5.2.  Primarschulzeit – Grundschule Oberstufe.

Wie waren diese Jahre für dich ganz allgemein, unabhängig von der Schule?
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In der Sekundarschule im Bürgli St. Gallen waren dann die Unterschiede noch um vieles unangenehmer. Es „prägelte“ nur so von Neuem, neuen Eindrücken und Erkenntnissen. Ein Hauptthema wurde das Essen. Wir assen ja als Grossfamilie und damit hatte Grossmutter grossen Einfluss auf das Tischgebaren. Und dieses Gebaren war für uns ekelerregend. Sie richtete für uns zum Beispiel die Brote und dabei schleckte sie an Messern, an Löffeln und Gabeln, an Tassen, an Tellern und an was noch allem herum. Es kam schnell die Zeit, da konnten wir das Kotzen kaum verhüten, wir mussten unsere Plätze am Familientisch fluchtartig verlassen. „Was ist denn los? Was habt ihr denn?“ Ich redete viel auf Mutter ein, ich musste viel auf Mutter einreden. Wir hatten oft Hunger und nur Äpfel machten uns nicht satt genug. Wir mussten rebellieren. Vater hatte sogar bald ein Einsehen. So kam es, dass Vater und Mutter in einem kleinen Raum im westlichen Teil des Hauses (vorher mehr oder weniger eine Grümpelkammer) eine Quasi-Küche einrichteten.

 In der Sekundarschule trug man keine Tornister (Rücken) mehr, sondern eine Mappe, seitwärts auf der Höhe der Taille, mit Hand und Arm. Da Mittags die Zeit nicht reichte, um mit Zug und zu Fuss heim und wieder nach St. Gallen zu fahren/gehen, mussten wir Hefte und Bücher für den ganzen Tag in der Mappe mitführen. Mindestens zwei-, dreimal in der Woche war das Gewicht einfach zu hoch. Mutter machte mit Lederschlaufen, die an der Mappe angebracht werden konnten, möglich, dass sie wie ein Rucksack getragen werden konnte. Das war eine sehr gute Lösung!

Knickerbocker – die von den meisten Schülern getragen wurden – durften wir von Vater aus partout nicht tragen, dabei waren die „Gelben Hosen“ der Sennen auch eine Art Knickerbocker. Damit hätten wir das Problem des leidigen Gstältli gelöst. Aber Mutter schneiderte lange Hosen und Kittel (Veston) selbst. Wir blieben fast die einzigen mit langen Hosen, aber die Strümpfe waren weg........

 Man glaubt heute, die „Vorschriften“ von damals seien übertrieben gewesen, heute sei es viel freier. Beobachtet und schaut man heute genauer auf die Schüler auf dem Schulweg und allgemein auf der Strasse: Der Zwang kommt nicht mehr von den Eltern und den Nachbarn, wie man sich zu kleiden hatte. Heute sind es die Jugendlichen selber, die sich untereinander Zwängen unterwerfen. Zwar in einer möglichst legeren, fast möglich „lausigen“ Art, gefranst, mit Löchern, verfärbt, mit Beinkleidern „von Hosenlotteri“ - wie jemand die Scheisse in den Hosen hätte.......aber - die einte oder andere Modenmarke gilt es zutragen..

Sind diese Zwänge noch unangenehmer auszuhalten? Als diejenigen von unseren Eltern?

Welche Erinnerungen hast du an deinen ersten Schultag in der Grundschuloberstufe?
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5.2.  Primarschulzeit – Grundschule Oberstufe.

Welche Erinnerungen hast du an deinen ersten Schultag in der Grundschuloberstufe?
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Der erste Bürglitag

 Im Frühling 1951 „tauchte“ ich in eine ganz andere Welt ein. Jeden Tag Zug fahren, jeden Tag in die Stadt, jeden Mittag auswärts essen.   Am ersten Morgen (schönstes Wetter) versammelten sich alle Erstsekundarklässler (ca. 100) in der Turnhalle (steht heute nicht mehr). Nach der Begrüssung und einer Ansprache von Rektor Herrn Saxer wurden die neuen vier Klassen gebildet. Wir wurden dem Alphabet nach aufgerufen und hatten dann an den Klassenstandort zu rennen. Beispiele: Aegler Klasse a, Alder Klasse b, Altmann Klasse c, Arnold Klasse d und Auer wieder Klasse a......   Ich wurde zur Klasse d aufgerufen.

Alsbald nach der Klassenbildung marschierte jede Klasse aus der Turnhalle in den Klassen-raum der ersten Stunde. Es standen lauter Zweierpulte im Raum. Jeder suchte einen Platz und neben mir sass dann zufälligerweise Bruno Schüpfer. Zeichnen mit Herrn Fridolin Trüb war die erste Stunde der Klasse 1d und ich sass „im Zeichnen“ zwei Jahre neben Bruno. Für Deutsch, Geschichte und Französisch im Schulzimmer von Herrn Wild sass ich neben Peter Bösch und für Geometrie, Mathematik und Naturkunde bei Herrn Zogg neben Rolf Huber.

Wie war euer Schulalltag?
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5.2.  Primarschulzeit – Grundschule Oberstufe.

Wie war euer Schulalltag?
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Weg in die Schule und in die Lehre

Meist weckte uns das Melkgeschirr und die Milchtansen, die Vater zum Melken richtete und die beiden plätschernden Brunnen. Das war im Frühling und Sommer um viertelvorfünf Uhr. Da war schnell aufgestanden, gewaschen und Frühstück genommen, denn um zehn nach sechs Uhr ging der Zug in Winkeln nach St. Gallen.

Bei schönem Wetter war es ein herrlicher Weg, zuerst die ganze Säntiskette vor sich, dann der Weiler Hafnersberg, durch den Wald zum Breitfeld hinunter, die Vögel zwitscherten, Rehe grasten oft, aber an verschiedenen Stellen. Eine Idylle.

Praktisch alle Aufgaben wurden auf dem Weg „gelöst“, Gedichte auswendig gelernt, Französisch-Wörter, später Italienisch- und Englisch-Wörter und „Vokabeln“, english correspondence, Buchungssätze usw. usw. gelernt und wiederholt. Daheim Hausaufgaben erstellen, das hat es praktisch nie gegeben. Da hiess es helfen, handreichen, überall wo Vater oder Mutter gerade "dran" waren - und später Flügelhorn blasen.....

Scharen von Erwachsenen gingen um 06.20 in Winkeln und Bruggen auf den Zug. Ein kleiner Anteil der Einwohner hatte damals ein Auto. Welcher Unterschied zu heute! Heute sind es Scharen von Schülern die noch den Zug benutzen

In der Sekundarschule Bürgli bei Lehrer Wild hatten wir in der Deutschstunde pro Jahr ein bis zwei Gedichte auswendig zu lernen und dann vor der Klasse vorzutragen. Wie war ich doch erstaunt, als mich Lehrer Wild hiess, jede Stockung bei jedem Gedichtvortrag durch Einflüsterung (quasi durch Soufflieren) zu überbrücken helfen. Am Schluss aller Vorträge hatte ich dann das Gedicht so vorzutragen, wie es sein sollte.

Ich erinnere mich an zwei Gedichte, die ich, nachdem alle Vorträge erfolgt waren, dann mit grossen Vergnügen am Schluss vortragen durfte: „Skiflug“ von Hans Roelli und „Bauernaufstand“ von Börries Frhr. v. Münchhausen. Das Letztere gefiel mir besonders gut, da es Geschichte betraf und vom Los der Bauern handelte:

        Die Glocken stürmten vom Bernwardsturm. Der Regen durchrauschte die Strassen......

        Aufrauschte d. Flamme mit aller Kraft,brach Balken, Bogen u.Bande                         

        ja, gnade dir Gott, du Ritterschaft: Der Bauer stund auf im Lande!

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Wie war dein Verhältnis zum Lehrer/zur Lehrerin? Inwiefern haben sie dich geprägt?
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6.  Sekundarschule und/oder Gymnasium?

Wie war dein Verhältnis zum Lehrer/zur Lehrerin? Inwiefern haben sie dich geprägt?
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An den Schulunterricht erinnere ich mich erst ab der vierten Klasse, bei Herrn Signer. Für die Knaben war er zuständig. Er war Innerrhoder. Ich war mir dies damals nicht bewusst. Im Nachhinein stelle ich fest: Wir lernten aber kein einziges Appenzeller Lied. Dies war wohl auch ein Ausdruck der damaligen St. Gallischen Abneigung gegenüber allem Appenzellischen. Die Mädchen bevorzugten Herrn Germann als Lehrer. Er spielte Geige. Herr Signer, auch aus meiner Sicht, war ein sehr guter Lehrer. Deutsch, Geschichte, Rechnen, Zeichnen, Singen waren die Arbeitsfelder. Aber über Kultur wie Malerei, Musik, Literatur hatte ich keine Anknüpfungspunkte.

 Allerdings besuchten die höheren Klassen (sechste bis achte Klasse?) des Schulhauses „Bild“ eine Aufführung Friedrich Schiller's Wilhelm Tell im Stadttheater St. Gallen. Erinnerungen? Nur ganz schwach: Das erste Mal im Theater, roter Plüsch, im Parterre sechste oder siebte Reihe, links vom Besucherraum aus, viele Leute im hinteren Teil der Bühne, vorne drei, vier Darsteller in dunkel-grünen oder dunkelgrauen Pelerinen..........

Alljährlich fand im Frühling – am Ende jeden Schuljahres - durch die Sekundarschule Bürgli zum Abschluss eines Schuljahres ein Konzert aller Schüler jeweils in der alten Tonhalle statt. Die Leitung hatte Peter Juon, der Musiklehrer des Bürgli. Wochen vorher wurde mit den Proben begonnen. Ein kleiner „Elite“-Chor von etwa acht bis zehn Knaben – in Anlehnung an die Wiener-Sängerknaben gedacht - sang zwischendurch besonders heikle Lieder. Ich habe es nie in diesen besonderen Chor geschafft.

Man sang viersprachig: deutsch vorwiegend, aber in jedem Konzertprogramm war mindestens ein Lied auf französisch, italienisch und romanisch enthalten. Ich erinnere mich an „Chara lingua della mamma“ und „le ranz des vaches“. Etliche Lieder (in deutsch) stammten von Gustav Haug (1871-1956), der der Lieblingsliederkomponist von Peter Juon war. Die Konzerte waren sehr erhebend.

Das altehrwürdige Stadttheater am Bohl durften in meiner Schulzeit alle Schüler der Sekundarschule mindestens vier Mal besuchen. Von „Was ihr wollt“ kann ich immer noch das Eingangspiel im fünftem Aufzug „hop heissa....bei Regen und Wind“ heranholen: Die Gestalt, das bunte Gewand, mit der Gitarre und den Teil der Bühne vor dem geschlossenen Theatervorhang. Ich erinnere mich, dass „Wie es euch gefällt“ von William Shakespeare und „Der eingebildete Kranke“ von Molière ebenfalls zu den besuchten Nachmittags-Vorstellungen gehörten.

Den grössten Eindruck hinterliess bei mir aber „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist. Ich habe damals den Text teilweise auswendig gelernt und auf dem Schulweg deklamiert. Ich muss damals schon ein Textbuch gehabt haben (wahrscheinlich eine Reclam-Taschenausgabe). An weitere Theaterbesuche erinnere ich mich nicht.

Das heutige Stadttheater entstand recht viel später vis-à-vis der Tonhalle im westlichen Teil der schönen Parkanlage (gegen Osten, der Singenberg).

Anknüpfungspunkte, Anregungen für Literatur und Kunst erhielt ich durch den Bürgli-Lehrer Herr Füllemann mit der Beschäftigung mit „Der grüne Heinrich“ (Gottfried Keller) und dem KV- Ausnahmelehrer Dr. Stampa mit seinen anschaulichen und unvergesslichen Ausführungen über Malerei und Maler wie Franz Marc, Cézanne, Giacometti, Segantini, Hodler und anderen. Auch Helene hat den Kunstsachverständigen Dr. Stampa ebenso intensiv in seinen Französisch-Stunden – gewürzt mit „Unterweisungen in Malerei“ - erlebt.

Ab wann war die spätere Berufswahl ein Thema? Wie standen deine Eltern dazu oder beeinflussten dich?
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6.  Sekundarschule und/oder Gymnasium?

Ab wann war die spätere Berufswahl ein Thema? Wie standen deine Eltern dazu oder beeinflussten dich?
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Weggabelung

Eigentlich wollte ich Automechaniker werden. Aber es kam anders. In der Sekundarschule „Bürgli“ St. Gallen fand ich jedes Schulfach interessant und machte gerne die entsprechenden Aufgaben. Französischwörter und Gedichte lernte ich auf dem langen Schulweg auswendig. Im Sommer jeden Morgen um 05.15 Uhr auf machte mir nicht viel aus. Doch ein Fach, das „Technisch Zeichnen“, das tat ich mit etwas Widerwillen.

Nach der zweiten Sekundarklasse mussten wir Schüler uns entscheiden, ob wir in eine gewerbliche oder in eine kaufmännische Klasse eingeteilt werden wollten. Für mich klar die Gewerbliche. Aber im Spätwinter stellte sich heraus, dass ich in die gewerbliche Klasse von Herrn Zogg einzutreten hätte. Dies liess mich etwas mehr überlegen. Herr Zogg war sicher ein guter Lehrer, aber ein überstrenger Lehrer. Er stellte jeden Schüler bloss, und das konnte er natürlich oft. Er zeigte uns seine Überlegenheit mehr als genug. Ich hatte auch bei ihm gute Noten, aber trotzdem. Mir fingen Deutsch, Französisch, Geschichte, Geographie – also die eher musischen Fächer – mehr zu gefallen.

Und so wählte ich die kaufmännische Richtung!

Wie war dein Beziehungsnetz in dieser Zeit?
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6.  Sekundarschule und/oder Gymnasium?

Wie war dein Beziehungsnetz in dieser Zeit?
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Unser Lebensmittelpunkt war damals den Eltern helfen, beim worben, zetten, Mädli machen. Schochen und Huenzen zusammentragen, rechen, handle (Vormelken), Obst, Kartoffeln, Runkeln auflesen, Böscheli machen, abwaschen usw. usw. Wir sangen aber viel. Im Sommer mit Vater im Stall und im Winter mit Mutter. Joggi und ich jodelten und sangen im Duett, anfänglich Joggi die zweite Stimme, später die erste Stimme, da bei mir langsam die hohen Töne „ausgingen“. Wir jodelten für die Nachbarn im Hafnersberg, auf dem Ätschberg (Bleikers), in Schönengrund (bei Hans Knaus, Dorf), am Unterhaltungsabend des Appenzeller-Vereins in Gossau (dreimal) und auch zwei-mal in Zürich (Turnverein Unterstrasse, bestimmt 600-700 Besucher, Schützenverein a.d.Sihl in der Offizierskaserne; siehe Photo). An Fastnachtsnachmittagen des Bildschulhauses jodelten wir als „Schlussbouquet“ vermutlich drei Jahre 1949 bis 1951, für mich in der vierten, fünften und sechsten Klasse. Mit Mutter sangen wir auch Lieder, zahlreiche Appenzeller-Lieder. Wir sangen gerne, aber im Bürgli mussten wir unseren Sing-Sang unterdrücken. Man sang eben anders!

Bei der Firma Bühler in Uzwil und Winkeln machte James seine Lehre als Werkzeugma-cher 1957-1960. Das gab ihm Gelegenheit neben der Musikgesellschaft Abtwil-St. Josefen auch in der Harmoniemusik Concordia Uzwil als Klarinettist mitzuwirken. Er machte Furore. Er spielte, hörte und las über Musik. Wir hatten Diskussionsstoff in Hülle und Fülle. Was wir alles austauschten; was ich alle mit ihm kennen lernte! Er hatte einen kleinen Kreis von Kollegen, die alle von Musik begeistert - mehr als begeistert - waren. Bald wurde von den "Musigeseln" gesprochen. Rhapsodien usw. von Listz, Donna Diana von Nikolaus v. Reznicek, Der Ackersmann von Kienzl, Phädra von Jules Massenet, Cappricio Italien von Tschaikowsky, Gershwin und und...die Liste wurde immer länger....und würde ellenlang.....

Nach der Lehre bei Bühler, trat er in die Firma Rüti Maschinenfabrik im Zürcher Oberland ein. Und was hatte es dort? Einen berühmten Musikverein: die Helvetia Rüti-Tann. Das war für ihn grandios. Hier begann er sich auszuleben und mit zu gestalten. Er trat auch in die Stadtmusik Zürich ein. In Rüti begann er die Vorbereitung für die Zweitweg-Matura bei der Akademikergemeinschaft in Zürich, weitgehend mit Fernkursen. Zu diesem Entschluss hatte ihn mein Schulkollege Armin Kuratle aufgemuntert. Nach der Matura begann er 1962 oder 1963 an der Uni Zürich zu studieren und zwar Germanistik und nicht - zu unserer Überraschung - im technischen, mathematischen Bereich. Professoren hatten ihm eröffnet, dass seine Fähigkeiten viel mehr in musischem Bereich lägen.

Helene und ich erinnern uns an eine Semesterarbeit über den Flur-Namen „Gill“ an der Thur. Wir besitzen heute noch die Karten mit den Bezeichnungen „Gill“ an verschiedenen Stellen am Toggenburger/St. Galler-Fluss (Prof. Stefan Sonderegger ). Musikalisch gab es auch grosse Entwicklungen. Bald wurde Richard Strauss und seine Tondichtungen und Opern das grosse Thema. „Die Rücksichtnahme im Text von Hugo von Hofmannsthal's von „Frau ohne Schatten“ auf die Musik von Richard Strauss“ wurde das Thema der Dissertation von James (Doktorvater Stefan Sonderegger(?)). Wir hatten lockeren Kontakt, oft am Telefon oder Helene und ich mit James im Alpstein. Aber Musik war immer das zentrale Thema.

Richard Strauss, Smetana und insbesondere Leos Janacek (richtig schreiben auf diesem Tab ist nicht möglich) das waren unsere Austauschthemen. Und bald dann war er am Radio, Studio Bern, DRS 2, tätig; z.B. mit Mattinata jeden Montagmorgen von  06.00-09.00 und mit Klassik-Plattenbesprechungen am Samstagnachmittag....Wie oft bin ich von Bekannten "konfrontiert" worden mit: "Heute morgen habe ich dich am Radio gehört. Du arbeitest auch noch am Radio? Seit wann?". Während einigen Jahren hatten wir praktisch dieselbe Stimme. Ich konnte mich gebauchpinselt fühlen. Die Erklärung der Verwechsel-barkeit bzw. die fehlende Unterscheidbarkeit der beiden Stimmen, rückte alles wieder in die richtige Bahn.

Politisch gingen wir natürlich "getrennte Wege"; DRS und Allg. war für mich viel zu weit weg in der Interessenlage....

Was tatst du in deiner Freizeit? In den Ferien? Mit wem verbrachtest du diese vorwiegend?
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6.  Sekundarschule und/oder Gymnasium?

Was tatst du in deiner Freizeit? In den Ferien? Mit wem verbrachtest du diese vorwiegend?
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Ferien waren für uns eigentlich dazu da, unseren Eltern auf dem Hof zu helfen. Aber es kam doch etwas anders.

Mutter hatte ja elf Geschwister, fünf Schwestern und sechs Brüder. Viele betrieben einen Gewerbebetrieb: Bäckerei, Coiffeurladen, Metzgerei, Hotel garni, Schreinerei, Schmitte....  Diese Geschwister und die (einzige) Schwester von Vater hielten das Leben von uns zwei Buben viel zu "streng", viel zu hart und "überschwatzten" Vater und Mutter, dass dies in den Ferien geändert werden sollte. Wirklich es tat uns gut. Zürich, Rosshäusern, Biel, Lavey-les-Bains, Laupen, Lanzenneunforn (Lanzenüfere) waren im Laufe der Zeit unsere Ferien. Wir lernten "die ganze Welt" kennen und eben Wissen und neues Können hinzu.

 Lavey-les-Bains, Dents du Midi

Eines schönen Morgens stiegen wir – Tante Clairie, Renate, Josette und ich nach dem Marsch von Lavey-les-Bains nach St-Maurice - den Weg durch die Felswand nach Verossa hinauf. Dort stiessen weitere Verwandte hinzu. Ein Knabe wanderte mit mir etwas voraus. Es ging durch Wiesen stetig aufwärts. „ Où on va? » « En au tzü : en haut dessus » ; nach oben gegen die Dents du Midi.

Die Gruppe wollte in die myrtilles: Heidelbeeren. Es musste weit hinaufgestiegen werden. Aber es hatte dann wirklich viele Beeren. Die Felsen der Dents du Midi schienen sehr nahe. Eine Stunde hätte es aber bestimmt noch gebraucht bis an den Fuss der Felswand. Es war auch eine wunderbare Sicht das ganze Tal hinab. Taufrisches, dunkelgrünes, sattes Gras glänzte und glitzerte im Sonnenlicht.       So habe ich es immer noch vor mir, in Erinnerung.

Der Rückweg war beschwerlicher, vor allem für Tante Clairie. Die Füsse taten ihr fürchterlich weh. Von Zeit zu Zeit jammerte sie wirklich, stand still, kniete nieder, rieb sich die Zehen und Füsse. Warum zieht man nicht hohe Schuhe an? Durch St-Maurice mit hohen Schuhen? Mit Müh und Not und mit grosser Erleichterung erreichten wir Lavey-les-Bains.

 

 

 

 

Hast du in deiner Jugend und später Sport getrieben? Oder dich zumindest dafür interessiert?
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7.  Meine Freizeit

Hast du in deiner Jugend und später Sport getrieben? Oder dich zumindest dafür interessiert?
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Eigentlichen Sport habe ich nicht betrieben. Ich hatte bis anhin genug körperliche Tätigkeiten und Bewegung, daheim in der Landwirtschaft und mit den Schulwegen und Wegen zum Arbeitgeber (Lehrstelle). Später dann, so ab 1978 begann ich dann mit Langlauf. Diesen Sport betrieb ich ziemlich ausgiebig, dann aber über das  Jahr 2000 hinaus.

Unser Sport heute ist das tägliche "Laufen" zu Dritt oder zu Zweit. Seit etwa 2007 gehen wir von Dienstag bis Sonntag, auch wenn "es Katzen hagelt", zu Dritt - Helene, Berit und ich -  am Morgen von so 07.00 bis 09.00 abwechselnd in die vier Himmelsrichtungen. Jeden Montag hingegen marschieren Helene mit Alice (Informationsaustausch) und ich alleine mit Berit, vielfach in meine ehemalige Heimat am Tannenberg oder im Sommer in den Alpstein. Jeden Mittag hingegen nach dem Mittagessen zotteln Berit und ich ebenfalls bei jedem Wetter zwischen einer halben bis zu einer Stunde im Dorf oder in der nahen Umgebung umher.                               Sport ist darüber hinaus für uns kein Thema.

Deshalb fahre ich weiter in meiner grossen Welt der Musik.  

Musique Militaire de Neuchâtel 1957-1959

Die Lehre in St. Gallen endete Ende April 1956. Ich habe in Neuchâtel schnell Fuss gefasst; dank Hans Michel, damals 1957 stagiaire wie ich bei der Banque Cantonale de Neuchâtel via Thurgauische Kantonalbank, Egnach, - bei mir war die St. Gallische Kantonalbank, St. Gallen, die Intermediärin - und dank der Musique militaire (musique officielle de la ville de Neuchâtel). Die Stadtmusik umfasste um die siebzig Blechbläser und hatte in Riccardo Rovira einen ausgezeichneten Dirigenten. Im Sommer spielte ich bei den Konzerten au bord du lac usw. mit. Ich erinnere mich an den Titel von Jerôme Kern „Smoke in your Eyes“. Am kantonalen Musikfest spielten wir Egmont von Beethoven. Oder später das Andante aus der „Unvollendeten“ von Franz Schubert. Unvergesslich! Auch heute noch denke ich, waren das ausserordentlich gute Interpretationen. 

Am Mi-été auf dem Chaumont erfuhr man vom Tode von Stephan Jäggi. Dort spielte ich in einem Wäldchen nebenan mit dem gleichaltrigen Berner Trompeter Emch verschiedene Piècen, deren Noten oder Arrangements mir später immer wieder begegneten.

Ja, es ist lange her. Ich kann nur noch bruchstückweise darüber schreiben. Aber es beein-druckte einem doch sehr. An einem grauen, dunkeln Vorabend versammelte sich die Musique militaire de Neuchâtel in der Nähe eines historischen Gebäudes. War es der Palais de Peyrou? Auf alle Fälle wir standen oben auf einer Treppe in Konzertaufstellung. Unten auf dem grösseren Platz näherte sich General Guisan mit einer Gruppe hoher Offiziere und zivil gekleideter Leute – Politiker und andere wichtige Personen. Es lief alles ganz sachte und still ab, keine lauten Worte. Man sah Guisan (1874-1960) klein von Gestalt – über achtzig jährig – in einem langen Mantel, mit verschiedenen Personen diskutierend. Was haben wir überhaupt gespielt? Ich weiss es nicht mehr. So ruhig und geordnet verliess die Gruppe den Platz wie sie gekommen war....

Der Umzug des Fête des Vendanges, an dem „La Militaire“ als offizielle Musik teilnahm, war physisch sehr anspruchsvoll. Der zweimal absolvierte „Umzugskurs“ dauerte bestimmt mehr als zwei Stunden: stetig marschierend und spielend. Im zweiten Umgang habe ich den damaligen zündenden Hit „arrivederci Roma“ in Erinnerung. Helene und ihre Mutter waren Zuschauerinnen des Umzuges.

Hast du dich für Musik interessiert? Wie hast du Musik gehört?
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7.  Meine Freizeit

Hast du dich für Musik interessiert? Wie hast du Musik gehört?
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Richard Wagner

Verhältnismässig kurze Zeit nachdem ich dem Ratschlag von Dr. Seel nachleben durfte. verschwand das Asthma völlig. Die Eltern liessen mir auch viel mehr Freizeit!

Neben Lehre, Schule, Schulweg, Arbeiten auf dem grossväterlichen Hof, übte ich so oft ich konnte im Schloff (Estrich neben dem Bubenschlafzimmer) mein Flügelhorn blasen. Jede Note und jedes Notenblatt hatte ich zu lesen: vor allem die beiden Notenbücher „Am Waldrand“ und „Der Flotte Trompeter“. Im hinteren Teil des zweiten Bandes hatte es dann eine „Wagneriana“. Die hatte es mir bald besonders angetan. Aus Rienzi, dem fliegenden Holländer, Tannhäuser und den Meistersingern hatte es Texte und Noten. All dies tönte völlig anders, als alles bisher geübte. Immer und immer nahm ich diese Noten „zur Hand“ und wollte diese Notenfolgen begreifen. Mit Geduld und Uebung begannen allmählich die Melodienführungen einen Sinn zu haben. Hinter Wagner musste doch unglaublich viel „stecken“!

Walters Preislied aus den Meistersingern wollte und wollte einfach nicht in meinen Schädel. Was will er mit diesen kurzen Notenschritten ausdrücken? Da steckt doch keine Melodie dahinter? Oder wo ist sie denn diese Melodie? c d g fis f e e oder d c e g fis f h c und wieder c e g– und und das in C-Dur. Das soll die Wirkung eines Liebesliedes – eines Preisliedes haben?! Es dauerte lange; aber die Erleuchtung kam dann aber ganz plötzlich wie ein Blitz aus dem Himmel.

Endlich wieder einmal waren ausser Joggi und mir niemand „Verdächtiger“ im Haus. Und flugs war das Radio eingestellt und - eben wie ein Blitz - ein kalter Schauer ging den Rücken hinab: c d g fis f e und c e g fis f h.... Das war die Meistermelodie des Walther, in diesem Moment in der Bauernstube in Staubhausen. Wie oft habe ich später die Meistersinger auf Tonband mit Orchesterpartitur und Libretto genossen und, ungefähr vier Jahre später als diese Initialzündung, das ganze Werk in Covent Garden London erlebt.

Sehr viel gelesen, sehr viel gehört und gesehen, viel geübt und viel diskutiert: über Wagner! Wenn das Thema Wagner diskutiert wird, hört man alsobald: Aber Wagner war ein Antisemit. Die meisten Personen die sich so äussern, aber auch unendlich viele Intellektuelle und praktisch alle Medien, äussern sich dergestalt. Ich kann diese Äusserungen nicht verstehen. Ich höre über Israel nur negatives. Und alle Meinungen fallen zugunsten der Palästinenser - trotz Gasa, Raketen, Tunnelbau, Vorbedingungen usw. usw. - aus. Das nenne ich Antisemitismus in viel grösserem Stil, als dass dies Wagner getan hat!  Die Alternative? Wo wäre die Welt ohne Israel?!

 

Etwa im Alter 25 habe ich eine neue Richtung in Erfahrung bringen wollen.

Igor Strawinsky geb.05.06.1882 bei St. Petersburg, gest. 06.04.1971 in New York 1910-1920 meist in der Schweiz.

Soviel war über den „Sacre du Printemps“ (1913) und die Moderne zu lesen, dass ich das kennen lernen wollte oder „musste“. Mit Tonband, Partitur und vielfach Kopfhörer setzte ich mich oft stundenlang in ein Nebenzimmer. Mit der Partitur ging es erheblich ergiebiger. Gleichwohl habe ich den „Sacre“ wohl gegen dreissig Mal gehört und Partitur „gelesen". Es hat sich gelohnt. Innert kurzer Zeit war nachher diese Art von Musik auch von anderen Komponisten wie Ravel, Bartok, Debussy, Berg.... für mich zugänglicher. Den „Sacre du Printemps“ habe ich mit dem verstärkten St. Galler Stadtorchester mit Jiri Kohout(?) ca. 2000 in der Tonhalle gehört. Es war wirklich beeindruckend!

Junge und jüngere Leute geraten hin und wieder in Extase z.B. bei den Beatles oder den Rolling Stones wegen. Unbegreiflich! Mit solch unbedarften Werklein, kompositorischen Nichtigkeiten oder Ausflüsse geistiger Unterernährung und Verrenkungen auf der Bühne lassen sich die Jugend und zum Teil auch ältere Semester abspeisen. Wenn sie beim „Sacre“ in einen Freudentaumel oder in Trance gerieten, würde ich das begreifen.

L’histoire du soldat habe ich dank dem Fernsehen kennen gelernt. Die Geschichte gefiel mir auf den ersten Augenblick. Dieses schöne Kleinst-Orchesterlein mit einem wunderbaren Cornettpart ist mir sofort sympathisch gewesen. Musik und der Text Ch. F. Ramuz, eine Kleinoper mit Vorleser, Tänzer und Schauspieler ist derart abwechslungsreich. Für einmal sei die Politik aus dem Spiel. Es ist einfache pure Freude.

Und nun zur heutigen sog."modernen" Musik, wie z.B. Open Air’s. Eine riesige Bühne steht wie ein schwarzer Moloch, hinten und auf der Seite mit Elektronik vollgestopft. Vier, fünf Personen „spielen“ Gitarre und „bewegen“ sich zum Takt, möglichst unkonventionell, aber „modern“, ein Schlagzeuger behandelt seine "Küche" und will auch zeigen, dass er all die Schlaginstrumente, so viel es nur geht, malträtieren kann. Der Rhythmus fährt eine gewisse Zeit mehr ein, als der lauteste und eindringlichste Gleichschritt eines Militärmarsches. Dabei sind sie doch alle gegen das Militär..... Und dann hüpft, tänzelt, verrenkt sich, lümmelt, hopst, schüttelt, marschiert theatralisch der Sänger (oft auch zwei) vorne auf der Bühne, vor seiner Band und schreit gleichzeitig versessen ins Mikrofon, oder frisst er das Mikrofon im nächsten Augenblick auf? .....Immer dieselbe Lautstärke, immer der gleiche Rhythmus, ausser hie und da am Anfang eines sogenannten Stückes sind Lautstärke und Rhythmus einige Takte dezenter, aber dann los wie die Feuerwehr.. altmodisch... - los wie in der Vorhölle.... Ein stetiger Klangteppich knapp an der Schmerzgrenze. Und dann noch dazu: Wo sind bei diesen (sogen.) Musikern keine Drogen- und Alkoholprobleme?

Alle Zuschauer (kann von Zuhören die Rede sein?) halten praktisch beide Arme in die Höhe und klatschen, klatschen und die ganz Jungen, vor allem die jungen Gören, kreischen fast unentwegt. Das Wohlgefühl steigert sich nur noch mehr, wenn es regnet und nass wird und ist. Dann kommt die Kultur der sich im Dreck suhlenden Säue dazu. Woodstock perfekt!

Sogenannt moderne Kultur? Unkultur. Dekadenz. Der Pöbel pur.

Die Intelligenzebene oder die Intelligenzleistung, eine Sinfonie, ein Streichquartett oder eine Oper anzuhören, dürfte mehr als merklich höher sein.

Hast du Musik gezielt gesammelt?
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7.  Meine Freizeit

Hast du Musik gezielt gesammelt?
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Ziel Trompeterprüfung

Man ist jung und schlägt oft Ratschläge in den Wind. Ein Ratschlag von Willy Jud von der Abtwiler Musikgesellschaft in den wenigen Stunden, die ich bei ihm nahm, war - täglich zu üben. Aber das war oft schwierig. Schule, Lehre, Wohnung auswärts, ohne genügenden Schalldämpfer waren keine Ausreden. Aber es hätte hie und da schon zu mehr üben gereicht.

Nach der ordentlichen Stellung in Neuchâtel hatten die angehenden (möglichen) Trompeter in Colombier anzutreten. Wir waren etwa zwanzig Anwärter, die sich in einem grossen Halbrund aufzustellen hatten. Prüfer war der adjudant instructeur Anklin. Es ging so là là.

Ich hätte bestanden und er werde meine Unterlagen nach St. Gallen weiterleiten. Von dort bekam ich das Dienstbüchlein mit der Einteilung als Übermittlungs-Soldat. Mit etwas Umwegen gelangte ich aber gleichwohl zur Einteilung in das Spiel. Auch bis zur RS war tägliches Üben leider keine Selbstverständlichkeit. Und deshalb war auch der Beginn der RS recht  harzig.

Erst Jahre später konnte ich das tägliche Üben mit dem Einzug in unser Einfamilienhaus 1967in Oberuzwil wahr machen.

 

Das bewusste Leben fing in Bezug auf James für mich an …mit seinem „Musikbeginn“: Damals, eines schönsten Sonntagabends im Herbst, beim Abstieg vom Burgstock, unterhalb des Ätschberges; wir hatten gerade mit Karl Jöhl's Gruppe gespielt. Diskussion zwischen James und mir: „Ich will keine Noten mehr halten, ich will auch ein Instrument spielen!? Flügelhorn, wie Du? Vielleicht doch etwas anderes? Klarinette? Ja, Klarinette!“. Also Klarinette, Klarinettenlehrer (Haug) und Klarinettenstunden und Fortschritte wie mit Meilenstiefeln! James von jetzt auf gleich!

Hast du selber ein Instrument gespielt? Warst du in einer Musikformation, in einer Band?
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7.  Meine Freizeit

Hast du selber ein Instrument gespielt? Warst du in einer Musikformation, in einer Band?
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Nach den „Stationen“ Abtwil-St. Josefen, Neuchâtel, Jona und Rapperswil, Schlieren und Wallisellen, begann im Frühling 1967 die fast vierzigjährige Tätigkeit bei der Harmoniemusik Concordia Uzwil, vornehmlich als Bläser, als Musikkommissions-Mitglied und wahrscheinlich gegen zwanzig Jahre als Kassier (teilweise ohne Einsitz im Vorstand), Troubleshouter und einmal sogar als Regisseur eines gelungenen Frühlingskonzertes.

Natürlich habe ich die Concordia schon vorher gekannt, durch Helene und die Schilderungen von James. Ich mag mich an ein Konzert in der Reformierten Kirche in Niederuzwil mit Helene erinnern, an dem die „Titanic“ von Stephan Jäggi gespielt wurde. James berichtete mir über den „Ackersmann“ von Franz Kinzl und die „Phädra“ von Jules Massenet. Ich „kannte“ auch Bläser durch James, aber sie kannten mich nicht; von Franz Böni, der das Trompetenkonzert in Es von Joseph Haydn viel übte und auch öffentlich gespielt hat, dann auch von Ernst Schütz, dem „Milchmann“, dem Dirigenten Willy Müller und vor allem von Walter Lehmann, Euphonium-Bläser, Vertreter von Holzbearbeitungsmaschinen, hat mir James viel erzählt.

Es begann aber für mich richtig mit dem Wohnortwechsel von Wallisellen nach Oberuzwil und dem Bezug des Eigenheims am 17. März 1967 an der Morgenstrasse (damals noch, heute Arvenweg 10). Die Concordia hatte ausserordentlich gute Zeiten und ich einen sehr guten „Vorspieler“ in Paul Berger. Die Besuche der Musikfeste in Herisau, St. Gallen, Appenzell waren schöne Erfolge. Die Krönung war dann das Eidg. Musikfest 1971 in Luzern (mit Harlem Shadows und Perikles (?) von Königshofer). Wir haben auch eine Schallplatte aufgenommen (mit Rico Sonderegger, St. Gallen) und eine Aufnahme mit dem Schweizer Radio absolviert. Concordia-Intern bildete sich mit Max Sidler sen., Paul Seewer, Klarinetten, Hausi Müller Posaune, oft auch mit unserem Dirigenten Willy Müller, Es-Melodiehorn, wechselnden Akkordeonisten und Bassisten und mir auch eine Stegreif-Gruppe, den "Bombotzern". Wir bestritten unzählige Auftritte an Hochzeiten, Concordia-Anlässen, Herbstmärkten (u.a. mit Ueli Lusti) und sogar SBB-Sonntags-Nachmittags-Ausfahrten nach Stäfa und Maienfeld - und dies vorwiegend im Bündner- oder Appenzeller Stil.

Mit zu den Schönsten Erinnerungen gehört das Musizieren mit dem Quartett Walter Lehmann und Hansruedi Müller (Euphoniums) und Heinrich Schmid und mir (Cornette). Wie oft konnten wir mit Chor und Orgel Messen/Mitternachtsmessen in Oberuzwil mitgestalten; dies während etwa zehn Jahren. Und dann war da noch die Brass Band Ostschweiz von ca. 1984 bis 1993 oder 1994. Auch dort lernte ich Leckerbissen der Blasmusik – der englischen Brass Bands - kennen (Ball, Gregson, Langford, Sparke usw.)

Hingegen im Bereich des Jazz hat sich mein Interesse völlig geändert.

Das Wort Jazz ist auf der ganzen Welt bekannt, was Jazz ist, schon weniger. Es sei modern, es sei anders, es sei Lärm, es sei die Musik der Schwarzen in Amerika, es sei die Musik der Jugend vor dreissig, vierzig Jahren.....

Jazz ist anders, Jazz war grundsätzlich das Gegenteil der „klassischen“ Musik, seit etwa 1960. Einige schwarze Musiker 1910-1940 in den USA dürften sich dessen selbst bewusst gewesen sein. Jazz ist mehrheitlich von "Weissen" in der ganzen Welt "besetzt". Jazz bis so 1960 ist als "Form der Schwarzen" absolut ein Genuss und für mich akzeptierbar.

Hingegen ist Jazz folgendes anzukreiden:

  1. Die Genauigkeit bei der Ansetzung eines Tons ist beim Jazz nicht gewollt. Man „probiert“  den Ton.
  2. Im Jazz wird die erste Note oder eine Hauptnote kurz mit einem flush hochgezogen; in einer klassischen Partitur gibt es dies nicht (bzw. sehr selten!)
  3. Bei einer punktierten Note und einer Sechzehntel‘s-Note wird die sechszehntel Note im Jazz um etliches länger gehalten als in der klassischen Lesart
  4. Im Jazz ist viel eher der zweite Taktteil betont und nicht der erste, wie in der Klassik
  5. Abreissen eines Tones gibt es im Jazz, nicht in der Klassik (Klassik modern möglich)
  6. Beim Jazz ist eine lange Note eher nicht gerade gehalten, sondern die lange Note wird vielfach mehrfach moduliert
  7. Im Jazz wird Stegreif  dh. improvisiert gespielt. In der Klassik gibt es dies nicht, ausser bei einer Kadenz des Soloinstrumentes. Meistens ist aber auch die Kadenz voll notiert
  8. Sehr oft trifft dies zu: Im Jazz lang notiert ist kurz zu spielen; kurz notiert ist lang zu spielen
  9. Der Jazz lässt den Musikern sehr viel Freiheit, in der ernsthaften Musik ist alles bestimmt und genau aufgeschrieben – notiert, die Freiheit ist in engen Grenzen, mit anderen Worten im Jazz ist die Freiheit schier grenzenlos, dadurch in der Regel beliebig, manieriert. In der Klassik gibt es Grenzen bei Genauigkeit, Disziplin usw.
  10. Im Jazz gibt es bald mehr bzw. bald nur noch Synkopen zu spielen 

Heute nähern sich die beiden Musikrichtungen hie und da an. Jazzelemente kann es in heutigen „ernsten“ Kompositionen geben. Der Trompeter Wynton Marsalis ist ein absoluter Könner im Jazz wie in der klassischen Musik. Auch die Ausbildung geht auf die „andere“ Richtung ein. Auch in der Blasmusik nimmt man sich sehr dieser Musikrichtung an. Bei der Jazz-Interpretation durch Blasmusik bin ich auf diese zehn Kriterien überhaupt selbst gestossen. Mich überzeugt Jazz nicht mehr. Was bringt denn eine Kultur, die sich nur auf ein Gegenteil kapriziert? Beliebig ist heute vieles im Leben. Hat Beliebigkeit Bestand? Langfristig? Ich bin da sehr skeptisch, mehr als skeptisch!

Auf alle Fälle seit ca. 2007 ist Jazz für mich ein Unthema, ausser es betreffe die Zeit vor 1960!

Hattest du in bestimmten Lebensphasen wichtige Freizeitbeschäftigungen?
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7.  Meine Freizeit

Hattest du in bestimmten Lebensphasen wichtige Freizeitbeschäftigungen?
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Musikalische Sterne

Dank der Blasmusik habe ich Teile der „grossen“ Musik tiefer und intensiver kennen lernen können, als dies vielen ordentlichen Zuhörern möglich ist.

 Mit der Musikgesellschaft Abtwil-St. Josefen kann ich mich an eine Transkription von „hoher“ Musik erinnern, an die Ouvertüre „Belisar“ von Donizetti und das Original-blasmusikwerk von Karl Friedemann (Stadtmusik Bern) „Das Leben ein Kampf“. Das für mich musikalischste Stück war ein Melodien-Querschnitt von Karl Komzack. Das Solo für zwei Sopranstimmen „Die beiden kleinen Finken“ von H. Kling ist für mich erwähnenswert, weil ich neben Robert Nef (Solostimme) die zweite Solostimme spielen durfte (1955-1957).

 Die Musique Militaire de Neuchâtel war ein grosser, homogener Blech-Klangkörper mit nur einem Sopran- und ein/zwei Tenor-Saxophonen (total ca. 70 Bläser). Der Dirigent, der war ganz ausserordentlich: Riccardo Rovira, Trompeter beim Orchestre de chambre de Lausanne.

Egmont von Beethoven fand ich eine grossartige Transkription und es wurde am Fête cantonal in Peseux auch grossartig aufgeführt. Titanic von Stefan Jäggi, Querschnitte über Faust’s Verdammnis von Charles Gounod, über Coppelia von Léo Delibes und über Euryanthe von Carl Maria von Weber sind mir immer noch in lebhafter Erinnerung; natürlich auch deshalb, weil ich die Hauptstimmen für mich in einem Heft notiert habe und sie heute noch oft übe.

(1959-1960)  Als Mitglied der Feldmusik Jona und dem Dirigenten Engelbert Kreml konnte ich noch in genussreichere Gefilde „steigen“. Die „Polowetzer Tänze“ aus Fürst Igor von Alexander Borodin, eine Bearbeitung eines Werkes von Johann Svendsen, Cappriccio Espagnole von Nicolai Andr. Rimskij-Korsakow und eine Transkription über den „Walzertraum“ von Oskar Strauss, waren Leckerbissen. Zur gleichen Zeit war ich auch Mitglied der Stadtmusik Rapperswil (Dirigent Werner Speth, Horn Tonhalleorchester). Der Eindruck dieser beiden Vereine hätte nicht unterschiedlicher sein können: Rapperswil ein 2. Klasse-Verein, Jona ein absolutes Top-Orchester. Engelbert Kreml war wohl ein Schauspieler, aber ein exzellenter Dirigent und Musikvermittler. Das „Neapolitanische Ständchen“ von Gerhard Winkler ist ein unscheinbares Werklein, aber von Kreml einstudiert, wurde es zum luftigen, heiteren Kabinettstück.

Und die Brass Band Ostschweiz in Schwarzenbach mit Fritz Grimm war ein wunderbarer (Zwischen-)Abschluss meiner eigenen musikalischen Erfahrungen (von etwa 1983 bis etwa 1994).Gestalten, ausmusizieren, Akzente setzen, Agogik.... all dies war die Vorstellung von Musikdarbietung und Musikerleben bei und mit Fritz Grimm (Direktor der Vereinigten Kieswerke, Wil; später zum Leidwesen von Fritz - Kieswerke von Holcim übernommen).

Wir spielten keine „hohe“ Musik, aber sehr gute Blasmusikliteratur, allen voran von Eric Ball (First Rhapsody of Negro Spirituel, Indian Summer, Sunset Rhapsody, Three Songs without words etc.) und Edward Gregson (Voices of Youth). Fritz Grimm legte seine Ideen vor allem in die Vorträge von Chorälen, Brass Band Chorälen. Dort feilte und feilte er, endlos, legte aber damit den Grundstein für die Interpretationen von Eric Ball’s Werken.

Was bedeutete/bedeutet der Computer und das Internet in deinem Leben?
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7.  Meine Freizeit

Was bedeutete/bedeutet der Computer und das Internet in deinem Leben?
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Sowohl in Freizeit, aber noch viel mehr in Beruf:  Unverzichtbar!

      (Internet allerdings erst privat eingerichtet und angewendet, nach Berufsleben)

In Winterthur-Seen bei Walter Steiner Stewi hatte ich infolge Ausfall eines Buchhalters von einem Tag auf den anderen, ein Lochkartengerät IBM und einen sogenannten Tabulator zu bedienen. Damit begann für mich alles mit der EDV, der elektronische Datenverarbeitung.

Die Zeit in der OBTG/OBT war die Suchzeit. Die Entwicklungsrisiken spürte ich ins-besondere dank meiner Revisionstätigkeit bei einer EDV-Tochtergesellschaft der OBT.   Bull, Burroughs, IBM, NCR, etwas später Hewlett Packard, Kugelkopfschreibmaschine IBM. Der Runner ca. 1983 im Bereich Buchhaltung war dann der PC IBM 23 für bestimmt sieben, acht Jahre (bei Treviso).

1970 bei der OBT gab es bereits Buchhaltungslösungen mittels Elektronik. Zudem war die Datron (die einen Grosscomputer für Buchhaltungen usw. betrieb) eine Tochterfirma der OBTG Bürgschafts- und Treuhandgenossenschaft, so wie es die OBT Treuhand AG ab ca. 1973 oder 1975 auch war.      

Die Besonderheiten an der OBT-Lösung waren der Ausdruck der verarbeiteten Daten, die zeitliche Abfolge und das Komprimieren der Datenmengen. Diese Lösung ist in Nachtarbeiten und laut Aussagen in wenigen Wochen, wenn nicht Tagen von einem Herrn Künzler erarbeitet worden. Die Daten wurden batchweise (Stapelweise mit Kontrolltotalen) erfasst und verarbeitet. Von der Datron erhielt man je nach Wunsch monats-, quartalsweise oder anderen Zeiträumen umfassende Ausdrucke mit Endzahlen pro Monat jeden Kontos und Ende Jahr einen Jahresausdruck mit monatlichen Totalzahlen. Details musste man in den einzelnen Monatszahlen mühsam suchen. Das war für die Datenverarbeitung abwicklungsmässig rationell, papiersparend und kostengünstig. Vor allem für die Revision und die Handhabung war dies gar nicht zweckmässig. Das Suchen und Auffinden der  Zahlen und Summen war zu zeitraubend.  

1983 bei der Treviso-Treuhand AG, bei der ich Aktionär und Partner war, arbeitete ich erstmals richtig an einem IBM-Computer. Bei Kunden (bei AHV-Kassen oder Elektro-Sanitär etc.) sass ich hie und da an einem Bildschirm, aber unter Anleitung von Mitarbeitern der geprüften Institutionen.

Von 1983 an war Computer kein Fremdwort mehr. Bald hatte ich selber eine Version sogar bei mir daheim und Anwendungen wie Multiplan (Tabellenkalkulation) und Word folgten also gleich.

Viel Zeit habe ich ca. 1986 in dieses erste Tabellenkalkulationsprogramm „Multiplan“ eingesetzt. In meiner Umgebung kannte dies für verhältnismässig lange Zeit niemand. War dies doch schön, Jahresabschlussgestaltungen (strukturiert mit Verhältniszahlen) und Kapitalflussrechnungen so einfach herzurichten und bei Kunden zu präsentieren!

Ein besonderes Brother-Druck-Maschinchen (1984?), das nach Eingabe der entsprechenden Daten, mit Knopfdruck, die Entwicklung von Bilanzen, Erfolgsrechnungen über mehrere Jahre graphisch darstellen konnte, hat sehr viel guten „Eindruck geschunden“. Technisch versierte Leiter und Unternehmer haben dieses Visuelle zusammen mit den schriftlichen Kommentaren vor allem geschätzt.

Und plötzlich waren Begriffe wie Excel, Word, Microsoft, Portable, Notebook usw. und Banana-Buchhaltung (für Kleinkunden) übermächtig in aller Munde!

Hattest du in dieser Zeit, oder schon früher, ein Idol?
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7.  Meine Freizeit

Hattest du in dieser Zeit, oder schon früher, ein Idol?
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Heilsarmee-Sound / Eric Ball

Auch in Neuchâtel (1957 bis 1959) haben Musik und Blasmusik selbstverständlich eine grosse Rolle gespielt. Ich hatte jetzt mein eigenes Radio und war Mitglied in der Musique Militaire de Neuchâtel (Stadtmusik von Neuchâtel, mehr als 70 Blechbläser) und spielte Cornet. Da konnte ich wieder viele Erfahrungen sammeln.

An einem Freitag- oder Samstagmittag kam ich vom Mittagessen in meinem Zimmer bei Madame Mercier an der faubourg de l’hôpital an und setzte das Radio in Gang. L’émission de la radio suisse romande „Soufflons un peu“ par Géo Voumard ( ?) était en train…..

Auf die Ansage des Blasmusikvereins achtete ich gar nicht. Auf alle Fälle wurde ein Musikstück in wunderbarem Heilsarmee-Klang oder englischem Brass Band Sound wiedergegeben. Diese Spielweise schwebte mir ja gerade seit längerer Zeit vor. Der Vortrag fesselte mich. Dies auf Radio Lausanne! Ich hörte mit grossem Erstaunen mit und mein Erstaunen wurde noch grösser, als der Radiomann die Interpreten bekannt gab: Musikverein Speicher, Speicher dans le canton d’Appenzell extérieur... sous la baguette de Ernst Graf. Der welsche Moderator selber äusserte sich sehr lobend über diese neue musikalische Gestaltung.

Diesem Sound eiferte ich nach und konnte nacheifern bis gegen 2000.

 

Der Leser wird sich fragen, wie es sich denn verträgt, sooft Volksmusik zu hören und zu spielen/singen und sich ebenso intensiv mit ernsthafter sog. Klassischer Musik zu beschäftigen. In der Schweiz ist man sich viel zu wenig bewusst, dass praktisch alle Komponisten im 19. Jahrhundert und später, Teile von Volksmusiksgut (auch schweizerische) "Melodien, Tonfolgen" in ihren Werken verarbeitet haben. Hier nur eine Auswahl von "Volkskundlern": Haydn, Mozart, Weber, Mendelssohn, Schubert, Smetana, Wagner, Strauss, Béla Bartok (hat insbesondere Feldforschung betrieben), Leos Janacek, die Spanier (de Falla), die Russen (Tschaikowsky usw.), Franzosen (Bizet, Berlioz, Ravel), die Nordländer (Grieg, Sibelius) usw. usw.

Richtige Volksmusik - auch hier ist sehr ernsthaft zu unterscheiden - zu der "Volksmusik", die man in Radio und Fernsehen und Land auf und ab als Volksmusik empfindet. Es gibt sie,  die "richtige", auch in den erwähnten Medien. Aber man muss sie suchen, aussuchen und sich befassen damit und etwas studieren dabei....... 

Welche Rolle spielte das Lesen in deinem Leben?
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7.1.  Meine Freizeit – Lesen.

Welche Rolle spielte das Lesen in deinem Leben?
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Neben Musik war Lesen meine Hauptbeschäftigung, deutsch, aber auch französisch und englisch.

Wie wir lesen lernten entsinne ich mich nicht mehr. Aber schon früh wussten wir, dass der betagte Nachbar in Staubhausen, Vater Näf fast täglich sehr viel las. Das machte uns Eindruck. Etwa im Alter von 10 Jahren erklärte uns Mutter, dass er alles von Gotthelf gelesen habe. Sie erzählte uns einfach das was sie wusste über den Pfarrer und Bauerndichter Jeremias Gotthelf. Das stachelte uns an. Hatte es nicht etwas im Schloff oben von Gotthelf?

Lesen im Alter ist eine Weisheit, denn Lesen hält jung. Lesen ist eine Frischzellentherapie ohne Chemie. Lesen verspricht uns, der ergrauten Generation, einen Weg zu einer sanften Revitalisierung. Lesen hilft das Einrosten zu verlangsamen; Lesen hilft die Demenz zu verzögern. Und man liest anders wenn man einen längeren Lebensweg hinter sich und einen kürzeren Lebensabschnitt vor sich hat.

Laut Wikipedia, der freien Enzyklopädie, bedeutet Lesen im engeren Sinn, schriftlich niedergelegte, sprachlich formulierte Gedanken aufzunehmen und zu verstehen. Das ist mir zu wenig! Lesen heisst mehr. Lesen heisst eigene Gedanken und eigenes Wissen hineinzubringen (bei Wikipedia steht da geschrieben: Ein wichtiger Teilaspekt des Lesens sei Reflexion..).

Beim Lesen ist es – mehr als ein Teilaspekt, sondern ein Hauptaspekt - enorm wichtig, zu beurteilen versuchen, kritisch zu beurteilen, auf mehrere Seiten hin, zwischen den Zeilen zu lesen, das Gelesene und die Gedanken zu überprüfen versuchen, u.U. das Gegenteil heraus zu kristallisieren, weiter zu spinnen und weiter zu entwickeln, das Gelesene und die neuen Gedanken aufzulisten, auszuwerten, zu bewerten und zu gewichten, die Gedanken beim Lesen weiter zu verfolgen, Bestätigungen zu suchen, nachzugehen. Das gilt sowohl bzw. insbesondere beim Lesen von Zeitungen; insbesondere bei diesem krass einseitigen Journalistengemenge.  So gesehen und so „bearbeitet“ ist Lesen eine ertragreiche, stetige Ernte.

Natürlich besteht die Gefahr, das „Gras wachsen zu hören“, Gefahr (kann man da von Gefahr schreiben?), in das Gelesene zuviel hinein zu interpretieren. Wenn beim Lesen und Hören nur ein klein wenig mehr gedacht würde, wäre die Gesellschaft, der Mainstream, die Öffentlichkeit weniger nur nachplappernd und weniger geistig unterernährt.

Eine gute Zeitung setze ich voraus. Zum Glück liegen nicht ungewollt alle Zeitungen im Briefkasten, sondern nur die Bestellten. Man kann ein Qualitätsblatt auswählen und bestellen und damit all den Ramsch an Gratiszeitungen und Boulevard-Gewäsch vermeiden. Ein Besuch eines Kiosk's am frühen Morgen – ist auch tagsüber so – könnte einem den Magen umkehren ob all dem Angebot an geistiger Unterernährung – die zudem zu oberst liegt, über dem einzigen, hiesigen Qualitätspresse-Erzeugnis, der NZZ!

Zeitunglesen weckt soviel Neugierde, gibt so viele Impulse, fordert Widerspruch heraus und lässt oft den Adrenalin-Spiegel heftig ansteigen. Seit Jahrzehnten: Ohne Kugelschreiber lese ich keine Zeitung, da wird unterstrichen, auf dem Seitenrand Striche angebracht, Gedanken, dort wo es Platz hat, notiert, selbstverständlich mit einer Referenzierung zu einer Textstelle, hie und da mit Pfeilen quer durch die Seite versehen, wenn es notwendig erscheint, Seiten werden herausgerissen, um sie später zu lesen, Texte oder Textstellen ausgeschnitten, und wenn ein Zeitungsartikel oder die ganze Seite es mir wert erscheinen, werden sie aufbewahrt. Ich lege viele solcher Zeitungsartikel wie eine Notiz in meine Bücher.

Die Aufbewahrungs-Beigen werden nach einiger Zeit durchforstet. Welch ein Genuss ist es meist, nach fünf, zehn und mehr Jahren, die teilweise „angegilbten“ Zeitungsbeiträge wieder zu lesen.

Der Anlass zu diesen Notizen gab übrigens ein aufbewahrter Feuilletonartikel in der NZZ vom 17./18. Juli 2004 Seite 41 der NZZ: Zeitzeichen; Lesen im Alter: „Über eine Kunst, mit sich in Einklang zu kommen“.

Meine Begeisterung für die NZZ hat sich leider inzwischen komplett gewandelt. Schon 2012 hat sie mich mehr als geärgert und ich habe mit entsprechenden Briefen/E-Mails an NZZ-Redaktoren reagiert. 2013 habe ich die NZZ abbestellt. Nachträglich fühle ich mich bestätigt. Deren Niveau und deren Artikel sind beträchtlich gesunken bzw. unlike alt-NZZ geworden. Spillmann ist geschasst worden. Nach den Reaktionen zu schliessen, wird die NZZ aber noch weiter in die falsche Seite tendieren.

Zurück zum Lesen: Beispiele des Bücherlesen und der Notizen entnehme ich Robert Walser „Aus dem Bleistiftgebiet“ Mikrogramme 1924/25, Band 2 dem Büchergestell im Computerzimmer. 

Nach den Jahren mit Lesen von Fachliteratur (über Aktienrecht, Arbeitsrecht, Steuerrecht, Rechnungslegung, Revision, Unternehmungsführung, Marketing, Kalkulation und Betriebsabrechnung, Erbrecht, Standardkostenrechnung, Controlling und.....was alles noch......von 1964 bis 2004, kommen nun wieder vornehmlich Geschichte, Musik, Politik, Belletristik, englisch und französisch...... zum Zug.

Lesevorbilder wären Richard und Cosima Wagner. Sie nachzuahmen oder ihnen nachzueifern ist mehr als vermessen. Einen weiteren, späten Anstoss gaben sie mir. Anschauungsunterricht gaben mir die Tagebücher 1869-1877 und 1878-1883 von Cosima Wagner, die mir im September 1976 mein Bruder James geschenkt hat ((„ein ausserordentliches buch einer ausserordentlichen frau“ (schweizer radio)). Abgelegte Zeitungsausschnitte und Notizen sind zahlreich. Der „schönste“ Ausschnitt ist von der NZZ vom 16./17.09.1978 gerade über diese Tagebücher von A. Briner (mit der Erwähnung von Judith Gautier und weitere Beiträge von Willi Schuh und Hans Erismann.

 

Gibt es Bücher, die du mehrmals gelesen hast? Welche und weshalb? Wieviel Bücher hast du überhaupt?
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7.1.  Meine Freizeit – Lesen.

Gibt es Bücher, die du mehrmals gelesen hast? Welche und weshalb? Wieviel Bücher hast du überhaupt?
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Wir sind - Helene und ich - waren schon immer Bücherwürmer. Der ältere Sohn ist gelernter Buchhändler. Von ihm haben wir stetig von der schönen, weiten Bücherwelt erfahren. Der jüngere verstorbene Sohn war ebenfalls ein grosser Leser, mit ebenso grossem "Feed-back" zu uns. Bei uns gibt es (fast) nichts, ausser Bücher, Bücher...      und CD's...... und Notizen, Zeitungsausschnitte.....

Es gibt da heute allerdings "ein gewisses Internet....." das u.a. unsere Lexikas, Nachschlagewerke usw. obsolet machen.

Jetzt sind wir in diesem Alter, wo weitere Käufe sehr eingeschränkt gehandhabt werden müssen.

Wir sind jetzt in einem Alter, in dem man ans aufräumen denken muss.

Wir sind jetzt in .........

Auch in Sachen Bücher-Aussortieren ist etwas gegangen. Wir haben unseren Bestand um einige hundert Druckwerke reduziert. Wir haben einen Abnehmer gefunden, einen Second-Hand-Shop auch für Bücher....

Auch hier müssen/dürfen wir weiterfahren.....

Gibt es unauslöschliche Erinnerungen an Ereignisse aus dieser Zeit?
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8.1.  Beziehungen in der Jugend – Beziehungen als Volljähriger bzw. Volljährige.

Gibt es unauslöschliche Erinnerungen an Ereignisse aus dieser Zeit?
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Der erste Dezember 1956

Der KV lud wieder für Samstag den ersten Dezember zum Klausabend in das Hotel Leonhard ein. In der Regel war es ein Tanzabend, mit Rätselfragen (?) oder Tombola (?). Der Ablauf war mir bekannt. Aber ich kann mich nicht mehr an die beiden vorhergehenden Klausabende des ersten und zweiten Lehrjahres erinnern. Es waren recht viele Tanzbeflissene anwesend. Die Tanzkapelle spielte meiner Meinung nach gut. Damals war bei mir fürs Tanzen vor allem Glenn Miller Trumpf.

Etwas nach Beginn des Abends gruppierten sich die Tischgesellschaften um. Es wurden zwei, drei Tische zusammengestellt. Beim Umstellen von Tischen und Stühlen richteten sich ganz plötzlich meine Augen auf ein Mädchen mit schwarzen Haaren, zum Rossschwanz zusammen gebunden, mit hellem, lieblichem Gesicht, mit weisser Bluse und einem dunkelblauen, längeren Rock aus Manchester. Mit Willen, wohl mit mehr Fügung, sass genau dieses junge Mädchen neben mir am Tisch. Nur einen Augenblick brauchte es und ich hatte eine Gewissheit und eine Hoffnung. Wenn „alles mit rechten Dingen zugeht - wenn es das Schicksal so will -" , dann wird diese junge Frau, meine Frau. Und sie wurde meine Frau....

Hattest du in dieser Zeit eine feste Beziehung? Wie sah diese aus?
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8.1.  Beziehungen in der Jugend – Beziehungen als Volljähriger bzw. Volljährige.

Hattest du in dieser Zeit eine feste Beziehung? Wie sah diese aus?
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In der „Fremde“

Neuchâtel

Am ersten Mai (Donnerstag) 1957, also schon nach fünf Monaten der ersten Begeg-nungen begann mein Arbeitsvertrag bei der Banque Cantonale Neuchâteloise in Neuchâtel. Zwischen den beiden Banken und mir war das im Herbst 1956 abgemacht worden. Mein erstes Zimmer war in Serrières, 5 km westlich von Neuchâtel, an einer „Riviera“, also ein wunderbarer Wohnort. Aber es begann eine harte Zeit, für uns beide, Helene und mich. In der Regel höchstens einmal jeden Monat ging es heimwärts in die Ostschweiz. Dafür schrieb jedes von uns beiden jede Woche mindestens einen Brief. Jeweils am Samstag-Mittag ca. 13.00 Uhr nach der Vormittagsarbeit, ging es mit dem Zug. Ankunft ca. 18.00 in Uzwil.

Zwei Jahre dauerte der Aufenthalt in Neuchâtel. In der Zeit vom Juli bis November 1958 absolvierte ich die RS in Bern oder in den „Verlegungen“ in Colombier oder Schwefelbergbad oder Thun oder ... der Heimfahrtsrhythmus änderte sich auch in der RS nicht wesentlich. Die langen Heim- und Rückfahrten hatten wenigstens den Vorteil, dass ich jedesmal einen grossen Teil eines Romans in französischer oder englischer Sprache verschlang. Trotz zeitweise enormem Lärm im Zug (2. Klasse) hatte ich erfreulicherweise die Konzentrationsfähigkeit Marcel Pagnol (Fanny etc.), Henry de Montherland, Gilbert Cesbron (mehrere), Alphonse Daudet (Lettres de Montmoulin), Anatole France, Emile Zola, André Gide, Pierre Benoit (zahlreiche), usw. aber auch mehrere Taschenbücher - Romane von Hemingway zu lesen.

Die Rückfahrt musste ich jeweils am Sonntag schon etwas nach 16.00 Uhr antreten, damit die SBB etwas vor 23.00 Uhr Neuchâtel erreichte. Die Zugsverbindungen in Zürich waren nicht ideal. Allerdings reichte die Zwangspause um die Hürlimann Braustube vis-à-vis des Hauptbahnhofs (damals noch bestehend) zu besuchen und um Bürli und Schweinswürstli mit Meerretich „zu genehmigen“. Dann ging es wiederum weiter gegen Olten, Grenchen, Biel........

Ab und zu trafen wir uns statt Samstagabend in Uzwil am Sonntagmorgen zu Spaziergängen in Zürich auf den Hönggerberg, beim Elephanten am Zürichberg, in der Stadt, der Sihl (siehe kleines Photo Album) entlang oder in Bern. An Bern können wir uns an den Kinobesuch von „Gervaise“ (Zola) mit Maria Schell erinnern.

Später ging es oft denselben Weg und zu den gleichen Zeiten von und nach Uzwil – später dann nach Oberuzwil - aus den Auszug-Diensten (élite), landwehr- und landsturm-services, immer aus dem „Welschen“, im Auszug jedes Jahr drei Wochen und Landwehr/Landsturm je zwei Wochen........ Mit dem allerletzten Dienst 1984 erst (umgeteilt in die Deutsch-schweiz) in Jona, Wil, Bischofszell, Trimmis?) mit St. Galler-, Thurgauer- und Appenzel-ler-Truppen wurde es etwas einfacher.

Rapperswil

Ab 1. Mai 1959 ging es dann endlich jedes Wochenende heim nach Uzwil. Und auf den Zug warten in Uzwil war am Sonntagabend zudem später, so ca. 19.00, um nach Rapperswil (Jona, Busskirchstrasse; „im Zimmer“ bei Herrn Rüegg) zurück zu kehren.

Dank den unzähligen Überstunden – es war eine Strategie bei der SBG Rapperswil, weniger Mitarbeiter zu beschäftigen, sie dafür mittags früher beginnen und am Abend länger, aber bezahlt, arbeiten zu lassen - hatte ich die notwendigen Ersparnisse für einen dreimonatigen Aufenthalt in London viel früher als vorgesehen beisammen. Als Vorberei-tung für England/English verarbeitete ich Fernkurse (12 Monatshefte) bei der Akademiker-Gemeinschaft Zürich.

 London

Von Februar 1960 bis April 1960. In einem Riesenzimmer an der Goldhurst-Terrace; im district Finchley Road bei Mrs. Wagner. Auch über diesen Aufenthalt in der Fremde (in der noch ferneren Grossstadt London) kamen Helene und ich gut hinweg. All dies haben wir fertiggebracht wegzustecken! 

 

Was habt ihr zusammen gemacht?
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8.1.  Beziehungen in der Jugend – Beziehungen als Volljähriger bzw. Volljährige.

Was habt ihr zusammen gemacht?
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Touren im Säntisgebiet

Helene und ich unternahmen viel im Säntisgebiet. Von Uzwil aus mit der SBB, der Appenzellerbahn und dem Postauto war es nicht gerade bequem, sondern es war ungewohnt spät, jeweils einen Aufstieg in Angriff zu nehmen. Ohne Warten ging nichts. Man musste Geduld in Gossau und vor allem in Herisau aufbringen.

An die ersten Touren auf den Säntis erinnere ich mich besonders gern. Den Aufstieg kann ich nicht mehr „heranholen“, aber den Abstieg über den „Grossen Schnee“ der kaum oder gar keinen Schnee mehr hatte, über Sörenböhl, hinunter zur Meglisalp, Oberstofel zum Seealpsee, oder nach der Meglisalp über Chrüzböhl, Stockegg, Unterstrich zum Seealpsee. Wir haben Photos mit Ziegen und Rindern. Einmal kam James mit uns. Und er badete gar im überaus kalten Seealpsee.

Etwas harter war der Abstieg über den Lisengrat, Rotsteinpass, Schafmad, Oberchellen und Meglisalp. Und genau diesen Abstieg unternahmen wir später mit Daniel und Michael (geb. 1965 und 1969). Am Lisengrat waren wir voll im Nebel. Der Strohhut von Michael fing zu fliegen an und verschwand im Nebel. Im Nebel auf dem Lisengrat traf ich auch den Mitstift von der KB Gossau Angehrn (mit seiner Familie). War es auch auf derselben Tour als wir die Steinböcke so nahe – vier, fünf Meter entfernt – sahen?

Was würdest du heute in deinen Beziehungen anders machen?
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8.1.  Beziehungen in der Jugend – Beziehungen als Volljähriger bzw. Volljährige.

Was würdest du heute in deinen Beziehungen anders machen?
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Nichts!

Falls du eine Lehre gemacht hast, wie kam es zu der Berufswahl?
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9.  Lehr- und Wanderjahre

Falls du eine Lehre gemacht hast, wie kam es zu der Berufswahl?
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Es ist „Möstler“-Auflesezeit in Staubhausen, also Herbst. So zwischen den Kesseln, Säcken, Harassen und Birnen gab es auch Zeit zu reden. „Was machst du jetzt im Frühling?“ „Auf die Post. Aber es hätte da eine Lehrstelle bei der Kantonalbank, angeschlagen am Brett im Bürgli“. Melde Dich doch“. Sofort nach den Ferien fragte ich bei Herrn Saxer, dem Rektor nach. „Ja, die ist noch offen, melde Dich bei Lehrer Füllemann“. Am anderen Mittag setzte sich Lehrer Füllemann zu mir in die Schulbank und zeigte mir, wie man den Brief schreibt.

Ich erhielt bald einen zustimmenden Bescheid.

 

So fing ich am 1. Mai 1954 meine Lehrzeit bei St. Gallischen Kantonalbank, in St. Gallen, an.

 

Herr Scherrer nebenan telefoniert viel. Es ging um Aktien, Obligationen, bzw. es ging hauptsächlich um Kurse. So viele neue Wörter und so viele Zahlen schwirrten da den ganzen Tag neben all den Begriffen und Zahlen „meiner Kassenarbeit“ umher. Aber mein Interesse war gleichwohl geweckt. Und an wen hätte ich besser geraten können, als an Herr Scherrer. Der hatte Freude an Interesse und so oft es eben ging beantwortete er mir meine Fragen und informierte mich mehr als kollegial auch ohne meine Fragen.

Und so fing ich an, auch die NZZ zu lesen und die Frankfurter Allgemeine hie und da zu kaufen oder zu ergattern. Und schon hatte sich wieder eine neue, äusserst interessante Welt aufgetan. Damals hörte man vor allem von IBM, Royal Dutch und einem argent. Titel? und Burroughs.....später von General Electric, Schw. Bankgesellschaft, Schw. Kreditanstalt etc.

Noch später dann von den Konglomeraten Litton......

Und noch viel später von Microsoft, Google, Yahoo, Oracle, Ebay, Amazon......

 

Und im KV?

Heute ist null – bock, zwar nicht überall, aber doch recht verbreitet. Leistungsbereitschaft und Leistungswillen sind weitherum verpönt. Das war in den fünfziger Jahren schon etwas anders. Das kleine Vorkommnis „Initiative“ blieb mir als wichtige Erinnerung haften. In der Berufsschule des KV(Käufmännischer Verein) St. Gallen hatte meine Klasse an den Nachmittagen von Montag und Donnerstag (oder Freitag?) als Ergänzung zur Lehre Maschinenschreiben, Buchhaltung, deutsche und fremde Sprachen, Staatskunde, Stenographie, zu lernen.

Herr Dr. Scheuss konnte gut und schnell erklären. Er schwatzte aber auch gerne und liebte es, auch mit den Mädchen zu schäkern. Er war ein Beau. Uns Burschen war das hin und wieder zuviel. Armin Kuratle nahm sich ein Herz und brachte diplomatisch an, dass jetzt wieder genug geschwatzt worden sei und dass es jetzt an der Zeit sei, wieder zu arbeiten. Ohne Probleme, ohne „Aufsehen“ knüpfte Herr Scheuss beim schulischen Thema an. Wir waren über beide Reaktionen – die Initiative von Armin, aber auch das Weiterfahren ohne Zaudern und Bemerkung durch Herrn Scheuss bass erstaunt, überrascht und erfreut.

Währungskonten-Verbuchung

Herr Dr. Scheuss musste für drei Wochen in den Militärdienst und sein Stellvertreter Herr Bader hatte uns in dieser Zeit die Bearbeitung von fremden Währungen in der Buchhaltung zu erklären. Herr Bader war ein Lehrer, der mit Erklärungen in „Kriegszustand“ war. Komplizierter ging es nicht. Nach seinen Versuchen blieben die Währungskonten ein Buch mit sieben Siegeln. Am zweiten Schulnachmittag der dritten Woche gab es dann eine Klausur. Am folgenden Montag erhielten wir von Herrn Scheuss eine Tracht an wörtlichen Prügel: „Ihr seid eine saudumme Klasse, ihr habt mich blamiert......ich erkläre nun nochmals den Bereich Währungen, dann gibt es eine weitere Klausur, die einen enorm besseren Notendurchschnitt zu bringen hat!“ Statt in die Pausen und nach den NM-Lektionen heim zu gehen, hielten wir Burschen den jungen Fräulein's und „schwächeren“ Burschen quasi Nachhilfe-Unterricht in Sachen fremde Währungen. Es klappte. Er teilte uns in der folgenden Woche so ganz nebenbei den gewünschten hohen Notendurchschnitt mit. Kein Wort wurde mehr darüber verloren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hattest du einen motivierenden Arbeitsalltag?
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9.  Lehr- und Wanderjahre

Hattest du einen motivierenden Arbeitsalltag?
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Plan und Ziel

Die Lehrzeit bei der St. Gallischen Kantonalbank in St. Gallen war sehr gut verlaufen. Ich hatte viele glückliche Zeiten und Momente. Kaum eine Woche in der Lehre, gab es schon einen „Bankausflug“. Der führte bestimmt wohin – an den Nachmittag kann ich nicht mehr erinnern – das Wohin am Abend war das Restaurant Stocken. U.a. hatten alle sechs Lehrlinge einen Test zu absolvieren (pro Lehrjahr zwei). Nach verschiedenem Tun und Raten blieben vor dem letzten Durchgang zwei Lehrlingen: Heinz Deininger und ich. Die Antwort auf die letzte Stichfrage lautete: Franco. Ich war der Schnellere; Preis: ein hellbraunes Leder-Reise-Nécessaire.

Im zweiten Lehrjahr konnte ich sogar für drei Monate in die Agentur Gossau. Diese drei Monate wurden später noch auf sechs Monate verlängert. Es war dort äusserst angenehm. Ich hatte sehr gute, wohlwollende Chefs wie Herrn Raschle, Ernst Gämperli und Herrn Wilfried Müller. Dieser Wilfried Müller wurde für mich entscheidend für die nächsten acht, neun Jahre. Er war nämlich diplomierter Buchhalter. Dies hat mir erheblich imponiert. Es ging nicht lange, da hatte ich mich entschieden, nach der Fremdsprachen-Ausbildung, dieses Buchhalterdiplom anzustreben. Das war mein berufliches Ziel! Herrn Müller hat dieser Entschluss auch sehr gefallen. In der Schlusszeit der Lehre – wieder in St. Gallen – gingen wir zusammen ins Kino in Gossau zu: „Der Hauptmann von Köpenick“ mit Heinz Rühmann.

Die KV-Lehre habe ich "im Rang" mit 1,4 abgeschlossen.

Herr Müller ging dann für Volkert Winterthur nach New Orleans und war später in der UBS in Zürich tätig. Und 1966 hatte ich mein Ziel, das Buchhalterdiplom, erreicht. Zu viert treffen wir uns von damals auch heute noch jedes Jahr etwa vier bis fünf Mal: Jakob Seiz (Mövenpick Adliswil), Heinz Zimmermann (Glissa, Bau, nachher Chef Finanverwaltung Kanton Schaffhausen), Walter Auer (Stadtbuchhalter der Stadt Winterthur) Walter leider inzwischen verstorben. Nun sind wir noch zu dritt.

Mein nächstes diesbezügliches Ziel wurde ca. 1974 das Bücherexpertendiplom.

 

Hast du dich nach deinen Lehr- und Wanderjahren weitergebildet?
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9.  Lehr- und Wanderjahre

Hast du dich nach deinen Lehr- und Wanderjahren weitergebildet?
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Nach Schul- und Lehrzeit und mit Wohnort Staubhausen (Gemeinde Gossau), Postzuständig-keit Winkeln-St. Gallen wohnte ich zuallererst etwa ein Jahr in Serrières NE in einem Zim-mer in der Villa von Mme Wagner (Clos de Serrières) und im zweiten Jahr am faubourg de l’hôpital in Neuchâtel chez Mme Mercier (vis-à-vis du Conservatoire). Weitere Wohnorte a.a.O.

Akademikergemeinschaft Zürich:  Organisationskurs, Betriebswirtschaft, Englisch     Fernkurse    ausgeführt in Neuchâtel, Rapperswil, Schlieren, Dietikon, Wallisellen 

Französich-Kurse KV Neuchâtel 

KV Zürich Abendschule Diplom Buchhalter

Betriebsberater-Diplom BHG ca. 1974, 1975? Einsiedeln, Wettingen

Kammerschule Zürich

stetige Kurse der Treuhand- und Revisionskammer, auch nach 1978

    speziell im Bereich AHV und IV

 

 

Fachliteratur   unendlich ?!

weitere Details hiezu  a.a.O.

 

Wie war der militärische Alltag?
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10.  Armee

Wie war der militärische Alltag?
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Nein, es war nicht Alltag. Aber doch oft vor einem Wochenende. Ja, ein Trompeter hatte damals hie und da Privilegien. Was konnten wir dagegen halten? A.o. Ausbildung lange vor der RS, Spezialistentum, unabdingbare PR für eine gute, lebenswichtige Angelegenheit.....

Jeden Samstagmorgen (11.30?), sofern das Spiel der Rekrutenschule Bern 1958 in der Kaserne Bern stationiert war, konzertierte es eine halbe oder eine dreiviertel Stunde vor der Offizierskaserne. Hatten die beiden Korporale Sommer und Bruni einen Befehl mit einer Liste der aufzuführenden Musikstücke von Tschönu (Adjud. Unteroffizier Hans Honegger)?

Ich weiss es nicht. Auf alle Fälle spielten wir eher modernere Musik (heute würde ich sagen sogenannt modernere M.), nicht aber den Saint-Louis-Blues-Marsch. Es hatte nie viele Zuhörer. Die Offizieraspiranten blieben in ihren Räumen verborgen. Wir spielten hier trotzdem freudig und beschwingt. Denn...es gab jeden Samstagmittag in Bern unmittelbar nach der Mittagsverpflegung ein Dessert: eine Crèmeschnitte. Schon damals war Süsses unheimlich gefragt.

Wie gingen denn die Wünsche nach Süssem und nach Bier zusammen? Aber was sollte es. Es ging nicht mehr lange - noch putzen/Innendienst – und dann war in der Regel Hauptverlesen und Abtreten in den Sonntagsurlaub.

Das war in der RS. Jahre später in einem WK:

La vie militaire à la mode des Romands

Devant le portail sur la cour de la caserne de Colombier, une matinée de novembre 1969 ( ?), au dessus de l’allée de peupliers et au dessus de la route cantonale Neuchâtel-Boudry attendaient deux camions militaires. Dans la cour se traînent quelques soldats; ça bavarde, ça rigole doucement dans les multiples coins de la caserne. Des soldats ? Non, des membres d’une fanfare militaire ; plus précis de la fanfare du régiment huit neuchâtelois. Qu’est-ce qu’ils font ? Qu’est-ce qu’ils foutent ?

Ils attendent. Ils attendent depuis presqu’une heure. D’un moment à l’autre c’est un trompette –  un  trompette est un membre de la fanfare qui joue de la trompette ou le trombone ou la clarinette, la basse ou l’euphonium ou autre – alors un trompette se met à siffler et tourner une ronde au milieu de la cour. Peu à peu c’est une seconde et un troisième trompette qui suit le premier. Le cercle devint de plus en plus grand, parce que à peut prêt tous les trente musiciens font parti de cette petite production inattendue. Qu’est-ce qu’ils sifflent? Qu’est-ce que cette mélodie mélancolique? Hein? C’est «la marche des parachutistes belges»! Mais au pas de Parade! Trè-tè-tirè-tirè-tô, trè-tè-tirè-diri-diri-di…… Ils tournent et tournent et tournent la ronde, toujours en sifflant et à la fin de la marche, musicalement, ils recommencent, au début.

On se croit dans la cour d’une prison où les détenues font leur tour quotidien ? Seulement la musique ne faisait la scène pas si bizarre.

Tout d’un coup on entend de loin une voix exaltée : «Fanfare! Embarquez dans les camions !»

L’apparition fantomatique, mélodramatique, était dissou en quelques clins d’œil.

Denkst du noch gelegentlich an deine Armeezeit zurück? Mit welchen Gefühlen?
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10.  Armee

Denkst du noch gelegentlich an deine Armeezeit zurück? Mit welchen Gefühlen?
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Bundesrat Feldmann’s Beerdigung

Bundesrat Feldmann war gestorben. Die Rekruten-Kompanien der Kaserne Bern mussten angeführt vom Spiel mit dem Trauermarsch durch Bern zum Friedhof marschieren.

Das musste geübt werden, um die Kaserne herum. Ein Kompanie-Kommandant kam mit dem Paradeschritt nicht zurecht. Praktisch bei jedem Schritt machte er einen Schrittwechsel. Wie sollte da die Mannschaft richtig marschieren können. Wir im Spiel konnten das innere Lachen nicht verkneifen.

 Nach vielem Üben gab ein Major unserem Korporal Sommer den Befehl, den Trauermarsch von Beethoven etwas schneller zu spielen. Viel besser war der Vorbeimarsch nicht. Von weit her hörten wir bald jemanden in Rage laut rufen. Es war unser Spiel-Adjudant Hans Honegger. „Halt, halt, viel zu schnell“ kam er heran gelaufen. „Wer hat den Befehl gegeben?“ „Der Herr Mayor hat den Befehl gegeben“ klärte ihn Sommer auf. Der Mayor bekam vom Spiel-Adjudanten tüchtig eins zu hören. Sofort galt das richtige, langsame Paradetempo wieder. Wir übten lange, in den Abend hinein.Ich glaube mich daran zu erinnern, dass die Kompanie mit den Schrittwechselproblemen nicht an der Beerdigung teilnahm.

 Am anderen Morgen gab es einen ganz unüblichen Ablauf. Nach dem Morgenessen rückten ältere Musikanten in Militäruniform ein. Es waren kurzfristig einberufene WK-Spielleute aus der Umgebung von Bern. Wir probten zusammen, total etwa fünfzig statt der RS-Besetzung von etwas mehr als zwanzig Mann. Es war eine völlig andere, eine lockerere Athmosphäre als bei uns in der RS. Zwei, drei normale Märsche und natürlich der Trauermarsch von Beethoven wurden geprobt. Es tönte phantastisch, gepflegt und und

Das Mittagessen war ebenso locker. Aber dann galt es.

Schon der Marsch von der Kaserne aus war eindrucksvoll. Fast wie bei der 70-Mann starken Musique Militaire de Neuchâtel (Blech). Aber hier mit sehr, sehr vielen Holzbläsern. Trotzdem: von der Geschlossenheit, vom Gesamtklang usw. war der Parademarsch/Trauermarsch doch viel imposanter, viel erhebender. Dann die vielen Menschen nur schon auf der Anmarschroute; die vielen Menschen erst, die Bundesrat Feldmann in der Stadt bis zum (Münster?) die letzte Ehre erwiesen. Viele Reihen dicht standen sie auf beiden Seiten derStrassen.                                                                         

Mit ordentlicher Marschmusik ging es dann zurück zur Kaserne.        Welch ein Erlebnis!

Dies dürfte der Auftakt gewesen sein, für das spätere Armeespiel, das Hans Honegger dann ins Leben rufen durfte.

Hast du dich jemals bei Armeegegnern engagiert oder damit sympathisiert?
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10.  Armee

Hast du dich jemals bei Armeegegnern engagiert oder damit sympathisiert?
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Nein, natürlich nicht. Ich habe für mein Leben soviel profitiert, wie kaum in einer anderen Institution, und dies als gewöhnlicher Soldat. Ich lernte Musik genauer kennen, mit Hans Honegger, Bern, vielseitige Musik. Auch später in den Regimentsspielen, Divisionsspielen.

Man lernte Geduld üben. Dies muss man viel mehr als die meisten Menschen erahnen. Geduld haben, ist m.E. eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Leben. Wo lernt man dies? Nach meinen Erfahrungen nur im Militär. Weiter lernte ich französisch und erfuhr eine gewisse Ausbildung in Sanität.

Im Spiel, bei der Fanfare, hatte ich sehr gute und gebildete Kameraden; un des plus cultivé était François Pantillon. Il "tappait les plaques" (les cymbales), il dirigeait des choeurs en Suisse romande et à Berne et il composait. Ich lernte viel von Kunst, Musik, Literatur, Lebenshaltung. Ich konnte mit meinem Bruder James vergleichen. Das Niveau war in vielem höher als in der Deutsch-Schweiz. Man war musischer, lachte und sang viel und lebte freudvoll - nicht immer, zugegeben, aber mehr als mein Bruder James in einem ostschweizerischen Regimentsspiel.

Die Welschen wollten Musik machen. In der Deutsch-Schweiz musste man Musik machen. Das ist ein gehöriger Unterschied.

Allerdings will ich auch einen gute(n) Ausspruch/Analyse eines Fanfare-Dirigenten -  einem Baumeister und Unternehmer Claude Pizzera - wiedergeben:  Mit den Deutsch-Schweizern arbeiten, aber -  mit den Welschen leben.

Hast du in deinem Leben verschiedene Berufe ausgeübt?
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11.1.  Arbeiten – Beruf oder Berufung?.

Hast du in deinem Leben verschiedene Berufe ausgeübt?
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Ja, ich habe verschiedene Berufe ausgeübt. Das ergab sich zwangsläufig: Weiterbildung in Lehrgängen und Kursen, Entwicklungen in den Arbeitgeber-Unternehmungen, Ausbildung durch mich selber durch Lesen von Fachliteratur...  vom Bankangestellten, zum Buchhalter und  Abschlussberater, Steuerberater, Unternehmungsberater, Rechtsberater (Gesellschafts-recht, Erbrecht),  Wirtschaftsprüfer....

Treuhandwesen bevor PC und E-Mail.

 Der Datentransfer war vor 1980 ohne Postversand noch nicht möglich. Deshalb war „Reisen“in der Treuhandbranche das A. und O. Ab 1962 führte ich oft Buchhaltungen am Domizil, jeden Monat oder jedes Quartal; so in Weisslingen (Möbelhandel), Rickenbach b. Winterthur (Mech. Werkstätte), Hombrechtikon (Baugeschäft). Damals konnte ich noch gar nicht Autofahren. Entweder ging es mit SBB und Bus oder ich wurde am nächstgelegenen Bahnhof abgeholt. Heute kann man sich diese Zeitverschwendung gar nicht mehr vorstellen.

Auch für Betreuungen reiste ich nach Konstanz und flog zweimal nach München. In der Stadt Zürich hatte ich einen Kunden (Mechanische Messgeräte und Spezialwerkzeuge), den ich jede Woche mindestens einmal besuchte, mittels Fussmarsch von der Seidengasse, die ganze Bahnhofstrasse „hinauf“ bis in die Nähe des Bürkliplatzes oben am See. Praktisch jedes Mal ging ich eine Viertelstunde früher, um mich bei Jelmoli über neue Bücher kundig zu machen.

Mit dem Auto konnte vieles rationalisiert werden. Insbesondere das Kofferntragen mit soviel Unterlagen der Kunden, mit Kompendien über Steuern, Erbrecht etc. und eigenen Nach-schlagehilfsmittel fiel weitgehend weg.

 Bei der OBT „begann“ das Zeitalter der EDV und veränderte einiges. Bei der Treviso „begann“ das Zeitalter des PC und veränderte in zehn-fünfzehn Jahren fast alles.

Wie war die Arbeitswelt damals?
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11.1.  Arbeiten – Beruf oder Berufung?.

Wie war die Arbeitswelt damals?
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Hattest du das Gefühl, dass deine Arbeit geschätzt wurde und du gefördert wurdest?
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11.1.  Arbeiten – Beruf oder Berufung?.

Hattest du das Gefühl, dass deine Arbeit geschätzt wurde und du gefördert wurdest?
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Es geht mir um etwas mehr. Es geht mir um die Wertschätzung der Firmen/Unternehmungen und deren Steuern für die Gesellschaft und natürlich auch um die Wertschätzung der Tätigkeiten und das Umfeld der Treuhandbranche.

Unternehmer werden vom Fiskus schikaniert

Das Verhältnis der Steuerpflichtigen, aber auch der Treuhänder gegenüber dem Fiskus, ist nicht einfach. Selbstverständlich ist der Kontakt der Steuerbehörden, der Steuerkom-missäre auch nicht mit den Steuerpflichtigen leicht. Ich habe viel mit Steuerkommissären zu tun gehabt. Neid, Missgunst, keine Anerkennung der Leistung der Inhaber, Unverständ-nis gegenüber unternehmerischen Anliegen. Verachtung gegenüber den Gewerbetreibenden und alle die „mehr haben“ spielte bei vielen Kommissären eine grosse Rolle! Vielfach sahen die Fiskusleute nur den hinterhältigen, hinterlistigen Krampfer und hinter jeder dritten Zahl vermuteten sie einen Dreh. Die Glaubwürdigkeit wurde vielfach bei jedem Steuerpflichtigen von vorneherein angezweifelt.

Und es ging oft darum, den Steuerpflichtigen den Meister zu zeigen - zu schikanieren.

Ein krasses Beispiel (ein Fall aus vielen, vielen) einer reinen Schikane erlebte ich ganz am Anfang meiner Tätigkeit bei der OBT so 1970/1971. Ich erinnere mich nicht mehr an den genauen Ablauf der „Geschichte“. Es handelte sich um einen Arzt am Zürichsee. Auf alle Fälle musste ich ihm nur Steuerunterlagen von St. Gallen nach Rapperswil bringen; aber der Kunde (eines anderen OBT-Mitarbeiters) wollte auch eine Besprechung. Er hatte ein Einkommen von etwas über Fr. 100'000 deklariert; damals ein schönes Einkommen. So wurde er auch eingeschätzt; allerdings mit einer Aufrechnung eines Privatanteils „unter allen Titeln“ von Fr. 100. Die seinerzeit vom Steuerkommissär verlangten zusätzlichen Buchhaltungs-Unterlagen brachten für ihn nichts zu Tage. Der Arzt wünschte, dass ich mit dem Steuerkommissär telefonischen Kontakt aufnähme, um seine Beweggründe für die Fr. 100 mitzuteilen. Einen Rekurs mache er nicht, aber er wolle die Reaktion erfahren.

Es ist lange her, aber der ungefähre Wortlaut des Kommissärs ist mir geblieben: Ich habe mir viel Arbeit gemacht, etwas musste ich doch dem Steuerpflichtigen aufrechnen. Es ist ja nicht viel. Es gehört sich einfach eine Aufrechnung. Fr. 100 wird ja wohl ein Privatanteil zu tief eingesetzt worden sein.........

Viele Fiskalbeamte wollen nicht begreifen, dass sie mit ihrem Tun, ihrer Kleinlichkeit, dem Staat viel mehr schaden als nutzen: die Steuerpflichtigen kommen sich als Milchkühe und Untertanen und verschaukelt – eben schikaniert - vor. Wenn die Pflichtigen nämlich ähnlich kleinlich wären, würden sie hunderte, eher tausende von Franken mehr belegte Ausgaben geltend machen können. Aber es reut den Unternehmern/Gewerbetreibenden die Zeitversäumnis - nämlich Zeit für schnelleren Durchlauf von Aufträgen bzw. für mehr Aufträge.

Stein des Anstosses war oft das Fahrzeug des Gewerbetreibenden/Unternehmers. Sobald ein Steuerpflichtiger einen grösseren Wagen fuhr als der Steuerkommissär, liess er ihn das spüren: mit höheren Aufrechnungen an Privatanteilen.

 

Was der Fiskus sich hie und da ausheckt, lässt einen am gesunden Menschenverstand zweifeln. In einer achtbaren Gewerbeunternehmensgruppe gewährte die Hauptfirma einer Schwesterfirma (Immobiliengesellschaft) für die Finanzierung eines Liegenschaftskaufes ein namhaftes Darlehen.

Nach einigen Jahren liess die Immobilienkrise (1990ff) die Liegenschaftswerte markant sinken. Die Wirtschaftslage war alles andere als erfreulich, auch für die Hauptfirma. Der Eigenkapitalanteil war drastisch gesunken. Der Fiskus betrachtete und besteuerte das gewährte Darlehen als Dividendenausschüttung, denn eine Drittperson oder -firma (Bank etc.) hätte dieses Darlehen heute nicht gewährt. Der Fiskus bezeichnete dies als „Durchgriff nach Massgabe einer Beurteilung durch einen Dritten“ oder so ähnlich. Die ganze Gruppe geriet infolge der enormen Steuerschuld ins Schleudern und schliesslich in Konkurs.

In guten Zeiten staunt man, welchen Erfindungsgeist der Fiskus (negativ für die Wirt-schaft, positiv(?) für den Staat) an den Tag legt, in schlechten Zeiten erkennt man, zu welchen Fehlkonstruktionen sich dies entpuppen kann, vor allem wenn sie den Todesstoss für Firmen bedeuten.

Die Lohnausweise waren während Jahren ein heiß umstrittenes Thema. Die Diskussionen wurden hässig geführt. Der Reduktion des administrativen Aufwandes – das lang und breit immer wieder propagiert wird – dienten diese Anforderungen bestimmt nicht. Im Gegen-teil! In gewissen Fragen ging es um Fr. 100 oder etwas mehr pro jährlichem Lohnausweis. Sogenannte Gerechtigkeit? Nein, es gibt mehr Arbeit, mehr Arbeitsplätze! Es gibt Lohnkosten, die die Mehrsteuern auffressen oder sogar den Staat noch mehr belasten, also noch mehr Steuerertrag erwirkt werden muss.

 

Auch die Mehrwertsteuer verursachte den Kunden schon damals Bauchweh, mehr als Bauchweh! Es dürfte heute noch schlimmer sein.

Das Regelwerk ist ein Buch mit sieben Siegeln. Zudem bestehen haufenweise interne Weisungen. In den Jahren vor meiner Pensionierungen publizierte „Bern“ etliche ausführliche Regelungen, die selbst wieder zahllose Fragen aufwarfen. Ohne Kursbesuche, keine Durchforstung der Paragraphen und keine Durchleuchtung nach Windungen und Fallstricken....... aussichtslos und voll Risiko!

 

Wenn jemand einfach versucht nach Bern zu telefonieren, wird „jemand“ gewiss eine halbe Stunde verbunden. Auch wenn man eine „neutrale“ Auskunft wünscht, will man im Bundeshaus Namen oder Nummer des Steuerpflichtigen wissen: ohne Namen geben wir keine Auskünfte. Es ist äusserst schwierig, an die entsprechenden Personen heranzu-kommen. Auch als Treuhänder. Am aussichtsreichsten ist es, wenn man einen höheren Angestellten persönlich kennt. Der kann einem eine kompetente Auskunftsperson zu speziellen Fragen vermitteln. Dieser Zustand ist umso heikler, wenn es um grosse Firmen handelt. Eine andere Auslegung, die man nicht ahnt, „verschwiegen“ nicht kennt, kann an die Hunderttausende an Nachzahlungen und Zinsen gehen. Es kann sich derart summieren, da die Mehrwertsteuer alle fünf Jahre Prüfungen vornimmt und aus dem Prüfungsergebnis - meistens eines oder zwei ausgewählten Geschäftsjahren - Hochrechnungen anstellt. Eine Firma ohne Berater? Eher hilflos. Und heute kaum mehr möglich. Kosten oder Steuern fressen Mehrerträge......

 

Der Steuerpflichtige tut gut daran, jede Steuerrechnung zu prüfen bzw. prüfen zu lassen. Das kam einem meiner Kunden zugute, der mir eine Grundstückgewinnsteuer-Rechnung zustellte. „Sie ist hoch, aber sie wird wohl in Ordnung sein“ meinte er. Mitnichten war sie in Ordnung. Wir hatten drei Ordner mit nummerierten Belegen zusammen mit der Steuererklärung eingereicht. Die Grundstückgewinnsteuer war x-tausend Franken höher als der deklarierte Gewinn. Ich konnte mir keinen Reim machen, wie der Fiskus den zu besteuernden Gewinn errechnet hatte. Im Auftrage des Klienten telefonierte ich dem einschätzenden Beamten. Er habe die Deklaration und die Liste eingesehen. Belege dazu habe er aber gar nicht. „Und die drei Ordner, die in der Beilage aufgeführt sind?“ „Aha, ja wo sind denn die? Aha, ja,.... ja dort in der Ecke stehen Ordner. Ich gehe mal schauen! Ja es stimmt, es sind diese drei Ordner. Ich werde mit Ihnen wieder Kontakt aufnehmen“. Der Telefonanruf kam nach einigen Tagen und auch die richtige Steuerrechnung; ca. Fr. 30'000 tiefer!

 

Vielleicht hat sich im Rahmen des Internet, die Situation der Steuerpflichtigen verbessert. Ich vermute zwar eher nicht; denn die Regelungen werden immer noch zahlreicher, noch komplizierter und damit undurchsichtiger.

Falls du im Ausland warst, wo überall hast du gearbeitet und was?
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11.2.  Arbeiten – Auslandaufenthalte.

Falls du im Ausland warst, wo überall hast du gearbeitet und was?
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Von Februar 1960 bis April 1960. In einem Riesenzimmer an der Goldhurst-Terrace; im district Finchley Road bei Mrs. Wagner.

Kaum in London angekommen, offerierte mir Toni Ledergerber (Wil SG, damals auch London), mit mir mit seinem Auto am Abend eine Stadtrundfahrt durch London zu machen. Die Strassen waren leer, es war hell beleuchtet. In kurzer Zeit fuhr er mich zu Swiss Cottage, Bakerstreet, Piccadilly Circus, Trafalgar Square, Westminster Abbey, Buckingham Palace, zum wunderbar beleuchteten County Palace.....

London war mir damit sofort bekannt. Es kam mir vor wie in einer Kleinstadt. Dank dieser Führung fand ich mich in der Millionenstadt wie in St. Gallen zurecht, ich war sofort wie daheim. Nicht umsonst zog es mich nie in eine andere Grossstadt. Nur London, und dies dann etwa fünf oder sechs Mal.

Mit der Progressive English Group (Schule an der Boundry Road NW8) konnte, wer Interesse hatte, fast jede Woche an irgend einer Veranstaltung teilnehmen. So auch am Donnerstag den 10. März 1960 in der St. Pancras Town Hall. Dort hielt der Philosoph Bertrand Russell einen politischen Vortrag. In meinem damaligen Notizbuch hielt ich fest: „Rede gut. Nicht alles sicher wahr. Gegen die Atombombe. In this four minutes we have to be very busy”.

Ich erinnere mich an einen auch für damalige Verhältnisse älteren, dunklen, grossen Saal. Viele Stühle im Bistro-Stil - mit den gewundenen, schmalen Rückenlehnen - in lockerer Anordnung waren nur etwa zur Hälfte besetzt. Waren es etwa drei- oder vierhundert Zuhörer?

Aus der Ferne und im eher dunkeln Raum sah ich einen kleineren Mann, mit langen, schloh-weissen und wirren Haaren . Ich hatte von ihm gelesen. Im 2. Weltkrieg habe er sich sehr für Great Britain eingesetzt, war aber damals schon Kommunist. Der Pazifist und Kommunist Russell vertrat die Ansicht, dass man die „Bombe“ ächten sollte. Was wollten denn die Russen tun mit ihrer Atombombe, wenn der Westen gar keine hätte? Das sei die Lösung, denn die Russen würden ja gar nicht wollen.....Ich konnte der Rede recht gut folgen. Er wirkte auf’s erste folgerichtig, überzeugend, wortgewaltig........

Am anderen Tag hatten wir in der Schule einen „Aufsatz „ aufzustellen“ und daraus einen „Speech“ für oder gegen die Theorie von Bertrand Russell zu formulieren. Ich hatte dem Philosophen kein gutes Haar gelassen, denn am folgenden Tag hatte die Wirkung von Russell’s Auftritt bereits mehr als erheblich nachgelassen.

 

Meine kulturellen Erlebnisse in London 1960

In meinem ganzen Leben hat es nie mehr in so kurzer Zeit eine derart geballte Ladung an kulturellen und besonderen  Ereignissen gegeben wie in London von Anfang Februar bis Ende April 1960!

Di 2.2.    Kauf Schallplatten Hornkonzerte 1-4 Mozart Dennis Brain Laden Fairfax Str.      Sa 6.2.    Tate Gallery          Turner, Gainsborough, Picasso, Rodin, Sisley, Taggert, De-               rain, Sisley, Van Gogh, Dufy, Cézanne, Picasso gegenständl. Ph.: Frau in Blau

Sa 20.2.   Coppelia                 Leo Delibes   wunderbare Musik!

Mo 22.2. National Gallery   Rubens, Rembrandt, Turner, Cézanne

Fr. 26.2.   Royal Festival       Beethoven    Pope, Wührer   Hall          

Fr   4.3.   Covent Garden      Meistersinger   Richard Wagner  

So   6.3.   Wallace Collection Boucher, diverse schöne Holländer

Di   8.3.   Royal Festival Hall                       Aus der neuen Welt   Dvorak

Do 10.3.   St. Pancras Hall   Bertrand Russell

So 13.3.   British Museum

Sa   19.3. Cambridge            Bauten, King’s Chapel;   on TV: Rosebud with Orson Wells

Sa   26.3.   Billingate             Fischmarkt

 So   3.4.   Amersham            Milton’s Cottage (Philosoph)

 Fr   8.4.   Royal Festival      Pope (Dirigent)

 Sa   9.4.   Victoria Albert Museum Hall          Constable

 So   17.4. Dover                       Castles             (Ostern)

 Mo 18.4. Hampton Coart        Bootsfahrt auf der Themse

 Di   19.4.   Covent Garden        Richard Wagner Parsifal  

 Sa   23.4.   Oxford                    Bauten, Anlagen   eindrücklicher als Cambridge

 So 24.4.   Royal Festival Hall   conducter Sir Thomas Beecham, Raimond Cohen, violin

                                                Haydn, Goldmark, Schubert, Delius, Saint-Saens

 Mo 25.4.  Kino                          South Pacific

Diese London-Welt! Phantastisch! Dies aus meinem Notizbuch von damals!

Welche Auf- und Abwärtsbewegungen gab es in deiner beruflichen Laufbahn?
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11.3.  Arbeiten – Berufliches auf und ab.

Welche Auf- und Abwärtsbewegungen gab es in deiner beruflichen Laufbahn?
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Während der Lehre bei der St. Gallischen Kantonalbank (Name damals) von 1954 bis 1957 in St. Gallen und Gossau durfte ich eine gut bestückte Bürowelt erleben und mit, für die damalige Zeit, guten Maschinen arbeiten. Was es doch an Schreibmaschinenmarken gab: Underwood, Remington, normale IBM, Hermes; oder an Rechen- und Additions-Maschinenmarken: Sharp, Burroughs, National, Precisa......

 

Ganz etwas anderes erwartete mich in Neuchâtel bei der Banque Cantonale Neuchâteloise.

Dort schrieb man in der Abteilung „compte courant“ noch mit Spitzfeder in dicke Kundenbücher an Stehpulten. Viele ältere Angestellte trugen noch die weisse Berufsschürze. Wir Deutschweizer spöttelten „von der Gegenwert zu Wilhelm Tell“.

Es war allgemein bekannt, dass eine Tätigkeit in einer Bank für die Erreichung des Buchhalterdiploms nicht von Vorteil war, eher schon ein Arbeitsplatz in einem Treuhandbüro. In einem Vorbereitungskurs für besagte Prüfung im KV Zürich, hörte ich eine Diskussion von der unmittelbaren nächsten Bank hinter mir über Treuhandwesen. Ich drehte mich um und fragte in einer kurzen Gesprächspause, ob jemand von einer freien Stelle in einem Treuhandbüro wisse. „Ja, weiss davon, wollen wir nach der Stunde miteinander reden?“ Ein Herr Ninghetto, der die Treuhandbranche zugunsten eines Finanzchefpostens verlassen wollte, vermittelte das Gespräch mit Herrn Jörg Fuchs.

So kam es, dass ich auf Anfgang Januar 1962 im Treuhandbüro Fuchs, an der Seidengasse 17, im 2. Stock, in Zürich, meine neue Stelle antrat. Am 1.1.1962 begann ich meine Tätigkeit in der Treuhandbranche. Es waren höchst einfache Verhältnisse. Mein Büro war ein kleines Nebenzimmer. Aber ich fühlte mich in einem ganz „kleinen Königreich“. Es war schon eine Umgewöhnung. Aber ich las und studierte viel und hatte eben auch oft Glück. Beispielsweise las ich (privat) im dritten oder vierten Jahr im Treuhandwesen das damals einzige Buch über Revision, den Giroud. Kaum hatte ich es durchgearbeitet, da fragte mich Herr Fuchs, ob ich Interesse hätte, mit ihm ein Revisionsmandat auszuüben. Er selber hätte keine Erfahrung. Er war aber sehr erfreut, dass ich den „Giroud“ gelesen hatte. Und so führten wir zusammen die erste Revision aus und zwar bei einer Schweiz-American Firma in Winterthur.

Wachstumsprobleme der Treuhandfirma, Wohnen in Oberuzwil (nicht mehr in der Nähe Zürichs) und "Heimweh", das alles musste zu einem Wechsel führen.  

 

Am fünften September – auf alle Fälle in jenen Tagen – hatte ich einen Termin mit der OBTG in St. Gallen mit einem Herrn JW. Dieser Termin ist mit der  Anstellung auf den ersten Januar 1970 sehr gut verlaufen.

 

Am 01.01.1970 begann ich unter meinem Kollegen aus der Lehrzeit, Nestor Solenthaler, bei der OBTG bzw. OBT Treuhand AG St. Gallen. 

Sehr viele Erfahrungen konnte ich sammeln, sei es anfänglich als Revisor/Berater und bald darauf  als Leiter des Departement Revision.

 

Ca. Mitte April 1983 zog es mich nach den Vorkommnissen (siehe 15.5 Weichenstellungen) dann zur Treviso Treuhand AG, anfänglich in der Waldau

St. Gallen (bald GL und Partner).

 

Französisch habe ich stetig - so weit es ging - weitergepflegt. Eben: viel gelesen. Französisch war ein erheblicher Schwachpunkt aller unserer Lehrlinge. Und während meiner Zeit bei Treviso habe ich mehr als einem Dutzend junger Berufsleute "Franz-Nachhilfe" geleistet. Ich habe festgestellt - schon bei Daniel unserem Sohn - , dass die meisten Fehler bei den folgenden Schwierigkeiten passierten:  

aigu   grave  circonflexe   cédille   Mehrzahl  weiblich    weiblich & Mehrzahl    oder

weitere Fehlerquellen:

devant     a, o, u et au   le „c“ est prononcé rêche, sauf on met une cédille

 

Wie viele Fehler hätten damals in der Berufsschule vermieden werden können? Bei dictés, Übersetzungen, Aufsätzen? Diese verflixte spezifisch französische Schreibgrammatik. Eine gründliche, systematische Schlusskontrolle, allein bezüglich der folgenden Schreibregeln mit den Fragen: Wo fehlen folgende Zeichen? Wo fehlen Mehrzahl „s“? Wo fehlen weibliche Schreibweisen etc? hätten in der Regel und erfahrungsgemäss erheblich mehr als 50 % aller Französisch-Fehler aufgedeckt und vermieden werden können.

Wie oft habe ich diese Empfehlung wiederholt. Unzählige Male! Nach einer gewissen Zeit waren sie vergessen.....mit den unvermeidlichen – so einfach - vermeidbaren Fehlern.

 

Ich habe während meiner Berufszeit dreimal entscheidend am Aufbau einer Firma mitgewirkt: in Zürich und Winterthur, noch nicht derart fulminant. 1962 zu Beginn waren wir nur zu Dritt. Ende 1969 waren total 9/10 Personen tätig (inkl. Fusion mit 3 oder 4 Personen). Ohne Fusion waren somit 5-6 Personen. Von 3 auf 6 Personen, also um zwei oder drei Personen zusätzlich, dies muss zuerst verkraftet werden; dies geht nicht von alleine. Platz, neue Arbeitsverteilungen, Administration komplizierter, Information- und Informationswege, Kontrollen brauchen auch Zeit usw.

Hingegen bei der OBT stieg die Anzahl der Mitarbeiter von sieben oder acht (1970 auf  

20 MitarbeiterInnen (1983)  und bei der Treviso von sechs/sieben Mitarbeitern auf zeitweise weit über 20, nachhaltig (heute neues Wort) auf etwa siebzehn/achtzehn, Rückgang vor meinem Austritt auf etwa 14/15 (Auswirkung der viel anwendungsfreund-licheren PC's - viele Kunden selber taten sich mit der Buchhaltung nicht mehr schwer).

 

Der Bruch mit der Treviso nach 14 Jahren 1983 - 1997 ging rasend schnell vor sich. Was war der Grund für diesen Bruch?

WL, Hauptpartner und GL,  hatte sich längerfristig privat für Liegenschaftenkäufe und einer Beteiligung an einer Risikofirma eines seiner Kunden hoch verschuldet. Diese Werte sanken in verhältnismässig kurzer Zeit ganz erheblich. Seine Banken verlangten Rückzahlungen von Hypotheken in Millionenhöhe. WL konnte bestimmt nicht alles bewerkstelligen. Seine private Finanzsituation wurde höchst wahrscheinlich sehr prekär. Aus diesen Gründen musste WL wohl vieles umkrempeln.

Im Spätsommer 1996 eröffneten mir die Vizedirektoren MW und KS (beide nicht Partner und GL), dass sie die Treviso auf Ende Jahr (oder schon etwas vorher ?) verlassen wollten. Es sei mit WL nicht mehr auszuhalten, vor allem MW litt sichtlich seit längerem; er hatte alles Selbstvertrauen verloren. WL sei komplett ein anderer Mensch geworden.

Anfang 1997 war auch ich bereits an der Reihe. Alles war falsch, alles musste geändert werden. Es wurde jeder Satz korrigiert, jede Zahlengliederung usw. usw. musste geändert werden. Es wurden unmögliche Berichterstattungstermine usw. vorgegeben und mit anderen Niederträchtigkeiten vorgegangen. Schon im Laufe des Januars stand für mich fest, dass ich auch austreten würde. Ein Jahr vorher wäre dies unvorstellbar gewesen.

In kürzester Frist hatte ich eine neue Stelle und ausser der Klage vor Arbeitsgericht (die ziemlich schnell von WL zurückgezogen wurde), geklärte Verhältnisse mit der Treviso (allerdings mit einem erheblichen Verlust auf meinen Aktien) und die Lösung für meinen langjährigen Kunden, die grosse Firmengruppe, die ich nach Herisau mitnahm.

 

Mitte April 1997 startete ich in Herisau. Es sollte nicht einfach werden. 

 

Viel, viel Aufräumen von Pendenzen, von pendenten Kundenproblemen, aber auch wieder Revisions-Tätigkeit bei zwei Ausgleichskassen.

Der Austritt war auch nicht gerade „erhebend“.

Eines Tages (2006) – die Revision bei der AHV Herisau stand bevor – sagte mir die Mitarbeiterin Helen, ich müsse nicht mehr mit „in“ die AHV kommen. Sie mache es allein. Noch ein/zwei Kurzbesuche in Herisau und ich liess mich nicht mehr blicken. Zu einer offiziellen Verabschiedung kam es nicht. Nach der Ankündigung durch eine Angestellte, hatte ich meinerseits keine Veranlassung, nochmals mit der GL den Kontakt aufzunehmen. Die Kontaktaufnahme hätte durch die GL erfolgen müssen. Bei einer späteren, zufälligen Begegnung mit dem damaligen Chef, stellte er sich höchst erstaunt über meine Darstellung des Sachverhaltes.

Mit Alter 68 hatte ich noch ein kleines Pensum bei anderen Auftraggebern und Ende 2007, gab ich die restlichen fünf/zehn Prozent Jahresarbeit (in Gossau) auf und ging definitiv in Pension.

 

 

Wie reagierte deine Umfeld auf solche Aufs und Abs? Speziell deine Lebenspartner(in)?
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11.3.  Arbeiten – Berufliches auf und ab.

Wie reagierte deine Umfeld auf solche Aufs und Abs? Speziell deine Lebenspartner(in)?
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Wenn es schon Journalisten nicht begreifen bzw. nicht begreifen wollen, wie soll dann das Strassenpublikum, der normale Bürger, die geistig unterernährte Masse, etwas von wirtschaftlichen Risiken und Zusammenhängen verstehen! Wenn schon Journalisten glauben, dass täglich ein absolut genau, aktueller Abschluss mit Knopfdruck abgerufen werden kann, wie sollen dann die meisten unbedarften Bürger verstehen, dass das unmöglich ist bzw. dass schon fünf Minuten nach Knopfdruck viele Wirtschaftsvorgänge grosse Veränderungen haben können. Und nun erst das Unbegreifliche der „Abschreibungen“ der UBS! Ich hoffe meine Erfahrungen verständlich wiedergeben zu können, das Verständnis für die Probleme zu fördern und zu zeigen, dass es eben nicht so einfach und simpel ist, wie viele glauben.

Bei einer Veränderung der Wirtschaftslage  (wie ca. 1990 oder ca. 2007; von Stagnation auf hohem Niveau auf Abschwächung) geht es vielen Firmen schlechter und die Aussichten werden unterschiedlich beurteilt. Von Objekt zu Objekt, von Stadt zu Stadt, von Staat zu Staat sind andere Auswirkungen zu erwarten. Wo sind jetzt 10 % oder 15 % oder gar 20 % oder noch mehr Wertkorrekturen vorzunehmen? Und wo nicht? Gesamthaft gesehen waren jetzt hunderttausende von Objekten neu zu bewerten. Eine Sisyphusarbeit! Wie entscheiden die verschiedenen hierarchischen Ebenen und am Schluss der VR?

In einer Bilanz hat es nicht nur Liegenschaften. Wie sollen angefangene Arbeiten, Beteili-gungen, Goodwill, Patent- und Markenrechte etc. und Rückstellungen/Wertberichtigungen bewertet werden? Jede Position mit ebenso vielen komplexen Fragen!

Wo stand dir das Glück zur Seite? Oder war es etwas Anderes?
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11.3.  Arbeiten – Berufliches auf und ab.

Wo stand dir das Glück zur Seite? Oder war es etwas Anderes?
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Glück im Revisionsbereich? Auch das braucht es alleweil!

In Anklageschriften kommt man sich wie der letzte Idiot vor. Die eingereichten Anklagen, soweit ich sie erfahren habe, bei Kunden, bei mir, erfolgten in übertriebener Weise. Wie zum Beispiel im Fall der Firma H. in Balgach. Ein Dr. E. drohte mit einer Verantwortlichkeitsklage über eine Million Fr. gegen die OBT und damit indirekt gegen mich. Dabei ging es im Revisionsmandat damals um ein Honorar von Fr. 700.00 (dreiviertel Tage zu zweit samt Berichterstattung). Einer der drei geschäftstätigen Brüder hatte teilweise Forderungen aus Arbeiten gegenüber einer Weltfirma nicht über die Firma „laufen“ lassen. Wie hätte man dies in einer kleinen Firma anlässlich einer Revision feststellen können? Um dies bewerkstelligen können, hätte man Revisionsarbeiten bestimmt im Umfange von Fr. 10'000 vornehmen müssen. Wo blieb da die Beurteilung der Verhältnismässigkeit durch Dr. E.? Der Streit dürfte wahrscheinlich etwa zwei Jahre gedauert haben. Man einigte sich schlussendlich auf eine Zahlung von Fr. 30'000 durch die OBT. Und wie hoch beliefen sich die Anwaltskosten und

die Kosten der OBT-internen Abklärungen? Dieu sait. 

Gab es rückblickend entscheidende Weichenstellungen?
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11.3.  Arbeiten – Berufliches auf und ab.

Gab es rückblickend entscheidende Weichenstellungen?
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Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht (bei OBT)

Gesucht war ein Leiter für die Aussenbüros des OBT-Sitzes St. Gallen; für Buchs, Glarus, Wil und Lachen. Die Departementchefs St. Gallen „Steuern, Unternehmungsberatung, Revision und Buchhaltung“ sollten einen Vorschlag machen.

Ich schlug R. vor. Während mehreren Sitzungen besprachen der Zentraldirektor JW und ich die Vorteile und Nachteile der vorgeschlagenen Person. Sehr gute Ausbildung, guter Teamleiter, arbeitsam, kommt gut an bei Kunden, oft aber sehr kompliziert, organisieren offen, volle Weiterverrechnung Stunden nicht 100% usw. Ich stand hinter meinem Vorschlag.

So alle zwei, drei Wochen, wenn JW und ich uns trafen, hiess es: „Wir sollten einen Ent-scheid treffen. Bist du immer noch derselben Meinung?“ „Ja“. Das ging bestimmt fünf oder sechs Mal. Es gab auch nochmals mindestens zwei Gespräche mit dem Austausch genau der gleichen Argumente und Gegenargumente. „Meinst du wirklich es sei der richtige Entscheid?“. „Ja, weil“.... „Aber da ist doch auch....“.

Fast ein viertel Jahr ging dieses Spiel. Etwa Anfang November wurde es mir zu bunt. Unter Tür und Angel, auf die genau gleiche Frage antwortete ich: „Nein, ich bin mit dir einverstanden“. Sehr kurzfristig wurde nun ein Termin anberaumt. Bei dieser Besprechung sah ich alle seine damaligen Gegenargumente ins Gegenteil verkehrt. Und meine seinerzeit aufgeführten positiven Argumente, die von ihm stets erheblich angezweifelt wurden, musste ich mir nun entgegen halten lassen und die wenigen von mir seinerzeit angebrachten Zweifel, die von ihm immer besonders hervorgehobenen wurden, waren auf einmal nicht mehr von Belang.      R. wurde denn auch richtigerweise befördert.

Es war nicht das erste Mal mit ähnlichen Vorkommnissen. Ich kam mich einmal mehr schikaniert vor. Ich fasste den Entschluss, JW am sogenannten Weihnachtsgespräch meine Kündigung bekannt zu geben. So war es denn auch. Er wurde kreideweiss.

Beim Abschied Ende Dezember 1982 sagte mir mein Nachfolger: „Mit mir macht das JW einmal. Mehr Geduld will und werde ich nicht aufbringen“. Nach einem Jahr trat auch mein Nachfolger aus, eben aus diesem Grund aus der OBT. Auch sein Nachfolger blieb nur etwa einen Drittel der Zeit, die ich die Leitung Revision (10-11 Jahre) inne hatte. JW trat zwischen 1995 und 2000 in den Ruhestand.

Hattest du auch Pech?
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11.3.  Arbeiten – Berufliches auf und ab.

Hattest du auch Pech?
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Ich will nicht eigentlich von Pech reden; hingegen von Risiken. Und diese sind schwer einzuschätzen. Klar, man geht vielen Risiken aus dem Weg. Aber in einer Wirtschaftsflaute oder in einer Rezession können ausserordentlich schnell gute Firmen, kleine wie grosse, gleichwohl zu Höchstrisikounternehmungen werden.

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Was Recht ist (sein soll), das haben wir seinerzeit in der Buchhalterschule gelernt: Recht ist, was der gesunde Menschverstand für richtig hält. Dass dem nicht so ist, erlebt man immer wieder und je länger je mehr bei Voten und Klagen von Rechtsanwälten. Wer Klagen, Anklageschriften von Rechtsanwälten (als Angeklagter z.B. in Haftungsfällen der Revisionsstelle) liest, kommt sich wie der letzte Trottel und grösste Verbrecher vor. Es strotzt von einseitigen, übersteigerten Schuldzuweisungen (von niederträchtigen Rechtsverdrehern und Rechtsüberdrehern  (und Linksanwälten) anstelle von Rechtsanwälten). Deshalb sind die Anstrengungen zur Eindämmung der Verrechtlichung des ganzen Lebens von grosser Bedeutung. Trotzdem geht das Karussel immer weiter!

Was schier unglaublich ist: Ungefähr 20-30 Jahre später strauchelt die UBS gewaltig (die Bank die selbst eine der treibenden Kräfte in der Zerschlagung von vielen Schweizerfirmen war), allerdings in den USA, ebenso infolge Liegenschaftsproblemen, auf Grund des Zusammenbruchs des Liegenschaftsmarktes, d.h. mit plötzlich viel tieferen Ertragswerten bzw. tieferen Marktwerten, praktisch gegen Null Ertrags- und Marktwert (auf Grund der insbesondere in den USA verschärften Bewertungsvorschriften, nachdem zwei "Staatsbanken" massgeblich am Aufblasen des Immobilienmarktes beteiligt waren).

1970 bis so um 1974 herum war eine Wirtschaftsschönwetterlage. Man sprach sogar eher von einer überhitzten Konjunktur. Um diese Zeit mussten die Banken sogar auf gewissen Konten Negativzinsen belasten. So um 1974 übernahm ich die Leitung der Abteilung/später Departement „Revision“ in der OBT Treuhand AG, St. Gallen. Ab 1975 kamen einige schwierige Jahre. Auch für mich. Obwohl ich mich bezüglich „Prüfungs-theorie und -praxis“ gewaltig ins Zeug legte, war ich für grosse und schwierigere Mandate noch überfordert. Zudem hatte mich WL zwei, drei Jahre davon abgehalten, die Revisorenschule zu besuchen um das Bücherexperten-Diplom zu erarbeiten.

Und so ein Mandat, das mich überforderte, war eine Grossbaustelle in St. Gallen. Ein grösseres Baugeschäft und ein führender Architekt in St. Gallen erstellten (Firma in der Rechtsform der AG) eine für damalige Zeiten aufsehend erregende grosse Baute, einen Millionenbau. Herr L., der von einer Revisionsfirma am Bodensee mehrere Jahre Revisions-Erfahrung mitbrachte und zu uns kam, war für diese Baute zuständig. Bei Baubeginn waren deren Buchhaltungen und Jahresrechnungen noch „klein“. Was ich (und wir von der OBT Treuhand) aber verhältnismässig spät bemerkten, dass Herr L. mit seinen Revisionsschluss- und Abschlussarbeiten bzw. mit der Revisionsberichterstattung in Rückstand geraten war. Die Revisionen waren wohl fast vollständig abgeschlossen, aber L. wollte warten, bis sich der Bau mehr entwickelt habe und damit mehr Zahlen für die Beurteilung der vergangenen Jahresrechnungen (wahrscheinlich) 1972 und 1973 oder sogar 1974 zur Verfügung standen. Die Generalversammlungen waren somit auch nicht durchgeführt. So Anfang 1975 schwirrten Gerüchte bezüglich dieser Baute in der Stadt St. Gallen herum: Der Bau gehe zu wenig vorwärts; die Verkäufe von geschäftlichem und privatem Stockwerkeigentum täten harzen, es würde zu niedrigen Preisen verkauft, das müsse am Schluss Probleme (Schuldenberg) geben usw. Herr L. wurde von uns mehrmals aufgefordert und gemahnt, die Rückstände aufzuholen. Die Gerüchte wurden für mich immer bedrohlicher: Der Architekt habe viel zu hohe Vorbezüge getätigt, mit dem Innenausbau gehe es nicht vorwärts, die Banken stellten Fragen an die Bauherrschaft......

Nun war „Feuer im Dach“. Während etwa zwei Wochen rackerten JW und ich - ich assistierte - nur noch an diesem Mandat bei der definitiven Gestaltung der Jahresrech-nungen und der Formulierung der Revisionsberichte. Es ging um den ominösen Art. 725 OR (Gefahr der Überschuldung oder der tatsächlichen Überschuldung). Ein solcher Fall war für mich Neuland. Die Unterlagen für die beiden ersten Jahresrechnungen waren innnert kürzester Frist erstellt und bald war auch die heikle, vorsichtige Berichterstattung für das Jahr 1974 - vielseitig besprochen und mehrmals geändert/ergänzt – versandt. Der Rückstand war aufgeholt. Die Baute war noch während Jahren Gegenstand von Diskussionen und Arbeiten. Für die OBT ergaben sich aber weder Klagen noch rechtliche Auseinandersetzungen und negative finanzielle Sorgen. Aber bis es soweit war, habe ich etliche schweissgebadete, grauen- und sorgenvolle Nächte durchgestanden. Im Nachhinein ist mir die Dramatik der damaligen Tage nur noch verschwommen präsent. Im Abstand von nur einigen Jahren hätten mir die Vorkommnisse viel mehr Stoff für's Schreiben geliefert. Der Zeitabstand von 35 Jahren hat viel, sehr viel verwischt!

Vor einigen Tagen schauten Helene und ich von Dreilinden/Freudenberg hinunter auf die Stadt, das Kloster, den Bahnhof und das Regierungsgebäude und eben diese Grossbaute. Diese gehört zu St. Gallen. Heute ist diese Baute für jedermann etwas vom Selbstverständlichsten von St. Gallen.

Für mich nicht. Mulmigkeit im Bauch spüre ich jedesmal; wenn ich sie sehe oder davon nur schon reden höre.

Hat dir jemand übel mitgespielt? Hast du das verkraftet? Wie?
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11.3.  Arbeiten – Berufliches auf und ab.

Hat dir jemand übel mitgespielt? Hast du das verkraftet? Wie?
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Übel mitgespielt? Wäre übertrieben! Nein, junge Untergebene haben oft meine Erfahrungen einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollen; sie wollen oft keine Geduld beim ihrem Aufstieg aufbringen. Ihr Aufstieg ging ihnen viel zu langsam.

In diesen 45 Jahren (1962 bis 2007)“Treuhandleben“ haben sich einige besondere Vorkommnisse abgespielt, die mein Misstrauen vielem gegenüber, verstärkt haben. Zwei solcher negativen Erlebnisse, die mir in Erinnerung geblieben sind:

F arbeitete in der OBT bei mir im Departement Revision, das ich während etwa 10 Jahre leitete. Er hatte beim Eintritt damals gerade die HWV-Diplomprüfung abgeschlossen. J auch mit frischem HWV-Diplom) und F arbeiteten recht eng zusammen. Aber beide waren neu in der Treuhandbranche. Schon früh, lange bevor ein Jahr verflossen war, begannen sie mehrmals zu reklamieren, lauthals zu rouspetieren, dass sie jetzt mit auf Revision mitgenommen werden und auch kleinere Revisionen selbständig durchführen wollten. Ich musste ihnen erklären, dass zuerst die interne Schulung an laufenden Mandaten unter verschiedenen Revisoren durchlaufen sein müssten. Sie lagen mir weiterhin dauernd in den Ohren. Aufgrund der Beurteilung durch die Revisoren werde dann zu gegebener Zeit jeweils im Team der selbständigen Revisoren und des Departementsleiters entschieden, wann die neuen Mitarbeiter extern zusammen mit einem leitenden Revisor eingesetzt würden. Dies versuchte ich Ihnen mehrmals klar zu machen.

Es war nach der vorgesehenen Zeit, dass beide bei externen Revisionen mitwirken konnten, so beispielsweise im folgenden Frühsommer F mit mir bei einer Firma im Rheintal. Im folgenden Spätsommer oder Winter ging bei der OBT eine Klage (vertreten durch einen Rechtsanwalt E) in der Höhe von 1 Million Fr. wegen ungenügender Verbuchung von Einnahmen (überwiesen von der Firma H) ein; beim Handelsgericht St. Gallen. Das Honorar für Revisionsarbeiten und Berichterstattung betrug ca. Fr. 700.00. Es wurde vermutet, dass sich der Deliktbetrag ungefähr auf Fr. 150'000 bis Fr. 200'000. Wir erfuhren im Laufe des Verfahrens, dass F vor Gericht ausgesagt hatte, dass er erstaunt gewesen sei, dass er schon so früh bei Revisionen habe mitwirken dürfen. Dabei hatte insbesondere er (und G) schon kurz nach der Anstellung mit Vehemenz und Penetranz gefordert, selbständig Mandate betreuen und bei Revisionen mitwirken zu können.                        

G und F übergab ich auch die Vorbereitung der Steuererklärung einer grösseren Firma. Als Ausgangspunkt sollten sie die Vorjahresaufstellungen (auch die internen) konsultieren und aufgrund dessen die neuen Unterlagen entwickeln (mit Präzipuum/Vorausfünftel, Zuteilung/Steuerausscheidung der Erträge und der Aktiven usw). Eines Abends präsentierten sie mir die Steuererklärung und den entsprechenden Brief an Herrn K., CEO der besagten Firma. Ich teilte ihnen folgendes mit: „Ich werde morgen diese Unterlagen durchsehen und den Brief unterzeichnen“. „Nein, nein so sei das nicht gemeint. Ich könne mich auf sie verlassen. Die Steuerunterlagen seien genau so erstellt worden, wie es sein müsse. Und sie seien absolut sicher, dass die Unterlagen richtig seien“. Hin- und Herdiskussion: „Sie hätten mit Hr. K: abgemacht, dass er die Steuerformulare morgen mit der Post erhalte. Sie hätten schliesslich die HWV abgeschlossen und jetzt reichlich Erfahrung gesammelt und und es sei eine Zumutung meinerseits, ihnen das Ausfüllen einer – allerdings komplizierten - Steuererklärung nicht zuzutrauen“. Sie beknieten mich „regelrecht“ und leider habe ich mich erweichen lassen. Zwei Tage später bekam ich ein Telefon von Herrn K.: „Die Steuererklärung ist nicht korrekt ausgefüllt; fast alles ist falsch. Was ist los? Ich sende ihnen alles zurück“! Entschuldigungen meinerseits!      

G und F waren mehr als zerknirscht und so wurden die Steuerunterlagen zu dritt erstellt.

Was hat dir die Arbeit alles in allem gegeben?
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11.3.  Arbeiten – Berufliches auf und ab.

Was hat dir die Arbeit alles in allem gegeben?
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Manchmal gibt es ungeahnte Freuden

Eine der jährlichen grossen Hauptversammlungen der Baumeister so um 1980 herum fand in der Rotonde in Neuchâtel statt. Als verantwortlicher Revisor der Kontrollstelle musste man vor und während der Versammlung immer ein mulmiges Gefühl haben. Man wusste nie, ob nicht irgend ein Votum aus dem Plenum oder vom Präsidenten selbst eine Frage an die Kontrollestelle gerichtet würde. Die Revision war ja längst vorbei und man hatte inzwischen etliche andere Revision vorgenommen.

Alle Daten konnten unmöglich präsent sein. Es war dieses Jahr nichts dergleichen, sonst wäre mir das in Erinnerung geblieben wie etwa die Hauptversammlung in Sursee (wo wir, JW und ich, Fragen mit kurzer Verzögerung beantworten konnten).

Nach der Hauptversammlung in Neuchâtel während des sehr guten und langen Nachtessen sang le choeur „la chanson du pays de Neuchâtel“. Der Chor sang sehr schön, auf französisch. Die Baumeister schienen mir sangesfreudig, folgten sie doch den Vorträgen mit Aufmerksamkeit. Da auf einmal begann der Chor ein Deutschschweizerlied: „Engeli tue nöd ä so, s’Hüsli fallt gwöss nöd um“. Da war es geschehen. Alle Baumeister sangen aus voller Brust mit. Es musste voll wiederholt werden und wieder wurde mit Inbrunst, schön, gepflegt und wuchtig gesungen - wie an einem Männerchorkonzert!  Welch ein Vorkommnis und welch seltene Begeisterung an einer Jahresversammlung! An einer Generalversammlung!

 Manchmal gibt es auch ungeahnte Erfolge (Anfang 70er Jahre)

Vor mehr als vierzig Jahren. Eine Blumenbörse ist eine Handelsgenossenschaft für den Austausch von Topfpflanzen und Schnittblumen für Produzenten und Gärtnereien. Gärtner B produziert Erika’s und Primeln, für seinen Dorfladen brauchte Rosen und Tulpen etc. Die Erika’s/Primeln, die er nicht im Laden verkaufte, brachte er an die Blumenbörse und bezog dort das restliche Sortiment für seinen Laden. Ich betreute Börse anfangs in alten Räumlichkeiten. Die Blumenbörse zahlte eine hohe Miete. An einer Verwaltungsrats-sitzung mit Besprechung des Jahresabschlusses erklärte ich, dass mit dem Geld für Miete von Fr. 40'000 eine Hypothek von einer Million verzinst werden könnte. Der Hypozins lag bei 4 % und eine Million war anfangs der Siebzigerjahre viel Geld, auch für eine Baute. Die Beratung lag damals allgemein noch in den Anfängen.

Etwas später befasste sich der VR tatsächlich mit dem Projekt eines eigenen Blumenbörse-gebäudes. Ich konnte sogar dem VR Zahlen aus Informationsunterlagen anderer Blumen-Börsen und der NZZ (Wirtschaftsteil) unterbreiten.  Diese Zahlen liessen sich in Beziehung zu Einwohnern setzen. Die entsprechenden Zahlen der betreffenden Börse lagen um mehr als die Hälfte tiefer als diejenigen der Konkurrenzbörsen. Der VR war jetzt selbst überzeugt, dass die eigene Region damals wirklich weniger Blumen kaufte und dass mit Werbung und Aktionen das Verhalten verändert werden könnte. Das Gebäude wurde gebaut. Das Geschäft wurde ein schöner Erfolg. Denn tatsächlich, nach einiger Zeit kauften die eigenen Kunden im gleichen Ausmass wie die anderen Börsen auswiesen.

Eine sehr schöne Aufgabe, die ich in Nachfolge meiner Tätigkeit bei der OBT privat übernahm, war die Revision bei einem Kulturverein St. Gallen's zusammen mit Revisoren der Stadt und des Kantons St. Gallen, mit W., G. etc. In den Unterlagen, Belegen und Jahresabschlüssen konnte man viel über gute Musik lesen. Man fühlte sich am Puls der Kultur. Zudem konnten wir die Revision, nach wenigen Jahren in ordentlichen Büro-räumen, in einem renovierten, exquisiten Jugendstil-Sälchen vornehmen. Kultur über Kultur par excellence! Ich fühlte mich in einer anderen, wunderbaren Welt, trotz trockener Zahlen-Materie.

 

Ein Umstand, der mich störte, war die Heuchelei, mit der sich die Kultur als moralischer Gradmesser gibt. Auch in der Kultur sprang man mit steuer- und AHV-rechtlichen Belangen um, wie man gerne und oft der Wirtschaft vorwarf. Bei berühmten Grössen oder anderen liess man Quellensteuern oder AHV-Abgaben ausser acht. Es kam allerdings nicht jedes Jahr vor. Mehr als die Unterlassung bei der Besprechung mit dem Präsidenten zur Sprache zu bringen, wäre übertrieben gewesen.

 

 

Bei der OBT war ich ab 1976 oder etwas vorher als Leiter für die Revision von verschie-denen Ausgleichskassen verantwortlich. Es ergab sich, dass das Bundesamt (BSV) in Bern bei einer AK (Ausgleichskasse) vermutete, dass Fehler im Rentenbereich vorhanden sein mussten und uns den Auftrag erteilte, sämtliche (ca. siebentausend) Renten zu prüfen.

 

Das war wirklich Neuland für mich und das Team. Ich erstellte Plan, Hilfstabellen und Hilfsfragelisten. Während eines Monats prüften wir sehr intensiv zu dritt oder zu viert Dutzende von Rentendossiers. Obwohl wir anfänglich nur ganz einfache Fälle bearbeiteten, waren die Zeitziele viel zu kurz. Aber die Rentenfehlerquote lag zwischen 10 und 15 %. Nach hundert geprüften Dossiers kam Herr B. vom BSV nach Zürich und wollte die Dossiers  mindestens teilweise selbst einsehen. Auch er verrechnete sich in der Zeit. Er erreichte sein Tagesziel nicht. Aber er bestätigte unsere gute Arbeit und dass wir richtig vorgingen. Jeden Monat hatten wir unseren Termin mit Herrn B.

 

Unsere Rechnung an die AK für einen Monat bzw. für drei Monate war enorm. Aber auch unser Know-how vergrösserte sich. Zudem war der Rentenchef, Herr Bo., ein sehr integrer Mitarbeiter bei der AK. Herr Bo. und wir konnten einander sehr gut ergänzen. In den drei Monaten hat sich sehr viel „herausgeschält“.

 

Ich rechnete meinem Chef, JW, vor, dass unsere Rechnungen für ein Jahre gegen eine halbe Million Franken und mehr betragen würden (damals eine enorme Summe). Da müssten wir doch vorher mit allen Beteiligten reden und einen kostengünstigeren Weg suchen. Nach längerem Zögern – der Umsatz war verlockend und die Initiative müsse doch nicht von uns aus kommen – sah doch auch er ein, dass wir den Anstoss geben sollten.

 

Nach weiteren Prüfungs-Monaten sank auch die Fehlerquote. Die Rentenabteilung der AK hatte selber begonnen, jede freie Stunde für Fehlersuche zu nutzen. Heute hätte man dank der Informatik die Fehlerquellen – ein oder zwei „Systemfehler“ – des ganzen Rentenbestandes verhältnismässig rasch eruieren können. Aber damals war das alles noch „mühsame Handarbeit“.

 

Wir fuhren nach Zürich zur AK zu Herrn Sch. und einige Tage später nach Bern, in das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV). Die AK war selbstverständlich froh über unser Vorgehen und auch das BSV willigte ein. Wir fanden einen guten Modus. Die durch die AK „nachgerechneten“ Dossiers sollten in Stichproben durch das OBT-Controlling überprüft und die Ergebnisse in einem zusätzlichen Rapport zuhanden des BSV festgehalten werden. Gleichzeitig sollte die OBT mit ihren Arbeiten weiterfahren, aber auf halber, später auf einem Viertel der ursprünglichen Intensität. Jeden zweiten Monat war ein Treffen mit Herrn B. in Zürich vorgesehen.

 

Der Auftrag lief auf diese vereinbarte Weise weiter und konnte nach etwa einem Jahr als beendet betrachtet werden. Alle waren zufrieden.

 

Die Führung des wechselnden Teams, mit unterschiedlichen Arbeitszeiten, für einen so langen und heiklen Spezialauftrag, mit einem heiklen „Auftraggeber“, dann das Learning by doing im Rentenbereich, die stetig notwendige Flexibilität haben mir in vieler Hinsicht enorm viel Erfahrung eingebracht; auch viel Freude! Aber auch für die Beratung.

Gab es Perioden in deinem Berufsleben, in denen du unter Stress gelitten hast?
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11.4.  Arbeiten – Arbeit, Familie und Freizeit.

Gab es Perioden in deinem Berufsleben, in denen du unter Stress gelitten hast?
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Ich hätte viel unter Stress leiden können. Aber die Freude am Arbeiten, an meiner Berufs-Tätigkeit überwog alle Hektik, aller Termindruck bis....

Einzig Ende 1996/Anfang 1997 als ich mich als Partner gezwungen sah einzusehen, dass... ...   ich mich umzusehen hatte, um meine letzten Berufsjahre "zu retten",  da litt ich verhältnismässig kurz unter ungeheurem Druck und schrammte an einem Zusammenbruch vorbei.....

Wofür und wie hast du deine Freiräume und Freizeit genutzt?
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11.4.  Arbeiten – Arbeit, Familie und Freizeit.

Wofür und wie hast du deine Freiräume und Freizeit genutzt?
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Engadiner Skimarathon

Das spezifische Training hatte jeweils anfangs Dezember begonnen. In den ersten Jahren (ab 1980) waren die Verhältnisse in Degersheim und Gonten sehr gut. Als Abwechslung lief ich auf der Schwägalp, in Hemberg und Unterwasser. In den letzten Jahren fiel Degersheim weg, da es auf der langen Piste ungenügend Schnee hatte. Kurzfristig, während ein paar Tagen, bot sich so um 2000 herum, Andwil an. Zu meiner grossen Überraschung führte in einem Jahr die Andwil-Loipe durch unsere damalige Staubhausen-Liegenschaft (westlich des Gehöfts). Am meisten Training hatte ich in Gonten absolviert.

In den ersten Jahren fuhr man mit dem Car am Samstagmorgen in Uzwil um 07.00 Uhr ab, ass in Bergün zu Mittag und erreichte Silvaplana in den Abendstunden. Die Unterkunft war in einer Baracke einer Baufirma, später in der Militärkaserne von Schanf. In den letzten Jahren stieg man am Sonntagmorgen um ca. 03.50 in Gossau in den Car und war ca. 07.00 in Maloja. Seit der Vereina-Tunnel durchfahren werden kann, setzte ich mich um 04.30 in Klosters in den Zug und war mit dem Postauto auch so um 07.30 am Startort.

 Meine „Strategie“ war (mit einer Ausnahme) immer, zu aller hinterst zu starten. Viele Stürze und kleine Rempeleien konnte man so vermeiden. In der berüchtigten Statzerwaldabfahrt mit dem Schadenfreude-Schaulaufen kamen mir die minimen „alpinen“ Erfahrungen von 1960 und früher zu gute. Selten bin ich dort gestürzt, ich konnte sogar gut „durchfahren“. Das war jeweils ein Aufsteller.

Ein weiterer Aufsteller war für mich der Erfolg mit der neuen Technik „Skaten“ 1992: 44 Minuten schneller als im Vorjahr mit "klassisch".

Auch beim Marathon selbst hat sich einiges verändert. Bündner Ländler sind in den letzten Jahren durch „modernere“ Rhythmen und einfältigere Töne abgelöst worden. Startblöcke mit verschiedenen Startzeiten haben Entspannung vor allem in der Startphase gebracht. Die Hintersten haben wunderbar Zeit, den Start der „Heer-Harste der Schlachtaufstellung“ (wie vor Grandson, Murten oder Marignano (?)) in Maloya von oben zu geniessen. Auf alle Fälle ich als geschichtsfreundlicher Teilnehmer, finde dieses Startprozedere ungemein eindrücklich!          Die Strecke ist am Schluss mühevoller geworden: die Golan-Höhen – Kamelbuckel.

Der zweite Marathon (1981) war für mich der Phantastischste. Es schneite heftig, es war nicht so kalt und ich hatte einen neuen Schuppenski (denselben wie der spätere Sieger Hallenbarter). Kaum gestartet, konnte ich feststellen, dass ich Läufer links und rechts von mir überholte. Ich hatte einen „ungeheuer“ guten Ski. Ich liess bis St. Moritz hunderte von Langläufern (ja tausende) hinter mir. War das ein Hochgefühl! Unglaublich so was zu erleben. Ab Pontresina hörte das auf, denn ich war zu den gleichschnellen aufgelaufen. Als ungefähr 10'000ster gestartet, bin ich 5336ster geworden.

Gerne hätte ich 25 Marathon absolviert, aber einmal muss Schluss sein. 70-jährig ist eine gute Limite und jetzt hätte ich das Jahr 2008 wegen Erkältung ohnehin „passen“ müssen.

Joggen

Der Ursprung der Freude am Joggen war im Grunde genommen die Vorbereitung auf den Engadiner Skimarathon. Anfänglich trainierte ich nur auf den Langlaufski vornehmlich auf der Loipe in Degersheim. Nach dem Kirchenkonzert von Ende November (denn negative Einflüsse auf den „Ansatz“ beim Cornetblasen in der Concordia wollte ich vermeiden) begann ich jeweils langsam aufbauend mein Schneetraining. Mit der Zeit gab es weniger Schnee und ich musste auf andere Loipen ausweichen: Schwägalp, Gonten und einmal Hemberg und Unterwasser.

Bald aber kam die Zeit, da war im Dezember weit und breit kein Schnee. So begann ich zu joggen und zwar ab ARA Oberbüren der Thur entlang bis Huserfelsen oder ganz bis Bischofszell, zurück bis zur „Golfbrücke“, die Kobesenmühle hinauf nach Niederhelfenschwil, hinunter nach Billwil und zur ARA, dies nach dem Aufbau jeden Samstag-Nachmittag bis Anfang März; ausser es hatte Schnee in Gonten......

 Da ich ab Alter 63 jeden Freitag frei machte und später noch ein oder zwei weitere Tage nicht mehr arbeitete, verlegte ich mein Lauftraining auf den Morgen, damals vielfach auf den Freitagmorgen. Ich verlegte aber auch meine Laufstrecke. Ab Parkplatz Pfadi beim Bettenauer Weiher führt sie südlich zum Kirschbaum und Stall hinauf am südlichen Hügel des Weihers, hinunter und flach westwärts bis zum Mühleli und der Hauptstrasse Oberuzwil-Jonschwil und etwas weiter westwärts links weg der Bettenauerstrasse entlang gegen Norden; nach fünfhundert Metern links abbiegen und einen km auf dem langen Karrweg gegen Westen; dann wieder rechts Richtung Sonnhalde (Schwarzenbach) aber nach weiteren fünfhundert Metern wieder links in den Wald und dann rund um den Bärenberg stetig am Waldrand entlang, ausser nach einem abrupten Schwenker nach links und kurzem Aufstieg in einem Waldstück. Nach der Umrundung des „Bergs“ geht’s dann zur Hauptstrasse Schwarzenbach-Oberuzwil bei der Sonnhalde. Von dort mit Haarnadelkurve nach Süden und nach einem km wieder nach Osten durch den Weiler Bettenau und mit etlichen Biegungen über den Stall mit Kirschbaum zum Ausgangspunkt zurück. Diese Strecke ist so abwechslungsreich, ein auf und ab, alle Himmelsrichtungen, alle Winde, Strassen, Feld- und Waldwege, Aussicht auf Felder, Weiher, Weiler und Wolken........Seit meiner Vollpensionierung mit achtundsechzig ist es immer noch meine Lieblingsstrecke; jetzt jogge ich aber meistens am Montagmorgen von 07.00 bis 08.00 Uhr (Dezember bis März eine Stunde später, da es sonst noch stockdunkel ist).

Während des Joggens lässt sich der Kopf leeren oder füllen, lässt sich’s vorzüglich sinnieren, träumen, Gedanken nachhängen, Problemchen auflisten............Vor allem aber gilt es an allen vier Jahreszeiten die Gegend zu geniessen! Viele Liedtexte für die Freitagnachmittage in Herisau habe ich auch beim Joggen auswendig gelernt. Es sind inzwischen so viele Liedtexte geworden, dass es nützlich ist, diese Texte zu wiederholen, praktisch als Vorbereitung für das „Programm“ vom folgenden Freitag. Denn bis ich ein Lied wieder singe, kann durchaus ein halbes Jahr vergehen – so umfangreich ist das Repertoire geworden.

Nach dem Waschen/Duschen fühlt man sich wie frisch geboren. Etwas übertrieben, aber es ist einem trotz Müdigkeit ungemein wohl. Wie ein Jungbrunnen!

 

So um 1996/97 begann sich etwas anzubahnen. Für mich schier Unglaubliches.

Freitagnachmittag in Herisau

Am Freitag ging – wenn die Arbeit es zuliess - schon Grossvater jeweils nach Herisau. Dort war Markt. Da traf sich die Bauernsame. An einem Kurs über Steuern oder Unternehmungsführung in Zürich, ca. 1980 wurde ich an einer Mittagstisch-Runde direkt angesprochen, ob ich in der Nähe von Winkeln aufgewachsen wäre. Ja? Ich habe ihren Grossvater gekannt; in der Regel kam er am Freitagnachmittag vom Markt her bei uns im „alten Zoll“ zu einem kurzen Trunk vorbei - vor dem Heimweg nach Staubhausen. Diese Bemerkungen haben in mir etwas wie ein Fenster aufgetan....

Heute (für mich ziemlich regelmässig so ab 1998) ist der Markt laut Aussagen von Fritz Ramsauer viel kleiner geworden. Aber die Bauernsame und die Viehhändler treffen sich dennoch. Am Morgen im Marktplatz, am Mittag im Schaffräti, Adler oder Steinbock. Und am Nachmittag, so um die halbdrei oder etwas später, sammeln sich die älteren „pensionierten“ Bauern und andere, die gerne singen und zauren, im Adler oder wenn dieser einmal oder zweimal im Jahr geschlossen ist, im Tüfen Schäfli in Schönengrund.

Ernst Rechsteiner 1938, pens. Landwirt, im Nieschberg, Vorzaurer, Gradhäbe, sennisch; Hans Tobler, Wald, 1925(?) pens. Leiter Motorfahrzeugkontrolle in Trogen, Gradhäbe, Margrit Schefer 1934(?) seine Freundin, Gradhäbe; Trudi Wanner 1935(?), Bernhardzell (Schwester von Margrit Schefer) Gradhäbe; Hugo und Emmi Meier (1930, pens. Elektromonteur, Herisau, Bass, Frau: Zwischenstimme (so etwa wie Cellostimme) (beide 50 Jahre im Saumchörli); Köbi Schoch 1942 pens. Landwirt im Rechberg, Vorzaurer, Gradhäbe; nach alter Art; Fritz Ramsauer 1918, pens. Landwirt, Hueb, Herisau, Bass; Hans Frischknecht 1923(?), Herisau (früher Handorgel, Sohn von „Gigeli Frischknecht“), Bass; Hermann Waldburger 1925(?), pens. Landwirt, Schwellbrunn (bekannt als Zusenn aus dem Film „Sennenballade“) Bass; Knaus Karl 1938, pens. dipl. Wirtschaftsprüfer, Oberuzwil (Urgrossvater war Anton Maria Klarer (Schnetere(mareie)bueb) Vorsingen beim Zaure; Rugusserle und Johlen, Gradhäbe oder Zwischenstimmen: Repertoire ungef. 150 "Stock" - Hälfte Appenzeller Lieder - Hälfte Naturjodel aller Art;  hie und da dabei: Looser Jakob (1942(?), Vorjohle, Gradhäbe, pens. Landwirt, Bauernmaler, Oberhelfenschwil, (Jodelclub Bütschwil; Werner Stricker 1925, pens. Swisscom-Monteur, Jodlerclub Freundschaft Flawil, St. Gallen-Boppartshof, Bass; Preisig Johann 1940(?) und Berti, Landwirt, Schwellbrunn Vorzaurer, Gradhäbe; Rohner Emil (Migg) 1943, Schreinerei/Innenausbau, Herisau, Vorzaurer, Bass und Zwischenstimmen - wie Cellostimme (Ramsenchörli);  Pfingst (Signer) Johann 1930(?), pens. Landwirt, Gonten, Vorrugusseler und Frau Rösli, Vorsängerin Lieder; Schläpfer Jakob 1932 Schönengrund, Vorzaurer im Jodelchörli Schönengrund und dann..... etwa hie und da auch dabei die weiteren „Oberuzwiler“ mit Walter Bodenmann, Ebnat-Kappel Vorzaurer, Gradhäbe; Hansueli und Walter Nef, Jakob Naef und Willi Frischknecht.

Manchmal geht etwas Zeit verloren, bis einer zu zauren beginnt. Etliche warten darauf und etwa einer schaut etwas vorwurfsvoll zu uns herüber. Wenn es allzu lange dauert mit spassen und "dischgeriere", dann kommen Margrit Eberhard oder Rösli Kuster, von den Wirtsleuten und „teilen“ uns mit, dass sie Radio oder CD-Spieler abgestellt hätten; die aber beide recht oft selber vorsingen und/oder mitsingen während des Bedienens......

Und dann beginnt bestimmt einer den „Reigen“. Besonders erfreulich ist, dass eben mehrere vorzauren oder vorsingen. Jeder hat seinen eigenen Stil, in der Singart, im Timbre, sennisch oder saumchörlerisch, ausserrhodisch, innerrhodisch, toggenburgerartig, oder wie am Silvesterklausen. Und singen „Liedli und Zäuerli äs äm äne........“

Aber auch ein Clou ist das Dankeschön der Wirtsleute im Adler, Rösli Kuster und Ernst Bösch. Es kommen nicht nur die Sänger in den Genuss einer Fleischplatte, sondern vielfach auch die allernächsten Zuhörer wie etwa Ernst Frei, Paul Pelikan, Walter Mittelholzer, Sepp Brunner genannt Gschwend Sepp (Bilenberg, Abtwil), Ernst Enz, Hans Frehner, Hans Schläpfer, früher auch Hans Wild, Hans Wagner, dann die Viehhändler Bruno Knechtle, Jakob Raschle und und

 

Zauri-Text aus 2008; etliche Personen sind inzwischen verstorben

 

Was haben dir deine Freizeitbeschäftigungen in beruflicher Hinsicht gebracht?
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11.4.  Arbeiten – Arbeit, Familie und Freizeit.

Was haben dir deine Freizeitbeschäftigungen in beruflicher Hinsicht gebracht?
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Ich brauchte etwas Anderes, Erholsames und Freudiges in meiner äusserst strengen Berufstätigkeit, in meinem sehr oft harten Alltag.

Einige wenige "Proben" Tage vorher genügten. Nach einem Abendständchen der Concordia beim Altersheim Wespiwies in Niederuzwil, setzten wir uns zu viert (Max Sidler, Paul Seewer Klarinetten, Hausi Müller, Posaune und ich (Cornet) im Restaurant zusammen und fingen zu spielen an. Es fand mehr als Anklang und die Musikanten der Concordia waren bass erstaunt, dass so etwas mit einer so kleinen Gruppe bewerkstelligt werden konnte: den Eckstei-Schottisch, Wien bleibt Wien, Lueg use wie ne's rägelet, die Holzhackerbueb'n, ein Jodel mit Wälzerli, s'Guggerzyttli im Walzertakt abwechselnd mit Zwei-Viertel-Marsch-Takt, aber auch Schmachtfetzen „wie munteres Rehlein“ und......Die alte Tradition (vor mehr als zehn Jahren) mit den „Bombotzern“ sei jetzt wieder aufgenommen worden, sagten die alten Concordianer, wie Max Ehrbar, Hausi Müller, Ernst Schütz. Und wenn dazu noch Willy Müller, unser Dirigent, ein Es-Horn in die Hände bekam, waren wir in unserem Element. Das war Stegreif-Musik in Reinkultur, mit Leib und Seele....

Sofort hatte auch Paul Seewer eine Sammlung von Ländlermusikstücken, vorwiegend im Bündner-Stil, im Kopf. Wir hatten damit Abwechslung in Ländlerstilen wie sie selten zu hören war: Zürcher, Bündner, Appenzeller, Tiroler.....Und bald waren auch ein Blasbass mit Paul Rüthemann und eine Handorgel mit Paul Gemperle (Maler) aus Wil oder ein anderer dabei.

So hatten wir unzählige Auftritte: Bei internen Anlässen, auf den Musikreisen, bei Zwischenhalten, am Abend zur Unterhaltung für die Musikanten und Musikanten-Frauen; bei unseren Abendunterhaltungen und Ständchen, bei Hochzeiten (Paul Berger, Dilitz, Richard Tanner usw.usw.); bei Bühler – Anlässen, bei anderen Vereinen; bei zwei SBB-Fahrten nach Stäfa und Maienfeld; am jährlichen Herbstmarkt Uzwil im Tunnel mit u.a. Ueli Lusti und später dann mit Ernst Geschwend. Wir spielten vor allem von Hans Niederdorfer (geb.1938; Kapelle Via Mala) und Jakob Keller, dann auch Edwin Baer, Carlo Brunner, "Appenzeller" und viele andere.

Neben unseren bereits erwähnten „Immergrün's“ bliesen wir u.a. Im Scaletta-Stübli, De Joggeli nimmt's gmüetlich, Am Silsersee (Baer), Dr Alma z'lieb (Keller), Abend am Vierwaldstättersee, Die ruhigen Weiber in der Waschküche (Kasi Geisser) usw.......

 

Eine grosse Abwechslung bot mir auch das Lesen des Time Magazins (von etwa 1960 bis  1970, ab 1962 vornehmlich im Zug von Dietikon oder Wallisellen nach Zürich und zurück (Mittag und Abend). Am Anfang habe ich das Newsweek ebenfalls begutachtet. Ich kehrte aber immer zum TM zurück. Ich konnte turbulente Zeiten verfolgen. Insbesondere Vietnam war damals das grosse Thema. Im Zusammenhang mit der Wirtschaft, mit Politik, die auf die Wirtschaft Einfluss hatte, mit der Börse, waren mir die Informationen im Beruf, im Gespräch mit Unternehmern usw. eine stetige Hilfe. 

Gerade Vietnam habe ich völlig anders wahrgenommen, als die meisten meiner Kollegen und Mitbürger. 1965 dürfte etwa der Beginn der Vietnam-Antibewegung gewesen sein.

Aber: Die vermeintlichen Sieger von damals sind heute die Verlierer. Nach dem Kollaps des Sowjetkommunismus steht das gegenüber überlegener westlicher Wirtschafts- und Handelsmacht furchtsame Regime nationalkommunistischer Epigonen in Hanoi auf verlorenem Posten. Amerika ist eine Generation nach dem Vietnamtrauma als einzige globale Macht übrig geblieben.

Wie Nordvietnam 1975 den Krieg gewann, wird heute immer noch oft in fataler Verzerrung wiedergegeben. Die Amerikaner sind auch daran, die heute immer noch dominierenden Zerrbildperspektiven einstmals rabiater Kriegsgegner und Kritiker einer angeblich von Grund auf verfehlten Intervention in Vietnam in ein neues Licht zu rücken.

Nicht eine militärische, sondern eine politische Niederlage, vor allem an der „Heimatfront“ in Amerika (und Europa) erlitten die USA. Das Fernsehen war neu und es hat die Rolle einer Antikriegspartei wahrgenommen. Das Fernsehen brach dem Optimismus Westmoreland’s das Genick.

Kein Fernsehteam war hingegen bei der Hinschlachtung Tausender von Zivilisten durch den Vietcong in Hué 1968 dabei. Wer hat zur Kenntnis genommen, dass Hanoi nach seinem Sieg 1975 nicht nur Unmassen einstiger Kriegsgegner und unliebsame Südvietnamesen teilweise bis in die neunziger Jahre in „Umerziehungs“-Gefängnislager steckte, fünfzigtausend ehemalige Angehörige des Saigoner Verwaltungsapparates umbrachte und später Laos missbrauchte, um Kambodscha zu überrollen?

Nicht der Vietcong, d.h. die Guerillakämpfer aus dem Süden trugen den Sieg davon, wie das für die meisten einstigen Anti-Vietnam-Demonstranten gültige Zerrbild vorgaukelt. Sondern es waren die Nordvietnamesen. Hanoi 1972 hat mit umfangreichen konventionellen Verbänden massiv im Süden Fuss fassen können, als die amerikanischen Bodentruppen bereits fast vollständig abgezogen waren.

Fazit: Der 1969 an der „Heimatfront usw.“ erzwungene Abzug der amerikanischen Truppen aus Vietnam war der entscheidene Fehler. Die Guerrillas des Vietcong sind 1969 bis 1971 erheblich zurückgedrängt gewesen. Mit einer USA der Stärke wäre der Kommunismus früher als 1989 am Ende gewesen.

In dieser Richtung sah ich Vietnam ebenfalls: Auf Grund von Berichten in den Medien, wie im TM, NZZ und Diskussionen in Radio und Fernsehen. Solche Beurteilungen vertraten auch viele Gewerbetreibenden und Unternehmer. Ich habe etliche ernsthafte Gespräche führen können. Ich habe mit der Vertrautheit in heiklen Themen viel Sicherheit gewonnen. Klar, das sei auch festgehalten. Bei den Freunden in der Blasmusik und in privaten Kreisen fand ich kein Verständnis für diese Haltung. Was liest ihr denn? Wofür interessiert ihr euch denn? Lebt ihr in den Tag? Das waren meine Gegenfragen.

Tragen nicht alle Anti-Vietnam-Manifestanten von einst moralische Mitverantwortung für das Grauen in den „Killing Fields“ nach dem von „Ho!Ho!Ho!“-Rufen (u.a.) erzwungenen Abzug der USA aus Indochina? Und was waren diese Manifestanten? Das wird noch zu schreiben geben.

 

Wie warst du als Arbeitskollege/-kollegin oder Mitarbeiter/-in?
Seite 82
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11.5.  Arbeiten – Arbeitskollegen ? Vorgesetzte ? Vorbilder?.

Wie warst du als Arbeitskollege/-kollegin oder Mitarbeiter/-in?
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Die NZZ habe ich seit ca.1967 abonniert. Seit 1954 habe ich mich (ab 1967 praktisch täglich) auch über die Börse Zürich und New York – natürlich selektiv – informiert. Wirtschaft und Politik sind mit Börse untrennbar „verbunden“; so verbunden, dass die Börse den wirtschaftlichen Entwicklungen in der Regel mehr als ein halbes Jahr voraus ist! Tagtäglich habe ich insbesondere folgende Titel der Zürcher und New Yorker Börse verfolgt: UBS, CS, SBV, IBM, Litton, später AOL, Pfizer, Nestlé, Novartis, Roche, Rentenanstalt, Swiss Life, Google, Microsoft, Apple, Holcim etc. etc.

Die NZZ ist stetig zu lesen. Einzelne Nummern zu goutieren ist sicher auch gut. Aber eben nicht im Sinne der Gesamtschau. Es werden eben nicht nur einseitige Sichtweisen dargeboten, sondern es folgen sich Darstellungen mit Gegendarstellungen. Und damit ist klar: mit mehr oder weniger zufälligem Lesen von wöchentlich ein oder zwei Tagesausgaben oder noch weniger erfährt man u.U. nur halbe Wahrheiten. Oft kommt eine andere Sichtweise erst am nächsten Tag oder noch später in die Zeitung   -   welche man verpasst.

Ich habe sehr oft Haltungen eingenommen – aus Überzeugung einnehmen - müssen, die bei meiner Umgebung und meinen Kollegen nicht geteilt wurden. Dies gerade dank dem vielfach ganzheitlichen Lesen der NZZ. Selbstverständlich hat meine Tätigkeit mit meinen Kunden – Unternehmer – meine Ansichten auch sehr stark beeinflusst. Und der Unternehmer hat in der Regel eine ganz andere Sicht, als der Beamte, der Musikant oder als der Fussgänger auf der Strasse.....

 

Reagan beispielsweise wurde bei Regierungsbeginn von Dietmar Schönherr unflätig beschimpft. Schönherr war nach meinen Wahrnehmungen am Bildschirm verbannt und tauchte erst wieder nach Ablauf der Regierungszeit Reagan's wieder auf. An Reagan wurde während seiner Regierungszeit kein guter Faden gelassen. Heute tönt das auch bei seinen Gegnern ganz anders.

Und bei Bush? Bei Bush war praktisch alles erlaubt: Michael Moore: Kinderbuch verkehrt in Händen, Fälschungen von Dokumenten kolportiert: später natürlich aufgedeckt, da EDV-Schrift-Art und Wörter verwendet wurden, die zur Zeit der Erstellung der Dokumente noch gar nicht existierten, IQ usw.

Die Welt ist durch den Journalismus noch härter geworden, unflätiger, hinterhältiger, unfairer, halbbatziger, trickreicher geworden. Es werden Tabuthemen „aufgebaut“ bzw. die Journalisten halten gewisse Themen unter dem Deckel, an denen es nach ihrer Meinung nicht zu rütteln gilt. Nur schon der Versuch, ein bewusstes Thema unter einem anderen Blickwinkel „anzuschneiden“ ist „tödlich“ (wie etwa Bush positiv und Obama negativ). Aber Journalisten haben heute auch einen der tiefsten sozialen Anerkennungsstandards....

Der Witz „Obama und Teleprompter“: Bush cannot read, but Obama can only read“ sagt mehr als tausend Worte (was hat Bush während der Amtszeit alles gelesen, aber Obama hat noch gar nichts erreicht, als dass seine „eloquenten“ Reden auch kompleter Bluff sind! Eloquent eben nur dank Telepromptern).

Klar habe ich viel „gelitten“. Dank der NZZ usw. war man aber gut informiert. Während der Vietnam- und später der Reagan- und Bush jun.- Zeit musste ich „unten durch“ und oft "still sitzen". Man durfte kaum „ein Komma“ erwähnen, schon war man ein Ketzer, gewissermassen ein Aussätziger. Insbesondere bei Thema „Obama“! Ich habe trotzdem hie und da gerne „meine Messer gewetzt“ und mich auch mit Leserbriefen artikuliert und meine Meinung vertreten. In meinen Tagebüchern und später "Lebensepisoden" musste ich mit meinen Beurteilungen zum Glück nicht zurückhalten.

Ich meine, ich habe in Vielem, wie z.B. in Sachen Vietnam und „Obama“, „recht“ behalten.

 

Seit ich pensioniert bin, kann ich meine Einschätzungen noch viel eher verifizieren und mit Argumenten untermauern. Neben Musik, Literatur, Geschichte und ist auch Politik sehr interessant und spannend. Es bereicherte und bereichert mein Leben ungemein.

 

Wie war eure Hochzeit? (Was war für dich der unvergessliche Moment?)
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12.  Eheleben

Wie war eure Hochzeit? (Was war für dich der unvergessliche Moment?)
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Am 28.04.1962 feierten Helene und ich Hochzeit; in Uzwil, Mittag in Hemberg, Nachmittag Rapperswil und Fischental, mit beiden Eltern und vielen Verwandten. Und dank Änesli (Cousin Ernst Wanner), dem Akkordeon-Virtuosen, hatten wir das Privileg konzertante Musik in bester Qualität und von James (Bruder Jakob Knaus) beste Literatur zu geniessen.

Die Flitterwoche verbrachten wir in Montreux. Es war das erste Mal, dass wir eine ganze Woche nur für uns hatten. Wo gibt es Anfang Mai schönere Spaziergänge, Wanderungen als an den Gestaden des Genfersees und zudem zwischen Montreux und Villeneuve und Château de Chillon? Ausflüge folgten nach Genf, auf die Rochers de Naye, nach Evian mit einem grösseren Motorboot, dann wieder zu Fuss in die Nähe von Schloss Blonay....... An Genf erinnern wir uns (es war noch gar nicht angenehm warm und eher windig) an die internationalen Gebäude, an die Jets d’Eaux und an die Schwäne, die an der Quaimauer nisteten. Die Rochers de Naye steckte zwar voll im Nebel. Aber auf der Rückfahrt konnte man die Paradiesgegend bestaunen.

Etwas ganz einmaliges erlebten wir im etwas altmodischen, aber recht grossen Café des Casino Montreux. Am frühen Nachmittag spielte ein Salonorchester (etwa mit sieben bis acht Musikern) zum Tee. Solches haben wir nie mehr erlebt. Damals waren wir uns dies aber nicht bewusst. Welche Musikstücke sie gespielt haben, können wir uns nicht mehr erinnern.

Am eindrücklichsten ist ein Spaziergang hinauf gegen Caux geblieben, mit stetiger Sicht auf den Lac Léman und den Teil östlich des Lavaux, mit blühenden Bäumen, bereits sattem Grün und gelben Maiblumen. Nachher ging’s den Frühling hinunter gegen Blonay und Vevey.

Eine Photo eines Apfelzweiges in voller Blüte können wir in unserer Stube jeden Tag auf unserer kleinen „Fotogalerie“ in schwarz-weiss sehen, zusammen mit Ansichten von London (3), Lac de Neuchâtel(1), Kronberg (1) Schwan auf Bettenauerweiher (1) und eben von der Gegend ob Montreux ansehen.

Wir waren nur abends und nachts im Wilhelm. Diese Pension Wilhelm kannten wir von früher; Helene war vor Jahren mit ihren Eltern in den Ferien. Und wir beide waren so 1958 herum im Zusammenhang mit einem „Scheinfirmen-Ausflug“ des KV St. Gallen mit „Scheinfirmen“-Kolleginnen und –Kollegen von Helene für eine kurze Nacht nach dem Besuch des Dancing im Casino Montreux im Wilhelm.

Jetzt, 1962, aber konnten wir das Frühstück praktisch allein geniessen. Am Abend war eine englische Mädchenklasse zugegen. Sie waren aber anständig und auch nicht so laut. Es gab nie etwas zu essen mit Teigwaren, wahrscheinlich deswegen, weil in England beim Supper (praktisch wichtigste Mahlzeit in England) immer..  ?      Bratkartoffeln!  dabei sind.

Die Woche war nur zu schnell zu Ende. Unser gemeinsames, alltägliches Leben begann. In Dietikon.

Wie habt ihr eure Wohnung ausgestattet?
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12.  Eheleben

Wie habt ihr eure Wohnung ausgestattet?
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Bücher, Bücher      und Bilder von Muyr, Peter, Eggler, Waldburger, Schoch (von ca. 1900, naive Malerei Herisau), Manser, Liner, Feurer und... 

Da ich stetig recht gut verdient habe, konnten wir uns 1986 für unsere Ferien eine prächtige 2 ½ Zimmer Wohnung in Klosters kaufen. Wir haben eine sehr schöne Zeit dort oben verlebt, sowohl in den Wintern mit Langlauf und Langlauftraining für den Marathon, aber doch mehrheitlich jeweils von Frühling bis Spätherbst. In der Regel waren wir jährlich etwa vier, fünf Wochen dort im Prättigau mit Hund und Hauskatzen und Buben. Auch später waren beide Söhne ebenfalls zu anderen Zeiten recht oft dort oben, vor allem Michael mit Familie und zwei Hunden und oft sogar mit Freunden.

Wir haben unzählige phantastische Tagestouren unternommen: Rätschenjoch, Seetalhütte, Parsennhütte-Kreuzweg-Langwies, Silvrettahütte, aber auch in Davos: Rinerhorn, Sertig und Sertigpass, Dischma, Fanetzapass-Monstein, Grialetsch, Vereinahütte, Wägerhus-Jörisee usw. usw. um nur die erfreulichsten zu nennen.

Aber wir wurden eben auch älter; das Autofahren mit den Tieren und das Halten der Tiere (Katzen als Hauskatzen) wurden schwieriger und mit meinen allenfalls möglichen Unterzuckerungen (Diabetes) risikoreicher. Wir haben die Wohnung deshalb Anfang 2014 verkauft bzw. "leider" verkauft.

Was machtet ihr und macht ihr gemeinsam?
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12.  Eheleben

Was machtet ihr und macht ihr gemeinsam?
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Leben für Medizin und Musik. Sind Gynäkologie und Musik miteinander verwandt?

Auf alle Fälle war Dr. Marius Meng, bei dem Helene zu den Untersuchungen ging und auch der zuständige Arzt bei der Geburt von Daniel war, auch leidenschaftlicher Musiker. Er leitete während Jahren das Akademische Orchester Zürich. Auch sein musikalisches Renommée war enorm. Er hatte etliche berühmte Solisten als Freunde. Helene und ich besuchten mehrere Konzerte. Diese Erlebnisse gehen uns heute noch nach. Das zweite Klavierkonzert in b-moll von Peter I. Tschaikowsky (wovon ein Thema daraus in „Limelight“ von Chaplin „verwendet“ worden ist) das von Shura Cherkassky gespielt wurde und das Klavierkonzert in a-moll von Edward Grieg, gespielt wahrscheinlich von Elly Ney, besuchten wir. Ebenso der berühmte Cellist Mstislav Rostropovitch war Solist in einem Konzert des Akademischen Orchesters. An das Werk mit Orchester und Cello können wir uns allerdings nicht mehr erinnern.                                                               Es waren schönste Sonntagnachmittage!

Märchen erzählen                                                                                                        Mit „Ritte ritte Rössli“ begann das Geschichten- und Märchenerzählen am Sonntagmorgen. Daniel war bald fünf und Michael war noch ganz klein, im Kinderbettchen schaute und hörte er zu. Bald aber genügte das Daniel nicht mehr. Mir auch nicht. Und so begannen wir mit Märchen, mit dem „tapferen Schneiderlein“. Ich liess der Phantasie freien Lauf und schmückte den Erzählablauf aus. Mit PöPö (Ö wie bei Zötteli); Fensterchen auf „Was tüent si, was hend si, was wönt si?“ Dies gefiel Daniel. Und mir eben auch. Ich hatte selber die helle Freude daran. Und wenn es fertig war, dann sagte Daniel „Meh vo haa!“.                  Der Eisen-Hans wurde zum Lieblingsmärchen von Daniel.

Ich freue mich auf’s Märchen erzählen...   mit Chandra! Unserem Grosskind. Aber ich muss,  besser gesagt, ich  will mich darauf vorbereiten.                                                  Wir – alle vier - schauten natürlich auch Fernsehen. Karl May- und Dick und Doof-Filme gehörten auch dazu. Michael war noch nicht in der Schule und schon spielten sie zusammen Indianerlis und ähnliches. Szenen, Wörter, Sprachfetzen und Gestik verwendeten sie in ihren Spielen im Haus und draussen.

Hündelen

Arco, unser erster Hund war ein Ausnahmehund. Helene sagt viel: er war unser Lernblätz. Wir haben viel mit ihm gelernt. Er war so gelehrig und damit er hat uns motiviert, mit ihm zu arbeiten. Wie ist er anhänglich gewesen und hat uns seine Freude so offensichtlich angezeigt. „Voran, Sprung und zurück, Kehrt, Spuren suchen, bring Apport...............“  Und er hat Onyl, den zweiten Cocker Spaniel, den Blauschimmel, so ohne weiteres akzeptiert. Viele Sonntagvormittage verbrachten wir (Daniel, Michael und ich) Helene und Arco auf den Übungsplatz, schauten oft dem Arbeiten zu und holten beide gegen Mittag wieder ab.

Einer der ganz grossen Momente von Helene und Arco konnte ich mitverfolgen. In Uzwil    fand ein grosses Fest statt. Der SKV Schw. Kynologische Verein stellte sich vor und machte Vorführungen. Bei einer Gruppenvorführung machte auch Arco mit, er der kleine, schwarze Spaniel und all die grossen Schäferhunde usw. Er machte es gleich excellent und aufmerksam wie eben die Schäfer. Es war herrlich zuzuschauen.                              Mit Onyl ging es nicht so gut. Auch ich probierte es. Es war oft sehr kalt und sowohl Onyl und auch ich schlotterten eher, als dass wir schön angenehm herumstehen konnten. Und Onyl war einfach nicht so talentiert und gelehrig. So verging halt diese Freude. Aber wir hatten mehr als genug andere Freuden mit unserem Tacitus – auch dann mit Vanessa - ganz ohne Hundedressur zusammen mit Dritten; wenn schon etwas Dressur, dann selbst und allein 

Napf

Es gehörte sich, dass in den Emmental-Ferien der Napf ein Ziel sein musste. Eines schönen Morgens nahmen Daniel und Michael, Helene und ich den langen Weg unter die „Füsse“.

Tällihüttli, Rafrüti, wo laut Frau Lehmann früher Hirtenmaitli (nicht Bauernmädchen von einem anderen Stande) die Alp betreuten, und die Lüderen (1144 m) waren bald erreicht. Gab es Kaffee auf der Lüderen? Geissgratflue (1332 m) , Farnli-Esel, Ob. Lushütte, Höchänzi (1339 m), Niederänzi (1233) hiessen die Namen auf dem Vierstündigen auf und ab. Hitze, Länge und Staub machten müde. Auf Mittag erreichten wir nach einem letzten, harten Aufstieg dann den Napf (1405 m) mit der grossen flachen Wiese.

Wir waren in den drei weiteren Emmentalferien etliche Male auf dem Napf, aber nicht mehr auf dem langen Weg von der Lüderen her, sondern von der Mettlenalp (links) aus über Schlegel Grat oder rechts über Schwand, Stächelegg.

Nun stand uns aber ein Rückweg von vier Stunden bevor. Was haben wir wohl alles erzählt? Auf dem ganzen Weg konsultierte ich die Wanderkarte und kündigte jeweils an, was uns um die Ecke erwartete: ein Waldrand, ein Weg von rechts oder links, eine grössere Wiese, ein kleiner Abstieg , ein kleiner Bach.......und kein Anstieg mehr bis..... Und es kam bei einem Tritt von dreissig oder etwas mehr Zentimentern hinauf über eine Böschung oder Ähnlichem der obligate Einwand - aus "jeden Sonntag eine Burg"..  (s. unten).

Auf diesem Rückweg, wahrscheinlich vor dem Farni-Esel (1383m), noch eine Stunde von der Lüderen entfernt, da „buckelte“ ich Michael einige Zeit. Und dann ging es aber auch wieder besser. Auf der Lüderen da gab es dann Pommes frites. Wir ergötzten uns, wie sich Daniel und Michael mit Heisshunger und mit Genuss über die Pommes hermachten. Die Müdigkeit war fast verschwunden. Ein prächtiger Abend war es über die Rafrüti, Tellihüttli heimzukehren und beim Sunnehüsi war es beinahe Nacht.

Frau Lehmann, Maler’s von Richigen, die Nachbarin vom Sunnsittli nebenan, empfing uns erleichtert. Sie war etwas in Sorge gewesen. So spät seien wir noch nie nach Hause gekommen! Übrigens Frau Lehmann - jawohl - war Grossmutter dann von Francine Jordi.  

Jeden Sonntag eine Burg

Als Daniel und Michael acht bis zehn Jahre und älter waren, ging es eigentlich Sonntag für Sonntag in den Alpstein oder ins Toggenburg, in den Sommerferien ins Schanfigg oder ins Emmental. Im Spätherbst und im Winter war jeweils die nähere und weitere Umgebung von Oberuzwil an der Reihe. Da beide einen Wissensdurst in geschichtlichen Belangen hatten – wie habe ich fertig gebracht, meine Vorliebe an Geschichte zu übertragen? – hiess es auf einmal: jeden Sonntag eine Burg! Mit Geschichten erzählen!

Die Appenzeller zerstörten etliche Burgen der Umgebung. Der Drang nach Freiheit, und Selbständigkeit führte sie dazu. Welche für die damaligen Zeiten (fünfzehntes Jahrhundert) riesigen "Wurf- und Stossmaschinen“ wendeten sie an. Welche (kleinen) Provokationen setzten sie ein und auf welche Provokationen hin, schlugen sie zu. Dieses Handwerk lernten sie weitgehend von den Schwyzern.

Aber es gab auch musische und kulturelle Anknüpfungspunkte. Von der Burg Landegg (in der Höhe zwischen Schauenberg und Rindal) ist heute nichts von Mauerresten zu sehen. Nur grössere Gruben und Hügel lassen ahnen, dass eine Burg dort gestanden haben dürfte. Ein Nachfahre dieser "von Landegg" wird in der Manesse-Handschrift erwähnt und zitiert. Er soll Mundschenk am Hofe in Wien gewesen sein. Manesse, Minnesang, Mundschenk waren wiederum schöne Begriffe, sie geschichtlich zu erklären.

Und wenn ich mich in Ostschweizer Geschichte zu wenig vorbereitet hatte, gab es über andere Ereignisse zu berichten. Die Wanderung von Oettlishusen (in der Nähe von Bischofzell) nach Aeppishuuse (Nähe Erlen) und zurück haben wir in besonderer Erinnerung. Der längste Tag, der sechste Juni neunzehnhundertvierundvierzig, war Thema. Der Weg war wirklich lang, aber er war dennoch zu kurz, da die erzählten Geschehnisse sie voll in Beschlag nahmen.

Was gab es da nicht noch alles zu erzählen. Die beiden Buben lauschten voller Interesse, stellten Fragen und vergassen ob all den geschichtlichen Neuigkeiten, dass wir eben oft Stunden wanderten. Sie vergassen die Müdigkeit, die Wärme, den Durst....... Selbstverständlich gab es auch Enttäuschungen. Man sah viel zu wenig. Es war zu neblig und zu kalt. Fragen wie „Geht es jetzt noch bergauf? Wann? Wie lange?“ das gab es und ich konsultierte die Wanderkarte. Gelacht haben wir immer bei folgender Situation: „Bergauf? Nein, bergauf geht es nicht mehr!“ Und wenn dann ein Weg etwas anstieg, wenn auch nur einen Meter, so hiess es dann: du hast gesagt, es geht nichts mehr hinauf und jetzt dieser Anstieg! wir können dir nichts mehr glauben.

 

Burgrest Helfenberg, Burgrest Ramsenburg, Burghügel Landegg (Rindal) Ruine Last, Burgrest Rosenberg, Schloss Oberberg, Gebäude Oettlishusen, Schloss Aeppishuuse, Schloss Weinfelden, Schloss Hagenwil, Schloss Sonnenberg, Burgstock beim Aetschberg ob Abtwil.....

 

Unser Tagesablauf

So ungefähr seit wir Hunde haben – also mit Arco hat es 1975 begonnen – gehen wir Helene, Arco – später mit Onyl und noch später mit Vanessa und heute mit Berit und ich Samstag/Sonntag/Feiertagen jeden Morgen „laufen“, nicht joggen oder spazieren, sondern schnelleres Wandern – eben – laufen. Seit der Pensionierung 2008 sind wir am Morgen täglich unterwegs. Ausser Montagmorges, da wandert Helene mit ihrer Kollegin Alice abwechselnd in alle Himmelsrichtungen auch -wie wir - bei jedem Wetter.....

Der Wecker rasselt ungefähr um 05.00 Uhr. Nach Toilette, Waschen, Anziehen, üppiges Morgenessen machen wir uns so um 07.00 auf den Weg. Wir haben viel mehr vom Tag, wenn wir beizeiten aufstehen. Wir beide sind uns dies gewohnt, sozusagen von Kindsbeinen an.

Die Wege wählen wir je nach Wetterverhältnissen. Wir wechseln eigentlich jeden Tag die Himmelsrichtung ab: nördlich gegen Uzwil und Staatswald, westlich Bettenauer-Weiher und Frohe Aussicht, südlich Bichwil, Eppenberg und östlich Bichwil, Stolzenberg. Einmal pro Woche oder Vierzehntage fahren wir in den Thurgau an den See, vornehmlich nach Kesswil, Güttingen aber auch Steckborn oder oft etwas in der Nähe gegen Norden an die Thur oder gegen Süden gegen den Winzenberg… Wir sind etwa 2-3 Stunden zu Fuss unterwegs, dies "wie gesagt" bei jedem Wetter, regne es oder „hagle es Katzen“….

Zwischen neun oder zehn oder elf Uhr sind wir wieder daheim, in der Regel nach Kaffee und Brot und wir bereiten zusammen das Mittagessen (ca. 10.30/11.00 Uhr) vor. Über Mittag „laufe“ ich auch bei jedem Wetter allein mit dem Hund nochmals zwischen einer halben und einer ganzen Stunden, auch nach Himmelsrichtungen abwechselnd.           Posten erledige ich so zwischendurch und 2mal wöchentlich ausgeprägt solange ich Auto fahre. Die Nachmittage füllt Helene mit bügeln, etwas Gartenarbeit, aufräumen, staubsaugen, tv-Schauen (z.B. Tier- oder Zoosendungen) und lesen aus.

An meinen Nachmittagen zappe ich im Internet, meine primeurs, Börse, verschiedene Zeitungen mit den Kommentaren, CNN, Fox oder übe Klavier - früher Cornett später Euphonium -(Klavier erst vor zehn Jahren autodidaktisch angefangen) und - nur ernsthafte Musik – und schreibe an meinen Lebensepisoden usw. Blasen geht mit Alter 75 nicht mehr. Die Lippenmuskeln sind nicht mehr derart anspannungsfähig.

Die Diabetes nimmt auch Zeit weg. Es müssen Messungen vorgenommen, 1 oder 2mal täglich und wöchentlich einen Tag mit vier Messungen. Mit Essen haben wir auch einen anderen Rythmus mit Zwischendurchverpflegung und insbesondere mit etwas „Nachtessen“ um 21.30, damit bis am Morgen keine Unterzuckerung eintritt.

Abends sehen wir zusammen mit Hund und Katze TV oder einen Film aus unserer Filmsammlung auf Videos oder Harddisks an.

Zwischen 21.30 und 22.15 Uhr ist Lichterlöschen.

Gabe es eine Arbeitsteilung zwischen euch?
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12.  Eheleben

Gabe es eine Arbeitsteilung zwischen euch?
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Helene's Eltern waren ebenfalls äusserst arbeitsame Leute. Däddy war während Jahren für Bühler Uzwil für Maschinenmontagen in ganz Europa, auch während des Krieges in Deutschland tätig. Nie für längere Zeit; die Auslandsaufenthalte samt Reisezeit waren nur ausnahmsweise länger als eine Woche. Später war er Werkmeister der Prototypen-Werkstatt in Uzwil und als politischer Mensch war er mehrere Jahre im Gemeinderat.

Helenes Vater Däddy war während Jahren ebenfalls für die Wasserzufuhr der Gemeinde Uzwil verantwortlich. Deshalb war er praktisch einmal wöchentlich in der Rifenau, um die technische Wartung zu überprüfen und die gepumpten Wassermengen festzuhalten. Als Daniel noch klein war, stand auch noch die alte, gewöhnliche Brücke über die Thur. Und Daniel hatte grosse Freude, kleine und etwas grössere Steine von der Brücke in den Fluss zu werfen. Er schaute mit grossen Vergnügen dem Fall der Steine nach und beobachtete besonders deren Verschwinden im Wasser. Eine halbe Stunde verging im Fluge.

 

Als wir noch nicht verheiratet waren, marschierten wir sehr oft an Sonntagnachmittagen mit Mutter und Vater den abwechslungsreichen Weg über Waldegg, Bahnhof Algetshausen, Künzli’s Hof nach der Rifenau und zurück nach Uzwil.

Später dann fuhren wir am Samstagnachmittag mit dem Opel Ascona mit Daniel und Michael dorthin, machten dort „Versteckis“. Für uns war das ein schönes Gaudi. Sehr oft nahm ich auch das Cornett mit und übte und dann gab es für uns drei auch Marschmusik um das Wasserhaus herum. Bis Opa seine Arbeiten beendet hatte.

 

Oma arbeitete ebenfalls ihr Leben lang bei der Dollfus, Mieg früher Heer, Oberuwil. Sie war u.a. für den Garnhandel zuständig. Sie betätigte sich früher als Steno-Lehrerin.

Helene war Einzelkind und war recht viel allein. Das war sie sich gewohnt, dass Eltern sich die Arbeit im Haus teilten und dass sie als Kind ebenfalls mithalf und dass für die Berufs-Ausübung Ausbildung/Weiterbildung notwendig waren.    

 

Haus und Garten, (Opa half ihr dabei) Haushalt und Kinder betreute Helene während der Woche. Am Wochenende, da machten wir praktisch alles zusammen. Helene führte auch sämtlichen Zahlungsverkehr und Korrespondenzen aus. Sie führte selber für einen Gewerbetreibenden die Vorbuchhaltung.  Für sie war es klar, dass mein Beruf neben Arbeit, Ausbildung und Musikantentätigkeit keine anderen Alternativen zuliessen.

 

In der Zeit der Bekanntschaft von 1956-1962 waren wir unter der Woche immer allein, sie in Flawil oder St. Gallen, ich in Neuchâtel, Rapperswil, London und Schlieren. Unsere Liebschaft hielt soviel Trennung aus, sodass das Zusammenleben bis heute sehr harmonisch verlief und verläuft. Mit den beiden Buben und Söhnen hatten wir ein sehr erfreuliches Zusammenleben. Mit den (drei nacheinander) Cocker Spaniels Arco, Onyl, Vanessa und heute dem Bläss Berit und den Katzen Maus und Geoffrey gab und gibt es viel Abwechslung.  

Liebe die Liebe deines Lebens.

Würdest du wieder heiraten?
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12.  Eheleben

Würdest du wieder heiraten?
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Ja, natürlich! Weil: siehe verschiedene "Kapitel"....

Was hat dir in deinem Leben am meisten Freude bereitet?
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13.  Lebensfreude

Was hat dir in deinem Leben am meisten Freude bereitet?
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Neben Musik, also Volksmusik (im Sinne GVS) und Klassik, spielen Bücher die grösste Rolle in meiner musischen Welt.  

Sie spielten seit je eine wichtige Rolle in meinem Leben. So schon in frühester Jugend – die Schul- und Geschichtsbücher von Vater und Tante Ida im „Schloff“ in Staubhausen, über Krieg, Erfindungen, menschliche Schicksale, Natur in der weiten Welt, Entdeckungen......

Ben Hur war mein erstes selber gekauftes und bezahltes Buch. Bald war es dann „Der grüne Heinrich“ (für einen Vortrag in der 3. Sek.) und so ab 1953 die Seldwyler Novellen, die Novellen von Theodor Storm oder „Die Schatzinsel“ von Stevenson und Gotthelf, Conrad Ferdinand Meyer und.... Mit der Berufsschule (1954 ff) kam dann die Malerei (in Büchern) hinzu, die Malerei als stumme Poesie im Gegensatz zur Poesie als beredte Malerei und französisch mit Alexandre Dumas (lettre de mon moulin) und Marcel Pagnol (Marius et Fanny etc.) Noch vor dem englischen mit Charles Dickens „Oliver Twist“  (dunkel, düster, angsterregend) auf der Reise nach London oder George Orwell’s „animals farm“ (in der English Group-School), begann mein Interesse für Robert Walser, dies auch im Zusammenhang mit dem Bruder, Theatermaler und Buchillustrator Karl Walser. Und heute ist Robert Walser einer meiner Préférés. Bücher über Musik und Geschichte sind ebenfalls hoch im Kurs: St. Galler Geschichte (Georg Thürer) Zweiter Weltkrieg (Churchill) oder Thomas Mann..    

Bei jeder Zugfahrt ins/vom Militär (Neuchâtel usw.) las ich Bücher in französisch: Giono, Cesbron, Maupassant, Mérimée, Nimier, Benoit, de Chateaubriand, Balzac, Malraux, Proust; oder in englisch: Shaw, Hemingway, Maugham.....Welche Welten taten sich auf, auch in den Diskussionen mit den belesenen welschen Trompetern!

Bücher, Zeitungsnotizen über Richard Wagner sind zu Hauf bei mir. Es sind Fundgruben über die Kultur damals und deren Auswirkungen bis heute. Über keine andere Person habe ich so viel gelesen und bin so reichlich dokumentiert. Wie falsch sind viele Urteile. Er fasziniert auch heute noch!

Zwischen dem fünfundzwanzigsten und sechzigsten Altersjahr hatten fast nur noch Fach-bücher Vorrang: Käfer, Buchanan und die „Kammerbücher“ von Helbling etc. etc. Ausbil-dung zum Fachidioten? Und erst dann - mit der Pensionierung - kamen all die Neuen dran: Naipaul, Kluge?, Musil, Austin, Updike, Döblin, Joyce, Don De Lillo, Brodsky....

„Über die Mächtigen soll man sich in Schweigen hüllen.....wenn man ihnen Schlechtes nachsagt, solange sie leben, ist gefährlich; wenn sie gestorben sind, feige“ (La Bruyère, 1688).

Heute ist fast alles Kritik und die wird heute fast kritiklos übernommen. Berichte über alles negative, das du weißt und zu wissen glaubst, schreibe einseitig und lasse Positives weg, so lange er/sie im Amt oder gestorben ist, nachher hast du Zeit genug, zu korrigieren, nachzutragen und gerecht zu urteilen; siehe Goethe, Schiller, Thatcher, Blair, Reagan, Bush und..(„blogger unbekannt“) und Churchill und....

Das gesammelte Wissen in Büchern (und heute im Internet!) hat sich so inflationär vermehrt, dass der gewöhnliche Mensch, sich mehr als überflutet vorkommt. Information ist Zufall. Das menschliche Gedächtnis muss vergessen und vergessen können, dass es wieder Platz für Neues hat. Niederschmetternd? Man fasst Informationen zusammen und hält sie im Computer oder Tagebuch fest, bereit zur Durchsicht und Abruf. Man schreibt Lebensepisoden nieder und kann sie vergessen bis zum Wiederlesen......

Was tust du für deine geistige und körperliche Fitness? Welche Veränderungen stellst du fest?
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14.  Gutes Leben im Alter

Was tust du für deine geistige und körperliche Fitness? Welche Veränderungen stellst du fest?
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Letztes Jahr wagte ich den Säntisaufstieg nochmals; allein, am Samstag, den 10. Juli 2010. Also mit 72. Am frühen Morgen so um sieben konnte ich den Weg auf der Schwägalp schon in Angriff nehmen. Viele Berggänger (wie damals Richard Wagner im Juli 1851 mit Uhlig und Karl Ritter) wollten auch diesen Samstag auf den Säntis.

Überwältigend, streng, aber ungemein wohltuhend, zum Jauchzen...zum Johlen - dem ersten Teil meines „Toggenburger“ mit Echo von den Felswänden - nach einer wackeren Zwischenverpflegung auf der Tierwies bei Hampi Schoop. Zu Tale fuhr ich aber dann mit der Säntisbahn.

Überall dort, wo wir im Unterland genügend „hoch oben“ anlangen, zu Fuss, mit dem eigenen Fahrzeug, mit Postauto oder Bahn, überall dort schauen wir bestimmt zuerst nach Süden und suchen den...unseren Säntisgipfel......

Hat das konkrete Auswirkungen auf deine aktuelle Lebensgestaltung und deine Einstellung zum täglichen Leben?
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15.  Ausblick

Hat das konkrete Auswirkungen auf deine aktuelle Lebensgestaltung und deine Einstellung zum täglichen Leben?
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Wie es so weit gekommen ist und die allgemeine Sorge um die Zukunft.

Kopf in den Sand? Ja, wir sind ja alt und uns betrifft dies alles nicht mehr! Nein, so einfach können und dürfen wir  es uns nicht machen. Wir könnten ja noch 15 Jahre und mehr leben. In dieser Zeit - oder natürlich später, könnte es ein gewaltiges Krachen geben; nicht Bankenkrise, nicht Finanzkrise, sondern eine riesige Staatenschuldenkrise erfasst Finanzen, Banken, Wirtschaft und wirkt sich auf das ganze Leben in der ganzen Welt  verheerend aus. Und nun wie ist es dazu gekommen?

Praktisch war es damals schon so 1960 - 1965 soweit:   alles - der Mainstream - war anderer Meinung als Time Magazin und weitgehend die NZZ. 

Und diese las ich insbesondere. Und schon damals hatten eben schon die weitgehend linken Medien in den USA wie auch in der Schweiz einen übermächtigen Einfluss. Die Friedensbewegung in den USA hat damals die Meinungen in der Welt indoktriniert. Diese Friedensbewegung umfasste auch die "sogen. modernen jungen Leute" der Hippie- und/oder Woodstock-Welt, die neue Traum-Trance-Welt. Diese Riesengruppe an Leistungsverweigerern, Leistungsverhinderern, Nichtstuern und Verherrlichern der Promiskuität, der freien Liebe, die sich ca. Mitte August 1969 in Bethel, Bundesstaat New York, teilweise wie Säue im Dreck und Mist suhlten und damit die grenzenlosen Geniesser der Subventionen der öffentlichen Hand der kommenden Generationen - mindestens grosse Teile davon - "quasi ins Leben riefen".

Diese Kiffer, Säuffer, Klimperer, Schreihälse mit dem stetigen/militärischen/martialen Rhythmus - den sie natürlich gar nicht wahr haben wollen - sogenannte Musiker und Verweigerer, (der Mythos des anderen Amerikas) mehr oder weniger der Abschaum der Bevölkerung, nahmen das "Ruder der Opposition in die Hand" und breiteten sich auf der ganzen Welt aus. An dieser Fehlentwicklung ringen und zahlen wir noch heute - und werden weiter zahlen! In der ganzen Welt herrscht der Leistungsrückgang, eine uferlose Anspruchshaltung, weitgehend geistige Unterernährung .... Früher hiess es bei uns: Bei euch ist alles heile, heile Welt! Und nun wird gesungen und gerapt: shit, null bock, fuck…… Jetzt ist alles statt heile Welt eben null bock….. Praktisch nur das Negative gibt es in diesem Niedergang des musikalischen Künstlertums in die Gosse, mit Jimmy Hendrix, Bob Dylan, Joan Baez, Joe Cocker, Beatles und und und.... wie sie alle heissen......   und diese ("die Mitbegründer") sterben jetzt so nach und nach, krank und elend. Aber Teile dieses Mainstream - diese äusserst negative Haltung einer ganzen Generation - hat sich gewaltig vergrössert, ausgeweitet und lebt weiter im Aufwind... wie eine Krake... 

Es ist Krieg und keiner geht hin. Für Toren ist schnell eine "Lösung" gefunden. Ja es ist Krieg, es herrschen Kriege, vor allem im erweiterten Nahen Osten. Warum können sich diese Konflikte so schnell und so anders entwickeln? Warum? Weil:  Es besteht seit einigen Jahren ein enormes Macht-Vakuum, eben vor allem im Nahen Osten. Der verfemte Weltpolizist fehlt........

Und jetzt kommen noch diese Riesenschulden, diese Riesengebirge an Schulden in der EU, in den USA und..... Japan vorher schon, allüberall hinzu! Wie soll das gelöst werden? Wie kann die Gesellschaft, wie können die kommenden Generationen dies lösen? Mit Sparen und gut haushalten, wo doch (fast) alles mehr Ansprüche hat?! Täglich halte ich Ausschau nach Kommentaren in den Medien, von den Wissenschaftern usw. über Lösungs-ansätze für diese Thematik. Für Europa habe ich vor kurzem erst einen kurzen Abriss hiezu von.......von Beat Kappeler gelesen, in der NZZ am Sonntag.......   Sonst praktisch nichts!

Hat sich deine Einstellung zu Zeit mit dem Älterwerden verändert?
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15.  Ausblick

Hat sich deine Einstellung zu Zeit mit dem Älterwerden verändert?
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Changeant des idées

Après trois jours de brouillard mi septembre c'est le plein de soleil; c'est le soleil du dimanche. Notre voisin me raconte que pendant ces derniers week-ends étaient toujours du mauvais temps. Enfin un dimanche ensoleillé. Hein? Hein? de moi-même.. Attendez. …. Et bien... voilà, nous les retraités ont tout le temps, tous les jours week-end. Loin de la bureaucratie, loin de temps du stress et des minutes ou même des secondes comptées.....  C'est la raison que de ce fait nous ne nous sommes pas aperçus....

C'est l'automne qui vient de commencer. Pendant des jours le brouillard ne disparait plus: sauf quelques moments timides de traces de rayons du soleil nous chatouillent... juste avant le coucher du soleil...

Le temps cour. Pas plus qu'un clin de l'oeil plus tard, c'est déjà le mois de décembre; le mois de Noël. Les premiers jours de ce mois 2012 sont humides et il neige depuis quatre ou cinq jours - plus ou moins. Les deux chats sortent rarement par la petite écluse en dehors sur la terrasse. Bérite, notre Bläss, se réjouit de jouer dehors avec cette poudrière blanche ou une branche/une tannée – même avec ses bientôt douze ans.... Bérite est une chienne mâtinée, mais néanmoins ne pas une chienne! Bérite est un Bläss.. un Bläss bouvier appenzellois, un Bläss - même si c'est une bête féminin(e) ou masculin(e).

Nous aimons le „chez nous“, nous admirons d'être chez nous avec nos trois bêtes et avec notre tas de livres et bouquins; dans notre maison avec la petite cuisine (fenêtres vers l'est et le nord), avec le petit salon et son coin presque séparé du tv, le premier étage avec la pièce „piano“ et la planche de repasser, celle de l'ordinateur – our center of information – et celle de l'imprimante et – le dimanche - comme chambre de Daniel.

Nous aimons ces heures tranquilles, entourés de nos bêtes, les deux chats à chaque côté, eux en ronronnants et le Bläss à nos pieds - qui nous donne assez souvent ses signes qu'il veut être flatté...

La poussière, des fois même le gâchis et les poiles des chats et du Bläss ne nous gâtent pas notre amour pour notre ménage. Hélène et moi - et aussi tout le monde qui nous visite le doit – quoi qu'il en soit nous acceptons que notre maison et l'intérieure ne sont pas propre comme un sou neuf......

Nous nous réjouissons les temps d'été – si l'air est d'une certaine tiédeur ou même d'une certaine chaleur - sur la terrasse de notre maison. Elle se donne vers l'ouest; c'est surtout agréable et avenant au soleil et si le vent ne vient pas de l'ouest, mais de l'est, donc sur l'autre côté de la maison. Contre une vraie chaleur il y a un rideaux et contre les yeux des voisins il y a vers le sud un paravent. Ne personne peut nous regarder. Les deux chats et le Bläss endossent à certains moments l'extrême chaud.

Changeant les idées; début 09 12

Warum hast du für deine autobiografischen Aufzeichnungen diesen Titel gewählt?
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16.  Nachgedanken

Warum hast du für deine autobiografischen Aufzeichnungen diesen Titel gewählt?
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Schon seit langem, mit dem Anbringen von Notizen, beim Führen meiner Tagebücher und beim Überblicken/Stillhalten darüber, staunte ich selber über die Vielfalt meiner Lebensinhalte: Typisch Wassermann!

Verzeichnis der Tagebücher, Notizbücher

 1 Notizbuch 1960 London, klein     vom 01.02. - 28.04.1960

2 Kassette Agenden 1971-1982 geschäftlich, Termine OBT-Zeit

3 Tagebuch   04.1960-07.1964 politisch, wirtschaftlich, „Photos“ meist aus Time Magazine

4 Tagebuch   08.1964-02.1968 do.

5 Tagebuch   03.1968-12.1970 do.

6 Notizen berufliche.... 10.1977-12.2002 Tipps, Merkpunkte, Beratungsansätze

7 Wirtschaftsdaten 1971-1973 mit Stichwortverzeichnis

8 Notizen Kultur... 1997-2002

9 Tagebuchkalender 1996

10Tagebuchkalender 1999

11 Tagebuchkalender 2000

12 Notizen Ideen, Gedanken, Festhaltungen Sommer 2002 bis Sommer 2005

13 Notizen Ideen, Gedanken, Festhaltungen, Prinzipien Sommer 2005 bis Sommer 2007

14 Notizen Musikalische etc. Welt Dez. 2003 – Febr. 2007

15 Notizen, Zeitungsausschnitte usw. Juni 2007 bis

16 Notizen, Zeitungsausschnitte Kultur ab Herbst 2006

17 besondere Kurznotizen politisch, kulturell usw. usw.

     familiäre Tagebücher Natur, Wanderungen, Tiere......

I         Tagebuch 1989-1993

II        Tagebuch 1994-1998

III       Tagebuch1999-2001

IV       Tagebuch 2002-2006

V        Tagebuch 2007-2011

 X       Tagebuch zeitweise 2007

Schwarzes Notizbuch mit vielem Vielem; Inhaltsverzeichnis am Schluss

Dieses Viele sei nun aufgelistet: Landwirtschaft, Kriegsende, Asthma, Musik und Bücher, zauren, "Kinderarbeit", Berufswahl, Lehre, im Spiel/Fanfare, Geschichte, 01.12.1956, RS, Berufsweg, Neuchâtel, London, Fremdsprachen, Steuern u. Betriebsberatung, Politisches, Blasmusik/BrassBand, Skimarathon/Joggen, Diabetes, Bläss, Jazz, Mulorgle, Stegreif, Musik und nochmals Musik -  Vererbung.....  

Was war, was waren die herausragendsten Veränderungen in der Zeit deines Lebens?
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16.  Nachgedanken

Was war, was waren die herausragendsten Veränderungen in der Zeit deines Lebens?
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Herausragendes? Sehr vieles oder nichts. Wie man's nimmt. Aber es hat mein Leben geprägt, bestimmt und mehr als ausgefüllt: Arbeit. Aber ich hatte das Privileg, mich ganz nach eigenem Gutdünken den Rückzug von der Arbeitswelt einzurichten. 

Bis vor dem Austritt bei der Treviso 1997 habe ich (zusammen mit den beruflichen Arbeiten für die kulturellen Belange) viele Jahre stets 120 %, 130 % oder noch mehr gearbeitet. In Herisau dann blieb es bei ca. 100 % bis ins Jahr 2000.

Danach hat sich die Arbeitszeit mit der allmählichen Pensionierung wie folgt ergeben:

2001 Alter 63            Freitags in der Regel frei                         80%

2002                          Freitags immer frei und weitere Tage ca. 70 %

2003   Alter 65          ca. 60 %   (mit AHV TG)

2004                          ca. 15 %

2005                          unter 10 %

2006                           unter 10 %

2007                          praktisch nichts mehr,  zwei, drei grössere Steuererklärungen

2008   Alter 70           nichts mehr, ausser Revision für eine Stiftung (für FW Gossau)

Gibt es sonstige Texte von dir? Kurzgeschichten, Gedichte, Reiseberichte, Briefe oder ähnliches?
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16.  Nachgedanken

Gibt es sonstige Texte von dir? Kurzgeschichten, Gedichte, Reiseberichte, Briefe oder ähnliches?
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Es gibt viel Geschriebenes, mit der Pensionierung noch viel mehr. Es gibt viele Leserbriefe, aber noch mehr Briefe an Redaktionen, Tabellen, kleine Beiträge an Blogs und gemailtes zu Kommentaren von Lesern, meistens in der baz.

Das meiste schlägt sich in meinen Lebensepisoden nieder. Bei diesen Episoden handelt es sich selbstverständlich auch um Themenkreise wie Wirtschaft, Politik, Gesellschaftsentwicklung, EU, CH und EU, Naher Osten, Klima, Energie usw. usw.  Diese führe ich stetig weiter.

Sie sind nummeriert, im Computer gespeichert, alle sind ausgedruckt und in Ordnern abgelegt... Die Episodentitel sind aufgelistet und alphabetisch sortiert. Das neue Computer-system 8.1 macht diese Liste praktisch überflüssig. Dank des "Charms" "Suchen" findet sich mittels Stichworten vieles mehr als nur die Episodentitel wiedergeben. Im Text des Titels sind in der Regel noch andere Gedanken und Fakten enthalten, als nur gerade der Titel aussagt. Aber oft helfen einem sowohl Titel als auch Suchbegriffe auf die Sprünge.

Du konntest nun mit dem Schreiben dein Leben ein zweites Mal erleben. Bist du rückblickend mit deinem Leben zufrieden?
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16.  Nachgedanken

Du konntest nun mit dem Schreiben dein Leben ein zweites Mal erleben. Bist du rückblickend mit deinem Leben zufrieden?
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"Wer sich gerne erinnert, lebt zweimal".

Diesen Wahlspruch haben Helene und ich für uns sehr oft geäussert. Und wir werden ihn auch weiterhin äussern. So hoffen wir. Dieser Ausspruch freut uns. Wir hatten ein schönes und glückliches Leben, ausser dem Tod unseres zweiten Sohnes, der ohne Vorwarnung wie ein Blitz aus dem heiteren Himmel über uns herein brach. Darüber will und werde ich nicht schreiben.

 

Im Pensionsalter, daheim, auf Wanderungen, auf einem morgendlichen Ausmarsch mit Vanessa, heute mit Berit, daheim vor dem Computer-Bildschirm, beim "Zeitungslesen" im Computer (und wo überall noch!) kann man ins Sinnieren kommen. Sinnieren ist erlaubt - nein soll man! Sinnieren über Gott und die Welt.

Man sinniert auch über das eigene Leben, über die Hoch und Tiefs, die Eigenheiten, die Prinzipien, die Vorlieben, die Anliegen, die Erwartungen, die erreichten Ziele, die Lebensphilosophie.......

 

Bei Vielem muss ich heute nachträglich festhalten, dass ich immer lange grosse Nachsicht und Toleranz bei Fehlern (Widrigkeiten, Nichteinhalten von Terminen usw.) anderer übte und fast ohne weiteres akzeptierte; akzeptierte mit „das kann passieren, wo gearbeitet passieren Fehler, Verschiebungstermine sind kein Problem, wir können das doch ausbügeln......“. Mit Flexibilität habe ich vieles geglättet und „gerettet“. In einer Aufbauphase ist im wesentlichen Flexibilität gefragt. Es gibt so oft Zeiten mit zuviel oder zuwenig Arbeit, vieles ist eben mit gegenseitiger Toleranz zu lösen. Und erst bei der Einarbeitung von neuen Mitarbeitern (!); ausgeprägt bei der OBT, wo in den 10 Jahren Leitung Revision das Personal im Wesentlichen drei Mal ausgewechselt wurde (Branche von vorneherein mit erheblicher Fluktuation in Folge der Ausbildungszyklen in Treuhand- /Steuerexperten und Wirtschaftsprüfern und auch infolge Problemen mit JW (erst recht sehr schwierig, dass Mitarbeiter/Untergebene seine Art längerfristig akzeptierten). Aber auch bei der Treviso, wo ich meine Assistenten und Mitarbeiter teilweise bis weitgehend einführte und zu höheren Aufgaben vorbereitete – mit Flexibilität und Toleranz......

Sobald ich aber Toleranz gegenüber mir erwartete, war die Toleranz vorbei und kein Thema mehr; wenn ich Flexibilität erwartete, zeigte man keine Flexibilität. Das hat mich dann getroffen, ohne mich äusserlich lange darüber aufzuhalten. Innerlich habe ich das nicht akzeptiert und eine Igelstellung eingenommen. Von solchen Zeitpunkten an war zeitweise von mir weniger bis gar nichts mehr zu wollen.

Dieses Verhalten, dieses zu viel an Toleranz, hätte ich im Berufsleben vielfach früh ändern sollen, gewissermassen gar nicht hätte aufkommen lassen sollen.

Unsere Förderer
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