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Mein Leben ein Hochseilakt
Mein Leben erinnert mich an einen Artisten, dieser hat nur 3 Möglichkeiten: Auf dem Seil zu bleiben, links oder rechts runterzufallen.
Auch der beste Artist kann für einen kurzen Moment das Gleichgewicht verlieren. In solchen Situationen muss er sich einfach bemühen sich mit einer Hand am Seil festzukrallen. Der geübte Artist bringt es fertig die Balance wieder zu finden und auf das Seil zu kommen. Auch wenn das Seil manchmal erheblich geschwankt hat, hatte ich das grosse Glück, dass aus mir ein geübter Artist wurde und ich es immer wieder auf das Seil geschafft habe ohne, dass ich links oder rechts runtergefallen bin.
Lieber Leser
Was fällt dir als erstes ein, wenn du an dein Leben denkst? Denkst du zuerst an deine Kindheit oder an die erste Liebe? Denkst an die ersten milden Frühlingstage oder an das Rauschen des Meers im Sommer? Auch wenn du dich wunderst mir kommt als erstes meine Frau Marietheres in den Sinn. Sie ist die einzige und grosse Liebe in meinem Leben.

Ich Markus Johann Wälti wurde am 20. Juni 1957 um 09.00 Uhr im Spital Sarnen mit den 4 H geboren.
4 H?
- Herz
- Hände zum zupacken
- Hirn zum denken
- und Humor, damit mir das Leben leichter fällt.
Der 20. Juni 1957 war ein Donnerstag und Fronleichnam. Das Fronleichnamsfest oder Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi (lateinisch Sollemnitas Sanctissimi Corporis et Sanguinis Christi) ist ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirche.
Mein Vater (Wilhelm Christian Wälti geb. 19.09.1926) war Gemeinderat und als solcher musste mein Vater an der Fronleichnamsprozession den Baldachin tragen. Ein Baldachin, auch Himmel genannt, ist ein Sonnen- oder Zierdach für Würdenträger bei Begehungen, Prozessionen etc.. Bei meiner Geburt war mein Vater somit entschuldigt. Einmal mehr war er abwesend. Er glänzte generell mit Abwesenheit. Familie war nicht sein Ding.
Damals war es Brauch, dass die Bruderschaft der Hergottskanoniere mit ihren Kanonen während der Prozession und Messe Salut geschossen haben.
Als die Wehen meiner Mutter (Maria Kiener geb. 25.01.1930) um ca. 7.30 Uhr stärker wurden hat sie ihren Arzt Dr. Fritz Wicki angerufen, welcher sie mit seinem VW Käfer ins Spital gefahren hat.
In Sachseln war die Fronleichnamsprozession in vollem Gange. Die Prozession musste dem Auto von Dr. Wicki ausweichen. Eine besonders fromme alte Frau war dermassen empört, ab dieser Dreistigkeit, dass diese mit dem Regenschirm gegen das Auto hämmerte. Damals war Obwalden eine besonders streng katholisch verseuchte Landschaft. Autos gab es vielleicht 1'500. Die wenigsten Familien konnten sich ein Auto leisten. Meine Eltern hatten ein Auto und meine Mutter konnte Auto fahren. In Giswil gab es damals etwa 3 Frauen, welche einen Fahrausweis hatten. Sie war eine sehr emanzipierte und selbstbewusste Frau. Hätte mein Vater das Auto nicht für sich gebraucht, wäre es durchaus denkbar gewesen, dass meine Mutter selber mit dem Auto ins Spital gefahren wäre.
Pünktlich um 9.00 Uhr zu den Salutschüssen der Hergottskanoniere erblickte ich als gesunder junger Erdenbürger mit einem Gewicht von etwas über 3 Kg und über 50 cm das Licht der Welt. Mein älterer Bruder Willi war lediglich 1 ½ Kg.
Ich wurde aus dem Gefängnis meiner Mutter befreit. Meine Mutter war eine sehr attraktive und selbstbewusste Frau. Viele Männer geiferten ihr hinter her.
Nun durfte ihre Figur, wegen einer Schwangerschaft nicht leiden, deshalb schnürte sie sich ein. Ob es dem kommenden Erdenbürger im Mutterleib bequem war, ist nicht von Interesse. Hauptsache ihre Figur nimmt keinen grossen Schaden. Muttermilch? Was ist das? Nein die gab es nicht. Die Brüste hätten vom saugen deformiert werden können.
Das war mein Start ins Leben. Dank meiner sehr guten Konstitution und sehr grossen Lebensfreude, welche in dieser Familie noch dringend benötigen werde hatte ich sehr gut mir. Ich war mir immer der beste Freund und ein wahrer Kamerad von mir. Nur so konnte man in dieser Familie überleben. Eine andere Seele hätte möglichweise ein bisschen Erdenluft geschnuppert und wäre nach «Hause» gegangen. Ein Arzt hätte die Diagnose vom plötzlichen Kindstod gestellt.

Marcus Wälti-Steudler
Mein Leben ein Hochseilakt
Meine Lebensgeschichte widme ich:
meinen Töchtern Alexandra und Barbara
und
meinen Grosskindern Viola und Delia
Inhaltsverzeichnis
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1. |
Vorwort |
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2. |
Geburt |
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3. |
Erste Erinnerungen und Kindheit |
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4. |
Meine Eltern |
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4.1 |
Meine Mutter |
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4.2 |
Lupus |
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4.3 |
Mein Vater |
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4.4 |
Resilienzforschung bei Kindern |
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5. |
Primarschulzeit |
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6. |
Sekundarschule |
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- Vorwort
Mein Leben ein Hochseilakt
Mein Leben erinnert mich an einen Artisten, dieser hat nur 3 Möglichkeiten: Auf dem Seil zu bleiben, links oder rechts runterzufallen.
Auch der beste Artist kann für einen kurzen Moment das Gleichgewicht verlieren. In solchen Situationen muss er sich einfach bemühen sich mit einer Hand am Seil festzukrallen. Der geübte Artist bringt es fertig die Balance wieder zu finden und auf das Seil zu kommen. Auch wenn das Seil manchmal erheblich geschwankt hat, hatte ich das grosse Glück, dass aus mir ein geübter Artist wurde und ich es immer wieder auf das Seil geschafft habe ohne, dass ich links oder rechts runtergefallen bin.
Liebe Alexandra, Liebe Barbara
Liebe Viola, Liebe Delia
Liebe Leser
Was fällt dir als erstes ein, wenn du an dein Leben denkst? Denkst du zuerst an deine Kindheit oder an die erste Liebe? Denkst an die ersten milden Frühlingstage oder an das Rauschen des Meers im Sommer? Auch wenn du dich wunderst mir kommt als erstes meine Frau Marietheres in den Sinn. Sie ist die einzige und grosse Liebe in meinem Leben.
2. Geburt
Ich Markus Johann Wälti wurde am 20. Juni 1957 um 09.00 Uhr im Spital Sarnen mit den 4 H geboren.
4 H?
- Herz
- Hände zum zupacken
- Hirn zum denken
- und Humor, damit mir das Leben leichter fällt.
Der 20. Juni 1957 war ein Donnerstag und Fronleichnam. Das Fronleichnamsfest oder Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi (lateinisch Sollemnitas Sanctissimi Corporis et Sanguinis Christi) ist ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirche.
Mein Vater (Wilhelm Christian Wälti geb. 19.09.1926) war Gemeinderat und als solcher musste mein Vater an der Fronleichnamsprozession den Baldachin tragen. Ein Baldachin, auch Himmel genannt, ist ein Sonnen- oder Zierdach für Würdenträger bei Begehungen, Prozessionen etc. Bei meiner Geburt war mein Vater somit entschuldigt. Einmal mehr war er abwesend. Er glänzte generell mit Abwesenheit. Familie war nicht sein Ding.
Damals war es Brauch, dass die Bruderschaft der Hergottskanoniere mit ihren Kanonen während der Prozession und Messe Salut geschossen haben.
Als die Wehen meiner Mutter (Maria Kiener geb. 25.01.1930) um ca. 7.30 Uhr stärker wurden hat sie ihren Arzt Dr. Fritz Wicki angerufen, welcher sie mit seinem VW Käfer ins Spital gefahren hat.
In Sachseln war die Fronleichnamsprozession in vollem Gange. Die Prozession musste dem Auto von Dr. Wicki ausweichen. Eine besonders fromme alte Frau war dermassen empört, ab dieser Dreistigkeit, dass diese mit dem Regenschirm gegen das Auto hämmerte. Damals war Obwalden eine besonders streng katholisch verseuchte Landschaft.
Autos gab es vielleicht 1'500. Die wenigsten Familien konnten sich ein Auto leisten. Meine Eltern hatten ein Auto und meine Mutter konnte Auto fahren. In Giswil gab es damals etwa 3 Frauen, welche einen Fahrausweis hatten. Sie war eine sehr emanzipierte und selbstbewusste Frau. Hätte mein Vater das Auto nicht für sich gebraucht, wäre es durchaus denkbar gewesen, dass meine Mutter selber mit dem Auto ins Spital gefahren wäre.
Pünktlich um 9.00 Uhr zu den Salutschüssen der Hergottskanoniere erblickte ich als gesunder junger Erdenbürger mit einem Gewicht von etwas über 3 Kg und über 50 cm das Licht der Welt. Mein älterer Bruder Willi war lediglich 1 ½ Kg.
Ich wurde aus dem Gefängnis meiner Mutter befreit. Meine Mutter war eine sehr attraktive und selbstbewusste Frau. Viele Männer geiferten ihr hinter her.
Nur durfte ihre Figur, wegen einer Schwangerschaft nicht leiden, deshalb schnürte sie sich ein. Ob es dem kommenden Erdenbürger im Mutterleib bequem war, ist nicht von Interesse. Hauptsache ihre Figur nimmt keinen grossen Schaden. Muttermilch? Was ist das? Nein die gab es nicht. Die Brüste hätten vom Saugen deformiert werden können.
Das war mein Start ins Leben. Dank meiner sehr guten Konstitution und sehr grossen Lebensfreude, welche ich in dieser Familie noch dringend benötigen werde, hatte ich es sehr gut mir. Ich war mir immer der beste Freund und ein wahrer Kamerad. Nur so konnte man in dieser Familie überleben. Eine andere Seele hätte möglichweise ein bisschen Erdenluft geschnuppert und wäre nach «Hause» gegangen. Ein Arzt hätte die Diagnose vom plötzlichen Kindstod gestellt.
3. Erste Erinnerungen und Kindheit
Wie sind die Eltern auf deine(n) Vornamen gekommen? Haben deine Eltern gut gewählt?
Meine Eltern haben mich auf den Namen Markus Johann registrieren lassen. 1957 war das ein moderner Name und in Obwalden sehr selten. Den Namen Johann habe ich von meinem Grossvater mütterlicherseits erhalten.
Der Vorname Markus bedeutet übersetzt „der dem Kriegsgott Mars Geweihte“.
In der 1. Sekundarschule habe ich das K im Namen Markus durch das C ersetzt. Die Leute konnten sich meinen Namen immer gut merken. In der Zentralschweiz gab es keinen Marcus mit C geschrieben. Das C war ein Alleinstellungsmerkmal. Diese Schreibweise mit dem C zeichnet mich aus. Marcus mit C hat sich als Marke entwickelt. Mein damaliger Lehrer Paul Fallegger war über diese Schreibweise fuchsteufelswild geworden und hat sich grün und blau geärgert. So waren die damaligen Pädagogen.
In was für eine Zeit wurdest du geboren?
1957 war die Welt voller Angst und Schrecken. Diese Angst und Schrecken prägte eine ganze Generation.
In Reaktion auf die Suezkrise im Jahr zuvor verkündet US-Paräsident Dwight D. Eisenhower in einer Rede vor dem Kongress am 5. Januar die Eisenhower-Doktrin, wonach die USA alle Länder im Nahen Osten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen werden, falls diese einer Aggression des internationalen Kommunismus anheimfallen sollten.
Die Konfrontation der Supermächte gewinnt in diesem Jahr erneut an Brisanz, als die Sowjetunion am 26. August den Start ihrer ersten Interkontinalrakete bekannt gibt und Wochen später, am 5. Oktober, den ersten künstlichen Erdsatelliten, genannt Sputnik, in die Erdumlaufbahn bringt. Damit ist klar, dass die sowjetischen Truppen künftig an jeden beliebigen Punkt der Erde Atomsprengköpfe transportieren können. Diese Tatsache und das Gefühl der Unterlegenheit löst vor allem in den USA und der übrigen westlichen Welt den Sputnikschock aus.
Was hat man dir von deiner Taufe erzählt?
Am Donnerstag kam auf die Welt und bereits am Sonntag fand in der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Sarnen die Tauffeier statt. Mein Papa war ein sehr rationaler Mensch. Zur Taufe holte er mich im Spital ab und nach der Taufe brachte er mich meiner Mama zurück. Es waren nur wenige 100 Meter vom Spital zur Kirche. Meine Mutter war bei der Taufe nicht dabei. Getauft wurde ich von seinem Lieblingslehrer Pater Notker vom Kollegi Sarnen. Zur Taufe gehörten auch die Paten. Gotte wurde meine Grossmutter vaterseits. Götti wurde der einzige Bruder meiner Mutter (Hans Kiener). Nach der Taufe gingen die Beteiligten, das heisst ohne mich, ich hätte ja nichts davon gehabt ins Wilerbad zum Mittagessen.
Wenn ich aus dem Fenster unseres Hauses im Spis 52 blicke sehe ich immer mein Geburtshaus (Spital) und die Kirche (Sankt Peter und Paul). Es erinnert mich oft an den Beginn eines spannenden und ereignisreiches Lebens. Wenn wir Besuch haben, zeige ich unseren Gästen immer gerne mein Geburtshaus und selbstverständlich die wunderschöne Kirche, welche nicht zu übersehen und zu überhören ist. Ich erachte es als Privileg an diesem wunderschönen Ort zu wohnen und zu leben. Ich fühle mich hier daheim. Obwohl wir Wälti keine Bürger von Obwalden sind, so bin ich doch ein "gebürtiger" Sarner. Für die Meisten Obwaldner sind wir Giswiler. Unser Bürgerort ist aber immer noch Mels/SG. Aufgrund eines Bundesgerichtsurteils sind wir aber auch Korporationsbürger von Giswil. Unser Grossmutter vaterseits ist eine geborene Halter. Sie war Bürgerin von Giswil.
4. Meine Eltern
Meine Seele hatte sicher ihre Gründe warum sie diese Eltern ausgewählt hat.
Von meinen Eltern konnte ich vieles lernen. Eltern wollen immer das Beste für Ihre Kinder.
Ob das auch für die Kinder das Beste ist, ist eine andere Frage.
4.1 Meine Mutter
Unsere Mama wurde am 25. Januar 1930 in Grosswangen, Untergalmet geboren und auf den Namen Maria (Kiener) getauft. Unsere Mama ist am 31. Mai 2011 im Alter von 81 Jahren in Giswil (Grossteil) in ihrem Wohnhaus in Giswil im Rüteli verstorben.
Ich hatte zu unserer Mama ein widersprüchliches Verhältnis. Aber das hatte sie sich selber zuzuschreiben.
Sie war eine hervorragende Köchin und terrorisierte mich mit ihren über 1'000 Rosenstöcke und dem riesengrossen Garten.
Unsere Mama absolvierte die Primarschule und die Sekundarschule in Grosswangen.
Mit 16 verabschiedete sie sich von Grosswangen und absolvierte eine Lehre als Detailhandelsangestellte bei der Bäckerei Küng in Reussbühl (Ortsteil der Stadt Luzern). Während der Lehrzeit verstarb der Inhaber der Bäckerei Josef Küng. Seine Frau Olga Küng führte den Betrieb weiter bis der Sohn Joseph Küng seine Ausbildung abgeschlossen hatte. Zu Frau Küng und seinen Kindern entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Insbesondere zu der jüngsten Tochter Christine. Auch meine Schwester und ich hatten zur jüngsten Tochter Christine und ihrem späteren Ehemann Kontakt bis diese verstorben sind.
Nach Abschluss der Lehrzeit ging unsere Mama nach London. Sie managte dort den Haushalt eines Obersten. Dieser Oberst wurde nach 1 1/2 Jahren als Militärattache nach Genf versetzt. Unsere Mama reiste mit dem Obersten nach Genf und übernahm dort wieder das Zepter im Haushalt. Irgendwann kann man perfekt englisch und französisch, so dass es Zeit wird sich neuen Herausforderungen zu stellen. Für unsere Mama wurde es Zeit nach neuen Ufern aufzubrechen. In der Tribune de Genève suchte das Hotel/Restaurant Kaiserstuhl (Kaiserstuhl ist am Lungernsee in Obwalden) eine sprachgewandte Serviceangestellte. Das Hotel/Restaurant Kaiserstuhl war bei Engländern und Franzosen sehr beliebt. Dieses Hotel/Restaurant hatte eine ausgezeichnete Küche. Der Hotelbesitzer war wenig sprachgewandt. Der Hotelbesitzer war sehr begeistert von unserer Mama. Ihr Sprachtalent und ihre Schönheit muss ihn tief beeindruckt haben. Man wurde sich einig und unsere Mama verabschiedete sich vom Militärattache, was diesen schmerzte.
Unser Grossvater (Vaterseits) war regelmässig Gast im Hotel / Restaurant Kaiserstuhl und ihm ist diese attraktive und fleissige Frau sofort aufgefallen. Unser Grossvater war ein Unternehmer und machte sich sofort die notwendigen Gedanken. Sein Sohn Willi war dipl. Baumeister und diese Frau wäre nach seinem Dafürhalten die richtige Schwiegertochter. Er animierte seinen Sohn bei der jungen attraktive Frau um ihre Gunst zu werben. Es versteht sich von selbst, dass auch andere junge Männer um unsere Mama geworben haben. Unter anderem auch Dr. Hansheini Gasser der spätere Baudirektor von Obwalden. An der Generalversammlung der Sarner Kraftwerkes im Jahr 2019 sassen Hansheini und ich beim Nachtessen an demselben Tisch. Nach über 65 Jahren hat er immer noch von unserer Mama geschwärmt. Ich hatte oft Begegnungen mit Herren im alter von unserem Papa, welche von der Schönheit unserer Mama angetan waren. Zum Teil wurde diese Schönheit an uns Kinder vererbt. Ich gehörte auch zu den Glücklichen, welche in jungen Jahren attraktiv waren. Ich war mir diesem Vorteil nie bewusst. Nur die wenigsten Mädchen getrauten sich mich anzusprechen. Zum grossen Glück sind die jungen Frauen zur heutigen Zeit emanzipierter und nehmen das Heft selber in die Hand. Diese Erkenntnis ist für mich von keinem Nutzen mehr. Nicht auszudenken, wenn ich mir diesem Vorteil bewusst gewesen wäre, was das für mich eine wilde Zeit gewesen wäre. Vielleicht auch zum grossen Glück sonst wäre ich nicht mit meiner Frau seit dem 14. Dezember 1984 verheiratet und seit dem 13. Dezember 1975 befreundet.
Am 4. Oktober 1954 heirateten unsere Mama unseren Papa in der Kirche Grossteil.
Ab jetzt war unsere Mama die Frau Wälti-Kiener. Geschäftsfrau und Familienfrau. Unsere Mama blieb ihr ganzes Leben eine vornehme Frau. Nur wenige Leute waren mit unserer Mama per Du. Unser Papa war diesbezüglich eher unkompliziert. Obwohl unser Papa bezüglich Du unkomplizierter war, war man gut beraten seinen Anordnungen Folge zu leisten und ihm nicht zu widersprechen. Er hatte grosse Mühe andere Meinungen zu akzeptieren.
In den Sommerferien 1966 begleitete unsere Mama eine Bekannte mit Ihrem Mann (Annalies und René Auchli-Küng) nach Tunesien auf Inspektionsreise einer Hotelanlage. Dieser war bei Kouni Inspektor von Ferienanlagen und einer der späteren Direktoren. (Das Unternehmen Kuoni Group wurde 1906 von Alfred Kuoni in Zürich gegründet. Heute ist es ein internationaler Reisekonzern mit Sitz in Zürich. Mitarbeiter: 11'621 (Jahresdurchschnitt 2013))
Im Herbst machte sich bei unserer Mama eine heimtückische Krankheit bemerkbar. Ihr Hausarzt Dr. Fritz Wicki vermutete eine Virusinfektion. In dieser Zeit verreisten nur ganz wenige und gut betuchte nach Nordafrika.
Bis eine klare Diagnose vorliegen würde sollte es noch Jahre dauern. Diese heimtückische Krankheit unserer Mutter hat unser aller Leben auf den Kopf gestellt und bis zu ihrem Tod begleitet. Es war ein dauerndes auf und ab.
Ich kann mich nicht erinnern wie viele Weihnachten wir ohne unsere Mama verbracht haben und wie wir Kinder uns selber organisieren mussten. Unsere Haushalthilfe hatte jeweils über die Feiertage frei und unser Papa war sein Leben lang mit seinem Büro verheiratet. Wir fünf Kinder waren für ihn oft zu viel.
Im Verlaufe der Jahre (gefühlte 10 Jahre), als Dr. Fritz Wicki schon sehr viel Zeit mit experimentieren Zeit verbraten hat bekam die Krankheit den Namen Lupus.
Der Lupus ist das Chamäleon unter den entzündlich-rheumatischen Krankheiten. Als eine systemische Erkrankung kann er ganz verschiedene Organe und Organgruppen befallen und in unberechenbaren Entzündungsschüben individuell sehr unterschiedlich verlaufen.
Die Zahl der Betroffenen in der Schweiz wird auf 2'400 geschätzt. Damit ist der systemische Lupus erythematodes eine recht seltene Krankheit. Zu 90% sind Frauen betroffen. Der erste Lupus-Schub kann in jedem Alter auftreten.
Unsere Mama war wie eine Katze, sie hatte mehrere Leben. Warum hat die Katze 9 Leben? Zunächst, weil die Katze früher als Symbol heidnischer Gottheiten stand. Übrigens sagen die Engländer, Katzen hätten neun Leben. Im Endeffekt meint man wahrscheinlich nur, dass sie häufig gefährliche Situationen gerade noch überstehen.
Im Verlaufe meines Lebens im Jahr 2016 werde ich mich auch mit einem experimentellen Rheumatologen (Bruno Müller) meine Erfahrungen machen.
Wenn man etwas auf dem Herzen hatte war meine Mama die falsche Adresse. Vertrauliche Sachen behielt man besser für sich. Wenn man ein Mädchen besonders nett fand und ihr dieses kleine Geheimnis anvertraute, konnte sie sich im dümmsten Moment vor versammelter Gesellschaft darüber lustig machen. Ich musste immer alles mit mir selber klären. Mein älterer Bruder Willi war in die gleiche Kategorie einzuordnen.
4.2 Lupus
Ursachen
Warum entsteht ein Lupus? Diese Frage vermag die Medizin gegenwärtig nicht zu beantworten. Gemäss der Autoimmun-Theorie entsteht ein Lupus daraus, dass sich der Körper selber angreife. Dazu gibt es verschiedene Hypothesen, aber kein sicheres Wissen.
Zu den möglichen Auslösern eines systemischen Lupus erythematodes zählen Stress, Viren, hormonell aktive Phasen, ultraviolettes Licht und gewisse Medikamente.
Symptome
Je nachdem, welche Organe und Organgruppen betroffen sind, zeigt sich der systemische Lupus erythematodes als eine leichte, eine schwere oder eine lebensbedrohliche Krankheit. Die folgende Aufzählung erhebt keinen Anspruch darauf, vollständig zu sein.
Allgemeinsymptome
Viele Betroffene fühlen sich krank, müde und abgeschlagen. Die Müdigkeit (Fatigue) ist praktisch bei allen vorhanden. Weitere häufige Allgemeinsymptome sind leichtes Fieber und eine unerklärliche Gewichtsabnahme.
Gelenke (Arthritis)
Gelenkschmerzen und Gelenksentzündungen (Arthritis) sind sehr häufig beim Lupus. Sie betreffen vor allem Finger, Hände, Schultern und Knie. Aber im Unterschied zur rheumatoiden Arthritis (RA) zerstört der Lupus selten die Gelenke.
Muskeln, Sehnen, Knochen
Oft gleichzeitig mit den Gelenken schmerzen und entzünden sich auch Muskeln und Sehnen. Selten kommt es zu einer aseptischen Knochennekrose (Minderdurchblutung eines Knochenareals) mit Schmerzfolgen.
Haut
Der Lupus befällt besonders die sonnenexponierte Hautbereiche im Gesicht, am Dekolleté und den Händen. Bei jeder dritten betroffenen Person bildet sich über der Nase und den Wangen ein schmetterlingsförmiger Ausschlag. Hinzukommen können fleckenförmige Hautveränderungen am ganzen Körper. Ein Schub kann auch Haarausfall verstärken. Weitere mögliche Probleme sind Schleimhautgeschwüre in der Nase, im Mund oder in der Vagina.
Raynaud-Syndrom
Beim Raynaud-Syndrom ziehen sich die Blutgefässe der Finger (oder Zehen) bei Kälte so sehr zusammen, dass sie den Blutstrom minutenlang unterbrechen. Der Anfall ist mit einem Kribbelgefühl verbunden und kann heftig schmerzen.
Herz, Kreislauf und Lungen
Schmerzen bei tiefen Atemzügen können auf einen Befall des Brustfells oder des Herzbeutels hinweisen. Selten führt der systemische Lupus erythematodes zu Entzündungen des Herzmuskels oder der Herzklappen. Atemnot oder blutiger Auswurf sind Anzeichen entzündeten Lungengewebes.
Blut und Lymphe
Ein Lupus-Schub schlägt sich in einer Verminderung der Blutzellen nieder. Betroffen sein können die roten Blutkörperchen, die Blutplättchen oder die weissen Blutkörperchen. Ferner können die Lymphknoten anschwellen.
Nieren
Ein Nierenbefall macht sich kaum durch Beschwerden bemerkbar, vor allem anfangs ist er ganz symptomfrei. Umso wichtiger sind regelmässige Untersuchungen der Niere. Liegt aufgrund der Laborresultate des Blutes und des Urins ein Nierenbefall vor, ist eine Entnahme und Untersuchung von Nierengewebe angezeigt.
Wie oben beschrieben hatte unsere Mama das gesamte Programm. Sie hatte auch nur noch eine Niere.
4.3 Mein Vater
Unser Vater wurde am 19. September 1926 in Giswil (Grossteil) im Allmendli geboren und auf den Namen Willhelm Johann (Wälti) getauft. Sein Onkel Hanny (Johann) äusserte sich dahingehend zu seiner Schwester willst du diesen überhaupt aufziehen, der überlebt die ersten Monate eh nicht. Unser Papa wog bei der Geburt lediglich 1.5 Kg. Dank der Fürsorge seiner Mutter entwickelte sich unser Papa jedoch prächtig.
Unser Papa ist am 24. Januar 2018 im Alter von 91 Jahren im Altersheim in Lungern verstorben.
Wenn ich an meinen Vater denke, so hatte ich angst vor ihm. In späteren Jahren war es Respekt. Am liebsten war es mir, wenn er nicht zuhause war. Er war wenig ausgeglichen, jähzornig und gewalttätig. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen konnte er mich schon als 3 Jährigen in den Keller schleppen. Meinen Kopf zwischen seine Beine klemmen, die Hose herunterlassen, und mit dem Lederriemen (Militärgurt aus Leder)) meinen nackten Hintern versohlen. Da kannte er sich nicht mehr. Ich erinnere mich, dass er einmal so zugeschlagen hatte, dass es feuerte und ich blutige Striemen hatte und Sternen sah. Ich hatte dermassen einen Schockzustand, dass ich ihn nur noch auslachte und sagte: "Ich hätte nichts gespürt, er könne ruhig weiter machen:" Dann hat er nochmals ausgeholt und zugeschlagen. Ich kann mich immer noch an den Kellerraum und die Schmerzen erinnern. Ich konnte gefühlte 10 Tage nicht mehr sitzen und auf dem Rücken schlafen. Meine Mama hat das auch noch unterstützt. Eine Mutter, wenn sie eine Mutter gewesen wäre hätte sich schützend vor ihr Kind gestellt. Unsere Mutter drohte immer mit dem Vater. Wenn ich nicht spurte drohte sie mit Papa, der würde dann mir mit dem Lederriemen meine Flausen schon wieder austreiben. Wie krank war so eine Erziehung? Möglicherweise hatte schon sein Vater denselben Umgang mit ihm. Das gibt ihm aber nicht das Recht zuzuschlagen. Nach über 60 Jahren sind diese Übergriffe immer noch präsent. Die Gefühle und Gedanken kann ich immer noch abrufen, als ob die Schläge erst einige Wochen zurück liegen würden. Das sind die Gedanken eines 3 - 4 Jährigen. Meine Seele wurde sehr früh verletzt und geschunden. Aus welchen Gründen haben solche Eltern Kinder? Lag es an der Verhütung? War es Tradition? Erhöhten viele Kinder den Status in der Gesellschaft? Vor allem männliche Nachkommen. Unsere Mama genierte sich als das Dritte Kind (Veronika) ein Mädchen war. Heute weiss man, dass der Mann das Geschlecht bestimmt.
Aufgrund dieser Ausgangslage ist es nicht leicht den Sinn des Lebens zu erkennen. Ich hatte einen besonderen Schutzengel und machte das Beste aus meinem Leben. Ich bin mir bewusst mit der notwendigen Resilienz hätte ich das Zeug für mehr gehabt. Von Natur aus bin ich sehr effizient, routiniert und zielstrebig und vor allem ehrlich. Ich musste immer auf der Hut sein. Ich konnte mir viele Freiheiten nehmen, nur durften meine Eltern nichts davon erfahren. Aufgrund dieser Ausgangslage konnte ich nie eine herzliche Beziehung zu meinen Eltern entwickeln. Unsere Beziehung blieb angespannt und reduzierte sich auf das Geschäftliche.
Im Verlaufe meiner Autobiographie wirst du lieber Leser feststellen wie ich und mein Papa uns trotzdem auf eine besondere Art nahestanden und viele Parallelen hatten. Trotzdem blieben unsere Türen zueinander verschlossen. Möglicherweise wäre ich mit meinem Grossvater sehr erfolgreich gewesen. Mein Grossvater und ich haben uns nie kennen gelernt. Er ist vor meiner Geburt verstorben Aber aufgrund der verschiedenen Schilderungen von Personen, welche meinen Grossvater gekannt haben wären wir vermutlich ein tolles Team gewesen.
Leider haben meine Verfahren keine Notizen über ihr Leben hinterlassen. Insgesamt gäbe das sicher eine spannende Sache. Es ist meine Sicht der Dinge und meine Wahrnehmung. Meine Geschwister haben andere oder ähnliche Erinnerungen.
Unser Papa besuchte die Primarschule in Giswil. Nach der 6. Klasse war damals für die Giswiler die obligatorische Schulzeit beendet. Die Eltern unseres Papas Louisa und Wilhelm Wälti-Halter legten grossen Wert auf Bildung und ermunterten ihre Kinder noch 3 Jahre das Kollegium (Sekundarschule) in Sarnen zu besuchen. Die Benediktiner führten das Kollegium. Das Kollegium war die Sekundarschule und das Gymnasium. Zur Schule nach Sarnen ging es mit dem Velo (Fahrrad) und zwar Sommer und Winter. Papis Mutter hat ihm zu diesem Zweck ein neues Velo gekauft. Die Brünigstrasse war damals noch eine Naturstrasse. In der Folge besuchte er die Schule in Sarnen zwischen 1940 und 1942.
Was war 1940?
1940 greift das Deutsche Reich Dänemark und Norwegen an, es folgt anschließend deren Besetzung. Einmarsch in Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Nordfrankreich (der so genannte Westfeldzug, der zur Besetzung von Paris führt. Die Evakuierung von über 300.000 alliierten Soldaten bei Dünkirchen gelingt. Deutsche Luftangriffe auf Großbritannien. Hitlers Militär erreichen das Hauptziel, Großbritannien aus dem Krieg herauszuhalten oder zur Aufgabe zu zwingen, nicht. Die Sowjetunion besetzt die baltischen Staaten und das rumänische Bessarabien. Planungen für den Krieg gegen die Sowjetunion. Der Abschluss eines Dreimächtepakts zwischen Italien, Japan und dem Deutschen Reich, dem danach weitere Staaten beitreten, ist ein Erfolg Hitlers in der Außenpolitik.
Was war 1941?
1941 wurde der Krieg nochmals an vielen Stellen ausgeweitet. Um Italien bei seiner Invasion in Afrika zu unterstützen, befiehlt Hitler den Einsatz deutscher Truppen in Libyen. Ihnen gelingt ein Vorstoß bis Ägypten (der Hafen Tobruk wird von britischen Truppen zunächst gehalten). Der Einmarsch im Balkan führt zur Invasion Kretas und Griechenlands. Die Versenkung des Schlachtschiffs Bismarck steht für Hitlers Schwachstelle Atlantik. In Asien endete die Zusammenarbeit von Kuomintang und den Kommunisten im Krieg gegen Japan. Die Battle of Britain, der deutsche Luftkrieg zur Eroberung Großbritanniens, endete zugunsten der Royal Air Force. Auch durch den Abzug deutscher Truppen aus Frankreich nach Osten bekommt London im wahrsten Sinne wieder Luft. Am 22. Juni startet Hitler mit dem Unternehmen „Barbarossa“' den Krieg gegen den zeitweiligen Vertragspartner Sowjetunion. Mitte August wenden sich Teile der schnell vorstoßenden Wehrmacht südostwärts gegen die Ukraine bis zur Krim und nordwärts gegen Leningrad. Es kommt zum Bündnis zwischen Vereinigtem Königreich/Grossbritanien und der UdSSR. Großbritannien und die USA vereinbaren die Atlantic-Charta. Japan kann durch die Eroberung des südlichen Indochinas bis Malaysia den Druck auf Chinas Nachschubwege erhöhen. Der japanische Vormarsch im Pazifik kommt auf Neuguinea zum Stehen. Der deutsche Angriff gegen die Sowjetunion kommt vor Moskau und Leningrad zum Stillstand, und in der Gegenoffensive folgen erstmals größere Geländegewinne auf alliierter Seite.
Was war 1942?
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember wird das Kriegsjahr 1942 von den ersten deutschen Judendeportationen aus Frankreich, den Kämpfen um die Festung Tobruk und El Alamein, zunehmend massivere Luftangriffe auf deutsche Städte aber auch auf Tokio, die Eroberung der Philippinen, dem Anschlag auf Heydrich in Prag gekennzeichnet; deutsche Truppen erreichen den Don, es folgt der deutsche Angriff auf Stalingrad und im Gegenangriff dessen Einkesselung; Beginn des Manhattan-Projekts, die alliierte Landung in Nordwestafrika. Nach der japanischen Invasion von Niederländisch-Indien im Januar und dem Flottenvorstoß in den Indischen Ozean bringt das Jahr erste australische und US-Erfolge gegen Japan in der Midway-Schlacht und auf Neuguinea.
Wie sollte es nun nach der Schule weiter gehen? Die Zeit während des 2. Weltkrieges war äusserst schwierig. Unser Grossvater hatte eine Bauunternehmung und war Unternehmer mit Leib und Seele. Teilweise arbeiteten bei unserem Grossvater bis 100 Arbeiter. Damals wurden die meisten Arbeiten noch von Hand ausgeführt. Dadurch waren die Arbeiten sehr personalintensiv. Mein Grossvater hatte eine Grossbaustelle im Glaubenberg (OW) mit Kantine und Unterkünften. Die Kantine und die Unterkünfte waren Baracken. Unser Grossvater musste auch Aktivdienst leisten. In dieser Zeit musste meine Grossmutter das Geschäft führen. Arbeitslosenkasse und Erwerbsersatz gab es noch nicht. Von dem geringen Sold aus dem Militär konnte keine Familie leben. Damit die verschiedenen Familien nicht hungern mussten wurde mein Grossvater angewiesen seine Arbeiter nur alternierend zu beschäftigen. Ausgenommen waren Vorarbeiter. Für meine Grossmutter waren das immer schwierige Entscheidungen. Damals war es üblich, dass der 1. Geborene einmal in die Fusstapfen seines Vaters treten wird/muss. Nach der Kollegizeit übertrug mein Grossvater unserem Vater für ein Jahr die Verantwortung der Kantine im Glaubenberg. Über diese Zeit weiss ich wenig zu berichten. Nur soviel das Essen war rationiert. Trotzdem legte unser Vater immer Wert darauf, dass es genug zu Essen gab und auch abwechslungsreich. Das damalige Essen ist aber mit unseren Essgewohnheiten nicht mehr zu vergleichen. Nur soviel mein Grossvater war mit seiner geleisteten Arbeit zufrieden. Das will etwas heissen unser Grossvater war nicht so schnell zufrieden. Das weiss ich von Leuten, welche meinen Grossvater noch persönlich gekannte haben.
Was war 1943?
Stichworte für das Kriegsjahr 1943 sind: Sowjetische Armeen erreichen den Sieg in Stalingrad – eine erste bedeutende deutsche Kapitulation. Im März erobern deutsche Truppen das Gebiet bis zum mittleren Donez zurück, aber nach mehreren sowjetischen Gegenoffensiven in den folgenden Monaten muss die Wehrmacht an der ganzen Ostfront den Rückzug antreten. Der militärisch unbedeutende Aufstand im Warschauer Ghetto wird ein bleibender moralischer Sieg der jüdischen Häftlinge. Die Atlantikschlacht geht für die deutschen U-Boote verloren. Alliierte Truppen landen in Sizilien. Italien verlässt das Bündnis mit Hitler. Die Lufthoheit der Alliierten in Europa wird immer erdrückender. Mit der Rückeroberung der Salomonen beginnt die amerikanische Taktik des Inselspringens im Pazifik
Nach diesem Jahr begann unser Papa eine Lehre als Hochbauzeichner im Architekturbüro Hochstrasser in der Stadt Zug.
Hochstrasser musste eine schillernde Person gewesen sein. Er hatte interessante Aufträge, war aber immer knapp bei Kasse. Unter anderem hatte er Aufträge von der Stadt Zug. Diese Aufträge soll unter anderem bekommen haben, damit er seine Steuerschulden bei der Stadt bezahlen konnte. Zur heutigen Zeit würde kaum ein Unternehmer Aufträge bekommen, damit er seine Steuern begleichen kann.
Damals hat die Post auch das Telefon betrieben. Weil Hochstrasser seine Telefonrechnungen nicht bezahlte sah sich die Post gezwungen das Telefon ausser Betrieb zu setzen. Unser Papa hat diese Lehre erfolgreich abgeschlossen.
Was war 1944?
Das Kriegsjahr 1944 ist vor allem durch wichtige Erfolge der Alliierten gekennzeichnet: Im Januar wird der Belagerungsring um Leningrad aufgebrochen. Im Westen gelingt die Invasion in die Normandie; Paris wird befreit. Im Osten gelingt es der Roten Armee die Heeresgruppen Mitte und Süd entscheidend zurückzuwerfen. Erst in Ostpreußen kommt die Offensive im Oktober vorübergehend zum Stehen. In Italien gelangen die Alliierten bis nördlich einer Linie Rimini-Rom voran. Allein in Asien führt eine japanische Offensive in China zu einer Landverbindung nach Indochina und damit zu einem Teilerfolg der Achsenmächte. Aber im Oktober gelingen die Befreiung der Philippinen und die Vernichtung der kaiserlich japanischen Marine.
Was war 1945?
Das letzte Kriegsjahr wurde zunächst von einer Konferenz der absehbaren Sieger gekennzeichnet: der Konferenz von Jalta. Die Befreiung der Konzentrationslager war in den folgenden Wochen für die alliierten Soldaten mit fürchterlichen Beobachtungen verbunden. Im Pazifikraum werden die Philippinen, Indochina, Burma und China befreit. Der Sieg in der Schlacht um die Seelower Höhen öffnet den Weg nach Berlin. Im März wird der Rhein überschritten. Am 30. April hisst die Rote Armee eine Fahne auf dem Reichstag. Europa ist nach der Kapitulation am 7. Mai vom NS-Regime befreit. Am 6. August wird die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen. Nach der Kapitulation des Kaisers wurde der japanischen Armee am 16. August die Einstellung aller Kampfhandlungen befohlen und am 2. September beendet die Unterschriftszeremonie auf dem Schlachtschiff USS Missouri in der Bucht von Tokio den Zweiten Weltkrieg.
Nach der Lehre bei Hochstrasser absolvierte unser Papa ca. 1946/1947 eine verkürzte Lehre als Maurer bei seinem Vater in Giswil. Einen grösseren Teil seiner Ausbildungszeit verbrachte er mit administrativen Arbeiten im Büro. Mein Grossvater hatte wenig Sitzleder sein Sohn war ihm sehr Willkommen. Zumindest im Büro. Auch sie waren nicht ein Herz und eine Seele. Unser Grossvater und unser Vater hatten es auch nicht immer einfach miteinander.
Nach Abschluss der Maurerlehre ging es nun für ein Jahr an das Technikum Winterthur (Heute Fachhochschule) um Architektur zu studieren. Nach 2 Semestern wechselte er an das Abendtechnikum von Zürich. Dieses hat er mit dem Diplom als Architekt abgeschlossen.
Während der Studienzeit am Abendtechnikum arbeitete unser Papa als Bauführer in einer Bauunternehmung (Derungs) in Menzigen (ZG). Später wurde er Geschäftsführer in dieser Bauunternehmung.
In dieser Zeit erwarb er das Diplom zum dipl. Maurermeister und auch zum dipl. Baumeister. Die Ausbildung zum Dipl. Baumeister ist vergleichbar mit der Ausbildung eines Bauingenieurs ETH.
Leider erkrankte sein Vater, so dass er nach wenigen Jahren sich von Derungs verabschieden musste und die Geschäftsleitung des väterlichen Geschäftes übernehmen musste. Er ging nicht gerne nach Obwalden zurück. Der Kanton Zug gefiel ihm viel besser und hatte dies besseren Perspektiven zu bieten. Als Ältester fühlte er sich seiner Familie verpflichtet.
Das Geschäft seines Vaters war vor allem im Tiefbau tätig. Meliorationen, Bachverbauungen und Strassen. Das Herz unseres Vaters schlug aber vor allem für den Hochbau.
Ich hatte immer den Eindruck, dass unser Vater lieber den Beruf eines Stadtbaumeisters oder Denkmalpflegers ausgeübt hätte. Er vermittelte uns, dass ihm sein Geschäft keine oder wenig Freude machte. Vor allem war es für ihn ein Kampf. Er äusserte sich immer dahingehend, dass er für jeden Auftrag kämpfen musste. Was ist das für ein beschwerliches Leben? Ich bin überzeugt, wenn er sich nicht gegenüber seinen Eltern verpflichtet gefühlt hätte wäre er lieber im Kanton Zug geblieben und hätte dort seine Berufung gefunden und wäre glücklich geworden.
Bereits als kleiner Junge war mir klar, dass ich nie in meinem Leben eine Bauunternehmung will. Das ist kein Ort der Freude. Das ist ein ständiger Kampf. Wer immer kämpfen muss hat verloren. Das hält doch keiner auf die Dauer aus.
Sein Vater verstarb am 11. Mai 1956.
Fast jeder Schweizer musste irgendwann seinen Militärdienst leisten. Dieser Grundsatz galt bis 1995. Ab 1995 wurden die Bestände der Armee immer mehr reduziert. Unser Vater konnte wegen einem Herzfehler die RS nicht mit 20 Jahren absolvieren. Er wollte aber unbedingt Militärdienst leisten. Deshalb holte er die RS mit 23 Jahren nach und machte im Militär "Karriere" bis zum Oberleutnant. Hätte er die notwendige Zeit erübrigen können so wäre er sicher Regimentskommandant geworden Er diente bei den Luftschutztruppen (technische Rettungstruppe) Mit seiner Ausbildung hätte er auch eine Militärkarriere als Berufsmilitär machen können. Wahrscheinlich wäre er möglicherweise wie sein Studienkollege Peter Schulkommandant geworden.
Ich hätte es bevorzugt, wenn unser Papa sich für das Berufsmilitär entschieden hätte und das Baugeschäft liquidiert hätte. Wir alle hätten Luft zum Atmen bekommen. Da unsere Mama Gold und Glimmer liebte, hätte sie sich an der schönen Uniform unsere Papas erfreuen können. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Militärangehörige auch während des Urlaubs die Uniform tragen mussten. Als Offizier musst unser Papa jedes Jahr für 3 1/2 Wochen in den Wiederholungskurs. Unsere Mama in Begleitung von Willi und mir holten unsern Papa jeweils am Samstag an seinem WK Standort. Vorab gab es immer noch das Hauptverlesen durch den Kompaniekommandanten. Am Sonntag ging es in die Kirche Grossteil in die 10 Uhr Messe. In der Kirche sah ich nie einen anderen Offizier. Das waren für unser Mama ganz besondere Glücksmomente.
Für mich war es die schönste Zeit, wenn unser Papa im Militärdienst leisten musste. Unsere Mama war mit dem Baugeschäft beschäftigt und wir Kinder hatten Zeit zum Spielen.
Mit dem Tod seines Vaters erfolgte auch die Aufteilung des Vermögens. Mein Grossvater hatte keine Erbschaftplanung gemacht. Unser Vater erzählte uns immer wieder das er mit seiner Frau bei null angefangen hätten.
Was war sonst noch 1956
Das Jahr der Aufstände
Tatsächlich ist 1956 auf verschiedenen Kontinenten einiges los: In Europa erheben sich die Völker Polens und Ungarns gegen die sowjetische Hegemonie. Doch zu viel Selbstbestimmung will der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow den Satellitenstaaten nicht zugestehen: Den Aufstand in Ungarn beendete er im Herbst 1956 mit einer Invasion seines Militärs.
Erfolgreicher sind die Freiheitskämpfe auf dem afrikanischen Kontinent: Marokko und Tunesien werden in jenem Jahr frei. Sie zählen zu den ersten afrikanischen Staaten, denen die Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten vergönnt ist.
Für meine Eltern war das wichtigste Ereignis im Jahr 1956 die Geburt ihres Stammhalters. Er wurde am 06. April 1956 im Spital Sarnen geboren und per Nottaufe auf den Namen Willi Christian getauft. Er wog bei der Geburt lediglich 1.5 Kg. Damals waren die Überlebenschancen für ein so leichtgewichtiges Kind vergleichbar mit einer Lotterie. Man konnte Glück oder Pech haben. Die nächsten Wochen und Monate waren endscheidend für sein weiteres Leben. Der Stammhalter hatte einen ausgeprägten Überlebenswillen.
4.4 Resilienzforschung bei Kindern
Resilienzforschung bei Kindern
Die Anfänge der Resilienzforschung finden ihren Ursprung in einer Studie über Resilienz bei Kindern. Eine Langzeitstudie von der amerikanischen Entwicklungspsychologin Emmy Werner prägte die Forschung zur Resilienz.
Auf der hawaiianischen Insel Kauai beobachtete und begleitete die Forscherin die Entwicklung von knapp 700 Kinder, und das 32 Jahre lang. Darunter stammten 200 Kinder aus schwierigen Verhältnissen. Das bedeutet sie waren konfrontiert mit zerrütteten Familienverhältnissen, Alkohol- und Drogenmissbrauch, kranken Eltern oder sehr geringem Wohlstand.
Bei vielen Kindern beeinflussen diese Faktoren eine gesunde Entwicklung. Auch sie haben es schwer in Beziehungen, verfallen dem Alkohol oder leben in Armut. Dennoch zeigte Werners Studie, dass 72 der Kinder sich trotz der widrigen Aufwuchs-Bedingungen positiv entwickelten. Daraus entwickelte Emmy Werner Schlüsselfaktoren, die Resilienz bei Kindern stärken.
Schlüsselfaktoren für resiliente Kinder
- Emotinale Bindung: Die Kinder hatten mindestens eine feste Bezugsperson. Diese stärkt Vertrauen und Selbstwirksamkeit des Kindes. Außerdem lernen Kinder Selbstständigkeit, aber auch die Fähigkeit um Hilfe zu bitten.
2. Intelligenz und Temperament: Die resilienten Kinder wiesen eine durchschnittliche Intelligenz und ein positives Temperament auf. Erstens sorgte das für eine gewisse Robustheit, und zweitens auch für mehr Zuwendung von der Bezugsperson.
3. Gesellschaftliche Unterstützung: Das bedeutet, den Kindern wurden Halt gebende Werte beigebracht und ihre Leistungen wurden anerkannt. Wertschätzung von außen fördert die innere Haltung.
Diese Faktoren stärken die Resilienz von Kindern. Sie entwickeln durch eine feste emotionale Bindung auch außerhalb der Familie ein gesundes Selbstwertgefühl und werden leistungsmotiviert. Des Weiteren können sie meist eine realistische Zukunftsperspektive entwickeln. Das bedeutet, sie gehen auch flexibler mit Veränderungen um und trotzen schwierigen Lebensumständen.
Was macht resiliente Kinder aus?
Die Resilienz bei Kindern kann durch gutes und gesundes Lernen gefördert werden.
Der Leiter des Zentrums für Kinder und Jugendforschung an der evangelischen Hochschule Freiburg, Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff, stellte heraus, dass resiliente Kinder bestimmte Fähigkeiten besitzen.
Resiliente Kinder können:
- ihre eigenen Gefühle und die von anderen erkennen und einordnen.
- die eigenen Gefühle kontrollieren, regulieren oder dafür um Rat bitten.
- eigene Stärken und Kompetenzen erkennen.
- Hilfe holen und scheuen sich nicht vor Kontakt.
- Strategien zur Problemlösung entwickeln und auf ähnliche Situationen übertragen.
Diese benannten Fähigkeiten von resilienten Kindern sind nicht immer gleich ausgeprägt. Resilienz ist eine variable Größe, die in einem Bereich stärker in einem anderen schwächer sein kann.
Wie können wir Resilienz bei Kindern stärken?
Die Resilienz von Kindern und Erwachsenen unterscheidet sich nicht. Wer als Kind resiliente Eigenschaften entwickelt, dann genau diese sich im späteren Leben zu Nutze machen. Allerdings entwickeln Kinder ihre innere Widerstandskraft zum Großteil im Zusammenspiel Erwachsenen.
Sie brauchen eine feste Bezugsperson, die Wertschätzung und Verständnis entgegenbringt. Doch auch der Kontakt mit Gleichaltrigen und Beziehung zu Erziehenden stärken die Resilienz.
Damit Kinder ihre eigene Widerstandskraft aufbauen, brauchen sie Wärme und Zutrauen, sowie Interesse und Kontrolle. Wenn dem Kind wichtige Werte und der Glaube an die eigene Selbstwirksamkeit vermittelt wird, kann es sich im späteren Leben selbst behaupten und lernt einen flexiblen Umgang mit schweren Lebenssituationen.
5. Primarschulzeit
Null Bock auf Schule – Wie entstehen Schulmüdigkeit und Schulverweigerung? – Was kann man tun?
Meine häufigsten Botschaften unterrichtlicher Störungen waren:
- Unterricht ist langweilig.
- Ich fühle mich unterfordert.
- Schule finde ich sinnlos.
- Ich räche mich für ungerechte Behandlung.
- Mal sehen, wie weit ich gehen kann.
- Ich möchte meinen Mitschüler/innen etwas bieten, sie unterhalten.
- Ich kann mich nicht konzentrieren, bis ich mit der Welt draussen klar bin.
Damals hatten die Lehrer keinen blanken Schimmer, wie sie mit meinen Botschaften/Verhalten umgehen sollten.
Mein Verhalten wurde durch disziplinarische Massnahmen sanktioniert.
Die meisten Pädagogen hatten es streng mit mir und für mich waren die Meisten einfach nur zum Kotzen.
Ich wurde immer 2 x sanktioniert. Zuerst durch die Pädagogen und anschliessend durch meine Eltern. Die Sanktion durch meine Eltern war am schlimmsten und die galt es mit allen Mitteln zu verhindern.
5.1 Grundschule Unterstufe
Was ist die Primarschule?
Der Begriff Primarschule umfasst in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein die Schulen, die von Kindern der Klassen 1 bis 5 bzw. 6 besucht werden.
Was war 1964?
In der Sowjetunion wird Präsident Chruschtschow überraschend abgesetzt. In den USA unterzeichnet Präsident Johnson ein Gesetz gegen die Rassentrennung. Damit erhalten schwarze Bürger dieselben Rechte wie Weiße. Im Golf von Tongking kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall. Nach US-Angaben werden zwei US-Zerstörer von nordvietnamesischen Kriegsschiffen angegriffen. Die USA kündigen als Vergeltung Bombardements an.
Der deutsche Alltag wird von der Berliner Mauer geprägt. Die DDR-Führung erleichtert den gegenseitigen Besuch von Bürgern aus Ost und West. Doch immer wieder versuchen DDR-Bürger, für immer zu fliehen.
- Klasse
Nach den Osterferien 1964 begann für mich mit einer Woche Verspätung der Ernst des Lebens. Zwei Tage vor Schulbeginn bekam ich die "Spitze Blattern" (Windpocken). Mein Schulbeginn verschob sich um eine Woche. Alleine lief ich zum zugteilten Schulhaus mit Jahrgang 1860. Zu Fuss zum Schulhaus waren es etwa 15 Minuten, ca. 1 km. Im Erdgeschoss gab es 2 Schulzimmer. Eines davon war das Klassenzimmer für die 1. Klässler das andere war für die Handarbeit der Mädchen. Meine Begeisterung vom Klassenzimmer und der alten Nonne hielten sich in sehr engen Grenzen. Der Jahrgang der sehr autoritären Nonne und des Schulhauses waren gefühlt identisch. Wir hatten die Frau in der schwarzen Verkleidung als Schwester Eugenia anzusprechen. Der 1. Eindruck zählt immer. Diese Schwester war mir vom 1. Moment an besonders unsympathisch. Im Schulhaus hatte es einen undefinierbaren Geruch. Es roch muffig möglicherweise auch eine komische Mischung aus Angstschweiss und Stallgeruch. In jedem Fall sehr unangenehm. Vorne links stand auf einem Podest der "Schwester Eugenia" ihr grosses Pult. Auf dem Pult war eine Missionsspardose (Negerkässeli) platziert. Eine Missionsspardose bestand aus einem Spendenkästchen mit einer Figur, die den Kopf nickend bewegte, wenn Geld eingeworfen wurde. Von meinem Mitschülern wurde im Verlaufe des Jahres immer wieder Geld eingeworfen, weil das Negerli so schön mit dem Kopf nickte.
Ich wollte die schwarze Mamba (Schwester) nicht mit Geld unterstützen und ihr Negerli mit Geld füttern. Möglicherweise könnte der Ursprung von verstecktem Rassismus gegen Schwarze im Negerkässeli zu finden sein. Man schlägt den Sack und meint den Esel. Im Unterbewussten wollte ich die die Schwester für ihre Strenge schlagen und rächte mich indirekt am Negerkässeli.
Giswil ist und war eine finanzschwache Gemeinde. Giswil war damals vor allem durch die Landwirtschaft geprägt. Die Gemeinde musste an allen Ecken und Enden sparen. Die Schule war der grösste Ausgabeposten. Im kleinen Schulzimmer wurden 60 Kinder in die Schulbänke gezwängt. Die gute Frau hatte nun die Aufgabe gefasst 60 Schülern das Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Diese Zustände gibt es Heute nur noch in Entwicklungsländern. Vor 60 Jahren herrschten bei uns ähnliche Zustände.
Vor Beginn des Unterrichtes wurde gebetet und auch am Ende des Unterrichtes. Das heisst am Vormittag und am Nachmittag (Total 4 x). Zum Gebet mussten wir stehen und die Hände falten. Wir sahen aus wie fromme Klosterschüler.
Unter der Woche hatten wir mindestens 2 x Schulmesse und zwar lateinisch. Ich glaube mich zu erinnern, dass wir vor dem Unterricht in der 1. und 2. Klasse jeden Tag in die Schulmesse mussten. Es fühlte sich in meiner Erinnerung so an. Ich habe aus der Not eine Tugend gemacht und konnte in der 2. Klasse mit dem Absitzen der Schulmesse mein erstes Sackgeld verdienen. Von diesem Geschäftsmodell schreibe ich in einem der nächsten Abschnitte. Von der 1. Klasse bis anfangs der 2. Klasse wurde die Messe lateinisch zelebriert. Der Kaplan zelebrierte die Messe am Hochaltar und hatte keinen Bezug zu den Kirchgängern. Mit dem zweiten Vatikanischen Konzil änderte sich vieles zum Besseren. (Das Konzil dauerte vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965).
Von der Messe habe nichts verstanden und begriffen. Es war einfach nur langweilig.
Weil ich im Verlaufe meiner Schulzeit eine Überdosis Religion bekommen habe zog ich meine Konsequenzen und bin ca. 1985 aus der katholischen Kirche ausgetreten. Damals war das noch eine kleine Revolution. Im Verlaufe der Zeit sind dann meine jüngeren Brüder Adrian und Alex auch ausgetreten. Die Bevormundung durch die katholische Kirche liessen wir uns nicht mehr bieten. Am Meisten wurden unsere Steuern vermisst.
Ich war mit Abstand der Jüngste in unserer Klasse. Stichtag für die Einschulung war damals der 1. Juli. Aus diesem Grund hatten ca. die Hälft meiner Kollegen und Kolleginnen Jahrgang 1956.
Ich war Linkshänder
Zu der damaligen Zeit wurden Linkshänder meist wenig gesellschaftlich anerkannt und deshalb auf rechtshändig umgeschult.
Heute hat man erkannt, dass eine Umschulung unsinnig ist.
Die Umschulung von Links- auf Rechthändigkeit ist ein Eingriff in die Hirnfunktion ist, zeigt der Körper verschiedene Anzeichen der Umstellung.
- Die Problematik beim Versuch der Umschulung von Links- auf Rechtshändigkeit ist, dass sich die Gehirnhälften nicht umtrainieren lassen.
- Zwar ist es möglich sich das Schreiben mit rechts anzugewöhnen, jedoch resultiert dies meist in der Verschlechterung der Leistungsfähigkeit.
- Linkshänder, die rechts schreiben und arbeiten, haben häufig Schwierigkeiten sich zu konzentrieren.
- Ebenfalls können durch die Umschulung Probleme beim Lesen und bei der Rechtschreibung entstehen.
- Kinder, die bereits von klein auf von links auf rechts umgewöhnt werden, können erhebliche Nachteile in der Entwicklung und im schulischen Fortschritt bekommen.
- All diese Dinge resultieren daraus, dass die eigentlich dominante und ausgeprägtere rechte Gehirnhälfte der Linkshänder unterdrückt wird und die unausgeprägtere linke Hälfte alle Aufgaben ausführen muss.
- Weiterhin können durch die Leitungseinbussen Depressionen, Erschöpfungszustände und Minderwertigkeitsgefühle entstehen.
Die Umstellung der angeborenen Händigkeit ist einer der massivsten Eingriffe in das menschliche Gehirn: Durch den Gebrauch der nicht dominanten Hand, besonders zum Schreiben, kommt es im Gehirn oft zu schwersten Störungen und Irritationen, die den Menschen individuell meist sehr belasten und Auswirkungen für sein ganzes Leben haben können.
Linkshändern wird zugeschrieben, dass sie kreativer und künstlerischer seien als Rechtshänder. Die rechte Gehirnhälfte, zuständig für gestalterische und schöpferische Fähigkeiten, ist vorherrschend. Sie steuert hauptsächlich die linke Körperhälfte. Die strukturierende, eher an Zahlen orientierte linke Hirnhälfte steuert vorwiegend die rechte Körperseite.
Gerade Schnitte mit einer Schere sind für mich immer noch eine Herausforderung. In der Sekundarschule habe ich mir ein Bastelmesser angeschafft. Das Bastelmesser war nun für mich die Schere. Mit dem Bastelmesser konnte Niemand besser umgehen als ich.
Wir lernten die ersten Buchstaben und übten das Schönschreiben auf einer Schiefertafel mit Griffel. Es genügte nicht, dass wir 2 bis Lienen dieselben Buchstaben auf die Tafel schrieben. Nein es musste die ganze Tafel vollgeschrieben werden. Ich hatte eine schnelle Auffassungsgabe, aus diesem Grund mochte ich die ewigen Wiederholungen nicht. Für mich gab es keinen nachvollziehbaren Grund immer die gleichen Buchstaben auf die Tafel zu kritzeln. Wiederholendes Arbeiten langweilte mich. Es versteht sich von selbst, dass Schönschreiben nicht meine Lieblingsbeschäftigung werden wird. Die schwarze Mamba tadelte mich auch entsprechend für meine Künste.
Gerne wies ich sie darauf, dass Schönschreiben in meinem Leben für mich völlig vernachlässigbar sein würde, da ich in jedem Fall einmal eine Sekretärin haben werde und wenn sie gerne einige schöne Buchstaben von mir hätte so würde ich Morgen die Reiseschreibmaschine von Papi in die Schule mitbringen.
Zur Strafe durfte ich eine ganze Tafel voller A schreiben. Ich habe mich geweigert, diese Strafe zu erledigen. Auch bei 60 Schülern hatte die schwarze Mamba ein Kontrollsystem über ihre verteilten Strafaufgaben. Am anderen Morgen sollte ich nach vorne an ihr Pult gehen und ihr meine Hieroglyphen präsentieren. Die schwarze Mamba stand auf ihrem Podest und ich musste ihr meine Arbeit hoch reichen. Die gute Nonne sah nur noch schwarz. Die Tafel war ja auch schwarz was sollte sie sonst sehen. Zur Strafe sollte ich vorne neben der Wandtafel auf den Boden sitzend und unter ihrem strengem Regime die Tafel voll schreiben.
Ich erklärte ihr, dass ich durchaus gewillt wäre ihren Anweisungen Folge zu leisten, aber auf den schmutzigen Boden würde ich mich mit meinen sauberen Hosen nicht setzen, da wäre meine Mutter wenig bis gar nicht begeistert. Ich unterbreitete ihr den Vorschlag, dass ich am Nachmittag eine alte Zeitung mitbringen würde und ich dann ihre verfügte Strafe antreten würde. Das haben wir dann auch so praktiziert. Bei unserer Klassenzusammenkunft im Jahr 2018 gab einer meiner Kollegen diese Geschichte nochmals zum Besten. Wir alle hatten immer noch unsere helle Freude an dieser Geschichte.
Es versteht sich von selbst, dass sich nach einem Sonntagsgottesdienst die schwarze Mamba bei meiner Mutter jämmerlich beklagte. Insbesondere mein älterer Bruder Willi, welcher ein Jahr zuvor zu ihr in die Schule ging, war im Gegensatz zu mir sehr fleissig gewesen und wenn sie gesagt hat, dass ihr etwas nicht gefallen hat, so hätte mein Bruder gesagt: "Schwester Eugenia, wenn ihnen meine Arbeit nicht gefällt, dann mache ich sehr gerne noch einmal."
Damals habe ich mir gedacht, mit diesem Judas wirst du vermutlich noch viele Freuden erleben können. Es ist schon erstaunlich wie mich meine Einschätzung nicht getäuscht hat.
Abgesehen vom Schönschreiben und ein wenig Phantasie beim Rechtschreiben war ich ein sehr guter Schüler. Insbesondere Rechnen das war mein Steckenpferd. In diesem Fach war ich völlig unterfordert. Da fungierte ich als Hilfslehrer und musste die schwächeren Schüler im Gang unterrichten. Als 1. Klässler hatte ich ja keine pädagogische Ausbildung trotzdem unterrichte ich nach meinem Gutdünken.
Für gute Leistungen verteilte die schwarze Mamba Fleisszettel. Ausser für das Schönschreiben erhielt auch viele Fleisszettel. Für 10 Fleisszettel bekamen wir Schüler ein Helgeli (Helgeli: Heiligenbildchen für das Gebetbuch).
Ich muss nicht erwähnen, dass ich kein Interesse an diese Heiligenbilchen hatte. Ich verschenkte diese Bildchen jeweils meinen "Schülern".
Bei meinen Klassenkollegen und Kolleginne war ich beliebt und ich mochte meine Klassenkollegen und Kolleginnen.
Der Höhepunkt in der 1. Klasse war im Herbst 1964 der mehrtägige Besuch der Expo (Landesaustellung) in Lausanne. Nein, wir waren nicht mit der Schule dort. Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.
Lieber Leser, möglicherweise sagt dir der Begriff Expo nichts. Hier eine kurze Erläuterung:
Die «exposition nationale suisse de 1964», Expo 64 genannt, war die Schweizerische Landeausstellung von 1964, die vom 30.April bis zum 25.Oktober 1964 in Lausanne stattfand. Sie galt nach den Richtlinien des Bureau International des Expositions als „nationale“ Ausstellung. Sie bot ein Forum für moderene Architektur, Kunst und Technik und unternahm den Versuch, die Schweiz und ihre Eigenheiten im globalen Kontext zu präsentieren
Die Landesausstellung wollte die Schweiz so präsentieren, wie sie wirklich ist. Dazu sollte vor allem der allgemeine Teil mit dem Sektor Weg der Schweiz dienen. Hier sollte das gezeigt werden, was das Wesen des Landes und sein reiches Gefüge ausmacht sowie seine ereignisvolle Geschichte und seine eigenwilligen Bewohner dargestellt werden. Angesichts der schnellen Entwicklung in der Welt, sollten der Einzelne und die Gemeinschaft sich mit Hilfe der Ausstellung darauf besinnen können, was wir sind und sein wollen, wo wir stehen und wohin wir gehen wolle
1964 hatte sich die Welt zwar vom Zweiten Weltkrieg erholt, war aber in den Kalten Krieg getaucht. Die Schweiz wollte gleichzeitig eine Politik der Vereinigung und der Eigenständigkeit gegenüber äusseren Gefahren sowie der Öffnung gegenüber der Zukunft und Modernität verfolgen. Die Expo 64 war das Produkt dieser Widersprüche.
Vom 30. April bis 25. November 1964 hat die Landesausstellung in Lausanne fast 12 Millionen Besucher angezogen. Vorher hatte es die Landesausstellungen Zürich 1883, Genf 1896, Bern 1914 und Zürich 1939 gegeben. Später folgte jene von 2002 in der Dreiseen-Region Biel, Neuenburg, Yverdon-les-Bains und Murten.
Das Rückgrat der Ausstellung war 'Der Weg der Schweiz', eine Pyramide mit den Fahnen der rund 3000 Schweizer Gemeinden.
Die Expo richtete den Blick nicht nur auf die Vergangenheit, sondern mit dem Fragebogen von Gulliver, dem Helden des Märchens von Jonathan Swift, auch auf die Gegenwart und mit Kurzfilmen von Henry Brandt über das alltägliche Leben auch auf die Zukunft.
Die verschiedenen Pavillons, die den Themen Arbeit, Landwirtschaft, Transport oder Bildung gewidmet waren, haben ebenfalls zu diesem riesigen Spiegelbild der Schweizer Gesellschaft beigetragen, die sich zwar vereint zeigte, aber nicht mehr so homogen war wie einst.
Die Expo diente auch vielen Künstlern, wie Jean Tinguely mit seinen Maschinen-Skulpturen oder dem Maler Hans Erni als Sprungbrett.
Mama und Papa hatten die Expo bereits im Frühling besucht. Unsere Reisegruppe bestand aus Mama, Papa, Grosi (Mutter von Papa), Tante Emmi (jüngste Schwester von Papa), Willi (älterer Bruder), Veronika (jüngere und einzige Schwester) und mir.
Unser Papa war stolzer Besitzer eines Peugeot 404.
Der Peugeot 404 war ein Pkw-Modell des französischen Herstellers Peugeot. Er wurde von Mai 1960 bis Oktober 1975 in Europa hergestellt, wobei Peugeot die Auslieferung dieses Modells in Europa bereits Ende 1974 einstellte. Erste Prototypen sollen schon 1957 entstanden sein. Länge ca. 4.50 m, Motor 1.6 Liter, 65 kw.
Nachdem das Gepäck im Kofferraum verstaut war ging die Reise los.
Unser Papa übernahm das Steuer, unsere Mama auf dem Beifahrersitz hatte die Kontrolle über die Strassenkarte. Schon längst hat diese Aufgabe das GPS übernommen.
Grosi, Tante Emmi und wir 3 Kinder sassen Hinten. Sicherheitsgurte und Nackenstützen gab es noch nicht. Das Auto war für 5 erwachsene Personen zugelassen. 2 Kinder galten als 1 Erwachsene. Genau genommen hätte eines von uns Kindern nicht mitfahren dürfen. Das sah man damals nicht so eng. Unser Papa wurde nicht gebüsst.
Mit dem Auto ging es von Giswil über den Brünig, Haslital auf den Grimselpass. Die Passstrassen waren damals noch nicht so gut ausgebaut. Es war nicht immer möglich, dass sich die Autos auf der Strasse kreuzten konnten. Unser Papa schimpfte und lästerte über die Fahrkünste der anderen Autofahrer wie ein Rohrspatz.
Ihm stand dieses Recht zu, hat der doch während des Krieges in Sarnen die Autoprüfung auf dem Lastwagen mit Holzvergaser seines Vaters absolviert. Während dem Krieg war das Benzin rationiert und deshalb für Private nicht erhältlich. Ein Hauptmerkmal an der Prüfung galt damals dem Anfeuern des Holvergasers mit Buche. Unser Vater hatte somit die Lastwagenprüfung und die gilt auch für PW.
Auf dem Grimselpass gab es endlich den ersten grossen Halt. Wir konnten uns wieder frei bewegen und hatten Luft zum Atmen.
Unser Papa kümmerte sich sofort um das Auto.
Damals war es nichts Aussergewöhnliches, dass bei einer Fahrt auf einen höheren Pass der Motor «kocht», also das Kühlsystem zu heiss wird. Da hilft im ersten Moment nur eine längere Pause, um grössere Schäden zu vermeiden. Ob der Motor des Peugeot 404 Auto kochte, dass weiss ich nicht mehr. Ich weiss nur noch, dass unser Papa auf dem Grimselpass die Motorhabe öffnete und wir eine längere Pause machten.
Unser Papa hatte seinen Fotoapart der Marke «Zeiss Ikon» dabei und machte Dia. Er fotografierte vor allem Gebäude. Wir Kinder waren jeweils nur Beigemüse (für den Grössenvergleich) auf dem Bild. Das Wichtige war das das Gebäude, welches er fotografierte. Von uns Kindern gab sehr selten Bilder (gefühlt nie). In seinen Augen war das auch nicht notwendig, da er uns so oft sah wie er wollte. Nach der Entwicklung und dem Zerschneiden des Films entstehen einzelne Diapositive, die als Projektionsvorlage oft zur Projektion genutzt werden. Damit die Bilder auf eine Bildwand projiziert werden konnte benötigte man einen Diaprojektor. Unser Papa besass nie einen Diaprojektor. Die Dias verstaubten in seinem Archiv. Im verlaufe der späteren Jahre musste der Fotoparat repariert werden. Unser Papa gab den Apparat seinem Freund Sepp Reinhard in die Reparatur. Nach einigen Jahren hat er Sepp angefragt ob er den Apparat repariert hätte, Sepp verneinte er wäre noch nicht dazu gekommen und so es dann geblieben.
Sepp Reinhard fotografierte von 1946 bis 1979 Automobilsport-Rennen. Mit dem Grand-Prix der Schweiz in Bern 1950 hatte er seinen Einstieg in die Formel 1-Fotografie. Neben der Autofotografie war er über Jahrzehnte als Pressefotograf im Kanton-Obwalden aktiv. Da er bei vielen Unfällen als einer der ersten vor Ort war, bekam er den Übernamen Katastrophen-Sepp. Um jeweils frühzeitig informiert zu sein, hatte er als Belohnung für eine Meldung einen Fünflieber ausgeschrieben.
Unsere Eltern waren mit den Reinhards jahrelang befreundet.
Anschliessend besuchten wir die moderne St. Christopherus Kapelle auf dem Grimselpass. Christopherus ist bekannt das als der Schutzheilige der Reisenden. Der Beistand von Christopherus konnte sicher nicht schaden. Unser Papa war nämlich ein hitziger Autofahrer. Die ehemalige Haushaltlehrtochter unserer Eltern Theres Bucher arbeitete in der Zwischenzeit im Hotel Grimsel Hospitz. So war es nicht mehr als Anstand Theres Bucher Guten Tag zu sagen.
Nach dem Zwischenhalt auf dem Grimselpass ging es weiter durch das Goms nach Brig.
Im Brig besuchten unsere Eltern mit Grosi und Tante Emmi den Stockalperpalast. Wir Kinder mussten während dieser Zeit in einem Restaurant die Zeit zur Weiterfahrt überbrücken. Unser Papa bestellt jedem ein Getränk und gab uns einen Batzen für den Töggelikasten (Tischfussball). Ich muss nicht erwähnen, dass wir keinen blassen Schimmer von Tischfussball hatten. Ohne Einführung machte das auch keinen Spass. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging die Reise weiter. Über das Unterwallis fuhren wir an den Genfersee. Nach einer langen Reise kamen wir endlich im reservierten Hotel in Lausanne an. Es war bereits finstere Nacht.
Das Hotel war ein alter Kasten im Jungendstil gebaut. Beim Hotel gab es nur sehr wenige Parkplätze und die waren reserviert. Einige hundert Meter vom Hotel gab es einen öffentlichen Parkplatz mit blauen Parkfeldern.
Unser Papa hatte 2 Zimmer reserviert. Ein Zimmer für sich und seine Frau und ein Zimmer für Grosi, Tante Emmi und uns Kinder. Im Zimmer gab es ein Lavabo zum Waschen. Ein Bad gab es nicht. Es gab Etagentoiletten.
Für zum Umziehen versteckte sich jeweils unser Grosi und Tante Emmi hinter einem Paravent. Wir Kinder wurden zusätzliche aufgefordert bei diesem Prozedere die Augen zu schliessen. Grosi liess uns wissen, wenn wir die Augen nicht schliessen würden, würden wir erblinden. Ich traute der Sache nicht. Aus diesem Grund habe ich nur ein Auge zugedrückt und mit einem Auge das Prozedere genau beobachtet. Weil ich nicht erblindet bin wurde mir bewusst, dass unser Grosi geschwindelt hat. Meinen Geschwistern habe ich das nicht verraten.
Am Morgen musste unser Vater vor 8.00 Uhr die Parkscheibe auf 9.00 Uhr nachstellen. Vor 9.00 Uhr hat unser Papa Willi und mich ins Auto verfrachtet. Er war der Meinung, wenn Willi und ich im Auto wären gäbe es keine Busse. Kurz nach 9.00 Uhr kam dann die Politesse und hat einen Parkbusse unter den Scheibenwischer geklemmt. Als unser Vater mit seiner Gefolgschaft zum Auto kam und den Zettel unter dem Scheibenwischer sah ist er fast durchgedreht. Zuerst schimpfte er mit Willi und mir und war stellte die Behauptung auf Willi und ich wären nicht im Auto geblieben. Mit der Zeit hat er sich dann wieder eingerenkt. Nächstes Ziel war nun der nächste Polizeiposten um die Sache zu klären. Da unsere Mama fliessend französisch sprach war es ihre Aufgabe die Sache zu regeln.
Nach diesem Intermezzo ging es dann an die Expo.
An der Expo haben wir viel erlebt und sehr viele Eindrücke mit nach Hause genommen.
Folgende Erlebnisse blieben mir nachhaltig in Erinnerung.
Am zweiten Tag wollten die Erwachsenen die Expo auf eigene Faust ohne uns Kinder erkunden. Wir Kinder sollten den Tag im Kinderparadies verbringen. Was als Paradies bezeichnet worden ist haben wir damals als Hölle empfunden. Wenn unser Papa etwas im Kopf hatte wurde das auch durchgezogen. Wir Kinder wurden deshalb ohne Diskussion im Kinderparadies abgegeben. Es gab Gruppen für Welsche, Tessiner und Deutschschweizer. Die Deutschschweizergruppe war ausgebucht. Unser Papa fackelte nicht lange und liess uns den Welschen zuteilen. Wir mussten uns umziehen und als Welsche mussten wir eine gelbe Latzhose anziehen. Uns wurde eine Nummer angeheftet. Mit dieser Nummer konnte man uns identifizieren. Unsere Eltern erhielten eine Quittung mit den Nummern. Mit dieser Quittung konnte man uns am Abend wieder abholen.
Zum Mittagessen wurden wir Geschwister an einen grossen runden Tisch gesetzt. Vorab wurde eine grosse Flasche Henniez mit Kohlensäure auf den Tisch gestellt. Wir kannten dieses Getränk nicht. Wir fanden dieses Getränk einfach ungeniessbar. Nach unserer einstimmigen Beurteilung sogar toxisch. Wir waren uns gewohnt Tee zu trinken und auswärts Rivella. Ausnahmsweise vielleicht eine Cola. Da konnten wir nun gespannt sein, was man uns Kinder zum Essen servieren wird. Für das Essen konnten wir uns noch weniger begeistern. Wir hatten keine Ahnung was für eine Pampe uns serviert wurde. In jedem Fall etwas undefinierbares. In der Regel habe ich immer Appetit. Für mich galt die Devise Hunger ist der Beste Koch und schmeckt es nicht so isst man es doch. Ich habe mehr als den
halben Teller leer gegessen da fing mein Magen an zu rebellieren. Ich schaffte es noch knapp ins Freie. Im Freien musste ich Erbrechen. Im Gesicht wurde ich schneeweiss. Vermutlich wurde mein Verhalten durch die Aufsicht beobachtet. Augenblicklich stand eine übereifrige Rettungssanitäterin mit ihrem Gehilfen zur Stelle, welche mich sofort auf die Krankenstation schleppten. Ich war viel zu schwach um mich gegen diese übereifrigen Retter zu wehren. Auf der Station gab es noch weitere Kinder. Möglicherweise hatten diese Kinder auch «Vergiftungserscheinungen» wie ich. Ich wurde auf ein Bett gelegt und sollte ruhig liegen bleiben. Möglicherweise sollte bald ein Arzt aufkreuzen und mich gründlich untersuchen. Das Personal und die Räumlichkeiten machten auf mich keinen vertrauenserweckenden Eindruck. Ich verstand sie nicht und sie mich mit meinem Dialekt erst recht nicht. Als ich mich für einen kurzen Moment unbeobachtet fühlte und die Sanitäter mit den anderen Kindern beschäftigt waren bin ich geflüchtet. Nach kurzer Zeit wurde ich von einer Aufsicht beim Sandkasten aufgegriffen. Diese Person sprach deutsch, so dass wir uns unterhalten konnten. Sie wollte wissen, ob ich nicht auf der Krankenstation gewesen sei, weil ich Erbrechen musste. Ich wusste von nichts und habe ihr erklärt das müsse eine Verwechslung vorliegen. Ich erklärte ihr mit treuherzigem Blick, dass es hier so viele Kinder hier in gelben Latzhosen gebe und sicher eine Verwechslung vorliegen müsste. In jedem Fall fühle ich mich gesund und mir fehle nichts. Vermutlich konnte ich sie mit meinem Charme überzeugen und wurde dann von Niemandem mehr behelligt.
Ca. um 16.00 Uhr hatten die französischsprachigen Kinder eine Aufführung im grossen Puppentheater. Aufgrund der gelben Latzhose gehörten wir auch zu dieser Truppe. Wir wurden in grosses, schönes und stufenartiges Theater geführt. Wir hatten eine sehr gute Sicht auf die Bühne. Es wurde ein Theater mit den Puppen aufgeführt. Aufgrund des Gelächters der anderen Kinder musste es sich um eine lustige Darbietung handeln. Weil wir nichts verstanden haben verhielten wir uns wie Buster Keaton.
Buster Keaton war ein US-amerikanischer Schauspieler, Komiker und Filmregisseur. Keaton zählte neben Charlie Chaplin und Harold Lloyd zu den erfolgreichsten Komikern der Stummfilmzeit. Wegen seines bewusst ernsten, stoischen Gesichtsausdrucks wurde er The Great Stoneface und Der Mann, der niemals lachte genannt.
Soweit ich mich erinnern kann hat mir Tag noch halbwegs gefallen. Ich fand eine nette Spielgefährtin, aus Basel. Wir waren in etwa gleich alt. Mein Bruder Willi hat diese Spielgefährtin nicht gebilligt. Wir kennen diese Person ja nicht und gegenüber von Fremden soll man sich zurückhaltend verhalten. Als Ältester übernahm jeweils mein Bruder Willi die Vaterrolle. Mit den Jahren erhielt er den Spitznamen «Vater».
Für meine Geschwister war dieser Ort ein Ort des Schreckens.
Aufgrund der schlechten Erfahrung mit dem Essen war das für mich auch keine prüfenswerte Option nochmals einen Tag freiwillig im Kinderparadies zu verbringen.
Als es bereits dunkel wurde wurden wir von unseren Eltern im Kinderparadies abgeholt. Ich muss nicht erwähnen, dass wir die letzten Kinder waren, welche abgeholt worden sind.
1964 ging der Zirkus Knie auf Tournee. Der Zirkus hatte für die Dauer der Expo sein Zelt auf dem Expogelände aufgeschlagen.
Selbstverständlich gehörte auch für uns der Besuch einer Abendvorstellung dazu. Der Zirkus war sehr gut besucht und wir hatten einen Platz auf der Tribüne auf der hintersten Reihe. Kurz vor Ende der Vorstellung langweilte sich unsere Mama und sie spielte mit ihrem Ehering. Es kam wie es kommen musste und der Ehering fiel zwischen den Sitzen auf den Kiesboden. Nach der Vorstellung bemühten sich unsere Eltern den Ehering auf dem Kiesplatz zu finden. Zwei marokkanische Zirkusangestellte waren bei der Suche behilflich. Nach über einer Stunde wurde die Suche beendet. Man hinterliess die Adresse, es hätte doch sein können, dass der Ring doch noch gefunden wurde. Unsere Mama war bis an ihr Lebensende überzeugt, dass der Ring gefunden worden ist und der Finder den Ring eingesteckt hat.
***
Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass unsere Mama ihren Ehering verloren ging. Einige Jahre später waren wir in Mels/SG und haben im «Schäfli» das Mittagessen genossen. Nach dem Mittagessen ging unsere Mama auf die Toilette um sich die Hände zu waschen. Zum Händewaschen hat sie den Ring abgezogen und auf der Ablage beim Lavabo deponiert. Dummerweise hat sie vergessen den Ring wieder an den Finger zu stecken. Als sie gegen Abend die Unaufmerksamkeit bemerkte hat sie den Wirt angerufen und ihm ihr Missgeschick geschildert. Leider war der Ring schon weg.
Aller guten Dinge sind Drei.
Diese Redensart kommt wahrscheinlich aus dem Mittelalter, als drei Mal im Jahr eine Ratsversammlung gehalten wurde und ein Angeklagter dabei genau drei Chancen hatte, sich den Richtern zu stellen. Erschien er auch beim dritten Mal nicht zur Verhandlung, wurde er in Abwesenheit verurteilt. Auf altgermanisch hießen diese Gerichtsversammlungen "Thing", es hieß also ursprünglich "Aller guten Thinge sind drei".
Es ist kaum zum Glauben aber unsere Mama verlor ihren Ehering ein Drittes mal.
Ungefähr im Sommer 1985 fuhren meine Eltern in ihrem gepflegten Mercedes nach Südfrankreich.
Südfrankreich und die Côte d’Azur sind reiche Gegenden. Das zieht natürlich auch die Kriminellen an. Dabei sind Gelegenheitsdiebe wie auch organisierte Banden tätig. Vor allem sind diese Diebe auf Touristen spezialisiert. Im Zentrum größerer Städte ist es immer ratsam, die Zentralverriegelung zu schließen, insbesondere dann, wenn man im Stau steht.
Denn schon zwei Tage später geschah es: Die Ampel zeigte auf Rot, neben den Mercedes schob sich ein Motorrad, auf dem zwei junge Männer sassen. Plötzlich wurde die Wagentür aufgerissen. Der Mann auf dem Sozius, in der einen Hand ein Messer, ergriff mit der anderen blitzschnell die Handtasche unserer Mama. Unsere Mama klammerte sich an den Henkeln. Es kam zu einem Handgemenge, die Henkel rissen und die jungen Gangster brausten mit hoher Geschwindigkeit mit der Handtasche davon. Unsere Mama wurde bei dem Handgemenge verletzt. Nun hatte unsere Mama ein gröberes Problem. Unser Papa hatte unsere Mama eingeschärft sämtliche Ringe zuhause im Tresor zu lassen. Unsere Mama hat sich durch unseren Papa nicht verunsichern lassen und hat sämtliche Ringe mit Sicherheitsnadeln in ihrer Handtasche fixiert. Unsere Mama wollte in den Ferien auf ihre Wertgegenstände nicht verzichten. Somit war der Dritte Ehering weg.
***
Heimreise
Nach einigen Tagen traten wir die Heimreise an. Mit dem Auto ging es über Freiburg, Bern und über den Brünigpass nach Hause.
Anschliessend ging wieder in die Schule zur schwarzen Mamba.
Für meine Grossteiler Schulkollegen und mich war das Nikolaus Trinkeln der Schüler ein Höhepunkt des Jahres. Wollte man ein in der Oberstufe (7. 8. Schuljahr) ein Amt (Nikolaus, Knecht Ruprecht, Schmutzli, Beck oder Oberbeck ausüben war es unabdingbar, dass man jedes Jahr am Nikolaus Trinkeln teilnahm. Das Trinkeln fand jeweils vor dem 6. Dezember am Donnerstag statt.
In der 1. Klasse sass ich neben Paul Riebli. Paul war ein sehr angenehmer Banknachbar. Er mochte mich und ich mochte ihn. Ich kam mit allen Schulkollegen und Schulkolleginnen gut zurecht. Zum Teil hatte ich richtig gute Kollegen. Meine Mama interessierte sich immer sehr neben wem ich sass. Diesbezüglich konnte ich es ihr nie recht machen. Sie hatte an meinen Banknachbarn immer etwas auszusetzen. Ich habe das nie verstanden. Ich musste ja in die Schule und nicht sie. Meine Mutter war für mich die grössere Herausforderung als meine Mitschüler.
Schule hatten wir jeweils: Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag jeweils bis ca. 15.00 Uhr
Am Donnerstag und Sonntag hatten wir jeweils Schulfrei.
Uns wurde nie langweilig. Unser Papa und die Mama hatten für Willi und mich immer mehr als genügend (zu viel) Arbeit. Rasenmähen, Garten jäten, im Magazin wischen. Holz (Abschnitte von Bauholz, Schaltafeln usw.) mit der Karette in den Holzkeller transportieren.
Die schönste Jahreszeit war für mich damals für der Winter. Es gab keine Gartenarbeit und im Magazin mussten wir auch nicht arbeiten.
Die Hausaufgaben habe ich jeweils zwischendurch erledigt.
Am Mittwoch 15. April 1965 ging das 1. Schuljahr zu Ende. Ab Donnerstag hatten wir Osterferien.
Was war 1965?
Vorbemerkung: Einen Fernseher gab es in unserer Familie noch nicht.
Das Schweizer Fernsehen strahlte seine ersten Werbesendungen aus. Das verlockte wohl eher noch mehr ausländische Zuwanderer in das idyllische Bergland zu kommen. Gerade das hatte die Schweiz aber durch einen Bundesratsbeschluss abgeblockt. Die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte sollte verringert werden, nicht ansteigen. Erfreulich für die Deutschen war hingegen, dass in der Passierscheinfrage für die Oster- und Pfingstbesuche eine Einigung erzielt werden konnte. Die Menschen in beiden deutschen Staaten hatten sich noch längst nicht an die Mauer gewöhnt und aakzeptierten sie auch noch nicht gänzlich. Da war der Verwandtenbesuch umso willkommener. Großbritannien hatte schon längere Zeit Werbung im Fernsehen. Nun wurde dort aber die Tabakwerbung verboten. Ob sich dadurch der Zigarettenkonsum minimieren ließ, war zunächst nur eine Hoffnung.
- Klasse
Vorbemerkung:
Als Schuljahr wird die Zeitspanne bezeichnet, die ein Schüler benötigt, um von einer Klasse zur nächsten zu gelangen.
In der Schweiz blieb der Schuljahresbeginn lange uneinheitlich und wurde wohl durch die kulturellen Einflüsse der Nachbarländer bestimmt. Im Jahre 1965 ging der Kanton Obwalden, Nidwalden, Uri und Luzern, zum Spätsommerbeginn über. Ausschlaggebend für die Durchführung waren der Wille zur internationalen Anpassung sowie politische und wirtschaftliche Motive. Infolge der engen Verknüpfung mit dem Kirchenjahr und damit mit dem Datum der Ostertage waren die Schuljahre von unterschiedlicher Länge.
Die Erziehungsdirektorenkonferenz, als ein Gremium mit rein beratender Funktion, machte sich die Schulkoordination zur vordringlichen Aufgabe und befasste sich zu mehreren Malen mit der durch das Vorprellen der Innerschweiz entstandenen Diskrepanz unter den deutschsprachigen Kantonen. Sie setzte eine «Kommission für interkantonale Zusammenarbeit im Schulwesen» ein. Diese haben die Vereinheitlichung des Schuljahrbeginnes, des Schuleintrittsalters und der Dauer der obligatorischen Schulpflicht zum Inhalt und stellen sich wie folgt dar: 1. Schuljahresbeginn Es soll eine gemeinsame Regelung für die ganze Schweiz angestrebt werden, und zwar mit Schuljahresbeginn nach den Sommerferien. Die Umstellung soll in den einzelnen Regionen möglichst auf den gleichen Zeitpunkt, spätestens bis 1972, erfolgen.
Nach den Osterferien kam ich in die 2. Klasse. Ich ahnte noch nicht, dass wir im Verlaufe des neuen Schuljahres 4 x einen Lehrerwechsel haben würde.
1965 war es sehr schwierig genügend Lehrer und Lehrerinnen für den Unterricht zu rekrutieren.
Eine Klassengrösse von 60 Schüler wurde durch den Regierungsrat des Kantons Obwalden nicht mehr geduldet. Eine solche Klasse wollte auch Niemand unterrichten.
Unsere Klasse wurde deshalb aufgeteilt. Aus der 1. Klasse und der 2. Klasse wurden 3 Klassen gebildet. 2 reguläre Klassen und eine gemischte Klasse. Ich kam in eine gemischte Klasse. Wir 2. Klässler waren alle Jungs und die 1. Klässler waren alles Mädchen. Alle Jungs mit Namen im hinteren Alphabet kamen in die gemischte Klasse. Die Mädchen wurden willkürlich zugeteilt. So kam es, dass meine Schwester Veronika und ich im miteinander zur Schule gingen. Wir gingen gerne Miteinander in die Schule. Besonders viel mir die 1. Klässlerin Marietheres Steudler auf. Sie war eine sehr aufgeweckte Schülerin. Sie trug als Einzige eine Brille. Die hellblaue Brille unterstrich ihre intellektuelle Ausstrahlung. Ihre Mutter war Damenschneiderin, deshalb war Marietheres immer gut angezogen. Fast 20 Jahre später würden Marietheres und ich miteinander heiraten. Ich konnte damals noch nicht ahnen, dass wir das gesamte Leben gemeinsam meistern würden. Marietheres hat mich damals nicht beachtet und kann sich nur noch an meine Schwester erinnern. Ihr Fokus lag schon damals auf dem Lernen. Meine Interessen schon damals sehr breit gefächert.
Das neue Schuljahr begann mit der Schulmesse im Rudenz. 2 x bis 3 x mussten wir Grossteiler nach Rudenz in die Schulmesse. Das war nicht so unser Ding. Nach der Schulmesse marschierten wir in Zweierkolonne von der Kirche zu den Schulhäusern. Unser zugeteiltes Schulzimmer war im 1. Stock des Schulhauses 1860.
Der neue Lehrer Peter Ming begrüsste uns sehr herzlich. Er war uns/mir sofort sympathisch. Das konnte eine gute Zeit werden.
Die Schiefertafel wurde durch eine Kunststoff-Schülertafel ersetzt. Diese Tafel konnte mit Bleistift beschriftet werden. Gereinigt wurde diese mit einem feuchten Schwamm.
Das Schreibpult hatte eine leicht schräggestellte und aufklappbare Schreibplatte mit einem Loch für das Tintenfass. Schon bald wurde das Tintenfass mit dunkelblauer Tinte gefüllt. Anschliessend wurde die Schreibfeder verteilt und wir steckten die Schreibfeder in den Federhalter. Anschliessend wurde die Schreibfeder in die Tinte getaucht. Wir übten uns im Schreiben mit Tinte. Am Anfang war das ein mehr ein gekleckse.
Bevor es in die Sommerferien ging mussten wir uns von Peter Ming verabschieden. Peter Ming hatte das Lehrerseminar noch nicht ganz abgeschlossen und musste dieses noch abschliessen. Wir Zweitklässler wurden wieder der alten Klasse zugeteilt. Für uns Schüler war der Abschied von Peter Ming sehr schmerzlich.
Nach den Sommerferien mussten wir zu Schwester Anna-Pia in die Schule. Aufgrund ihrer schwarzen Ordenstracht nannten wir sie die Krähe. Charakterlich war sie nicht viel besser als die schwarze Mamba in der 1. Klasse.
Bis jetzt durchliefen wir mehrere Schreibphasen. Angefangen haben wir mit Griffel. Anschliessend folgten Bleistift und Schreibfeder. Bei der Krähe wurde im Herbst der Geha Füllfderhalter mit Tintenpatronen eingeführt. Diesen mussten die Eltern bezahlen. Teilweise waren meine Mitschüler ein wenig ungeschickt und steckten die Reservetintenpatrone verkehrt in das Schaftende. Am Anfang war Schwester Anna-Pia vor allem damit beschäftigt die Missgeschicke zu heben. Die Ungeschickten wurden durch Schwester Anna-Pia gerüffelt.
In der zweiten Klasse wurde damals grosses Gewicht auf die 1. Hl. Kommunion gelegt. In unserer Klasse waren alle katholisch. Vorab wurden wir von Pfarrer Josef Wyrsch in die 10. Gebote eingeführt und auf die Beichte vorbereitet. Damals trugen die Paffen noch die Soutane mit Stehkragen. Das gab ihnen die notwendige Autorität. Man diese Pfaffen mit Tittel anzusprechen. Bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts war die Soutane als Alltagsbekleidung eines Priesters der römisch-katholischen Kirche vor allem in Europa üblich. Entsprechend dem Anlass und der Hierarchiestufe des Geistlichen werden unterschiedliche Farb- und teilweise auch verschiedene Formgebungen in der Kirche benutzt.
Jede Gesellschaft braucht ihre Regeln, denn ohne sie läuft alles drunter und drüber. Das "katholische Grundgesetz" bilden die Zehn Gebote, die Moses einst auf dem Berg Sinai empfangen hat. Die Zehn Gebote enthalten eine Liste religiöser und ethischer Regeln, die im Judentum und im Christentum eine grundlegende Bedeutung haben. Die Kurzfassung der Zehn Gebote nach dem Katechismus der katholischen Kirche lautet: Ich bin der Herr, dein Gott.
- Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
3. Du sollst den Tag des Herrn heiligen.
4. Du sollst Vater und Mutter ehren.
5. Du sollst nicht töten.
6. Du sollst nicht ehebrechen.
7. Du sollst nicht stehlen.
8. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.
10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.
Beichtstühle stehen in vielen katholischen Kirchen. Darin können Katholiken dem Priester ihre Sünden beichten und Gott um Vergebung bitten.
Viele Beichtstühle sehen aus wie ein kleines Häuschen mit zwei oder mehreren Türen oder einem Vorhang. Dahinter verbergen sich zwei kleine Kammern. In einer von ihnen sitzt der Priester, in der anderen der oder die Gläubige, die etwas beichten möchte. Die Kammern sind immer voneinander getrennt, oft durch ein Gitter aus Holz. So können sich Priester und Büsser zwar hören, aber nicht sehen.
Für eine gültige Beichte müssen fünf Voraussetzungen gegeben sein: Gewissenserforschung, Reue, guter Vorsatz, Bekenntnis und Wiedergutmachung. Die Gewissenserforschung zielt vor der eigentlichen Beichte darauf ab, sich der Sünden und ihrer Umstände bewusst zu werden.
Diese fünf Voraussetzungen für eine gültige Beichte habe ich nach meinem Dafürhalten nie erfüllt. Aus diesem Grund habe ich mich auf das Gebot 4 beschränkt. Für mich habe ich das wie folgt ausgelegt: «du sollst Vater und Mutter ehren und wenn sie dich schlagen sollst du dich auch wehren.»
Vor der 1. Hl. Kommunion mussten die gesamte Klasse in die Kirche und jeder musste einzeln in der kleinen Kammer knien und seine «Sünden» beichten.
Durch den Pfarrer wurden die «Sünden» vergeben und zur Busse musste ich anschliessend im Kirchenbank knien und einige Gebete sprechen. Damals war es die Regel, dass man alle vier Wochen beichten sollte. Ich hatte ja nichts zu beichten. Ich stellte somit meine eigenen Regeln auf. Das letzte mal gebeichtet habe ich vielleicht in der vierten Klasse. Seit dieser Zeit habe ich nie mehr einen Beichtstuhl von innen gesehen.
Am Nachmittag vor den Weihnachtsferien hat uns die Krähe überrascht. Sie wollte uns Schüler eine Freude bereiten. Die Schule besass ein Episkop (Ein Episkop ist ein optisches Gerät zur Projektion von meist undurchsichtigen Medien bzw. Projektionsvorlagen. Dabei wird die Vorlage beleuchtet und das diffus reflektierte Licht über einen Spiegel durch ein Objektiv auf eine Projektionswand geworfen). Zuerst zeigte uns die Krähe einige Pflanzen. Dann zeigte sie uns die letzten Diktate. Zuerst von den Schülern die keine Schreibfehler gemacht haben. Es wurde gerätselt wer so gut war. Anschliessend wurden die Hefter von 3 Schülern gezeigt, bei welchen mehr rot als blau war (mit roter Tinte wurde korrigiert). Diese Schüler wurden von der Krähe richtig vorgeführt und gedemütigt. Ich war entsetzt. Auch nach über 55 Jahren erinnere ich mich ganz genau an die Namen meiner Mitschüler, welche von der Nonne vorgeführt wurden. Ich wusste nun wie Ordensleute funktionieren. Nächstenliebe ist für diese eine Worthülse.
Nach den Weihnachtsferien wurde der der Unterricht in der alten Zusammensetzung fortgesetzt. Wir haben der Krähe keine Träne nachgeweint. Wir waren sehr gespannt wer da wieder auf uns als Lehrkraft losgelassen wird. Es war ein Maturant aus Basel. Er hiess Stäuble, trug eine Hornbrille mit dicken Gläsern. Sein unverwechselbarer Basler Dialekt machte uns nicht wahnsinnig aber sein fehlendes pädagogisches Geschick trieb uns fast in den Wahnsinn.
An einem Samstagnachmittag kurz nach 13.00 Uhr demonstrierte er uns seine Autorität. Unsere Schulkollege Laurenz Moser hatte es fertig gebracht ihn zu provozieren. Für den Pädagogen war nun das Mass zu voll. Die Zeit ist nun gekommen ein Exempel zu statuieren und sich den notwendigen Respekt zu verschaffen. In Zukunft würde kein Schüler mehr aufmucksen oder den Herrn Lehrer kritisieren. Die ganze Klasse musste sich im Gang vor dem Schulzimmer aufstellen und zuschauen wie er nun gleich ein Exempel statuieren wird. Er packte Laurenz hinten am Hemdkragen und am Hosenbund, schaukelte ihn hin und her und schmiss ihn die Treppe hinunter. Nach dem Aufprall herrschte totenstille. Wir Schüler waren alle waren fassungslos, erschrocken, so dass wir zunächst nicht realisierten was geschehen war. Ich kann mich noch an die riesengrosse blaue Beule auf der Stirn von Laurenz erinnern und einige weiteren Schrammen. Ich habe noch nie eine so riesige Beule gesehen. Es war mehr als eine Beule, Laurenz hatte ein richtiges Horn. Langsam hat Stäuble begriffen, was er angestellt hat. Wir wurden ins Schulzimmer befohlen und mussten unsere Sachen packen und wurden vorzeitig in den Sonntag entlassen. Stäuble schloss das Schulzimmer ab, flüchtete mit seinem schwarzen Militärvelo zum Bahnhof und nahm den nächsten Zug nach Basel. Laurenz schleppte sich nach Hause. Laurenz Vater war ein autoritärer Mann und arbeitete bei den SBB als Zugführer. Dieser duldete die Erziehungsmethoden von Stäuble nicht. Zuhause wurde Laurenz notfallmässig versorgt. Für Albert Moser der Vater von Laurenz hatte nun oberste Priorität Stäuble zur Rede zu stellen. Albert Moser packte Laurenz auf den Gepäckträger seines Velos und gemeinsam ging es zum Schulzimmer von Stäuble. Stäuble war schon über alle Berge. Wie die Sache weiter gegangen ist entzieht sich meinen Kenntnissen.
Für alle Mitschüler war dieser Vorfall das Gespräch am Sonntag. Gestärkt gingen wir Schüler am Montag wieder in die Schüler. Wir Schüler haben die uns erteilte Lektion schneller gelernt als Stäuble träumen konnte. Nur gemeinsam, mit gleichen Rechten für alle, unabhängig von unserer Herkunft, sind wir stark. Wir liessen uns nicht spalten. Gewalt an einem Mitschüler konnten wir nicht akzeptieren. Die Zeit war reif für einen Aufstand der Anständigen. Das Exempel brachte für Stäuble nicht den erhofften Erfolg. Stäuble hatte seinen Zenit überschritten, er musste sich einen neuen Job suchen.
Nach den Osterferien wird Peter Ming seine Ausbildung abgeschlossen haben und er wird uns wieder unterrichten.
Der Weisse Sonntag ist der Sonntag nach Ostern und somit der zweite Sonntag der Osterzeit. In der katholischen Kirche ist der Weisse Sonntag traditionell der Tag für die gemeinsame feierliche Erstkommunion der Kinder. Für uns 2. Klässler war das damals das Jahreshighlight.
Die Vorbereitungen und die vielen Proben in der Kirche finde ich nicht besonders erwähnenswert.
Der Weisse Sonntag war an meinem Namenstag am 25. April 1965.
Persönlich habe ich diesen Tag als nervig empfunden. Weshalb hat mich dieser Tag genervt.
Das Trauerspiel hatte schon für über einem Jahr seinen Anfang genommen. Mein 14 ½ Monate älterer Bruder Willi wurde für den Weissen Sonntag neu eingekleidet. Die Jungs trugen damals am Weissen Sonntag eine Kleidung (Hose und Kittel aus denselben Stoff). Unsere Mama und Willi sind mit dem Auto ins Modegeschäft Felder gefahren um eine Kleidung zu kaufen. Soweit so gut. Aus Erfahrung wusste ich das ich das gute Stück einmal erben würde. Bei uns wurden die Kleider immer vom Älteren zum Jüngeren weitergegeben. Für mich war und ist das nachvollziehbar. Ich habe sie beauftragt beim Kauf auch an mich zu denken und eine hautfreundliche Hose zu kaufen. Als ich das gute Stück zu Gesicht kam, wusste ich dieses Stück ist alles andere als hautfreundlich. Schon aus grosser Distanz sah ich, dass dieser Stoff die Haut reizt. Dieser Stoff kratzt und irritiert die Haut.
Einige Wochen vor dem Weissen Sonntag fuhr meine Mama mit mir zum Modegeschäft Felder. Nun musste ich eine Kleidung probieren. Mich erstaunte es nicht, dass Frau Felder noch dieselbe Kleidung in verschiedenen Grössen wie Willi eine ausgewählt hatte in ihrem Angebot hatte. Mich interessierte lediglich ob die Hose kratzen würde. Das optische war mir egal. Ich probierte die Hose und diese kratzte fürchterlich. Frau Felder versicherte mir, dass die Hose nur 1 x gewaschen werden müsste und die Hose würde nicht mehr kratzen. Ich glaubte ihr kein Wort. Mein Bruder war in der Zwischenzeit etwas gewachsen meine Mama hat für Wille eine neue Kleidung in einer grösseren Nummer gekauft. Ich wollte dieses kratzige Ding nicht. Zuhause wurde Willis Kleidung in meinen Schrank gehängt. Ich würde am Weissen Sonntag diese kratzige Hosen anziehen müssen. Sträflinge hatten bequemere Kleidung. Ich schwor mir nie in meinem Leben würde ich eine Kleidung aus Wolle oder anderem kratzigen Stoff kaufen.
Wie ich schon geahnt hatte, hatte das Waschen der Hose nichts gebracht. Im Winter trugen wir damals lange Unterhosen. In der Not blieb mir nichts anderes übrig, als lange Unterhosen anzuziehen. Für die langen Unterhosen war es schon zu warm. Ich konnte auswählen zwischen Cholera und Pest. Am Weissen Sonntag mussten wir uns 08.45 Uhr bei der Kaplanei Grossteil für den Einmarsch in die Kirche besammeln. Meine Mutter ist dann auch noch aufmarschiert um zum Rechten zu schauen, die Krawatte ordentlich sass und das Einstecktuch/Pochette nicht verrutscht war. Meine Mutter sah aus wie eine Filmdiva. Sie trug weisse Handschuhe und einen Hut. Als meine Schulkollegen und Kolleginnen meine Mutter erblickten sind sie fast vor Ehrfurcht erstarrt. Einige fassten sich wieder und fragten wer das wäre? Sie wandten sich an mich und fragten mich ob ich diese Erscheinung kennen würde? Ich verneinte und äusserte mich dahingehend, dass ich keine Ahnung hätte und diese Frau noch nie gesehen hätte. Jemand aus meiner Nachbarschaft erkannte meine Mutter. In diesem Moment war mir das so peinlich, dass ich am liebsten in einem Erdloch verschwunden wäre. Im damals sehr ländlich geprägten Giswil einen solchen Auftritt zu wagen, war mehr als peinlich. Nach ihrem kurzen Auftritt ist sie dann wieder gegangen. Dieser Auftritt war kaum zu toppen.
Der weitere Verlauf der Feier verlief in gewohnter Manier und ist nicht besonders erwähnenswert.
Am Nachmittag mussten wir in die Kirche Rudenz zur Taufgelübdeerneuerung mit anschliessendem Klassenfoto.
Für das Klassenfoto wurde eine mobile und mehrstufige Holztribüne aufgestellt. Ich stellte mich zuoberst in der Mitte auf. Zuoberst gab es ein horizontales Geländer, so dass Niemand hinunterfallen konnte. Bis alle richtig platziert waren verging einige Zeit. Ich setzte mich demonstrativ auf das Geländer. Dies fiel meiner Mutter sofort auf und meine Mutter befahl meinem Bruder hinter die Tribüne zu gehen und mir zu befehlen, ich solle sofort aufstehen, wenn ich dies nicht machen würde hätte das entsprechende Konsequenzen. Mein Bruder fehlte mir noch in der Wurmbüchse. Ich stellte meine Ohren auf Durchzug und negierte ihn ganz einfach. Dem Fotographen ist das nicht aufgefallen. Aus diesem Grund bin auf diesem Foto weit aus der Kleinste der Klasse. Meine Mutter hat sich grün und blau geärgert und ich empfand dabei eine tiefe innere Befriedigung.
Nach den Osterferien ging es wieder in die Schule. Peter Ming erkannte seine Klasse nicht wieder.
Er fragte sich: «was haben die aus meinen Schüler nur gemacht.» In der kurzen Zeit bis zu den Sommerferien konnte er uns nur teilweise für die Schule begeistern. Es war nur noch Flickwerk.
Er hoffte, dass die Meisten die Kurve noch kriegen würden und er war sich auch bewusst, dass es für Einige nach der 3. Klasse einen angepassten Unterricht geben muss.
Peter Ming war sich bewusst, der Lernerfolg steht und fällt mit der Lehrperson. Dabei ist zentral, dass es ihr gelingt, zu den Schüler/innen eine gute Beziehung aufzubauen.
Ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis kommt allen Beteiligten zugute, sorgt es doch für ein lernfreundliches Unterrichtsklima. Und es hat einen weiteren Effekt, wie sich ein gutes Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern auf das Wohlbefinden und auf die Motivation der Lehrkräfte selbst auswirkt. Ein Ergebnis: Wenn die Kinder unmotiviert und undiszipliniert sind, steigert dies die emotionale Erschöpfung der Lehrkraft. Oder umgekehrt ausgedrückt: Eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung fördert auch die Gesundheit des Lehrers.
Es ist tragische, dass wir bereits in der zweiten Klasse die Erfahrung machen mussten, dass die Schule vermutlich der Vorort zur Hölle ist.
Soviel zur zweiten Klasse.
Was war 1966
In der UdSSR gab es einen Machtwechsel. Leonid Breshnew wurde Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU. Die Menschen in der Sowjetunion nahmen die neue Führung zunächst mit Zuspruch an. Breshnew, der Unantastbare, stand für politische Stabilität ohne Reformen. Die Welt wurde außerdem Zeuge der beginnenden, vom chinesischen Machthaber Mao Zedong eingeleiteten „Großen Proletarischen Kulturrevolution“, die durch die „Vollstrecker“, die Roten Garden, umgesetzt wurde. Von der Beseitigung staatlicher Missstände war die Rede. Schließlich wurden Massenkampagnen daraus, die auch zur Zerstörung wertvoller Kulturgütern führten.
Der technische Fortschritt zeigte sich überall. Der Start der Raumkapsel „Gemini 9“, in der sich zwei Astronauten befanden, von denen der eine sogar einen „Weltraumspaziergang“ unternahm, war ein Beweis dafür. Auf der Erde gab es natürlich ebenfalls technische Errungenschaften.
Immer wieder geriet der Vietnamkrieg in die weltweiten Nachrichten. Kein Wunder, denn es ging nicht nur um die Bombenabwürfe der US-Amerikaner. Inzwischen waren auch die Katholiken und Buddhisten in Südvietnam zerstritten und feindeten sich an. Zum Feind von außen kamen die inneren Feindschaften.
Das die katholische Bevölkerung in Italien zu großen Teilen kommunistisch organisiert war, behagte der Kirche nicht. Als Oberhaupt der katholischen Christenheit machte sich darum Papst Paul VI. auf, und besuchte eine Arbeiterversammlung. Ob er verloren gegangene Schäfchen zurückholen konnte, blieb fraglich. Aber der Versuch, zeigte immerhin, wie viel Boden die Kirche unter den Arbeitern verloren hatte. Da half wohl kein Beten, da half nur Präsenz vor Ort, um die sich der Papst also bemühte.
- Klasse
Nach den Sommerferien ging es in die 3. Klasse. Erneut wurde unsere Klasse neu zusammengesetzt. Wir Jungs von der 2. Klasse blieben zusammen. Neu ging ich mit Mädchen in die Schule, welche die 4. Klasse besuchten. Unter anderem waren 2 Kusinen von mir in der 4. Klasse. Zu meinen Kusinen pflegte ich keinen Kontakt. Mir passte das gar nicht. Es blieb mir nichts anderes übrig als mich in der Schule unauffällig zu verhalten. Meine Kusinen waren der Inbegriff von Klatschtanten. Sie wussten immer das Neuste. Zu allem Übel wohnte eine Kusine im Haus meiner Grossmutter, welche Witfrau war und die interessierte sich wirklich für alles. Für mich war das eine besondere Herausforderung. Meine Eltern hielten mich besonders an der kurzen Leine. In der 4. Klasse gab es zu viele Schnepfen. Das gibt keinen guten Klassengeist. Wir Jungs würden uns einmal mehr organisieren müssen.
Unsere neue Lehrerin hiess Hofstetter, sie war jung und nach meiner Beurteilung wäre sie sicher eine Sünde Wert gewesen, nur welche Lehrerin will schon einen 3. Klässler, da gibt es nur Ärger und Stress in mehrfacher Hinsicht. Die Lehrerin gab sich grosse Mühe besonders streng auszusehen, sie trug extra eine grosse, schwarze Hornbrille und hat ihre mittellangen und dunkle Haare zu einem Schwalbenschwanz zusammengebunden. Wir malten uns aus, wie sie ohne Brille und offenen Haaren aussieht. Ich gehe davon aus, dass sie vor uns gewarnt worden ist und sich deshalb sehr autoritär war.
Wir haben von Frau Hofstetter nicht erwartet, dass sie sich mit uns verbrüdert oder unser Kumpel wird. Als Schüler brauchen wir Klarheit und Orientierung. Die gute Frau hat das mit Zucht und Ordnung verwechselt.
Frau Hofstetter hat uns nebst den Hausaufgaben zusätzlich mit Strafaufgaben gegeisselt. Wir durften hundert Mal schreiben «ich darf den Unterricht nicht stören». Zu allem Übel musste diese Strafaufgabe von den Eltern unterschrieben werden. Für mich war das mit zusätzlichem Stress/Ärger verbunden. Da ist guter Rat teuer und ich war der Verzweiflung näher als mir lieb war, ich wünschte mir eine Lösung des Problems. Aus Erfahrung wusste ich Nachdenken hilft. Die Lösung lag auf der Hand. Meine Eltern waren viel beschäftigte Leute und ich wollte sie mit solchem Mist nicht weiter behelligen, also würde ich ab jetzt und in Zukunft alles in ihrem Namen unterzeichnen. Das Problem war vorerst gelöst.
Die Eltern haben das Recht, den Unterricht und Schulveranstaltungen ihrer Kinder zu besuchen. Zu der damaligen Zeit machte Niemand von diesem Recht Gebrauch. Eines schönen Tages eröffnete mir meine Mutter, dass sie demnächst mich in der Schule besuchen wollte. Ich habe mit Engelszungen auf meine Mutter eingeredet einen solchen Besuch zu unterlassen. Meine Schulkollegen würden mich nach einem solchen Besuch hänseln, ich hätte nichts mehr zu lachen, heute spricht man von Mobbing. Selbstverständlich war meine Mutter meinen vernünftigen Argumenten nicht zu zugänglich. Sollte ich gehänselt werden, so solle ich mich entsprechen wehren und meine Schulkollegen zur Brust nehmen. Ein Tsunami lässt sich nicht aufhalten, er wird zuschlagen, den genauen Zeitpunkt kennt man einfach nicht. Eines Tages war es soweit. Kurz vor Schlussschluss klopfte es an der Türe, ein Mitschüler öffnete die Tür und meine Mutter trat ins Schulzimmer. Meine Mutter kam zu mir ans Pult und begrüsste mich. Alle fragten sich was das für eine Frau sei, welche mich am Pult begrüsse? Ich sagte nur ich hätte keine Ahnung und kenne diese Frau nicht. Frau Hofstetter beendete den Schulnachmittag und ich verliess fluchtartig das Schulzimmer. Zum Glück mussten noch einige Kollegen, wegen Bagatellen nachsitzen, somit konnten sie mir am nächsten Tag berichten was für eine Tragödie sich zugetragen hat. Meine Mutter erkundigte sich über meine Leistung und mein Verhalten. Unter anderem wurde meine «wunderbare» Handschrift thematisiert. (Ich war Linkshänder. Zu der damaligen Zeit wurden Linkshänder meist wenig gesellschaftlich anerkannt und deshalb auf rechtshändig umgeschult). Frau Hofstetter meinte: «Sie kennen seine Arbeiten, sie haben diese auch unterzeichnet». Es kam wie es kommen musste. Meine Mutter ist völlig ausgerastet und hatte Ihre Wut nicht mehr im Griff. Erste Hilfe bei Wutanfällen gab es damals noch nicht. Es fehlte an fachlicher Hilfe und kompetenter Unterstützung. Vielleicht wäre sie auch in diesem Moment nutzlos.
Meine Mutter hat in ihrem Zorn sämtliche Hefte zerrissen und auch noch andere Hefte von meinen Schulkollegen zerrissen.
Aufgrund des traumatischen und belasteten Ereignisses, weiss ich nicht mehr was anschliessend im Detail zuhause abgegangen ist. Ich weiss nur noch, dass ich mit aller Härte sanktioniert worden bin und die zerstörten Hefte neu ausfertigen musste. Dieser Prozess dauerte gefühlt über Monate. Nach Ostern war dann Schluss. Frau Hofstetter hat /musste uns verlassen. Vermutlich musste sie gehen, weil ihr als Lehrerin jegliches pädagogisches Geschick fehlte.
Mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hatte ich damals eine dissoziativer Amnesie mit einer oder mehreren Gedächtnis-lücken. Diese Lücken umfasst mein ganzes Leben. Gestützt auf diesen Vorfall habe ich grosse Schwierigkeiten, Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Mein gesamtes Leben hatte ich eine gestörte Beziehung zu meiner Mutter.
Oft fragt man sich, ob es denn noch schlimmer kommen kann. Und dann passiert es - man kommt vom Regen in die Traufe.
Es kam noch schlimmer, nach Ostern wurde ein neuer Lehrer angestellt. Josef Bucher mit schwarzer Hornbrille, ein völlig autoritäres Arschloch. Er stellte hohe Anforderungen und ist auf die Bedürfnisse von uns Schüler nicht eingegangen. Er hat seine Anforderungen durch die Ausübung von Gewalt und den Einsatz von Drohungen und Strafen durchgesetzt. Damals gab es die Notenskala 1 – 4. 1 war die beste Note und 4 die schlechteste Note. Eigenmächtig hat Josef Bucher eine eigene Notenskale eingeführt. Seine Skale reichte von 1 -5. Mit dem Ergebnis alle Schüler hatten schlechtere Noten.
Trotz aller Widerwärtigkeiten war ich ein durchschnittlicher Schüler.
Vor den Sommerferien gab es das letzte Zeugnis. Diese Zeugnisse hatten es in sich. 4 Schulkollegen mussten nach den Sommerferien in die neu eröffnete Hilfsschule wechseln. Die Hälfte der Klasse konnte nach den Sommerferien nur bedingt die 4. Klasse besuchen. Das heisst die Leistungen mussten besser werden, sonst musste man in die Hilfsschule oder die Klasse wiederholen.
Ich muss nicht erwähnen, das Zeugnis entsprach nicht meinen erbrachten Leistungen. Ich empfand das Zeugnis als unfair und ungerecht. Das konnte nur noch besser werden.
Aufgrund eines weiteren traumatischen Ereignisses weiss ich nicht mehr was zuhause abgegangen ist. Ich entsprach in keiner Art und Weise den Vorstellungen und Wünschen meiner Eltern.
Was hat das mit mir gemacht:
Ich glaubte, mich erst mögen zu können, wenn ich meine "Mängelliste" abgearbeitet habe und ohne Fehl und Tadel bin. Vielleicht dachte ich sogar, dass ich meine Schwächen niemals beheben kann, sondern mein Leben lang minderwertig bleiben muss und einfach "nicht in Ordnung" bin.
Diese schlechte Meinung von mir führte dazu, dass ich
- Angst vor Ablehnung hatte,
- Angst hatte meine Meinung zu sagen,
- Angst hatte meine Bedürfnisse zu äussern,
- Forderungen abzulehnen,
- selbstbewusst aufzutreten, und, und ...
Ich forderte Perfektion von mir und traute mich erst gar nicht an neue Vorhaben, weil ich glaubte, es nicht zu schaffen. Ich versuchte meine Selbstzweifel hinter einer Maske von Unnahbarkeit und Kälte zu verbergen, die bei anderen als Arroganz ankommt.
Es blieb mir nichts anderes übrig als mir Asche auf meinen Kopf zu streuen und ein Büssergewand anzuziehen. Asche gilt als Zeichen der Trauer, Busse und Umkehr. Der graue Verbrennungsrückstand symbolisiert aber, vor allem im christlichen Zusammenhang, ebenso den Neuanfang und die seelische Reinigung.
Erreicht eine Lehrperson durch Strenge und Strafen vielleicht die Ruhe, die sie im Klassenzimmer braucht?
Aus der Forschung wissen wir, dass das nicht der Fall ist. Wenn eine Lehrperson ein Kind oder einen Jugendlichen abmahnt, also zum Beispiel Strafaufgaben aufgibt oder einen Störenfried vor die Tür setzt, haben diese Strafen langfristig gesehen überhaupt keinen positiven Effekt. Möglicherweise gibt es eine kurze Ruhephase, solange das Kind nicht im Klassenzimmer ist. Auch das ist aber nicht garantiert, viele Kinder wüten vor der Tür weiter. Häufig kommt es zu einem beziehungsschädigenden Pingpong-Effekt, weil das Verhalten der Lehrperson beim Kind neue Aggressionen auslöst.
Wir Jungs waren bereits in der 3. Klasse Schulmüde.
Schüler brauchen Klarheit und Orientierung
Zu einer menschlichen und lebendigen Pädagogik gehört es, als Lehrer klar und konsequent zu sein, selbst wenn die Schüler dies vordergründig als garstig und abweisend empfinden sollten. Es ist wohl die pädagogische Kunst schlechthin, als Lehrer einen klaren Weg zu finden zwischen natürlicher Autorität (Ausstrahlung) und autoritärem Gehabe. Schüler besitzen dafür empfindliche Sensoren und können durchaus unterscheiden, ob diese Ausstrahlung des Lehrers überzeugend oder nur vorgespielt ist.
Sie wünschen sich zu Recht einen Lehrer mit natürlicher Autorität, der sie beachtet, liebt, ernst nimmt, fördert, unterstützt und den sie gleichzeitig respektieren können. Auch sollte er neben fachlichem Wissen eine natürliche Empathiefähgigkeit besitzen. Gleichzeitig erwarten die Schülerinnen und Schüler, dass ein Lehrer sich durchsetzen und überzeugend Grenzen setzen kann, falls dieser von der Klasse oder von einzelnen Schülern in Frage gestellt werden. Indem Heranwachsende die Autorität des Lehrers testen, loten sie zugleich aus, wie weit sie selbst gehen können. Dies gehört zur Pubertät im Allgemeinen und zum „Spiel“ des Unterrichts zwischen Schülern und Lehrern im Besonderen.
Was war 1967
Die Schweiz hat sich im Sechstagekrieg, mit Israel solidarisiert. Dies führte bei den arabischen Staaten zu grosser Verstimmung und schliesslich zu einer diplomatischen Krise.
Am Morgen des 5. Juni 1967 begann Israel den Krieg mit seinen Nachbarstaaten Ägypten, Jordanien und Syrien. Ein Krieg, der nicht nur im Nahen Osten Folgen hatte. In der Schweiz sorgte der Konflikt für diplomatische Verwerfungen. Denn am Tag nach Beginn des Sechstagekriegs intervenierten acht arabische Staaten aufgrund einer Medienmitteilung beim Bundesrat.
«Ungewöhnlich häufige und heftige Stürme»
Besonders «wetterig» sind aber der Februar und der März. Am 23. und 28. Februar ziehen verheerende Stürme über die Schweiz, verwüsten Wälder, Häuser und Bauplätze. Im Witterungsbericht von Meteo Schweiz heisst es etwa: «Auf der Alpennordseite brachte der Februar neben hohen Temperaturen und Reichtum an Sonnenscheindauer ungewöhnlich häufige und heftige Stürme.» Ganze Wälder werden einfach zu Kleinholz zerlegt, in Zürich werden die bis dahin höchsten gemessenen Windspitzen von 135 km/h registriert, ist einem Eintrag im Sturmarchiv der Schweiz zu entnehmen.
- Klasse
Nach den Sommerferien ging es in die 4. Klasse. Erneut wurde unsere Klasse neu zusammengesetzt. Wir Jungs von der 3. Klasse blieben zusammen, ausser Jenen, welche in die Hilfsschule mussten. Zusätzlich kam Hermann dazu, welcher die 3. Klasse repetieren musste. Im Kleinteil gab es damals eine Aussenschule von der 1. bis 3. Klasse. Die Mädchen von dieser Schule absolvierten mit uns die die vierte Klasse.
Unser neuer Lehrer hiess Josef Kuster.
Kurzvorstellung / Merkmale von Josef Kuster:
- Liebhaber von sportlichen Autos. Besonders beeindruckt hat uns sein weisser
«VW Karmann-Ghia Typ 14»
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Wir Schüler vermuteten, dass der Bruder von Josef Kuster Garagier sei. Nur so konnten wir uns die verschiedenen, sportlichen Autos erklären. |
- Er erschien am Morgen in der Regel 5 Minuten vor Unterrichtsbeginn.
- 5 Minuten nach Schulschluss schloss er das Klassenzimmer und machte sich auf die Heimfahrt.
- Nachsitzen gab es nicht
- Den Turnunterricht übernahm der Klassenkamerad Arthur. Er war im Jugendturnverein und deshalb in hohem Masse geeignet und diese Lektion zu erteilen. Wir vermuteten, dass Josef Kuster einen Unfall im Militär hatte und deshalb keinen Sport treiben durfte. Uns hat das nicht gestört.
- Insgesamt war Kuster fair und korrekt zu uns.
In der Regel ist Josef Kuster 1 bis 2 mal pro Monat ausgerastet, vielleicht waren es auch Wutanfälle. Den Auslöser für dieses Verhalten konnten wir nicht ausfindig machen.
Um seinen Anfall unter Kontrolle zu bringen jagte er uns auf den Pausenplatz. Wir mussten dann auf dem Pausenplatz in verschiedenen Formationen Antreten. Beim Antreten mussten wir uns in «Reih und Glied» aufstellen. Dabei mussten wir auf die Geradlinigkeit der Reihen achten. Der Befehlshaber (Kuster) stand der Formationen gegenüber. Um dem ganzen einen weiteren Reiz zu verleihen, kommandierte Kuster uns in verschiedenen Formationen aufzustellen und das innert kürzester Zeit.
Das eigentliche Antreten beginnt mit dem Befehl Stillgestanden! und endet mit dem Rührt Euch!
Jeder höhere Offizier hätte bei diesem exerzieren gestrahlt. Wir haben diesen Mist erdulden müssen.
In der Regel war der Spuk nach 15 Minuten vorbei.
Vermutlich sollte diese Übung der Disziplinierung dienen.
Insgesamt war die 4. Klasse ein stressfreies und angenehmes Schuljahr. Ich war mit den Bewertungen meiner Leistungen zufrieden.
Alle Schulkollegen schafften den Übertritt in die 5. Klasse. Es wurde auch Niemand zurückversetzt.
Hier noch eine kleine Anekdote:
Josef Kuster hatte vermutlich den Auftrag gefasst für irgendeinen Anlass einen Beitrag beizusteuern. Eines schönen Nachmittages mussten einige ausgewählte Schulkollegen und ich in die Garderobe der Turnhalle. Dort warteten schon einige Mädchen auf uns. Von einer Frau erhielten wir eine Einführung von Volkstänzen.
Zur Vorbereitung einer Tanzprobe gehört nicht nur das Erlernen der ausgewählten Tänze, sondern
auch die Analyse der Struktur des jeweiligen Tanzes und das Zerlegen in sinnvolle Abschnitte. Danach
plant und übt der Tanzleiter das methodische Vorgehen, wie er der Gruppe den jeweiligen Tanz
beibringen will.
Die grundlegende Methodik zum Instruieren von Volkstänzen besteht aus folgenden Schritten:
1) Kurze mündliche Einstimmung
2) Ersten Abschnitt (z. B. 4, 8 oder 16 Takte) zuerst mit rhythmischem Sprechen vorzeigen, …
3) … dann mit rhythmischem Sprechen mit der Gruppe üben und wiederholen.
4) Den nächsten Abschnitt vorzeigen, üben und mit rhythmischem Sprechen die Abschnitte
zusammensetzen, bis die Gruppe die erste Figur (z. B. Satz A) flüssig tanzen kann.
5) Erste Figur (z. B. Satz A) mit Musik üben, ev. wiederholen.
6) Zweite Figur (z. B. Satz B) Abschnitt für Abschnitt vorzeigen, üben, zusammenfügen, wiederholen.
7) Zweite Figur (z. B. Satz B) mit Musik üben, ev. wiederholen.
8) Erste und zweite Figur mit Musik üben (z. B. AA BB A), ev. wiederholen.
Mir persönlich hat es noch recht gut gefallen diese Tänze kennen zu lernen.
In der Pause argwöhnten einige Schulkollegen, dass diese Tanzerei nichts für uns wäre und wir uns besser heimlich aus dem Staub machen sollten. Da ich kein Spielverderber sein wollte habe ich mich meinen Kollegen angeschlossen. Wir wurden nie mehr mit Volkstänzen behelligt.
Was war 1968
Kennedy wird während seines Wahlkampfs für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Ambassador Hotel in Los Angeles, Kalifornien, von einem pro-palästinensischen Nationalisten ermordet.
In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 rücken Truppen von fünf Warschauer Pakt-Staaten in die Tschechoslowakische Sozialistische Republik (CSSR) ein. Damit werden die als "Prager Frühling" bezeichneten Reformversuche der kommunistischen Partei der CSSR gewaltsam beendet.
In der Schweiz zeigte die Bevölkerung sofort Solidarität mit dem tschechoslowakischen Volk. Das Land nahm Tausende von Flüchtlingen ohne grosse Formalitäten auf.
Apollo 8 erreicht als erste bemannte Raumfähre den Mond.
Erste Ereignisse in der Schweiz waren die Besetzung des Lehrerseminars in Locarno im März 1968, die Demonstration für ein autonomes Jugendzentrum in Zürich am 13. Juni 1968 und der sogenannte „Globuskrawall“ in Zürich am 29. Juni 1968, der als Initialzündung der Bewegung in der Schweiz gilt.
- Klasse
Nach den Sommerferien ging es in die 5. Klasse. Erneut wurde unsere Klasse neu zusammengesetzt.
Die nächsten 2 Jahren werden wir eine reine Knabenklasse sein. Mit Meinrad Burch als Lehrer hatten wir das grosse Los gezogen. Folgende Fähigkeiten zeichneten ihn aus: ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten, Empathie und eine Leidenschaft für lebenslanges Lernen. Diese Eigenschaften förderten nicht nur eine positive und anregende Unterrichtsumgebung, sondern steigerten auch den Erfolg von uns Schülern und weckten die Freude am Lernen.
Wie wird man ein großartiger Lehrer?
Gute Lehrer geben Schüler mit schlechten Noten oder geringer Aufmerksamkeitsspanne nicht auf. Sie ignorieren oder langweilen auch keine Leistungsträger. Sie haben hohe Erwartungen, sind hochmotivierend und glauben an alle ihre Schüler. Gute Lehrer stellen nicht nur hohe Erwartungen, sondern fordern ihre Schüler auch heraus.
Meinrad Burch hat uns gefördert und auch gefordert. Für mich sollten es die zwei schönsten Schuljahre werden.
Schulsport was für Meinrad Burch wichtig. Er war überzeugt, dass Sport die positive Entwicklung von uns Schülern fördert und ein wichtiger Ausgleich im Schulalltag sein sollte. Im klettern (Stange und Tau) hatte ich fast keinen Konkurrenten. Weitere Spezialitäten von mir waren Hochsprung, Weitsprung und 80 m Schnelllauf. Der Rest hat mich weniger interessiert.
Damals wusste ich noch nicht, dass ich in ca. 3 Jahren von Meinrad Burch regelmässig vom Pausenplatz in die Turnhalle geholt werde um seinen Schülern eine Vorführung im Klettern zu geben.
Für meine Eltern war Sport etwas für Unterbeschäftigte. Sie haben mich immer mit genügend Arbeit eingedeckt, da blieb keine Zeit für weitere sportliche Aktivitäten. Für unsere Familie musste ich nach der Schule oft noch schnell in die Metzgerei, Molkerei, Bäckerei usw. Die diversen Einkäufe erledigte ich blitzartig mit dem Velo. Mit meinen Einkäufen war meine Mutter meist zufrieden. Ihre Ansprüche waren nicht ganz einfach zu erfüllen. Selbst meine Grossmutter hatte bemerkt, dass ich mit dem Velo rassig unterwegs bin Meine rassige Fahrweise hat sie beeindruckt. Velofahren hat mir den Kopf frei gemacht und Glücksgefühle ausgelöst. Kein Wunder, schliesslich konnte ich während der Fahrt den Wind um die Nase wehen lassen und den Gedanken einfach mal freien Lauf lassen.
Im weitern hatten wir einen sehr grossen Rasen, diesen musste ich jeweils am schulfreien Tag mähen. Wir hatten einen Benzinrasenmäher ohne Antrieb. Mit dem Rasenmähen war ich schon einige Stunden beschäftigt.
Meine Mutter hatte über 1'000 Rosenstöcke, welche 2 x im Jahr vom Gärtner gepflegt werden musste. Ich durfte / musste jeweils dem Gärtner handlangern. Der Gärtner Pius Rohrer war ein Schulkollege von meinen Vater. Sie besuchten zusammen das Kollegium in Sarnen. Pius Rohrer hatte seine Gärtnerei in Wilen, damit er nicht nach Hause fahren musste hat Papa Pius jeweils zum Mittagessen eingeladen. Ich kann mich erinnern, dass es zwischen Papa und Pius zu einem hitzigen Disput gekommen ist. Pius lobte meinen Arbeitseinsatz und war der Ansicht, dass was mein Vater mit mir mache sei Kinderarbeit. Als Kinderarbeit zählen jene Arbeiten, für die Kinder zu jung sind, die gefährlich oder ausbeuterisch sind, die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Kinder vom Schulbesuch abhalten. Sie beraubt Kinder ihrer Kindheit. Da ist er bei meinem Vater an die richtige Adresse gelangt. Mein Vater hatte für solche linken Vorstellungen kein Musikgehör.
Für mich hat sich nichts geändert.
In der Regel hate es in einem Garten auch Platz für Erholung/Nichtstun. Beim Garten meiner Eltern gab es das nicht. Liegestühle waren für uns ein Fremdwort. Obwohl die frühesten Erwähnungen von Liegestühlen auf die Bronzezeit zurück gehen. Liegestühle aus Holz wurden auch im alten Ägypten, Griechenland und Rom verwendet.
Schon damals wusste ich einen eigenen Garten ist für mich nie erstrebenswert insbesondere Rosen.
Im Magazin/Werkhof gab es auch immer zu tun. Vor allem wurde ich in meiner Freizeit mit Reinigungsarbeiten beschäftigt.
Ich liebte den Winter, da hatte ich ein bisschen Zeit mich zu erholen. Unser Vater hasste den Winter. Für seine Bauunternehmung war das die schwierigste Jahreszeit.
***
Vor genau 50 Jahren, am 21.August 1968, besetzten die Truppen des Warschauer Paktes die Tschechoslowakei und beendeten den "Prager Frühling." In der Schweiz protestierten Tausende, um ihre Solidarität mit den Tschechen und den dortigen Versuchen einer Demokratisierung zu zeigen. Die Schweiz wurde zu einem bevorzugten Zielland für tschechische Flüchtlinge.
Insgesamt flohen 13'000 bis 14'000 Tschechoslowaken in die Schweiz. Die Schweiz war damit das grösste Aufnahmeland in Europa. Die Schweizer Asylpraxis für tschechoslowakische Flüchtlinge war sehr liberal und wurde von einer grossen Solidaritätsbewegung unterstützt.
Diese Solidarität beruht sicherlich auch auf einem antikommunistischen Reflex. Dazu kam, dass es sich generell um gut ausgebildete Personen handelte, die von einem kleinen Land kamen, mit dem sich die Schweizer im weitesten identifizieren konnten, und mit dem die Schweiz nach der Machtübernahme durch Dub%u010Dek gute diplomatische Beziehungen unterhielt.
Paradoxerweise entfaltete sich diese Solidarität gegenüber den tschechoslowakischen Flüchtlingen ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem in der Schweiz eine Debatte zur «Überfremdung» durch Ausländer wütete. Diese war durch die so genannte «Schwarzenbach-Initiative» angestossen worden, welche die Zahl der Ausländer in der Schweiz reduzieren wollte. Interessanterweise hatte die Diskussion um die Ausländer in der Schweiz keinerlei Einfluss auf die Bereitschaft zur Aufnahme tschechoslowakischer Flüchtlinge.
Unter den Flüchtlingen, die in die Schweiz kamen, sind natürlich auch Kinder und Jugendliche. Deshalb haben wir im Herbst einen neuen Mitschüler mit dem Namen Roman Krepelka bekommen. Roman hatte noch einen jüngeren Bruder, welcher auch eingeschult worden ist. Da musste jeder einzelne etwas dazu beitragen, den Neuen oder die Neue willkommen zu heissen und zu integrieren.
Klingt aufwendig und schwierig, wäre es aber eigentlich gar nicht: «Man sollte offen und interessiert sein», «Woher kommt der Neue? Wie war die Schule dort? Wie wurden dort Feste gefeiert?» All das sind Fragen, mit denen man sein Interesse bekunden kann - schon das kann den Neuen helfen, sich nicht ignoriert und abgelehnt zu fühlen. Wenn es mit der Sprache noch nicht so gut klappt, kann man sich mit Gesten behelfen. Am Anfang haben wir die Unterhaltung etwas einfacher gehalten: «Kurze Sätze, leichte Wörter, nicht zu abstrakt.»
Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Menschen uns ständig anpassen müssen. Seit unserer Geburt passt sich nicht die Welt unseren Bedürfnissen und Vorstellungen an, sondern wir passen uns dem Leben auf diesem Planeten an, um schliesslich zu überleben. Wenn sich jemand gegen diesen Anpassungsprozess wehrt, stösst er auf eine Menge Probleme.
Wird sich das Kind weigern, mit seinen Eltern zu kommunizieren? Nein! Es erlernt deren Sprache, um überleben zu können.
Ähnlich verhält es sich mit einem Zuwanderer. Spricht man in seinem Zielland eine andere Sprache, ist es seine Aufgabe, diese zu erlernen. Sind die Sitten in diesem Land anders, muss er sie akzeptieren. Hat er aus seinem Heimatland Bräuche und Gewohnheiten mitgebracht, welche dort als normal gelten, aber im neuen Gastland unerwünscht sind, muss er diese ablegen.
Zuwanderer, welche sich weigern, die am Wohnort gesprochene Sprache zu erlernen und sich nicht an die Schweizer Rechtsordnung sowie an die hiesigen Sitten und Gebräuche halten und auf Kosten des Staates leben, sind nicht integrationswillig und haben in der Schweiz nichts verloren!
Bemühungen des Staates, mit dem „Giesskannenprinzip" von Förderungsprogrammen die vorhandenen Missstände zu beheben, müssen scheitern. Sie gehen falsch in der Annahme, dass die Menschen, welche in die Schweiz einwandern nur Hilfe brauchen, um sich gut integrieren zu können. Man vergisst dabei den Faktor „Mensch".
Integration heisst, dass der Zuwanderer im Bewusstsein um die Unterschiede der eigenen und der neuen Kultur die Rechtsordnung des Gastlandes anerkennt, auch die ungeschriebenen Gesetze respektiert und sich in die hiesige Gesellschaft einbringt. Im Gegenzug dazu sollte die einheimische Bevölkerung ihrem Gast vorurteilslos begegnen.
Die Integration beginnt im Herzen. Der Einwanderer muss sich zuerst integrieren WOLLEN! Zur Integration kann man niemanden zwingen. Wenn sich jemand gegen die Integration stemmt, muss er sich überlegen, ein anderes Land aufzusuchen.
Roman und sein Bruder gaben sich keine Mühe sich in der Schweiz zu integrieren.
Für Roman, seinen jüngeren Bruder und unseren Schulkollegen Vitus Bärenfaller war das der Start für ihre Laufbahn als Kleinkriminelle. Nach der Schulzeit habe ich diese unerträglichen Gesellen aus den Augen verloren. Ab und zu konnte man etwas über diese Typen in der Zeitung unter der Rubrik Gerichtsentscheide lesen.
Der Begriff Flüchtling löst bei mir immer noch eine Abwehrreaktion aus.
***
Am Donnerstag, 05. Dezember war Trinklertag. Der Trinklertag war für uns Schüler vom Grossteil im Kalender rot markiert. Ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe für uns Grossteiler war das der Höhepunkt des Schuljahres. Wir Fünft und Sechstklässler aus dem Grossteil hatten die grössten Treicheln, damit wir eine separate Gruppe bilden konnten. Nach dem Abmessen der Treicheln, die nach Grösse und Klang geordnet wurden, setzte sich unser Trychelzug in Bewegung und trychelte in langsamem Gleichschritt stundenlang durch den Grossteil.
Nach dem Trinklertag war ich dermassen kaputt und wollte nur noch unter die Bettdecke. Vorab verordnete mir Mami ein warmes Bad. Nach diesem anstrengenden Tag dient es zur Erholung. Die wohlige Wärme solle ein Gefühl des Wohlbefindens auslösen und kann die Muskelverspannungen lösen. Essen sollte ich auch noch, aber ich hatte keinen Appetit.
Nach dem Bad fühlte ich mich keineswegs besser. Ich bekam Bauchschmerzen im rechten Unterbauch, begleitet von Übelkeit und Fieber. In den nächsten Tagen wurde es immer schlimmer. Als nach einer Woche noch keine Besserung eintrat und der Fieberthermometer um die 40 Grad anzeigte fanden meine Eltern unser Hausarzt Dr. Wicki solle doch vorbeikommen und sich die Sache einmal anschauen. Den ab 40°C wird Fieber kritisch für den Körper: Organe und Gewebe können geschädigt werden und der Kreislauf versagen. Sehr hohes Fieber kann dann tödlich enden.
Zur damaligen Zeit gehörten Hausbesuche fast zur Tagesordnung eines Hausarztes. Diese fanden jeweils am Nachmittag statt.
Dr. Wicki kam um ca. 17.00 Uhr. Dr. Wicki hat mich kurz untersucht und die Diagnose sehr schnell gestellt. Er diagnostizierte eine akute Blinddarmentzündung, welche sofort operiert werden musste. Ich musste in den nächsten 2 – 3 Stunden operiert werden. Es kann auch heute noch um Leben und Tod gehen, wenn die Erkrankung zu spät entdeckt wird.
Dr. Wicki hat seinen Kollegen Dr. Gadola, welcher Chirurg ist angerufen und sich für 19.00 Uhr im Operationssaal im Spital verabredet.
Um ca. 18.00 Uhr sollte ich im Spital sein. Um 17.30 Uhr hockte ich hinten im Auto von Mami zur Abfahrt bereit.
Damals war es üblich, dass man eine Uhr vom Firmgötti auf die Firmung bekam. Ich war noch nicht gefirmt und hatte somit keine Uhr. Mami ist losgefahren und ist noch kurzerhand beim Uhrenmacher Edi Zumstein vorbeigefahren um für mich eine Uhr zu besorgen, damit ich im Spital wisse wie spät es sei. Mit dem Hinweis, dass diese Uhr nur leihweise sei, nach dem Spitalaufenthalte würde diese mein älterer Bruder Willi bekommen.
Wie vereinbart trafen wir um ca. 18.00 Uhr im Spital ein. Mami musste mich anmelden und Formulare ausfüllen. Ich wurde auf die Operation vorbereitet. Kurz vor 19.00 Uhr stieg ich auf den Operationstisch. Von diesem Moment habe ich tief und fest geschlafen. Damals kannte man nur die offene Operation. Heute wird der Blinddarm laparoskopisch entfernt. Mitten in der Nacht erwachte ich mit einem wahnsinnigen Durstgefühl. Im Gegensatz zu heute bekam ich nichts zu trinken. Ich habe die Flüssigkeit über den Venenzugang erhalten. Ich lag in meinen Mehrbettzimmer mit 3 anderen Patienten. Ich war mit Abstand der Jüngste im Zimmer. Neben mir lag ein alter Mann, welcher in einer der nächsten Nächte neben mir verstorben ist. Der Spitalaufenthalt dauerte damals etwa 10 Tage. Nach dem Spitalaufenthalt musste ich körperliche Anstrengungen während 8 Wochen vermeiden.
Als ich nach Hause kam hatte unser Papa in der Zwischenzeit einen Farbfernseher angeschafft. Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt keinen Fernseher. Damals war das der erste Farbfernseher in Giswil und kostete ein Vermögen. Heute würde man für das gleiche Geld etwa 5 grosse Fernseher erhalten. Wir konnten 3 Programme empfangen, nämlich Schweizerfernsehen, Télévision Suisse Romande und TV Svizzera Italiana.
Zuhause musste ich mich weiter erholen und konnte erst nach den Weihnachtsferien wieder in die Schule.
Am letzten Schultag vor Weihnachten hat mich unser Lehrer für die kleine Weihnachtsfeier in unserem Schulzimmer zuhause mit dem Auto abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Dieses Engagement habe ich nie vergessen.
Die 5. Klasse war für mich ein stressfreies Schuljahr.
***
Nun will ich etwas über meinen älteren Bruder Willi schreiben. Willi wurde erblickte am 06. April 1956 im Spital Sarnen das Licht der Welt.
Wie funktionierten mein älterer Bruder und ich innerhalb der Familie.
Willi bekommt als Erstgeborener zunächst die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Eltern, auch im Hinblick auf Ressourcen. Alle Kraft wird auf das erstgeborene Kind verwendet, alle Erwartungen und Hoffnungen für die Zukunft sind auf diesen Sohn gerichtet. Erstgeborene sichern sich in der Regel die Zuwendung der Eltern, indem sie deren Erwartungen verinnerlichen und erfüllen. Weil Erstgeborene sich ihren Eltern sehr verbunden fühlen, übernehmen sie häufig auch deren Wertesystem. Sind die Eltern eher konservativ, wird der Erstgeborene es meist auch. Diese ältesten Geschwister respektieren Autoritäten mit grösserer Wahrscheinlichkeit als später Geborene, egal, ob es dabei um Eltern geht, um Lehrer, Chefs oder die Staatsmacht. Erstgeborene richten sich mehr nach gesellschaftlichen Konventionen und sind meist fleissig und zielstrebig. So wie ihre Eltern es sich wünschen.
Das zweitgeborene Kind wird ein Stück weit in "ein gemachtes Nest" hineingeboren und muss sich deshalb nicht in allem den Weg bahnen. Zweitgeborene haben den Ruf, unbekümmerter, sozialer und lebenslustiger zu sein als ihr älteres Geschwisterkind. Die Erwartungen der Eltern an das zweitgeborene Kind sind oft etwas weniger hoch, was ihm mehr Freiheit lässt, den eigenen Weg zu gehen. Das zweite Kind eifert meist weniger seinen Eltern, sondern vielmehr seinem grösseren Geschwisterkind nach und steht dadurch nicht so sehr unter Druck, alles perfekt hinkriegen zu müssen. Aufgrund des gleichen Geschlechts und des geringen Altersunterschieds, kann ein harter Konkurrenzkampf unter den Geschwistern entbrennen. Manch ein Erstgeborenes reagiert ziemlich heftig auf das Geschwisterkind, das ihm den Thron streitig macht.
Mein Bruder Willi besuchte die fünfte und sechste Klasse bei Walter Abächerli. Die fachlichen Kompetenzen von Walter Abächerli hatten sicher noch Luft nach Oben. Was gab es für Möglichkeiten nach der Primarschule? Gymnasium, Sekundarschule, Realschule und Abschlussklasse. Das Gymnasium konnten damals nur die allerhellsten Schüler besuchen. In einer Klasse waren das vielleicht 2 bis 3 Schüler. Die Sekundarschule absolvierten höchstens ein Drittel einer Klasse. Für die Sekundarschule musste eine Aufnahmeprüfung absolviert werden. Diese Prüfung mussten alle Schüler machen. Die Prüfung fand jeweils nach den Osterferien statt. Anfangs Juni stand jeweils fest wer mit wem nach den Sommerferien in die Schule gehen wird.
Die Aufnahmeprüfung in die Sekundarschule haben von der gesamten Klasse lediglich 3 Schüler geschafft. Mein Bruder gehörte nicht zu den Auserwählten.
Bei uns zuhause herrschte Weltuntergangstimmung. Unsere Eltern wollten meinem Bruder Willi möglichst eine gute Schulausbildung ermöglichen. Es gab die Möglichkeit einer Privatschule auf Sekundarstufe in einem Internat. Meine persönliche Meinung war nicht gefragt, da ich auch nicht betroffen war. Persönlich habe ich ein Internat als die dümmste von allen möglichen Lösungen angesehen. Die Schulpflicht dauerte 8 Jahre. Kindergarten gab es in Giswil noch nicht. Als Eltern hätte ich folgende Lösung angestrebt. Willi soll die Realschule mit seinen Kollegen absolvieren und anschliessend die 3. Realschule in Lungern absolvieren. Mit 3 Jahren Realschule wäre es ihm auch möglich gewesen einen anspruchsvollen Beruf zu erlernen.
Für meine Eltern war das keine Option. Vermutlich ging es auch nicht um Willi sondern um das Ego meiner Eltern. Ich hatte immer das Gefühl das unser Papa diesbezüglich vernünftiger ist. Für meine Mutter war das ganz schlimm, dass wir nicht die allerbesten Schüler waren.
Dummerweise sind die allermeisten Menschen aber durchschnittlich, was Talent und Intelligenzquotient betrifft. Nun, das liegt in der Natur der Sache: In einer hinreichend grossen Grundgesamtheit liegen die meisten Messpunkte immer nahe beim Durchschnitt. Fast alle Menschen haben einen IQ zwischen 85 – 115, also um die 100 rum. Den Anteil von Genies oder völlig Minderbemittelten schätzen Experten auf nur 2 bis 5 Prozent. Dasselbe Prinzip gilt für Talente aller Art. Es wird deshalb schwierig, wenn sich die Mehrheit der Erdlinge innerhalb dieser 2 bis 5 Prozent der Gesamtmasse ansiedelt. Unweigerlich kommt es zu Frust und Überforderung. Es wächst ein Gefühl von nicht zu genügen – was nicht selten in Depressionen, Wahrnehmungsstörungen und anderen psychischen Krankheiten endet. Und dies traurigerweise schon bei Kindern und insbesondere bei Heranwachsenden. Diese prägende Zeit des Umbaus während der Pubertät, die gepflastert ist mit Unsicherheit und Selbstzweifel. Dabei ist die Rechnung eigentlich einfach: Für die Höhenflüge der Elite braucht es Bodenpersonal. Ganz viele von uns Normalos also. Deswegen breche ich jetzt hier mal eine Lanze für alle Mittelmässigen und Durchschnittstypen. Denn wie heisst es so schön, wie leise wäre es im Wald, Ich finde es wichtig, dass gerade Eltern den Kindern vermitteln und vorleben, dass Normalsein ganz wunderbar ist. Dass man auch mit einer 4-5 durchs Leben kommt und Makel, Schwächen und Fehler zum Leben dazugehören. Wir Eltern sollten als Vorbild vorausgehen, zu uns stehen und der Welt erklären: Ich bin einer unter vielen und das ist gut so. Ich habe keine Rekorde gebrochen, keine Goldmedaille gewonnen, ich habe nichts erfunden und konnte die Welt nicht retten. Doch auch das kleinste Rädchen im Getriebe ist wichtig, damit der Rolls-Royce rollen kann. Geben wir unseren Kindern mit auf den Weg, dass sie okay sind, wie sie sind, auch wenn sie nur für die Menschen, die sie lieben, etwas Besonderes sind. Wichtig scheint mir, dass sich Erwachsene, wie Kinder und Jugendliche, ab und zu die Frage stellen: Wer bin ich, wenn ich Niemand sein muss?
Meinen Eltern wurde ein Internat in Celerina empfohlen. Nach den Sommerferien sollte mein Bruder dieses Internat besuchen.
Anreise war am Samstagnachmittag am Ende der Sommerferien. Der ordentliche Schulbeginn war am Montag. Der Sonntag sollte dem Kennenlernen und Angewöhnen dienen.
Meine Eltern machten sich mit Willi und mir mit dem Auto auf den Weg nach Celerina. Aus welchen Gründen ich sie dabei begleiten musste ist mir bis heute ein Rätsel geblieben. Möglicherweise sollte es der Abschreckung dienen, dass ich unter aller Umständen im kommenden Schuljahr die Aufnahmeprüfung bestehen müsse. Die reine Fahrzeit mit dem Auto von Giswil nach Celerina dauerte damals 5 ½ Stunden. Damals gab es nur wenige Kilometer Autobahnen. Mit dem Zug hätte die Anreise 6 Stunden gedauert. Gegen 15.00 Uhr sind wir im Internat eingetroffen. Als ich das Gebäude sah, wäre ich gar nicht ausgestiegen und wieder heimgefahren. Das kann man doch keinem Kind antun. Meine Eltern sahen das anders. Nach einer Stunde haben wir uns wieder auf den Heimweg gemacht. Mir hat es fast das Herz zerrissen, ich musste hart bleiben und keine Emotionen zeigen. Bei uns wurden keine Weicheier geduldet.
Auf dem Heimweg fand unser Papa er könnte seinem Studienkollegen Steiner, welcher in Flims ein Architekturbüro führte einen kurzen Besuch abstatten. Die Wiedersehensfreude von Steiner war riesig. Er hat uns eingeladen bei seiner Familie zu übernachten. Ich hätte sehr gerne darauf verzichtet. Ich muss nicht erwähnen, dass ich immer noch Private Übernachten verabscheue. Entweder gehe ich ins Hotel oder fahre nach Hause. Nach dem Frühstück sind wir dann endlich nach Hause gefahren.
Am Montag hat für mich die 6. Klasse begonnen.
Was war 1969
Ein weltbewegendes Ereignis hatte die Menschen in Erstaunen versetzt. Am 20. Juli landeten zum ersten Mal Menschen auf dem Mond. Einen Tag später betrat ihn der erste Erdenmensch
Neil Armstrong, der amerikanische Astronaut der Mission Apollo 11 sprach die legendären Worte: „Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.“ Sein Astronauten-Kollege Buzz Aldrin betrat kurz nach Armstrong den Mond. (Dieses Ereignis habe ich am Fernsehen live mitverfolgt). Wenige Monate später, am 19. November, war es wiederum ein Amerikaner, der im Rahmen der Mission Apollo 12 den Erdtrabanten betrat: Charles Conrad, der dritte Mensch auf dem Mond. Die Amerikaner waren in einem Rausch der Begeisterung und die Welt jubelte mit. Wie laut der Jubel in der Sowjetunion war, ist nicht überliefert.
Auf der Erde war 1969 auch das Jahr des Woodstock-Musikfestivals, der Stonewall-Unruhen für die Rechte von Homosexuellen und der Tate-LaBianca-Morde durch Anhänger von Charles Manson .
Ärger und Gewaltausbrüche gibt es beim Fußball ja öfters. Doch im Sommer 1969 lösten mehrere Hin- und Rückspiele zwischen El Salvador und Honduras, bei denen die benachbarten Staaten um die Qualifikation zu den Weltmeisterschaften 1970 rangen, sogar einen kurzen Krieg aus, den sogenannten Fußballkrieg. Am 14. Juli begann El Salvador mit Luftangriffen auf Honduras, Bodentruppen und Gegenschläge folgten. Am 18. Juli endete der Konflikt nach hundert Stunden mit dem Eingreifen der Organisation Amerikanischer Staaten. Zwischen 4.000 und 5.000 Menschen waren gestorben, Tausende verletzt worden.
Atomkraft und das Internet
Das Jahr 1969 markierte auch bedeutende Meilensteine in der Atomkraft und der Informationsübertragung. Die Atomkraft gewann an Bedeutung, und innovative Technologien wurden entwickelt, um die zukünftige Energieversorgung zu revolutionieren. Gleichzeitig wurde das Internet geboren. Die erste Nachrichtenübermittlung zwischen zwei weit entfernten Rechnern legte den Grundstein für das heute allgegenwärtige Netzwerk.
Wissenschaft und Technik prägten das Jahr 1969 maßgeblich. Von der Einführung des Jumbo-Jets und der Concorde bis zur Entwicklung der Atomkraft und der Geburt des Internets – diese technologischen Fortschritte veränderten die Welt und sind bis heute wichtige Bestandteile unseres Alltags.
Als die Schweiz knapp einer Atomkatastrophe entging
Am 21. Januar 1969 explodierte im Kanton Waadt ein AKW-Reaktor. Ein schwerwiegender Atomunfall, der kaum Beachtung fand. In Lucens, einem 4000-Seelen-Dorf im Waadtland, stand einst das erste stromproduzierende Atomkraftwerk der Schweiz.
In den 1960er-Jahren wurde hier ein Versuchs-AKW gebaut – mit dem Ziel, einen eigenen Schweizer Reaktortypen zu entwickeln. Aus Sicherheitsgründen war das AKW in Felskavernen untergebracht und nur durch einen Tunnel mit der Aussenwelt verbunden.
Schweizer Atomreaktor Marke Eigenbau
Der Reaktor funktionierte mit Natur-Uran. Angereichertes Uran, wie es in heutigen AKWs verwendet wird, konnte man damals nur in den USA erwerben. Die Schweiz wollte zur Zeit des Kalten Krieges aber unabhängig sein und setzte auf ihr eigenes System. Eine Fehleinschätzung: Das AKW hatte zwar einige Monate testweise ein wenig Strom erzeugt. Nach Pannen und einer Revision sollte es am 21. Januar 1969 für den definitiven Betrieb hochgefahren werden. Es kam plötzlich zu einer automatischen Schnellabschaltung. Kurz darauf hätten die Operateure im Kontrollraum eine Explosion gehört. Weil das Kühlsystem versagt hatte, erhitzten sich die Brennstäbe und fingen Feuer. Es kam zu einer Teil-Kernschmelze. Schliesslich explodierte der Reaktor. Radioaktives Material wurde durch die Kaverne geschleudert und gelangte durch undichte Stellen bis in den Kontrollraum. Die AKW-Mitarbeiter haben rechtzeitig das Notabluftsystem eingeschaltet. Auch die Sicherheitsschleusen funktionierten. Es gelangte kaum Radioaktivität nach draussen, niemand wurde verstrahlt. Doch der Reaktor war zerstört, das AKW im Berg stark verstrahlt. Der damalige AKW-Direktor Jean-Paul Buclin sagte 2003 in einem Dokumentarfilm, dass man unter dem Reaktor 2000 Röntgen pro Stunde gemessen habe. Zugelassen waren fünf Röntgen pro Jahr. Der Atomunfall von Lucens gilt als einer der schwereren weltweit. Auf der INES-Skala zur Bewertung von nuklearen Ereignissen wird er auf Stufe 5 von 7 angesiedelt und als «ernster Unfall» bewertet. Trotzdem warf der Vorfall in Lucens vor 50 Jahren kaum Wellen. Nicht einmal die Anwohner protestierten, nachdem sie einen Tag danach aus dem Radio davon erfahren hatten. Bald war der Unfall vergessen. Das liegt daran, dass die Atomenergie damals noch nicht hinterfragt wurde. Heute ist das Versuchs-AKW von Lucens längst dekontaminiert und zum Teil zubetoniert. Nachweisen lässt sich der Atomunfall aber noch immer.
Die Schweiz will 1969 der Europäischen Menschenrechtskonvention beitreten. Allerdings, ohne die politische Gleichberechtigung von Mann und Frau zu garantieren. Den Schweizerinnen platzt endgültig der Kragen.
In der Politik konzentrierte sich kriegerisches Geschehen auf Vietnam und auf die unerbittlichen Kämpfe im Nahen Osten. Zahlreiche Vergeltungsschläge gegen Israeli in aller Welt zeigten die grausame Unberechenbarkeit arabischer Guerillas. Noch kein Ende fand der schreckliche Bürgerkrieg in Biafra, die Not der Bevölkerung wächst täglich. Als neuer Unruheherd trat Nordirland immer mehr hervor, die konfessionellen Unruhen drohen, sich zum Bürgerkrieg auszuweiten.
1969 und 1970 gelangte die Schweiz unvermittelt ins Visier von palästinensischen Terroristen. Drei Anschläge auf den Schweizer Luftverkehr erschütterten das Land. Bei den Anschlägen der palästinensischen Terroristen verloren insgesamt 51 Menschen, darunter ein Terrorist, das Leben. Zwei Flugzeuge der Swissair wurden dabei zerstört.
- Klasse
Nach den Sommerferien ging es in die 6. Klasse. Wir durften noch einmal ein Jahr zu Meinrad Burch in die Schule.
Seit der 4. Klasse wurde ein Notensystem von 1 bis 6 angewandt, wobei 6 die Bestnote darstellt (die jedoch sehr selten erreicht wird) und eine 4 die untere Bestehensnote ist. Die Abstufung erfolgt in Halben- oder Viertelschritten.
Die mantraartige Aussage von Mami, dass ich die Aufnahmeprüfung in die Sekundarschule zu bestehen habe, weil für mich kein Geld vorhanden sei und die Schule von Willi ein Heidengeld verschlingen würde war für mich sehr zermürbend. Meine Mama konnte mir mit ihrer Art den letzten Nerv rauben. Ich hatte ja auch gar keine Ambitionen in ein Internat zu gehen, ein Internat kam für nicht in Frage, ich würde es schon schaffen. Ich machte mir darüber nicht allzu viele Gedanken.
Am Donnerstag, 04. Dezember war Trinklertag. Dieser Tag war ein bisschen mit Wehmut verbunden, es war das letzte Mal dass ich mit einer Treichel in langsamen Gleichschritt stundenlang durch den Grossteil gelaufen bin.
Der Übertritt in die Sekundarschule erfolgte mittels Aufnahmeprüfung. Es wurden folgende Fächer geprüft: Kopfrechnen, Rechnen schriftlich, Schreiben eines Aufsatzes zu einem vorgegebenen Thema, Diktat und Grammatik Überprüfung.
Ich habe bereits erwähnt, dass ich ein umerzogener Linkshänder bin. Wenn Linkshänder mit rechts schreiben, kann das schwerwiegende Folgen haben, wie etwa Konzentrationsschwierigkeiten.
Das Aufnehmen und Behalten von Lernstoffen ist für viele umgeschulte Linkshänder sehr schwierig. Es wird mehr Zeit gebraucht, um sich Inhalte zu merken und es werden viele Einzelheiten durcheinandergebracht.
Am meisten treten folgende Schwierigkeiten bei umgeschulten Linkshändern auf:
- Buchstaben und Zahlenverdreher beim Schreiben und Lesen,
- Flüchtigkeitsfehler in Diktaten – ansteigende Zahl der Fehler im Vergleich zur Länge des Diktates,
Umgeschulte Linkshänder machen diese Verdrehungs-Fehler auch noch in späteren Schuljahren, besonders wenn sie unter Stress stehen oder schon sehr erschöpft sind.
Obwohl ich schon Rentner bin mache ich bei Stresssituationen immer noch ab und zu Verdrehungsfehler. Ich habe gelernt mit dieser Schwäche zu leben.
Meine Stärken und Schwächen waren mir bestens bekannt.
Im Kopfrechnen und Rechnen schriftlich gehörte ich zu den Besten. In diesem Fach konnte ich davon ausgehen, dass ich eine Fünf oder besser haben werde. Meine Aufmerksamkeit galt dem Zahlenverdreher. In Stresssituationen war das gut möglich. Da ich im Rechnen sehr gut war konnte ich auch bei einem Zahlverdreher von einer 5 ausgehen.
Ich war mir bewusst, dass ich beim Aufsatzschreiben vor allem der Satzstellung die notwendige Beachtung schenken musste und die Rechtschreibung beachten. Das war für mich nicht ganz einfach. Ich konnte einen Satz mehrmals lesen und für mich klang es nicht holperig. Auch in diesem Fach konnte ich von je nach Wohlbefinden von einer genügenden Note ausgehen. Beim Diktat wurde es eher schwierig, je nach Tagesverfassung und Text ist eine genügende Note möglich. Ich kann mir aber auch eine 3 leisten, weil ich diese Note mit dem Rechnen kompensieren kann. Bei der Überprüfung der Grammatik liegt auch eine genügende Note drin.
Nach den Fasnachtsferien hat unser Lehrer Burch eine Testprüfung 2019 für die Vorbereitung zur Aufnahmeprüfung der Sekundarschule durchgeführt. 1/3 unserer Klasse hat diese Testprüfung bestanden. Ich gehörte dazu.
Diese Testprüfung kann wichtige Informationen über den Leistungsstand der Lernenden liefern. Wenn die Rückmeldung zeitnah erfolgt, können Tests ein entscheidendes Hilfsmittel zur Selbsteinschätzung für die Lernenden sein und ihnen zu mehr Erfolg verhelfen.
Unserer Lehrer hat mit uns Schülern die meist gemachten Fehler besprochen und geübt. Mit dieser Testprüfung hat er uns bei uns Schülern auf die eigentliche Prüfung hingeführt.
Nach den Osterferien fand die Aufnahmeprüfung statt. Ich muss nicht erwähnen, dass es unsere Mama nicht versäumt hat mir nochmals den Tarif durchzugeben und mir die Konsequenzen eines allfälligen Misserfolges erklärt hat. Ich könnte dankbar sein, wenn ich vielleicht bei der «Güselabfuhr» arbeiten könnte, zu mehr wäre ich gar nicht fähig. Sollte es tatsächlich soweit kommen würde ich mich dannzumal bei der Fremdenlegion melden.
Die Fremdenlegion ist eine Eliteeinheit der französischen Armee, die ausschließlich aus ausländischen Freiwilligen besteht. Sie wird in erster Linie für Auslandseinsätze und Kampfmissionen eingesetzt.
Anforderungen und Bedingungen der Fremdenlegion
- Mindestalter: 17 Jahre mit elterlicher Zustimmung, ansonsten 18-40 Jahre.
- Grundkenntnisse der französischen Sprache.
- Männer und Frauen sind zugelassen, allerdings sind die meisten Mitglieder Männer.
- Gültiger Reisepass und Identifikationsdokument.
- Keine schweren Vorstrafen.
Wenn es ganz schlimm kommen würde, so hätte ich für mich eine mögliche Alternative.
Soweit ist es nicht gekommen. Meine Eltern waren nach meiner Wahrnehmung ganz kribbelig, bis das Prüfungsergebnis vorlag. Ich war sehr zuversichtlich, dass ich bestanden habe.
Anfangs Juni bekamen meine Eltern den ersehnten Brief, dass ihr Sohn Markus am August die Sekundarschule besuchen kann.
Am Montag nach den Sommerferien hat für mich die Sekundarschule begonnen.
***
Wie geht es Willi im Internat?
Geschwisterbeziehungen sind reich an Konflikten, die verbale, versteckte und körperliche Gewalt beinhalten.
Als Willi das erste mal in den Herbstferien nach Haus durfte, war diese Zeit reich an Konflikten und körperlicher Gewalt gegenüber von mir. Gefühle von Eifersucht, Zwietracht und Neid steigern das innere Potenzial der Aggression, bis es nicht mehr zum Aushalten ist. Am Ende entlädt sich die Gewalt gegen den brüderlichen Rivalen. Abneigungen, Ablehnungen, Feindschaft und Rivalitäten gehören zum täglichen Brot, sobald mehr als ein Kind mit Mutter und Vater aufwächst. Geschwister bilden emotional bedeutsame Beziehungen untereinander und können die Gegensatzspannung von Liebe und Hass aushalten. Neutralität gibt es kaum.
Ich war froh, als die Herbstferien vorbei waren und Willi wieder ins Internat musste.
Das Skigebiet von St. Moritz verfügt über 300 Pistenkilometer und über 50 Lifte. Dieses Skigebiet beinhaltet die Skigebiete Corviglia, Corvatsch und Diavolezza sowie mehrere kleinere Gebiete.
Wer zieht nicht gerne als Erster die Spuren in den Schnee und wedelt die frisch präparierte Piste hinunter? Das Internat war direkt an der Piste.
Zu Weihnachten hatte ich neue Authier Skis aus Metall erhalten. Damals war Authier die Nummer eins in der Schweiz. Die Rennski wurden von Rossignol hergestellt, die für Geschwindigkeitswelt-rekorde von Authier. Mit einem "Authier-Compétition" erreichte Pino Meyer, ein italienischer Rennfahrer, 1975 über 194 km/h; Zwei Jahre später brachen sie den Rekord mit fast 196 km/h – mit 2,5 Meter langen Skiern.
Die üblichen Skibindungen bis in die 60er Jahren waren mit Kabelstrammer und Seitenfixierung durch Backen. Meine Skis waren schon ein bisschen moderner und waren eine Kombination aus Frontautomat (Sicherheit) und Kabelzug. Bei einem Unfall sollte sich der Frontautomat auslösen. Dieser Frontautomat sollte bei Stürzen oder hoher Gewalteinwirkung rechtzeitig ausgelöst werden und die Skischuhe vom Ski getrennt werden, um den Skifahrer vor Verletzungen zu schützen.
Um diesen Spagat zu schaffen, ist eine komplexe Mechanik notwendig – die nicht nur tadellos funktionieren, sondern unbedingt auch korrekt und auf jeden Skifahrer individuell eingestellt werden muss.
Selbstverständlich hatte Willi lange Zähne auf meine Skier bekommen. Unsere Mama und Willi haben mich lange genug bearbeitet, sie argumentierten dahingehend, dass ich eh zu wenig Zeit zum Schifahren hätte, da ich mich auf die Schule konzentrieren müsse. Man hat an meinen untertesten Instinkt appelliert und auf den Mitleidbonus gesetzt, so dass Willi meine Skier mit nach Celerina nehmen durfte. Sollte ich Zeit zum Skifahren finden dürfte ich seine nehmen.
Im verlaufe des Januars meldete sich das Internat, dass Willi mit einem doppelten Beinbruch im Spital liege und operiert worden ist. Der Bruch wurde mit Knochenschrauben fixiert. Die Schrauben mussten zu einem späteren Zeitpunkt wieder operativ entfernt werden.
Ich gehe nicht davon aus, dass die Skibindung korrekt eingestellt worden ist, sonst wäre dieser schwere Unfall glimpflicher ausgegangen.
Willi lag über 6 Wochen im Spital. Aus der Sicht von Mama und Papa war ein Besuch im Spital nicht möglich, die Anreise und Heimreise dauerte viel zu lange. Um in Kontakt zu bleiben hat ihn meine Mutter wöchentlich angerufen. Es beelendet mich immer noch, wenn ich an diese Zeit zurückdenke.
Das Internat wurde von einem katholischen Pater geführt. Das Internat sollte ein Ort sein wo die jungen Menschen in einem guten Umfeld eine gute Zeit miteinander verbringen, gemeinsam heranwachsen und sich zu Persönlichkeiten entwickeln. Den Tag strukturieren durch den Rhythmus, der in den Regeln des Heiligen Benedikts begründet ist. Diese Tagesstruktur bewährt sich seit Jahrhunderten: Sie sorgt für Zufriedenheit, Gesundheit und Erfolg, erleichtert das Lernen, das Zusammenleben.
Gegen solche Institutionen hatte ich immer schon eine Abneigung. Die grösste Dummheit der Kirche ist, zu politisieren, statt sich mit dem Thema Gott-Mensch zu befassen. Hinzu kommt die Verderbtheit ihres Personals, das besser glaubwürdig glauben sollte.
Vor den Sommerferien erhielten meine Eltern die Nachricht, dass das Internat geschlossen wird.
Was ist passiert: «ein Schüler hat zuhause ausgepackt»
Der Leiter des Internats war ein Pädophiler und hat auf die schlechteren Schüler Zwang und Druck ausgeübt, um die Schüler sexuell gefügig zu machen drohte er ihnen mit schlechten Noten, falls ein Schüler jemandem von dem Übergriff erzählt. Dieser «Hurensohn» litt an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Vermutlich wurden mehr Schüler sexuell missbraucht als letztendlich aufgedeckt worden ist. Die Dunkelziffer ist in solchen Fällen immer hoch. Die Übergriffe einiger Lehrer hat System gehabt.
Das Internat galt lange Zeit als Vorzeigeeinrichtung für neue pädagogische Ansätze.
Sexueller Missbrauch durch Priester ist keine Folge gesellschaftlicher Liberalisierung. Es gibt ihn, seit es die Kirche gibt. Priester vergehen sich an Gläubigen, die Kirche vertuscht: Seit Jahrhunderten sorgt sexueller Missbrauch durch Kleriker für Skandale. Das hat nichts mit der Freizügigkeit der Gesellschaft zu tun. Aber mit dem kirchlichen Recht, das blind ist für die Opfer der Taten.
Inwieweit mein Bruder von diesen Hurensöhnen missbraucht worden ist kann ich nur vermuten.
In den letzten Tagen vor seinem Tod Ende Oktober 2014 hat er die gesamte Tragödie seiner Frau erzählt.
Nach den Sommerferien absolvierte mein Bruder Willi die 2. Sekundarklasse im Internat Sonnenburg in Vilters.
Was war 1970
Negative Schlagzeilen dominieren dieses Jahr. Politische Krisen, Bürgerkriege und Naturkatastrophen halten die Welt in Atem. Die Zahl der bewaffneten Konflikte nimmt zu, der Krieg in Vietnam dehnt sich auf die Nachbarstaaten Laos und Kambodscha aus. In erschreckendem Ausmass hat die von Menschenhand verursachte Umweltverschmutzung zugenommen.
Es war wohl eine der umstrittensten Abstimmungen in der Schweizer Geschichte des 20. Jahrhunderts: Die Überfremdungs-Initiative von James Schwarzenbach vom 7. Juni 1970.
Die Vorlage war radikal. Sie verlangte, dass der Ausländeranteil in der Schweiz maximal zehn Prozent betragen dürfe. Würde sie angenommen, müssten 350'000 Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Koffer packen und heimfahren. Lanciert hatte es die 1961 gegründete Nationale Aktion. Kopf der Initiative war der Zürcher Nationalrat James Schwarzenbach.
Das Volksbegehren kam am 7. Juni 1970 mit einer rekordverdächtigen Stimmbeteiligung von fast 75 Prozent an die Urne. Es wurde mit 54 Prozent Nein-Stimmen verworfen. Aber 46 Prozent der Stimmberechtigten – damals noch ausschliesslich Männer – stimmten für die Initiative. Das hatte in dieser Form keiner erwartet: Sämtliche Parteien, die Arbeitgeberorganisationen, Gewerkschaften und auch die Kirchen lehnten das Ansinnen ab. Trotzdem waren viele für die Initiative, namentlich auch Arbeiter, die der Sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften nahestanden. Sie fürchteten, die Ausländer könnten ihnen die Arbeit wegnehmen. Im Abstimmungskampf gab es viel Polemik zu hören und die Initianten sahen Schweizer Werte in Gefahr. Unter den damaligen Gastarbeitern löste die 1968 lancierte Initiative Angst und Schrecken aus.
- Sekundarschule
Nach den Sommerferien werde ich für die nächsten 2 Jahre von folgenden Lehrern unterrichtet:
- Paul Josef Fallegger (Jg. 1944) lic. phil. I (Schwerpunkt sprachlich / historisch)
- Agnes Fallegger-Kolb, (vermutlich 1940) Sekundarlehrerin
Als Schüler hätte ich einen Lehrer mit dem Abschluss lic. phil. II phil. II (Schwerpunkt mathematisch / naturwissenschaftlich) vorgezogen.
Es ist sehr speziell von einem Lehrerehepaar unterrichtet zu werden, das kann Fluch oder Segen sein. Vermutlich war es für mich eher ein Fluch.
Die Falleggers haben die Lektionen im Frontalunterricht erteilt, das war damals die übliche Unterrichtsform.
Im Frontalunterricht übernimmt der Lehrer die wesentlichen Steuerungs-, Kontroll- und Bewertungsaufgaben. Die direkte Zusammenarbeit der Schüler untereinander wird nur begrenzt zugelassen - die Kommunikation zwischen dem Lehrer und den Schülern steht im Vordergrund der Aufmerksamkeit.
Der Frontalunterricht ist eine sehr Lehrer-zentrierte Unterrichtsform, in der die Lehrkraft genau vorgibt, was und wie gelernt wird. Dies geschieht in der Regel durch einen einseitigen Vortrag des Lehrpersonals. Doch ist dies der beste Weg, um Schüler zum Lernen zu motivieren? “Nein”.
Frontalunterricht ist nur schwer mit den individuellen Lernbedürfnissen und Lerngeschwindigkeiten der einzelnen Schüler vereinbar. Obwohl diese Form des Unterrichtens in bestimmten Situationen unumgänglich ist und dort auch ihre Berechtigung hat, gibt es andere Methoden, die die Schüler besser abholen. Insbesondere am Nachmittag ist Frontalunterricht besonders herausfordernd, da die Aufmerksamkeit der Kinder oft nachlässt. Denn für viele Schüler bedeutet Frontalunterricht Langeweile.
Manchmal kam ich mir vor wie an einer Uni, da geht es um Vorträge (Vorlesungen). Frontalunterricht ist ein grosser Mist. Geradezu lernbehindernd, ineffektiv, kinderfeindlich, schlecht.
Stumpfes Auswendiglernen hat noch nie geholfen, etwas langfristig im Kopf zu behalten oder sogar zu verinnerlichen. Das geht deutlich leichter, wenn man sich ernsthaft für etwas interessiert und sich freiwillig damit beschäftigt – wie zum Beispiel, um sich in einer Sportart zu verbessern oder ein neues Instrument zu lernen. Das hängt damit zusammen, dass unser Gehirn nur Informationen abspeichert, die es für wichtig hält. Fakt ist, dass nicht jedes Unterrichtsfach die Herzen aller Schüler höher-schlagen lässt.
Auswendig lernen?
Der Spruch „Was man einmal gelernt hat, vergisst man nicht mehr“ stimmt nur zum Teil. Ich denke an die unzähligen Französisch Vokabeln, die ich in der Schule gelernt habe. Wie viele davon verstehe ich noch heute? Kann ich diese heute noch wiedergeben? Andererseits: Denke ich an das Velofahren. Selbst wenn man jahrelang nicht mit dem Velo gefahren ist, kann man jederzeit wieder aufsteigen und losfahren. Woran liegt es, dass wir uns manche Dinge für immer merken und andere nur für kurze Zeit?
Die Sache ist die: Wenn wir etwas gelernt haben, dann können wir es auch verlernen. Doch einmal verstanden, können wir es nicht ent-verstehen.
In der Schule werden uns Vokabellisten und Regeln vor die Nase gehalten: „Und das lernst du jetzt auswendig“. Das ist unglaublich langweilig, demotivierend und widerspricht unserem natürlichen Entdeckerdrang und den automatischen Lernvorgängen in unserem Gehirn.
Wir verstehen eben nicht, indem wir etwas auswendig lernen. Und auch nicht, indem wir ständig das Gleiche wiederholen. Wir müssen den zugrunde liegenden Sinn begreifen, um nachhaltig zu lernen.
Wissen können wir uns anhäufen und aneignen. Wir vergessen es jedoch wieder, wenn wir es nicht aktiv nutzen. Nur was wir begreifen, ist für unser Gehirn sinnvoll und bleibt für die Ewigkeit gespeichert. Und nur was wir immer wieder nutzen, wird zur „eingefleischten“ Fähigkeit.
Also meiner Meinung nach hat das einfache auswendig lernen nicht besonders viel mit Intelligenz zu tun! Du kannst mathematisches zeug recht gut? JA! Das ist Intelligenz, das kann man nämlich nicht so einfach auswendig lernen, dafür muss man seinen Kopf anstrengen.
Mit dem Auswendiglernen hatte ich immer grosse Probleme, ich konnte mich nicht konzentrieren, und der Lernstoff blieb einfach nicht sitzen. Was im Unterricht beim Auswendiglernen nicht klappte, machte dann meistens auch zu Hause Probleme, zum Beispiel beim Auswendiglernen eines Gedichtes oder beim Erwerb einer Fremdsprache. Ich war nervös und überanstrengt, wenn ich etwas auswendig lernen musste oder hatte Angst und kannte einfach nicht die richtigen Lernmethoden und Lerntechniken. Aber auch Desinteresse wirkt stark hemmend auf die Gedächtnisleistungen beim Auswendiglernen. Ich habe den richtigen Mix aus effektiven Lernmethoden und individuellen Strategien zum Auswendiglernen noch nicht gefunden.
Fazit: auswendig lernen ist von wahrer Intelligenz entfernt. Wenn man sich Intelligenz durch auswendig lernen erlangen möchte, dann muss man das STÄNDIG wiederholen und man muss es auch WIRKLICH verstehen was man da gerade so schönes auswendig lernt.
Beim Umgang mit Texten hatte ich nie Probleme. Für mich war es wichtig zu wissen, wo welche Informationen zu finden sind und was sie bedeuten. Texte gehören zum Alltag, ob in der Familie, der Freizeit, der Schule oder im Beruf. Doch es reicht nicht, Texte einfach nur zu lesen, Du musst sie auch verstehen. Das Textverständnis ist eine elementare Fähigkeit, die Du brauchst, um Deinen Alltag zu bewältigen.
Ich hatte ein sehr gutes Textverständnis nur wurde dieses Textverständnis von Paul Fallegger nicht geprüft.
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Agnes Fallegger unterrichtete folgende Fächer:
Französisch, Geographie, Geschichte, Singen, Freihandzeichen, Kalligraphie
Singen?
Meist beginnt der Stimmbruch im Alter zwischen 12 und 13 Jahren. Singen während der Zeit des Stimmbruches ist ein schwieriges Unterfangen. Anzeichen für den Stimmbruch bei Jungen in der Pubertät: krächzende, schrille, heisere, raue oder brüchige Töne. Die Stimme kann zwischen tiefen und hohen Tönen stark schwanken, weil die einzelnen Stimmbänder unterschiedlich schnell wachsen.
Was ist Kalligraphie?
Das Wort „Kalligraphie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet die Kunst des schönen Schreibens. Kalligrafie ist die hohe Kunst des ästhetischen Schönschreibens von Hand. Kalligrafie ist eine Kunst, die die schöne Handschrift im besonderen Maße wertschätzt.
Ich muss nicht speziell erwähnen, dass ich als umgeschulter Linkshänder mit der Kalligrafie nicht viel am Hut hatte.
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Paul Fallegger unterrichtete folgende Fächer:
Deutsch, Rechnen, Geometerie, Biologie, Chemie, Physik, technisches Zeichnen
Im Deutsch ging es um Aufsätze, Balladen und Diktat
Aufsatz:
Wie schreibe ich einen guten Aufsatz?
«Achte beim Verfassen einer Einleitung darauf, dass diese das Ziel bzw. den Zweck der Aufgabe klar widerspiegelt und dass die These nicht nur das zu besprechende Thema präsentiert, sondern auch eine klare Position zu diesem Thema vertritt, die in der gesamten Arbeit unterstützen und weiterentwickeln werden.»
Leider hat meine klare Position zu einem Thema mit dem Lehrer fast nie übereingestimmt.
Ich war der irrigen Ansicht. Dass jeder seine Meinung frei sagen kann, was er denkt, auch wenn er keine nachprüfbaren Gründe für sein Urteil angibt oder angeben kann. Unerheblich ist, ob eine Äusserung wertvoll oder wertlos, richtig oder falsch, emotional oder rational begründet ist. Nach meinem Dafürhalten gilt für einen Lehrer in der Schule „Neutralitätsgebot“.
Für meine klare Meinung hat mich Paul Fallegger mit ungenügenden Noten belohnt/gebüsst.
Diktat:
Um im Ernstfall erfolgreich zu sein, muss man nicht nur die wichtigsten Rechtschreibregeln üben und anwenden können, sondern auch das Zuhören sowie das Erfassen von Textzusammenhängen und – nicht zuletzt – das Schreibtempo trainieren. Darüber hinaus sollte unbedingt auch Wert auf eine gut lesbare Handschrift gelegt werden, um eindeutige Bewertungen in der Korrektur zu gewährleisten. Denn was der Korrigierende nicht lesen kann, wird sowieso als falsch gewertet. Kaum ein Lehrer wird sich diesbezüglich auf eine Diskussion einlassen.
Als umerzogene Linkshänder erfand ich eine Strategie, um meine Rechtschreibschwierigkeiten zu vertuschen. Meine oft krakelige und unleserliche Handschrift half mir dabei. Ich litt auch unter Flüchtigkeitsfehlern, die oft durch die mangelnde Konzentrationsfähigkeit bedingt sind. Das Gehirn ist überanstrengt und kann keine weiteren Informationen aufnehmen.
Im Diktat war es mir möglich trotz aller Schwierigkeiten eine genügende Note zu erzielen.
Ballade:
Eine Ballade bezeichnet eine besondere Art der Gedichtform. Ursprünglich entstand sie im Mittelalter und ist stark mit der mündlich überlieferten Volksdichtung verwurzelt, bei der fahrende Spielleute von Heldentaten, Liebesgeschichten oder anderen historischen Ereignissen berichteten.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Ballade und deren Bedeutung stets weiter. Insbesondere Dichter wie Johann Wolfgang Goethe („Erlkönig“ 1797) und Friedrich Schiller
(„Der Handschuh“ 1797) trugen im 18. Jahrhundert zu der Popularität der Ballade bei.
Bis heute ist sie als literarische Form fest mit der deutschen Lyrik verbunden. Balladen sind in diesem Verständnis eine eigenständige literarische Gattung, bestehend aus einem Text, der durch Verse und Strophen untergliedert und von Reimen geprägt ist. Aus diesem Grund wird eine Ballade auch als Erzählgedicht bezeichnet. Die Geschichten, die unter anderem über Liebe und Tod handeln, sind meistens mit sprachlichen Gestaltungsmitteln ausgeschmückt, bei denen auf emotionale und dramatische Elemente zurückgegriffen wird.
Paul Falleggers liebste Ballade war die «Bürgschaft».
Friedrich Schillers Ballade „Die Bürgschaft“, erstmals 1798 veröffentlicht, handelt von Idealismus und der Macht der Freundschaft.
Zur eigentlichen Geschichte:
Es wird angenommen, dass Damon und Phintias wirklich gelebt haben. Ihre Geschichte spielt im 4. Jahrhundert v. Chr. in der Stadt Syrakus, damals eine bedeutende antike Metropole auf Sizilien. Die beiden waren Anhänger Pythagoras von Samos, der im 6. Jh. eine Gemeinschaft in Unteritalien gegründet hatte. Grundlagen dieser Gemeinschaft war die Freundschaft und unbedingtes gegenseitiges Vertrauen und Solidarität in Notlagen.
Die Ballade „Die Bürgschaft“ besteht aus 20 Strophen mit je 7 Versen, die je 8 – 10 Silben haben.
Auswendiglernen ist für mich die grösste Herausforderung. Mit ach und krach konnte ich die 10 Strophen behalten. Das Aufsagen wurde jeweils benotet. Ein Schüler musste jeweils 3 – 4 Strophen aufsagen. Mit ein wenig Glück musste ich die 9 bis 12 Strophe aufsagen, wenn es schlimm kam ab der 13. Strophe.
Ich machte jeweils einen schweren Seufzer. Jetzt wird Paul Fallegger wieder herumnörgeln, ich hätte den «Gehalt» des genialen Werkes nicht erfasst. Weil Herr Johann Christoph Friedrich Schiller der grosse Dichter und Philosoph, Historiker und Arzt, ab 1802 von Schiller. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker, Lyriker und Essayisten. Diesen von Schiller darf man nicht kritisieren auch wenn dieser Schreiberling nach meinem Dafürhalten den grössten Mist zusammengeschrieben hat. Wir leben ja nicht mehr in der Zeit Ende des 17. Jahrhunderts.
Gegen Adlige hatte ich generell eine Abneigung, das ist bis heute so geblieben. Aber das war mir egal, ich schleime nicht herum, bloss um eine gute Note zu bekommen. Ich schreibe was ich denke. Punkt.
Es gab noch weitere Balladen mit welchen wir beübt worden sind. Dies nur als Beispiel von vielen.
Paul Fallegger hat mich jeweils vor der gesamten Klasse wie ein Zirkuspony vorgeführt.
Seine Lieblingsworte waren jeweils: «er ist von Beruf Sohn, er muss nichts lernen!»
mit allem versorgt (sein) · nichts entbehren (müssen) · (das) Rundum-sorglos-Paket (gebucht haben) · von Beruf Sohn (sein)
Assoziationen:
- Nesthocker · (wohnt im) Hotel Mama (ugs.)
- im goldenen Käfig (sitzen) · in seiner Komfortzone (gefangen)
- verwöhnt werden · (es) vorne und hinten hereingesteckt bekommen
Ich konnte mit seiner Aussage nichts anfangen. Ich hatte sehr wenig Freizeit, unser Papa oder die Mama hat mich immer mit genügend Arbeit eingedeckt, so dass meine Zeit für die Schulaufgaben knapp bemessen war. Meine Mama hat mir immer wieder eingetrichtert du musst mit voller Konzentration im Unterricht dabei sein, dann hast du weniger Aufwand mit den Hausaufgaben.
Das erledigt sich fast wie von selbst.
Technische Zeichnen
Vorbemerkung was ist ein Reisszeug:
Reisszeug ist eine Zusammenstellung von Zeichengeräten für technische Zeichnungen, die auch Risse genannt werden. Um eine hohe Zeichnungsgenauigkeit zu erreichen, sind dünne Linien erforderlich, die mit der Klinge oder der Nadelspitze des Zeichengeräts geritzt (gerissen) und erst bei Bedarf mit Tusche ausgezogen werden.
Zum Reisszeug gehören in der Regel verschiedene Zirkel zum Abtragen von Kreisen und Ellipsen und die Reiss- oder Ziehfeder zum Ausziehen der Zeichnung mit feinstem Tuschestrich. Massstab, Lineal, Dreiecke, ein meisselförmig angeschliffener harter Bleistift und die Kopiernadel zum Übertragen von bemaßten Punkten und Linien auf die Zeichnung ergänzen das Reisszeug.
Ziehfeder und Ziehfedereinsätze für Zirkel wurden in den 1970er Jahren durch die Einführung von Tuschestiften verdrängt. Heute werden technische Zeichnungen am Computer erstellt. Das Reisszeug hat damit in diesem Bereich keine Bedeutung.
In meinem Fundus habe ich immer noch das komplette Reisszeug von unserem Papa, welches er am Technikum bei seiner Ausbildung als Architekt benötigt hat.
Nach der Sekundarschule habe ich nie mehr zum Zeichnen eine Ziehfeder gebraucht.
Dies als Vorbemerkung.
Die Mädchen hatten Handarbeit/Hauswirtschaft und wir Jungs hatten Technisches Zeichnen, Physik und Chemie.
Nach welchen Kriterien Paul Fallegger meine Zeichnungen bewertet hat ist mir und vermutlich auch ihm ein Rätsel geblieben. Bei mir hagelte es jeweils 2er mit den entsprechenden hämischen Kommentaren. Im Verlaufe des Schuljahres wurde es mir zu bunt und ich bat unseren Papa für mich eine Zeichnung auszufertigen. In der Folge habe ich die Zeichnung von unserem Papa an Paul Fallegger zur Beurteilung abgeben. Es hat mich nicht überrascht, dass die Zeichnung unseres Papas auch nur mit einer 2 beurteilt worden ist. Unser Papa, war doch ein wenig überrascht, hatte er doch am Abendtechnikum in Winterthur ein Diplom als Architekt HTL erworben.
Insgesamt war für mich diese Zeit sehr explosiv.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die "Hochphase" der Pubertät. Ich war komplett mit mir selbst auf der Suche nach der eigenen Identität beschäftigt. Wenn Jungen in die Pubertät kommen, erkennen Eltern ihre Söhne oft nicht wieder. Sie sind wild und aufmüpfig, scheinen wesentlich rebellischer zu sein als gleichaltrige Mädchen. In der Schule gelten pubertierende Jungen als besonders faul und antriebslos. Über Probleme oder Gefühle wollen die meisten nicht reden.
Auseinandersetzungen, Wutausbrüche und Rebellion sind in dieser Phase keine Seltenheit. Das Erwachsenwerden ist für Körper und Geist der Jungen anstrengend.
Die Pubertät ist die Zeit der ersten Male. Der erste Kuss, das erste Bier, die erste Zigarette. Alles, was den Nimbus des Verbotenen hat, übt einen unwiderstehlichen Reiz aus. Neugierig strecken Jugendliche ihre Fühler aus, wollen herausfinden, wo die Grenzen liegen, wer sie sind, oder wer sie sein wollen. Und gehen dabei Risiken ein oder treffen Entscheidungen, die ihren Eltern oft haarsträubend erscheinen.
Mein Interesse galt allem Möglichen, ausser der Schule. Meint Noten haben darunter massiv gelitten mit dem typischen Leistungseinbruch.
Viel hängt von der eigenen Haltung der Eltern ab. Hilfreich wäre es, die Veränderungen der Kinder wollwollend und mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Sich daran erfreuen, dass die Kinder wachsen, sich weiterentwickeln und entfalten. Das trägt zu einer vertrauensvollen, entspannten Stimmung bei und erleichtert die Kommunikation. Eltern sollten im Kopf behalten, dass die Stimmungsschwankungen nicht gegen sie gerichtet sind, sondern Teil des Prozesses sind. Je mehr Eltern in sich gefestigt sind, desto besser ertragen sie diese turbulente Zeit. Desto einfacher fällt es ihnen, Provokationen auszuhalten, bei plötzlichen Wutausbrüchen gelassen zu bleiben und Beleidigungen nicht persönlich zu nehmen. Sie lassen sich seltener auf Diskussionen ein, die auf unnötig nervenaufreibende Machtkämpfe hinausführen.
Unser Papa war vor allem mit seiner Bauunternehmung beschäftigt. Unsere Mama war zu dieser Zeit schwanger und vor allem mit sich und den anderen Geschwistern beschäftigt.
Mein Wunschberuf war Strassentransportfachmann
Strassentransportfachleute transportieren Güter mit Lastwagen und anderen Fahrzeugen der Führerausweiskategorien B, C oder CE. Sie planen die Transporte und gehen mit der Ware richtig um. Sie führen auch kleinere Reparaturen am Fahrzeug aus und beheben Pannen.
Strassentransportfachleute stehen bei Lieferungen in Kontakt mit der Kundschaft. Die Arbeitszeiten können unregelmässig sein und richten sich nach den gesetzlichen und betrieblichen Anforderungen. Bei Fahrten ins Ausland ist es auch möglich, dass sie für einige Tage von zu Hause wegbleiben.
Strassentransportfachleute arbeiten in Gewerbe-, Transport- und Industriebetrieben.
Mit entsprechender Berufserfahrung und Weiterbildung hätte ich Fuhrpark- und Garagenchef-Funktionen übernehmen oder als Carführerinnen oder Busfahrer tätig sein können. In grossen Betrieben hätte ich auch organisatorische Funktionen übernehmen können, zum Beispiel als Transportchef, als Transportdisponent oder als Leiter einer Abteilung oder eines ganzen Betriebs.
Vorbildung
- obligatorische Schule abgeschlossen
- Voraussetzung für die Ausbildung ist ein Mindestalter von 16 Jahren (Stichtag: 30. November des 1. Lehrjahres)
Anforderungen
- Freude am Unterwegssein
- Selbstständigkeit
- Verantwortungsbewusstsein
- Zuverlässigkeit
- Diskretion
- zeitlich flexibel
- gute Gesundheit und körperliche Fitness (Zeugnis des Vertrauensarztes nötig)
Meinen Wunschberuf hätte ich auch mit der Realschule erlernen können.
Meine Eltern hatten Angst vor der Realschule!
Für meine Eltern wäre es ein Albtraum gewesen, wenn ich anstelle der Sekundarschule die Realschule besucht hätte. Doch gute Realschüler sind oft gleich gut wie mittelmässige (Pro-)Gymnasiasten. Lehrer Burch sagte in der sechsten Klasse: «lieber eine 5,5 im Zeugnis und Realschüler, als eine 4,5 im Zeugnis und SEK Schüler. Das kommt auf das gleiche hinaus."
Ich kann seine Aussage noch heute unterzeichnen
Ich hatte bereits Wünsche für die Zeit nach der Lehre. Schon immer haben auf mich Spezial- / Schwertransporte eine spezielle Faszination ausgeübt. Ausnahmetransporte bzw. Schwertransporte sind Transporte mit Übermassen. In der Schweiz ist ab gewissen Massen und Gewichten Polizeibegleitung vorgeschrieben. Verschiedene Firmen in der in der Schweiz, welche auf solche Transporte spezialisiert suchen immer wieder Fahrerinnen und Fahrer mit Führerausweis Kat. C/E, die bereit sind, sich in den Bereich Sonder- und Schwertransporte einzuarbeiten. Sehr gerne hätte ich mich nach der Lehre auf eine solche Stelle beworben.
Weiterbildungsmöglichkeiten:
Mit eidg. Fachausweis, zum Beispiel Reifenfachmann/-frau oder Disponent/in Transport und Logistik.
Höhere Fachprüfung (HFP)
Zum Beispiel dipl. Betriebsleiter/in Transport und Logistik.
Bei meinen Eltern kam ein solcher Beruf für mich gar nicht in Frage. Für uns Söhne kam nur ein Beruf in Frage, welcher der Bauunternehmung von unserem Vater von irgendeinem Nutzen sein konnte.
Game Over
Es kam wie es kommen musste, Paul Fallegger hat an mir ein Exempel statuiert. Er hat mich zur Abschreckung besonders hart bestraft, damit ich in Zukunft in der Schule es nicht mehr wagen würde seine Unterrichtsmethoden/Lehrtätigkeit zu kritisieren. Ich bekam im Deutsch eine ungenügende Note, so dass ich einen Notendurchschnitt in den Hauptfächern eine 3.8 erreichte und die 1. Sek wiederholen durfte/musste.
Game Over tritt in der Regel dann ein, wenn die Spielfigur im Spiel “stirbt”, also all ihre Lebenspunkte verliert oder eine bestimmte Anforderung des Spiels nicht erfüllen konnte.
Für mich war das ein verlorenes Jahr. Fast jedes fünfte Schulkind wiederholt einmal eine Klasse.
Dabei weiss man längst, dass die Ehrenrunde in der Regel nichts bringt.
LEISTUNG wird in unserer Gesellschaft grossgeschrieben. Der Wahn um die besten Plätze in der Gesellschaft fängt bereits in der Grundschule, manchmal sogar noch früher an.
Wiederholen implizierte für meine Eltern, dass ich nicht einmal die Mindestanforderungen bewältigen konnte. Daraus resultiert Angst (gerade von Eltern ihren Kindern gegenüber), dass man es später schwerer haben wird einen guten Job zu finden oder gar den Anschluss in der Gesellschaft zu verlieren. Wie bereits gesagt, resultiert dieses Denken häufig aus einer gewissen Angst/Unsicherheit vor der Zukunft. Hinzu kommt das die Anforderungen am Arbeitsmarkt, welcher damals schwieriger geworden ist. Wie lebten in einer Gesellschaft in der LEISTUNG als Indikator für den WERT eines MENSCHEN genommen worden ist. Es zählten nur noch Papiere (Zeugnisse, Referenzen usw.) und das Menschliche blieb auf der Strecke. Ich hoffe das die Menschen irgendwann zu der Einsicht kommen werden, dass das Leben kein Wettkampf ist und es nicht den einen „richtigen“ weg im Leben gibt, da es doch gerade die Umwege sind, die das Leben so aufregend/spannend machen. Irgendwann werden die Leute aufwachen und merken, dass es nichts bringt sich abzuhetzen, nur leider sind sie dann häufig schon „ausgebrannt“.
Wie haben meine Eltern auf dieses Ergebnis reagiert?
Zum grossen Glück kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Ich fühlte mich als Versager, meine Eltern haben dieses Gefühl ein Versager zu sein noch zusätzlich untermauert. Vermutlich habe ich dieses Gefühl ein Versager zu sein schon lange mit mir herumgetragen. Es ist vermutlich in meiner Kindheit entstanden. Meine Eltern haben mir immer wieder gesagt, dass ich es zu nichts bringen werde. Ich konnte es meinen Eltern nie gut genug machen. Persönlich empfand ich es als besonders demütigend, dass meine Eltern das Gefühl hatten, sie müssten sich wegen meinen schlechten Noten bei Krethi und Plethi rechtfertigen.
Damit ich weiss, wie schön und erholsam Schule sein kann musste ich mit seinen Arbeitern auf der Baustelle mitarbeiten. Das heisst am Morgen 5.00 Uhr aufstehen. Abfahrt im Werkhof war je nach Entfernung der Baustelle um 6.15 Uhr oder 6.30 Uhr, Arbeitsbeginn auf der Baustelle war um 6.45 Uhr, 09.00 Uhr – 9.15 Uhr Znünipause, 12.00 Uhr – 13.00 Uhr Mittagspause, 18.00 Uhr Feierabend und Rückfahrt in den Werkhof. Ich musste auf der Baustelle Schalungstafeln reinigen und allgemeine Reinigungsarbeiten ausführen. Es gab für mich immer genügend Arbeit.
Diese Arbeit wurde von einem 14-tägigen Zeltlager in Tennwil unterbrochen.
Ich schätzte mich glücklich nach den Sommerferien wieder in die Schule gehen zu dürfen.
Mein persönlicher Wille wurde nicht gebrochen. Meine persönlichen Wünsche und Träume hatten Risse bekommen. Ich habe vorerst die Entschlossenheit verloren für mich zu kämpfen. Nun wusste ich was von mir erwartet wird, ich habe mich mit der neuen Situation arrangiert.
Nach dieser Niederlage habe ich geträumt nach Australien auszuwandern. Ich wollte als Road Train Fahrer arbeiten. Einfach möglichst weit weg von Giswil und meinen Verwandten.
Die Erde zittert, wenn sich im australischen Hinterland ein Road Train nähert. Die Strassen-Züge sind die wohl grössten und schwersten Lkw der Welt. Einheimischen sind die Giganten bestens vertraut. Die meisten Touristen dürften von den Road Trains jedoch erstaunt sein.
Allein die Daten flößen Respekt ein: 53,5 Meter lang. Bis zu 4,60 Meter hoch. 135,5 Tonnen schwer. Das sind die zulässigen Höchstmaße der australischen Road Trains. Die Giganten verfügen über eine Zugmaschine mit mindestens 500 PS, maximal vier Anhänger und 18 Achsen. Sie sind mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde unterwegs – häufig auf unbefestigten Straßen. Lkw mit diesen Dimensionen unterliegen laut „National Heavy Vehicle Regulator“ (NHVR) bestimmten Beschränkungen. So dürfen sie unter anderem nicht in Innenstädte fahren. Lkw mit einer maximalen Länge von 19 Metern und einem Gewicht bis zu 43,5 Tonnen dürfen hingegen uneingeschränkt auf öffentlichen Straßen in Australien fahren.
Unterwegs im sechstgrößten Land der Welt
Für die Logistikbranche sind die XXL-Trucks unersetzlich. Sie transportieren – tausende Kilometer weit – alle Arten von Gütern: Lebensmittel, Tiere, Kraft- und Rohstoffe. Damit sichern sie im flächenmäßig sechstgrößten Land der Welt insbesondere die Versorgung abgelegener Gebiete. Denn: Manche Farmen und Siedlungen liegen fernab von Bahnhöfen.
Um einen Koloss dieser Art zu fahren, müssen Anwärter die Prüfung für den „Road Train-Führerschein“ bestehen. Grundvoraussetzung ist auch: mindestens drei Jahre den regulären Führerschein besitzen und nicht weniger als ein Jahr über den Führerschein für Fahrzeuge bis neun Tonnen verfügen.
Ich stellte mir vor mit diesem Ungetüm quer durch Australien zu fahren. Von einer Küste zur anderen. Da würde ich vermutlich 10 Tage oder länger nach Norden fahren und wieder 10 Tage zurück in den Süden fahren. An beiden Orten hätte ich eine Freundin und würde jeweils meine Freitage bei ihr verbringen. Weil ich 10 Tage durcharbeite hätte ich logischerweise jeweils 4 Tage zur freien Verfügung. Diese Zeit würde ich jeweils mit der jeweiligen Freundin sehr geniessen. Bis zur halben Strecke würde ich sie beim Abschied noch vermissen. Sobald ich die halbe Strecke hinter mir hätte würde ich mich auf die andere Freundin freuen. Das Leben hat für die meisten viel zu bieten, man muss sich nur umsehen und das machen, was einem Freude bereitet.
***
Nun will ich etwas über meine jüngere Schwester Veronika schreiben. Veronika war eine Hausgeburt und erblickte am 06. September 1958 im Rüteli das Licht der Welt.
Als einziges Mädchen mit zwei älteren und zwei jüngeren Brüdern hat Veronika eine besondere Position in der Familie eingenommen. Altersmässig waren wir uns sehr nah, die Rivalität war vielleicht etwas heftiger. Veronika hatte bereits mit fünf ihre vorlaute Phase, sie wollte bereits zu den Grossen gehören und das durch eine große Klappe und Kraftausdrücke demonstrieren. Erstens ist es vermeintlich cool, so zu reden und auszuprobieren, wie weit man bei den Eltern damit ankommt. Zweitens finden die anderen Kinder kleine Frechheiten gegenüber Erwachsenen mutig, lachen über das, was sie sich selbst nicht trauen und bestärken das kleine "Großmaul" damit zusätzlich.
Meine Eltern hatten das Gefühl Veronika solle vorzeitig eingeschult werden. Unser Hausarzt hat einen vermeintlichen Test mit Veronika durchgeführt und Veronika für schulreif befunden. So kam es, dass Veronika ein Jahr früher eingeschult worden ist.
Eine vorzeitige Einschulung ist oft eine Gratwanderung und sollte gut überlegt werden.
Doch so einfach geht die Rechnung nicht immer auf. Denn Kinder, die frühzeitig eingeschult werden oder eine Klasse überspringen, sind nicht nur zu Beginn ihrer Schullaufbahn besonders gefordert, sie sind und bleiben auch in den folgenden Jahren die Jüngsten in der Klasse. Sie müssen sich oft vielmehr anstrengen, um sich in die Klasse zu integrieren. Nicht immer geht das gut.
Frühe Einschulung birgt Nachteile bis ins Erwachsenenalter. Eine US-Studie, für die Daten von über einer Millionen Kinder ausgewertet wurden, zeigt, dass sich eine frühe Einschulung auf lange Sicht eher negativ auf die Schulleistung des Kindes auswirken kann.
Dazu verglichen die Wissenschaftler die Schulleistungen von Kindern, die im August geboren wurden – also gerade erst sechs Jahre alt geworden und somit die jüngsten Kinder in einer Klasse sind – mit den Leistungen der Kinder, die im September auf die Welt gekommen sind und somit zu den ältesten Schülern zählen. So schnitten die älteren Kinder bei ihrer intellektuellen Entwicklung wesentlich besser ab als die jüngeren. Dieser Unterschied zeigte sich auch noch Jahre später. Dementsprechend standen für die September-Kinder die Chancen auf ein gutes College oder eine Universität zu kommen ebenfalls besser. Frühe Einschulung birgt Nachteile bis ins Erwachsenenalter.
Als ich die 1. Sekundarschule besuchte, besuchte Veronika die sechste Klasse. Höchste Priorität hatte nun für Veronika die Schule insbesondere musste sich Veronika sich auf die Aufnahmeprüfung der Sekundarschule vorbereiten. Somit blieb wieder einmal alles an mir hängen. Ich wurde mit zusätzlicher Arbeit eingedeckt. Das konnte sein, dass ich nach der Schule einen passenden Bleistift oder Radiergummi für Veronika besorgen musste. Ich empfand das als reine Schikane meiner Schwester und unsere Mama hat diesen Unsinn noch unterstützt. Ich hatte keine Lust auf diese blöden Spielchen. Ich war es müde, immer die gleichen Fragen zu diskutieren. Unsere Mama war meinen vernünftigen Argumenten eh nicht zugänglich. In den Augen unserer Mama und meiner Geschwister hatte ich sowieso die Sonnenseite gepachtet. Zu viel Arbeit, zu viele Verpflichtungen, zu viele Ängste haben mich immer viel Kraft gekostet. Das Abschalten ist mir nicht immer leichtgefallen, mein Körper war immer unter permanenter Anspannung, ich bin hochtourig gelaufen. Ich war ja noch jung und konnte das ertragen. Bei der Arbeit im Magazin konnte ich die mentale Erschöpfung besiegen, indem mein Geist nur wenigen Reizen ausgesetzt wurde – mit Ruhe und Zeit für mich selbst.
Anfangs Juni bekamen unsere Eltern den ersehnten Brief, dass ihre Tochter Veronika die Aufnahmeprüfung nicht bestanden hat. Es herrschte Weltuntergangsstimmung. Der Weltuntergang unterscheidet sich fundamental vom Sonnenuntergang. In der Regel findet er nur einmal statt, aber dann richtig. Das zeichnet einen gescheiten Weltuntergang aus. Danach herrscht Ruhe. Die Dinosaurier können davon leider kein Lied mehr singen, in der weltgeschichtlichen Interviewzone sind sie längst nicht mehr anzutreffen. Das Gute dabei ist: Da Weltuntergänge äusserst selten stattfinden, kann man sie so oft herbeireden, wie man will.
Diese schreckliche Nachricht war im Hause Wälti kaum zu ertragen.
Nach dieser Hiobsbotschaft zog sich Veronika von der Welt zurück und verliess die Schule von Giswil für immer ohne sich von ihren Schulkolleginnen zu verabschieden. Unsere Mama ging am Nachmittag in die Schule und holte Veronikas persönlichen Sache ab.
Ich bin der Ansicht, dass Niederlagen und Misserfolge im Leben unvermeidbar sind. Deshalb ist es wichtig, Niederlagen bewältigen zu können. Mit Niederlagen und (beruflichen) Misserfolgen
umgehen zu können, ist eine wichtige Voraussetzung, um persönlich und beruflich voranzukommen. Nur durch sie können wir lernen und es nächstes Mal besser machen. Selbst die erfolgreichsten Menschen scheitern häufig. Wenn wir Erfolg haben wollen, dann ist es wichtig, dass wir uns von Misserfolgen nicht entmutigen lassen und mit ihnen konstruktiv umgehen können. Der Umgang mit Niederlagen und Misserfolgen ist entscheidend
Wie wir mit Niederlagen umgehen, hat einen grossen Einfluss auf unsere persönliche und berufliche Entwicklung. Resignieren wir, beginnen wir aufgrund des Scheiterns an uns selbst und unseren Fähigkeiten zu zweifeln, dann verbauen wir uns die Chance, aus unseren Fehlern zu lernen und so unsere Niederlage doch noch in einen Erfolg zu verwandeln.
Meine Meinung zu diesem Thema war nicht gefragt. Ich muss nicht erwähnen die Familie Wälti lebte in einer Diktatur. Die grossen Diktatoren waren unsere Eltern. Persönlich hätte ich es bevorzugt in einer Demokratie zu leben. Eine der wichtigsten Grundlagen in einer Demokratie ist die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Du darfst sagen, was du dir denkst, und dich auch mit anderen zusammentun, um deine Meinung vielen anderen Menschen mitzuteilen.
Unsere Eltern haben beschlossen, dass Veronika nach den Sommerferien das Mädcheninstitut mit Internat im Melchtal besuchen wird.
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Was bewegte / prägte unsere Familie 1971 noch weiter?
Unsere Mama erhielt im Herbst 1966 die Diagnose Lupus.
Der Lupus ist das Chamäleon unter den entzündlich-rheumatischen Krankheiten. Als eine systemische Erkrankung kann er ganz verschiedene Organe und Organgruppen befallen und in unberechenbaren Entzündungsschüben individuell sehr unterschiedlich verlaufen.
Die Zahl der Betroffenen in der Schweiz wird auf 2400 geschätzt. Damit ist der systemische Lupus erythematodes eine recht seltene Krankheit. Zu 90% sind Frauen betroffen.
Ihr Hausarzt Dr. Fritz Wicki hat unserer Mama zu einer Schwangerschaft geraten, damit würde sie möglicherweise von der Krankheit geheilt.
Kann eine Schwangerschaft Mütter von Krankheiten heilen? Ja, sie kann! Und Sinn macht es biologisch gesehen auch: das Babys will schließlich in einem gesunden Körper aufwachsen und sein Überleben sichern. Auf den Verlauf bestimmter entzündlicher Autoimmunkrankheiten wirkt sich eine Schwangerschaft positiv aus. Werdende Mütter mit Multipler Sklerose, Rheuma oder der Augenkrankheit Uveitis erleben ein Abklingen der Symptome. Im Körper der Schwangeren kommt es demnach zu einer Umstellung des Stoffwechsels. Zunächst fördert die verminderte Pyruvatkinase-Aktivität das embryonale Zellwachstum. Doch das Enzym ist noch an einem weiteren Prozess beteiligt: Damit der weibliche Körper den Embryo nicht abstößt, stellt der Körper die Immunabwehr auf ein leicht abgesenktes Niveau ein. Derselbe Mechanismus wirkt sich offenbar auch positiv auf den Verlauf bestimmter Autoimmunkrankheiten aus – der Körper hört für eine Weile auf, intensiv gegen sich selbst zu arbeiten.
Die Schwangerschaft verlief nach meiner Wahrnehmung völlig normal.
Einige Tage vor dem Geburtstermin wacht unsere Mama auf und bemerkt, dass ihr Kind sich nicht mehr bewegt. Sie versucht sich zu beruhigen, redet sich ein, dass Babys kurz vor der Geburt oft weniger aktiv seien.
Als zwei Tage später immer noch keine Bewegung zu spüren ist, wächst die Angst. Als Mama ihren Hausarzt aufsucht, muss er ihr mitteilen, dass das Herz von ihrem Sohn nicht mehr schlägt. Unsere Mama bringt ihren Sohn mit einer Stillgeburt im Spital Sarnen tot zur Welt. Damals war es nicht üblich, dass Väter bei der Geburt dabei waren. Aus psychologischer Sicht wird den Müttern geraten, ihr totes Kind auf natürlichem Weg zur Welt zu bringen. Das ermögliche es Frauen, den Verlust ihres Kindes langfristig emotional besser zu verarbeiten. Seine Geburt war zugleich der Abschied.
Mein jüngerer Bruder Adrian und ich verbrachten die ersten zwei Wochen der Sommerferien im Zeltlager der Jungwacht in Tennwil. Der Besuchstag findet meist am Sonntag in der Mitte des Lagers statt. Ich war schon etwas überrascht, dass uns unser Papa uns im Lager besucht, das hat er noch nie gemacht. Der Grund seines Besuches war uns über die Totgeburt zu informieren.
Der Leichnam des Bruders wurde in den Sarg eines verstorbenen Erwachsenen beigelegt und mit diesem beerdigt.
Eine kleine Verabschiedung in der Familie hätte unsere Mama geholfen den Verlust des totgeborenen Kindes zu verarbeiten und zu bewältigen.
Vermutlich waren meine Eltern mit dieser Situation überfordert. Nichts ist schlimmer, als wenn einfach geschwiegen wird. Nach meinem Dafürhalten hat uns der jüngste Bruder immer gefehlt.
Unsere Mama wurde von der Krankheit nicht geheilt!
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Den Abschied bewusst gestalten
Eine „stille Geburt“ und der frühe Abschied von ihrem Kind werden für die meisten Eltern unvergessen bleiben. Viele fühlen sich dem toten Kind noch lange Zeit verbunden. Den Abschied bewusst zu gestalten, kann helfen, den Verlust begreifbar zu machen und neuen Mut zu fassen. Lassen die medizinischen Umstände ausreichend Zeit, können die Eltern nachdenken, was sie sich für diese besondere Geburt wünschen, und dies mit ihrer Hebamme und ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen.
Wenn ihr Baby tot zur Welt gekommen ist, brauchen die Eltern vielleicht einige Zeit, bis sie sich für die Begegnung mit ihm öffnen können und es in den Arm nehmen möchten. Viele Eltern haben zuvor noch nie einen toten Menschen gesehen. Sie haben möglicherweise Angst davor, wie ihr Kind aussehen wird, und fühlen sich überfordert. Wie werden mögliche Fehlbildungen aussehen oder wie hat sich seine Haut verändert, wenn es schon einige Tage vor seiner Geburt gestorben ist? Die Geburtshelferinnen und -helfer werden sie darauf vorbereiten, stehen ihnen in diesem Moment zur Seite und werden das Kind mit ihnen gemeinsam betrachten, wenn sie dafür bereit sind. Oft erfahren die Eltern bei dieser Begegnung neben allem Kummer auch Momente von Glück. Sie können sehen, wer ihr Kind ist. Wenn sie ihm noch keinen Namen gegeben haben, tun sie es möglicherweise in diesem Moment. Vielleicht entdecken sie seine ganz eigene Schönheit und empfinden es trotz allem als Wunder und Bereicherung, dass es sich so weit entwickelt hat und dass sie seinen Weg mit ihm gegangen sind.
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Was war 1971
Im Weltgeschehen war das Jahr 1971 geprägt vom Vietnamkrieg und der sogenannten Ostpolitik. Der Bundeskanzler der BRD, Willy Brandt, erhielt in Oslo den Friedensnobelpreis für sein Engagement zur Verbesserung der Ost-West-Beziehungen.
In Ägypten begann das Jahr mit der Einweihung des Assuan-Staudammes am 15. Januar, der nach elfjähriger Bauzeit vollendet worden war und der den Nil zu einem riesigen See staut, der zwischen 135 und 169 Kubikkilometer Wasser fasst.
Im kanadischen Vancouver gründeten Friedensaktivisten eine Non-Profit-Organisation, die sich international mit dem Erhalt des Umweltschutzes befasst und deren gewaltfreie Aktionen bis heute immer wieder für spektakuläre Schlagzeilen sorgen: Greenpeace.
Am 7. Februar 1971 – nach einem mehr als 100-jährigen Kampf der Frauenbewegung – erhalten die Schweizerinnen endlich das Wahl- und Stimmrecht. Infolge der Abstimmung wird Artikel 74 der Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 angepasst. Dank diesem Sieg können sich die Schweizerinnen ins Bundesparlament wählen lassen. Formell wurde das Frauenwahlrecht am 16. März 1971 in der Schweiz wirksam.
Auf kantonaler Ebene waren 1959 die Waadt und Neuenburg sowie 1960 Genf die ersten Kantone, die das Frauenstimmrecht einführten. Bis zur Einführung in allen Kantonen vergingen allerdings nach der Einführung auf Bundesebene noch weitere zwanzig Jahre: Am 27. November 1990 gab das Bundesgericht einer Klage von Frauen aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden Recht und bestätigte damit die Verfassungswidrigkeit der Innerrhoder Kantonsverfassung in diesem Punkt. So führte Appenzell Innerrhoden als letzter Kanton das Stimmrecht für Frauen auf kantonaler Ebene ein, entgegen einem Mehrheitsentscheid der Männer an der Landsgemeinde am 29. April 1990.
Der Weg dazu war lang und steinig.
Am 5. Februar 1971 kam es im Bahnhof Luzern zu einem verheerenden Brand, der grosse Teile des Jugendstilbaus zerstörte. Es war der grösste Bahnhofsbrand seit der Gründung der SBB.
Der Grossbrand hinterliess umfangreiche Schäden: die grosse Hauptkuppel war nicht mehr, der gesamte Westflügel des Stirngebäudes mit allen Räumlichkeiten des Bahnhofbuffets und die Schalterhalle mit Einnehmerei, Wartsaal, Handgepäckbereich und WC-Anlagen waren vollständig ausgebrannt. Allein bei der Räumung der Trümmer in der Schalterhalle sollten später über 220 Tonnen Schrott geborgen werden. Was die Brandursache betraf, lieferten die Untersuchungsarbeiten keinen eindeutigen Befund. Mit grösster Wahrscheinlichkeit war der Brand an einer Stelle ausgebrochen, wo am Vortag eine Lötlampe bei der Reparatur einer defekten Regenrinne eingesetzt worden war.
Für viele Zeitgenossen war nicht nur einer der wichtigsten Bahnhöfe der Schweiz für eine gewisse Zeit unbrauchbar gemacht worden. Verschwunden war innerhalb von ein paar Stunden auch eines der bekanntesten Gebäude der Stadt Luzern. Vor allem die von weither sichtbare Zentralkuppel war über die 75 Jahre ihres Bestehens zu einem Erkennungsmerkmal der Stadt geworden. Es war ein Abschied ohne Vorbereitung, wehmütig wurde noch lange dem «schönen alten Bahnhof» nachgetrauert.
- Sekundarschule «das verlorene Jahr»
Nach den Sommerferien werde ich für dieses Jahr von folgenden Lehrern unterrichtet:
- Paul Josef Fallegger (Jg. 1944) lic. phil. I (Schwerpunkt sprachlich / historisch)
- Agnes Fallegger-Kolb, (vermutlich 1940) Sekundarlehrerin
Das verlorene Jahr
Fast jedes fünfte Schulkind wiederholt einmal eine Klasse. Dabei weiss man längst, dass die Ehrenrunde in der Regel nichts bringt. Der Fall ist eigentlich klar: «Nichtversetzen», im Volksmund Sitzenbleiben, ist eine jener Massnahmen, die dem Lernerfolg in der Schule am meisten schaden. Sitzenbleiben ist somit etwas vom Dümmsten, was man verordnen kann, wenn ein Kind in der Schule besser werden soll. Am besten für den Lernerfolg ist die Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsvermögens. Dass diese mit dem Sitzenbleiben nicht unbedingt positiv ist, liegt auf der Hand.
Die Klassenwiederholung gehört zur Schule wie die Turnhalle und die Wandtafel. Und der einzelnen Lehrperson fällt es in der Regel auch gar nicht so auf, wie viele betroffen sind.
Wen es trifft mit dem Repetieren ist eher zufällig. Die Schulleistungen geben zwar den Ausschlag, ob ein Lehrer eine «Ehrenrunde» in Betracht zieht. Doch die Einschätzung der schulischen Leistung ist eine Geschichte für sich.
Eine Nationalfondsstudie belegt, dass Bewertungen nicht objektiv sind, sondern von vielem abhängen, das der Schüler nicht beeinflussen kann. Etwa von den Leistungen der Klassenkameraden oder vom Wohnkanton und dem dortigen Schulangebot. In einer eher schlechten Klasse ist es bei vergleichbarer Leistung einfacher, gute Noten zu erzielen. In Kantonen mit einem grossen Angebot an Sekundarklassen ist es leichter, den Sprung dorthin zu schaffen. Mit anderen Worten: Gleich gute Schüler werden am einen Ort versetzt, am andern müssen sie repetieren.
Es ist kein schönes Gefühl, zu wissen, dass die schulische Leistung nicht ausgereicht hat und man die Klasse wiederholen muss. Seine Kolleginnen und Kollegen muss man hinter sich lassen, und man kommt als Neuer in eine Klassengemeinschaft die sich kennt. Man wird genau beobachtet, vielleicht auch ausgelacht und verspottet ob seiner schlechten Noten. Auf alle Fälle kommt einem eine Sonderrolle zu – und das oft nicht nur von den Mitschülerinnen und Mitschülern. Auch Lehrkräfte gehen möglicherweise anders mit Repetenten und Repetentinnen um. Man traut ihnen eventuell nicht zu, dass sich ihre Leistung verbessert, stellt sie ins Eck der immer schlechten Schülerinnen und Schüler und beurteilt sie womöglich auch strenger.
Aber es gibt auch ein paar Vorteile, die man als Klassenwiederholer hat. In den Gegenständen, in denen man ohnehin gut war, braucht man kaum mehr Energie zu investieren, um zu brillieren, und vielleicht unterscheiden sich auch die Tests und Prüfungen gar nicht sehr von denen im Jahr davor – dieses Wissen kann man auch gut im Klassenverband teilen, was die Integration in die Klassengemeinschaft erleichtert und neue «Freundschaften» ermöglicht. Nicht immer ist das Wiederholen einer Klasse ein verlorenes Jahr.
Meine Ziele / Wünsche im neuen Schuljahr
Im neuen Schuljahr will ich mir die Zeit nehmen, welche ich für die Schule brauche. Die Schule hat für mich Priorität. Lernen ist Arbeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass mir lernen keinen Spass und Freude machen darf. Im Gegenteil mit einer positiven Stimmung schaffe ich viel mehr als unter Zwang.
Lerninhalte will ich aktiv verarbeiten. Anstatt nur zu lesen, ist es wichtig, dass ich mir selbst Fragen stelle, Verknüpfungen herstelle und die Inhalte kritisch hinterfrage. Diese Art des „aktiven Lernens“ erfordert zwar mehr Zeit und Energie, ist aber wesentlich effektiver, um tiefes Verständnis zu fördern. Es kann hilfreich sein, regelmässig Zusammenfassungen zu schreiben oder den Stoff laut zu erklären – entweder sich selbst oder anderen.
Wie war der erste Schultag nach den Sommerferien?
Als ich unser Klassenzimmer betreten habe, sass Sepp bereits zuhinterst am Schulpult in der Fensterreihe und hat mir zugerufen neben ihm wäre noch ein Platz frei. Ich war schon ein wenig überrascht, dass ich nicht der einzige Wiederholer bin. Da waren meine Kollegen Sepp, Walter und Kollegin Agnes. Mit Sepp und Walter habe ich mich immer sehr gut verstanden. Für mich war das ein Lichtblick, ich fühlte mich nicht mehr Alleine. Ich wusste nun, dass ich mit der Zeit wieder Frieden schliessen und mich versöhnen kann.
Für alle Schülerinnen und Schüler ist der erste Tag nach den Ferien etwas Besonderes. Etwas ganz Besonderes ist er für die Neuen, weil sie die Grundschule hinter sich gelassen haben und nun die Sekundarschule besuchen. Lernstoff, Kollegen, Lehrkräfte: Alles ist erst mal fremd. Neu an der Sekundarschule zu sein, ist immer mit Hoffnungen verbunden – aber auch mit Sorgen.
Die Neuen müssen mit völlig veränderten Lernanforderungen zurechtkommen. Die Lehrkräfte sind an der Sekundarschule oft deutlich distanzierter. Die Neuen mussten sich zuerst an die neue Situation gewöhnen. Mehr Eigenständigkeit und -initiative werden erwartet, und die Schülerinnen und Schüler bekommen meist weniger individuelles Feedback über ihren Leistungsstand.
Nun sind die Neuen in das Klassenzimmer eingetreten. Wir Alten wurden von den Neuen gemustert wie Zoobewohner.
Wir Alten haben die Neuen mit den neuen Verhältnissen vertraut gemacht.
Weil einige von den Neuen sich mit den völlig veränderten Lernanforderungen gestresst/überfordert fühlten wechselten einige in die Realschule.
Nach den Herbstferien haben einige von den Neuen in die Realschule gewechselt.
Mit dem Klassenklima ist es wie mit dem Wetter: Ist es kalt und regnerisch, sind wir tendenziell schlechter gelaunt und antriebslos. Wenn jedoch die Sonne scheint, blühen die Blumen, die Vögel zwitschern und wir wollen raus, um die Welt zu entdecken.
Das Wetter kannst du zwar nicht ändern, aber die gute Nachricht ist: das Klassenklima schon.
Das Klassenklima umfasst die emotionalen und sozialen Beziehungen zwischen SchülerInnen und LehrerInnen sowie zwischen den SchülerInnen selbst.
Bei der Klassengemeinschaft stehen hingegen die Interaktionen, Dynamiken und das Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen den Schülern und Schülerinnen im Fokus. Es geht darum, wie sie miteinander umgehen, kommunizieren, zusammenarbeiten, sich unterstützen und als Gemeinschaft agieren.
Merkmale für ein gutes Klassenklima und eine starke Klassengemeinschaft
- gegenseitiger Respekt,
- verlässlich eingehaltene Regeln,
- gemeinsam geteilte Verantwortung,
- Gerechtigkeit der Lehrkraft gegenüber jedem Einzelnen
Doch eine gute Klassengemeinschaft bildet sich nicht von alleine.
Warum ist eine gute Klassengemeinschaft wichtig?
Eine starke Klassengemeinschaft bringt für Schüler viele Vorteile mit sich.
Aktive Beteiligung am Unterricht: Wenn sich Schüler und Schülerinnen gegenseitig unterstützen und respektieren, fühlen sie sich sicher und wertgeschätzt. Dies schafft eine ideale Umgebung für das Lernen, da sie sich eher öffnen, Fragen stellen, Ideen austauschen und aktiv am Unterricht teilnehmen.
Soziale und emotionale Entwicklung: Eine starke Klassengemeinschaft fördert soziale Interaktionen, Empathie und Zusammenarbeit zwischen den SchülerInnen. Sie lernen, miteinander auszukommen, Konflikte konstruktiv zu lösen und Unterschiede zu akzeptieren. Dies trägt zur Entwicklung ihrer emotionalen Intelligenz bei und bereitet sie auf das Leben außerhalb der Schule vor, wo zwischenmenschliche Fähigkeiten von großer Bedeutung sind.
Nach meinem Dafürhalten war das Klassenklima sehr angenehm. Teilweise hatten die Mädchen den Eindruck Sepp und ich würden sie belächeln. Sepp und ich hatten den Eindruck die Mädchen sind uns mit Respekt begegnet. Vermutlich waren die Neuen noch grün hinter den Ohren. Auf die Idee, dass wir mit Ihnen nur flirten wollten sind sie gar nicht gekommen. Ein intensiver Blickkontakt, ein süsses Schmunzeln, Komplimente: Ja, theoretisch ist flirten total einfach. Doch in der Praxis standen die Mädchen vor dem grossen Problem, dass sie das Flirten nicht erkennen und die Signale oft falsch deuten.
Ein Mädchen ist mir schon am ersten Tag besonders aufgefallen. Innerhalb von wenigen Augenblicken habe ich entschieden, dass ich sie besonders mag. Das Mädchen hiess Marietheres.
Ich habe alles Mögliche unternommen um Marietheres näher zu kommen.
Ich habe Marietheres angelächelt. Jedes Mädchen möchte sich mit glücklichen Menschen umgeben. Deswegen sollte mein natürliches und ungezwungenes Lächeln Marietheres dazu bringen mich zu mögen. Gleichzeitig sollte sie sich später besser an mich erinnern. Es ist bewiesen, dass sich Menschen leichter an Personen erinnern, die sie in einem fröhlichen Kontext kennengelernt haben.
Ich suchte mit Marietheres den Augenkontakt. Mein Blickkontakt sollte Marietheres zeigen, dass ich aufmerksam und interessiert bin. Deswegen wollte ich mit dem richtig dosiertem Augenkontakt einen guten Eindruck hinterlassen. Ich achtete aber darauf Marietheres nicht anzustarren. Das hätte dazu führen können, dass sie sich unwohl fühlt.
Nicht jeder mag jeden. Ich war mir auch bewusst, dass die die Chemie zwischen zwei Menschen auch mal nicht stimmen kann. Nach einigen Monaten habe ich bemerkt, dass ich bei Marietheres nicht landen kann. Ich habe die Finger davongelassen. Ich habe mich auf die konzentriert, die mich wirklich mögen könnten. In unserer Klasse gab es aber Keine ich besonders mochte.
Ich bin mir selber treu geblieben und habe mich nicht für andere verbogen.
Es kann Spass machen, für ein Mädchen zu schwärmen, aber es kann einen auch einige Nerven kosten. Manchmal ist es eine Herausforderung, sie wissen zu lassen, dass du sie magst.
Ich konnte mir ausmalen, dass ich als Repetent bei einer guten Schülerin eher schlechte Karten hatte. Mir fehlte schlicht der Mut den ersten Schritt zu machen. Für mich hat es sich gut angefühlt, sie zu mögen, gerne hätte ich sie besser kennen gelernt. Gegenüber von mir hat Marietheres keine erkennbaren Signale ausgesendet, dass sie an mir Interesse hätte.
Fünf wichtige Zeichen weiblichen Interesses: Augenkontakt, Lächeln, Berühren während des Gesprächs, Lachen über meine Witze, aufrichtige Fragen über mich.
Offensiv rangehen oder defensiv bleiben?
Leider war da kein Zeichen zu erkennen. Ich wollte mich ja nicht zum Gespött der ganzen Klasse werden. Für die Neuen wäre das ein gefundenes Fressen gewesen. Man weiss auch nicht, was das für weitere Kreise nach sich zieht. Zuhause hätte ich mir garantiert zusätzlichen Ärger eingehandelt. Meine spärliche Freizeit hätte ich wieder im «Arbeitslager, auch Straflager oder Umerziehungslager» meiner Eltern verbringen können, wenigstens wurde ich im Lager für meine Arbeit entschädigt.
Es ist schön, es verwirrt und manchmal tut es weh, zum ersten Mal so richtig verliebt zu sein.
Manchen Menschen reicht schon ein flüchtiger Blick ihres Schwarms, um die Gefühlsachterbahn anzuschmeissen.
An die erste Liebe erinnert man sich ein Leben lang.
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Schach macht schlau!
Schach ist ein strategisches Brettspiel für zwei Spieler, das schon im Mittelalter gespielt wurde. Auch heute erfreut es sich noch großer Beliebtheit. Es gehört zu den populärsten Brettspielen in Europa. Weil die zwei wichtigsten Figuren auf dem Feld die Könige sind, nennt man Schach auch das "königliche Spiel".
Das altehrwürdige und weltweit verbreitete Schachspiel ist auch im 21. Jahrhundert ein geeignetes Instrument, um die Herausforderungen im Zeitalter von Computer und Künstlicher Intelligenz zu meistern. Weltweite Untersuchungen belegen, dass das Schachspielen zu besseren Schulleistungen führt.
Schach ist eine kostengünstige Möglichkeit, den Zugang zu Mathematik und Naturwissenschaften leichter zu gestalten, weil Schach überall gespielt werden kann und die dafür notwendigen Utensilien nicht teuer sind. Im Schachspiel lernten wir (Alex und ich) spielerisch unterschiedliche Fähigkeiten, die sich auf die naturwissenschaftlichen Schulfächer und persönliche Einstellungen positiv auswirkten.
Mein Schulkollege Alex und ich haben das Schachspiel gemeinsam erlernt.
Wie kann ich am besten Schach lernen? Wir haben uns einige Stunden Zeit genommen um die Grundlagen und Züge zu erlernen. Sobald wir die Grundlagen verstanden haben mussten wir nur noch Üben, üben und nochmals üben!
Beim Schach bewegen beide Spieler abwechselnd ihre Spielfiguren über ein 64-Felder großes Spielfeld. Ein Spieler hat schwarze Figuren, der andere Weisse. Beide Spieler haben die Möglichkeit, mit ihren eigenen Figuren gegnerische Spielfiguren vom Spielfeld zu entfernen. Weiss beginnt das Spiel.
Ziel des Spiels ist es, den gegnerischen König zu schlagen, indem du ihn "schachmatt" setzt. "Schach" sagst du, wenn du den gegnerischen König bedrohst. Eine Figur wird "bedroht", wenn sie auf einem Feld steht, auf der sie von einer anderen Figur geschlagen werden kann.
"Schachmatt" ist der Gegner erst, wenn er seinen König nicht mehr retten kann. Der König kann sich auf kein anderes Feld mehr bewegen, ohne geschlagen zu werden. Eine Figur zu schlagen, heisst, sie vom Spielfeld zu entfernen.
Mein Fazit: Schach ist eine hervorragende Freizeitbeschäftigung, die jeder lernen kann.
Im Verlaufe des Schuljahres habe ich dieses Spiel auch unserem Papa beigebracht. Während der Sekundarschule haben wir einmal in der Woche eine Partie Schach gespielt. Später war das uns nur noch sporadisch möglich. Oft endete das Spiel mit einem Remis.
Wenn eine Schachpartie Remis endet, haben beide Spieler weder gewonnen noch verloren - die Partie endet also Unentschieden.
***
Zur damaligen Zeit gönnten sich die Sekundarschüler eine zweitägige Schülerreise. Das notwendige Geld verdienten wir uns mit dem Sammeln von Altpapier. Einmal im Jahr sammelten wir Sekundarschüler in unserer Gemeinde das Altpapier. Der Verlade-Ort war am Bahnhof.
Alex war am Verlade-Ort am Bahnhof zugeteilt. Dort hat Alex für seine persönliche Bibliothek noch einige Zeitschriften aussortiert. Alex hatte seinen Fokus auf folgende Zeitschriften gelegt: «St. Pauli Extra, Schlüsselloch und Sexy». Dies Männermagazine findet man vielleicht noch bei ebay.
Alex hatte eine schöne Sammlung von ca. 30 Magazinen. Ab und zu fanden Alex und ich die notwendige Zeit uns vertieft mit dieser aufschlussreichen Literatur zu beschäftigen. Zuhause hätte ich kein Plätzchen gehabt diese Zeitschriften zu verstecken. Das hätte ein Riesengewitter ausgelöst. Meine Mutter hätte schon wieder Panik geschoben, weil sie befürchtete ich wollte zum Film als Pornodarsteller.
Wohin ging unsere Reise:
Anreise mit dem Zug nach Biel.
Am 1. Tag war stand eine grosse Wanderung auf dem Programm. Unsere Wanderung führte uns auf den «Chasseral».
Der Gipfel des Le Chasseral ragt 1.607 Meter in die Höhe, damit ist der Berg die höchste Erhebung des Schweizer Juras. Er liegt im Nordwesten des Kantons Bern auf der südlichsten Kette des Juragebirges. Auf seiner Spitze hatten wir eine herrliche Aussicht. Wir blickten bis zu den Vogesen, dem Schwarzwald, dem Schweizer Mittelland und zum Alpenpanorama.
Noch etwas für kulinarische Tiefflieger:
Zum Mittagessen mussten wir in einem Pfadikessel Ravioli aus der Büchse erhitzen. Ja nicht kochen, sonst brennen die Dinger an. Dazu gab es russischen Salat aus der Dose.
«Die Ravioli sollen angeblich bei Gross und Klein heiss geliebt sein. Die perfekte Mahlzeit aus der Dose. Ideal, wenn es mal schnell gehen muss.» so zumindest die Werbung.
Der eine Schüler musste eine Büchse Ravioli mitbringen der Andere russischen Salat. Ich muss nicht speziell erwähnen, dass es bei den Büchsen sehr unterschiedliche Qualitäten gab.
Als Schüler übernachteten wir in einem Massenlager (selbstverständlich geschlechtergetrennt).
Als Höhepunkt unserer Reise war stand die «Drei-Seen-Schifffahrt» auf unserem Programm.
Wir konnten die malerische Hügellandschaft des Drei-Seen-Landes auf dem Wasserweg entdecken.
Wir genossen das Naturschauspiel bei unserer Fahrt von Biel/Bienne über den Bielersee durch den Zihlkanal weiter in den Neuenburgersee und von da durch den Broyekanal in den Murtensee.
Die Uferlandschaften haben ständig gewechselt. Ich habe die Ruhe und die spezielle Atmosphäre auf dem Wasser genossen.
Wir haben noch das Städtchen Murten erkundigt.
Anschliessend ging es von Murten mit dem Zug nach Hause.
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Im Frühling habe ich einen Jungschützenkurs absolviert. Im Kurs ging es um Sportschiessen mit Kleinkaliber-Sportwaffen Distanz 50 m. Der Jugend- und Sportkurs war für alle Jugendlichen, welche gerne den Schiesssport kennenlernen wollten.
Der Kurs dauerte von März bis Ende August und beinhaltete 7 Kurstage, Die Kurstage waren jeweils am Sonntag von 9.00-12.00 Uhr.
Wir wurden im Schiessen, in der Technik und in der Konzentration geschult.
Der Kurs hat mir grossen Spass gemacht. Ich war ein guter Schütze.
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Das Schuljahr habe ich ohne Blessuren hinter mich gebracht. Ehemalige Schulkameraden von damals stellen sich noch heute die Frage aus welchen Gründen ich mit Ihnen in die Schule ging. Ich war ein guter Schüler.
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Am Montag ging es mit meinen Kollegen in das 14-tägige Zeltlager nach Zizers.
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Sollte jetzt Jemand befürchten die Ferien gingen zuhause weiter, den muss ich enttäuschen.
Vorgeschichte:
Mit dem Operationsbefehl Nr. 12 vom 17. Juli 1940 wurden von Juli bis August vier Divisionen (Div 1, 3, 6, 8) in die Voralpen/Alpen verschoben. Zusammen mit den zwei Divisionen (Div 7, 9), die bereits im Reduitbereich waren, befanden sich sechs von neun Divisionen im Reduit. Nachdem dort Festungen gebaut und Vorräte angelegt waren, wurden mit dem Operationsbefehl Nr. 13 vom 24. Mai 1941 auch die übrigen drei (Div 2, 4, 5) Divisionen in den Zentralraum verlegt.
Damit sich die Armee in die Reduitstellung zurückziehen konnte, mussten dort die notwendigen Befestigungen und Logistikeinrichtungen gebaut und für sechs Monate Vorräte (Waffen, Munition, Treibstoffe, Kohle, Lebensmittel usw.) für die Truppe und die dortige Bevölkerung angelegt werden.
Die Nachschubbasis Giswil war ein Logistikstandort der Schweizer Armee in der Gemeinde Giswil im Kanton Obwalden in der Alpenstellung während des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Krieges. Sie ist ein Beispiel für das Zusammenwirken des Milizsystems auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene.
In Giswil wurden ab 1941 Munitionsmagazine, Truppenunterkünfte, Militärbäckereien, unterirdische Magazine, Militärbaracken, Zeughausbaracken und Tankanlagen erstellt und grosse Mengen Vorräte eingelagert. Giswil erhielt das erste Eidgenössische Zeughaus im Kanton Obwalden. Damit die weit verstreuten Baracken und Anlagen besser erreicht werden konnten, mussten Wege zu Strassen oder bestehende ausgebaut werden.
Giswil gehörte zum Raum der 1947 neu geschaffenen Reduitbrigade 22 (R Br 22 «Ob- und Nidwalden, Oberhasli»). Mit der Armee 61 wurden die Reduitbrigaden dem Gebirgsarmeekorps 3 unterstellt und 2003 mit der Armee XXI abgeschafft.
Hinter dem Giswiler Bahnhof wurden neben dem Schützenhaus sieben unterirdische Tanks für Normaltreibstoff mit Gleisanschluss gebaut. In den 1950er Jahren wurde in einem Militärstollen hinter dem Scheibenstand ein grosses Treibstofflager erstellt. Diese Anlagen wurden 2009 aufgegeben. In der Anlage auf der Zollhausallmend (Sachseln) war Flugpetrol eingelagert.
Das Ingenieurbüro Albert Blum aus Ennetbürgen wurde 1972 mit diversen Planungsarbeiten für die Tankanlage beauftragt. Unser Papa wurde von Herr Blum angefragt, ob er ihm einen vertrauenswürdigen Arbeiter als Vermessungsgehilfe für ca. 3 Wochen ausleihen können.
So kam es, dass ich am Montag kurz vor sieben 7. 00 Uhr vor dem Haupteingang der UTA (unterirdische Tankanlage) stand und von dem zuständigen Verantwortlichen Angestellten hereingelassen wurde. Speziell will ich erwähnen, dass sämtliche Mitarbeiter vom Zeughaus sehr nett zu mir waren.
Für die Aufnahmen waren wir zu Dritt. Ingenieur Blum, 1 Mitarbeiter (Gasser) vom Zeughaus und ich. So hatte ich einen Einblick in einen Bundesbetrieb und eine geheime Anlage.
Als Vermessungsgehilfe hatte ich folgende Aufgaben:
- das Aufstellen der Messlatteüber den aufzunehmenden Punkten (Boden- oder Grenzpunkte, Gebäudeteile …)
- das Aufsuchen und evtl. Ausgraben der Festepunkte (Bodenmarken, KT-Steine usw.)
Nach knapp 3 Wochen waren die Arbeiten abgeschlossen.
Albert Blum war mit mir als Vermessungsgehilfe sehr zufrieden, so dass er mich für die letzte Ferienwoche für einen Auftrag im Wiesenberg (NW) ausleihte. Im Wiesenberg hatte Blum den Auftrag erhalten die Ferienhäuser an einer gemeinsamen Kläranlage anzuschliessen. Vorab mussten für das gesamte Gebiet die notwendigen Daten erfasst werden.
Am Sonntagabend brachte mich unser Papa nach Ennetbürgen zu den Blums. Ich erhielt das Gästezimmer zugewiesen. Am Montagmorgen um 6.00 Uhr ist Albert Blum mit uns nach Wiesenberg gefahren. Für die Aufnahmen waren wir zu Dritt. Ingenieur Blum, sein Sohn Urs (welcher 2 Jahre älter war als ich) und ich. Es wurde bis 13.00 Uhr gearbeitet. Anschliessend fuhren wir nach Ennetbürgen zum Mittagessen. Nach dem Mittagessen gingen Urs und ich in die Badi nach Buochs. Dort hat Urs seine Kollegen und Kolleginnen getroffen. Für Urs war ich eher ein lästiges Anhängsel. Unter anderem wurde in der Badi Tischtennis gespielt. Von Tischtennis hatte ich keine Ahnung, da konnte ich nicht mithalten. Ich war es gewohnt zu arbeiten. Zum Glück hatte ich ein spannendes Buch bei mir.
Am Samstagmorgen haben wir die letzten Vermessungen im Wiesenberg erledigt. Am Nachmittag hat mich Albert Blum nach Hause chauffiert.
Er war mit mir als Vermessungsgehilfe sehr zufrieden. Er hat mir angeboten nach der 2. Sekundarschule bei ihm eine Lehre als Vermessungszeichner zu absolvieren.
Vermessungszeichner (heute Geomatiker und Geomatikerinnen) sind die «Produzenten und Hüter» von wichtigen und wertvollen Informationen – den raumbezogenen Daten. Sie gehen bei Wind und Wetter ins Freie und vermessen, erfassen und dokumentieren Objekte aller Art.
Sollte es in Richtung Zeichner gehen, so wäre mein Favorit Hochbauzeichner.
Nun hatte ich eine Idee wie es nach der 2. Sekundarschule weiter gehen könnte.
Albert Blum wurde zu einem späteren Zeitpunkt Kantonsingenieur von Nidwalden und ist im Alter von 68 Jahren 1989 verstorben. Sein Sohn Urs ist im Alter von 51 Jahren 2006 verstorben.
Am Montag werde ich mit der 2. Sekundarschule starten.
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Wie ging es Veronika im Melchtal?
Veronika konnte sich mit dem Melchtal nicht anfreunden. Sie hat sich im Melchtal sehr einsam gefühlt, ihr fehlten die alten Schulkolleginnen und die Familie. Ihre Seele ist daran fast zerbrochen.
Nach den Sommerferien wird Veronika Töchterinstitut St. Agnes in Luzern besuchen. Das Mädchenpensionat St. Agnes in der Stadt Luzern wurde 1893 gegründet und 1990 geschlossen.
Veronika: Elterntaxi?
Zum Bahnhof gab es kein Elterntaxi. Der Fussweg zum Bahnhof und anschließend wieder zurück nach Hause, war eine normale Selbstverständlichkeit.
Ich habe Veronika jeweils am Sonntag mit dem Velo an den Bahnhof begleitet. Anschliessend mit dem Zug nach Sarnen. Am Kiosk habe ich ihr jeweils ein Ragusa oder etwas ähnliches von meinem Geld gekauft. Veronika nahm den Bus ins Melchtal und ich den Zug zurück nach Giswil.
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Was macht mein Bruder Willi?
Mit Beginn der Sommerferien ist die obligatorische Schulzeit für meinen Bruder Willi abgeschlossen.
Willi hat sich entschlossen in der in der Bauunternehmung unseres Papas eine Lehre als Maurer zu absolvieren.
Als Maurer erstellst du Neubauten und trägst dazu bei, dass Bauwerke ihren Wert behalten. Auch das Sanieren und Restaurieren sind wichtige Aufgaben für dich und dein Team. Bei allen Arbeiten gilt es, Ausführungspläne mit traditionellem Handwerk und modernsten Maschinen und Geräten umzusetzen. Du arbeitest oft im Freien und in grosser Höhe.
Maurer sind gesuchte Berufsleute. Dir stehen mit der Ausbildung zum Maurer EFZ alle Wege offen! Eine Ausbildung, auf die du bauen kannst!
Anfangs August 1972 wird Willi die 3-jährige Lehre in Angriff nehmen.
Ich war schon ein wenig irritiert. Ich hatte immer das Gefühl sein Traum wäre die Gastronomie und Willi will vorab eine Kochlehre absolvieren.
Was war 1972
Zwölf Personen kamen 1972 bei einem Seilbahnunglück im Kanton Wallis ums Leben. Die Schweizer Bevölkerung war erschüttert, die Sicherheit des modernen Transportmittels wurde infrage gestellt.
Im September 1972 fasste das Schweizer Parlament einen Beschluss, der vielen Abgeordneten äusserst schwerfiel: Die Abschaffung der Schweizer Kavallerie. Diese Entscheidung kam trotz einer Petition mit 432’430 Unterschriften zustande. Die Schweiz war zu diesem Zeitpunkt das letzte Land in Europa, das noch berittene Kampfeinheiten unterhielt.
Am 22. Juli 1972 unterschrieb die Schweiz, zeitgleich mit Schweden, Österreich, Portugal und Island, das Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (damals EWG). Die Schweiz, vertreten durch den damaligen Bundesrat Ernst Brugger, unterzeichnete den Vertrag im Palais d’Egmont in Brüssel und legte damit den Grundstein für einen langen und erfolgreichen bilateralen Weg zwischen den beiden Wirtschaftspartnern.
Als die Wintersportler im Februar 1972 zum ersten Mal in Ostasien gastierten, entwickelte sich in der Schweiz eine vorher noch nie gesehene Begeisterung für die Wettkämpfe auf Eis und Schnee. Das hatte mit den Schweizer Erfolgen zu tun. Zehn Medaillen gewann die Schweizer Delegation in Japan, vier davon aus Gold. Nur die damaligen Sport-Supermächte Sowjetunion und DDR waren noch erfolgreicher. Das war Balsam für die Schweizer Sportanhänger nach dem Debakel von Innsbruck 1964 ohne Medaillen. Der Abfahrts-Olympiasieger Bernhard Russi war der Schweizer Star.
Das sportliche Ereignis des Jahres, die XX. Olympischen Spiele, die in München stattfanden, wurden zu einem politischen Massaker. Elf Sportler der israelischen Mannschaft wurden von der palästinensischen Terror-Organisation „Schwarzer September“ als Geiseln genommen. Die Befreiungsaktion durch deutsche Behörden scheiterte. Alle Geiseln, fünf Terroristen und ein deutscher Polizist starben. Die Spiele wurden einen Tag vorzeitig beendet.
Schlagzeilen machte weltweit auch die Washingtoner Watergate-Affäre, die durch den Einbruch in das Watergate-Gebäude ausgelöste wurde. Gravierende Missbräuche von Regierungsvollmachten wurden von einer Protestwelle und Demonstrationen verurteilt. Gleichermaßen musste sich die USA-Regierung unter Richard Nixon mit dem Aufbegehren der Bevölkerung gegen den Vietnam-Krieg auseinandersetzen.
Am 2. März 1972 veröffentlichte der Club of Rome einen Bericht mit dem Titel
"Die Grenzen des Wachstums".
Ziel dieses Berichts war es weniger, Prognosen für die Zukunft zu geben. Vielmehr wollten die Forschenden verstehen, welche Dynamiken durch exponentielles Wachstum und die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Trends entstehen könnten. Dafür entwickelten sie zehn Szenarien, die jeweils auf etwas anderen Annahmen beruhten. Bei den Hochrechnungen wurde sehr deutlich: Ein "Weiter so" würde es ohne massive Krisen nicht geben können.
Wenn die Menschheit unverändert weiterleben würde wie bisher, so die Studie, wäre mit einem starken Anstieg der Weltbevölkerung zu rechnen. Die Rohstoffvorräte würden in wenigen Jahrzehnten zur Neige gehen, oder ihre Förderung könnte so kostspielig werden, dass sich der Abbau nicht mehr lohne. Die lange stark wachsende Industrie würde dann einbrechen, Umweltverschmutzung den Zusammenbruch weiter beschleunigen. Bis spätestens 2100 wäre eine Katastrophe für die Weltgesellschaft unvermeidbar.
Am 13. Oktober 1972 stürzt ein Flugzeug in den Anden ab, die Suche wird bald eingestellt. Doch ein Teil der Passagiere überlebt monatelang im ewigen Eis des Hochgebirges - dank einer grausigen Entscheidung. Als "Wunder der Anden" ging das Drama im Jahr 1972 in die Annalen ein.
Die Absturzstelle liegt in einem Gebiet, in das nie zuvor ein Mensch seinen Fuß gesetzt hat - eine leere, leblose, weiße Hölle. Es herrschen extreme Minusgrade, bis 40 Grad unter Null. Wer verletzt ist, hat keine Chance, fünf weitere Passagiere überstehen die erste Nacht nicht. Die Überlebenden begraben ihre toten Kameraden im ewigen Schnee - und hoffen auf schnelle Rettung für sich selbst.
Doch die Suchflugzeuge der chilenischen Luftrettung können nicht hoch genug aufsteigen, um die abgestürzte Fairchild, die in einem Hochtal liegt, zu entdecken. Acht Tage nachdem die Maschine von den Radarschirmen der Flugüberwachung verschwunden ist, wird die Suche eingestellt. Die Verschollenen hören die Meldung über den Abbruch der Rettungsaktion über ein Transistorradio.
Dann müssen sie eine Entscheidung treffen. Entweder sie gehen zugrunde, oder... Im Schnee liegen die gut konservierten Leichen von zehn Kameraden begraben.
Buchtitel: 72 Tage in der Hölle, ISBN: 9783442154982
Mehr als dreißig Jahre mussten vergehen, bevor Nando Parrado, einer der Überlebenden, den Mut fand, sich selbst zu Wort zu melden und über das wahre Ausmass der Katastrophe zu berichten. In seinem ebenso bewegenden wie dramatischen Buch schildert er das schockierende Martyrium der Überlebenden - und wie es ihm auf unvorstellbare Weise gelang, der Hölle aus Schnee, Eis und blankem Fels zu entkommen und die ersehnte Rettung herbeizuholen.
- Sekundarschule
Nach den Sommerferien werde ich für dieses Jahr von folgenden Lehrern unterrichtet:
- Agnes Fallegger-Kolb, (vermutlich 1940) Sekundarlehrerin
- Ferdinand Jaggi, Musiklehrer
- ? Grichting, Sekundarlehrer aus dem Wallis
Ferdinand Jaggi unterrichtete uns in folgenden Fächern: Algebra, Rechnen, Geometrie und Musik
Die Frage, welches Wissen Lehrerinnen und Lehrer brauchen, kann man verschieden beantworten, je nachdem, wen man als Fragesteller vor Augen hat, aber auch je nachdem, was man unter einem Lehrer bzw. einer Lehrerin versteht. Etwas zynisch könnte man sagen: Lehrer müssen wissen, wann sie Ferien haben, wie lange sie ohne ärztliches Zeugnis der Schule fernbleiben dürfen und unter welchen Bedingungen sie sich frühpensionieren lassen können. Diese Art von Wissen ist vermutlich nicht gemeint, wenn sich Dozentinnen und Dozenten des Sekundarlehramtes die Frage stellen, was Lehrpersonen wissen müssen. Gemeint dürfte eher ein uneigennütziges Wissen sein, das den Schülerinnen und Schülern zugutekommt, d.h. ein Wissen, das an die Verantwortung gebunden ist, die Lehrkräften für die kommenden Generationen aufgetragen ist. Das Wissen, von dem die Rede sein soll, ist berufsrelevantes, d.h. professionelles Wissen.
Das Lehren im Sinne des Unterrichtens gilt als Kernbereich der Lehrertätigkeit.
Leider verfügte Jaggi nur über mangelhafte Kenntnisse in den mathematischen Fächern. Algebra war ihm völlig fremd und seine Inkompetenz war kaum zu überbieten. Im Grunde genommen hatte er in den mathematischen Fächern vom Tuten und Blasen keine Ahnung. Wenn ein Schüler ihm jeweils zu einer Rechenaufgabe eine Frage stellte lautete seine übliche Antwort: «Ja, da würde er zuhause seine Frau fragen müssen.» Seine Frau kannte jeweils auch keine befriedigende Antwort.
Ich entwickelte jeweils eigene Lösungen. Ich machte mir die notwendigen Gedanken und stellte mir die erforderlichen Fragen. Ich war ein kleiner Autodidakt. Mein Interesse an Mathematik war geweckt, mir fehlte aber der Austausch mit dem Lehrer.
Algebra trainiert unser Gehirn und so können wir logische Zusammenhänge erkennen und Probleme strukturiert lösen. Diese Fähigkeiten sind neben Mathematik auch in vielen weiteren Lebensbereichen hilfreich, und zwar von der Entscheidungsfindung bis hin zur kreativen Problemlösung.
Besondere Fähigkeiten und Stärken hatte Ferdinand Jaggi vor allem im musischen Bereich.
Im Musikunterricht haben wir jeweils Gruppentänze eingeübt. Ich kann mich noch an folgendes Stück erinnern:
Bitte, gib mir noch ein Zuckerstückchen für mein kleines Pony
„Danke!“, wiehert dann mein Ponypferdchen mit dem Namen Johnny
Weit übers Land wird mein Pferdchen heute traben
Und dann soll's zum Lohne ein Zuckerstückchen haben
Sattel mir mein Pony früh am Morgen, wenn es taut vom Himmel
Wenn im Hof sich alle Pferde tummeln, Rappe, Fuchs und Schimmel
Weit übers Land wird mein Pferdchen heute traben
Und dann soll's zum Lohne ein Zuckerstückchen haben
Meinen Johnny noch ein Zuckerstückchen und dann geht's ins Weite
Und das Ponypferdchen wiehert, wenn ich singe, wenn ich reite
Weit übers Land wird mein Pferdchen heute traben
Und dann soll's zum Lohne ein Zuckerstückchen haben
Die Idee hatte für mich einen gewissen Charme.
Jaggi wollte in uns die Freude an Musik, Bewegungen, Rhythmus und Darstellungen wecken. Das ist ihm teilweise auch gelungen.
Ein Schüler und eine Schülerin mussten sich jeweils zusammentun und die Schritte/Figuren gemeinsam üben. Gerne hätte ich mich jeweils mit meiner geheimen Liebe Marietheres zusammengetan. Eine gute Möglichkeit sich endlich näher zu kommen. Leider krallte sich Marietheres jeweils unser Elefantenbaby Beat Steiger. Beat Steiger war alles andere als ein Herzensbrecher und war bei den Mädchen kaum gefragt, zudem hatte er nach meinem Dafürhalten vier Füsse. Ich spielte doch da in einer ganz anderen Liga. Es war wie verhext, Beat hatte Marietheres abonniert. Vermutlich wollte sie erst mal nichts von mir, ich werde auf sie warten. Meine Zeit wird kommen, das wusste ich mit absoluter Gewissheit.
Um eine Mitschülerin musste ich mich jeweils nicht bemühen. Isabell hat mich jeweils als Teamkollege gefragt, ihre Anfrage konnte ich jeweils nicht ablehnen. Isabells Vater arbeitete bei unserem Papa als Vorabeiter, da konnte ich schlecht Nein sagen.
Raben sind schlau. Wenn ein Rabe eine Nuss knacken will, dann ist er beharrlich. Er klopft auf der Schale herum, und irgendwann kommt er darauf, dass er die Nuss aus grosser Höhe auf harten Untergrund fallen lassen kann – Asphalt eignet sich hier gut, Raben haben sich ja an städtische Umgebungen angepasst. Aber manche Nüsse sind auch dafür zu hart. Was macht der Rabe? Nein, er nimmt keine andere Nuss. Er will diese. Also bleibt er dran. Er platziert die Nuss auf der Straße, und zwar so, dass ein Auto drüberfahren muss – ein motorisierter Nussknacker quasi. Und als wäre das noch nicht genug, perfektioniert der Rabe das noch, um nicht unter Lebensgefahr die Nussbröckchen von der Straße klauben zu müssen: Er legt sie an einer Fußgängerampel auf die Strasse und wartet, bis er bei Grün zum Aufsammeln kommen kann. Ich finde diese Beharrlichkeit faszinierend, aber noch faszinierender daran finde ich, dass der Rabe es nicht dabei belässt, beharrlich auf der Nuss herumzuklopfen. Beharrlichkeit und Flexibilität zusammen lassen ihn zum Ziel kommen, vermutlich sogar schnabelschonend. Der Rabe behält sein Ziel unbeirrt im Auge, und er erreicht es, indem er verschiedene Wege geht, etwas Neues probiert, die Potentiale seiner Umgebung nutzt. Mit Beharrlichkeit allein wäre er vielleicht nie an den Kern der Nuss gekommen. Blosse Sturheit reicht nicht, oder man bleibt dabei hungrig. Um zum Kern zu kommen, zur Tiefe meines Lebens, brauche ich Geduld und Phantasie, Hartnäckigkeit und die Bereitschaft, mich auf neues einzulassen. Die Nuss knackt sich nicht von selbst.
Bei Herzensthemen braucht es eben beides: neue Wege und Beharrlichkeit. Das richtige Werkzeug und die Hilfe von aussen, denn manchmal ist das Leben eine echt harte Nuss.
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Grichting unterrichtete folgende Fächer: technisches Zeichnen, Chemie, Physik und Biologie.
Meine technischen Zeichnungen wurden von Grichting mit sehr gut bewertet. Das technische zeichnen hat mir in der Zwischenzeit grosse Freude gemacht, so dass ich auch in meiner Freizeit Zeichnungen von interessanten Bauobjekten ausfertigte. Meine Selbstzweifel oder Schwierigkeiten bei Paul Fallegger konnte ich in der Zwischenzeit überwinden. Bei Grichting konnte ich ein starkes Selbstvertrauen entwickeln, um meine Ziele zu verfolgen und Erfolge zu erreichen.
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In der 2. Sekundarschule gilt es, zu entscheiden, was ich nach der obligatorischen Schulzeit machen will. Beginne ich eine Lehre oder gehe weiter in die Schule. Die Entscheidung weiter in die Schule zu gehen oder eine zu Lehre zu machen kann niemand für mich entscheiden.
Ich habe mir folgende Fragen beantwortet:
- Wofür kann ich mich begeistern?
- Was mache ich nicht so gern?
- Was mache ich in der Schule am liebsten?
- Worin bin ich besonders gut?
- Was mache ich in der Freizeit besonders gern?
- Welche Optionen nach der Schule gibt es?
Lehre mit eidgenössischem Fachzertifikat (EFZ)
Ein Grossteil der Schulabgänger und Schulabgängerinnen machen nach der Oberstufe eine Berufslehre. Im Durchschnitt dauert diese 3 Jahre, um ein EFZ zu erreichen. Einige dauern jedoch auch vier Jahre. Dabei arbeitest du 3 oder 4 Tage pro Woche in deinem Lehrbetrieb und lernst die praktische Arbeit deines Berufes. Die restliche Zeit verbringst du in der Berufsschule, wo du dich mit den theoretischen Grundlagen zum Beruf und mit Allgemeinwissen befasst.
Ich stellte mir vor, ich würde mich jeden Morgen beim Aufstehen auf die Arbeit freuen. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Der Schlüssel dazu lag näher als ich dachte – in meinen persönlichen Werten. Unsere Werte beeinflussen unser Handeln und definieren, in was wir unsere Energie und Zeit investieren. Eine Berufslehre als Hochbauzeichner war naheliegend.
Was macht ein Hochbauzeichner?
Der Zeichner erstellt technische Zeichnungen für Bauprojekte gemäss den Vorgaben von Architekten. Sie entwickeln, bearbeiten und gestalten die Planungsunterlagen.
Sie üben folgende Tätigkeiten aus: Projekt- und Ausführungspläne von Hochbauten aller Art erstellen, z. B. von Wohnhäusern, Einkaufszentren, Bürogebäuden oder Industriebauten.
Dauer:
4 Jahre
Lerninhalte:
- Erarbeiten von Grundlagen und Lösungsansätzen
- Ausfertigen von Modellen und Zeichnen von Plänen
- Ausfertigen von Perspektiven und physischen Modellen
- Unterstützung der Projektleitung
Vorbildung:
- Sekundarschule abgeschlossen
- gute Leistungen in Mathematik, Geometrie und technischem Zeichnen
Anforderungen
- räumliches Vorstellungsvermögen
- abstrakt-logisches Denken
- Interesse an mathematischen und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen
- genaue und sorgfältige Arbeitsweise
- Organisationsfähigkeit
- Freude am Kontakt mit Menschen und Verhandlungsgeschick
Unser Papa hatte nach seiner Schulzeit eine Lehre als Hochbauzeichner bei Hochstrasser absolviert. Ich muss nicht spezielle erwähnen, dass ich bei ihm mit meinem Berufswunsch offenen Türen eingerannt bin.
Unser Papa war damals mit den Baumeisterarbeiten für das Jugendhaus Mörlialp beauftragt worden, welches durch das Architekturbüro Werner Wyss aus Sarnen / Lausen geplant worden ist.
Eine Baustelle ist oft kompliziert und erfordert viele Absprachen zwischen dem beauftragten Architekten, Handwerkern und der Bauherrschaft. Jeder hat seine eigenen Interessen: Der Bauherr möchte nach seinen Wünschen sein Haus möglichst schnell und kostengünstig fertiggestellt haben. Der Handwerker strebt danach, die Baustelle ordentlich abzuschliessen, ohne seinem Geld hinterherrennen zu müssen, und seine Fähigkeiten zu zeigen. Der Architekt möchte seine Ideen verwirklichen und möglichst wenige Kompromisse eingehen, dabei aber sicherstellen, dass alles im Zeitplan, Budget und gemäss den Bauvorschriften und Normen funktioniert.
Es ist unerlässlich, dass auf jeder Baustelle, unabhängig von ihrer Grösse, eine gute Kommunikation herrscht. Das erfordert gegenseitige Wertschätzung und den Willen, die Probleme und Anliegen der anderen Person zu hören und zu lösen. Nur so kann eine harmonische Zusammenarbeit gewährleistet werden.
Architekten müssen verstehen, dass Handwerker Experten in ihrem Bereich sind und wertvolles Wissen und Erfahrung mitbringen. Gleichzeitig sollten Handwerker anerkennen, dass Architekten ihre eigenen Herausforderungen und Anforderungen haben. Am Schluss sitzen sie alle in einem Boot und wollen das Bauprojekt gut abschließen!
An einer Baustellenbegehung mit dem Architekten erwähnte unser Papa, dass sein Sohn auf den Sommer an einer Lehrstelle als Hochbauzeichner interessiert wäre.
Werner Wyss war interessiert auf den kommenden Sommer einen Lehrling einzustellen. Es wurde ein Termin für ein Vorstellungsgespräch auf den kommenden Mittwochnachmittag bei uns zu Hause vereinbart. Ich sollte einige Zeichnungen von mir präsentieren.
Wie habe ich mich am Vorstellungsgespräch verhalten:
Um von Beginn eine positive Atmosphäre zu schaffen, habe ich Herrn Wyss mit Namen, einem festen Händedruck und einem freundlichen Lächeln begrüsst.
Ich habe eine aufrechte Haltung beim Sitzen eingenommen und es vermieden die die Arme zu verschränken. Während des Gespräches habe ich auf den Blickkontakt geachtet, ich habe mich offen verhalten und am Gespräch beteiligt. Ich bin selbstbewusst aufgetreten und habe mich motiviert gezeigt. Am Gesprächsende habe ich notiert wie es weitergehen soll. Am Schluss habe ich mich für das Vorstellungsgespräch bedankt.
Wir wurden uns rasch einig, im August werde ich mit der Lehre als Hochbauzeichner starten.
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Zur damaligen Zeit gönnten sich die Sekundarschüler eine zweitägige Schülerreise. Das notwendige Geld verdienten wir uns mit dem Sammeln von Altpapier.
Anreise mit dem Zug (über Interlaken) nach Hohtenn im Wallis.
Am 1. Tag stand eine Wanderung auf dem Programm. Zu Recht zählt diese Wanderung zu den Klassikern. Wir absolvierten den Höhenweg Lötschberg Südrampe im Kanton Wallis. Es ist ein abwechslungsreicher, gut markierter und viel begangener Panoramaweg von Hohtenn nach Brig. Diese Wanderung bietet einen schönen Blick über das Rhonetal. Die Region um Hohtenn weist ein sehr stark mediterran geprägtes Erscheinungsbild auf. Föhren und diverse Kräuter bestimmen das Gebiet, in welchem an den heissen Stellen viele Eidechsen und sogar Schlangen leben, diese sind harmlos und ungiftig. Auch die Eisenbahnfreunde kommen voll auf ihre Rechnung. Hohe Viadukte wechseln mit zahlreichen Tunnels und kühn an die Bergflanke angelegten Abschnitten - Meisterwerke des Bahnbaus im frühen 20. Jahrhundert.
Zum Mittagessen gab es wiederum (feinen) Ravioli aus der Büchse. Dazu den (beliebten) russischen Salat.
Die Kulturinteressierten Schüler besichtigten in Brig den Stockalperpalast.
Kaspar Stockalper war zu seiner Zeit, dem 17. Jahrhundert, der "genialste" Frühkapitalist weit und breit. Der Stockalperpalast in Brig zeugt von seinem Reichtum. Stockalper handelte mit allem: mit Söldnern und Schnecken, mit Salz und Erzen. Er kaufte und verkaufte, was auch immer Profit versprach, und notierte in sieben Sprachen alles in seinen Büchern - auch wann und wie er seine Partner bestach oder betrog. Kein Privater der Schweiz konnte sich im 17. Jahrhundert einen grösseren Palast bauen lassen. Doch der Neid – so sagt man – ist der älteste Walliser, und so vertrieben die Walliser notabene den reichen und mächtigen Grossen Stockalper 1679 nach Domodossola ins Exil. Sein Vermögen wurde aufgeteilt und seine Geschäfte wanderten in andere Regionen ab. Verarmt und verbittert, durfte er wieder nach Brig zurückkehren und in seinem Schloss sterben.
Nach der Besichtigung haben wir die Gelegenheit für ein Gruppenfoto genutzt. Ich habe meinen Platz ganz bewusst links neben Marietheres gewählt. Vor allem wollte ich neben ihr auf einem Foto verewigt sein.
Weshalb steht Marietheres rechts von mir? Der Geschichte zufolge entstand diese Regel, dass die Dame auf der rechten Seite geht, im Mittelalter, als Ritter ihre Schwerter auf der linken Seite ihres Körpers trugen und so ihren rechten Arm und ihre rechte Hand für eine schnelle Reaktion frei hatten, um ihre Dame und natürlich auch sich selbst vor einem bösen Feind oder einer anderen Gefahr zu schützen.
Wir haben in Brig in der Volksherberge übernachtet (selbstverständlich geschlechtergetrennt).
Dieses Massenlager diente auch als Unterkunft (Kantonnement) für das Militär.
Der Höhepunkt unserer Reise war der Besuch des Marktes in Luino. Er ist einer der grössten Strassenmärkte Europas und findet jeden Mittwoch statt.
Mit dem Zug reisten wir von Brig nach Stresa. Zu den Attraktionen in Stresa zählen seine Altstadt und Uferpromenade mit zahlreichen Hotels und Grünanlagen, sowie die dem Dorf vorgelagerten Borromäischen Inseln.
Vor der Weiterfahrt mit dem Schiff hat sich eine Gruppe in einer Lounge einen Frühschoppen gegönnt. Was könnte passender sein als ein Gläschen Frizzantiono. Frizzantino ist ein Weisswein, der die Geschmacksknospen zum Tanzen bringt! Mit weniger Druck als Champagner, aber genug Blubberblasen, um das Herz höher schlagen zu lassen, ist Frizzantino wie eine kleine Feier in der Flasche. Katharina (die spätere Frau des Dorfarztes) hat der Wein so gut geschmeckt, dass es nicht bei einem Gläschen geblieben ist. Käthi war völlig ausser sich vor Freude, sie hätte die ganze Welt umarmen können.
Die Schifffahrt von Stresa nach Luino dauerte 1 ¾ Stunden, so konnte Käthi wieder ein bisschen runterkommen.
Der Besuch der berühmteste Wochenmarkt am Lago Maggiore in Luino war der Höhepunkt unserer Schülerreise. Wir liessen uns treiben, durch die vielen Marktstände mit Spezialitäten aus der Region, sowie Kleider- und Lederwaren.
Anschliessend ging dem Zug über den schönsten Weg durch die Alpen nach Hause.
Die Gotthard-Bergstrecke ist die schönste Art, ein starkes Stück Alpen am Gotthard zu entdecken. Die Szenerie wandelt sich am laufenden Band auf dieser Panoramastrecke.
Die Gotthard-Bergstrecke wurde im Jahr 1882 gebaut, wir genossen das einmalige Panorama vom Zug aus, der sich den Hängen entlang emporwindet, eingebettet in eine wilde alpine Natur. Schlag auf Schlag wechselt die Szenerie, von den Steinhäusern in der Südschweiz, den lieblichen Plamen zu den knorrigen Tannen und Fichten im Alpengebiet. Über 205 Brücken und 7 Kehrtunnels präsentiert die faszinierende Fahrt ein ausserordentliches Wechselspiel zwischen Natur und Technik. Mystisch ist diese Reise durch die Wiege der Schweiz, um die sich unzählige Mythen und Sagen ranken.
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Im Frühling habe ich den Fortsetzungskurs für Jungschützen absolviert.
Nach den Frühlingsferien fand im Kleinkaliberstand Kleinteil das Knabenschiessen von Giswil statt.
Es durften auch Mädchen teilnehmen. Ganz knapp wurde ich nicht zum Schützenkönig erkoren.
Ich erreichte den 2. Schlussrang. Ausser den Teilnehmern hat meine Leistung Niemanden interessiert.
Ich war stolz auf mein gutes Resultat.
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Das Schuljahr habe ich ohne Blessuren hinter mich gebracht. Ehemalige Schulkameraden von damals stellen sich noch heute die Frage aus welchen Gründen ich mit Ihnen in die Schule ging.
Ich war ein guter Schüler.
Die vielen spannenden Begegnungen mit meinen Mitschülern werden mir fehlen. Marietheres wird mir besonders in liebenswerter Erinnerung bleiben.
Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Manche lieben und brauchen sie, anderen sind sie ein Gräuel. Und doch können wir uns Veränderungen nicht völlig entziehen. Denn, ob wir wollen oder nicht: Sie sind Teil unseres Lebens. Sicherlich ist es auch eine Einstellungs- oder Charaktersache, wie offen und lustvoll wir dem Wandel – also der Veränderung – und somit Neuem gegenüberstehen.
Wer sich bewusst ist, dass stetiger Wandel zum Leben dazugehört und diesen positiv anzunehmen vermag, hat schon viel gewonnen. Wer einen Schritt zurücktritt und sich bewusst wird, dass heutzutage nicht mehr alles in Stein gemeisselt ist, kann durch diese Erkenntnis auch Druck wegnehmen und so mit einer gewissen Leichtigkeit und natürlichem Mut Neues ausprobieren. Durch die Tatsache, dass etwas neu ist, wird normalerweise auch die Einstellung zu Fehlern verändert, denn diese gehören beim Ausprobieren schlichtweg dazu. So ist das Endresultat noch nicht unbedingt vorbestimmt, sondern es ist ein Teil des Weges. Allfällig auftretende Umwege sind durchaus willkommen und meistens sehr lehrreich. Veränderung ist deshalb ein Teil unseres Lebens auf den wir vertrauensvoll zählen dürfen.
ES IST NICHT DIE STÄRKSTE SPEZIES DIE ÜBER-LEBT, AUCH NICHT DIE INTELLIGENTESTE.
ES IST DIEJENIGE, DIE SICH AM EHESTEN DEM WANDEL ANPASSEN KANN.
Charles Darwin, Naturforscher
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Am Montag ging es mit meinen Kollegen in das 14-tägige Zeltlager nach Ponte Valentino im Bleniotal.
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Anschliessend ging es für meine Kollegen und mich eine Woche ins Basislager nach Sedrun. Aus Giswil waren wir zu viert. Am Sonntag reisten wir gemeinsam mit dem Zug von Giswil nach Sedrun. Am Samstag ging es dann wieder nach Hause. Es waren etwa 100 Lagerteilnehmer aus der Deutschschweiz. Gut 1/3 der Teilnehmer waren Mädchen. Wir Lagerteilnehmer waren alle etwa im gleichen alter.
Die Unterkunft in Sedrun war zentral aber ruhig gelegen. Meine Kollegen und ich schliefen in einem Massenlager mit ca. 32 Betten vielleicht waren es auch 40 Betten (Etagenbett). Ich schlief oben.
In unterschiedlichen Gruppen haben wir an verschiedenen Aufgaben gearbeitet. Dabei haben wir unsere unterschiedlichen Fähigkeiten und Stärken eingebracht. Wir lernten vor allem Aufgaben im Team zu lösen. Unter anderem wurden wir für die Aufgabe als zukünftige Gruppenführer geschult.
Den Austausch mit Gleichaltrigen aus der gesamten Deutschschweiz empfand ich als bereichernd.
Den Tag haben wir jeweils mit dem Tanz «Letkiss» begonnen und den Tag am Abend mit dem Tanz Letkiss ausklingen lassen. Lettkiss war ein Modetanz aus Finnland. In den 1970 er Jahren wurde dieser Tanz oft in Gruppen getanzt. Das spezielle an diesem Tanz waren die ausgeführten Hüpfbewegungen (Hacke Spitze, vor zurück und vor vor vor) beim Tanzen.
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Anfangs August werde ich mit meiner 4-jährigen Lehre als Hochbauzeichner in Sarnen, im Hochhaus beginnen. Von unserem Zuhause bis ins Büro misst der Fahrweg mit dem Töffli über Wilen 11 km und über Sachseln 12 km. Das heisst für den Arbeitsweg würde ich mit dem Töffli max. 30 Minuten benötigen. Mit der Bahn würde ich mindestens 50 Minuten benötigen. Vernünftigerweise würde ich den Arbeitsweg mit dem Töffli zurücklegen. Unser Papa hat mir deshalb ein Töffli gekauft.
Mein Töffli wäre heute ein «Kultmofa».
Marke: Moor Rodeo, Sachs Motor, 2 Gang Handschaltung, 30 km/h-Tempo. Das Töffli hatte einen Chopperlenker und war einfach Kult. Was an einer Harley Davidson cool aussieht, sorgte auch an meinem Töffli für einen coolen Look. Der Scheinwerfer hatte ein vorgesetztes Gitter aus Chrom. Gäbe es eine Auszeichnung für ein sexy Töffli, mein Töffli wäre ein Kandidat für den Spitzenplatz gewesen.
Die nächsten Jahren sollte das Töffli mein treuer Begleiter sein.
Es versteht sich fast von selbst, dass dieses Töffli ausgiebig getestet werden musste. Am besten macht man seine Erfahrungen auf einer Töffli-Tour.
Ich fragte meinen Bruder Willi ob er Lust auf eine Töffli-Tour hätte. Wir könnten mit dem Töffli in Luino den Markt besuchen. Mit mir alleine unterwegs zu sein, war für Willi vermutlich ein schwieriges Unterfangen, deshalb fragte er seinen Oberstift Hans Friederich, ob er auch an der Tour teilnehmen möchte.
Töffli-Tour
Unsere Töffli-Tour, die Reise in der Jugendzeit, ein Erlebnis von dem ich noch lange und gerne sprach. Ich schwang mich in den Sattel und erlebte das Gefühl der Freiheit, Unabhängigkeit und des Abenteuers.
Bevor ich meine Lehre startete, hatte ich noch eine Woche Ferien. Diese Woche galt es zu Nutzen.
Am Montag haben wir für die Töffli-Tour gepackt. Ich habe am Gepäckträger 2 alte Sacoche / Gepäcktaschen aus dem Fundus unseres Papas montiert und mein Gepäck verstaut. Im weiteren habe ich einen Schlafsack zum Biwakieren mitgenommen. Man weiss ja nie, wenn man unter freiem Himmel übernachten muss. Willi und Hans erachteten so einen Schlafsack als unnötiges Gepäck.
Im Süden sei es im Sommer warm und in der Nacht würde es nur wenig abkühlen, ihnen würde in jedem Fall der Regenschutz genügen.
Unser Ziel war der Markt in Luino, er ist einer der grössten Strassenmärkte Europas und findet jeden Mittwoch statt.
Mit den ersten warmen Frühlingsstrahlen kehrt der Markt von Luino, einer der berühmtesten am Ufer des Lago Maggiore, nach der Wintersaison auf seinen Höhepunkt zurück. Der Markt in Luino findet jeden Mittwoch statt und ist mit über 350 Ständen aller Art einer der größten auf diesem Gebiet sowie der älteste. Seit mehr als 550 Jahren, jeden Mittwoch und den ganzen Tag (bis ca. 16.00 Uhr), begrüßt die hübsche Stadt am See diesen Markt, der viele einheimische Käufer und ausländische Touristen anzieht, die hauptsächlich aus der Schweiz und Deutschland kommen. Auf dem Markt in Luino kann man wirklich alles zu sehr günstigen Preisen finden: von Kleidung bis zu Lederwaren, ohne dabei lokale und nicht lokale Köstlichkeiten, Blumen und Pflanzen, lokales Kunsthandwerk und Souvenirs des schönen Lago Maggiore zu vergessen.
- Tag: Giswil- Caslano (Brünigpass, Sustenpass, Gotthardpass, Ceneri)
Am Dienstagmorgen um 05.00 Uhr sind wir losgefahren. Von Giswil fuhren wir über den Brünig nach Innertkirchen. In Innertkirchen gab es den 1. Verpflegungshalt. Anschliessend fuhren wir weiter über den Sustenpass nach Wassen. Von Wassen ging es weiter durch die Schöllenen nach Andermatt weiter über den Gotthardpass nach Airolo. In Airolo machten wir den nächsten Halt. Von Airolo ging es nach Bellinzona. Gerne wollte ich die Stadt anschauen und in der Jugendherberge übernachten. Die Jugendherberge Ostello Montebello befindet sich in einem historischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert am Fusse des Schlosses Montebello. Es ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge und ein Durchgangsziel auf der wichtigsten Nord-Süd-Achse der Alpen. Das Gebäude, in dem sich die Jugendherberge befindet, hat eine lange Geschichte. Es geht auf das Jahr 1800 zurück, als es noch Institut Santa Maria hiess und von den Schwestern von Menzingen geleitet wurde. Meinen Begleitern gefiel der Name «Institut Santa Maria» nicht. Der äussere Anschein war ihnen zu religiös. Sie wollten unter keinen Umständen mit einer solchen Institution in Berührung kommen. Meine Argumentation, dass es sich um eine normale Jugendherberge handeln würde, wurde einfach negiert. Von Bellinzona nach Luino wären am Morgen etwa 45 Km zu fahren gewesen. Das heisst, wenn wir am Morgen nach dem Frühstück um 7.30 Uhr starten würden könnten wir in etwa um 9.15 Uhr in Luino sein.
Wir könnten in Bellinzona die Burgen besichtigen, diesen mittelalterlichen architektonischen Verteidigungskomplex. Ein Besuch verdient auch die Altstadt, eine der authentischsten im gesamten Tessin, und die Kirche Santa Maria delle Grazie aus dem 15. Jahrhundert. Willi und Hans hatten keinen Sinn für Kultur. Ich stellte mir die Frage mit was für Kulturbanausen bin ich unterwegs?
Leider konnte ich mich nicht gegen die 2 Älteren durchsetzen.
Es war ein sehr heisser Tag und auf dem Töffli hatten wir einen kühlen Fahrtwind. Willi und Hans haben bestimmt es würde jetzt weiter gefahren über den Ceneri Richtung Lugano. Auf dem Ceneri wurde entschieden, dass wir in Richtung Agno fahren würden. Zu meinem grossen Bedauern musste ich zur Kenntnis nehmen, dass Willi und Hans vor Neuem und Unbekanntem grossen Respekt hatten. Ich vermutete, dass sich Willi und Hans in einer Stadt völlig verloren fühlen würden.
Kurz vor Ponte Tresa in der Ortschaft Caslano sahen wir ein Hinweisschild zu einem Campingplatz.
Da es schon bald 17.00 Uhr war mussten wir uns ernsthaft Gedanken über unsere Übernachtungs-möglichkeiten machen. Viele Möglichkeiten gab es für uns nicht. Für ein Hotel hatten wir kein Geld. Wir haben auf dem Campingplatz von Caslano einen kleinen Zeltplatz für eine Nacht gemietet. Wir besassen kein Zelt, deshalb würden wir unter freiem Himmel übernachten. Zur Abkühlung haben wir uns ein Bad im See gegönnt.
Nach dem Bad im See fuhren wir nach Ponte Tresa. Die Ortschaft Ponte Tresa liegt auf beiden Seiten der italienisch-schweizerischen Grenze. Sie befindet sich dort, wo die Tresa aus dem
Luganersee hinausfliesst. Der Fluss bildet auch die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Italien.
In einer Metzgerei habe ich für mich 100 Gramm frisch geschnittenen Mailänder Salami gekauft und in einer Bäckerei 2 Michetta-Brötchen. Auf einer Bank haben wir unser Nachtessen genossen. Jeder verpflegte sich selber.
Am Zoll von Ponte Tresa beobachteten wir den Verkehr der Grenzgänger. Das sichtbarste Zeichen der Grenzgängerpräsenz sind die Staus. Jeden Morgen bilden sich lange Blechschlangen von Autos mit italienischen Nummernschildern an den Grenzübergängen in Chiasso, Stabio und Ponte Tresa in Richtung Tessin. Es geht nur im Stop-and-Go-Modus vorwärts. Jeden Morgen bzw. Abend fliesst der Verkehr zähflüssig oder befindet sich im Stillstand. Eine Art Mantra, das am Abend mit umgekehrtem Vorzeichen gebetet wird. Dann geht es in die Gegenrichtung.
An diesem Tag hatten wir etwa 210 Km zurückgelegt. Für diese Strecke sassen wir in etwa 10 bis 11 Stunden im Sattel.
Gegen 21.00 Uhr bezogen wir unser Nachtlager (Zeltplatz) in Caslano.
In der Nacht bin ich aufgewacht, weil ich in meinem Schlafsack keinen Platz mehr hatte. Als ich tief und fest geschlafen habe ist Willi in meinen Schlafsack gekrochen, weil er gefroren hat. Ich erinnerte ihn an seine Begründungen, dass er keinen Schlafsack benötigen würde. Ich war sehr entrüstet und verlangte, dass er sofort meinen Schlafsack verlassen solle. Zähneknirschend ist er meiner Aufforderung nachgekommen.
Als ich wiederum eingeschlafen bin, kroch er erneut in meinen Schlafsack. Nochmals dasselbe Theater. Ich empfand die Sache als sehr lästig.
- Tag: Caslano – Brig (Simplonpass)
Kurz vor 09.00 Uhr waren wir bereits in Luino. Die Fahrstrecke von Caslano nach Luino beträgt etwa 15 Km.
Nach ca. einer Stunde hatten Willi und Hans bereits genug vom Markt gesehen. Sie drängten auf die Weiterfahrt. Unser nächstes Ziel war Brig. Für das Kartenlesen war ich verantwortlich. Ich gehe davon aus, dass Willi und Hans mit dem Kartenlesen wenig vertraut waren. Ich war nicht nur für das Kartenlesen ich wurde auch für die Unterkunft verantwortlich gemacht.
Die kürzeste Strecke war nach Laveno-Mombello zu fahren und dort die Fähre nach Intra zu nehmen. Willi drängelte schon nach 30 Minuten, weil er das Gefühl hatte die Fähre sollte schon in Sichtweite sein. Ich glaube im Ausland fühlten sich Willi und Hans sehr unsicher. Dazu kam, dass im Tessin und in Italien italienisch gesprochen wird. Nach knapp einer Fahrstunde erreichten wir die Schiffstation. Dort haben wir die Fähre nach Intra genommen.
Von Intra sind wir nach Domodossola über den Simplonpass nach Brig gefahren. Von Intra nach Brig haben wir eine Strecke von etwa 110 Km zurückgelegt was einer Fahrzeit von ca. 5 Stunden. entsprach.
Auf dem Simplonpass fragte mich Hans, ob mir etwas an ihm auffallen würde? Ja, er hätte einen neuen Hut. Hans erzählte wie er am Markt diverse Hüte probiert hätte und den Hut, welcher ihm am besten gefallen habe er auf dem Kopf behalten, er habe sich dann vom Markstand ohne zu bezahlen entfernt, den alten Hut hätte er dem Händler dort gelassen. Der Händler hätte von seiner Tollkühnheit nichts mitbekommen. Für mich ist das Diebstahl, mit solchen Leuten will ich nichts zu tun haben. Ich finde es bedenklich, wenn man mit einem solchen Verhalten noch prahlt.
Die kommende Nacht wollte Willi nicht mehr frieren. Von der Schülerreise kannte ich die Volksherberge in Brig, welche sich im Dachgeschoss des alten Schulhauses befand. Die Volksherberge ist ein Massenlager, dieses Massenlager diente auch als Unterkunft (Kantonnement) für das Militär. Zuständig für die Volkherberge war der Schulhaus Abwart. Zufällig haben wir den Abwart im Schulhaus angetroffen, dieser war noch mit der Sommerreinigung des Schulhauses beschäftigt. Er hat uns im Massenlager 3 Plätze für die kommende Nacht zugewiesen. Spätestens um 22.00 Uhr mussten wir unser Nachtlager beziehen, weil das Schulhaus um 22.00 Uhr abgeschlossen wird. Willi und Hans haben das murrend zur Kenntnis genommen. Da ich gerne früh schlafen gehe hat das für mich gut gepasst.
Jeder kennt den Unterschied: Manche Menschen, die „Lerchen“, sind morgens um 6.00 Uhr fröhlich und wach, gehen aber gern um 22.00 Uhr ins Bett. Andere, die „Eulen“ sind, vor 9.00 Uhr kaum ansprechbar, blühen aber ab 21.00 Uhr so richtig auf. Extreme Lerchen gehen dann ins Bett, wenn die extremen Eulen aufstehen.
Anschliessend haben wir das Schwimmbad in Brig besucht. Während Willi und Hans sich im Pool abkühlten kam ich mit drei netten, in etwa gleichalterigen Mädchen aus der Nachbargemeinde aus Naters ins Gespräch. Sie sprachen einen ausgeprägten Walliserdialekt. Ich fühlte mich sofort heimisch. Gerne hätten sie sich mit mir verabredet um mich näher kennen zu lernen. Auch ich hätte sehr gerne ein Date mit Ihnen gehabt.
Als Willi und Hans aus dem Pool kamen, hat Willi sofort bemerkt, dass ich mit den liebenswürdigen Mädchen aus Naters geflirtet habe. Er hat mein Verhalten sofort unterbunden und angeordnet, dass wir abreisen müssten. Sein Verhalten hat mich sehr befremdet. Seine Eifersucht war unerträglich. Willi kontrollierte alles was ich machte. Aus Erfahrung wusste ich, dass sich bei Willi daraus eine zerstörerische Kraft entwickelt. Ich war Willi körperlich unterlegen, deshalb wollte ich mit Willi keine Schlägerei anzetteln. Ich wusste was ich In Zukunft zu tun hatte. Ich musste darauf achten, dass ich eigenständig blieb. Meine eigenen Ziele und Interessen unbeirrt weiterverfolgen würde. Mit meinem Bruder würde das zu nichts führen.
Meine Reisegefährten habe ich eher als Belastung empfunden, deshalb habe ich Ihnen den Vorschlag, unterbreitet, dass wir Morgen wieder nach Hause fahren sollten. Von Brig über den Simplonpass und den Brünigpass nach Giswil würde die Fahrstrecke ca. 115 km betragen. Das heisst in etwa 5 bis 5 ½ Stunden wären wir wieder zuhause.
Mein Vorschlag wurde abgelehnt. Hans und Willi wollten unbedingt noch durch das Unterwallis entlang der Rohne fahren.
An diesem Tag hatten wir etwa 130 Km zurückgelegt.
- Tag: Brig-Aigle - Col des Mosses- Bulle (Greierzerbezirk) - Murten
Bereits um ca. 7.30 Uhr sind wir wieder losgefahren. Unser nächster geplanter Halt war Sitten. An Sitten einfach vorbeifahren, das geht nicht. Von Brig nach Sitten sind es etwa 60 Km. Das heisst eine Fahrzeit von ca. 2 1/4 Stunden. In Sitten haben wir einen kurzen Znüni-Halt eingelegt. Die älteste Schweizer Stadt im sonnigen Rhonetal ist geprägt von ihren Festungshügeln und der Altstadt. Nach der kurzen Pause drängten meine Kollegen zur Weiterfahrt. Man hätte den Eindruck bekommen können, dass wir auf der Flucht wären.
Für alle, die urbane Bergluft und Kultur unbeschwert geniessen wollen, ist Sitten, französisch Sion, das perfekte Reiseziel. Die Stadt zwischen den sonnigen Rebhängen ist reich an historischen Bauten und kulinarischen Freuden. Wahrzeichen Sittens: Schloss Tourbillon und die Basilika von Valeria
Unser Tagesziel war Murten. Wir wählten die Strecke über Aigle den Col des Mosses, Bulle im Greierzerbezirk nach Murten.
Der Col des Mosses verbindet das Rhonetal bei Aigle mit dem Pays d’Enhaut bei Château-d’Œx. Der Pass bildet die Wasserscheide zwischen Rhône und Rhein.
In Bulle sind wir durch die Stadt durchgefahren. Meine beiden Kulturbanausen fanden keine Zeit für eine Besichtigung. «Was haben wir verpasst?» «Bulle ist der Hauptort des Greyerzerlandes und liegt im Herzen einer vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Region. Bulle ist das Wirtschaftszentrum und die zweitgrösste Stadt des Kantons Freiburgs und befindet sich westlich des Stausees Lac de la Gruyère in einem weiten Becken am Rand der Freiburger Voralpen. Bulle besitzt ein malerisches Stadtbild, dessen Bürgerhäuser hauptsächlich aus dem frühen 19. Jahrhundert (nach dem Stadtbrand von 1805) stammen. Sehenswert ist das wehrhafte Schloss aus dem 13. Jahrhundert mit seinen Ecktürmen und Kegeldächern im savoyischen Stil.»
Gegen 17.30 Uhr sind wir in Murten angekommen. Wiederum war ich für die Beherbergung verantwortlich. Da ist kurzes Haar schnell gebürstet. Ich wusste, dass es in Murten eine Jungendherberge gibt. Ich hatte das Gefühl, dass es in dieser Nacht regnen würde oder vielleicht ein Gewitter geben würde. In der Folge haben wir für die kommende Nacht in der Jugendherberge Quartier bezogen. Wir teilten ein Zimmer mit 5 anderen Personen. Ich muss nicht erwähnen, dass diese Unterkunft nicht den Wünschen/Vorstellung von Willi entsprochen hat. Für eine andere Unterkunft war leider kein Geld vorhanden. Im weitern wurde das Haus um 22.00 Uhr geschlossen. Nach meiner Beurteilung war die Unterkunft sehr ideal gelegen direkt am Rande der historischen Altstadt.
Die mittelalterliche Altstadt von Murten, die auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken kann, verfügt über ein wertvolles Erbe und eine reiche Geschichte von unschätzbarem Wert. Als direkter Zeuge der Schlacht von Murten, die ein wichtiger Teil der Schweizer Geschichte ist, hat mich Murten mit seiner Altstadt sehr beeindruckt. Schützend legt sich die Stadtmauer um die kleine Stadt. Doch längst hält die fast vollständig erhaltene, einzige begehbare Ringmauer der Schweiz keine Eindringlinge mehr fern, sondern öffnet den Besuchern einen prächtigen Blick über die Altstadtdächer und den nahen See. Ich hatte nicht dein Eindruck, dass meine Kollegen von meiner kleinen Stadtführung mit Begehung der Ringmauer besonders begeistert waren.
Kurz vor 22.00 Uhr haben wir wieder in der Jugendherberge sein müssen. Ich war sehr froh dort übernachten zu dürfen. In der Nacht zog ein heftiges Gewitter mit Hagel über die Gegend von Murten auf. Am Morgen war das Gewitter vorbei, der Himmel war aber immer noch bewölkt. Ich hatte den Eindruck, dass Willi und Hans aufgrund des heftigen Gewitters mit der Unterkunft ein wenig versöhnt waren.
An diesem Tag hatten wir etwa 215 Km zurückgelegt.
- Tag: Murten – Bern – Thun – Interlaken – Brünigpass - Giswil
Meine Reisegefährten hatten Rückenwind und Heimweh, also beides zusammen. Es blieb keine Zeit zum Verweilen. Ich stellte mir die Frage wieso Willi und Hans so gehetzt und getrieben sind?
Sie fanden keine Zeit die Seele baumeln zu lassen die Leichtigkeit der Beschaulichkeit war ihnen fremd.
Auf Reisen und generell unterwegs zu sein, das gibt mir ein Gefühl der Lebendigkeit. Ich bin einfach eine Person, die nicht tagtäglich immer die gleiche Umgebung um sich haben kann. Natürlich habe auch ich meine täglichen Routinen, an denen ich hänge, aber insgesamt ist mir Abwechslung sehr wichtig. Immer mal wieder etwas Neues zu sehen, die Umgebung zu wechseln und andere Eindrücke aufzunehmen ist für mich mehr als inspirierend. Dabei kehre ich auch gerne mehrmals an den gleichen Ort zurück, denn wenn man Monate oder Jahre nicht da war, gibt es ja auch immer wieder viel Interessantes zu entdecken. Unterwegs zu sein ist nicht immer komfortabel. Einfacher und entspannter wäre es definitiv zu Hause zu bleiben. Doch gerade das Aufbrechen an andere Orte und auch in andere Kulturen Einblick zu gewinnen, das fordert mich und lehrt mich somit immer wieder etwas über mich selbst.
Bereits um 7.00 Uhr sind wir losgefahren. Um 08.15 Uhr sind wir durch die Stadt Bern gefahren.
Von Murten bis Bern hatten wir knapp 35 Km zurückgelegt. Um 09.30 Uhr waren wir in Thun und haben dort einen kurzen Znüni-Halt vor einer Bäckerei eingelegt. Ich habe mir ein Stück Aprikosen Früchtekuchen gegönnt. Von Thun nach Giswil waren es noch ca. 75 Km. Mit vielen Eindrücken waren wir am Freitag um ca. 13.00 Uhr wieder daheim. Wir waren lediglich 4 Tage unterwegs, mir kam es aber viel länger vor.
Das Wetter war bewölkt und es sah nach Regen aus. Das Wetter passte zur Begrüssung unseres Papas. «Wo seid ihr gewesen?» Ich habe Arbeit für euch….
Nun kenne ich eine mögliche Antwort, weshalb Willi immer so gehetzt und getrieben ist. Ich muss einfach aufpassen, dass ich mich nicht anstecken werde und auch ein Getriebener werde. Das würde nicht zu mir passen.
An diesem Tag hatten wir etwa 135 Km zurückgelegt.
Fazit:
Beim «Red Bull Alpenbrevet» beträgt die Tagesdistanz höchstens 145 km.
Wir haben fast jeden Tag mindestens das Alpenbrevet und teilweise die Distanz des Brevets bei weitem übertroffen.
Damit man genügend Zeit findet sich einen Ort anzuschauen und auch Zeit zum Verweilen hat sollte eine Tagesetappe höchstens 100 Km ausmachen.
Töffli fahren ist ein Outdoorevent und findet grundsätzlich bei jeder Witterung statt. Dem Wetter angepasste Kleidung und gute Schuhe machen daher durchaus Sinn. Bei schönem Wetter ist Sonnencreme empfehlenswert, bei Regen oder unsicherem Wetter ein Regenschutz. Sollte das Wetter (Sturm, Starkregen, Hagel oder Schnee) eine Tour verunmöglichen, so muss ein Ruhetag eingeschaltet werden.
Das Töffli war in der Jugend für zahlreiche Heranwachsende die erste grosse Möglichkeit, Unabhängigkeit von den Eltern zu erfahren. Das hat bleibende Erinnerungen hinterlassen, an die jeder gerne zurückdenkt.
Zum Abschluss dieses Abenteuers habe ich mir gewünscht, dass ich in meinem Leben immer Rückenwind habe und stets Sonnenschein im Gesicht und mich die Schicksalsstürme hinauftragen so dass ich mit Sternen tanzen werde.
Am Montag beginnt meine 4-jährige Ausbildung zum Hochbauzeichner.
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Was war 1973
Im Jahr 1973 bestimmen die erste Ölkrise, die Watergate-Affäre, der Putsch in Chile und der Jom-Kippur-Krieg das Weltgeschehen. Durch einen Militärputsch in Chile kommt der Diktator Augusto Pinochet an die Macht.
In Vietnam begann eine neue Zeit. Nach jahrzehntelangem Krieg wurde zu Beginn des Jahres zwischen den USA und Nordvietnam ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Die amerikanischen Militäreinheiten zogen sich aus dem Norden des geteilten Vietnam zurück und das Land konnte sich erstmals wieder friedlichen Aufgaben widmen.
Im südamerikanischen Chile kam es im Sommer zum Ausnahmezustand, der am 11. September in einem blutigen Militärputsch gipfelte, dem allein zu Beginn etwa 3.000 Chilenen zum Opfer fielen. Der Versuch Salvador Allendes, in Chile eine Demokratie zu etablieren, war fehlgeschlagen. Wirtschaftlich war das Land sehr labil aufgrund der amerikanischen und internationalen Boykotts. Das Militär unter General Augusto Pinochet übernahm die Macht im Land, das viele Chilenen wegen der zahlreichen Menschenrechtsverletzungen und der zunehmenden Folterungen verließen. Der chilenische Dichter und Nobelpreisträger starb am 23. September, sein Begräbnis, an dem Tausende Menschen teilnahmen, wurde zum ersten offenen Protest gegen die Militärjunta.
Asien und Europa rückten näher zusammen: In Istanbul eröffnete der Staatspräsident der Türkei, Fahri Korutürk, die Brücke über den Bosporus. In Amerika wurde im selben Jahr das New Yorker „World Trade Center“ eröffnet.
Das Jahr 1973 war ausserdem gekennzeichnet von der ersten großen Ölkrise. Der Ölpreis wurde von der OPEC um 70 Prozent angehoben, die Auswirkungen waren weltweit massiv zu spüren.
Am Sonntag, 25. November 1973, stand auf den Schweizer Strassen alles still. Dasselbe Phänomen wiederholte sich an den folgenden beiden Sonntagen. Auch in den Nachbarländern Deutschland und Österreich gab es in jenen Wochen autofreie Sonntage. Die Regierungen reagierten damit auf die von arabischen Ländern aus politischen Gründen verordnete Einschränkung der Ölfördermengen und den scharfen Anstieg der Ölpreise auf dem Weltmarkt. Letzterer trug massgeblich zur ersten grossen Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg bei.
Die scharfe Rezession beschleunigte in Ländern wie der Schweiz den bereits im Gang befindlichen Strukturwandel weg von der industriellen Produktion, hin zur Dienstleistungsgesellschaft.
Das Öl-Embargo hatte für die westlichen Staaten weitreichende Auswirkungen: Binnen weniger Monate vervierfachte sich der Ölpreis und die Aktienmärkte erlebten zwischen Oktober 1973 und Oktober 1974 einen Crash von etwa 40 Prozent. Erst nach etwa sechs Jahren hatte der Index wieder den Stand vor Kriegsbeginn erreicht. Gleichzeitig verschärfte der hohe Ölpreis die Inflation, so dass die Wirtschaft in eine Stagflation schlitterte: ein Konjunkturzustand, in dem die Preise steigen, obwohl die Wirtschaft stagniert.
- Lehrjahr Hochbauzeichner
Mein Lehrort: Hochhaus in Bitzighofen, Sarnen
Die Wohnsiedlung Bitzighofen wurde in den 1960er-Jahren von einem Zusammenschluss örtlicher Unternehmer und Handwerker realisiert. Mit der Planung wurde der Architekt Werner Wyss beauftragt. Das Projekt umfasst drei Mehrfamilienhäuser, 13 Terrassenhäuser, sechs Doppelhäuser und ein Wohnhochhaus. Mit dem Bau dieser Grosssiedlung sollte im ländlich geprägten Obwalden ein städtebaulicher Akzent gesetzt werden. Baubeginn war im Sommer 1964. Im Herbst 1973, nach über neun Jahren Bauzeit, war die Wohnsiedlung Bitzighofen fertiggestellt – allein die Erstellung des Hochhauses hatte drei Jahre in Anspruch genommen.
Die Wohnsiedlung Bitzighofen folgt einer differenzierten Siedlungsstruktur. Werner Wyss versuchte Bautypen zu mischen und verschiedenste Wohnangebote im Grünen zu machen. Während viele Grosssiedlungen monoton wirken, schafft die Mischung Lebensqualität und Vielfalt auf engstem Raum. Die Leistung liegt in der Grundkonzeption, der geschickten Ausnutzung des Geländes sowie der gelungenen Platzierung der Bauvolumen.
Als ich mit der Lehre begann hat sich Bitzighofen zu einem sehr beliebten Wohnort gemausert.
Im Quartier gab es auch einen Kindergarten, Quartierladen (Molkerei Seiler) und ein Restaurant (Talibasch).
Unser Büro beanspruchte das gesamte 2. Obergeschoss im Hochhaus.
Beschäftigte bei Lehrbeginn:
Betriebsinhaber: 1
Chefbauleiter: 1
Bauleiter: 1
Entwerfer: 1
Zeichner: 4
Chefsekretärin: 1
Sekretärin: 2
Lehrlinge HBZ: 3 (1., 3. + 4. Lehrjahr)
Lehrlinge Sekretariat: 2 (2. + 3. Lehrjahr)
Für die damaligen Verhältnisse waren wir das grösste Architekturbüro in Obwalden. Dazu kam noch der Hauptsitz in Lausen mit 25 bis 30 Beschäftigten.
Aufgabe eines Hochbauzeichners:
Hochbauzeichner zeichnen und konstruieren nach Entwürfen von Architekten Pläne für Gebäude aller Art: Ein- und Mehrfamilienhäuser, Bürogebäude, Einkaufszentren, Gewerbe- und Industriebauten etc. Als fachtechnische Mitarbeiter von Architekten setzen sie deren Entwürfe in exakte Pläne und andere technische Dokumente um. Je nach Betrieb übernehmen sie unterschiedliche Aufgaben, teilweise spezialisieren sie sich auch auf einen Aufgabenbereich wie Konstruktion oder Bauleitung bzw. auf ein Tätigkeitsfeld wie Industriebau oder Renovation. Hochbauzeichnerinnen erstellen Pläne für alle am Bau Beteiligten: Projektpläne für die Bauherrschaft, Eingabepläne für die Behörden sowie Werk- und Detailpläne für die ausführenden Baufachleute. Dabei halten sie sich an die Normen für Darstellung, Bemassung und Beschriftung. Ausserdem berücksichtigen sie die Vorgaben der Bau- und Zonenordnungen, die Prinzipien der Baukonstruktion sowie die Bauabläufe. Um Lösungen anschaulich zu präsentieren, fertigen sie perspektivische Darstellungen, 3-D-Ansichten und Skizzen von Baudetails an. Sie formulieren zudem Baubeschriebe, die alle Einzelheiten eines Bauprojekts festhalten, und bauen gelegentlich einfache Architekturmodelle. Für das Zeichnen und Konstruieren arbeiteten wir am Zeichnungstisch mit Stift und Massstab. Wir mussten auch das Freihandzeichnen beherrschen. Den Grossteil ihrer Arbeitszeit verbringen Hochbauzeichner im Büro. Je nach Aufgabenteilung im Architekturbüro sind sie auch öfters auf Baustellen unterwegs. Dort besprechen sie mit der Bauleitung die Umsetzung und überprüfen, ob die ausgeführten Arbeiten mit den Plänen übereinstimmen. Sie führen die dafür nötigen Vermessungen durch und erstellen teilweise Bauberichte. Je nach Betrieb übernehmen Hochbauzeichner verschiedene administrative Arbeiten. Sie beteiligen sich beispielsweise am Erstellen von Submissionsunterlagen für Bauausschreibungen oder er stellen Offerten und Dokumentationen.
Voraussetzung für die Lehre zum Hochbauzeichner:
Vorbildung - Abgeschlossene Sekundarschule - Gute Leistungen in Geometrie, Algebra, Rechnen und Techn. Zeichnen Anforderungen - gutes räumliches Vorstellungsvermögen - abstraktlogisches Denken - geistige Flexibilität - präzises Arbeiten - Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit - Kreativität - Organisationstalent - Freude am Kontakt mit Menschen und Verhandlungsgeschick
Lehrzeit: 4 Jahre
Bildung in beruflicher Praxis: in einem Architektur- oder Planungsbüro
Schulische Bildung: in der Regel 1 Tag pro Woche an der Berufsfachschule
Allgemeinbildung: Sprache und Kommunikation, Politik, Recht, Technik, Wirtschaft.
Berufsbezogene Fächer: Algebra, Fachrechnen, Geometrie, Konstruktionslehre, Bauphysik, Bauchemie, Baumaterialkunde, Bautechnik, Baugeschichte, Baustilkunde,
Zeichnen (Projektionslehre/Perspektiven), Freihandzeichnen.
Berufsverhältnisse
Hochbauzeichner arbeiten in Architektur- und Planungsbüros, in Planungsabteilungen von Generalunternehmungen sowie in Bauämtern und -verwaltungen. Je nach Betrieb spezialisieren sie sich, zum Beispiel auf ein Arbeitsgebiet wie Konstruktion, Gestaltung oder Bauleitung, oder auf ein Tätigkeitsfeld wie Industriebau oder Renovation. Die Nachfrage nach Lehrstellen war damals deutlich grösser als das Angebot.
Man durfte sich glücklich schätzen, wenn man eine Lehrstellt hatte.
Wie wurde damals gezeichnet:
Technische Zeichnungen wurden meist durch Übereinanderlegen von mehreren Ebenen entwickelt, sei dies von Skizzen oder bestehenden Plänen. Dazu muss das Papier transparent sein. Die Zeichnungen wurden meist mit Tusche oder Bleistiften ausgeführt. Transparente Pläne lassen sich auch mittels Lichtpausverfahren kopieren und vervielfältigen, wofür sie licht- und UV-lichtdurchlässig sein müssen und keine optischen Aufheller enthalten dürfen.
Beständigkeit
Transparentpapier ist anfällig auf Feuchtigkeitsschwankungen (hygroskopisch). Unter Lichteinfluss ist es nicht alterungsbeständig. Es vergilbt stark und wird brüchig.
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Arbeitszeiten
Unser Arbeitszeitmodell /Gleitzeitmodell war damals sehr fortschrittlich. Beim Gleitzeitmodell übergibt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmenden die Souveränität, seine Arbeitszeit frei zu bestimmen. Wir mussten die Blockzeiten nach Vorgaben von Werner Wyss einhalten.
Blockzeit bedeutet, dass an bestimmten Stunden am Tag alle Arbeitnehmenden im Betrieb präsent sein müssen. Unsere Blockzeiten waren von 09 bis 11.00 Uhr vormittags sowie von 14 bis 16 Uhr nachmittags. Abgesehen davon konnten wir die Arbeitszeit frei einteilen. Wir konnten Minus- oder Plusstunden anhäufen; am Ende einer Rechnungsperiode (Monat) mussten wir allerdings auf unsere Sollzeit kommen.
Die Arbeitszeit wurde mit Stempeluhr erfasst. Die tägliche Arbeitszeit betrug 8.5 Stunden.
Um 6.45 Uhr war ich jeweils als Erster im Büro. Mittagspause machte ich jeweils von 11.45 Uhr bis 13.00 Uhr. Meistens ging ich nach Hause zum Mittagessen. Die Mittagspause betrug somit
75 Minuten. Für die Fahrzeit benötigte ich ca. 45 bis 50 Minuten. Um 16.30 Uhr machte ich jeweils Feierabend. Weil ich meistens um 16.30 Uhr 30 Feierabend machte musste ich immer wieder spöttische Kommentare über mich ergehen lassen. Es wäre den anderen unbenommen gewesen auch früher mit der Arbeit zu beginnen. Frühes Aufwachen fördert die Produktivität. Ich fühlte mich in den frühen Morgenstunden produktiver. Dafür könnte es mehrere Gründe geben. Einer davon ist, dass ich die Zeit nutzte, in der mein Körper von Natur aus am wachsten ist.
Von meinen weiteren Verpflichtungen/Aufgaben hatten die Angestellten vom Büro Wyss keinen blanken Schimmer. Da ich nun in Sarnen arbeitete musste ich immer wieder diverse Kommissionen für unsere Mama erledigen. Am Samstagmorgen musste ich jeweils die Baustellenfahrzeuge (Jeep, Landrover, Lieferwagen usw.) für die Bauunternehmung unseres Vaters reinigen. Es versteht sich von selbst, dass ich mit den Fahrzeugen von der Garage auf den Waschplatz gefahren bin. So lernte ich nebenbei im Werkhof „Auto“ fahren.
An Arbeit mangelte es mir nie. Meine Eltern haben mich immer mit genügend Arbeit eingedeckt.
Die Schulaufgaben für die Gewerbeschule erledigten sich auch nicht von selbst.
Die Anderen sorgten schon dafür, dass es mir nie langweilig wurde.
Pro Jahr hatte ich jeweils 4 Wochen Ferien
Lohn
- Lehrjahr: Fr. 200.00
- Lehrjahr: Fr. 300.00
- Lehrjahr: Fr. 300.00
- Lehrjahr: Fr. 400.00
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Lernende für Hilfsjobs einsetzen?
Die Besonderheit eines Lehrverhältnisses besteht in der Ausbildungspflicht des Arbeitgebenden. Die zugewiesene Arbeit an lernende Personen begrenzt sich dabei grundsätzlich auf ausbildungsrelevante Inhalte und umfasst drei Teilbereiche: die Ausbildungsarbeit, die Berufsarbeit sowie die nichtberufliche Arbeit. Die Ausbildungsarbeit dient ausschliesslich dem Erlernen berufsspezifischer Fähigkeiten ohne konkreten Nutzen für den Arbeitgebenden. Die Berufsarbeit umfasst Arbeiten, die nicht primär dem Ausbildungszweck dienen. Und bei der nichtberuflichen Arbeit muss mindestens ein Zusammenhang zum erlernenden Beruf bestehen. Berufsfremde Arbeit darf Lernenden indes nicht zugewiesen werden. Sofern also Vorbereitungs- und Aufräumarbeiten einen beruflichen Zusammenhang haben, handelt es sich nicht um berufsfremde Arbeiten. Vorausgesetzt also, es liegt ein beruflicher Zusammenhang vor, sind Auto waschen, Werkzeuge putzen oder Abfalleimer leeren Bestandteile der Arbeit und somit Inhalt eines Lehrverhältnisses wie die eigentliche Ausbildungsarbeit. Besteht die Lehre allerdings nur aus solchen Arbeiten, sollte der Lernende den Arbeitgebenden schriftlich abmahnen.
Der Begriff «Zusammenhang zum erlernenden Beruf» wurde im Büro Wyss mehr als überstrapaziert.
Das Ausfertigen sämtlicher Plankopien / Vervielfältigungen gehörten zu den Aufgaben des Lehrlings. Für die Herstellung von Plankopien hatten wir eine Lichtpausmaschine. Mit diesem Verfahren hergestellte Werke wurden als Lichtpause bezeichnet. Das Lichtpausverfahren war für die von Technischen Zeichnungen besonders geeignet und bis etwa 1995 weit verbreitet. Die Originale wurden mit Tusche auf Pergamentpapier gezeichnet. Mit der Lichtpausmaschine wurden die Plankopien hergestellt.
In einem Belichtungsteil wird die transparente Vorlage an das Lichtpauspapier angepresst. Das aktinische Licht von Leuchtstoff- oder Quecksilberdampf- oder Metallhalogenidlampen durchdringt die transparenten Teile der Vorlage und wirkt auf die lichtempfindliche Schicht des dahinter liegenden Lichtpauspapiers ein. Im Entwicklungsteil folgt die Rot-, Blau- oder Schwarzfärbung der unbelichteten Stellen auf photochemischem Wege. Die regelmässige Wartung der Lichtpausmaschine gehörte auch zu meinen Aufgaben. Die Arbeiten mussten aufgrund der Lichtempfindlichkeit des Papiers bei künstlichem Licht ausgeführt werden.
Durch qualitativ hochwertige Pläne kann der Eindruck über die Qualität eines Projekts erheblich gesteigert werden. Oft verbessert sich die Lesbarkeit von Plänen, wenn geschnittene Bauteile mit einer Füllfläche versehen werden. Bei Wyss haben wir die Pläne mit unterschiedlichen selbstklebenden Folien versehen. Die Fenster auf den Fassadenplänen wurden mit einem Punktraster versehen. Arbeitsmittel war hierbei ein Skalpell. Die Zeichner beauftragen mit dieser Arbeit am liebsten die Lehrlinge.
Wyss glänzte bei seinen Auftraggebern gerne mit kolorierten Plänen. Zu meinen Aufgaben gehörte es die Pläne zu kolorieren. Dazu verwendete ich eine flüssige, gebrauchsfertige Wasserfarbe. Die Farbintensität liess sich durch Verdünnung mit Wasser verringern. Die Farbe hatte eine kurze Trockenzeit, war aber nicht wasserfest auf und konnte daher jederzeit wieder mit Wasser angelöst werden. Die Farben habe ich mit dem Pinsel verarbeitet. Ich entwickelte mich zu einem richtigen Künstler.
Ausser Handskizzen wurden die Pläne mit Schriftschablonen beschriftet. Die auf Plänen verwendete Schrift musste gut leserlich sein. Für die Pläne haben wir meist die Schriftart Arial verwendet. Die Schriftgrösse musste dem Massstab der Pläne angepasst werden. Das Beschriften der Planköpfe und der Legende wurde sehr gerne an den Lehrling delegiert.
Mit der Reinigung / Pflege der Zeichnungswerkzeuge (Tuschstiften, Schablonen usw.) wurde vor allem der Lehrling beschäftigt. Um die Tuschstifte optimal zu nutzen mussten diese mit der Kappe verschlossen werden und waagrecht gelagert werden. Feder und Kappe mussten regelmäßig gereinigt werden.
Das Reinigen der Schablonen ist nach jedem Gebrauch ist wichtig, um sie in gutem Zustand zu halten und sicherzustellen, dass sie so lange wie möglich halten. Ohne ordnungsgemässe Reinigung können Farbe, Tinte oder andere Materialien auf der Oberfläche der Schablone trocknen, was das Entfernen erschwert und mit der Zeit zu Schäden führen kann. Diese Arbeiten wurden am liebsten an den Lehrling delegiert.
Die Lehrlinge des kaufmännischen Bereichs waren für den Znüni Kaffee zuständig.
Ca. eine Stunde vor der Kaffeepause musste ich jeweils bei den «Arbeitskollegen» die Bestellungen für das Znüni aufnehmen und im Quartierladen besorgen. Gewisse Kollegen hatten sogar die Vorstellung, dass ich mich auch am Nachmittag nach ihren Wünschen für den Nachmittagskaffee erkundigen könnte. Dieses Ansinnen habe ich im Keim erstickt.
Regelmässig musste ich auch Botengänge mit dem Töffli im Dorf erledigen. Insbesondere musste ich diverse Zeichnungsutensilien (Ersatz- Tuschstifte, Zeichenkegel, Schablonen, Folien usw.) in der Papeterie Spichtig besorgen. Ich war für den Einkauf des Zeichnungsbedarfs zuständig.
Eine Kilometerentschädigung für mein Töffli wurde nicht bezahlt.
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In den nächsten 4 Jahren werden mich das Hotel Rigiblick in Buochs und die Stockenmatt in Stalden immer wieder beschäftigen.
Das Hotel Rigiblick liegt an der Seepromenade in Buochs, direkt am Vierwaldstättersee und ist im Jugendstil erbaute Gebäude.
Vom Rigiblick existierten keine Pläne, deshalb musste vorab eine Bauaufnahme erstellt werden.
Der Begriff Bauaufnahme erklärt sich selbst: Ein bestehendes Bauwerk wird genau vermessen und gezeichnet. Wie eine komplette Entwurfsplanung ein neu zu schaffendes Bauwerk in seiner Ganzheit mit Grundrissen, Schnitten, Ansichten und Details darstellt, so dokumentiert die Bauaufnahme ein bereits bestehendes Gebäude mit der gleichen Architektursprache.
Da es sich um ein Jugendstil Gebäude handelte war eine wesentlich weiter gehende Erfassung erforderlich.
In der Stockenmatt sollte eine Feriensiedlung vom Feinsten realisiert werden. Bevor ein Entwurf ausgefertigt werden konnte musste das Gelände vermessen werden. Ich durfte mit einem Zeichner das Gelände vermessen. Die Terrainaufnahmen erfolgten damals, Mittels Nivelliergerät und Messlatte.
Nachdem die Vermessungsarbeiten abgeschlossen waren und im Büro die benötigten Pläne erstellt waren, musste ich ein Karton-Relief oder Topografie des Geländes mit ihren Höhen, Tiefen, Unregelmäßigkeiten und Formen herstellen. Meine Arbeitsmittel waren: Bastelmesser, Skalpell, Karton und Leim.
Für die Stockenmatt konnte ich mich nie begeistern. Die hochfliegenden Träume von Werner Wyss kamen nie richtig zum Fliegen. Als Gemeinderat im Jahr 2024, das heisst über 50 Jahr später beschäftigte mich die Stockenmatt immer noch. Ein Historiker könnte über die Stockenmatt ein Buch schreiben mit dem Titel «wie Hochfliegende Träume in einer bösen Bruchlandung enden».
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Kurz vor Beendigung des 1. Lehrjahres bin ich an das Amt für Berufsbildung in Sarnen gelangt und habe das Amt über die Zustände bei Wyss informiert.
Ich muss nicht erwähnen, dass Wyss und meine Kollegen über mein Verhalten empört waren. Das hat ein Riesentheater abgesetzt. Rückblickend hätte ich schon viel früher an das Amt für Berufsbildung gelangen sollen. Ich liess mich nicht einschüchtern.
Lehrlinge haben Anspruch auf eine ordnungsgemässe Ausbildung, regelmässige Entlohnung ("Lehrlingseinkommen"), Ferien und Freistellung für den Berufsschulbesuch. Lehrlinge dürfen nur zu Tätigkeiten herangezogen werden, die mit dem Wesen der Ausbildung vereinbar sind und ihre Kräfte nicht übersteigen.
Die Führung und Motivation von Lernenden sind zentrale Elemente in der beruflichen Bildung und massgeblich für den Erfolg der Ausbildung. Indem Berufsbildner/innen ein unterstützendes Umfeld schaffen, klare Ziele setzen und regelmässig Feedback geben, können sie die Motivation und das Engagement ihrer Lernenden nachhaltig fördern.
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Gewerbeschule
Im 1. Jahr besuchte ich die Gewerbeschule Heimbach (Heimbachweg 12) in Luzern.
Wir waren 22 Schüler (4 Schülerinnen und 18 Schüler). 19 Schüler waren aus dem Kanton Luzern,
1 Schüler aus dem Kanton Nidwalden und 2 Schüler aus dem Kanton Obwalden (Hanni von Rotz von Kerns und ich aus Giswil). In der Parallelklasse gab es noch 2 Schüler aus dem Kanton Obwalden (Franz Gasser aus Lungern und Rudolf Halter «Landweibels» aus Sarnen). Zu den Schülern aus der Parallelklasse hatten wir keinen Kontakt.
Gute Vorkenntnisse in Mathematik sind für eine erfolgreiche Lehre sehr wichtig. Denn wer rechnen kann, ist klar im Vorteil. Dies gilt speziell für alle technischen Berufe.
Die Arithmetik ist der grundlegendste Zweig der Mathematik und beschäftigt sich mit dem Zählen von Zahlen und der Anwendung von Operationen wie Addition, Multiplikation, Division und Subtraktion. Die Algebra ist ein Zweig der Mathematik, der sich mit Variablen und Zahlen zur Problemlösung beschäftigt.
In der Gewerbeschule war Algebra mein Horrorfach.
Leider haben wir in der 2. Sekundarschule die Grundlagen der Algebra nicht kennen gelernt.
Die Konzepte der Algebra sind abstrakter und komplexer als das, was wir in den Grundrechenarten gelernt haben. Bei Algebra geht es nicht darum, Formeln auswendig zu lernen. Es geht darum, die Logik hinter den Formeln zu verstehen und sie korrekt anzuwenden.
Wenn man jedoch die Grundlagen nicht kennt und versucht, ein fortgeschrittenes Algebra-Konzept zu lernen, ist das so, als würde man versuchen, ein Wort zu buchstabieren, ohne das Alphabet zu verstehen!
Ich schleppte mich jeweils durch die nicht enden wollenden Algebra Stunden und war froh, wenn ich die Prüfungen überstanden hatte. Ich war seitdem davon überzeugt, dass ich in Algebra einfach zu schlecht sei, so wie viele andere eben auch und dass man daran auch nichts mehr ändern könne. Doch einmal hatten wir ein Thema, was mir Spass machte. Ich verstand es auf Anhieb und wie zu erwarten, war auch die Prüfung ein kleiner Erfolg. Ich schöpfte Hoffnung und Mut, dass ich es doch noch zu etwas bringen könnte. Doch dann stellte ich fest, dass meine gute Note irgendwie nicht einberechnet worden war, als es um die Zeugnisnoten ging. Etwas verdutzt rechnete ich wieder und wieder nach und kam immer zu einem anderen Ergebnis als mein Lehrer. Als ich ihn nach den Sommerferien darauf ansprach, antwortete er mir nur, dass meine gute Leistung bloss ein positiver Ausrutscher gewesen sei, der so wohl nicht mehr vorkommen werde und von daher von ihm auch nur gering berücksichtigt werde. Schliesslich wolle ich ja auch nicht, dass negative Ausrutscher so ins Gewicht fallen. Damit hatte er mir endgültig die Freude an der Algebra genommen.
Was mich dann gerettet hat, war Trigonometrie. Auf einmal kam es nicht mehr auf reines Rechnen an, sondern auf logisches Vorstellungsvermögen, auf dreidimensionales Denken.
Insgesamt lag ich mit meinen Noten im Durchschnitt der Klasse. Die ungenügende Leistung in der Algebra habe ich mit guten Leistungen in anderen Fächern kompensiert.
Angebote bei Lernproblemen und Schulschwierigkeiten existierten damals nicht. Gerne hätte ich mein Defizit im Fach Algebra ausgeglichen, damit ich in Zukunft die gewünschten Türen öffnen kann.
Der Lernbetrieb oder meine Oberstifte konnten oder wollten mich nicht unterstützen. Die beiden Bauleiter hatten von Algebra weniger Ahnung als ich. Ich konnte nur kompensieren. Dieses Defizit wird mich in Zukunft wie ein Schatten begleiten. Ich werde verschiedene Umwege machen müssen um zu meinem Ziel zu gelangen.
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Töffli
Ein fetter Auspuffsound und das eigene Töffli zu frisieren, gehörte damals für viele Töfflibuebe einfach zum guten Ton. Die Sache hatte leider nur den einen oder anderen Haken. Vor allem die strikte gesetzliche Regelung erwies sich als Spassbremse, denn hier gibt es leider so gut wie keine Spielräume und nur eine kleine Grauzone.
Mit der Polizei wollte ich keinen Ärger. Auf einen fetten Auspuffsound konnte ich gerne verzichten.
Ich liebte mein Töffli über alles, aber ich wünschte mir mehr Geschwindigkeit. Dieses Ziel konnte ich für relativ wenig Geld erreichen. Um mein Töffli schneller zu machen, musste die Übersetzung verändert werden, das Ritzel oder das Kettenrad musste ausgetauscht werden. Dabei musste man behutsam vorgehen und das neue Ritzel oder Kettenrad sollte maximal 2 Zähne mehr oder weniger als das originale haben.
Ein Mechaniker Lehrling (Georges Berchtold) hat für mich diese Optimierung ausgeführt. Die Höchstgeschwindigkeit durfte maximal 30 km/h betragen mit der Optimierung betrug nun die Höchstgeschwindigkeit
40 km/h.
Du kannst alles frisieren – du darfst dich nur nicht erwischen lassen. Nach meinem Empfinden war das noch in der Grauzone. Am Motor oder am Auspuff wurden keine Änderungen vorgenommen.
Das heisst für meinen Arbeitsweg würde ich mit dem Töffli nur noch etwa 22 Minuten benötigen. Das ergibt eine Zeitersparnis pro Weg von 8 Minuten, das sind täglich etwa eine ½ Stunde. Pro Jahr sind das ungefähr 100 Stunden, bzw. 10 Arbeitstage.
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Zimmer im Elternhaus
Unsere Schlafzimmer befanden sich im 1. Obergeschoss. Mein Zimmer war zwischen dem Zimmer von Willi und Veronika. Adrian und Norbert (Alex) teilten sich ein Zimmer. Die wichtigste Voraussetzung für ein gemeinsames Kinderzimmer ist die Geschwisterkonstellation. Die Kinder müssen sich wirklich gut verstehen, damit die Konflikte auf Dauer im Rahmen bleiben. Kleinere (und einige größere) Streitigkeiten sind in jeder Familie normal, wenn man jedoch zwei Kinder hat, die sich den ganzen Tag nur streiten, wird man ihnen keinen Gefallen tun, wenn man sie gemeinsam in einem Zimmer unterbringt. Ich würde übertreiben, wenn ich schreiben würde Adrian und Norbert (Alex) hätten sich gut verstanden. Im Weiteren musste ich mich mit Willi am Morgen auch mit dem Lavabo arrangieren.
Neben den Garagen gab es ein Souterrainzimmer, welches etwas grösser war als mein Zimmer. Ein Souterrainzimmer bezeichnet ein Zimmer, welches unterhalb des Erdgeschosses liegt und trotzdem noch mit Fenstern ausgestattet ist. Von außen sind die Fenster dabei auf Bodenhöhe. Neben der Garage gab es ein separates WC mit Lavabo und einen Brennholzlagerraum mit einer Dusche.
Mit Beginn der Lehre habe ich ins Souterrainzimmer gezügelt. Adrian bezog mein Zimmer und Norbert (Alex) ist in seinem Zimmer geblieben. Ich habe das gemeinsame Wohnen von Adrian und Norbert beendet. Die ständigen Streitereien haben mich belastet. Die räumliche Trennung erfolgte dauerhaft. Einfach die Tür schließen zu können und Ruhe zu haben, senkt den Stresslevel schon nachhaltig.
Am meisten schätzte ich an meinem Souterrainzimmer ein bisschen mehr Privatsphäre. Mein Zimmer sollte für die Anderen nicht zugänglich sein. Leider schnüffelten meine Geschwister trotzdem in meinem Zimmer herum. Mein Recht auf freie Entfaltung meiner Persönlichkeit, wurde durch meine Geschwister mit Füssen getreten. Für meine Geschwister war ich immer von besonderem Interesse.
Das Abnabeln vom Elternhaus ist ein sehr wichtiger Schritt in der Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenheit. Er dient jungen Erwachsenen dazu, sich neu zu orientieren und ihr Leben in einem sozialen Verbundsystem so zu entwickeln, dass ein gewisses Mass an Eigenständigkeit aber gleichzeitig an sozialer Eingebundenheit möglich ist.
Es ist eine der grössten Herausforderungen für Eltern, ihre%u202FKinder loszulassen. Sie wissen, es ist der unausweichliche Lauf der Dinge und wesentlich für ihre Entwicklung – und doch so oft alles andere als einfach. Loslassen, was so ein kleines Wort alles in uns auslösen kann. Es erinnert einerseits an Verlust, Schmerz, Einsamkeit, andererseits an Befreiung und Erleichterung. Denn so schmerzvoll es sein kann, jemanden oder etwas loslassen zu müssen, so unheimlich befreiend kann es auch sein, sich von überflüssigen Dingen, von ungesunden Beziehungen, schlechten Gewohnheiten oder Überzeugungen zu verabschieden. Unsere Mama hat sich besonders schwer getan uns Kinder in die Selbständigkeit zu entlassen. Unseren jüngsten Bruder Norbert (Alex) hat unsere Mama nie losgelassen.
Mein Souterrainzimmer war für mich ein kleiner Schritt in die Unabhängigkeit.
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Anfangs Juli ging es mit meinen Kollegen in das 14-tägige Zeltlager nach Iragna TI. Da ich in der Zwischenzeit Gruppenführer war, hat das Lager für mich bereits am Samstag begonnen. Ich durfte mit dem grossen Überlandlastwagen mit Meinrad Burch (Burch Transporte) ins Tessin fahren. Den Seelisbergtunnel und den Gotthardtunnel gab es damals noch nicht. Es ging über die Axenstrasse und den Gotthardpass. Auf dem Zeltplatz waren wir vor allem mit dem Aufstellen und Einrichten, des Küchenzeltes und des Esszeltes beschäftigt.
Marietheres, meine Lieblingsschulkollegin aus der 1. und 2. Sekundarschule war in der Zwischenzeit Gruppenführerin im Blauring. Marietheres hat die 3. Sekundarschule in Sarnen besucht.
Der Blauring übernimmt jeweils das Zeltlager der Jungwacht für ihr Lager.
Ich wollte Marietheres eine kleine Vorfreude auf das kommende Lager machen und habe ihr eine Ansichtskarte mit lieben Grüssen von Iragna geschickt. Umso mehr war ich überrascht als ich ein Päckli mit einem lieben Brief erhalten habe. In dem Paket hatte es einen feinen Mövenpick Rüblikuchen. Im Brief teilte sie mir mit, dass sie leider keine Zeit gefunden hat für mich einen Kuchen zu backen, da sie einen Ferienjob bei Edi Zumstein im Verkauf habe. Das Marietheres für mich einen Kuchen backen würde hätte ich mir nicht träumen können. Ich empfand ein tiefes Gefühl von Herzlichkeit. Kuchen verbindet für mich den Bereich der Kultur und Kunst, für Schönes, Lebensfreude und Sinnlichkeit, für Tanz und Spiel, für die feinen, kleinen Dinge, an denen ich mich oft freue, weil in ihnen so viel Liebe steckt. So richtig es ist, Brot und Kuchen zu unterscheiden, so sehr gehören Kuchen eben auch zum „täglichen Brot“. Eben, weil Kultur kein Luxus ist, sondern ein Lebensmittel.
Im Alltag hatte ich immer sehr viel Freude an liebevoll, ästhetisch und schön gestalteten Backwaren. Ich weiss nicht, ob Marietheres sich je bewusst war, was sie mit ihrem Kuchen in mir anklingen liess?
Es versteht sich von selbst, dass auch Marietheres von mir ein grosses Paket in einer speziellen Verpackung erhalten wird.
Im Lager schmiedeten Werni, Sepp und ich den Plan, dass wir von Giswil nach Iragna laufen könnten. Das Blauringlager hatte weniger Teilnehmer und so stand ein Gruppenzelt leer, welches wir sicher für 2 – 3 Tage benutzten konnten. Wernis Mutter war Lagerköchin. Als Lagerhelfer waren wir sicher Willkommen. Am Samstag würden wir gegen Abend vom Lager heimkommen und am Dienstagmorgen um 04.00 Uhr wollten wir von Giswil losmarschieren. Wir würden im Freien im Schlafsack übernachten.
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Der Zufall wollte es, dass Marietheres und ich uns am Sonntag um ca. 16.30 Uhr auf dem Heimweg etwa 100 Meter von meinem Elternhaus begegnet sind. Ich freute mich riesig über die zufällige Begegnung. Vor allem bedankte ich mich für das Paket und den lieben Brief, welches ich nicht erwartet habe. Marietheres gab mir das Gefühl von Stärke und Mut, ich hatte das Gefühl wird könnten gemeinsam Berge versetzen und jeden Traum verwirklichen. Wir haben sicher 2 Stunden auf der Strasse geredet und dabei Raum und Zeit vergessen. Es ist schwierig, dieses Gefühl des Schwebens und des Zaubers in Worte zu giessen. Zum Abschied habe ich Marietheres auf den Mund geküsst.
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Für diverse Arbeiten hat unser Papa in seiner Bauunternehmung immer wieder Sprengmittel benötigt. Im Magazin hatte er ein kleines Lager von Sprengstoffen (Kesseln und Stangen), Sprengkapseln und Zündschnüren. Es handelte sich dabei um Plastiksprengstoff. Der Vorrat betrug etwa 200 Kg. Damals war es völlig normal, dass von den Bauern Wurzelstöcke oder Findlinge in ihrem Landwirtschaftsland gesprengt wurden. Der Sprengstoff wurde in Kesseln oder Einzeln in Stangen an die Bauern verkauft. Regelmässig wurde mir als Sekundarschüler der Verkauf des Sprengstoffes, Sprengkapseln und Zündschnüren anvertraut. Der Sprengstoff wurde in Kisten geliefert mit der Aufschrift «Explosiv».
Heute kann man sich das nicht mehr vorstellen. Interessanterweise war nie etwas passiert.
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Am Montagmorgen habe ich für Marietheres feine Sachen eingekauft, damit ich ihr ein Paket ins Lager schicken kann. Ich habe den Einkauf in einen Sprengstoffkarton (Gefahrgutkarton) mit der Warnung «Explosiv» verpackt. Im Fundus unseres Papas hatte es immer diverses Verpackungs-material. So ein spezielles Paket war aufsehenerregend. Da würde ich bei Marietheres sicher punkten. Auf der Poststelle wurde das Paket kommentarlos entgegengenommen. So etwas wäre heute unvorstellbar.
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Am Dienstagmorgen um 04.00 Uhr haben wir uns beim Schulhaus getroffen und sind in südlicher Richtung losmarschiert. Die 1. Etappe von Giswil nach Innertkirchen beträgt rund 30 Km, der Höchste Punkt liegt auf 1'090 m und der Niedrigste Punkt liegt auf 480 m. Mit Gepäck dürfte die Marschzeit ca. 7.5 Stunden betragen. Die Wanderung bedingt eine sehr gute Kondition. Wir wanderten auf der rechten Seite des Lungerersee nach Lungern. Hier gibt es etliche Wegweiser in Richtung Brünigpass. Wir sind durch das Dorf hinauf zur gut sichtbaren Kirche gewandert und sind dort den Wegweisern gefolgt. Der Weg führte uns auf einer Forststrasse unter den Felsen hinauf bis zur Kapelle. Von hier aus überblicken wir nochmals der hinter und unter uns liegende Lungerersee. Gemütlich wanderten wir in südlicher Richtung über die Alpwiesen und erreichten den Brünigpass. Wir folgten dem signalisierten Weg Richtung Meiringen. Von Meiringen folgten wir dem signalisierten Weg Richtung Innertkirchen.
Am frühen Nachmittag sind wir in Innertkirchen eingetroffen. Unser 1. Tagesziel hatten wir erreicht.
Von Innertkirchen bis Göschenen sind rund 45 Km zu absolvieren. Der Höchste Punkt liegt auf
2’060 m und der Niedrigste Punkt liegt auf 1’590 m. Teilweise ist man im alpinen Gelände unterwegs. Die Wanderung ist sehr schwer. Sie bedingt auch eine sehr gute Trittsicherheit, nebst sehr guter Kondition.
Aufgrund der unsicheren Wetterlage haben wir uns entschlossen mit dem Postauto nach Göschenen zu fahren und von Göschenen mit dem Zug nach Airolo.
Ausserhalb von Airolo haben wir unter freiem Himmel in unserem Schlafsack übernachtet.
Am frühen Morgen um 06.30 Uhr sind wir bereits losmarschiert. Leider konnten wir das Wetter nicht auslesen. Es war bewölkt und leicht regnerisch, eigentlich ein eher trüber Tag.
Unser Ziel war es den berühmten Wanderweg „Strada Alta“ zu erwandern.
Der Wanderweg „Strada Alta“ liegt an der sonnigen linken Seite des Leventina Tals, und lässt sich in vier Tagesetappen erwandern. Dieser Ausflug beginnt in Airolo (1140m), am Fusse des Gotthard Pass, steigt bis auf 1800 m beim Ritom See, und sinkt via Passo Forca Richtung Osco bis nach Biasca.
Auf den rund 50 Kilometern traversierst du das Leventina Tal von Nord nach Süd. Die knapp 1.400 Höhenmeter, die du dabei aufsteigst, sind meist wenig beschwerlich oder aber kurz, knackig und rasch bezwungen. Das Gros an Abstiegshöhenmeter absolvierst du auf der Schlussetappe. Abenteuerlich, aber sicher steigst du über viele Steintreppenstufen in den Talboden und damit auch wieder zurück in den Alltag. Der gesamte Höhenweg ist als Bergweg „weiss-rot-weiss“ signalisiert.
Stets erhöht über dem geschäftigen Talboden geniesst du in der ruhigen Idylle der Berghänge praktisch dauerhaft wunderbare Panoramaausblicke.
Für uns ging es bis weiter bis nach Iragna. Zu den 50 Km kommen noch 5 km nach Iragna dazu, Total 55 Km.
Meine Kollegen hatten dermassen Rückenwind und Heimweh, dass sie im am Nachmittag den Vorschlag machten die Strada Alta in einer Etappe zu absolvieren. Ich wollte kein Weichei sein und habe mich gegen dieses Ansinnen nicht gewehrt.
Wanderungen von über 50 km Länge sind für den Körper eine grosse Anstrengung. Dementsprechend lange muss man danach auch regenerieren. Ich würde aber Niemanden empfehlen die Strada Alta in einem Tag abzuspulen.
Kurz vor Mittenacht sind wir hundemüde und kaputt in unser Zelt gekrochen.
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Marietheres war im Zeltlager Gruppenleiterin. Eine Gruppe besteht aus acht bis zehn Kindern, die etwa gleichaltrig sind. Betreut wird jede Gruppe von ihrer Gruppenleiterin. Zusammen wird gegessen, gespielt und der tägliche Dienst erledigt. Jede Gruppe wohnt in ihrem eigenen Zelt. Die Gruppenleiterin ist dabei der erste Ansprechpartner für die Kinder und immer vor Ort.
Kurz vor dem Mittag habe ich Marietheres getroffen, sie trug ein selbst bedrucktes T-Shirt mit ihrem Blauringnamen «Teli». Ich konnte mich ein wenig mit ihr und den anderen Leiterinnen unterhalten. Es war mir klar ein persönlicher Gedankenaustausch wäre erst am späteren Abend möglich.
Nach dem Abendprogramm habe ich Marietheres gefragt, ob sie Lust auf einen Spaziergang mit mir hätte. Fiebrige Erwartung erfüllte diese laue Sommernacht; Erwartung auf das, wovon ich schon seit langem geträumt hatte. Zum ersten Kuss gehört Mut. Vielleicht ist das der Grund, warum sich jeder an seinen ersten Kuss erinnern kann. Ich weiss noch, wie unsicher ich damals war und was für eine Überwindung es mich gekostet hatte, Marietheres, welche vor mir stand, immer näherzukommen – bis sich unsere Lippen schliesslich berührten. Die Umgebung wurde mit einem Mal unscharf, und für einen kurzen Moment gab es nur noch uns beide. Ich habe sie so leidenschaftlich geküsst, dass ich dabei Raum und Zeit vergessen habe.
Dieser Kuss markierte den Start der gemeinsamen Zeit, er sorgte für Geborgenheit und liess alles Negative der Vergangenheit für mich verblassen.
Ich war 17 und unerfahren. Aber von einem Augenblick auf den nächsten wusste ich mit absoluter Gewissheit, dass ich die oder keine wollte. Mit jeder Faser meines Körpers.
Die erste grosse Liebe spielt eine ganz besondere Rolle. An dieser Beziehung werden alle weiteren gemessen. Jeder von uns hat diesen einen Menschen, der uns nie ganz loslässt. Das ist eine sehr intensive Erfahrung, deshalb ist es schön, wenn wir eine gute Erinnerung daran haben, und es kann uns lange beeinflussen, wenn es nicht so ist.
Verständlicherweise waren wir 3 Besucher bei den Lagerleiterinnen nicht unbedingt Willkommen, obwohl wir als Helfer unser Bestes gaben. Nach 3 Nächten sind wir mit dem Zug nach Hause gereist.
Ich hab’ mein Herz in Iragna verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren,
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
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Jungschützenkurs 300 m
Der Jungschützenkurs ist eine kostenlose, vordienstliche Schiessausbildung für Schweizerinnen und Schweizer. Neben Trainings haben auch schiesssportliche Wettkämpfe auf Distanz 300m stattgefunden. Dabei wurde die Konzentration, Disziplin und Körperkoordination gefördert.
Auch die Kameradschaft kam nicht zu kurz.
Der Jungschützenkurs dauerte jeweils von März bis Ende August und beinhaltete ein Theorieabend und 6-7 Kurstage und diversen Wettkämpfe.
Während der Dauer des Kurses erhielt jeder Teilnehmer seine persönliche Waffe, welcher er nach Hause nahm.
Wir wurden auf dem Sturmgewehr 1957 / SIG 510 ausgebildet. In der Schweizer Armee war das Standardsturmgewehr im Kaliber 7,5 × 55 mm in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es wurde 1959 / 1960 eingeführt und in den 1990er-Jahren durch das SIG 550 abgelöst.
Aufgrund meiner Treffsicherheit wurde ich mit dem Schützenabzeichen ausgezeichnet.
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Nach den Sommerferien werde ich mit dem 2. Lehrjahr starten.
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Was macht Veronika?
Veronika hat die obligatorische Schulzeit abgeschlossen und wird im Sommer die Frei’s Handelsschule in Luzern besuchen und nach 2 Jahren mit dem Handelsdiplom abschliessen.
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Was macht Adrian (29.04.1961)?
Dieses Jahr war Adrian gefordert. Das Übertrittsverfahren von der Primar- zur Sekundarstufe stand auf dem Programm. Die Prüfung fand jeweils nach den Osterferien statt. Mein jüngerer Bruder Adrian war damals schon ein Aufschneider; einer, der sich sehr wichtig und gross fühlt, einer der plagiert, vor allem mit Fähigkeiten, welche er nicht hatte und nie haben wird. Anfangs Juni stand jeweils fest wer mit wem nach den Sommerferien in die Schule gehen wird. Es hätte mich sehr überrascht, wenn Adrian die Aufnahmeprüfung in die Sekundarschule bestanden hätte.
Nun durfte man gespannt sein, wie es mit ihm weitergehen soll. Adrian wird nach den Sommerferien das Internat wie damals Willi in Vilters besuchen. Für Adrian war Vilters nur ein kurzes Gastspiel. Adrian hatte in solchem Massen Heimweh, dass er sich weigerte nach den Herbstferien wieder ins Internat zu gehen. Auch da haben meine Eltern eine Lösung gefunden.
Nach den Herbstferien wird Adrian das Juvenat der Franziskaner im Flüeli (Gemeinde Sachseln) besuchen. Das Juvenat ist ein Schulinternat auf Sekundarstufe I der Gemeinschaft der Franziskaner.
Adrian durfte jedes Wochenende nach Hause. Adrian überschätzte seine Fähigkeiten und hat mit seinen Leistungen geprahlt. Er dachte, dass er besser sei als andere, einzigartig oder besonders.
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Was war 1974
Das Jahr 1974 war geprägt von den Nachwirkungen der Ölkrise im Jahr 1973. Die steigenden Ölpreise und die Verknappung der Ressourcen führten weltweit zu Währungsschwierigkeiten und einer hohen Inflationsrate. Insbesondere in Europa kämpfte die Wirtschaft mit den Auswirkungen dieser Krise und musste sich den wirtschaftlichen Herausforderungen stellen.
Die Ölkrise hatte weitreichende Folgen für die globale Wirtschaft. Die starken Preisanstiege führten zu einem enormen Anstieg der Produktionskosten und belasteten die Handelsbilanzen vieler Länder. Gleichzeitig hatten die gestiegenen Energiekosten Auswirkungen auf die Inflationsraten, da die Unternehmen die höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben mussten.
In vielen Ländern mussten Maßnahmen ergriffen werden, um die negativen Auswirkungen der Ölkrise abzumildern. Regierungen und Zentralbanken waren gezwungen, ihre Geldpolitik anzupassen, um die Inflation einzudämmen und die Währungen zu stabilisieren. Auch wurden Programme zur Förderung erneuerbarer Energien und zur Reduzierung des Energieverbrauchs eingeführt.
Die europäische Wirtschaft wurde besonders hart von der Ölkrise getroffen. Viele Länder waren stark von Importen abhängig und hatten somit hohe Energiekosten. Dies führte zu einer hohen Inflation und schwächte die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wurden in vielen Ländern Strukturreformen eingeleitet, um die Produktivität und Effizienz zu steigern.
Im Nahen Osten bestimmten die Nachwirkungen des 1973 geführten Jom-Kippur-Kriegs die Politik. Nach dem Rücktritt Golda Meirs wegen der hohen israelischen Verluste übernahm Jitzchak Rabin das Amt des israelischen Regierungschefs.
Im Norden Zyperns begann mit dem Einmarsch und der Besetzung durch türkische Truppen der Zypernkrieg, in Portugal kam es zur sogenannten Nelkenrevolution. In Westdeutschland gab es durch den Rücktritt Willy Brandts aufgrund der Spionageaffäre um seinen persönlichen Referenten Günter Guillaume einen Regierungswechsel.
Im Jahr 1974 kam es zu bedeutenden politischen Veränderungen in Portugal und Griechenland. In Portugal endete nach 41 Jahren eine langjährige Autoritäre Staatsführung und brachte eine friedliche Wende für das Land. Die sogenannte Nelkenrevolution, die von Aktivisten und Militärs getragen wurde, markierte den Beginn einer neuen Ära, in der demokratische Prinzipien und Freiheit wiederhergestellt wurden.
In Griechenland trat 1974 ebenfalls eine bedeutende politische Veränderung ein: die Absetzung der Militärjunta. Diese Militärregierung war 1967 an die Macht gekommen und hatte das Land sieben Jahre lang regiert. Der Rücktritt der Junta wurde durch eine politische Krise und eine Reihe von Protesten ausgelöst. Das Ende der Militärjunta in Griechenland war ein wichtiger Schritt hin zur Wiederherstellung der Demokratie und des politischen Pluralismus.
Sportlich wurde das Jahr vor allem durch die Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland, bei der die deutsche Nationalelf den Meister-Titel gewann, sowie den Boxkampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman in Zaire („Rumble in the Jungle“) dominiert.
- Lehrjahr Hochbauzeichner
Nach meinen Sommerferien haben im Büro Wyss drei neue Lehrlinge ihre Ausbildung gestartet.
- Elsbeth Gasser, von Lungern, Kauffrau
- Monika Rossacher, von Giswil, Hochbauzeichner
- Eugen Imhof, Kägiswil, Hochbauzeichner
Monika, Eugen und ich sind alle im Jahr 1957 geboren. Hätte ich auch die 3. Sekundarschule in Sarnen besucht, so wären wir Schulkollegen gewesen. Mit Monika habe ich die 1. und 2. Sekundarschule in Giswil besucht.
Nun war ich der Oberstift und wurde beauftragt die Neuen einzuführen.
Die ersten Wochen eines Lernenden sind die wichtigsten. Die Lernenden sollen sich willkommen fühlen, so dass sie ihre ersten Arbeitswochen positiv erleben. Ich habe mir die Zeit genommen, ihnen das gesamte Büro gezeigt und sie mit den anderen Mitarbeitern des Büros bekannt gemacht, damit sie wussten, mit wem sie es zu tun haben.
Ich habe ihnen das Ausfertigen von Plankopien / Vervielfältigen beigebracht. Dazu gehörte auch das Beschriften und kolorieren von Plänen. Die Pflege und das Reinigen der Schablonen und den Tuschstiften.
Die Organisation des Znünis war nun Sache von Monika und Eugen, welche sich die Aufgabe teilen konnten.
Nach meinem Dafürhalten habe ich die Lernenden mustergültig eingeführt und unterstützt.
An den Schultagen von Monika und Eugen war ich für das Znüni verantwortlich.
Das Ausfertigen von Plankopien erledigte ich nur noch in dringenden Fällen.
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Unser Büro beteiligte sich auch immer wieder an verschiedenen Architekturwettbewerben.
Der Ausdruck "Architekturwettbewerb" ist eine in der Baubranche übliche Kurzbezeichnung für ein Verfahren mit dem Zweck, einem Bauwilligen mehrere Lösungsvorschläge für ein Bauvorhaben zu verschaffen. Statt dass der Bauwillige mehreren Architekten je einen eigenen Projektierungsauftrag mit entsprechender Vergütungspflicht erteilt, lädt er beim Architekturwettbewerb verschiedene Architekten ein, ihm unentgeltlich oder gegen eine geringe Entschädigung ein Projekt einzureichen, dies unter Aussetzung von Preisen für die zu erarbeitenden Projekte. Der Architekturwettbewerb wird dadurch eröffnet, dass ein Bauwilliger (der Veranstalter) Architekten einlädt, ihm aufgrund bestimmter Unterlagen (Wettbewerbsbedingungen, Wettbewerbsprogramm) ein Bauprojekt einzureichen, wobei sich die Einladung an individuell bestimmte Architekten richten kann.
Ich erinnere mich an die Wettbewerbe, für den Neubau der Kantonalbank in Kerns und den Neubau des Gemeindehauses in Sarnen. Unser Büro erreichte jeweils den 2. Rang.
Im Weiteren hat sich unser Büro auch an internationalen Wettbewerben beteiligt. Zum Beispiel eine Ferienanlage in Cap d'Antibes. Cap d'Antibes liegt an der Côte d'Azur.
Hält sich der Veranstalter am Ende an die Vorgaben der Jury und das preisgekrönte Projekt wird realisiert, was nicht immer der Fall ist, sind alle glücklich. Ausgenommen natürlich die vielen Architekten, die ihren Beitrag eingereicht haben und leer ausgegangen sind.
Das ist die Crux und das ist das wesentliche Argument, das dem offenen Architektenwettbewerb oft entgegengehalten wird. Es gibt immer nur einen Gewinner und viele Verlierer.
Vom unternehmerischen Standpunkt aus sei dies unverantwortlich, so hört man immer wieder und gesamt volkswirtschaftlich grenze eine solche Verschwendung von Arbeitskraft an Wahnsinn. Kann schon sein. Vom unternehmerischen Standpunkt aus ist das Wettbewerbswesen nicht unbedingt verkehrt. Viele Architekten schätzen es, ihr kreatives Potenzial zu trainieren und sich mit ihren Mitbewerbern im Wettkampf zu messen. Denn wo sonst hat ein Architekt die Gelegenheit seine eigene Kreativität auszuleben als im Wettbewerb? Von der Präsenz des eigenen Büros in der Wettbewerbsszene verspricht sich manch einer eine werbewirksame Aussenwirkung, denn die Medien publizieren gerne die Wettbewerbsergebnisse. Wer dabei ist, gehört dazu – zumindest einen kurzen Rausch lang – und wer dazu gehört, ist wichtig. Und auch die immer wieder beschworene volkswirtschaftliche Verschwendung von Kreativpotenzial, die dem Wettbewerbswesen innewohnt, kann man durchaus sportlich sehen. Es ist für jeden Architekten immer eine unternehmerische Entscheidung, wie viel er in Wettbewerbsverfahren investieren will und jeder muss für sich selbst abwägen, ob es sich für ihn lohnt oder nicht.
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In unserem Büro gab es bereits 1. Anzeichen von einer grösser sich anbahnenden Rezession.
Seit einiger Zeit hat sich der bauwirtschaftliche Horizont verdüstert. Nach einer Zeitspanne der Stabilisierung auf sehr hoher Ebene mehren sich seit Jahresanfang die Anzeichen für eine Talfahrt der Nachfrage und der Beschäftigung. Die Planungsstufe ist zum Teil bereits unterbeschäftigt. Vorderhand wird allgemein ein Rückgang der Bauvorhaben von 10% und mehr erwartet, der sich 1975 fortsetzen dürfte. Seit einiger Zeit sind in der Bauwirtschaft eine wachsende Nervosität und Unsicherheit festzustellen, ja vereinzelt sogar Zeichen der Panik.
Im Mai 1974 waren im Bauhauptgewerbe rund 180000 Personen (- 12 %) weniger beschäftigt als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der gegenwärtige Beschäftigungseinbruch im Baugewerbe geht bereits jetzt über das im Rezessionsjahr 1967 beobachtete Ausmaß hinaus.
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Im 2. Lehrjahr besuchte ich jeweils am Mittwoch die Gewerbeschule. Zufälligerweise war am Mittwoch 25. September Bruder-Klausen-Tag. Im Kanton Obwalden ist das seit der Heiligsprechung 1947 ein Feiertag. Das Büro war geschlossen und meine Arbeitskollegen hatten einen arbeitsfreien Tag. Selbstverständlich habe ich an diesem Tag die Gewerbeschule besucht.
Eine Woche später wird jeweils in Luzern der heilige Leodegar der Schutzpatron der Stadt Luzern gefeiert. Er wirkte im 7. Jahrhundert als Kirchenfürst und Staatsmann in Frankreich und wurde 678 enthauptet. Das Schutzengelfest selbst stammt aus Spanien und wird in Luzern jährlich am 2. Oktober begangen, um Leodegar zu ehren und zu gedenken.
Es versteht sich von selbst, dass ich an diesem Tag meinen Schultag vom 25. September kompensiert habe. Irgendeinem Mitarbeiter ist im Verlaufe des Nachmittags in den Sinn gekommen, warum ich nicht im Büro sei. In Luzern wäre ja Feiertag und da ich keine Schule hätte müsste ich im Büro sein.
Die Sekretärin hat sogar zuhause angerufen und sich nach mir erkundigt. Ich war unterwegs und gönnte mir meinen freien Tag.
Am nächsten Morgen war im Büro «Stadelzeit» (Komödienstadel) angesagt. Meine Arbeitskollegen gönnten mir den Kompensationstag nicht. Sie erwarteten, dass ich diese Arbeitszeit nachholen muss. Gestützt auf die gesetzlichen Bestimmungen hatte ich Anspruch auf diesen Kompensationstag. Meinen vernünftigen Argumenten waren meine Kollegen nicht zugänglich. Ich fand dieses Verhalten miserable und armselig. Wahre Grosszügigkeit erfordert Grossmut und ist darum nichts für Kleingeister. Kleinlich zu sein ist leicht. Grösse zeigen dagegen schwer. Ein Auge zudrücken oder mal Fünfe gerade sein lassen - das sagt sich leicht. Die Umsetzung fällt vielen deutlich schwerer. Tatsächlich klammern sich zahlreiche Menschen an feste Regeln und Vorgaben und sind erst dann so richtig zufrieden, wenn alles bis ins kleinste Detail erfüllt ist. Wahre Grösse sich selbst gegenüber zeigt sich vor allem in den Niederlagen und Rückschlägen, die jeder von uns erlebt.
Was ist Feiertag Kompensation?
Feiertage sind nicht zusätzliche Ferientage, sondern öffentlich festgelegte arbeitsfreie Tage, die von den Arbeitgebenden zu gewähren sind.
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Gewerbeschule
Die Schulräume der Gewerbeschule waren in Luzern sehr knapp bemessen. Am Vormittag wurden wir jeweils in der Hubelmatt unterrichtet. Das heisst vom Bahnhof musste ich jeweils den Bus in die Hubelmatt nehmen. Die Bahnhaltestelle Allmend gab es damals noch nicht.
Am Nachmittag fand der Unterricht im Heimbach (Heimbachweg 12) statt.
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Vermessungskurs
Nach den Sommerferien habe ich einen freiwilligen Vermessungskurs auf der Allmend in Luzern besucht. Der Kurs fand jeweils an 5 Samstagen, von 08.00 – 12.00 Uhr statt.
Die Ingenieurvermessung wird oft als Überbegriff für die verschiedensten Vermessungen im Hoch- und Tiefbau ausserhalb der amtlichen Vermessung verwendet. Sie beschäftigt sich vor allem mit dem Bau und der Realisierung von Gebäuden, Objekten und Infrastrukturanlagen.
Themen waren:
Abstecken von Geraden
a) mit der Schnur, b) mit Jalons, c) mit Doppelprisma, d) mit Nivellierinstrument, e) mit Theodolit
Verlängern einer Geraden
a) mit Jalons, b) mit Theodolit
Abstecken von rechten Winkeln
a) mit Schnur und Messband, b) mit Winkelprisma
- Das einfache Nivellement
- Das zusammengesetzte Nivellement
- Profil- Aufnahmen (Längen- und Querprofil)
- Flächennivellement
- Optische Distanzmessung
Ein Winkelprisma ist ein einfaches, aber wichtiges optisches Instrument der Geodäsie, um rechte Winkel abzustecken oder rechte Winkel zu überprüfen, einen Punkt auf eine Gerade aufzuwinkeln
(d. h. das Lot vom Punkt auf diese Gerade zu fällen) und um sich selbst in eine Gerade einzufluchten.
Das Nivelliergerät (auch Nivellierinstrument, schlicht Nivellier) ist ein Messinstrument, mit dem Höhenunterschiede gemessen und Höhenhorizonte hergestellt werden.
Ein Theodolit ist ein Winkelmessinstrument, das in der Geodäsie (Vermessungskunde) zur Messung von Horizontalrichtungen und Zenit- oder Vertikalwinkeln verwendet wird. Hierzu wird er mittels eines Stativs lotrecht über einem Punkt aufgestellt.
Viele Mitschüler dachten fälschlicherweise, Kompetenzen in der Vermessung bräuchten sie nicht.
Nur ca. jeder Fünfte besuchte den Vermessungskurs. Das ist schade. Denn Kompetenzen in der Vermessung waren für mich unerlässlich. Klassische Kompetenzen bestehen aus der Fach- bzw. Kernkompetenz und der erforderlichen Methodenkompetenz, um Ziele systematisch erreichen zu können. Die Persönlichkeitskompetenz ist ebenfalls entscheidend: Sie beinhaltet die Fähigkeiten und Einstellungen, in denen sich die individuelle Haltung zur Welt und insbesondere zur Arbeit widerspiegelt. Gemeint sind Persönlichkeitseigenschaften, die nicht nur im Arbeitsprozess wichtig sind wie Eigenverantwortung, Kreativität, die richtige Motivation, Initiative und Engagement, Lern- und Leistungsbereitschaft, Flexibilität, Ausdauer, Resilienz, ein realistisches Selbstbild haben und eine gehörige Portion Herzblut mitbringen. Auch die Sozialkompetenz mit ihren Fertigkeiten und Fähigkeiten, die dazu befähigen, in den Beziehungen zu Menschen situationsadäquat zu handeln, ist unverzichtbar.
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Unfall mit Töffli Herbst 1974
Vorbemerkung: Seit dem 1. Oktober 1985 gilt die Helmpflicht beim Töffli für alle Fahrer!
Bis ca. 1984 waren keine Helme für Töfflifahrer im Angebot.
Mein kürzester Arbeitsweg führte über Wilen. Durch den Wald führt die schmale Strasse zu den gefürchteten Wildbächen. Der Steinibach wird auf der Strasse durch eine Furt überquert. Es geht weiter im Wald hinab auf der Strasse zum Gehrisbach auch dieser wird durch eine Furt überquert.
Als Furt bezeichnet man eine Flachstelle (Untiefe) in einem Bach- oder Flusslauf, mittels der das Gewässer zu Fuss, zu Pferd oder mit Fahrzeugen durchquert werden kann. Diese seichte Stelle ist somit Bestandteil einer übergeordneten Wegeverbindung und bestimmte den Verlauf von Verkehrswegen.
Die linksufrige Seestrasse zwischen Forst - Oberwilen - Wilerbad wurde zwischen 1941 und 1945 durchpolnische Internierte realisiert.
Die Wildbäche Steinibach und Gehrisbach sind immer wieder durch Hochwasser und Überschwemmungen aufgefallen. Es wurden daher im Laufe der Jahre immer wieder bauliche Massnahmen getroffen, um die Wildbäche sicherer zu gestalten. Wildbäche besitzen ein enormes Zerstörungspotential. Ein Wildbach ist, ein dauernd oder zeitweise fliessendes Gewässer, dass durch rasch eintretende und nur kurze Zeit dauernde Anschwellungen Feststoffe aus seinem Einzugsgebiet
oder aus seinem Bachbett in Gefahr drohendem Ausmasse entnimmt, diese mit sich führt und innerhalb oder ausserhalb seines Bettes ablagert oder einem anderen Gewässer zuführt. Hauptcharakteristika von Wildbächen sind das starke Gefälle und die durch Schneeschmelze oder heftige Gewitter innerhalb kurzer Zeit stark variierenden Abflusswerte. Die beiden Wildbäche führen bei Hochwasser im Bereich der Furt immer sehr viel Geschiebe (Steinmaterial) und Schwemmholz mit sich.
Das Unwetter in der vergangenen Nacht hatten den Steinibach und den Gehrisbach rasch anschwellen lassen. Als ich am Morgen, wie üblich um ca. 6.20 Uhr mit dem Töffli losgefahren bin war der Regen nur noch stark.
Starker Regen entspricht 10 Millimetern und mehr innerhalb einer Stunde. Vor Unwetter wird gewarnt, wenn es mehr als 25 und bis zu 40 Millimeter innerhalb einer Stunde regnet oder laut Vorhersage dieser Schwellenwert voraussichtlich überschritten wird.
Ich war mir durchaus bewusst, dass unter Umständen der Steinibach und der Gehrisbach gesperrt sein könnten. Die Strasse war nicht gesperrt worden und es war auch keine Verbotstafel aufgestellt worden. Kurz vor dem Steinibach überholte mich ein Auto, welches die Furt querte. Ich war guten Mutes, dass auch mir das Gelingen wird und tatsächlich, es ist mir ohne grosse Schwierigkeiten gelungen. Der Gehrisbach war der kleinere Bach, somit würde ich auch diese Furt queren können. Die Sicht war durch den starken Regen etwas eingeschränkt. Ich hatte über die Hälfte der Furt im Gehrisbach durchquert, da kam es zum unglücklichen Ereignis, es hat mich mit meinem Töffli über die Furt in den Gehrisbach gespült. Der Gehrisbach führte immer noch Geschiebe und Schwemmholz mit sich. Die grosse Herausforderung bestand darin dem reissenden Bach zu entkommen, über die Böschung zu klettern und somit auf sicheres Terrain zu gelangen. Das ist mir auch gelungen.
Als nächstes hielt Ausschau nach meinem Töffli. Der Lenker des Töfflis ragte am Böschungsfuss aus dem Wasser. Als ich über die Furt geschwemmt worden bin hatte ich das Töffli nicht losgelassen und mitgezogen. Irgendwie gelang es mir das Töffli auf über die Böschung auf sichere Fläche zu ziehen. Obwohl das Töffli ordentlich beschädigt worden ist, hoffte ich, dass man es noch reparieren kann.
Ich habe das Töffli an den Strassenrand gestellt, damit man es später abholen kann und in die Werkstatt von Albert Mathis zur Reparatur bringen kann.
Völlig durchnässt lief ich zum See und hielt Ausschau nach einem Böötler, welcher mich zum Camping fahren würde. Tatsächlich sah ich in der Nähe René Eberli mit seinem Boot. Ich signalisierte ihm, dass ich dringend Hilfe benötigen würde. Er hat mich in seinem Boot zum Camping Giswil gefahren. Vom Camping bis nach Hause hatte ich noch ¾ Stunden Fussmarsch vor mir. Meine Mama ist furchtbar erschrocken, als sie mich sah, durchnässt und verbeult. In wenigen Worten habe ich geschildert was ich soeben erlebt hatte. Mir fehlte nichts, ausser diverser Schürfungen und blauen Flecken.
Nachdem die Wildbäche weniger Wasser führten hat ein Mitarbeiter von Papa und ich das Töffli beim Gehrisbach abgeholt und die Werkstatt gebracht. Albert Mathis sah sich das ramponierte Töffli an und meinte, dass sich eine Reparatur nicht lohnen würde. Nun war guter Rat teuer. Soll ich mir ein Rennvelo kaufen und mit dem Velo zur Arbeit fahren oder wieder ein Töffli? Meine Überlegung war, dass ein bisschen Sport nicht schaden würde. Mein Papa war der Ansicht, dass ich mit einem Töffli besser bedient wäre, insbesondere in der kälteren Jahreszeit.
Albert Mathis konnte in der Folge ein neues Töffli der Marke Condor-Puch mit 2 Gang Handschaltung verkaufen.
Bereits am nächsten Morgen ging es wieder über Wilen ins Büro.
Ich war überzeugt, dass ich an diesem Tag nicht nur Glück hatte, da hatte ich einen riesengrossen Schutzengel an meiner Seite. Ich war sehr dankbar, dass ich diesem Wildbach entkommen bin.
Dieses Ereignis hat in meinem Bewusstsein tiefe Spuren hinterlassen. Spurlos geht ein solches Erlebnis an niemandem vorbei. Während der lebensgefährlichen Situation aktiviert der Körper sämtliche Stress- und Notfallmechanismen. Wenn Menschen einer schlimmen Situation ausgeliefert sind, reagieren sie bereits vor Ort sehr unterschiedlich. Manche erstarren, geben keinen Laut von sich. Andere schreien oder lachen, zeigen sich aggressiv. Ich funktioniere ganz normal weiter, als ob nichts geschehen wäre.
Vor Wildbächen habe ich auch 50 Jahre später einen sehr grossen Respekt. Wenn man sich in einem Wildbach aufhält muss man immer sehr genau das Wetter beobachten, da lässt sich nicht spassen.
In der Zwischenzeit wurde der Steinbach und der Gehrisbach weiter verbaut und die Furt höher gelegt. Bei Hochwasser wird die Strasse frühzeitig gesperrt und die Verbotsschilder in Kirchhofen (Sarnen) und Giswil weisen darauf hin, dass die Strasse von Oberwilen bis zum Forst gesperrt sind.
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Kunststück auf Töffli
Ein Pfauenrad bedeutet: Ich bin ziemlich toll
Wenn ein Pfau ein Rad schlägt, finden das Menschen oft super. Die bunten Federn sehen aus wie ein kostbarer Riesenfächer. Natürlich macht das der Pfau nicht, damit Menschen das toll finden.
Ein Pfauen-Männchen will damit andere Pfauen beeindrucken. Vor allem natürlich die Weibchen. Pfauen-Männchen tragen eine Schleppe aus meterlangen Federn. Am Ende hat fast jede der Federn ein rundes Muster. Es sieht ein bisschen aus wie ein grosses Auge. Wenn der Pfau die langen Federn zu einem Rad schlägt, sieht es aus wie viele bunte Augen.
Je grösser und schöner seine Federpracht ist, desto besser finden ihn die Pfauen-Weibchen. Vor allem im Frühling schlagen die Pfauen-Männchen ihre Federn auf. Im Herbst kann man dann manchmal sogar eine Pfauen-Feder im Zoo finden. Dann verlieren die Männchen ihre Angeber-Federn nämlich wieder.
Was habe ich mit einem Pfau gemeinsam. Auch ich wollte das Mädchen (Marietheres) beeindrucken. Nur hatte ich keine Federn. Aber ich hatte mein Töffli.
Mit meinem Töffli wollte oder konnte ich die Mädchen beeindrucken. Ich konnte mit dem Töffli stehend freihändig fahren. Ich stand dazu auf die Motorabdeckung und bin freihändig gefahren. Nur freihändig fahren hätte Niemand beeindruckt.
Stehend freihändig Töffli fahren war eine grössere Nummer. Ich kannte Niemanden, der dieses Kunststück beherrschte. Es gab auch keine Nachahmer. Wie der Pfau war ich ziemlich toll.
Grundvoraussetzung für diese Nummer war regelmässiges üben und trainieren.
Vorab muss man ein gutes Gefühl für das Töffli bekommen. Zu Beginn versuchte ich bei ca.20km/h im 2. Gang geradeaus zu fahren und habe dabei beide Hände vom Lenker genommen. Ich habe sofort gespürt, ob ich neutral auf dem Töffli sass, oder ob ich zu einer Seite schief sass. Dann kamen die weiteren Schritte dazu.
Damit ich diese Nummer zeigen konnte musste folgendes stimmen: Konzentration, Gleichgewicht mentale Stärke.
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Im September fand das Herbstweekend der Gruppe Adler und Puma statt. Laurenz war der Gruppenführer der Gruppe Adler und ich der Gruppe Puma. Den ca. 20 Jungs im Alter von 13 Jahren wurde ein erlebnisreiches Programm geboten. Sie verbrachten mit ihren Kollegen eine Nacht in der Zwirchi Hütte auf 1'400 m, oberhalb von Giswil.
Am Samstagvormittag trafen wir uns bei der Kirche Giswil zur gemeinsamen Wanderung zur Zwirchi Hütte. Die Marschzeit betrug knapp 3 ½ Stunden.
Im Verlaufe des Sonntagsmorgens war aufräumen und putzen der Hütte angesagt. Wir hatten geplant, dass wir wieder gemeinsam zurückmarschieren würden. Ein Teil der Jungs hatte dermassen Stalldrang, dass sie bereits eine Stunde früher als geplant zurückmarschier wollten. Laurenz und ich wollten keine Lustlosigkeit oder schlechte Laune aufkommen lassen, deshalb durften die Jungs welche nicht mit uns zurückmarschieren wollten abmarschieren. Laurenz und ich haben den Boden noch feucht gewischt. 4 Jungs unter anderem mein Bruder Adrian wollten mit uns zurücklaufen und haben vor der Hütte auf uns gewartet.
Ich war schon ein wenig überrascht als kurz vor 12.00 Uhr mein Bruder Willi mit meinem jüngsten Buder Norbert (Alex) geboren am 02. Mai 1963 im Jeep angebraust kam. Willi hatte erst am Freitag die Fahrprüfung bestanden. Bei Neulenker ist das Unfallrisiko wegen fehlender Erfahrung aber noch sehr hoch.
Vom spontanen Besuch von Willi war ich alles andere als begeistert. Ich bekam ein sehr flaues Gefühl in meiner Magengegend.
Der Jeep hatte ein wetterfestes Verdeck mit Türen aus vinyl. Die hinteren Sitze waren seitlich gegenüberliegend angeordnet, somit konnten bis zu acht Personen befördert werden. Sicherheitsgurten gab es noch nicht.
Junglenker haben noch keine Erfahrung und überschätzen sich gerne. Das Fahrzeug selbst ist meistens nicht das Problem. Auch die Marke nicht. Das eigentliche Problem sitzt hinter dem Lenkrad, der Fahrer selbst. Es braucht dann nur eine kleine Schocksekunde und die Kontrolle ist komplett weg. Willi sagte sich selbst: «Ich beherrsche das.» Willi wollte uns beweisen, was für ein geiler Siech er sei. Ich habe von Willi nicht erwartet, dass er das Zeug zum Rally Fahrer hat. Um mit dem Rallye-Fahren anfangen zu können, benötigt ein Rallye-Fahrer oder eine Rallye-Fahrerin eine A-Lizenz. Diese Lizenz wird im Rahmen eines Lehrgangs erworben. Hierzu zählen theoretische Einheiten, aber auch praktische Erfahrungen auf der Strecke.
Was ist passiert:
Willi hat uns aufgefordert hinten einzusteigen. Ich bin nicht eingestiegen und habe es vorgezogen zu laufen. Willi hat mich als Angsthase bezeichnet und ausgelacht. Laurenz und die Jungs haben in den Chor von Willi eingestimmt.
Trotzdem habe ich es vorgezogen zu Fuss unterwegs zu sein. Ich verlor den Jeep aus meinem Blickfeld und war glücklich alleine unterwegs zu sein. Hinter der nächsten Kurve im Wald haben sie auf mich gewartet. Alle haben mich bekniet endlich einzusteigen und ich habe mich breitschlagen lassen. Unser Rallyefahrer wollte uns auf dieser Naturstrasse seine Fahrkünste demonstrieren. Es war wie auf einer Achterbahn. Laurenz und die Jungs waren begeistert und ich habe Willi gebeten anzuhalten, weil ich aussteigen wollte. Er hat nur gelacht und mich negiert. Ich habe geschrien die Fahrweise den Strassenverhältnissen anzupassen. Einige Sekunden Später, hat Willi die die Beherrschung über den Jeep verloren und ist von der Strasse abgekommen. Es ging den Hang hinunter, Willi riss das Steuer herum und das Fahrzeug drohte umzukippen. Bevor der Jeep kippen konnten prallte das Fahrzeug in Schräglage seitlich gegen einen Baum. Abgesehen von leichten Schürfungen, blauen Flecken und einem riesigen Schrecken konnten wir das Fahrzeug unverletzt verlassen. Im Verlaufe des Montags hatte der Garagier unserem Papa mitgeteilt, dass sich eine Reparatur des Jeeps nicht mehr lohnen würde. Der Jeep kam zum Schrotthändler.
Was Willi für eine Räubergeschichte unserem Papa erzählt hat entzieht sich meinen Kenntnissen. Gerüchteweise habe ich gehört, dass er am Montag in der Gewerbeschule mit seinen Fahrkünsten geprahlt hat. Ich hatte es völlig anders erlebt.
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich bei Willi je wieder in ein Auto gestiegen wäre. Als Beifahrer habe ich immer noch grossen Respekt im Auto. Die Ausnahmen kann ich an einer Hand abzählen.
Ich wäre gut beraten gewesen, wenn ich das Empfinden der Angst zugelassen hätte. Angst zu empfinden ist erst einmal ein natürliches und lebenswichtiges Phänomen. Sie ist eine biologische Reaktion unseres Körpers und hilft uns dabei, uns in einer ernsten oder riskanten Situation zu schützen.
Die Angst hat also nichts anderes vor, als uns Schutz zu geben. Und genau deshalb sollten Betroffene versuchen, ihre Angst als eine Art Freund zu betrachten, die es im eigentlichen Sinne nur gut mit einem meint.
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Gärtnerei Frei Blumenladen mein 1. Auftrag
Im Frühling 1975 an einem Samstagmorgen musste ich für unsere Mama beim Gärtner Heinrich Frei Setzlinge besorgen. Ich wurde von Heinrich Frei persönlich bedient, dabei hat mir erzählt, dass er in Zukunft seine Kunden in einem Laden bedienen will. Von diesem Laden hatte er ganz genaue Vorstellungen. Vorab müsste er bei der Gemeinde ein Baugesuch einreichen. Für das Baugesuch benötige er Pläne, welche Jemand für ihn zeichnen müsse. Ihm war bekannt, dass ich eine Lehre als Hochbauzeichner in Sarnen absolvieren würde. Er wäre froh, dass ich für ihn die Baueingabe machen würde. Für mich wäre das eine Kleinigkeit. In Giswil gab es kein Architekturbüro, Heinrich atte eine Offerte von einem Ingenieurbüro, welches für ihn die Pläne für die Baueingabe ausfertigen sollte. Die Offerte des Ingenieurbüros bezeichnete Heinrich als Abzockerei. Ich würde ihm das sicher für die Hälfte machen können. So kam ich zu meinem ersten Auftrag. Als ich Zuhause war habe ich mit dem Zeichnen begonnen. Am Sonntagabend war ich mit der Arbeit fertig. In dieser kurzen Zeit habe ich mehr verdient, als in einem Monat bei Wyss. Für einen Lehrling im 2. Lehrjahr war das ein sehr guter Nebenverdienst.
Die Zimmerei Anton Kiser wurde von Heinrich Frei mit den Zimmerarbeiten für den Laden beauftragt. In Zukunft wurde ich auch immer wieder mit Planungsaufträgen von Toni Kiser beauftragt. In den meisten Fällen hatte ich einfache Anbauten (Bad mit Küche), Remisen, Garagen oder Umbauten von Häusern bearbeitet. Es handelte es sich vor allem um Planungsarbeiten ausserhalb der Bauzone.
Der Lehrbetrieb wurde mit meiner Tätigkeit nicht konkurriert. Das Büro Wyss hätte solche Arbeiten verschmäht und die Auftraggeber hätten für das Büro Wyss das Geld nicht gehabt.
Bis nach Beendigung meiner Lehre bei Wyss habe ich immer wieder für Toni Kiser sehr viele Planungsaufträge erhalten. Ich muss nicht erwähnen, dass ich gut bezahlt worden bin. Meine Aufträge habe ich immer Pauschal abgerechnet. Toni Kiser wusste somit nicht, was ich pro Stunde verdient habe. Das Zeichnen war meine Passion es ist eine Leidenschaft, also etwas für das ich mich begeisterte. Mein grösstes Interessensgebiet, an das ich immer dachte und mich am liebsten beschäftigte.
Diese verrückte Zeit hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, seiner eigenen Intuition zu folgen, auf seine innere Stimme zu hören und dem eigenen Weg zu vertrauen. Vieles löst sich dann nämlich von ganz alleine und relativ schnell. Einstehen für die eigenen Werte, für die eigenen Träume und an sich glauben, ganz egal, ob Andere diese Werte mit dir teilen oder nicht. Die passenden Menschen kommen dabei automatisch in dein Leben, weil sie dich verstehen und genauso fühlen.
Das grosse Glück in den kleinen Dingen finden – anstatt nach dem unsagbar Grossen zu suchen und dabei die kleinen Glücksmomente zu übersehen. Dir und dem Leben vertrauen. Dann kommt es richtig gut.
Durch meine Tätigkeit wurde ich zum Autodidakten, ich habe mich durch eigenen Aufwand weitergebildet und somit neue Fähigkeiten und einen erweiterten Wissensschatz erlangt.
Durch meine Arbeit in meiner Freizeit habe ich mehr gelernt als im Lehrbetrieb.
Manchmal hatte ich das Gefühl ich wäre ein Zauberlehrling. «die Geister die ich rief, die Geister werde ich nicht mehr los!» Mit anderen Worten die Arbeit wäre mir bald über den Kopf gewachsen.
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Wie ging es nach dem Lager mit Marietheres und mir weiter?
Warum nichts schöner ist als eine Sommerromanze
Aber über eine Sommerromanze geht nun einmal nichts. Es ist fast so, als wäre der Sommer genau dafür gemacht. Alles ist irgendwie leichter. Dafür ist der Sommer ja bekannt. Wie schnell sich zwei Hände finden und ein Mund den anderen. Man schaut nicht auf die Uhr und schon gar nicht auf den Weg. Und mit dieser Leichtigkeit im Rücken fängt auch alles an. Küssen, als wäre es das erste Mal. Tanzen, als wäre es das letzte Mal. Das Schönste an einer Sommerromanze ist allerdings, dass man sich mit ihr – ganz egal, wie alt man ist – wieder Jung fühlen kann. Und manche dieser schönen, kleinen Episoden nehmen wir mit. Bis es Herbst wird. Sie überstehen den Sommer und manchmal noch viele weitere. Andere verglühen wie kleine Glühwürmchen am Gärtnerplatz. So oder so weiss man aber: Ich würde heute alles wieder genauso machen.
Sie und ich hatten eine grossartige Zeit. Verliebt sein fühlte sich wie auf Droge an.
Marietheres wollte Kindergärtnerin werden, deshalb musste sie ein einjähriges Praktikum mit Kindern absolvieren. Sie absolvierte dieses Praktikum im Kinderheim Dr. Bosshard in Unterägeri. Das Kindeheim galt bei den zuständigen Stellen als gute Referenz. Die Praktikantinnen, wurden als billige oder gar kostenfreie Arbeitskräfte ausgenutzt. Sie hatten es schwer sich gegen diese Missstände zu wehren, denn von den zuständigen Behörden wurde über das Kinderheim schützend die Hand gelegt. Als Praktikantin mussten sie Aufgaben ausführen, die sie körperlich und seelisch stark belasteten.
Marietheres hatte in der Regel in einem Monat vier Freitage an einem Stück und dies unter der Arbeitswoche. Diese wertvolle Zeit wollte sie zuhause verbringen und benötigte Erholung.
Marietheres wollte in dieser für sie nicht ganz einfachen Zeit kein Anhängsel wie mich.
Sie suchte Abstand, sie wollte frei und ungebunden sein. Sie wollte mich nicht mehr. Was sie lieber wollte: Allein sein. Ohne Freund. Sie hat mir dieses Verlangen per Brief mitgeteilt. Ich habe mich zurückgenommen und ihren Wunsch akzeptiert.
Doch so, wie der Sommer sich langsam dem Ende neigte und die Tage kürzer wurden, so neigte sich auch unsere Begeisterung füreinander langsam dem Ende zu. Die rosarote Brille war inzwischen von der Nase gerutscht und es blieb nicht mehr viel übrig, was eine Freundschaft zusammenhält. Desinteresse und Gleichgültigkeit bahnten sich nun ihren Weg zwischen uns.
Jaja, Beziehungen sind schön und so weiter. Aber Romanzen von sehr begrenzter Dauer bieten etwas, was in vielen Beziehungen mit der Zeit verlorengeht: das Gefühl von Leichtigkeit und Unbeschwertheit, dass jeder von uns gut gebrauchen kann – vor allem im Sommer.
Offenbar handelte es sich um nicht mehr als eine kurze Sommerromanze. Der Sommer war vorbei.
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- Jungschützenkurs 300 m
Aufgrund der tollen Kameradschaft haben die meisten Absolventen des 1. Kurses auch den 2. Kurs absolviert. Neben Trainings haben auch schiesssportliche Wettkämpfe auf Distanz 300m stattgefunden. Während der Dauer des Kurses erhielt jeder Teilnehmer seine persönliche Waffe, welcher er nach Hause nahm.
Aufgrund meiner Treffsicherheit wurde ich mit dem Schützenabzeichen ausgezeichnet.
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Nach den Sommerferien starte ich mit dem 3. Lehrjahr.
Was macht Willi?
Willi hat im Sommer die 3-jährige Maurerlehre erfolgreich abgeschlossen.
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Was war 1975
Das Jahr 1975 markiert auf der politischen Weltbühne das endgültige Ende des Vietnamkrieges, der mit dem Sieg des kommunistischen Nordens über den US-Verbündeten Südvietnam endet. In Spanien geht mit dem Tod von Diktator Francisco Franco und der Wiedereinführung der Monarchie eine Ära zu Ende.
1975 fuhr die SNB den Negativzins für Neugeld von 3 auf 10 Prozent hoch und dehnte das Verzinsungsverbot auf bestehende ausländische Einlagen aus. Im Januar 1975 begann sie auch, erstmals seit 1973 wieder direkt am Devisenmarkt zu intervenieren. Um den Franken zu schwächen, kaufte sie vor allem Dollar auf. Ausserdem senkte sie im weiteren Jahresverlauf fünf Mal in Folge den Diskontsatz, um die Zinsdifferenz zum europäischen Ausland und zu den USA auszuweiten.
Die Frankenaufwertung und die Abkühlung der Nachfrage in den Hauptabsatzmärkten wirkten wie ein Giftcocktail für die Schweizer Konjunktur. Die Industrieproduktion verlor 15 Prozent. Die schwersten Einbussen traten in der Uhrenbranche sowie in der Textil-, der Bekleidungs- und der Schuhindustrie auf.
Den Exportunternehmen bereiteten neben dem überbewerteten Franken vor allem die grossen Schwankungen des Wechselkurses Schwierigkeiten. Die SNB berichtete damals: Die starken Kursfluktuationen erschweren nicht nur die Offertstellung, sondern bewirken auch Verzögerungen im Zahlungseingang, weil ausländische Kunden sich in Erwartung günstigerer Frankenkurse mit Zahlungen zurückhalten, wodurch sich die Liquiditätsverhältnisse der Exportfirmen verschlechtern. Einzig die Banken und die Tourismusbranche blieben von der schweren Rezession weitgehend verschont.
Am meisten litten die Bauwirtschaft und die baunahe Industrie. Sie waren nach mehreren Jahren Boom besonders anfällig für eine Korrektur. Das wirtschaftspolitische Bremsmanöver der Vorjahre traf sie unvorbereitet. Zeitgleich wurde erstmals auch eine strukturelle Abschwächung der Nachfrage im privaten und im öffentlichen Sektor sichtbar. Die SNB sprach bereits 1974 von einer übersetzten Wohnungsproduktion und einem Überangebot von Wohnungen. 1975 sank das Bauvolumen um 40 Prozent, unter anderem verstärkt durch den Wegzug ausländischer Arbeitskräfte, die ihre Stelle verloren hatten.
Mit der Rezession von 1974/75 geht eine fast dreissigjährige Phase des Wirtschaftsbooms zu Ende. Als Folge breitet sich ein allgemeines Krisenbewusstsein aus.
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- Lehrjahr Hochbauzeichner
Gerne will ich meine persönliche Erfahrung im Zusammenhang mit Herrn Werner Wyss und der Entstehung der Werner Wyss AG schildern.
Ich befand mich damals im dritten Lehrjahr als Hochbauzeichner, als unser Betrieb in eine schwierige Phase geriet. Mein Chef, Werner Wyss, war ein Mann mit aussergewöhnlichen Ideen und zweifellos ein Visionär. Er dachte weiter als andere, entwickelte innovative Konzepte und begeisterte mit seinem unternehmerischen Mut.
Leider zeigte sich jedoch, dass er als Kaufmann weniger geschickt agierte. In der Zeit der Rezession geriet unser Unternehmen zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten, bis wir schliesslich praktisch vor dem Konkurs standen. Diese Situation führte dazu, dass zahlreiche Mitarbeitende entlassen werden mussten – eine sehr einschneidende und prägende Erfahrung für uns alle.
Infolge dieser Entwicklungen fand sich Herr Wyss vorübergehend in einer Auffanggesellschaft wieder. Doch seine Ideen hatten weiterhin Substanz und Strahlkraft. Verschiedene Unternehmer erkannten das Potenzial seiner Konzepte und zeigten Interesse an einer Zusammenarbeit.
Aus diesen Begegnungen und dem Vertrauen in seine Visionen entstand schliesslich die Werner Wyss AG. Damit erhielt er eine neue Chance, seine unternehmerischen Vorstellungen in einem stabileren Rahmen weiterzuentwickeln.
Rückblickend war diese Zeit für mich lehrreich. Ich habe erlebt, wie wichtig neben Kreativität und Innovationskraft auch eine solide kaufmännische Führung ist – und zugleich, wie entscheidend es sein kann, wenn Menschen an Visionen glauben und bereit sind, in diese zu investieren.
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Autoprüfung
Mein Fahrlehrer war Beni Burch von Giswil.
Nach meinen Sommerferien besuchte ich jeweils mit anderen Fahrschülern einmal in der Woche den Theoriekurs bei Beni Burch. Die Theorie war die Basis für meine ganze Autofahrkarriere!
Wer alle Verkehrsregeln, Signalisationen und Vortrittsregeln beherrscht, brauchte später viel weniger Fahrstunden. Das spart nicht nur Geld, sondern brachte mich auch schneller durch die ganze Fahrausbildung – bis hin zur praktischen Prüfung. Ich lernte also wirklich fürs Leben, nicht nur für die Theorieprüfung.
Der Theoriekurs fand jeweils einmal pro Woche am Abend statt und dauerte jeweils 2 Stunden. Bereits nach 4 Abenden meldete mich Beni Burch zur Prüfung bei der MFK an.
Ich muss nicht erwähnen, dass von mir erwartet wurde, dass ich die Theorieprüfung und die spätere Führerscheinprüfung beim ersten Mal schaffe. Ich habe die Erwartungen erfüllt.
Nach bestandener Theorieprüfung habe ich den Lernfahrausweis erhalten.
40 Prozent aller Fahrschülerinnen und Fahrschüler schaffen die Führerscheinprüfung für PKW nicht beim ersten Mal. Das sind satte 10 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Das gilt sowohl für die theoretische als auch die praktische Prüfung.
Die Fahrstunden hatte einen Simca 1501
Er ist ein Franzose, sieht aus wie ein Italiener, fühlt sich an wie ein Deutscher und fährt wie ein Ami. Obwohl der Simca 1501 viele gute Eigenschaften in sich vereinte, verschwand er zusammen mit seiner Marke in der Bedeutungslosigkeit.
Damit du den Lernfahrausweis erhältst und sowohl Fahrstunden als auch private Lernfahrten absolvieren kannst, musst du die Theorieprüfung bestehen. Was du über die theoretische Prüfung wissen musst, erfährst du hier.
Bevor du dich also in ein Auto setzt und das Fahren in der Praxis lernst, musst du dir theoretisches Wissen aneignen und dieses festigen. Damit sorgst du beim späteren Fahren nicht nur für mehr Sicherheit gegenüber anderen Verkehrsteilnehmenden.
In der ersten Fahrstunde geht es wesentlich darum, das Auto kennen zu lernen und ein Gefühl dafür zu bekommen. Einen klaren Ablauf, also mit Checkliste gibt es in dem Sinn nicht. Natürlich passt dein Fahrlehrer den Inhalt der ersten Fahrstunde deinen Vorkenntnissen an. Wenn du noch nie hinter dem Steuer gesessen bist, wird er dich vielleicht mit leichten Lenkübungen und Schaltvorgängen auf ruhigen Nebenstrassen beginnen lassen und dich sicher nicht ins grosse Verkehrsgetümmel schmeissen.
Bevor es richtig los geht, wird dir zunächst die Technik des Autos erklärt. Dazu zählen etwa die Anzeigen und Kontrollleuchten am Armaturenbrett, die Funktionshebel sowie die Beleuchtung und die Scheibenwischer. Anschließend zeigt er dir, welche Einstellungen du vor der Fahrt beachten musst. Dazu gehört die richtige Sitzeinstellung, damit du alles bequem erreichst und eine gute Sicht hast. Ist der Sitz richtig eingestellt, passt du die Einstellung der Spiegel an. Auch hier zeigt dir dein Fahrlehrer, wie du den Innen- und die Außenspiegel richtig einstellen musst, um den Verkehr ausreichend beobachten zu können. Dann geht’s los!
Eine Fachperson kann dir viel besser Antworten auf deine Fragen geben und zeigt dir vor allem alles was du wissen musst von Grund auf korrekt. So bestehst du die Autoprüfung am einfachsten.
Die ersten 4 Fahrstunden hatte ich Einzellektionen. Bei den weiteren Lektionen war noch ein weiterer Fahrschüler oder Fahrschülerin dabei. Es war jeweils eine Doppelfahrstunde. So konnte man voneinander lernen. Vor allem wenn es nach Luzern war die Doppelfahrstunde sehr sinnvoll.
Beni Burch hat mich eine Defensive Fahrweise gelernt. Defensives Fahren heisst, eigene Aggressionen unter Kontrolle zu halten, gelegentlich sogar Schwäche zu zeigen. Andererseits heisst es aber auch, freundlich und zuvorkommend mit den Verkehrspartnern umzugehen. An sich wären das christliche und allgemeinverbindliche Lebensweisheiten. Es hilft zudem, wenn man akzeptiert, dass Fehler vollkommen menschlich sind – und sich selbst bei dieser Erkenntnis miteinschliesst.
Am Donnerstag, 06. November absolvierte ich die Autoprüfung. Ich fuhr mit dem Fahrlehrer von Giswil nach Luzern zur Allmend. Beni Burch ist ausgestiegen und der Experte zugestiegen.
Von der Allmend musste ich zur Obergrundstrasse – Bundestrasse – Langesandbrücke – Tribschenstrasse – Geissensteinring – Voltastrasse – Moosmattstrasse – Breitenlachstrasse – Hubelmatt fahren. In der Hubelmatt musste ich am Berg anfahren und sichern. Eine kurze Strecke retour fahren. Über den Zihlmattweg ging es zurück zur Allmend. In der Allmend musste ich noch parkieren. Anschliessend ist der Fahrlehrer wieder zugestiegen. Von der Allmend musste ich nach Sarnen fahren. Es ging über Horw – Hergiswil – Lopper – von Alpnachstad über die Autostrasse zur MFK in Sarnen. Die MFK war damals noch beim Spital Sarnen. Eine erste Fahrzeitverkürzung zwischen Luzern und Alpnachstad brachte 1889 die Eröffnung des Loppertunnels. Der Experte war mit meiner Fahrweise sehr zufrieden und hat auf den Lehrfahrausweis abgestempelt. Ab sofort durfte ich ohne Begleitung Auto fahren.
Macht es Sinn die Prüfung mit einem Automaten zu machen. Unbedingt! Wenn ich heute die Autoprüfung nochmals machen müsste, dann würde ich sie ebenfalls auf einem Automat machen. Seit der Gesetzesrevision 2019 dürfen in der Schweiz alle, die Ihre Autoprüfung mit einem Automaten gemacht haben, danach alles fahren. Du bekommst dann einen Fahrausweis der Kategorie B und darfst sämtliche Fahrzeuge dieser Kategorie lenken. Unabhängig ob manuell geschaltet oder Automat. Das gilt sowohl für Fahrten in der Schweiz als auch im Ausland.
Fahrstunden mit einem Automaten sind viel einfacher als früher mit den geschalteten Autos. Statt dass der Fahrschüler darüber nachdenken muss in welchen Gang er schalten soll kann er sich von Anfang an auf den Verkehr konzentrieren. Ausserdem siehst du so in deinen Fahrstunden von Anfang an gewisse Erfolge. Somit hast du viel mehr Spass während deinen Fahrstunden.
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Jaguar XJ6, V8, 4,2 Liter, Automat
Als ich meine Autoprüfung bestanden hatte, eröffnete sich für mich eine unerwartete Nebenrolle in der Welt meines Lehrmeisters, des Architekten Werner Wyss. Er besass eine britische Oberklasse-Limousine, einen Jaguar XJ6 Series I mit 4,2-Liter-Reihensechszylinder – ein Fahrzeug, das damals fast schon ein Statement war. Gebaut von Jaguar Cars und entworfen unter der Ägide des Firmengründers William Lyons, verkörperte dieser Wagen eine Mischung aus Eleganz, Prestige und britischer Noblesse.
Der Jaguar stammte ungefähr aus dem Jahr 1973. Schon auf den ersten Blick unterschied er sich deutlich von den gewöhnlichen Autos, die man damals auf den Strassen unserer Gegend sah. Die lange, flache Karosserie, die vier runden Scheinwerfer und die elegante Linienführung gaben dem Wagen eine gewisse aristokratische Ausstrahlung. Im Innenraum dominierte poliertes Holzfurnier und weiches Leder, und wenn man hinter dem Steuer sass, hatte man fast das Gefühl, eher in einem Salon als in einem Automobil zu sitzen.
Wer Jaguar fuhr, gehörte – zumindest nach allgemeiner Vorstellung – zu einer ganz bestimmten Sorte Mensch. Für viele war das Bild klar: Der Jaguar-Fahrer war ein Mann, meist um die fünfzig Jahre alt, erfolgreich im Beruf und finanziell sehr gut gestellt. Er gehörte zur oberen Schicht, zu Ärzten, Unternehmern oder eben Architekten. Das Auto selbst war gewissermassen Teil seiner gesellschaftlichen Rolle.
Nach meiner eigenen Einschätzung passte der Wagen durchaus zu Werner Wyss. Er verstand es, Wirkung zu erzielen und Eindruck zu machen. Rückblickend erschien er mir manchmal wie ein Hochstapler – jemand, der das Bild von Erfolg und Bedeutung sehr bewusst pflegte. Der Jaguar war dafür das perfekte Requisit.
Für mich als Lehrling hatte dieses Auto jedoch eine ganz andere Bedeutung. Nachdem ich die Fahrprüfung bestanden hatte, übertrug mir mein Lehrmeister regelmässig kleine Besorgungen. Ich musste mit dem Jaguar ins Dorf fahren oder nach Giswil, um Kommissionen zu erledigen. Für einen jungen Mann war das natürlich etwas ganz Besonderes. Während andere Lehrlinge vielleicht mit einem einfachen Kleinwagen oder mit dem Fahrrad unterwegs waren, fuhr ich eine grosse britische Luxuslimousine.
Schon beim Starten des Motors spürte man die Kraft und die Gelassenheit dieses Wagens. Der 4,2-Liter-Reihensechszylinder lief ruhig und gleichmässig, und die Automatik sorgte dafür, dass sich das Auto fast lautlos und würdevoll in Bewegung setzte. Es war ein ganz anderes Fahrgefühl als bei den gewöhnlichen Fahrzeugen jener Zeit.
Wenn ich mit diesem Jaguar durchs Dorf fuhr, blieb das natürlich nicht unbemerkt. Die Leute schauten hin. Ein solches Auto war damals selten, besonders in einer ländlichen Umgebung. Noch auffälliger war vielleicht, dass am Steuer kein gesetzter Herr im Anzug sass, sondern ein junger Lehrling.
Ich muss zugeben: Mir gefiel diese Rolle durchaus. Ein junger Mann in einem solchen Wagen zog zwangsläufig Aufmerksamkeit auf sich. Besonders die jungen Mädchen im Dorf warfen neugierige Blicke auf das elegante Auto – und auf den Fahrer. Für einen Augenblick konnte ich mich fühlen, als gehörte auch ich zu jener Welt von Erfolg und Eleganz, die der Jaguar ausstrahlte.
Natürlich wusste ich sehr genau, dass das alles nur geliehen war – das Auto ebenso wie der Eindruck, den es vermittelte. Aber gerade deshalb blieb mir diese Zeit in lebhafter Erinnerung. Der Jaguar meines Lehrmeisters war für mich nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein kleines Fenster in eine andere gesellschaftliche Wirklichkeit.
So kam es, dass ich als Lehrling gelegentlich durch das Dorf und über die Strassen nach Giswil fuhr – nicht in einem bescheidenen Wagen, sondern in einer britischen Oberklasse-Limousine. Und jedes Mal, wenn ich hinter dem grossen Lenkrad dieses Jaguars sass, wusste ich, dass ich für einen kurzen Moment Teil einer Geschichte war, die eigentlich nicht mir gehörte.
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Gewerbeschule
Die Schild AG (früher Tuch AG) hatte im Maihofquartier preisgünstige «Herren- und Knabenbekleidung in bester Qualität» hergestellt. Mit Beginn der globalen Verlagerung der Textilproduktion in Billiglohnländer wurde die Produktion von Kleidungen aufgegeben.
Die ehemalige Produktionsstätte in der Weggismatt wurde in ein modernes Schulgebäude umgebaut.
Nach den Sommerferien fand der Schulunterricht im neuen Schulhaus in der Weggismatt im Maihofquartier statt. Ich hatte jeweils am Freitag Schule.
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Lehre – und dann?
Mit der Rezession geht der Wirtschaftsboom zu Ende. Eine Höhere Berufsbildung ist die Attraktivste am Arbeitsmarkt. Zudem weisen Absolventen und Absolventinnen der höheren Berufsbildung die niedrigste Arbeitslosenquote auf. Personen, die eine Weiterbildung an einer Höheren Fachschule abgeschlossen haben, sei es im Anschluss an eine Berufslehre oder im Rahmen einer eidgenössischen Berufsprüfung oder Höheren Fachprüfung, die geringste Erwerbslosenquote aufweisen. Diese Absolventen und Absolventinnen gelten als äusserst begehrt auf dem Arbeitsmarkt und haben eine höhere Beschäftigungsfähigkeit im Vergleich zu Absolventen und Absolventinnen von Universitäten.
Nach der Berufslehre gibt es verschiedene Möglichkeiten: Erwerbstätigkeit, Selbständigkeit, Weiterbildung, Auslandsaufenthalt oder Militär- und Zivildienst.
Weiterbildung
Hochbauzeichner haben viele Möglichkeiten sich zu spezialisieren und weiterzubilden. Um einige Möglichkeiten zu nennen:
- Handwerkliche Zusatzlehre: Maurer, Strassenbauer, Zimmermann, Bauschreiner u.a.m.
- Bauleiter
- Polier
- Maurermeister (gibt es nicht mehr)
- Bauführer
- Architekt HTL
- Innenarchitekt, Industriedesigner, Landschaftsarchitekt, Raumplaner
- Polizei
Was macht ein Maurermeister?
Der Maurermeister arbeitet auf Baustellen und in Büros. Bei Bauprojekten sind sie die Schnittstelle zwischen Kunden, Lieferanten, Behörden und am Projekt beteiligte Unternehmen. Ausserdem sind sie Ansprechpartner für Mitarbeiter und externe Dienstleister.
Maurermeister arbeiten in einer mittleren oder grossen Bauunternehmung, in der öffentlichen Verwaltung oder in Ingenieur- oder Architekturbüros.
Die ungenügenden Leistungen im Fach Algebra schränkten meine Möglichkeiten ein. Meinen Wunsch Architekt zu werden und das Technikum in Horw (Heute Fachhochschule) zu absolvieren stand die Algebra im Weg. Vorab hätte ich einen einjährigen Vorbereitungskurs absolvieren und anschliessend die Aufnahmeprüfung bestehen müssen. Das war mir zu unsicher.
Die Ausbildung zum Techniker/in HF Bauplanung konnte man erst ab ca. Mitte 1985 absolvieren. Diese Weiterbildung hätte mir ermöglicht, eine verantwortungsvolle und leitende Positionen im Baugewerbe zu übernehmen.
Somit war für mich Maurermeister ein erstrebenswertes Ziel. In der Folge habe ich mich vertieft mit der Frage beschäftigt, welche weiteren Schritte ich absolvieren muss damit ich Maurermeister werden kann. Besonders interessierte mich, welche Fächer an der Meisterprüfung geprüft werden. Es beruhigte mich, dass Algebra nicht geprüft wird. Unabdingbare Voraussetzung war ein Fähigkeitszeugnis als Maurer. In einer auf zwei Jahre verkürzten Lehre werde ich mit meinem Berufsabschluss EFZ die gleichen Fertigkeiten aneignen können, wie Maurer EFZ in drei Jahren.
Als weiteren Schritt werde ich die Polierschule an der Bauschule in Aarau absolvieren. Voraussetzung für die Polierschule ist ein einjähriges Praktikum nach der Lehre und selbstverständlich muss auch die Aufnahmeprüfung bestanden werden. Da machte ich mir keine weiteren Gedanken/Sorgen. Das alles kann ich mit vernünftigen Aufwand schaffen. Die Polierschule dauert 2 Jahre bzw. 4 Semester. Das 1. und 4. Semester sind Tagesschule das 2. und 3. Semester sind Praktikum in einer Bauunternehmung.
Das heisst im Frühling 1980 werde ich mit der Polierschule starten und im Frühling 1982 werde ich mein Diplom in Empfang nehmen können. Soweit meine Pläne.
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Wien mit Dieter
Mein letztes Sommerlager fand in Will SG statt. Dieses Jahr bin ich nicht mehr dabei.
Mit meinem Schulkollegen Dieter Wüest habe ich eine Woche in Wien verbracht. Mit dem Nachtzug sind wir am Sonntagabend von Zürich nach Wien gefahren. Wir hatten ein Liegebett in einem 6er-Abteil. Im Unterschied zu Schlafwagen weisen die Liegewagen eine höhere Belegungsdichte (4 bis 6 Liegen pro Abteil) auf. Sie haben auch weniger Komfort und Privatsphäre, weshalb die Preise niedriger als im Schlafwagen sind. Unser Abteil teilten wir mit einem älteren Ehepaar und einem Liebespärchen. Die Zugfahrt von Zürich nach Wien dauerte etwa 10 Stunden. Kurz nach 08.00 Uhr sind wir am Hauptbahnhof in Wien angekommen.
Unser Reisebudget war begrenzt, was eine sorgfältige Planung erforderte. Das bedeute, dass wir nach einer günstigen Unterkunft suchen mussten. Im Herzen von Wien haben wir ein sehr günstiges Hotel gleich neben dem 12 Zwölf-Apostelkeller gefunden. Der Zwölf Apostelkeller ist ein historischer Stadtheuriger in den Kellergewölben des Hauses Sonnenfelsgasse 3 im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Das Gebäude und die Keller stehen unter Denkmalschutz. Das untere Kellergeschoss wurde um das Jahr 1100 errichtet. Das Mauerwerk besteht aus romanischen Steinquadern, die zu dieser Zeit hauptsächlich für vornehme Gebäude verwendet wurden. Einige Zeit später wurde die heute einzige noch erhaltene gotische Brunnenstube hineingebaut. Sie ist figural verziert.
Das Hotel «Schatz» war heruntergekommen, abgenutzt und nicht sehr gepflegt. Das Hotel war veraltet und nicht sehr ansprechend. Das Zimmer war eher schäbig mit Etagendusche/WC. Frühstück gab es nicht. Das Positive war die zentrale Lage. Für eine Woche ist das kein Problem, zum Schlafen genügte es, denn tagsüber waren wir unterwegs.
Von den Prachthäusern des Barocks über den goldenen Jugendstil bis zur Moderne findet man in der österreichischen Hauptstadt eine Vielzahl architektonischer Meisterwerke und bekannter Sehenswürdigkeiten. Neben den historischen Gebäuden, die man in Wien nicht verpassen sollte, locken mehr als 100 Museen und 60 kulturelle Institutionen im Museumsquartier. Die Stadt war und ist Heimat verschiedener Kulturen, deren Spuren an vielen Ecken zu finden sind.
Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Wien sind das Schloss Schönbrunn, der Stephansdom, die Hofburg, das Riesenrad im Prater und das Hundertwasserhaus.
- Schloss Schönbrunn: Ein majestätisches Barockschloss mit weitläufigem Park und dem berühmten Tiergarten.
- Stephansdom: Die beeindruckende Kathedrale im Herzen von Wien, ein Wahrzeichen der Stadt.
- Hofburg: Die ehemalige Residenz der Habsburger Kaiser, ein komplexes Gebäude mit verschiedenen Museen und dem Winterpalais.
- Riesenrad im Prater: Ein Wahrzeichen der Stadt, das einen atemberaubenden Blick auf Wien bietet.
- Hundertwasserhaus: Ein Haus mit einzigartiger Fassade, gestaltet von dem Künstler Friedensreich Hundertwasser.
- Weitere Sehenswürdigkeiten:
- Wiener Stadtpark: Ein beliebter Park im Herzen der Stadt.
- Naschmarkt: Ein großer Markt mit vielen Ständen und Restaurants.
Wien ist die Bundeshauptstadt der Republik Österreich und zugleich eines der neun österreichischen Bundesländer. Mit mehr als 2 Millionen Einwohnern ist das an der Donau gelegene Wien die bevölkerungsreichste Grossstadt Österreichs sowie die zweitgrößte Stadt des deutschen Sprachraums und Mitteleuropas. Im Grossraum Wien leben etwa 3 Millionen Menschen – das entspricht rund einem Drittel der österreichischen Gesamtbevölkerung. Architektonisch ist die Stadt bis heute vor allem von den Bauwerken um die Wiener Ringstrasse aus der Gründerzeit, aber auch von Barock und Jugendstil (Wiener Moderne bzw. Wiener Secessionsstil) geprägt. Durch seine Rolle als kaiserliche Reichshaupt- und Residenzstadt des Kaisertums Österreich ab 1804 wurde Wien zu einem kulturellen und politischen Zentrum Europas. Um das Jahr 1910, als Wien noch Hauptstadt der Habsburgermonarchie war, zählte die Stadt über zwei Millionen Einwohner. Das historische Zentrum von Wien sowie das Schloss Schönbrunn gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mit jährlich über 8 Millionen Touristen und rund 16,5 Millionen Gästeübernachtungen zählt Wien zu den meistbesuchten Städten Europas.
Bereits beim Wiener Kongress 1814/15 spielte die Stadt eine bedeutende Rolle in der internationalen Diplomatie, die sie bis in die Gegenwart beibehalten hat. So ist Wien heute als internationaler Kongress- und Tagungsort Sitz von über 40 internationalen Organisationen, darunter das Erdölkartell OPEC, die Internationale Atomenergiebehörde IAEO und die OSZE, und zählt damit zu den Weltstädten. Das Büro der Vereinten Nationen in Wien (UNOV) beherbergt im Vienna International Centre (VIC) einen der vier Amtssitze der UNO, im Volksmund meist als UNO-City bezeichnet. Wien ist eine Grossstadt mit sehr hoher Lebensqualität und hohem BIP pro Kopf, gehört im weltweiten Vergleich allerdings auch zu den teuersten Städten
Am Mittwochmorgen besuchten wir das Schloss Schönbrunn. Ich war schon sehr überrascht, als ich Mami und Papi im Eingangsbereich erblickte. Ich habe ihnen schon weitem zugerufen. Sie waren nicht weniger überrascht uns anzutreffen. Ich wusste ja nichts von ihrem Besuch in Wien. Bei Papi wusste man nie was seine Reiseziele waren. Meistens unternahm er in den Sommerferien eine längere und spontane Autoreise mit seinem Auto. Am Nachmittag unternahmen wir gemeinsam mit seinem Auto einen Ausflug auf den Kahlenberg. Der Kahlenberg gehört zum Wienerwald und ist eine Sehenswürdigkeit Wiens sowie ein traditionelles Sonntagsausflugsziel der Wiener, da man vom Kahlenberg Aussicht auf ganz Wien und bei guter Sicht bis zu den Kleinen Karpaten in der Slowakei bzw. zum Schneeberg in den Steirisch-niederösterreichische Kalkalpen hat. Sein Gipfel überragt das Wiener Becken um etwa 320 m. Von der Stefaniewarte, die sich auf dem höchsten Punkt des Berges befindet, kann man auch auf Teile Niederösterreichs sehen.
Zum Abschluss unserer Begegnung besuchten wir am Abend den Heurigen in Grinzing. Als Verkehrsmittel wählten wir den Touristenbus, welcher uns auch wieder zurückbringen wird. Grinzing gilt als einer der besten Wiener Heurigen Orte. Der Wiener Heurige ist so bekannt wie das Riesenrad, Schloss Schönbrunn, die Sängerknaben oder die Lipizzaner. Zahlreiche Lieder wurden ihm gewidmet, für viele Filme diente er als Kulisse. Doch vor allem bietet der Heurige den Wienern und ihren Gästen in der sprichwörtlich gemütlichen Atmosphäre Unterhaltung, feine Weine aus Wien und die dazu passende kulinarische Begleitung. Ein Platz zum Wohlfühlen, bei dem jeder herzlich willkommen ist. Den echten Wiener Heurigen, in dem ausschliesslich Wein aus eigenem Anbau ausgeschenkt wird, erkennt man am Föhrenbuschen und an einer Tafel mit dem Wort „Ausg’steckt“, das gleichzeitig anzeigt, wenn das Lokal geöffnet ist. Die Wiener Heurigenkultur zählt übrigens ebenso wie der Wiener Würstelstand und die traditionelle Wiener Kaffeehauskultur zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Die Vielfalt der Wiener Heurigen reicht vom traditionellen Heurigen bis zur Buschenschank direkt im Weingarten. Heurigen-Kultur ist ein ganz besonderer Teil der österreichischen Kultur. Gegen Mitternacht führte uns der Bus zurück in die Innenstadt. Um die jungen Frauen zu beeindrucken habe ich den Busfahrer gebeten beim Hotel Imperial anzuhalten und uns aussteigen zu lassen. Im Hotel Imperial tagte gerade die Konferenz der OPEC und wurde schwer bewacht durch Polizei und Militär mit ihren Panzerfahrzeugen. Bei der Abfahrt des Buses haben wir den Jungen Frauen gewinkt und sie uns. Vom Hotel Imperial bis zum Hotel Schatz hatten wir noch fast eine Stunde Fussmarsch vor uns, der Spass war uns das Wert.
Dieter und ich verbrachten eine abwechslungsreiche Woche in Wien. Wir haben beschlossen nach der Lehrabschlussprüfung für eine Woche nach London zu fahren.
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Dörflifest im Kleinteil
Zum Kleinteiler «Dörflifest» vom 12. bis 14. September 1975 hiess der Präsident der Renovations-kommission im Festführer die Gäste mit folgenden Worten willkommen: «Weshalb so ein Fest, werdet Ihr fragen? Nun, unsere kleine Kapelle bedarf dringend einer gründlichen Renovation, Sie ist in einem sehr schlechten Zustand und eines Gotteshauses unwürdig.»
So beschlossen einige Mutige: «Jetz mios eppis gah». Es fanden sich viele Helfer und in unzähligen Stunden wurde gestrickt, genäht, gesägt, gehobelt, gemalt, gekorbt, gebastelt. Nun sollen alle die gefertigten Sachen verkauft werden. Es brauchte noch manchen Franken, bis das Werk, die Renovation, begonnen werden konnte. Nun, die Erwartungen haben sich erfüllt. Abgesehen vom ersten, arg verregneten Abend, hat auch das Wetter bestens mitgespielt. Die Leute kamen in Scharen, auch von auswärts, und freuten sich am originellen und gemütlichen Kapellenfest. Sie hatten dabei die Gelegenheit, die in den Jahren 1664 bis 1667 erbaute Kapelle in ihrem armseligen Zustande zu sehen. Wenige Wochen nach dem wohl gelungenen Dörflifest ist die Renovation angelaufen. Sie begann am 20. Oktober mit dem Ausräumen der Kapelle.
Was wird das alles kosten? Der Kostenvoranschlag des Architekten rechnete mit Fr. 280’000.-. Die Kleinteiler wehrte sich vorbildlich für ihre Kapelle. Das oben genannte Dörflifest brachte einen Reingewinn von Fr. 60 000.-. Stark ins Gewicht fielen auch die Fronarbeiten.
Der Kegelclub Giswil organisierte für diesen Anlass ein Wettkegeln. Dieser fragte mich an, ob ich für sie ein Werbeplakat entwerfen / ausfertigen würde. Ich bin diesem Wunsch gerne nachgekommen. Für meine Arbeit hat mich der Kegelclub auch mit einem Kranz (Auszeichnung) belohnt.
Markus Gisler und ich wurden angefragt ob wir den Stand des «billigen Jakobs» betreiben könnten. Markus und ich haben gerne zugesagt diesen Stand am Samstag und Sonntag zu betreiben. Unser Humor sorgte dafür, dass wir sehr gut verkauften. Humor tat den Zuhörern gut. Unser Humor weckte den Wunsch nach mehr. Ich war in meinem Element. Ich konnte genau meiner eigenen Vorliebe und Fähigkeit entsprechenden Tätigkeit nachgehen und dabei mein Potenzial ungehemmt ausleben. Mit unserem Stand haben wir alle Erwartungen bei weitem übertroffen.
Der Brauch vom Billigen Jakob ist so alt wie die Markt-Tradition. Als Händler preist der Billige Jakob spezielle Ware zu besonders günstigen Preisen an. Laut und originell.
"Wer nichts vom billigen Jakob braucht, den gibt's gar nicht!" - so lautete unser Motto.
Wer kennt ihn nicht, den billigen Jakob? Braucht es da noch eine besondere Vorstellung? Wohl kaum! Handelt es sich hier doch um eine Jahrmarktfigur grösster Popularität. Ja, ohne billigen Jakob kann man sich einen Jahrmarkt gar nicht vorstellen. Wenn er seine Witze schiessen lässt, wenn er seine bekannten Sprüche zum Besten gibt, hat er immer seine Zuhörer. Alles drängt sich um seinen Marktstand herum, alles lacht, amüsiert sich köstlich. Und der Jakob schnorrt und schnorrt, preist seine billigen Waren an und findet immer seine Käufer.
Die meisten denken, Verkaufen sei eine äusserst ernsthafte Angelegenheit. Aber in der Praxis zeigt sich, dass gerade die Verkäufer besonders erfolgreich sind, die sich eine gewisse Leichtigkeit und ein humorvolles Auftreten beim Kunden bewahrt haben. Mit anderen Worten: Humor verkauft!
Humor einzusetzen ist tatsächlich gerade im Verkauf sehr effektiv, denn die Erfahrung zeigt, dass Kaufentscheidungen meist nicht nur auf Grund von guten Argumenten und attraktiven Konditionen getroffen werden. Sie basieren oft schlicht und einfach darauf, dass Menschen sich sympathisch sind, sich verstanden oder gut aufgehoben fühlen. Und um das zu erreichen, ist Humor ein perfektes Werkzeug!
Zufälligerweise ist auch Marietheres am Samstag gegen Abend an unserem Stand aufgetaucht. Sie suche eine Bibel besser gesagt das «Alte Testament» für den Unterricht im Kindergartenseminar. Das Alte Testament erzählt die Schöpfungsgeschichte und die Geschichte des Volkes Israel. Es bildet die Grundlage für den zweiten Teil, das Neue Testament. Gleich zu Beginn des Alten Testaments wird beschrieben, wie Gott die Welt erschaffen hat. Sicher hätten wir so etwas in unserem Fundus. Ich habe Marietheres gebeten morgens am späteren Nachmittag nochmals vorbeizuschauen, ich werde schauen was alles an gebrachten Büchern noch hereinkommen wird. Wir hatten einen riesigen Fundus an alten Büchern. Mit diesem Fundus hätte ich ein kleines Antiquariat eröffnen können und mich auf den Handel mit gebrauchten Büchern spezialisieren können.
In meinem Fundus habe ich eine Bibel gefunden. Ich hatte meine Zweifel, ob im Seminar eine Bibel gebraucht wird. Ich habe vermutet, dass die Bibel Mittel zum Zweck sein sollte um mit mir wieder ins Gespräch zu kommen. Tatsächlich hat Marietheres wie vereinbart am Sonntag Nachmittag die Bibel bei mir abgeholt. Ich war sehr beschäftigt und fand keine Zeit für einen längeren Schwatz. Sie hat erwähnt, dass sie am «Dörflifest» einen Job in der Kinderbetreuung hätte.
Nach dieser Funkstelle fasste ich einen bewussten Entschluss. Ich wollte die weitere Kommunikation mit Marietheres vorsichtig und zurückhaltend angehen. Sollte sie wirklich Interesse an mir haben, so musste der nächste Schritt von ihr kommen. Ich selbst würde nichts unternehmen, um sie nicht erneut in eine Lage zu bringen, in der sie sich eingeengt fühlen könnte.
Ich hatte begonnen zu verstehen, dass Menschen sich eingeengt fühlen können, wenn sie den Eindruck haben, ihr persönlicher Freiraum werde zu stark eingeschränkt oder wenn Erwartungen auf ihnen lasten, die sie noch nicht erfüllen möchten. Manchmal entsteht dieses Gefühl durch zu häufige Kontakte, durch eine Nähe, die sich zu rasch entwickelt, oder einfach durch die Sorge, den eigenen Bedürfnissen und Grenzen nicht genügend Raum geben zu können. Gerade deshalb wollte ich nichts erzwingen. Ich wollte der Situation Zeit lassen.
So beschloss ich, mich zurückzunehmen und abzuwarten. Ob und wie sich die Sache weiterentwickeln würde, lag nun nicht mehr in meiner Hand.
In solchen Momenten dachte ich oft über einen Satz nach, den man immer wieder hört: Man vergesse Menschen, wenn man sie lange nicht mehr sieht. Ich konnte mich mit diesem Gedanken nie wirklich anfreunden. Nach meiner Erfahrung vergisst man keinen Menschen, den man einmal im Herzen getragen hat. Solche Begegnungen bleiben Teil der eigenen Geschichte, selbst wenn sich die Wege im Leben trennen.
Einige Tage später erhielt ich einen Brief von Mariethres. Es war ein Dankesschreiben für die Bibel, die ich ihr geschenkt hatte. Briefe hatten damals noch ein besonderes Gewicht. Man nahm sich Zeit, sie zu schreiben, und ebenso Zeit, sie zu lesen. Als ich den Umschlag öffnete und ihre Handschrift erkannte, spürte ich eine stille Spannung.
In ihrem Brief bedankte sie sich herzlich für das Geschenk und erzählte zugleich von ihrer neuen Lebenssituation. Sie schrieb, dass sie nun das Kindergärtnerinnenseminar in der Villa Bellerive besuchen werde. Während der Woche wohne sie bei ihrer Schwester Vreni im Würzenbach. Die Wochenenden verbringe sie in Giswil, wo sie vor allem mit ihren Schularbeiten beschäftigt sei.
Während ich ihre Zeilen las, stellte ich mir ihren neuen Alltag vor: die Ausbildung, neue Menschen, neue Eindrücke und die vielen Aufgaben, die vor ihr lagen. Ihr Leben befand sich offenbar in einer Zeit des Aufbruchs und der Veränderung. Mir wurde bewusst, dass dieser neue Abschnitt für sie viel Raum und Konzentration erforderte.
Ich legte den Brief schließlich zur Seite und dachte lange über ihre Worte nach. In mir mischten sich Hoffnung, Nachdenklichkeit und der Entschluss, meiner Entscheidung treu zu bleiben: Geduld zu haben und abzuwarten, welchen Weg das Leben für uns beide bereithalten würde.
Das Kindergärtnerinnenseminar befand sich in der Villa Bellerive. Ursprünglich als Wohnhaus genutzt, übernahm 1964 der Kanton Luzern die Villa. Er liess dort 1970 das kantonale Kindergartenseminar errichten. Heute nützt die Pädagogische Hochschule Luzern das Gebäude. Die Villa Bellerive steht in der Stadt Luzern an erhöhter Lage mit Aussicht auf den Vierwaldstättersee. Sie ist mit dem umliegenden Park auf der Liste der Kulturgüter in Luzern als national bedeutend aufgeführt.
Die Villa ist ein Bau im Stil der toskanischen Renaissance-Landgüter. Auf dem Grundstück stehen neben der grossen Parkanlage von Evariste Mertens ein Pförtnerhaus, ein Bauernhaus und ein Ökonomiegebäude.
Selbstverständlich schrieb ich Marietheres zurück. Wir beide waren zu dieser Zeit in unseren Leben gefangen, jeder mit seinen eigenen Verpflichtungen, und doch fanden wir zueinander über Briefe. Zunächst entwickelte sich eine lebhafte Brieffreundschaft, die einige Monate anhielt – ein zartes Band aus Papier, Tinte und Gedanken.
In jener Zeit hatte ein Brief ein Gewicht, das heute kaum jemand mehr kennt. Man nahm sich die Musse, zu schreiben, wählte sorgfältig jedes Wort, jede Wendung, und legte dabei ein Stück von sich selbst hinein. Allein die Mühe, die ein Brief erforderte, war bereits eine Botschaft: „Ich habe an dich gedacht, du bist mir wichtig genug, dass ich Zeit für dich finde.“
Ich erinnere mich noch an das leise Rascheln der Umschläge, die auf meinem Schreibtisch lagen, an die Vorfreude, sie zu öffnen, an die Wärme, die beim Lesen durch meine Finger zog. Jeder Brief war mehr als Nachricht – er war ein Moment der Nähe, ein kleiner Fluss aus Aufmerksamkeit und Vertrauen, der uns trotz der Distanz verband.
Unsere Briefe überbrückten die hektischen Tage, die Termine, die Verpflichtungen. Sie erlaubten uns, an den Gedanken und Empfindungen des anderen teilzuhaben, obwohl wir uns kaum sahen. Es war das Jahr 1975, mitten in einem Sommer der Veränderung, als Worte noch langsam reisten, und jeder Umschlag ein stilles Versprechen barg – das Versprechen, dass Verbindung und Freundschaft die Distanz überdauern konnten.
In den 1970er Jahren war die Schweiz noch stark durch ihre Religion geprägt. Über 95% der Bevölkerung gehörten einer der beiden grossen Landeskirchen, der römisch-katholischen oder der evangelisch-reformierten Kirche, an. Kirchenbesuche waren damals häufiger als heute, obwohl es schon damals einen allmählichen Rückgang der religiösen Zugehörigkeit gab. Im Kanton Obwalden hatte die Kirche in der Vergangenheit oft einen starken Einfluss auf das gesellschaftliche Leben. Für meine Eltern war es wichtig, dass wir Kinder am Samstag oder Sonntag die Kirche/Messe besuchten. Meine Eltern waren verärgert, wenn wir den Kirchenbesuch verweigerten. Solange wir zuhause wohnten galten die Regeln unserer Eltern.
Unser Papa besuchte jeweils um 18.00 Uhr die Vorabendmesse im Rudenz. Meistens begleitete ich ihn. In der Regel besuchte auch Marietheres die Vorabendmesse. Sofern ich Marietheres in der Kirche sah, sind Marietheres und ich nach der Messe gemeinsam bis zum Schulhaus gelaufen und haben uns unterhalten. Beim Schulhaus trennten sich jeweils unsere Wege. Unserem Papa sagte ich jeweils ich müsse noch etwas für meine Fitness machen und würde nach Hause laufen.
Der 13. Dezember war ein kalter Dezemberabend 1975, als ich mit meinem Vater die Vorabendmesse besuchte – ein Abend wie viele andere, dachte ich. Marietheres war da, und wir gingen nach der Messe wie gewohnt gemeinsam zum Schulhaus. Doch an diesem Abend fühlte sich alles anders an.
Beim Verabschieden habe ich sie ohne zu zögern innig geküsst. Sie lächelte, sie sagte sie habe sich mir in letzter Zeit sehr nahe gefühlt, und dass es sich einfach richtig angefühlt. In diesem Augenblick wusste ich, dass zwischen uns etwas begonnen hatte, das grösser war als Worte, ein Moment, den ich nie vergessen würde.
Nur wenige Tage später, am Sonntag, dem 21. Dezember, trafen wir uns wieder. Ich holte Marie-theres gegen Abend mit dem Auto ab, und wir fuhren nach Lungen. Auf dem Parkplatz des Restaurants Obsee standen wir allein, die Scheinwerfer waren ausgeschaltet, und draussen war es furchtbar kalt. Und trotzdem, trotz der Kälte, küssten wir uns ausgiebig. Die Nähe zwischen uns war so intensiv und selbstverständlich, dass der Moment sich unvergesslich anfühlte. Die Liebe konnte so einfach, so wunderbar sein.
Wenige Tage später war Silvester. Gemeinsam mit meinem Bruder Willi und seiner Freundin Marielouise fuhren wir nach Lungern ins Hotel Löwen, wo eine bekannte Band zum Tanz aufspielte. Musik, Lachen und das Glitzern der Lichter füllten den Raum, doch für mich gab es nur Marietheres. Zwischen den Tänzen und Gesprächen verriet sie mir beiläufig, dass ihr Bruder Peter an diesem Abend mit Paula verloben würde. Ich hörte es, lächelte innerlich und dachte, dass Begeisterung nicht immer da ist, wo sie stehen sollte.
Als Mitternacht näher rückte, zogen wir uns nach draußen vor das Hotel zurück. Wir standen allein, die kalte Nachtluft umhüllte uns, die Welt wirkte still. Ich zog Marietheres sanft an mich, und wir küssten uns innig. Es war ein Kuss voller Wärme und Nähe, ein Moment, in dem alles andere bedeutungslos wurde. Keine Menschen, keine Musik, kein Feuerwerk – nur wir beide, das neue Jahr und das stille, tiefe Glück, das unsere Liebe an diesem Augenblick erfüllte. Ein Moment, den ich nie vergessen würde, ein stiller Beginn von etwas Beständigem und Besonderem.
Am Neujahr gegen 17.00 Uhr habe ich Marietheres bei sich zuhause besucht und ihren Eltern meine persönlichen Neujahrswünsche überbracht.
Bei den Eltern von Marietheres war es Tradition, dass sie am Neujahr Besuch von ihren Freunden hatten (Frau und Herr Voser, Frau und Herr Schild und Frau Huber).
Marietheres und ich hielten uns in der Stube auf, während die anderen im Stübli verweilten. Doch es dauerte nicht lange, bis die Frauen begannen, merkwürdig interessiert zu wirken. Unter den unterschiedlichsten Vorwänden traten sie nacheinander in die Stube, um einen Blick auf den Freund von Marietheres zu erhaschen. Ich konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken und fragte mich innerlich, warum plötzlich so viel Neugier herrschte. Zwei Gedanken schossen mir durch den Kopf: Menschen, die ein enges Leben führen, sind oft neugierig auf alles Neue vor ihren Türen – oder Frauen sind einfach neugierig, nicht aus Bosheit, sondern weil sie gerne über alles informiert sein wollen. In jedem Fall fühlte ich mich beobachtet, aber auch ein bisschen geschmeichelt, und die Stube, in der wir sassen, wirkte wie eine kleine Bühne, auf der ich die Rolle des Freundes von Marietheres einnahm.
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Aushebung
1976 war ein besonderes Jahr: In Sarnen fand die Aushebung unseres Jahrgangs 1957 statt. Ich erinnere mich noch gut an die Mischung aus Nervosität und Neugier, die in der Luft lag. Gemeinsam mit meinen Kameraden warteten wir auf den ersten offiziellen Schritt in Richtung Militärdienst – und gleichzeitig auf einen Moment, der uns das Erwachsenenleben ein Stück näherbrachte.
Zwischen all dem offiziellen Ablauf und der Spannung gab es aber auch kleine, menschliche Momente. So half ich einem Kameraden beim Aufsatz – er hatte so viele Schreibfehler gemacht, dass ich kaum stillsitzen konnte, ohne ihm ein paar Tipps zu geben. Wir lachten viel, aber spürten auch, dass wir zusammenstanden, egal was kam. Rückblickend war die Aushebung für mich mehr als ein bürokratischer Akt: Es war ein erster Vorgeschmack auf Verantwortung, Kameradschaft und die Herausforderungen, die das Leben noch bereithalten würde.
Als eine der letzten Demokratien hat die Schweizerische Eidgenossenschaft erst im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts einen zivilen Ersatzdienst für Militärdienstverweigerer aus Gewissensgründen eingeführt. Noch bis zum Ende der Ära des Kalten Kriegs wurden "Dienstverweigerer" (so der in der Schweiz übliche Terminus) generell kriminalisiert und hatten nicht selten auch im Privatleben mit Nachteilen zu rechnen.
In den sechziger Jahren nahmen Dienstverweigerungen zunächst allmählich, seit den siebziger Jahren dann erheblich zu. 1961 erfolgten 47 Verurteilungen, 1965 77, 1970 175 und 1975 520 – dies bei einem totalen Bestand der Schweizer Armee von etwa 650.000 Wehrmännern.
Erst das Ende des Kalten Krieges brachte einen Stimmungswandel. Ende November 1989 wurde eine Volksinitiative für die Abschaffung der Schweizer Armee überraschend von 35,6% der Stimmenden und zwei Kantonen gutgeheißen, wobei gemäss Umfragen drei Viertel der Angehörigen der Armee dem Begehren zustimmten. Im Oktober 1990 verabschiedete das Parlament eine Revision des Militärstrafgesetzes, die die Verpflichtung der Dienstverweigerer zu einer Arbeitsleistung von anderthalbfacher Dauer des verweigerten Militärdienstes vorsah, sofern sie "unter Berufung auf ethische Grundwerte" glaubhaft darlegten, dass sie den Militärdienst nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten. Da für Dienstverweigerung aus Gewissensgründen weiterhin Militärgerichte zuständig sein sollten – das Gesetz bezeichnete die Verweigerer wie gehabt als "Täter" und der Verpflichtung zur Arbeitsleistung hatte ein richterlicher Schuldspruch voranzugehen –, wurde dagegen das Referendum ergriffen. 1991 nahmen 55,7% der Stimmenden die Reform aber an.
Warum brauchte die Schweiz so lange, um die Dienstverweigerung zu entkriminalisieren und einen zivilen Ersatzdienst einzuführen? Zunächst ist festzuhalten, dass entsprechende Forderungen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Raum standen und bereits gegen Ende des Ersten Weltkrieges auch armeeintern nach einer Lösung des Verweigererproblems gesucht wurde. In der Folge gingen aber die gesellschaftliche und politische Polarisierung der Nach-Landesstreikzeit, die Geistige Landesverteidigung und die Kalte–Kriegs–Mentalität fast nahtlos ineinander über. So waren bis Ende der sechziger Jahre alle entsprechenden Vorstöße chancenlos. Die beliebte Redewendung "Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee!" ließ auch nicht den kleinsten Kratzer an der allgemeinen Wehrpflicht zu. Der vorherrschende Diskurs des bürgerlichen Establishments situierte die Dienstverweigerung zwischen Landesverrat, Geisteskrankheit und Verweiblichung. In den siebziger Jahren zeigte sich zwar in den politischen und gesellschaftlichen Eliten eine zunehmende Akzeptanz für die Einführung eines zivilen Ersatzdienstes, von diesem sollten aber nach dem Willen der bürgerlichen Mehrheit und der Armeespitze die als linksradikale Systemveränderer betrachteten Verweigerer aus politischen Gründen strikt ausgegrenzt werden.
Erst das Ende des Kalten Krieges brachte den entscheidenden Stimmungsumschwung. Parallel zum Wegfall des außenpolitischen Feindbildes Ostblock führten um 1990 verschiedene innenpolitischen Ereignisse zu einem sicherheitspolitischen Um– oder zumindest Nachdenken. Neben dem unerwartet guten Abschneiden der ersten Armeeabschaffungsinitiative ist etwa der 1989/90 aufgedeckte große Bespitzelungsskandal zu nennen, in den neben der Bundespolizei und den kantonalen Nachrichtendiensten auch die Armee verwickelt war, ferner die einsetzende intensive öffentliche Debatte über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg, in der die Bedeutung der Armee für die Behauptung der Eigenständigkeit stark in Frage gestellt wurde. Der daraufhin einsetzende schrittweise Abschied vom Konzept der infanteristischen Massenarmee mit jahrzehntelanger Wehrpflicht ermöglichte auch die Einführung eines zivilen Ersatzdienstes und eine überwältigende Zustimmung dazu in der Volksabstimmung.
Die Schweiz hat eine Milizarmee
Was ist typisch für die Schweiz? Nicht nur Schokolade und Käse, sondern die direkte Demokratie und das Milizprinzip. Miliz bedeutet, dass etwas nebenamtlich gemacht wird. Das beginnt im Verein, geht über die Politik bis hin zur Milizarmee. Deshalb sind alle männlichen Schweizer Jugendliche ab dem 18. Lebensjahr dienstpflichtig.
Im Winter 1976 fand die Aushebung des Jahrganges 1957 in Sarnen statt.
Etwa 80 Prozent der Obwaldner bestehen die militärische Rekrutierung und sind damit militärdienstpflichtig. Dienstuntauglich geschrieben werden Stellungspflichtige, die eine für den Militärdienst ungenügende körperliche oder psychische Leistungsfähigkeit aufweisen.
Stellungspflichtige ländlicher Herkunft sind eher tauglich als Städter. Je grösser die Stadt, desto mehr Untaugliche. Konservativ und rechts stimmende Gemeinden haben zudem höhere Tauglichkeitsquoten als links und progressiv-liberal stimmende. Es gibt aber auch Unterschiede nach Sprachregionen. Unter den französischsprachigen Stellungspflichtigen sind mehr Untaugliche als unter den Deutschschweizern. Die italienischsprachigen Stellungspflichtigen befinden sich dazwischen. Besonders hohe Tauglichkeitsraten weisen Nidwalden, Appenzell Innerrhoden und Obwalden auf (zwischen 70 und 80 Prozent), besonders tiefe Raten Jura, Zürich und Genf (zwischen 50 und 55 Prozent).
Bei den Gründen für die Untauglichkeit liegen psychische Probleme an der Spitze. Zuweilen kommen mehrere Diagnosen zusammen, doch weisen 76 Prozent aller militärdienstuntauglichen Stellungspflichtigen einen psychischen Hauptbefund auf.
Davon haben rund 27 Prozent eine Diagnose, die im Zusammenhang mit dem Militärdienst steht, zum Beispiel eine Autoritätsproblematik oder Anpassungsauffälligkeiten. Die übrigen psychischen Diagnosen betreffen die ganze Bandbreite psychischer Erkrankungen, etwa Depressionen und paranoide Persönlichkeitsstörungen.
Wer keinen Wehrdienst leistet, hat mit Ausnahme von Invaliden eine jährliche Wehrpflichtersatzabgabe von drei Prozent des steuerbaren Einkommens zu bezahlen.
Obwalden hatte bis 2003 ein eigenes Gebirgsfüsilierbataillon. Das Obwaldner Gebirgsfüsilierbataillon 47 erlebte von 1875 bis 2003 eine wechselvolle Geschichte. In dieser Einheit leistete der Grossteil der Obwaldner Wehrmänner ihren Militärdienst. Für das Gebirgs-Füsilier-Bataillon 47 schlug am
6. September 2003 mit der Fahnenabgabe auf dem traditionsreichen Landenberg ob Sarnen die letzte Stunde.
An der Aushebung wurde ich für Diensttauglich erklärt und als Rettungssoldat bei der Rettungstruppe eingeteilt.
Die Truppen der Rettung prädestinieren sich durch ihre speziellen Kenntnisse und Mittel für den Einsatz im Rahmen der militärischen Katastrophenhilfe. Sie leisten hauptsächlich Rettungseinsätze in schweren und ausgedehnten Schadenlagen sowie bei Grossbränden. Zusätzlich erbringen sie Beiträge zur Unterstützung humanitärer Hilfeleistungen.
- Als weltweit einzigartige Armeeformation leisten die Rettungstruppen sowohl in Normalzeiten als auch in Krisen- und Kriegssituationen beispielslose und äusserst wertvolle Katastrophenhilfe.
- Auf Grund der Ausbildung und Ausrüstung sind wir folglich die Hauptträger der militärischen Katastrophenhilfe. Wir leisten hauptsächlich Rettungseinsätze in schweren und ausgedehnten Schadenlagen sowie bei Überschwemmungen und Grossbränden.
- Die Hauptaufgabe liegt in der Hilfeleistung an zivile Behörden, Zivilbevölkerung sowie Unterstützung der Feuerwehren und des Zivilschutzes. Mit modernen technischen Geräten werden Personen gerettet, mit leistungsfähigen Brandbekämpfungsmitteln werden Brände gelöscht oder Überschwemmungen bekämpft. Die Rettungstruppen verfügen über genügend Fahrzeuge, um rasch an verschiedenen Orten Hilfe zu leisten. Wir sind bewaffnet und in der Lage, den Standort zu sichern.
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Was war 1976
Das Ende der Boomjahre wirkte sich auch auf die Soziale Sicherheit aus. Bei der Neuordnung der Arbeitslosenversicherung von 1976 handelte es sich um eine Massnahme, die unmittelbar durch den Beschäftigungseinbruch nötig wurde. Als Massnahme zur Krisenbekämpfung wird 1976 eine gesamtschweizerisch obligatorische Arbeitslosenversicherung eingeführt. Zugleich beginnen Debatten über Sparmassnahmen bei den Sozialversicherungen.
Die Folgen waren Einkommenseinbussen und zunehmend unsichere Arbeitsverhältnisse. Die geringe Verbreitung der Arbeitslosenversicherung und die Rückwanderung ausländischer Arbeitskräfte erlaubten es jedoch, die offiziellen Arbeitslosenzahlen trotz Arbeitsplatzverlusten tief zu halten. Die Verteilungs- und Arbeitskämpfe verschärften sich. Auf der einen Seite verlangten linke Parteien und Gewerkschaften eine antizyklische Konjunkturpolitik. Auf der bürgerlichen Seite erhielten Forderungen nach einer "Gesundschrumpfung" der Wirtschaft, nach Steuersenkungen und Deregulierung Auftrieb.
Allein 1975/76 gingen in der Schweiz 300.000 Stellen verloren, wovon allerdings zwei Drittel durch die Rückwanderung ausländischer Arbeitskräfte aufgewogen wurden, weil die Behörden ihre Aufenthaltsbewilligungen nicht erneuerten.
Im Jahr 1976 endet die langjährige diktatorische Herrschaft von Mao Zedong mit seinem Tod im September.
Im Juni 1976 rebellierten Schüler in Soweto gegen das südafrikanische Regime. Ihr Aufstand wurde blutig niedergeknüppelt. Trotzdem war es ein Wendepunkt - der Anfang vom Ende der Apartheid.
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- Lehrjahr Hochbauzeichner
Im Spätherbst 1976 veranstaltete der Verein zur Förderung der Ausbildung von Hochbauzeichnern eine Test-Lehrabschlussprüfung. Diese fand in den Räumen des Campus Technikum Horw
(Heute: Hochschule Luzern – Technik & Architektur) statt. Ziel dieser Prüfung war es, den Lernenden einen ersten Eindruck davon zu vermitteln, wie die eigentliche Lehrabschlussprüfung im folgenden Sommer ablaufen würde.
Die Testprüfung begann am Montagmorgen um acht Uhr und dauerte bis zum Freitagnachmittag. Während dieser fünf Tage arbeiteten wir an verschiedenen Aufgaben aus unserem Fachgebiet. Dabei konnten wir unsere Kenntnisse und Fähigkeiten im Hochbauzeichnen unter realistischen Prüfungsbedingungen anwenden. Für uns alle war diese Woche eine wertvolle Erfahrung, da sie uns zeigte, welche Anforderungen an der Abschlussprüfung gestellt werden.
Ich selbst fühlte mich für diese Testprüfung relativ gut vorbereitet. Während der Arbeit an den Aufgaben hatte ich ein gutes Gefühl und konnte vieles von dem umsetzen, was ich in der Ausbildung gelernt hatte. Besonders im technischen Zeichnen und in der Bearbeitung der gestellten Aufgaben kam ich gut voran.
Allerdings stellte ich fest, dass ich im Bereich des Freihandzeichnens noch Verbesserungspotenzial habe. In diesem Fachbereich fühlte ich mich noch nicht ganz sicher und erkannte, dass ich hier noch intensiver üben sollte. Dieses Defizit wollte ich in den folgenden Monaten gezielt aufholen, um für die eigentliche Lehrabschlussprüfung besser vorbereitet zu sein.
Zusammenfassend war die Test-Lehrabschlussprüfung für mich eine sehr hilfreiche Erfahrung. Sie gab mir einen guten Einblick in den Ablauf der späteren Prüfung und zeigte mir zugleich meine Stärken sowie die Bereiche, in denen ich mich noch verbessern musste. Insgesamt zog ich daraus ein positives Fazit und fühlte mich motiviert, weiter an meinen Fähigkeiten zu arbeiten.
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Freihandzeichnen
Freihandzeichnen ermöglicht die Visualisierung einer Idee in Form einer Skizze. Es ist auch eine universelle Sprache, die Zeichner verwenden, um mit anderen Projektteilnehmern zu kommunizieren. Aus diesem Grund ist Freihandzeichnen ein fester Bestandteil der Ausbildung.
Als Hochbauzeichner mussten wir vor allem perspektivisch zeichnen können. Zudem sind Schraffuren sehr wichtig um Schattierungen und unterschiedliche Materialien visualisieren zu können.
Bei der Lehrabschlussprüfung musste jeder Lehrling eine Arbeitsmappe mit etwa 50 Freihandzeichnungen zu verschiedenen Themen abgeben.
Freihandzeichnen kann sehr schwierig sein. Manche Menschen haben eine bessere Hand-Augen-Koordination oder Beobachtungsgabe als andere. Das macht es zwar einfacher, aber jeder kann es lernen. Durch regelmässiges Üben im Freihandzeichnen habe ich meine zeichnerischen Fähigkeiten kontinuierlich verbessert und individuelle Ausdrucksformen entwickelt.
Für die Lehrabschlussprüfung habe ich mir vorgenommen eine kolorierte Bleistiftzeichnung auszufertigen. Üblicherweise werden Skizzen und Zeichnungen mit Bleistiften oder Tusche angefertigt und in vielen Fällen als Schwarz-Weiss-Bilder belassen. Da Zeichnungen jedoch keineswegs immer nur als Entwürfe anzusehen sind, kann es durchaus reizvoll sein, die Zeichnungen mit Buntstiften zu kolorieren. Beim Zeichnen mit Buntstiften gilt es jedoch, einige wesentliche Aspekte zu berücksichtigen und letztlich kommt auch hier der Grundsatz zum Tragen, dass Übung erst den Meister macht.
Zeichnungen müssen keineswegs immer nur Schwarz-Weiss bleiben, sondern können durchaus im Nachhinein auch koloriert werden. Anders als in der Malerei, bei der die Farben ein gestalterisches und darstellendes Element sind, stellt die Farbgebung beim Zeichnen aber nur ein ergänzendes Mittel dar. Nun klingt dies eigentlich recht einfach, aber in der Praxis zeigt sich oft, dass es gar nicht so leicht ist, tatsächlich nur innerhalb der Konturen zu malen. Gerade bei den ersten Versuchen geht doch der eine oder andere Strich über die vorgezeichnete Linie hinaus. Hier sind also, wie beim eigentlichen Zeichnen auch, Übung und ein wenig Geduld gefragt.
Ich habe meine Zeichnungen mit Bundstiften von CARAN D'ACHE koloriert. Ein Set mit 18 Buntstiften genügte mir völlig.
Meine Zeichnungslehrerin fand mich kreativer, als ich wirklich bin. Sie hat mich gefragt, was ich für Pläne nach der Lehre hätte? Ob ich nicht auch schon mit dem Gedanken gespielt hätte nach der Lehre die Kunstgewerbeschule zu besuchen. Sie würde dort auch unterrichten und sie könne gut einschätzen, wer ein Künstlerisches Talent hätte. Bei mir manifestiere sich das Talent in einer tiefen Wertschätzung für Farben, Formen und kreativen Ausdruck. Ich habe mich noch nie so gesehen. Ich habe mich dahingehend geäussert, dass ich mich glücklich schätzen würde, wenn ich an der LAP im Freihandzeichnen eine genügende bekommen würde. Jetzt war sie ein wenig überrascht über meine persönliche Einschätzung. Bezüglich Freihandzeichnen solle ich mir keine Gedanken machen, das komme schon gut.
Kreative aller Art gehören zu einer Spezies, die besonders häufig von Selbstzweifeln geplagt wird. Warum bin ich noch nicht gut genug? Warum werden andere schneller besser? Bin ich überhaupt besonders? Wäre es nicht besser aufzugeben? Das mag damit zusammenhängen, dass Kreativität, Kunst und der daraus resultierende „Erfolg“ teils nur schwer objektiv messbar sind. Kurz gesagt: Es gibt keine bestimmte Zielmarke, bei der man es „geschafft“ hat. Viel mehr befinden sich die meisten Künstler in einem ständigen Prozess der Weiterentwicklung
Nach der bestandenen LAP habe ich mich nicht mehr mit dem Freihandzeichnen beschäftigt.
Die Rolle des Künstlers war für unseren Papa reserviert, er lebte ausschliesslich von der Bewunderung und nicht von der Kunst.
Heute weiss ich, dass Kunst (Zeichnen/Malen weit mehr als nur ein Mittel zur ästhetischen Ausdruckskraft; sie ist ein mächtiges Werkzeug, das Familien miteinander verbindet und das Leben in vielerlei Hinsicht bereichert. Kunst fördert Kreativität, stärkt familiäre Bindungen und öffnet Türen zu neuen Welten und der Selbsterkenntnis. In einer Zeit voller Ablenkungen bietet die Kunst einen Rückzugsort, an dem Schönheit, Harmonie und Gemeinschaft gefeiert werden können – ein Erbe, das von Generation zu Generation weitergegeben werden sollte.
Meine Zeichnungslehrerin wollte mein schlafendes Talent zum Leben erwecken. Für mich war das leider nie eine prüfenswerte Option.
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Lehrabschlussprüfung
Allgemeinbildung
Die Lehrabschlussprüfung als Hochbauzeichner umfasste neben den fachlichen und praktischen Teilen auch den Bereich Allgemeinbildung. In diesem Abschnitt wurden die Fächer Deutsch, Wirtschaftsrechtskunde sowie Staat und Wirtschaft geprüft. Diese Prüfungen fanden etwa zwei Wochen vor der praktischen Lehrabschlussprüfung statt.
Ich erinnere mich, dass ich in diesen Fächern ein sehr gutes Gefühl hatte. Während meiner Ausbildung hatte ich mich intensiv mit den Themen beschäftigt und fühlte mich entsprechend gut vorbereitet. Besonders im Fach Deutsch lag mir das Schreiben und Formulieren, während ich in Wirtschaftsrechtskunde sowie in Staat und Wirtschaft ein solides Verständnis für rechtliche und wirtschaftliche Zusammenhänge entwickelt hatte.
Die Prüfungen verliefen ruhig und konzentriert. Ich konnte das Gelernte sicher anwenden und meine Antworten strukturiert formulieren. Dadurch ging ich mit einem positiven Gefühl aus diesen Prüfungen heraus. Diese Erfahrung gab mir zusätzliches Selbstvertrauen für den nächsten wichtigen Schritt – die praktische Lehrabschlussprüfung, die zwei Wochen später stattfand.
Praktische Prüfung
Eine Woche zwischen Anspannung und Erleichterung
Im Juni 1977 stand für mich ein entscheidender Moment meiner Ausbildung bevor: die Lehrabschlussprüfung als Hochbauzeichner. Schon im Vorfeld spürte ich eine wachsende Anspannung. Man wusste, dass diese Woche über vieles entscheiden konnte. Monate und Jahre der Ausbildung liefen letztlich auf diese Prüfungen hinaus.
Am Montagmorgen fuhr ich früh mit unserem Familienauto (Mami, Willi, Marcus und Veronika) Peugeot 104 nach Luzern ins Maihofquartier. Während der Fahrt gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Ich versuchte, ruhig zu bleiben, doch innerlich war ich angespannt. Als ich tatsächlich einen Parkplatz fand, war das schon die erste kleine Erleichterung. Wenig später standen wir vor der Maihofkirche bereit für den Beginn der Prüfungen.
Punkt acht Uhr begann alles mit dem Freihandzeichnen. Unsere Klasse war als erste an der Reihe. Ich nahm die Umgebung um mich herum wahr, die Landschaft, die Gebäude – und begann zu zeichnen. Zuerst mit dem Bleistift, vorsichtig und konzentriert. Strich für Strich entstand auf dem Papier ein Bild der Landschaft. Danach kolorierte ich die Zeichnung. Während ich arbeitete, versank ich völlig in meiner Aufgabe. Der Stress war zwar da, aber gleichzeitig vergass ich Raum und Zeit. Alles andere trat in den Hintergrund – es gab nur noch das Blatt vor mir, den Stift in meiner Hand und die Konzentration auf jeden einzelnen Strich.
Doch das war erst der Anfang der Prüfungswoche. Danach folgte das technische Zeichnen, und die Anforderungen wurden noch anspruchsvoller. Wir mussten eine komplizierte Spannenlage in einem alten Gebäude in der Altstadt ausarbeiten, dazu einen Ausführungsplan mit dem Grundriss einer Villa. Es folgten ein Fassadenplan, ein detaillierter Fassadenschnitt und schliesslich noch ein Kanalisationsplan. Stunde um Stunde sassen wir über unseren Zeichnungen. Jeder Strich musste stimmen, jeder Massstab korrekt sein. Die Zeit verging dabei auf eine seltsame Weise – manchmal schien sie stillzustehen, und dann wieder raste sie davon.
Neben den zeichnerischen Aufgaben wurden auch unsere Berufskenntnisse geprüft. In den mündlichen Prüfungen ging es um Baustoffe wie Steine und Holz sowie um vieles andere, was zum Beruf gehörte. Dazu kam Mathematik mit Rechnen, Trigonometrie, Geometrie und Algebra. Auch schriftliche Prüfungen standen auf dem Programm. Es war eine intensive Woche, in der man ständig gefordert war und immer unter Spannung stand.
Hinzu kam die Hitze. Die ganze Woche über war es sehr warm. Viele meiner Kollegen kämpften mit schwitzigen Händen, was beim Zeichnen natürlich nicht gerade hilfreich war. Ich hatte in dieser Hinsicht Glück. Meine Hände waren eher kühl und trocken, was mir beim Arbeiten sehr zugutekam. Das half mir, die Linien ruhig zu ziehen und konzentriert zu bleiben.
Als dann am Freitagnachmittag endlich das Ende der Prüfung verkündet wurde, fiel eine grosse Last von mir ab. Die Anspannung der ganzen Woche löste sich schlagartig. Man spürte Erleichterung, aber auch eine gewisse Müdigkeit nach all der Konzentration.
Die meisten aus unserer Klasse trafen sich anschliessend zum Mittagessen im Trumpf-Buur in Ebikon. Wir sassen zusammen, lachten, tauschten unsere Eindrücke aus und liessen die Prüfungswoche Revue passieren. Es tat gut, gemeinsam aufzuatmen.
Wenn ich heute daran zurückdenke, erinnere ich mich vor allem an die Intensität dieser Tage. Es war eine Woche voller Stress, Konzentration und Erwartung. Man war so vertieft in seine Aufgaben, dass man tatsächlich manchmal Raum und Zeit vergass. Doch am Ende blieb vor allem das Gefühl der Erleichterung – und auch ein wenig Stolz, diesen wichtigen Schritt geschafft zu haben.
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Abschied von der Lehrzeit – 1977
Meine Lehrzeit bei Werner Wyss dauerte vier Jahre. Dort lernte ich den Beruf des Hochbauzeichners. Es war eine Zeit, in der ich viel über das Bauwesen lernte, aber auch über den Arbeitsalltag in einem Betrieb. Wie das damals eben war: Als Lehrling musste man anpacken, zuhören und funktionieren.
Im letzten Lehrjahr, im Jahr 1977, wurde ich immer häufiger auf Baustellen geschickt. Eigentlich gehörte ich ins Büro, an den Zeichentisch, wo ich Pläne ausarbeiten sollte. Doch stattdessen stand ich oft draussen auf der Baustelle. Ich musste Aufgaben übernehmen, die normalerweise ein Techniker erledigte. Für einen Lehrling bedeutete das viel Verantwortung. Einerseits war es interessant, weil ich die Arbeit auf der Baustelle aus nächster Nähe kennenlernte. Andererseits hatte ich manchmal das Gefühl, dass man mich recht selbstverständlich einsetzte, wo gerade jemand gebraucht wurde.
Als sich das Ende meiner Lehrzeit näherte, wusste ich bereits, dass ich nicht im Betrieb bleiben wollte. Offiziell endete meine Lehrzeit Ende Juli 1977. Ich hatte jedoch meine Ferien über längere Zeit aufgespart. Dadurch konnte ich mich schon Anfang Juli verabschieden und früher gehen.
Trotz allem wollte ich mich von meinen Arbeitskollegen anständig verabschieden. Deshalb organisierte ich einen kleinen Apéro im Betrieb. Ich kaufte auf eigene Rechnung etwa zehn Flaschen Weisswein sowie Apéro-Sachen – Chips, Nüsschen und andere Knabbereien. Das war damals so üblich, wenn jemand ging: Man sass noch einmal zusammen, trank ein Glas und liess die gemeinsame Zeit Revue passieren.
Vom Geschäft selbst kam allerdings gar nichts. Keine Flasche Wein, kein Beitrag, keine kleine Aufmerksamkeit. Alles musste ich selber bezahlen. Das war zwar enttäuschend, aber es passte irgendwie zur ganzen Situation.
Der Abend wurde trotzdem gesellig. Einige meiner Arbeitskollegen waren gute Trinker, deshalb hatte ich genügend Wein besorgt. Wir sassen zusammen, redeten über die vergangenen Jahre und lachten auch über manche Baustellengeschichte. Es war ein einfacher Abschied, ohne grosse Worte.
Am Ende blieben noch zwei Flaschen Weisswein übrig. Ich stellte sie in den Kühlschrank, damit sie vielleicht am nächsten Tag heimnehmen konnte. Als ich am Morgen wieder in den Betrieb kam, waren sie verschwunden. Wirklich überrascht war ich nicht. Offenbar hatte sich mein Chef, Werner Wyss, noch daran bedient. So ging meine Lehrzeit dort zu Ende – ohne grosse Zeremonie.
Dabei hätte sich für mich damals sogar noch eine ganz andere Möglichkeit ergeben. Mein Chef stellte mir eine Stelle als Bauleiter im Nahen Osten in Aussicht, vermutlich in Saudi-Arabien. Dort herrschte zu jener Zeit ein gewaltiger Bauboom. Viele europäische Fachleute gingen dorthin, weil überall gebaut wurde. Auch ich hätte dort Arbeit finden können.
Doch ich hatte meine eigenen Pläne. Im Betrieb liess ich das Gerücht aufkommen, ich würde für einige Monate nach England gehen. Mein Chef glaubte, ich würde etwa drei Monate verreisen und danach vielleicht wieder zurückkommen. Dadurch konnte ich mein Arbeitsverhältnis bereits Ende Juni beenden und eine Woche früher gehen.
Tatsächlich reiste ich anschliessend für eine Woche allein nach England. Es war mehr ein Schnuppern, ein kleiner Blick in eine andere Welt. Für einen jungen Mann bedeutete das Freiheit und Abenteuer.
Meine eigentliche Zukunft war jedoch bereits entschieden. Ich hatte schon vorher einen neuen Lehrvertrag unterschrieben – diesmal für eine Maurerlehre. Damit wollte ich noch näher an die praktische Arbeit auf dem Bau heran.
So endete im Jahr 1977 ein wichtiger Abschnitt meines Lebens. Vier Jahre als Hochbauzeichner-Lehrling lagen hinter mir. Ich hatte viel gelernt – über Pläne, Baustellen und über Menschen. Vor allem aber hatte ich gelernt, dass man seinen eigenen Weg gehen muss. Manchmal bedeutet das, früh aufzustehen, eine Entscheidung zu treffen und weiterzugehen.
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Allein in London – eine prägende Reise im Sommer 1977
Anfang Juli 1977 plante ich zusammen mit meinem Schulkollegen Dieter Wüest eine Reise nach London. Für uns beide war das etwas Besonderes: eine Woche in einer grossen, internationalen Stadt, weit weg von zuhause. Doch kurz vor der Abreise sagte Dieter Wüest aus Gründen, die ich bis heute nicht richtig nachvollziehen kann, plötzlich ab. Die Reise war bereits vorbereitet, und so stand ich vor der Entscheidung: absagen oder alleine gehen. Ich entschied mich dafür, die Reise trotzdem anzutreten.
Von meinem Wohnort Giswil machte ich mich zunächst mit dem Zug auf den Weg nach Zürich. Schon diese erste Etappe war Teil des Abenteuers. Am Hauptbahnhof Zürich nahm ich damals den Bus zum Flughafen Kloten, da es keine direkte Zugverbindung gab.
Für mich war es der allererste Flug meines Lebens. Fliegen war damals noch keine Selbstverständlichkeit, wie es heute ist. Am Check-in-Schalter fragte man mich, ob ich eine zusätzliche Versicherung abschliessen wolle: für den Fall, dass das Flugzeug abstürzen würde, würden die Nachkommen eine Million Franken erhalten – und das für relativ wenig Geld. Ich investierte damals die zehn Franken für die Versicherung und dachte bei mir, dass es ja schön wäre, wenn meine Nachkommen oder Verwandten im schlimmsten Fall einen grossen Haufen Geld bekämen. Dieses kleine Detail blieb mir bis heute in Erinnerung und zeigt, wie anders Fliegen damals wahrgenommen wurde.
Der Flug führte mich nach London Gatwick. Am Flughafen wartete, wie es mir das Reisebüro angekündigt hatte, ein Bus auf mich. Er brachte mich direkt zu meinem Hotel mitten in London. Diese Art des Transfers erinnerte mich daran, wie organisiert die Reise war – ähnlich wie es heute Pauschaltouristen erleben. Nach einer Woche würde der Bus mich auch pünktlich wieder abholen und zurück zum Flughafen bringen. Das gab mir ein beruhigendes Gefühl: selbst wenn ich die Stadt noch nicht kannte, war alles geplant und strukturiert.
Ich hatte im Voraus ein sehr einfaches Hotel gebucht. Es war klein, schlicht eingerichtet, aber sauber und ordentlich. Jeden Morgen wurde ich vom Geräusch der Strassen und dem Murmeln der Hotelgäste geweckt. Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Schon die ersten Schritte auf den Londoner Strassen waren ein Abenteuer: der Verkehr, die Doppeldeckerbusse, die Menschen, die an mir vorbeigingen – alles wirkte so lebendig und anders als zuhause.
In London schaute ich mir im Grunde das an, was die meisten Touristen anschauen: bekannte Plätze, berühmte Sehenswürdigkeiten, die man aus Fotos kannte. Doch nicht einzelne Bauwerke blieben mir besonders in Erinnerung. Viel stärker beeindruckte mich die Stadt als Ganzes – ihre Grösse, ihre Vielfalt und das Gefühl, in einer lebendigen, pulsierenden Metropole unterwegs zu sein.
Besonders faszinierend waren die U-Bahn-Stationen. Ich erinnere mich noch genau an die langen Rolltreppen, die scheinbar endlos in die Tiefe führten, und an den leicht modrigen Geruch, der in den alten Tunneln hing. Es war so endgültig und gleichzeitig typisch London. Dazu kam der Anblick der Menschen: damals trugen viele Herren noch Schirm, Charme und Melone – der klassische Engländer, wie man ihn aus Filmen kannte. Dieses Bild von London, so eigenständig und gleichzeitig charmant altmodisch, hat mich tief beeindruckt.
Während der Woche baute ich kleine Szenen ein, die das Leben in London für mich greifbar machten: Ich stand an einem Imbiss und bestellte Fish and Chips, kämpfte ein wenig mit dem Bestellvorgang, lachte dann aber über die Mischung aus Gesten und Englisch, die zum Erfolg führte. Ich irrte durch enge Gassen, entdeckte kleine Buchläden und Cafés, und genoss das Gefühl, plötzlich allein die Stadt zu erkunden und zu entscheiden, wohin ich gehe.
Ein Höhepunkt war ein Tagesausflug nach Oxford. Die Fahrt dorthin und der Besuch dieser traditionsreichen Universitätsstadt waren eine willkommene Abwechslung zur hektischen Grossstadt. Die Atmosphäre war völlig anders: ruhig, historisch, voller Studierender und Besucher, die durch die alten Gassen schlenderten.
Die ganze Woche über war ich auf mich allein gestellt. Ich musste selbst entscheiden, wohin ich gehe, wie ich mich orientiere, wie ich meine Zeit plane. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass ich diese Situation nicht meistern würde. Im Gegenteil: ich hatte immer ein gutes Gefühl dabei.
Diese Reise wurde für mich zu einer wichtigen Lebenserfahrung. Sie zeigte mir, dass ich auch alleine zurechtkommen kann – selbst in einer grossen, fremden Stadt und in einem Land mit einer anderen Sprache. Ich lernte, mich auf mich selbst zu verlassen und Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten zu haben.
Rückblickend war diese Woche in London im Sommer 1977 eine sehr gute und lehrreiche Erfahrung. Sie hat mir gezeigt: Ich schaffe es. Ich komme auch allein mit mir zurecht.
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Ferien mit Marietheres
Die Welt gehörte uns, noch bevor meine Maurerlehrer bei Nosetti in Emmenbrücke nach Maria Himmelfahrt begann. Marietheres und ich hatten uns unsere erste grosse Flucht gegönnt – zwei Wochen in Italien, in der Cinque Terre, einem Ort, der wie aus einem Traum geformt schien. Wir waren jung, verliebt, voller Sehnsucht nach Abenteuern, und jede Stunde fühlte sich wie ein Funke an, der unsere Herzen entflammte.
Bevor es nach Italien ging, musste Marietheres ihren Landdienst bei der Familie Alabor im St. Gallischen Rheintal absolvieren. Ich fuhr sie selbstverständlich über das malerische Appenzellerland hin, durch Hügel, Wälder und kleine Dörfer, und holte sie wieder ab.
In Giswil stiegen wir in den Zug. Über Luzern ging es weiter, wo ich zufällig Irma Schniepper traf – eine alte Schulkollegin. Wir lachten kurz, erinnerten uns an vergangene Tage, bevor wir uns wieder verabschiedeten. Dann begann die Nachtfahrt: der Zug, der im Dunkel durch die Alpen schnitt, während draussen die Lichter der Städte wie flüchtige Sterne vorbeizogen.
In Genua öffnete sich eine neue Welt. Ich war noch nie am Meer gewesen, und dieser Hafen war größer, lebendiger, überwältigender, als ich es je erträumt hatte. Die riesigen Schiffe schwankten sanft auf den Wellen, ihre Kräne ragten wie Stahlgiganten in den Himmel, Möwen kreischten über unseren Köpfen, und der salzige Duft des Meeres füllte unsere Lungen. Wir standen Hand in Hand auf dem Kai, spürten das vibrierende Pulsieren der Stadt, das leise Tosen der Wellen und die Wärme des Lichts auf unseren Gesichtern. Alles fühlte sich möglich an – alles gehörte uns.
Am nächsten Morgen ging es weiter nach La Spezia, und von dort begann unser eigentlicher Traum: die Cinque Terre. Jeder Tag war ein neues Kapitel, jedes Dorf ein kleines Wunder:
- Riomaggiore, wo die Häuser wie gemalt an den steilen Felsen klebten, und die engen Gassen sich wie Wellen hinaufzogen. Wir liefen Hand in Hand, spürten die Wärme der Sonne auf den Steinen, hörten das Meer an den Klippen brechen und fühlten, dass unsere Herzen in einem Rhythmus schlugen.
- Manarola, mit seinen grünen Reben und dem winzigen Hafen, wo Boote sacht auf den Wellen schwankten. Wir setzten uns ans Wasser, sahen den Sonnenstrahlen beim Tanzen auf den Wellen zu und wussten, dass wir alles teilen wollten, was noch kommen würde.
- Corniglia, auf einer Anhöhe, mit der Aussicht auf die gesamte Küste. Der Wind spielte in unseren Haaren, wir hielten uns fest und fühlten, dass die Welt klein war, so lange wir zusammen waren.
- Vernazza, lebendig und duftend nach frisch gebackenem Focaccia, die Cafés und Gassen vibrierend vor Leben. Wir liefen durch die schmalen Straßen, lachten, küssten uns, während die Sonne die Wände der Häuser in Gold tauchte.
- Monterosso al Mare, mit seinen weiten Stränden und dem glitzernden Meer, auf dem die Sonne wie flüssiges Gold schimmerte. Wir lagen im Sand, hörten die Wellen, rochen die salzige Luft, und alles war vollkommen.
Jede Gasse, jeder Pfad, jede Welle war ein Gedicht, das wir gemeinsam lebten. Die Cinque Terre war nicht nur ein Ort – sie war ein Gefühl, ein Herzschlag, der unsere Liebe spiegelte: lebendig, bunt, unendlich. Die Tage vergingen wie flüchtige Träume, zu schnell, um sie vollständig zu fassen, und doch für immer in uns eingebrannt.
Das Geld war knapp, wie es bei jungen Reisenden oft ist, doch unsere Liebe war grenzenlos. Wir hatten die ganze Welt vor uns, fühlten uns unbesiegbar und wussten: wir waren füreinander geschaffen. Jeder Blick aufs Meer, jede Gasse, jeder Sonnenstrahl war ein Versprechen, dass wir zusammen alles erleben würden. Diese Ferien waren nicht nur Urlaub – sie waren unser erstes grosses Abenteuer, ein filmischer Traum, in dem wir die Hauptrolle spielten, und ein Moment, den wir für immer in unseren Herzen tragen würden.
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Was war 1977
Hier ist der Dreisatz%u2011Überblick für die Schweiz 1977:
- Politik: Kurt Furgler war Bundespräsident, Elisabeth Blunschy wurde erste Präsidentin des Nationalrats, und zahlreiche Volksabstimmungen zu Steuern, Umweltschutz und Mitbestimmungsrechten prägten das Jahr.
- Gesellschaft: Die Frauenbewegung setzte sich weiter für Gleichberechtigung und Arbeitsrechte ein, während Debatten über Energiepolitik und Umweltschutz an Bedeutung gewannen.
- Kultur & Wirtschaft: Schweizer Künstler gewannen international Beachtung, und die Wirtschaft stabilisierte sich nach der Rezession der Mitte der 1970er Jahre.
Politik & internationale Beziehungen
- Jimmy Carter wird am 20. Januar als 39. Präsident der USA vereidigt.
- Margaret Thatcher wird am 4. Mai Vorsitzende der britischen Konservativen Partei und beginnt ihren Aufstieg zur Premierministerin.
- Der Vietnamkrieg ist offiziell beendet, die Region bleibt jedoch politisch instabil.
- Ägypten und Israel verhandeln über Friedensgespräche, die später zum Camp-David-Abkommen 1978 führen.
Wirtschaft & Energie
- Ölkrisen-Nachwirkungen: Weltweite Energiepolitik und steigende Ölpreise beeinflussen Wirtschaft und Inflation.
- Inflation und Rezession belasten viele Industrieländer, während Japan wirtschaftlich stark wächst.
Gesellschaft & Kultur
- Star Wars feiert am 25. Mai Premiere und prägt die Popkultur weltweit.
- Punkbewegung und neue Musikrichtungen werden international sichtbar.
- Frauenrechte und Bürgerrechtsbewegungen setzen sich in mehreren Ländern weiter durch.
Natur & Wissenschaft
- NASA-Missionen: Weiterentwicklung des Space Shuttle Programms und Weltraumforschung.
- Seismische Ereignisse: Erdbeben in mehreren Regionen fordern Menschenleben (z.%u202FB. in Iran und Rumänien).
Kurz gesagt: 1977 war geprägt von politischen Machtwechseln (USA, UK), wirtschaftlichen Herausforderungen (Öl, Inflation), kulturellen Durchbrüchen (Star Wars, Punk), Fortschritten in Frauen- und Bürgerrechten sowie wichtigen Entwicklungen in der Raumfahrt.
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Maurerlehre 1977 – 1979 (August bis Ende Juli)
Teil 1: Die Suche nach meiner eigenen Lehre
Ich wollte meine Lehre als Maurer nicht im Baugeschäft meines Vaters in Giswil machen. Mein Bruder Willi war dort, auch Adrian – beides Brüder – und das fühlte sich für mich irgendwie nicht richtig an. Vor allem wollte ich nicht ständig unter der Aufsicht meines Vaters stehen. Ich wollte frei sein. Ich wusste, wenn ich bei ihm die Lehre machte, würde ich vor allem im Büro arbeiten und das Handwerk nur nebenbei erlernen. Das kam für mich nicht infrage.
In den Monaten vor meiner Lehrabschlussprüfung streckte ich die Fühler aus und fand schliesslich eine Lehrstelle bei Nossetti in Emmenbrücke. GlücklicherwGlacee konnte Marietheres, welche in Luzern das Kindergärtnerinenseminar besuchte, mich gut besuchen, sodass ich die Umstellung gut bewältigen konnte.
Die Lehre begann am 16. August 1977. Ich zog in ein kleines Studio im Dachgeschoss in der Sprengi (Emmenbrücke) bei Radio TV Häfliger. Es war sehr bescheiden: eine Dachkammer mit Dusche, WC und einer kleinen Küche, Kühlschrank, WC / Dusche – alles einfach, aber für mich ausreichend.
Zur Gewerbeschule fuhr ich jeweils nach Sursee, mein Töffli immer dabei, um auf die Baustellen zu kommen. Morgens fuhr der Bus um halb sieben in Emmenbrücke ab, dann ging es weiter zu den Baustellen. Feierabend war um 17.30 Uhr, mit einer Mittagspause von einer Stunde.
Ich arbeitete auf verschiedenen Baustellen, unter anderem in Eschenbach: zuerst in einer Gärtnerei, dann an einem Wasserreservoir und schließlich bei einer Käserei. Ein besonders prägender Moment war im November, als ich im ersten Obergeschoss die Decke ausschalen sollte. Ich hatte selbst einen Scheinwerfer installiert, doch der Polier zog nach einiger Zeit den Stecker heraus, sodass ich plötzlich im Dunkeln stand.
Vorsichtig tastete ich mich an der Wand entlang, in der Annahme, dass dort die Treppe sei. Neben der Treppe war jedoch der Lift – ich schenkte ihm zu wenig Aufmerksamkeit. Die Aussparung für die Lifttüre war nicht abgesperrt, der Schacht offen – und ich stürzte durch den Liftschacht in den Keller, insgesamt etwa siebeneinhalb Meter tief. Zum Glück war die Liftunterfahrt mit Wasser gefüllt, sodass ich vor allem durchnässt und verbeult, aber unverletzt blieb.
Wütend beschimpfte ich den Polier heftig und fuhr sofort ins Büro, um bei Nosetti zu intervenieren. Sein müdes Lächeln liess mich jedoch kalt. Für mich war die Sache damit erledigt: Ich löste den Lehrvertrag sofort auf. Den Lohn für die bereits geleistete Arbeit erhielt ich selbstverständlich.
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Was machte der Absturz mit mir? In diesem Moment war ich allein, verletzt und hilflos – und weil ich damals versäumt hatte, den Unternehmer anzuzeigen, blieb er ungestraft, obwohl er meine Sicherheit hätte gewährleistet werden müssen. Dieses Gefühl der Ohnmacht und Ungerechtigkeit hat mich lange begleitet. Heute würde ein solcher Unfall sofort von den Behörden verfolgt werden, und der Unternehmer könnte sich straf- und zivilrechtlich nicht entziehen. Die Verantwortung für die Sicherheit am Arbeitsplatz ist heute klar geregelt – damals hätte sie mich nicht geschützt.
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Teil 2: Die Lehre bei meinem Vater
Nach dem abrupten Ende meiner Lehrstelle in Emmenbrücke war die Suche nach einer neuen Lehrstelle überraschend unkompliziert. Mein Vater war erleichtert, dass ich bereit war, die Lehre bei ihm im Baugeschäft in Giswil fortzusetzen. Arbeit gab es genug, und er sah darin die Chance, mich richtig auszubilden – so wie es bei ihm im Betrieb üblich war.
Die Gewerbeschule besuchte ich nun in Sarnen. Wir waren etwa 16 Schüler aus Obwalden und Nidwalden, welche die verkürzte Lehre absolvierten. Von uns 16 Lehrlingen würden in den nächsten Jahren 3 Lehrlinge (André Beeler, Fredi Fanger und Marcus Wält) die Bauführerschule in Aarau absolvieren und die Schule mit dem begehrten Titel Dipl. Bauführer SBA abschliessen.
2026 sind es in der Zentralschweiz (UR, OW, NW, LU, Zug) knapp 20 Lernende, welche noch die Zusatzlehre absolvieren.
„Im Laufe meiner Karriere wurde mir immer wieder bewusst, wie wenige bereit waren, die Strapazen der Zusatzlehre als Maurer auf sich zu nehmen. Diese Menschen trugen schwere Lasten, lernten unter harter Arbeit und oft unter Entbehrungen – und dennoch blieben sie häufig unsichtbar für diejenigen, die selbst nie diesen Weg gegangen waren. Statt Anerkennung zu zeigen, spielten sich manche von aussen auf, nahmen sich wichtig und übersahen, was wirkliche Erfahrung und Hingabe bedeuteten. So wuchs nicht nur ein Mangel an erfahrenen Fachleuten heran, sondern auch die nächste Generation von Kadern entstand nur langsam und zaghaft – und ich sah, wie wertvoll und zugleich zerbrechlich dieses Fundament für unsere Bauprojekte war.“
Die Arbeit auf den Baustellen meines Vaters war abwechslungsreich. Doch leider verlief die Lehre genau so, wie ich befürchtet hatte: Zwar war ich ab und zu auf der Baustelle, aber die Hälfte der Zeit verbrachte ich im Büro. Dort erledigte ich Zeichnungsarbeiten, plante Projekte und kümmerte mich um organisatorische Aufgaben. Das Maurerhandwerk selbst lernte ich nicht effektiv – ich war in diesem Sinn kein „klassischer“ Maurer.
Dennoch gab es Momente, in denen sich Theorie und Praxis verbanden. Unter anderem plante und zeichnete ich Einfamilienhäuser, die ich später auf der Baustelle gemeinsam mit den Maurern umsetzte. So konnte ich zumindest teilweise erleben, wie aus den eigenen Plänen realer Bau wurde. Es war eine Mischung aus Büroarbeit und gelegentlicher praktischer Mitarbeit, die mir ein umfassendes Verständnis für den Bauprozess vermittelte – auch wenn das Handwerk an sich oft zu kurz kam.
Dennoch gab es Momente, in denen sich Theorie und Praxis verbanden. Unter anderem plante und zeichnete ich Einfamilienhäuser, die ich später auf der Baustelle gemeinsam mit den Maurern umsetzte. So konnte ich zumindest teilweise erleben, wie aus den eigenen Plänen realer Bau wurde. Es war eine Mischung aus Büroarbeit und gelegentlicher praktischer Mitarbeit, die mir ein umfassendes Verständnis für den Bauprozess vermittelte – auch wenn das Handwerk an sich oft zu kurz kam.
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Mein Bruder Willi war nur fünfzehn Monate älter als ich. Trotzdem war er während meiner Lehrzeit zeitweise mein direkter Vorgesetzter. Im Laufe des Jahres 1978 hatte er die Vorarbeiterschule in Sursee abgeschlossen, und auf der Baustelle übernahm er die Rolle des Vorarbeiters. Zusätzlich war er im Militär Feldweibel, und sein Auftreten war stark von dieser Rolle geprägt – diszipliniert, bestimmt und manchmal ziemlich schroff.
Für mich war diese Situation von Anfang an schwierig. Wir waren altersmässig praktisch gleich, und doch stand er plötzlich über mir und gab die Anweisungen. Zeitweise musste ich unter ihm arbeiten. Reibereien blieben dabei nicht aus.
Der Arbeitstag begann oft am Morgen vor dem Baustellencontainer. Die Mannschaft versammelte sich, und mein Bruder erklärte den Tagesablauf und verteilte die Arbeiten. Es hatte manchmal etwas von einem militärischen Antrittsverlesen. Für die anderen gehörte das zum Alltag auf der Baustelle, doch für mich fühlte es sich seltsam an, von meinem nur wenig älteren Bruder in diesem Ton herumkommandiert zu werden.
Zum Glück konnte ich zwischendurch auch wieder im Büro arbeiten. Dort zeichnete ich Pläne, was mir deutlich besser lag als der Baustellenalltag. Doch selbst das machte die Situation nicht unbedingt einfacher. Es kam vor, dass ich Pläne zeichnete, die mein Bruder später auf der Baustelle umsetzen musste. Ich spürte, dass ihm das nicht gefiel. Vielleicht passte es ihm nicht, Anweisungen auszuführen, die indirekt von seinem jüngeren Bruder kamen.
Manchmal zeigte sich auch eine andere Seite seines Führungsstils. Einmal am Abend, um halb sechs, sassen wir bereits im Bus und wollten zurück in den Werkhof fahren. Der Arbeitstag war vorbei, alle waren müde und wollten nur noch nach Hause. Genau in diesem Moment kam der Bauleiter noch schnell auf die Baustelle.
Eigentlich wäre es einfach gewesen zu sagen: „Wir haben jetzt Feierabend. Wenn etwas ist, besprechen wir das morgen.“ Doch mein Bruder stieg wieder aus dem Bus und begann mit ihm zu reden. Und wie. Eine halbe Stunde lang standen sie noch da und diskutierten irgendwelche Details, während wir im Bus warteten.
Ich sass dort und dachte nur, dass dies der Moment gewesen wäre, einmal klar Stellung zu beziehen. Gegenüber uns auf der Baustelle trat er streng und bestimmt auf. Doch gegenüber dem Bauleiter zeigte er sich plötzlich sehr entgegenkommend.
Solche Situationen machten die ganze Konstellation für mich nicht einfacher. Auch von meinem Vater bekam ich wenig Unterstützung. Für ihn war die Sache klar: Mein Bruder war der Vorarbeiter, also hatte ich mich unterzuordnen. Diese Haltung kannte ich schon aus meiner Kindheit.
Rückblickend bestätigte sich für mich damit genau das, was ich eigentlich schon früher gespürt hatte. Ich hatte von Anfang an ein ungutes Gefühl dabei gehabt, meine Lehre im Betrieb meines Vaters zu machen. Trotzdem war es so gekommen. Heute erscheint mir diese Zeit in gewisser Weise tragisch – weil Familie und Arbeit so eng miteinander verflochten waren, dass Konflikte kaum ausweichen konnten.
Mein Bruder Willi und ich hatten ein ganz eigenes Verhältnis, geprägt von Nähe, Konkurrenz und unausgesprochenen Erwartungen. Mein Vater hatte schon früh eine klare Vision: Willi und ich sollten eines Tages gemeinsam seine Bauunternehmung führen. Für ihn war das selbstverständlich, fast wie ein unverrückbares Gesetz. Für mich jedoch war es undenkbar. Ich wollte nie im Leben eine Bauunternehmung, und schon gar nicht mit meinen Geschwistern.
Die Baustelle machte mir schnell die Augen auf. Willi als Vorarbeiter, ich als Lehrling – in dieser alltäglichen Hierarchie spürte ich, wie sehr unsere Wege auseinanderliefen. Die Arbeit, die Verantwortung, die Dynamik zwischen uns – es war nicht mein Terrain, und ich wusste, dass sie es nie werden würde. Die Ausbildung, die mir dafür zur Verfügung stand, änderte daran nichts. Sie machte mich nur fähig, etwas zu tun, das ich innerlich ablehnte.
Immer wieder sagte ich meinem Vater unmissverständlich, was ich wollte – und was nicht. Doch er hörte nicht hin. In seinem Kopf war alles bereits entschieden: „Es wird schon werden“, dachte er. Er negierte meine Haltung, als sei sie nur eine vorübergehende Laune. Aber ich wusste: Diesen Weg gehe ich nicht. Nie.
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Für die Lehrabschlussprüfung war man in der Maurerlehrhalle und absolvierte drei Kurse, jeder vier Wochen lang. Dort lernte man das Handwerk, das für die Prüfung nötig war: Objektbau, Mauern, Verputzen, Überzüge, Kanalisation, Feinarbeiten – kurz, das gesamte Maurerhandwerk, wie es zwischen 1977 und 1979 aktuell war. In der Theorie war ich außerordentlich gut, handwerklich hatte ich noch etwas Luft nach oben.
Für meine Lehrabschlussprüfung als Maurer in Sursee habe ich mir im Magazin von Papi einen kleinen Trainingsplatz eingerichtet. Ich habe Übungsobjekte aufgebaut, gemauert, verputzt, Überzüge hergestellt – immer so, als wäre es die echte Prüfung. Dabei habe ich mir selbst Zeitlimits gesetzt, um zu spüren, wie es unter Druck läuft, und um zu lernen, meine Abläufe effizient zu gestalten. Stundenlang habe ich Steine gesetzt, Kellen geschwungen und meine Handgriffe verfeinert, bis sie sassen. Es war anstrengend, manchmal frustrierend, aber gerade das hat mir gezeigt, wie sehr Übung Sicherheit gibt. Jeder fertiggestellte Block, jeder glatte Putz, jede saubere Ecke war ein kleiner Sieg und hat mir das Vertrauen gegeben, dass ich das Prüfungsziel erreichen kann. Diese Zeit hat mir nicht nur handwerkliches Können gebracht, sondern auch Geduld, Disziplin und den Stolz, etwas wirklich Eigenes geschaffen zu haben.
Mein Vater war sich nicht ganz sicher, ob ich die Prüfung überhaupt bestehen würde, und meldete mich vorsichtshalber bereits für die Frühlingsprüfung an. Ich war völlig überrascht, als ich nach Sursee in die Maurerlehrhalle kam – von meinen Schulkollegen war niemand dort. Es waren vor allem Basler, und ich fand mich inmitten dieser Gruppe wieder.
Die Prüfung begann am Montag mit dem mündlichen Teil und dem schriftlichen Teil. Am Samstagmittag war alles erledigt, das Objekt wurde abgeräumt, und ein Experte teilte mir mit, dass ich bestanden hatte. Ich war überglücklich. Der Fähigkeitsausweis wurde mir per Post zugestellt, und ich erhielt die Note 5 – für mich eine sehr gute Leistung. Der Fähigkeitsausweis wurde am 27. März 1979 durch die zuständige kantonale Behörde ausgestellt.
Die Lehrabschlussprüfung als Maurer war wie das Schliessen einer schweren Tür hinter mir. Tage voller Staub, Zement an den Händen und Handschuhe, die meine Haut schützten, gehörten der Vergangenheit an. Abends wusch ich mir nicht länger Schmutz und Stein aus den Fingern – stattdessen fand ich Ruhe hinter einem Schreibtisch, wo Papier und Pläne meine neuen Werkzeuge waren. Die Arbeit war anders, doch erfüllte sie mich auf eine neue Weise, und ich spürte, wie sehr mein Kopf nun die Muskeln ersetzen durfte, die einst die Mauern stemmten.
Lustigerweise meldete sich dann einmal die Gewerbeschule telefonisch und wollte wissen, wo Marcus Wälti bleibe, er hätte ja noch Schule. Ich erklärte, dass ich die Lehrabschlussprüfung bereits absolviert und bestanden hätte. Danach sah ich meine Schulkollegen nicht mehr – für mich war die Maurerlehre erledigt.
Im Frühling 1979 hatte ich meine verkürzte Maurerlehre abgeschlossen. Damit war ein wichtiger Abschnitt geschafft, und mein Blick richtete sich bereits auf das nächste Ziel: Im Frühling 1980 wollte ich die Polierschule in Aarau beginnen. Die Voraussetzungen dafür waren überschaubar – ein Jahr praktische Arbeit in einer Bauunternehmung und im Herbst die Aufnahmeprüfung. Darüber machte ich mir jedoch wenig Sorgen, denn in der Theorie war ich stets gut, und praktische Arbeiten wurden nicht verlangt. Zuerst stand jedoch noch etwas anderes an: Im Sommer musste ich die die Rekrutenschule. Ich hatte sie damals verschoben, vielleicht in der Hoffnung, dass das Militär abgeschafft würde oder ich nicht mehr hingehen müsste. Auf jeden Fall begann nun ein neuer Abschnitt meines Lebens.
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Der 24. März 1978 war ein besonderer Tag, der mir bis heute lebhaft in Erinnerung geblieben ist. Es war Karfreitag, und zugleich der 20. Geburtstag von Marietheres. Damals bedeutete dieser Geburtstag noch mehr als heute, denn mit zwanzig Jahren wurde man zu jener Zeit volljährig. Für sie war es also ein wichtiger Schritt ins Erwachsenenleben.
Schon Tage zuvor hatte ich mir viele Gedanken gemacht, was ich ihr schenken könnte. Es sollte etwas Besonderes sein, etwas, das zu diesem bedeutenden Geburtstag passte. Schliesslich kam mir eine Idee: zwanzig langstielige rote Rosen, eine für jedes Lebensjahr.
Vorab bestellte ich bei der Gärtnerei Frey die roten Rosen. Es waren tiefrote, langstielige Rosen, wunderschön und frisch. Rote Rosen gelten seit jeher als Zeichen von Liebe, Zuneigung und tiefer Verbundenheit. Gerade deshalb schien mir dieses Geschenk passend – schlicht, aber mit einer klaren und herzlichen Botschaft.
Mit diesem prachtvollen Strauss machte ich mich im verlaufe des Karfreitagsmorgens auf den Weg zu den Eltern von Marietheres. Als ich dort ankam und ihr die zwanzig roten Rosen überreichte, war die Freude gross. Die Rosen passten wunderbar zu ihrem runden Geburtstag, und ich glaube, sie war wirklich überrascht.
Der Tag selbst zeigte sich von seiner schönsten Seite: strahlender Sonnenschein und eine warme, ruhige Frühlingsstimmung, wie man sie an einem Karfreitag nicht immer erwartet.
Wir verbrachten den Tag gemeinsam mit ihrer Familie. Ihre Eltern waren da, und auch ihre ältere Schwester Vreni. In dieser kleinen, vertrauten Runde feierten wir Marietheres. Es war keine grosse Feier, sondern ein gemütliches Beisammensein mit Gesprächen, Lachen und einer besonderen Herzlichkeit.
Wenn ich heute daran zurückdenke, sehe ich noch immer die zwanzig roten Rosen vor mir, spüre die warme Frühlingssonne und erinnere mich an die fröhliche Stimmung dieses Tages. Es war einer jener einfachen, aber kostbaren Momente im Leben, die sich tief ins Gedächtnis einprägen – ein Karfreitag im Jahr 1978, der für Marietheres und für mich zu einem unvergesslichen Geburtstag wurde.
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Loire, Atlantik und wir – Sommer 1978
Es war der Sommer 1978. Ich war einundzwanzig, Marietheres zwanzig, und wir waren jung genug, um zu glauben, dass zwei Wochen Abenteuer in Frankreich die Welt für immer verändern könnten. Wir hatten nicht viel Geld, aber wir hatten Sehnsucht, Mut und die Freiheit, die uns diese Reise versprach. Unser Fahrzeug war kein eigenes, sondern das Familienauto von Mami, Willi Veronika und mir, ein Peugeot 104, den ich nutzen durfte. Das Auto war noch nicht alt, doch es hatte seine Eigenheiten – kleine Macken, die uns manchmal fast zur Verzweiflung trieben, uns aber auch zum Lachen brachten.
Unsere Reise begann in Giswil. Bereits am Vortag hatten wir die Reifen- und Ölstände des Peugeot überprüft und den Tank bis zum Rand gefüllt, sodass wir am Morgen nur noch einsteigen und losfahren mussten. Das Auto war bereit, wir waren bereit, und die Vorfreude summte zwischen uns wie eine feine Melodie. Über Luzern erreichten wir die Autobahn Richtung Basel. Anders als erhofft war die Strecke alles andere als leer: Lastwagen, PKWs und Busse reihten sich wie eine endlose Kette auf dem Asphalt, hupend, beschleunigend, bremsend, und wir mussten aufmerksam zwischen ihnen navigieren. In Basel selbst mischten sich Touristen, Pendler und Lieferwagen zu einem geschäftigen Strom, der uns klar machte, dass wir nicht nur auf einer Reise durch Landschaften, sondern mitten hinein in die pulsierende Realität unterwegs waren.
Hinter der Grenze nach Frankreich setzte sich der Verkehr fort. Autos drängten sich auf den Strassen, Lichter flackerten in der Dämmerung, Lkws donnerten über die Fahrbahnen, und wir mussten geduldig bleiben, manchmal anhalten, wieder anfahren. Es war anstrengend, aber zugleich aufregend: Die Fahrt selbst fühlte sich wie ein Vorbote der Abenteuer an, die noch vor uns lagen.
Am ersten Tag erreichten wir Orléans. Nur eine Nacht verbrachten wir in der Stadt, in einem kleinen, schlichten Hotelzimmer, das nach Holz, Seife und Reinigungsmitteln roch. Am Abend schlenderten wir durch die Strassen, die vom Schein der Laternen in warmes Licht getaucht wurden. Kopfsteinpflaster knackte unter unseren Schritten, und aus den Boulangerien stieg der Duft frisch gebackenen Brotes. Wir sprachen kaum, spürten nur die Aufregung und die Freude über das, was vor uns lag.
Am nächsten Morgen starteten wir den Peugeot, der widerwillig, aber immerhin, ansprang. Die Fahrt ins Loiretal begann wie ein sanftes Gleiten in eine andere Welt. Die Strasse schlängelte sich durch sanfte Hügel, ein Mosaik aus Gold, Grün und schimmernden Ackerflächen. Zwischen den Feldern erhoben sich vereinzelt dunkle Eichen und schlanke Pappeln, deren Schatten sich über den Asphalt legten und sich mit der tief stehenden Sonne zu bewegen schienen. Die Luft war erfüllt von der Mischung aus frisch gemähtem Gras, feuchter Erde und dem süßen Duft wilder Blumen, der wie ein unsichtbares Band durch die offenen Fenster in den Peugeot strömte. Ich atmete tief ein, fühlte, wie diese Gerüche meine Lungen füllten, und spürte, wie ein merkwürdiges Glück durch meine Brust wanderte.
Die ersten Schlösser tauchten wie Illusionen am Horizont auf. Château de Chambord ragte majestätisch in den Himmel, seine unzähligen Türme und Erker warfen Schatten auf die spiegelnden Wassergräben. Ich hielt kurz inne, fuhr nicht schneller, als ich musste, und betrachtete das Bauwerk, das wie ein Relikt aus einem Traum wirkte. Ein kalter Windzug ließ die Wasseroberfläche kräuseln, das Plätschern der Gräben vermischte sich mit dem gelegentlichen Ruf eines Reiherpaares. Ich dachte an die unzähligen Generationen, die diese Hallen betreten hatten, an die Geheimnisse, die in den Mauern schlummerten, und daran, wie winzig wir in dieser Geschichte waren.
Wir parkten den Peugeot am Rand eines kleinen Weges, von dem aus wir den Garten des Schlosses überblicken konnten. Château de Chenonceau empfing uns mit einer Symphonie von Düften: Rosen, Lavendel, Minze, vermischt mit dem Aroma von feuchtem Stein und Erde. Die Gärten waren ein Labyrinth aus akkurat geschnittenen Hecken, kleinen Springbrunnen und verschlungenen Pfaden. Jeder Schritt hallte auf den Kieswegen, und das Zwitschern der Vögel mischte sich mit dem rhythmischen Tropfen des Wassers. Marietheres lächelte, ihre Augen glänzten im Sonnenlicht, und ich spürte ein Ziehen in meiner Brust – eine Mischung aus Liebe, Ehrfurcht und der Ahnung, dass wir diesen Moment niemals vergessen würden.
Wir ließen uns treiben, setzten uns auf eine alte Steinbank, die von Moos überwuchert war, und schwiegen. Es war ein Schweigen voller Gedanken: über die Schönheit, die Vergänglichkeit, die kleinen Zufälle, die uns hierher geführt hatten. Ich betrachtete die Wasserflächen, die das Schloss wie ein Spiegel umgaben, sah Enten still ihre Bahnen ziehen, und dachte daran, wie sehr wir uns selbst in der Weite dieser Landschaft verloren, während wir doch näher zusammenrückten als je zuvor.
Ein Windstoss ließ die Blätter der Bäume rascheln, und ein ferner Glockenton erklang von der Schlosskapelle. Plötzlich schien alles gleichzeitig lebendig und zeitlos – die Sonne, die das Wasser glitzernd färbte, das Summen der Insekten, das entfernte Klappern eines Pferdehufes auf dem Kies. Ich dachte an die Jahre, die wir noch vor uns hatten, und gleichzeitig an die Vergänglichkeit dieses Augenblicks. Ein leichtes Frösteln lief mir über den Rücken, nicht wegen der Kälte, sondern wegen der Ehrfurcht vor dieser stillen Schönheit.
Am späten Nachmittag stiegen wir wieder in den Peugeot. Die Schlösser verschwanden langsam hinter uns, doch ihr Geist blieb. Die Felder, die sanften Hügel, das leise Rauschen des Flusses begleiteten uns weiter. Ich war still, ließ Marietheres vor sich hinträumen, beobachtete die Sonne, die tiefer sank, und dachte an die unzähligen Stunden, die uns noch bevorstanden – voller Entdeckungen, voller kleiner Freuden, voller Augenblicke, die das Herz stillstehen ließen.
Nach einigen Tagen führte uns die Strasse weiter westwärts, Richtung Atlantik. Saint-Nazaire empfing uns mit salziger Luft und dem Rauschen des Meeres. Die Brandung schlug gegen die Küste, Möwen kreischten, und der Wind trug das salzige Aroma mit sich, das wir sofort einatmeten. Wir spazierten am Strand, ließen die Zehen in den Sand sinken, hörten die Wellen, die sich rhythmisch gegen die Küste rollten, und fühlten uns klein und zugleich unendlich frei.
In Saint-Nazaire beeindruckte uns der Pont de Saint-Nazaire. Dieses 1975 fertiggestellte Bauwerk überspannt die Mündung der Loire. Sie ist eine der größten Schrägseilbrücken Europas: Sie erhebt sich 61 Meter über den Fluss und erstreckt sich über 3.356 Meter zwischen Saint-Nazaire und Saint-Brévin. Sie ersetzt die alten Fähren, die es ermöglichten, die Loire zu überqueren, und von denen man an beiden Ufern noch die Überreste des Piers sehen kann. Wir konnten nicht anhalten, die Brücke war strikt befahrbar. Aber ich musste unbedingt darüberfahren. Wir fuhren hinüber, auf die gewaltige Hängebrücke, die Mündung der Loire unter uns, und spürten das Zittern der Brücke unter den Reifen. Auf der anderen Seite hielten wir kurz, drehten um und fuhren wieder zurück. Es kostete uns damals einige französische Franc, kleine Opfer für ein unvergessliches Erlebnis, aber das war mir egal – diese Brücke wollte ich einfach erlebt haben.
Unser Familien-Peugeot war ein geduldiger Begleiter, doch morgens wollte er manchmal nicht anspringen. Deshalb parkten wir ihn stets bergab, ein kleiner Trick, der uns beruhigte und über den wir oft lachen mussten. Diese kleinen Sorgen – das widerwillige Auto, die schlichte Unterkunft, das knappe Geld – gehörten genauso zur Reise wie die Schlösser und das Meer. Sie machten sie lebendig, machten uns erfinderisch und ließen uns jeden Moment bewusster genießen.
Die Hotels, in denen wir übernachteten, waren meist einfach, oft kaum mehr als ein Dach über dem Kopf. Aber gerade das machte es aus: Wir waren auf uns selbst gestellt, lernten, miteinander zu leben, Kompromisse zu schließen und uns an kleinen Freuden zu erfreuen. Ein warmes Bett, eine heisse Dusche, das leise Murmeln der Strassen draussen – und wir fühlten uns reich, ohne einen Franc zu verschwenden.
Nach einigen Tagen am Meer begann der Rückweg. Über Besançon fuhren wir Richtung Schweiz, unsere Köpfe voller Erinnerungen, unsere Herzen schwer von Abschiedsschmerz, aber auch erfüllt von Dankbarkeit. In Lausanne machten wir unsere letzte Station. Wir wollten die Reise gebührend beenden und gingen in ein Restaurant, bestellten ein Chateaubriand, dazu einen feinen Wein. Wir assen langsam, genossen jeden Bissen, sprachen wenig, weil Worte kaum ausdrücken konnten, was wir fühlten. Dieser Abend war unser kleines Triumphfest, ein stilles Ende zweier Wochen voller Erlebnisse, bevor wir am nächsten Morgen endgültig die Heimfahrt antreten würden.
Vierzehn Tage waren vergangen. Vierzehn Tage voller Schlösser, Meeresbrisen, einfacher Hotels, Lachen, kleinen Pannen und großen Gefühlen. Vierzehn Tage, die uns näher zusammenbrachten, die unsere Liebe stärkten und die sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben, als wären sie ein kostbarer Schatz. Manchmal denke ich zurück an diese Zeit, an den Peugeot das «Familienauto», der uns geduldig trug, an Marietheres, die neben mir sass, an den Duft von Rosen und Lavendel in den Schlossgärten, an das Rauschen der Loire unter der Brücke und das salzige Aroma des Atlantiks. Dann weiss ich: Es war eine Reise, die uns nicht nur nach Frankreich führte, sondern tief hinein in unser eigenes junges Leben.
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Sommerreise 1979:
Unsere dritten gemeinsamen Ferien – Hand in Hand durch Berge, Seen und Herzklopfen
Es war Mitte Juni 1979. Wir – 22 und 21 Jahre alt – machten uns auf unsere dritten gemeinsamen Ferien. Marietheres, meine allerliebste Freundin, ging an meiner Seite. Schon beim Start in Giswil spürte ich dieses Kribbeln im Bauch, das nur passiert, wenn man mit jemandem unterwegs ist, den man still und tief liebt. Wir genossen jede kleine Freude – ein feines Glace, ein gutes Abendessen, ein Spaziergang durch die Stadt – und gönnten uns bewusst schöne Momente, die diese Ferien besonders machten.
Innsbruck – Erste Schritte in die Ferne
Über den Arlberg erreichten wir Innsbruck. Wir hatten ein kleines Zimmer direkt in der Altstadt, mitten zwischen den alten Häusern und verwinkelten Gassen. Von unserem Fenster aus sahen wir die bunten Dächer und die Berge dahinter, ein Bild, das ich nie vergessen werde. Wir schlenderten Hand in Hand durch die Strassen, bewunderten das Goldene Dachl, lachten über die strengen Touristenführer und genossen unser erstes Tiroler Abendessen: einfach, aber köstlich. Sie reichte mir ein Stück Kaiserschmarrn – und ich spürte, wie mein Herz schneller schlug.
Kufstein – Tiroler Musik und köstliches Abendessen
In Kufstein erkundeten wir die Altstadt und genossen die besondere Atmosphäre. Am Abend fanden wir ein kleines Gasthaus, typisch für die Tiroler Altstadt, wo leise Tiroler Musik durch die Stube schwebte. Wir setzten uns an einen Holztisch und bestellten ein feines Abendessen. Jeder Bissen schmeckte köstlich, und während wir zusammen assen, spürte ich dieses warme Gefühl von Nähe und Geborgenheit – als wäre die ganze Stadt nur für uns da.
Salzburg – Musik, Wasser und das Weiße Rößl
Unsere Reise nach Salzburg blieb mir für immer im Herzen. In Salzburg blieben wir einige Nächte.
Wir gingen langsam durch die engen Gassen der Altstadt, während die Salzach ruhig neben uns floss. Über der Stadt thronte die Festung Hohensalzburg, als würde sie über diesen besonderen Moment wachen. In der warmen Abendluft spürte ich, wie kostbar dieser Augenblick war. Neben mir ging der Mensch, den ich liebe, und plötzlich schien die ganze Welt still zu stehen.
Einen ganzen Tag verbrachten wir in St. Wolfgang. Dort gingen wir ins berühmte Weiße Rössl, das historische Gasthaus direkt am Seeufer mit seinen weißen Wänden, bunten Fensterläden und alten Holzstühlen. Wir setzten uns an einen kleinen Tisch am Fenster, sahen hinaus auf den Wolfgangsee, während das Licht auf dem Wasser glitzerte. Jeder von uns bestellte sein eigenes Wiener Schnitzel, gross und knusprig. Wir mussten die Bissen nicht teilen, und doch fühlte es sich besonders an, nebeneinander zu sitzen, jeder in sein Schnitzel vertieft, zwischendurch kleine Blicke auszutauschen und über die riesigen Portionen zu lachen. Ich konnte nicht anders, als sie zu beobachten, wie sie genüsslich ass und dabei das verschmitzte Lächeln nicht verbergen konnte – ein Moment, der perfekt war, einfach, echt und unvergesslich.
Hallein – Salzbergwerk und Brauerei-Mittagessen
Am nächsten Tag besuchten wir das Salzbergwerk in Hallein. Unter der Erde, dunkel und geheimnisvoll, hielten wir uns eng aneinander. Ihr Herz pochte gegen meine Brust, ihre Finger suchten die meinen, und wir lachten leise über das Echo unserer Stimmen – ein kleines, magisches Universum nur für uns zwei.
Auf dem Rückweg nach Salzburg machten wir Halt in einer kleinen Brauerei, die wir zufällig entdeckten. Dort genossen wir ein sehr feines Mittagessen: einfache, herzhafte Gerichte, frisch und bodenständig, mit einem Hauch von Tiroler Gemütlichkeit. Wir setzten uns an einen sonnigen Tisch, tauschten Blicke aus, lachten über unsere kleinen Streiche und fühlten uns, als hätten wir die Welt für einen Moment ganz für uns allein.
Linz – Altstadtbummel und leises Glück
In Linz besichtigten wir die Altstadt. Wir schlenderten durch die Strassen, bewunderten die alten Häuser und Plätze, hielten ab und zu inne, um den Moment zu genießen. Wir lachten viel, sprachen über kleine Dinge, und ich fühlte dieses warme, ruhige Glück, einfach zusammen zu sein – ohne dass wir irgendetwas Besonderes tun mussten.
Bozen
Unser erster Abend in Bozen begrüsste uns mit heftigem Regen. Wir suchten ein Hotel, fanden ein schönes Plätzchen, genossen ein feines Abendessen – und doch glitt die Stadt an uns vorbei. Wir spürten nur kurz ihr Flair, bevor wir weiter nach Meran fuhren.
Erst Jahre später nahmen wir uns Zeit, Bozen wirklich zu erkunden. Was beim ersten Besuch im Vorbeifahren unscheinbar wirkte, entfaltete sich nun in voller Pracht: die charmanten Gassen, das bunte Treiben der Lauben, die Mischung aus italienischem Lebensstil und Südtiroler Gemütlichkeit. Dieser zweite Eindruck zeigte uns, dass eine Stadt manchmal mehr Zeit und Ruhe braucht, um sie wirklich zu erleben.
Meran – Lauben, Wein und Genuss
In Meran genossen wir die Atmosphäre der Lauben. Wir schlenderten durch die schattigen Arkaden, sahen in kleine Läden, hörten das leise Stimmengewirr und setzten uns zwischendurch in eine Weinstube, um den feinen Südtiroler Wein zu probieren. Hand in Hand, lachend über kleine Geschichten und Streiche, fühlte es sich an, als sei die ganze Stadt nur für uns gemacht.
Heimreise über den Ofenpass – bittersüsser Abschied
Die Heimreise über den Ofenpass war besonders emotional. 12 Tage Wochen voller Lachen, kleine Neckereien, Küsse, Spaziergänge und bewusster Genuss waren vorbei. Mein Herz zog sich zusammen, weil die Rekrutenschule unmittelbar bevorstand – und ich wusste, dass die Realität mich bald einholen würde. Ich hielt Marietheres’s Hand, drückte sie sanft, wir lachten, aber innerlich war es bittersüss. Die Berge zogen majestätisch vorbei, die Erinnerungen funkelten hell in mir, und ich wusste: diese Ferien, dieses Lachen, die Tiroler Musik in Kufstein, der Tag im Weissen Rößl, das feine Mittagessen in der Brauerei und der Wein in Meran – das würde für immer bleiben.
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Ereignisse 1978
1978 war ein bedeutendes Jahr in der Schweiz. Politisch stand die Gründung des Kantons Jura im Mittelpunkt: Mit einer Volksabstimmung im September wurde der neue Kanton beschlossen, ein historischer Schritt für regionale Identität. Das Jahr war aber auch von der Natur geprägt: Sintflutartige Regenfälle im August führten zu schweren Überschwemmungen, die viele Menschen direkt betrafen. Kultur und Sport gaben dem Alltag Farbe: Das Locarno Film Festival, die Tour de Suisse und Tennis%u2011Turniere zeigten die lebendige Seite der Schweiz.
1978 war ein bewegtes Jahr auf der ganzen Welt. Johannes Paul%u202FII. wurde Papst, ein historischer Moment, der vielen Menschen Hoffnung gab. Politisch und gesellschaftlich gab es Umbrüche: In Nahost wurden Friedensgespräche vorbereitet, während in Nicaragua die Revolution näher rückte. Die Welt erlebte Tragödien wie Jonestown (Massentod von über 900 Menschen, wovon 300 Kinder), aber auch Fortschritte in Wissenschaft, Raumfahrt und Umweltbewusstsein. Kultur und Sport prägten den Alltag: Filme wie „Grease“, Disco-Musik und die FIFA-Weltmeisterschaft in Argentinien machten die Welt lebendig.
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Ereignisse 1979
1979 war ein prägendes Jahr für die Schweiz. Der Kanton Jura wurde offiziell gegründet und feierte seinen ersten Geburtstag als eigenständiger Kanton – ein historischer Moment für die Region. Politisch prägten zahlreiche Volksabstimmungen das Jahr, etwa zu Sozial- und Wirtschaftsfragen, und zeigten die Bedeutung direkter Demokratie. Naturereignisse blieben im Fokus: Überschwemmungen und Stürme erinnerten an die Kräfte der Natur. Kultur und Sport gaben dem Alltag Farbe: Das Locarno Film Festival, Sportevents wie die Tour de Suisse und Tennis-Turniere spiegelten das lebendige gesellschaftliche Leben wider.
1979 war ein bewegtes Jahr auf der Welt. Im Iran stürzte der Schah, und Ayatollah Khomeini übernahm die Macht – ein Wendepunkt im Nahen Osten. Die Sowjetunion griff Afghanistan an, während in Großbritannien Margaret Thatcher Premierministerin wurde. In den USA erschütterte der Three-Mile-Island-Unfall die öffentliche Debatte über Kernenergie. Gleichzeitig prägten Kultur, Musik und Sport den Alltag: „Apocalypse Now“, Disco und Punk, sowie weltweite Sportereignisse gaben Farbe. Technologische Fortschritte in Computern und Raumfahrt zeigten, dass die Welt sich schnell veränderte.
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Rekrutenschule Sommer 1979
Juckreiz
“Schon als Kind bemerkte ich, dass meine Haut sehr empfindlich war: Manche Stoffe lösten sofort Juckreiz und Irritationen aus. Beim Militär machte mir das besonders zu schaffen. Die Uniformhosen waren ohnehin lästig, und dennoch trug ich selbst im Sommer immer lange Unterhosen darunter. Sie waren meine kleine Rettung – eine unsichtbare Schutzschicht gegen den kratzigen Stoff, die mir wenigstens ein bisschen Komfort verschaffte, während ich die oft unbequeme Kleidung ertrug.”
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Ende Juni 1979 war es soweit. Ich fuhr mit dem Peugeot 104 nach Wangen an der Aare und rückte in die Rekrutenschule bei den technischen Rettungstruppen ein. Schon die Ankunft war ein Schock: enge Zimmer mit 30 Leuten im Zimmer, Betten einfach, kaum Platz für persönliche Dinge. Privatleben gab es nicht mehr, alles war streng geregelt. Die Uniform war steif und unbequem – die Hosen „bissen“, und jedes Detail musste stimmen.
Der Morgen begann auf ungewöhnliche Weise: noch vor dem Wecker kam die sogenannte Weckrunzel. Der Feldweibel war zuständig, dass jeder rechtzeitig aufstand, und sobald er auf dem Gang auftauchte, begann das Geschrei. Türen knallten, Betten wurden aufgerissen, Stimmen schrien durcheinander – ein Chaos, das einen schlagartig in den Rhythmus der RS katapultierte.
Wir waren eine Kompanie von ungefähr 120 Mann, aufgeteilt in vier Züge zu je 30 Mann. Ich war in einem einzelnen Zug eingeteilt, der wiederum in etwa fünf Gruppen aufgeteilt war. Jede Gruppe hatte einen Gruppenführer im Rang eines Korporals, der die Verbindung zwischen den Ausbildnern und den Rekruten herstellte. So war der Alltag streng hierarchisch, und jeder wusste sofort, wer Anweisungen gab und wer sie auszuführen hatte.
Die erste Woche diente der Angewöhnung an das Militär. Wir mussten grundlegende Abläufe lernen: Übergabe der Waffe, Kleiderfassen, Appelle, Exerzieren und alles, was zur militärischen Routine gehört. Ausgang gab es in dieser Zeit nicht, alles war streng durchgetaktet. Erst später, im Übungsdorf, begann die eigentliche Arbeit der technischen Rettungstruppen – Tragen, Bergen und Retten in praxisnahen Szenarien.
Am Wochenende gab es dann eine kleine Ausnahme: Wir konnten bereits am Samstag um 12 Uhr abtreten, damit auch die Tessiner Rekruten noch rechtzeitig mit dem Zug nach Hause kamen – der Weg von Wangen an der Aare ins Tessin war doch sehr weit.
Der militärische Alltag verlangte bereits alles ab: frühes Aufstehen, körperliche Anstrengung, Disziplin und ein ständiges Funktionieren im Takt des Dienstbetriebs. Die Wochenenden waren eigentlich die wenigen Momente, in denen man kurz Luft holen konnte.
Für mich jedoch bedeuteten sie etwas anderes.
- Berchtold hatte endlich die Baubewilligung für den Neubau/Anbau Alpenrösli erhalten. Das heisst in den nächsten Wochen sollte mit den Baumeisterarbeiten begonnen werden. Vorab musste noch der Bauingenieur seine Pläne zeichnen. Meine Aufgabe war es in meiner kärglichen Freizeit die Ausführungspläne zu zeichnen. So kam es, dass ich während der ersten Wochen der Rekrutenschule jedes Wochenende am Zeichenbrett sass und die Detailpläne für dieses Bauprojekt ausarbeitete.
Während andere Rekruten ihre freie Zeit zur Erholung nutzten, zeichnete ich Schnitte, Details und Massangaben, konzentriert und präzise, denn diese Pläne waren keine Übung. Nach ihnen wurde gebaut.
Die Doppelbelastung war enorm. Unter der Woche die strenge Realität der Rekrutenschule, am Wochenende die konzentrierte Arbeit des Zeichnens. Erholung gab es kaum. Doch innerhalb der Familie fühlte ich mich verpflichtet. Nein zu sagen kam für mich damals nicht in Frage.
Rückblickend war diese Zeit eine harte Schule. Sie zeigte mir früh, wie stark Pflichtgefühl und Verantwortung sein können – manchmal stärker als die eigenen Grenzen. Der Sommer 1979 hat sich mir deshalb tief eingeprägt: als eine Zeit, in der ich lernte, Belastung zu tragen, lange bevor ich gelernt hatte, sie zu begrenzen.
Man musste sich wirklich erst an das Militärwerk gewöhnen, an die strengen Abläufe und die ständige Disziplin.
Trotz des Drucks entstand schnell Kameradschaft. Das gemeinsame Durchstehen von Strapazen, die ständige Beobachtung durch Vorgesetzte und die vielen kleinen, absurden Momente schweissten uns zusammen. Lachen half, die Anspannung zu lindern. So gewöhnte man sich langsam an den Rhythmus – trotz des mulmigen Gefühls, das am ersten Tag noch überwog.
Die RS war ein Sprung in eine völlig andere Welt: hart, diszipliniert, fordernd, aber auch lehrreich. Man lernte nicht nur körperliche Belastbarkeit, sondern auch Teamgeist, Gehorsam und Durchhaltevermögen. Die erste Woche war geprägt von Angst, Staunen und Respekt – eine Erfahrung, die man nicht vergisst.
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Während meiner Zeit bei der technischen Rettungstruppe lernte ich schnell, dass unsere Arbeit weit über das blosse Bedienen von Maschinen hinausging. Motorsägen, Trennschleifer, Schweissgeräte, Kompressoren – all das beherrschte ich, doch der wahre Prüfstein war die Fähigkeit, unter extremen Bedingungen zu handeln.
Ein besonders prägender Teil unserer Ausbildung war der Sanitätsdienst. Wir lernten, Verbände anzulegen, Verletzte zu versorgen und in brenzligen Situationen schnelle Entscheidungen zu treffen. Dieses Wissen war lebenswichtig, nicht nur für unsere Einsätze, sondern auch im Alltag. Es gab mir ein Verantwortungsbewusstsein, das ich bis heute spüre.
In Wangen an der Aare hatten wir ein eigenes Übungsdorf – ein Ort, an dem die Realität so nah war, dass man manchmal den Boden unter den Füssen fast vergaß. Dort übten wir Szenarien, die jedem Einsatz so nahe kamen, dass die Anspannung greifbar war. Besonders die Brandpiste hinterliess einen bleibenden Eindruck: Die Hitze, der Rauch, das prasselnde Feuer, die drängenden Sekunden, in denen Menschen gerettet werden mussten – alles war extrem real. Wir löschten Flammen, retteten „Verletzte“ und mussten gleichzeitig als Team schnell und koordiniert handeln.
Eines Tages besuchte uns eine Delegation aus China. Militärische Führungsleute aus verschiedenen Bereichen standen hautnah neben uns und verfolgten, wie wir die Szenarien meisterten. Es war ein aufregender Moment, unsere Ausbildung auf diesem Niveau zu präsentieren – und zu spüren, dass unser Können anerkannt wurde.
Ein weiterer interessanter Aspekt unserer Ausbildung zeigte sich beim Führerausweis: Ich hatte meinen bereits, doch meine Kollegen, die den Führerausweis noch nicht besassen, konnten sich dank der militärischen Sanitätsausbildung den obligatorischen Nothelferkurs sparen. Für uns in der Rettungstruppe galt diese Ausbildung als vollwertiger Ersatz – ein praktischer Beweis dafür, wie umfassend und wertvoll das Training war.
Rückblickend war diese Zeit bei der technischen Rettungstruppe mehr als nur Ausbildung. Sie hat mich geprägt – in technischer Hinsicht, in meiner Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, und in meiner Haltung gegenüber Extremsituationen. Die Szenen auf der Brandpiste, die Hitze, der Rauch, das Adrenalin, die Delegation aus China – all das hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt und mir gezeigt, was es bedeutet, in kritischen Momenten einen klaren Kopf zu bewahren.
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Die Infanterieausbildung gehört zu den intensivsten Erfahrungen überhaupt. Besonders das Biwakieren im Wald brannte sich tief in mein Gedächtnis ein. Wir übernachteten unter einer einfachen Zeltplane, die wir selbst aufspannten und zusammenknüpften. Oft war die Plane nicht vollständig geschlossen, und der kalte Nachtwind kroch unbarmherzig unter die Plane. Der Waldboden war hart und feucht, die Kälte zog durch die Kleidung, doch wir lagen gruppenweise zusammen, jeder mit dem Gewehr griffbereit.
Das Kochen im Feld war ein Ritual für sich. Mit einfachen Mitteln bereitete man Mahlzeiten zu – Hörnchen mit Gehacktem, „Hörnchen-Pilaf“ genannt – in der Kamelle, einem improvisierten Kochgerät. Der Duft von brennendem Holz mischte sich mit dem scharfen Geruch des angebratenen Fleisches, während der Rauch vom getarnten Feuer fast lautlos durch die Bäume stieg. Jemand kümmerte sich ums Feuer, die anderen schoben Wache, die Ohren stets gespitzt, bereit auf das leiseste Geräusch im Wald zu reagieren.
Tarnung war überlebenswichtig. Das Feuer brannte in einer kleinen Mulde, Rauch und Flamme gut verborgen. Und wir selbst? Wir mussten praktisch unsichtbar sein. Jeder Schritt wurde gedämpft, jeder Ast vermieden, und wir bewegten uns lautlos durch die Dunkelheit, als wäre der Wald selbst unser Gegner. Das Knistern des Feuers, das Rascheln der Blätter, der kalte Atem des Windes – alles verband sich zu einer greifbaren Spannung, die man nur fühlen konnte, wenn man selbst dort war.
Dieses Zusammenspiel aus Teamarbeit, Disziplin, Tarnung und dem ständigen Bewusstsein für die Umgebung prägte die Ausbildung nachhaltig. Es waren Nächte voller Kälte, Duft und Geräuschen, die noch Jahrzehnte später lebendig in meinem Gedächtnis sind.
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Als Rettungssoldat gehörte neben der klassischen Bergungs- und Rettungsausbildung auch eine technische Sprengausbildung zu unserem Programm. Diese Ausbildung wurde von Adjutant Schuler geleitet, der uns mit großer Präzision und strenger Sicherheitsdisziplin in dieses anspruchsvolle Fachgebiet einführte.
Der Zweck dieser Ausbildung war nicht militärische Zerstörung, sondern Hilfeleistung in Katastrophensituationen. Wir sollten lernen, eingestürzte Gebäude zu öffnen, Betonplatten aufzubrechen oder blockierende Bauteile zu entfernen, um Verschüttete möglichst schnell erreichen zu können. Dabei galt immer der Grundsatz, mit möglichst kleinen Ladungen eine gezielte Wirkung zu erzielen.
Zu Beginn erhielten wir eine gründliche theoretische Einführung. Wir lernten die Eigenschaften verschiedener Sprengstoffe kennen, die Wirkungsweise von Detonationen sowie die strengen Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Sprengmitteln. Ein großer Teil der Ausbildung bestand darin, die Verantwortung und die möglichen Gefahren richtig einzuschätzen.
In der praktischen Ausbildung arbeiteten wir mit verschiedenen Zündsystemen. Wir verwendeten klassische Zündschnüre, die eine zeitverzögerte Zündung ermöglichten, damit sich die Mannschaft rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Ebenso lernten wir den Umgang mit elektrischen Zündungen. Dabei wurden elektrische Sprengkapseln über Kabel mit einer Zündmaschine verbunden, die durch einen Handgenerator den notwendigen Stromimpuls erzeugte. Diese Methode erlaubte eine präzise und kontrollierte Auslösung der Ladungen.
Ein zentrales Element waren die Sprengkapseln, die als Initialzünder dienten. Sie enthielten einen besonders empfindlichen Sprengstoff, der die eigentliche Hauptladung zur Detonation brachte. Entsprechend sorgfältig mussten diese Komponenten behandelt und vorbereitet werden.
Wir arbeiteten außerdem mit unterschiedlichen Sprengstoffen, meist in Form von Blöcken oder plastischen Ladungen. Diese konnten an Beton, Holz oder Stahl angebracht werden. Je nach Aufgabe wurden kleine, gezielt platzierte Ladungen vorbereitet, um beispielsweise einen Betonblock zu brechen, einen Holzbalken zu trennen oder eine blockierende Konstruktion zu lösen.
Die Übungen fanden unter strenger Aufsicht statt. Jede Ladung wurde sorgfältig vorbereitet, anschliessend kontrolliert und erst nach der Freigabe des verantwortlichen Ausbilders gezündet. Vor jeder Sprengung erfolgte ein klarer Ablauf: Rückzug auf sichere Distanz, Warnruf, Zündung und danach die Kontrolle des Ergebnisses.
Diese Ausbildung beeindruckte mich sehr. Sie zeigte mir, wie viel Präzision, Verantwortung und Disziplin erforderlich sind, um solche technischen Mittel im Dienst der Rettung einzusetzen. Rückblickend war diese Zeit in der Rekrutenschule eine intensive und prägende Erfahrung, die mir den respektvollen Umgang mit Technik, Risiko und Verantwortung deutlich vor Augen führte.
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Eines Montagmorgens, kurz nach dem Antreten, wurde ich vom Kompaniekommandanten in sein Büro gerufen. Dort wartete bereits Adjutant Schuler, der für Sprengungen zuständig war.
In Solothurn stand eine alte Ofenfabrik, ein grosser Industriekomplex, der abgebrochen werden sollte. Die Aufgabe unserer Rekrutenschule bestand darin, das Gebäude durch eine kontrollierte Sprengung zum Einsturz zu bringen und das Gelände einzuebnen. Da ich als Hochbauzeichner und Maurer ausgebildet war und somit viel Verständnis für Baukonstruktionen hatte, fragte mich Adjutant Schuler, ob ich ihn bei der Vorbereitung unterstützen würde.
Gemeinsam fuhren wir nach Solothurn, um das Objekt zu besichtigen. Vor den massiven Mauern und den weitläufigen Fabrikgebäuden erklärte mir der Adjutant seine Vorstellungen. Nach seinen Anweisungen begann ich, die Sprengpläne zu zeichnen. Meine Aufgabe bestand darin, festzulegen, wo die Bohrlöcher angebracht werden mussten, damit die Sprengladungen die tragenden Strukturen gezielt schwächen konnten. Zusammen mit einem Kameraden mass ich anschliessend am Gebäude die entsprechenden Stellen ein und zeichnete die Bohrpunkte an den Mauern an.
Danach rückte die Truppe an. Die Rekruten bohrten die Löcher und setzten die Sprengladungen ein. In der Nacht vor der Sprengung wurde das ganze Gelände streng bewacht. Strassen wurden abgesperrt, und mit Feuerwehrschläuchen richteten wir Wasservorhänge ein, um Staub und mögliche Funken zu binden.
Am Tag der Sprengung versammelten sich Offiziere und Verantwortliche in sicherer Entfernung. Für mich war es eine besondere Situation: Als Rekrut durfte ich bei ihnen stehen und das Ereignis aus nächster Nähe verfolgen. Während der Vorbereitungen hatte ich gewissermassen als rechte Hand von Adjutant Schuler gearbeitet – eine ungewöhnliche Rolle für einen einfachen Rekruten.
Dann kam der entscheidende Moment. Die Zündung erfolgte, ein dumpfer Schlag hallte über das Gelände, und innerhalb weniger Sekunden begann der gewaltige Gebäudekomplex in sich zusammenzusinken. Mauern, Dächer und Hallen brachen gleichzeitig ein, und eine mächtige Staubwolke stieg auf. Genau so, wie wir es geplant hatten. Als sich der Staub langsam legte, war von der einstigen Fabrik kaum mehr etwas zu erkennen – der gesamte Komplex war vollständig in sich zusammengefallen.
Für mich war dieses Erlebnis besonders eindrücklich. Es zeigte mir, wie wertvoll mein handwerkliches Wissen auch in einer völlig anderen Umgebung sein konnte. Als junger Rekrut hatte ich für kurze Zeit eine ungewöhnliche Aufgabe übernommen: die eines technischen Assistenten bei der Planung einer grossen Sprengung.
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Meine Zeit als Rettungssoldat und Kompaniefahrer in der RS
Während meiner Rekrutenschule meldete ich mich freiwillig für eine besondere Zusatzaufgabe: die Ausbildung zum Kompaniefahrer. Dies war keine eigene Schule, sondern eine Parallelrolle innerhalb meiner normalen RS-Zeit als Rettungssoldat. Während meine Kameraden ihre üblichen Rekrutenausbildungen absolvierten, nahm ich zusätzlich an einer spezialisierten Fahrausbildung teil – eine Chance, die nur ausgewählten Anwärtern offenstand.
Nach einem strengen Auswahlverfahren wurde ich genommen. Für uns Kompaniefahrer-Anwärter bedeutete dies: eine umfassende militärische Fahrerausbildung, die weit über normales Fahren hinausging. Wir lernten Theorie, praktische Fahrtechnik, Fahrzeugwartung und Geländefahren.
Die Theorie behandelte Fahrzeugtechnik, Sicherheitsvorschriften, Verkehrsregeln im militärischen Kontext und richtiges Verhalten im Gelände. Danach folgten die praktischen Übungen: Fahren auf Straße und im Gelände, Anhängerfahren, Präzisionsmanöver und das sichere Bedienen verschiedenster Fahrzeuge.
Besonderen Wert legte man auf Fahrzeugwartung. Wir prüften Öl, Wasser, Batterie, Bremsen und Reifendruck, Birnen wechseln, Schneeketten montieren und führten kleinere Reparaturen durch. Samstagmorgens war dafür ein Block reserviert: wir trennten uns von der Truppe, um alle Fahrzeuge gründlich zu warten. So lernte ich Verantwortung, technisches Verständnis und Sorgfalt – Fähigkeiten, die über das reine Fahren hinausgingen.
Unsere Fahrzeugflotte war vielseitig: zweiachsige und dreiachsige Pinzgauer, ein zusätzlicher dreiachsiger Pinzgauer als Sanitätsfahrzeug, Jeep und ein VW Käfer. Wir waren fünf Fahrer, die die Fahrzeuge untereinander aufteilten. Besonders die dreiachsigen Pinzgauer erforderten besondere Aufmerksamkeit, da Fahrverhalten, Wendigkeit und Beladung anders waren als bei den zweiachsigen Fahrzeugen.
Nach Abschluss der Fahrschule erfolgte die Theorie- und Praxisprüfung. Die Prüfungen waren anspruchsvoll, und nur die Hälfte der Anwärter bestand. Ich bestand beide Prüfungen sehr gut, erhielt meinen militärischen Führerausweis und das Spezialabzeichen in Form eines Steuerrades, das meine Rolle als Kompaniefahrer sichtbar machte.
Während der Dienstzeit trug ich den Pronto-Mantel, das Erkennungsmerkmal der Fahrer. Ausserhalb des Dienstes – in der Freizeit oder beim Ausgang – trug ich selbstverständlich die normale Uniform. Das Steuerrad-Abzeichen an der Uniform machte sofort deutlich: „Das sind die Kompaniefahrer – ausgebildet, verantwortungsbewusst und einsatzbereit.“
Ein typischer Tag als Kompaniefahrer begann früh mit dem Appell. Danach ging es an die Fahrzeugkontrolle: Öl, Wasser, Batterie, Reifendruck, Lichter und Schneeketten wurden geprüft. Anschliessend fuhren wir im Gelände oder auf der Strasse, transportierten Material, Anhänger oder Personen und führten Übungsfahrten durch. Geländefahrten waren besonders spannend: sie forderten schnelle Entscheidungen, Fahrzeugbeherrschung und Teamkoordination.
Am Ende des Tages wurden die Fahrzeuge gesichert, kleinere Wartungen durchgeführt und Rückmeldungen an die Vorgesetzten gegeben. Ich war also parallel aktiv: tagsüber Rettungssoldat, daneben Kompaniefahrer mit Verantwortung für Fahrzeuge, Wartung und Geländeeinsätze.
Die Zeit als Kompaniefahrer war ein Höhepunkt meiner RS-Ausbildung: lehrreich, anspruchsvoll und unglaublich spannend. Ich lernte Technik zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und in jeder Situation ruhig und konzentriert zu bleiben. Der Pronto-Mantel, das Steuerrad-Abzeichen und der militärische Führerausweis sind sichtbare Zeichen all dessen – Erinnerungen an eine unvergessliche und prägende Zeit, in der ich zwei Rollen gleichzeitig meistern durfte: Rettungssoldat und Kompaniefahrer.
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Die ersten Wochen der Rekrutenschule 1979 waren eine ganz eigene Welt. Zwölf Wochen lang durchliefen wir die Grundausbildung, dann folgten drei Wochen Verlegung und schließlich noch zwei Wochen zurück in der Kaserne – und plötzlich hatte man das Gefühl, jeden Tag schon tausend kleine Dinge gelernt und erlebt zu haben. Ich merkte schnell, dass mir das Schiessen lag. Präzision, Konzentration, Nervenstärke – und dazu kam das Werfen von Handgranaten, eine Aufgabe, die gleichermaßen aufregend wie verantwortungsvoll war. Jede Handgranate war klein, tödlich und verlangte Respekt.
Während viele Kameraden sich allein auf das Schiessen konzentrierten, bekam ich immer wieder Sonderaufträge, die Verantwortung mit sich brachten. Beim ersten Gefechtsschiessen war ich Kompaniefahrer. Zusammen mit einem Korporal holte ich Munition und Handgranaten vom Munitionsmagazin ab. Aus Sicherheitsgründen luden wir alles in den Anhänger, den wir separat hinter unserem Fahrzeug transportierten. Niemand hätte gedacht, dass wir solche gefährliche Ladung dabei hatten. Unser Ziel war die Schmiedematte im Jura, der Gefechtsschießplatz, auf dem wir unsere Schiessfertigkeiten und das Werfen der Handgranaten übten. Die Verantwortung war greifbar – jede Handgranate, jede Kiste Munition war ein Stück Vertrauen, das man nicht leichtfertig behandeln durfte. Die Begleitung des Korporals gab mir Sicherheit, doch die volle Verantwortung lag spürbar auf meinen Schultern.
Beim zweiten Gefechtsschiessen änderte sich die Aufgabe ein wenig. Ich war nun Fahrer des Sanitäts-Pinzgauers. Sollte ein Unfall geschehen, lag es an mir, den Patienten schnell und sicher ins Spital zu bringen – selbstverständlich mit Begleitperson. Auch während dieser Fahrten konnte ich zwischendurch am Schiessen teilnehmen, aber meine Aufmerksamkeit galt immer auch dem Fahrzeug, dem Patienten und der Sicherheit der Umgebung. Und natürlich den Handgranaten, die wir während der Übungen nutzten – klein, tödlich, aber unter unserer Kontrolle.
Wenn ich heute daran zurückdenke, wird mir klar, wie sehr diese Wochen Verantwortung, Umsicht und klare Nerven erforderten. Munition und Handgranaten im Anhänger transportieren, als Fahrer eines Sanitäts-Pinzgauers bereitstehen, auf der Schmiedematte im Jura trainieren – all das prägte nicht nur meine militärischen Fähigkeiten, sondern auch meine Selbstständigkeit und mein Vertrauen in die eigenen Entscheidungen. Es war eine Mischung aus Adrenalin, Konzentration und der stillen Last von Verantwortung, die auf jedem von uns ruhte – und die ich von Anfang an gespürt und getragen habe.
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Als Kompaniefahrer übernahm ich für eine Woche eine besondere Aufgabe: Ich war Fahrer im Krankenzimmer, kurz KZ genannt. Plötzlich war ich mittendrin in einem kleinen, aber wichtigen Teil des Lebens in der Kaserne: Ich begleitete Soldaten zu medizinischen Terminen, ins Spital, zum Röntgen oder zu sonstigen Untersuchungen.
Während dieser Zeit trug ich die Tenü B – den Ausgangskittel mit den rauen Hosen, im Gegensatz zum Ausgangstenü mit den feineren Stoffhosen. Dies verlieh mir ein zusätzliches Gefühl von Verantwortung und Zugehörigkeit. Jede Fahrt war anders. Manchmal ging es ruhig zu, andere Male war es hektisch, wenn ein dringender Transport notwendig war. Selbstverständlich gehörte dazu auch der Wochenenddienst – der Sonntag eingeschlossen –, sodass Verantwortung keine Pause kennt, egal ob Werktag oder Wochenende.
Diese Zeit hat mir viel gegeben: ein Gefühl für Verantwortung, die Bedeutung von Zuverlässigkeit und Organisation und die Erfahrung, dass selbst scheinbar kleine Aufgaben einen wichtigen Beitrag für das Wohl anderer leisten. Rückblickend war diese Woche im Krankenzimmer eine intensive, lehrreiche Zeit, die mir einen tiefen Einblick in die Abläufe und Menschen hinter der Uniform gab.
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Während der dreiwöchigen Verlegung in Hochwald war ich Fahrer des Kompaniekommandanten. Mein Fahrzeug war ein offener Willys Jeep, ohne Türen und nur mit einem Stoffverdeck. Jede Fahrt fühlte sich dadurch direkt und unverfälscht an – der Wind strich mir ins Gesicht, der Geruch von nassem Laub und Erde stieg auf, und jede Bodenwelle ließ den Jeep leicht erzittern. Die Vibration des Motors unter meinen Händen war konstant spürbar, fast wie ein Herzschlag, der das Fahrzeug lebendig machte.
In der Regel war ich alleine mit dem Kompaniekommandanten unterwegs. Nur bei Übungen sass zusätzlich ein Funker hinter uns, mit seinem großen Kasten, Kopfhörern und der imposanten Antenne. Dann war die Fahrt fast wie ein kleines militärisches Unternehmen, sonst aber spürte man die Nähe und Ruhe zwischen Kommandant und Fahrer – eine vertraute, konzentrierte Partnerschaft auf vier Rädern.
Das Wetter verlieh den Fahrten zusätzliche Intensität. Früh am Morgen war die Luft frisch und klar, die Kälte biss leicht in den Fingern, und der Nebel schwebte zwischen den Bäumen, während die Räder über feuchtes Laub rollten. Später erwärmte die Sonne die Umgebung, und die Geräusche des Herbstwaldes – das Rascheln der Blätter, das Knacken von Ästen unter Tieren, das ferne Rufen eines Vogels – mischten sich mit dem gleichmäßigen Brummen des Motors. Regen überraschte uns manchmal und machte das Stoffverdeck klatschnass, während kleine Pfützen auf dem Weg spritzten und den Jeep leicht durchschüttelten.
Wir waren unterwegs zu Übungen, Besuchen bei anderen Zügen, Inspektionen von Arbeitern oder Fahrten zum Stab in die Kaserne Liestal. Jede Fahrt war anders, jede Strecke hatte ihren eigenen Rhythmus. Trotz der Anstrengungen war es ein Gefühl von Intensität und Verantwortung, das mich ständig auf Trab hielt.
Ich kannte die anderen Fahrer schon von der Ausbildung her, doch es war jedes Mal eine Freude, wieder meine alten Weggefährten zu treffen. Wir Kompaniefahrer hatten ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Während der Fahrten spürte ich immer wieder die Kameradschaft und das unaufdringliche Vertrauen zwischen uns, das diese Zeit nicht nur fordernd, sondern auch besonders bereichernd machte.
Rückblickend waren diese drei Wochen unglaublich lehrreich und prägend. Ich bekam einen tiefen Einblick in die Arbeit des Kompaniekommandanten – direkt, hautnah und ununterbrochen in Bewegung. Die Mischung aus Verantwortung, Nähe zum Geschehen und dem ständigen Wechsel von Natur, Wetter und Übungen machte die Erfahrung unvergesslich. Jeder Motorvibration, jeder Duft des Herbstwaldes, jeder frische Morgenhauch bleibt mir bis heute in Erinnerung – ein intensives Mosaik aus Geräuschen, Gerüchen, Bewegung und menschlicher Nähe, das diese Zeit so lebendig machte.
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Vor der Verlegung nach Hochwald stand die Fahnenübergabe auf dem Programm, begleitet vom strengen Klang des Fahnenmarsches. Alle Kompanien rückten zusammen und bildeten das Rekrutenbataillon. In unserer Kompanie erinnere ich mich besonders an zwei Rekruten: den lieben Moll, ein Basler, ein Hühne von einem Mann, und den kleinen Zink, ebenfalls aus Basel.
Während des Fahnenmarsches verharrten wir in Achtungsstellung, die Körper steif, die Augen auf die Fahne gerichtet. Der große Hüne Moll stand in der vordersten Reihe und der kleine Zink ganz hinten und dann geschah es: Moll und Zink scherten aus der strengen Formation aus, hängten sich gegenseitig ein und begannen, ausgelassen im Takt der Musik zu tanzen. Ihre Lebensfreude war ansteckend, und trotz aller Disziplin konnten wir uns ein Lächeln nicht verkneifen.
Der Schulkommandant war fassungslos. Zur Strafe mussten wir am Nachmittag einen langen Marsch unter sengender Hitze absolvieren, zwei Stunden lang mit Schutzmasken, die jede Bewegung erschwerten. Trotz der Strapazen blieb dieses Erlebnis unvergesslich: der Mut und die Unbeschwertheit von Moll und Zink überstrahlten alles und hinterliessen ein lebendiges Bild von Humor und Lebensfreude mitten in der strengen Ordnung der Rekrutenschule.
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Anfang September 1979, mitten in meiner Rekrutenschule, beantragte ich Urlaub, um die Aufnahmeprüfung für die Polierschule in Aarau abzulegen. Der Urlaub wurde genehmigt, und so fuhr ich in meiner Militäruniform für einen Tag nach Unterentfelden, wo ich meinen Bruder Willi traf, der ebenfalls die Prüfung absolvierte. Ich freute mich, ihn zu sehen, und war besonders froh, dass auch er die Chance hatte, die Prüfung zu bestehen.
Kurz darauf erhielten wir die Nachricht: Wir hatten beide bestanden! Dass dies den Militärs nicht verborgen blieb, merkte ich schnell – sie hatten es bemerkt, und das sollte später Konsequenzen für mich haben. Pläne wurden für mich gemacht, von denen ich damals noch keine Ahnung hatte. Im Frühjahr 1980 stand dann die Ausbildung an der Polierschule in Aarau bevor – ein neuer Abschnitt voller Möglichkeiten, doch zugleich verbunden mit den unerwarteten Erwartungen der Militärwelt.
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Nachdem ich die Aufnahmeprüfung an der Polierschule in Aarau bestanden hatte, merkte ich schnell, dass dies den Militärs nicht verborgen geblieben war. Plötzlich war klar: Aufgrund dieses Erfolgs war ich für eine spätere Offizierslaufbahn gesetzt. Vorab musste ich jedoch die Unteroffiziersschule besuchen. Eine Wahl hatte ich nicht – die Militärs hatten Pläne für mich, von denen ich damals noch keine Ahnung hatte. Es war ein eigenartiges Gefühl: Einerseits stolz auf meinen persönlichen Erfolg, andererseits von der Militärhierarchie auf einen Weg gedrängt, den ich nicht selbst gewählt hatte.
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Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, als würde sich die Welt um mich herum plötzlich verengen und darüber die allgegenwärtige Erkenntnis, dass es kein Entkommen gab. Ich erhielt den Vorschlag, Korporal zu werden, Gruppenführer – eine Führungsrolle, die auf den ersten Blick eine Ehre war. Doch in mir stieg sofort Widerstand auf. Ich wollte diese Verantwortung nicht tragen, fühlte mich nicht bereit, und doch war es keine Frage des Wollens.
Das Militärgesetz von damals liess keine echten Entscheidungen zu. Wer sich widersetzte, riskierte Gefängnis. Für mich, der die Polierschule in Aarau unbedingt absolvieren wollte, war dies keine theoretische Bedrohung, sondern eine handfeste Realität: Ohne den Dienst abzuleisten, ohne zu unterschreiben, wäre mein weiterer Lebensweg blockiert gewesen. Meine Zukunft hing buchstäblich davon ab, zu tun, wozu ich gezwungen wurde.
Ich erinnere mich, wie ich die Unterlagen vor mir liegen sah, den Stift in der Hand, den Druck auf meinen Schultern wie ein Gewicht, das mich niederzudrücken drohte. Zähneknirschend unterschrieb ich, Korporal werden, den Gruppenführer übernehmen – nicht aus Stolz, nicht aus Ehrgeiz, sondern aus der einzigen Option, die mir blieb: weiterzumachen, zu gehorchen, zu überleben.
Die Tage danach waren geprägt von dieser bitteren Mischung aus Pflicht und Zwang. Jede Entscheidung, die ich traf, jede Anweisung, die ich ausführte, erinnerte mich daran, dass mein eigener Wille von äusseren Zwängen überlagert war. Und doch – trotz der Enge, trotz der Angst – entwickelte sich eine innere Klarheit: Ich tat, was nötig war, um meinen eigenen Weg zu sichern, meine Ziele nicht aufzugeben, auch wenn der Preis darin bestand, eine Rolle anzunehmen, die ich nicht wollte.
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Zusammen mit den anderen zukünftigen Unteroffizieren, den angehenden Korporalen, wurden wir gesondert zusammengezogen. Halbtags erhielten wir spezielle Lektionen, die uns auf unsere künftigen Aufgaben vorbereiteten: von der Führung kleiner Gruppen über die Organisation von Abläufen bis hin zur grundlegenden militärischen Disziplin. Diese Stunden waren mehr als nur Unterricht; sie gaben uns einen ersten Einblick in die Verantwortung, die uns erwartete, und legten den Grundstein für das, was später die Unteroffiziersschule vertiefen sollte. Es war eine intensive, manchmal fordernde, aber zugleich prägende Erfahrung, die mir sehr früh bewusst machte, welche Bedeutung Führung, Pflichtbewusstsein und Zusammenhalt hatten.
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Alles, was ich tun konnte, war, mich auf das Kommende vorzubereiten – auf die strengen Regeln der Kaserne, die neuen Anforderungen der Unteroffiziersschule und auf eine Laufbahn, die mir damals noch vage und vorbestimmt erschien.
Im Januar 1980 sollte ich in Wangen an der Aare in die Kaserne einrücken, direkt im Städtchen, in der alten Kaserne, um die Unteroffiziersschule zu absolvieren. Ich hatte keine Wahl. Meine Begeisterung? Sehr begrenzt. Es war ein Trauerspiel für mich. Ich hätte wirklich gerne darauf verzichtet, wollte meine Pläne nicht verschieben, und doch musste ich – unter anderem bedeutete das auch, dass ich den Beginn meiner Polierschulausbildung um ein ganzes Jahr verschieben musste.
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Etwa Mitte November 1979 endete meine Rekrutenschule. Von da an bis Anfang Januar gehörten die Wochenenden ganz Marietheres und mir. Doch sobald wir zusammen waren, schien die Zeit stillzustehen. Wir spazierten durch die ruhige Natur von Giswil, lachten über kleine Alltäglichkeiten und genossen einfach die Nähe des anderen. Stundenlang nebeneinander zu sitzen, ohne viel zu sagen, reichte uns vollkommen. Es war schön, einfach zusammen zu sein – ganz ohne Grund, nur wegen der Freude aneinander.
Die Wochenenden in Giswil wurden zu kleinen Inseln der Zärtlichkeit, einer Pause zwischen den Pflichten des Militärs und der Arbeit bei meinem Vater. Marietheres konnte sich nie für das Militär begeistern, ich hingegen akzeptierte diese Welt als eigene Realität. Doch sobald wir wieder zusammen waren, zählte nur ihre Nähe. Diese gemeinsamen Stunden waren intensiver als jeder Drill, jede Vorschrift, und ich wollte sie in vollen Zügen auskosten, bevor Anfang Januar die Unteroffiziersschule rief.
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Unteroffizierschule, Abverdienen, Unfall «OS» 1980
Es war Anfang 1980, und ich stand vor einer Realität, die mir alles andere als angenehm war. Ich hatte die Aufnahmeprüfung an der Polierschule in Aarau bestanden – ein Erfolg, auf den ich stolz sein könnte. Doch in der Militärwelt hatte dieser Erfolg sofort andere Konsequenzen. Die Rettungstruppen suchten gezielt Baufachleute, die höhere Schulen besuchen werden, für ihr zukünftiges Kader. Ich war einer von ihnen, und damit war mein Weg vorgezeichnet.
Anfang Januar 1980 musste ich widerwillig in Wangen an der Aare in die Unteroffiziersschule einrücken. Es war alles andere als freiwillig, und meine Begeisterung dafür tendierte gegen null. Ich fühlte mich, als hätte man mir meine Pläne gewaltsam entrissen – ein echtes Trauerspiel. Alles, wofür ich mich vorbereitet hatte, musste warten. Besonders schmerzlich: Der Beginn der Polierschule, auf den ich mich so gefreut hatte, verschob sich dadurch um ein ganzes Jahr. Jeder Tag in de Kaserne erinnerte mich daran, dass ich keine Kontrolle über mein eigenes Leben hatte.
Jeder Tag erinnerte mich daran, dass ich nicht selbst entscheiden konnte. Innerlich regte sich Widerstand, ein leises, ständiges Aufbegehren gegen das Vorgefertigte. Stolz auf meine Leistungen mischte sich mit Frust und einer Ahnung von Pflicht, die mir von außen aufgezwungen wurde.
Und doch wusste ich, dass dies ein notwendiger Schritt war. Ein Schritt, den ich nicht ablehnen konnte, auch wenn er mich zurückhielt und meine eigenen Pläne verschob. Es war ein seltsames, widersprüchliches Gefühl: Erfolg, Pflicht, Zwang, Enttäuschung – alles gleichzeitig, eingesperrt in den Mauern der alten Kaserne und in der engen Struktur der militärischen Hierarchie.
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Wintertag an der Unteroffiziersschule Wangen an der Aare, Januar 1980
Die Tagwache war jeden Morgen um 5:30 Uhr. Es war noch stockfinster, die dicken Mauern der alten Kaserne hielten den Wind draussen, aber die Luft in unseren Schlafräumen war trotzdem bitterkalt. Die Fenster waren innen gefroren, jeder Atemzug malte kleine Wolken auf das Glas. Kein Wecker weckte uns – es war der Feldweibel, der durch die Räume schritt und mit harter Stimme rief: „Aufstehen! Aufstehen!“ Schlaftrunken erhoben wir uns.
Zuerst erledigten wir die Morgentoilette: Waschen, rasieren – beides gehörte zur Pflicht und zum Tagesritual. Jeder Handgriff musste präzise sitzen, selbst in der Kälte. Erst danach zogen wir die Uniform an, mechanisch und routiniert, jeder Schritt geübt, ohne zu zögern. Meine Hände und Füsse waren kalt.
Frisch gewaschen, rasiert und angezogen ging es anschließend zum Frühstück, das uns Kraft für den bevorstehenden Tag geben sollte.
Um 7:00 Uhr standen wir draußen zum Antrittsverlesen. Der Schnee glitzerte matt unter den schwachen Lichtern der Kaserne, der Atem stieg in dicken Wolken auf. Wir standen still in Reih und Glied, Füsse tief im gefrorenen Pflaster, Augen auf den Feldweibel gerichtet. Er schritt die Formation ab, Kommandos hallten von den alten Mauern wider:
„Rechts um! Stillgestanden! Meldung!“
Die Kälte brannte in Gesicht und Händen, jeder Schritt musste sitzen, jede Bewegung präzise ausgeführt werden. Stolz auf die korrekte Ausführung mischte sich mit einem leisen, inneren Widerstand gegen die Strenge des Reglements.
Nach dem Antrittsverlesen folgte die halbstündige Zugschule. Exerzieren, Marschieren, Formationen einhalten – jeder Befehl präzise auszuführen. Die Schuhe knirschten im Schnee, die Glieder steif von der Kälte, jeder Schritt verlangte Aufmerksamkeit. Trotz der Kürze der Übung spürte man, wie die Kälte den Körper testete und die Sinne schärfte.
Dann ging es hinein ins Theorielokal. Hohe Decken, Steinböden, kalte, aber windstille Luft. Hier büffelten wir Kartenkunde, Taktik, nahmen Frontalunterricht entgegen. Augen auf die Unterlagen, Ohren auf den Lehrer gerichtet. Hier wurde der Geist gefordert, während der Körper sich etwas erholen konnte. Doch die innere Anspannung blieb: Disziplin, Pflichtbewusstsein und Stolz auf das, was wir gelernt hatten, waren allgegenwärtig.
Am Nachmittag folgten weitere Kurse im Freien: Orientierung, Geländeübungen, Schießtraining. Minusgrade, Eis und Schnee machten jeden Schritt zu einer Herausforderung. Wir froren an die Hände und Füsse, die Glieder wurden steif. Körper und Geist waren gleichermassen gefordert, Durchhaltevermögen und Präzision mussten stimmen.
Der Abend brachte die härteste Prüfung: Nachtmärsche entlang der Aare. Dunkelheit, Minustemperaturen, knirschender Schnee unter den Schuhen. Nur unsere Taschenlampen beleuchteten punktuell den Weg, warfen spitze Lichtkegel auf den Schnee. Zwei Stunden marschierten wir die Aare hinunter, dann wieder zurück in die Kaserne. Jeder Schritt war Pflicht, jede Bewegung kontrolliert, jeder Atemzug spürbar in der frostigen Luft. Stolz, Willenskraft und Disziplin trugen uns durch die Dunkelheit und die Kälte, während wir zurückkehrten, bereit für den nächsten Tag.
Wenn ich heute daran zurückdenke, erinnere ich mich an die Kälte, den Schnee, die strengen Kommandos. Ich erinnere mich an die Mischung aus Stolz, körperlicher Anstrengung, innerer Disziplin und dem leisen Widerstand, die jeden Tag zu einer Prüfung machte – eine Prüfung, die uns körperlich und geistig formte.
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Erinnerung:
Mehrtägige Durchhalteübung, Unteroffiziersschule Wangen an der Aare, Januar 1980
In der letzten Woche der Unteroffiziersschule standen wir vor einer mehrtägigen Durchhalteübung, die alles von uns forderte. Der Winter war gnadenlos: unaufhörlich fiel Schnee, die Kälte kroch unter jede Kleidungsschicht, ließ unsere Glieder steif werden und jedes Zittern bis in die Knochen spüren. Jeder Schritt über verschneite Strassen, gefrorene Felder und glatte Wege war ein Kampf gegen den eigenen Körper, der uns ständig sagen wollte: „Gib auf!“ Wir mussten im Winter über die Schmiedematt. Die Schmidenmatt befindet sich im Kanton Solothurn auf der ersten Jurafalte südlich von Herbetswil, in der Region Thal an der Grenze zum Kanton Bern. Die Schmiedematt liegt auf
1'000 m. ü. M.
Die Nächte verbrachten wir auf dem harten Turnhallenboden, nur unsere Schlafsäcke schützten uns vor der Kälte. Jede unruhige Stunde erinnerte uns daran, wie sehr Körper und Geist belastet werden können. Tagsüber mischten sich körperliche Strapazen mit geistiger Anstrengung: Posten, Fragen, Schießübungen. Jeder Schritt, jeder Marsch, jede Aufgabe wurde zur Prüfung unserer Ausdauer, unseres Durchhaltevermögens und unserer Fähigkeit, den inneren Schweinehund zu überwinden.
Doch wir waren ein Team. Wer Mühe hatte, dem halfen wir. Wir trugen Gewehre, motivierten, hielten zusammen. Schritt für Schritt, Nacht für Nacht, überstanden wir die extremen Bedingungen – nicht als Einzelkämpfer, sondern als Gruppe. Die gemeinsame Anstrengung, das gegenseitige Aufrichten und Anspornen machte uns stark und unbesiegbar in unserer Einheit.
Am letzten Tag, gegen 16 Uhr, erreichten wir die Kaserne. Die letzte Prüfung wartete: der feierliche Einmarsch. Jede Gruppe musste perfekt im Gleichschritt einmarschieren. Wer wankte, musste zurück zur Pforte und erneut antreten. Erschöpft, durchgefroren, aber gemeinsam, schritten wir ein – jeder Schritt ein Triumph über Kälte, Schmerz und Erschöpfung. Schliesslich wurden wir vom Schulkommandanten, Major Marfurt, offiziell zum Unteroffizier brevetiert.
In diesem Moment fühlten wir Stolz, Erleichterung und Erfüllung zugleich. Wir hatten den inneren Schweinehund besiegt, unsere Grenzen überwunden und uns gegenseitig getragen. Wir hatten nicht nur eine Prüfung bestanden – wir hatten gelernt, was echte Kameradschaft bedeutet.
Und genau diese Erfahrung, diese Mischung aus Härte, Durchhaltevermögen und Teamgeist, würden wir später auch von den zukünftigen Rekruten verlangen. Denn nur wer selbst weiß, wie es ist, bis ans Limit zu gehen, kann verstehen, wie wertvoll Zusammenhalt, Durchhaltevermögen und gegenseitige Unterstützung wirklich sind. Diese Lektion tragen wir nicht nur in uns – wir geben sie weiter.
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Als Gruppenführer in der Schweizer Armee 1980 hatte man seine kleinen Privilegien – nicht dass wir überheblich wurden, aber es war schon angenehm: Wir assen separat, in eigenen Räumen, während die Rekruten in der Kantine Schlange standen. Unsere Schlafräume waren sauberer, etwas ruhiger – und ja, wir mussten unsere Kleider nicht selbst schrubben. Das Soldgeld war ein bisschen höher.
Dazu kam die unvermeidliche Autorität: Plötzlich hatten wir die Macht, zu führen, zu organisieren, manchmal sogar kleine Extrawürste zu verteilen. Zwischen Übungen, Marschbefehlen und endlosen Formationen lernten wir Verantwortung – und nebenbei auch, wie man ein bisschen «Luxus» geniesst, ohne sich zu wichtig zu nehmen. Es war eine Mischung aus Pflicht, Kommandieren und kleinen, heimlichen Freuden, die den Militäralltag eindeutig erträglicher machten.
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Nach dem Abschluss der Unteroffiziersschule öffnete sich für mich ein neuer Abschnitt: Der Adjutant Zwygart, der mich noch von meiner eigenen Rekrutenschule kannte, wählte mich als Hilfsfahrlehrer aus. In den ersten zwei Wochen der Rekrutenschule durfte ich die neuen Rekruten auf ihrem Weg zum Kompaniefahrer begleiten. Es war faszinierend zu sehen, wie sie mit jedem Manöver, jeder Kurve und jedem Gang an Sicherheit gewannen – und ich konnte meine Erfahrung in kleinen Tipps weitergeben, die oft den entscheidenden Unterschied machten.
Später übernahm ich die Verantwortung als Korporal für die Kompaniefahrer bis zur Verlegung, ehe der Motorfahrkorporal diese Aufgabe übernahm. Meine Rolle war weniger die des Fahrers selbst, sondern die des Begleiters und Beobachters: Ich war dabei, wenn sie durch das Gelände zogen, bei Transportaufträgen oder Routinefahrten, und sorgte dafür, dass alles reibungslos verlief und die Ruhezeiten eingehalten wurden.
Diese Zeit war ein Geflecht aus Verantwortung, Beobachtung und stiller Freude über die Fortschritte der Rekruten. Ich stand am Rand, doch mitten im Geschehen – und spürte, wie Vertrauen und Erfahrung in diesen Wochen nicht nur die Soldaten, sondern auch mich selbst prägten.
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Erst in der dritten Woche stiess ich dann zu meinem eigentlichen Zug, wo mir schliesslich meine eigene Gruppe von sechs bis acht Mann anvertraut wurde. Als Gruppenführer lag die Verantwortung für diese Truppe vollständig bei mir – für ihren Einsatz, ihre Sicherheit und ihre Ausbildung.
Meine Gruppe begann zunächst mit der Grundausbildung an allen Geräten. Wir lernten den Umgang mit hydraulischen Hebekissen, Spreizern, Schneidwerkzeugen, Tragen und weiterer Spezialausrüstung. Auch die Sanitätsausbildung gehörte zum Programm: Verletztenversorgung, Stabilisierung, Tragen und Transport mussten wir bis zur Routine beherrschen. Es war ein intensives Training, in dem Theorie und Praxis eng miteinander verbunden wurden, damit jeder Handgriff sass und jede Maßnahme sicher durchgeführt werden konnte.
Danach führten uns die Übungen in die Praxis: Trümmerfelder, eingestürzte Gebäude, Brände und Verletzte nach Bombenangriffen. Jede Übung erforderte präzise Teamarbeit und von mir schnelle Entscheidungen. Ich teilte die Trupps ein, überwachte die Arbeit, korrigierte Handgriffe und sorgte dafür, dass niemand unnötig gefährdet wurde.
Morgens überprüften wir Geräte und Material, planten den Ablauf und besprachen die Aufgaben. Nachmittags wiederholten wir Rettungseinsätze unter erschwerten Bedingungen – Rauch, instabiler Boden, Trümmer – um die Einsatzbereitschaft der Gruppe zu stärken. Ich sah, wie meine Gruppe zusammenwuchs, wie jeder auf den anderen achtete, und wir lernten, auch in gefährlichen Situationen ruhig zu bleiben und effizient zu handeln.
Diese Wochen prägten mich nachhaltig. Ich lernte, Verantwortung zu tragen, Entscheidungen unter Druck zu treffen und ein Team zu führen. Es waren Erfahrungen, die weit über die militärische Ausbildung hinausgingen – Lektionen über Mut, Zusammenhalt und das menschliche Mass in Extremsituationen.
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Raketenrohr
Eine der eindrücklichsten Erinnerungen aus meiner Militärzeit als Korporal und Gruppenführer bei den technischen Rettungstruppen stammt aus einem Gefechtsschiessen im Jura. Der Schiessplatz Schmiedematte, auf dem diese Übung stattfand, war gewaltig gross – eine weite, raue Landschaft mit Hügeln, Waldstücken und offenen Flächen, die sich scheinbar endlos ausdehnten.
An jenem Tag war der Himmel schwer von Wolken verhangen. Ein feiner, gleichmässiger Regen fiel über das Gelände und legte sich wie ein dünner Schleier über die Landschaft. Die Luft war kühl und roch nach nasser Erde und Gras. Trotz des Regens herrschte auf dem Schiessplatz konzentrierte Betriebsamkeit. Immer wieder hallten in der Ferne Schüsse über die Hügel des Juras.
Obwohl unsere eigentliche Aufgabe bei den technischen Rettungstruppen lag, wurde ich für dieses Gefechtsschiessen in einem Schnellkurs auf die Bedienung eines 8,3-cm-Raketenrohrs ausgebildet. Für mich war das etwas Besonderes, denn mit einer solchen Waffe hatte ich zuvor noch nie gearbeitet. Sie gehörte normalerweise zur Ausrüstung der Infanterie und war zur Bekämpfung gepanzerter Fahrzeuge gedacht.
Die Einweisung begann sachlich und konzentriert. Das Raketenrohr selbst wirkte zunächst erstaunlich schlicht: ein langes Rohr mit Zielvorrichtung, Griffen und Abzugseinrichtung. Doch man merkte sofort, dass es sich um eine ernst zu nehmende Waffe handelte. Der Ausbilder erklärte uns ruhig und präzise jeden Handgriff – vom Ansetzen über das Zielen bis zum Abdrücken.
Immer wieder betonte er die Sicherheitsregeln. Besonders wichtig war der Bereich hinter dem Schützen. Beim Abschuss entstand dort ein starker Rückstrahl aus heissen Gasen und Flammen. Wer sich dort aufhielt, konnte schwer verletzt werden. Deshalb gehörte der Blick über die Schulter, um den Raum hinter dem Rohr zu kontrollieren, zu den ersten Dingen, die uns eingebläut wurden.
Beim eigentlichen Gefechtsschiessen nahm ich meine Stellung nicht im Stehen oder Knien ein, sondern bewusst im Liegen. Diese Haltung bot ein möglichst kleines Ziel und entsprach der taktischen Regel, dem Gegner so wenig Angriffsfläche wie möglich zu geben. Im nassen Gras des Jurabodens lag ich mit dem Raketenrohr auf der Schulter, den Körper flach an den Boden gedrückt. Der feine Regen prasselte leise auf Helm und Uniform.
Vor mir lag das weite Gelände der Schmiedematte, verschwommen in grauen Schleiern aus Regen und Nebel. Irgendwo in der Ferne befand sich das Ziel. Trotz der kühlen Luft und des nassen Bodens war meine ganze Aufmerksamkeit auf das Zielen gerichtet.
Für einen kurzen Moment schien alles still zu stehen. Ich blickte durch die Zielvorrichtung, konzentrierte mich auf den dunklen Punkt in der Ferne und blendete alles andere aus.
Dann kam der Befehl zum Schuss.
Ich drückte den Abzug. Im selben Augenblick durchbrach ein lauter Knall die Stille, begleitet von einem scharfen Zischen, als die Rakete aus dem Rohr schoss. Hinter mir fauchte der Rückstrahl, wirbelte Wasser, Erde und kleine Steinchen auf und liess die Luft flimmern. Die Rakete raste durch den regnerischen Himmel auf ihr Ziel zu.
Wenige Sekunden später war die Wirkung zu sehen.
Ich hatte das Ziel sauber getroffen – absolut ins Schwarze.
Dieser Augenblick blieb mir besonders in Erinnerung. Nicht nur wegen der Kraft dieser Waffe, sondern auch wegen der Verantwortung, die man als Schütze trug. Jeder Handgriff musste sitzen, jede Sicherheitsregel beachtet werden. Fehler hätten schwerwiegende Folgen haben können.
Das Gefechtsschiessen auf der Schmiedematte war für mich eine eindrückliche Erfahrung. Es zeigte mir, wie vielseitig die militärische Ausbildung sein konnte. Auch wenn unsere Hauptaufgaben in der technischen Hilfe und Rettung lagen, wurde von uns erwartet, dass wir im Ernstfall auch mit den Waffen der Armee umgehen konnten.
Rückblickend blieb dieser Tag im Jura einer jener seltenen Momente meiner Dienstzeit, die sich tief ins Gedächtnis eingeprägt haben: der graue Himmel über der weiten Landschaft, der feine Regen auf der Uniform, das nasse Gras unter mir, das Gewicht des Raketenrohrs auf der Schulter – und der Augenblick, in dem der Schuss fiel und die Rakete ihr Ziel exakt traf.
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Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich die Feldweibelschule besuchen und damit den Weg zum Feldweibel einschlagen sollte. Eine Woche beim Feldweibel schnuppern genügte, um ein klares Bild von dieser Rolle zu bekommen. Sofort wurde mir bewusst, dass es sich dabei keineswegs um eine blosse Zwischenstation handelt, sondern um eine Aufgabe, die unmittelbare Verantwortung und Nähe zur Truppe verlangt. Als Feldweibel organisiert man nicht nur den Dienstbetrieb, überwacht Anwesenheit und Material, sondern koordiniert Übungen, Ausbildung und praktische Einsätze. Man ist die erste Anlaufstelle für Soldaten, ein Bindeglied zwischen Offizieren und Mannschaft, und trägt Verantwortung für die Umsetzung von Befehlen und den geordneten Ablauf des Dienstes. Die Arbeit ist unmittelbar, greifbar und unverzichtbar – man steht mitten im Geschehen, lernt die Menschen und ihre Stärken und Schwächen genau kennen, und wird selbst ein Teil des Alltags, der das Fundament der Truppe trägt.
Im Vergleich dazu ist die Laufbahn eines Offiziers von einer anderen Art Verantwortung geprägt. Offiziere übernehmen die strategische Leitung größerer Einheiten, planen Einsätze und treffen Entscheidungen, die weit über den direkten Truppendienst hinausgehen. Sie müssen theoretische und taktische Grundlagen ebenso beherrschen wie die Führung auf höherer Ebene. Während der Feldweibel nahe am Geschehen ist und das direkte Miteinander steuert, liegt die Verantwortung des Offiziers auf einer übergeordneten, planenden Ebene, die den Einsatz der gesamten Einheit koordiniert und lenkt. Beide Rollen sind wichtig, aber sie fordern unterschiedliche Fähigkeiten, Perspektiven und Prioritäten.
Obwohl die Aussicht, Feldweibel zu werden, mir sehr reizvoll erschien, entschied ich mich bewusst, die Feldweiberschule nicht zu besuchen und diesen Weg nicht einzuschlagen. Diese Entscheidung war nicht nur eine persönliche Wahl, sondern hatte auch kollegiale Bedeutung: Mein dienstlicher Kamerad, ein Lehrer, war für die Offizierslaufbahn nicht vorgesehen. Durch meinen Verzicht auf die Feldweibelrolle öffnete ich ihm die Möglichkeit, genau diese Laufbahn einzuschlagen und seine Fähigkeiten auf eine Weise einzubringen, die ihm zuvor verwehrt gewesen wäre.
Rückblickend zeigt mir diese Erfahrung, dass Verantwortung oft über das eigene Handeln hinausreicht. Manchmal bedeutet Grösse im Leben nicht, den nächsthöheren Rang selbst zu erreichen, sondern zu erkennen, wo man durch einen bewussten Schritt anderen Türen öffnen kann. Die Entscheidung, die Feldweiberschule nicht zu besuchen, verband für mich Verantwortung, praktische Erfahrung und die Chance, einem Kameraden den Weg zu ebnen – und hinterliess das beruhigende Gefühl, dass mein Handeln einen spürbaren, positiven Einfluss hatte. Es ist eine Lektion, die ich bis heute mitnehme: Erfolg misst sich nicht nur an eigenen Errungenschaften, sondern auch daran, wie man durch eigene Entscheidungen das Potenzial anderer fördern kann.
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Schon früh während meiner Zeit bei den Rettungstruppen merkte ich, dass diese Phase mehr sein würde als nur eine militärische Grundausbildung. Aufgrund meiner Leistungen und meiner Führungsfähigkeiten wurde ich als Aspirant für die Offiziersschule ausgewählt – doch dieser Status brachte nicht nur Ehre, sondern auch besondere Anforderungen mit sich.
Von Anfang an stand ich unter intensiver Beobachtung des Schulkommandanten. Jede Aufgabe, die mir übertragen wurde, jede Übung, die ich leitete, wurde genau registriert. Ich übernahm Verantwortung als Gruppenführer, leitete Übungen, koordinierte Einsätze und musste gleichzeitig beweisen, dass ich auch unter Druck die richtigen Entscheidungen treffen konnte. Es war ein ständiges Testen meiner Belastbarkeit und meines strategischen Denkens.
Der Schulkommandant hatte dabei eine besondere Perspektive: Er kannte die Bauführerschule in Aarau, die ich absolvieren wollte, aus eigener Erfahrung. Der Freund seiner Tochter wollte diese Schule ebenfalls besuchen, hatte die Aufnahmeprüfung aber noch nicht absolviert. So wusste er genau, welche Fähigkeiten erforderlich waren, um dort aufgenommen zu werden. Für ihn war klar: Nur wer in militärischer Ausbildung Verantwortung übernehmen und komplexe Aufgaben bewältigen konnte, hatte das Zeug, auch diese anspruchsvolle zivile Schule zu meistern.
Wochenlang arbeiteten wir unter seiner aufmerksamen Beobachtung. Jede kleine Entscheidung, jede Übung war wie ein Prüfstein – mal fordernd, mal überraschend, immer mit der Erwartung, dass ich zeige, was ich konnte. Der Druck wuchs, doch auch meine Fähigkeiten und mein Selbstvertrauen wuchsen Schritt für Schritt.
Dann, sechs Wochen vor Ende meines Abverdienens, kam der Moment, der alles veränderte. Der Schulkommandant rief mich zu sich, sah mich ernst an und sagte:
“Du bist der Einzige aus der gesamten Kompanie, der anfangs Juli in die Offiziersschule einrücken wird.”
In diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass sich all die Herausforderungen, das ständige Üben, die Verantwortung und das Beobachtet werden gelohnt hatten. Diese Worte waren nicht nur Anerkennung – sie waren der Beweis, dass die gezielte Förderung und die Prüfungen mich optimal vorbereitet hatten. Ich hatte die Hürde genommen, die nicht nur militärische, sondern auch zivile Exzellenz forderte.
Die Zeit als Aspirant bei den Rettungstruppen war somit weit mehr als eine militärische Ausbildung: Sie war eine intensive Prüfung meiner fachlichen Fähigkeiten, meiner Belastbarkeit und meiner Führungskompetenz. Sie war eine Vorbereitung auf die Offizierslaufbahn und zugleich ein Fundament für meine zivilen Pläne in der Bauschule in Aarau. Jeder Schritt, jede Übung und jede Entscheidung hatte mich dorthin gebracht – zu diesem Moment der Bestätigung, der mir zeigte: Ich war bereit.
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Es war die letzte Woche der Rekrutenschule, ein Donnerstag im Übungsdorf. Die gesamte Kompanie war draußen, und wir Gruppenführer sassen gemeinsam beim Mittagessen, als plötzlich eine Gruppe von Soldaten auf uns zustürmte. Ich spürte sofort, dass etwas nicht stimmte.
Ohne Vorwarnung packten sie einen meiner Kollegen – einen Gruppenführer – und warfen ihn einfach in die Aare. Sie lachten, fanden es offenbar witzig. Bevor ich reagieren konnte, griffen sie einen zweiten, dann einen dritten Gruppenführer und warfen auch diese in den Fluss.
Ich stellte mich ihnen entgegen. Wahrscheinlich mussten sie Frust ablassen – an den Offizieren konnten sie sich nicht rächen, und der Militärdienst ist nichts für Weicheier. So suchten sie sich uns Gruppenführer als Ziel – die letzte greifbare Autorität, gegen die sie sich auslassen konnten.
Dann sprang einer von ihnen auf mich zu. Mit voller Wucht traf er mich mit den hohen Militärschuhen am linken Knie. Ich sah nur noch Sterne. Der Schmerz war intensiv und brennend, aber ich wehrte mich – niemand von uns Gruppenführern musste so behandelt werden.
Am Abend suchte ich den Arzt im KZ auf, um den Vorfall zu melden. Er war gerade am Aufräumen, da die Rekrutenschule am Samstag endete. Nach einer kurzen Untersuchung stellte er fest, dass mein Knie geschwollen war, und sagte:
„Wenn es nicht besser wird, gehen Sie zu Ihrem Hausarzt, dann sehen wir weiter.“
Ich liess den Vorfall dokumentieren – ein klarer Fall für die Militärversicherung. Trotz des Schocks und der Schmerzen wusste ich: In solchen Momenten zeigt sich, wer Verantwortung übernimmt, wer standhaft bleibt und wer unter Druck handlungsfähig bleibt. Dieser Tag war eine harte, aber wertvolle Lektion in Belastbarkeit und Führung – mitten im Chaos der letzten Woche der Rekrutenschule.
Am Samstag war Abtreten um 12 Uhr – die Rekrutenschule war offiziell vorbei. Mein Knie jedoch schmerzte weiterhin stark. Anfangs hoffte ich, der Schmerz würde nachlassen, doch er blieb und machte jede Bewegung unangenehm.
Am Montag entschied ich mich, Dr. Koch in Luzern anzurufen und einen Termin zu vereinbaren. Er war der Arzt meiner Mutter, und meine Mutter kannte damals seinen Vater persönlich – eine vertrauensvolle und familiär geprägte Verbindung, die mir Sicherheit gab. Der damalige Dorfarzt in Giswil, Dr. Sanner, hatte sich in der Vergangenheit als wenig zuverlässig erwiesen, daher wollte ich auf Nummer sicher gehen.
Dr. Koch untersuchte mein Knie gründlich, punktierte es und stellte schliesslich die Diagnose: Der Meniskus war verletzt und musste dringend operiert werden. Er meldete mich für die Operation im Spital Stans an und vereinbarte einen entsprechenden Termin.
Am kommenden Montag musste ich in die Offiziersschule in Wangen an der Aare einrücken. Schon vorher war klar, dass ich die Schule unter diesen Umständen überhaupt nicht absolvieren konnte. Dr. Koch stellte mir ein ärztliches Zeugnis aus, das mich offiziell von der Offiziersschule dispensierte.
Dennoch musste ich, wie alle anderen, am Antrittsverlesen um 13:30 Uhr teilnehmen. Schon beim Antrittsverlesen der Offiziersschule spürte man deutlich, dass hier zukünftige Offiziere versammelt waren. Nach dem Antrittsverlesen mussten diejenigen mit einem ärztlichen Zeugnis zum Schulkommandanten Oberst Bienz. Das kurze Gespräch klärte alles Weitere, er wollte mir sogar eine Marschdispens erteilen. Ich konnte nach diesem Gespräch offiziell die Schule verlassen.
Nach dieser Formalität fuhr ich wieder heim, zurück nach Giswil. Die bevorstehende Meniskusoperation, 1980 noch ein ernsthafter Eingriff, bestimmte nun meine nächsten Wochen. Sie bedeutete Schonung, Unsicherheit und die Frage, ob ich jemals wieder voll belastbar sein würde.
Rückblickend erscheinen mir diese Tage als eine prägende Erfahrung: eine Mischung aus militärischer Strenge, persönlichen Grenzen und der Erkenntnis, dass Disziplin und Selbstverantwortung nicht immer Hand in Hand gehen. Ich konnte den Weg eines Offiziers nicht beschreiten, den ich mir einst vorgestellt hatte, aber ich lernte, auf meinen Körper zu hören und Verantwortung für mich selbst zu übernehmen – eine Lektion, die mir bis heute bleibt.
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Meniskusoperation – Schmerz, Geduld und kleine Eifersüchteleien
Bereits einen Tag später erfolgte die Meniskusoperation im Spital Stans.
Mein Knie verlangte eine offene Meniskusoperation – ein langer Schnitt, ein Eingriff, der damals noch weit grösser war als die modernen arthroskopischen Verfahren. Schon das Aufwachen aus der Narkose war ein eigenartiger Schock: der Geruch von Desinfektionsmitteln, das kalte Licht des Krankenzimmers und das dumpfe, pochende Gefühl im Knie, das sich anfühlte, als würde es gegen mich rebellieren.
Die zehn Tage im Krankenhaus waren eine eigenartige Mischung aus Schmerz, Routine und kleinen Beobachtungen. Jede Bewegung war ein Balanceakt zwischen Schmerzen und Fortschritt. Das Knie war geschwollen, warm, jeder Schritt auf den Krücken ein leises Spiel aus Vorsicht und Mut. Gleichzeitig spürte ich die unaufdringliche Fürsorge der Krankenschwestern, die mit freundlichem Lächeln und sanftem, aber bestimmt geführtem Griff meine Heilung begleiteten. Ihre Aufmerksamkeit gab mir Sicherheit und Trost inmitten der körperlichen Anspannung.
Doch nicht jeder nahm diese Nähe ungetrübt wahr. Marietheres, meine Freundin, wirkte nicht ganz erfreut über die Aufmerksamkeit der Schwestern. Eine leichte Eifersucht lag in der Luft, die ich unweigerlich spürte – kleine spitze Bemerkungen, flüchtige Blicke, die mehr sagten als Worte. Erst im Rückblick verstand ich, dass es eine Mischung aus Sorge, Anteilnahme und eigenen Unsicherheiten war.
Sechs Wochen lang war ich arbeitsunfähig. Jede alltägliche Bewegung – Aufstehen, Gehen, Treppensteigen – wurde zu einem Triumph über Schmerz und eine Übung in Geduld. Doch parallel zu diesen körperlichen Herausforderungen lernte ich auch, die feinen emotionalen Dynamiken um mich herum wahrzunehmen: die Wärme und Professionalität der Krankenschwestern, die kleine Eifersucht meiner Freundin, die stillen Versuche, Nähe und Fürsorge in einem Raum voller Routine auszubalancieren.
Diese Erfahrung war mehr als ein medizinischer Eingriff. Sie war ein Tanz zwischen Schmerz, Heilung und Empathie – eine Konfrontation mit körperlicher Verletzlichkeit, eine Lektion in Geduld und Achtsamkeit, und ein Moment, in dem selbst kleine menschliche Regungen, wie ein Schatten der Eifersucht, spürbar wurden und in meine Heilung einflossen.
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Nach meiner Meniskusoperation, verbrachten Marietheres und ich Ferien in Lugano. Es waren unsere vierten gemeinsamen Ferien, doch diese Reise war besonders, weil wir uns zuvor wieder zusammengerauft hatten. Wir mieteten eine Ferienwohnung und genossen zwei wunderbare Wochen miteinander.
Wir gingen im Lido di Lugano baden, assen gut und freuten uns einfach am Zusammensein. Das Schwimmen tat meinem Knie nach der Operation gut und half mir bei der Erholung. Überhaupt war diese Zeit für mich eine gute Möglichkeit, mich zu erholen und wieder zu Kräften zu kommen.
Mein Vater hatte mir sein Auto mit Automatikgetriebe geliehen, weil ich wegen meines Knies nur das rechte Bein richtig gebrauchen konnte. Mit einem Auto mit Gangschaltung wäre das für mich damals schwierig gewesen, deshalb war ich sehr froh über dieses Auto.
Während unserer Ferien erlebten wir noch etwas Besonderes: In Lugano gab es einmal einen heftigen Hagelsturm. Der Hagel war so stark, dass das Auto meines Vaters beschädigt wurde. Als wir später wieder zu Hause waren, ließ ich das Auto selbstverständlich reparieren und übernahm auch die Kosten dafür.
Im Nachhinein war das fast schon eine ironische Geschichte des Lebens: Einige Wochen später fuhr mein jüngerer Bruder Adrian genau dieses Auto zu Schrott. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich die Reparatur wahrscheinlich gar nicht mehr machen lassen. Aber so ist das Leben – damals konnte ich das natürlich nicht wissen.
Trotz dieser Episode blieb für mich vor allem die Erinnerung an zwei sehr schöne und harmonische Wochen. Ich war froh und dankbar, dass sich die Beziehung zwischen Marietheres und mir wieder eingerenkt hatte und wir diese Zeit in Lugano gemeinsam so unbeschwert genießen konnten.
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Nach meinem Unfall im Militär fühlte ich mich plötzlich wie in einem leeren Raum – die Zukunft unklar, die Offizierslaufbahn wie aus meinen Händen gerissen. Doch anstatt aufzugeben, entschloss ich mich, diese unfreiwillige Pause zu nutzen, um meine Energie auf etwas Neues zu lenken: Algebra und die Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung für die Bauführerschule, damals die unangefochtene Crème de la Crème im Bauwesen.
Es war nicht leicht. Nach Wochen der Ruhe spürte ich, wie die Motivation manchmal zu entgleiten drohte. Doch ich wollte nicht zulassen, dass Angst oder Frust die Oberhand gewinnen. Ich brauchte ein Ziel, einen Anker. Und so betrat ich die Buchhandlung Pfamatter in Sarnen und kaufte das Buch „Kusch“ – die Bibel der Algebra, mit Lösungsheft.
Zu Hause setzte ich mich hin, öffnete die erste Seite, und ein seltsames Kribbeln durchfuhr mich. Jede Aufgabe war wie ein kleiner Kampf, jeder gelöste Schritt ein Sieg. Mein Herz klopfte schneller, wenn ich vor schwierigen Aufgaben sass, und ich fühlte gleichzeitig Stolz, Entschlossenheit und eine wachsende Gewissheit: Ich wollte diese Prüfung bestehen – ich würde bestehen!
Die Tage vergingen wie im Flug. Jeder Morgen begann mit dem Drang, noch ein bisschen mehr zu lernen, jede Nacht endete mit dem festen Gedanken: Im Herbst die Aufnahmeprüfung, im Frühling 1981 der Beginn eines neuen Kapitels. Ich wollte nicht nur teilnehmen – ich wollte erfolgreich sein, ich wollte beweisen, dass ich trotz allem die Spitze erreichen konnte. Und mit jedem gelösten Problem, mit jedem kleinen Erfolg, wuchs in mir die unerschütterliche Gewissheit: Ich war bereit.
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Wiederholungskurs 1980 in Tegerfelden
Im Herbst 1980 musste ich zu meinem ersten Wiederholungskurs als Rettungskorporal einrücken.
Für uns Kader begann der Dienst bereits einige Tage früher mit einem Kadervorkurs in einer Nachbargemeinde von Tegerfelden im Kanton Aargau. Während wir uns dort vorbereiteten, rückte die Mannschaft erst am Montag mobilmachungsmässig in Wangen an der Aare ein. Von dort aus verschob sich die ganze Kompanie gefechtsmässig nach Tegerfelden, mit diversen Zwischenübungen unterwegs. Darunter war auch der sogenannte C-Alarm – der Chemiealarm. Dabei wurde ein chemischer Angriff simuliert, inklusive Schutzmassnahmen, Dekontamination und Einsatz der Gasmaske. Solche Übungen waren damals eindrücklich, weil sie uns zwangen, unter simuliertem Gefahrstoffdruck schnell und organisiert zu handeln.
Unsere Unterkunft befand sich im Schulhaus der Gemeinde – ein voll eingerichtetes Militärkantonament, wie es damals hiess. Diese Unterkünfte waren ausschliesslich für Militärs vorgesehen und mussten nicht improvisiert werden. Alles war auf den militärischen Bedarf ausgerichtet: Schlafsäle, Sanitäreinrichtungen, Gemeinschaftsräume und eine eigene Küche, in der das Essen zubereitet wurde.
Die Mahlzeiten für die Mannschaft wurden in Selbstbedienung bereitgestellt: jeder holte sein Essen selbst im Restaurant des Hotel Löwen. Für uns Gruppenführer hingegen wurde das Essen serviert, entsprechend unserem Rang und den Aufgaben, die wir während des WKs zu erfüllen hatten.
Als Gruppenführer hatten wir innerhalb des Militärkantonaments zudem einen eigenen Schlafraum, getrennt von den Schlafsälen der Mannschaft. So konnten wir in Ruhe arbeiten, Unterlagen vorbereiten oder einfach einmal eine Pause abseits des üblichen Trubels einlegen.
In derselben Kompanie diente Engelbert Zumstein, den ich bereits von früher kannte. Er ist in der Nachbarschaft von Marietheres aufgewachsen, ebenfalls ein Giswiler, und hatte den Rang eines Soldaten. Während des WKs war er für das Kleinmaterial der Kompanie verantwortlich. Ich erwähne ihn deshalb, weil sich unsere Wege später im Leben noch mehrfach kreuzen sollten – damals wussten wir das natürlich noch nicht.
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Während dieses WKs stand für mich noch etwas ganz anderes Wichtiges an: die Aufnahmeprüfung an die Bauführerschule, die in Unterentfelden bei Aarau stattfand. Dafür musste ich während des Dienstes Urlaub beantragen. Dieser wurde mir selbstverständlich gewährt.
Auch wenn man um 1980 während eines Wiederholungskurses (WK) der Schweizer Armee unterwegs war, erschien man nicht zwingend direkt in Uniform zu einer Aufnahmeprüfung oder einem Bewerbungsgespräch. Viele hatten – so wie ich – zivile Kleidung im Gepäck oder im Auto, um sich vor dem Termin umzuziehen. Die Uniform war zwar im Alltag präsent, doch für formelle Anlässe zog man häufig bewusst Zivilkleidung an.
Also fuhr ich an diesem Tag in ziviler Kleidung zur Prüfung.
Die Aufnahmeprüfung dauerte den ganzen Tag. Verschiedene Fächer wurden geprüft, und entsprechend angespannt war ich natürlich. Schliesslich hing einiges davon ab, ob ich später die Ausbildung beginnen konnte. Glücklicherweise bestand ich die Prüfung. Etwa nach 2 bis 3 Wochen bekam ich von der Bauführerschule Aarau ein Schreiben, dass ich die Aufnahmeprüfung bestanden hätte und im Frühling mit der Bauführerschule beginnen konnte. Das war für mich eine riesige Freude.
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Zum Militärdienst gehörten natürlich auch andere Übungen, und eine davon ist mir besonders lebhaft in Erinnerung geblieben. Unsere Kompanie war in diesem Jahr als Katastrophenkompanie eingeteilt. Das bedeutete, dass wir im Falle eines realen Ereignisses irgendwo in der Schweiz sofort hätten ausrücken müssen, um die zivilen Behörden zu unterstützen.
Das Übungsszenario lautete: grosse Trockenheit. Seit Monaten habe es nicht mehr geregnet, und die Bauern würden dringend Wasser für ihre Felder benötigen. Unsere Aufgabe bestand darin, Wasser aus der Aare zu fördern und in ein anderes Tal zu leiten.
Das gesamte Bataillon 2 wurde beübt. Die Übung begann am Abend. Es war nass, kalt, und es regnete weiterhin wie aus Kübeln. Wir hätten im Wald biwakieren sollen. Doch es brauchte nicht viel Überlegung, um festzustellen, dass es völlig sinnlos war, bei diesem Wetter vom Lastwagen abzusteigen und im Wald ein Lager einzurichten. So beschlossen wir kurzerhand, die Nacht einfach auf den Lastwagen zu verbringen.
Die ganze Kompanie blieb im Schutz der Fahrzeuge sitzen. Wir sassen dicht gedrängt, die Gewehre zwischen den Beinen, und so verbrachten wir die Nacht halb sitzend und halb dösend. Komfortabel war das nicht, aber wenigstens wurden wir nicht durchnässt.
Am Morgen verpflegten wir uns, und kurz darauf erfolgte Alarm – die Übung begann.
Wir richteten unsere Einsatzstelle in Biberstein an der Aare ein, bereiteten die Pumpstellen vor und begannen damit, das Wasser über die Hügel ins nächste Tal zu leiten. Währenddessen regnete es immer noch in Strömen.
Als Rettungstruppe mussten wir eine Transportleitung über den kleinen Jurahügel bauen, um das Wasser ins nächste Tal zu bringen und die Bauern zu versorgen. Dazu wurden sogenannte Transportleitungen mit Ausgleichsbecken aufgebaut:
- Schläuche auslegen – vom Ausgangspunkt an der Aare wurden die Schläuche entlang des Geländes ausgelegt, Steigungen, Kurven und Hindernisse wurden berücksichtigt.
- Zwischenpumpen und Ausgleichsbecken – an kritischen Stellen wurden kleine Becken eingerichtet, die als Puffer dienten, damit der Wasserdruck ausgeglichen wurde und kein Schlauch platzte.
- Pumpstationen – bei steilen Anstiegen setzten wir Pumpen ein, um das Wasser über Hügel zu fördern. Die Pumpen wurden manuell oder mit kleinen Motoren betrieben, je nach Übungsszenario.
- Kontrolle und Sicherung – die gesamte Leitung musste laufend überwacht werden: keine Knicke, keine Lecks, keine Luftblasen, die den Wasserfluss unterbrechen könnten.
Nur hatte die Realität mit dem Szenario wenig zu tun. Der intensive Dauerregen machte das Verlegen der Schläuche und die Arbeit an den Ausgleichsbecken zusätzlich kompliziert, rutschig und sehr nass.
Die Bauern auf der anderen Talseite wunderten sich wahrscheinlich eher, woher all dieses zusätzliche Wasser kam, obwohl es ohnehin seit Tagen ununterbrochen vom Himmel fiel.
Irgendwann begegnete ich dem Übungsleiter, dem Hauptmann Amrein aus Sursee, eine Arschgeige. Ich trug meine Regenpelerine, doch trotz allem lief das Wasser direkt in meine Schuhe und sammelte sich darin. Es war schlicht alles durchnässt.
In diesem Moment konnte ich mir einen Kommentar nicht verkneifen.
Ich sagte zu ihm, dass es bei meiner Grossmutter ähnlich angefangen habe wie bei ihm – sie hatte auch kleinen Dachschaden. Nur sei der Unterschied gewesen, dass meine Grossmutter einmal in die Molkerei gegangen sei und statt des Milchkessels jeweils den Vogelkäfig mitgenommen habe.
Der Hauptmann reagierte alles andere als amüsiert.
Er wurde fuchsteufelswild und befahl mir sofort, Haltung anzunehmen mich anzumelden.
Ich antwortete ruhig: „Hauptmann, Korporal Moser.“
Er versuchte, meinen Namen zu notieren – doch bei diesem Regen war das praktisch unmöglich. Das Papier war völlig durchnässt, der Bleistift schmierte nur, und eine saubere Notiz kam nicht zustande. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als sich meinen angeblichen Namen zu merken.
Später stellte sich natürlich heraus, dass es im gesamten Bataillon keinen Korporal Moser gab.
Damit verlief die Sache im Regen.
So war das damals im Militär.
Nach dreieinhalb Wochen war der Wiederholungskurs vorbei. Wie so oft beim Militär blieb eine Mischung aus Strapazen, Kameradschaft, absurden Situationen und einigen guten Geschichten zurück.
Es war eben Militär – mit allem, was dazugehört.
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Ereignisse 1980
1980 war die Schweiz politisch stabil, der Bundesrat blieb unverändert. Die Wirtschaft zeigte erste Anzeichen einer Rezession, und die Arbeitslosigkeit stieg leicht an. Umwelt- und Anti-Atomkraft-Initiativen gewannen zunehmend an Aufmerksamkeit. Die Schweiz nahm an den Olympischen Winterspielen in Lake Placid teil und zeigte dort sportliche Präsenz. Kulturell waren Schweizer Künstler wie Friedrich Dürrenmatt international anerkannt und aktiv. Gesellschaftlich rückten die Frauenbewegung und Debatten über Gleichberechtigung stärker ins öffentliche Bewusstsein. Insgesamt war es ein Jahr des gesellschaftlichen Wandels bei gleichzeitiger politischer Kontinuität.
1980 war ein Jahr voller Umbrüche in der Welt.
In Polen gründete sich die Gewerkschaft Solidarno%u015B%u0107, und der Widerstand gegen Unterdrückung wurde spürbar. Ronald Reagan trat als neuer US-Präsident an, während die Sowjetunion weiter in Afghanistan intervenierte. Die Weltwirtschaft kämpfte mit Inflation und Schuldenkrisen, während die Raumfahrt neue Horizonte öffnete – der erste Space-Shuttle-Flug stand kurz bevor. Kultur und Gesellschaft wurden von tiefgreifenden Ereignissen geprägt: der Mord an John Lennon erschütterte die Welt, und die Olympischen Spiele in Moskau zeigten, wie Politik selbst den Sport beeinflussen konnte. Neue Musikrichtungen wie New Wave und elektronische Klänge kündigten das Lebensgefühl der 1980er Jahre an.
Militär 1981 - 1990
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Ich konnte meine Ausbildung zum Dipl. Bauführer am Osterdienstag, 21. April 1981 an der Bauschule Aarau in Unterentfelden beginnen. In 3 anspruchsvollen Jahren sollte ich mein Diplom in den Händen haben.
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1980 hatte ich wegen meines Unfalls die Offiziersschule nicht antreten können. Doch schon anfangs Mai 1981 flatterte erneut ein Marschbefehl ins Haus – ich sollte nochmals einrücken. Ich schickte den Befehl zurück und erklärte, dass ich inzwischen die Bauschule Aarau besuche und einfach keine Zeit für die Offiziersschule hätte. Ausserdem zwickte mein Knie noch immer, die alte Verletzung machte sich immer wieder bemerkbar. Eine militärische Ausbildung war für mich schlicht nicht möglich.
Kurz bevor die Offiziersschule beginnen sollte, erreichte mich schliesslich ein offizielles Schreiben vom EMD: Ich war definitiv von der Offiziersanwärterliste gestrichen. Ich musste die Schule nicht mehr besuchen.
Mein Vater reagierte, wie ich es mir schon vorgestellt hatte – und dennoch war es erschreckend, es so zu sehen: Er war mehrere Tage wie gefrostet, sprach kaum ein Wort und konnte mein Verhalten einfach nicht verstehen. An seinem Ego kratzte es enorm, dass sein Sohn nicht den Weg des Offiziers einschlug, und er hätte nichts lieber gesehen, als dass ich in Uniform vor ihm stünde. Doch je länger ich Abstand gewann, desto klarer wurde mir, dass ich mir diese Laufbahn überhaupt nicht hatte vorstellen können. Ich hatte meinen eigenen Weg gewählt – mit anderen Prioritäten, anderen Träumen und einem Knie, das nicht mitspielte.
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1981 WK Hägendorf (Sommerferien)
Seit dem 21. April war ich nun Absolvent der Bauführerschule in Aarau. Mitte Mai erhielt ich den Marschbefehl für den WK in Hägendorf. Dieser fand Ende Juni statt, also zwei Tage vor Beginn der Sommerferien war KVK. Das hiess, am Freitag und am Samstagmorgen konnte ich die Schule nicht besuchen, weil ich in den WK einrücken musste. Die folgenden drei Wochen fielen dann in die Sommerferien.
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Mikrogeschichte: Haarschnitt im Kaderkurs
Als Korporal musste ich den KVK-Kadervorkurs in Hägendorf einrücken. Eine Woche vorher war ich in Giswil zum Coiffeur gegangen, um sicherzustellen, dass mein Haarschnitt den Vorschriften entsprach. Am zweiten Tag jedoch beanstandete der Kompaniekommandant meinen Schnitt: Für einen Soldaten sei es ausreichend, für einen Korporal jedoch nicht. Ich musste nochmals zum Coiffeur, die Haare kürzer schneiden lassen.
Dieses Erlebnis zeigte mir, dass der Kommandant seine Prioritäten falsch setzte: Details wie der Haarschnitt wurden über die Führung von Menschen gestellt, Vorbereitung und Eigeninitiative der Unteroffiziere wurden ignoriert. Für mich war dies ein klarer Beleg mangelnder Führungskompetenz und ein Tag voller Frust, der völlig unnötig entstand. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr konnte ich auf das Militär verzichten. Das muss ich, glaube ich, nicht mehr haben – mein Fokus liegt jetzt auf der Bauführerschule.
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Die Territorial - Meisterschaft 1981 – oder wie wir den Sportminister austricksten
Im Kadervorkurs informierte uns Hauptmann Amrein, dass das Bataillon 2 mit der Durchführung der Territorial - Meisterschaft beauftragt worden ist. Das sind Wettkämpfe, bei denen Soldaten an ihre körperlichen Grenzen gebracht wurden.
Natürlich war das kein kurzfristiges Ding – der Auftrag bestand schon länger, eine langfristige Planung, wie es im Militär üblich ist. Aber jetzt war der Zeitpunkt konkret: Strecken mussten markiert, Aufgaben vorbereitet, Teilnehmer koordiniert und die Meisterschaft selbst durchgeführt werden.
Offiziell beaufsichtigt wurde das Ganze von Hauptmann Amrein, unserem obersten „Sportminister“. Streng, laut, voller Ehrgeiz – und überzeugt davon, dass jeder Korporal und Unteroffizier seine Pflicht mit voller Energie erfüllen müssten. Am Vormittag meldete sich Amrein bei uns, übermotiviert wie eh und je, voller Elan und mit einem leicht überdrehten Humor, den wir schon aus dem letzten WK kannten. Sein Auftrag war klar: alle Gruppenführer, also wir Korporale, sollten sich bis Mittag anmelden und teilnehmen. Punkt, Ende, keine Diskussion.
Doch wir Unteroffiziere von der Kompanie 5 hatten im WK keine Affinität zum Sport. Nie gehabt. Nie interessiert. Schon beim Zuschauen im Fernsehen wurde uns langweilig, und jetzt sollten wir rennen, schwitzen, Orientierungsläufe (OL) meistern? Nicht mit uns.
Also entschieden wir uns für die eleganteste Strategie: wir meldeten uns nicht an. Kein Mitmachen, keine Teilnahme. Hauptmann Amrein, in seiner Rolle als Sportminister zu sehr beschäftigt, bemerkte unsere Abwesenheit nicht. Zwischen Strecken markieren, Teilnehmerlisten prüfen und hektisch die Organisation überwachen hatte er schlicht keine Zeit für uns.
Die Meisterschaft selbst fand statt. Die Sportbegeisterten rannten, kämpften, schwitzten und gaben alles – bei den Orientierungsläufen, in jeder Disziplin. Wir Unteroffiziere beobachteten das Ganze aus sicherer Entfernung, in voller Uniform, mit kühlen Getränken in der Hand, und kommentierten das Geschehen leise untereinander.
Es war eine Mischung aus Unterhaltung, stillem Protest und cleverem Überleben: Wir erfüllten unsere Rolle im Kadervorkurs, liessen uns aber nicht unnötig verbiegen oder quälen. Rückblickend war es eine perfekte Lektion: militärische Befehle kann man respektieren – oder, wenn sie absurd sind, humorvoll ignorieren.
Wir nahmen daran nicht teil; für uns war das keine Pflicht, wir haben es schlicht negiert, so wie man auch nicht jede Theatervorstellung besucht.”
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Unterkunft
Die Unterbringung der Kompanie ohne Offiziere war in der Zivilschutzanlage in Hägendorf.
Die Zeit in der unterirdischen Anlage ist mir als eine eigene, abgeschlossene Welt in Erinnerung geblieben. Kaum hatte man die schweren Türen hinter sich gelassen, war man vom Leben draussen getrennt. Kein Tageslicht, keine frische Luft im gewohnten Sinn – nur die gefilterte Luft, der Geruch von Beton und Technik und das gleichmässige Klima unter der Erde.
Die Unterkunft war insgesamt eng, aber es gab Unterschiede. Wir Gruppenführer hatten einen eigenen Schlafraum, und wir hatten das Glück, dass jeder von uns praktisch drei Kajütenbetten für sich alleine nutzen konnte. Das war ein unerwarteter Komfort in dieser Umgebung – etwas mehr Platz, etwas mehr Ruhe.
Ganz anders war es für die Mannschaft. Für die Soldaten war es sehr, sehr eng. Die Kajütenbetten standen dicht an dicht, jeder hatte nur wenig Raum für sich. Privatsphäre gab es kaum. Man lebte unmittelbar nebeneinander, hörte jedes Geräusch, jede Bewegung. Diese Enge war spürbar – und sie gehörte einfach zum Alltag.
Die Offiziere hingegen waren nicht in der Anlage untergebracht. Sie wohnten selbstverständlich oberirdisch, in einem Hotel in Hägendorf. Zwischen ihnen und uns bestand nicht nur Distanz, sondern eine spürbare Trennung. Es waren tatsächlich zwei verschiedene Welten. Während wir unter der Erde lebten, arbeiteten und den Alltag teilten, blieben sie auf Abstand – auch im Umgang. Nähe entstand dort keine. Mit der Zeit wurde mir das immer deutlicher. Diese Art von Führung und diese Distanz entsprachen nicht meinem Verständnis. Der Gedanke reifte, leise aber bestimmt: Das ist nicht meine Welt. Ich werde meiner Militärkarriere ein Ende setzen.
Die Kameradschaft entstand dafür umso stärker unter uns Gruppenführern und mit den Soldaten. Dort war sie echt, gewachsen aus dem gemeinsamen Alltag, aus Enge, Müdigkeit und Verantwortung.
Der Tagesablauf war klar geregelt. Ohne Fenster verlor man rasch das Gefühl für Zeit, deshalb gaben feste Abläufe Struktur: Wecken, Essen, Übungen, Bereitschaft. Ob draussen die Sonne schien oder Regen fiel, spielte keine Rolle. Unten war es immer gleich hell, immer gleich kühl.
Ständig hörte man das leise Brummen der Lüftung und der technischen Anlagen. Anfangs nahm man es bewusst wahr, später wurde es zum Hintergrundgeräusch, fast wie ein ständiger Begleiter. Diese gleichförmige Umgebung hatte etwas Beruhigendes, aber auch etwas Eintöniges.
Für uns von der Rettungstruppe war die Anlage nicht nur Unterkunft, sondern Ausgangspunkt für den Einsatz. Die Ausrüstung war bereit, jeder wusste, was zu tun war. Die ständige Bereitschaft war immer präsent. Es ging weniger um Schutz als darum, im Ernstfall handeln zu können.
Rückblickend bleibt die Erinnerung an eine intensive Zeit – geprägt von Kameradschaft unten und klaren Erkenntnissen darüber, wo ich selbst meinen Weg nicht weitergehen wollte.
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Mikrogeschichte: des Personentransports auf der Ladefläche des Lastwagens
Beschreibung des Personentransports auf der Ladefläche (allgemein formuliert)
- Sitzanordnung:
Viererreihen hintereinander über die Länge der Ladefläche.
Jede Person sitzt auf dem Boden der Ladefläche, ohne Sitzbank.
- Gewehrhaltung:
Das Gewehr wird zwischen den Beinen gehalten, sodass es beim Bremsen oder Schaukeln nicht verrutscht.
- Körperhaltung und Stabilität:
Die Beine sind angewinkelt.
Jede Person lehnt sich leicht an die angewinkelten Beine des Nachbarn vor oder neben sich, um gegenseitige Stabilität zu erreichen.
- Dieses „Körperstützsystem“ verteilt die Kräfte bei Fahrbewegungen und erleichtert das Gleichgewicht auf der unbequemen, offenen Ladefläche.
- Sicherheitsprinzip:
Keine Sicherheitsgurte, keine festen Sitze — die Stabilität kommt allein durch Körperhaltung, kollektives Anlehnen und Konzentration der Soldaten.
Seitliche Bordwände der Ladefläche dienen als passiver Schutz gegen Herausfallen.
Kurz gesagt:
Soldaten sassen eng auf der Ladefläche, in Viererreihen hintereinander, Gewehr zwischen den Beinen, und stützten sich gegenseitig ab, um Stabilität während der Fahrt zu gewährleisten. Ein System, das gleichzeitig Platz sparte, Sicherheit erhöhte und Disziplin verlangte.
Mikrogeschichte Personentransport:
Die Waldlichtung lag still, die Sonne glitzerte durch die Bäume, Vögel zwitscherten – eine Idylle, die man nicht mit dem Militär in Zusammenhang bringt. Auf der Ladefläche des Lastwagens sass die Mannschaft in Viererreihen, Gewehr zwischen den Beinen, Beine angewinkelt, jeder stützte sich leicht am Nachbarn ab. Die Plane über Kopf spannte sich wie ein dürftiger Schutzschirm gegen Regen, die offenen Seiten und das Heck liessen Luft und Sicht zu. Alles schien bereit für die Übung – nur Leutnant Grimmig nicht.
Leutnant Grimmig stand vorne, die Stirn in Falten, die Hände zu Fäusten geballt, seine Augen blitzten. „Aufsitzen! Absitzen! Aufsitzen!“ schallte es über die Lichtung. Jeder Befehl ein Versuch, die Truppe auf Linie zu bringen, jede Bewegung penibel zu kontrollieren. Doch nach spätestens einer halben Stunde wurde deutlich: die Mannschaft hatte genug von seinem Perfektionswahn. Die Soldaten lehnten sich zurück, verschränkten die Arme, starrten geradeaus – stoisch, ungerührt, fast schon meditativ in ihrer Gelassenheit.
Grimmig lief auf und ab, gestikulierte wild, schrie, als würde allein seine Lautstärke Disziplin erzwingen. Doch das Echo seines Frustes prallte an der stillen Gelassenheit der Soldaten ab. Die Zeit zog sich, er wurde immer roter im Gesicht, seine Stimme immer lauter, die Kommandos immer schärfer – und doch geschah nichts. Die Mannschaft blieb sitzen, halb irritiert, halb belustigt, und die Ladefläche verwandelte sich in ein kleines Theaterstück der Absurdität.
Schliesslich zog sich Grimmig erschöpft und durch den Wald zurück, das Gesicht vor Frustration verzogen. Die Soldaten lehnten sich zurück und lächelten. Die Waldlichtung war wieder still, nur das leise Knarren des Lastwagens im Wind erinnerte an das, was gerade passiert war: ein Nachmittag voller Unsinn, perfekter Disziplin nur auf dem Papier.
Typisch Schweizer Militär: so kann man die Zeit totschlagen. Je älter man wird, je länger man in diesem Verein dabei ist, desto weniger braucht man solchen Unsinn. Aber für diejenigen, die gerade erst anfangen, ist es ein Schauspiel: ein jungfräulicher Leutnant, der sich aufreibt, und eine stoische Mannschaft, die geduldig und fast schon heimlich die Oberhand gewinnt. Ein Lehrstück in Geduld, absurdem Pflichtgefühl und der Kunst, sich elegant über die Sinnlosigkeit hinwegzusetzen.
Grimmig: Pseudonym
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Es war ein typischer Abend im WK, doch diesmal sollte es besonders turbulent werden. Um 17 Uhr erfolgte der Alarm, und unsere Kompanie machte sich mit Lastwagen, Anhänger voller Rettungsmaterial und am Anhänger angehängte Motorspritze auf den Weg nach Aarau. Schon auf der Fahrt wurde klar: Diese Übung würde anders sein. In der Stadt fuhren Polizeiautos und Feuerwehrfahrzeuge kreuz und quer durch die Strassen, Blaulichter flackerten überall – man kam kaum vorwärts. Das Chaos war perfekt, die Strassen blockiert, jeder versuchte, sich seinen Weg durch das Gewimmel zu bahnen. Chaos pur.
Als wir beim Industrie- und Gewerbekomplex Telli ankamen, staunten wir nicht schlecht. Direkt daneben liegt das Wohnquartier Telli, eine einzigartige Überbauung mit fast 600 Wohnungen. Dort tobte ein Riesenszenario – die Show musste weitergehen. Doch es war kein Spiel: Ein Riesenchaos herrschte, wie nach einem Bombenangriff. Menschen liefen durch die Strassen, Sirenen heulten, Feuerwehr und Polizei kämpften sich durch das Gewimmel – man konnte es sich kaum vorstellen, aber es war wirklich reell.
Wir luden unsere Anhänger ab und machten uns bereit – mein Zug unter meiner Führung als Korporal war für ein bestimmtes Gebäude zugeteilt. Direkt am Objekt griffen wir ein: Türen aufbrechen, Brandherde bekämpfen, Menschen retten, Verletzte betreuen. Jeder Handgriff zählte, jede Sekunde war kritisch. Regen prasselte auf unsere Helme, die Dunkelheit verschärfte die Lage, doch wir mussten handeln – schnell, präzise, konzentriert.
Um 19 Uhr begann der volle Einsatz. Wir koordinierten mehrere Gruppen, kämpften uns durch Rauch und Chaos, löschten Feuer, halfen Menschen aus den Gebäuden – der Druck war enorm, doch das Adrenalin hielt uns wach und fokussiert. Stunden vergingen, die Uhr tickte gnadenlos, bis wir schliesslich um 2 Uhr morgens abgelöst wurden. Eine andere Kompanie übernahm, während wir unser Material wieder verluden und erschöpft in einer Turnhalle eines Schulhauses unsere Ruhe suchten.
Die Übung war für uns beendet, doch das Erlebnis brannte sich in unsere Köpfe: Realistischer als alles, was man sich vorstellen konnte, chaotisch durch fehlende Kommunikation, aber zugleich ein Lehrstück in Führungsverantwortung, Teamarbeit und logistischem Geschick. Heute, im Jahr 2026, wären solche Übungen aufgrund der strengen Umwelt- und Sicherheitsauflagen kaum noch durchführbar – damals, 1981, war das bei den Rettungstruppen noch problemlos möglich. Es machte Sinn, dass man damals solche realistischen Szenarien trainieren konnte – eine Nacht, die niemand so schnell vergessen würde.
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Nach dem WK in Hägendorf verbrachten Marietheres und ich zwei Wochen in einer Ferienwohnung in Ascona, um nach einem passenden Rustico zu suchen – einem alten Tessiner Steinhaus, das wir als Ferienrefugium umbauen wollten. In den 1980er-Jahren war es gerade sehr beliebt unter Deutschschweizern, solche Rusticos zu entdecken und zu restaurieren. Dicke Steinmauern, sichtbare Holzbalken und kleine Fenster verliehen diesen Häusern einen unverwechselbaren Charme, und viele Deutschschweizer sahen darin ein kreatives Projekt: ein altes Haus in ein modernes, gemütliches Ferienhaus zu verwandeln, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Ich erzählte meinem Vater von der Idee, und er war sofort begeistert: „Wieso nicht?“ Damit hatte ich den Auftrag, nach einem passenden Rustico Ausschau zu halten.
Marietheres und ich gingen vor allem über die Immobilienmakler. In Locarno und Ascona gab es kleine Schaufenster, in denen die Makler ihre Angebote aushängten – viele Rusticos waren dort gelistet, und wir nahmen direkt Kontakt auf. Mit den Einheimischen selbst hatten wir kaum Kontakt; es war eher eine organisierte Suche über die professionellen Kanäle. So konnten wir gezielt die Häuser besichtigen, die zum Verkauf standen, und uns vorstellen, wie wir eines davon zu unserem Ferienrefugium machen könnten.
Diese zwei Wochen in Ascona legten den Grundstein für das, was später werden sollte – aber die Details dieser Suche und der anschließende Umbau sind eine eigene Geschichte.
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1982 Zell
Es war 1982 – im Kadervorkurs in Huttwil.
Wir standen auf der Schulhausanlage, auf dem grauen Asphalt, bereit zum ersten Antrittsverlesen. Es waren nur die Unteroffiziere da – die Soldaten würden erst am Montag einrücken. Das Kader war also unter sich: mustergültig, aufmerksam, jeder in Uniform – und alle trugen eine Mütze.
Alle – ausser mir.
Ich stand in der vorderen Reihe in der Formation, ohne Kopfbedeckung. Nicht aus Nachlässigkeit oder Trotz, sondern aus medizinischen Gründen. Schon seit längerer Zeit hatte ich diesen hartnäckigen „Biss“ auf dem Kopf, dessen Ursache damals niemand kannte. Das ständige Jucken und Brennen war so stark, dass der Arzt mir eine Dispens ausstellte. Ich sollte weder Helm noch Mütze tragen, weil jede Kopfbedeckung den Biss verschlimmerte.
Um die Beschwerden unter Kontrolle zu halten, benutzte ich auf Anweisung des Arztes ein spezielles Teerschampoo. Dieses Shampoo war stark, speziell für empfindliche Kopfhaut, und half mir, die Symptome zu lindern. 40 Jahre später fand sich der wahre Grund heraus: eine Histaminun-verträglichkeit. Ich reagierte auf bestimmte Lebensmittel – Rotwein, Tomaten, bestimmte Käse – und die Kopfhautreaktion konnte sich bei Stress, Hitze oder falscher Pflege verschlimmern. Damals wusste ich nur: Helm = Qual.
Vorne, auf einer leicht erhöhten Ebene, stand der Feldweibel neben dem Major. Er wollte die Truppe dem Major melden, merkte aber, dass nicht alle die Mütze aufhatten. Deshalb unterbrach er die Meldung und rief zu mir:
„Korporal, setzen Sie die Mütze auf!“
Ich habe zurückgerufen:
„Ich habe eine Dispens!“
Darauf fragte er trocken von oben:
„Haben Sie Flöhe?“
Ich konnte nicht anders und rief klar zurück:
„Das geht Sie einen Scheissdreck an, Sie Superesel!“
Daraufhin brach das Gelächter los – quer durch die Reihen der Unteroffiziere.
Selbst die, die eigentlich Haltung bewahren mussten, konnten sich kaum halten.
Nachdem sich die Situation beruhigt hatte, meldete der Feldweibel die Truppe wieder ordnungsgemäss:
„Major, melde die Unteroffiziere zum Kadervorkurs bereit.“
Der Major bemerkte trocken:
„Man soll sich das Gesicht merken von diesem Korporal merken. Alle anderen müssen Mützen und Helme tragen, ausser diesem Korporal.“
Am Montag ging es dann weiter nach Zell, beziehungsweise nach Wangen an der Aare. Die Soldaten waren selbstverständlich mobilmachungsmässig eingerückt, und wir haben sie dort in Empfang genommen. Routine, wie jeder Wiederholungskurs sie kennt.
Doch diese Szene aus dem Kadervorkurs in Huttwil – das erste Antrittsverlesen, der Superesel, der Feldweibel und der trockene Kommentar des Majors – blieb mir unvergessen. Sie war eine Mischung aus Militärdisziplin, Bürokratie und Humor, und sie zeigte mir früh: Manchmal muss man einfach zu seiner Dispens stehen – und zu sich selbst.
Histaminintoleranz
Histaminintoleranz (HIT) ist eine Unverträglichkeit gegenüber Histamin aus der Nahrung, die durch einen Mangel an dem abbauenden Enzym Diaminooxidase (DAO) entsteht. Sie äußert sich in Hautrötungen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Herzrasen. Die Behandlung basiert auf einer histaminarmen Ernährung und der Diagnose durch Ernährungsanpassung
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Es war der zweite Tag, 1. Mai 1982 im Kadervorkurs, Samstagmorgen in der Frühe, unmittelbar nach dem Frühstück. Zum Glück konnten wir das Frühstück noch in Ruhe einnehmen – das war das letzte bisschen Normalität, dass wir an diesem Tag hatten. Danach wurde es hektisch.
Die Offiziere waren im Hotel Mohren untergebracht, wir Unteroffiziere hatten die Nacht in einem Massenlager beim Schulhaus verbracht. Plötzlich – Dachstock des Hotels brennt! Huttwil ein beschauliches Kleinstädtchen im Emmental, steht im Alarmzustand.
Interessanterweise waren wir Unteroffiziere, also Gruppenführer, normalerweise in Führungsrollen. Für diese Situation wurden wir teilweise wieder zu „normalen Soldaten“ in der Übung. Plötzlich hiess es: anpacken, mit anpacken, Material bewegen, löschen, sichern – alles wie ein frisch eingezogener Rekrut.
Selbstverständlich waren wir als Rettungstruppe sofort aktiv. Wir unterstützten die örtliche Feuerwehr beim Löschen des Feuers und beim Schützen des Städtchens. Eine echte, unfreiwillige Einsatzübung – und wir meisterten sie bravourös. Den ganzen Samstag waren wir im Einsatz: löschen, sichern, Material bewegen, Menschen schützen – alles live, kein Training, kein Spass.
Am Montag war dann der Höhepunkt: Wir standen auf der Titelseite der „Emmentaler Zeitung“. Unser Einsatz war öffentlich gewürdigt – die ganze Stadt konnte sehen, dass wir Unteroffiziere und Rettungstruppen nicht nur Theorie beherrschten, sondern auch richtig anpacken konnten, wenn es ernst wurde.
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Wie bereits erwähnt, hatte die Kompanie 5/2 ihren WK%u2011Standort in Zell. Wir Gruppenführer hatten unsere Unterkunft im Hotel Sonne. Das Essen wurde zwar ausserhalb gekocht, aber verpflegt wurden wir selbstverständlich durch die Truppe im Saal des Hotels Sonne. Die Offiziere logierten in der Linde, die Mannschaft im Schulhaus.
Dann begann der Alltag bei der Rettungstruppe – wie man ihn kennt: alles dran, alles drin, alles echt. Werkzeuge handhaben, Schläuche auslegen, Pumpen bedienen, Leitern aufstellen – jeder Handgriff musste sitzen, alles exaktes Arbeiten. Wir Gruppenführer hatten dabei die Aufgabe zu führen, zu koordinieren und Anordnungen zu geben, damit die Soldaten alles korrekt ausführten.
Besonders wichtig war das Zusammenspiel: Die Soldaten mussten gut untereinander funktionieren, zuerst als Gruppe, dann als ganzer Zug. Bei den Rettungstruppen geht es niemals um Einzelsport. Alles hängt zusammen – ein Fehler bei einem, und die ganze Übung ist gefährdet. Das Training brachte den Leuten bei, aufeinander zu achten, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam schnelle Entscheidungen zu treffen.
Zwischendrin gab es auch die Infanterieausbildung, eher am Rand erwähnt – Exerzieren, Marschieren, Kommandos einhalten. Nicht so gewichtig wie bei der Infanterie, aber notwendig, damit die Soldaten auch die militärische Struktur und Disziplin kennen.
Das Ganze war ein Mix aus Technik, Handhabung, Teamwork und Einsatzbereitschaft. Schläuche ausrollen, Knoten binden, Werkzeug prüfen, Pumpen starten – alles gleichzeitig, alles korrekt. Wer etwas vernachlässigte, bekam sofort Hinweise: „Korporal, prüfen Sie die Kupplungen!“ oder „Gruppenführer, Bewegungen koordinieren!“
So vergingen die Tage – praktische Übungen, Infanterieelemente am Rand, Organisation, Einsatzsimulation – alles unter dem Motto: nur gemeinsam klappt es. Am Ende wusste man: alles, was ein Rettungstruppensoldat braucht – Technik, Handhabung, Teamfähigkeit, Einsatzfähigkeit – lernt man hier.
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Während unseres WK in Zell hatten wir Gruppenführer neben den üblichen Aufgaben bei der Rettungstruppe auch besondere Aufgaben, die im Infanterie-mässigen Rahmen organisiert waren. Dazu gehörten unter anderem Bewachungsaufgaben, also das Beobachten und Überwachen von potenziellen Bedrohungen oder „Terrororganisationen“.
Mit meiner Gruppe war ich zunächst in Hellbühl auf einem Bauernhof einquartiert, unser erster Standort. Dort mussten wir das Gelände überwachen, alles beobachten, was geschah, und gleichzeitig dort auch übernachten. Den ganzen Tag über hielt unsere Gruppe Stellung und sorgte dafür, dass nichts unbemerkt blieb.
Am Abend wurden wir abgeholt und nach Beromünster verschoben, wo wir erneut Wachdienst leisteten. Dort übernachtete unser gesamter Zug in der Turnhalle. Im Verlauf des Tages kamen dann noch die restlichen Züge dazu, jeder mit eigenen Aufgaben, die ich im Detail nicht kannte.
Meine persönliche Aufgabe war die Überwachung des Kommandopostens (KP), während der Rest unseres Zuges morgens ausrücken musste, um den Sender Beromünster zu bewachen oder zu überwachen. Es war kalt und regnerisch, doch ich hatte das Glück, als Wachkommandant am KP an der Wärme zu sein. Der Sender wurde ungefähr zwei Tage lang bewacht, und ich hielt in dieser Zeit die KP-Wachung beim Schulhaus aufrecht.
So ging dieser WK langsam zu Ende. Am Schluss stand noch die Fahnenabgabe in Willisau an. Da ich eine Helmdispens hatte, musste ich an der Fahnenabgabe nicht teilnehmen – ich war dispensiert.
Einschub: Mein jüngerer Bruder Adrian, Jahrgang 1961, war ebenfalls in der KP 5/2, allerdings nicht in meinem Zug. Er hatte eine Tragdispens und durfte maximal 10 Kilo tragen – ja, er war auch ein spezieller Soldat.
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Nach meinem letzten Wiederholungkurs in Zell erhielt ich die Aufforderung, zu einem Termin in Luzern vor der Untersuchungskommission zu erscheinen. Ich bin dort pünktlich erschienen. Während des Termins erläuterte mir der Kommissionsmitarbeiter, dass es sehr bedauerlich sei, dass ich aufgrund meiner Beschwerden keinen regulären Militärdienst mehr leisten könne.
Er erklärte jedoch, dass der Zivilschutz für mich nicht in Frage käme, da ich als zu wertvoll für die Truppe angesehen werde. Stattdessen empfahl er mir den Einsatz bei der Hilfspolizei, was er als eine sehr geeignete Möglichkeit für mich darstellte.
Da ich zu diesem Zeitpunkt noch verpflichtet war, Militärpflicht-Ersatzleistungen zu zahlen, falls ich keinen Dienst leisten würde, stimmte ich dem Vorschlag zu. Zu diesem Zeitpunkt war mir jedoch nicht bekannt, dass Personen, die einen Militärunfall erleiden, von der Pflicht zur Ersatzzahlung befreit sind.
Hätte ich diese Regelung damals gekannt, hätte ich mich vollständig vom Militärdienst verabschiedet und weitere gesundheitliche Beschwerden, wie Rückenprobleme und ähnliche Einschränkungen, geltend gemacht, sodass ich definitiv nie wieder mit dem Militär etwas zu tun gehabt hätte.
Es ist wichtig zu betonen, dass die gesundheitlichen Probleme vor allem während des Militärdienstes auftraten. Privat und im Alltag waren diese Beschwerden leichter zu ertragen. Diese Schmerzen entstanden vielmehr durch die körperlichen und organisatorischen Belastungen im Militär.
Ich möchte ausserdem festhalten, dass mich mein Hausarzt in dieser Situation unterstützt hat.
Ich nehme an, dass mein Hausarzt auch ein besonderer Freund der Militärköpfe war.
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Umschulung Hilfspolizei 1984
Im Herbst 1984 stand ich im Ausbildungszentrum der Armee in Luzern, frisch einberufen zum Umschulungskurs der Hilfspolizei. Ich war damals bereits diplomierter Bauführer, doch diese Ausbildung öffnete mir eine völlig neue Welt – geprägt von Disziplin, Verantwortung und Teamarbeit. Schon am ersten Tag wurde klar: Wir waren Teil einer Miliztruppe, klein im Alltag, aber im Ernstfall bereit, die Militärpolizei oder die zivile Polizei zu unterstützen.
Unsere Ausrüstung war genau auf unsere Aufgaben abgestimmt. Wir trugen die Uniform der Schweizer Armee, gekennzeichnet durch orangefarbene Patten, die uns als Hilfspolizisten auswiesen. Unsere Pistole sass sicher am Gürtel, Maschinenpistolen standen für besondere Situationen bereit. Für Verkehrsdienst und Patrouillen nutzten wir robuste Fahrräder – schwer, stabil, mit Rücktrittbremse, unbequem, aber für schnelle Reaktionen unverzichtbar. Jeder Tritt erinnerte daran, wie wichtig Disziplin und Beweglichkeit waren.
Der Alltag im Ausbildungszentrum war streng organisiert. Die Tage begannen früh, die Zeitpläne waren minutiös. Überall herrschte ein charakteristisches Geräuschbild: Metallklirren der Pistolen, Quietschen der Fahrräder auf dem Hof, Funkgeräte, die Befehle übertrugen. Wir lernten, den Verkehr zu regeln, Personen zu kontrollieren und die Kommunikation zwischen den Posten aufrechtzuerhalten. Jede Übung testete unsere Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Teamgeist.
Besonders eindrücklich waren die Schiessübungen auf dem Stand der Schiessanlage. Das dumpfe Knallen der Schüsse hallte durch den Stand, der Geruch von Pulverdampf hing in der Luft. Ziel anvisieren, Atmen kontrollieren, auslösen, nachladen – jede Runde forderte Präzision und Ruhe.
Man spürte, dass diese Fertigkeiten im Ernstfall entscheidend sein konnten.
Zwischen Strenge und Pflicht gab es auch menschliche Momente: das gemeinsame Zusammenpacken der Ausrüstung, das gegenseitige Helfen beim Reparieren der Fahrräder, das Lachen nach langen Übungsstunden. Teamarbeit war hier nicht nur ein Wort – sie war die Grundlage unseres Erfolges.
Die orange Patten auf der Uniform waren ein ständiges Symbol unserer Verantwortung. Sie standen nicht nur für Zugehörigkeit, sondern auch für die Pflicht, Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig respektvoll gegenüber der Bevölkerung zu bleiben. Jeder Schritt, jede Handlung war sichtbar und nachvollziehbar – wir waren Teil eines Systems, das auf Präzision, Organisation und Vertrauen beruhte.
Am Ende des Kurses spürte man eine Mischung aus Erschöpfung und Stolz. Alles, was wir gelernt hatten – Verkehrsdienst, Patrouillen, Waffenhandhabung, Kommunikation – war aufeinander abgestimmt und wurde in realistischen Übungen geprüft. Das Ausbildungszentrum Luzern hatte uns gezeigt, dass Vorbereitung, Disziplin und Teamarbeit nicht nur Schlagworte sind, sondern gelebte Realität – und dass Verantwortung immer greifbar ist, wenn man sie übernimmt.
Rückblickend bleibt dieser Herbst 1984 unvergesslich. Die Hilfspolizei war mehr als eine Ausbildung – sie war ein intensives Erlebnis, das körperlich, intellektuell und menschlich forderte und mir zeigte, wie man in einem Team Verantwortung übernimmt und in kritischen Situationen ruhig, präzise und effektiv handelt.
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Mitternacht oder Ehe – ein Wochenende, das alles veränderte
Ende März 1984 schloss ich die Bauführerschule ab. Zehn Jahre Ausbildung lagen hinter mir – Jahre voller Lernen, Prüfungen und harter Arbeit. Fünf Monate später, im September, war ich mitten im Umschulungskurs für die Hilfspolizei in Luzern. Obwohl die Ausbildung vorbei war, fühlte sich mein Leben noch wie ein Übergang an: frisch „fertig“, aber innerlich noch nicht ganz angekommen. Ich war 27, ein bisschen im Studentenmodus, ein bisschen schon im richtigen Leben.
An einem Samstagmittag um 12 Uhr wurde ich für das Wochenende in den Sonntagsurlaub entlassen – 1 1/2 freie Tage, die wie ein kleiner Atemzug zwischen zwei Welten wirkten. Mein Ziel war klar: zu Marietheres in den Rosenweg, ein Glas Wein, gutes Essen, ein Abend nur für uns. Ein ruhiger, schöner Abend – dachte ich.
Alles begann wie geplant: Wein, Essen, Lachen. Alles entspannt.
Doch dann, mitten im Abend, während das Kerzenlicht auf unseren Gesichtern tanzte, erhöhte Marietheres plötzlich den Schwierigkeitsgrad – und machte mir einen Heiratsantrag.
Ich war überrascht. Mein Herz machte einen Satz, mein Kopf ratterte: Warum jetzt? Alles läuft gut. Keine Kinder geplant. Ich habe gerade erst die Ausbildung abgeschlossen. Und jetzt gleich heiraten?
Tief in mir wusste ich jedoch schon lange: Marietheres war die Richtige. Mein Problem war nicht sie, sondern das Timing. Ich wollte die Freiheit noch ein wenig spüren, das Leben noch ein bisschen ohne endgültige Bindungen genießen. Heiraten fühlte sich in diesem Moment weniger wie Romantik an und mehr wie ein Schritt, der alles verändern würde.
Ich bat um Bedenkzeit. Sie setzte mir eine Frist: Mitternacht.
Die Stunden bis dahin vergingen wie in einem Traum. Ich dachte nach, rang mit mir selbst, spürte aber immer wieder, wie mein Herz zu ihr zog. Es war keine Frage des Zweifelns, sondern des Mutes: den Mut, das Herz entscheiden zu lassen.
Kurz vor Mitternacht sagte ich Ja.
Am 14. Dezember 1984 heirateten wir in Giswil. Die Hochzeitsvorbereitungen lagen vollständig in ihren Händen, während ich noch mitten im Hausbau beschäftigt war. Sie machte alles perfekt. Ich erschien, wir lachten, wir waren ein Team – und inmitten von Kerzenlicht, Plänen und Baustellen spürten wir beide, dass dieser Schritt richtig war.
Heute, nach 41 Jahren Ehe und rund 50 Jahren gemeinsamer Geschichte, weiss ich: Dieses Ja war kein spontaner Impuls. Es war eine Entscheidung fürs Leben. Ich würde Marietheres wieder heiraten. Und sie mich – sehr wahrscheinlich – auch.
Manchmal, wenn wir uns ansehen, denke ich daran, wie ein kleines Wochenend-Urlaubserlebnis, ein Glas Wein und ein Mitternachts-Entscheid so viele Jahrzehnte Herz und Glück haben entstehen lassen. Und ich lächle, weil ich weiss: Die Freiheit, die ich damals noch spürte, führte mich geradewegs zu der Liebe, die mein Leben vollkommen gemacht hat.
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Der Oberst und das Problem mit dem Schwitzen
1984, Umschulungskurs zur Hilfspolizei. Ich war damals Gruppenführer – also keiner, der zum ersten Mal eine Uniform trug, sondern eher einer, der gelernt hatte, die Dinge gleichzeitig ernst zu nehmen und innerlich auf Abstand zu halten.
Zum Programm gehörte ein ganz besonderer Höhepunkt: Jeder Gruppenführer – oder Korporal, wie man uns bei Bedarf wieder nannte – hatte sich an einem festgelegten Zeitpunkt persönlich beim Obersten zu melden. Der Zweck dieser Audienz war klar umrissen: Der Oberst wollte sich ein Bild machen und zugleich die Weichen für die Zukunft stellen. Wer Ambitionen zeigte, durfte „aspirieren“ – also sich für höhere Funktionen wie Feldweibel, Fourier oder gar Leutnant im Hilfsdienst empfehlen.
Kurz gesagt: Es ging um Karriere. Oder zumindest um das, was das Militär dafür hielt.
Also trat ich ein.
«Korporal Wälti» meldete ich mich vorschriftsgemäss, geschniegelt in Tonfall und Haltung.
Der Oberst sass da wie die personifizierte Dienstordnung. Ein Mann, der nicht nur Ordnung verlangte, sondern sie auch ausstrahlen wollte – mit wechselndem Erfolg, wie sich gleich zeigen sollte.
Das Gespräch begann erwartungsgemäss: Beruf, Funktion, ein paar Fragen, die vermutlich schon hundertfach gestellt worden waren. Dann kam er zum entscheidenden Punkt. Ob ich denn „aspirieren“ wolle.
Das Wort fiel mit einem welschen Akzent, der ihm eine gewisse… Dehnbarkeit verlieh.
Für einen Moment blieb es im Raum hängen.
Ich sah ihn an und fragte, scheinbar bemüht, ihn korrekt zu verstehen:
„Wollen Sie aspirieren?“
Ein kurzes Stocken. Ein kaum wahrnehmbares Innehalten.
Dann setzte ich nach, freundlich, sachlich, präzise: „Nein, Sie meinen transpirieren. Nein, ich möchte nicht transpirieren. Ich bin nicht hier, um zu schwitzen. Ich habe die feste Absicht, für den Rest des Kurses eine ruhige Kugel zu schieben. Militär interessiert mich im Grundsatz nicht.“
Was nun geschah, entzog sich jeder militärischen Vorschrift.
Der Oberst explodierte.
Nicht im übertragenen Sinn, sondern in einer Weise, die man eher von schlecht gesicherten Druckkesseln kennt. Seine Stimme hob ab, die Fassung verabschiedete sich in Richtung Ausgang, und ich stand plötzlich im Zentrum eines sehr persönlichen Manövers.
Man konnte den Eindruck gewinnen, dass meine Karriereplanung – oder deren völlige Abwesenheit – nicht ganz mit seinen Erwartungen übereinstimmte.
Ich wurde umgehend abgemeldet.
Das ging erstaunlich schnell. Wenn man bedenkt, wie viel Wert sonst auf korrekte Abläufe gelegt wurde, war diese plötzliche Effizienz fast schon beeindruckend.
Ich verliess den Raum, äusserlich korrekt, innerlich ausgezeichnet unterhalten.
Über vierzig Jahre sind seither vergangen. Vieles ist verblasst: Namen, Daten, Vorschriften. Aber diese Szene ist geblieben – klar, präzise und mit einer gewissen zeitlosen Ironie.
Es war einer jener seltenen Momente, in denen ein einziger Satz genügt, um die Ernsthaftigkeit eines ganzen Systems kurz ins Wanken zu bringen.
Und ich habe bis heute nicht den Eindruck, dass mir etwas fehlt, nur weil ich damals nicht aspirieren wollte.
Transpirieren wollte ich ja auch nicht.
***
Ein typischer Lehrer-Moment während des Kurses
Es war gegen Abend im Ausbildungszentrum der Armee in Luzern, kurz nachdem ich einen Tag Urlaub hinter mir hatte – Montag hatte ich frei bekommen, um das Nötigste für die Baustellen im Büro zu regeln. Dienstagmorgen war ich wieder zurück in der Kaserne, bereit, mich wieder in den Kurs einzufinden. Glück gehabt – ich wurde von der Sonntagswache verschont, denn die Sonntagsdienste mussten vor allem die übernehmen, die Aspiranten waren. Ich war ja kein Aspirant, also war dieser Job eher für die Jüngeren reserviert.
Doch dann kam mein Kollege, ein Lehrer, ins Spiel. Er wollte offenbar Feldweibel oder Fourier werden und stürmte mit leicht weinerlicher Stimme zum Feldweibel: „Korporal Wälti war ja noch nie auf der Wache, und er hatte doch Urlaub!“ Ich stand daneben, hörte zu und musste innerlich schmunzeln. Für mich war das typisch – dass ein Lehrer gleich ein Problem sah. Genau so hatte ich mir Lehrer schon immer vorgestellt: pedantisch, etwas dramatisch, aber prinzipientreu.
Am nächsten Abend trat der Feldweibel dann auf mich zu. „Korporal, könnten Sie vom Freitagabend auf Samstagmorgen als Wachkommandant einspringen?“ fragte er. Ich nickte und antwortete gelassen: „Lieber Feldweibel, das mache ich gerne, das gehört ja zu meinen Pflichten.“
In diesem Moment spürte ich etwas Neues: Früher wurde einfach befohlen, jetzt wurde ich gefragt. Verantwortung fühlte sich plötzlich anders an – ernst, aber auch respektvoll. Ich konnte mir ein Schmunzeln über meinen Kollegen nicht ganz unterdrücken. Dieser Moment, zwischen Pflicht und Humor, hat sich tief in meine Erinnerung eingebrannt: Die Hilfspolizei war nicht nur streng und ernst, sie hatte auch ihre kleinen menschlichen Seiten.
***
1986 EK in Kerns
Es war Herbst 1986, als ich am Freitag direkt zum Kadervorkurs in Engelberg einrücken musste.
Mein Vater hatte einen alten Geschäftsfreund, Niklaus Theiler, Anwalt, Rechtsanwalt, Notar – und damals auch Korporal beim Hipol Det. 72 wie ich. Mit Niklaus Theiler hatte ich auch schon geschäftlich zu tun. Umso überraschender war es, dass wir nun auch dienstlich Kollegen sein würden.
Marietheres übernahm die Fahrt nach Engelberg. Wir holten Niklaus Theiler in Sachseln ab.
Schon beim Einsteigen bemerkte sie trocken: „Puh, seine Uniform stinkt nach Mottenkugeln!“ Offenbar hatte er sie lange im Keller aufbewahrt. Der Geruch war stark, aber wir mussten lachen.
In Engelberg war der Treffpunkt das Schützenhaus. Dort trafen wir auf eine bunte Mischung: Hilfspolizisten wie wir und ältere Infanteristen aus dem Infanteriebataillon 47 und den Schützen 12 von Nidwalden, die noch Ergänzungskurse absolvierten. Die drei Tage waren eher routinemässig, wenig spannend – aber die Kameradschaft und der Austausch mit Kollegen machte alles erträglich.
Während der Vorbereitungen für den Kadervorkurs fragte ich Korporal Teiler, warum er eigentlich bei der Hilfspolizei sei. Er erklärte mir, er habe einen Militärunfall gehabt. Neugierig fragte ich gleich nach, ob er deswegen Militärausfall bezahlen müsse. Er lachte und sagte: „Wenn man einen Unfall gehabt hat, muss man nichts bezahlen.“ Für mich war der Fall damit klar.
Das Dienstbüchlein blieb während des Dienstes beim Kompaniekommandanten. Am Ende des WKs bekam man es zurück, und dort wurde auch die Entschädigung eingetragen. Ich schrieb sofort nach dem WK an die zuständige Militärbehörde, forderte alles Geld zurück – inklusive Zinsen – und setzte eine 30-tägige Frist. Das Geld kam zurück, leider ohne Zinsen. Ein kleines, ärgerliches Detail – aber typisch für die Bürokratie.
Unterkunft und Verpflegung
Unsere Unterkunft während des Ergänzungskurses war in der Schulhausanlage in Kerns. Die Verpflegung erfolgte im Rössli-Saal, wobei das Essen vom Militär gekocht und serviert wurde. Alles war funktional, zweckmässig und gut organisiert – so dass wir uns voll auf die Übungen konzentrieren konnten.
Als Korporale hatten wir selbstverständlich ein separates Zimmer, während die normalen Soldaten im Massenlager untergebracht waren. Ein kleiner Luxus, aber angemessen für unsere Funktion und Verantwortung.
Velotour und Postenaufgaben
Am Montag begann dann das Eindrücken der Soldaten bei Zumstein Willi in Sarnen, einem Landwirtschaftsbetrieb. Alle Soldaten mussten mit ihrer persönlichen Ausrüstung einrücken. Damit wir die schweren Rucksäcke nicht auf den Velos mittransportieren mussten, wurden die Rucksäcke auf den Lastwagen verladen und direkt nach Kerns transportiert. Wir behielten nur Fahrräder und die kleinere Ausrüstung.
Dann begann die eigentliche Velotour, die sich als harte, schweisstreibende Herausforderung entpuppte:
- Von Zumstein Willi nach Kägiswil – erste Kilometer, bereits schweisstreibend.
- Von Kägiswil nach Kerns bei der alten Teigwarenfabrik Röthlin vorbei. Wir mussten die Velos schieben.
- Von Kerns nach St. Niklausen. Wieder mussten wir die Velos schieben.
- Schliesslich durch ein kleines Strässchen in der Nähe der Hohen Brücke zurück nach Kerns –
Unterwegs mussten wir auch Postenaufgaben erledigen, was zusätzliche Energie kostete. Wir waren keine Elitetruppe, keine Radprofis – wir waren die Hilfspolizei. Jede Steigung, jeder Meter Schieben, jeder Posten fühlte sich nach einer echten Prüfung an.
Unser Velo war ein robustes Ordonnanzrad. Typisch sind der schwarze Stahlrahmen, 1 Gang, die Rücktrittbremse, ein robuster Gepäckträger und ein Ledersattel. Es wiegt über 20 kg, ist extrem wartungsarm und wurde oft von Condor produziert.
Ergänzungskurse Hilfspolizei Obwalden
Das Hilfspolizeidetachement 72 Obwalden absolvierte seine Ergänzungskurse alle zwei Jahre. Parallel dazu gab es in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei regelmässig Grosskontrollen, die von den Bewohnern Obwaldens genau eingeplant wurden: Wenn die Hilfspolizei Kurs hatte, wurde weniger getrunken, weil jeder wusste, dass irgendwann eine Kontrolle stattfinden würde.
Die Ergänzungskurse bestanden aus dem üblichen Programm:
- Pistolenschiessen
- Radfahren
- Verkehrsregelung und Verkehrswinkeln
- Aufbau von Strassenkontrollen
- Personenkontrollen
- Bewachungsaufgaben
Als Korporal musste ich nicht persönlich den Verkehr regeln, aber wir übten den Aufbau von Kontrollen und die Organisation von Wachdiensten. Zusätzlich gab es kleine Nachtübungen, die meist bis Mitternacht dauerten, und wir übernahmen auch Objektschutz und Wachdienste. So wurde es uns nie langweilig, auch wenn die Aufgaben keine grosse Herausforderung darstellten. Vieles war Auffrischung dessen, was wir in Luzern gelernt hatten, aber die Mischung aus Tagesübungen, Nachtübungen und Postenaufgaben machte den Ergänzungskurs trotzdem abwechslungsreich.
Die Bewohner von Obwalden wussten also genau, wann der Ergänzungskurs stattfand. Es war eine sichtbare Präsenz der Hilfspolizei, mit Übungen, Velotouren, Nachtwachen, Verkehrskontrollen und Grosskontrollen. Trotz der bekannten Routine war es ein strenger, körperlicher und organisierter Ablauf, bei dem wir schwitzten, fluchten und unsere Aufgaben gewissenhaft erfüllten – ganz normale Hilfspolizisten, keine Profis, aber einsatzbereit und engagiert.
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1988 EK in Kerns
1988 stand wieder ein Kadervorkurs auf dem Plan, diesmal in Lungern, und anschliessendem Ergänzungskurs in Kerns. Schon bei der Ankunft gab es einen kleinen Luxus: Ich hatte ein privates Zimmer mit Niklaus Theiler, direkt neben der Bäckerei Röthlin. Kein Massenlager, kein Gedränge – nur Ruhe, eine Tür zwischen mir und dem Alltag der anderen Soldaten. Für mich als Korporal war das eine angenehme Abwechslung und half, mich auf die bevorstehenden Aufgaben zu konzentrieren.
Am 25. September, dem Bruder-Klaus-Tag, wartete ein ganz besonderer Anlass: eine Bergwanderung vom Stanserhorn nach Kerns. Morgens ging es zuerst mit dem Bähnchen auf das Stanserhorn, eine Fahrt, die die Aussicht auf die umliegenden Berge atemberaubend machte – aber auch ahnen liess, was noch kommen würde.
Vom Gipfel aus begann der Abstieg zu Fuss. Schon nach wenigen Kilometern meldete sich mein linkes Knie mit einem stechenden Schmerz. Der Meniskus spielte verrückt, und je länger wir unterwegs waren, desto deutlicher wurde mir: Bergwanderungen würden künftig keine leichte Übung mehr sein.
Die Strecke war lang und fordernd. Jeder Schritt war eine kleine Qual, besonders bergab, wo das Knie die volle Last trug. Ich merkte, dass ich für den nächsten Ergänzungskurs eine Dispens für Märsche beantragen muss. Dennoch biss ich die Zähne zusammen, Schritt für Schritt, Meter für Meter. Schwitzend, fluchend, manchmal fast humpelnd, kämpfte ich mich vorwärts – der Wille stärker als der Schmerz.
Schliesslich, nach quälend langen Stunden und gefühlt endlosen Serpentinen, erreichte ich Kerns. Erschöpft, mit schmerzenden Beinen, aber gleichzeitig stolz auf das Durchhalten. Die Wanderung war mehr als nur ein körperlicher Test: Sie war eine Lektion in Geduld, Selbstdisziplin und dem Akzeptieren der eigenen Grenzen.
Ergänzungskurs Hilfspolizei Kerns – das übliche Programm
Neben der Bergwanderung gehörte zum Ergänzungskurs 1988 selbstverständlich wieder das klassische Programm der Hilfspolizei:
- Velofahren – wir fuhren zum Beispiel nach Stans, trainierten Ausdauer und Orientierung.
- Pistolenschiessen – Präzision, Konzentration und die Übung, ruhig zu bleiben, wenn der Puls hochgeht.
- Verkehrskontrollen – aufbauen, Absperren, Fahrzeuge prüfen, Personen kontrollieren.
- Verkehrswinken – Handzeichen, Situationsbeurteilung, Verkehrsfluss lenken.
- Bewachungsaufgaben – Objektschutz, Wachdienste und kleine Nachtübungen.
Und selbstverständlich gehörte auch die Verpflegung dazu: Benny Burch, der Besitzer des Restaurant Siesta in Giswil, war unser perfekter Küchenchef. Wir wurden immer sehr gut verpflegt, egal wie anstrengend die Velotouren, das Pistolenschießen oder die Bergwanderung gewesen waren. Das Essen gab uns Energie, hielt die Moral hoch und machte die Strapazen des Ergänzungskurses erträglicher.
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Mein letzter EK 1990 – Abschied von der Armee
Beim letzten Kadervorkurs im Herbst 1990 des Hilfspolizei-Detachements in Lungern meldete ich mich mit einem Zeugnis beim zuständigen Arzt, weil mein Knie nach der Meniskusoperation immer noch nicht richtig belastbar war. Die übliche Eintrittsmusterung. Der Arzt wollte mir kein Zeugnis ausstellen.
Er war ein eher lustiger Typ – der heisst nicht Lustig, aber er hatte eine eigene Art –, doch ich blieb sachlich und sagte ihm, dass es mich überhaupt nicht interessiert, was er möchte oder nicht. Schliesslich sei er nicht mein behandelnder Arzt; mein Hausarzt hatte das Zeugnis ausgestellt, und das reiche völlig.
Er meinte nur viele hätten bereits mit 33 Jahren schon Arthrose. Was viele hätten interessierte mich nicht, ich bin nicht viele.
Ich machte von Anfang an klar: Ich würde nicht marschieren. Das brachte den Arzt auf die Palme; er bekam richtig schlechte Laune. Er wollte, dass ich mich militärisch korrekt abmelde und das Männchen klopfen würde. Soweit kommt es noch, der ist doch völlig durchgeknallt. Ich liess mich davon nicht beirren, verabschiedete mich ruhig, aber bestimmt mit einem „Tschüss“ – mir war sein Gemotze sowas von egal.
Der Vormittage war die übliche Routine. Appelle, Übungen, Befehle – und das Mittagessen, das im Hotel Bären serviert wurde. Für die meisten ein unauffälliger Teil des Tages. Für mich wurde es zur Bühne eines kleinen Dramas, das alles verändern sollte.
Es begann mit dem Getränk. Kostenloses Wasser oder Tee war Teil meines Militärzuguts. Doch die Serviertochter verlangte, dass ich es bezahlen sollte. Ich bestellte nichts Aussergewöhnliches, aber ich bestand darauf, mein Recht auf das Getränk durchzusetzen. Sofort änderten sich die Gesichter der Militärs: Ungläubigkeit, Empörung, fast panische Verwirrung. „Wie, er will das einfach so?“ Die Worte blieben unausgesprochen, aber ihre Blicke sagten alles. Ich sass ruhig da, das Glas vor mir, und genoss die Situation. Das kleine Getränk wurde zum Symbol meiner Haltung: Respekt wird verdient, nicht befohlen. Das Fass war übergelaufen – und ich liebte es.
Doch das Getränk war nur der Auftakt. Bruno Frey, unser Kompaniekommandant, war in der Gemeinde Alpnach für die Finanzen verantwortlich. Er hatte sich eigenmächtig einen Kredit aus der Gemeindekasse genommen – strafbar, ein klarer Verstoss. Zivilrechtlich war das Unterschlagung, militärisch hätte er sofort disziplinarische Konsequenzen bis hin zur fristlosen Entlassung erwarten müssen. Tatsächlich führte dies dazu, dass er von der Gemeinde entlassen wurde. Sein Fehlverhalten machte die Atmosphäre noch brisanter.
Ich nutzte die Situation klug. Bruno Frey bot an, Urlaubspässe auszustellen. Ich liess mir einen Blanko-Urlaubspass geben – eine Karte, die mir erlaubte, nach Hause nach Giswil zu gehen, dort zu schlafen und morgens wieder beim Appell zu erscheinen. Natürlich hielt ich mich bei Pflichtübungen, Nachtwachen und Nachtübungen streng an die Vorschriften. Alles andere war mein Raum, meine Freiheit.
Und dann die provokative Note: Während alle anderen ihre schwarzen Halbschuhe zu Hause hatten – Pflichtteil des Alltags, wie es beim Ausgang üblich war – hatte ich keine. Ich trug weiterhin meine hohen Militärschuhe. Jeder Schritt war ein stiller Aufstand, jede Handlung ein Statement. Sie tobten, ich genoss es.
Nach dem verheerenden Orkan Vivian, der in Obwalden viele Wälder und Wege zerstört hatte wurde die Truppe wurde klar aufgeteilt: Die Mehrheit der Soldaten verbrachte die ganzen 14 Tage im Wald, um die umgestürzten Bäume zu beseitigen und Wege wieder passierbar zu machen.
Ich und Korporal Theiler gehörten zu der kleinen Gruppe, die bei der Unterkunft blieb. Wir hörten von den Soldaten wie anstrengend die harte Arbeit im Wald war, die umgestürzten Bäume und das anstrengende Räumen der Wege.
Für uns bedeutete der WK ruhige, aber dennoch offizielle Diensttage: wir absolvierten unsere üblichen Übungen, vom Schiessstand über Velofahren bis hin zu den gewohnten Übungen. Es war ein entspannter, selbstbestimmter Alltag im Vergleich zum Waldteam, aber wir waren trotzdem Teil des Einsatzes und des ordentlichen WKs. Die Tage vergingen ruhig, strukturiert und doch mit dem leisen Hintergrundrauschen der Geschichten aus dem Wald – ein Gefühl, dabei zu sein, ohne direkt mitten im Chaos zu stecken.
Die zwei Wochen WK absolvierte ich so – clever, konsequent, mit Prinzipien. Einige Tage nach Ende des WKs erhielt ich zu Hause das Schreiben: Ich war entlassen, durfte meine Militärsachen abgeben und musste nie wieder zurück. Eine endgültige Befreiung.
Das Mittagessen im Hotel Bären, das kleine Gratis-Getränk, die Schuhe, der Urlaubspass – alles Details, die grosse Wirkung hatten. Für mich war es kein Ärger um Wasser, keine simple Trotzhandlung, kein Scherz: es war ein Drama über Prinzipien, Selbstbehauptung, Cleverness und die Freude, das System einmal richtig auf die Palme zu bringen.
Ich hatte gezeigt: Autorität, Titel, Uniformen oder leere Hierarchien verdienen keinen Respekt. Respekt gibt es nur für Leistung, für Tatkraft, für Substanz. Wer etwas schafft, wer Verantwortung übernimmt – Ingenieure, Wissenschaftler, echte Macher – denen zolle ich Anerkennung. Alles andere ist Operette. Das Getränk war nur der Startpunkt. Am Ende hatte ich meine Freiheit gewonnen.
Am Ende des Wiederholungskurses passierte etwas, das mich richtig erleichterte: Ich bekam zu Hause ein Schreiben, dass ich meine Uniform und alle militärischen Sachen im Zeughaus Sarnen abgeben könne. Das war ein gewaltiger Tag für mich. Am 24. September, einen Tag nach der Geburt unserer Tochter Barbara fuhr ich ins Zeughaus Sarnen. Um 16.30 Uhr übergab ich meine gesamte Ausrüstung – für immer. Der Zeughausmitarbeiter war von meinem Erscheinen wenig begeistert, er war schon im Feierabendmodus, den am 25. September war Feiertag in Obwalden – Bruder-Klausen-Tag. Er wollte mir die Sachen zuerst nicht abnehmen und meinte ich solle an einem anderen Tag wieder kommen. Ich erklärte ihm ruhig, dass er meine Sachen jetzt entgegennehmen solle, sonst würde ich sein Verhalten seinem Vorgesetzten melden. Schliesslich hatte er offiziell bis 17 Uhr Dienst. Dann bequemt er sich endlich, alles entgegenzunehmen.
Damit war meine Militärkarriere endgültig beendet. Tschüss, das war’s. Keine Uniform mehr, kein Dienst, kein Marschieren, keine Wiederholungskurse – einfach vorbei. Ein Ende, das sich gleichzeitig wie ein Befreiungstag anfühlte. Bye-bye, Armee – ich brauche das nicht mehr.
Ich hatte insgesamt 59 Wochen Militärdienst geleistet + 1 Woche Zivildienst. Total 60 Wochen. Gefühlt 1 ½ Jahre.
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Nach 59 Wochen Militärdienst – Wochen, die mich weder körperlich noch geistig völlig an die Grenzen brachten, sondern einzig das autoritäre Gehabe der Swiss Army – diese selbstgefälligen kleinen Männer, die hier plötzlich etwas zu sagen hatten, wo sie zu Hause längst unter der Kontrolle ihrer Frauen standen – hätte ich geglaubt, dieses Kapitel sei endlich abgeschlossen. Es war das Gefühl, dass diese Typen, die im Alltag kaum je eine Entscheidung trafen, plötzlich Befehle erteilen konnten, dass ihr „Ich habe hier das Sagen“ Getue durch Uniform und Vorschriften legitimiert wurde. Ich konnte nichts daran ändern, aber ich konnte mir wenigstens einbilden, ihnen nach dem Militär zu entkommen.
Doch kaum glaubte ich, diesem Schauspiel zu entkommen, erwartete mich schon der nächste Pflichttermin: der Zivilschutz. Nicht irgendein Einsatz, sondern der Kulturgüterschutz. Meine erste Reaktion war ein ungläubiges Kopfschütteln, fast schon ein bitteres Lachen. Ich? Weiter Dienst leisten? Finanzielle Gründe? Hah! Keine Chance. Aufgrund eines Militärunfalls war ich von der Militärersatzpflicht befreit. Kein Vorteil, kein Bonus, kein Gehalt – nichts. Ich war Dipl. Bauführer, gewohnt, Verantwortung zu tragen, Pläne zu entwerfen und Projekte zu leiten. Und nun sollte ich mich mit Leuten herumplagen, die für mich eher wie Halbtote wirkten – Köpfe gesenkt, Hände in den Taschen, durch die Pflicht schlurfend, stolz auf ihre unerhebliche Autorität, die sie für einen Augenblick wie Götter erscheinen liess.
Mir war das alles so was von egal. Wirklich egal. Die Vorstellung, meine Zeit in einem solchen bürokratischen Sumpf zu verschwenden, der jeglicher Logik und Leidenschaft entbehrte, war schlicht widerlich. Dennoch war es gesetzlich vorgeschrieben. Mein Wissen im Bauwesen, meine Erfahrung, meine Kompetenz – plötzlich wertvoll für den Schutz von Kulturgütern, für das Sichern historischer Schätze, für Notfälle, die ich mir nie ausgemalt hatte. Ich musste akzeptieren, dass mein Können in einem anderen Kontext gebraucht wurde – nicht für Ruhm, nicht für Geld, sondern schlicht, um etwas zu bewahren, das grösser war als ich.
Und während ich dort stand, zwischen Pflicht und Gleichgültigkeit, zwischen Stolz auf meine Fähigkeiten und Verachtung für die kleinen Herren, deren Machtgefühle auf Uniformen gestützt wurden, wurde mir klar, wie absurd die ganze Inszenierung war: ein Spiegelkabinett der Bürokratie, bevölkert von Menschen, deren Begeisterung für das Leben längst erloschen war, deren Energie einzig darin bestand, die Illusion ihrer Wichtigkeit aufrechtzuerhalten. Der Zivilschutz wurde zu meinem Spiegel: ein gnadenloser Spiegel, der mir zeigte, wie Wissen und Erfahrung oft an die absurdesten Orte verschwendet werden, wie Pflicht und Gesetz einen Menschen zwingen können, sich zwischen Verachtung und stoischem Pflichtbewusstsein zu bewegen – und wie man trotzdem unbeeindruckt bleiben kann.
***
1991 erhielt ich das Aufgebot, einen Zivilschutz-Einführungskurs zu besuchen, und zwar in Stans-Oberdorf. Der Kurs dauerte etwa eine Woche, und ich war im Kulturgüterschutz eingeteilt – mein persönlicher Beitrag zum Schutz von Kunst, historischen Dokumenten und allem, was einen kulturellen Wert hat. Voller Neugier und mit hohen Erwartungen betrat ich also das Klassenzimmer, bereit, etwas zu lernen.
Der Instruktor legte eine Folie auf und begann zu erklären, wie der Zivilschutz funktioniere. Ich studierte aufmerksam jede Zeile – nur um dann zu merken, dass der Kulturgüterschutz nirgends zu sehen war. Also meldete ich mich mutig: „Entschuldigung, aber wo ist der Kulturgüterschutz auf Ihrer Folie? Den vermisse ich.“
Seine Antwort war eine Mischung aus Gleichgültigkeit und paternalistischem Schulterzucken: „Ach, das ist nicht wichtig. Kulturgüterschutz hat hier keine Bedeutung.“
Ich war zunächst sprachlos, dann enttäuscht, dann wütend – und schliesslich sehr direkt:
„Also, ich bin voller Erwartung hierhergekommen, und jetzt wird genau meine Aufgabe schlechtgemacht?“
Die folgende Woche verbrachte ich damit, praktisch nichts zu tun. Ich beobachtete den Kurs, schaute den anderen zu, wie sie sich mit den üblichen Übungen abmühten, und stellte langsam fest: Der Zivilschutz war für mich wie ein Tierschutzverein, nur dass der Tierschutzverein sich um alle Tiere kümmert – Hunde, Vögel, Mäuse – während der Zivilschutz sich nur um die Katze kümmert. Oder vielleicht nicht mal die Katze, eher um ein unsichtbares, namenloses Tier, das keiner wirklich sieht.
Rückblickend, besonders im Vergleich zu meiner militärischen Erfahrung, wird das noch deutlicher: Die Armee hatte Struktur, Aufgaben, Verantwortung – und man fühlte sich nützlich. Der Zivilschutz? Für nichts. Aber wirklich für nichts. Ein Ort voller Erwartungen, die nie erfüllt wurden, ein Kurs, der eher wie ein Theaterstück für Erwachsene wirkte, bei dem die Hauptrollen leer blieben.
Und doch: Ich habe etwas gelernt. Ich habe gelernt, dass Motivation und Realität manchmal Welten auseinanderliegen – und dass man, selbst wenn alles absurd erscheint, seine Meinung sagen kann. Und dass ein Instruktor nie den Kulturgüterschutz herunterspielen sollte, wenn jemand wie ich voller Enthusiasmus ankommt.
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Wenn ich heute zurückblicke, auf die Zeit zwischen 1979 und 1990, wird mir erst richtig bewusst, wie anders alles damals war. Man hatte kaum Wahl – Entscheidungen wurden einem aufgedrängt, und wer widersprach, musste mit Gefängnis oder Schlimmerem rechnen. Heute ist das anders. Heute kann man seinen Weg selbst bestimmen, und allein diese Möglichkeit fühlt sich schon wie ein Geschenk an.
Würde ich die Uhr zurückdrehen, würde ich ein Jahr an einer Schule verbringen. Schülern etwas mitzugeben, ihnen ein bisschen Orientierung, ein bisschen Wissen oder einfach nur ein offenes Ohr zu schenken – das hätte mir damals wahrscheinlich mehr gegeben als die militärische Laufbahn. Vielleicht noch ein Sprachaufenthalt in England dazu, und das Jahr wäre ein Abenteuer gewesen, das meinen Horizont geöffnet hätte.
Damals war die Armee riesig – über 600.000 Mann. Heute sind es vielleicht noch 120.000. Die Welt war eine andere, die Bedrohungen wirkten real, der Frieden lag anders, die Verantwortung schien klarer und gleichzeitig schwerer zu greifen. Mein Knieunfall, der die Offiziersschule unmöglich machte, war ein Wendepunkt, den ich damals bitter empfand. Heute sehe ich ihn fast als Chance: Denn rückblickend wird mir klar, dass soziale Verantwortung, der direkte Kontakt mit Menschen und das Weitergeben von Wissen Dinge sind, die mir immer wichtiger gewesen wären als militärische Karriereziele.
Wenn ich also wählen könnte, heute – dann stünde mein Weg klar fest: ein Jahr soziales Engagement, ein Beitrag für andere und zugleich eine Erfahrung für mich selbst. Eine Entscheidung, die nicht nur andere bereichert, sondern auch mich selbst wachsen lässt.
Mein erstes Auto
Es war 1980, und die Welt schien voller Möglichkeiten. Für mich bedeutete Freiheit in diesem Jahr vor allem eines: mein eigenes Auto. Meine Mutter allerdings sah das anders. Immer wieder ärgerte sie sich, wenn ich ab und zu ein nettes Mädchen mitnahm – sei es auf einen Kaffee oder zum Skifahren, weil Marietheres meine Freundin selbst nicht Ski fahren wollte.
Für mich war das ganz selbstverständlich. Ich pflegte Kollegschaften – locker, unverbindlich, leicht. Keine tiefen Freundschaften, nichts Verbindliches. Man lachte, fuhr irgendwo hin, verbrachte Zeit miteinander, und danach ging jeder wieder seiner Wege. Diese Unbeschwertheit gehörte zum Leben dazu.
Eine Ausnahme gab es dennoch: Marietheres. Mit ihr verband mich schon damals eine sehr tiefe Freundschaft. Mit ihr war ich oft unterwegs, wir verstanden uns ohne viele Worte, und alles, was wir erlebten, hatte eine eigene Qualität, die über das Alltägliche hinausging.
An einem Novembermorgen fuhr ich beruflich nach Kägiswil. Auf dem Weg durch Sarnen fiel mein Blick auf die Garage Siedler, und dort stand er – ein Lancia (Autobianchi) A112 Elegant, zweijährig, als Occasion angeboten. Ich fuhr weiter, doch das Bild des kleinen roten Wagens liess mich nicht los. Auf dem Rückweg hielt ich, stieg aus und betrachtete ihn.
Er war kompakt, klein, mit einem 903-ccm-Vierzylindermotor und 44 PS, und doch strahlte er Charakter aus. Die leuchtend rote Farbe, die klaren Linien – er erinnerte mich ein wenig an einen Mini, aber er hatte seinen eigenen Charakter, sein eigenes Leben. Kein Luxus, nichts Extravagantes, einfach ein ehrliches Auto. Je länger ich ihn ansah, desto stärker spürte ich: das ist mein Auto.
Wir einigten uns auf 6’000 Franken. Clemens Siedler bereitete ihn noch auf, und kurz darauf konnte ich ihn abholen. Ich erhielt das Kennzeichen OW 1866 – und damit begann ein neuer Abschnitt in meinem Leben.
Meine Mutter reagierte wenig begeistert. „Du stellst das Auto nicht bei uns ab“, sagte sie streng. „Du kannst es oben beim Magazin auf dem Werkhof parkieren.“ Gesagt, getan. Ein kleiner Preis für die gewonnene Freiheit.
Mit meinem Auto war ich unabhängig. Ich konnte fahren, wohin ich wollte, wann ich wollte. Viele Kollegschaften blieben locker und unverbindlich. Doch mit Marietheres war es anders. Unsere Freundschaft hatte Tiefe und bestand über die Jahre hinweg.
Besonders im Tessin verbrachten wir viele Stunden miteinander. Wir fuhren über den Oberalppass, dann weiter über den Lukmanierpass, hinunter durchs Bleniotal, Richtung Biasca und Bellinzona. Jede Fahrt war ein kleines Abenteuer.
Beim Bergauffahren röhrte der Auspuff auf seine eigene Art, und der Motor brummte tief und gleichmässig – ein sattes „ummm“, das man nicht nur hörte, sondern auch spürte. Mit jeder Steigung wurde der Klang intensiver, als würde das Auto selbst mitarbeiten, jeden Meter gegen den Berg stemmen.
Und dann war da noch die kleine Verrücktheit: Ich liess eine Tramklingel einbauen. Ein Knopfdruck, und das typische Klingeln ertönte. Sah ich jemanden, den ich kannte, auf der Strasse, klingelte ich – und es war immer ein besonderes Erlebnis: ein Lächeln, ein Winken, manchmal ein kurzes Lachen. Diese kleine Eigenheit verlieh dem Auto Leben, Humor und Charme.
Wir fuhren, redeten, schwiegen auch einmal, und genossen einfach das Unterwegssein. Die Pässe, die Weite, das Tessin mit seiner besonderen Atmosphäre – und mittendrin wir zwei.
Mein Auto war mehr als ein Fortbewegungsmittel. Es war zuverlässig, praktisch, gut ausgestattet – Dreipunkt-Sicherheitsgurte, Nackenstützen, umklappbare Sitze – und vor allem: ein treuer Begleiter über viele Jahre.
Über fünfundvierzig Jahre später denke ich oft daran zurück. Es war Liebe. Mein Auto war wirklich etwas Besonderes. So etwas gibt es heute nicht mehr. Das erste Auto ist vermutlich immer das Einmalige. Für mich bleibt es unvergessen – ein Symbol für Freiheit, Freude und die besonderen Erinnerungen mit Marietheres.
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20.04.1981 Hochzeit Veronika + Peter
21.04.1981 Beginn Bauschule
Am 20. April 1981, an Ostermontag, war in unserem Dorf Giswil ein Tag, der sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt hat: die Hochzeit meiner Schwester Veronika, Jahrgang 1958 mit Peter von Moos, unserem Dorfmetzger. Peter, Jahrgang 1952, mit Geburtstag am 23. September, war nicht nur für seine Fleischkunst bekannt, sondern auch eine respektierte Figur im Dorfleben, vor allem durch seine leitende Tätigkeit im Fasnachtskomitee von Giswil.
Die Hochzeit begann am Morgen um 10 Uhr mit der Kirchenschleipfete im Grossteil – ein alter Brauch, bei dem die kirchliche Zeremonie in feierlichem Rahmen eröffnet wird. Der ganze Kirchplatz schien sich an diesem sonnigen Ostermontag zu versammeln. Nach der Zeremonie folgte ein Apéro auf dem Kirchenplatz, bei dem die Dorfbewohner sich unterhielten, lachten und die ersten Gläser anstiessen. Peter und Veronika waren der Mittelpunkt des Geschehens.
Doch das eigentliche Kuriosum war, dass mein Bruder Willi und der berühmt-berüchtigte Adalbert Durrer (Regierungsrat, Nationalrat, Bundesratskandidat) beschlossen, sich selbst als Tafelmajore zu berufen. Ob sie jemand im Vorfeld angefragt hat entzieht sich meinen Kenntnissen. Sie fühlten sich einfach berufen, die Hochzeit besonders „originell“ zu gestalten. Ihr Plan: eine unterhaltsame, witzige, humorvolle Hochzeit. In der Realität war das Ergebnis eher das Gegenteil. Sie wollten eine Hochzeitszeitung erstellen, die wir alle erhalten sollten. Angeblich sollte sie später nachgeliefert werden – was bis heute nicht passiert ist. Ihre chaotische Eigeninitiative sorgte für reichlich Kopfschütteln und heimliches Kichern bei denen, die das Spektakel beobachteten.
Ob das nun wahr ist oder nur gut erfunden – keine Ahnung. Ein Körnchen Wahrheit steckt aber bestimmt drin Adalbert Durrer war nämlich unfassbar scharf auf Schlagzeilen. Sobald es draussen blitzte und donnerte, stürmte er vor die Tür, in der festen Überzeugung, die Fotografen stünden schon bereit – endlich wieder ein Auftritt in der Presse!
Und dann waren da noch die Onkels, die beschlossen hatten, mitten auf der Hochzeit Karten zu spielen. Sie hatten die langweilige Stimmung gespürt. Sie setzten sich an die Tische, mischten die Karten, spielten und lachten über ihre eigenen Trümpfe. Für mich als Beobachter wirkte das vollkommen surreal. Eine Hochzeit, dachte ich, ist doch kein Jass-Turnier! Dieses Bild hat sich mir besonders eingeprägt – die Mischung aus Tradition, Festlichkeit und leichtem Irrsinn war einfach einmalig.
Gegen 16 Uhr begann die Hochzeit langsam auseinanderzufallen, und um 17 Uhr war alles vorbei, da die meisten Gäste am nächsten Tag wieder arbeiten mussten. Für mich bedeutete das: viel Zeit zum Nachdenken über das grosse Ganze. Ganz klar war mir eines: Sollte ich jemals heiraten, würde ich garantiert nicht auf diese Art und Weise heiraten. Dieses ganze Theater, diese Formalitäten, diese Pflichten – nein, das wollte ich mir nicht antun. Viel eher würde ich still und heimlich nach Las Vegas reisen und dort ganz privat heiraten, ohne Publikum, ohne Karten spielende Onkels, ohne chaotische kirchliche Zeremonie.
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Doch schon am nächsten Tag, dem 21. April, begann für mich eine neue Ära: die Bauführerschule in Aarau. Meine Klasse bestand aus Absolventen aus dem Thurgau, Schaffhausen, Bern, Zug, Graubünden und dem Aargau – insgesamt absolvierten in derselben Zeit drei Obwaldner die Bauführerschule. Jeder in einer anderen Klasse: neben mir Thomas Gasser, Felstechnik Lungern, und Thomas Fallegger vom Baugeschäft Giswil. Bei uns dreien hatten alle Väter eine Bauunternehmung, doch ich sah mich nicht als Konkurrent. Gasser und Fallegger hingegen betrachteten sich damals schon als Rivalen – wie „Hund und Katze“ – und jede kleine Diskussion um Technik oder Baupraxis wurde sofort zu einem Minikonflikt. Für mich hingegen war es reine Wissensaufnahme: ich wollte lernen, Erfahrungen sammeln und meinen eigenen Weg gehen, ohne in familiäre Konkurrenzkämpfe hineingezogen zu werden.
Leider gab es damals kaum etablierte Technikerschulen oder Bauleiterschulen mit einem Namen, sodass die Bauführerschule für mich die einzige realistische Möglichkeit darstellte, beruflich voranzukommen. Und so begann also am Tag nach der Hochzeit meiner Schwester meine eigene, persönliche Aufbruchsstimmung: ein Schritt in die Selbstständigkeit, in die Verantwortung, in die Zukunft.
So verbinden sich in meiner Erinnerung zwei vollkommen kontrastierende Ereignisse: Die Hochzeit meiner Schwester, voller Traditionen, absurden Momenten, Karten spielenden Onkels, und und gleichzeitig der Beginn meines eigenen Weges in die Bauführerschule – geordnet, zielgerichtet, ernsthaft, aber voller Ambitionen. Ein Kontrast aus Chaos und Struktur, aus Tradition und Zukunft, der diesen Ostermontag und den folgenden Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis machte.
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Chronik: Unterentfelden, Bauschule und WG-Zeit
(1. + 2. Semester, 19. April 1981 bis Ende März 1982)
Kontaktaufnahme und WG-Angebot
Ende Januar erhielt ich einen Anruf von meinem Schulkollegen aus der Maurerlehre, André Beeler. Wir hatten uns zuvor bei der Aufnahmeprüfung der Bauschule kurz gesehen und ein paar Worte gewechselt. André ging selbstverständlich davon aus, dass ich die Aufnahmeprüfung ebenfalls bestanden hatte.
Er erzählte, dass er ab April die Bauschule besuchen würde, und fragte, ob ich schon ein Zimmer hätte. Da ich noch nicht gesucht hatte, bot er mir an, Mitbewohner seiner Souterrain-Wohnung in Unterentfelden zu werden. Souterrain ist der Definition nach eine Wohnung, die unterhalb des Erdgeschosses und des Strassenniveaus in unserem Fall Garten liegt. Ich nahm das Angebot gerne an.
Die Wohnung bei den Husis
André gab mir die Adresse und sagte, ich solle mich bei Herrn und Frau Hussi, einem älteren Ehepaar von etwas über sechzig Jahren, vorstellen. Herr Hussi arbeitete als Buchhalter bei der Schuhfabrik Bally in Schönenwerd.
Die Souterrain-Wohnung lag im Keller des Hauses. Der Eingang befand sich über eine separate Kellertreppe neben der Haustür. Die Wohnung bestand aus:
- Zwei Schlafzimmer mit Fenstern auf Gartenniveaus.
- Ein Aufenthaltsraum mit Eckbank, ausgestattet mit Backofen, Kühlschrank, kleine Abstellfläche mit Unterbau.
Kein richtiger Küchenbereich; Abwaschen geschah in einem separaten Nebenraum
- Dusche und WC
Mein Zimmer möbelierte ich grösstenteils mit den Möbeln aus dem Zimmer meiner Schwester Veronika, die bereits zu Hause ausgezogen war. Mein Zimmer hatte:
- Ein Bett (90 × 190 cm)
- Nachttischen mit 2 Schubladen
- Kleiderschrank (102 × 60 × 180 cm)
- Büchergestell (80 × 40 × 160 cm)
- Zeichenbrett (100 × 160 cm) auf Unterstellböcken
- Bürostuhl
- Sharp-Farbfernseher, der eine sehr lange Lebensdauer hatte und ein geniales Gerät war
Anreise und Mobilität im ersten und zweiten Semester
Unterentfelden war damals weit entfernt. Die Tunnels in Sachseln und am Lopper gab es noch nicht. Die Autobahn ab Sursee nach Oftingen gab es auch noch nicht. Die schnellste Route war ab Sursee über das Surental.
- Mit dem Auto brauchten wir knapp eineinhalb Stunden pro Strecke.
- Für den Umzug durfte ich den VW-Bus des Geschäftes meines Vaters nutzen.
Da wir nur einen Parkplatz bei den Hussis hatten, organisierten André und ich die Fahrten zur Bauschule folgendermassen: Montags holte ich ihn in Wolfenschiessen ab, einmal fuhr er, einmal ich. Für den Schulweg nutzten wir jeweils unsere Fahrräder. Diese Organisation galt für das erste und zweite Semester.
Alltag in der WG
Obwohl wir in unterschiedliche Klassen gingen, verstanden wir uns gut. André war gesellig, oft unterwegs, und hatte regelmässig Besuch. Ich musste mich an einen eigenen Rhythmus gewöhnen.
Gemeinsame Aktivitäten:
- Mittwochs kochten wir zusammen als Junggesellen.
- Typische Mahlzeiten: Blätterteig Pastetli mit Füllung aus der Dose, dazu mit Erbsen und Rüebli, weitere Mahlzeiten waren Ravioli aus der Dose, Lasagne usw.,
abends abwechslungsweise, Aufschnitt, Wurst, Käse und Brot oder ein Sandwich. - Frühstück: Ovomaltine mit Brot Butter und Konfi.
Wir lebten insgesamt sehr bescheiden, was Essen, Einrichtung und Freizeit anging.
Mittagessen und Bauschule
An Wochentagen (Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag) nahmen wir das Mittagessen in der Kantine der Bauschule ein. Dort befanden sich auch die Wirtefachschule und die Kantine, die gut und preiswert kochte. Die meisten Studierenden der Bauschule, inklusive der Polierschule, assen dort gemeinsam.
Veränderungen und neue Mitbewohner
Nachdem André und ich das Vordiplom erreicht hatten, übernahm Fredy Fanger, ebenfalls ein Kollege aus der Maurerlehre, die Wohnung für sich allein. Dies markierte das Ende meiner Zeit mit André als Mitbewohner.
Die Erfahrung lehrte mich, meinen eigenen Lebensrhythmus zu finden, da André oft unterwegs war und selten lange zu Hause.
Wohnsituation 5. und 6. Semester
Die Wohnsituation für das fünfte und sechste Semester habe ich mit meinen besten Studienkollegen vorher eingehend analysiert und wir haben für uns eine passende Lösung gefunden.
Die neue Wohnsituation für das fünfte und sechste Semester werde ich in einem eigenen Abschnitt erläutern.
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Oktober 1981 – Eine Woche in London mit Marietheres
Nach den Herbstferien startete ich vom ersten in das zweite Semester der Bauschule. Kurz vor unserer Londonreise besuchte mich meine Englischlehrerin, Frau Leutwyler, bei meinen Eltern in Giswil. Leider hatte ich keine Zeit für ein längeres Gespräch, da ich mit Marietheres zum Flughafen musste.
Die Anreise zum Flughafen Zürich führte uns durch das Sihltal, eine idyllische Strecke entlang der Sihl. Weit und breit war kein Auto zu sehen, nur vereinzelte Ampeln – eine davon überfuhr ich unglücklicherweise. In meinen Augen war die Ampel noch fast grün, aber sie schaltete schon ein bisschen auf rot und das sehr schnell. Trotz der scheinbaren Harmlosigkeit brachte mir das später eine Busse von 100 Franken ein.
Der Hinflug nach London Gatwick verlief absolut ruhig und problemlos. Marietheres hatte ein wunderbares Hotel gebucht: das Hotel Rembrandt. Wir hatten ein luxuriöses Drei-Bett-Zimmer, etwas, das wir bisher noch nie erlebt hatten. Das Frühstück war besonders interessant: Inder assen Croissants mit Messer und Gabel – ein kleiner Kulturschock, aber durchaus unterhaltsam. Ich selbst griff kräftig zu, um sicherzugehen, dass das Frühstück für den Tag reicht.
In London entdeckten wir die Stadt aus der Sicht von Touristen. Wir besuchten Forest Hill (Forest Hill ist ein Stadtteil im London Borough of Lewisham im Südosten von London), wo Marietheres zwei Jahre zuvor einen Sprachaufenthalt von 3 Monaten gemacht hatte, fuhren mit dem Doppeldeckerbus und erkundeten das bunte Soho. Ein besonderes Highlight war Harrods, das riesige Warenhaus. Für uns Provinzler aus der Schweiz 1981 war das fast schon überwältigend – so große Kaufhäuser kannte man bei uns damals kaum.
Anders als meine erste Entdeckung Londons als 20-Jähriger war diese Reise ruhiger, gemeinsamer und voller kulinarischer Experimente. Dabei stellte sich heraus, dass das Essen in London manchmal seine Eigenheiten hatte: Beim Pizza Hut gab es Ketchup statt Tomatensauce auf der Pizza – für mich furchtbar! Mein Sackmesser kam besonders beim Abendessen zum Einsatz, da die Messer schlecht geschliffen waren. Lustigerweise durfte man damals ohne Probleme ein Sackmesser mit ins Flugzeug nehmen – es gab noch keine Angst vor Terroristen oder strenge Sicherheitskontrollen. Ausserdem durfte man im Flugzeug rauchen, was heute undenkbar wäre. Wir selbst waren Nichtraucher, hatten also gar kein Bedürfnis zu rauchen, aber es war einfach erlaubt. Alles wirkte noch sehr „heile Welt“.
Die Rückreise gestaltete sich abenteuerlich: Über Paris fliegend, sahen wir die Lichter der Stadt, bevor ein heftiger Sturm über die Schweiz zog. Im Flugzeug herrschten starke Turbulenzen, viele Passagiere schrien, doch der Pilot landete das Flugzeug in Kloten sicher. Am nächsten Tag berichteten die Zeitungen von den enormen Schäden des Sturms, viele Bäume waren entwurzelt.
Alles in allem war es eine Reise voller Kontraste: kleine Pannen wie die Ampel im Sihltal, turbulente Rückflüge, kurioses Essen – inklusive der Pizza-Katastrophe –, luxuriöse Hotelaufenthalte und beeindruckende Erlebnisse wie das Riesenwarenhaus Harrods. Vor allem aber war es die Freude, London gemeinsam mit Marietheres als Touristen zu entdecken und unvergessliche Erinnerungen zu sammeln.
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Ereignisse 1981
1981 war die Schweiz geprägt von wirtschaftlicher Stabilität und einem wachsenden Dienstleistungssektor, besonders im Finanz- und Versicherungswesen. Politisch setzte die Regierung auf Kontinuität und hielt an der Neutralität fest. Die gesellschaftliche Präsenz internationaler Kulturen nahm durch zunehmende Zuwanderung zu. Frauen gewannen weiter Einfluss in Politik und öffentlichen Ämtern, während Gleichstellungsthemen diskutiert wurden. Internationale Organisationen wie die UNO in Genf stärkten die globale Rolle der Schweiz. Insgesamt war es ein Jahr des Wachstums, der Stabilität und einer zunehmenden Präsenz auf der internationalen Bühne.
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1981 war ein Jahr des politischen Wandels und gesellschaftlicher Entwicklungen weltweit. In den USA begann die Präsidentschaft von Ronald Reagan, die von wirtschaftlichen Reformen und einem konservativen Kurs geprägt war; im März überlebte er ein Attentat nur knapp. In Europa prägten wirtschaftliche Stabilität, aber auch soziale Debatten das Leben der Menschen, während die Schweiz durch Volksabstimmungen und aufkeimende feministische Bewegungen gesellschaftlich aktiv war. Die Raumfahrt feierte mit dem Start des Space Shuttle Columbia einen Meilenstein, und technologische Innovationen begannen, den Alltag zu verändern. In der globalen Kultur erlebten Musik, Pop und Medien eine wachsende internationale Vernetzung, während gleichzeitig neue gesundheitliche Herausforderungen wie HIV/AIDS erstmals registriert wurden. Insgesamt spiegelte 1981 eine Welt wider, die zwischen Fortschritt, politischen Spannungen und gesellschaftlichem Wandel stand – ein Jahr, das die Grundlagen vieler Entwicklungen der 1980er Jahre legte.
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Tessin: der Ursprung unseres Traums
Am 27. Dezember 1977 stiegen Marietheres und ich in Giswil in den Zug. Es war kalt, der Atem hing sichtbar in der Luft, und die Welt wirkte still, als hielte sie selbst den Winter an. Wir fuhren über Luzern, hinein ins Reusstal, durch den langen Gotthard-Tunnel – ein dunkler Übergang, der mehr war als nur ein Stück Strecke. Als wir ihn hinter uns liessen und die Leventina sich öffnete, schien das Licht ein anderes geworden zu sein.
Hinter Biasca weitete sich die Landschaft. Es wurde heller, milder, freundlicher. Die Luft hatte etwas Weiches, das wir aus dem Norden nicht kannten. Und als wir schliesslich in Locarno ankamen, standen dort die Palmen am See, während in der Ferne noch Schnee auf den Bergen lag. Dieses Nebeneinander fühlte sich an wie ein kleines Wunder.
Wir gingen zu dem kleinen Hotel Zingara beim Bahnhof und checkten ein. Es war ruhig dort – ungewöhnlich ruhig. Bald merkten wir, dass wir die einzigen Gäste waren. Niemand begegnete uns auf den Gängen, keine Stimmen, kein Klappern von Geschirr. Nur wir beide und eine fast greifbare Stille.
Diese Ruhe war nicht leer, sondern voller Frieden.
Am zweiten Morgen warteten wir auf das Frühstück. Doch niemand erschien. Kein Schritt auf dem Flur, kein Klopfen, kein Zeichen von Leben. Und doch empfanden wir keine Unruhe. Es war, als gehöre auch dieses Ausbleiben zu der stillen Ordnung dieses Ortes.
Die Tage vergingen wie in einem sanften Traum. Wir gingen am See entlang, sprachen wenig und mussten es auch nicht. Alles schien selbstverständlich, leicht, beinahe entrückt von der Welt draußen.
Als wir an Neujahr abreisten, legten wir einen Zettel für die Rechnung auf den Tisch. Wir warteten noch einen Moment, als könnte doch noch jemand erscheinen. Aber niemand kam.
Wir gingen einfach.
Die Rechnung kam nie.
Später erfuhren wir, dass es das Hotel Zingara nicht mehr gab. Und so blieb es, wie wir es erlebt hatten: ein Ort außerhalb der Zeit, der sich nur für uns geöffnet hatte – und der, als wir ihn verließen, wieder verschwand.
Wie ein Traum, der nicht endet, sondern weiterlebt – in der Erinnerung.
Ab 1978 begann eine neue Art des Reisens: Wir fuhren mit dem Auto ins Tessin. Da der Gotthard-Strassentunnel und der Seelisberg-Tunnel noch nicht existierten und die Gotthardpassstrasse im Winter stets geschlossen war, mussten wir das Auto auf die Eisenbahn verladen. Die Anreise führte über Luzern, die Achsenstrasse und Göschenen, wo das Verladen erfolgte. In den Jahren 1978 und 1979 gehörte dies zu jeder Winterreise dazu – aufwendig, aber zugleich ein besonderes Abenteuer.
Am 15. September 1980 eröffnete schliesslich der Gotthard-Strassentunnel. Von da an konnten wir direkt mit dem Auto durch den Tunnel fahren – das Verladen war nicht mehr nötig. Die Fahrt wurde einfacher, schneller, und doch blieb die Ankunft im Tessin immer besonders, voller Vorfreude und Ruhe.
Ab 1978 buchten wir von nun an das Hotel Corona, wenn wir nach Locarno reisten. Es wurde zu unserem festen Ort, zu einer vertrauten Adresse oben in der Altstadt, nahe beim Spital – ruhig gelegen und doch nur wenige Schritte entfernt vom Leben der Stadt.
Das Haus, vermutlich in den fünfziger Jahren erbaut, war schlicht und klar in seiner Form. Es drängte sich nicht in den Vordergrund und fügte sich dennoch ganz selbstverständlich in die Umgebung ein. Gerade diese Unaufgeregtheit machte seinen besonderen Reiz aus.
Im Innern empfing uns jedes Mal dieselbe angenehme Ruhe. Nichts hatte sich verändert, und genau das war es, was wir suchten. Unsere Gastgeber, Deutschschweizer, begegneten uns mit einer herzlichen, ungekünstelten Freundlichkeit, die mit den Jahren zu etwas Vertrautem wurde. Man kannte sich, ohne viele Worte zu brauchen.
Wir nahmen immer Zimmer mit Frühstück. Der Tag begann ruhig, beinahe gleichbleibend, und gerade darin lag eine stille Freude. Danach zog es uns hinaus – durch die Gassen, hinunter zum See, ins Licht, das uns immer wieder willkommen hieß.
Am Abend gingen wir essen, nie zweimal am gleichen Ort. Es war unsere Gewohnheit geworden, uns treiben zu lassen, die Stadt immer wieder neu zu entdecken. Mal lebhaft, mal still, mal verborgen – jeder Abend hatte seinen eigenen Ton.
Und danach kehrten wir zurück. Hinauf in die Altstadt, in die Ruhe des Hauses, das uns vertraut war. Das Hotel Corona wartete nicht auf uns – und war doch immer da.
So wurde es über die Jahre zu einem Teil unserer Reisen. Kein Ort des Zufalls, kein flüchtiger Traum – sondern etwas Beständiges.
Ein Ort, an den man zurückkehrt.
Wenn es unsere Zeit erlaubte, unternahmen wir ab und zu auch kurze Wochenendtrips ins Tessin. Nur ein paar Tage, aber genug, um dem Alltag zu entfliehen, Hand in Hand durch die sonnigen Gassen von Locarno oder Ascona zu schlendern oder gemütlich Ausflüge mit dem Auto in die Täler zu unternehmen. Besonders das Maggia-Tal und das Verzasca-Tal faszinierten uns: rauschende Flüsse, smaragdgrünes Wasser, steile Hänge und stille Strassen, auf denen wir einfach die Schönheit der Natur in aller Ruhe genießen konnten. Keine langen Wanderungen, nur die Fahrt selbst war Teil des Vergnügens, das Gespräch, das Lachen, das Staunen – Momente, die wir nur miteinander teilten.
Manchmal zog es uns nach Ascona, wo vereinzelte elegante Gäste mit Pelzmänteln flanierten.
Die Ausnahme bildete die Nacht vom 30. auf den 31. Dezember 1981: schwerer, nasser Schnee fiel auf die Dächer. Am Morgen stand unser Lancia A 112 unter einer Dachlawine, das Dach eingedrückt, die Spiegel weg. Wir hörten von einem Mini, der getroffen worden sei – doch es war unser Auto. Für einen Moment nur Staunen, fast Ungläubigkeit, dann ein leises Lachen. Gemeinsam meisterten wir auch diese kleine Katastrophe: Wir traten die Heimreise an, fuhren mit dem beschädigten Auto, und reparierten es erst zu Hause.
Was blieb, waren nicht die Missgeschicke, sondern die Hotelaufenthalte, die Zug- und Autofahrten über Luzern, Achsenstrasse und Göschenen, die Ausflüge durch die Täler, die kurzen Wochenendtrips, die Gespräche und das gemeinsame Unterwegssein.
Das Tessin war für uns kein Reiseziel – es war eine Zeit. Eine Zeit, in der alles langsamer war. Eine Zeit, in der zwei Menschen, Jahr für Jahr, Hand in Hand, ihren eigenen kleinen Winterzauber im milden, sonnigen Süden fanden, immer wieder heimgekehrt, immer wieder glücklich miteinander.
Sommer 1981 – Ein Traum im Tessin
Der Sommer 1981 begann für mich nicht mit Ferien, sondern mit Pflicht. Bevor Marietheres und ich uns einige Tage im Tessin gönnen konnten, stand noch der dreieinhalbwöchige Wiederholungskurs in Hägendorf an. Eine intensive Zeit – fordernd, manchmal unbequem, aber auch geprägt von Kameradschaft. Damals ahnte ich noch nicht, dass dieser Sommer für mich eine ganz andere, viel persönlichere Geschichte bereithalten würde.
Nach dem WK reisten wir ins Tessin und mieteten eine kleine Ferienwohnung in Ascona. Schon bei der Ankunft lag diese besondere Leichtigkeit in der Luft, die man nur südlich der Alpen findet – warm, ruhig, beinahe zeitlos. Doch wir waren nicht nur zum Erholen dort. Wir hatten ein Ziel: Wir wollten ein Rustico finden.
In den 1980er Jahren war es gerade sehr beliebt, insbesondere unter Deutschschweizern, solche alten Rusticos zu entdecken und zu restaurieren. Dicke Steinmauern, sichtbare Holzbalken, kleine Fenster – diese Häuser hatten einen unverwechselbaren Charme, der einen sofort in den Bann zog. Viele sahen darin ein kreatives Projekt: ein altes Haus in ein modernes, gemütliches Ferienhaus zu verwandeln, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren. Für viele, so auch für mich, war es die Möglichkeit, Geschichte und Fantasie zu verbinden – alte Steine, die Jahrhunderte überdauert hatten, neu zu beleben.
Die Immobiliensuche war damals noch ganz anders als heute. In Locarno und auch in Ascona hingen vielerorts kleine Schaukästen von Maklern – an Hauswänden. Darin wurden Immobilienangebote ausgehängt, und man konnte als Interessent ganz unkompliziert stehen bleiben, schauen und sich inspirieren lassen.
Genau dort wurden wir fündig. Wir nahmen Kontakt mit einem Anbieter auf und besichtigten verschiedene Rusticos – im Maggiatal, in Aurigeno, Maggia und schliesslich in Moghegno.
Und dort war es. Ein Rustico, das uns sofort anzog. Man konnte mit dem Auto hinfahren – ein entscheidender Vorteil. Das Gebäude bestand aus zwei Teilen. Der grössere Teil war eingestürzt, nur noch eine Ruine, nicht mehr zu retten. Doch der kleinere Teil hatte Bestand. In ihm sah ich sofort Möglichkeiten.
Die eigentliche Arbeit begann dann in unserer Ferienwohnung in Ascona. Ich hatte damals immer meinen Zeichenblock dabei, dazu Bleistift, Massstab und Winkel – ich zeichnete eigentlich ständig. Ich setzte mich an den kleinen Tisch, breitete die Blätter aus, legte den Massstab an, zog sorgfältige Linien, korrigierte Masse, überlegte jede Ecke und jeden Zentimeter. Vor mir entstand langsam das Bild eines kleinen, durchdachten Hauses – im Grunde genommen nichts anderes als ein heutiges Tyni House, auch wenn man damals noch gar nicht von „Tyni-Häusern“ sprach.
Jeder Strich auf dem Papier versuchte, den Charme der alten Rusticos zu bewahren: dicke, grobe Steinmauern, die noch vom 18. oder 19. Jahrhundert zu stammen schienen; sichtbare Holzbalken, die den Wohnraum gliederten; kleine Fenster, die das Licht weich filterten. Ich dachte daran, wie wir abends dort sitzen, den Blick auf die gegenüberliegenden Berge richten und die Ruhe geniessen würden. Mit jedem neuen Detail, das ich einzeichnete – die Kochnische, den Essplatz, das ausziehbare Sofa, die Schlafgalerie, die kleine Dusche mit WC und Lavabo – wuchs der Traum, fast greifbar unter meinen Händen.
Ich war begeistert. Ich rief meinen Vater an und sagte ihm: ich hätte etwas gefunden, er könne kommen. Und tatsächlich – er liess sich nicht lange bitten. Er reiste übers Wochenende an, nahm sich ein Hotelzimmer in Ascona, und gemeinsam mit meiner Mutter besichtigten wir das Rustico.
Auch ihnen gefiel es. Die Idee schien zu tragen.
Doch die eigentliche Überraschung kam erst nach den Ferien.
Zurück zu Hause zeigte ich meinem Vater meine Skizzen – voller Stolz und Vorfreude. Er hörte zu, nickte, und dann sagte er: „Ich habe auch etwas gezeichnet.“
Was ich dann sah, traf mich völlig unvorbereitet.
Seine Vorstellung war eine ganz andere. Er wollte nicht nur den erhaltenen Teil nutzen, sondern auch den eingestürzten wieder aufbauen. Daraus sollte ein richtiges Ferienhaus entstehen – mit zwei Schlafzimmern, einem Wohnzimmer, einer Küche, einem Badezimmer, Balkon, ja sogar mit Keller.
Aus meinem kleinen, bescheidenen Traum war in seiner Version ein grosses Bauprojekt geworden.
Ich wusste sofort: Das würde nicht funktionieren. Mein Konzept hätte mit Kauf und Ausbau vielleicht 100’000 Franken gekostet. Seine Pläne bewegten sich in einer ganz anderen Grössenordnung – mehrere Hunderttausend Franken. Und noch entscheidender: Eine Baubewilligung für ein solches Vorhaben zu erhalten, war praktisch ausgeschlossen.
Doch mein Vater liess sich nicht beirren. Ein einheimischer Unternehmer hatte ihm Mut gemacht: „Im Tessin ist fast alles möglich.“
Ein Satz, der sich als trügerisch erweisen sollte.
Er versuchte, eine Baubewilligung zu bekommen. Es wurde geplant, diskutiert, gehofft. Doch am Ende zeigte sich: Es war eben nicht alles möglich. Die Angelegenheit eskalierte so weit, dass sie sogar im Tessiner Fernsehen thematisiert wurde.
Und schliesslich war alles blockiert.
Nicht nur sein grosses Projekt scheiterte – auch meine ursprüngliche, einfache Idee war nicht mehr umsetzbar. Das Rustico, das für mich so viel Potenzial gehabt hatte, war verloren.
Für mich brach eine Welt zusammen. Das war nicht mein Traum gewesen. Ich denke heute, im Jahr 2026, noch ab und zu daran – wie es wohl gewesen wäre, in meinem Häuschen zu sitzen, abzuschalten, Ruhe zu finden. Ich hätte sicher viel Zeit dort verbracht, vielleicht auch unsere Kinder mit Partnern und sogar die Grosskinder.
Na ja, es blieb ein Traum.
Ich kehrte zurück in meinen Alltag, ging wieder zur Schule. Der Sommer ging zu Ende, und bald standen die Herbstferien vor der Tür. Ein neuer Abschnitt begann.
Die Geschichte ging dann weiter, doch das erzähle ich in einem separaten Kapitel. Der Makler hatte zu einem späteren Zeitpunkt für meinen Vater ein bewilligtes Projekt, das weitgehend seinen Vorstellungen entsprach. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich später erzähle.
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Herbst 1981 bis Frühling 1982:
Zweites Semester Bauschule und erste Einblicke in das Tessiner Bauprojekt vom Papi
Im Oktober 1981 verbrachte ich zusammen mit Marietheres eine Woche in London. Danach begann für mich das zweite Semester an der Bauschule, während mein Bruder Willi gleichzeitig ins vierte Semester der Polierschule startete.
Wir wurden auf unterschiedlichen Stockwerken unterrichtet: Willi wurde Polier, ich Bauführer. Obwohl wir beide Absolventen der Bauschule waren, hatten wir im Schulalltag nur wenige Berührungspunkte. Gelegentliche Begegnungen fanden höchstens zufällig in den Pausen oder in der Kantine statt, wo wir kurz ein paar Worte wechselten.
Die Unterschiede zwischen den beiden Ausbildungswegen waren schon äusserlich sichtbar. Polierschüler erhielten eine Entschädigung für ihre Schultage, während wir Bauführerschüler alles selbst finanzieren mussten. Schon auf den Parkplätzen zeichnete sich das ab: Polierschüler fuhren neue, gepflegte Autos, während wir eher bescheiden unterwegs waren. Ich konnte mir nichts leisten, sondern lebte von meinem Ersparten. Ein Semester zu wiederholen war für mich finanziell unmöglich – anders als andere, die staatliche Stipendien erhielten, hätte ich nichts bekommen, weil mein Vater zu vermögend war. Deshalb musste ich jedes Semester erfolgreich abschließen.
Etwa am 27. Dezember fuhren Marietheres und ich für einige Tage nach Locarno, wo wir bis Neujahr im Hotel Corona blieben, das wir sehr liebten. Ausnahmsweise fiel in dieser Zeit viel Nassschnee, ungewöhnlich für Locarno, das sonst kaum oder gar keinen Schnee bekommt. Während unseres Aufenthalts beschädigte eine Dachlawine unser Auto, doch das hielt uns nicht auf. Wir genossen die Tage gemeinsam, bevor es Anfang Januar wieder voll in die Schule ging.
Ab Januar begann für mich eine besonders intensive Phase. Ich bereitete mich auf das Vordiplom vor, das kein Spaziergang war. Da ich um meine Schwäche in Algebra wusste, konzentrierte ich mich gezielt auf die Fächer, die mir leichter fielen. Im Frühling bestand ich das Vordiplom erfolgreich, während mein Bruder sein Diplom abschloss – ein gemeinsamer Erfolg, über den wir uns sehr freuten.
Parallel dazu lief im Tessin, im Dorf Lodano, der Nachbargemeinde von Moghegno, ein Bauprojekt meines Vaters. Ein Makler hatte ihm ein Haus mitten im Dorf angeboten, für das bereits ein bewilligtes Projekt vorlag. Mein Vater interessierte sich allerdings kaum für die formalen Vorschriften und hatte auch nicht die Absicht, bei der Gemeinde ein Planänderungsgesuch einzureichen. Er handelte pragmatisch: Im Tessin war es offenbar möglich, ein bewilligtes Projekt einfach umzusetzen, und er zog es genau so durch, wie es ihm beliebte. In den 40 Jahren danach hat sich nie jemand um dieses Projekt gekümmert, und inzwischen dürfte die Sache legal sein. Später wurde das Haus verkauft.
Ursprünglich war eine Wohnung für eine Familie vorgesehen, doch mein Vater verwandelte das Vorhaben in ein Haus mit drei Wohnungen: zwei kleinere Wohnungen im Erd- und Obergeschoss mit jeweils nur etwa 40 bis 45 Quadratmetern Wohnfläche zu je rund 125’000 Franken sowie eine Maisonettewohnung für sich selbst für rund 200’000 Franken. Insgesamt beliefen sich die Kosten auf etwa 450’000 Franken.
Ursprünglich war vorgesehen, dass die Wohnungen als Stockwerkeigentum aufgeteilt werden: Ich hätte die Erdgeschosswohnung übernommen, mein Schwager die mittlere Wohnung. Nach Fertigstellung wollte mein Vater jedoch nichts mehr davon wissen. Es kam zu keiner formalen Regelung.
Kurz vor dem Diplom stellte sich ausserdem die Frage, wo ich im fünften und sechsten Semester wohnen sollte, nach Abschluss des Praktikums. Einige Kollegen, darunter Heinz Schaub und Rolf Germann, hatten ein Zimmer im Hotel Bären reserviert. Ich hatte auch die Absicht im Hotel Bären ein Zimmer zu mieten. So würden wir gemeinsam lernen und uns gegenseitig ergänzen können. Das Hotel war auf Bauschüler ausgerichtet: Im Dachgeschoss befanden sich vor allem die Zimmer der Bauschulabsolventen. Die Zimmer waren jeweils mit einem Lavabo ausgestattet, sowie Etagendusche und Etagen-WC. Für mich persönlich war eine WG mit anderen Studierenden keine Option mehr, da mir das zu wenig seriös war und zu viel Kilbi (Trubel, Lärm, Unruhe) mit sich gebracht hätte. Das hörte sich gut an, und ich wollte die Sache später für das fünfte und sechste Semester im Detail klären. Ziel war es, im Frühling 1984 das Diplom erfolgreich abzuschliessen.
Interessant ist auch die heutige Entwicklung: Seit Anfang Oktober 2022 wird das Hotel Bären vom kantonalen Sozialdienst gemietet. Es dient als kantonale Unterkunft für Schutzsuchende aus der Ukraine. Aufsicht und Betreuung werden vom Kanton über das externe Dienstleistungsunternehmen URS übernommen. Ein eindrückliches Beispiel, wie sich Dinge über Jahrzehnte entwickeln können.
Nach dem Bestehen des Vordiploms im zweiten Semester folgten zwei Semester Praktikum. Was ich während dieses Praktikums alles erledigte und erlebt habe, werde ich später separat erzählen.
Diese Jahre waren geprägt von Ausbildung, Eigenverantwortung und praktischen Erfahrungen – nicht nur auf beruflicher Ebene, sondern auch im Umgang mit Immobilien und familiären Projekten. Sie haben mich nachhaltig geprägt und mir früh gezeigt, wie wichtig Pragmatismus, Organisation und Flexibilität im Leben sind.
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Frühling 1982 – Praktikum, Militär, Familienereignisse und Bauprojekte
Wohnhaus Wallimann in Giswil
Nach meinem Vordiplom begann ich im Frühling 1982 mein Praktikum. Ich übernahm die Bauleitung für das Wohnhaus von Hans Wallimann in der Rebstock.. Der Rohbau war weitgehend abgeschlossen. Ich koordinierte die Handwerker, kontrollierte die Qualität und stellte sicher, dass die Bauvorgaben eingehalten wurden.
Ein prägendes Erlebnis: Ein Lastenzug mit falschen Ziegeln traf ein. Ich bestand darauf, dass das Dach mit den Ziegeln gemäss Werkvertrag gedeckt. Sepp Enz «Decksepp» sah das völlig anders. Die Handwerker in Giswil waren es nicht gewohnt, strikte Anweisungen zu befolgen, und beschwerten sich später am Stammtisch über die „Reissdiktatur“.
Militärdienst
Im Mai absolvierte ich meinen dreieinhalbwöchigen WK in Zell bei den Rettungstruppen. Es war mein letzter WK bei den Rettungstruppen, weder intensiv noch lehrreich. Ich war froh, ihn abhaken zu können – das Praktikum und die Bauleitung hatten mir deutlich mehr Erfahrung gebracht.
Heirat von Willi und Marielouise
Nach dem Militärdienst heirateten Willi und Marielouise. Marielouise Bucher ist vier Jahre älter als Willi und von Beruf Familienhelferin. Sie war auch bei meinen Eltern im Haushalt tätig.
Vor ihrer Heirat absolvierte Marielouise noch einen einjährigen Crashkurs an der Handelsschule, der es ihr ermöglichte, im Büro meines Vaters zu arbeiten. Die beiden verstanden sich prächtig – vermutlich, weil keiner von ihnen jemals für seine überragende Effizienz bekannt war.
Die kirchliche Trauung fand in der Kirche Stalden ob Sarnen statt.
Die Verwandtschaft von Marielouise reiste mit einem Car aus Ruswil an, wir selbst kamen individuell im Auto. Das Fest im Restaurant Alpenrösli im Kleinteil war ein lebhafter Kilbi-Betrieb: Ein professioneller Conférencier war für die Unterhaltung verantwortlich. Zuvor gerückter Zeit rivalisierte sich mein Vater mit dem Conférencier, der für die Unterhaltung zuständig war, und probierte sich anschliessend im Handlesen aus. Besonders faszinierte ihn, Tante Rosi aus der Hand zu lesen – sehr zum Ärger meiner Mutter, die sich bei solchen Gelegenheiten stets fürchterlich aufregte. Ein kleines Theater des Alltags.
Mein Vater hatte im Aspli im Grosstal ein Ferienhaus gebaut. Nach ihrer Hochzeit bezogen Willi und Marielouise dieses Haus, das fortan ihr Wohnsitz wurde.
Pfarrmatte – Entwicklung in Giswil
Mami jammerte mal wieder, dass das Baumgeschäft zu wenig Arbeit habe und dass ich gefälligst dafür sorgen sollte, dass neue Aufträge hereinkommen. Zufälligerweise hatten Marietheres und ich an diesem Tag einen Termin bei Fredy Abächerli, um ein Bett zu kaufen. Während unseres Gesprächs kamen wir irgendwann auf die Pfarrmatte zu sprechen – ein Stück Bauland, das die Kirchengemeinde zum Verkauf anbot.
Ich wusste bereits, dass Fredy Abächerli Kirchenpräsident war, und so ergab sich ein lockeres Gespräch über das Grundstück. Neugierig geworden, habe ich mir das Ganze dann genauer angesehen und geprüft. Schnell stellte sich heraus, dass das Gelände sich perfekt eignete, um drei Doppel-Einfamilienhäuser sowie ein Mehrfamilienhaus darauf zu bauen.
Der Quadratmeterpreis für das Grundstück lag bei 80 Franken pro m2, und ich war fest davon überzeugt, dass es sich lohnen würde, das gesamte Grundstück zu kaufen. Mein Vater hingegen konnte das Potenzial nicht erkennen – er hatte kein „Musikgehör“ für solche Chancen.
Während ich die Möglichkeiten sah und auf Chancen setzte, war sein Ansatz völlig auf Sicherheit und Risikovermeidung ausgerichtet.
Allerdings kam Engelbert Zumstein dazwischen: Er sicherte sich den Platz für das Mehrfamilienhaus, den ich ursprünglich auf dem Radar hatte. Dadurch konnte das Mehrfamilienhaus nicht von uns realisiert werden. Mein Vater agierte mit starker Zurückhaltung, sodass die Umsetzung teilweise verzögert wurde.
Als ich begann, das Projekt Pfarrmatte zu entwickeln, hatte ich eine klare Vision: Ich wollte das Grundstück vollständig erwerben und alles darauf überbauen. Ich sah das Potenzial und wusste, wie man es clever finanzieren könnte. Mein Plan basierte auf dem Wohneigentumsförderungsgesetz: Wer zehn Prozent Eigenkapital nachweisen konnte, konnte eine Bundesbürgschaft beantragen, und die Bank finanzierte den Rest. Für meinen Vater wäre dies risikofrei gewesen – er hätte nur warten müssen, bis ein Käufer gefunden wurde.
Doch genau hier lag das erste Hindernis. Mein Vater war sehr vorsichtig. Für ihn war ein Projekt nur denkbar, wenn bereits ein Käufer vorhanden war. Er ging selbst kein Risiko ein, und obwohl das Finanzierungsmodell durchdacht war und individuell abgerechnet werden konnte, hing alles von seiner Zustimmung ab. Ich fühlte mich wie in einem Dilemma zwischen meiner Initiative und seiner Vorsicht.
Hinzu kam die bürokratische Komplexität: Das Projekt war individuell abzurechnen, jede Entscheidung musste präzise geregelt werden, und es gab kaum Möglichkeiten, öffentlich auf unser Vorhaben aufmerksam zu machen. Ich konnte froh sein, ein kleines Inserat am Amtsplatz zu schalten. Wie sollten die Menschen sonst wissen, dass wir etwas zum Verkauf hatten?
Rückblickend war es ein ständiger Kampf zwischen Vision und Realität. Ich hatte die Idee, den Mut und den Plan, doch die äusseren und familiären Umstände machten jede Umsetzung schwer. Das Projekt Pfarrmatte lehrte mich früh, wie wichtig Geduld, Strategie und manchmal auch Kompromisse sind – und dass selbst die beste Idee auf Widerstände treffen kann, die man vorher kaum einschätzen kann.
1982/83 haben wir in der Pfarmatte drei Doppelhäuser gebaut – und das zu einem echten Schnäppchenpreis von nur 320.000 Franken pro Haus, schlüsselfertig. Damals war das wirklich ein absolutes Schnäppchen.
Der Baugrund war eine echte Herausforderung. Auf der einen Seite mussten wir Fels abtragen, auf der anderen Seite war der Boden so schlecht, dass wir pfählen mussten. Pfählen bedeutet, dass man lange Pfähle in den Boden rammt, um die Häuser sicher zu stützen – eine absolut notwendige Massnahme, wenn der Untergrund instabil ist.
Natürlich wussten die Dörfler wieder einmal alles besser und zweifelten an unseren Methoden. Aber wir hatten recht: Durch das Pfählen und die Anpassungen an das schwierige Gelände standen die Häuser sicher und stabil.
Rückblickend lässt sich sagen: Wenn der Baugrund nicht optimal ist, ist Pfählen immer die richtige Entscheidung. Fachwissen zahlt sich eben aus – auch wenn es anfangs Skepsis gibt.
Sommerferien 1982
Im Sommer 1982 machten Marietheres und ich uns auf die Ferien nach Lido di Jesolo.
Die Anfahrt war abenteuerlich: Starke Gewitterfronten peitschten Regen und Wind über die Autobahn, überall standen Autos nach kleineren Unfällen quer, doch unser kleiner Lancia meisterte die Strecke tapfer. Wir kamen unversehrt an und waren erleichtert, dass das Abenteuer so glimpflich geendet hatte.
Das Hotel lag nur etwa 250 Meter vom Strand entfernt – perfekt für unsere Sommerferien. Das Hotel wurde im Prospekt als ruhig angepriesen, was leider nicht zutraf. Wir genossen das Strandleben. Wir hatten zwei Liegestühle gemietet, beobachteten das Meer, spazierten am Wasser entlang und liessen die Sonne auf uns wirken. Diese Ruhe und Entspannung glichen die Strapazen der vergangenen Wochen wunderbar aus.
Neben dem Strandleben standen natürlich Ausflüge auf dem Programm. Unser erster führte uns nach Assisi, wo wir die Basilika des heiligen Franziskus von Assisi besichtigten. Die engen Gassen, die alten Klöster und die Fresken erzählten die Geschichte des Heiligen. Die Spiritualität des Ortes war spürbar, und wir gingen ehrfürchtig durch die Stadt, die wie eine kleine Zeitreise wirkte.
Natürlich durfte auch Venedig nicht fehlen. Wir parkten unseren Lancia im Parkhaus. Erkundeten die Stadt und die wichtigsten Inseln Murano (Glas), Burano (farbige Häuser, Spitze), Torcello (älteste Kirche), Lido (Strände) und San Giorgio Maggiore.
Ein weiteres Highlight war die Fahrt zu den Lipizzaner-Gestüten in Lipizza, damals noch Teil des Ex-Jugoslawien unter dem Tito-Regime. Schliesslich führte uns unsere Reise nach Portoro%u017E. Die Abfahrt war sehr früh, noch vor Frühstück im Hotel, und unterwegs gab es kaum Gelegenheit, uns zu verpflegen. Erst am Nachmittag konnten wir endlich essen. Heute würde man gesetzlich Pausen einlegen, damals galt offenbar: Tempo vor Komfort.
Trotz kleinerer Unannehmlichkeiten wie nächtlicher Lärmbelästigung durch Verkehr waren die Ferien sehr eindrucksvoll und erholsam.
Bauprojekt Lodano im Tessin
Nach den Sommerferien begannen die Umbau- und Renovierungsarbeiten am Haus meines Vaters in Lodano im Maggiatal. Für ihn war dieses Projekt ein echtes Herzensprojekt, das er mit viel Engagement leitete. Mein Bruder Willi, mit seinen 4 Mitarbeitern war verantwortlich für die Baumeisterarbeiten.
Die meisten Handwerker beauftragte unser Vater aus Obwalden. Der Dachdecker war vor Ort, um das traditionelle Tessiner Granitdach wiederherzustellen.
Damit die Handwerker während der Arbeitswoche versorgt waren, mietete mein Vater ein Rustico in Mogehegno. Marielouise kochte / managte den Haushalt für die Arbeiter. Nur die Arbeiter meines Vaters übernachteten im Rustico, während die anderen Handwerker in einem sehr preiswerten Hotel der Familie Walzer in Aurigeno untergebracht waren. Willi, Marielouise und die Mitarbeiter fuhren jeweils am Montag früh nach Lodano und kehrten Freitagabend spät wieder nach Hause zurück.
Viele Betriebe planen eine Betriebsferienzeit zwischen Weihnachten und Neujahr, die oft mindestens zwei Wochen dauert. Bei unserem Vater war das nicht anders.
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Marietheres und ich nutzten die Gelegenheit und haben das Rustico vom 27. Dezember bis Neujahr genossen, die ruhige Zeit abseits der Baustelle.
Es war der 31. Dezember 1982, ein klarer Wintertag am Lago Maggiore. Marietheres und ich schlenderten durch die stillen Gassen von Cannobio, die Sonne glitzerte auf dem Wasser, und wir spürten die Ruhe vor dem grossen Silvestertrubel. Unser Ziel war das kleine, unscheinbare Restaurant Pironi, und kaum traten wir ein, schien die Welt draussen zu verschwinden.
Wir waren die einzigen Gäste. Der Kellner, ein freundlicher Mann mit einem leichten Lächeln, kam auf uns zu. Die Speisekarte trug er locker unter dem Arm, fast so, als wäre sie nur ein formaler Begleiter. „Zur Vorspeise empfehle ich die geräucherte Forelle mit Weisswein“, sagte er. Wir stimmten zu, und als ich nach einem Glas statt einer ganzen Flasche fragte, nickte er nur und versicherte, dass es individuell abgerechnet würde.
Die Vorspeise war ein kleiner Moment purer Perfektion. Kurz darauf brachte der Kellner das Rindsfilet, begleitet von knusprigen Pommes frites und frischem Gemüse, und zwischendurch reichte er einen knackigen Salat. Dazu genossen wir einen sehr feinen Rotwein, der das Gericht perfekt begleitete. Alles wirkte so mühelos, so genau auf uns abgestimmt, dass es fast unwirklich erschien.
Dann ein überraschender Blick hinter die Kulissen: Marietheres ging auf die Toilette und entdeckte, dass der Kellner und die Köchin ein Paar waren. Sie assen synchron in der Küche, das gleiche Menü, das wir gerade genossen hatten. Für einen Moment verschmolzen die Welten von Gast und Gastgeber, und man spürte die stille Freude und Hingabe in jedem Teller, der serviert wurde. Der Koch hatte einfach für vier Personen gekocht, obwohl wir nur zu zweit waren – eine Geste, die Wärme und Verbundenheit ausstrahlte.
Den Abschluss bildete ein feines Dessert. Marietheres rundete das Mahl mit einem guten Grappa ab, während wir den Nachmittag noch lange im Pironi ausklingen liessen. Wir tranken, plauderten leise und liessen die Zeit gemächlich verstreichen. Es war ein Silvestermenü zum Mittagessen, das einmalig war – ein Fest für alle Sinne, das uns noch lange in Erinnerung bleiben sollte.
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Diese Umbau- und Renovierungsphase hat mir nicht nur gezeigt, wie viel Arbeit und Organisation hinter diesem Bauprojekt stecken, sondern auch, wie sehr mein Vater sein Werk mit Herzblut verfolgte. Es war eine prägende Zeit, in der Familie, Handwerk und Tradition auf besondere Weise zusammenkamen.
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Natürlich kann ich nicht alles aus meiner Praktikumszeit 1982 genau wiedergeben, aber ich gebe hier einen kleinen Eindruck. Langeweile kam dabei nie auf – es gab immer jede Menge zu tun und ständig etwas um die Ohren. Es war wirklich hektisch, aber gerade das machte die Zeit spannend und lehrreich.
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Ereignisse 1982
Im Jahr 1982 durchlebte die Schweiz eine Phase wirtschaftlicher Unsicherheit, geprägt von Rezession und steigender Arbeitslosigkeit. Unter der Führung von Bundesrat Kurt Furgler als Präsident navigierte das Land durch diese schwierigen Zeiten. Politisch standen Sozialreformen und wirtschaftliche Stabilisierung im Mittelpunkt zahlreicher Diskussionen. Die Schweizerische Nationalbank reagierte auf internationale Finanzkrisen, um die Stabilität der Landeswährung zu sichern. Trotz der Herausforderungen blühte Kultur und Kunst weiter, mit bedeutenden Ausstellungen und Festivals in Zürich, Basel und Genf. Die Pop- und Rockmusikszene gewann an Popularität und zog internationale Aufmerksamkeit auf sich. Sportlich bereitete sich die Schweiz auf die Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo vor, wobei Ski und Eishockey die Herzen der Bevölkerung bewegten. International hielt die Schweiz an ihrer Neutralität fest und engagierte sich weiterhin in diplomatischen Vermittlungen. Das Jahr war geprägt von einer Mischung aus Sorge und Zuversicht, Kreativität und Zusammenhalt. So hinterließ 1982 in der Schweiz das Gefühl, dass selbst in schwierigen Zeiten der Blick nach vorne und die Gemeinschaft entscheidend bleibe
1982 war ein Jahr voller dramatischer Ereignisse und Wendungen auf der ganzen Welt. Im Falklandkrieg kämpften Grossbritannien und Argentinien erbittert um die Falklandinseln, wobei Großbritannien siegreich blieb. Im Nahen Osten begann Israel die Invasion des Libanon, was die Region zusätzlich destabilisierte. Lateinamerika geriet in eine schwere Schuldenkrise, als Mexiko ankündigte, seine Auslandsschulden nicht mehr bedienen zu können. Technologisch öffnete der Heimcomputer Commodore 64 Millionen Menschen den Zugang zur digitalen Welt, während die sowjetische Raumsonde Vega 1 an der Venus vorbeiflog. In Spanien ebnete Felipe González den Weg für politische Veränderungen, während Ronald Reagan in den USA seine zweite Amtsperiode begann. Katastrophen wie der Vulkanausbruch des El Chichón in Mexiko und Hungersnöte in Afrika erinnerten die Welt an ihre Verwundbarkeit. Sportlich erlebte die Welt die Fußball-Weltmeisterschaft in Spanien, bei der Italien den Titel gewann. In Kultur und Unterhaltung prägten Filme wie E.T. – Der Außerirdische und die Musik von Michael Jackson die globale Popkultur. Trotz Unsicherheiten und Konflikten spürte man in diesem Jahr auch Fortschritt, Kreativität und die unaufhaltsame Dynamik der Welt.
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Die Baugenossenschaft „IWI“ im Kleintal
Eine persönliche Rückschau auf ein Ferienhausprojekt (1982–1990er Jahre)
- Das Inserat und mein Auftrag (Herbst 1982)
Im Herbst 1982 hat mein Vater ein Inserat entdeckt, in dem zur Gründung einer Baugenossenschaft im Hotel Krone eingeladen wurde. Es ging um die mögliche Entwicklung eines Ferienhausprojekts im Iwy Kleinteil.
Mein Vater hat mich beauftragt, gemeinsam mit meiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau Marietheres, an dieser Gründungsversammlung teilzunehmen und mir ein Bild von der Sache zu machen. Ganz freiwillig war das nicht – er hat mich klar dazu motiviert. Wenn man jung ist, macht man solche Dinge, ohne lange zu diskutieren.
So bin ich in dieses Projekt hineingeraten.
- Gründungsversammlung und Atmosphäre
Die Gründungsversammlung im Hotel Krone war gut besucht. Rund 50 Personen waren anwesend, darunter Interessenten, Handwerker und potenzielle Käufer.
Der Architekt Eduard Schleich stellte das Projekt mit leiser Stimme vor. Seine Ausführungen waren stark konzeptionell und visionär und vermittelten das Bild einer geplanten Ferienhaussiedlung, die fast aus einer anderen Welt zu stammen schien.
Auch Bruno Bacher, der spätere Präsident der Genossenschaft, erklärte das Vorhaben mit grosser Überzeugung. Die gesamte Präsentation wirkte sehr visionär und durchleuchtet, fast wie eine eigene Realität.
Ich hatte zeitweise das Gefühl, ich sei im falschen Film. Trotzdem habe ich eine gewisse Chance in dem Projekt gesehen.
Anmerkung: In Ergänzung zu den Ausführungen von Bacher und Schleich ist festzuhalten, dass die Realisierung der geplanten Ferienhäuser von Beginn an in zwei bis drei Etappen vorgesehen war. Zudem war beabsichtigt, den überwiegenden Teil des Gesamtgrundstücks in seinem naturnahen Charakter zu belassen und im Sinne einer extensiven Berglandwirtschaft zu bewirtschaften.
- Gründung der Genossenschaft
An diesem Nachmittag wurde die Baugenossenschaft formell gegründet.
Der Vorstand setzte sich zusammen aus:
- Bruno Bacher (Präsident, Gymnasiallehrer/Rektor)
- Peter Bacher (Kassier, Sekundarlehrer)
- Bruno Probst (Lehrer)
- Andreas Bucher (Neffe von Bruno Bacher, Student aus Basel)
- Rita Omlin (Baugewerbe)
- ich, Markus Wälti (Bauschulabsolvent)
- Max Hofstädter
Die Statuten lagen als Entwurf vor und wurden genehmigt.
Ich habe im Auftrag meines Vaters einen Genossenschaftsanteil von 1’000 Franken gezeichnet, ebenso Rita Omlin.
- Projektidee und erste Zweifel
Das Projekt trug den Namen „Iwy Genossenschaft „Eins Sein“. Dieser Name war für mich von Anfang an ungewohnt und schwer greifbar.
Geplant war eine Ferienhaussiedlung mit rund 40 bis 50 einfachen Ferienhäusern sowie einem Gemeinschaftshaus. Die Idee war eine Mischung aus gemeinschaftlichem Konzept und individuellem Ferienwohnen.
Schon früh hatte ich den Eindruck, dass zwischen Vision und Realität eine grosse Lücke bestand. Es gab keine klaren Preise, keine verbindlichen Käufer und keine gesicherte Finanzierung.
- Grundeigentum
Alleinige Grundeigentümer des Grundstücks waren die Geschwister Bacher, denen das Areal im Kleinteil gehörte.
- Raumplanung und Bewilligung
Der Quartierplan wurde bei der Gemeinde eingereicht und grundsätzlich bewilligt.
Allerdings wurde eine zentrale Auflage gemacht:
- vollständige Erschliessung mit einer Kanalisation ins Tal
- keine lokale Kläranlage
Diese Auflage bedeutete erhebliche Kosten und stellte die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts früh infrage.
- Erwartungshaltung im Vorstand (1983)
Im Jahr 1983 herrschte im Vorstand grosse Zuversicht. Bruno Bacher war überzeugt, dass innerhalb von rund drei Vierteljahren mit dem Bau begonnen werden könne. In dieser Erwartung liess er sich für ein ganzes Jahr vom Schuldienst beurlauben, da er davon ausging, beim Start der Bauarbeiten direkt involviert zu sein – in welcher Funktion auch immer. Es war spürbar, dass er das Projekt als eine Art persönliches Vorhaben betrachtete.
Tatsächlich zeigte sich jedoch:
- kaum verbindliche Käufer
- fehlende Finanzierung
- grosse Unsicherheit am Markt
- strukturelle Überforderung der Genossenschaft
Ich selbst hatte zunehmend den Eindruck, dass die Erwartungen deutlich zu optimistisch waren.
- Stagnation des Projekts
In der Folge bewegte sich über längere Zeit praktisch nichts. Es gab zwar Sitzungen und Diskussionen, aber keine substantiellen Fortschritte. Die ursprüngliche Dynamik ging zunehmend verloren.
- Übergang zum Investor und Landverkauf
Da sich keine wesentliche Entwicklung abzeichnete, stellte Bruno Bacher als Präsident im Vorstand die Frage, ob man einverstanden sei, dass die Geschwister Bacher das Grundstück an einen externen Investor – einen Holzbauunternehmer (Zimmerei) aus dem Entlebuch – verkaufen würden.
Im Vorstand gab es dazu keine Einwände. Im Grunde glaubte kaum noch jemand ernsthaft an eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts unter der bisherigen Struktur. Die Idee war zu gross geworden, die Umsetzung zu unklar, und die wirtschaftliche Basis zu schwach.
Der Verkauf wurde daher akzeptiert.
- Investorisches Weiterführen und neue Probleme
Der Holzbauunternehmer (Zimmerei) übernahm das Projekt mit der Absicht:
- das Land zu entwickeln
- die Erschliessung zu realisieren
- später Ferienhäuser zu verkaufen
Damit wurde das ursprüngliche Genossenschaftsmodell faktisch abgelöst.
Die zentralen Probleme blieben jedoch bestehen:
- sehr hohe Erschliessungskosten
- fehlende gesicherte Nachfrage
- schwierige Finanzierbarkeit
- raumplanerische Unsicherheiten
- Auszonung durch die Gemeinde
Anfang der 1990er Jahre wurde das Gebiet neu beurteilt. Die Gemeinde kam zum Schluss, dass das Projekt nicht tragfähig sei, insbesondere wegen der fehlenden Erschliessung.
Die Gemeindeversammlung entschied knapp für die Auszonung aus der Bauzone.
Damit war das Gebiet rechtlich nicht mehr überbaubar.
- Gerichtsverfahren
Der Investor (Holzbauunternehmer) focht die Auszonung bis vor Bundesgericht an. Das Bundesgericht bestätigte jedoch die Entscheidung mit der Begründung, dass keine gesicherte Erschliessung vorliege und damit keine baurechtliche Grundlage für eine Bebauung bestehe.
- Konkurs des Investors
Der Holzbauer hatte das Grundstück bereits erworben und erhebliche Mittel investiert. In der Folge kam es zu seinem Konkurs mit einem Verlust in der Grössenordnung von mehreren Millionen Franken.
Die Geschwister Bacher hatten das Land zuvor verkauft und den Kaufpreis erhalten.
- Auflösung der Genossenschaft
Die Baugenossenschaft wurde danach sauber aufgelöst. Die Genossenschaftsanteile wurden zurückbezahlt und offene Rechnungen beglichen.
Ich (mein Vater) erhielt meine 1’000 Franken zurück. Für mich persönlich blieb kein finanzieller Schaden.
- Rückblick
Rückblickend sehe ich klar, dass der entscheidende Fehler bereits in der frühen Konzeptphase lag. Das Projekt war in mehreren Punkten zu wenig realistisch:
- Finanzierung ohne stabile Basis
- unterschätzte Erschliessungskosten
- fehlende Marktverankerung
- zu optimistische Zeitplanung
Ferienhausprojekte dieser Art sind zudem grundsätzlich schwierig zu finanzieren, da Banken ohne klare Sicherheiten kaum Mittel sprechen.
Ich selbst habe nie ein finanzielles Risiko getragen und auch nie darunter gelitten. Es war eine interessante Erfahrung, aber kein prägendes Lebensereignis.
- Schlussgedanke
Diese Geschichte zeigt für mich exemplarisch, wie stark Vision und Realität auseinanderliegen können. Eine Idee kann auf den ersten Blick sehr überzeugend wirken, scheitert aber letztlich an wirtschaftlichen und raumplanerischen Rahmenbedingungen.
Am Ende ist es so gekommen, wie es gekommen ist – eine Geschichte, wie sie das Leben manchmal schreibt.
Nachgedanke
Wenn ich heute auf die damalige Zusammensetzung des Vorstands zurückblicke, bleibt mir noch ein zusätzlicher Gedanke. Ein erheblicher Teil des Gremiums bestand aus Lehrpersonen, die zwar fachlich gebildet waren, aber mit wirtschaftlichen Projektentwicklungen, Immobilienfinanzierung und raumplanerischen Realitäten kaum praktische Erfahrung hatten.
Das ist nicht als Vorwurf gemeint, aber es erklärt vielleicht einen Teil der Dynamik: viel konzeptionelles Denken, viel Überzeugung und Vision – aber vergleichsweise wenig Erfahrung mit der harten Umsetzung solcher Vorhaben im Zusammenspiel von Markt, Finanzierung und Behörden.
Ob das letztlich entscheidend war, lässt sich im Nachhinein nicht exakt sagen. Aber es trägt sicher dazu bei, dass man die Entwicklung dieses Projekts heute mit einer gewissen Distanz und auch mit einem leichten Kopfschütteln betrachten kann.
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1983
Haus in Lodano
Nach den Weihnachtsferien 1983 nahmen die Bauarbeiten am Haus in Lodano das mein Vater errichten liess, wieder Fahrt auf. Schritt für Schritt wurde das Gebäude bewohnbar gemacht. In den Wohnungen liess mein Vater ein Cheminée mit einem kleinen Wärmespeicher – ein Bausatz von Rüegg, der damals propagierte, die Wärme bis zu 12 Stunden zu speichern. Rückblickend glaube ich jedoch, dass das eher Wunschdenken war. Das Cheminée war für die ganzjährige Beheizung gedacht, doch im Tessin, gerade im Maggiatal, konnte es im Winter trotzdem ziemlich kalt werden. Dann musste man mit Elektroöfen nachhelfen, um wenigstens eine Grundtemperatur aufrechtzuerhalten. Ein kompakterer Schwedenofen mit Specksteinspeicher hätte aus meiner Sicht effizienter gearbeitet und zugleich viel weniger Platz eingenommen. Die Raumhöhe der mittleren Wohnung war nur etwa 2.10 Meter.
Die Erdgeschosswohnung war rustikal und hatte ihren ganz eigenen Charakter. Dicke Mauern, ein Tonnengewölbe und die roten Klinkerböden verliehen ihr eine besondere, fast zeitlose Atmosphäre. Sie war kühl, massiv und zugleich charmant – ein Raum, der den Kontrast zwischen alter Bauweise und moderner Nutzung besonders deutlich machte.
Ein grundlegender Fehler offenbarte sich im Untergeschoss. Das Haus war vollständig unterkellert, und dort musste eine Waschmaschine und ein Tumbler für die Mieter installiert werden. Das Abwasser musste nach oben gepumpt werden, da kein direkter Anschluss an eine Kanalisation bestand. Für die Vermietung war diese Einrichtung zwar notwendig, doch die Handhabung mit der Pumpe und allem Drum und Dran stellte die Mieter vor grosse Herausforderungen. Ab und zu musste ich ins Tessin fahren, um die Anlage zu kontrollieren und die notwendige Reinigung vorzunehmen, weil die Mieter das nicht selbst bewältigten. Zusätzlich liess mein Vater die Natursteinwände in einem Kellerraum verputzen und brachte auf den Naturboden einen Betonboden, auf den schliesslich Keramikplatten verlegt wurden. Die Feuchtigkeit, die zuvor noch ungehindert entweichen konnte, wurde so eingeschlossen, und der Keller blieb modrig und leicht schimmelig – eine deutliche Erinnerung daran, dass Bauphysik nicht übergangen werden kann. Eine einfache Lösung mit Kiesboden und einer Gittertür hätte das Problem verhindert. Mein Vater war meinen Ratschlägen bezügliche Bauphysik nicht zugänglich
Was meine Rolle anging, hatte ich nur wenig oder gar nichts zu sagen. Es war schliesslich das Projekt meines Vaters, und er liess sich nicht belehren. Er wusste von Natur aus besser, was zu tun war – schliesslich war er diplomierter Baumeister und Architekt.
Gegen Ostern 1983 war das Haus schliesslich so weit fertiggestellt, dass man es nutzen konnte – wenn auch mit Einschränkungen. Das WC war damals noch nicht installiert, so dass wir uns über die Ostertage zunächst mit einem Kübel und einem Abfallsack behelfen mussten.
Als Marietheres und ich am Abend vom hohen Donnerstag einzogen, verbrachten wir dennoch die Osterzeit in der Erdgeschosswohnung und beschlossen, sie zu mieten. Die monatliche Miete betrug 500 Franken, die ich meiner Mutter zahlte, da sie pro forma als Eigentümerin fungierte. Um die Kosten etwas aufzufangen, vermieteten wir die Wohnung gelegentlich weiter – an Wochenenden oder während Ferienzeiten.
Die mittlere Wohnung wurde an Dritte vermietet, während die obere Wohnung von meinen Eltern und Geschwistern genutzt wurde. Mein Schwager Peter von Moos, der ursprünglich Interesse an der mittleren Wohnung gehabt hatte, entschied sich letztlich dagegen – es war für ihn günstiger, bei seinen Schwiegereltern zu wohnen. Ob meine Geschwister je etwas für die Nutzung der oberen Wohnung zahlten, entzieht sich meiner Kenntnis. Meinem Eindruck nach war das eher nicht der Fall – sie nahmen es einfach in Anspruch. Eine Haltung, die mir schon damals typisch erschien.
Rückblickend war das ganze Projekt von Improvisation, Pragmatismus und einigen Fehlentscheidungen geprägt. Und doch war es ein Abschnitt, der seinen eigenen Wert hatte – eine Zeit des Aufbruchs, des Ausprobierens und Lernens, in der man die Stimmung, die Kraft und das Leben eines Hauses fast greifen konnte.
Diese Wohnung in Lodano wird uns noch weiter begleiten. Ich werde später wieder darüber berichten.
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Vorbemerkung
Während meiner Zeit bei meinem Vater habe ich selbstverständlich verschiedenste Planungs- und Architekturarbeiten übernommen, ebenso Ausmassabrechnungen und andere Tätigkeiten für die Bauunternehmung. Mein Schwerpunkt lag jedoch eindeutig auf Planung und Bauleitung – das war mein Steckenpferd, und dort konnte ich meine Stärken besonders entfalten.
Eine prägende Erfahrung: der Umbau des Wohnhauses von Hans Gasser, Eili, Grossteil
Noch bevor ich an der Bauschule Aarau begonnen hatte, erstellte ich für Hans Gasser im Eli, Grossteil Gebäudeaufnahmen seines alten Hauses – traditionell mit Zeichenbrett und Massstab, wie es damals üblich war. Gasser wollte das Haus umbauen und renovieren, und meine Aufgabe war es, eine präzise Bestandsaufnahme zu machen.
Während meiner ersten und zweiten Semester an der Bauschule entwickelte mein Vater zusammen mit seiner Zeichnerin das Umbauprojekt für den Gasser-Grossteil. Als ich während meines Praktikums bei meinem Vater die Pläne überprüfte, fiel mir sofort auf: Dieses Vorhaben war problematisch. Die Raumhöhen lagen teilweise nur knapp bei 1,90%u202Fm – viel zu niedrig für den Sohn des Bauherrn, der 1,80%u202Fm gross war. Viele andere Details waren ebenfalls unpraktisch.
Als mich Hans Gasser fragte, was ich davon halte, sagte ich ehrlich und klar: “So wie es geplant ist, kann ich das nicht realisieren. Es würde Sie nur unnötig Geld und Ärger kosten. Wenn du willst, dass ich ein Projekt für dich umsetze, dann machen wir lieber einen Neubau. Den würde ich selbstverständlich selbst planen und realisieren. Aber dieses Umbauprojekt? Dafür solltest du jemanden anderen suchen.”
Die Reaktionen waren heftig:
- Mein Vater war fuchsteufelswild, weil ich sein Projekt ablehnte und dem Bauherrn meine Meinung gesagt hatte.
- Hans Gasser selbst war zunächst furchtbar verärgert über meine Offenheit.
Trotz des Konflikts hielt ich an meiner Einschätzung fest. Ich wollte Gasser vor Schaden bewahren – die Wahrheit war unbequem, aber notwendig.
1983 wurde das Umbauprojekt schliesslich mit einem Fremden umgesetzt. Wie sich herausstellte, waren die Kosten viel höher als geplant, die Raumhöhen und andere Details unpraktisch. Später trat Hans Gasser kleinlaut an meinen Vater heran:
- Er gestand, dass er auf seinen Sohn hätte hören sollen.
- Er gab zu, dass das, was er jetzt hatte, Mist war und viel zu teuer geworden.
- Er bedauerte, dass er sich im Nachhinein einen Neubau gewünscht hätte, doch leider konnte er die Entscheidung nicht mehr rückgängig machen.
Für mich war diese Erfahrung ein entscheidender Moment: Mein fachliches Urteilsvermögen, meine Verantwortung, meine klare Kommunikation und meine Integrität hatten sich bestätigt. Ich hatte gelernt, dass man manchmal die unbequeme Wahrheit sagen muss – und dass man dadurch langfristig Menschen und Projekte schützen kann. Diese Fähigkeiten prägen mich bis heute und sind für einen Bauführer unverzichtbar.
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Mein Praktikum bei meinem Vater – das Gropli-Projekt in Giswil
Im Frühling 1982 begann ich mein Praktikum bei meinem Vater, eine Zeit, die ich heute noch klar vor Augen habe. Ich war voller Neugier, endlich mein theoretisches Wissen aus der Bauschule Aarau in der Praxis anzuwenden. Eines der letzten Projekte, das mir begegnete, war das Gropli-Areal in Giswil, ein Grundstück, das meinem Vater von einem seiner Schulkollegen, einem Rohrer aus Sachsen, angeboten worden war. Damals ging es noch nicht um einen Kauf oder eine konkrete Umsetzung. Vielmehr war meine Aufgabe, auszuloten, welche Möglichkeiten das Grundstück bieten könnte, ob es für das Baugeschäft meines Vaters interessant war, und welche Art von Bebauung technisch und wirtschaftlich denkbar wäre.
Schon beim ersten Besuch des Grundstücks fiel mir seine Lage auf. Etwa 3’500 Quadratmeter gross, in der Bauzone W3 gelegen, wirkte es auf den ersten Blick unscheinbar. Der Baugrund war feucht und der Grundwasserstand hoch – ein typisches Problem für diese Region. Ich erinnerte mich noch, wie ich damals dachte: „Hm, hier wird es wohl Pfähle brauchen. Ein Keller? Vergiss es. Tiefbau geht nur in trockenen Regionen.“ Dennoch erkannte ich sofort die Vorteile: Fussnähe zum Bahnhof, kurze Wege zum Einkaufen, zur Schule, zu öffentlichen Einrichtungen. Das Grundstück war für Pendler interessant, und die Infrastruktur war besser, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Einzig die eingeschränkte Sonneneinstrahlung schien ein Nachteil zu sein, den man in Kauf nehmen müsste.
Im Rahmen der Erstprojektentwicklung begann ich, die Möglichkeiten konkret zu prüfen. Ich zeichnete Pläne, überlegte verschiedene Bebauungsszenarien und machte mir Notizen zu allen möglichen Grössen, Grundrissen und Ausrichtungen. Dabei tauchte ein Gedanke auf, der mich zum Schmunzeln brachte: Vielleicht wäre so ein Haus ja auch für mich selbst etwas – oder für den Bruder meiner Freundin, Peter Steudler. Natürlich war das eher ein spielerischer Gedanke, aber er half mir, die Planung lebendig zu machen. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie Menschen dort wohnen würden, wie sie die Räume nutzen, wie der Alltag aussehen könnte. Diese persönliche Perspektive half mir enorm, weil ich die Pläne nicht nur abstrakt, sondern mit realen Bewohnern im Kopf entwarf.
Meine Machbarkeitsanalyse führte ich Schritt für Schritt durch. Ich prüfte, wie viele Häuser auf das Grundstück passen würden, welche Formate ökonomisch Sinn machten, welche Pfahlfundamente notwendig wären und wie die Erschliessung aussehen könnte. Nach ersten Überlegungen zeichnete ich ein mögliches Szenario: vier Doppel-Einfamilienhäuser, jeweils dreigeschossig mit Dachgeschoss, ein Mehrfamilienhaus und ein einzelnes Einfamilienhaus. Dabei legte ich besonders Wert auf die Grundstücksgrössen – etwa 640 Quadratmeter pro Doppelhaus, pro haushälfte ca. 320 Quadratmeter – um sowohl Wohnkomfort als auch Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Ich erinnere mich, wie ich die Zahlen notierte und Pläne skizzierte, während ich die Stärken und Schwächen des Grundstücks immer wieder abwog.
Bereits in dieser Vorphase spielte die Finanzierung eine Rolle. Ich kalkulierte die Anlagenkosten pro Doppel-Einfamilienhaus auf rund 350’000 Franken, der Quadratmeterpreis für das Grundstück lag bei etwa 150 Franken. Dabei wurde mir klar, wie entscheidend das Wohneigentumsförderungsgesetz (WEG) war. Viele Familien hatten zu wenig Eigenkapital, um ein Eigenheim zu erwerben. Das Gesetz machte es möglich, dass ein Haus für Familien leistbar wurde. Schon damals dachte ich: „Ohne dieses Instrument wäre das hier für die meisten einfach nicht machbar.“ Es war faszinierend, zu sehen, wie gesetzliche Rahmenbedingungen die Planung von Bauprojekten beeinflussen können.
Ich erstellte die Pläne im Massstab 1:100 und beschäftigte mich mit allen Details: Hausausrichtungen, Pfahlfundamenten, Zufahrten, Grünflächen. Ich testete verschiedene Varianten, zeichnete um, vermass, skizzierte Dachformen. Oft sass ich stundenlang an meinem Tisch, zeichnete Linien, überlegte, wie man die Doppelhäuser geschickt platzieren könnte, damit sie genügend Licht bekamen, ohne zu nahe beieinander zu stehen. Ich notierte mir Gedanken wie: „Wenn wir die Häuser hier drehen, bekommen sie morgens Sonne – aber dann ist der Platz für die Grünflächen kleiner.“ Solche kleinen Überlegungen machten die Arbeit lebendig und praxisnah.
Um eine klare Übersicht zu bekommen, erstellte ich eine SWOT-Analyse:
- Stärken: Nähe zum Bahnhof, kurze Wege zum Einkauf, potenziell leistbare Häuser durch WEFG, durchdachtes Bebauungskonzept
- Schwächen: schwieriger Baugrund, begrenzte Sonneneinstrahlung, Lage in weniger gefragter Bauzone
- Chancen: Attraktivität für Pendler und Familien, innovative Doppelhäuser, mögliche Wertsteigerung durch Infrastrukturentwicklung
- Risiken: Baukostensteigerung durch schwierigen Untergrund, Verzögerungen durch Grundwasserprobleme, Marktunsicherheit
Besonders interessant war für mich, die Verbindung von Technik, Wirtschaft und Menschen zu verstehen. Ich lernte, dass ein Bauprojekt nie nur aus Plänen und Zahlen besteht. Es geht darum, wie Menschen darin leben, wie die Infrastruktur funktioniert, welche gesetzlichen Förderungen es gibt und wie sich ein Grundstück im Kontext der Umgebung entwickelt.
Während meines Praktikums, das Ende März 1983 seinen Abschluss fand, durfte ich all diese Aspekte analysieren, planen und reflektieren. Ich fühlte mich oft wie ein kleiner Architekt, der nicht nur Häuser, sondern Lebensräume entwirft. Dabei merkte ich, wie wichtig es ist, zu beobachten, zu überlegen, anzupassen und immer wieder neu zu denken.
Rückblickend zeigt mir das Gropli-Projekt, wie prägend diese Vorphasen eines Bauprojekts sein können. Schon in der Analysephase lernte ich, technische Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit, gesetzliche Rahmenbedingungen und die Bedürfnisse von Menschen zu verbinden. Die Gedanken, dass ein Haus für mich selbst oder für Peter Steudler (Bruder meiner Freundin) passen könnte, halfen mir, die Pläne mit einem realistischen Blick auf das Leben in diesen Häusern zu gestalten.
Heute, mehr als vier Jahrzehnte später, erinnere ich mich an diese Momente als eine der wertvollsten Lernphasen meines Lebens. Ich habe nicht nur die Grundlagen von Bauplanung, Projektentwicklung und Finanzierung gelernt, sondern auch, wie man mit Vorstellungskraft, Überlegung und Akribie aus einem unscheinbaren Grundstück eine echte Perspektive für Menschen entwickeln kann. Das Gropli-Projekt hat mir früh gezeigt, dass Technik, Wirtschaft und Menschlichkeit zusammengehören, und diese Erkenntnis begleitet mich bis heute.
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Meine Unterkunft im Hotel Bären – fünftes und sechstes Semester an der Bauschule Aarau,
Nach Ostern 1983 begann ich das fünfte Semester an der Bauschule in Aarau. Ich hatte ein Dachgeschosszimmer im Hotel Bären, etwa 12 Quadratmeter gross, mit Lavabo und Dachfenster.
Es war klein, aber funktional – genau richtig für das Studium.
Das Zimmer hatte einen besonderen Vorteil: In den Ferien musste ich keine Miete zahlen, solange ich das Zimmer räumte. Da ich nur wenige Sachen hatte, konnte ich alles problemlos im Auto verstauen und nach Hause transportieren. Das Auto konnte ich auf dem grossen Parkplatz beim Hotel abstellen – sehr praktisch!
Morgens hörte ich das Rattern der, Wynental- und Suhrentalbahn die direkt am Hotel vorbeifuhr. Trotzdem liess es sich gut schlafen. Die sanitären Einrichtungen waren auf der Etage: WCs und Duschen. Ich war meistens der Erste am Morgen und konnte daher ungestört duschen – Konflikte gab es nie.
Die Schule war bequem zu Fuss erreichbar. Auf dem Weg dorthin kam ich am Coop vorbei, nur etwa 300 Meter vom Hotel entfernt.
Die Verpflegung organisierte ich selbst: morgens gab es ein Brötchen, am Abend ein Sandwich abwechslungsweise belegt mit Fleischkäse, Käse, Salami oder Schinken und etwas Obst. Dieses besorgte ich im Coop immer schön frisch zubereitet von einer netten Verkäuferin. Einen Kühlschrank hatte ich nicht. Mit meinem Tauchsieder habe ich mir jeweils einen Kaffee oder Tee zubereitet.
Abends tauschte ich mich dann intensiv mit meinen Schulkollegen Heinz Schaub und Rolf Germann aus: Wir diskutierten die verschiedenen Fächer, klärten Fragen und lernten manchmal auch gemeinsam. Nach dem Lernen konnte ich mich schliesslich ein wenig entspannen und mit meinem tragbaren Sharp-Fernseher Fernsehen schauen. Genau diese Kombination aus konzentriertem Lernen und anschliessendem kleinen Ausgleich machte die Zeit im Bären für mich besonders wertvoll.
Alles in allem war das fünfte Semester an der Bauschule Aarau eine sehr gut organisierte, lehrreiche Zeit. Das Zimmer im Hotel Bären bot mir Ruhe zum Lernen, die Schule war gut zu Fuss erreichbar, einfache Selbstversorgung, für die Unterhaltung hatte ich meinen tragbaren Fernseher und die Chance, am Abend durch die Schulkollegen motiviert zu lernen.
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Fünftes Semester – Technische und wirtschaftliche Vertiefung
Im fünften Semester der Bauführerschule an der Bauschule Aarau in Unterentfelden ging es vor allem darum, die Grundlagen der Bauführung systematisch zu vertiefen. Da die Schule als Tagesschule organisiert war, hatte ich das Praktikum bereits hinter mir, sodass die praktische Anwendung des Wissens auf der Baustelle erst nach Abschluss des sechsten Semesters möglich war.
Der Lehrplan war breit gefächert und praxisnah auf die Anforderungen von Bauunternehmen ausgerichtet. Schwerpunktmäßig behandelten wir die Baumeisterarbeiten in Hochbau, Tiefbau und Spezialtiefbau. Besonders intensiv wurden die statischen Fächer – Statik, Betonbau, Lehrgerüste, Schalung, Spriessung und Holzbau – vermittelt, die stark mathematisch orientiert waren und ein präzises technisches Verständnis erforderten. Ergänzend dazu gehörten Projektionslehre und technisches Zeichnen, um Baupläne korrekt zu interpretieren und anschaulich darzustellen.
Neben den technischen Fächern standen Kalkulation, Baustellenorganisation, Projektplanung, Kommunikation und Teamführung auf dem Programm. Ebenso essenziell waren Ausmass, Abrechnungen und Buchhaltung, um die finanziellen Aspekte eines Projekts sicher zu steuern. Besonders wichtig war zudem die Rechtskunde, die die Grundlage für die korrekte Führung eines Bauunternehmens und die rechtssichere Abwicklung von Bauprojekten bildet.
Dieses Semester legte das Fundament für die spätere Bauleitung und Bauführung. Erst nach dem Abschluss des sechsten Semesters konnte ich das erworbene Wissen systematisch auf der Baustelle anwenden, Projekte eigenverantwortlich führen und die Leitung von Hochbau-, Tiefbau- und Spezialtiefbauprojekten übernehmen. Die Ausbildung vermittelte mir nicht nur die technischen und organisatorischen Fähigkeiten, sondern auch das Verständnis für die wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte, die eine erfolgreiche Bauleitung erfordert.
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Sommerferien 1983
Marietheres und ich verbrachten vier wundervolle Wochen unserer Sommerferien in unserer gemütlichen Erdgeschosswohnung in Lodano, mitten im Maggiatal. Es war eine Zeit voller Ruhe, Natur und gemeinsamem Alltag – Kochen, Lesen, kleine Spaziergänge – und dennoch spannend und lebendig. Selbstverständlich liess die anstehende Schularbeit die Stimmung nicht trüben; im Gegenteil, wir genossen jede Minute des Zusammenseins, lachten viel und fühlten uns einfach frei.
Für die Bauschule, in der ich im fünften Semester war, hatte ich die Aufgabe, während der Ferien über einen Bauschaden zu berichten. Schon in der ersten Woche ergab sich die perfekte Gelegenheit: Oberhalb der Maggia zwischen Locarno und Ponte Brolla stand ein Haus, das durch einen Hangrutsch um etwa 30 Grad gekippt und völlig unbewohnbar geworden war – ein richtiger Totalschaden. Ich machte Fotos, analysierte den Baugrund und schrieb meine Expertise. Heute würde man an so einer Stelle sicherlich nicht mehr bauen, denn das Gebiet ist klar als Gefahrenzone ausgewiesen.
Abseits der Arbeit lebten wir unsere Ferien voll aus. Wir kochten gemeinsam, gingen ab und zu in kleine Restaurants und unternahmen einen Ausflug nach Cannobio am Lago Maggiore. Dort, zwischen den bunten Häusern und der lebhaften See-Promenade, kauften wir spontan ein aufblasbares Kanu – und noch am selben Tag setzten wir es auf der Maggia und paddelten von Lodano nach Maggia, zurück ging es mit dem Bus. Zwischendurch genossen wir die Zeit an der Maggia, ruhten uns aus und genossen einfach die Natur und unsere gemeinsame Zeit.
Wenn ich heute daran zurückdenke, spüre ich wieder diese Mischung aus Freiheit, Abenteuer, Natur und Romantik. Vier Wochen, die voll von kleinen Freuden, Entdeckungen und glücklichen Momenten waren – eine unvergessliche Sommerzeit, an die ich mich immer wieder mit einem Lächeln erinnere.
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Meine Buchhaltung bei Hans Britschgi – Meine Stärke
Im fünften und sechsten Semester 1983/84 lernte ich bei Hans Britschgi Buchhaltung – noch klassisch, handgeführt, mit Kontenblättern, doppelter Buchführung und Bilanzen. Für viele meiner Klassenkameraden war diese Arbeit anspruchsvoll. Einige kämpften mit den Details oder griffen zu Tipp-Ex (Korrekturroller), wenn sie sich verschrieben hatten. Für mich jedoch wurde die Buchhaltung zu einer echten Stärke, einem Bereich, in dem ich meine Fähigkeiten voll entfalten konnte.
Sauberkeit, Präzision und Eleganz
Meine besondere Methode war, immer mit Tinte und Füllfederhalter zu schreiben. Nie Kugelschreiber, nie halbe Sachen. Jede Buchung, jeder Eintrag, jeder Abschluss war sauber, elegant und nachvollziehbar. Hans Britschgi lobte diese Arbeit regelmässig. Er sah, dass ich die Kontenblätter nicht nur korrekt, sondern auch ästhetisch und klar führte – eine Kombination aus Präzision und Stil, die sich deutlich von der Arbeit meiner Klassenkameraden unterschied.
Doppelte Buchführung und umfassendes Verständnis
Die doppelte Buchführung war für mich kein Hindernis, sondern ein Bereich, in dem ich mein Zahlenverständnis ausspielen konnte. Jede Buchung betraf immer zwei Konten – Soll und Haben –, und alles musste in der Bilanz am Monats- oder Jahresende korrekt wiedergegeben werden. Ich kümmerte mich um alles selbst: Kontrolle der Belege, Endsalden, Gewinn- und Verlustrechnung. Ich wollte die Buchhaltung nicht nur „machen“, sondern wirklich verstehen, damit ich die Arbeit eines Buchhalters später lesen und prüfen konnte.
Meine Stärke im Vergleich zu Algebra
Während Algebra für mich oft zu abstrakt war, bot mir die Buchhaltung die ideale Verbindung von Struktur, Logik und Zahlenpraxis. Hier konnte ich mein Gespür für Ordnung und Genauigkeit ausspielen. Ich fühlte mich sicher und kompetent, und meine Leistungen gehörten zu den besten in der Klasse.
Anerkennung durch Hans Britschgi und Vorbildfunktion
Hans Britschgi bemerkte meine besondere Arbeit. Er lobte mich oft für meine sauberen, klaren Kontenblätter und die gewissenhafte Führung der Buchhaltung. Doch er ging noch einen Schritt weiter: Er forderte die Klasse auf, meine Arbeit anzuschauen und sich daran ein Vorbild zu nehmen. Meine Kollegen bewunderten meine Kontenblätter – sie sahen die Perfektion, Übersichtlichkeit und Eleganz meiner Arbeit und erkannten, dass Buchhaltung mehr sein konnte als blosse Pflicht.
Fazit: Meine persönliche Stärke
Die Buchhaltung bei Hans Britschgi war für mich nicht nur ein Fach, sondern ein Bereich, in dem ich meine Leidenschaft, mein Talent und meine Disziplin zeigen konnte. Mit Tinte, Füllfederhalter und sorgfältiger Arbeit schuf ich Kontenblätter, die als Vorbild für andere dienten. Hans Britschgis Anerkennung und das Lob meiner Klassenkameraden bestätigten, dass dies meine Stärke war, eine Fähigkeit, die mich von anderen unterschied und mir bis heute ein tiefes Verständnis für Finanzen und Zahlen gegeben hat.
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Diplomreise – wie man mit wenig Geld die Welt entdeckt
1983, zwischen dem fünften und sechsten Semester – jener Zeit, in der traditionell die Diplomreise stattfindet – begann sie: unsere Reise. Eine Woche unterwegs, einfach organisiert, bescheiden im Komfort – und doch reich an allem, was wirklich zählt.
Organisiert wurde diese Reise vom damaligen SSR-Reisen, dem Schweizerischen Studentenreisedienst – einer Institution, die es heute so nicht mehr gibt. Damals machte sie genau solche Reisen möglich: unkompliziert, günstig und voller Möglichkeiten für Studenten.
Die Reise startete im Nachtzug. Unsere Couchette, diese Liegewagen mit Sechserabteilen, waren eng und alles andere als luxuriös. Man lag dicht beieinander, das Gepäck irgendwo verstaut, das Rattern der Schienen als ständiger Begleiter. Schlaf war Glückssache – aber das spielte keine Rolle. Es war dieses Gefühl von Aufbruch, das zählte.
Begleitet wurden wir von unserem Direktor Martin Eppler und unserem Deutschlehrer Klaus Merz, heute ein bekannter Schriftsteller aus dem Aargau. Damals war er für uns Lehrer – ruhig, aufmerksam, mit einem feinen Gespür für Worte und Situationen.
Am Morgen erreichten wir Carrara – und verbrachten dort einen ganzen Tag im Steinbruch. Nicht einfach ein kurzer Besuch, sondern ein intensives Erlebnis. Wir standen direkt vor Ort und sahen zu, wie der Marmor abgebaut wurde: riesige Maschinen im Einsatz, gewaltige Blöcke, die herausgelöst wurden, und das eindrückliche Sägen mit Seilen. Es war laut, staubig und faszinierend zugleich. Hier wurde sichtbar, wie viel Arbeit hinter jedem Stück Stein steckt – und dass genau hier der Marmor herkam, den Michelangelo für seine Werke verwendete.
Weiter ging es nach Florenz. Die Stadt war überwältigend. Der Dom von Florenz erhob sich über die Dächer, und wir bewegten uns durch Strassen voller Kunst und Geschichte.
Geschlafen haben wir meist im Massenlager. Grosse Räume, viele Betten, Die sanitären Einrichtungen waren auf der Etage: WCs und Duschen. Heute kaum mehr vorstellbar – damals völlig normal. Es störte niemanden. Wir waren es gewohnt, viele hatten die RS gemacht. Enge Verhältnisse, einfache Bedingungen – das gehörte dazu.
Dafür lebten wir umso intensiver. In Siena sassen wir auf dem Piazza del Campo, liessen die Sonne wirken und beobachteten das Leben.
Und wir haben gut gegessen. Sehr gut sogar. In kleinen Trattorien genossen wir Pasta, Brot, Olivenöl – und natürlich Wein. Rund um San Gimignano und Siena besuchten wir Kellereien, standen in kühlen Gewölben zwischen Fässern und probierten, lachten, diskutierten. Der Wein gehörte dazu – nicht als Luxus, sondern als Teil des Lebens.
San Gimignano selbst mit seinen Türmen blieb unvergesslich. Diese steinernen Zeugen einer anderen Zeit ragten in den Himmel, und wir gingen staunend durch die Gassen.
Eine Woche lang lebten wir einfach, frei und intensiv.
Dann die Rückreise. Wieder Nachtzug, wieder Couchette. Müde, aber erfüllt. Und dann: Samstagmorgen, kurz vor zehn Uhr, Bahnhof Giswil. Zurück in der Ordnung, zurück im Alltag.
Doch der Tag war noch nicht zu Ende.
Am Abend die Klassenzusammenkunft im Alpenrösli im Kleinteil. Jahrgang 1956/1957. Viele waren längst in einem anderen Leben angekommen – verheiratet, Kinder, Gespräche über Alltag und Verpflichtungen. Während ich gedanklich noch zwischen Florenz, Siena und
San Gimignano unterwegs war.
Für mich, mit 26 noch Student, war es ein Kulturschock.
Zwischen den rauen Steinbrüchen von Carrara und den Gesprächen im Alpenrösli lagen Welten.
Und vielleicht war genau das das Besondere dieser Tage:
Ich habe nicht nur eine Reise gemacht – ich habe gespürt, wo ich im Leben stehe.
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Familienbande und Firmenverpflichtungen
Im Herbst 1983 gründete unser Vater die Wälti Bau AG. Offiziell waren wir alle beteiligt: Vater als alleiniger Verwaltungsratspräsident, Mutter und mein Bruder Willi jeweils mit zehn Prozent Aktien. Praktisch hatten weder Mutter noch Willi irgendeine Entscheidungsbefugnis – sie hätten nicht einmal einen Bleistift kaufen können, ohne dass Vater zustimmte. Für Willi war das eine tiefe Enttäuschung. Er fühlte sich wie ein Statist in einer Inszenierung, in der er eigentlich Hauptrolle spielen wollte. So sehr, dass er sich weigerte, zum Mittagessen mit Vater und Mutter zu erscheinen. Ich konnte seine Enttäuschung nachempfinden und stellte mich bewusst an seine Seite. Solidarität war das Einzige, was wir in diesem Moment hatten. Für uns beide war diese Gründung weniger ein Grund zum Feiern als eine Lektion in Ernüchterung: Familie kann gleichzeitig sicher und belastend, stabil und unnachgiebig sein.
Am gleichen Tag gründete Vater auch die Wälti Immobilien AG, mit Schwerpunkt auf Architektur, Planung und Bauleitung. Wieder war Vater alleiniger Verwaltungsratspräsident. Mutter und ich waren formal beteiligt, praktisch jedoch völlig aussen vor. Mein Fachbereich war klar: Architektur, Planung und Bauleitung. Doch selbst hier war meine Entscheidungsfreiheit begrenzt; jede noch so kleine Handlung bedurfte der Zustimmung meines Vaters. Die erste geplante Investition war das Grundstück „Gropli“ von den Brüdern Rohrer aus Sachseln – ein Schritt, der zeigen sollte, dass die Immobilien AG mehr als ein Papierprojekt war.
Über Jahre hinweg investierte ich Herz, Verstand und Arbeit in die Immobilien AG. Visionen wurden zu Plänen, Pläne zu Projekten, und Projekte legten die Grundlage für den späteren Erfolg, von dem die Erben profitieren sollten. Mein Bruder Adrian tauchte erst ca. 1999, nach dem Ausstieg von Willi, in der Wälti Bau AG auf. Er arbeitete zwar mit, aber sein Hauptinteresse lag darin, den Chef zu spielen – die Verantwortung auf der Bühne zu inszenieren, nicht im Detail zu übernehmen. Schon bei seinem ersten Auftrag am Matthorn (Lawinenverbauung Alpnach), als er Geschäftsführer wurde, schrieb die Bau AG rote Zahlen. In der Immobilien AG hatte er bis zur Erbteilung überhaupt nichts zu tun.
Heute, 2026, existiert die Wälti Bau AG nicht mehr. Adrian brachte das Unternehmen an den Rand des Ruins, bevor Vater die Notbremse ziehen konnte. Im Rahmen der Erbteilung gelang es Adrian dann, sich die Wälti Immobilien AG unter den Nagel zu reissen. Plötzlich war alles seins – so, als habe er es immer besessen. Doch die Grundlage, das Fundament, die Visionen und die Arbeit, die das Unternehmen wirklich erfolgreich gemacht hatten, lagen klar in meinen Händen.
Diese Geschichte erzählt von Familie, Loyalität, Solidarität, Enttäuschung, Macht und Verantwortung. Sie zeigt, wie eng wirtschaftliche Verantwortung und familiäre Bindungen miteinander verknüpft sind, und wie schwer es ist, wenn Leistung und Anerkennung auseinanderfallen. In einer Familie kämpft man manchmal nicht gegen die Welt, sondern gegen das, was einem am nächsten steht.
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Sechstes Semester – Praktische Umsetzung und Diplomprüfung
Im sechsten Semester der Bauführerschule an der Bauschule Aarau in Unterentfelden ging es darum, das in den vorangegangenen Semestern erworbene Wissen systematisch auf die Praxis vorzubereiten. Während die vorherigen Semester die Grundlagen in Technik, Organisation, Kalkulation und Recht gelegt hatten, stand nun die Vorbereitung auf die eigenverantwortliche Bauführung auf den Baustellen im Vordergrund – schließlich war die Bauführerschule in erster Linie auf die Ausbildung zukünftiger Bauführer ausgerichtet.
Wir vertieften nochmals alle wesentlichen Bereiche: Hochbau, Tiefbau und Spezialtiefbau, Statik, Betonbau, Lehrgerüste, Schalung, Spriessung und Holzbau. Ergänzend dazu gehörten Projektionslehre, technisches Zeichnen, Ausmass, Abrechnungen, Buchhaltung, Kalkulation, Baustellenorganisation, Kommunikation, Teamführung und Rechtskunde, um die Verbindung von Technik, Organisation und Wirtschaftlichkeit zu festigen.
Die Krönung des Semesters war die Diplomprüfung, die eine echte Herausforderung darstellte. Sie war vollständig theoretisch und schriftlich zu absolvieren und dauerte von Montagmorgen bis Freitagmittag. Während dieser ganzen Woche galt es, alle technischen, organisatorischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Kenntnisse unter Beweis zu stellen. Am Freitagmittag war die Sache dann gegessen. Unsere ganze Klasse bestand die Prüfung – ein Ergebnis, das zeigte, dass wir fleissig gelernt hatten und genau wussten, worauf es ankam.
Dieses Semester markierte den entscheidenden Übergang von der schulischen Ausbildung zur tatsächlichen Bauführung auf den Baustellen. Das erfolgreiche Absolvieren der Diplomprüfung bestätigte, dass ich nun bereit war, Projekte im Hochbau, Tiefbau und Spezialtiefbau eigenverantwortlich zu leiten und die Bauführung praktisch anzuwenden – genau das Schwergewicht der Bauführerschule.
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Die Zukunft im Nebel
Ende Dezember, nach Weihnachten, zogen Marietheres und ich am 26. Dezember in unsere Wohnung nach Lodano. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr waren erfüllt von Nachdenken, Planen und leiser Aufregung über das, was kommen sollte. Alles war noch nebulös; viele Ideen lagen in der Luft, doch keine Entscheidung war endgültig. Wir fragten uns, wie unser Leben nach der Ausbildung aussehen würde: Welche Wege würden wir einschlagen, wie gestalten wir unsere Zukunft, und wie lassen sich unsere Wünsche mit familiären Verpflichtungen vereinbaren?
Ein grosses Thema war unsere Wohnsituation. Ich wollte nicht unbedingt nach Giswil zurückkehren, auch wenn die Möglichkeit bestand, ein Haus zu bauen. Das Land für ein eigenes Haus war vorhanden, denn mein Vater hatte mit der Wälti Immobilien AG in der Zwischenzeit von den Gebrüdern Rohrer das Gropli gekauft. Dennoch war klar: Ich wollte nicht im Betrieb meines Vaters arbeiten. Der Gedanke, eigenständig zu sein, den eigenen Weg zu gehen, war stärker als familiäre berufliche Verpflichtungen. Gleichzeitig spielten die Pläne, gemeinsam mit Marietheres Bruder Peter ein Doppelhaus im Gropli zu realisieren, eine Rolle in unseren Überlegungen. Mit unserem gemeinsamen Einkommen erschien dies durchaus machbar. Warum Miete zahlen, wenn man etwas Eigenes aufbauen könnte? Sollte dieses Vorhaben konkret werden, würden wir die Wohnung in Lodano untervermieten und so unsere Mutter von einer Last befreien.
Die familiären Erwartungen lasteten jedoch schwer auf mir. Für mich selbst stand Familie nicht unbedingt an oberster Stelle, doch meine Eltern und auch die Gesellschaft um uns herum setzten voraus, dass ich Verantwortung übernehme – für sie, für meine Geschwister, für die älteren und jüngeren Generationen. Diese Erwartungshaltung war enorm schwer zu erfüllen. Ich fühlte die Verpflichtungen, spürte den Druck, und musste gleichzeitig versuchen, meinen eigenen Lebensweg zu planen und zu leben. Marietheres befand sich in einer ähnlichen Lage: Auch sie trug Verantwortung für ihre Eltern, während ihre Geschwister Vreni und Peter nichts beitrugen.
Zu dieser Zeit war meine Bauschulausbildung noch nicht abgeschlossen; der Abschluss war für Ende März oder Anfang April vorgesehen. In dieser Übergangsphase kreisten unsere Gedanken um die berufliche Zukunft und die Gestaltung unseres Lebensraums. Rückkehr nach Giswil, eigenes Haus im Gropli oder ein anderer Weg – alles musste sorgfältig abgewogen werden, während wir gleichzeitig unsere persönlichen Wünsche, Ambitionen und unsere Beziehung berücksichtigten.
Und doch, trotz aller Überlegungen, Pflichten und Zukunftsfragen, kam die Romantik nicht zu kurz. An Silvester und Neujahr genossen wir die gemeinsame Zeit miteinander, lachten, feierten und liessen die Sorgen der Zukunft für einen Moment hinter uns. Diese Tage gaben uns Kraft, Freude und ein Gefühl von Verbundenheit, mitten in einer Phase voller Entscheidungen.
So war diese Zeit geprägt von einer Mischung aus Verantwortungsbewusstsein, Druck, Unsicherheit, Hoffnung und Liebe. Wir planten, träumten, wägten ab – ohne dass alles schon feststand. Es war eine Übergangsphase, in der wir die Weichen für unsere Zukunft stellten: beruflich, privat und in unserer Beziehung. Und obwohl vieles unklar war, fühlten wir, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen wollten – mit der Familie im Blick, aber auch mit dem festen Willen, den eigenen Weg zu finden, und mit der Freude, die kleinen Momente der Zweisamkeit zu geniessen.
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Ereignisse 1983
1983 war die Schweiz von politischer Stabilität geprägt, ohne grössere Veränderungen im Bundesrat. Im Laufe des Jahres fanden mehrere Volksabstimmungen statt, unter anderem zu sozialen Themen wie Rentenreformen und wirtschaftlichen Initiativen, die das Land langfristig beeinflussten. Wirtschaftlich hielt sich die Schweiz trotz der internationalen Rezession der frühen 1980er Jahre stabil, wobei die Finanz- und Bankenbranche sowie die Maschinen- und Uhrenindustrie zentrale Rollen spielten. Die Schweizer Neutralität blieb international anerkannt, und das Land engagierte sich weiterhin in humanitären Projekten. Gesellschaftlich und kulturell spiegelten internationale Musik-, Film- und Modetrends das Leben der Bevölkerung wider, während Sportarten wie Fussball und Eishockey grosse Aufmerksamkeit genossen. Umwelt- und Verkehrsthemen gewannen zunehmend politische Bedeutung. Insgesamt zeigte sich die Schweiz 1983 als ein Land der wirtschaftlichen Konsolidierung, politischen Ruhe und kulturellen Offenheit, das sowohl Traditionen bewahrte als auch schrittweise auf moderne Entwicklungen reagierte.
1983 war ein Jahr, das stark vom Kalten Krieg geprägt war, wobei die Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion zunahmen. US-Präsident Ronald Reagan kündigte das „Strategic Defense Initiative“-Programm an, das international für Aufsehen sorgte. Im Nahen Osten eskalierte der Libanonkrieg, und schwere Bombenanschläge auf US- und französische Kasernen in Beirut führten zu vielen Todesopfern. In Westeuropa wuchs die Friedensbewegung, vor allem gegen Atomwaffen, und forderte politische Veränderungen. Technologische Innovationen wie die ersten kommerziellen Mobiltelefonverbindungen und die zunehmende Verbreitung von Computern prägten die moderne Welt. Naturkatastrophen wie Erdbeben und Wirbelstürme forderten weltweit Menschenleben und verursachten schwere Schäden. Die Weltwirtschaft begann sich langsam von der Rezession der frühen 1980er Jahre zu erholen, angeführt von den USA und Japan. Kultur und Unterhaltung erreichten ein breites Publikum, Filme wie „Return of the Jedi“ und internationale Musiktrends bestimmten den Alltag. Sportlich bereiteten sich Länder auf die Olympischen Spiele 1984 vor, während regionale Wettbewerbe wie die Panamerikanischen Spiele stattfanden. Insgesamt war 1983 ein Jahr voller politischer Spannungen, technologischer Fortschritte und kultureller Dynamik, dass die Weichen für die kommenden Jahre stellte.
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1984
Januar bis März 1984 – Die Neuordnung meines Lebens
Anfang Januar 1984 stand ich an einem Punkt, an dem sich mein ganzes bisheriges Leben verdichtete. Elf Jahre Ausbildung lagen hinter mir – vier Jahre Lehre zum Hochbauzeichner, zwei Jahre Zusatzausbildung zum Maurer, ein Jahr Praktikum für die Bauschule, dazu die militärische Ausbildung. Alles war auf ein Ziel ausgerichtet gewesen. Und dieses Ziel war nun zum Greifen nah: das Diplom als Bauführer SBA.
Doch je näher dieser Abschluss rückte, desto klarer wurde mir, dass mit dem Diplom nicht einfach ein Abschnitt endete – vielmehr begann etwas völlig Neues. Und dieses Neue war ungleich schwieriger als alles, was ich zuvor erlebt hatte. Denn nach elf Jahren vorgezeichneter Wege musste ich mein Leben nun selbst definieren.
Zwischen Familie und Selbstbestimmung
Im Zentrum meiner Überlegungen stand die Familie. Mein Vater, der Patriarch, führte die Wälti Bau AG und die Wälti Immobilien AG mit klaren Vorstellungen. Für ihn war die Bauunternehmung das Herzstück, alles andere hatte sich unterzuordnen. Es lag unausgesprochen in der Luft, dass auch ich meinen Platz dort einnehmen könnte.
Doch genau das wollte ich nicht.
Ein entscheidender Grund dafür war mein Bruder Willi. Er war ein Jahr älter als ich und arbeitete als Polier im Betrieb. Die Konstellation war heikel: Ich würde als diplomierter Bauführer fachlich über ihm stehen – Entscheidungen treffen, Verantwortung tragen, Anweisungen geben. Gleichzeitig war er mein älterer Bruder, und damit war die familiäre Ordnung eine völlig andere.
Diese Überlagerung von Rollen war nicht nur unpraktisch – sie war psychologisch explosiv.
Willi hätte akzeptieren müssen, dass sein jüngerer Bruder ihm beruflich übergeordnet war. Ich wiederum hätte in der Rolle des Vorgesetzten auftreten müssen, ohne die familiäre Beziehung zu verletzen. Es war absehbar, dass daraus Spannungen entstehen würden – vielleicht schleichend, vielleicht offen, aber in jedem Fall belastend.
Ich spürte sehr klar: Wenn ich in den Familienbetrieb eintrat, würde ich mich nicht frei entwickeln können. Ich wäre gefangen zwischen Loyalität, Rücksichtnahme und unterschwelligen Konflikten. Nicht als eigenständige Persönlichkeit, sondern als Teil eines Systems, das bereits festgelegt war.
Der Wunsch nach einer eigenen beruflichen Identität
Deshalb war mein Ziel eindeutig: Ich wollte in einem Architekturbüro oder in einer Generalunternehmung arbeiten – und zwar in einer leitenden Funktion.
Ich wollte Verantwortung übernehmen, Projekte führen, Entscheidungen treffen. Ich wollte nicht einfach Teil eines Betriebs sein, sondern mich als Fachmann behaupten, unabhängig von meinem Namen und meiner Herkunft.
Dieser Wunsch hatte auch eine tiefe psychologische Dimension. Nach Jahren der Ausbildung und des Militärs, nach all den vorgegebenen Strukturen, war das Bedürfnis nach Selbstbestimmung enorm. Ich wollte meinen eigenen Weg gehen, meine eigenen Fehler machen, meine eigene Handschrift entwickeln.
Gleichzeitig war diese Entscheidung auch ein bewusster Schritt weg von der Familie – nicht aus Ablehnung, sondern aus der Notwendigkeit heraus, mich selbst zu finden.
Marietheres – zwischen Nähe und Zerreissprobe
Während sich diese beruflichen Fragen zuspitzten, geriet auch meine Beziehung zu Marietheres unter enormen Druck.
Sie hatte im März eine eigene Wohnung gemietet – ein klarer Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Auch sie wollte nicht mehr in alten Strukturen bleiben. Gleichzeitig planten wir gemeinsam mit ihrem Bruder ein Doppelhaus im Gropli.
Dieses Projekt war eigentlich ein starkes Zeichen: ein gemeinsames Leben, ein eigener Ort, Unabhängigkeit. Doch in der Realität wurde es zu einer zusätzlichen Belastung.
Denn alles kam gleichzeitig:
- meine berufliche Entscheidung
- ihre persönliche Neuorientierung
- die Planung und Finanzierung des Hauses
- und die Frage, ob unsere Beziehung das alles überhaupt tragen konnte
Was uns verbinden sollte, begann uns zu belasten.
Die Gespräche wurden schwieriger. Die Unsicherheit grösser. Jeder von uns stand unter Druck, Entscheidungen zu treffen, die nicht nur das eigene Leben, sondern auch das des anderen beeinflussten. Es ging nicht mehr nur um Gefühle, sondern um Verantwortung, Zukunft, Existenz.
Und irgendwann stand unausgesprochen im Raum, was wir beide spürten:
War unsere Beziehung stark genug für all das – oder zerbrach sie daran?
Der Herzschmerz war real. Nicht als dramatischer Bruch, sondern als schleichende, tiefe Verunsicherung. Ein Gefühl, dass etwas, das einem wichtig ist, ins Wanken gerät – ohne dass man genau wess, wie man es retten kann.
Drei Monate, die alles entschieden
Die Zeit zwischen Januar und Ende März 1984 war geprägt von einer Intensität, wie ich sie bis dahin nicht kannte.
Ich musste gleichzeitig:
- meinen beruflichen Weg festlegen
- mich innerlich von der Familie abgrenzen
- eine tragfähige Zukunft mit Marietheres klären
- und ein Hausprojekt planen
Alles unter dem Druck des bevorstehenden Abschlusses.
Ich wusste, dass ich es schaffen würde – fachlich hatte ich keinen Zweifel. Aber die eigentliche Herausforderung lag nicht im Diplom, sondern in den Entscheidungen rundherum.
- April 1984 – Ein Datum mit Gewicht
Am 7. April 1984 erhielt ich schliesslich mein Diplom als Diplom-Bauführer SBA der Schweizerischen Bauschule Aarau.
Dieses Datum markierte nach aussen den erfolgreichen Abschluss meiner Ausbildung.
Doch für mich bedeutete es weit mehr.
Es war nicht nur ein Ende – es war der Moment, in dem ich endgültig gezwungen war, meinen eigenen Weg zu gehen.
Die Sicherheit der Ausbildung war vorbei. Die Strukturen, die mich so lange getragen hatten, existierten nicht mehr. Was blieb, war die Verantwortung für mein eigenes Leben.
Rückblick
Wenn ich heute auf diese Monate zurückblicke, sehe ich keine klare, geradlinige Entwicklung, sondern ein Geflecht aus Entscheidungen, Emotionen und Spannungen.
- Der Konflikt mit Willi war nicht laut, aber tief.
- Die Beziehung zu Marietheres war von echter Nähe geprägt – und gleichzeitig von Zweifel und Schmerz.
- Der Wunsch nach beruflicher Unabhängigkeit war stark, aber nicht ohne Risiko.
Vor allem aber war es eine Zeit, in der ich lernen musste, dass man nicht alle Erwartungen gleichzeitig erfüllen kann – weder die der Familie noch die des Partners noch die eigenen, ohne dabei an Grenzen zu stossen.
Diese Monate haben mich gezwungen, mich zu positionieren.
Nicht als Sohn, nicht als Bruder, nicht als Partner – sondern als eigenständige Person.
Und genau darin lag ihre Bedeutung.
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Resümee
Meine Jahre an der Bauschule Aarau (1981–1984)
Im Frühling 1981 begann ich meine Ausbildung an der Bauschule Aarau, voller Erwartungen, aber noch ohne Ahnung, welche Strapazen und Freuden die kommenden Jahre bereithalten würden.
Die ersten beiden Semester waren der Grundausbildung gewidmet, die Tage lang und intensiv: Unterricht von Montag bis Samstagmittag, nur der Mittwochnachmittag bot eine kurze Pause. Doch frei hiess nicht gleich Ruhe – Abende waren gefüllt mit Plänen, Formeln, Zeichnungen, Übungen, mit allem, was nötig war, um die Theorie zu beherrschen. Jeder Tag forderte volle Aufmerksamkeit, Disziplin und Ausdauer.
Eine Eigenheit begleitete mich durch diese ersten beiden Semester: die Mathematik. Unser Dozent waren oft erstaunt, wie schnell ich neue mathematische Themen verstand. Sobald ein neues Fachgebiet auftauchte, war ich sofort vorne dabei und konnte gut mit meinen Klassenkameraden mithalten.
Doch es gab eine klare Ausnahme: Algebra. Mir fehlte vor allem der Grundaufbau, der Einstieg. Ich stieg immer höher ein, verstand die weiterführenden Zusammenhänge schnell – doch die Basis, das Fundament, hatte ich nie richtig gelernt. Für mich war Algebra wie Niemandsland – ein Gebiet, das mich schon in meiner Zeichnerlehre gequält hatte und das mich daran hinderte, Architekt zu werden. Es gab keine Nachhilfe, keine Tricks, keine Hilfsmittel, die mir halfen, und der Aufwand, den Grundaufbau nachzuholen, wäre für mich schlichtweg zu gross gewesen.
Also wählte ich eine bewusste, harte Strategie: Ich konzentrierte mich nur auf das Minimum in Algebra, gerade genug, um durchzukommen, und legte meine Energie auf die Fächer, in denen ich stark war: Baustilkunde, Kalkulation, Staats- und Wirtschaftskunde, Rechtskunde. Ich wusste genau, dass ich dort voll Gas geben musste, um die Schwäche in Algebra auszugleichen. Rückblickend war es eine kluge, wenn auch anspruchsvolle Strategie. Ich lernte, meine Stärken zu nutzen, meine Schwächen zu akzeptieren und gezielt zu kompensieren. So konnte ich trotz meiner Lücke in Algebra bestehen und in den Fächern, die mir lagen, glänzen – ein Erfolg, auf den ich stolz bin, und eine Lektion in Selbstbewusstsein, Planung und Ausdauer.
Am Ende der ersten beiden Semester wartete das Vordiplom, eine grosse Prüfung, die mehr war als eine einfache Zusammenfassung der bisherigen Leistungen. Wer nicht aufpasste, wer sich schwächer vorbereitete, scheiterte – höchstens drei ungenügende Noten waren erlaubt. Mit meiner Strategie konnte ich bestehen, und ich erreichte eine Schlussnote von 4,6. Einige meiner Kollegen hatten weniger Glück und mussten ein Semester wiederholen. Der Stolz in mir war überwältigend; ich hatte es geschafft.
Nach dem Vordiplom folgte ein einjähriges Praktikum, das ich bei meinem Vater in Giswil absolvierte. Es war ein wichtiger Schritt, um die Theorie in die Praxis zu übertragen – doch das Praktikum sei hier nur kurz erwähnt, denn der Fokus liegt auf den Schuljahren, Prüfungen und dem Diplom, die dieses Kapitel so prägend machen.
Die letzten beiden Semester führten uns erneut in die Tagesschule, diesmal von Montag bis Freitagabend. Die Tage waren lang, oft bis spät in den Abend, gefüllt mit Korrekturen, Übungen, Berechnungen und Vertiefungen. Schwerpunktmässig standen nun: Bauführung, Kalkulation, Baustellenorganisation, Bauplatzinstallation und Bauprogramm, Baubeschreibung, Baustatik, Stahlbeton und Holzbau. Jeder Tag forderte Konzentration, Ausdauer und Durchhaltevermögen – die Schule war hart, fordernd, manchmal zermürbend, aber unendlich lehrreich.
Und dann kam der grosse Moment: das Diplom im Frühling 1984. Geprüft wurde das gesamte Spektrum des Bauwesens: Deutsch, Buchhaltung, Personalführung, Baukonstruktion und Werkzeichnen, Grundbau, Wasserbau, Kanalisation, Strassenbau, Vermessung, Gerüstung - Schalung und Spriessung, Kalkulation, Bauführung, Bauplatzinstallation und Bauprogramm, Baubeschreibung, Baustatik, Stahlbeton und Holzbau. Am 7. April 1984 hielt ich schließlich mein Diplom in den Händen. Die Noten spiegelten die Anstrengung und den Einsatz der vergangenen Jahre wider: Deutsch 5,5, Buchhaltung 5, Personalführung 5, Baukonstruktion 5, Grundbau 4,5, Wasserbau 5, Kanalisation 4,5, Straßenbau 4, Vermessung 4,5, Gerüstung – Schalung - Spriessung 5, Kalkulation 4,5, Bauführung 4,5, Bauplatzinstallation und Bauprogramm 4,5, Baubeschreibung 5, Baustatik 4, Stahlbeton 5, Holzbau 4,5 – eine Gesamtnote von 4,7. Keine einzige ungenügende Note.
Als ich das Diplom endlich in der Hand hielt, durchflutete mich ein Gefühl, das schwer in Worte zu fassen ist: Freude, Stolz, Erleichterung, pure Befriedigung. All die langen Tage, die späten Abende, die Prüfungen, die Herausforderungen – alles hatte sich in diesem Moment zu einem einzigen Gefühl verdichtet. Ich hielt das Diplom fest, spürte das Papier zwischen meinen Fingern, und wusste: „Ich habe es geschafft. Nie wieder Schule. Alles gut.“
Nach der offiziellen Übergabe versammelten sich meine Klassenkameraden und ich und wir gingen in das Restaurant zur Mühle in Oberentfelden. Dort setzte sich ein Gefühl der Entspannung und Erleichterung über uns wie ein warmer Mantel. Die Kellner servierten feines Essen, Gläser klirrten, der Wein schmeckte nach Triumph und Freundschaft. Wir lachten, erzählten uns die schlimmsten Momente der Prüfungen noch einmal, erinnerten uns an die langen Tage, die endlosen Abende und an die kleinen Siege, die uns durchhalten liessen.
Wir hatten es geschafft. Alle Prüfungen, alle Jahre, alles vorbei. Es war ein Fest der Freude, des Stolzes und der Gemeinschaft. Und inmitten des Gelächters, der Gespräche, der Erinnerungen spürte ich tief in mir: Dies war ein Augenblick, der für immer bleibt, ein Moment, der die Jahre der Anstrengung krönte und mir zeigte, wie weit Ausdauer, Zielstrebigkeit und Fleiß tragen können.
Am späten Samstagabend kehrte ich nach dem Fest zurück nach Giswil, das Diplom sicher in der Hand. Am Sonntag lud ich meine Geschwister und meine Eltern zum Mittagessen ins Hotel Bahnhof in Giswil ein, um mein Diplom zu feiern. Doch schon bald merkte ich, dass die Stimmung anders war, als ich sie mir vorgestellt hatte. Meine Mutter sprach, noch bevor der Kaffee serviert war, von der Baumeisterschule in Sursee, die jetzt ja anstehen würde, und dass danach irgendwann auch das Baumeister-Diplom folgen könne.
Ich war irritiert, fast ein wenig enttäuscht. Für mich war das Diplom als Bauführer das Höchste, was ich mit meinen Fähigkeiten erreichen konnte. All die Jahre der Anstrengung, der langen Tage und Abende, die Prüfungen – all das gipfelte in diesem Moment, und ich hatte gehofft, dass meine Eltern meinen Stolz teilen würden. Stattdessen blickten sie bereits auf das, was noch kommen sollte. Ein leiser Stich der Enttäuschung begleitete meinen Stolz.
Nach Kaffee und Dessert verabschiedeten wir uns, und ich spürte die Mischung aus Freude über meinen Erfolg und der Irritation über die Reaktion meiner Eltern. Ich ging zu meiner Freundin Marietheres in den Rosenweg, und wir verbrachten zusammen einen gemütlichen Restsonntag Wir redeten, lachten, genossen die Sonne, den Moment, die Zeit ohne Erwartungen. Marietheres freute sich mit mir, spürte den Stolz, die Erleichterung und die Freude, die ich in mir trug – und sie blickte mit mir voraus auf alles, was noch kommen würde.
Dieser Nachmittag und Abend waren ein Gegengewicht zur Irritation. Hier konnte ich meinen Erfolg wirklich fühlen, hier wurde er geteilt, gewürdigt, ohne Hintergedanken oder Forderungen. Es war ein Moment der Ruhe, der Freude, der Leichtigkeit – und zugleich eine Erinnerung daran, dass Stolz manchmal innerlich empfunden werden muss, bevor er von anderen erkannt wird.
Damals hätte ich mir kaum vorstellen können, dass viele Jahre später, von 1995 bis 1997, noch einmal eine neue Herausforderung auf mich warten würde: das Abendtechnikum der Innerschweizer Ingenieursschule und ein Ergänzungsstudium in Bauökonomie, das ich nach drei Semestern mit der Gesamtnote 5,2 abschließen würde. Aber all das lag damals noch weit, weit entfernt – ich lebte in den Tagen der Schule, in den Prüfungen, in den langen Abenden und in dem Stolz, der mit dem Diplom kam.
Diese Jahre an der Bauschule Aarau haben mich geprägt wie kaum eine andere Phase meines Lebens. Sie lehrten mich nicht nur Fachwissen, sondern auch Durchhaltevermögen, Disziplin, Verantwortung und den Stolz auf eigene Leistung. All das bildet noch heute das Fundament meines Lebens und meiner Karriere – ein Kapitel, das ich nie vergessen werde.
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Unser Haus im Gropli
Bevor Marietheres und ich einige Tage in der Wohnung im Tessin verbringen konnte musste ich auf unserem Bauplatz noch zwei mittelgrosse Apfelbäume fällen und selbstverständlich auch die entsprechenden Holzarbeiten erledigen.
Über die Ostertage des Jahres 1984 verbrachte ich mit Marietheres eine Woche in unserer Wohnung in Lodano, die für uns zu einem stillen Wendepunkt wurde. Nach den prägenden Jahren der Schulzeit standen wir an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt. In dieser Zeit mussten wir uns selbst und unsere Beziehung neu ordnen und verstehen. Abseits des Alltags fanden wir den Raum, uns einander wieder anzunähern. Es war kein dramatischer Neubeginn, sondern ein leises, allmähliches Zusammenfinden. Ohne festen Plan liessen wir die Dinge geschehen und vertrauten auf das, was sich zwischen uns entwickelte. Dabei wuchs nicht nur unsere Nähe, sondern auch eine gemeinsame Vorstellung von Zukunft. Erste Gedanken an unser gemeinsames Haus nahmen Gestalt an, fast wie selbstverständlich. Rückblickend war diese Woche weniger von einzelnen Ereignissen geprägt als von einer besonderen Stimmung der Verbundenheit. Sie wurde zu einem Fundament, auf dem wir unsere gemeinsame Zukunft aufbauten.
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Am 1. Mai musste ich ja bei Dillier als Bauleiter anfangen, und vorher hatte ich noch weitere Arbeiten für den Hausbau zu erledigen.
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Die Baubewilligung für unser Haus erhielten wir ungefähr im März 1984. Natürlich lief auch bei uns nicht alles ohne Einsprache ab. Die Familie Enz aus der Nachbarschaft machte eine Einsprache fast die ganze Familie hatte die Einsprache unterzeichnet. Einer von ihnen, Hansruedi war früher mein Schulkollege und schon damals ein neidischer Typ.
Die Familie hatte jahrzehntelang freie Sicht auf eine grüne Wiese, und nun kam unser Haus dazu und nahm ihnen einen Teil dieser Aussicht – obwohl sie auf dieser Seite nur ein einziges Fenster hatten. Trotzdem spielte wohl der Neid eine grosse Rolle.
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Eine persönliche Rückschau
Der Hausbau im Gropli waren für mich und Marietheres ein grosses, aufregendes Kapitel unseres Lebens: den Bau unseres Hauses im Gropli. Es war eine Zeit, in der Häuser noch nach klaren Richtlinien gebaut wurden – Luxuslösungen gab es kaum. Alles war vorgegeben: die Grösse der Zimmer, die Materialien, die Infrastruktur. Auch die Kosten waren strikt kalkuliert, und für uns lautete der Kostenvoranschlag auf 350.000 Schweizer Franken, inklusive Grundstück und Umgebungsarbeiten.
Wir hielten dieses Budget exakt ein – ein echtes Kunststück der Planung und Disziplin. Damals lagen die Hypothekenzinsen bei etwa 5 bis 5,5 Prozent, was im Rückblick hoch erscheint, aber damals durchaus üblich war. Zum Glück konnten wir uns auf unsere finanzielle Situation verlassen: Unser gemeinsames Einkommen reichte problemlos, um den Hausbau zu stemmen.
Ein entscheidender Faktor war unsere persönliche Beziehung zu der Bank. Wir kannten Vizedirektor Paul Häcki aus Giswil, der uns bei der Finanzierung beriet. Er war nicht nur unser Berater, sondern auch Gemeindepräsident, und wir verbanden eine persönliche Beziehung: Sein Sohn ging zur zu Marietheres in den Kindergarten. Solche persönlichen Netzwerke erleichterten damals grosse Entscheidungen wie die Finanzierung eines Eigenheims enorm.
Der Bau selbst verlief planmässig: Die Zimmergrössen und Anordnung waren vorgegeben, das Budget wurde eingehalten, und wir konnten uns auf ein solides, funktionales Zuhause freuen. Luxus stand nicht im Vordergrund – Stabilität, Ordnung und Verlässlichkeit waren die Leitprinzipien.
Ein Vergleich mit der heutigen Zeit (2026)
Wenn man die Baukosten von 1984 inflationsbereinigt betrachtet, entspricht unser Haus heute etwa 800.000 Franken. Damit zeigt sich deutlich, wie sich die Immobilienpreise über mehr als vier Jahrzehnte entwickelt haben. Ein moderner Käufer müsste heute mehr als das Doppelte investieren, um ein vergleichbares Haus in Bezug auf Grösse und Lage zu erhalten.
Auch die Finanzierung hat sich verändert. In der Gegenwart liegen die Hypothekenzinsen deutlich niedriger, etwa bei 2,5 Prozent. Das senkt die jährliche Zinsbelastung trotz des höheren Kreditbetrags auf ein vergleichbares Niveau wie damals. Gleichzeitig haben sich die Anforderungen an moderne Häuser verändert: Offene Grundrisse, Smart-Home-Technologie, energieeffiziente Bauweise, Wärmepumpen und Solaranlagen sind heute Standard oder zumindest stark nachgefragt.
Die persönliche Komponente ist hingegen weniger entscheidend geworden. Banken arbeiten heute standardisierter, die Kreditvergabe hängt stärker von Einkommen und Bonität ab. Persönliche Netzwerke erleichtern zwar noch immer einige Dinge, sind aber längst nicht mehr so entscheidend wie in den 1980er-Jahren.
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Das Geschenk
Als mein Vater mir das Grundstück im Wert von Fr. 50'000.00 von der Wälti Immobilien AG übergeben wollte, war seine Absicht klar: ein Geschenk, ohne Bedingungen, Ausdruck von Familienliebe und Vertrauen. Doch schon die Umsetzung scheiterte an den Formalitäten. Der Notar, Arnold Eberli, verstand offenbar die steuerlichen und rechtlichen Feinheiten nicht und setzte die Übertragung fälschlicherweise als symbolischen Verkauf für einen Franken um.
Die sofortigen Konsequenzen waren greifbar: Ich musste rund 12.500 Franken an Steuern bezahlen – unnötig, aber real. Doch die steuerliche Last war nur die Spitze des Eisbergs. Durch die «Schenkung» entstand eine psychologische Verflechtung, die tief in meinem Unterbewusstsein wirkte. Es begann sich unbewusst ein Gefühl der Verantwortung und subtilen Verpflichtung zu entwickeln.
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Unsichtbare Bindungen und innere Freiheit: Entstehung und Lösung familiärer Verflechtungen
Bedeutende Geschenke innerhalb einer Familie sind selten rein materieller Natur. Sie tragen fast immer eine emotionale und symbolische Bedeutung in sich. Wird einem Kind – auch im späteren Leben – etwas Wertvolles wie ein Grundstück geschenkt, entsteht neben Dankbarkeit oft auch eine stille, unbewusste Bindung an den Schenkenden. Diese Bindung ist nicht ausgesprochen, aber sie wirkt. Sie kann das innere Erleben, Entscheidungen und das Gefühl von Freiheit langfristig beeinflussen.
Der Ursprung dieser Dynamik liegt in der familiären Loyalität. Kinder entwickeln von früh an ein starkes Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Verbundenheit. Daraus entsteht eine tiefe, meist unbewusste Bereitschaft, den Eltern gegenüber loyal zu sein. Diese Loyalität ist nicht rational gesteuert, sondern emotional verankert. Sie kann dazu führen, dass ein Geschenk nicht nur als Gabe, sondern auch als Verpflichtung erlebt wird. Es entsteht ein innerer Zusammenhang: „Weil ich etwas erhalten habe, sollte ich etwas zurückgeben oder bestimmten Erwartungen entsprechen.“ Selbst wenn diese Erwartungen nie ausdrücklich formuliert wurden, können sie im Inneren wirksam werden.
Diese Prozesse sind eng mit den Strukturen des Familiensystems verbunden. In jeder Familie existieren unausgesprochene Regeln über Geben und Nehmen, über Rollen und Verantwortlichkeiten. Wenn ein Ungleichgewicht entsteht – etwa durch eine besonders grosse Zuwendung – versucht das innere Erleben oft, dieses auszugleichen. Dies kann sich in übersteigerter Verantwortung, Anpassung oder einer Einschränkung der eigenen Bedürfnisse zeigen. Die betroffene Person fühlt sich dann zwar äusserlich frei, innerlich jedoch gebunden.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Unterbewusstsein. Es speichert nicht nur Ereignisse, sondern vor allem deren emotionale Bedeutung. Die Erfahrung des Beschenkt werdens kann sich dort als komplexe Mischung aus Dankbarkeit, Verpflichtung und Bindung festsetzen. Diese Mischung wirkt im Hintergrund weiter und beeinflusst unbewusst das Verhalten. Bestimmte Situationen oder Entscheidungen können diese alten Muster aktivieren, ohne dass sofort klar ist, warum.
Die Lösung solcher inneren Verflechtungen erfolgt meist nicht plötzlich, sondern über einen längeren Prozess. Häufig sind es konkrete Erlebnisse oder Konflikte, die die verborgene Dynamik sichtbar machen. In solchen Momenten entsteht ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass das eigene Handeln nicht vollständig frei ist, sondern von inneren Bindungen mitbestimmt wird. Diese Erkenntnis ist ein entscheidender Wendepunkt.
Der eigentliche Lösungsprozess beginnt mit der bewussten Auseinandersetzung. Indem die innere Verflechtung erkannt und benannt wird, verliert sie einen Teil ihrer unbewussten Macht. Es wird möglich, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden: Das Geschenk gehört zur Vergangenheit, die eigenen Entscheidungen zur Gegenwart. Schritt für Schritt kann die implizite Verpflichtung hinterfragt und innerlich gelöst werden. Es entsteht die Erlaubnis, unabhängig von der erhaltenen Gabe den eigenen Weg zu gehen.
Wichtig ist dabei, dass diese Lösung nicht durch Ablehnung geschieht. Weder das Geschenk noch die Beziehung zum Vater müssen verworfen werden. Im Gegenteil: Am Ende steht oft eine tiefere Form der Würdigung. Die ursprüngliche Bindung wird nicht zerstört, sondern verwandelt. Aus einer unbewussten Verflechtung wird eine bewusste, freie Beziehung.
Das Ergebnis dieses Prozesses ist innere Autonomie. Die Dankbarkeit kann bestehen bleiben, ohne dass sie mit Verpflichtung verbunden ist. Die eigene Freiheit wird wieder spürbar, und Entscheidungen können aus dem eigenen Inneren heraus getroffen werden. Die Herkunft wird anerkannt, aber sie bestimmt nicht mehr das eigene Leben.
Diese Entwicklung zeigt, dass echte innere Freiheit nicht darin besteht, sich von allem zu lösen, sondern darin, die eigenen Bindungen zu verstehen und bewusst zu gestalten.
Diese Erfahrung lehrt, dass Geschenke, Absichten und ihre Umsetzung auf mehreren Ebenen wirken können: materiell, psychologisch, emotional. Sie formen unsere Beziehungen und unser Selbstgefühl, manchmal über Jahrzehnte hinweg. Das Bewusstsein über diese Dynamik erlaubt es, die Absichten anderer zu erkennen, die unbewussten Wirkungen zu verstehen und sich aus stillen Verflechtungen zu lösen – ohne die Liebe und Wertschätzung für die gegebene Geste zu verlieren.
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Unser Hausbau 1984 im Gropli war ein Beispiel für sorgfältige Planung, solide Finanzierung und gute Nutzung persönlicher Beziehungen. Wir bauten ein Zuhause, das funktional, zuverlässig und finanziell tragbar war. Es war ein Projekt, das uns zusammenbrachte, uns die Werte von Sparsamkeit und Struktur vermittelte und eine stabile Basis für unser weiteres Leben bildete.
Im Rückblick zeigt der Vergleich mit 2026, wie sehr sich die Rahmenbedingungen verändert haben: Häuser sind moderner, teurer und technisch komplexer, doch die Prinzipien guter Planung und realistischer Budgetierung bleiben zeitlos.
Ich hatte beim Hausbau das Vorrecht, die bessere Seite des Grundstücks zu wählen (Nordseite, grösseres Grundstück, keine Nachbarn). Ich habe auf mein Vorrecht verzichtet, weil ich das Haus nur vorübergehend nutzen wollte und später ein grosses Haus nach meinen Wünschen bauen wollte. Das sollte nur eine vorübergehende Lösung sein.
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Im Verlaufe des Mais begannen dann die Bauarbeiten. Zuerst wurde der Humus abgetragen, danach folgte die Kofferung und anschliessend die Pfählungsarbeiten. Die Arbeiten gingen zügig voran. Es standen Entscheidungen für Platten, Sanitäranlagen und Küche an, wobei ich mich strikt an das Budget hielt.
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Von der Elektrodirektheizung 1984 zur Energiepolitik von heute
Im Jahr 1984 galt die Elektrodirektheizung in vielen Regionen als fortschrittliche und wirtschaftliche Lösung für die Beheizung von Wohnhäusern. Besonders in der Schweiz wurde diese Heizform von Elektrizitätswerken aktiv gefördert. Der Hintergrund dafür lag vor allem in der damaligen Energiepolitik und der Struktur der Stromversorgung. Durch den Ausbau der Stromproduktion, insbesondere aus Kernkraftwerken, stand zeitweise ein Überschuss an elektrischer Energie zur Verfügung. Dieser Strom sollte genutzt werden, und die direkte Umwandlung in Wärme erschien als naheliegende und effiziente Möglichkeit.
Für Bauherren war die Entscheidung oft einfach: Elektrodirektheizungen waren in der Anschaffung vergleichsweise günstig, benötigten kaum Wartung und liessen sich unkompliziert installieren. Zudem boten sie einen hohen Komfort, da sie schnell Wärme erzeugten und individuell steuerbar waren. Aspekte wie Energieeffizienz oder langfristige ökologische Auswirkungen spielten damals eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund standen niedrige Investitionskosten und praktische Vorteile im Alltag.
Heute, über vierzig Jahre später, hat sich die Bewertung dieser Heiztechnik grundlegend verändert. Elektrodirektheizungen gelten inzwischen als ineffizient, da sie hochwertigen Strom direkt in Wärme umwandeln, ohne zusätzliche Energiequellen zu nutzen. Moderne Heizsysteme wie Wärmepumpen sind deutlich effizienter, da sie Umweltwärme aus Luft, Wasser oder Erdreich einbeziehen und so mit derselben Strommenge ein Mehrfaches an Heizenergie erzeugen können.
Auch die energiepolitischen Rahmenbedingungen haben sich stark gewandelt. Themen wie Klimaschutz, CO%u2082-Reduktion und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen stehen heute im Zentrum. Strom wird nicht mehr als überschüssige Energie betrachtet, sondern als wertvolle Ressource, die möglichst effizient eingesetzt werden soll. In vielen Regionen sind Elektrodirektheizungen deshalb heute nicht mehr zulässig oder müssen langfristig ersetzt werden.
Der Vergleich zwischen 1984 und heute zeigt deutlich, wie stark sich technische Bewertungen im Kontext gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen verändern können. Was damals als modern und sinnvoll galt, wird heute kritisch gesehen. Diese Entwicklung ist jedoch kein Widerspruch, sondern Ausdruck von Fortschritt: Neue Erkenntnisse, bessere Technologien und ein gewachsenes Umweltbewusstsein führen dazu, dass frühere Lösungen neu beurteilt werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Elektrodirektheizung im Jahr 1984 eine logische und zeitgemässe Entscheidung war. Heute hingegen entspricht sie nicht mehr den Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit. Der Wandel verdeutlicht, wie eng technische Entscheidungen mit den jeweiligen Rahmenbedingungen ihrer Zeit verknüpft sind.
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Für die Haushälfte von Peter musste ich WEG (Wohnbau- und Eigentumsförderungsgesetz) beantragen. Obwohl Peter das WEG gar nicht nötige gehabt hätte, wollte er auf den sogenannten
„À fond perdu“ von Fr. 20'000.00 nicht verzichten. Das war ein Beitrag zur Wohneigentums-förderung, welcher nicht zurückbezahlt werden musste. Mit meinem zukünftigen Einkommen konnte ich kein WEG beantragen.
Der Bruder von Marietheres hat 1984 nur deshalb mit uns ein Haus gebaut, weil ich ihm versprochen hatte, es zurückzukaufen, falls er einmal in finanzielle Schwierigkeiten geraten sollte. Dank dieses Versprechens ging er das Risiko ein. Heute lebt er seit über 42 Jahren in diesem Haus zu sehr günstigen Bedingungen.
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Aus Kostengründen habe ich damals in unserem Haus das Dachgeschoss bzw. den Estrich zunächst nicht ausgebaut. Die dafür notwendigen Voraussetzungen hatte ich jedoch bereits geschaffen: Ich habe die Treppe vollständig einbauen lassen, sodass der Zugang später problemlos möglich ist, und auf eine ausreichende Raumhöhe geachtet, damit eine spätere Nutzung als Wohnraum möglich bleibt. Auch die Dachfenster waren bereits eingebaut, sodass Licht und Belüftung gesichert sind, und der vorhandene Holzboden dient als gute Basis für einen späteren Bodenbelag. Damit hatte ich die Grundlage geschaffen, dass ein späterer Ausbau eher einem Innenausbau als einem aufwendigen Umbau entspricht. Mir war bewusst, dass Arbeiten wie Dämmung, Wandverkleidung und der finale Ausbau noch folgen würden. Solche Vorbereitungen waren damals üblich und sinnvoll. Heute weiss ich, dass sich die energetischen Anforderungen seit 1984 deutlich verschärft haben, sodass bei einem Ausbau besonders auf gute Dämmung und gegebenenfalls modernere Fenster geachtet werden sollte.
Während unseres Hausbaus war ich als diplomierter Bauführer für die gesamte örtliche Bauleitung verantwortlich. Ich koordinierte alle Handwerker, überwachte Termine und sorgte für einen reibungslosen Bauablauf. Neben meiner Führungsrolle übernahm ich selbst kleine handwerkliche Eigenleistungen, darunter Malerarbeiten in Nebenräumen, Keller, Garage sowie im Wasch- und Trockenraum. Ich kümmerte mich zudem regelmässig um die Reinigung der Baustelle und sonstige kleinere Arbeiten. Durch meine Arbeit kombinierte ich Organisationstalent mit praktischem handwerklichem Geschick. Ich koordinierte die Handwerker, überwachte die Qualität der Arbeiten und stellte sicher, dass alle Bauvorgaben eingehalten wurden. Dabei trug ich die Verantwortung für die termingerechte Umsetzung und die Einhaltung der Bauvorschriften. Insgesamt gestaltete ich den Bauprozess aktiv mit und leitete sämtliche Abläufe souverän. Meine Tätigkeit umfasste sowohl strategische Planung als auch operative Umsetzung. Diese Erfahrung zeigt meine Vielseitigkeit als Führungskraft und praktischer Handwerker beim Hausbau.
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Der Bezug des Hauses war für Peter im Oktober vorgesehen. Das war wichtig, da er bereits die Wohnung gekündigt hatte. Deshalb wurden die Arbeiten an seinem Haus beschleunigt. Wir konnten unser Haus dann am 1. November beziehen.
Der Zügeltag war ziemlich lustig: Peter hatte einen Bus von seinem Geschäft organisiert, und seine Frau Paula hatte die Nachttische nicht geleert. Sie war wohl der Meinung, dass ich als gelernter Maurer stark genug sei, um die Möbel zu tragen. Schlussendlich haben aber Peter und ich zu zweit die ganze Wohnung der Familie gezügelt.
Am Abend war ich völlig erschöpft.
Trotz allem waren wir rundum zufrieden mit unserem Haus. Die Umgebung war noch nicht fertig, auch die Zufahrtsstrasse nicht – aber wir hatten unser erstes eigenes Haus.
Einen Monat nach Peters Einzug konnten wir schliesslich in unser neues Haus einziehen. Es war ein kleiner, aber wichtiger Schritt: Marietheres brauchte ihre Möbel, ich meine. Wir hatten nicht allzu viel zu zügeln, doch jeder Gegenstand erzählte seine eigene Geschichte, und gemeinsam begannen wir, unsere neuen Räume zu füllen. Mit der Zeit würden wir uns noch ergänzen, Stück für Stück, Möbel für Möbel, und das Zuhause langsam gestalten.
Wir machten uns auf den Weg zu Interio, um weitere Schrankelemente für den Schrank von Marietheres zu besorgen. Mit diesem Ergänzungsstücken hatten wir im Schlafzimmer schliesslich einen imposanten siebentürigen Schrank – viel Stauraum, und doch nicht überladen, weil die Möbel harmonisch miteinander wuchsen. Den Tisch mit den Stühlen holten wir extra aus der Wohnung in Lodano, brachten ihn nach Hause und tauschten ihn mit dem alten Küchentisch aus. So entstand nach und nach eine Mischung aus alten Erinnerungsstücken und neuen Ergänzungen, ein Geflecht aus Praktischem, Schönem und Vertrautem.
Mit jedem Möbelstück, das seinen Platz fand, fühlte sich das Haus ein Stück mehr wie ein Zuhause an. Die alten Möbel erinnerten an vergangene Räume und Zeiten, die neuen Stücke trugen Hoffnung und Frische in die Räume. Jedes Detail – der Schrank, der Tisch, die kleine Dekoration – war ein Teil unseres gemeinsamen Lebens, das wir hier beginnen wollten. Es war ein langsamer, aber schöner Prozess, ein ständiges Ergänzen, Austauschen und Arrangieren, bis schliesslich alles zusammenpasste.
Der Einzug war nicht nur ein physischer Umzug von Ort zu Ort, sondern auch ein inneres Ankommen. Wir lernten, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, Räume zu teilen, unsere Dinge zu ordnen und zu ergänzen. Alles war noch nicht perfekt, alles war im Fluss, aber genau darin lag die Lebendigkeit: Stück für Stück entstand ein Zuhause, das uns beiden gehörte – aus alten Erinnerungen, neuen Entdeckungen und der stillen Freude, gemeinsam etwas zu gestalten.
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Schon am Zügeltag kam meine Schwester Vroni mit der gesamten Familie – ihr Mann Peter, die Kinder Lucia (Erstgeborene) und Philipp (Zweitgeborener, sieben Monate alt) – unangekündigt vorbei. Für uns war der Tag privat und besonders, die Invasion der ganzen Sippschaft war einfach too much.
Danach entwickelte sich eine regelmässige Sonntagsroutine: Vroni tauchte meist gegen 17 Uhr auf, aber nie genau gleich, und blieb oft bis 22 Uhr – fünf Stunden lang. Sie nutzte diese Besuche, um ihren Ballast bei Marietheres abzuladen, jammerte über ihre Angestellten und liess keinen guten Faden zurück. Diese wiederkehrenden, langen Besuche störten unsere Sonntage massiv und machten mich steinhässig und überfordert.
Mit der Zeit hatte ich genug und zog klare Grenzen: Ich sagte Vroni deutlich, dass sie am Sonntag nicht kommen müsse, weil der Tag mir und Marietheres gehöre. Danach besserten sich die Besuche, und wir konnten unsere Sonntage wieder in Ruhe geniessen.
Der Zügeltag und die langen, variablen Sonntagsbesuche bleiben trotzdem ein deutliches emotionales Kapitel – geprägt von Ärger, Überforderung, aber auch der Erfahrung, dass klare Grenzen helfen, sich den eigenen Raum zurückzuholen.
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Wie sind die Eltern auf deine(n) Vornamen gekommen? Haben deine Eltern gut gewählt?

Der Vorname Markus bedeutet übersetzt „der dem Kriegsgott Mars Geweihte“.
In der 1. Sekundarschule habe ich das K im Namen Markus durch das C ersetzt. Die Leute konnten sich meinen Namen immer gut merken. In der Zentralschweiz gab es keinen Marcus mit C geschrieben. Das C war ein Alleinstellungsmerkmal. Diese Schreiweise mit dem C zeichnet mich aus. Marcus mit C hat sich als Marke entwickelt. Mein damaliger Lehrer Paul Fallegger war über diese Schreibweise fuchsteufelswild geworden und hat sich grün und blau geärgert. So waren die damaligen Pädagogen.
In was für eine Zeit wurdest du geboren?

1957 war die Welt voller Angst und Schrecken. Diese Angst und Schrecken prägte eine ganze Generation.
In Reaktion auf die Suezkrise im Jahr zuvor verkündet US-Paräsident Dwight D. Eisenhower in einer Rede vor dem Kongress am 5. Januar die Eisenhower-Doktrin, wonach die USA alle Länder im Nahen Osten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen werden, falls diese einer Aggression des internationalen Kommunismus anheimfallen sollten.
Die Konfrontation der Supermächte gewinnt in diesem Jahr erneut an Brisanz, als die Sowjetunion am 26. August den Start ihrer ersten Interkontinalrakete bekannt gibt und Wochen später, am 5. Oktober, den ersten künstlichen Erdsatelliten, genannt Sputnik, in die Erdumlaufbahn bringt. Damit ist klar, dass die sowjetischen Truppen künftig an jeden beliebigen Punkt der Erde Atomsprengköpfe transportieren können. Diese Tatsache und das Gefühl der Unterlegenheit löst vor allem in den USA und der übrigen westlichen Welt den Sputnikschock aus.
Was hat man dir von deiner Taufe erzählt?

Am Donnerstag kam auf die Welt und bereits am Sonntag fand in der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Sarnen die Tauffeier statt. Mein Papa war ein sehr rationaler Mensch. Zur Taufe holte er mich im Spital ab und nach der Taufe brachte er mich meiner Mama zurück. Es waren nur wenige 100 Meter vom Spital zur Kirche. Meine Mutter war bei der Taufe nicht dabei. Getauft wurde ich von seinem Lieblingslehrer Pater Notker vom Kollegi Sarnen. Zur Taufe gehörten auch die Paten. Gotte wurde meine Grossmutter vaterseits. Götti wurde der einzige Bruder meiner Mutter (Hans Kiener). Nach der Taufe gingen die Beteiligten, dass heisst ohne mich, ich hätte ja nichts davon gehabt ins Wilerbad zum Mittagessen.
Wenn ich aus dem Fenster unseres Hauses im Spis 52 blicke sehe ich immer mein Geburtshaus (Spital) und die Kirche (Sankt Peter und Paul). Es erinnert mich oft an den Beginn eines spannenden und ereignisreiches Lebens. Wenn wir Besuch haben, zeige ich unseren Gästen immer gerne mein Geburtshaus und selbstverständlich die wunderschöne Kirche, welche nicht zu übersehen und zu überhören ist. Ich erachte es als Privileg an diesem wunderschönen Ort zu wohnen und zu leben. Ich fühle mich hier daheim. Obwohl wir Wälti keine Bürger von Obwalden sind, so bin ich doch ein "gebürtiger" Sarner. Für die Meisten Obwaldner sind wir Giswiler. Unser Bürgerort ist aber immer noch Mels/SG. Aufgrund eines Bundesgerichtsurteils sind wir aber auch Korporationsbürger von Giswil. Unser Grossmutter vaterseits ist eine geborene Halter. Sie war Bürgerin von Giswil.

Meine Seele hatte sicher ihre Gründe warum sie diese Eltern ausgewählt hat.
Von meinen Eltern konnte ich vieles lernen. Eltern wollen immer das Beste für Ihre Kinder.
Ob das auch für die Kinder das Beste ist, ist eine andere Frage.

Ich hatte zu unserer Mama ein widersprüchliches Verhältnis. Aber das hatte sie sich selber zuzuschreiben.
Sie war eine hervorragende Köchin und terrorisierte mich mit ihren über 1'000 Rosenstöcke und dem riesengrossen Garten.
Unsere Mama absolvierte die Primarschule und die Sekundarschule in Grosswangen.
Mit 16 verabschiedete sie sich von Grosswangen und absolvierte eine Lehre als Detailhandelsangestellte bei der Bäckerei Küng in Reussbühl (Ortsteil der Stadt Luzern). Während der Lehrzeit verstarb der Inhaber der Bäckerei Josef Küng. Seine Frau Olga Küng führte den Betrieb weiter bis der Sohn Joseph Küng seine Ausbildung abgeschlossen hatte. Zu Frau Küng und seinen Kindern entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Insbesondere zu der jüngsten Tochter Christine. Auch meine Schwester und ich hatten zur jüngsten Tochter Christine und ihrem späteren Ehemann Kontakt bis diese verstorben sind.
Nach Abschluss der Lehrzeit ging unsere Mama nach London. Sie managte dort den Haushalt eines Obersten. Dieser Oberst wurde nach 1 1/2 Jahren als Militärattache nach Genf versetzt. Unsere Mama reiste mit dem Obersten nach Genf und übernahm dort wieder das Zepter im Haushalt. Irgendwann kann man perfekt englisch und französisch, so dass es Zeit wird sich neuen Herausforderungen zu stellen. Für unsere Mama wurde es Zeit nach neuen Ufern aufzubrechen. In der Tribune de Genève suchte das Hotel/Restaurant Kaiserstuhl (Kaiserstuhl ist am Lungernsee in Obwalden) eine sprachgewandte Serviceangestellte. Das Hotel/Restaurant Kaiserstuhl war bei Engländern und Franzosen sehr beliebt. Dieses Hotel/Restaurant hatte eine ausgezeichnete Küche. Der Hotelbesitzer war wenig sprachgewandt. Der Hotelbesitzer war sehr begeistert von unserer Mama. Ihr Sprachtalent und ihre Schönheit muss ihn tief beeindruckt haben. Man wurde sich einig und unsere Mama verabschiedete sich vom Militärattache, was diesen schmerzte.
Unser Grossvater (Vaterseits) war regelmässig Gast im Hotel / Restaurant Kaiserstuhl und ihm ist diese attraktive und fleissige Frau sofort aufgefallen. Unser Grossvater war ein Unternehmer und machte sich sofort die notwendigen Gedanken. Sein Sohn Willi war dipl. Baumeister und diese Frau wäre nach seinem Dafürhalten die richtige Schwiegertochter. Er animierte seinen Sohn bei der jungen attraktive Frau um ihre Gunst zu werben. Es versteht sich von selbst, dass auch andere junge Männer um unsere Mama geworben haben. Unter anderem auch Dr. Hansheini Gasser der spätere Baudirektor von Obwalden. An der Generalversammlung der Sarner Kraftwerkes im Jahr 2019 sassen Hansheini und ich beim Nachtessen am denselben Tisch. Nach über 65 Jahren hat er immer noch von unserer Mama geschwärmt. Ich hatte oft Begegnungen mit Herren im alter von unserem Papa, welche von der Schönheit unserer Mama angetan waren. Zum Teil wurde diese Schönheit an uns Kinder vererbt. Ich gehörte auch zu den Glücklichen, welche in jungen Jahren attraktiv waren. Ich war mir diesem Vorteil nie bewusst. Nur die wenigsten Mädchen getrauten sich mich anzusprechen. Zum grossen Glück sind die jungen Frauen zur heutigen Zeit emanzipierter und nehmen das Heft selber in die Hand. Diese Erkenntnis ist für mich von keinem Nutzen mehr. Nicht auszudenken, wenn ich mir diesem Vorteil bewusst gewesen wäre, was das für mich eine wilde Zeit gewesen wäre. Vielleicht auch zum grossen Glück sonst wäre ich nicht mit meiner Frau seit dem 14. Dezember 1984 verheiratet und seit dem 13. Dezember 1975 befreundet.
Am 4. Oktober 1954 heirateten unser Mama unseren Papa in der Kirche Grossteil.
Ab jetzt war unsere Mama die Frau Wälti-Kiener. Geschäftsfrau und Familienfrau. Unsere Mama blieb ihr ganzes Leben eine vornehme Frau. Nur wenige Leute waren mit unserer Mama per Du. Unser Papa war diesbezüglich eher unkompliziert. Obwohl unser Papa bezüglich Du unkomplizierter war, war man gut beraten seinen Anordnungen Folge zu leisten und ihm nicht zu widersprechen. Er hatte grosse Mühe andere Meinungen zu akzeptieren.
In den Sommerferien 1968 begleitete unsere Mama eine Bekannte mit Ihrem Mann (Annalies und René Auchli-Küng) nach Tunesien auf Inspektionsreise einer Hotelanlage. Dieser war bei Kouni Inspektor von Ferienanlagen und einer der späteren Direktoren.
(Das Unternehmen Kuoni Group wurde 1906 von Alfred Kuoni in Zürich gegründet. Heute ist es ein internationaler Reisekonzern mit Sitz in Zürich. Mitarbeiter: 11'621 (Jahresdurchschnitt 2013))
Im Herbst machte sich bei unserer Mama eine heimtückische Krankheit bemerkbar. Ihr Hausarzt Dr. Fritz Wicki vermutete eine Virusinfektion. In dieser Zeit verreisten nur ganz wenige und gut betuchte nach Nordafrika.
Bis eine klare Diagnose vorliegen würde sollte es noch Jahre dauern. Diese heimtückische Krankheit unserer Mutter hat unser aller Leben auf den Kopf gestellt und bis zu ihrem Tod begleitet. Es war ein dauerndes auf und ab.
Ich kann mich nicht erinnern wie viele Weihnachten wir ohne unsere Mama verbracht haben und wie wir Kinder uns selber organisieren mussten. Unsere Haushalthilfe hatte jeweils über die Feiertage frei und unser Papa war sein Leben lang mit seinem Büro verheiratet. Wir fünf Kinder waren für ihn oft zu viel.
Im verlaufe der Jahre (gefühlte 10 Jahre), als Dr. Fritz Wicki schon sehr viel Zeit mit experimentieren Zeit verbraten hat bekam die Krankheit den Namen Lupus.
Der Lupus ist das Chamäleon unter den entzündlich-rheumatischen Krankheiten. Als eine systemische Erkrankung kann er ganz verschiedene Organe und Organgruppen befallen und in unberechenbaren Entzündungsschüben individuell sehr unterschiedlich verlaufen.

Ursachen
Warum entsteht ein Lupus? Diese Frage vermag die Medizin gegenwärtig nicht zu beantworten. Gemäss der Autoimmun-Theorie entsteht ein Lupus daraus, dass sich der Körper selber angreife. Dazu gibt es verschiedene Hypothesen, aber kein sicheres Wissen.
Zu den möglichen Auslösern eines systemischen Lupus erythematodes zählen Stress, Viren, hormonell aktive Phasen, ultraviolettes Licht und gewisse Medikamente.
Symptome
Je nachdem, welche Organe und Organgruppen betroffen sind, zeigt sich der systemische Lupus erythematodes als eine leichte, eine schwere oder eine lebensbedrohliche Krankheit. Die folgende Aufzählung erhebt keinen Anspruch darauf, vollständig zu sein.
Allgemeinsymptome
Viele Betroffene fühlen sich krank, müde und abgeschlagen. Die Müdigkeit (Fatigue) ist praktisch bei allen vorhanden. Weitere häufige Allgemeinsymptome sind leichtes Fieber und eine unerklärliche Gewichtsabnahme.
Gelenke (Arthritis)
Gelenkschmerzen und Gelenksentzündungen (Arthritis) sind sehr häufig beim Lupus. Sie betreffen vor allem Finger, Hände, Schultern und Knie. Aber im Unterschied zur rheumatoiden Arthritis (RA) zerstört der Lupus selten die Gelenke.
Muskeln, Sehnen, Knochen
Oft gleichzeitig mit den Gelenken schmerzen und entzünden sich auch Muskeln und Sehnen. Selten kommt es zu einer aseptischen Knochennekrose (Minderdurchblutung eines Knochenareals) mit Schmerzfolgen.
Haut
Der Lupus befällt besonders die sonnenexponierte Hautbereiche im Gesicht, am Dekolleté und den Händen. Bei jeder dritten betroffenen Person bildet sich über der Nase und den Wangen ein schmetterlingsförmiger Ausschlag. Hinzukommen können fleckenförmige Hautveränderungen am ganzen Körper. Ein Schub kann auch Haarausfall verstärken. Weitere mögliche Probleme sind Schleimhautgeschwüre in der Nase, im Mund oder in der Vagina.
Raynaud-Syndrom
Beim Raynaud-Syndrom ziehen sich die Blutgefässe der Finger (oder Zehen) bei Kälte so sehr zusammen, dass sie den Blutstrom minutenlang unterbrechen. Der Anfall ist mit einem Kribbelgefühl verbunden und kann heftig schmerzen.
Herz, Kreislauf und Lungen
Schmerzen bei tiefen Atemzügen können auf einen Befall des Brustfells oder des Herzbeutels hinweisen. Selten führt der systemische Lupus erythematodes zu Entzündungen des Herzmuskels oder der Herzklappen. Atemnot oder blutiger Auswurf sind Anzeichen entzündeten Lungengewebes.
Blut und Lymphe
Ein Lupus-Schub schlägt sich in einer Verminderung der Blutzellen nieder. Betroffen sein können die roten Blutkörperchen, die Blutplättchen oder die weissen Blutkörperchen. Ferner können die Lymphknoten anschwellen.
Nieren
Ein Nierenbefall macht sich kaum durch Beschwerden bemerkbar, vor allem anfangs ist er ganz symptomfrei. Umso wichtiger sind regelmässige Untersuchungen der Niere. Liegt aufgrund der Laborresultate des Blutes und des Urins ein Nierenbefall vor, ist eine Entnahme und Untersuchung von Nierengewebe angezeigt.
Wie oben beschrieben hatte unsere Mama das gesamte Programm. Sie hatte auch nur noch eine Niere.

Unser Papa ist am 24. Januar 2018 im Alter von 91 Jahren im Altersheim in Lungern verstorben.
Wenn ich an meinen Vater denke, so hatte ich angst vor ihm. In späteren Jahren war es Respekt. Am liebsten war es mir, wenn er nicht zuhause war. Er war wenig ausgeglichen, jähzornig und gewalttätig. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen konnte er mich schon als 3 Jähriger in den Keller schleppen. Meinen Kopf zwischen seine Beine klemmen, die Hose herunter lassen, und mit dem Lederriemen (Militärgurt) meinen nackten Hintern versohlen. Da kannte er sich nicht mehr. Ich erinnere mich, dass er einmal so zugeschlagen hatte, das es feuerte und ich blutige Striemen hatte und die Sternen sah. Ich hatte dermassen einen Schockzustand, dass ich ihn nur auslachte und sagte: "Ich hätte nichts gespürt, er könne ruhig weiter machen:" Dann hat er nochmals ausgeholt und zugeschlagen. Ich kann mich immer noch an den Kellerraum und die Schmerzen erinnern. Ich konnte gefühlte 10 Tage nicht mehr sitzen und auf dem Rücken schlafen. Meine Mama hat das auch noch unterstützt. Eine Mutter, wenn sie eine Mutter gewesen wäre hätte sich schützend vor ihr Kind gestellt. Unsere Mutter drohte immer mit dem Vater. Wenn ich nicht spurte drohte sie mit Papa, der würde dann mir mit dem Lederriemen meine Flausen schon wieder austreiben. Wie krank war so eine Erziehung? Möglicherweise hatte schon sein Vater denselben Umgang mit ihm. Das gibt ihm aber nicht das Recht zuzuschlagen. Nach über 60 Jahren sind diese Übergriffe immer noch präsent. Die Gefühle und Gedanken kann ich immer noch abrufen, als ob die Schläge erst einige Wochen zurück liegen würden. Das sind die Gedanken eines 3 - 4 jährigen Jungen. Meine Seele wurde sehr früh verletzt und geschunden. Aus welchen Gründen haben solche Eltern Kinder? Lag es an der Verhütung? War es Tradition? Erhöhten viele Kinder den Status in der Gesellschaft? Vor allem männliche Nachkommen. Unsere Mama genierte sich als das Dritte Kind (Veronika) ein Mädchen war. Heute weiss man, dass der Mann das Geschlecht bestimmt.
Aufgrund dieser Ausgangslage ist es nicht leicht den Sinn des Lebens zu erkennen. Ich hatte einen besonderen Schutzengel und machte das Beste aus meinem Leben. Ich bin mir bewusst mit der notwendigen Resilienz hätte ich das Zeug für mehr gehabt. Von Natur aus bin ich sehr effizient, routiniert und zielstrebig und vor allem ehrlich. Ich musste immer auf der Hut sein. Ich konnte mir viele Freiheiten nehmen, nur durften meine Eltern nichts davon erfahren. Aufgrund dieser Ausgangslage konnte ich nie eine herzliche Beziehung zu meinen Eltern entwickeln. Unsere Beziehung blieb angespannt und reduzierte sich auf das Geschäftliche.
Im verlaufe meiner Autobiographie wirst du lieber Leser feststellen wie ich und mein Papa uns trotzdem auf eine besondere Art nahe standen und viele Parallelen hatten. Trotzdem blieben unsere Türen zueinander verschlossen. Möglicherweise wäre ich mit meinem Grossvater sehr erfolgreich gewesen. Mein Grossvater und ich haben uns nie kennen gelernt. Er ist vor meiner Geburt verstorben Aber aufgrund der verschiedenen Schilderungen von Personen, welche meinen Grossvater gekannt haben wären wir vermutlich ein tolles Team gewesen.
Leider haben meine Verfahren keine Notizen über ihr Leben hinterlassen. Insgesamt gäbe das sicher eine spannende Sache. Es ist meine Sicht der Dinge und meine Wahrnehmung. Meine Geschwister haben andere oder ähnliche Erinnerungen.
Unser Papa besuchte die Primarschule in Giswil. Nach der 6. Klasse war damals für die Giswiler die obligatorische Schulzeit beendet. Die Eltern unseres Papas Louisa und Wilhelm Wälti-Halter legten grossen Wert auf Bildung und ermunterten ihre Kinder noch 3 Jahre das Kollegium (Sekundarschule) in Sarnen zu besuchen. Die Benediktiner führten das Kollegium. Das Kollegium war die Sekundarschule und das Gymnasium. Zur Schule nach Sarnen ging es mit dem Velo (Fahrrad) und zwar Sommer und Winter. Papis Mutter hat ihm zu diesem Zweck ein neues Velo gekauft. Die Brünigstrasse war damals noch eine Naturstrasse. In der Folge besuchte er die Schule in Sarnen zwischen 1940 und 1942.
Was war 1940?
1940 greift das Deutsche Reich Dänemark und Norwegen an, es folgt anschließend deren Besetzung. Einmarsch in Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Nordfrankreich (der so genannte Westfeldzug, der zur Besetzung von Paris führt. Die Evakuierung von über 300.000 alliierten Soldaten bei Dünkirchen gelingt. Deutsche Luftangriffe auf Großbritannien. Hitlers Militär erreichen das Hauptziel, Großbritannien aus dem Krieg herauszuhalten oder zur Aufgabe zu zwingen, nicht. Die Sowjetunion besetzt die baltischen Staaten und das rumänische Bessarabien. Planungen für den Krieg gegen die Sowjetunion. Der Abschluss eines Dreimächtepakts zwischen Italien, Japan und dem Deutschen Reich, dem danach weitere Staaten beitreten, ist ein Erfolg Hitlers in der Außenpolitik.
Was war 1941?
1941 wurde der Krieg nochmals an vielen Stellen ausgeweitet. Um Italien bei seiner Invasion in Afrika zu unterstützen, befiehlt Hitler den Einsatz deutscher Truppen in Libyen. Ihnen gelingt ein Vorstoß bis Ägypten (der Hafen Tobruk wird von britischen Truppen zunächst gehalten). Der Einmarsch im Balkan führt zur Invasion Kretas und Griechenlands. Die Versenkung des Schlachtschiffs Bismarck steht für Hitlers Schwachstelle Atlantik. In Asien endete die Zusammenarbeit von Kuomintang und den Kommunisten im Krieg gegen Japan. Die Battle of Britain, der deutsche Luftkrieg zur Eroberung Großbritanniens, endete zugunsten der Royal Air Force. Auch durch den Abzug deutscher Truppen aus Frankreich nach Osten bekommt London im wahrsten Sinne wieder Luft. Am 22. Juni startet Hitler mit dem Unternehmen „Barbarossa“' den Krieg gegen den zeitweiligen Vertragspartner Sowjetunion. Mitte August wenden sich Teile der schnell vorstoßenden Wehrmacht südostwärts gegen die Ukraine bis zur Krim und nordwärts gegen Leningrad. Es kommt zum Bündnis zwischen Vereinigtem Königreich/Grossbritanien und der UdSSR. Großbritannien und die USA vereinbaren die Atlantic-Charta. Japan kann durch die Eroberung des südlichen Indochinas bis Malaysia den Druck auf Chinas Nachschubwege erhöhen. Der japanische Vormarsch im Pazifik kommt auf Neuguinea zum Stehen. Der deutsche Angriff gegen die Sowjetunion kommt vor Moskau und Leningrad zum Stillstand, und in der Gegenoffensive folgen erstmals größere Geländegewinne auf alliierter Seite.
Was war 1942?
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember wird das Kriegsjahr 1942 von den ersten deutschen Judendeportationen aus Frankreich, den Kämpfen um die Festung Tobruk und El Alamein, zunehmend massivere Luftangriffe auf deutsche Städte aber auch auf Tokio, die Eroberung der Philippinen, dem Anschlag auf Heydrich in Prag gekennzeichnet; deutsche Truppen erreichen den Don, es folgt der deutsche Angriff auf Stalingrad und im Gegenangriff dessen Einkesselung; Beginn des Manhattan-Projekts, die alliierte Landung in Nordwestafrika. Nach der japanischen Invasion von Niederländisch-Indien im Januar und dem Flottenvorstoß in den Indischen Ozean bringt das Jahr erste australische und US-Erfolge gegen Japan in der Midway-Schlacht und auf Neuguinea.
- Wie sollte es nun nach der Schule weiter gehen? Die Zeit während des 2. Weltkrieges war äusserst schwierig. Unser Grossvater hatte eine Bauunternehmung und war Unternehmer mit Leib und Seele. Teilweise arbeiteten bei unserem Grossvater bis 100 Arbeiter. Damals wurden die meisten Arbeiten noch von Hand ausgeführt. Dadurch waren die Arbeiten sehr personalintensiv. Mein Grossvater hatte eine Grossbaustelle im Glaubenberg (OW) mit Kantine und Unterkünften. Die Kantine und die Unterkünfte waren Baracken. Unser Grossvater musste auch Aktivdienst leisten. In dieser Zeit musste meine Grossmutter das Geschäft führen. Arbeitslosenkasse und Erwerbsersatz gab es noch nicht. Von dem geringen Sold aus dem Militär konnte keine Familie leben. Damit die verschiedenen Familien nicht hungern mussten wurde mein Grossvater angewiesen seine Arbeiter nur alternierend zu beschäftigen. Ausgenommen waren Vorarbeiter. Für meine Grossmutter waren das immer schwierige Entscheidungen.
- Damals war es üblich, dass der 1. Geborene einmal in die Fusstapfen seines Vaters treten wird/muss.
- Nach der Kollegizeit übertrug mein Grossvater unserem Vater für ein Jahr die Verantwortung der Kantine im Glaubenberg. Über diese Zeit weiss ich wenig zu berichten. Nur soviel das Essen war rationiert. Trotzdem legte unser Vater immer Wert darauf, dass es genug zu Essen gab und auch abwechslungsreich. Das damalige Essen ist aber mit unseren Essgewohnheiten nicht mehr zu vergleichen. Nur soviel mein Grossvater war mit seiner geleisteten Arbeit zufrieden. Das will etwas heissen unser Grossvater war nicht so schnell zufrieden. Das weiss ich von Leuten, welche meinen Grossvater noch persönlich gekannte haben.
Was war 1943?
- Nach diesem Jahr begann unser Papa eine Lehre als Hochbauzeichner im Architekturbüro Hochstrasser in der Stadt Zug.
Hochstrasser musste eine schillernde Person gewesen sein. Er hatte interessante Aufträge, war aber immer knapp bei Kasse. Unter anderem hatte er Aufträge von der Stadt Zug. Diese Aufträge soll unter anderem bekommen haben, damit er seine Steuerschulden bei der Stadt bezahlen konnte. Zur heutigen Zeit würde kaum ein Unternehmer Aufträge bekommen, damit er seine Steuern begleichen kann.
Damals hat die Post auch das Telefon betrieben. Weil Hochstrasser seine Telefonrechnungen nicht bezahlte sah sich die Post gezwungen das Telefon ausser Betrieb zu setzen. Unser Papa hat diese Lehre erfolgreich abgeschlossen.
Was war 1944?
Das Kriegsjahr 1944 ist vor allem durch wichtige Erfolge der Alliierten gekennzeichnet: Im Januar wird der Belagerungsring um Leningrad aufgebrochen. Im Westen gelingt die Invasion in die Normandie; Paris wird befreit. Im Osten gelingt es der Roten Armee die Heeresgruppen Mitte und Süd entscheidend zurückzuwerfen. Erst in Ostpreußen kommt die Offensive im Oktober vorübergehend zum Stehen. In Italien gelangen die Alliierten bis nördlich einer Linie Rimini-Rom voran. Allein in Asien führt eine japanische Offensive in China zu einer Landverbindung nach Indochina und damit zu einem Teilerfolg der Achsenmächte. Aber im Oktober gelingen die Befreiung der Philippinen und die Vernichtung der kaiserlich japanischen Marine.
Was war 1945?
Das letzte Kriegsjahr wurde zunächst von einer Konferenz der absehbaren Sieger gekennzeichnet: der Konferenz von Jalta. Die Befreiung der Konzentrationslager war in den folgenden Wochen für die alliierten Soldaten mit fürchterlichen Beobachtungen verbunden. Im Pazifikraum werden die Philippinen, Indochina, Burma und China befreit. Der Sieg in der Schlacht um die Seelower Höhen öffnet den Weg nach Berlin. Im März wird der Rhein überschritten. Am 30. April hisst die Rote Armee eine Fahne auf dem Reichstag. Europa ist nach der Kapitulation am 7. Mai vom NS-Regime befreit. Am 6. August wird die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen. Nach der Kapitulation des Kaisers wurde der japanischen Armee am 16. August die Einstellung aller Kampfhandlungen befohlen und am 2. September beendet die Unterschriftszeremonie auf dem Schlachtschiff USS Missouri in der Bucht von Tokio den Zweiten Weltkrieg.
Nach der Lehre bei Hochstrasser absolvierte unser Papa ca. 1946/1947 eine verkürzte Lehre als Maurer bei seinem Vater in Giswil. Einen grösseren Teil seiner Ausbildungszeit verbrachte er mit administrativen Arbeiten im Büro. Mein Grossvater hatte wenig Sitzleder sein Sohn war ihm sehr Willkommen. Zumindest im Büro. Auch sie waren nicht ein Herz und eine Seele. Unser Grossvater und unser Vater hatten es auch nicht immer einfach miteinander.
Nach Abschluss der Maurerlehre ging es nun für ein Jahr an das Technikum Winterthur (Heute Fachhochschule) um Architektur zu studieren. Nach 2 Semestern wechselte er an das Abendtechnikum von Zürich. Dieses hat er mit dem Diplom als Architekt abgeschlossen.
Während der Studienzeit am Abendtechnikum arbeitete unser Papa als Bauführer in einer Bauunternehmung (Derungs) in Menzigen (ZG). Später wurde er Geschäftsführer in dieser Bauunternehmung.
In dieser Zeit erwarb er das Diplom zum dipl. Maurermeister und auch zum dipl. Baumeister. Die Ausbildung zum Dipl. Baumeister ist vergleichbar mit der Ausbildung eines Bauingenieurs ETH.
Leider erkrankte sein Vater, so dass er nach wenigen Jahren sich von Derungs verabschieden musste und die Geschäftsleitung des väterlichen Geschäftes übernehmen musste. Er ging nicht gerne nach Obwalden zurück. Der Kanton Zug gefiel ihm viel besser und hatte dies besseren Perspektiven zu bieten. Als Ältester fühlte er sich seiner Familie verpflichtet.
Das Geschäft seines Vaters war vor allem im Tiefbau tätig. Meliorationen, Bachverbauungen und Strassen. Das Herz unseres Vaters schlug aber vor allem für den Hochbau.
Ich hatte immer den Eindruck, dass unser Vater lieber den Beruf eines Stadtbaumeisters oder Denkmalpflegers ausgeübt hätte. Er vermittelte uns, dass ihm sein Geschäft keine oder wenig Freude machte. Vor allem war es für ihn ein Kampf. Er äusserte sich immer dahingehend, dass er für jeden Auftrag kämpfen musste. Was ist das für ein beschwerliches Leben? Ich bin überzeugt, wenn er sich nicht gegenüber seinen Eltern verpflichtet gefühlt hätte wäre er lieber im Kanton Zug geblieben und hätte dort seine Berufung gefunden und wäre glücklich geworden.
Bereits als kleiner Junge war mir klar, dass ich nie in meinem Leben eine Bauunternehmung will. Das ist kein Ort der Freude. Das ist ein ständiger Kampf. Wer immer kämpfen muss hat verloren. Das hält doch keiner auf die Dauer aus.
Sein Vater verstarb am 11. Mai 1956.
Fast jeder Schweizer musste irgendwann seinen Militärdienst leisten. Dieser Grundsatz galt bis 1995. Ab 1995 wurden die Bestände der Armee immer mehr reduziert. Unser Vater konnte wegen einem Herzfehler die RS nicht mit 20 Jahren absolvieren. Er wollte aber unbedingt Militärdienst leisten. Deshalb holte er die RS mit 23 Jahren nach und machte im Militär "Karriere" bis zum Oberleutnant. Hätte er die notwendige Zeit erübrigen können so wäre er sicher Regimentskommandant geworden Er diente bei den Luftschutztruppen (technische Rettungstruppe) Mit seiner Ausbildung hätte er auch eine Militärkarriere als Berufsmilitär machen können. Wahrscheinlich wäre er möglicherweise wie sein Studienkollege Peter Schulkommandant geworden.
Ich hätte es bevorzugt, wenn unser Papa sich für das Berufsmilitär entschieden hätte und das Baugeschäft liquidiert hätte. Wir alle hätten Luft zum Atmen bekommen. Da unsere Mama Gold und Glimmer liebte, hätte sie sich an der schönen Uniform unsere Papas erfreuen können. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Militärangehörige auch während des Urlaubs die Uniform tragen mussten. Als Offizier musst unser Papa jedes Jahr für 3 1/2 Wochen in den Wiederholungskurs. Unsere Mama in Begleitung von Willi und mir holten unsern Papa jeweils am Samstag an seinem WK Standort. Vorab gab es immer noch das Hauptverlesen durch den Kompaniekommandanten. Am Sonntag ging es in die Kirche Grossteil in die 10 Uhr Messe. In der Kirche sah ich nie einen anderen Offizier. Das waren für unser Mama ganz besondere Glücksmomente.
Für mich war es die schönste Zeit, wenn unser Papa im Militärdienst leisten musste. Unsere Mama war mit dem Baugeschäft beschäftigt und wir Kinder hatten Zeit zum Spielen.
Mit dem Tod seines Vaters erfolgte auch die Aufteilung des Vermögens. Mein Grossvater hatte keine Erbschaftplanung gemacht. Unser Vater erzählte uns immer wieder das er mit seiner Frau bei Null angefangen hätten.
Was war sonst noch 1956
Das Jahr der Aufstände
Tatsächlich ist 1956 auf verschiedenen Kontinenten einiges los: In Europa erheben sich die Völker Polens und Ungarns gegen die sowjetische Hegemonie. Doch zu viel Selbstbestimmung will der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow den Satellitenstaaten nicht zugestehen: Den Aufstand in Ungarn beendete er im Herbst 1956 mit einer Invasion seines Militärs.
Erfolgreicher sind die Freiheitskämpfe auf dem afrikanischen Kontinent: Marokko und Tunesien werden in jenem Jahr frei. Sie zählen zu den ersten afrikanischen Staaten, denen die Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten vergönnt ist.
Für meine Eltern war das wichtigste Ereignis im Jahr 1956 die Geburt ihres Stammhalters. Er wurde am 06. April 1956 im Spital Sarnen geboren und per Nottaufe auf den Namen Willi Christian getauft. Er wog bei der Geburt lediglich 1.5 Kg. Damals waren die Überlebenschancen für ein so leichtgewichtiges Kind vergleichbar mit einer Lotterie. Man konnte Glück oder Pech haben. Die nächsten Wochen und Monate waren endscheidend für sein weiteres Leben. Der Stammhalter hatte einen ausgeprägten Überlebenswillen.

Resilienzforschung bei Kindern
Die Anfänge der Resilienzforschung finden ihren Ursprung in einer Studie über Resilienz bei Kindern. Eine Langzeitstudie von der amerikanischen Entwicklungspsychologin Emmy Werner prägte die Forschung zur Resilienz.
Auf der hawaiianischen Insel Kauai beobachtete und begleitete die Forscherin die Entwicklung von knapp 700 Kinder, und das 32 Jahre lang. Darunter stammten 200 Kinder aus schwierigen Verhältnissen. Das bedeutet sie waren konfrontiert mit zerrütteten Familienverhältnissen, Alkohol- und Drogenmissbrauch, kranken Eltern oder sehr geringem Wohlstand.
Bei vielen Kindern beeinflussen diese Faktoren eine gesunde Entwicklung. Auch sie haben es schwer in Beziehungen, verfallen dem Alkohol oder leben in Armut. Dennoch zeigte Werners Studie, dass 72 der Kinder sich trotz der widrigen Aufwuchs-Bedingungen positiv entwickelten. Daraus entwickelte Emmy Werner Schlüsselfaktoren, die Resilienz bei Kindern stärken.
Schlüsselfaktoren für resiliente Kinder
- Emotinale Bindung: Die Kinder hatten mindestens eine feste Bezugsperson. Diese stärkt Vertrauen und Selbstwirksamkeit des Kindes. Außerdem lernen Kinder Selbstständigkeit, aber auch die Fähigkeit um Hilfe zu bitten.
2. Intelligenz und Temperament: Die resilienten Kinder wiesen eine durchschnittliche Intelligenz und ein positives Temperament auf. Erstens sorgte das für eine gewisse Robustheit, und zweitens auch für mehr Zuwendung von der Bezugsperson.
3. Gesellschaftliche Unterstützung: Das bedeutet, den Kindern wurden Halt gebende Werte beigebracht und ihre Leistungen wurden anerkannt. Wertschätzung von außen fördert die innere Haltung.
Diese Faktoren stärken die Resilienz von Kindern. Sie entwickeln durch eine feste emotionale Bindung auch außerhalb der Familie ein gesundes Selbstwertgefühl und werden leistungsmotiviert. Des Weiteren können sie meist eine realistische Zukunftsperspektive entwickeln. Das bedeutet, sie gehen auch flexibler mit Veränderungen um und trotzen schwierigen Lebensumständen.
Was macht resiliente Kinder aus?
Die Resilienz bei Kindern kann durch gutes und gesundes Lernen gefördert werden.
Der Leiter des Zentrums für Kinder und Jugendforschung an der evangelischen Hochschule Freiburg, Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff, stellte heraus, dass resiliente Kinder bestimmte Fähigkeiten besitzen.
Resiliente Kinder können:
- ihre eigenen Gefühle und die von anderen erkennen und einordnen.
- die eigenen Gefühle kontrollieren, regulieren oder dafür um Rat bitten.
- eigene Stärken und Kompetenzen erkennen.
- Hilfe holen und scheuen sich nicht vor Kontakt.
- Strategien zur Problemlösung entwickeln und auf ähnliche Situationen übertragen.
Diese benannten Fähigkeiten von resilienten Kindern sind nicht immer gleich ausgeprägt. Resilienz ist eine variable Größe, die in einem Bereich stärker in einem anderen schwächer sein kann.
Wie können wir Resilienz bei Kindern stärken?
Die Resilienz von Kindern und Erwachsenen unterscheidet sich nicht. Wer als Kind resiliente Eigenschaften entwickelt, dann genau diese sich im späteren Leben zu Nutze machen. Allerdings entwickeln Kinder ihre innere Widerstandskraft zum Großteil im Zusammenspiel Erwachsenen.
Sie brauchen eine feste Bezugsperson, die Wertschätzung und Verständnis entgegenbringt. Doch auch der Kontakt mit Gleichaltrigen und Beziehung zu Erziehenden stärken die Resilienz.
Damit Kinder ihre eigene Widerstandskraft aufbauen, brauchen sie Wärme und Zutrauen, sowie Interesse und Kontrolle. Wenn dem Kind wichtige Werte und der Glaube an die eigene Selbstwirksamkeit vermittelt wird, kann es sich im späteren Leben selbst behaupten und lernt einen flexiblen Umgang mit schweren Lebenssituationen.

Null Bock auf Schule – Wie entstehen Schulmüdigkeit und Schulverweigerung? – Was kann man tun?
Meine häufigsten Botschaften unterrichtlicher Störungen waren:
- Unterricht ist langweilig.
- Ich fühle mich unterfordert.
- Schule finde ich sinnlos.
- Ich räche mich für ungerechte Behandlung.
- Mal sehen, wie weit ich gehen kann.
- Ich möchte meinen Mitschüler/innen etwas bieten, sie unterhalten.
- Ich kann mich nicht konzentrieren, bis ich mit der Welt draußen klar bin.
Mein Verhalten wurde durch disziplinarische Massnahmen sanktioniert.
Die meisten Pädagogen hatten es streng mit mir und für mich waren die Meisten einfach nur zum Kotzen.
Ich wurde immer 2 x sanktioniert. Zuerst durch die Pädagogen und anschliessend durch meine Eltern. Die Sanktion durch meine Eltern war am schlimmsten und die galt es mit allen Mitteln zu verhindern.

Was ist die Primarschule?
Der Begriff Primarschule umfasst in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein die Schulen, die von Kindern der Klassen 1 bis 5 bzw. 6 besucht werden.
1. Klasse

Nach den Osterferien 1964 begann für mich mit einer Woche Verspätung der Ernst des Lebens. 2 Tage vor Schulbeginn bekam ich die "Spitze Blattern" (Windpocken). Mein Schulbeginn verschob sich um eine Woche. Alleine lief ich zum zugteilten Schulhaus mit Jahrgang 1860. Zu Fuss zum Schulhaus waren es etwa 15 Minuten, ca. 1 km. Im Erdgeschoss gab es 2 Schulzimmer. Eines davon war das Klassenzimmer für die 1. Klässler das andere war für die Handarbeit der Mädchen. Meine Begeisterung vom Klassenzimmer und der alten Nonne hielten sich in sehr engen Grenzen. Der Jahrgang der sehr autoritären Nonne und des Schulhauses waren gefühlt identisch. Wir hatten die Frau in der schwarzen Verkleidung als Schwester Eugenia anzusprechen. Der 1. Eindruck zählt immer. Diese Schwester war mir vom 1. Moment an besonders unsympathisch. Im Schulhaus hatte es einen undefinierbaren Geruch. Es roch muffig möglicherweise auch eine komische Mischung aus Angstschweiss und Stallgeruch. In jedem Fall sehr unangenehm. Vorne links stand auf einem Podest der "Schwester Eugenia" ihr grosses Pult. Auf dem Pult war eine Missionsspardose (Negerkässeli) platziert. Eine Missionsspardose bestand aus einem Spendenkästchen mit einer Figur, die den Kopf nickend bewegte, wenn Geld eingeworfen wurde. Von meinem Mitschülern wurde im verlaufe des Jahres immer wider Geld eingeworfen, weil das Negerli so schön mit dem Kopf nickte.
Ich wollte die schwarze Mamba (Schwester) nicht mit Geld unterstützen und ihr Negerli mit Geld füttern. Möglicherweise könnte der Ursprung von verstecktem Rassismus gegen Schwarze im Negerkässeli zu finden sein. Man schlägt den Sack und meint den Esel. Im Unterbewussten wollte ich die die Schwester für ihre Strenge schlagen und rächte mich indirekt am Negerkässeli.
Giswil ist und war eine finanzschwache Gemeinde. Giswil war damals vor allem durch die Landwirtschaft geprägt. Die Gemeinde musste an allen Ecken und Enden sparen. Die Schule war der grösste Ausgabeposten. Im kleinen Schulzimmer wurden 60 Kinder in die Schulbänke gezwängt. Die gute Frau hatte nun die Aufgabe gefasst 60 Schülern das Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Diese Zustände gibt es Heute nur noch in Entwicklungsländern. Vor 60 Jahren herrschten bei uns ähnliche Zustände.
Vor Beginn des Unterrichtes wurde gebetet und auch am Ende des Unterrichtes. Das heisst am Vormittag und am Nachmittag (Total 4 x). Zum Gebet mussten wir stehen und die Hände falten. Wir sahen aus wie fromme Klosterschüler.
Unter der Woche hatten wir mindestens 2 x Schulmesse und zwar lateinisch. Ich glaube mich zu Erinnern, dass wir vor dem Unterricht in der 1. und 2. Klasse jeden Tag in die Schulmesse mussten. Es fühlte sich in meiner Erinnerung so an. Ich habe aus der Not eine Tugend gemacht und konnte in der 2. Klasse mit dem Absitzen der Schulmesse mein erstes Sackgeld verdienen. Von diesem Geschäftsmodell schreibe ich in einem der nächsten Abschnitte. Von der 1. Klasse bis anfangs der 2. Klasse wurde die Messe lateinisch zelebriert. Der Kaplan zelebrierte die Messe am Hochaltar und hatte keinen Bezug zu den Kirchgängern. Mit dem zweiten Vatikanischen Konzil änderte sich vieles zum Besseren. (Das Konzil dauerte vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965).
Von der Messe habe nichts verstanden und begriffen. Es war einfach nur langweilig.
Weil ich im verlaufe meiner Schulzeit eine Überdosis Religion bekommen habe zog ich meine Konsequenzen und bin ca. 1985 aus der katholischen Kirche ausgetreten. Damals war das noch eine kleine Revolution. Im verlaufe der Zeit sind dann meine jüngeren Brüder Adrian und Alex auch ausgetreten. Die Bevormundung durch die katholische Kirche liessen wir uns nicht mehr bieten. Am Meisten wurden unsere Steuern vermisst.
Ich war mit Abstand der Jüngste in unserer Klasse. Stichtag für die Einschulung war damals der 1. Juli. Aus diesem Grund hatten ca. die Hälft meiner Kollegen und Kolleginnen Jahrgang 1956.
Ich war Linkshänder
Zu der damaligen Zeit wurden Linkshänder meist wenig gesellschaftlich anerkannt und deshalb auf rechtshändig umgeschult.
Heute hat man erkannt, dass eine Umschulung unsinnig ist.
Die Umschulung von Links- auf Rechthändigekeit ist ein Eingriff in die Hirnfunktion ist, zeigt der Körper verschiedene Anzeichen der Umstellung.
- Die Problematik beim Versuch der Umschulung von Links- auf Rechtshändigkeit ist, dass sich die Gehirnhälften nicht umtrainieren lassen.
- Zwar ist es möglich sich das Schreiben mit rechts anzugewöhnen, jedoch resultiert dies meist in der Verschlechterung der Leistungsfähigkeit.
- Linkshänder, die rechts schreiben und arbeiten, haben häufig Schwierigkeiten sich zu konzentrieren.
- Ebenfalls können durch die Umschulung Probleme beim Lesen und bei der Rechtschreibung entstehen.
- Kinder, die bereits von klein auf von links auf rechts umgewöhnt werden, können erhebliche Nachteile in der Entwicklung und im schulischen Fortschritt bekommen.
- All diese Dinge resultieren daraus, dass die eigentlich dominante und ausgeprägtere rechte Gehirnhälfte der Linkshänder unterdrückt wird und die unausgeprägtere linke Hälfte alle Aufgaben ausführen muss.
- Weiterhin können durch die Leitungseinbussen Depressionen, Erschöpfungszustände und Minderwertigkeitsgefühle entstehen.
Linkshändern wird zugeschrieben, dass sie kreativer und künstlerischer seien als Rechtshänder. Die rechte Gehirnhälfte, zuständig für gestalterische und schöpferische Fähigkeiten, ist vorherrschend. Sie steuert hauptsächlich die linke Körperhälfte. Die strukturierende, eher an Zahlen orientierte linke Hirnhälfte steuert vorwiegend die rechte Körperseite.
Gerade Schnitte mit einer Schere sind für mich immer noch eine Herausforderung. In der Sekundarschule habe ich mir ein Bastelmesser angeschafft. Das Bastelmesser war nun für mich die Schere. Mit dem Bastelmesser konnte Niemand besser umgehen als ich.
Wir lernten die ersten Buchstaben und übten das Schönschreiben auf einer Schiefertafel mit Griffel. Es genügte nicht, dass wir 2 bis Lienen dieselben Buchstaben auf die Tafel schrieben. Nein es musste die ganze Tafel voll geschrieben werden. Ich hatte eine schnelle Auffassungsgabe, aus diesem Grund mochte ich die ewigen Wiederholungen nicht. Für mich gab es keinen nachvollziehbaren Grund immer die gleichen Buchstaben auf die Tafel zu kritzeln. Wiederholendes Arbeiten langweilte mich. Es versteht sich von selbst, dass Schönschreiben nicht meine Lieblingsbeschäftigung werden wird. Die schwarze Mamba tadelte mich auch entsprechend für meine Künste.
Gerne wies ich sie darauf, dass Schönschreiben in meinem Leben für mich völlig vernachlässigbar sein würde, da ich in jedem Fall einmal eine Sekretärin haben werde und wenn sie gerne einige schöne Buchstaben von mir hätte so würde ich Morgen die Reiseschreibmaschine von Papi in die Schule mitbringen.
Zur Strafe durfte ich eine ganze Tafel voller A schreiben. Ich habe mich geweigert, diese Strafe zu erledigen. Auch bei 60 Schülern hatte die schwarze Mamba eine Kontrollsystem über ihre verteilten Strafaufgaben. Am anderen Morgen sollte ich nach vorne an ihr Pult gehen und ihr meine Hieroglyphen präsentieren. Die schwarze Mamba stand auf ihrem Podest und ich musste ihr meine Arbeit hoch reichen. Die gute Nonne sah nur noch schwarz. Die Tafel war ja auch schwarz was sollte sie sonst sehen. Zur Strafe sollte ich vorne neben der Wandtafel auf den Boden sitzend und unter ihrer strengem Regime die Tafel voll schreiben.
Ich erklärte ihr, dass ich durchaus gewillt wäre ihren Anweisungen Folge zu leisten, aber auf den schmutzigen Boden würde ich mich mit meinen sauberen Hosen nicht setzen, da wäre meine Mutter wenig bis gar nicht begeistert. Ich unterbreitete ihr den Vorschlag, dass ich am Nachmittag eine alte Zeitung mitbringen würde und ich dann ihre verfügte Strafe antreten würde. Das haben wir dann auch so praktiziert. Bei unserer Klassenzusammenkunft im Jahr 2018 gab einer meiner Kollegen diese Geschichte nochmals zum Besten. Wir alle hatten immer noch unsere helle Freude an dieser Geschichte.
Es versteht sich von selbst, dass sich nach einem Sonntagsgottesdienst die schwarze Mamba bei meiner Mutter jämmerlich beklagte. Insbesondere mein älterer Bruder Willi, welcher ein Jahr zuvor zu ihr in die Schule ging, war im Gegensatz zu mir sehr fleissig gewesen und wenn sie gesagt hat, dass ihr etwas nicht gefallen hat, so hätte mein Bruder gesagt: "Schwester Eugenia, wenn ihnen meine Arbeit nicht gefällt, dann mache ich sehr gerne noch einmal."
Damals habe ich mir gedacht, mit diesem Judas wirst du vermutlich noch viele Freuden erleben können. Es ist schon erstaunlich wie mich meine Einschätzung nicht getäuscht hat.
Abgesehen vom Schönschreiben und ein wenig Phantasie beim Rechtschreiben war ich ein sehr guter Schüler. Insbesondere Rechnen das war mein Steckenpferd. In diesem Fach war ich völlig unterfordert. Da fungierte ich als Hilfslehrer und musste die schwächeren Schüler im Gang unterrichten. Als 1. Klässler hatte ich ja keine pädagogische Ausbildung trotzdem unterrichte ich nach meinem Gutdünken.
Für gute Leistungen verteilte die schwarze Mamba Fleisszettel. Ausser für das Schönschreiben erhielt auch viele Fleisszettel. Für 10 Fleisszettel bekamen wir Schüler ein Helgeli (Helgeli: Heiligenbildchen für das Gebetbuch).
Ich muss nicht erwähnen, dass ich kein Interesse an diese Heiligenbilchen hatte. Ich verschenkt diese Bildchen jeweils meinen "Schülern".
Bei meinen Klassenkollegen und Kolleginne war ich beliebt und ich mochte meine Klassenkollegen und Kolleginnen.
Der Höhepunkt in der 1. Klasse war im Herbst 1964 der mehrtägige Besuch der Expo (Landesaustellung) in Lausanne. Nein, wir waren nicht mit der Schule dort. Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.
Lieber Leser, möglicherweise sagt dir der Begriff Expo nichts. Hier eine kurze Erläuterung:
Die «exposition nationale suisse de 1964», Expo 64 genannt, war die Schweizerische Landeausstellung von 1964, die vom 30.April bis zum 25.Oktober 1964 in Lausanne stattfand. Sie galt nach den Richtlinien des Bureau International des Expositions als „nationale“ Ausstellung. Sie bot ein Forum für moderene Architektur, Kunst und Technik und unternahm den Versuch, die Schweiz und ihre Eigenheiten im globalen Kontext zu präsentieren
Die Landesausstellung wollte die Schweiz so präsentieren, wie sie wirklich ist. Dazu sollte vor allem der allgemeine Teil mit dem Sektor Weg der Schweiz dienen. Hier sollte das gezeigt werden, was das Wesen des Landes und sein reiches Gefüge ausmacht sowie seine ereignisvolle Geschichte und seine eigenwilligen Bewohner dargestellt werden. Angesichts der schnellen Entwicklung in der Welt, sollten der Einzelne und die Gemeinschaft sich mit Hilfe der Ausstellung darauf besinnen können, was wir sind und sein wollen, wo wir stehen und wohin wir gehen wolle
1964 hatte sich die Welt zwar vom Zweiten Weltkrieg erholt, war aber in den Kalten Krieg getaucht. Die Schweiz wollte gleichzeitig eine Politik der Vereinigung und der Eigenständigkeit gegenüber äusseren Gefahren sowie der Öffnung gegenüber der Zukunft und Modernität verfolgen. Die Expo 64 war das Produkt dieser Widersprüche.
Vom 30. April bis 25. November 1964 hat die Landesausstellung in Lausanne fast 12 Millionen Besucher angezogen. Vorher hatte es die Landesausstellungen Zürich 1883, Genf 1896, Bern 1914 und Zürich 1939 gegeben. Später folgte jene von 2002 in der Dreiseen-Region Biel, Neuenburg, Yverdon-les-Bains und Murten.
Das Rückgrat der Ausstellung war 'Der Weg der Schweiz', eine Pyramide mit den Fahnen der rund 3000 Schweizer Gemeinden.
Die Expo richtete den Blick nicht nur auf die Vergangenheit, sondern mit dem Fragebogen von Gulliver, dem Helden des Märchens von Jonathan Swift, auch auf die Gegenwart und mit Kurzfilmen von Henry Brandt über das alltägliche Leben auch auf die Zukunft.
Die verschiedenen Pavillons, die den Themen Arbeit, Landwirtschaft, Transport oder Bildung gewidmet waren, haben ebenfalls zu diesem riesigen Spiegelbild der Schweizer Gesellschaft beigetragen, die sich zwar vereint zeigte, aber nicht mehr so homogen war wie einst.
Die Expo diente auch vielen Künstlern, wie Jean Tinguely mit seinen Maschinen-Skulpturen oder dem Maler Hans Erni als Sprungbrett.
Mama und Papa hatten die Expo bereits im Frühling besucht. Unsere Reisegruppe bestand aus Mama, Papa, Grosi (Mutter von Papa), Tante Emmi (jüngste Schwester von Papa), Willi (älterer Bruder), Veronika (jüngere und einzige Schwester) und mir.
Unser Papa war stolzer Besitzer eines Peugeot 404.
Der Peugeot 404 war ein Pkw-Modell des französischen Herstellers Peugeot. Er wurde von Mai 1960 bis Oktober 1975 in Europa hergestellt, wobei Peugeot die Auslieferung dieses Modells in Europa bereits Ende 1974 einstellte. Erste Prototypen sollen schon 1957 entstanden sein. Länge ca. 4.50 m, Motor 1.6 Liter, 65 kw.
Nachdem das Gepäck im Kofferraum verstaut war ging die Reise los.
Unser Papa übernahm das Steuer, unsere Mama auf dem Beifahrersitz hatte die Kontrolle über die Strassenkarte. Schon längst hat diese Aufgabe das GPS übernommen.
Grosi, Tante Emmi und wir 3 Kinder sassen Hinten. Sicherheitsgurte und Nackenstützen gab es noch nicht. Das Auto war für 5 erwachsene Personen zugelassen. 2 Kinder galten als 1 Erwachsene. Genau genommen hätte eines von uns Kindern nicht mitfahren dürfen. Das sah man damals nicht so eng. Unser Papa wurde nicht gebüsst.
Mit dem Auto ging es von Giswil über den Brünig, Haslital auf den Grimselpass. Die Passstrassen waren damals noch nicht so gut ausgebaut. Es war nicht immer möglich, dass sich die Autos auf der Strasse kreuzten konnten. Unser Papa schimpfte und lästerte über die Fahrkünste der anderen Autofahrer wie ein Rohrspatz.
Ihm stand dieses Recht zu, hat der doch während des Krieges in Sarnen die Autoprüfung auf dem Lastwagen mit Holzvergaser seines Vaters absolviert. Während dem Krieg war das Benzin rationiert und deshalb für Private nicht erhältlich. Ein Hauptmerkmal an der Prüfung galt damals dem Anfeuern des Holvergasers mit Buche. Unser Vater hatte somit die Lastwagenprüfung und die gilt auch für PW.
Auf dem Grimselpass gab es endlich den ersten grossen Halt. Wir konnten uns wieder frei bewegen und hatten Luft zum Atmen.
Unser Papa kümmerte sich sofort um das Auto.
Damals war es nichts Aussergewöhnliches, dass bei einer Fahrt auf einen höheren Pass der Motor «kocht», also das Kühlsystem zu heiss wird. Da hilft im ersten Moment nur eine längere Pause, um grössere Schäden zu vermeiden. Ob der Motor des Peugeot 404 Auto kochte, dass weiss ich nicht mehr. Ich weiss nur noch, dass unser Papa auf dem Grimselpass die Motorhabe öffnete und wir eine längere Pause machten.
Unser Papa hatte seinen Fotoapart der Marke «Zeiss Ikon» dabei und machte Dia. Er fotografierte vor allem Gebäude. Wir Kinder waren jeweils nur Beigemüse (für den Grössenvergleich) auf dem Bild. Das Wichtige war das das Gebäude, welches er fotografierte. Von uns Kindern gab sehr selten Bilder (gefühlt nie). In seinen Augen war das auch nicht notwendig, da er uns so oft sah wie er wollte. Nach der Entwicklung und dem Zerschneiden des Films entstehen einzelne Diapositive, die als Projektionsvorlage oft zur Projektion genutzt werden. Damit die Bilder auf eine Bildwand projiziert werden konnte benötigte man einen Diaprojektor. Unser Papa besass nie einen Diaprojektor. Die Dias verstaubten in seinem Archiv. Im verlaufe der späteren Jahre musste der Fotoparat repariert werden. Unser Papa gab den Apparat seinem Freund Sepp Reinhard in die Reparatur. Nach einigen Jahren hat er Sepp angefragt ob er den Apparat repariert hätte, Sepp verneinte er wäre noch nicht dazu gekommen und so es dann geblieben.
Sepp Reinhard fotografierte von 1946 bis 1979 Automobilsport-Rennen. Mit dem Grand-Prix der Schweiz in Bern 1950 hatte er seinen Einstieg in die Formel 1-Fotografie. Neben der Autofotografie war er über Jahrzehnte als Pressefotograf im Kanton-Obwalden aktiv. Da er bei vielen Unfällen als einer der ersten vor Ort war, bekam er den Übernamen Katastrophen-Sepp. Um jeweils frühzeitig informiert zu sein, hatte er als Belohnung für eine Meldung einen Fünflieber ausgeschrieben.
Unsere Eltern waren mit den Reinhards jahrelang befreundet.
Anschliessend besuchten wir die moderne St. Christopherus Kapelle auf dem Grimselpass. Christopherus ist bekannt das als der Schutzheilige der Reisenden. Der Beistand von Christopherus konnte sicher nicht schaden. Unser Papa war nämlich ein hitziger Autofahrer. Die ehemalige Haushaltlehrtochter unserer Eltern Theres Bucher arbeitete in der Zwischenzeit im Hotel Grimsel Hospitz. So war es nicht mehr als Anstand Theres Bucher Guten Tag zu sagen.
Nach dem Zwischenhalt auf dem Grimselpass ging es weiter durch das Goms nach Brig.
Im Brig besuchten unsere Eltern mit Grosi und Tante Emmi den Stockalperpalast. Wir Kinder mussten während dieser Zeit in einem Restaurant die Zeit zur Weiterfahrt überbrücken. Unser Papa bestellt jedem ein Getränk und gab uns einen Batzen für den Töggelikasten (Tischfussball). Ich muss nicht erwähnen, dass wir keinen blassen Schimmer von Tischfussball hatten. Ohne Einführung machte das auch keinen Spass. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging die Reise weiter. Über das Unterwallis fuhren wir an den Genfersee. Nach einer langen Reise kamen wir endlich im reservierten Hotel in Lausanne an. Es war bereits finstere Nacht.
Das Hotel war ein alter Kasten im Jungendstil gebaut. Beim Hotel gab es nur sehr wenige Parkplätze und die waren reserviert. Einige hundert Meter vom Hotel gab es einen öffentlichen Parkplatz mit blauen Parkfeldern.
Unser Papa hatte 2 Zimmer reserviert. Ein Zimmer für sich und seine Frau und ein Zimmer für Grosi, Tante Emmi und uns Kinder. Im Zimmer gab es ein Lavabo zum Waschen. Ein Bad gab es nicht. Es gab Etagentoiletten.
Für zum Umziehen versteckte sich jeweils unser Grosi und Tante Emmi hinter einem Paravent. Wir Kinder wurden zusätzliche aufgefordert bei diesem Prozedere die Augen zu schliessen. Grosi liess uns wissen, wenn wir die Augen nicht schliessen würden, würden wir erblinden. Ich traute der Sache nicht. Aus diesem Grund habe ich nur ein Auge zugedrückt und mit einem Auge das Prozedere genau beobachtet. Weil ich nicht erblindet bin wurde mir bewusst, dass unser Grosi geschwindelt hat. Meinen Geschwistern habe ich das nicht verraten.
Am Morgen musste unser Vater vor 8.00 Uhr die Parkscheibe auf 9.00 Uhr nachstellen. Vor 9.00 Uhr hat unser Papa Willi und mich ins Auto verfrachtet. Er war der Meinung, wenn Willi und ich im Auto wären gäbe es keine Busse. Kurz nach 9.00 Uhr kam dann die Politesse und hat einen Parkbusse unter den Scheibenwischer geklemmt. Als unser Vater mit seiner Gefolgschaft zum Auto kam und den Zettel unter dem Scheibenwischer sah ist er fast durchgedreht. Zuerst schimpfte er mit Willi und mir und war stellte die Behauptung auf Willi und ich wären nicht im Auto geblieben. Mit der Zeit hat er sich dann wieder eingerenkt. Nächstes Ziel war nun der nächste Polizeiposten um die Sache zu klären. Da unsere Mama fliessend französisch sprach war es ihre Aufgabe die Sache zu regeln.
Nach diesem Intermezzo ging es dann an die Expo.
An der Expo haben wir viel erlebt und sehr viele Eindrücke mit nach Hause genommen.
Folgende Erlebnisse blieben mir nachhaltig in Erinnerung.
Am zweiten Tag wollten die Erwachsenen die Expo auf eigene Faust ohne uns Kinder erkunden. Wir Kinder sollten den Tag im Kinderparadies verbringen. Was als Paradies bezeichnet worden ist haben wir damals als Hölle empfunden. Wenn unser Papa etwas im Kopf hatte wurde das auch durchgezogen. Wir Kinder wurden deshalb ohne Diskussion im Kinderparadies abgegeben. Es gab Gruppen für Welsche, Tessiner und Deutschschweizer. Die Deutschschweizergruppe war ausgebucht. Unser Papa fackelte nicht lange und liess uns den Welschen zuteilen. Wir mussten uns umziehen und als Welsche mussten wir eine gelbe Latzhose anziehen. Uns wurde eine Nummer angeheftet. Mit dieser Nummer konnte man uns identifizieren. Unsere Eltern erhielten eine Quittung mit den Nummern. Mit dieser Quittung konnte man uns am Abend wieder abholen.
Zum Mittagessen wurden wir Geschwister an einen grossen runden Tisch gesetzt. Vorab wurde eine grosse Flasche Henniez mit Kohlensäure auf den Tisch gestellt. Wir kannten dieses Getränk nicht. Wir fanden dieses Getränk einfach ungeniessbar. Nach unserer einstimmigen Beurteilung sogar toxisch. Wir waren uns gewohnt Tee zu trinken und auswärts Rivella. Ausnahmsweise vielleicht eine Cola. Da konnten wir nun gespannt sein, was man uns Kinder zum Essen servieren wird. Für das Essen konnten wir uns noch weniger begeistern. Wir hatten keine Ahnung was für eine Pampe uns serviert wurde. In jedem Fall etwas undefinierbares. In der Regel habe ich immer Appetit. Für mich galt die Devise Hunger ist der Beste Koch und schmeckt es nicht so isst man es doch. Ich habe mehr als den
halben Teller leer gegessen da fing mein Magen an zu rebellieren. Ich schaffte es noch knapp ins Freie. Im Freien musste ich Erbrechen. Im Gesicht wurde ich schneeweiss. Vermutlich wurde mein Verhalten durch die Aufsicht beobachtet. Augenblicklich stand eine übereifrige Rettungssanitäterin mit ihrem Gehilfen zur Stelle, welche mich sofort auf die Krankenstation schleppten. Ich war viel zu schwach um mich gegen diese übereifrigen Retter zu wehren. Auf der Station gab es noch weitere Kinder. Möglicherweise hatten diese Kinder auch «Vergiftungserscheinungen» wie ich. Ich wurde auf ein Bett gelegt und sollte ruhig liegen bleiben. Möglicherweise sollte bald ein Arzt aufkreuzen und mich gründlich untersuchen. Das Personal und die Räumlichkeiten machten auf mich keinen vertrauenserweckenden Eindruck. Ich verstand sie nicht und sie mich mit meinem Dialekt erst recht nicht. Als ich mich für einen kurzen Moment unbeobachtet fühlte und die Sanitäter mit den anderen Kindern beschäftigt waren bin ich geflüchtet. Nach kurzer Zeit wurde ich von einer Aufsicht beim Sandkasten aufgegriffen. Diese Person sprach deutsch, so dass wir uns unterhalten konnten. Sie wollte wissen, ob ich nicht auf der Krankenstation gewesen sei, weil ich Erbrechen musste. Ich wusste von nichts und habe ihr erklärt das müsse eine Verwechslung vorliegen. Ich erklärte ihr mit treuherzigem Blick, dass es hier so viele Kinder hier in gelben Latzhosen gebe und sicher eine Verwechslung vorliegen müsste. In jedem Fall fühle ich mich gesund und mir fehle nichts. Vermutlich konnte ich sie mit meinem Charme überzeugen und wurde dann von Niemandem mehr behelligt.
Ca. um 16.00 Uhr hatten die französischsprachigen Kinder eine Aufführung im grossen Puppentheater. Aufgrund der gelben Latzhose gehörten wir auch zu dieser Truppe. Wir wurden in grosses, schönes und stufenartiges Theater geführt. Wir hatten eine sehr gute Sicht auf die Bühne. Es wurde ein Theater mit den Puppen aufgeführt. Aufgrund des Gelächters der anderen Kinder musste es sich um eine lustige Darbietung handeln. Weil wir nichts verstanden haben verhielten wir uns wie Buster Keaton.
Buster Keaton war ein US-amerikanischer Schauspieler, Komiker und Filmregisseur. Keaton zählte neben Charlie Chaplin und Harold Lloyd zu den erfolgreichsten Komikern der Stummfilmzeit. Wegen seines bewusst ernsten, stoischen Gesichtsausdrucks wurde er The Great Stoneface und Der Mann, der niemals lachte genannt.
Soweit ich mich erinnern kann hat mir Tag noch halbwegs gefallen. Ich fand eine nette Spielgefährtin, aus Basel. Wir waren in etwa gleich alt. Mein Bruder Willi hat diese Spielgefährtin nicht gebilligt. Wir kennen diese Person ja nicht und gegenüber von Fremden soll man sich zurückhaltend verhalten. Als Ältester übernahm jeweils mein Bruder Willi die Vaterrolle. Mit den Jahren erhielt er den Spitznamen «Vater».
Für meine Geschwister war dieser Ort ein Ort des Schreckens.
Aufgrund der schlechten Erfahrung mit dem Essen war das für mich auch keine prüfenswerte Option nochmals einen Tag freiwillig im Kinderparadies zu verbringen.
Als es bereits dunkel wurde wurden wir von unseren Eltern im Kinderparadies abgeholt. Ich muss nicht erwähnen, dass wir die letzten Kinder waren, welche abgeholt worden sind.
1964 ging der Zirkus Knie auf Tournee. Der Zirkus hatte für die Dauer der Expo sein Zelt auf dem Expogelände aufgeschlagen.
Selbstverständlich gehörte auch für uns der Besuch einer Abendvorstellung dazu. Der Zirkus war sehr gut besucht und wir hatten einen Platz auf der Tribüne auf der hintersten Reihe. Kurz vor Ende der Vorstellung langweilte sich unsere Mama und sie spielte mit ihrem Ehering. Es kam wie es kommen musste und der Ehering fiel zwischen den Sitzen auf den Kiesboden. Nach der Vorstellung bemühten sich unsere Eltern den Ehering auf dem Kiesplatz zu finden. Zwei marokkanische Zirkusangestellte waren bei der Suche behilflich. Nach über einer Stunde wurde die Suche beendet. Man hinterliess die Adresse, es hätte doch sein können, dass der Ring doch noch gefunden wurde. Unsere Mama war bis an ihr Lebensende überzeugt, dass der Ring gefunden worden ist und der Finder den Ring eingesteckt hat.
***
Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass unsere Mama ihren Ehering verloren ging. Einige Jahre später waren wir in Mels/SG und haben im «Schäfli» das Mittagessen genossen. Nach dem Mittagessen ging unsere Mama auf die Toilette um sich die Hände zu waschen. Zum Händewaschen hat sie den Ring abgezogen und auf der Ablage beim Lavabo deponiert. Dummerweise hat sie vergessen den Ring wieder an den Finger zu stecken. Als sie gegen Abend die Unaufmerksamkeit bemerkte hat sie den Wirt angerufen und ihm ihr Missgeschick geschildert. Leider war der Ring schon weg.
Aller guten Dinge sind Drei.
Diese Redensart kommt wahrscheinlich aus dem Mittelalter, als drei Mal im Jahr eine Ratsversammlung gehalten wurde und ein Angeklagter dabei genau drei Chancen hatte, sich den Richtern zu stellen. Erschien er auch beim dritten Mal nicht zur Verhandlung, wurde er in Abwesenheit verurteilt. Auf altgermanisch hießen diese Gerichtsversammlungen "Thing", es hieß also ursprünglich "Aller guten Thinge sind drei".
Es ist kaum zum Glauben aber unsere Mama verlor ihren Ehering ein Drittes mal.
Ungefähr im Sommer 1985 fuhren meine Eltern in ihrem gepflegten Mercedes nach Südfrankreich.
Südfrankreich und die Côte d’Azur sind reiche Gegenden. Das zieht natürlich auch die Kriminellen an. Dabei sind Gelegenheitsdiebe wie auch organisierte Banden tätig. Vor allem sind diese Diebe auf Touristen spezialisiert. Im Zentrum größerer Städte ist es immer ratsam, die Zentralverriegelung zu schließen, insbesondere dann, wenn man im Stau steht.
Denn schon zwei Tage später geschah es: Die Ampel zeigte auf Rot, neben den Mercedes schob sich ein Motorrad, auf dem zwei junge Männer sassen. Plötzlich wurde die Wagentür aufgerissen. Der Mann auf dem Sozius, in der einen Hand ein Messer, ergriff mit der anderen blitzschnell die Handtasche unserer Mama. Unsere Mama klammerte sich an den Henkeln. Es kam zu einem Handgemenge, die Henkel rissen und die jungen Gangster brausten mit hoher Geschwindigkeit mit der Handtasche davon. Unsere Mama wurde bei dem Handgemenge verletzt. Nun hatte unsere Mama ein gröberes Problem. Unser Papa hatte unsere Mama eingeschärft sämtliche Ringe zuhause im Tresor zu lassen. Unsere Mama hat sich durch unseren Papa nicht verunsichern lassen und hat sämtliche Ringe mit Sicherheitsnadeln in ihrer Handtasche fixiert. Unsere Mama wollte in den Ferien auf ihre Wertgegenstände nicht verzichten. Somit war der Dritte Ehering weg.
***
Heimreise
Nach einigen Tagen traten wir die Heimreise an. Mit dem Auto ging es über Freiburg, Bern und über den Brünigpass nach Hause.
Anschliessend ging wieder in die Schule zur schwarzen Mamba.
Für meine Grossteiler Schulkollegen und mich war das Nikolaus Trinkeln der Schüler ein Höhepunkt des Jahres. Wollte man ein in der Oberstufe (7. 8. Schuljahr) ein Amt (Nikolaus, Knecht Ruprecht, Schmutzli, Beck oder Oberbeck ausüben war es unabdingbar, dass man jedes Jahr am Nikolaus Trinkeln teilnahm. Das Trinkeln fand jeweils vor dem 6. Dezember am Donnerstag statt.
In der 1. Klasse sass ich neben Paul Riebli. Paul war ein sehr angenehmer Banknachbar. Er mochte mich und ich mochte ihn. Ich kam mit allen Schulkollegen und Schulkolleginnen gut zurecht. Zum Teil hatte ich richtig gute Kollegen. Meine Mama interessierte sich immer sehr neben wem ich sass. Diesbezüglich konnte ich es ihr nie recht machen. Sie hatte an meinen Banknachbarn immer etwas auszusetzen. Ich habe das nie verstanden. Ich musste ja in die Schule und nicht sie. Meine Mutter war für mich die grössere Herausforderung als meine Mitschüler.
Schule hatten wir jeweils: Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag jeweils bis ca. 15.00 Uhr
Am Donnerstag und Sonntag hatten wir jeweils Schulfrei.
Uns wurde nie langweilig. Unser Papa und die Mama hatten für Willi und mich immer mehr als genügend (zuviel) Arbeit. Rasenmähen, Garten jäten, im Magazin wischen. Holz (Abschnitte von Bauholz, Schaltafeln usw.) mit der Karette in den Holzkeller transportieren.
Die schönste Jahreszeit war für mich damals für der Winter. Es gab keine Gartenarbeit und im Magazin mussten wir auch nicht arbeiten.
Die Hausaufgaben habe ich jeweils zwischendurch erledigt.
Am Mittwoch 15. April 1965 ging das 1. Schuljahr zu Ende. Ab Donnerstag hatten wir Osterferien.
Was war 1964?
In der Sowjetunion wird Präsident Chruschtschow überraschend abgesetzt. In den USA unterzeichnet Präsident Johnson ein Gesetz gegen die Rassentrennung. Damit erhalten schwarze Bürger dieselben Rechte wie Weiße. Im Golf von Tongking kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall. Nach US-Angaben werden zwei US-Zerstörer von nordvietnamesischen Kriegsschiffen angegriffen. Die USA kündigen als Vergeltung Bombardements an.
Der deutsche Alltag wird von der Berliner Mauer geprägt. Die DDR-Führung erleichtert den gegenseitigen Besuch von Bürgern aus Ost und West. Doch immer wieder versuchen DDR-Bürger, für immer zu fliehen.
2. Klasse

- Klasse
Vorbemerkung:
Als Schuljahr wird die Zeitspanne bezeichnet, die ein Schüler benötigt, um von einer Klasse zur nächsten zu gelangen.
In der Schweiz blieb der Schuljahresbeginn lange uneinheitlich und wurde wohl durch die kulturellen Einflüsse der Nachbarländer bestimmt. Im Jahre 1965 ging der Kanton Obwalden, Nidwalden, Uri und Luzern, zum Spätsommerbeginn über. Ausschlaggebend für die Durchführung waren der Wille zur internationalen Anpassung sowie politische und wirtschaftliche Motive. Infolge der engen Verknüpfung mit dem Kirchenjahr und damit mit dem Datum der Ostertage waren die Schuljahre von unterschiedlicher Länge.
Die Erziehungsdirektorenkonferenz, als ein Gremium mit rein beratender Funktion, machte sich die Schulkoordination zur vordringlichen Aufgabe und befasste sich zu mehreren Malen mit der durch das Vorprellen der Innerschweiz entstandenen Diskrepanz unter den deutschsprachigen Kantonen. Sie setzte eine «Kommission für interkantonale Zusammenarbeit im Schulwesen» ein. Diese haben die Vereinheitlichung des Schuljahrbeginnes, des Schuleintrittsalters und der Dauer der obligatorischen Schulpflicht zum Inhalt und stellen sich wie folgt dar: 1. Schuljahresbeginn Es soll eine gemeinsame Regelung für die ganze Schweiz angestrebt werden, und zwar mit Schuljahresbeginn nach den Sommerferien. Die Umstellung soll in den einzelnen Regionen möglichst auf den gleichen Zeitpunkt, spätestens bis 1972, erfolgen.
Nach den Osterferien kam ich in die 2. Klasse. Ich ahnte noch nicht, dass wir im verlaufe des neuen Schuljahres 4 x einen Lehrerwechsel haben würde.
1965 war es sehr schwierig genügend Lehrer und Lehrerinnen für den Unterricht zu rekrutieren.
Eine Klassengrösse von 60 Schüler wurde durch den Regierungsrat des Kantons Obwalden nicht mehr geduldet. Eine solche Klasse wollte auch Niemand unterrichten.
Unsere Klasse wurde deshalb aufgeteilt. Aus der 1. Klasse und der 2. Klasse wurden 3 Klassen gebildet. 2 reguläre Klassen und eine gemischte Klasse. Ich kam in eine gemischte Klasse. Wir 2. Klässler waren alle Jungs und die 1. Klässler waren alles Mädchen. Alle Jungs mit Namen im hinteren Alphabet kamen in die gemischte Klasse. Die Mädchen wurden willkürlich zugeteilt. So kam es, dass meine Schwester Veronika und ich im miteinander zur Schule gingen. Wir gingen gerne Miteinander in die Schule. Besonders viel mir die 1. Klässlerin Marietheres Steudler auf. Sie war eine sehr aufgeweckte Schülerin. Sie trug als Einzige eine Brille. Die hellblaue Brille unterstrich ihre intellektuelle Ausstrahlung. Ihre Mutter war Damenschneiderin, deshalb war Marietheres immer gut angezogen. Fast 20 Jahre später würden Marietheres und ich miteinander heiraten. Ich konnte damals noch nicht ahnen, dass wir das gesamte Leben gemeinsam meistern würden. Marietheres hat mich damals nicht beachtet und kann sich nur noch an meine Schwester erinnern. Ihr Fokus lag schon damals auf dem Lernen. Meine Interessen schon damals sehr breit gefächert.
Das neue Schuljahr begann mit der Schulmesse im Rudenz. 2 x bis 3 x mussten wir Grossteiler nach Rudenz in die Schulmesse. Das war nicht so unser Ding. Nach der Schulmesse marschierten wir in Zweierkolonne von der Kirche zu den Schulhäusern. Unser zugeteiltes Schulzimmer war im 1. Stock des Schulhauses 1860.
Der neue Lehrer Peter Ming begrüsste uns sehr herzlich. Er war uns/mir sofort sympathisch. Das konnte eine gute Zeit werden.
Die Schiefertafel wurde durch eine Kunststoff-Schülertafel ersetzt. Diese Tafel konnte mit Bleistift beschriftet werden. Gereinigt wurde diese mit einem feuchten Schwamm.
Das Schreibpult hatte eine leicht schräggestellte und aufklappbare Schreibplatte mit einem Loch für das Tintenfass. Schon bald wurde das Tintenfass mit dunkelblauer Tinte gefüllt. Anschliessend wurde die Schreibfeder verteilt und wir steckten die Schreibfeder in den Federhalter. Anschliessend wurde die Schreibfeder in die Tinte getaucht. Wir übten uns im Schreiben mit Tinte. Am Anfang war das ein mehr ein gekleckse.
Bevor es in die Sommerferien ging mussten wir uns von Peter Ming verabschieden. Peter Ming hatte das Lehrerseminar noch nicht ganz abgeschlossen und musste dieses noch abschliessen. Wir Zweitklässler wurden wieder der alten Klasse zugeteilt. Für uns Schüler war der Abschied von Peter Ming sehr schmerzlich.
Nach den Sommerferien mussten wir zu Schwester Anna-Pia in die Schule. Aufgrund ihrer schwarzen Ordenstracht nannten wir sie die Krähe. Charakterlich war sie nicht viel besser als die schwarze Mamba in der 1. Klasse.
Bis jetzt durchliefen wir mehrere Schreibphasen. Angefangen haben wir mit Griffel. Anschliessend folgten Bleistift und Schreibfeder. Bei der Krähe wurde im Herbst der Geha Füllfderhalter mit Tintenpatronen eingeführt. Diesen mussten die Eltern bezahlen. Teilweise waren meine Mitschüler ein wenig ungeschickt und steckten die Reservetintenpatrone verkehrt in das Schaftende. Am Anfang war Schwester Anna-Pia vor allem damit beschäftigt die Missgeschicke zu heben. Die Ungeschickten wurden durch Schwester Anna-Pia gerüffelt.
In der zweiten Klasse wurde damals grosses Gewicht auf die 1. Hl. Kommunion gelegt. In unserer Klasse waren alle katholisch. Vorab wurden wir von Pfarrer Josef Wyrsch in die 10. Gebote eingeführt und auf die Beichte vorbereitet. Damals trugen die Paffen noch die Soutane mit Stehkragen. Das gab ihnen die notwendige Autorität. Man diese Pfaffen mit Tittel anzusprechen. Bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts war die Soutane als Alltagsbekleidung eines Priesters der römisch-katholischen Kirche vor allem in Europa üblich. Entsprechend dem Anlass und der Hierarchiestufe des Geistlichen werden unterschiedliche Farb- und teilweise auch verschiedene Formgebungen in der Kirche benutzt.
Jede Gesellschaft braucht ihre Regeln, denn ohne sie läuft alles drunter und drüber. Das "katholische Grundgesetz" bilden die Zehn Gebote, die Moses einst auf dem Berg Sinai empfangen hat. Die Zehn Gebote enthalten eine Liste religiöser und ethischer Regeln, die im Judentum und im Christentum eine grundlegende Bedeutung haben. Die Kurzfassung der Zehn Gebote nach dem Katechismus der katholischen Kirche lautet: Ich bin der Herr, dein Gott.
- Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
3. Du sollst den Tag des Herrn heiligen.
4. Du sollst Vater und Mutter ehren.
5. Du sollst nicht töten.
6. Du sollst nicht ehebrechen.
7. Du sollst nicht stehlen.
8. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.
10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.
Beichtstühle stehen in vielen katholischen Kirchen. Darin können Katholiken dem Priester ihre Sünden beichten und Gott um Vergebung bitten.
Viele Beichtstühle sehen aus wie ein kleines Häuschen mit zwei oder mehreren Türen oder einem Vorhang. Dahinter verbergen sich zwei kleine Kammern. In einer von ihnen sitzt der Priester, in der anderen der oder die Gläubige, die etwas beichten möchte. Die Kammern sind immer voneinander getrennt, oft durch ein Gitter aus Holz. So können sich Priester und Büsser zwar hören, aber nicht sehen.
Für eine gültige Beichte müssen fünf Voraussetzungen gegeben sein: Gewissenserforschung, Reue, guter Vorsatz, Bekenntnis und Wiedergutmachung. Die Gewissenserforschung zielt vor der eigentlichen Beichte darauf ab, sich der Sünden und ihrer Umstände bewusst zu werden.
Diese fünf Voraussetzungen für eine gültige Beichte habe ich nach meinem Dafürhalten nie erfüllt. Aus diesem Grund habe ich mich auf das Gebot 4 beschränkt. Für mich habe ich das wie folgt ausgelegt: «du sollst Vater und Mutter ehren und wenn sie dich schlagen sollst du dich auch wehren.»
Vor der 1. Hl. Kommunion mussten die gesamte Klasse in die Kirche und jeder musste einzeln in der kleinen Kammer knien und seine «Sünden» beichten.
Durch den Pfarrer wurden die «Sünden» vergeben und zur Busse musste ich anschliessend im Kirchenbank knien und einige Gebete sprechen. Damals war es die Regel, dass man alle vier Wochen beichten sollte. Ich hatte ja nichts zu beichten. Ich stellte somit meine eigenen Regeln auf. Das letzte mal gebeichtet habe ich vielleicht in der vierten Klasse. Seit dieser Zeit habe ich nie mehr einen Beichtstuhl von innen gesehen.
Am Nachmittag vor den Weihnachtsferien hat uns die Krähe überrascht. Sie wollte uns Schüler eine Freude bereiten. Die Schule besass ein Episkop (Ein Episkop ist ein optisches Gerät zur Projektion von meist undurchsichtigen Medien bzw. Projektionsvorlagen. Dabei wird die Vorlage beleuchtet und das diffus reflektierte Licht über einen Spiegel durch ein Objektiv auf eine Projektionswand geworfen). Zuerst zeigte uns die Krähe einige Pflanzen. Dann zeigte sie uns die letzten Diktate. Zuerst von den Schülern die keine Schreibfehler gemacht haben. Es wurde gerätselt wer so gut war. Anschliessend wurden die Hefter von 3 Schülern gezeigt, bei welchen mehr rot als blau war (mit roter Tinte wurde korrigiert). Diese Schüler wurden von der Krähe richtig vorgeführt und gedemütigt. Ich war entsetzt. Auch nach über 55 Jahren erinnere ich mich ganz genau an die Namen meiner Mitschüler, welche von der Nonne vorgeführt wurden. Ich wusste nun wie Ordensleute funktionieren. Nächstenliebe ist für diese eine Worthülse.
Nach den Weihnachtsferien wurde der der Unterricht in der alten Zusammensetzung fortgesetzt. Wir haben der Krähe keine Träne nachgeweint. Wir waren sehr gespannt wer da wieder auf uns als Lehrkraft losgelassen wird. Es war ein Maturant aus Basel. Er hiess Stäuble, trug eine Hornbrille mit dicken Gläsern. Sein unverwechselbarer Basler Dialekt machte uns nicht wahnsinnig aber sein fehlendes pädagogisches Geschick trieb uns fast in den Wahnsinn.
An einem Samstagnachmittag kurz nach 13.00 Uhr demonstrierte er uns seine Autorität. Unsere Schulkollege Laurenz Moser hatte es fertig gebracht ihn zu provozieren. Für den Pädagogen war nun das Mass zu voll. Die Zeit ist nun gekommen ein Exempel zu statuieren und sich den notwendigen Respekt zu verschaffen. In Zukunft würde kein Schüler mehr aufmucksen oder den Herrn Lehrer kritisieren. Die ganze Klasse musste sich im Gang vor dem Schulzimmer aufstellen und zuschauen wie er nun gleich ein Exempel statuieren wird. Er packte Laurenz hinten am Hemdkragen und am Hosenbund, schaukelte ihn hin und her und schmiss ihn die Treppe hinunter. Nach dem Aufprall herrschte totenstille. Wir Schüler waren alle waren fassungslos, erschrocken, so dass wir zunächst nicht realisierten was geschehen war. Ich kann mich noch an die riesengrosse blaue Beule auf der Stirn von Laurenz erinnern und einige weiteren Schrammen. Ich habe noch nie eine so riesige Beule gesehen. Es war mehr als eine Beule, Laurenz hatte ein richtiges Horn. Langsam hat Stäuble begriffen, was er angestellt hat. Wir wurden ins Schulzimmer befohlen und mussten unsere Sachen packen und wurden vorzeitig in den Sonntag entlassen. Stäuble schloss das Schulzimmer ab, flüchtete mit seinem schwarzen Militärvelo zum Bahnhof und nahm den nächsten Zug nach Basel. Laurenz schleppte sich nach Hause. Laurenz Vater war ein autoritärer Mann und arbeitete bei den SBB als Zugführer. Dieser duldete die Erziehungsmethoden von Stäuble nicht. Zuhause wurde Laurenz notfallmässig versorgt. Für Albert Moser der Vater von Laurenz hatte nun oberste Priorität Stäuble zur Rede zu stellen. Albert Moser packte Laurenz auf den Gepäckträger seines Velos und gemeinsam ging es zum Schulzimmer von Stäuble. Stäuble war schon über alle Berge. Wie die Sache weiter gegangen ist entzieht sich meinen Kenntnissen.
Für alle Mitschüler war dieser Vorfall das Gespräch am Sonntag. Gestärkt gingen wir Schüler am Montag wieder in die Schüler. Wir Schüler haben die uns erteilte Lektion schneller gelernt als Stäuble träumen konnte. Nur gemeinsam, mit gleichen Rechten für alle, unabhängig von unserer Herkunft, sind wir stark. Wir liessen uns nicht spalten. Gewalt an einem Mitschüler konnten wir nicht akzeptieren. Die Zeit war reif für einen Aufstand der Anständigen. Das Exempel brachte für Stäuble nicht den erhofften Erfolg. Stäuble hatte seinen Zenit überschritten, er musste sich einen neuen Job suchen.
Nach den Osterferien wird Peter Ming seine Ausbildung abgeschlossen haben und er wird uns wieder unterrichten.
Der Weisse Sonntag ist der Sonntag nach Ostern und somit der zweite Sonntag der Osterzeit. In der katholischen Kirche ist der Weisse Sonntag traditionell der Tag für die gemeinsame feierliche Erstkommunion der Kinder. Für uns 2. Klässler war das damals das Jahreshighlight.
Die Vorbereitungen und die vielen Proben in der Kirche finde ich nicht besonders erwähnenswert.
Der Weisse Sonntag war an meinem Namenstag am 25. April 1965.
Persönlich habe ich diesen Tag als nervig empfunden. Weshalb hat mich dieser Tag genervt.
Das Trauerspiel hatte schon für über einem Jahr seinen Anfang genommen. Mein 14 ½ Monate älterer Bruder Willi wurde für den Weissen Sonntag neu eingekleidet. Die Jungs trugen damals am Weissen Sonntag eine Kleidung (Hose und Kittel aus denselben Stoff). Unsere Mama und Willi sind mit dem Auto ins Modegeschäft Felder gefahren um eine Kleidung zu kaufen. Soweit so gut. Aus Erfahrung wusste ich das ich das gute Stück einmal erben würde. Bei uns wurden die Kleider immer vom Älteren zum Jüngeren weitergegeben. Für mich war und ist das nachvollziehbar. Ich habe sie beauftragt beim Kauf auch an mich zu denken und eine hautfreundliche Hose zu kaufen. Als ich das gute Stück zu Gesicht kam, wusste ich dieses Stück ist alles andere als hautfreundlich. Schon aus grosser Distanz sah ich, dass dieser Stoff die Haut reizt. Dieser Stoff kratzt und irritiert die Haut.
Einige Wochen vor dem Weissen Sonntag fuhr meine Mama mit mir zum Modegeschäft Felder. Nun musste ich eine Kleidung probieren. Mich erstaunte es nicht, dass Frau Felder noch dieselbe Kleidung in verschiedenen Grössen wie Willi eine ausgewählt hatte in ihrem Angebot hatte. Mich interessierte lediglich ob die Hose kratzen würde. Das optische war mir egal. Ich probierte die Hose und diese kratzte fürchterlich. Frau Felder versicherte mir, dass die Hose nur 1 x gewaschen werden müsste und die Hose würde nicht mehr kratzen. Ich glaubte ihr kein Wort. Mein Bruder war in der Zwischenzeit etwas gewachsen meine Mama hat für Wille eine neue Kleidung in einer grösseren Nummer gekauft. Ich wollte dieses kratzige Ding nicht. Zuhause wurde Willis Kleidung in meinen Schrank gehängt. Ich würde am Weissen Sonntag diese kratzige Hosen anziehen müssen. Sträflinge hatten bequemere Kleidung. Ich schwor mir nie in meinem Leben würde ich eine Kleidung aus Wolle oder anderem kratzigen Stoff kaufen.
Wie ich schon geahnt hatte, hatte das Waschen der Hose nichts gebracht. Im Winter trugen wir damals lange Unterhosen. In der Not blieb mir nichts anderes übrig, als lange Unterhosen anzuziehen. Für die langen Unterhosen war es schon zu warm. Ich konnte auswählen zwischen Cholera und Pest. Am Weissen Sonntag mussten wir uns 08.45 Uhr bei der Kaplanei Grossteil für den Einmarsch in die Kirche besammeln. Meine Mutter ist dann auch noch aufmarschiert um zum Rechten zu schauen, die Krawatte ordentlich sass und das Einstecktuch/Pochette nicht verrutscht war. Meine Mutter sah aus wie eine Filmdiva. Sie trug weisse Handschuhe und einen Hut. Als meine Schulkollegen und Kolleginnen meine Mutter erblickten sind sie fast vor Ehrfurcht erstarrt. Einige fassten sich wieder und fragten wer das wäre? Sie wandten sich an mich und fragten mich ob ich diese Erscheinung kennen würde? Ich verneinte und äusserte mich dahingehend, dass ich keine Ahnung hätte und diese Frau noch nie gesehen hätte. Jemand aus meiner Nachbarschaft erkannte meine Mutter. In diesem Moment war mir das so peinlich, dass ich am liebsten in einem Erdloch verschwunden wäre. Im damals sehr ländlich geprägten Giswil einen solchen Auftritt zu wagen, war mehr als peinlich. Nach ihrem kurzen Auftritt ist sie dann wieder gegangen. Dieser Auftritt war kaum zu toppen.
Der weitere Verlauf der Feier verlief in gewohnter Manier und ist nicht besonders erwähnenswert.
Am Nachmittag mussten wir in die Kirche Rudenz zur Taufgelübdeerneuerung mit anschliessendem Klassenfoto.
Für das Klassenfoto wurde eine mobile und mehrstufige Holztribüne aufgestellt. Ich stellte mich zuoberst in der Mitte auf. Zuoberst gab es ein horizontales Geländer, so dass Niemand hinunterfallen konnte. Bis alle richtig platziert waren verging einige Zeit. Ich setzte mich demonstrativ auf das Geländer. Dies fiel meiner Mutter sofort auf und meine Mutter befahl meinem Bruder hinter die Tribüne zu gehen und mir zu befehlen, ich solle sofort aufstehen, wenn ich dies nicht machen würde hätte das entsprechende Konsequenzen. Mein Bruder fehlte mir noch in der Wurmbüchse. Ich stellte meine Ohren auf Durchzug und negierte ihn ganz einfach. Dem Fotographen ist das nicht aufgefallen. Aus diesem Grund bin auf diesem Foto weit aus der Kleinste der Klasse. Meine Mutter hat sich grün und blau geärgert und ich empfand dabei eine tiefe innere Befriedigung.
Nach den Osterferien ging es wieder in die Schule. Peter Ming erkannte seine Klasse nicht wieder.
Er fragte sich: «was haben die aus meinen Schüler nur gemacht.» In der kurzen Zeit bis zu den Sommerferien konnte er uns nur teilweise für die Schule begeistern. Es war nur noch Flickwerk.
Er hoffte, dass die Meisten die Kurve noch kriegen würden und er war sich auch bewusst, dass es für Einige nach der 3. Klasse einen angepassten Unterricht geben muss.
Peter Ming war sich bewusst, der Lernerfolg steht und fällt mit der Lehrperson. Dabei ist zentral, dass es ihr gelingt, zu den Schüler/innen eine gute Beziehung aufzubauen.
Ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis kommt allen Beteiligten zugute, sorgt es doch für ein lernfreundliches Unterrichtsklima. Und es hat einen weiteren Effekt, wie sich ein gutes Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern auf das Wohlbefinden und auf die Motivation der Lehrkräfte selbst auswirkt. Ein Ergebnis: Wenn die Kinder unmotiviert und undiszipliniert sind, steigert dies die emotionale Erschöpfung der Lehrkraft. Oder umgekehrt ausgedrückt: Eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung fördert auch die Gesundheit des Lehrers.
Es ist tragische, dass wir bereits in der zweiten Klasse die Erfahrung machen mussten, dass die Schule vermutlich der Vorort zur Hölle ist.
Soviel zur zweiten Klasse.
Was war 1965?
Vorbemerkung: Einen Fernseher gab es in unserer Familie noch nicht.
Das Schweizer Fernsehen strahlte seine ersten Werbesendungen aus. Das verlockte wohl eher noch mehr ausländische Zuwanderer in das idyllische Bergland zu kommen. Gerade das hatte die Schweiz aber durch einen Bundesratsbeschluss abgeblockt. Die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte sollte verringert werden, nicht ansteigen. Erfreulich für die Deutschen war hingegen, dass in der Passierscheinfrage für die Oster- und Pfingstbesuche eine Einigung erzielt werden konnte. Die Menschen in beiden deutschen Staaten hatten sich noch längst nicht an die Mauer gewöhnt und akzeptierten sie auch noch nicht gänzlich. Da war der Verwandtenbesuch umso willkommener. Großbritannien hatte schon längere Zeit Werbung im Fernsehen. Nun wurde dort aber die Tabakwerbung verboten. Ob sich dadurch der Zigarettenkonsum minimieren ließ, war zunächst nur eine Hoffnung.
3. Klasse

Gibt es sonstige Texte von dir? Kurzgeschichten, Gedichte, Reiseberichte, Briefe oder ähnliches?

Marcus Wälti-Steudler
Mein Leben ein Hochseilakt
Meine Lebensgeschichte widme ich:
meinen Töchtern Alexandra und Barbara
und
meinen Grosskindern Viola und Delia
Inhaltsverzeichnis
|
1. |
Vorwort |
|
2. |
Geburt |
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3. |
Erste Erinnerungen und Kindheit |
|
4. |
Meine Eltern |
|
4.1 |
Meine Mutter |
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4.2 |
Lupus |
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4.3 |
Mein Vater |
|
4.4 |
Resilienzforschung bei Kindern |
|
5. |
Primarschulzeit |
|
6. |
Sekundarschule |
|
|
|
- Vorwort
Mein Leben ein Hochseilakt
Mein Leben erinnert mich an einen Artisten, dieser hat nur 3 Möglichkeiten: Auf dem Seil zu bleiben, links oder rechts runterzufallen.
Auch der beste Artist kann für einen kurzen Moment das Gleichgewicht verlieren. In solchen Situationen muss er sich einfach bemühen sich mit einer Hand am Seil festzukrallen. Der geübte Artist bringt es fertig die Balance wieder zu finden und auf das Seil zu kommen. Auch wenn das Seil manchmal erheblich geschwankt hat, hatte ich das grosse Glück, dass aus mir ein geübter Artist wurde und ich es immer wieder auf das Seil geschafft habe ohne, dass ich links oder rechts runtergefallen bin.
Liebe Alexandra, Liebe Barbara
Liebe Viola, Liebe Delia
Liebe Leser
Was fällt dir als erstes ein, wenn du an dein Leben denkst? Denkst du zuerst an deine Kindheit oder an die erste Liebe? Denkst an die ersten milden Frühlingstage oder an das Rauschen des Meers im Sommer? Auch wenn du dich wunderst mir kommt als erstes meine Frau Marietheres in den Sinn. Sie ist die einzige und grosse Liebe in meinem Leben.
2. Geburt
Ich Markus Johann Wälti wurde am 20. Juni 1957 um 09.00 Uhr im Spital Sarnen mit den 4 H geboren.
4 H?
- Herz
- Hände zum zupacken
- Hirn zum denken
- und Humor, damit mir das Leben leichter fällt.
Der 20. Juni 1957 war ein Donnerstag und Fronleichnam. Das Fronleichnamsfest oder Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi (lateinisch Sollemnitas Sanctissimi Corporis et Sanguinis Christi) ist ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirche.
Mein Vater (Wilhelm Christian Wälti geb. 19.09.1926) war Gemeinderat und als solcher musste mein Vater an der Fronleichnamsprozession den Baldachin tragen. Ein Baldachin, auch Himmel genannt, ist ein Sonnen- oder Zierdach für Würdenträger bei Begehungen, Prozessionen etc. Bei meiner Geburt war mein Vater somit entschuldigt. Einmal mehr war er abwesend. Er glänzte generell mit Abwesenheit. Familie war nicht sein Ding.
Damals war es Brauch, dass die Bruderschaft der Hergottskanoniere mit ihren Kanonen während der Prozession und Messe Salut geschossen haben.
Als die Wehen meiner Mutter (Maria Kiener geb. 25.01.1930) um ca. 7.30 Uhr stärker wurden hat sie ihren Arzt Dr. Fritz Wicki angerufen, welcher sie mit seinem VW Käfer ins Spital gefahren hat.
In Sachseln war die Fronleichnamsprozession in vollem Gange. Die Prozession musste dem Auto von Dr. Wicki ausweichen. Eine besonders fromme alte Frau war dermassen empört, ab dieser Dreistigkeit, dass diese mit dem Regenschirm gegen das Auto hämmerte. Damals war Obwalden eine besonders streng katholisch verseuchte Landschaft.
Autos gab es vielleicht 1'500. Die wenigsten Familien konnten sich ein Auto leisten. Meine Eltern hatten ein Auto und meine Mutter konnte Auto fahren. In Giswil gab es damals etwa 3 Frauen, welche einen Fahrausweis hatten. Sie war eine sehr emanzipierte und selbstbewusste Frau. Hätte mein Vater das Auto nicht für sich gebraucht, wäre es durchaus denkbar gewesen, dass meine Mutter selber mit dem Auto ins Spital gefahren wäre.
Pünktlich um 9.00 Uhr zu den Salutschüssen der Hergottskanoniere erblickte ich als gesunder junger Erdenbürger mit einem Gewicht von etwas über 3 Kg und über 50 cm das Licht der Welt. Mein älterer Bruder Willi war lediglich 1 ½ Kg.
Ich wurde aus dem Gefängnis meiner Mutter befreit. Meine Mutter war eine sehr attraktive und selbstbewusste Frau. Viele Männer geiferten ihr hinter her.
Nur durfte ihre Figur, wegen einer Schwangerschaft nicht leiden, deshalb schnürte sie sich ein. Ob es dem kommenden Erdenbürger im Mutterleib bequem war, ist nicht von Interesse. Hauptsache ihre Figur nimmt keinen grossen Schaden. Muttermilch? Was ist das? Nein die gab es nicht. Die Brüste hätten vom Saugen deformiert werden können.
Das war mein Start ins Leben. Dank meiner sehr guten Konstitution und sehr grossen Lebensfreude, welche ich in dieser Familie noch dringend benötigen werde, hatte ich es sehr gut mir. Ich war mir immer der beste Freund und ein wahrer Kamerad. Nur so konnte man in dieser Familie überleben. Eine andere Seele hätte möglichweise ein bisschen Erdenluft geschnuppert und wäre nach «Hause» gegangen. Ein Arzt hätte die Diagnose vom plötzlichen Kindstod gestellt.
3. Erste Erinnerungen und Kindheit
Wie sind die Eltern auf deine(n) Vornamen gekommen? Haben deine Eltern gut gewählt?
Meine Eltern haben mich auf den Namen Markus Johann registrieren lassen. 1957 war das ein moderner Name und in Obwalden sehr selten. Den Namen Johann habe ich von meinem Grossvater mütterlicherseits erhalten.
Der Vorname Markus bedeutet übersetzt „der dem Kriegsgott Mars Geweihte“.
In der 1. Sekundarschule habe ich das K im Namen Markus durch das C ersetzt. Die Leute konnten sich meinen Namen immer gut merken. In der Zentralschweiz gab es keinen Marcus mit C geschrieben. Das C war ein Alleinstellungsmerkmal. Diese Schreibweise mit dem C zeichnet mich aus. Marcus mit C hat sich als Marke entwickelt. Mein damaliger Lehrer Paul Fallegger war über diese Schreibweise fuchsteufelswild geworden und hat sich grün und blau geärgert. So waren die damaligen Pädagogen.
In was für eine Zeit wurdest du geboren?
1957 war die Welt voller Angst und Schrecken. Diese Angst und Schrecken prägte eine ganze Generation.
In Reaktion auf die Suezkrise im Jahr zuvor verkündet US-Paräsident Dwight D. Eisenhower in einer Rede vor dem Kongress am 5. Januar die Eisenhower-Doktrin, wonach die USA alle Länder im Nahen Osten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen werden, falls diese einer Aggression des internationalen Kommunismus anheimfallen sollten.
Die Konfrontation der Supermächte gewinnt in diesem Jahr erneut an Brisanz, als die Sowjetunion am 26. August den Start ihrer ersten Interkontinalrakete bekannt gibt und Wochen später, am 5. Oktober, den ersten künstlichen Erdsatelliten, genannt Sputnik, in die Erdumlaufbahn bringt. Damit ist klar, dass die sowjetischen Truppen künftig an jeden beliebigen Punkt der Erde Atomsprengköpfe transportieren können. Diese Tatsache und das Gefühl der Unterlegenheit löst vor allem in den USA und der übrigen westlichen Welt den Sputnikschock aus.
Was hat man dir von deiner Taufe erzählt?
Am Donnerstag kam auf die Welt und bereits am Sonntag fand in der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Sarnen die Tauffeier statt. Mein Papa war ein sehr rationaler Mensch. Zur Taufe holte er mich im Spital ab und nach der Taufe brachte er mich meiner Mama zurück. Es waren nur wenige 100 Meter vom Spital zur Kirche. Meine Mutter war bei der Taufe nicht dabei. Getauft wurde ich von seinem Lieblingslehrer Pater Notker vom Kollegi Sarnen. Zur Taufe gehörten auch die Paten. Gotte wurde meine Grossmutter vaterseits. Götti wurde der einzige Bruder meiner Mutter (Hans Kiener). Nach der Taufe gingen die Beteiligten, das heisst ohne mich, ich hätte ja nichts davon gehabt ins Wilerbad zum Mittagessen.
Wenn ich aus dem Fenster unseres Hauses im Spis 52 blicke sehe ich immer mein Geburtshaus (Spital) und die Kirche (Sankt Peter und Paul). Es erinnert mich oft an den Beginn eines spannenden und ereignisreiches Lebens. Wenn wir Besuch haben, zeige ich unseren Gästen immer gerne mein Geburtshaus und selbstverständlich die wunderschöne Kirche, welche nicht zu übersehen und zu überhören ist. Ich erachte es als Privileg an diesem wunderschönen Ort zu wohnen und zu leben. Ich fühle mich hier daheim. Obwohl wir Wälti keine Bürger von Obwalden sind, so bin ich doch ein "gebürtiger" Sarner. Für die Meisten Obwaldner sind wir Giswiler. Unser Bürgerort ist aber immer noch Mels/SG. Aufgrund eines Bundesgerichtsurteils sind wir aber auch Korporationsbürger von Giswil. Unser Grossmutter vaterseits ist eine geborene Halter. Sie war Bürgerin von Giswil.
4. Meine Eltern
Meine Seele hatte sicher ihre Gründe warum sie diese Eltern ausgewählt hat.
Von meinen Eltern konnte ich vieles lernen. Eltern wollen immer das Beste für Ihre Kinder.
Ob das auch für die Kinder das Beste ist, ist eine andere Frage.
4.1 Meine Mutter
Unsere Mama wurde am 25. Januar 1930 in Grosswangen, Untergalmet geboren und auf den Namen Maria (Kiener) getauft. Unsere Mama ist am 31. Mai 2011 im Alter von 81 Jahren in Giswil (Grossteil) in ihrem Wohnhaus in Giswil im Rüteli verstorben.
Ich hatte zu unserer Mama ein widersprüchliches Verhältnis. Aber das hatte sie sich selber zuzuschreiben.
Sie war eine hervorragende Köchin und terrorisierte mich mit ihren über 1'000 Rosenstöcke und dem riesengrossen Garten.
Unsere Mama absolvierte die Primarschule und die Sekundarschule in Grosswangen.
Mit 16 verabschiedete sie sich von Grosswangen und absolvierte eine Lehre als Detailhandelsangestellte bei der Bäckerei Küng in Reussbühl (Ortsteil der Stadt Luzern). Während der Lehrzeit verstarb der Inhaber der Bäckerei Josef Küng. Seine Frau Olga Küng führte den Betrieb weiter bis der Sohn Joseph Küng seine Ausbildung abgeschlossen hatte. Zu Frau Küng und seinen Kindern entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Insbesondere zu der jüngsten Tochter Christine. Auch meine Schwester und ich hatten zur jüngsten Tochter Christine und ihrem späteren Ehemann Kontakt bis diese verstorben sind.
Nach Abschluss der Lehrzeit ging unsere Mama nach London. Sie managte dort den Haushalt eines Obersten. Dieser Oberst wurde nach 1 1/2 Jahren als Militärattache nach Genf versetzt. Unsere Mama reiste mit dem Obersten nach Genf und übernahm dort wieder das Zepter im Haushalt. Irgendwann kann man perfekt englisch und französisch, so dass es Zeit wird sich neuen Herausforderungen zu stellen. Für unsere Mama wurde es Zeit nach neuen Ufern aufzubrechen. In der Tribune de Genève suchte das Hotel/Restaurant Kaiserstuhl (Kaiserstuhl ist am Lungernsee in Obwalden) eine sprachgewandte Serviceangestellte. Das Hotel/Restaurant Kaiserstuhl war bei Engländern und Franzosen sehr beliebt. Dieses Hotel/Restaurant hatte eine ausgezeichnete Küche. Der Hotelbesitzer war wenig sprachgewandt. Der Hotelbesitzer war sehr begeistert von unserer Mama. Ihr Sprachtalent und ihre Schönheit muss ihn tief beeindruckt haben. Man wurde sich einig und unsere Mama verabschiedete sich vom Militärattache, was diesen schmerzte.
Unser Grossvater (Vaterseits) war regelmässig Gast im Hotel / Restaurant Kaiserstuhl und ihm ist diese attraktive und fleissige Frau sofort aufgefallen. Unser Grossvater war ein Unternehmer und machte sich sofort die notwendigen Gedanken. Sein Sohn Willi war dipl. Baumeister und diese Frau wäre nach seinem Dafürhalten die richtige Schwiegertochter. Er animierte seinen Sohn bei der jungen attraktive Frau um ihre Gunst zu werben. Es versteht sich von selbst, dass auch andere junge Männer um unsere Mama geworben haben. Unter anderem auch Dr. Hansheini Gasser der spätere Baudirektor von Obwalden. An der Generalversammlung der Sarner Kraftwerkes im Jahr 2019 sassen Hansheini und ich beim Nachtessen an demselben Tisch. Nach über 65 Jahren hat er immer noch von unserer Mama geschwärmt. Ich hatte oft Begegnungen mit Herren im alter von unserem Papa, welche von der Schönheit unserer Mama angetan waren. Zum Teil wurde diese Schönheit an uns Kinder vererbt. Ich gehörte auch zu den Glücklichen, welche in jungen Jahren attraktiv waren. Ich war mir diesem Vorteil nie bewusst. Nur die wenigsten Mädchen getrauten sich mich anzusprechen. Zum grossen Glück sind die jungen Frauen zur heutigen Zeit emanzipierter und nehmen das Heft selber in die Hand. Diese Erkenntnis ist für mich von keinem Nutzen mehr. Nicht auszudenken, wenn ich mir diesem Vorteil bewusst gewesen wäre, was das für mich eine wilde Zeit gewesen wäre. Vielleicht auch zum grossen Glück sonst wäre ich nicht mit meiner Frau seit dem 14. Dezember 1984 verheiratet und seit dem 13. Dezember 1975 befreundet.
Am 4. Oktober 1954 heirateten unsere Mama unseren Papa in der Kirche Grossteil.
Ab jetzt war unsere Mama die Frau Wälti-Kiener. Geschäftsfrau und Familienfrau. Unsere Mama blieb ihr ganzes Leben eine vornehme Frau. Nur wenige Leute waren mit unserer Mama per Du. Unser Papa war diesbezüglich eher unkompliziert. Obwohl unser Papa bezüglich Du unkomplizierter war, war man gut beraten seinen Anordnungen Folge zu leisten und ihm nicht zu widersprechen. Er hatte grosse Mühe andere Meinungen zu akzeptieren.
In den Sommerferien 1966 begleitete unsere Mama eine Bekannte mit Ihrem Mann (Annalies und René Auchli-Küng) nach Tunesien auf Inspektionsreise einer Hotelanlage. Dieser war bei Kouni Inspektor von Ferienanlagen und einer der späteren Direktoren. (Das Unternehmen Kuoni Group wurde 1906 von Alfred Kuoni in Zürich gegründet. Heute ist es ein internationaler Reisekonzern mit Sitz in Zürich. Mitarbeiter: 11'621 (Jahresdurchschnitt 2013))
Im Herbst machte sich bei unserer Mama eine heimtückische Krankheit bemerkbar. Ihr Hausarzt Dr. Fritz Wicki vermutete eine Virusinfektion. In dieser Zeit verreisten nur ganz wenige und gut betuchte nach Nordafrika.
Bis eine klare Diagnose vorliegen würde sollte es noch Jahre dauern. Diese heimtückische Krankheit unserer Mutter hat unser aller Leben auf den Kopf gestellt und bis zu ihrem Tod begleitet. Es war ein dauerndes auf und ab.
Ich kann mich nicht erinnern wie viele Weihnachten wir ohne unsere Mama verbracht haben und wie wir Kinder uns selber organisieren mussten. Unsere Haushalthilfe hatte jeweils über die Feiertage frei und unser Papa war sein Leben lang mit seinem Büro verheiratet. Wir fünf Kinder waren für ihn oft zu viel.
Im Verlaufe der Jahre (gefühlte 10 Jahre), als Dr. Fritz Wicki schon sehr viel Zeit mit experimentieren Zeit verbraten hat bekam die Krankheit den Namen Lupus.
Der Lupus ist das Chamäleon unter den entzündlich-rheumatischen Krankheiten. Als eine systemische Erkrankung kann er ganz verschiedene Organe und Organgruppen befallen und in unberechenbaren Entzündungsschüben individuell sehr unterschiedlich verlaufen.
Die Zahl der Betroffenen in der Schweiz wird auf 2'400 geschätzt. Damit ist der systemische Lupus erythematodes eine recht seltene Krankheit. Zu 90% sind Frauen betroffen. Der erste Lupus-Schub kann in jedem Alter auftreten.
Unsere Mama war wie eine Katze, sie hatte mehrere Leben. Warum hat die Katze 9 Leben? Zunächst, weil die Katze früher als Symbol heidnischer Gottheiten stand. Übrigens sagen die Engländer, Katzen hätten neun Leben. Im Endeffekt meint man wahrscheinlich nur, dass sie häufig gefährliche Situationen gerade noch überstehen.
Im Verlaufe meines Lebens im Jahr 2016 werde ich mich auch mit einem experimentellen Rheumatologen (Bruno Müller) meine Erfahrungen machen.
Wenn man etwas auf dem Herzen hatte war meine Mama die falsche Adresse. Vertrauliche Sachen behielt man besser für sich. Wenn man ein Mädchen besonders nett fand und ihr dieses kleine Geheimnis anvertraute, konnte sie sich im dümmsten Moment vor versammelter Gesellschaft darüber lustig machen. Ich musste immer alles mit mir selber klären. Mein älterer Bruder Willi war in die gleiche Kategorie einzuordnen.
4.2 Lupus
Ursachen
Warum entsteht ein Lupus? Diese Frage vermag die Medizin gegenwärtig nicht zu beantworten. Gemäss der Autoimmun-Theorie entsteht ein Lupus daraus, dass sich der Körper selber angreife. Dazu gibt es verschiedene Hypothesen, aber kein sicheres Wissen.
Zu den möglichen Auslösern eines systemischen Lupus erythematodes zählen Stress, Viren, hormonell aktive Phasen, ultraviolettes Licht und gewisse Medikamente.
Symptome
Je nachdem, welche Organe und Organgruppen betroffen sind, zeigt sich der systemische Lupus erythematodes als eine leichte, eine schwere oder eine lebensbedrohliche Krankheit. Die folgende Aufzählung erhebt keinen Anspruch darauf, vollständig zu sein.
Allgemeinsymptome
Viele Betroffene fühlen sich krank, müde und abgeschlagen. Die Müdigkeit (Fatigue) ist praktisch bei allen vorhanden. Weitere häufige Allgemeinsymptome sind leichtes Fieber und eine unerklärliche Gewichtsabnahme.
Gelenke (Arthritis)
Gelenkschmerzen und Gelenksentzündungen (Arthritis) sind sehr häufig beim Lupus. Sie betreffen vor allem Finger, Hände, Schultern und Knie. Aber im Unterschied zur rheumatoiden Arthritis (RA) zerstört der Lupus selten die Gelenke.
Muskeln, Sehnen, Knochen
Oft gleichzeitig mit den Gelenken schmerzen und entzünden sich auch Muskeln und Sehnen. Selten kommt es zu einer aseptischen Knochennekrose (Minderdurchblutung eines Knochenareals) mit Schmerzfolgen.
Haut
Der Lupus befällt besonders die sonnenexponierte Hautbereiche im Gesicht, am Dekolleté und den Händen. Bei jeder dritten betroffenen Person bildet sich über der Nase und den Wangen ein schmetterlingsförmiger Ausschlag. Hinzukommen können fleckenförmige Hautveränderungen am ganzen Körper. Ein Schub kann auch Haarausfall verstärken. Weitere mögliche Probleme sind Schleimhautgeschwüre in der Nase, im Mund oder in der Vagina.
Raynaud-Syndrom
Beim Raynaud-Syndrom ziehen sich die Blutgefässe der Finger (oder Zehen) bei Kälte so sehr zusammen, dass sie den Blutstrom minutenlang unterbrechen. Der Anfall ist mit einem Kribbelgefühl verbunden und kann heftig schmerzen.
Herz, Kreislauf und Lungen
Schmerzen bei tiefen Atemzügen können auf einen Befall des Brustfells oder des Herzbeutels hinweisen. Selten führt der systemische Lupus erythematodes zu Entzündungen des Herzmuskels oder der Herzklappen. Atemnot oder blutiger Auswurf sind Anzeichen entzündeten Lungengewebes.
Blut und Lymphe
Ein Lupus-Schub schlägt sich in einer Verminderung der Blutzellen nieder. Betroffen sein können die roten Blutkörperchen, die Blutplättchen oder die weissen Blutkörperchen. Ferner können die Lymphknoten anschwellen.
Nieren
Ein Nierenbefall macht sich kaum durch Beschwerden bemerkbar, vor allem anfangs ist er ganz symptomfrei. Umso wichtiger sind regelmässige Untersuchungen der Niere. Liegt aufgrund der Laborresultate des Blutes und des Urins ein Nierenbefall vor, ist eine Entnahme und Untersuchung von Nierengewebe angezeigt.
Wie oben beschrieben hatte unsere Mama das gesamte Programm. Sie hatte auch nur noch eine Niere.
4.3 Mein Vater
Unser Vater wurde am 19. September 1926 in Giswil (Grossteil) im Allmendli geboren und auf den Namen Willhelm Johann (Wälti) getauft. Sein Onkel Hanny (Johann) äusserte sich dahingehend zu seiner Schwester willst du diesen überhaupt aufziehen, der überlebt die ersten Monate eh nicht. Unser Papa wog bei der Geburt lediglich 1.5 Kg. Dank der Fürsorge seiner Mutter entwickelte sich unser Papa jedoch prächtig.
Unser Papa ist am 24. Januar 2018 im Alter von 91 Jahren im Altersheim in Lungern verstorben.
Wenn ich an meinen Vater denke, so hatte ich angst vor ihm. In späteren Jahren war es Respekt. Am liebsten war es mir, wenn er nicht zuhause war. Er war wenig ausgeglichen, jähzornig und gewalttätig. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen konnte er mich schon als 3 Jährigen in den Keller schleppen. Meinen Kopf zwischen seine Beine klemmen, die Hose herunterlassen, und mit dem Lederriemen (Militärgurt aus Leder)) meinen nackten Hintern versohlen. Da kannte er sich nicht mehr. Ich erinnere mich, dass er einmal so zugeschlagen hatte, dass es feuerte und ich blutige Striemen hatte und Sternen sah. Ich hatte dermassen einen Schockzustand, dass ich ihn nur noch auslachte und sagte: "Ich hätte nichts gespürt, er könne ruhig weiter machen:" Dann hat er nochmals ausgeholt und zugeschlagen. Ich kann mich immer noch an den Kellerraum und die Schmerzen erinnern. Ich konnte gefühlte 10 Tage nicht mehr sitzen und auf dem Rücken schlafen. Meine Mama hat das auch noch unterstützt. Eine Mutter, wenn sie eine Mutter gewesen wäre hätte sich schützend vor ihr Kind gestellt. Unsere Mutter drohte immer mit dem Vater. Wenn ich nicht spurte drohte sie mit Papa, der würde dann mir mit dem Lederriemen meine Flausen schon wieder austreiben. Wie krank war so eine Erziehung? Möglicherweise hatte schon sein Vater denselben Umgang mit ihm. Das gibt ihm aber nicht das Recht zuzuschlagen. Nach über 60 Jahren sind diese Übergriffe immer noch präsent. Die Gefühle und Gedanken kann ich immer noch abrufen, als ob die Schläge erst einige Wochen zurück liegen würden. Das sind die Gedanken eines 3 - 4 Jährigen. Meine Seele wurde sehr früh verletzt und geschunden. Aus welchen Gründen haben solche Eltern Kinder? Lag es an der Verhütung? War es Tradition? Erhöhten viele Kinder den Status in der Gesellschaft? Vor allem männliche Nachkommen. Unsere Mama genierte sich als das Dritte Kind (Veronika) ein Mädchen war. Heute weiss man, dass der Mann das Geschlecht bestimmt.
Aufgrund dieser Ausgangslage ist es nicht leicht den Sinn des Lebens zu erkennen. Ich hatte einen besonderen Schutzengel und machte das Beste aus meinem Leben. Ich bin mir bewusst mit der notwendigen Resilienz hätte ich das Zeug für mehr gehabt. Von Natur aus bin ich sehr effizient, routiniert und zielstrebig und vor allem ehrlich. Ich musste immer auf der Hut sein. Ich konnte mir viele Freiheiten nehmen, nur durften meine Eltern nichts davon erfahren. Aufgrund dieser Ausgangslage konnte ich nie eine herzliche Beziehung zu meinen Eltern entwickeln. Unsere Beziehung blieb angespannt und reduzierte sich auf das Geschäftliche.
Im Verlaufe meiner Autobiographie wirst du lieber Leser feststellen wie ich und mein Papa uns trotzdem auf eine besondere Art nahestanden und viele Parallelen hatten. Trotzdem blieben unsere Türen zueinander verschlossen. Möglicherweise wäre ich mit meinem Grossvater sehr erfolgreich gewesen. Mein Grossvater und ich haben uns nie kennen gelernt. Er ist vor meiner Geburt verstorben Aber aufgrund der verschiedenen Schilderungen von Personen, welche meinen Grossvater gekannt haben wären wir vermutlich ein tolles Team gewesen.
Leider haben meine Verfahren keine Notizen über ihr Leben hinterlassen. Insgesamt gäbe das sicher eine spannende Sache. Es ist meine Sicht der Dinge und meine Wahrnehmung. Meine Geschwister haben andere oder ähnliche Erinnerungen.
Unser Papa besuchte die Primarschule in Giswil. Nach der 6. Klasse war damals für die Giswiler die obligatorische Schulzeit beendet. Die Eltern unseres Papas Louisa und Wilhelm Wälti-Halter legten grossen Wert auf Bildung und ermunterten ihre Kinder noch 3 Jahre das Kollegium (Sekundarschule) in Sarnen zu besuchen. Die Benediktiner führten das Kollegium. Das Kollegium war die Sekundarschule und das Gymnasium. Zur Schule nach Sarnen ging es mit dem Velo (Fahrrad) und zwar Sommer und Winter. Papis Mutter hat ihm zu diesem Zweck ein neues Velo gekauft. Die Brünigstrasse war damals noch eine Naturstrasse. In der Folge besuchte er die Schule in Sarnen zwischen 1940 und 1942.
Was war 1940?
1940 greift das Deutsche Reich Dänemark und Norwegen an, es folgt anschließend deren Besetzung. Einmarsch in Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Nordfrankreich (der so genannte Westfeldzug, der zur Besetzung von Paris führt. Die Evakuierung von über 300.000 alliierten Soldaten bei Dünkirchen gelingt. Deutsche Luftangriffe auf Großbritannien. Hitlers Militär erreichen das Hauptziel, Großbritannien aus dem Krieg herauszuhalten oder zur Aufgabe zu zwingen, nicht. Die Sowjetunion besetzt die baltischen Staaten und das rumänische Bessarabien. Planungen für den Krieg gegen die Sowjetunion. Der Abschluss eines Dreimächtepakts zwischen Italien, Japan und dem Deutschen Reich, dem danach weitere Staaten beitreten, ist ein Erfolg Hitlers in der Außenpolitik.
Was war 1941?
1941 wurde der Krieg nochmals an vielen Stellen ausgeweitet. Um Italien bei seiner Invasion in Afrika zu unterstützen, befiehlt Hitler den Einsatz deutscher Truppen in Libyen. Ihnen gelingt ein Vorstoß bis Ägypten (der Hafen Tobruk wird von britischen Truppen zunächst gehalten). Der Einmarsch im Balkan führt zur Invasion Kretas und Griechenlands. Die Versenkung des Schlachtschiffs Bismarck steht für Hitlers Schwachstelle Atlantik. In Asien endete die Zusammenarbeit von Kuomintang und den Kommunisten im Krieg gegen Japan. Die Battle of Britain, der deutsche Luftkrieg zur Eroberung Großbritanniens, endete zugunsten der Royal Air Force. Auch durch den Abzug deutscher Truppen aus Frankreich nach Osten bekommt London im wahrsten Sinne wieder Luft. Am 22. Juni startet Hitler mit dem Unternehmen „Barbarossa“' den Krieg gegen den zeitweiligen Vertragspartner Sowjetunion. Mitte August wenden sich Teile der schnell vorstoßenden Wehrmacht südostwärts gegen die Ukraine bis zur Krim und nordwärts gegen Leningrad. Es kommt zum Bündnis zwischen Vereinigtem Königreich/Grossbritanien und der UdSSR. Großbritannien und die USA vereinbaren die Atlantic-Charta. Japan kann durch die Eroberung des südlichen Indochinas bis Malaysia den Druck auf Chinas Nachschubwege erhöhen. Der japanische Vormarsch im Pazifik kommt auf Neuguinea zum Stehen. Der deutsche Angriff gegen die Sowjetunion kommt vor Moskau und Leningrad zum Stillstand, und in der Gegenoffensive folgen erstmals größere Geländegewinne auf alliierter Seite.
Was war 1942?
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember wird das Kriegsjahr 1942 von den ersten deutschen Judendeportationen aus Frankreich, den Kämpfen um die Festung Tobruk und El Alamein, zunehmend massivere Luftangriffe auf deutsche Städte aber auch auf Tokio, die Eroberung der Philippinen, dem Anschlag auf Heydrich in Prag gekennzeichnet; deutsche Truppen erreichen den Don, es folgt der deutsche Angriff auf Stalingrad und im Gegenangriff dessen Einkesselung; Beginn des Manhattan-Projekts, die alliierte Landung in Nordwestafrika. Nach der japanischen Invasion von Niederländisch-Indien im Januar und dem Flottenvorstoß in den Indischen Ozean bringt das Jahr erste australische und US-Erfolge gegen Japan in der Midway-Schlacht und auf Neuguinea.
Wie sollte es nun nach der Schule weiter gehen? Die Zeit während des 2. Weltkrieges war äusserst schwierig. Unser Grossvater hatte eine Bauunternehmung und war Unternehmer mit Leib und Seele. Teilweise arbeiteten bei unserem Grossvater bis 100 Arbeiter. Damals wurden die meisten Arbeiten noch von Hand ausgeführt. Dadurch waren die Arbeiten sehr personalintensiv. Mein Grossvater hatte eine Grossbaustelle im Glaubenberg (OW) mit Kantine und Unterkünften. Die Kantine und die Unterkünfte waren Baracken. Unser Grossvater musste auch Aktivdienst leisten. In dieser Zeit musste meine Grossmutter das Geschäft führen. Arbeitslosenkasse und Erwerbsersatz gab es noch nicht. Von dem geringen Sold aus dem Militär konnte keine Familie leben. Damit die verschiedenen Familien nicht hungern mussten wurde mein Grossvater angewiesen seine Arbeiter nur alternierend zu beschäftigen. Ausgenommen waren Vorarbeiter. Für meine Grossmutter waren das immer schwierige Entscheidungen. Damals war es üblich, dass der 1. Geborene einmal in die Fusstapfen seines Vaters treten wird/muss. Nach der Kollegizeit übertrug mein Grossvater unserem Vater für ein Jahr die Verantwortung der Kantine im Glaubenberg. Über diese Zeit weiss ich wenig zu berichten. Nur soviel das Essen war rationiert. Trotzdem legte unser Vater immer Wert darauf, dass es genug zu Essen gab und auch abwechslungsreich. Das damalige Essen ist aber mit unseren Essgewohnheiten nicht mehr zu vergleichen. Nur soviel mein Grossvater war mit seiner geleisteten Arbeit zufrieden. Das will etwas heissen unser Grossvater war nicht so schnell zufrieden. Das weiss ich von Leuten, welche meinen Grossvater noch persönlich gekannte haben.
Was war 1943?
Stichworte für das Kriegsjahr 1943 sind: Sowjetische Armeen erreichen den Sieg in Stalingrad – eine erste bedeutende deutsche Kapitulation. Im März erobern deutsche Truppen das Gebiet bis zum mittleren Donez zurück, aber nach mehreren sowjetischen Gegenoffensiven in den folgenden Monaten muss die Wehrmacht an der ganzen Ostfront den Rückzug antreten. Der militärisch unbedeutende Aufstand im Warschauer Ghetto wird ein bleibender moralischer Sieg der jüdischen Häftlinge. Die Atlantikschlacht geht für die deutschen U-Boote verloren. Alliierte Truppen landen in Sizilien. Italien verlässt das Bündnis mit Hitler. Die Lufthoheit der Alliierten in Europa wird immer erdrückender. Mit der Rückeroberung der Salomonen beginnt die amerikanische Taktik des Inselspringens im Pazifik
Nach diesem Jahr begann unser Papa eine Lehre als Hochbauzeichner im Architekturbüro Hochstrasser in der Stadt Zug.
Hochstrasser musste eine schillernde Person gewesen sein. Er hatte interessante Aufträge, war aber immer knapp bei Kasse. Unter anderem hatte er Aufträge von der Stadt Zug. Diese Aufträge soll unter anderem bekommen haben, damit er seine Steuerschulden bei der Stadt bezahlen konnte. Zur heutigen Zeit würde kaum ein Unternehmer Aufträge bekommen, damit er seine Steuern begleichen kann.
Damals hat die Post auch das Telefon betrieben. Weil Hochstrasser seine Telefonrechnungen nicht bezahlte sah sich die Post gezwungen das Telefon ausser Betrieb zu setzen. Unser Papa hat diese Lehre erfolgreich abgeschlossen.
Was war 1944?
Das Kriegsjahr 1944 ist vor allem durch wichtige Erfolge der Alliierten gekennzeichnet: Im Januar wird der Belagerungsring um Leningrad aufgebrochen. Im Westen gelingt die Invasion in die Normandie; Paris wird befreit. Im Osten gelingt es der Roten Armee die Heeresgruppen Mitte und Süd entscheidend zurückzuwerfen. Erst in Ostpreußen kommt die Offensive im Oktober vorübergehend zum Stehen. In Italien gelangen die Alliierten bis nördlich einer Linie Rimini-Rom voran. Allein in Asien führt eine japanische Offensive in China zu einer Landverbindung nach Indochina und damit zu einem Teilerfolg der Achsenmächte. Aber im Oktober gelingen die Befreiung der Philippinen und die Vernichtung der kaiserlich japanischen Marine.
Was war 1945?
Das letzte Kriegsjahr wurde zunächst von einer Konferenz der absehbaren Sieger gekennzeichnet: der Konferenz von Jalta. Die Befreiung der Konzentrationslager war in den folgenden Wochen für die alliierten Soldaten mit fürchterlichen Beobachtungen verbunden. Im Pazifikraum werden die Philippinen, Indochina, Burma und China befreit. Der Sieg in der Schlacht um die Seelower Höhen öffnet den Weg nach Berlin. Im März wird der Rhein überschritten. Am 30. April hisst die Rote Armee eine Fahne auf dem Reichstag. Europa ist nach der Kapitulation am 7. Mai vom NS-Regime befreit. Am 6. August wird die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen. Nach der Kapitulation des Kaisers wurde der japanischen Armee am 16. August die Einstellung aller Kampfhandlungen befohlen und am 2. September beendet die Unterschriftszeremonie auf dem Schlachtschiff USS Missouri in der Bucht von Tokio den Zweiten Weltkrieg.
Nach der Lehre bei Hochstrasser absolvierte unser Papa ca. 1946/1947 eine verkürzte Lehre als Maurer bei seinem Vater in Giswil. Einen grösseren Teil seiner Ausbildungszeit verbrachte er mit administrativen Arbeiten im Büro. Mein Grossvater hatte wenig Sitzleder sein Sohn war ihm sehr Willkommen. Zumindest im Büro. Auch sie waren nicht ein Herz und eine Seele. Unser Grossvater und unser Vater hatten es auch nicht immer einfach miteinander.
Nach Abschluss der Maurerlehre ging es nun für ein Jahr an das Technikum Winterthur (Heute Fachhochschule) um Architektur zu studieren. Nach 2 Semestern wechselte er an das Abendtechnikum von Zürich. Dieses hat er mit dem Diplom als Architekt abgeschlossen.
Während der Studienzeit am Abendtechnikum arbeitete unser Papa als Bauführer in einer Bauunternehmung (Derungs) in Menzigen (ZG). Später wurde er Geschäftsführer in dieser Bauunternehmung.
In dieser Zeit erwarb er das Diplom zum dipl. Maurermeister und auch zum dipl. Baumeister. Die Ausbildung zum Dipl. Baumeister ist vergleichbar mit der Ausbildung eines Bauingenieurs ETH.
Leider erkrankte sein Vater, so dass er nach wenigen Jahren sich von Derungs verabschieden musste und die Geschäftsleitung des väterlichen Geschäftes übernehmen musste. Er ging nicht gerne nach Obwalden zurück. Der Kanton Zug gefiel ihm viel besser und hatte dies besseren Perspektiven zu bieten. Als Ältester fühlte er sich seiner Familie verpflichtet.
Das Geschäft seines Vaters war vor allem im Tiefbau tätig. Meliorationen, Bachverbauungen und Strassen. Das Herz unseres Vaters schlug aber vor allem für den Hochbau.
Ich hatte immer den Eindruck, dass unser Vater lieber den Beruf eines Stadtbaumeisters oder Denkmalpflegers ausgeübt hätte. Er vermittelte uns, dass ihm sein Geschäft keine oder wenig Freude machte. Vor allem war es für ihn ein Kampf. Er äusserte sich immer dahingehend, dass er für jeden Auftrag kämpfen musste. Was ist das für ein beschwerliches Leben? Ich bin überzeugt, wenn er sich nicht gegenüber seinen Eltern verpflichtet gefühlt hätte wäre er lieber im Kanton Zug geblieben und hätte dort seine Berufung gefunden und wäre glücklich geworden.
Bereits als kleiner Junge war mir klar, dass ich nie in meinem Leben eine Bauunternehmung will. Das ist kein Ort der Freude. Das ist ein ständiger Kampf. Wer immer kämpfen muss hat verloren. Das hält doch keiner auf die Dauer aus.
Sein Vater verstarb am 11. Mai 1956.
Fast jeder Schweizer musste irgendwann seinen Militärdienst leisten. Dieser Grundsatz galt bis 1995. Ab 1995 wurden die Bestände der Armee immer mehr reduziert. Unser Vater konnte wegen einem Herzfehler die RS nicht mit 20 Jahren absolvieren. Er wollte aber unbedingt Militärdienst leisten. Deshalb holte er die RS mit 23 Jahren nach und machte im Militär "Karriere" bis zum Oberleutnant. Hätte er die notwendige Zeit erübrigen können so wäre er sicher Regimentskommandant geworden Er diente bei den Luftschutztruppen (technische Rettungstruppe) Mit seiner Ausbildung hätte er auch eine Militärkarriere als Berufsmilitär machen können. Wahrscheinlich wäre er möglicherweise wie sein Studienkollege Peter Schulkommandant geworden.
Ich hätte es bevorzugt, wenn unser Papa sich für das Berufsmilitär entschieden hätte und das Baugeschäft liquidiert hätte. Wir alle hätten Luft zum Atmen bekommen. Da unsere Mama Gold und Glimmer liebte, hätte sie sich an der schönen Uniform unsere Papas erfreuen können. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Militärangehörige auch während des Urlaubs die Uniform tragen mussten. Als Offizier musst unser Papa jedes Jahr für 3 1/2 Wochen in den Wiederholungskurs. Unsere Mama in Begleitung von Willi und mir holten unsern Papa jeweils am Samstag an seinem WK Standort. Vorab gab es immer noch das Hauptverlesen durch den Kompaniekommandanten. Am Sonntag ging es in die Kirche Grossteil in die 10 Uhr Messe. In der Kirche sah ich nie einen anderen Offizier. Das waren für unser Mama ganz besondere Glücksmomente.
Für mich war es die schönste Zeit, wenn unser Papa im Militärdienst leisten musste. Unsere Mama war mit dem Baugeschäft beschäftigt und wir Kinder hatten Zeit zum Spielen.
Mit dem Tod seines Vaters erfolgte auch die Aufteilung des Vermögens. Mein Grossvater hatte keine Erbschaftplanung gemacht. Unser Vater erzählte uns immer wieder das er mit seiner Frau bei null angefangen hätten.
Was war sonst noch 1956
Das Jahr der Aufstände
Tatsächlich ist 1956 auf verschiedenen Kontinenten einiges los: In Europa erheben sich die Völker Polens und Ungarns gegen die sowjetische Hegemonie. Doch zu viel Selbstbestimmung will der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow den Satellitenstaaten nicht zugestehen: Den Aufstand in Ungarn beendete er im Herbst 1956 mit einer Invasion seines Militärs.
Erfolgreicher sind die Freiheitskämpfe auf dem afrikanischen Kontinent: Marokko und Tunesien werden in jenem Jahr frei. Sie zählen zu den ersten afrikanischen Staaten, denen die Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten vergönnt ist.
Für meine Eltern war das wichtigste Ereignis im Jahr 1956 die Geburt ihres Stammhalters. Er wurde am 06. April 1956 im Spital Sarnen geboren und per Nottaufe auf den Namen Willi Christian getauft. Er wog bei der Geburt lediglich 1.5 Kg. Damals waren die Überlebenschancen für ein so leichtgewichtiges Kind vergleichbar mit einer Lotterie. Man konnte Glück oder Pech haben. Die nächsten Wochen und Monate waren endscheidend für sein weiteres Leben. Der Stammhalter hatte einen ausgeprägten Überlebenswillen.
4.4 Resilienzforschung bei Kindern
Resilienzforschung bei Kindern
Die Anfänge der Resilienzforschung finden ihren Ursprung in einer Studie über Resilienz bei Kindern. Eine Langzeitstudie von der amerikanischen Entwicklungspsychologin Emmy Werner prägte die Forschung zur Resilienz.
Auf der hawaiianischen Insel Kauai beobachtete und begleitete die Forscherin die Entwicklung von knapp 700 Kinder, und das 32 Jahre lang. Darunter stammten 200 Kinder aus schwierigen Verhältnissen. Das bedeutet sie waren konfrontiert mit zerrütteten Familienverhältnissen, Alkohol- und Drogenmissbrauch, kranken Eltern oder sehr geringem Wohlstand.
Bei vielen Kindern beeinflussen diese Faktoren eine gesunde Entwicklung. Auch sie haben es schwer in Beziehungen, verfallen dem Alkohol oder leben in Armut. Dennoch zeigte Werners Studie, dass 72 der Kinder sich trotz der widrigen Aufwuchs-Bedingungen positiv entwickelten. Daraus entwickelte Emmy Werner Schlüsselfaktoren, die Resilienz bei Kindern stärken.
Schlüsselfaktoren für resiliente Kinder
- Emotinale Bindung: Die Kinder hatten mindestens eine feste Bezugsperson. Diese stärkt Vertrauen und Selbstwirksamkeit des Kindes. Außerdem lernen Kinder Selbstständigkeit, aber auch die Fähigkeit um Hilfe zu bitten.
2. Intelligenz und Temperament: Die resilienten Kinder wiesen eine durchschnittliche Intelligenz und ein positives Temperament auf. Erstens sorgte das für eine gewisse Robustheit, und zweitens auch für mehr Zuwendung von der Bezugsperson.
3. Gesellschaftliche Unterstützung: Das bedeutet, den Kindern wurden Halt gebende Werte beigebracht und ihre Leistungen wurden anerkannt. Wertschätzung von außen fördert die innere Haltung.
Diese Faktoren stärken die Resilienz von Kindern. Sie entwickeln durch eine feste emotionale Bindung auch außerhalb der Familie ein gesundes Selbstwertgefühl und werden leistungsmotiviert. Des Weiteren können sie meist eine realistische Zukunftsperspektive entwickeln. Das bedeutet, sie gehen auch flexibler mit Veränderungen um und trotzen schwierigen Lebensumständen.
Was macht resiliente Kinder aus?
Die Resilienz bei Kindern kann durch gutes und gesundes Lernen gefördert werden.
Der Leiter des Zentrums für Kinder und Jugendforschung an der evangelischen Hochschule Freiburg, Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff, stellte heraus, dass resiliente Kinder bestimmte Fähigkeiten besitzen.
Resiliente Kinder können:
- ihre eigenen Gefühle und die von anderen erkennen und einordnen.
- die eigenen Gefühle kontrollieren, regulieren oder dafür um Rat bitten.
- eigene Stärken und Kompetenzen erkennen.
- Hilfe holen und scheuen sich nicht vor Kontakt.
- Strategien zur Problemlösung entwickeln und auf ähnliche Situationen übertragen.
Diese benannten Fähigkeiten von resilienten Kindern sind nicht immer gleich ausgeprägt. Resilienz ist eine variable Größe, die in einem Bereich stärker in einem anderen schwächer sein kann.
Wie können wir Resilienz bei Kindern stärken?
Die Resilienz von Kindern und Erwachsenen unterscheidet sich nicht. Wer als Kind resiliente Eigenschaften entwickelt, dann genau diese sich im späteren Leben zu Nutze machen. Allerdings entwickeln Kinder ihre innere Widerstandskraft zum Großteil im Zusammenspiel Erwachsenen.
Sie brauchen eine feste Bezugsperson, die Wertschätzung und Verständnis entgegenbringt. Doch auch der Kontakt mit Gleichaltrigen und Beziehung zu Erziehenden stärken die Resilienz.
Damit Kinder ihre eigene Widerstandskraft aufbauen, brauchen sie Wärme und Zutrauen, sowie Interesse und Kontrolle. Wenn dem Kind wichtige Werte und der Glaube an die eigene Selbstwirksamkeit vermittelt wird, kann es sich im späteren Leben selbst behaupten und lernt einen flexiblen Umgang mit schweren Lebenssituationen.
5. Primarschulzeit
Null Bock auf Schule – Wie entstehen Schulmüdigkeit und Schulverweigerung? – Was kann man tun?
Meine häufigsten Botschaften unterrichtlicher Störungen waren:
- Unterricht ist langweilig.
- Ich fühle mich unterfordert.
- Schule finde ich sinnlos.
- Ich räche mich für ungerechte Behandlung.
- Mal sehen, wie weit ich gehen kann.
- Ich möchte meinen Mitschüler/innen etwas bieten, sie unterhalten.
- Ich kann mich nicht konzentrieren, bis ich mit der Welt draussen klar bin.
Damals hatten die Lehrer keinen blanken Schimmer, wie sie mit meinen Botschaften/Verhalten umgehen sollten.
Mein Verhalten wurde durch disziplinarische Massnahmen sanktioniert.
Die meisten Pädagogen hatten es streng mit mir und für mich waren die Meisten einfach nur zum Kotzen.
Ich wurde immer 2 x sanktioniert. Zuerst durch die Pädagogen und anschliessend durch meine Eltern. Die Sanktion durch meine Eltern war am schlimmsten und die galt es mit allen Mitteln zu verhindern.
5.1 Grundschule Unterstufe
Was ist die Primarschule?
Der Begriff Primarschule umfasst in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein die Schulen, die von Kindern der Klassen 1 bis 5 bzw. 6 besucht werden.
Was war 1964?
In der Sowjetunion wird Präsident Chruschtschow überraschend abgesetzt. In den USA unterzeichnet Präsident Johnson ein Gesetz gegen die Rassentrennung. Damit erhalten schwarze Bürger dieselben Rechte wie Weiße. Im Golf von Tongking kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall. Nach US-Angaben werden zwei US-Zerstörer von nordvietnamesischen Kriegsschiffen angegriffen. Die USA kündigen als Vergeltung Bombardements an.
Der deutsche Alltag wird von der Berliner Mauer geprägt. Die DDR-Führung erleichtert den gegenseitigen Besuch von Bürgern aus Ost und West. Doch immer wieder versuchen DDR-Bürger, für immer zu fliehen.
- Klasse
Nach den Osterferien 1964 begann für mich mit einer Woche Verspätung der Ernst des Lebens. Zwei Tage vor Schulbeginn bekam ich die "Spitze Blattern" (Windpocken). Mein Schulbeginn verschob sich um eine Woche. Alleine lief ich zum zugteilten Schulhaus mit Jahrgang 1860. Zu Fuss zum Schulhaus waren es etwa 15 Minuten, ca. 1 km. Im Erdgeschoss gab es 2 Schulzimmer. Eines davon war das Klassenzimmer für die 1. Klässler das andere war für die Handarbeit der Mädchen. Meine Begeisterung vom Klassenzimmer und der alten Nonne hielten sich in sehr engen Grenzen. Der Jahrgang der sehr autoritären Nonne und des Schulhauses waren gefühlt identisch. Wir hatten die Frau in der schwarzen Verkleidung als Schwester Eugenia anzusprechen. Der 1. Eindruck zählt immer. Diese Schwester war mir vom 1. Moment an besonders unsympathisch. Im Schulhaus hatte es einen undefinierbaren Geruch. Es roch muffig möglicherweise auch eine komische Mischung aus Angstschweiss und Stallgeruch. In jedem Fall sehr unangenehm. Vorne links stand auf einem Podest der "Schwester Eugenia" ihr grosses Pult. Auf dem Pult war eine Missionsspardose (Negerkässeli) platziert. Eine Missionsspardose bestand aus einem Spendenkästchen mit einer Figur, die den Kopf nickend bewegte, wenn Geld eingeworfen wurde. Von meinem Mitschülern wurde im Verlaufe des Jahres immer wieder Geld eingeworfen, weil das Negerli so schön mit dem Kopf nickte.
Ich wollte die schwarze Mamba (Schwester) nicht mit Geld unterstützen und ihr Negerli mit Geld füttern. Möglicherweise könnte der Ursprung von verstecktem Rassismus gegen Schwarze im Negerkässeli zu finden sein. Man schlägt den Sack und meint den Esel. Im Unterbewussten wollte ich die die Schwester für ihre Strenge schlagen und rächte mich indirekt am Negerkässeli.
Giswil ist und war eine finanzschwache Gemeinde. Giswil war damals vor allem durch die Landwirtschaft geprägt. Die Gemeinde musste an allen Ecken und Enden sparen. Die Schule war der grösste Ausgabeposten. Im kleinen Schulzimmer wurden 60 Kinder in die Schulbänke gezwängt. Die gute Frau hatte nun die Aufgabe gefasst 60 Schülern das Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Diese Zustände gibt es Heute nur noch in Entwicklungsländern. Vor 60 Jahren herrschten bei uns ähnliche Zustände.
Vor Beginn des Unterrichtes wurde gebetet und auch am Ende des Unterrichtes. Das heisst am Vormittag und am Nachmittag (Total 4 x). Zum Gebet mussten wir stehen und die Hände falten. Wir sahen aus wie fromme Klosterschüler.
Unter der Woche hatten wir mindestens 2 x Schulmesse und zwar lateinisch. Ich glaube mich zu erinnern, dass wir vor dem Unterricht in der 1. und 2. Klasse jeden Tag in die Schulmesse mussten. Es fühlte sich in meiner Erinnerung so an. Ich habe aus der Not eine Tugend gemacht und konnte in der 2. Klasse mit dem Absitzen der Schulmesse mein erstes Sackgeld verdienen. Von diesem Geschäftsmodell schreibe ich in einem der nächsten Abschnitte. Von der 1. Klasse bis anfangs der 2. Klasse wurde die Messe lateinisch zelebriert. Der Kaplan zelebrierte die Messe am Hochaltar und hatte keinen Bezug zu den Kirchgängern. Mit dem zweiten Vatikanischen Konzil änderte sich vieles zum Besseren. (Das Konzil dauerte vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965).
Von der Messe habe nichts verstanden und begriffen. Es war einfach nur langweilig.
Weil ich im Verlaufe meiner Schulzeit eine Überdosis Religion bekommen habe zog ich meine Konsequenzen und bin ca. 1985 aus der katholischen Kirche ausgetreten. Damals war das noch eine kleine Revolution. Im Verlaufe der Zeit sind dann meine jüngeren Brüder Adrian und Alex auch ausgetreten. Die Bevormundung durch die katholische Kirche liessen wir uns nicht mehr bieten. Am Meisten wurden unsere Steuern vermisst.
Ich war mit Abstand der Jüngste in unserer Klasse. Stichtag für die Einschulung war damals der 1. Juli. Aus diesem Grund hatten ca. die Hälft meiner Kollegen und Kolleginnen Jahrgang 1956.
Ich war Linkshänder
Zu der damaligen Zeit wurden Linkshänder meist wenig gesellschaftlich anerkannt und deshalb auf rechtshändig umgeschult.
Heute hat man erkannt, dass eine Umschulung unsinnig ist.
Die Umschulung von Links- auf Rechthändigkeit ist ein Eingriff in die Hirnfunktion ist, zeigt der Körper verschiedene Anzeichen der Umstellung.
- Die Problematik beim Versuch der Umschulung von Links- auf Rechtshändigkeit ist, dass sich die Gehirnhälften nicht umtrainieren lassen.
- Zwar ist es möglich sich das Schreiben mit rechts anzugewöhnen, jedoch resultiert dies meist in der Verschlechterung der Leistungsfähigkeit.
- Linkshänder, die rechts schreiben und arbeiten, haben häufig Schwierigkeiten sich zu konzentrieren.
- Ebenfalls können durch die Umschulung Probleme beim Lesen und bei der Rechtschreibung entstehen.
- Kinder, die bereits von klein auf von links auf rechts umgewöhnt werden, können erhebliche Nachteile in der Entwicklung und im schulischen Fortschritt bekommen.
- All diese Dinge resultieren daraus, dass die eigentlich dominante und ausgeprägtere rechte Gehirnhälfte der Linkshänder unterdrückt wird und die unausgeprägtere linke Hälfte alle Aufgaben ausführen muss.
- Weiterhin können durch die Leitungseinbussen Depressionen, Erschöpfungszustände und Minderwertigkeitsgefühle entstehen.
Die Umstellung der angeborenen Händigkeit ist einer der massivsten Eingriffe in das menschliche Gehirn: Durch den Gebrauch der nicht dominanten Hand, besonders zum Schreiben, kommt es im Gehirn oft zu schwersten Störungen und Irritationen, die den Menschen individuell meist sehr belasten und Auswirkungen für sein ganzes Leben haben können.
Linkshändern wird zugeschrieben, dass sie kreativer und künstlerischer seien als Rechtshänder. Die rechte Gehirnhälfte, zuständig für gestalterische und schöpferische Fähigkeiten, ist vorherrschend. Sie steuert hauptsächlich die linke Körperhälfte. Die strukturierende, eher an Zahlen orientierte linke Hirnhälfte steuert vorwiegend die rechte Körperseite.
Gerade Schnitte mit einer Schere sind für mich immer noch eine Herausforderung. In der Sekundarschule habe ich mir ein Bastelmesser angeschafft. Das Bastelmesser war nun für mich die Schere. Mit dem Bastelmesser konnte Niemand besser umgehen als ich.
Wir lernten die ersten Buchstaben und übten das Schönschreiben auf einer Schiefertafel mit Griffel. Es genügte nicht, dass wir 2 bis Lienen dieselben Buchstaben auf die Tafel schrieben. Nein es musste die ganze Tafel vollgeschrieben werden. Ich hatte eine schnelle Auffassungsgabe, aus diesem Grund mochte ich die ewigen Wiederholungen nicht. Für mich gab es keinen nachvollziehbaren Grund immer die gleichen Buchstaben auf die Tafel zu kritzeln. Wiederholendes Arbeiten langweilte mich. Es versteht sich von selbst, dass Schönschreiben nicht meine Lieblingsbeschäftigung werden wird. Die schwarze Mamba tadelte mich auch entsprechend für meine Künste.
Gerne wies ich sie darauf, dass Schönschreiben in meinem Leben für mich völlig vernachlässigbar sein würde, da ich in jedem Fall einmal eine Sekretärin haben werde und wenn sie gerne einige schöne Buchstaben von mir hätte so würde ich Morgen die Reiseschreibmaschine von Papi in die Schule mitbringen.
Zur Strafe durfte ich eine ganze Tafel voller A schreiben. Ich habe mich geweigert, diese Strafe zu erledigen. Auch bei 60 Schülern hatte die schwarze Mamba ein Kontrollsystem über ihre verteilten Strafaufgaben. Am anderen Morgen sollte ich nach vorne an ihr Pult gehen und ihr meine Hieroglyphen präsentieren. Die schwarze Mamba stand auf ihrem Podest und ich musste ihr meine Arbeit hoch reichen. Die gute Nonne sah nur noch schwarz. Die Tafel war ja auch schwarz was sollte sie sonst sehen. Zur Strafe sollte ich vorne neben der Wandtafel auf den Boden sitzend und unter ihrem strengem Regime die Tafel voll schreiben.
Ich erklärte ihr, dass ich durchaus gewillt wäre ihren Anweisungen Folge zu leisten, aber auf den schmutzigen Boden würde ich mich mit meinen sauberen Hosen nicht setzen, da wäre meine Mutter wenig bis gar nicht begeistert. Ich unterbreitete ihr den Vorschlag, dass ich am Nachmittag eine alte Zeitung mitbringen würde und ich dann ihre verfügte Strafe antreten würde. Das haben wir dann auch so praktiziert. Bei unserer Klassenzusammenkunft im Jahr 2018 gab einer meiner Kollegen diese Geschichte nochmals zum Besten. Wir alle hatten immer noch unsere helle Freude an dieser Geschichte.
Es versteht sich von selbst, dass sich nach einem Sonntagsgottesdienst die schwarze Mamba bei meiner Mutter jämmerlich beklagte. Insbesondere mein älterer Bruder Willi, welcher ein Jahr zuvor zu ihr in die Schule ging, war im Gegensatz zu mir sehr fleissig gewesen und wenn sie gesagt hat, dass ihr etwas nicht gefallen hat, so hätte mein Bruder gesagt: "Schwester Eugenia, wenn ihnen meine Arbeit nicht gefällt, dann mache ich sehr gerne noch einmal."
Damals habe ich mir gedacht, mit diesem Judas wirst du vermutlich noch viele Freuden erleben können. Es ist schon erstaunlich wie mich meine Einschätzung nicht getäuscht hat.
Abgesehen vom Schönschreiben und ein wenig Phantasie beim Rechtschreiben war ich ein sehr guter Schüler. Insbesondere Rechnen das war mein Steckenpferd. In diesem Fach war ich völlig unterfordert. Da fungierte ich als Hilfslehrer und musste die schwächeren Schüler im Gang unterrichten. Als 1. Klässler hatte ich ja keine pädagogische Ausbildung trotzdem unterrichte ich nach meinem Gutdünken.
Für gute Leistungen verteilte die schwarze Mamba Fleisszettel. Ausser für das Schönschreiben erhielt auch viele Fleisszettel. Für 10 Fleisszettel bekamen wir Schüler ein Helgeli (Helgeli: Heiligenbildchen für das Gebetbuch).
Ich muss nicht erwähnen, dass ich kein Interesse an diese Heiligenbilchen hatte. Ich verschenkte diese Bildchen jeweils meinen "Schülern".
Bei meinen Klassenkollegen und Kolleginne war ich beliebt und ich mochte meine Klassenkollegen und Kolleginnen.
Der Höhepunkt in der 1. Klasse war im Herbst 1964 der mehrtägige Besuch der Expo (Landesaustellung) in Lausanne. Nein, wir waren nicht mit der Schule dort. Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen.
Lieber Leser, möglicherweise sagt dir der Begriff Expo nichts. Hier eine kurze Erläuterung:
Die «exposition nationale suisse de 1964», Expo 64 genannt, war die Schweizerische Landeausstellung von 1964, die vom 30.April bis zum 25.Oktober 1964 in Lausanne stattfand. Sie galt nach den Richtlinien des Bureau International des Expositions als „nationale“ Ausstellung. Sie bot ein Forum für moderene Architektur, Kunst und Technik und unternahm den Versuch, die Schweiz und ihre Eigenheiten im globalen Kontext zu präsentieren
Die Landesausstellung wollte die Schweiz so präsentieren, wie sie wirklich ist. Dazu sollte vor allem der allgemeine Teil mit dem Sektor Weg der Schweiz dienen. Hier sollte das gezeigt werden, was das Wesen des Landes und sein reiches Gefüge ausmacht sowie seine ereignisvolle Geschichte und seine eigenwilligen Bewohner dargestellt werden. Angesichts der schnellen Entwicklung in der Welt, sollten der Einzelne und die Gemeinschaft sich mit Hilfe der Ausstellung darauf besinnen können, was wir sind und sein wollen, wo wir stehen und wohin wir gehen wolle
1964 hatte sich die Welt zwar vom Zweiten Weltkrieg erholt, war aber in den Kalten Krieg getaucht. Die Schweiz wollte gleichzeitig eine Politik der Vereinigung und der Eigenständigkeit gegenüber äusseren Gefahren sowie der Öffnung gegenüber der Zukunft und Modernität verfolgen. Die Expo 64 war das Produkt dieser Widersprüche.
Vom 30. April bis 25. November 1964 hat die Landesausstellung in Lausanne fast 12 Millionen Besucher angezogen. Vorher hatte es die Landesausstellungen Zürich 1883, Genf 1896, Bern 1914 und Zürich 1939 gegeben. Später folgte jene von 2002 in der Dreiseen-Region Biel, Neuenburg, Yverdon-les-Bains und Murten.
Das Rückgrat der Ausstellung war 'Der Weg der Schweiz', eine Pyramide mit den Fahnen der rund 3000 Schweizer Gemeinden.
Die Expo richtete den Blick nicht nur auf die Vergangenheit, sondern mit dem Fragebogen von Gulliver, dem Helden des Märchens von Jonathan Swift, auch auf die Gegenwart und mit Kurzfilmen von Henry Brandt über das alltägliche Leben auch auf die Zukunft.
Die verschiedenen Pavillons, die den Themen Arbeit, Landwirtschaft, Transport oder Bildung gewidmet waren, haben ebenfalls zu diesem riesigen Spiegelbild der Schweizer Gesellschaft beigetragen, die sich zwar vereint zeigte, aber nicht mehr so homogen war wie einst.
Die Expo diente auch vielen Künstlern, wie Jean Tinguely mit seinen Maschinen-Skulpturen oder dem Maler Hans Erni als Sprungbrett.
Mama und Papa hatten die Expo bereits im Frühling besucht. Unsere Reisegruppe bestand aus Mama, Papa, Grosi (Mutter von Papa), Tante Emmi (jüngste Schwester von Papa), Willi (älterer Bruder), Veronika (jüngere und einzige Schwester) und mir.
Unser Papa war stolzer Besitzer eines Peugeot 404.
Der Peugeot 404 war ein Pkw-Modell des französischen Herstellers Peugeot. Er wurde von Mai 1960 bis Oktober 1975 in Europa hergestellt, wobei Peugeot die Auslieferung dieses Modells in Europa bereits Ende 1974 einstellte. Erste Prototypen sollen schon 1957 entstanden sein. Länge ca. 4.50 m, Motor 1.6 Liter, 65 kw.
Nachdem das Gepäck im Kofferraum verstaut war ging die Reise los.
Unser Papa übernahm das Steuer, unsere Mama auf dem Beifahrersitz hatte die Kontrolle über die Strassenkarte. Schon längst hat diese Aufgabe das GPS übernommen.
Grosi, Tante Emmi und wir 3 Kinder sassen Hinten. Sicherheitsgurte und Nackenstützen gab es noch nicht. Das Auto war für 5 erwachsene Personen zugelassen. 2 Kinder galten als 1 Erwachsene. Genau genommen hätte eines von uns Kindern nicht mitfahren dürfen. Das sah man damals nicht so eng. Unser Papa wurde nicht gebüsst.
Mit dem Auto ging es von Giswil über den Brünig, Haslital auf den Grimselpass. Die Passstrassen waren damals noch nicht so gut ausgebaut. Es war nicht immer möglich, dass sich die Autos auf der Strasse kreuzten konnten. Unser Papa schimpfte und lästerte über die Fahrkünste der anderen Autofahrer wie ein Rohrspatz.
Ihm stand dieses Recht zu, hat der doch während des Krieges in Sarnen die Autoprüfung auf dem Lastwagen mit Holzvergaser seines Vaters absolviert. Während dem Krieg war das Benzin rationiert und deshalb für Private nicht erhältlich. Ein Hauptmerkmal an der Prüfung galt damals dem Anfeuern des Holvergasers mit Buche. Unser Vater hatte somit die Lastwagenprüfung und die gilt auch für PW.
Auf dem Grimselpass gab es endlich den ersten grossen Halt. Wir konnten uns wieder frei bewegen und hatten Luft zum Atmen.
Unser Papa kümmerte sich sofort um das Auto.
Damals war es nichts Aussergewöhnliches, dass bei einer Fahrt auf einen höheren Pass der Motor «kocht», also das Kühlsystem zu heiss wird. Da hilft im ersten Moment nur eine längere Pause, um grössere Schäden zu vermeiden. Ob der Motor des Peugeot 404 Auto kochte, dass weiss ich nicht mehr. Ich weiss nur noch, dass unser Papa auf dem Grimselpass die Motorhabe öffnete und wir eine längere Pause machten.
Unser Papa hatte seinen Fotoapart der Marke «Zeiss Ikon» dabei und machte Dia. Er fotografierte vor allem Gebäude. Wir Kinder waren jeweils nur Beigemüse (für den Grössenvergleich) auf dem Bild. Das Wichtige war das das Gebäude, welches er fotografierte. Von uns Kindern gab sehr selten Bilder (gefühlt nie). In seinen Augen war das auch nicht notwendig, da er uns so oft sah wie er wollte. Nach der Entwicklung und dem Zerschneiden des Films entstehen einzelne Diapositive, die als Projektionsvorlage oft zur Projektion genutzt werden. Damit die Bilder auf eine Bildwand projiziert werden konnte benötigte man einen Diaprojektor. Unser Papa besass nie einen Diaprojektor. Die Dias verstaubten in seinem Archiv. Im verlaufe der späteren Jahre musste der Fotoparat repariert werden. Unser Papa gab den Apparat seinem Freund Sepp Reinhard in die Reparatur. Nach einigen Jahren hat er Sepp angefragt ob er den Apparat repariert hätte, Sepp verneinte er wäre noch nicht dazu gekommen und so es dann geblieben.
Sepp Reinhard fotografierte von 1946 bis 1979 Automobilsport-Rennen. Mit dem Grand-Prix der Schweiz in Bern 1950 hatte er seinen Einstieg in die Formel 1-Fotografie. Neben der Autofotografie war er über Jahrzehnte als Pressefotograf im Kanton-Obwalden aktiv. Da er bei vielen Unfällen als einer der ersten vor Ort war, bekam er den Übernamen Katastrophen-Sepp. Um jeweils frühzeitig informiert zu sein, hatte er als Belohnung für eine Meldung einen Fünflieber ausgeschrieben.
Unsere Eltern waren mit den Reinhards jahrelang befreundet.
Anschliessend besuchten wir die moderne St. Christopherus Kapelle auf dem Grimselpass. Christopherus ist bekannt das als der Schutzheilige der Reisenden. Der Beistand von Christopherus konnte sicher nicht schaden. Unser Papa war nämlich ein hitziger Autofahrer. Die ehemalige Haushaltlehrtochter unserer Eltern Theres Bucher arbeitete in der Zwischenzeit im Hotel Grimsel Hospitz. So war es nicht mehr als Anstand Theres Bucher Guten Tag zu sagen.
Nach dem Zwischenhalt auf dem Grimselpass ging es weiter durch das Goms nach Brig.
Im Brig besuchten unsere Eltern mit Grosi und Tante Emmi den Stockalperpalast. Wir Kinder mussten während dieser Zeit in einem Restaurant die Zeit zur Weiterfahrt überbrücken. Unser Papa bestellt jedem ein Getränk und gab uns einen Batzen für den Töggelikasten (Tischfussball). Ich muss nicht erwähnen, dass wir keinen blassen Schimmer von Tischfussball hatten. Ohne Einführung machte das auch keinen Spass. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging die Reise weiter. Über das Unterwallis fuhren wir an den Genfersee. Nach einer langen Reise kamen wir endlich im reservierten Hotel in Lausanne an. Es war bereits finstere Nacht.
Das Hotel war ein alter Kasten im Jungendstil gebaut. Beim Hotel gab es nur sehr wenige Parkplätze und die waren reserviert. Einige hundert Meter vom Hotel gab es einen öffentlichen Parkplatz mit blauen Parkfeldern.
Unser Papa hatte 2 Zimmer reserviert. Ein Zimmer für sich und seine Frau und ein Zimmer für Grosi, Tante Emmi und uns Kinder. Im Zimmer gab es ein Lavabo zum Waschen. Ein Bad gab es nicht. Es gab Etagentoiletten.
Für zum Umziehen versteckte sich jeweils unser Grosi und Tante Emmi hinter einem Paravent. Wir Kinder wurden zusätzliche aufgefordert bei diesem Prozedere die Augen zu schliessen. Grosi liess uns wissen, wenn wir die Augen nicht schliessen würden, würden wir erblinden. Ich traute der Sache nicht. Aus diesem Grund habe ich nur ein Auge zugedrückt und mit einem Auge das Prozedere genau beobachtet. Weil ich nicht erblindet bin wurde mir bewusst, dass unser Grosi geschwindelt hat. Meinen Geschwistern habe ich das nicht verraten.
Am Morgen musste unser Vater vor 8.00 Uhr die Parkscheibe auf 9.00 Uhr nachstellen. Vor 9.00 Uhr hat unser Papa Willi und mich ins Auto verfrachtet. Er war der Meinung, wenn Willi und ich im Auto wären gäbe es keine Busse. Kurz nach 9.00 Uhr kam dann die Politesse und hat einen Parkbusse unter den Scheibenwischer geklemmt. Als unser Vater mit seiner Gefolgschaft zum Auto kam und den Zettel unter dem Scheibenwischer sah ist er fast durchgedreht. Zuerst schimpfte er mit Willi und mir und war stellte die Behauptung auf Willi und ich wären nicht im Auto geblieben. Mit der Zeit hat er sich dann wieder eingerenkt. Nächstes Ziel war nun der nächste Polizeiposten um die Sache zu klären. Da unsere Mama fliessend französisch sprach war es ihre Aufgabe die Sache zu regeln.
Nach diesem Intermezzo ging es dann an die Expo.
An der Expo haben wir viel erlebt und sehr viele Eindrücke mit nach Hause genommen.
Folgende Erlebnisse blieben mir nachhaltig in Erinnerung.
Am zweiten Tag wollten die Erwachsenen die Expo auf eigene Faust ohne uns Kinder erkunden. Wir Kinder sollten den Tag im Kinderparadies verbringen. Was als Paradies bezeichnet worden ist haben wir damals als Hölle empfunden. Wenn unser Papa etwas im Kopf hatte wurde das auch durchgezogen. Wir Kinder wurden deshalb ohne Diskussion im Kinderparadies abgegeben. Es gab Gruppen für Welsche, Tessiner und Deutschschweizer. Die Deutschschweizergruppe war ausgebucht. Unser Papa fackelte nicht lange und liess uns den Welschen zuteilen. Wir mussten uns umziehen und als Welsche mussten wir eine gelbe Latzhose anziehen. Uns wurde eine Nummer angeheftet. Mit dieser Nummer konnte man uns identifizieren. Unsere Eltern erhielten eine Quittung mit den Nummern. Mit dieser Quittung konnte man uns am Abend wieder abholen.
Zum Mittagessen wurden wir Geschwister an einen grossen runden Tisch gesetzt. Vorab wurde eine grosse Flasche Henniez mit Kohlensäure auf den Tisch gestellt. Wir kannten dieses Getränk nicht. Wir fanden dieses Getränk einfach ungeniessbar. Nach unserer einstimmigen Beurteilung sogar toxisch. Wir waren uns gewohnt Tee zu trinken und auswärts Rivella. Ausnahmsweise vielleicht eine Cola. Da konnten wir nun gespannt sein, was man uns Kinder zum Essen servieren wird. Für das Essen konnten wir uns noch weniger begeistern. Wir hatten keine Ahnung was für eine Pampe uns serviert wurde. In jedem Fall etwas undefinierbares. In der Regel habe ich immer Appetit. Für mich galt die Devise Hunger ist der Beste Koch und schmeckt es nicht so isst man es doch. Ich habe mehr als den
halben Teller leer gegessen da fing mein Magen an zu rebellieren. Ich schaffte es noch knapp ins Freie. Im Freien musste ich Erbrechen. Im Gesicht wurde ich schneeweiss. Vermutlich wurde mein Verhalten durch die Aufsicht beobachtet. Augenblicklich stand eine übereifrige Rettungssanitäterin mit ihrem Gehilfen zur Stelle, welche mich sofort auf die Krankenstation schleppten. Ich war viel zu schwach um mich gegen diese übereifrigen Retter zu wehren. Auf der Station gab es noch weitere Kinder. Möglicherweise hatten diese Kinder auch «Vergiftungserscheinungen» wie ich. Ich wurde auf ein Bett gelegt und sollte ruhig liegen bleiben. Möglicherweise sollte bald ein Arzt aufkreuzen und mich gründlich untersuchen. Das Personal und die Räumlichkeiten machten auf mich keinen vertrauenserweckenden Eindruck. Ich verstand sie nicht und sie mich mit meinem Dialekt erst recht nicht. Als ich mich für einen kurzen Moment unbeobachtet fühlte und die Sanitäter mit den anderen Kindern beschäftigt waren bin ich geflüchtet. Nach kurzer Zeit wurde ich von einer Aufsicht beim Sandkasten aufgegriffen. Diese Person sprach deutsch, so dass wir uns unterhalten konnten. Sie wollte wissen, ob ich nicht auf der Krankenstation gewesen sei, weil ich Erbrechen musste. Ich wusste von nichts und habe ihr erklärt das müsse eine Verwechslung vorliegen. Ich erklärte ihr mit treuherzigem Blick, dass es hier so viele Kinder hier in gelben Latzhosen gebe und sicher eine Verwechslung vorliegen müsste. In jedem Fall fühle ich mich gesund und mir fehle nichts. Vermutlich konnte ich sie mit meinem Charme überzeugen und wurde dann von Niemandem mehr behelligt.
Ca. um 16.00 Uhr hatten die französischsprachigen Kinder eine Aufführung im grossen Puppentheater. Aufgrund der gelben Latzhose gehörten wir auch zu dieser Truppe. Wir wurden in grosses, schönes und stufenartiges Theater geführt. Wir hatten eine sehr gute Sicht auf die Bühne. Es wurde ein Theater mit den Puppen aufgeführt. Aufgrund des Gelächters der anderen Kinder musste es sich um eine lustige Darbietung handeln. Weil wir nichts verstanden haben verhielten wir uns wie Buster Keaton.
Buster Keaton war ein US-amerikanischer Schauspieler, Komiker und Filmregisseur. Keaton zählte neben Charlie Chaplin und Harold Lloyd zu den erfolgreichsten Komikern der Stummfilmzeit. Wegen seines bewusst ernsten, stoischen Gesichtsausdrucks wurde er The Great Stoneface und Der Mann, der niemals lachte genannt.
Soweit ich mich erinnern kann hat mir Tag noch halbwegs gefallen. Ich fand eine nette Spielgefährtin, aus Basel. Wir waren in etwa gleich alt. Mein Bruder Willi hat diese Spielgefährtin nicht gebilligt. Wir kennen diese Person ja nicht und gegenüber von Fremden soll man sich zurückhaltend verhalten. Als Ältester übernahm jeweils mein Bruder Willi die Vaterrolle. Mit den Jahren erhielt er den Spitznamen «Vater».
Für meine Geschwister war dieser Ort ein Ort des Schreckens.
Aufgrund der schlechten Erfahrung mit dem Essen war das für mich auch keine prüfenswerte Option nochmals einen Tag freiwillig im Kinderparadies zu verbringen.
Als es bereits dunkel wurde wurden wir von unseren Eltern im Kinderparadies abgeholt. Ich muss nicht erwähnen, dass wir die letzten Kinder waren, welche abgeholt worden sind.
1964 ging der Zirkus Knie auf Tournee. Der Zirkus hatte für die Dauer der Expo sein Zelt auf dem Expogelände aufgeschlagen.
Selbstverständlich gehörte auch für uns der Besuch einer Abendvorstellung dazu. Der Zirkus war sehr gut besucht und wir hatten einen Platz auf der Tribüne auf der hintersten Reihe. Kurz vor Ende der Vorstellung langweilte sich unsere Mama und sie spielte mit ihrem Ehering. Es kam wie es kommen musste und der Ehering fiel zwischen den Sitzen auf den Kiesboden. Nach der Vorstellung bemühten sich unsere Eltern den Ehering auf dem Kiesplatz zu finden. Zwei marokkanische Zirkusangestellte waren bei der Suche behilflich. Nach über einer Stunde wurde die Suche beendet. Man hinterliess die Adresse, es hätte doch sein können, dass der Ring doch noch gefunden wurde. Unsere Mama war bis an ihr Lebensende überzeugt, dass der Ring gefunden worden ist und der Finder den Ring eingesteckt hat.
***
Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass unsere Mama ihren Ehering verloren ging. Einige Jahre später waren wir in Mels/SG und haben im «Schäfli» das Mittagessen genossen. Nach dem Mittagessen ging unsere Mama auf die Toilette um sich die Hände zu waschen. Zum Händewaschen hat sie den Ring abgezogen und auf der Ablage beim Lavabo deponiert. Dummerweise hat sie vergessen den Ring wieder an den Finger zu stecken. Als sie gegen Abend die Unaufmerksamkeit bemerkte hat sie den Wirt angerufen und ihm ihr Missgeschick geschildert. Leider war der Ring schon weg.
Aller guten Dinge sind Drei.
Diese Redensart kommt wahrscheinlich aus dem Mittelalter, als drei Mal im Jahr eine Ratsversammlung gehalten wurde und ein Angeklagter dabei genau drei Chancen hatte, sich den Richtern zu stellen. Erschien er auch beim dritten Mal nicht zur Verhandlung, wurde er in Abwesenheit verurteilt. Auf altgermanisch hießen diese Gerichtsversammlungen "Thing", es hieß also ursprünglich "Aller guten Thinge sind drei".
Es ist kaum zum Glauben aber unsere Mama verlor ihren Ehering ein Drittes mal.
Ungefähr im Sommer 1985 fuhren meine Eltern in ihrem gepflegten Mercedes nach Südfrankreich.
Südfrankreich und die Côte d’Azur sind reiche Gegenden. Das zieht natürlich auch die Kriminellen an. Dabei sind Gelegenheitsdiebe wie auch organisierte Banden tätig. Vor allem sind diese Diebe auf Touristen spezialisiert. Im Zentrum größerer Städte ist es immer ratsam, die Zentralverriegelung zu schließen, insbesondere dann, wenn man im Stau steht.
Denn schon zwei Tage später geschah es: Die Ampel zeigte auf Rot, neben den Mercedes schob sich ein Motorrad, auf dem zwei junge Männer sassen. Plötzlich wurde die Wagentür aufgerissen. Der Mann auf dem Sozius, in der einen Hand ein Messer, ergriff mit der anderen blitzschnell die Handtasche unserer Mama. Unsere Mama klammerte sich an den Henkeln. Es kam zu einem Handgemenge, die Henkel rissen und die jungen Gangster brausten mit hoher Geschwindigkeit mit der Handtasche davon. Unsere Mama wurde bei dem Handgemenge verletzt. Nun hatte unsere Mama ein gröberes Problem. Unser Papa hatte unsere Mama eingeschärft sämtliche Ringe zuhause im Tresor zu lassen. Unsere Mama hat sich durch unseren Papa nicht verunsichern lassen und hat sämtliche Ringe mit Sicherheitsnadeln in ihrer Handtasche fixiert. Unsere Mama wollte in den Ferien auf ihre Wertgegenstände nicht verzichten. Somit war der Dritte Ehering weg.
***
Heimreise
Nach einigen Tagen traten wir die Heimreise an. Mit dem Auto ging es über Freiburg, Bern und über den Brünigpass nach Hause.
Anschliessend ging wieder in die Schule zur schwarzen Mamba.
Für meine Grossteiler Schulkollegen und mich war das Nikolaus Trinkeln der Schüler ein Höhepunkt des Jahres. Wollte man ein in der Oberstufe (7. 8. Schuljahr) ein Amt (Nikolaus, Knecht Ruprecht, Schmutzli, Beck oder Oberbeck ausüben war es unabdingbar, dass man jedes Jahr am Nikolaus Trinkeln teilnahm. Das Trinkeln fand jeweils vor dem 6. Dezember am Donnerstag statt.
In der 1. Klasse sass ich neben Paul Riebli. Paul war ein sehr angenehmer Banknachbar. Er mochte mich und ich mochte ihn. Ich kam mit allen Schulkollegen und Schulkolleginnen gut zurecht. Zum Teil hatte ich richtig gute Kollegen. Meine Mama interessierte sich immer sehr neben wem ich sass. Diesbezüglich konnte ich es ihr nie recht machen. Sie hatte an meinen Banknachbarn immer etwas auszusetzen. Ich habe das nie verstanden. Ich musste ja in die Schule und nicht sie. Meine Mutter war für mich die grössere Herausforderung als meine Mitschüler.
Schule hatten wir jeweils: Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag jeweils bis ca. 15.00 Uhr
Am Donnerstag und Sonntag hatten wir jeweils Schulfrei.
Uns wurde nie langweilig. Unser Papa und die Mama hatten für Willi und mich immer mehr als genügend (zu viel) Arbeit. Rasenmähen, Garten jäten, im Magazin wischen. Holz (Abschnitte von Bauholz, Schaltafeln usw.) mit der Karette in den Holzkeller transportieren.
Die schönste Jahreszeit war für mich damals für der Winter. Es gab keine Gartenarbeit und im Magazin mussten wir auch nicht arbeiten.
Die Hausaufgaben habe ich jeweils zwischendurch erledigt.
Am Mittwoch 15. April 1965 ging das 1. Schuljahr zu Ende. Ab Donnerstag hatten wir Osterferien.
Was war 1965?
Vorbemerkung: Einen Fernseher gab es in unserer Familie noch nicht.
Das Schweizer Fernsehen strahlte seine ersten Werbesendungen aus. Das verlockte wohl eher noch mehr ausländische Zuwanderer in das idyllische Bergland zu kommen. Gerade das hatte die Schweiz aber durch einen Bundesratsbeschluss abgeblockt. Die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte sollte verringert werden, nicht ansteigen. Erfreulich für die Deutschen war hingegen, dass in der Passierscheinfrage für die Oster- und Pfingstbesuche eine Einigung erzielt werden konnte. Die Menschen in beiden deutschen Staaten hatten sich noch längst nicht an die Mauer gewöhnt und aakzeptierten sie auch noch nicht gänzlich. Da war der Verwandtenbesuch umso willkommener. Großbritannien hatte schon längere Zeit Werbung im Fernsehen. Nun wurde dort aber die Tabakwerbung verboten. Ob sich dadurch der Zigarettenkonsum minimieren ließ, war zunächst nur eine Hoffnung.
- Klasse
Vorbemerkung:
Als Schuljahr wird die Zeitspanne bezeichnet, die ein Schüler benötigt, um von einer Klasse zur nächsten zu gelangen.
In der Schweiz blieb der Schuljahresbeginn lange uneinheitlich und wurde wohl durch die kulturellen Einflüsse der Nachbarländer bestimmt. Im Jahre 1965 ging der Kanton Obwalden, Nidwalden, Uri und Luzern, zum Spätsommerbeginn über. Ausschlaggebend für die Durchführung waren der Wille zur internationalen Anpassung sowie politische und wirtschaftliche Motive. Infolge der engen Verknüpfung mit dem Kirchenjahr und damit mit dem Datum der Ostertage waren die Schuljahre von unterschiedlicher Länge.
Die Erziehungsdirektorenkonferenz, als ein Gremium mit rein beratender Funktion, machte sich die Schulkoordination zur vordringlichen Aufgabe und befasste sich zu mehreren Malen mit der durch das Vorprellen der Innerschweiz entstandenen Diskrepanz unter den deutschsprachigen Kantonen. Sie setzte eine «Kommission für interkantonale Zusammenarbeit im Schulwesen» ein. Diese haben die Vereinheitlichung des Schuljahrbeginnes, des Schuleintrittsalters und der Dauer der obligatorischen Schulpflicht zum Inhalt und stellen sich wie folgt dar: 1. Schuljahresbeginn Es soll eine gemeinsame Regelung für die ganze Schweiz angestrebt werden, und zwar mit Schuljahresbeginn nach den Sommerferien. Die Umstellung soll in den einzelnen Regionen möglichst auf den gleichen Zeitpunkt, spätestens bis 1972, erfolgen.
Nach den Osterferien kam ich in die 2. Klasse. Ich ahnte noch nicht, dass wir im Verlaufe des neuen Schuljahres 4 x einen Lehrerwechsel haben würde.
1965 war es sehr schwierig genügend Lehrer und Lehrerinnen für den Unterricht zu rekrutieren.
Eine Klassengrösse von 60 Schüler wurde durch den Regierungsrat des Kantons Obwalden nicht mehr geduldet. Eine solche Klasse wollte auch Niemand unterrichten.
Unsere Klasse wurde deshalb aufgeteilt. Aus der 1. Klasse und der 2. Klasse wurden 3 Klassen gebildet. 2 reguläre Klassen und eine gemischte Klasse. Ich kam in eine gemischte Klasse. Wir 2. Klässler waren alle Jungs und die 1. Klässler waren alles Mädchen. Alle Jungs mit Namen im hinteren Alphabet kamen in die gemischte Klasse. Die Mädchen wurden willkürlich zugeteilt. So kam es, dass meine Schwester Veronika und ich im miteinander zur Schule gingen. Wir gingen gerne Miteinander in die Schule. Besonders viel mir die 1. Klässlerin Marietheres Steudler auf. Sie war eine sehr aufgeweckte Schülerin. Sie trug als Einzige eine Brille. Die hellblaue Brille unterstrich ihre intellektuelle Ausstrahlung. Ihre Mutter war Damenschneiderin, deshalb war Marietheres immer gut angezogen. Fast 20 Jahre später würden Marietheres und ich miteinander heiraten. Ich konnte damals noch nicht ahnen, dass wir das gesamte Leben gemeinsam meistern würden. Marietheres hat mich damals nicht beachtet und kann sich nur noch an meine Schwester erinnern. Ihr Fokus lag schon damals auf dem Lernen. Meine Interessen schon damals sehr breit gefächert.
Das neue Schuljahr begann mit der Schulmesse im Rudenz. 2 x bis 3 x mussten wir Grossteiler nach Rudenz in die Schulmesse. Das war nicht so unser Ding. Nach der Schulmesse marschierten wir in Zweierkolonne von der Kirche zu den Schulhäusern. Unser zugeteiltes Schulzimmer war im 1. Stock des Schulhauses 1860.
Der neue Lehrer Peter Ming begrüsste uns sehr herzlich. Er war uns/mir sofort sympathisch. Das konnte eine gute Zeit werden.
Die Schiefertafel wurde durch eine Kunststoff-Schülertafel ersetzt. Diese Tafel konnte mit Bleistift beschriftet werden. Gereinigt wurde diese mit einem feuchten Schwamm.
Das Schreibpult hatte eine leicht schräggestellte und aufklappbare Schreibplatte mit einem Loch für das Tintenfass. Schon bald wurde das Tintenfass mit dunkelblauer Tinte gefüllt. Anschliessend wurde die Schreibfeder verteilt und wir steckten die Schreibfeder in den Federhalter. Anschliessend wurde die Schreibfeder in die Tinte getaucht. Wir übten uns im Schreiben mit Tinte. Am Anfang war das ein mehr ein gekleckse.
Bevor es in die Sommerferien ging mussten wir uns von Peter Ming verabschieden. Peter Ming hatte das Lehrerseminar noch nicht ganz abgeschlossen und musste dieses noch abschliessen. Wir Zweitklässler wurden wieder der alten Klasse zugeteilt. Für uns Schüler war der Abschied von Peter Ming sehr schmerzlich.
Nach den Sommerferien mussten wir zu Schwester Anna-Pia in die Schule. Aufgrund ihrer schwarzen Ordenstracht nannten wir sie die Krähe. Charakterlich war sie nicht viel besser als die schwarze Mamba in der 1. Klasse.
Bis jetzt durchliefen wir mehrere Schreibphasen. Angefangen haben wir mit Griffel. Anschliessend folgten Bleistift und Schreibfeder. Bei der Krähe wurde im Herbst der Geha Füllfderhalter mit Tintenpatronen eingeführt. Diesen mussten die Eltern bezahlen. Teilweise waren meine Mitschüler ein wenig ungeschickt und steckten die Reservetintenpatrone verkehrt in das Schaftende. Am Anfang war Schwester Anna-Pia vor allem damit beschäftigt die Missgeschicke zu heben. Die Ungeschickten wurden durch Schwester Anna-Pia gerüffelt.
In der zweiten Klasse wurde damals grosses Gewicht auf die 1. Hl. Kommunion gelegt. In unserer Klasse waren alle katholisch. Vorab wurden wir von Pfarrer Josef Wyrsch in die 10. Gebote eingeführt und auf die Beichte vorbereitet. Damals trugen die Paffen noch die Soutane mit Stehkragen. Das gab ihnen die notwendige Autorität. Man diese Pfaffen mit Tittel anzusprechen. Bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts war die Soutane als Alltagsbekleidung eines Priesters der römisch-katholischen Kirche vor allem in Europa üblich. Entsprechend dem Anlass und der Hierarchiestufe des Geistlichen werden unterschiedliche Farb- und teilweise auch verschiedene Formgebungen in der Kirche benutzt.
Jede Gesellschaft braucht ihre Regeln, denn ohne sie läuft alles drunter und drüber. Das "katholische Grundgesetz" bilden die Zehn Gebote, die Moses einst auf dem Berg Sinai empfangen hat. Die Zehn Gebote enthalten eine Liste religiöser und ethischer Regeln, die im Judentum und im Christentum eine grundlegende Bedeutung haben. Die Kurzfassung der Zehn Gebote nach dem Katechismus der katholischen Kirche lautet: Ich bin der Herr, dein Gott.
- Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
3. Du sollst den Tag des Herrn heiligen.
4. Du sollst Vater und Mutter ehren.
5. Du sollst nicht töten.
6. Du sollst nicht ehebrechen.
7. Du sollst nicht stehlen.
8. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.
10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.
Beichtstühle stehen in vielen katholischen Kirchen. Darin können Katholiken dem Priester ihre Sünden beichten und Gott um Vergebung bitten.
Viele Beichtstühle sehen aus wie ein kleines Häuschen mit zwei oder mehreren Türen oder einem Vorhang. Dahinter verbergen sich zwei kleine Kammern. In einer von ihnen sitzt der Priester, in der anderen der oder die Gläubige, die etwas beichten möchte. Die Kammern sind immer voneinander getrennt, oft durch ein Gitter aus Holz. So können sich Priester und Büsser zwar hören, aber nicht sehen.
Für eine gültige Beichte müssen fünf Voraussetzungen gegeben sein: Gewissenserforschung, Reue, guter Vorsatz, Bekenntnis und Wiedergutmachung. Die Gewissenserforschung zielt vor der eigentlichen Beichte darauf ab, sich der Sünden und ihrer Umstände bewusst zu werden.
Diese fünf Voraussetzungen für eine gültige Beichte habe ich nach meinem Dafürhalten nie erfüllt. Aus diesem Grund habe ich mich auf das Gebot 4 beschränkt. Für mich habe ich das wie folgt ausgelegt: «du sollst Vater und Mutter ehren und wenn sie dich schlagen sollst du dich auch wehren.»
Vor der 1. Hl. Kommunion mussten die gesamte Klasse in die Kirche und jeder musste einzeln in der kleinen Kammer knien und seine «Sünden» beichten.
Durch den Pfarrer wurden die «Sünden» vergeben und zur Busse musste ich anschliessend im Kirchenbank knien und einige Gebete sprechen. Damals war es die Regel, dass man alle vier Wochen beichten sollte. Ich hatte ja nichts zu beichten. Ich stellte somit meine eigenen Regeln auf. Das letzte mal gebeichtet habe ich vielleicht in der vierten Klasse. Seit dieser Zeit habe ich nie mehr einen Beichtstuhl von innen gesehen.
Am Nachmittag vor den Weihnachtsferien hat uns die Krähe überrascht. Sie wollte uns Schüler eine Freude bereiten. Die Schule besass ein Episkop (Ein Episkop ist ein optisches Gerät zur Projektion von meist undurchsichtigen Medien bzw. Projektionsvorlagen. Dabei wird die Vorlage beleuchtet und das diffus reflektierte Licht über einen Spiegel durch ein Objektiv auf eine Projektionswand geworfen). Zuerst zeigte uns die Krähe einige Pflanzen. Dann zeigte sie uns die letzten Diktate. Zuerst von den Schülern die keine Schreibfehler gemacht haben. Es wurde gerätselt wer so gut war. Anschliessend wurden die Hefter von 3 Schülern gezeigt, bei welchen mehr rot als blau war (mit roter Tinte wurde korrigiert). Diese Schüler wurden von der Krähe richtig vorgeführt und gedemütigt. Ich war entsetzt. Auch nach über 55 Jahren erinnere ich mich ganz genau an die Namen meiner Mitschüler, welche von der Nonne vorgeführt wurden. Ich wusste nun wie Ordensleute funktionieren. Nächstenliebe ist für diese eine Worthülse.
Nach den Weihnachtsferien wurde der der Unterricht in der alten Zusammensetzung fortgesetzt. Wir haben der Krähe keine Träne nachgeweint. Wir waren sehr gespannt wer da wieder auf uns als Lehrkraft losgelassen wird. Es war ein Maturant aus Basel. Er hiess Stäuble, trug eine Hornbrille mit dicken Gläsern. Sein unverwechselbarer Basler Dialekt machte uns nicht wahnsinnig aber sein fehlendes pädagogisches Geschick trieb uns fast in den Wahnsinn.
An einem Samstagnachmittag kurz nach 13.00 Uhr demonstrierte er uns seine Autorität. Unsere Schulkollege Laurenz Moser hatte es fertig gebracht ihn zu provozieren. Für den Pädagogen war nun das Mass zu voll. Die Zeit ist nun gekommen ein Exempel zu statuieren und sich den notwendigen Respekt zu verschaffen. In Zukunft würde kein Schüler mehr aufmucksen oder den Herrn Lehrer kritisieren. Die ganze Klasse musste sich im Gang vor dem Schulzimmer aufstellen und zuschauen wie er nun gleich ein Exempel statuieren wird. Er packte Laurenz hinten am Hemdkragen und am Hosenbund, schaukelte ihn hin und her und schmiss ihn die Treppe hinunter. Nach dem Aufprall herrschte totenstille. Wir Schüler waren alle waren fassungslos, erschrocken, so dass wir zunächst nicht realisierten was geschehen war. Ich kann mich noch an die riesengrosse blaue Beule auf der Stirn von Laurenz erinnern und einige weiteren Schrammen. Ich habe noch nie eine so riesige Beule gesehen. Es war mehr als eine Beule, Laurenz hatte ein richtiges Horn. Langsam hat Stäuble begriffen, was er angestellt hat. Wir wurden ins Schulzimmer befohlen und mussten unsere Sachen packen und wurden vorzeitig in den Sonntag entlassen. Stäuble schloss das Schulzimmer ab, flüchtete mit seinem schwarzen Militärvelo zum Bahnhof und nahm den nächsten Zug nach Basel. Laurenz schleppte sich nach Hause. Laurenz Vater war ein autoritärer Mann und arbeitete bei den SBB als Zugführer. Dieser duldete die Erziehungsmethoden von Stäuble nicht. Zuhause wurde Laurenz notfallmässig versorgt. Für Albert Moser der Vater von Laurenz hatte nun oberste Priorität Stäuble zur Rede zu stellen. Albert Moser packte Laurenz auf den Gepäckträger seines Velos und gemeinsam ging es zum Schulzimmer von Stäuble. Stäuble war schon über alle Berge. Wie die Sache weiter gegangen ist entzieht sich meinen Kenntnissen.
Für alle Mitschüler war dieser Vorfall das Gespräch am Sonntag. Gestärkt gingen wir Schüler am Montag wieder in die Schüler. Wir Schüler haben die uns erteilte Lektion schneller gelernt als Stäuble träumen konnte. Nur gemeinsam, mit gleichen Rechten für alle, unabhängig von unserer Herkunft, sind wir stark. Wir liessen uns nicht spalten. Gewalt an einem Mitschüler konnten wir nicht akzeptieren. Die Zeit war reif für einen Aufstand der Anständigen. Das Exempel brachte für Stäuble nicht den erhofften Erfolg. Stäuble hatte seinen Zenit überschritten, er musste sich einen neuen Job suchen.
Nach den Osterferien wird Peter Ming seine Ausbildung abgeschlossen haben und er wird uns wieder unterrichten.
Der Weisse Sonntag ist der Sonntag nach Ostern und somit der zweite Sonntag der Osterzeit. In der katholischen Kirche ist der Weisse Sonntag traditionell der Tag für die gemeinsame feierliche Erstkommunion der Kinder. Für uns 2. Klässler war das damals das Jahreshighlight.
Die Vorbereitungen und die vielen Proben in der Kirche finde ich nicht besonders erwähnenswert.
Der Weisse Sonntag war an meinem Namenstag am 25. April 1965.
Persönlich habe ich diesen Tag als nervig empfunden. Weshalb hat mich dieser Tag genervt.
Das Trauerspiel hatte schon für über einem Jahr seinen Anfang genommen. Mein 14 ½ Monate älterer Bruder Willi wurde für den Weissen Sonntag neu eingekleidet. Die Jungs trugen damals am Weissen Sonntag eine Kleidung (Hose und Kittel aus denselben Stoff). Unsere Mama und Willi sind mit dem Auto ins Modegeschäft Felder gefahren um eine Kleidung zu kaufen. Soweit so gut. Aus Erfahrung wusste ich das ich das gute Stück einmal erben würde. Bei uns wurden die Kleider immer vom Älteren zum Jüngeren weitergegeben. Für mich war und ist das nachvollziehbar. Ich habe sie beauftragt beim Kauf auch an mich zu denken und eine hautfreundliche Hose zu kaufen. Als ich das gute Stück zu Gesicht kam, wusste ich dieses Stück ist alles andere als hautfreundlich. Schon aus grosser Distanz sah ich, dass dieser Stoff die Haut reizt. Dieser Stoff kratzt und irritiert die Haut.
Einige Wochen vor dem Weissen Sonntag fuhr meine Mama mit mir zum Modegeschäft Felder. Nun musste ich eine Kleidung probieren. Mich erstaunte es nicht, dass Frau Felder noch dieselbe Kleidung in verschiedenen Grössen wie Willi eine ausgewählt hatte in ihrem Angebot hatte. Mich interessierte lediglich ob die Hose kratzen würde. Das optische war mir egal. Ich probierte die Hose und diese kratzte fürchterlich. Frau Felder versicherte mir, dass die Hose nur 1 x gewaschen werden müsste und die Hose würde nicht mehr kratzen. Ich glaubte ihr kein Wort. Mein Bruder war in der Zwischenzeit etwas gewachsen meine Mama hat für Wille eine neue Kleidung in einer grösseren Nummer gekauft. Ich wollte dieses kratzige Ding nicht. Zuhause wurde Willis Kleidung in meinen Schrank gehängt. Ich würde am Weissen Sonntag diese kratzige Hosen anziehen müssen. Sträflinge hatten bequemere Kleidung. Ich schwor mir nie in meinem Leben würde ich eine Kleidung aus Wolle oder anderem kratzigen Stoff kaufen.
Wie ich schon geahnt hatte, hatte das Waschen der Hose nichts gebracht. Im Winter trugen wir damals lange Unterhosen. In der Not blieb mir nichts anderes übrig, als lange Unterhosen anzuziehen. Für die langen Unterhosen war es schon zu warm. Ich konnte auswählen zwischen Cholera und Pest. Am Weissen Sonntag mussten wir uns 08.45 Uhr bei der Kaplanei Grossteil für den Einmarsch in die Kirche besammeln. Meine Mutter ist dann auch noch aufmarschiert um zum Rechten zu schauen, die Krawatte ordentlich sass und das Einstecktuch/Pochette nicht verrutscht war. Meine Mutter sah aus wie eine Filmdiva. Sie trug weisse Handschuhe und einen Hut. Als meine Schulkollegen und Kolleginnen meine Mutter erblickten sind sie fast vor Ehrfurcht erstarrt. Einige fassten sich wieder und fragten wer das wäre? Sie wandten sich an mich und fragten mich ob ich diese Erscheinung kennen würde? Ich verneinte und äusserte mich dahingehend, dass ich keine Ahnung hätte und diese Frau noch nie gesehen hätte. Jemand aus meiner Nachbarschaft erkannte meine Mutter. In diesem Moment war mir das so peinlich, dass ich am liebsten in einem Erdloch verschwunden wäre. Im damals sehr ländlich geprägten Giswil einen solchen Auftritt zu wagen, war mehr als peinlich. Nach ihrem kurzen Auftritt ist sie dann wieder gegangen. Dieser Auftritt war kaum zu toppen.
Der weitere Verlauf der Feier verlief in gewohnter Manier und ist nicht besonders erwähnenswert.
Am Nachmittag mussten wir in die Kirche Rudenz zur Taufgelübdeerneuerung mit anschliessendem Klassenfoto.
Für das Klassenfoto wurde eine mobile und mehrstufige Holztribüne aufgestellt. Ich stellte mich zuoberst in der Mitte auf. Zuoberst gab es ein horizontales Geländer, so dass Niemand hinunterfallen konnte. Bis alle richtig platziert waren verging einige Zeit. Ich setzte mich demonstrativ auf das Geländer. Dies fiel meiner Mutter sofort auf und meine Mutter befahl meinem Bruder hinter die Tribüne zu gehen und mir zu befehlen, ich solle sofort aufstehen, wenn ich dies nicht machen würde hätte das entsprechende Konsequenzen. Mein Bruder fehlte mir noch in der Wurmbüchse. Ich stellte meine Ohren auf Durchzug und negierte ihn ganz einfach. Dem Fotographen ist das nicht aufgefallen. Aus diesem Grund bin auf diesem Foto weit aus der Kleinste der Klasse. Meine Mutter hat sich grün und blau geärgert und ich empfand dabei eine tiefe innere Befriedigung.
Nach den Osterferien ging es wieder in die Schule. Peter Ming erkannte seine Klasse nicht wieder.
Er fragte sich: «was haben die aus meinen Schüler nur gemacht.» In der kurzen Zeit bis zu den Sommerferien konnte er uns nur teilweise für die Schule begeistern. Es war nur noch Flickwerk.
Er hoffte, dass die Meisten die Kurve noch kriegen würden und er war sich auch bewusst, dass es für Einige nach der 3. Klasse einen angepassten Unterricht geben muss.
Peter Ming war sich bewusst, der Lernerfolg steht und fällt mit der Lehrperson. Dabei ist zentral, dass es ihr gelingt, zu den Schüler/innen eine gute Beziehung aufzubauen.
Ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis kommt allen Beteiligten zugute, sorgt es doch für ein lernfreundliches Unterrichtsklima. Und es hat einen weiteren Effekt, wie sich ein gutes Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern auf das Wohlbefinden und auf die Motivation der Lehrkräfte selbst auswirkt. Ein Ergebnis: Wenn die Kinder unmotiviert und undiszipliniert sind, steigert dies die emotionale Erschöpfung der Lehrkraft. Oder umgekehrt ausgedrückt: Eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung fördert auch die Gesundheit des Lehrers.
Es ist tragische, dass wir bereits in der zweiten Klasse die Erfahrung machen mussten, dass die Schule vermutlich der Vorort zur Hölle ist.
Soviel zur zweiten Klasse.
Was war 1966
In der UdSSR gab es einen Machtwechsel. Leonid Breshnew wurde Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU. Die Menschen in der Sowjetunion nahmen die neue Führung zunächst mit Zuspruch an. Breshnew, der Unantastbare, stand für politische Stabilität ohne Reformen. Die Welt wurde außerdem Zeuge der beginnenden, vom chinesischen Machthaber Mao Zedong eingeleiteten „Großen Proletarischen Kulturrevolution“, die durch die „Vollstrecker“, die Roten Garden, umgesetzt wurde. Von der Beseitigung staatlicher Missstände war die Rede. Schließlich wurden Massenkampagnen daraus, die auch zur Zerstörung wertvoller Kulturgütern führten.
Der technische Fortschritt zeigte sich überall. Der Start der Raumkapsel „Gemini 9“, in der sich zwei Astronauten befanden, von denen der eine sogar einen „Weltraumspaziergang“ unternahm, war ein Beweis dafür. Auf der Erde gab es natürlich ebenfalls technische Errungenschaften.
Immer wieder geriet der Vietnamkrieg in die weltweiten Nachrichten. Kein Wunder, denn es ging nicht nur um die Bombenabwürfe der US-Amerikaner. Inzwischen waren auch die Katholiken und Buddhisten in Südvietnam zerstritten und feindeten sich an. Zum Feind von außen kamen die inneren Feindschaften.
Das die katholische Bevölkerung in Italien zu großen Teilen kommunistisch organisiert war, behagte der Kirche nicht. Als Oberhaupt der katholischen Christenheit machte sich darum Papst Paul VI. auf, und besuchte eine Arbeiterversammlung. Ob er verloren gegangene Schäfchen zurückholen konnte, blieb fraglich. Aber der Versuch, zeigte immerhin, wie viel Boden die Kirche unter den Arbeitern verloren hatte. Da half wohl kein Beten, da half nur Präsenz vor Ort, um die sich der Papst also bemühte.
- Klasse
Nach den Sommerferien ging es in die 3. Klasse. Erneut wurde unsere Klasse neu zusammengesetzt. Wir Jungs von der 2. Klasse blieben zusammen. Neu ging ich mit Mädchen in die Schule, welche die 4. Klasse besuchten. Unter anderem waren 2 Kusinen von mir in der 4. Klasse. Zu meinen Kusinen pflegte ich keinen Kontakt. Mir passte das gar nicht. Es blieb mir nichts anderes übrig als mich in der Schule unauffällig zu verhalten. Meine Kusinen waren der Inbegriff von Klatschtanten. Sie wussten immer das Neuste. Zu allem Übel wohnte eine Kusine im Haus meiner Grossmutter, welche Witfrau war und die interessierte sich wirklich für alles. Für mich war das eine besondere Herausforderung. Meine Eltern hielten mich besonders an der kurzen Leine. In der 4. Klasse gab es zu viele Schnepfen. Das gibt keinen guten Klassengeist. Wir Jungs würden uns einmal mehr organisieren müssen.
Unsere neue Lehrerin hiess Hofstetter, sie war jung und nach meiner Beurteilung wäre sie sicher eine Sünde Wert gewesen, nur welche Lehrerin will schon einen 3. Klässler, da gibt es nur Ärger und Stress in mehrfacher Hinsicht. Die Lehrerin gab sich grosse Mühe besonders streng auszusehen, sie trug extra eine grosse, schwarze Hornbrille und hat ihre mittellangen und dunkle Haare zu einem Schwalbenschwanz zusammengebunden. Wir malten uns aus, wie sie ohne Brille und offenen Haaren aussieht. Ich gehe davon aus, dass sie vor uns gewarnt worden ist und sich deshalb sehr autoritär war.
Wir haben von Frau Hofstetter nicht erwartet, dass sie sich mit uns verbrüdert oder unser Kumpel wird. Als Schüler brauchen wir Klarheit und Orientierung. Die gute Frau hat das mit Zucht und Ordnung verwechselt.
Frau Hofstetter hat uns nebst den Hausaufgaben zusätzlich mit Strafaufgaben gegeisselt. Wir durften hundert Mal schreiben «ich darf den Unterricht nicht stören». Zu allem Übel musste diese Strafaufgabe von den Eltern unterschrieben werden. Für mich war das mit zusätzlichem Stress/Ärger verbunden. Da ist guter Rat teuer und ich war der Verzweiflung näher als mir lieb war, ich wünschte mir eine Lösung des Problems. Aus Erfahrung wusste ich Nachdenken hilft. Die Lösung lag auf der Hand. Meine Eltern waren viel beschäftigte Leute und ich wollte sie mit solchem Mist nicht weiter behelligen, also würde ich ab jetzt und in Zukunft alles in ihrem Namen unterzeichnen. Das Problem war vorerst gelöst.
Die Eltern haben das Recht, den Unterricht und Schulveranstaltungen ihrer Kinder zu besuchen. Zu der damaligen Zeit machte Niemand von diesem Recht Gebrauch. Eines schönen Tages eröffnete mir meine Mutter, dass sie demnächst mich in der Schule besuchen wollte. Ich habe mit Engelszungen auf meine Mutter eingeredet einen solchen Besuch zu unterlassen. Meine Schulkollegen würden mich nach einem solchen Besuch hänseln, ich hätte nichts mehr zu lachen, heute spricht man von Mobbing. Selbstverständlich war meine Mutter meinen vernünftigen Argumenten nicht zu zugänglich. Sollte ich gehänselt werden, so solle ich mich entsprechen wehren und meine Schulkollegen zur Brust nehmen. Ein Tsunami lässt sich nicht aufhalten, er wird zuschlagen, den genauen Zeitpunkt kennt man einfach nicht. Eines Tages war es soweit. Kurz vor Schlussschluss klopfte es an der Türe, ein Mitschüler öffnete die Tür und meine Mutter trat ins Schulzimmer. Meine Mutter kam zu mir ans Pult und begrüsste mich. Alle fragten sich was das für eine Frau sei, welche mich am Pult begrüsse? Ich sagte nur ich hätte keine Ahnung und kenne diese Frau nicht. Frau Hofstetter beendete den Schulnachmittag und ich verliess fluchtartig das Schulzimmer. Zum Glück mussten noch einige Kollegen, wegen Bagatellen nachsitzen, somit konnten sie mir am nächsten Tag berichten was für eine Tragödie sich zugetragen hat. Meine Mutter erkundigte sich über meine Leistung und mein Verhalten. Unter anderem wurde meine «wunderbare» Handschrift thematisiert. (Ich war Linkshänder. Zu der damaligen Zeit wurden Linkshänder meist wenig gesellschaftlich anerkannt und deshalb auf rechtshändig umgeschult). Frau Hofstetter meinte: «Sie kennen seine Arbeiten, sie haben diese auch unterzeichnet». Es kam wie es kommen musste. Meine Mutter ist völlig ausgerastet und hatte Ihre Wut nicht mehr im Griff. Erste Hilfe bei Wutanfällen gab es damals noch nicht. Es fehlte an fachlicher Hilfe und kompetenter Unterstützung. Vielleicht wäre sie auch in diesem Moment nutzlos.
Meine Mutter hat in ihrem Zorn sämtliche Hefte zerrissen und auch noch andere Hefte von meinen Schulkollegen zerrissen.
Aufgrund des traumatischen und belasteten Ereignisses, weiss ich nicht mehr was anschliessend im Detail zuhause abgegangen ist. Ich weiss nur noch, dass ich mit aller Härte sanktioniert worden bin und die zerstörten Hefte neu ausfertigen musste. Dieser Prozess dauerte gefühlt über Monate. Nach Ostern war dann Schluss. Frau Hofstetter hat /musste uns verlassen. Vermutlich musste sie gehen, weil ihr als Lehrerin jegliches pädagogisches Geschick fehlte.
Mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hatte ich damals eine dissoziativer Amnesie mit einer oder mehreren Gedächtnis-lücken. Diese Lücken umfasst mein ganzes Leben. Gestützt auf diesen Vorfall habe ich grosse Schwierigkeiten, Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Mein gesamtes Leben hatte ich eine gestörte Beziehung zu meiner Mutter.
Oft fragt man sich, ob es denn noch schlimmer kommen kann. Und dann passiert es - man kommt vom Regen in die Traufe.
Es kam noch schlimmer, nach Ostern wurde ein neuer Lehrer angestellt. Josef Bucher mit schwarzer Hornbrille, ein völlig autoritäres Arschloch. Er stellte hohe Anforderungen und ist auf die Bedürfnisse von uns Schüler nicht eingegangen. Er hat seine Anforderungen durch die Ausübung von Gewalt und den Einsatz von Drohungen und Strafen durchgesetzt. Damals gab es die Notenskala 1 – 4. 1 war die beste Note und 4 die schlechteste Note. Eigenmächtig hat Josef Bucher eine eigene Notenskale eingeführt. Seine Skale reichte von 1 -5. Mit dem Ergebnis alle Schüler hatten schlechtere Noten.
Trotz aller Widerwärtigkeiten war ich ein durchschnittlicher Schüler.
Vor den Sommerferien gab es das letzte Zeugnis. Diese Zeugnisse hatten es in sich. 4 Schulkollegen mussten nach den Sommerferien in die neu eröffnete Hilfsschule wechseln. Die Hälfte der Klasse konnte nach den Sommerferien nur bedingt die 4. Klasse besuchen. Das heisst die Leistungen mussten besser werden, sonst musste man in die Hilfsschule oder die Klasse wiederholen.
Ich muss nicht erwähnen, das Zeugnis entsprach nicht meinen erbrachten Leistungen. Ich empfand das Zeugnis als unfair und ungerecht. Das konnte nur noch besser werden.
Aufgrund eines weiteren traumatischen Ereignisses weiss ich nicht mehr was zuhause abgegangen ist. Ich entsprach in keiner Art und Weise den Vorstellungen und Wünschen meiner Eltern.
Was hat das mit mir gemacht:
Ich glaubte, mich erst mögen zu können, wenn ich meine "Mängelliste" abgearbeitet habe und ohne Fehl und Tadel bin. Vielleicht dachte ich sogar, dass ich meine Schwächen niemals beheben kann, sondern mein Leben lang minderwertig bleiben muss und einfach "nicht in Ordnung" bin.
Diese schlechte Meinung von mir führte dazu, dass ich
- Angst vor Ablehnung hatte,
- Angst hatte meine Meinung zu sagen,
- Angst hatte meine Bedürfnisse zu äussern,
- Forderungen abzulehnen,
- selbstbewusst aufzutreten, und, und ...
Ich forderte Perfektion von mir und traute mich erst gar nicht an neue Vorhaben, weil ich glaubte, es nicht zu schaffen. Ich versuchte meine Selbstzweifel hinter einer Maske von Unnahbarkeit und Kälte zu verbergen, die bei anderen als Arroganz ankommt.
Es blieb mir nichts anderes übrig als mir Asche auf meinen Kopf zu streuen und ein Büssergewand anzuziehen. Asche gilt als Zeichen der Trauer, Busse und Umkehr. Der graue Verbrennungsrückstand symbolisiert aber, vor allem im christlichen Zusammenhang, ebenso den Neuanfang und die seelische Reinigung.
Erreicht eine Lehrperson durch Strenge und Strafen vielleicht die Ruhe, die sie im Klassenzimmer braucht?
Aus der Forschung wissen wir, dass das nicht der Fall ist. Wenn eine Lehrperson ein Kind oder einen Jugendlichen abmahnt, also zum Beispiel Strafaufgaben aufgibt oder einen Störenfried vor die Tür setzt, haben diese Strafen langfristig gesehen überhaupt keinen positiven Effekt. Möglicherweise gibt es eine kurze Ruhephase, solange das Kind nicht im Klassenzimmer ist. Auch das ist aber nicht garantiert, viele Kinder wüten vor der Tür weiter. Häufig kommt es zu einem beziehungsschädigenden Pingpong-Effekt, weil das Verhalten der Lehrperson beim Kind neue Aggressionen auslöst.
Wir Jungs waren bereits in der 3. Klasse Schulmüde.
Schüler brauchen Klarheit und Orientierung
Zu einer menschlichen und lebendigen Pädagogik gehört es, als Lehrer klar und konsequent zu sein, selbst wenn die Schüler dies vordergründig als garstig und abweisend empfinden sollten. Es ist wohl die pädagogische Kunst schlechthin, als Lehrer einen klaren Weg zu finden zwischen natürlicher Autorität (Ausstrahlung) und autoritärem Gehabe. Schüler besitzen dafür empfindliche Sensoren und können durchaus unterscheiden, ob diese Ausstrahlung des Lehrers überzeugend oder nur vorgespielt ist.
Sie wünschen sich zu Recht einen Lehrer mit natürlicher Autorität, der sie beachtet, liebt, ernst nimmt, fördert, unterstützt und den sie gleichzeitig respektieren können. Auch sollte er neben fachlichem Wissen eine natürliche Empathiefähgigkeit besitzen. Gleichzeitig erwarten die Schülerinnen und Schüler, dass ein Lehrer sich durchsetzen und überzeugend Grenzen setzen kann, falls dieser von der Klasse oder von einzelnen Schülern in Frage gestellt werden. Indem Heranwachsende die Autorität des Lehrers testen, loten sie zugleich aus, wie weit sie selbst gehen können. Dies gehört zur Pubertät im Allgemeinen und zum „Spiel“ des Unterrichts zwischen Schülern und Lehrern im Besonderen.
Was war 1967
Die Schweiz hat sich im Sechstagekrieg, mit Israel solidarisiert. Dies führte bei den arabischen Staaten zu grosser Verstimmung und schliesslich zu einer diplomatischen Krise.
Am Morgen des 5. Juni 1967 begann Israel den Krieg mit seinen Nachbarstaaten Ägypten, Jordanien und Syrien. Ein Krieg, der nicht nur im Nahen Osten Folgen hatte. In der Schweiz sorgte der Konflikt für diplomatische Verwerfungen. Denn am Tag nach Beginn des Sechstagekriegs intervenierten acht arabische Staaten aufgrund einer Medienmitteilung beim Bundesrat.
«Ungewöhnlich häufige und heftige Stürme»
Besonders «wetterig» sind aber der Februar und der März. Am 23. und 28. Februar ziehen verheerende Stürme über die Schweiz, verwüsten Wälder, Häuser und Bauplätze. Im Witterungsbericht von Meteo Schweiz heisst es etwa: «Auf der Alpennordseite brachte der Februar neben hohen Temperaturen und Reichtum an Sonnenscheindauer ungewöhnlich häufige und heftige Stürme.» Ganze Wälder werden einfach zu Kleinholz zerlegt, in Zürich werden die bis dahin höchsten gemessenen Windspitzen von 135 km/h registriert, ist einem Eintrag im Sturmarchiv der Schweiz zu entnehmen.
- Klasse
Nach den Sommerferien ging es in die 4. Klasse. Erneut wurde unsere Klasse neu zusammengesetzt. Wir Jungs von der 3. Klasse blieben zusammen, ausser Jenen, welche in die Hilfsschule mussten. Zusätzlich kam Hermann dazu, welcher die 3. Klasse repetieren musste. Im Kleinteil gab es damals eine Aussenschule von der 1. bis 3. Klasse. Die Mädchen von dieser Schule absolvierten mit uns die die vierte Klasse.
Unser neuer Lehrer hiess Josef Kuster.
Kurzvorstellung / Merkmale von Josef Kuster:
- Liebhaber von sportlichen Autos. Besonders beeindruckt hat uns sein weisser
«VW Karmann-Ghia Typ 14»
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Wir Schüler vermuteten, dass der Bruder von Josef Kuster Garagier sei. Nur so konnten wir uns die verschiedenen, sportlichen Autos erklären. |
- Er erschien am Morgen in der Regel 5 Minuten vor Unterrichtsbeginn.
- 5 Minuten nach Schulschluss schloss er das Klassenzimmer und machte sich auf die Heimfahrt.
- Nachsitzen gab es nicht
- Den Turnunterricht übernahm der Klassenkamerad Arthur. Er war im Jugendturnverein und deshalb in hohem Masse geeignet und diese Lektion zu erteilen. Wir vermuteten, dass Josef Kuster einen Unfall im Militär hatte und deshalb keinen Sport treiben durfte. Uns hat das nicht gestört.
- Insgesamt war Kuster fair und korrekt zu uns.
In der Regel ist Josef Kuster 1 bis 2 mal pro Monat ausgerastet, vielleicht waren es auch Wutanfälle. Den Auslöser für dieses Verhalten konnten wir nicht ausfindig machen.
Um seinen Anfall unter Kontrolle zu bringen jagte er uns auf den Pausenplatz. Wir mussten dann auf dem Pausenplatz in verschiedenen Formationen Antreten. Beim Antreten mussten wir uns in «Reih und Glied» aufstellen. Dabei mussten wir auf die Geradlinigkeit der Reihen achten. Der Befehlshaber (Kuster) stand der Formationen gegenüber. Um dem ganzen einen weiteren Reiz zu verleihen, kommandierte Kuster uns in verschiedenen Formationen aufzustellen und das innert kürzester Zeit.
Das eigentliche Antreten beginnt mit dem Befehl Stillgestanden! und endet mit dem Rührt Euch!
Jeder höhere Offizier hätte bei diesem exerzieren gestrahlt. Wir haben diesen Mist erdulden müssen.
In der Regel war der Spuk nach 15 Minuten vorbei.
Vermutlich sollte diese Übung der Disziplinierung dienen.
Insgesamt war die 4. Klasse ein stressfreies und angenehmes Schuljahr. Ich war mit den Bewertungen meiner Leistungen zufrieden.
Alle Schulkollegen schafften den Übertritt in die 5. Klasse. Es wurde auch Niemand zurückversetzt.
Hier noch eine kleine Anekdote:
Josef Kuster hatte vermutlich den Auftrag gefasst für irgendeinen Anlass einen Beitrag beizusteuern. Eines schönen Nachmittages mussten einige ausgewählte Schulkollegen und ich in die Garderobe der Turnhalle. Dort warteten schon einige Mädchen auf uns. Von einer Frau erhielten wir eine Einführung von Volkstänzen.
Zur Vorbereitung einer Tanzprobe gehört nicht nur das Erlernen der ausgewählten Tänze, sondern
auch die Analyse der Struktur des jeweiligen Tanzes und das Zerlegen in sinnvolle Abschnitte. Danach
plant und übt der Tanzleiter das methodische Vorgehen, wie er der Gruppe den jeweiligen Tanz
beibringen will.
Die grundlegende Methodik zum Instruieren von Volkstänzen besteht aus folgenden Schritten:
1) Kurze mündliche Einstimmung
2) Ersten Abschnitt (z. B. 4, 8 oder 16 Takte) zuerst mit rhythmischem Sprechen vorzeigen, …
3) … dann mit rhythmischem Sprechen mit der Gruppe üben und wiederholen.
4) Den nächsten Abschnitt vorzeigen, üben und mit rhythmischem Sprechen die Abschnitte
zusammensetzen, bis die Gruppe die erste Figur (z. B. Satz A) flüssig tanzen kann.
5) Erste Figur (z. B. Satz A) mit Musik üben, ev. wiederholen.
6) Zweite Figur (z. B. Satz B) Abschnitt für Abschnitt vorzeigen, üben, zusammenfügen, wiederholen.
7) Zweite Figur (z. B. Satz B) mit Musik üben, ev. wiederholen.
8) Erste und zweite Figur mit Musik üben (z. B. AA BB A), ev. wiederholen.
Mir persönlich hat es noch recht gut gefallen diese Tänze kennen zu lernen.
In der Pause argwöhnten einige Schulkollegen, dass diese Tanzerei nichts für uns wäre und wir uns besser heimlich aus dem Staub machen sollten. Da ich kein Spielverderber sein wollte habe ich mich meinen Kollegen angeschlossen. Wir wurden nie mehr mit Volkstänzen behelligt.
Was war 1968
Kennedy wird während seines Wahlkampfs für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Ambassador Hotel in Los Angeles, Kalifornien, von einem pro-palästinensischen Nationalisten ermordet.
In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 rücken Truppen von fünf Warschauer Pakt-Staaten in die Tschechoslowakische Sozialistische Republik (CSSR) ein. Damit werden die als "Prager Frühling" bezeichneten Reformversuche der kommunistischen Partei der CSSR gewaltsam beendet.
In der Schweiz zeigte die Bevölkerung sofort Solidarität mit dem tschechoslowakischen Volk. Das Land nahm Tausende von Flüchtlingen ohne grosse Formalitäten auf.
Apollo 8 erreicht als erste bemannte Raumfähre den Mond.
Erste Ereignisse in der Schweiz waren die Besetzung des Lehrerseminars in Locarno im März 1968, die Demonstration für ein autonomes Jugendzentrum in Zürich am 13. Juni 1968 und der sogenannte „Globuskrawall“ in Zürich am 29. Juni 1968, der als Initialzündung der Bewegung in der Schweiz gilt.
- Klasse
Nach den Sommerferien ging es in die 5. Klasse. Erneut wurde unsere Klasse neu zusammengesetzt.
Die nächsten 2 Jahren werden wir eine reine Knabenklasse sein. Mit Meinrad Burch als Lehrer hatten wir das grosse Los gezogen. Folgende Fähigkeiten zeichneten ihn aus: ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten, Empathie und eine Leidenschaft für lebenslanges Lernen. Diese Eigenschaften förderten nicht nur eine positive und anregende Unterrichtsumgebung, sondern steigerten auch den Erfolg von uns Schülern und weckten die Freude am Lernen.
Wie wird man ein großartiger Lehrer?
Gute Lehrer geben Schüler mit schlechten Noten oder geringer Aufmerksamkeitsspanne nicht auf. Sie ignorieren oder langweilen auch keine Leistungsträger. Sie haben hohe Erwartungen, sind hochmotivierend und glauben an alle ihre Schüler. Gute Lehrer stellen nicht nur hohe Erwartungen, sondern fordern ihre Schüler auch heraus.
Meinrad Burch hat uns gefördert und auch gefordert. Für mich sollten es die zwei schönsten Schuljahre werden.
Schulsport was für Meinrad Burch wichtig. Er war überzeugt, dass Sport die positive Entwicklung von uns Schülern fördert und ein wichtiger Ausgleich im Schulalltag sein sollte. Im klettern (Stange und Tau) hatte ich fast keinen Konkurrenten. Weitere Spezialitäten von mir waren Hochsprung, Weitsprung und 80 m Schnelllauf. Der Rest hat mich weniger interessiert.
Damals wusste ich noch nicht, dass ich in ca. 3 Jahren von Meinrad Burch regelmässig vom Pausenplatz in die Turnhalle geholt werde um seinen Schülern eine Vorführung im Klettern zu geben.
Für meine Eltern war Sport etwas für Unterbeschäftigte. Sie haben mich immer mit genügend Arbeit eingedeckt, da blieb keine Zeit für weitere sportliche Aktivitäten. Für unsere Familie musste ich nach der Schule oft noch schnell in die Metzgerei, Molkerei, Bäckerei usw. Die diversen Einkäufe erledigte ich blitzartig mit dem Velo. Mit meinen Einkäufen war meine Mutter meist zufrieden. Ihre Ansprüche waren nicht ganz einfach zu erfüllen. Selbst meine Grossmutter hatte bemerkt, dass ich mit dem Velo rassig unterwegs bin Meine rassige Fahrweise hat sie beeindruckt. Velofahren hat mir den Kopf frei gemacht und Glücksgefühle ausgelöst. Kein Wunder, schliesslich konnte ich während der Fahrt den Wind um die Nase wehen lassen und den Gedanken einfach mal freien Lauf lassen.
Im weitern hatten wir einen sehr grossen Rasen, diesen musste ich jeweils am schulfreien Tag mähen. Wir hatten einen Benzinrasenmäher ohne Antrieb. Mit dem Rasenmähen war ich schon einige Stunden beschäftigt.
Meine Mutter hatte über 1'000 Rosenstöcke, welche 2 x im Jahr vom Gärtner gepflegt werden musste. Ich durfte / musste jeweils dem Gärtner handlangern. Der Gärtner Pius Rohrer war ein Schulkollege von meinen Vater. Sie besuchten zusammen das Kollegium in Sarnen. Pius Rohrer hatte seine Gärtnerei in Wilen, damit er nicht nach Hause fahren musste hat Papa Pius jeweils zum Mittagessen eingeladen. Ich kann mich erinnern, dass es zwischen Papa und Pius zu einem hitzigen Disput gekommen ist. Pius lobte meinen Arbeitseinsatz und war der Ansicht, dass was mein Vater mit mir mache sei Kinderarbeit. Als Kinderarbeit zählen jene Arbeiten, für die Kinder zu jung sind, die gefährlich oder ausbeuterisch sind, die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Kinder vom Schulbesuch abhalten. Sie beraubt Kinder ihrer Kindheit. Da ist er bei meinem Vater an die richtige Adresse gelangt. Mein Vater hatte für solche linken Vorstellungen kein Musikgehör.
Für mich hat sich nichts geändert.
In der Regel hate es in einem Garten auch Platz für Erholung/Nichtstun. Beim Garten meiner Eltern gab es das nicht. Liegestühle waren für uns ein Fremdwort. Obwohl die frühesten Erwähnungen von Liegestühlen auf die Bronzezeit zurück gehen. Liegestühle aus Holz wurden auch im alten Ägypten, Griechenland und Rom verwendet.
Schon damals wusste ich einen eigenen Garten ist für mich nie erstrebenswert insbesondere Rosen.
Im Magazin/Werkhof gab es auch immer zu tun. Vor allem wurde ich in meiner Freizeit mit Reinigungsarbeiten beschäftigt.
Ich liebte den Winter, da hatte ich ein bisschen Zeit mich zu erholen. Unser Vater hasste den Winter. Für seine Bauunternehmung war das die schwierigste Jahreszeit.
***
Vor genau 50 Jahren, am 21.August 1968, besetzten die Truppen des Warschauer Paktes die Tschechoslowakei und beendeten den "Prager Frühling." In der Schweiz protestierten Tausende, um ihre Solidarität mit den Tschechen und den dortigen Versuchen einer Demokratisierung zu zeigen. Die Schweiz wurde zu einem bevorzugten Zielland für tschechische Flüchtlinge.
Insgesamt flohen 13'000 bis 14'000 Tschechoslowaken in die Schweiz. Die Schweiz war damit das grösste Aufnahmeland in Europa. Die Schweizer Asylpraxis für tschechoslowakische Flüchtlinge war sehr liberal und wurde von einer grossen Solidaritätsbewegung unterstützt.
Diese Solidarität beruht sicherlich auch auf einem antikommunistischen Reflex. Dazu kam, dass es sich generell um gut ausgebildete Personen handelte, die von einem kleinen Land kamen, mit dem sich die Schweizer im weitesten identifizieren konnten, und mit dem die Schweiz nach der Machtübernahme durch Dub%u010Dek gute diplomatische Beziehungen unterhielt.
Paradoxerweise entfaltete sich diese Solidarität gegenüber den tschechoslowakischen Flüchtlingen ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem in der Schweiz eine Debatte zur «Überfremdung» durch Ausländer wütete. Diese war durch die so genannte «Schwarzenbach-Initiative» angestossen worden, welche die Zahl der Ausländer in der Schweiz reduzieren wollte. Interessanterweise hatte die Diskussion um die Ausländer in der Schweiz keinerlei Einfluss auf die Bereitschaft zur Aufnahme tschechoslowakischer Flüchtlinge.
Unter den Flüchtlingen, die in die Schweiz kamen, sind natürlich auch Kinder und Jugendliche. Deshalb haben wir im Herbst einen neuen Mitschüler mit dem Namen Roman Krepelka bekommen. Roman hatte noch einen jüngeren Bruder, welcher auch eingeschult worden ist. Da musste jeder einzelne etwas dazu beitragen, den Neuen oder die Neue willkommen zu heissen und zu integrieren.
Klingt aufwendig und schwierig, wäre es aber eigentlich gar nicht: «Man sollte offen und interessiert sein», «Woher kommt der Neue? Wie war die Schule dort? Wie wurden dort Feste gefeiert?» All das sind Fragen, mit denen man sein Interesse bekunden kann - schon das kann den Neuen helfen, sich nicht ignoriert und abgelehnt zu fühlen. Wenn es mit der Sprache noch nicht so gut klappt, kann man sich mit Gesten behelfen. Am Anfang haben wir die Unterhaltung etwas einfacher gehalten: «Kurze Sätze, leichte Wörter, nicht zu abstrakt.»
Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Menschen uns ständig anpassen müssen. Seit unserer Geburt passt sich nicht die Welt unseren Bedürfnissen und Vorstellungen an, sondern wir passen uns dem Leben auf diesem Planeten an, um schliesslich zu überleben. Wenn sich jemand gegen diesen Anpassungsprozess wehrt, stösst er auf eine Menge Probleme.
Wird sich das Kind weigern, mit seinen Eltern zu kommunizieren? Nein! Es erlernt deren Sprache, um überleben zu können.
Ähnlich verhält es sich mit einem Zuwanderer. Spricht man in seinem Zielland eine andere Sprache, ist es seine Aufgabe, diese zu erlernen. Sind die Sitten in diesem Land anders, muss er sie akzeptieren. Hat er aus seinem Heimatland Bräuche und Gewohnheiten mitgebracht, welche dort als normal gelten, aber im neuen Gastland unerwünscht sind, muss er diese ablegen.
Zuwanderer, welche sich weigern, die am Wohnort gesprochene Sprache zu erlernen und sich nicht an die Schweizer Rechtsordnung sowie an die hiesigen Sitten und Gebräuche halten und auf Kosten des Staates leben, sind nicht integrationswillig und haben in der Schweiz nichts verloren!
Bemühungen des Staates, mit dem „Giesskannenprinzip" von Förderungsprogrammen die vorhandenen Missstände zu beheben, müssen scheitern. Sie gehen falsch in der Annahme, dass die Menschen, welche in die Schweiz einwandern nur Hilfe brauchen, um sich gut integrieren zu können. Man vergisst dabei den Faktor „Mensch".
Integration heisst, dass der Zuwanderer im Bewusstsein um die Unterschiede der eigenen und der neuen Kultur die Rechtsordnung des Gastlandes anerkennt, auch die ungeschriebenen Gesetze respektiert und sich in die hiesige Gesellschaft einbringt. Im Gegenzug dazu sollte die einheimische Bevölkerung ihrem Gast vorurteilslos begegnen.
Die Integration beginnt im Herzen. Der Einwanderer muss sich zuerst integrieren WOLLEN! Zur Integration kann man niemanden zwingen. Wenn sich jemand gegen die Integration stemmt, muss er sich überlegen, ein anderes Land aufzusuchen.
Roman und sein Bruder gaben sich keine Mühe sich in der Schweiz zu integrieren.
Für Roman, seinen jüngeren Bruder und unseren Schulkollegen Vitus Bärenfaller war das der Start für ihre Laufbahn als Kleinkriminelle. Nach der Schulzeit habe ich diese unerträglichen Gesellen aus den Augen verloren. Ab und zu konnte man etwas über diese Typen in der Zeitung unter der Rubrik Gerichtsentscheide lesen.
Der Begriff Flüchtling löst bei mir immer noch eine Abwehrreaktion aus.
***
Am Donnerstag, 05. Dezember war Trinklertag. Der Trinklertag war für uns Schüler vom Grossteil im Kalender rot markiert. Ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe für uns Grossteiler war das der Höhepunkt des Schuljahres. Wir Fünft und Sechstklässler aus dem Grossteil hatten die grössten Treicheln, damit wir eine separate Gruppe bilden konnten. Nach dem Abmessen der Treicheln, die nach Grösse und Klang geordnet wurden, setzte sich unser Trychelzug in Bewegung und trychelte in langsamem Gleichschritt stundenlang durch den Grossteil.
Nach dem Trinklertag war ich dermassen kaputt und wollte nur noch unter die Bettdecke. Vorab verordnete mir Mami ein warmes Bad. Nach diesem anstrengenden Tag dient es zur Erholung. Die wohlige Wärme solle ein Gefühl des Wohlbefindens auslösen und kann die Muskelverspannungen lösen. Essen sollte ich auch noch, aber ich hatte keinen Appetit.
Nach dem Bad fühlte ich mich keineswegs besser. Ich bekam Bauchschmerzen im rechten Unterbauch, begleitet von Übelkeit und Fieber. In den nächsten Tagen wurde es immer schlimmer. Als nach einer Woche noch keine Besserung eintrat und der Fieberthermometer um die 40 Grad anzeigte fanden meine Eltern unser Hausarzt Dr. Wicki solle doch vorbeikommen und sich die Sache einmal anschauen. Den ab 40°C wird Fieber kritisch für den Körper: Organe und Gewebe können geschädigt werden und der Kreislauf versagen. Sehr hohes Fieber kann dann tödlich enden.
Zur damaligen Zeit gehörten Hausbesuche fast zur Tagesordnung eines Hausarztes. Diese fanden jeweils am Nachmittag statt.
Dr. Wicki kam um ca. 17.00 Uhr. Dr. Wicki hat mich kurz untersucht und die Diagnose sehr schnell gestellt. Er diagnostizierte eine akute Blinddarmentzündung, welche sofort operiert werden musste. Ich musste in den nächsten 2 – 3 Stunden operiert werden. Es kann auch heute noch um Leben und Tod gehen, wenn die Erkrankung zu spät entdeckt wird.
Dr. Wicki hat seinen Kollegen Dr. Gadola, welcher Chirurg ist angerufen und sich für 19.00 Uhr im Operationssaal im Spital verabredet.
Um ca. 18.00 Uhr sollte ich im Spital sein. Um 17.30 Uhr hockte ich hinten im Auto von Mami zur Abfahrt bereit.
Damals war es üblich, dass man eine Uhr vom Firmgötti auf die Firmung bekam. Ich war noch nicht gefirmt und hatte somit keine Uhr. Mami ist losgefahren und ist noch kurzerhand beim Uhrenmacher Edi Zumstein vorbeigefahren um für mich eine Uhr zu besorgen, damit ich im Spital wisse wie spät es sei. Mit dem Hinweis, dass diese Uhr nur leihweise sei, nach dem Spitalaufenthalte würde diese mein älterer Bruder Willi bekommen.
Wie vereinbart trafen wir um ca. 18.00 Uhr im Spital ein. Mami musste mich anmelden und Formulare ausfüllen. Ich wurde auf die Operation vorbereitet. Kurz vor 19.00 Uhr stieg ich auf den Operationstisch. Von diesem Moment habe ich tief und fest geschlafen. Damals kannte man nur die offene Operation. Heute wird der Blinddarm laparoskopisch entfernt. Mitten in der Nacht erwachte ich mit einem wahnsinnigen Durstgefühl. Im Gegensatz zu heute bekam ich nichts zu trinken. Ich habe die Flüssigkeit über den Venenzugang erhalten. Ich lag in meinen Mehrbettzimmer mit 3 anderen Patienten. Ich war mit Abstand der Jüngste im Zimmer. Neben mir lag ein alter Mann, welcher in einer der nächsten Nächte neben mir verstorben ist. Der Spitalaufenthalt dauerte damals etwa 10 Tage. Nach dem Spitalaufenthalt musste ich körperliche Anstrengungen während 8 Wochen vermeiden.
Als ich nach Hause kam hatte unser Papa in der Zwischenzeit einen Farbfernseher angeschafft. Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt keinen Fernseher. Damals war das der erste Farbfernseher in Giswil und kostete ein Vermögen. Heute würde man für das gleiche Geld etwa 5 grosse Fernseher erhalten. Wir konnten 3 Programme empfangen, nämlich Schweizerfernsehen, Télévision Suisse Romande und TV Svizzera Italiana.
Zuhause musste ich mich weiter erholen und konnte erst nach den Weihnachtsferien wieder in die Schule.
Am letzten Schultag vor Weihnachten hat mich unser Lehrer für die kleine Weihnachtsfeier in unserem Schulzimmer zuhause mit dem Auto abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Dieses Engagement habe ich nie vergessen.
Die 5. Klasse war für mich ein stressfreies Schuljahr.
***
Nun will ich etwas über meinen älteren Bruder Willi schreiben. Willi wurde erblickte am 06. April 1956 im Spital Sarnen das Licht der Welt.
Wie funktionierten mein älterer Bruder und ich innerhalb der Familie.
Willi bekommt als Erstgeborener zunächst die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Eltern, auch im Hinblick auf Ressourcen. Alle Kraft wird auf das erstgeborene Kind verwendet, alle Erwartungen und Hoffnungen für die Zukunft sind auf diesen Sohn gerichtet. Erstgeborene sichern sich in der Regel die Zuwendung der Eltern, indem sie deren Erwartungen verinnerlichen und erfüllen. Weil Erstgeborene sich ihren Eltern sehr verbunden fühlen, übernehmen sie häufig auch deren Wertesystem. Sind die Eltern eher konservativ, wird der Erstgeborene es meist auch. Diese ältesten Geschwister respektieren Autoritäten mit grösserer Wahrscheinlichkeit als später Geborene, egal, ob es dabei um Eltern geht, um Lehrer, Chefs oder die Staatsmacht. Erstgeborene richten sich mehr nach gesellschaftlichen Konventionen und sind meist fleissig und zielstrebig. So wie ihre Eltern es sich wünschen.
Das zweitgeborene Kind wird ein Stück weit in "ein gemachtes Nest" hineingeboren und muss sich deshalb nicht in allem den Weg bahnen. Zweitgeborene haben den Ruf, unbekümmerter, sozialer und lebenslustiger zu sein als ihr älteres Geschwisterkind. Die Erwartungen der Eltern an das zweitgeborene Kind sind oft etwas weniger hoch, was ihm mehr Freiheit lässt, den eigenen Weg zu gehen. Das zweite Kind eifert meist weniger seinen Eltern, sondern vielmehr seinem grösseren Geschwisterkind nach und steht dadurch nicht so sehr unter Druck, alles perfekt hinkriegen zu müssen. Aufgrund des gleichen Geschlechts und des geringen Altersunterschieds, kann ein harter Konkurrenzkampf unter den Geschwistern entbrennen. Manch ein Erstgeborenes reagiert ziemlich heftig auf das Geschwisterkind, das ihm den Thron streitig macht.
Mein Bruder Willi besuchte die fünfte und sechste Klasse bei Walter Abächerli. Die fachlichen Kompetenzen von Walter Abächerli hatten sicher noch Luft nach Oben. Was gab es für Möglichkeiten nach der Primarschule? Gymnasium, Sekundarschule, Realschule und Abschlussklasse. Das Gymnasium konnten damals nur die allerhellsten Schüler besuchen. In einer Klasse waren das vielleicht 2 bis 3 Schüler. Die Sekundarschule absolvierten höchstens ein Drittel einer Klasse. Für die Sekundarschule musste eine Aufnahmeprüfung absolviert werden. Diese Prüfung mussten alle Schüler machen. Die Prüfung fand jeweils nach den Osterferien statt. Anfangs Juni stand jeweils fest wer mit wem nach den Sommerferien in die Schule gehen wird.
Die Aufnahmeprüfung in die Sekundarschule haben von der gesamten Klasse lediglich 3 Schüler geschafft. Mein Bruder gehörte nicht zu den Auserwählten.
Bei uns zuhause herrschte Weltuntergangstimmung. Unsere Eltern wollten meinem Bruder Willi möglichst eine gute Schulausbildung ermöglichen. Es gab die Möglichkeit einer Privatschule auf Sekundarstufe in einem Internat. Meine persönliche Meinung war nicht gefragt, da ich auch nicht betroffen war. Persönlich habe ich ein Internat als die dümmste von allen möglichen Lösungen angesehen. Die Schulpflicht dauerte 8 Jahre. Kindergarten gab es in Giswil noch nicht. Als Eltern hätte ich folgende Lösung angestrebt. Willi soll die Realschule mit seinen Kollegen absolvieren und anschliessend die 3. Realschule in Lungern absolvieren. Mit 3 Jahren Realschule wäre es ihm auch möglich gewesen einen anspruchsvollen Beruf zu erlernen.
Für meine Eltern war das keine Option. Vermutlich ging es auch nicht um Willi sondern um das Ego meiner Eltern. Ich hatte immer das Gefühl das unser Papa diesbezüglich vernünftiger ist. Für meine Mutter war das ganz schlimm, dass wir nicht die allerbesten Schüler waren.
Dummerweise sind die allermeisten Menschen aber durchschnittlich, was Talent und Intelligenzquotient betrifft. Nun, das liegt in der Natur der Sache: In einer hinreichend grossen Grundgesamtheit liegen die meisten Messpunkte immer nahe beim Durchschnitt. Fast alle Menschen haben einen IQ zwischen 85 – 115, also um die 100 rum. Den Anteil von Genies oder völlig Minderbemittelten schätzen Experten auf nur 2 bis 5 Prozent. Dasselbe Prinzip gilt für Talente aller Art. Es wird deshalb schwierig, wenn sich die Mehrheit der Erdlinge innerhalb dieser 2 bis 5 Prozent der Gesamtmasse ansiedelt. Unweigerlich kommt es zu Frust und Überforderung. Es wächst ein Gefühl von nicht zu genügen – was nicht selten in Depressionen, Wahrnehmungsstörungen und anderen psychischen Krankheiten endet. Und dies traurigerweise schon bei Kindern und insbesondere bei Heranwachsenden. Diese prägende Zeit des Umbaus während der Pubertät, die gepflastert ist mit Unsicherheit und Selbstzweifel. Dabei ist die Rechnung eigentlich einfach: Für die Höhenflüge der Elite braucht es Bodenpersonal. Ganz viele von uns Normalos also. Deswegen breche ich jetzt hier mal eine Lanze für alle Mittelmässigen und Durchschnittstypen. Denn wie heisst es so schön, wie leise wäre es im Wald, Ich finde es wichtig, dass gerade Eltern den Kindern vermitteln und vorleben, dass Normalsein ganz wunderbar ist. Dass man auch mit einer 4-5 durchs Leben kommt und Makel, Schwächen und Fehler zum Leben dazugehören. Wir Eltern sollten als Vorbild vorausgehen, zu uns stehen und der Welt erklären: Ich bin einer unter vielen und das ist gut so. Ich habe keine Rekorde gebrochen, keine Goldmedaille gewonnen, ich habe nichts erfunden und konnte die Welt nicht retten. Doch auch das kleinste Rädchen im Getriebe ist wichtig, damit der Rolls-Royce rollen kann. Geben wir unseren Kindern mit auf den Weg, dass sie okay sind, wie sie sind, auch wenn sie nur für die Menschen, die sie lieben, etwas Besonderes sind. Wichtig scheint mir, dass sich Erwachsene, wie Kinder und Jugendliche, ab und zu die Frage stellen: Wer bin ich, wenn ich Niemand sein muss?
Meinen Eltern wurde ein Internat in Celerina empfohlen. Nach den Sommerferien sollte mein Bruder dieses Internat besuchen.
Anreise war am Samstagnachmittag am Ende der Sommerferien. Der ordentliche Schulbeginn war am Montag. Der Sonntag sollte dem Kennenlernen und Angewöhnen dienen.
Meine Eltern machten sich mit Willi und mir mit dem Auto auf den Weg nach Celerina. Aus welchen Gründen ich sie dabei begleiten musste ist mir bis heute ein Rätsel geblieben. Möglicherweise sollte es der Abschreckung dienen, dass ich unter aller Umständen im kommenden Schuljahr die Aufnahmeprüfung bestehen müsse. Die reine Fahrzeit mit dem Auto von Giswil nach Celerina dauerte damals 5 ½ Stunden. Damals gab es nur wenige Kilometer Autobahnen. Mit dem Zug hätte die Anreise 6 Stunden gedauert. Gegen 15.00 Uhr sind wir im Internat eingetroffen. Als ich das Gebäude sah, wäre ich gar nicht ausgestiegen und wieder heimgefahren. Das kann man doch keinem Kind antun. Meine Eltern sahen das anders. Nach einer Stunde haben wir uns wieder auf den Heimweg gemacht. Mir hat es fast das Herz zerrissen, ich musste hart bleiben und keine Emotionen zeigen. Bei uns wurden keine Weicheier geduldet.
Auf dem Heimweg fand unser Papa er könnte seinem Studienkollegen Steiner, welcher in Flims ein Architekturbüro führte einen kurzen Besuch abstatten. Die Wiedersehensfreude von Steiner war riesig. Er hat uns eingeladen bei seiner Familie zu übernachten. Ich hätte sehr gerne darauf verzichtet. Ich muss nicht erwähnen, dass ich immer noch Private Übernachten verabscheue. Entweder gehe ich ins Hotel oder fahre nach Hause. Nach dem Frühstück sind wir dann endlich nach Hause gefahren.
Am Montag hat für mich die 6. Klasse begonnen.
Was war 1969
Ein weltbewegendes Ereignis hatte die Menschen in Erstaunen versetzt. Am 20. Juli landeten zum ersten Mal Menschen auf dem Mond. Einen Tag später betrat ihn der erste Erdenmensch
Neil Armstrong, der amerikanische Astronaut der Mission Apollo 11 sprach die legendären Worte: „Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.“ Sein Astronauten-Kollege Buzz Aldrin betrat kurz nach Armstrong den Mond. (Dieses Ereignis habe ich am Fernsehen live mitverfolgt). Wenige Monate später, am 19. November, war es wiederum ein Amerikaner, der im Rahmen der Mission Apollo 12 den Erdtrabanten betrat: Charles Conrad, der dritte Mensch auf dem Mond. Die Amerikaner waren in einem Rausch der Begeisterung und die Welt jubelte mit. Wie laut der Jubel in der Sowjetunion war, ist nicht überliefert.
Auf der Erde war 1969 auch das Jahr des Woodstock-Musikfestivals, der Stonewall-Unruhen für die Rechte von Homosexuellen und der Tate-LaBianca-Morde durch Anhänger von Charles Manson .
Ärger und Gewaltausbrüche gibt es beim Fußball ja öfters. Doch im Sommer 1969 lösten mehrere Hin- und Rückspiele zwischen El Salvador und Honduras, bei denen die benachbarten Staaten um die Qualifikation zu den Weltmeisterschaften 1970 rangen, sogar einen kurzen Krieg aus, den sogenannten Fußballkrieg. Am 14. Juli begann El Salvador mit Luftangriffen auf Honduras, Bodentruppen und Gegenschläge folgten. Am 18. Juli endete der Konflikt nach hundert Stunden mit dem Eingreifen der Organisation Amerikanischer Staaten. Zwischen 4.000 und 5.000 Menschen waren gestorben, Tausende verletzt worden.
Atomkraft und das Internet
Das Jahr 1969 markierte auch bedeutende Meilensteine in der Atomkraft und der Informationsübertragung. Die Atomkraft gewann an Bedeutung, und innovative Technologien wurden entwickelt, um die zukünftige Energieversorgung zu revolutionieren. Gleichzeitig wurde das Internet geboren. Die erste Nachrichtenübermittlung zwischen zwei weit entfernten Rechnern legte den Grundstein für das heute allgegenwärtige Netzwerk.
Wissenschaft und Technik prägten das Jahr 1969 maßgeblich. Von der Einführung des Jumbo-Jets und der Concorde bis zur Entwicklung der Atomkraft und der Geburt des Internets – diese technologischen Fortschritte veränderten die Welt und sind bis heute wichtige Bestandteile unseres Alltags.
Als die Schweiz knapp einer Atomkatastrophe entging
Am 21. Januar 1969 explodierte im Kanton Waadt ein AKW-Reaktor. Ein schwerwiegender Atomunfall, der kaum Beachtung fand. In Lucens, einem 4000-Seelen-Dorf im Waadtland, stand einst das erste stromproduzierende Atomkraftwerk der Schweiz.
In den 1960er-Jahren wurde hier ein Versuchs-AKW gebaut – mit dem Ziel, einen eigenen Schweizer Reaktortypen zu entwickeln. Aus Sicherheitsgründen war das AKW in Felskavernen untergebracht und nur durch einen Tunnel mit der Aussenwelt verbunden.
Schweizer Atomreaktor Marke Eigenbau
Der Reaktor funktionierte mit Natur-Uran. Angereichertes Uran, wie es in heutigen AKWs verwendet wird, konnte man damals nur in den USA erwerben. Die Schweiz wollte zur Zeit des Kalten Krieges aber unabhängig sein und setzte auf ihr eigenes System. Eine Fehleinschätzung: Das AKW hatte zwar einige Monate testweise ein wenig Strom erzeugt. Nach Pannen und einer Revision sollte es am 21. Januar 1969 für den definitiven Betrieb hochgefahren werden. Es kam plötzlich zu einer automatischen Schnellabschaltung. Kurz darauf hätten die Operateure im Kontrollraum eine Explosion gehört. Weil das Kühlsystem versagt hatte, erhitzten sich die Brennstäbe und fingen Feuer. Es kam zu einer Teil-Kernschmelze. Schliesslich explodierte der Reaktor. Radioaktives Material wurde durch die Kaverne geschleudert und gelangte durch undichte Stellen bis in den Kontrollraum. Die AKW-Mitarbeiter haben rechtzeitig das Notabluftsystem eingeschaltet. Auch die Sicherheitsschleusen funktionierten. Es gelangte kaum Radioaktivität nach draussen, niemand wurde verstrahlt. Doch der Reaktor war zerstört, das AKW im Berg stark verstrahlt. Der damalige AKW-Direktor Jean-Paul Buclin sagte 2003 in einem Dokumentarfilm, dass man unter dem Reaktor 2000 Röntgen pro Stunde gemessen habe. Zugelassen waren fünf Röntgen pro Jahr. Der Atomunfall von Lucens gilt als einer der schwereren weltweit. Auf der INES-Skala zur Bewertung von nuklearen Ereignissen wird er auf Stufe 5 von 7 angesiedelt und als «ernster Unfall» bewertet. Trotzdem warf der Vorfall in Lucens vor 50 Jahren kaum Wellen. Nicht einmal die Anwohner protestierten, nachdem sie einen Tag danach aus dem Radio davon erfahren hatten. Bald war der Unfall vergessen. Das liegt daran, dass die Atomenergie damals noch nicht hinterfragt wurde. Heute ist das Versuchs-AKW von Lucens längst dekontaminiert und zum Teil zubetoniert. Nachweisen lässt sich der Atomunfall aber noch immer.
Die Schweiz will 1969 der Europäischen Menschenrechtskonvention beitreten. Allerdings, ohne die politische Gleichberechtigung von Mann und Frau zu garantieren. Den Schweizerinnen platzt endgültig der Kragen.
In der Politik konzentrierte sich kriegerisches Geschehen auf Vietnam und auf die unerbittlichen Kämpfe im Nahen Osten. Zahlreiche Vergeltungsschläge gegen Israeli in aller Welt zeigten die grausame Unberechenbarkeit arabischer Guerillas. Noch kein Ende fand der schreckliche Bürgerkrieg in Biafra, die Not der Bevölkerung wächst täglich. Als neuer Unruheherd trat Nordirland immer mehr hervor, die konfessionellen Unruhen drohen, sich zum Bürgerkrieg auszuweiten.
1969 und 1970 gelangte die Schweiz unvermittelt ins Visier von palästinensischen Terroristen. Drei Anschläge auf den Schweizer Luftverkehr erschütterten das Land. Bei den Anschlägen der palästinensischen Terroristen verloren insgesamt 51 Menschen, darunter ein Terrorist, das Leben. Zwei Flugzeuge der Swissair wurden dabei zerstört.
- Klasse
Nach den Sommerferien ging es in die 6. Klasse. Wir durften noch einmal ein Jahr zu Meinrad Burch in die Schule.
Seit der 4. Klasse wurde ein Notensystem von 1 bis 6 angewandt, wobei 6 die Bestnote darstellt (die jedoch sehr selten erreicht wird) und eine 4 die untere Bestehensnote ist. Die Abstufung erfolgt in Halben- oder Viertelschritten.
Die mantraartige Aussage von Mami, dass ich die Aufnahmeprüfung in die Sekundarschule zu bestehen habe, weil für mich kein Geld vorhanden sei und die Schule von Willi ein Heidengeld verschlingen würde war für mich sehr zermürbend. Meine Mama konnte mir mit ihrer Art den letzten Nerv rauben. Ich hatte ja auch gar keine Ambitionen in ein Internat zu gehen, ein Internat kam für nicht in Frage, ich würde es schon schaffen. Ich machte mir darüber nicht allzu viele Gedanken.
Am Donnerstag, 04. Dezember war Trinklertag. Dieser Tag war ein bisschen mit Wehmut verbunden, es war das letzte Mal dass ich mit einer Treichel in langsamen Gleichschritt stundenlang durch den Grossteil gelaufen bin.
Der Übertritt in die Sekundarschule erfolgte mittels Aufnahmeprüfung. Es wurden folgende Fächer geprüft: Kopfrechnen, Rechnen schriftlich, Schreiben eines Aufsatzes zu einem vorgegebenen Thema, Diktat und Grammatik Überprüfung.
Ich habe bereits erwähnt, dass ich ein umerzogener Linkshänder bin. Wenn Linkshänder mit rechts schreiben, kann das schwerwiegende Folgen haben, wie etwa Konzentrationsschwierigkeiten.
Das Aufnehmen und Behalten von Lernstoffen ist für viele umgeschulte Linkshänder sehr schwierig. Es wird mehr Zeit gebraucht, um sich Inhalte zu merken und es werden viele Einzelheiten durcheinandergebracht.
Am meisten treten folgende Schwierigkeiten bei umgeschulten Linkshändern auf:
- Buchstaben und Zahlenverdreher beim Schreiben und Lesen,
- Flüchtigkeitsfehler in Diktaten – ansteigende Zahl der Fehler im Vergleich zur Länge des Diktates,
Umgeschulte Linkshänder machen diese Verdrehungs-Fehler auch noch in späteren Schuljahren, besonders wenn sie unter Stress stehen oder schon sehr erschöpft sind.
Obwohl ich schon Rentner bin mache ich bei Stresssituationen immer noch ab und zu Verdrehungsfehler. Ich habe gelernt mit dieser Schwäche zu leben.
Meine Stärken und Schwächen waren mir bestens bekannt.
Im Kopfrechnen und Rechnen schriftlich gehörte ich zu den Besten. In diesem Fach konnte ich davon ausgehen, dass ich eine Fünf oder besser haben werde. Meine Aufmerksamkeit galt dem Zahlenverdreher. In Stresssituationen war das gut möglich. Da ich im Rechnen sehr gut war konnte ich auch bei einem Zahlverdreher von einer 5 ausgehen.
Ich war mir bewusst, dass ich beim Aufsatzschreiben vor allem der Satzstellung die notwendige Beachtung schenken musste und die Rechtschreibung beachten. Das war für mich nicht ganz einfach. Ich konnte einen Satz mehrmals lesen und für mich klang es nicht holperig. Auch in diesem Fach konnte ich von je nach Wohlbefinden von einer genügenden Note ausgehen. Beim Diktat wurde es eher schwierig, je nach Tagesverfassung und Text ist eine genügende Note möglich. Ich kann mir aber auch eine 3 leisten, weil ich diese Note mit dem Rechnen kompensieren kann. Bei der Überprüfung der Grammatik liegt auch eine genügende Note drin.
Nach den Fasnachtsferien hat unser Lehrer Burch eine Testprüfung 2019 für die Vorbereitung zur Aufnahmeprüfung der Sekundarschule durchgeführt. 1/3 unserer Klasse hat diese Testprüfung bestanden. Ich gehörte dazu.
Diese Testprüfung kann wichtige Informationen über den Leistungsstand der Lernenden liefern. Wenn die Rückmeldung zeitnah erfolgt, können Tests ein entscheidendes Hilfsmittel zur Selbsteinschätzung für die Lernenden sein und ihnen zu mehr Erfolg verhelfen.
Unserer Lehrer hat mit uns Schülern die meist gemachten Fehler besprochen und geübt. Mit dieser Testprüfung hat er uns bei uns Schülern auf die eigentliche Prüfung hingeführt.
Nach den Osterferien fand die Aufnahmeprüfung statt. Ich muss nicht erwähnen, dass es unsere Mama nicht versäumt hat mir nochmals den Tarif durchzugeben und mir die Konsequenzen eines allfälligen Misserfolges erklärt hat. Ich könnte dankbar sein, wenn ich vielleicht bei der «Güselabfuhr» arbeiten könnte, zu mehr wäre ich gar nicht fähig. Sollte es tatsächlich soweit kommen würde ich mich dannzumal bei der Fremdenlegion melden.
Die Fremdenlegion ist eine Eliteeinheit der französischen Armee, die ausschließlich aus ausländischen Freiwilligen besteht. Sie wird in erster Linie für Auslandseinsätze und Kampfmissionen eingesetzt.
Anforderungen und Bedingungen der Fremdenlegion
- Mindestalter: 17 Jahre mit elterlicher Zustimmung, ansonsten 18-40 Jahre.
- Grundkenntnisse der französischen Sprache.
- Männer und Frauen sind zugelassen, allerdings sind die meisten Mitglieder Männer.
- Gültiger Reisepass und Identifikationsdokument.
- Keine schweren Vorstrafen.
Wenn es ganz schlimm kommen würde, so hätte ich für mich eine mögliche Alternative.
Soweit ist es nicht gekommen. Meine Eltern waren nach meiner Wahrnehmung ganz kribbelig, bis das Prüfungsergebnis vorlag. Ich war sehr zuversichtlich, dass ich bestanden habe.
Anfangs Juni bekamen meine Eltern den ersehnten Brief, dass ihr Sohn Markus am August die Sekundarschule besuchen kann.
Am Montag nach den Sommerferien hat für mich die Sekundarschule begonnen.
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Wie geht es Willi im Internat?
Geschwisterbeziehungen sind reich an Konflikten, die verbale, versteckte und körperliche Gewalt beinhalten.
Als Willi das erste mal in den Herbstferien nach Haus durfte, war diese Zeit reich an Konflikten und körperlicher Gewalt gegenüber von mir. Gefühle von Eifersucht, Zwietracht und Neid steigern das innere Potenzial der Aggression, bis es nicht mehr zum Aushalten ist. Am Ende entlädt sich die Gewalt gegen den brüderlichen Rivalen. Abneigungen, Ablehnungen, Feindschaft und Rivalitäten gehören zum täglichen Brot, sobald mehr als ein Kind mit Mutter und Vater aufwächst. Geschwister bilden emotional bedeutsame Beziehungen untereinander und können die Gegensatzspannung von Liebe und Hass aushalten. Neutralität gibt es kaum.
Ich war froh, als die Herbstferien vorbei waren und Willi wieder ins Internat musste.
Das Skigebiet von St. Moritz verfügt über 300 Pistenkilometer und über 50 Lifte. Dieses Skigebiet beinhaltet die Skigebiete Corviglia, Corvatsch und Diavolezza sowie mehrere kleinere Gebiete.
Wer zieht nicht gerne als Erster die Spuren in den Schnee und wedelt die frisch präparierte Piste hinunter? Das Internat war direkt an der Piste.
Zu Weihnachten hatte ich neue Authier Skis aus Metall erhalten. Damals war Authier die Nummer eins in der Schweiz. Die Rennski wurden von Rossignol hergestellt, die für Geschwindigkeitswelt-rekorde von Authier. Mit einem "Authier-Compétition" erreichte Pino Meyer, ein italienischer Rennfahrer, 1975 über 194 km/h; Zwei Jahre später brachen sie den Rekord mit fast 196 km/h – mit 2,5 Meter langen Skiern.
Die üblichen Skibindungen bis in die 60er Jahren waren mit Kabelstrammer und Seitenfixierung durch Backen. Meine Skis waren schon ein bisschen moderner und waren eine Kombination aus Frontautomat (Sicherheit) und Kabelzug. Bei einem Unfall sollte sich der Frontautomat auslösen. Dieser Frontautomat sollte bei Stürzen oder hoher Gewalteinwirkung rechtzeitig ausgelöst werden und die Skischuhe vom Ski getrennt werden, um den Skifahrer vor Verletzungen zu schützen.
Um diesen Spagat zu schaffen, ist eine komplexe Mechanik notwendig – die nicht nur tadellos funktionieren, sondern unbedingt auch korrekt und auf jeden Skifahrer individuell eingestellt werden muss.
Selbstverständlich hatte Willi lange Zähne auf meine Skier bekommen. Unsere Mama und Willi haben mich lange genug bearbeitet, sie argumentierten dahingehend, dass ich eh zu wenig Zeit zum Schifahren hätte, da ich mich auf die Schule konzentrieren müsse. Man hat an meinen untertesten Instinkt appelliert und auf den Mitleidbonus gesetzt, so dass Willi meine Skier mit nach Celerina nehmen durfte. Sollte ich Zeit zum Skifahren finden dürfte ich seine nehmen.
Im verlaufe des Januars meldete sich das Internat, dass Willi mit einem doppelten Beinbruch im Spital liege und operiert worden ist. Der Bruch wurde mit Knochenschrauben fixiert. Die Schrauben mussten zu einem späteren Zeitpunkt wieder operativ entfernt werden.
Ich gehe nicht davon aus, dass die Skibindung korrekt eingestellt worden ist, sonst wäre dieser schwere Unfall glimpflicher ausgegangen.
Willi lag über 6 Wochen im Spital. Aus der Sicht von Mama und Papa war ein Besuch im Spital nicht möglich, die Anreise und Heimreise dauerte viel zu lange. Um in Kontakt zu bleiben hat ihn meine Mutter wöchentlich angerufen. Es beelendet mich immer noch, wenn ich an diese Zeit zurückdenke.
Das Internat wurde von einem katholischen Pater geführt. Das Internat sollte ein Ort sein wo die jungen Menschen in einem guten Umfeld eine gute Zeit miteinander verbringen, gemeinsam heranwachsen und sich zu Persönlichkeiten entwickeln. Den Tag strukturieren durch den Rhythmus, der in den Regeln des Heiligen Benedikts begründet ist. Diese Tagesstruktur bewährt sich seit Jahrhunderten: Sie sorgt für Zufriedenheit, Gesundheit und Erfolg, erleichtert das Lernen, das Zusammenleben.
Gegen solche Institutionen hatte ich immer schon eine Abneigung. Die grösste Dummheit der Kirche ist, zu politisieren, statt sich mit dem Thema Gott-Mensch zu befassen. Hinzu kommt die Verderbtheit ihres Personals, das besser glaubwürdig glauben sollte.
Vor den Sommerferien erhielten meine Eltern die Nachricht, dass das Internat geschlossen wird.
Was ist passiert: «ein Schüler hat zuhause ausgepackt»
Der Leiter des Internats war ein Pädophiler und hat auf die schlechteren Schüler Zwang und Druck ausgeübt, um die Schüler sexuell gefügig zu machen drohte er ihnen mit schlechten Noten, falls ein Schüler jemandem von dem Übergriff erzählt. Dieser «Hurensohn» litt an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Vermutlich wurden mehr Schüler sexuell missbraucht als letztendlich aufgedeckt worden ist. Die Dunkelziffer ist in solchen Fällen immer hoch. Die Übergriffe einiger Lehrer hat System gehabt.
Das Internat galt lange Zeit als Vorzeigeeinrichtung für neue pädagogische Ansätze.
Sexueller Missbrauch durch Priester ist keine Folge gesellschaftlicher Liberalisierung. Es gibt ihn, seit es die Kirche gibt. Priester vergehen sich an Gläubigen, die Kirche vertuscht: Seit Jahrhunderten sorgt sexueller Missbrauch durch Kleriker für Skandale. Das hat nichts mit der Freizügigkeit der Gesellschaft zu tun. Aber mit dem kirchlichen Recht, das blind ist für die Opfer der Taten.
Inwieweit mein Bruder von diesen Hurensöhnen missbraucht worden ist kann ich nur vermuten.
In den letzten Tagen vor seinem Tod Ende Oktober 2014 hat er die gesamte Tragödie seiner Frau erzählt.
Nach den Sommerferien absolvierte mein Bruder Willi die 2. Sekundarklasse im Internat Sonnenburg in Vilters.
Was war 1970
Negative Schlagzeilen dominieren dieses Jahr. Politische Krisen, Bürgerkriege und Naturkatastrophen halten die Welt in Atem. Die Zahl der bewaffneten Konflikte nimmt zu, der Krieg in Vietnam dehnt sich auf die Nachbarstaaten Laos und Kambodscha aus. In erschreckendem Ausmass hat die von Menschenhand verursachte Umweltverschmutzung zugenommen.
Es war wohl eine der umstrittensten Abstimmungen in der Schweizer Geschichte des 20. Jahrhunderts: Die Überfremdungs-Initiative von James Schwarzenbach vom 7. Juni 1970.
Die Vorlage war radikal. Sie verlangte, dass der Ausländeranteil in der Schweiz maximal zehn Prozent betragen dürfe. Würde sie angenommen, müssten 350'000 Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Koffer packen und heimfahren. Lanciert hatte es die 1961 gegründete Nationale Aktion. Kopf der Initiative war der Zürcher Nationalrat James Schwarzenbach.
Das Volksbegehren kam am 7. Juni 1970 mit einer rekordverdächtigen Stimmbeteiligung von fast 75 Prozent an die Urne. Es wurde mit 54 Prozent Nein-Stimmen verworfen. Aber 46 Prozent der Stimmberechtigten – damals noch ausschliesslich Männer – stimmten für die Initiative. Das hatte in dieser Form keiner erwartet: Sämtliche Parteien, die Arbeitgeberorganisationen, Gewerkschaften und auch die Kirchen lehnten das Ansinnen ab. Trotzdem waren viele für die Initiative, namentlich auch Arbeiter, die der Sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften nahestanden. Sie fürchteten, die Ausländer könnten ihnen die Arbeit wegnehmen. Im Abstimmungskampf gab es viel Polemik zu hören und die Initianten sahen Schweizer Werte in Gefahr. Unter den damaligen Gastarbeitern löste die 1968 lancierte Initiative Angst und Schrecken aus.
- Sekundarschule
Nach den Sommerferien werde ich für die nächsten 2 Jahre von folgenden Lehrern unterrichtet:
- Paul Josef Fallegger (Jg. 1944) lic. phil. I (Schwerpunkt sprachlich / historisch)
- Agnes Fallegger-Kolb, (vermutlich 1940) Sekundarlehrerin
Als Schüler hätte ich einen Lehrer mit dem Abschluss lic. phil. II phil. II (Schwerpunkt mathematisch / naturwissenschaftlich) vorgezogen.
Es ist sehr speziell von einem Lehrerehepaar unterrichtet zu werden, das kann Fluch oder Segen sein. Vermutlich war es für mich eher ein Fluch.
Die Falleggers haben die Lektionen im Frontalunterricht erteilt, das war damals die übliche Unterrichtsform.
Im Frontalunterricht übernimmt der Lehrer die wesentlichen Steuerungs-, Kontroll- und Bewertungsaufgaben. Die direkte Zusammenarbeit der Schüler untereinander wird nur begrenzt zugelassen - die Kommunikation zwischen dem Lehrer und den Schülern steht im Vordergrund der Aufmerksamkeit.
Der Frontalunterricht ist eine sehr Lehrer-zentrierte Unterrichtsform, in der die Lehrkraft genau vorgibt, was und wie gelernt wird. Dies geschieht in der Regel durch einen einseitigen Vortrag des Lehrpersonals. Doch ist dies der beste Weg, um Schüler zum Lernen zu motivieren? “Nein”.
Frontalunterricht ist nur schwer mit den individuellen Lernbedürfnissen und Lerngeschwindigkeiten der einzelnen Schüler vereinbar. Obwohl diese Form des Unterrichtens in bestimmten Situationen unumgänglich ist und dort auch ihre Berechtigung hat, gibt es andere Methoden, die die Schüler besser abholen. Insbesondere am Nachmittag ist Frontalunterricht besonders herausfordernd, da die Aufmerksamkeit der Kinder oft nachlässt. Denn für viele Schüler bedeutet Frontalunterricht Langeweile.
Manchmal kam ich mir vor wie an einer Uni, da geht es um Vorträge (Vorlesungen). Frontalunterricht ist ein grosser Mist. Geradezu lernbehindernd, ineffektiv, kinderfeindlich, schlecht.
Stumpfes Auswendiglernen hat noch nie geholfen, etwas langfristig im Kopf zu behalten oder sogar zu verinnerlichen. Das geht deutlich leichter, wenn man sich ernsthaft für etwas interessiert und sich freiwillig damit beschäftigt – wie zum Beispiel, um sich in einer Sportart zu verbessern oder ein neues Instrument zu lernen. Das hängt damit zusammen, dass unser Gehirn nur Informationen abspeichert, die es für wichtig hält. Fakt ist, dass nicht jedes Unterrichtsfach die Herzen aller Schüler höher-schlagen lässt.
Auswendig lernen?
Der Spruch „Was man einmal gelernt hat, vergisst man nicht mehr“ stimmt nur zum Teil. Ich denke an die unzähligen Französisch Vokabeln, die ich in der Schule gelernt habe. Wie viele davon verstehe ich noch heute? Kann ich diese heute noch wiedergeben? Andererseits: Denke ich an das Velofahren. Selbst wenn man jahrelang nicht mit dem Velo gefahren ist, kann man jederzeit wieder aufsteigen und losfahren. Woran liegt es, dass wir uns manche Dinge für immer merken und andere nur für kurze Zeit?
Die Sache ist die: Wenn wir etwas gelernt haben, dann können wir es auch verlernen. Doch einmal verstanden, können wir es nicht ent-verstehen.
In der Schule werden uns Vokabellisten und Regeln vor die Nase gehalten: „Und das lernst du jetzt auswendig“. Das ist unglaublich langweilig, demotivierend und widerspricht unserem natürlichen Entdeckerdrang und den automatischen Lernvorgängen in unserem Gehirn.
Wir verstehen eben nicht, indem wir etwas auswendig lernen. Und auch nicht, indem wir ständig das Gleiche wiederholen. Wir müssen den zugrunde liegenden Sinn begreifen, um nachhaltig zu lernen.
Wissen können wir uns anhäufen und aneignen. Wir vergessen es jedoch wieder, wenn wir es nicht aktiv nutzen. Nur was wir begreifen, ist für unser Gehirn sinnvoll und bleibt für die Ewigkeit gespeichert. Und nur was wir immer wieder nutzen, wird zur „eingefleischten“ Fähigkeit.
Also meiner Meinung nach hat das einfache auswendig lernen nicht besonders viel mit Intelligenz zu tun! Du kannst mathematisches zeug recht gut? JA! Das ist Intelligenz, das kann man nämlich nicht so einfach auswendig lernen, dafür muss man seinen Kopf anstrengen.
Mit dem Auswendiglernen hatte ich immer grosse Probleme, ich konnte mich nicht konzentrieren, und der Lernstoff blieb einfach nicht sitzen. Was im Unterricht beim Auswendiglernen nicht klappte, machte dann meistens auch zu Hause Probleme, zum Beispiel beim Auswendiglernen eines Gedichtes oder beim Erwerb einer Fremdsprache. Ich war nervös und überanstrengt, wenn ich etwas auswendig lernen musste oder hatte Angst und kannte einfach nicht die richtigen Lernmethoden und Lerntechniken. Aber auch Desinteresse wirkt stark hemmend auf die Gedächtnisleistungen beim Auswendiglernen. Ich habe den richtigen Mix aus effektiven Lernmethoden und individuellen Strategien zum Auswendiglernen noch nicht gefunden.
Fazit: auswendig lernen ist von wahrer Intelligenz entfernt. Wenn man sich Intelligenz durch auswendig lernen erlangen möchte, dann muss man das STÄNDIG wiederholen und man muss es auch WIRKLICH verstehen was man da gerade so schönes auswendig lernt.
Beim Umgang mit Texten hatte ich nie Probleme. Für mich war es wichtig zu wissen, wo welche Informationen zu finden sind und was sie bedeuten. Texte gehören zum Alltag, ob in der Familie, der Freizeit, der Schule oder im Beruf. Doch es reicht nicht, Texte einfach nur zu lesen, Du musst sie auch verstehen. Das Textverständnis ist eine elementare Fähigkeit, die Du brauchst, um Deinen Alltag zu bewältigen.
Ich hatte ein sehr gutes Textverständnis nur wurde dieses Textverständnis von Paul Fallegger nicht geprüft.
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Agnes Fallegger unterrichtete folgende Fächer:
Französisch, Geographie, Geschichte, Singen, Freihandzeichen, Kalligraphie
Singen?
Meist beginnt der Stimmbruch im Alter zwischen 12 und 13 Jahren. Singen während der Zeit des Stimmbruches ist ein schwieriges Unterfangen. Anzeichen für den Stimmbruch bei Jungen in der Pubertät: krächzende, schrille, heisere, raue oder brüchige Töne. Die Stimme kann zwischen tiefen und hohen Tönen stark schwanken, weil die einzelnen Stimmbänder unterschiedlich schnell wachsen.
Was ist Kalligraphie?
Das Wort „Kalligraphie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet die Kunst des schönen Schreibens. Kalligrafie ist die hohe Kunst des ästhetischen Schönschreibens von Hand. Kalligrafie ist eine Kunst, die die schöne Handschrift im besonderen Maße wertschätzt.
Ich muss nicht speziell erwähnen, dass ich als umgeschulter Linkshänder mit der Kalligrafie nicht viel am Hut hatte.
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Paul Fallegger unterrichtete folgende Fächer:
Deutsch, Rechnen, Geometerie, Biologie, Chemie, Physik, technisches Zeichnen
Im Deutsch ging es um Aufsätze, Balladen und Diktat
Aufsatz:
Wie schreibe ich einen guten Aufsatz?
«Achte beim Verfassen einer Einleitung darauf, dass diese das Ziel bzw. den Zweck der Aufgabe klar widerspiegelt und dass die These nicht nur das zu besprechende Thema präsentiert, sondern auch eine klare Position zu diesem Thema vertritt, die in der gesamten Arbeit unterstützen und weiterentwickeln werden.»
Leider hat meine klare Position zu einem Thema mit dem Lehrer fast nie übereingestimmt.
Ich war der irrigen Ansicht. Dass jeder seine Meinung frei sagen kann, was er denkt, auch wenn er keine nachprüfbaren Gründe für sein Urteil angibt oder angeben kann. Unerheblich ist, ob eine Äusserung wertvoll oder wertlos, richtig oder falsch, emotional oder rational begründet ist. Nach meinem Dafürhalten gilt für einen Lehrer in der Schule „Neutralitätsgebot“.
Für meine klare Meinung hat mich Paul Fallegger mit ungenügenden Noten belohnt/gebüsst.
Diktat:
Um im Ernstfall erfolgreich zu sein, muss man nicht nur die wichtigsten Rechtschreibregeln üben und anwenden können, sondern auch das Zuhören sowie das Erfassen von Textzusammenhängen und – nicht zuletzt – das Schreibtempo trainieren. Darüber hinaus sollte unbedingt auch Wert auf eine gut lesbare Handschrift gelegt werden, um eindeutige Bewertungen in der Korrektur zu gewährleisten. Denn was der Korrigierende nicht lesen kann, wird sowieso als falsch gewertet. Kaum ein Lehrer wird sich diesbezüglich auf eine Diskussion einlassen.
Als umerzogene Linkshänder erfand ich eine Strategie, um meine Rechtschreibschwierigkeiten zu vertuschen. Meine oft krakelige und unleserliche Handschrift half mir dabei. Ich litt auch unter Flüchtigkeitsfehlern, die oft durch die mangelnde Konzentrationsfähigkeit bedingt sind. Das Gehirn ist überanstrengt und kann keine weiteren Informationen aufnehmen.
Im Diktat war es mir möglich trotz aller Schwierigkeiten eine genügende Note zu erzielen.
Ballade:
Eine Ballade bezeichnet eine besondere Art der Gedichtform. Ursprünglich entstand sie im Mittelalter und ist stark mit der mündlich überlieferten Volksdichtung verwurzelt, bei der fahrende Spielleute von Heldentaten, Liebesgeschichten oder anderen historischen Ereignissen berichteten.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Ballade und deren Bedeutung stets weiter. Insbesondere Dichter wie Johann Wolfgang Goethe („Erlkönig“ 1797) und Friedrich Schiller
(„Der Handschuh“ 1797) trugen im 18. Jahrhundert zu der Popularität der Ballade bei.
Bis heute ist sie als literarische Form fest mit der deutschen Lyrik verbunden. Balladen sind in diesem Verständnis eine eigenständige literarische Gattung, bestehend aus einem Text, der durch Verse und Strophen untergliedert und von Reimen geprägt ist. Aus diesem Grund wird eine Ballade auch als Erzählgedicht bezeichnet. Die Geschichten, die unter anderem über Liebe und Tod handeln, sind meistens mit sprachlichen Gestaltungsmitteln ausgeschmückt, bei denen auf emotionale und dramatische Elemente zurückgegriffen wird.
Paul Falleggers liebste Ballade war die «Bürgschaft».
Friedrich Schillers Ballade „Die Bürgschaft“, erstmals 1798 veröffentlicht, handelt von Idealismus und der Macht der Freundschaft.
Zur eigentlichen Geschichte:
Es wird angenommen, dass Damon und Phintias wirklich gelebt haben. Ihre Geschichte spielt im 4. Jahrhundert v. Chr. in der Stadt Syrakus, damals eine bedeutende antike Metropole auf Sizilien. Die beiden waren Anhänger Pythagoras von Samos, der im 6. Jh. eine Gemeinschaft in Unteritalien gegründet hatte. Grundlagen dieser Gemeinschaft war die Freundschaft und unbedingtes gegenseitiges Vertrauen und Solidarität in Notlagen.
Die Ballade „Die Bürgschaft“ besteht aus 20 Strophen mit je 7 Versen, die je 8 – 10 Silben haben.
Auswendiglernen ist für mich die grösste Herausforderung. Mit ach und krach konnte ich die 10 Strophen behalten. Das Aufsagen wurde jeweils benotet. Ein Schüler musste jeweils 3 – 4 Strophen aufsagen. Mit ein wenig Glück musste ich die 9 bis 12 Strophe aufsagen, wenn es schlimm kam ab der 13. Strophe.
Ich machte jeweils einen schweren Seufzer. Jetzt wird Paul Fallegger wieder herumnörgeln, ich hätte den «Gehalt» des genialen Werkes nicht erfasst. Weil Herr Johann Christoph Friedrich Schiller der grosse Dichter und Philosoph, Historiker und Arzt, ab 1802 von Schiller. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker, Lyriker und Essayisten. Diesen von Schiller darf man nicht kritisieren auch wenn dieser Schreiberling nach meinem Dafürhalten den grössten Mist zusammengeschrieben hat. Wir leben ja nicht mehr in der Zeit Ende des 17. Jahrhunderts.
Gegen Adlige hatte ich generell eine Abneigung, das ist bis heute so geblieben. Aber das war mir egal, ich schleime nicht herum, bloss um eine gute Note zu bekommen. Ich schreibe was ich denke. Punkt.
Es gab noch weitere Balladen mit welchen wir beübt worden sind. Dies nur als Beispiel von vielen.
Paul Fallegger hat mich jeweils vor der gesamten Klasse wie ein Zirkuspony vorgeführt.
Seine Lieblingsworte waren jeweils: «er ist von Beruf Sohn, er muss nichts lernen!»
mit allem versorgt (sein) · nichts entbehren (müssen) · (das) Rundum-sorglos-Paket (gebucht haben) · von Beruf Sohn (sein)
Assoziationen:
- Nesthocker · (wohnt im) Hotel Mama (ugs.)
- im goldenen Käfig (sitzen) · in seiner Komfortzone (gefangen)
- verwöhnt werden · (es) vorne und hinten hereingesteckt bekommen
Ich konnte mit seiner Aussage nichts anfangen. Ich hatte sehr wenig Freizeit, unser Papa oder die Mama hat mich immer mit genügend Arbeit eingedeckt, so dass meine Zeit für die Schulaufgaben knapp bemessen war. Meine Mama hat mir immer wieder eingetrichtert du musst mit voller Konzentration im Unterricht dabei sein, dann hast du weniger Aufwand mit den Hausaufgaben.
Das erledigt sich fast wie von selbst.
Technische Zeichnen
Vorbemerkung was ist ein Reisszeug:
Reisszeug ist eine Zusammenstellung von Zeichengeräten für technische Zeichnungen, die auch Risse genannt werden. Um eine hohe Zeichnungsgenauigkeit zu erreichen, sind dünne Linien erforderlich, die mit der Klinge oder der Nadelspitze des Zeichengeräts geritzt (gerissen) und erst bei Bedarf mit Tusche ausgezogen werden.
Zum Reisszeug gehören in der Regel verschiedene Zirkel zum Abtragen von Kreisen und Ellipsen und die Reiss- oder Ziehfeder zum Ausziehen der Zeichnung mit feinstem Tuschestrich. Massstab, Lineal, Dreiecke, ein meisselförmig angeschliffener harter Bleistift und die Kopiernadel zum Übertragen von bemaßten Punkten und Linien auf die Zeichnung ergänzen das Reisszeug.
Ziehfeder und Ziehfedereinsätze für Zirkel wurden in den 1970er Jahren durch die Einführung von Tuschestiften verdrängt. Heute werden technische Zeichnungen am Computer erstellt. Das Reisszeug hat damit in diesem Bereich keine Bedeutung.
In meinem Fundus habe ich immer noch das komplette Reisszeug von unserem Papa, welches er am Technikum bei seiner Ausbildung als Architekt benötigt hat.
Nach der Sekundarschule habe ich nie mehr zum Zeichnen eine Ziehfeder gebraucht.
Dies als Vorbemerkung.
Die Mädchen hatten Handarbeit/Hauswirtschaft und wir Jungs hatten Technisches Zeichnen, Physik und Chemie.
Nach welchen Kriterien Paul Fallegger meine Zeichnungen bewertet hat ist mir und vermutlich auch ihm ein Rätsel geblieben. Bei mir hagelte es jeweils 2er mit den entsprechenden hämischen Kommentaren. Im Verlaufe des Schuljahres wurde es mir zu bunt und ich bat unseren Papa für mich eine Zeichnung auszufertigen. In der Folge habe ich die Zeichnung von unserem Papa an Paul Fallegger zur Beurteilung abgeben. Es hat mich nicht überrascht, dass die Zeichnung unseres Papas auch nur mit einer 2 beurteilt worden ist. Unser Papa, war doch ein wenig überrascht, hatte er doch am Abendtechnikum in Winterthur ein Diplom als Architekt HTL erworben.
Insgesamt war für mich diese Zeit sehr explosiv.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die "Hochphase" der Pubertät. Ich war komplett mit mir selbst auf der Suche nach der eigenen Identität beschäftigt. Wenn Jungen in die Pubertät kommen, erkennen Eltern ihre Söhne oft nicht wieder. Sie sind wild und aufmüpfig, scheinen wesentlich rebellischer zu sein als gleichaltrige Mädchen. In der Schule gelten pubertierende Jungen als besonders faul und antriebslos. Über Probleme oder Gefühle wollen die meisten nicht reden.
Auseinandersetzungen, Wutausbrüche und Rebellion sind in dieser Phase keine Seltenheit. Das Erwachsenwerden ist für Körper und Geist der Jungen anstrengend.
Die Pubertät ist die Zeit der ersten Male. Der erste Kuss, das erste Bier, die erste Zigarette. Alles, was den Nimbus des Verbotenen hat, übt einen unwiderstehlichen Reiz aus. Neugierig strecken Jugendliche ihre Fühler aus, wollen herausfinden, wo die Grenzen liegen, wer sie sind, oder wer sie sein wollen. Und gehen dabei Risiken ein oder treffen Entscheidungen, die ihren Eltern oft haarsträubend erscheinen.
Mein Interesse galt allem Möglichen, ausser der Schule. Meint Noten haben darunter massiv gelitten mit dem typischen Leistungseinbruch.
Viel hängt von der eigenen Haltung der Eltern ab. Hilfreich wäre es, die Veränderungen der Kinder wollwollend und mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Sich daran erfreuen, dass die Kinder wachsen, sich weiterentwickeln und entfalten. Das trägt zu einer vertrauensvollen, entspannten Stimmung bei und erleichtert die Kommunikation. Eltern sollten im Kopf behalten, dass die Stimmungsschwankungen nicht gegen sie gerichtet sind, sondern Teil des Prozesses sind. Je mehr Eltern in sich gefestigt sind, desto besser ertragen sie diese turbulente Zeit. Desto einfacher fällt es ihnen, Provokationen auszuhalten, bei plötzlichen Wutausbrüchen gelassen zu bleiben und Beleidigungen nicht persönlich zu nehmen. Sie lassen sich seltener auf Diskussionen ein, die auf unnötig nervenaufreibende Machtkämpfe hinausführen.
Unser Papa war vor allem mit seiner Bauunternehmung beschäftigt. Unsere Mama war zu dieser Zeit schwanger und vor allem mit sich und den anderen Geschwistern beschäftigt.
Mein Wunschberuf war Strassentransportfachmann
Strassentransportfachleute transportieren Güter mit Lastwagen und anderen Fahrzeugen der Führerausweiskategorien B, C oder CE. Sie planen die Transporte und gehen mit der Ware richtig um. Sie führen auch kleinere Reparaturen am Fahrzeug aus und beheben Pannen.
Strassentransportfachleute stehen bei Lieferungen in Kontakt mit der Kundschaft. Die Arbeitszeiten können unregelmässig sein und richten sich nach den gesetzlichen und betrieblichen Anforderungen. Bei Fahrten ins Ausland ist es auch möglich, dass sie für einige Tage von zu Hause wegbleiben.
Strassentransportfachleute arbeiten in Gewerbe-, Transport- und Industriebetrieben.
Mit entsprechender Berufserfahrung und Weiterbildung hätte ich Fuhrpark- und Garagenchef-Funktionen übernehmen oder als Carführerinnen oder Busfahrer tätig sein können. In grossen Betrieben hätte ich auch organisatorische Funktionen übernehmen können, zum Beispiel als Transportchef, als Transportdisponent oder als Leiter einer Abteilung oder eines ganzen Betriebs.
Vorbildung
- obligatorische Schule abgeschlossen
- Voraussetzung für die Ausbildung ist ein Mindestalter von 16 Jahren (Stichtag: 30. November des 1. Lehrjahres)
Anforderungen
- Freude am Unterwegssein
- Selbstständigkeit
- Verantwortungsbewusstsein
- Zuverlässigkeit
- Diskretion
- zeitlich flexibel
- gute Gesundheit und körperliche Fitness (Zeugnis des Vertrauensarztes nötig)
Meinen Wunschberuf hätte ich auch mit der Realschule erlernen können.
Meine Eltern hatten Angst vor der Realschule!
Für meine Eltern wäre es ein Albtraum gewesen, wenn ich anstelle der Sekundarschule die Realschule besucht hätte. Doch gute Realschüler sind oft gleich gut wie mittelmässige (Pro-)Gymnasiasten. Lehrer Burch sagte in der sechsten Klasse: «lieber eine 5,5 im Zeugnis und Realschüler, als eine 4,5 im Zeugnis und SEK Schüler. Das kommt auf das gleiche hinaus."
Ich kann seine Aussage noch heute unterzeichnen
Ich hatte bereits Wünsche für die Zeit nach der Lehre. Schon immer haben auf mich Spezial- / Schwertransporte eine spezielle Faszination ausgeübt. Ausnahmetransporte bzw. Schwertransporte sind Transporte mit Übermassen. In der Schweiz ist ab gewissen Massen und Gewichten Polizeibegleitung vorgeschrieben. Verschiedene Firmen in der in der Schweiz, welche auf solche Transporte spezialisiert suchen immer wieder Fahrerinnen und Fahrer mit Führerausweis Kat. C/E, die bereit sind, sich in den Bereich Sonder- und Schwertransporte einzuarbeiten. Sehr gerne hätte ich mich nach der Lehre auf eine solche Stelle beworben.
Weiterbildungsmöglichkeiten:
Mit eidg. Fachausweis, zum Beispiel Reifenfachmann/-frau oder Disponent/in Transport und Logistik.
Höhere Fachprüfung (HFP)
Zum Beispiel dipl. Betriebsleiter/in Transport und Logistik.
Bei meinen Eltern kam ein solcher Beruf für mich gar nicht in Frage. Für uns Söhne kam nur ein Beruf in Frage, welcher der Bauunternehmung von unserem Vater von irgendeinem Nutzen sein konnte.
Game Over
Es kam wie es kommen musste, Paul Fallegger hat an mir ein Exempel statuiert. Er hat mich zur Abschreckung besonders hart bestraft, damit ich in Zukunft in der Schule es nicht mehr wagen würde seine Unterrichtsmethoden/Lehrtätigkeit zu kritisieren. Ich bekam im Deutsch eine ungenügende Note, so dass ich einen Notendurchschnitt in den Hauptfächern eine 3.8 erreichte und die 1. Sek wiederholen durfte/musste.
Game Over tritt in der Regel dann ein, wenn die Spielfigur im Spiel “stirbt”, also all ihre Lebenspunkte verliert oder eine bestimmte Anforderung des Spiels nicht erfüllen konnte.
Für mich war das ein verlorenes Jahr. Fast jedes fünfte Schulkind wiederholt einmal eine Klasse.
Dabei weiss man längst, dass die Ehrenrunde in der Regel nichts bringt.
LEISTUNG wird in unserer Gesellschaft grossgeschrieben. Der Wahn um die besten Plätze in der Gesellschaft fängt bereits in der Grundschule, manchmal sogar noch früher an.
Wiederholen implizierte für meine Eltern, dass ich nicht einmal die Mindestanforderungen bewältigen konnte. Daraus resultiert Angst (gerade von Eltern ihren Kindern gegenüber), dass man es später schwerer haben wird einen guten Job zu finden oder gar den Anschluss in der Gesellschaft zu verlieren. Wie bereits gesagt, resultiert dieses Denken häufig aus einer gewissen Angst/Unsicherheit vor der Zukunft. Hinzu kommt das die Anforderungen am Arbeitsmarkt, welcher damals schwieriger geworden ist. Wie lebten in einer Gesellschaft in der LEISTUNG als Indikator für den WERT eines MENSCHEN genommen worden ist. Es zählten nur noch Papiere (Zeugnisse, Referenzen usw.) und das Menschliche blieb auf der Strecke. Ich hoffe das die Menschen irgendwann zu der Einsicht kommen werden, dass das Leben kein Wettkampf ist und es nicht den einen „richtigen“ weg im Leben gibt, da es doch gerade die Umwege sind, die das Leben so aufregend/spannend machen. Irgendwann werden die Leute aufwachen und merken, dass es nichts bringt sich abzuhetzen, nur leider sind sie dann häufig schon „ausgebrannt“.
Wie haben meine Eltern auf dieses Ergebnis reagiert?
Zum grossen Glück kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Ich fühlte mich als Versager, meine Eltern haben dieses Gefühl ein Versager zu sein noch zusätzlich untermauert. Vermutlich habe ich dieses Gefühl ein Versager zu sein schon lange mit mir herumgetragen. Es ist vermutlich in meiner Kindheit entstanden. Meine Eltern haben mir immer wieder gesagt, dass ich es zu nichts bringen werde. Ich konnte es meinen Eltern nie gut genug machen. Persönlich empfand ich es als besonders demütigend, dass meine Eltern das Gefühl hatten, sie müssten sich wegen meinen schlechten Noten bei Krethi und Plethi rechtfertigen.
Damit ich weiss, wie schön und erholsam Schule sein kann musste ich mit seinen Arbeitern auf der Baustelle mitarbeiten. Das heisst am Morgen 5.00 Uhr aufstehen. Abfahrt im Werkhof war je nach Entfernung der Baustelle um 6.15 Uhr oder 6.30 Uhr, Arbeitsbeginn auf der Baustelle war um 6.45 Uhr, 09.00 Uhr – 9.15 Uhr Znünipause, 12.00 Uhr – 13.00 Uhr Mittagspause, 18.00 Uhr Feierabend und Rückfahrt in den Werkhof. Ich musste auf der Baustelle Schalungstafeln reinigen und allgemeine Reinigungsarbeiten ausführen. Es gab für mich immer genügend Arbeit.
Diese Arbeit wurde von einem 14-tägigen Zeltlager in Tennwil unterbrochen.
Ich schätzte mich glücklich nach den Sommerferien wieder in die Schule gehen zu dürfen.
Mein persönlicher Wille wurde nicht gebrochen. Meine persönlichen Wünsche und Träume hatten Risse bekommen. Ich habe vorerst die Entschlossenheit verloren für mich zu kämpfen. Nun wusste ich was von mir erwartet wird, ich habe mich mit der neuen Situation arrangiert.
Nach dieser Niederlage habe ich geträumt nach Australien auszuwandern. Ich wollte als Road Train Fahrer arbeiten. Einfach möglichst weit weg von Giswil und meinen Verwandten.
Die Erde zittert, wenn sich im australischen Hinterland ein Road Train nähert. Die Strassen-Züge sind die wohl grössten und schwersten Lkw der Welt. Einheimischen sind die Giganten bestens vertraut. Die meisten Touristen dürften von den Road Trains jedoch erstaunt sein.
Allein die Daten flößen Respekt ein: 53,5 Meter lang. Bis zu 4,60 Meter hoch. 135,5 Tonnen schwer. Das sind die zulässigen Höchstmaße der australischen Road Trains. Die Giganten verfügen über eine Zugmaschine mit mindestens 500 PS, maximal vier Anhänger und 18 Achsen. Sie sind mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde unterwegs – häufig auf unbefestigten Straßen. Lkw mit diesen Dimensionen unterliegen laut „National Heavy Vehicle Regulator“ (NHVR) bestimmten Beschränkungen. So dürfen sie unter anderem nicht in Innenstädte fahren. Lkw mit einer maximalen Länge von 19 Metern und einem Gewicht bis zu 43,5 Tonnen dürfen hingegen uneingeschränkt auf öffentlichen Straßen in Australien fahren.
Unterwegs im sechstgrößten Land der Welt
Für die Logistikbranche sind die XXL-Trucks unersetzlich. Sie transportieren – tausende Kilometer weit – alle Arten von Gütern: Lebensmittel, Tiere, Kraft- und Rohstoffe. Damit sichern sie im flächenmäßig sechstgrößten Land der Welt insbesondere die Versorgung abgelegener Gebiete. Denn: Manche Farmen und Siedlungen liegen fernab von Bahnhöfen.
Um einen Koloss dieser Art zu fahren, müssen Anwärter die Prüfung für den „Road Train-Führerschein“ bestehen. Grundvoraussetzung ist auch: mindestens drei Jahre den regulären Führerschein besitzen und nicht weniger als ein Jahr über den Führerschein für Fahrzeuge bis neun Tonnen verfügen.
Ich stellte mir vor mit diesem Ungetüm quer durch Australien zu fahren. Von einer Küste zur anderen. Da würde ich vermutlich 10 Tage oder länger nach Norden fahren und wieder 10 Tage zurück in den Süden fahren. An beiden Orten hätte ich eine Freundin und würde jeweils meine Freitage bei ihr verbringen. Weil ich 10 Tage durcharbeite hätte ich logischerweise jeweils 4 Tage zur freien Verfügung. Diese Zeit würde ich jeweils mit der jeweiligen Freundin sehr geniessen. Bis zur halben Strecke würde ich sie beim Abschied noch vermissen. Sobald ich die halbe Strecke hinter mir hätte würde ich mich auf die andere Freundin freuen. Das Leben hat für die meisten viel zu bieten, man muss sich nur umsehen und das machen, was einem Freude bereitet.
***
Nun will ich etwas über meine jüngere Schwester Veronika schreiben. Veronika war eine Hausgeburt und erblickte am 06. September 1958 im Rüteli das Licht der Welt.
Als einziges Mädchen mit zwei älteren und zwei jüngeren Brüdern hat Veronika eine besondere Position in der Familie eingenommen. Altersmässig waren wir uns sehr nah, die Rivalität war vielleicht etwas heftiger. Veronika hatte bereits mit fünf ihre vorlaute Phase, sie wollte bereits zu den Grossen gehören und das durch eine große Klappe und Kraftausdrücke demonstrieren. Erstens ist es vermeintlich cool, so zu reden und auszuprobieren, wie weit man bei den Eltern damit ankommt. Zweitens finden die anderen Kinder kleine Frechheiten gegenüber Erwachsenen mutig, lachen über das, was sie sich selbst nicht trauen und bestärken das kleine "Großmaul" damit zusätzlich.
Meine Eltern hatten das Gefühl Veronika solle vorzeitig eingeschult werden. Unser Hausarzt hat einen vermeintlichen Test mit Veronika durchgeführt und Veronika für schulreif befunden. So kam es, dass Veronika ein Jahr früher eingeschult worden ist.
Eine vorzeitige Einschulung ist oft eine Gratwanderung und sollte gut überlegt werden.
Doch so einfach geht die Rechnung nicht immer auf. Denn Kinder, die frühzeitig eingeschult werden oder eine Klasse überspringen, sind nicht nur zu Beginn ihrer Schullaufbahn besonders gefordert, sie sind und bleiben auch in den folgenden Jahren die Jüngsten in der Klasse. Sie müssen sich oft vielmehr anstrengen, um sich in die Klasse zu integrieren. Nicht immer geht das gut.
Frühe Einschulung birgt Nachteile bis ins Erwachsenenalter. Eine US-Studie, für die Daten von über einer Millionen Kinder ausgewertet wurden, zeigt, dass sich eine frühe Einschulung auf lange Sicht eher negativ auf die Schulleistung des Kindes auswirken kann.
Dazu verglichen die Wissenschaftler die Schulleistungen von Kindern, die im August geboren wurden – also gerade erst sechs Jahre alt geworden und somit die jüngsten Kinder in einer Klasse sind – mit den Leistungen der Kinder, die im September auf die Welt gekommen sind und somit zu den ältesten Schülern zählen. So schnitten die älteren Kinder bei ihrer intellektuellen Entwicklung wesentlich besser ab als die jüngeren. Dieser Unterschied zeigte sich auch noch Jahre später. Dementsprechend standen für die September-Kinder die Chancen auf ein gutes College oder eine Universität zu kommen ebenfalls besser. Frühe Einschulung birgt Nachteile bis ins Erwachsenenalter.
Als ich die 1. Sekundarschule besuchte, besuchte Veronika die sechste Klasse. Höchste Priorität hatte nun für Veronika die Schule insbesondere musste sich Veronika sich auf die Aufnahmeprüfung der Sekundarschule vorbereiten. Somit blieb wieder einmal alles an mir hängen. Ich wurde mit zusätzlicher Arbeit eingedeckt. Das konnte sein, dass ich nach der Schule einen passenden Bleistift oder Radiergummi für Veronika besorgen musste. Ich empfand das als reine Schikane meiner Schwester und unsere Mama hat diesen Unsinn noch unterstützt. Ich hatte keine Lust auf diese blöden Spielchen. Ich war es müde, immer die gleichen Fragen zu diskutieren. Unsere Mama war meinen vernünftigen Argumenten eh nicht zugänglich. In den Augen unserer Mama und meiner Geschwister hatte ich sowieso die Sonnenseite gepachtet. Zu viel Arbeit, zu viele Verpflichtungen, zu viele Ängste haben mich immer viel Kraft gekostet. Das Abschalten ist mir nicht immer leichtgefallen, mein Körper war immer unter permanenter Anspannung, ich bin hochtourig gelaufen. Ich war ja noch jung und konnte das ertragen. Bei der Arbeit im Magazin konnte ich die mentale Erschöpfung besiegen, indem mein Geist nur wenigen Reizen ausgesetzt wurde – mit Ruhe und Zeit für mich selbst.
Anfangs Juni bekamen unsere Eltern den ersehnten Brief, dass ihre Tochter Veronika die Aufnahmeprüfung nicht bestanden hat. Es herrschte Weltuntergangsstimmung. Der Weltuntergang unterscheidet sich fundamental vom Sonnenuntergang. In der Regel findet er nur einmal statt, aber dann richtig. Das zeichnet einen gescheiten Weltuntergang aus. Danach herrscht Ruhe. Die Dinosaurier können davon leider kein Lied mehr singen, in der weltgeschichtlichen Interviewzone sind sie längst nicht mehr anzutreffen. Das Gute dabei ist: Da Weltuntergänge äusserst selten stattfinden, kann man sie so oft herbeireden, wie man will.
Diese schreckliche Nachricht war im Hause Wälti kaum zu ertragen.
Nach dieser Hiobsbotschaft zog sich Veronika von der Welt zurück und verliess die Schule von Giswil für immer ohne sich von ihren Schulkolleginnen zu verabschieden. Unsere Mama ging am Nachmittag in die Schule und holte Veronikas persönlichen Sache ab.
Ich bin der Ansicht, dass Niederlagen und Misserfolge im Leben unvermeidbar sind. Deshalb ist es wichtig, Niederlagen bewältigen zu können. Mit Niederlagen und (beruflichen) Misserfolgen
umgehen zu können, ist eine wichtige Voraussetzung, um persönlich und beruflich voranzukommen. Nur durch sie können wir lernen und es nächstes Mal besser machen. Selbst die erfolgreichsten Menschen scheitern häufig. Wenn wir Erfolg haben wollen, dann ist es wichtig, dass wir uns von Misserfolgen nicht entmutigen lassen und mit ihnen konstruktiv umgehen können. Der Umgang mit Niederlagen und Misserfolgen ist entscheidend
Wie wir mit Niederlagen umgehen, hat einen grossen Einfluss auf unsere persönliche und berufliche Entwicklung. Resignieren wir, beginnen wir aufgrund des Scheiterns an uns selbst und unseren Fähigkeiten zu zweifeln, dann verbauen wir uns die Chance, aus unseren Fehlern zu lernen und so unsere Niederlage doch noch in einen Erfolg zu verwandeln.
Meine Meinung zu diesem Thema war nicht gefragt. Ich muss nicht erwähnen die Familie Wälti lebte in einer Diktatur. Die grossen Diktatoren waren unsere Eltern. Persönlich hätte ich es bevorzugt in einer Demokratie zu leben. Eine der wichtigsten Grundlagen in einer Demokratie ist die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Du darfst sagen, was du dir denkst, und dich auch mit anderen zusammentun, um deine Meinung vielen anderen Menschen mitzuteilen.
Unsere Eltern haben beschlossen, dass Veronika nach den Sommerferien das Mädcheninstitut mit Internat im Melchtal besuchen wird.
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Was bewegte / prägte unsere Familie 1971 noch weiter?
Unsere Mama erhielt im Herbst 1966 die Diagnose Lupus.
Der Lupus ist das Chamäleon unter den entzündlich-rheumatischen Krankheiten. Als eine systemische Erkrankung kann er ganz verschiedene Organe und Organgruppen befallen und in unberechenbaren Entzündungsschüben individuell sehr unterschiedlich verlaufen.
Die Zahl der Betroffenen in der Schweiz wird auf 2400 geschätzt. Damit ist der systemische Lupus erythematodes eine recht seltene Krankheit. Zu 90% sind Frauen betroffen.
Ihr Hausarzt Dr. Fritz Wicki hat unserer Mama zu einer Schwangerschaft geraten, damit würde sie möglicherweise von der Krankheit geheilt.
Kann eine Schwangerschaft Mütter von Krankheiten heilen? Ja, sie kann! Und Sinn macht es biologisch gesehen auch: das Babys will schließlich in einem gesunden Körper aufwachsen und sein Überleben sichern. Auf den Verlauf bestimmter entzündlicher Autoimmunkrankheiten wirkt sich eine Schwangerschaft positiv aus. Werdende Mütter mit Multipler Sklerose, Rheuma oder der Augenkrankheit Uveitis erleben ein Abklingen der Symptome. Im Körper der Schwangeren kommt es demnach zu einer Umstellung des Stoffwechsels. Zunächst fördert die verminderte Pyruvatkinase-Aktivität das embryonale Zellwachstum. Doch das Enzym ist noch an einem weiteren Prozess beteiligt: Damit der weibliche Körper den Embryo nicht abstößt, stellt der Körper die Immunabwehr auf ein leicht abgesenktes Niveau ein. Derselbe Mechanismus wirkt sich offenbar auch positiv auf den Verlauf bestimmter Autoimmunkrankheiten aus – der Körper hört für eine Weile auf, intensiv gegen sich selbst zu arbeiten.
Die Schwangerschaft verlief nach meiner Wahrnehmung völlig normal.
Einige Tage vor dem Geburtstermin wacht unsere Mama auf und bemerkt, dass ihr Kind sich nicht mehr bewegt. Sie versucht sich zu beruhigen, redet sich ein, dass Babys kurz vor der Geburt oft weniger aktiv seien.
Als zwei Tage später immer noch keine Bewegung zu spüren ist, wächst die Angst. Als Mama ihren Hausarzt aufsucht, muss er ihr mitteilen, dass das Herz von ihrem Sohn nicht mehr schlägt. Unsere Mama bringt ihren Sohn mit einer Stillgeburt im Spital Sarnen tot zur Welt. Damals war es nicht üblich, dass Väter bei der Geburt dabei waren. Aus psychologischer Sicht wird den Müttern geraten, ihr totes Kind auf natürlichem Weg zur Welt zu bringen. Das ermögliche es Frauen, den Verlust ihres Kindes langfristig emotional besser zu verarbeiten. Seine Geburt war zugleich der Abschied.
Mein jüngerer Bruder Adrian und ich verbrachten die ersten zwei Wochen der Sommerferien im Zeltlager der Jungwacht in Tennwil. Der Besuchstag findet meist am Sonntag in der Mitte des Lagers statt. Ich war schon etwas überrascht, dass uns unser Papa uns im Lager besucht, das hat er noch nie gemacht. Der Grund seines Besuches war uns über die Totgeburt zu informieren.
Der Leichnam des Bruders wurde in den Sarg eines verstorbenen Erwachsenen beigelegt und mit diesem beerdigt.
Eine kleine Verabschiedung in der Familie hätte unsere Mama geholfen den Verlust des totgeborenen Kindes zu verarbeiten und zu bewältigen.
Vermutlich waren meine Eltern mit dieser Situation überfordert. Nichts ist schlimmer, als wenn einfach geschwiegen wird. Nach meinem Dafürhalten hat uns der jüngste Bruder immer gefehlt.
Unsere Mama wurde von der Krankheit nicht geheilt!
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Den Abschied bewusst gestalten
Eine „stille Geburt“ und der frühe Abschied von ihrem Kind werden für die meisten Eltern unvergessen bleiben. Viele fühlen sich dem toten Kind noch lange Zeit verbunden. Den Abschied bewusst zu gestalten, kann helfen, den Verlust begreifbar zu machen und neuen Mut zu fassen. Lassen die medizinischen Umstände ausreichend Zeit, können die Eltern nachdenken, was sie sich für diese besondere Geburt wünschen, und dies mit ihrer Hebamme und ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen.
Wenn ihr Baby tot zur Welt gekommen ist, brauchen die Eltern vielleicht einige Zeit, bis sie sich für die Begegnung mit ihm öffnen können und es in den Arm nehmen möchten. Viele Eltern haben zuvor noch nie einen toten Menschen gesehen. Sie haben möglicherweise Angst davor, wie ihr Kind aussehen wird, und fühlen sich überfordert. Wie werden mögliche Fehlbildungen aussehen oder wie hat sich seine Haut verändert, wenn es schon einige Tage vor seiner Geburt gestorben ist? Die Geburtshelferinnen und -helfer werden sie darauf vorbereiten, stehen ihnen in diesem Moment zur Seite und werden das Kind mit ihnen gemeinsam betrachten, wenn sie dafür bereit sind. Oft erfahren die Eltern bei dieser Begegnung neben allem Kummer auch Momente von Glück. Sie können sehen, wer ihr Kind ist. Wenn sie ihm noch keinen Namen gegeben haben, tun sie es möglicherweise in diesem Moment. Vielleicht entdecken sie seine ganz eigene Schönheit und empfinden es trotz allem als Wunder und Bereicherung, dass es sich so weit entwickelt hat und dass sie seinen Weg mit ihm gegangen sind.
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Was war 1971
Im Weltgeschehen war das Jahr 1971 geprägt vom Vietnamkrieg und der sogenannten Ostpolitik. Der Bundeskanzler der BRD, Willy Brandt, erhielt in Oslo den Friedensnobelpreis für sein Engagement zur Verbesserung der Ost-West-Beziehungen.
In Ägypten begann das Jahr mit der Einweihung des Assuan-Staudammes am 15. Januar, der nach elfjähriger Bauzeit vollendet worden war und der den Nil zu einem riesigen See staut, der zwischen 135 und 169 Kubikkilometer Wasser fasst.
Im kanadischen Vancouver gründeten Friedensaktivisten eine Non-Profit-Organisation, die sich international mit dem Erhalt des Umweltschutzes befasst und deren gewaltfreie Aktionen bis heute immer wieder für spektakuläre Schlagzeilen sorgen: Greenpeace.
Am 7. Februar 1971 – nach einem mehr als 100-jährigen Kampf der Frauenbewegung – erhalten die Schweizerinnen endlich das Wahl- und Stimmrecht. Infolge der Abstimmung wird Artikel 74 der Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 angepasst. Dank diesem Sieg können sich die Schweizerinnen ins Bundesparlament wählen lassen. Formell wurde das Frauenwahlrecht am 16. März 1971 in der Schweiz wirksam.
Auf kantonaler Ebene waren 1959 die Waadt und Neuenburg sowie 1960 Genf die ersten Kantone, die das Frauenstimmrecht einführten. Bis zur Einführung in allen Kantonen vergingen allerdings nach der Einführung auf Bundesebene noch weitere zwanzig Jahre: Am 27. November 1990 gab das Bundesgericht einer Klage von Frauen aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden Recht und bestätigte damit die Verfassungswidrigkeit der Innerrhoder Kantonsverfassung in diesem Punkt. So führte Appenzell Innerrhoden als letzter Kanton das Stimmrecht für Frauen auf kantonaler Ebene ein, entgegen einem Mehrheitsentscheid der Männer an der Landsgemeinde am 29. April 1990.
Der Weg dazu war lang und steinig.
Am 5. Februar 1971 kam es im Bahnhof Luzern zu einem verheerenden Brand, der grosse Teile des Jugendstilbaus zerstörte. Es war der grösste Bahnhofsbrand seit der Gründung der SBB.
Der Grossbrand hinterliess umfangreiche Schäden: die grosse Hauptkuppel war nicht mehr, der gesamte Westflügel des Stirngebäudes mit allen Räumlichkeiten des Bahnhofbuffets und die Schalterhalle mit Einnehmerei, Wartsaal, Handgepäckbereich und WC-Anlagen waren vollständig ausgebrannt. Allein bei der Räumung der Trümmer in der Schalterhalle sollten später über 220 Tonnen Schrott geborgen werden. Was die Brandursache betraf, lieferten die Untersuchungsarbeiten keinen eindeutigen Befund. Mit grösster Wahrscheinlichkeit war der Brand an einer Stelle ausgebrochen, wo am Vortag eine Lötlampe bei der Reparatur einer defekten Regenrinne eingesetzt worden war.
Für viele Zeitgenossen war nicht nur einer der wichtigsten Bahnhöfe der Schweiz für eine gewisse Zeit unbrauchbar gemacht worden. Verschwunden war innerhalb von ein paar Stunden auch eines der bekanntesten Gebäude der Stadt Luzern. Vor allem die von weither sichtbare Zentralkuppel war über die 75 Jahre ihres Bestehens zu einem Erkennungsmerkmal der Stadt geworden. Es war ein Abschied ohne Vorbereitung, wehmütig wurde noch lange dem «schönen alten Bahnhof» nachgetrauert.
- Sekundarschule «das verlorene Jahr»
Nach den Sommerferien werde ich für dieses Jahr von folgenden Lehrern unterrichtet:
- Paul Josef Fallegger (Jg. 1944) lic. phil. I (Schwerpunkt sprachlich / historisch)
- Agnes Fallegger-Kolb, (vermutlich 1940) Sekundarlehrerin
Das verlorene Jahr
Fast jedes fünfte Schulkind wiederholt einmal eine Klasse. Dabei weiss man längst, dass die Ehrenrunde in der Regel nichts bringt. Der Fall ist eigentlich klar: «Nichtversetzen», im Volksmund Sitzenbleiben, ist eine jener Massnahmen, die dem Lernerfolg in der Schule am meisten schaden. Sitzenbleiben ist somit etwas vom Dümmsten, was man verordnen kann, wenn ein Kind in der Schule besser werden soll. Am besten für den Lernerfolg ist die Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsvermögens. Dass diese mit dem Sitzenbleiben nicht unbedingt positiv ist, liegt auf der Hand.
Die Klassenwiederholung gehört zur Schule wie die Turnhalle und die Wandtafel. Und der einzelnen Lehrperson fällt es in der Regel auch gar nicht so auf, wie viele betroffen sind.
Wen es trifft mit dem Repetieren ist eher zufällig. Die Schulleistungen geben zwar den Ausschlag, ob ein Lehrer eine «Ehrenrunde» in Betracht zieht. Doch die Einschätzung der schulischen Leistung ist eine Geschichte für sich.
Eine Nationalfondsstudie belegt, dass Bewertungen nicht objektiv sind, sondern von vielem abhängen, das der Schüler nicht beeinflussen kann. Etwa von den Leistungen der Klassenkameraden oder vom Wohnkanton und dem dortigen Schulangebot. In einer eher schlechten Klasse ist es bei vergleichbarer Leistung einfacher, gute Noten zu erzielen. In Kantonen mit einem grossen Angebot an Sekundarklassen ist es leichter, den Sprung dorthin zu schaffen. Mit anderen Worten: Gleich gute Schüler werden am einen Ort versetzt, am andern müssen sie repetieren.
Es ist kein schönes Gefühl, zu wissen, dass die schulische Leistung nicht ausgereicht hat und man die Klasse wiederholen muss. Seine Kolleginnen und Kollegen muss man hinter sich lassen, und man kommt als Neuer in eine Klassengemeinschaft die sich kennt. Man wird genau beobachtet, vielleicht auch ausgelacht und verspottet ob seiner schlechten Noten. Auf alle Fälle kommt einem eine Sonderrolle zu – und das oft nicht nur von den Mitschülerinnen und Mitschülern. Auch Lehrkräfte gehen möglicherweise anders mit Repetenten und Repetentinnen um. Man traut ihnen eventuell nicht zu, dass sich ihre Leistung verbessert, stellt sie ins Eck der immer schlechten Schülerinnen und Schüler und beurteilt sie womöglich auch strenger.
Aber es gibt auch ein paar Vorteile, die man als Klassenwiederholer hat. In den Gegenständen, in denen man ohnehin gut war, braucht man kaum mehr Energie zu investieren, um zu brillieren, und vielleicht unterscheiden sich auch die Tests und Prüfungen gar nicht sehr von denen im Jahr davor – dieses Wissen kann man auch gut im Klassenverband teilen, was die Integration in die Klassengemeinschaft erleichtert und neue «Freundschaften» ermöglicht. Nicht immer ist das Wiederholen einer Klasse ein verlorenes Jahr.
Meine Ziele / Wünsche im neuen Schuljahr
Im neuen Schuljahr will ich mir die Zeit nehmen, welche ich für die Schule brauche. Die Schule hat für mich Priorität. Lernen ist Arbeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass mir lernen keinen Spass und Freude machen darf. Im Gegenteil mit einer positiven Stimmung schaffe ich viel mehr als unter Zwang.
Lerninhalte will ich aktiv verarbeiten. Anstatt nur zu lesen, ist es wichtig, dass ich mir selbst Fragen stelle, Verknüpfungen herstelle und die Inhalte kritisch hinterfrage. Diese Art des „aktiven Lernens“ erfordert zwar mehr Zeit und Energie, ist aber wesentlich effektiver, um tiefes Verständnis zu fördern. Es kann hilfreich sein, regelmässig Zusammenfassungen zu schreiben oder den Stoff laut zu erklären – entweder sich selbst oder anderen.
Wie war der erste Schultag nach den Sommerferien?
Als ich unser Klassenzimmer betreten habe, sass Sepp bereits zuhinterst am Schulpult in der Fensterreihe und hat mir zugerufen neben ihm wäre noch ein Platz frei. Ich war schon ein wenig überrascht, dass ich nicht der einzige Wiederholer bin. Da waren meine Kollegen Sepp, Walter und Kollegin Agnes. Mit Sepp und Walter habe ich mich immer sehr gut verstanden. Für mich war das ein Lichtblick, ich fühlte mich nicht mehr Alleine. Ich wusste nun, dass ich mit der Zeit wieder Frieden schliessen und mich versöhnen kann.
Für alle Schülerinnen und Schüler ist der erste Tag nach den Ferien etwas Besonderes. Etwas ganz Besonderes ist er für die Neuen, weil sie die Grundschule hinter sich gelassen haben und nun die Sekundarschule besuchen. Lernstoff, Kollegen, Lehrkräfte: Alles ist erst mal fremd. Neu an der Sekundarschule zu sein, ist immer mit Hoffnungen verbunden – aber auch mit Sorgen.
Die Neuen müssen mit völlig veränderten Lernanforderungen zurechtkommen. Die Lehrkräfte sind an der Sekundarschule oft deutlich distanzierter. Die Neuen mussten sich zuerst an die neue Situation gewöhnen. Mehr Eigenständigkeit und -initiative werden erwartet, und die Schülerinnen und Schüler bekommen meist weniger individuelles Feedback über ihren Leistungsstand.
Nun sind die Neuen in das Klassenzimmer eingetreten. Wir Alten wurden von den Neuen gemustert wie Zoobewohner.
Wir Alten haben die Neuen mit den neuen Verhältnissen vertraut gemacht.
Weil einige von den Neuen sich mit den völlig veränderten Lernanforderungen gestresst/überfordert fühlten wechselten einige in die Realschule.
Nach den Herbstferien haben einige von den Neuen in die Realschule gewechselt.
Mit dem Klassenklima ist es wie mit dem Wetter: Ist es kalt und regnerisch, sind wir tendenziell schlechter gelaunt und antriebslos. Wenn jedoch die Sonne scheint, blühen die Blumen, die Vögel zwitschern und wir wollen raus, um die Welt zu entdecken.
Das Wetter kannst du zwar nicht ändern, aber die gute Nachricht ist: das Klassenklima schon.
Das Klassenklima umfasst die emotionalen und sozialen Beziehungen zwischen SchülerInnen und LehrerInnen sowie zwischen den SchülerInnen selbst.
Bei der Klassengemeinschaft stehen hingegen die Interaktionen, Dynamiken und das Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen den Schülern und Schülerinnen im Fokus. Es geht darum, wie sie miteinander umgehen, kommunizieren, zusammenarbeiten, sich unterstützen und als Gemeinschaft agieren.
Merkmale für ein gutes Klassenklima und eine starke Klassengemeinschaft
- gegenseitiger Respekt,
- verlässlich eingehaltene Regeln,
- gemeinsam geteilte Verantwortung,
- Gerechtigkeit der Lehrkraft gegenüber jedem Einzelnen
Doch eine gute Klassengemeinschaft bildet sich nicht von alleine.
Warum ist eine gute Klassengemeinschaft wichtig?
Eine starke Klassengemeinschaft bringt für Schüler viele Vorteile mit sich.
Aktive Beteiligung am Unterricht: Wenn sich Schüler und Schülerinnen gegenseitig unterstützen und respektieren, fühlen sie sich sicher und wertgeschätzt. Dies schafft eine ideale Umgebung für das Lernen, da sie sich eher öffnen, Fragen stellen, Ideen austauschen und aktiv am Unterricht teilnehmen.
Soziale und emotionale Entwicklung: Eine starke Klassengemeinschaft fördert soziale Interaktionen, Empathie und Zusammenarbeit zwischen den SchülerInnen. Sie lernen, miteinander auszukommen, Konflikte konstruktiv zu lösen und Unterschiede zu akzeptieren. Dies trägt zur Entwicklung ihrer emotionalen Intelligenz bei und bereitet sie auf das Leben außerhalb der Schule vor, wo zwischenmenschliche Fähigkeiten von großer Bedeutung sind.
Nach meinem Dafürhalten war das Klassenklima sehr angenehm. Teilweise hatten die Mädchen den Eindruck Sepp und ich würden sie belächeln. Sepp und ich hatten den Eindruck die Mädchen sind uns mit Respekt begegnet. Vermutlich waren die Neuen noch grün hinter den Ohren. Auf die Idee, dass wir mit Ihnen nur flirten wollten sind sie gar nicht gekommen. Ein intensiver Blickkontakt, ein süsses Schmunzeln, Komplimente: Ja, theoretisch ist flirten total einfach. Doch in der Praxis standen die Mädchen vor dem grossen Problem, dass sie das Flirten nicht erkennen und die Signale oft falsch deuten.
Ein Mädchen ist mir schon am ersten Tag besonders aufgefallen. Innerhalb von wenigen Augenblicken habe ich entschieden, dass ich sie besonders mag. Das Mädchen hiess Marietheres.
Ich habe alles Mögliche unternommen um Marietheres näher zu kommen.
Ich habe Marietheres angelächelt. Jedes Mädchen möchte sich mit glücklichen Menschen umgeben. Deswegen sollte mein natürliches und ungezwungenes Lächeln Marietheres dazu bringen mich zu mögen. Gleichzeitig sollte sie sich später besser an mich erinnern. Es ist bewiesen, dass sich Menschen leichter an Personen erinnern, die sie in einem fröhlichen Kontext kennengelernt haben.
Ich suchte mit Marietheres den Augenkontakt. Mein Blickkontakt sollte Marietheres zeigen, dass ich aufmerksam und interessiert bin. Deswegen wollte ich mit dem richtig dosiertem Augenkontakt einen guten Eindruck hinterlassen. Ich achtete aber darauf Marietheres nicht anzustarren. Das hätte dazu führen können, dass sie sich unwohl fühlt.
Nicht jeder mag jeden. Ich war mir auch bewusst, dass die die Chemie zwischen zwei Menschen auch mal nicht stimmen kann. Nach einigen Monaten habe ich bemerkt, dass ich bei Marietheres nicht landen kann. Ich habe die Finger davongelassen. Ich habe mich auf die konzentriert, die mich wirklich mögen könnten. In unserer Klasse gab es aber Keine ich besonders mochte.
Ich bin mir selber treu geblieben und habe mich nicht für andere verbogen.
Es kann Spass machen, für ein Mädchen zu schwärmen, aber es kann einen auch einige Nerven kosten. Manchmal ist es eine Herausforderung, sie wissen zu lassen, dass du sie magst.
Ich konnte mir ausmalen, dass ich als Repetent bei einer guten Schülerin eher schlechte Karten hatte. Mir fehlte schlicht der Mut den ersten Schritt zu machen. Für mich hat es sich gut angefühlt, sie zu mögen, gerne hätte ich sie besser kennen gelernt. Gegenüber von mir hat Marietheres keine erkennbaren Signale ausgesendet, dass sie an mir Interesse hätte.
Fünf wichtige Zeichen weiblichen Interesses: Augenkontakt, Lächeln, Berühren während des Gesprächs, Lachen über meine Witze, aufrichtige Fragen über mich.
Offensiv rangehen oder defensiv bleiben?
Leider war da kein Zeichen zu erkennen. Ich wollte mich ja nicht zum Gespött der ganzen Klasse werden. Für die Neuen wäre das ein gefundenes Fressen gewesen. Man weiss auch nicht, was das für weitere Kreise nach sich zieht. Zuhause hätte ich mir garantiert zusätzlichen Ärger eingehandelt. Meine spärliche Freizeit hätte ich wieder im «Arbeitslager, auch Straflager oder Umerziehungslager» meiner Eltern verbringen können, wenigstens wurde ich im Lager für meine Arbeit entschädigt.
Es ist schön, es verwirrt und manchmal tut es weh, zum ersten Mal so richtig verliebt zu sein.
Manchen Menschen reicht schon ein flüchtiger Blick ihres Schwarms, um die Gefühlsachterbahn anzuschmeissen.
An die erste Liebe erinnert man sich ein Leben lang.
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Schach macht schlau!
Schach ist ein strategisches Brettspiel für zwei Spieler, das schon im Mittelalter gespielt wurde. Auch heute erfreut es sich noch großer Beliebtheit. Es gehört zu den populärsten Brettspielen in Europa. Weil die zwei wichtigsten Figuren auf dem Feld die Könige sind, nennt man Schach auch das "königliche Spiel".
Das altehrwürdige und weltweit verbreitete Schachspiel ist auch im 21. Jahrhundert ein geeignetes Instrument, um die Herausforderungen im Zeitalter von Computer und Künstlicher Intelligenz zu meistern. Weltweite Untersuchungen belegen, dass das Schachspielen zu besseren Schulleistungen führt.
Schach ist eine kostengünstige Möglichkeit, den Zugang zu Mathematik und Naturwissenschaften leichter zu gestalten, weil Schach überall gespielt werden kann und die dafür notwendigen Utensilien nicht teuer sind. Im Schachspiel lernten wir (Alex und ich) spielerisch unterschiedliche Fähigkeiten, die sich auf die naturwissenschaftlichen Schulfächer und persönliche Einstellungen positiv auswirkten.
Mein Schulkollege Alex und ich haben das Schachspiel gemeinsam erlernt.
Wie kann ich am besten Schach lernen? Wir haben uns einige Stunden Zeit genommen um die Grundlagen und Züge zu erlernen. Sobald wir die Grundlagen verstanden haben mussten wir nur noch Üben, üben und nochmals üben!
Beim Schach bewegen beide Spieler abwechselnd ihre Spielfiguren über ein 64-Felder großes Spielfeld. Ein Spieler hat schwarze Figuren, der andere Weisse. Beide Spieler haben die Möglichkeit, mit ihren eigenen Figuren gegnerische Spielfiguren vom Spielfeld zu entfernen. Weiss beginnt das Spiel.
Ziel des Spiels ist es, den gegnerischen König zu schlagen, indem du ihn "schachmatt" setzt. "Schach" sagst du, wenn du den gegnerischen König bedrohst. Eine Figur wird "bedroht", wenn sie auf einem Feld steht, auf der sie von einer anderen Figur geschlagen werden kann.
"Schachmatt" ist der Gegner erst, wenn er seinen König nicht mehr retten kann. Der König kann sich auf kein anderes Feld mehr bewegen, ohne geschlagen zu werden. Eine Figur zu schlagen, heisst, sie vom Spielfeld zu entfernen.
Mein Fazit: Schach ist eine hervorragende Freizeitbeschäftigung, die jeder lernen kann.
Im Verlaufe des Schuljahres habe ich dieses Spiel auch unserem Papa beigebracht. Während der Sekundarschule haben wir einmal in der Woche eine Partie Schach gespielt. Später war das uns nur noch sporadisch möglich. Oft endete das Spiel mit einem Remis.
Wenn eine Schachpartie Remis endet, haben beide Spieler weder gewonnen noch verloren - die Partie endet also Unentschieden.
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Zur damaligen Zeit gönnten sich die Sekundarschüler eine zweitägige Schülerreise. Das notwendige Geld verdienten wir uns mit dem Sammeln von Altpapier. Einmal im Jahr sammelten wir Sekundarschüler in unserer Gemeinde das Altpapier. Der Verlade-Ort war am Bahnhof.
Alex war am Verlade-Ort am Bahnhof zugeteilt. Dort hat Alex für seine persönliche Bibliothek noch einige Zeitschriften aussortiert. Alex hatte seinen Fokus auf folgende Zeitschriften gelegt: «St. Pauli Extra, Schlüsselloch und Sexy». Dies Männermagazine findet man vielleicht noch bei ebay.
Alex hatte eine schöne Sammlung von ca. 30 Magazinen. Ab und zu fanden Alex und ich die notwendige Zeit uns vertieft mit dieser aufschlussreichen Literatur zu beschäftigen. Zuhause hätte ich kein Plätzchen gehabt diese Zeitschriften zu verstecken. Das hätte ein Riesengewitter ausgelöst. Meine Mutter hätte schon wieder Panik geschoben, weil sie befürchtete ich wollte zum Film als Pornodarsteller.
Wohin ging unsere Reise:
Anreise mit dem Zug nach Biel.
Am 1. Tag war stand eine grosse Wanderung auf dem Programm. Unsere Wanderung führte uns auf den «Chasseral».
Der Gipfel des Le Chasseral ragt 1.607 Meter in die Höhe, damit ist der Berg die höchste Erhebung des Schweizer Juras. Er liegt im Nordwesten des Kantons Bern auf der südlichsten Kette des Juragebirges. Auf seiner Spitze hatten wir eine herrliche Aussicht. Wir blickten bis zu den Vogesen, dem Schwarzwald, dem Schweizer Mittelland und zum Alpenpanorama.
Noch etwas für kulinarische Tiefflieger:
Zum Mittagessen mussten wir in einem Pfadikessel Ravioli aus der Büchse erhitzen. Ja nicht kochen, sonst brennen die Dinger an. Dazu gab es russischen Salat aus der Dose.
«Die Ravioli sollen angeblich bei Gross und Klein heiss geliebt sein. Die perfekte Mahlzeit aus der Dose. Ideal, wenn es mal schnell gehen muss.» so zumindest die Werbung.
Der eine Schüler musste eine Büchse Ravioli mitbringen der Andere russischen Salat. Ich muss nicht speziell erwähnen, dass es bei den Büchsen sehr unterschiedliche Qualitäten gab.
Als Schüler übernachteten wir in einem Massenlager (selbstverständlich geschlechtergetrennt).
Als Höhepunkt unserer Reise war stand die «Drei-Seen-Schifffahrt» auf unserem Programm.
Wir konnten die malerische Hügellandschaft des Drei-Seen-Landes auf dem Wasserweg entdecken.
Wir genossen das Naturschauspiel bei unserer Fahrt von Biel/Bienne über den Bielersee durch den Zihlkanal weiter in den Neuenburgersee und von da durch den Broyekanal in den Murtensee.
Die Uferlandschaften haben ständig gewechselt. Ich habe die Ruhe und die spezielle Atmosphäre auf dem Wasser genossen.
Wir haben noch das Städtchen Murten erkundigt.
Anschliessend ging es von Murten mit dem Zug nach Hause.
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Im Frühling habe ich einen Jungschützenkurs absolviert. Im Kurs ging es um Sportschiessen mit Kleinkaliber-Sportwaffen Distanz 50 m. Der Jugend- und Sportkurs war für alle Jugendlichen, welche gerne den Schiesssport kennenlernen wollten.
Der Kurs dauerte von März bis Ende August und beinhaltete 7 Kurstage, Die Kurstage waren jeweils am Sonntag von 9.00-12.00 Uhr.
Wir wurden im Schiessen, in der Technik und in der Konzentration geschult.
Der Kurs hat mir grossen Spass gemacht. Ich war ein guter Schütze.
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Das Schuljahr habe ich ohne Blessuren hinter mich gebracht. Ehemalige Schulkameraden von damals stellen sich noch heute die Frage aus welchen Gründen ich mit Ihnen in die Schule ging. Ich war ein guter Schüler.
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Am Montag ging es mit meinen Kollegen in das 14-tägige Zeltlager nach Zizers.
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Sollte jetzt Jemand befürchten die Ferien gingen zuhause weiter, den muss ich enttäuschen.
Vorgeschichte:
Mit dem Operationsbefehl Nr. 12 vom 17. Juli 1940 wurden von Juli bis August vier Divisionen (Div 1, 3, 6, 8) in die Voralpen/Alpen verschoben. Zusammen mit den zwei Divisionen (Div 7, 9), die bereits im Reduitbereich waren, befanden sich sechs von neun Divisionen im Reduit. Nachdem dort Festungen gebaut und Vorräte angelegt waren, wurden mit dem Operationsbefehl Nr. 13 vom 24. Mai 1941 auch die übrigen drei (Div 2, 4, 5) Divisionen in den Zentralraum verlegt.
Damit sich die Armee in die Reduitstellung zurückziehen konnte, mussten dort die notwendigen Befestigungen und Logistikeinrichtungen gebaut und für sechs Monate Vorräte (Waffen, Munition, Treibstoffe, Kohle, Lebensmittel usw.) für die Truppe und die dortige Bevölkerung angelegt werden.
Die Nachschubbasis Giswil war ein Logistikstandort der Schweizer Armee in der Gemeinde Giswil im Kanton Obwalden in der Alpenstellung während des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Krieges. Sie ist ein Beispiel für das Zusammenwirken des Milizsystems auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene.
In Giswil wurden ab 1941 Munitionsmagazine, Truppenunterkünfte, Militärbäckereien, unterirdische Magazine, Militärbaracken, Zeughausbaracken und Tankanlagen erstellt und grosse Mengen Vorräte eingelagert. Giswil erhielt das erste Eidgenössische Zeughaus im Kanton Obwalden. Damit die weit verstreuten Baracken und Anlagen besser erreicht werden konnten, mussten Wege zu Strassen oder bestehende ausgebaut werden.
Giswil gehörte zum Raum der 1947 neu geschaffenen Reduitbrigade 22 (R Br 22 «Ob- und Nidwalden, Oberhasli»). Mit der Armee 61 wurden die Reduitbrigaden dem Gebirgsarmeekorps 3 unterstellt und 2003 mit der Armee XXI abgeschafft.
Hinter dem Giswiler Bahnhof wurden neben dem Schützenhaus sieben unterirdische Tanks für Normaltreibstoff mit Gleisanschluss gebaut. In den 1950er Jahren wurde in einem Militärstollen hinter dem Scheibenstand ein grosses Treibstofflager erstellt. Diese Anlagen wurden 2009 aufgegeben. In der Anlage auf der Zollhausallmend (Sachseln) war Flugpetrol eingelagert.
Das Ingenieurbüro Albert Blum aus Ennetbürgen wurde 1972 mit diversen Planungsarbeiten für die Tankanlage beauftragt. Unser Papa wurde von Herr Blum angefragt, ob er ihm einen vertrauenswürdigen Arbeiter als Vermessungsgehilfe für ca. 3 Wochen ausleihen können.
So kam es, dass ich am Montag kurz vor sieben 7. 00 Uhr vor dem Haupteingang der UTA (unterirdische Tankanlage) stand und von dem zuständigen Verantwortlichen Angestellten hereingelassen wurde. Speziell will ich erwähnen, dass sämtliche Mitarbeiter vom Zeughaus sehr nett zu mir waren.
Für die Aufnahmen waren wir zu Dritt. Ingenieur Blum, 1 Mitarbeiter (Gasser) vom Zeughaus und ich. So hatte ich einen Einblick in einen Bundesbetrieb und eine geheime Anlage.
Als Vermessungsgehilfe hatte ich folgende Aufgaben:
- das Aufstellen der Messlatteüber den aufzunehmenden Punkten (Boden- oder Grenzpunkte, Gebäudeteile …)
- das Aufsuchen und evtl. Ausgraben der Festepunkte (Bodenmarken, KT-Steine usw.)
Nach knapp 3 Wochen waren die Arbeiten abgeschlossen.
Albert Blum war mit mir als Vermessungsgehilfe sehr zufrieden, so dass er mich für die letzte Ferienwoche für einen Auftrag im Wiesenberg (NW) ausleihte. Im Wiesenberg hatte Blum den Auftrag erhalten die Ferienhäuser an einer gemeinsamen Kläranlage anzuschliessen. Vorab mussten für das gesamte Gebiet die notwendigen Daten erfasst werden.
Am Sonntagabend brachte mich unser Papa nach Ennetbürgen zu den Blums. Ich erhielt das Gästezimmer zugewiesen. Am Montagmorgen um 6.00 Uhr ist Albert Blum mit uns nach Wiesenberg gefahren. Für die Aufnahmen waren wir zu Dritt. Ingenieur Blum, sein Sohn Urs (welcher 2 Jahre älter war als ich) und ich. Es wurde bis 13.00 Uhr gearbeitet. Anschliessend fuhren wir nach Ennetbürgen zum Mittagessen. Nach dem Mittagessen gingen Urs und ich in die Badi nach Buochs. Dort hat Urs seine Kollegen und Kolleginnen getroffen. Für Urs war ich eher ein lästiges Anhängsel. Unter anderem wurde in der Badi Tischtennis gespielt. Von Tischtennis hatte ich keine Ahnung, da konnte ich nicht mithalten. Ich war es gewohnt zu arbeiten. Zum Glück hatte ich ein spannendes Buch bei mir.
Am Samstagmorgen haben wir die letzten Vermessungen im Wiesenberg erledigt. Am Nachmittag hat mich Albert Blum nach Hause chauffiert.
Er war mit mir als Vermessungsgehilfe sehr zufrieden. Er hat mir angeboten nach der 2. Sekundarschule bei ihm eine Lehre als Vermessungszeichner zu absolvieren.
Vermessungszeichner (heute Geomatiker und Geomatikerinnen) sind die «Produzenten und Hüter» von wichtigen und wertvollen Informationen – den raumbezogenen Daten. Sie gehen bei Wind und Wetter ins Freie und vermessen, erfassen und dokumentieren Objekte aller Art.
Sollte es in Richtung Zeichner gehen, so wäre mein Favorit Hochbauzeichner.
Nun hatte ich eine Idee wie es nach der 2. Sekundarschule weiter gehen könnte.
Albert Blum wurde zu einem späteren Zeitpunkt Kantonsingenieur von Nidwalden und ist im Alter von 68 Jahren 1989 verstorben. Sein Sohn Urs ist im Alter von 51 Jahren 2006 verstorben.
Am Montag werde ich mit der 2. Sekundarschule starten.
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Wie ging es Veronika im Melchtal?
Veronika konnte sich mit dem Melchtal nicht anfreunden. Sie hat sich im Melchtal sehr einsam gefühlt, ihr fehlten die alten Schulkolleginnen und die Familie. Ihre Seele ist daran fast zerbrochen.
Nach den Sommerferien wird Veronika Töchterinstitut St. Agnes in Luzern besuchen. Das Mädchenpensionat St. Agnes in der Stadt Luzern wurde 1893 gegründet und 1990 geschlossen.
Veronika: Elterntaxi?
Zum Bahnhof gab es kein Elterntaxi. Der Fussweg zum Bahnhof und anschließend wieder zurück nach Hause, war eine normale Selbstverständlichkeit.
Ich habe Veronika jeweils am Sonntag mit dem Velo an den Bahnhof begleitet. Anschliessend mit dem Zug nach Sarnen. Am Kiosk habe ich ihr jeweils ein Ragusa oder etwas ähnliches von meinem Geld gekauft. Veronika nahm den Bus ins Melchtal und ich den Zug zurück nach Giswil.
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Was macht mein Bruder Willi?
Mit Beginn der Sommerferien ist die obligatorische Schulzeit für meinen Bruder Willi abgeschlossen.
Willi hat sich entschlossen in der in der Bauunternehmung unseres Papas eine Lehre als Maurer zu absolvieren.
Als Maurer erstellst du Neubauten und trägst dazu bei, dass Bauwerke ihren Wert behalten. Auch das Sanieren und Restaurieren sind wichtige Aufgaben für dich und dein Team. Bei allen Arbeiten gilt es, Ausführungspläne mit traditionellem Handwerk und modernsten Maschinen und Geräten umzusetzen. Du arbeitest oft im Freien und in grosser Höhe.
Maurer sind gesuchte Berufsleute. Dir stehen mit der Ausbildung zum Maurer EFZ alle Wege offen! Eine Ausbildung, auf die du bauen kannst!
Anfangs August 1972 wird Willi die 3-jährige Lehre in Angriff nehmen.
Ich war schon ein wenig irritiert. Ich hatte immer das Gefühl sein Traum wäre die Gastronomie und Willi will vorab eine Kochlehre absolvieren.
Was war 1972
Zwölf Personen kamen 1972 bei einem Seilbahnunglück im Kanton Wallis ums Leben. Die Schweizer Bevölkerung war erschüttert, die Sicherheit des modernen Transportmittels wurde infrage gestellt.
Im September 1972 fasste das Schweizer Parlament einen Beschluss, der vielen Abgeordneten äusserst schwerfiel: Die Abschaffung der Schweizer Kavallerie. Diese Entscheidung kam trotz einer Petition mit 432’430 Unterschriften zustande. Die Schweiz war zu diesem Zeitpunkt das letzte Land in Europa, das noch berittene Kampfeinheiten unterhielt.
Am 22. Juli 1972 unterschrieb die Schweiz, zeitgleich mit Schweden, Österreich, Portugal und Island, das Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (damals EWG). Die Schweiz, vertreten durch den damaligen Bundesrat Ernst Brugger, unterzeichnete den Vertrag im Palais d’Egmont in Brüssel und legte damit den Grundstein für einen langen und erfolgreichen bilateralen Weg zwischen den beiden Wirtschaftspartnern.
Als die Wintersportler im Februar 1972 zum ersten Mal in Ostasien gastierten, entwickelte sich in der Schweiz eine vorher noch nie gesehene Begeisterung für die Wettkämpfe auf Eis und Schnee. Das hatte mit den Schweizer Erfolgen zu tun. Zehn Medaillen gewann die Schweizer Delegation in Japan, vier davon aus Gold. Nur die damaligen Sport-Supermächte Sowjetunion und DDR waren noch erfolgreicher. Das war Balsam für die Schweizer Sportanhänger nach dem Debakel von Innsbruck 1964 ohne Medaillen. Der Abfahrts-Olympiasieger Bernhard Russi war der Schweizer Star.
Das sportliche Ereignis des Jahres, die XX. Olympischen Spiele, die in München stattfanden, wurden zu einem politischen Massaker. Elf Sportler der israelischen Mannschaft wurden von der palästinensischen Terror-Organisation „Schwarzer September“ als Geiseln genommen. Die Befreiungsaktion durch deutsche Behörden scheiterte. Alle Geiseln, fünf Terroristen und ein deutscher Polizist starben. Die Spiele wurden einen Tag vorzeitig beendet.
Schlagzeilen machte weltweit auch die Washingtoner Watergate-Affäre, die durch den Einbruch in das Watergate-Gebäude ausgelöste wurde. Gravierende Missbräuche von Regierungsvollmachten wurden von einer Protestwelle und Demonstrationen verurteilt. Gleichermaßen musste sich die USA-Regierung unter Richard Nixon mit dem Aufbegehren der Bevölkerung gegen den Vietnam-Krieg auseinandersetzen.
Am 2. März 1972 veröffentlichte der Club of Rome einen Bericht mit dem Titel
"Die Grenzen des Wachstums".
Ziel dieses Berichts war es weniger, Prognosen für die Zukunft zu geben. Vielmehr wollten die Forschenden verstehen, welche Dynamiken durch exponentielles Wachstum und die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Trends entstehen könnten. Dafür entwickelten sie zehn Szenarien, die jeweils auf etwas anderen Annahmen beruhten. Bei den Hochrechnungen wurde sehr deutlich: Ein "Weiter so" würde es ohne massive Krisen nicht geben können.
Wenn die Menschheit unverändert weiterleben würde wie bisher, so die Studie, wäre mit einem starken Anstieg der Weltbevölkerung zu rechnen. Die Rohstoffvorräte würden in wenigen Jahrzehnten zur Neige gehen, oder ihre Förderung könnte so kostspielig werden, dass sich der Abbau nicht mehr lohne. Die lange stark wachsende Industrie würde dann einbrechen, Umweltverschmutzung den Zusammenbruch weiter beschleunigen. Bis spätestens 2100 wäre eine Katastrophe für die Weltgesellschaft unvermeidbar.
Am 13. Oktober 1972 stürzt ein Flugzeug in den Anden ab, die Suche wird bald eingestellt. Doch ein Teil der Passagiere überlebt monatelang im ewigen Eis des Hochgebirges - dank einer grausigen Entscheidung. Als "Wunder der Anden" ging das Drama im Jahr 1972 in die Annalen ein.
Die Absturzstelle liegt in einem Gebiet, in das nie zuvor ein Mensch seinen Fuß gesetzt hat - eine leere, leblose, weiße Hölle. Es herrschen extreme Minusgrade, bis 40 Grad unter Null. Wer verletzt ist, hat keine Chance, fünf weitere Passagiere überstehen die erste Nacht nicht. Die Überlebenden begraben ihre toten Kameraden im ewigen Schnee - und hoffen auf schnelle Rettung für sich selbst.
Doch die Suchflugzeuge der chilenischen Luftrettung können nicht hoch genug aufsteigen, um die abgestürzte Fairchild, die in einem Hochtal liegt, zu entdecken. Acht Tage nachdem die Maschine von den Radarschirmen der Flugüberwachung verschwunden ist, wird die Suche eingestellt. Die Verschollenen hören die Meldung über den Abbruch der Rettungsaktion über ein Transistorradio.
Dann müssen sie eine Entscheidung treffen. Entweder sie gehen zugrunde, oder... Im Schnee liegen die gut konservierten Leichen von zehn Kameraden begraben.
Buchtitel: 72 Tage in der Hölle, ISBN: 9783442154982
Mehr als dreißig Jahre mussten vergehen, bevor Nando Parrado, einer der Überlebenden, den Mut fand, sich selbst zu Wort zu melden und über das wahre Ausmass der Katastrophe zu berichten. In seinem ebenso bewegenden wie dramatischen Buch schildert er das schockierende Martyrium der Überlebenden - und wie es ihm auf unvorstellbare Weise gelang, der Hölle aus Schnee, Eis und blankem Fels zu entkommen und die ersehnte Rettung herbeizuholen.
- Sekundarschule
Nach den Sommerferien werde ich für dieses Jahr von folgenden Lehrern unterrichtet:
- Agnes Fallegger-Kolb, (vermutlich 1940) Sekundarlehrerin
- Ferdinand Jaggi, Musiklehrer
- ? Grichting, Sekundarlehrer aus dem Wallis
Ferdinand Jaggi unterrichtete uns in folgenden Fächern: Algebra, Rechnen, Geometrie und Musik
Die Frage, welches Wissen Lehrerinnen und Lehrer brauchen, kann man verschieden beantworten, je nachdem, wen man als Fragesteller vor Augen hat, aber auch je nachdem, was man unter einem Lehrer bzw. einer Lehrerin versteht. Etwas zynisch könnte man sagen: Lehrer müssen wissen, wann sie Ferien haben, wie lange sie ohne ärztliches Zeugnis der Schule fernbleiben dürfen und unter welchen Bedingungen sie sich frühpensionieren lassen können. Diese Art von Wissen ist vermutlich nicht gemeint, wenn sich Dozentinnen und Dozenten des Sekundarlehramtes die Frage stellen, was Lehrpersonen wissen müssen. Gemeint dürfte eher ein uneigennütziges Wissen sein, das den Schülerinnen und Schülern zugutekommt, d.h. ein Wissen, das an die Verantwortung gebunden ist, die Lehrkräften für die kommenden Generationen aufgetragen ist. Das Wissen, von dem die Rede sein soll, ist berufsrelevantes, d.h. professionelles Wissen.
Das Lehren im Sinne des Unterrichtens gilt als Kernbereich der Lehrertätigkeit.
Leider verfügte Jaggi nur über mangelhafte Kenntnisse in den mathematischen Fächern. Algebra war ihm völlig fremd und seine Inkompetenz war kaum zu überbieten. Im Grunde genommen hatte er in den mathematischen Fächern vom Tuten und Blasen keine Ahnung. Wenn ein Schüler ihm jeweils zu einer Rechenaufgabe eine Frage stellte lautete seine übliche Antwort: «Ja, da würde er zuhause seine Frau fragen müssen.» Seine Frau kannte jeweils auch keine befriedigende Antwort.
Ich entwickelte jeweils eigene Lösungen. Ich machte mir die notwendigen Gedanken und stellte mir die erforderlichen Fragen. Ich war ein kleiner Autodidakt. Mein Interesse an Mathematik war geweckt, mir fehlte aber der Austausch mit dem Lehrer.
Algebra trainiert unser Gehirn und so können wir logische Zusammenhänge erkennen und Probleme strukturiert lösen. Diese Fähigkeiten sind neben Mathematik auch in vielen weiteren Lebensbereichen hilfreich, und zwar von der Entscheidungsfindung bis hin zur kreativen Problemlösung.
Besondere Fähigkeiten und Stärken hatte Ferdinand Jaggi vor allem im musischen Bereich.
Im Musikunterricht haben wir jeweils Gruppentänze eingeübt. Ich kann mich noch an folgendes Stück erinnern:
Bitte, gib mir noch ein Zuckerstückchen für mein kleines Pony
„Danke!“, wiehert dann mein Ponypferdchen mit dem Namen Johnny
Weit übers Land wird mein Pferdchen heute traben
Und dann soll's zum Lohne ein Zuckerstückchen haben
Sattel mir mein Pony früh am Morgen, wenn es taut vom Himmel
Wenn im Hof sich alle Pferde tummeln, Rappe, Fuchs und Schimmel
Weit übers Land wird mein Pferdchen heute traben
Und dann soll's zum Lohne ein Zuckerstückchen haben
Meinen Johnny noch ein Zuckerstückchen und dann geht's ins Weite
Und das Ponypferdchen wiehert, wenn ich singe, wenn ich reite
Weit übers Land wird mein Pferdchen heute traben
Und dann soll's zum Lohne ein Zuckerstückchen haben
Die Idee hatte für mich einen gewissen Charme.
Jaggi wollte in uns die Freude an Musik, Bewegungen, Rhythmus und Darstellungen wecken. Das ist ihm teilweise auch gelungen.
Ein Schüler und eine Schülerin mussten sich jeweils zusammentun und die Schritte/Figuren gemeinsam üben. Gerne hätte ich mich jeweils mit meiner geheimen Liebe Marietheres zusammengetan. Eine gute Möglichkeit sich endlich näher zu kommen. Leider krallte sich Marietheres jeweils unser Elefantenbaby Beat Steiger. Beat Steiger war alles andere als ein Herzensbrecher und war bei den Mädchen kaum gefragt, zudem hatte er nach meinem Dafürhalten vier Füsse. Ich spielte doch da in einer ganz anderen Liga. Es war wie verhext, Beat hatte Marietheres abonniert. Vermutlich wollte sie erst mal nichts von mir, ich werde auf sie warten. Meine Zeit wird kommen, das wusste ich mit absoluter Gewissheit.
Um eine Mitschülerin musste ich mich jeweils nicht bemühen. Isabell hat mich jeweils als Teamkollege gefragt, ihre Anfrage konnte ich jeweils nicht ablehnen. Isabells Vater arbeitete bei unserem Papa als Vorabeiter, da konnte ich schlecht Nein sagen.
Raben sind schlau. Wenn ein Rabe eine Nuss knacken will, dann ist er beharrlich. Er klopft auf der Schale herum, und irgendwann kommt er darauf, dass er die Nuss aus grosser Höhe auf harten Untergrund fallen lassen kann – Asphalt eignet sich hier gut, Raben haben sich ja an städtische Umgebungen angepasst. Aber manche Nüsse sind auch dafür zu hart. Was macht der Rabe? Nein, er nimmt keine andere Nuss. Er will diese. Also bleibt er dran. Er platziert die Nuss auf der Straße, und zwar so, dass ein Auto drüberfahren muss – ein motorisierter Nussknacker quasi. Und als wäre das noch nicht genug, perfektioniert der Rabe das noch, um nicht unter Lebensgefahr die Nussbröckchen von der Straße klauben zu müssen: Er legt sie an einer Fußgängerampel auf die Strasse und wartet, bis er bei Grün zum Aufsammeln kommen kann. Ich finde diese Beharrlichkeit faszinierend, aber noch faszinierender daran finde ich, dass der Rabe es nicht dabei belässt, beharrlich auf der Nuss herumzuklopfen. Beharrlichkeit und Flexibilität zusammen lassen ihn zum Ziel kommen, vermutlich sogar schnabelschonend. Der Rabe behält sein Ziel unbeirrt im Auge, und er erreicht es, indem er verschiedene Wege geht, etwas Neues probiert, die Potentiale seiner Umgebung nutzt. Mit Beharrlichkeit allein wäre er vielleicht nie an den Kern der Nuss gekommen. Blosse Sturheit reicht nicht, oder man bleibt dabei hungrig. Um zum Kern zu kommen, zur Tiefe meines Lebens, brauche ich Geduld und Phantasie, Hartnäckigkeit und die Bereitschaft, mich auf neues einzulassen. Die Nuss knackt sich nicht von selbst.
Bei Herzensthemen braucht es eben beides: neue Wege und Beharrlichkeit. Das richtige Werkzeug und die Hilfe von aussen, denn manchmal ist das Leben eine echt harte Nuss.
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Grichting unterrichtete folgende Fächer: technisches Zeichnen, Chemie, Physik und Biologie.
Meine technischen Zeichnungen wurden von Grichting mit sehr gut bewertet. Das technische zeichnen hat mir in der Zwischenzeit grosse Freude gemacht, so dass ich auch in meiner Freizeit Zeichnungen von interessanten Bauobjekten ausfertigte. Meine Selbstzweifel oder Schwierigkeiten bei Paul Fallegger konnte ich in der Zwischenzeit überwinden. Bei Grichting konnte ich ein starkes Selbstvertrauen entwickeln, um meine Ziele zu verfolgen und Erfolge zu erreichen.
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In der 2. Sekundarschule gilt es, zu entscheiden, was ich nach der obligatorischen Schulzeit machen will. Beginne ich eine Lehre oder gehe weiter in die Schule. Die Entscheidung weiter in die Schule zu gehen oder eine zu Lehre zu machen kann niemand für mich entscheiden.
Ich habe mir folgende Fragen beantwortet:
- Wofür kann ich mich begeistern?
- Was mache ich nicht so gern?
- Was mache ich in der Schule am liebsten?
- Worin bin ich besonders gut?
- Was mache ich in der Freizeit besonders gern?
- Welche Optionen nach der Schule gibt es?
Lehre mit eidgenössischem Fachzertifikat (EFZ)
Ein Grossteil der Schulabgänger und Schulabgängerinnen machen nach der Oberstufe eine Berufslehre. Im Durchschnitt dauert diese 3 Jahre, um ein EFZ zu erreichen. Einige dauern jedoch auch vier Jahre. Dabei arbeitest du 3 oder 4 Tage pro Woche in deinem Lehrbetrieb und lernst die praktische Arbeit deines Berufes. Die restliche Zeit verbringst du in der Berufsschule, wo du dich mit den theoretischen Grundlagen zum Beruf und mit Allgemeinwissen befasst.
Ich stellte mir vor, ich würde mich jeden Morgen beim Aufstehen auf die Arbeit freuen. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Der Schlüssel dazu lag näher als ich dachte – in meinen persönlichen Werten. Unsere Werte beeinflussen unser Handeln und definieren, in was wir unsere Energie und Zeit investieren. Eine Berufslehre als Hochbauzeichner war naheliegend.
Was macht ein Hochbauzeichner?
Der Zeichner erstellt technische Zeichnungen für Bauprojekte gemäss den Vorgaben von Architekten. Sie entwickeln, bearbeiten und gestalten die Planungsunterlagen.
Sie üben folgende Tätigkeiten aus: Projekt- und Ausführungspläne von Hochbauten aller Art erstellen, z. B. von Wohnhäusern, Einkaufszentren, Bürogebäuden oder Industriebauten.
Dauer:
4 Jahre
Lerninhalte:
- Erarbeiten von Grundlagen und Lösungsansätzen
- Ausfertigen von Modellen und Zeichnen von Plänen
- Ausfertigen von Perspektiven und physischen Modellen
- Unterstützung der Projektleitung
Vorbildung:
- Sekundarschule abgeschlossen
- gute Leistungen in Mathematik, Geometrie und technischem Zeichnen
Anforderungen
- räumliches Vorstellungsvermögen
- abstrakt-logisches Denken
- Interesse an mathematischen und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen
- genaue und sorgfältige Arbeitsweise
- Organisationsfähigkeit
- Freude am Kontakt mit Menschen und Verhandlungsgeschick
Unser Papa hatte nach seiner Schulzeit eine Lehre als Hochbauzeichner bei Hochstrasser absolviert. Ich muss nicht spezielle erwähnen, dass ich bei ihm mit meinem Berufswunsch offenen Türen eingerannt bin.
Unser Papa war damals mit den Baumeisterarbeiten für das Jugendhaus Mörlialp beauftragt worden, welches durch das Architekturbüro Werner Wyss aus Sarnen / Lausen geplant worden ist.
Eine Baustelle ist oft kompliziert und erfordert viele Absprachen zwischen dem beauftragten Architekten, Handwerkern und der Bauherrschaft. Jeder hat seine eigenen Interessen: Der Bauherr möchte nach seinen Wünschen sein Haus möglichst schnell und kostengünstig fertiggestellt haben. Der Handwerker strebt danach, die Baustelle ordentlich abzuschliessen, ohne seinem Geld hinterherrennen zu müssen, und seine Fähigkeiten zu zeigen. Der Architekt möchte seine Ideen verwirklichen und möglichst wenige Kompromisse eingehen, dabei aber sicherstellen, dass alles im Zeitplan, Budget und gemäss den Bauvorschriften und Normen funktioniert.
Es ist unerlässlich, dass auf jeder Baustelle, unabhängig von ihrer Grösse, eine gute Kommunikation herrscht. Das erfordert gegenseitige Wertschätzung und den Willen, die Probleme und Anliegen der anderen Person zu hören und zu lösen. Nur so kann eine harmonische Zusammenarbeit gewährleistet werden.
Architekten müssen verstehen, dass Handwerker Experten in ihrem Bereich sind und wertvolles Wissen und Erfahrung mitbringen. Gleichzeitig sollten Handwerker anerkennen, dass Architekten ihre eigenen Herausforderungen und Anforderungen haben. Am Schluss sitzen sie alle in einem Boot und wollen das Bauprojekt gut abschließen!
An einer Baustellenbegehung mit dem Architekten erwähnte unser Papa, dass sein Sohn auf den Sommer an einer Lehrstelle als Hochbauzeichner interessiert wäre.
Werner Wyss war interessiert auf den kommenden Sommer einen Lehrling einzustellen. Es wurde ein Termin für ein Vorstellungsgespräch auf den kommenden Mittwochnachmittag bei uns zu Hause vereinbart. Ich sollte einige Zeichnungen von mir präsentieren.
Wie habe ich mich am Vorstellungsgespräch verhalten:
Um von Beginn eine positive Atmosphäre zu schaffen, habe ich Herrn Wyss mit Namen, einem festen Händedruck und einem freundlichen Lächeln begrüsst.
Ich habe eine aufrechte Haltung beim Sitzen eingenommen und es vermieden die die Arme zu verschränken. Während des Gespräches habe ich auf den Blickkontakt geachtet, ich habe mich offen verhalten und am Gespräch beteiligt. Ich bin selbstbewusst aufgetreten und habe mich motiviert gezeigt. Am Gesprächsende habe ich notiert wie es weitergehen soll. Am Schluss habe ich mich für das Vorstellungsgespräch bedankt.
Wir wurden uns rasch einig, im August werde ich mit der Lehre als Hochbauzeichner starten.
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Zur damaligen Zeit gönnten sich die Sekundarschüler eine zweitägige Schülerreise. Das notwendige Geld verdienten wir uns mit dem Sammeln von Altpapier.
Anreise mit dem Zug (über Interlaken) nach Hohtenn im Wallis.
Am 1. Tag stand eine Wanderung auf dem Programm. Zu Recht zählt diese Wanderung zu den Klassikern. Wir absolvierten den Höhenweg Lötschberg Südrampe im Kanton Wallis. Es ist ein abwechslungsreicher, gut markierter und viel begangener Panoramaweg von Hohtenn nach Brig. Diese Wanderung bietet einen schönen Blick über das Rhonetal. Die Region um Hohtenn weist ein sehr stark mediterran geprägtes Erscheinungsbild auf. Föhren und diverse Kräuter bestimmen das Gebiet, in welchem an den heissen Stellen viele Eidechsen und sogar Schlangen leben, diese sind harmlos und ungiftig. Auch die Eisenbahnfreunde kommen voll auf ihre Rechnung. Hohe Viadukte wechseln mit zahlreichen Tunnels und kühn an die Bergflanke angelegten Abschnitten - Meisterwerke des Bahnbaus im frühen 20. Jahrhundert.
Zum Mittagessen gab es wiederum (feinen) Ravioli aus der Büchse. Dazu den (beliebten) russischen Salat.
Die Kulturinteressierten Schüler besichtigten in Brig den Stockalperpalast.
Kaspar Stockalper war zu seiner Zeit, dem 17. Jahrhundert, der "genialste" Frühkapitalist weit und breit. Der Stockalperpalast in Brig zeugt von seinem Reichtum. Stockalper handelte mit allem: mit Söldnern und Schnecken, mit Salz und Erzen. Er kaufte und verkaufte, was auch immer Profit versprach, und notierte in sieben Sprachen alles in seinen Büchern - auch wann und wie er seine Partner bestach oder betrog. Kein Privater der Schweiz konnte sich im 17. Jahrhundert einen grösseren Palast bauen lassen. Doch der Neid – so sagt man – ist der älteste Walliser, und so vertrieben die Walliser notabene den reichen und mächtigen Grossen Stockalper 1679 nach Domodossola ins Exil. Sein Vermögen wurde aufgeteilt und seine Geschäfte wanderten in andere Regionen ab. Verarmt und verbittert, durfte er wieder nach Brig zurückkehren und in seinem Schloss sterben.
Nach der Besichtigung haben wir die Gelegenheit für ein Gruppenfoto genutzt. Ich habe meinen Platz ganz bewusst links neben Marietheres gewählt. Vor allem wollte ich neben ihr auf einem Foto verewigt sein.
Weshalb steht Marietheres rechts von mir? Der Geschichte zufolge entstand diese Regel, dass die Dame auf der rechten Seite geht, im Mittelalter, als Ritter ihre Schwerter auf der linken Seite ihres Körpers trugen und so ihren rechten Arm und ihre rechte Hand für eine schnelle Reaktion frei hatten, um ihre Dame und natürlich auch sich selbst vor einem bösen Feind oder einer anderen Gefahr zu schützen.
Wir haben in Brig in der Volksherberge übernachtet (selbstverständlich geschlechtergetrennt).
Dieses Massenlager diente auch als Unterkunft (Kantonnement) für das Militär.
Der Höhepunkt unserer Reise war der Besuch des Marktes in Luino. Er ist einer der grössten Strassenmärkte Europas und findet jeden Mittwoch statt.
Mit dem Zug reisten wir von Brig nach Stresa. Zu den Attraktionen in Stresa zählen seine Altstadt und Uferpromenade mit zahlreichen Hotels und Grünanlagen, sowie die dem Dorf vorgelagerten Borromäischen Inseln.
Vor der Weiterfahrt mit dem Schiff hat sich eine Gruppe in einer Lounge einen Frühschoppen gegönnt. Was könnte passender sein als ein Gläschen Frizzantiono. Frizzantino ist ein Weisswein, der die Geschmacksknospen zum Tanzen bringt! Mit weniger Druck als Champagner, aber genug Blubberblasen, um das Herz höher schlagen zu lassen, ist Frizzantino wie eine kleine Feier in der Flasche. Katharina (die spätere Frau des Dorfarztes) hat der Wein so gut geschmeckt, dass es nicht bei einem Gläschen geblieben ist. Käthi war völlig ausser sich vor Freude, sie hätte die ganze Welt umarmen können.
Die Schifffahrt von Stresa nach Luino dauerte 1 ¾ Stunden, so konnte Käthi wieder ein bisschen runterkommen.
Der Besuch der berühmteste Wochenmarkt am Lago Maggiore in Luino war der Höhepunkt unserer Schülerreise. Wir liessen uns treiben, durch die vielen Marktstände mit Spezialitäten aus der Region, sowie Kleider- und Lederwaren.
Anschliessend ging dem Zug über den schönsten Weg durch die Alpen nach Hause.
Die Gotthard-Bergstrecke ist die schönste Art, ein starkes Stück Alpen am Gotthard zu entdecken. Die Szenerie wandelt sich am laufenden Band auf dieser Panoramastrecke.
Die Gotthard-Bergstrecke wurde im Jahr 1882 gebaut, wir genossen das einmalige Panorama vom Zug aus, der sich den Hängen entlang emporwindet, eingebettet in eine wilde alpine Natur. Schlag auf Schlag wechselt die Szenerie, von den Steinhäusern in der Südschweiz, den lieblichen Plamen zu den knorrigen Tannen und Fichten im Alpengebiet. Über 205 Brücken und 7 Kehrtunnels präsentiert die faszinierende Fahrt ein ausserordentliches Wechselspiel zwischen Natur und Technik. Mystisch ist diese Reise durch die Wiege der Schweiz, um die sich unzählige Mythen und Sagen ranken.
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Im Frühling habe ich den Fortsetzungskurs für Jungschützen absolviert.
Nach den Frühlingsferien fand im Kleinkaliberstand Kleinteil das Knabenschiessen von Giswil statt.
Es durften auch Mädchen teilnehmen. Ganz knapp wurde ich nicht zum Schützenkönig erkoren.
Ich erreichte den 2. Schlussrang. Ausser den Teilnehmern hat meine Leistung Niemanden interessiert.
Ich war stolz auf mein gutes Resultat.
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Das Schuljahr habe ich ohne Blessuren hinter mich gebracht. Ehemalige Schulkameraden von damals stellen sich noch heute die Frage aus welchen Gründen ich mit Ihnen in die Schule ging.
Ich war ein guter Schüler.
Die vielen spannenden Begegnungen mit meinen Mitschülern werden mir fehlen. Marietheres wird mir besonders in liebenswerter Erinnerung bleiben.
Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Manche lieben und brauchen sie, anderen sind sie ein Gräuel. Und doch können wir uns Veränderungen nicht völlig entziehen. Denn, ob wir wollen oder nicht: Sie sind Teil unseres Lebens. Sicherlich ist es auch eine Einstellungs- oder Charaktersache, wie offen und lustvoll wir dem Wandel – also der Veränderung – und somit Neuem gegenüberstehen.
Wer sich bewusst ist, dass stetiger Wandel zum Leben dazugehört und diesen positiv anzunehmen vermag, hat schon viel gewonnen. Wer einen Schritt zurücktritt und sich bewusst wird, dass heutzutage nicht mehr alles in Stein gemeisselt ist, kann durch diese Erkenntnis auch Druck wegnehmen und so mit einer gewissen Leichtigkeit und natürlichem Mut Neues ausprobieren. Durch die Tatsache, dass etwas neu ist, wird normalerweise auch die Einstellung zu Fehlern verändert, denn diese gehören beim Ausprobieren schlichtweg dazu. So ist das Endresultat noch nicht unbedingt vorbestimmt, sondern es ist ein Teil des Weges. Allfällig auftretende Umwege sind durchaus willkommen und meistens sehr lehrreich. Veränderung ist deshalb ein Teil unseres Lebens auf den wir vertrauensvoll zählen dürfen.
ES IST NICHT DIE STÄRKSTE SPEZIES DIE ÜBER-LEBT, AUCH NICHT DIE INTELLIGENTESTE.
ES IST DIEJENIGE, DIE SICH AM EHESTEN DEM WANDEL ANPASSEN KANN.
Charles Darwin, Naturforscher
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Am Montag ging es mit meinen Kollegen in das 14-tägige Zeltlager nach Ponte Valentino im Bleniotal.
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Anschliessend ging es für meine Kollegen und mich eine Woche ins Basislager nach Sedrun. Aus Giswil waren wir zu viert. Am Sonntag reisten wir gemeinsam mit dem Zug von Giswil nach Sedrun. Am Samstag ging es dann wieder nach Hause. Es waren etwa 100 Lagerteilnehmer aus der Deutschschweiz. Gut 1/3 der Teilnehmer waren Mädchen. Wir Lagerteilnehmer waren alle etwa im gleichen alter.
Die Unterkunft in Sedrun war zentral aber ruhig gelegen. Meine Kollegen und ich schliefen in einem Massenlager mit ca. 32 Betten vielleicht waren es auch 40 Betten (Etagenbett). Ich schlief oben.
In unterschiedlichen Gruppen haben wir an verschiedenen Aufgaben gearbeitet. Dabei haben wir unsere unterschiedlichen Fähigkeiten und Stärken eingebracht. Wir lernten vor allem Aufgaben im Team zu lösen. Unter anderem wurden wir für die Aufgabe als zukünftige Gruppenführer geschult.
Den Austausch mit Gleichaltrigen aus der gesamten Deutschschweiz empfand ich als bereichernd.
Den Tag haben wir jeweils mit dem Tanz «Letkiss» begonnen und den Tag am Abend mit dem Tanz Letkiss ausklingen lassen. Lettkiss war ein Modetanz aus Finnland. In den 1970 er Jahren wurde dieser Tanz oft in Gruppen getanzt. Das spezielle an diesem Tanz waren die ausgeführten Hüpfbewegungen (Hacke Spitze, vor zurück und vor vor vor) beim Tanzen.
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Anfangs August werde ich mit meiner 4-jährigen Lehre als Hochbauzeichner in Sarnen, im Hochhaus beginnen. Von unserem Zuhause bis ins Büro misst der Fahrweg mit dem Töffli über Wilen 11 km und über Sachseln 12 km. Das heisst für den Arbeitsweg würde ich mit dem Töffli max. 30 Minuten benötigen. Mit der Bahn würde ich mindestens 50 Minuten benötigen. Vernünftigerweise würde ich den Arbeitsweg mit dem Töffli zurücklegen. Unser Papa hat mir deshalb ein Töffli gekauft.
Mein Töffli wäre heute ein «Kultmofa».
Marke: Moor Rodeo, Sachs Motor, 2 Gang Handschaltung, 30 km/h-Tempo. Das Töffli hatte einen Chopperlenker und war einfach Kult. Was an einer Harley Davidson cool aussieht, sorgte auch an meinem Töffli für einen coolen Look. Der Scheinwerfer hatte ein vorgesetztes Gitter aus Chrom. Gäbe es eine Auszeichnung für ein sexy Töffli, mein Töffli wäre ein Kandidat für den Spitzenplatz gewesen.
Die nächsten Jahren sollte das Töffli mein treuer Begleiter sein.
Es versteht sich fast von selbst, dass dieses Töffli ausgiebig getestet werden musste. Am besten macht man seine Erfahrungen auf einer Töffli-Tour.
Ich fragte meinen Bruder Willi ob er Lust auf eine Töffli-Tour hätte. Wir könnten mit dem Töffli in Luino den Markt besuchen. Mit mir alleine unterwegs zu sein, war für Willi vermutlich ein schwieriges Unterfangen, deshalb fragte er seinen Oberstift Hans Friederich, ob er auch an der Tour teilnehmen möchte.
Töffli-Tour
Unsere Töffli-Tour, die Reise in der Jugendzeit, ein Erlebnis von dem ich noch lange und gerne sprach. Ich schwang mich in den Sattel und erlebte das Gefühl der Freiheit, Unabhängigkeit und des Abenteuers.
Bevor ich meine Lehre startete, hatte ich noch eine Woche Ferien. Diese Woche galt es zu Nutzen.
Am Montag haben wir für die Töffli-Tour gepackt. Ich habe am Gepäckträger 2 alte Sacoche / Gepäcktaschen aus dem Fundus unseres Papas montiert und mein Gepäck verstaut. Im weiteren habe ich einen Schlafsack zum Biwakieren mitgenommen. Man weiss ja nie, wenn man unter freiem Himmel übernachten muss. Willi und Hans erachteten so einen Schlafsack als unnötiges Gepäck.
Im Süden sei es im Sommer warm und in der Nacht würde es nur wenig abkühlen, ihnen würde in jedem Fall der Regenschutz genügen.
Unser Ziel war der Markt in Luino, er ist einer der grössten Strassenmärkte Europas und findet jeden Mittwoch statt.
Mit den ersten warmen Frühlingsstrahlen kehrt der Markt von Luino, einer der berühmtesten am Ufer des Lago Maggiore, nach der Wintersaison auf seinen Höhepunkt zurück. Der Markt in Luino findet jeden Mittwoch statt und ist mit über 350 Ständen aller Art einer der größten auf diesem Gebiet sowie der älteste. Seit mehr als 550 Jahren, jeden Mittwoch und den ganzen Tag (bis ca. 16.00 Uhr), begrüßt die hübsche Stadt am See diesen Markt, der viele einheimische Käufer und ausländische Touristen anzieht, die hauptsächlich aus der Schweiz und Deutschland kommen. Auf dem Markt in Luino kann man wirklich alles zu sehr günstigen Preisen finden: von Kleidung bis zu Lederwaren, ohne dabei lokale und nicht lokale Köstlichkeiten, Blumen und Pflanzen, lokales Kunsthandwerk und Souvenirs des schönen Lago Maggiore zu vergessen.
- Tag: Giswil- Caslano (Brünigpass, Sustenpass, Gotthardpass, Ceneri)
Am Dienstagmorgen um 05.00 Uhr sind wir losgefahren. Von Giswil fuhren wir über den Brünig nach Innertkirchen. In Innertkirchen gab es den 1. Verpflegungshalt. Anschliessend fuhren wir weiter über den Sustenpass nach Wassen. Von Wassen ging es weiter durch die Schöllenen nach Andermatt weiter über den Gotthardpass nach Airolo. In Airolo machten wir den nächsten Halt. Von Airolo ging es nach Bellinzona. Gerne wollte ich die Stadt anschauen und in der Jugendherberge übernachten. Die Jugendherberge Ostello Montebello befindet sich in einem historischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert am Fusse des Schlosses Montebello. Es ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge und ein Durchgangsziel auf der wichtigsten Nord-Süd-Achse der Alpen. Das Gebäude, in dem sich die Jugendherberge befindet, hat eine lange Geschichte. Es geht auf das Jahr 1800 zurück, als es noch Institut Santa Maria hiess und von den Schwestern von Menzingen geleitet wurde. Meinen Begleitern gefiel der Name «Institut Santa Maria» nicht. Der äussere Anschein war ihnen zu religiös. Sie wollten unter keinen Umständen mit einer solchen Institution in Berührung kommen. Meine Argumentation, dass es sich um eine normale Jugendherberge handeln würde, wurde einfach negiert. Von Bellinzona nach Luino wären am Morgen etwa 45 Km zu fahren gewesen. Das heisst, wenn wir am Morgen nach dem Frühstück um 7.30 Uhr starten würden könnten wir in etwa um 9.15 Uhr in Luino sein.
Wir könnten in Bellinzona die Burgen besichtigen, diesen mittelalterlichen architektonischen Verteidigungskomplex. Ein Besuch verdient auch die Altstadt, eine der authentischsten im gesamten Tessin, und die Kirche Santa Maria delle Grazie aus dem 15. Jahrhundert. Willi und Hans hatten keinen Sinn für Kultur. Ich stellte mir die Frage mit was für Kulturbanausen bin ich unterwegs?
Leider konnte ich mich nicht gegen die 2 Älteren durchsetzen.
Es war ein sehr heisser Tag und auf dem Töffli hatten wir einen kühlen Fahrtwind. Willi und Hans haben bestimmt es würde jetzt weiter gefahren über den Ceneri Richtung Lugano. Auf dem Ceneri wurde entschieden, dass wir in Richtung Agno fahren würden. Zu meinem grossen Bedauern musste ich zur Kenntnis nehmen, dass Willi und Hans vor Neuem und Unbekanntem grossen Respekt hatten. Ich vermutete, dass sich Willi und Hans in einer Stadt völlig verloren fühlen würden.
Kurz vor Ponte Tresa in der Ortschaft Caslano sahen wir ein Hinweisschild zu einem Campingplatz.
Da es schon bald 17.00 Uhr war mussten wir uns ernsthaft Gedanken über unsere Übernachtungs-möglichkeiten machen. Viele Möglichkeiten gab es für uns nicht. Für ein Hotel hatten wir kein Geld. Wir haben auf dem Campingplatz von Caslano einen kleinen Zeltplatz für eine Nacht gemietet. Wir besassen kein Zelt, deshalb würden wir unter freiem Himmel übernachten. Zur Abkühlung haben wir uns ein Bad im See gegönnt.
Nach dem Bad im See fuhren wir nach Ponte Tresa. Die Ortschaft Ponte Tresa liegt auf beiden Seiten der italienisch-schweizerischen Grenze. Sie befindet sich dort, wo die Tresa aus dem
Luganersee hinausfliesst. Der Fluss bildet auch die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Italien.
In einer Metzgerei habe ich für mich 100 Gramm frisch geschnittenen Mailänder Salami gekauft und in einer Bäckerei 2 Michetta-Brötchen. Auf einer Bank haben wir unser Nachtessen genossen. Jeder verpflegte sich selber.
Am Zoll von Ponte Tresa beobachteten wir den Verkehr der Grenzgänger. Das sichtbarste Zeichen der Grenzgängerpräsenz sind die Staus. Jeden Morgen bilden sich lange Blechschlangen von Autos mit italienischen Nummernschildern an den Grenzübergängen in Chiasso, Stabio und Ponte Tresa in Richtung Tessin. Es geht nur im Stop-and-Go-Modus vorwärts. Jeden Morgen bzw. Abend fliesst der Verkehr zähflüssig oder befindet sich im Stillstand. Eine Art Mantra, das am Abend mit umgekehrtem Vorzeichen gebetet wird. Dann geht es in die Gegenrichtung.
An diesem Tag hatten wir etwa 210 Km zurückgelegt. Für diese Strecke sassen wir in etwa 10 bis 11 Stunden im Sattel.
Gegen 21.00 Uhr bezogen wir unser Nachtlager (Zeltplatz) in Caslano.
In der Nacht bin ich aufgewacht, weil ich in meinem Schlafsack keinen Platz mehr hatte. Als ich tief und fest geschlafen habe ist Willi in meinen Schlafsack gekrochen, weil er gefroren hat. Ich erinnerte ihn an seine Begründungen, dass er keinen Schlafsack benötigen würde. Ich war sehr entrüstet und verlangte, dass er sofort meinen Schlafsack verlassen solle. Zähneknirschend ist er meiner Aufforderung nachgekommen.
Als ich wiederum eingeschlafen bin, kroch er erneut in meinen Schlafsack. Nochmals dasselbe Theater. Ich empfand die Sache als sehr lästig.
- Tag: Caslano – Brig (Simplonpass)
Kurz vor 09.00 Uhr waren wir bereits in Luino. Die Fahrstrecke von Caslano nach Luino beträgt etwa 15 Km.
Nach ca. einer Stunde hatten Willi und Hans bereits genug vom Markt gesehen. Sie drängten auf die Weiterfahrt. Unser nächstes Ziel war Brig. Für das Kartenlesen war ich verantwortlich. Ich gehe davon aus, dass Willi und Hans mit dem Kartenlesen wenig vertraut waren. Ich war nicht nur für das Kartenlesen ich wurde auch für die Unterkunft verantwortlich gemacht.
Die kürzeste Strecke war nach Laveno-Mombello zu fahren und dort die Fähre nach Intra zu nehmen. Willi drängelte schon nach 30 Minuten, weil er das Gefühl hatte die Fähre sollte schon in Sichtweite sein. Ich glaube im Ausland fühlten sich Willi und Hans sehr unsicher. Dazu kam, dass im Tessin und in Italien italienisch gesprochen wird. Nach knapp einer Fahrstunde erreichten wir die Schiffstation. Dort haben wir die Fähre nach Intra genommen.
Von Intra sind wir nach Domodossola über den Simplonpass nach Brig gefahren. Von Intra nach Brig haben wir eine Strecke von etwa 110 Km zurückgelegt was einer Fahrzeit von ca. 5 Stunden. entsprach.
Auf dem Simplonpass fragte mich Hans, ob mir etwas an ihm auffallen würde? Ja, er hätte einen neuen Hut. Hans erzählte wie er am Markt diverse Hüte probiert hätte und den Hut, welcher ihm am besten gefallen habe er auf dem Kopf behalten, er habe sich dann vom Markstand ohne zu bezahlen entfernt, den alten Hut hätte er dem Händler dort gelassen. Der Händler hätte von seiner Tollkühnheit nichts mitbekommen. Für mich ist das Diebstahl, mit solchen Leuten will ich nichts zu tun haben. Ich finde es bedenklich, wenn man mit einem solchen Verhalten noch prahlt.
Die kommende Nacht wollte Willi nicht mehr frieren. Von der Schülerreise kannte ich die Volksherberge in Brig, welche sich im Dachgeschoss des alten Schulhauses befand. Die Volksherberge ist ein Massenlager, dieses Massenlager diente auch als Unterkunft (Kantonnement) für das Militär. Zuständig für die Volkherberge war der Schulhaus Abwart. Zufällig haben wir den Abwart im Schulhaus angetroffen, dieser war noch mit der Sommerreinigung des Schulhauses beschäftigt. Er hat uns im Massenlager 3 Plätze für die kommende Nacht zugewiesen. Spätestens um 22.00 Uhr mussten wir unser Nachtlager beziehen, weil das Schulhaus um 22.00 Uhr abgeschlossen wird. Willi und Hans haben das murrend zur Kenntnis genommen. Da ich gerne früh schlafen gehe hat das für mich gut gepasst.
Jeder kennt den Unterschied: Manche Menschen, die „Lerchen“, sind morgens um 6.00 Uhr fröhlich und wach, gehen aber gern um 22.00 Uhr ins Bett. Andere, die „Eulen“ sind, vor 9.00 Uhr kaum ansprechbar, blühen aber ab 21.00 Uhr so richtig auf. Extreme Lerchen gehen dann ins Bett, wenn die extremen Eulen aufstehen.
Anschliessend haben wir das Schwimmbad in Brig besucht. Während Willi und Hans sich im Pool abkühlten kam ich mit drei netten, in etwa gleichalterigen Mädchen aus der Nachbargemeinde aus Naters ins Gespräch. Sie sprachen einen ausgeprägten Walliserdialekt. Ich fühlte mich sofort heimisch. Gerne hätten sie sich mit mir verabredet um mich näher kennen zu lernen. Auch ich hätte sehr gerne ein Date mit Ihnen gehabt.
Als Willi und Hans aus dem Pool kamen, hat Willi sofort bemerkt, dass ich mit den liebenswürdigen Mädchen aus Naters geflirtet habe. Er hat mein Verhalten sofort unterbunden und angeordnet, dass wir abreisen müssten. Sein Verhalten hat mich sehr befremdet. Seine Eifersucht war unerträglich. Willi kontrollierte alles was ich machte. Aus Erfahrung wusste ich, dass sich bei Willi daraus eine zerstörerische Kraft entwickelt. Ich war Willi körperlich unterlegen, deshalb wollte ich mit Willi keine Schlägerei anzetteln. Ich wusste was ich In Zukunft zu tun hatte. Ich musste darauf achten, dass ich eigenständig blieb. Meine eigenen Ziele und Interessen unbeirrt weiterverfolgen würde. Mit meinem Bruder würde das zu nichts führen.
Meine Reisegefährten habe ich eher als Belastung empfunden, deshalb habe ich Ihnen den Vorschlag, unterbreitet, dass wir Morgen wieder nach Hause fahren sollten. Von Brig über den Simplonpass und den Brünigpass nach Giswil würde die Fahrstrecke ca. 115 km betragen. Das heisst in etwa 5 bis 5 ½ Stunden wären wir wieder zuhause.
Mein Vorschlag wurde abgelehnt. Hans und Willi wollten unbedingt noch durch das Unterwallis entlang der Rohne fahren.
An diesem Tag hatten wir etwa 130 Km zurückgelegt.
- Tag: Brig-Aigle - Col des Mosses- Bulle (Greierzerbezirk) - Murten
Bereits um ca. 7.30 Uhr sind wir wieder losgefahren. Unser nächster geplanter Halt war Sitten. An Sitten einfach vorbeifahren, das geht nicht. Von Brig nach Sitten sind es etwa 60 Km. Das heisst eine Fahrzeit von ca. 2 1/4 Stunden. In Sitten haben wir einen kurzen Znüni-Halt eingelegt. Die älteste Schweizer Stadt im sonnigen Rhonetal ist geprägt von ihren Festungshügeln und der Altstadt. Nach der kurzen Pause drängten meine Kollegen zur Weiterfahrt. Man hätte den Eindruck bekommen können, dass wir auf der Flucht wären.
Für alle, die urbane Bergluft und Kultur unbeschwert geniessen wollen, ist Sitten, französisch Sion, das perfekte Reiseziel. Die Stadt zwischen den sonnigen Rebhängen ist reich an historischen Bauten und kulinarischen Freuden. Wahrzeichen Sittens: Schloss Tourbillon und die Basilika von Valeria
Unser Tagesziel war Murten. Wir wählten die Strecke über Aigle den Col des Mosses, Bulle im Greierzerbezirk nach Murten.
Der Col des Mosses verbindet das Rhonetal bei Aigle mit dem Pays d’Enhaut bei Château-d’Œx. Der Pass bildet die Wasserscheide zwischen Rhône und Rhein.
In Bulle sind wir durch die Stadt durchgefahren. Meine beiden Kulturbanausen fanden keine Zeit für eine Besichtigung. «Was haben wir verpasst?» «Bulle ist der Hauptort des Greyerzerlandes und liegt im Herzen einer vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Region. Bulle ist das Wirtschaftszentrum und die zweitgrösste Stadt des Kantons Freiburgs und befindet sich westlich des Stausees Lac de la Gruyère in einem weiten Becken am Rand der Freiburger Voralpen. Bulle besitzt ein malerisches Stadtbild, dessen Bürgerhäuser hauptsächlich aus dem frühen 19. Jahrhundert (nach dem Stadtbrand von 1805) stammen. Sehenswert ist das wehrhafte Schloss aus dem 13. Jahrhundert mit seinen Ecktürmen und Kegeldächern im savoyischen Stil.»
Gegen 17.30 Uhr sind wir in Murten angekommen. Wiederum war ich für die Beherbergung verantwortlich. Da ist kurzes Haar schnell gebürstet. Ich wusste, dass es in Murten eine Jungendherberge gibt. Ich hatte das Gefühl, dass es in dieser Nacht regnen würde oder vielleicht ein Gewitter geben würde. In der Folge haben wir für die kommende Nacht in der Jugendherberge Quartier bezogen. Wir teilten ein Zimmer mit 5 anderen Personen. Ich muss nicht erwähnen, dass diese Unterkunft nicht den Wünschen/Vorstellung von Willi entsprochen hat. Für eine andere Unterkunft war leider kein Geld vorhanden. Im weitern wurde das Haus um 22.00 Uhr geschlossen. Nach meiner Beurteilung war die Unterkunft sehr ideal gelegen direkt am Rande der historischen Altstadt.
Die mittelalterliche Altstadt von Murten, die auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken kann, verfügt über ein wertvolles Erbe und eine reiche Geschichte von unschätzbarem Wert. Als direkter Zeuge der Schlacht von Murten, die ein wichtiger Teil der Schweizer Geschichte ist, hat mich Murten mit seiner Altstadt sehr beeindruckt. Schützend legt sich die Stadtmauer um die kleine Stadt. Doch längst hält die fast vollständig erhaltene, einzige begehbare Ringmauer der Schweiz keine Eindringlinge mehr fern, sondern öffnet den Besuchern einen prächtigen Blick über die Altstadtdächer und den nahen See. Ich hatte nicht dein Eindruck, dass meine Kollegen von meiner kleinen Stadtführung mit Begehung der Ringmauer besonders begeistert waren.
Kurz vor 22.00 Uhr haben wir wieder in der Jugendherberge sein müssen. Ich war sehr froh dort übernachten zu dürfen. In der Nacht zog ein heftiges Gewitter mit Hagel über die Gegend von Murten auf. Am Morgen war das Gewitter vorbei, der Himmel war aber immer noch bewölkt. Ich hatte den Eindruck, dass Willi und Hans aufgrund des heftigen Gewitters mit der Unterkunft ein wenig versöhnt waren.
An diesem Tag hatten wir etwa 215 Km zurückgelegt.
- Tag: Murten – Bern – Thun – Interlaken – Brünigpass - Giswil
Meine Reisegefährten hatten Rückenwind und Heimweh, also beides zusammen. Es blieb keine Zeit zum Verweilen. Ich stellte mir die Frage wieso Willi und Hans so gehetzt und getrieben sind?
Sie fanden keine Zeit die Seele baumeln zu lassen die Leichtigkeit der Beschaulichkeit war ihnen fremd.
Auf Reisen und generell unterwegs zu sein, das gibt mir ein Gefühl der Lebendigkeit. Ich bin einfach eine Person, die nicht tagtäglich immer die gleiche Umgebung um sich haben kann. Natürlich habe auch ich meine täglichen Routinen, an denen ich hänge, aber insgesamt ist mir Abwechslung sehr wichtig. Immer mal wieder etwas Neues zu sehen, die Umgebung zu wechseln und andere Eindrücke aufzunehmen ist für mich mehr als inspirierend. Dabei kehre ich auch gerne mehrmals an den gleichen Ort zurück, denn wenn man Monate oder Jahre nicht da war, gibt es ja auch immer wieder viel Interessantes zu entdecken. Unterwegs zu sein ist nicht immer komfortabel. Einfacher und entspannter wäre es definitiv zu Hause zu bleiben. Doch gerade das Aufbrechen an andere Orte und auch in andere Kulturen Einblick zu gewinnen, das fordert mich und lehrt mich somit immer wieder etwas über mich selbst.
Bereits um 7.00 Uhr sind wir losgefahren. Um 08.15 Uhr sind wir durch die Stadt Bern gefahren.
Von Murten bis Bern hatten wir knapp 35 Km zurückgelegt. Um 09.30 Uhr waren wir in Thun und haben dort einen kurzen Znüni-Halt vor einer Bäckerei eingelegt. Ich habe mir ein Stück Aprikosen Früchtekuchen gegönnt. Von Thun nach Giswil waren es noch ca. 75 Km. Mit vielen Eindrücken waren wir am Freitag um ca. 13.00 Uhr wieder daheim. Wir waren lediglich 4 Tage unterwegs, mir kam es aber viel länger vor.
Das Wetter war bewölkt und es sah nach Regen aus. Das Wetter passte zur Begrüssung unseres Papas. «Wo seid ihr gewesen?» Ich habe Arbeit für euch….
Nun kenne ich eine mögliche Antwort, weshalb Willi immer so gehetzt und getrieben ist. Ich muss einfach aufpassen, dass ich mich nicht anstecken werde und auch ein Getriebener werde. Das würde nicht zu mir passen.
An diesem Tag hatten wir etwa 135 Km zurückgelegt.
Fazit:
Beim «Red Bull Alpenbrevet» beträgt die Tagesdistanz höchstens 145 km.
Wir haben fast jeden Tag mindestens das Alpenbrevet und teilweise die Distanz des Brevets bei weitem übertroffen.
Damit man genügend Zeit findet sich einen Ort anzuschauen und auch Zeit zum Verweilen hat sollte eine Tagesetappe höchstens 100 Km ausmachen.
Töffli fahren ist ein Outdoorevent und findet grundsätzlich bei jeder Witterung statt. Dem Wetter angepasste Kleidung und gute Schuhe machen daher durchaus Sinn. Bei schönem Wetter ist Sonnencreme empfehlenswert, bei Regen oder unsicherem Wetter ein Regenschutz. Sollte das Wetter (Sturm, Starkregen, Hagel oder Schnee) eine Tour verunmöglichen, so muss ein Ruhetag eingeschaltet werden.
Das Töffli war in der Jugend für zahlreiche Heranwachsende die erste grosse Möglichkeit, Unabhängigkeit von den Eltern zu erfahren. Das hat bleibende Erinnerungen hinterlassen, an die jeder gerne zurückdenkt.
Zum Abschluss dieses Abenteuers habe ich mir gewünscht, dass ich in meinem Leben immer Rückenwind habe und stets Sonnenschein im Gesicht und mich die Schicksalsstürme hinauftragen so dass ich mit Sternen tanzen werde.
Am Montag beginnt meine 4-jährige Ausbildung zum Hochbauzeichner.
***
Was war 1973
Im Jahr 1973 bestimmen die erste Ölkrise, die Watergate-Affäre, der Putsch in Chile und der Jom-Kippur-Krieg das Weltgeschehen. Durch einen Militärputsch in Chile kommt der Diktator Augusto Pinochet an die Macht.
In Vietnam begann eine neue Zeit. Nach jahrzehntelangem Krieg wurde zu Beginn des Jahres zwischen den USA und Nordvietnam ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Die amerikanischen Militäreinheiten zogen sich aus dem Norden des geteilten Vietnam zurück und das Land konnte sich erstmals wieder friedlichen Aufgaben widmen.
Im südamerikanischen Chile kam es im Sommer zum Ausnahmezustand, der am 11. September in einem blutigen Militärputsch gipfelte, dem allein zu Beginn etwa 3.000 Chilenen zum Opfer fielen. Der Versuch Salvador Allendes, in Chile eine Demokratie zu etablieren, war fehlgeschlagen. Wirtschaftlich war das Land sehr labil aufgrund der amerikanischen und internationalen Boykotts. Das Militär unter General Augusto Pinochet übernahm die Macht im Land, das viele Chilenen wegen der zahlreichen Menschenrechtsverletzungen und der zunehmenden Folterungen verließen. Der chilenische Dichter und Nobelpreisträger starb am 23. September, sein Begräbnis, an dem Tausende Menschen teilnahmen, wurde zum ersten offenen Protest gegen die Militärjunta.
Asien und Europa rückten näher zusammen: In Istanbul eröffnete der Staatspräsident der Türkei, Fahri Korutürk, die Brücke über den Bosporus. In Amerika wurde im selben Jahr das New Yorker „World Trade Center“ eröffnet.
Das Jahr 1973 war ausserdem gekennzeichnet von der ersten großen Ölkrise. Der Ölpreis wurde von der OPEC um 70 Prozent angehoben, die Auswirkungen waren weltweit massiv zu spüren.
Am Sonntag, 25. November 1973, stand auf den Schweizer Strassen alles still. Dasselbe Phänomen wiederholte sich an den folgenden beiden Sonntagen. Auch in den Nachbarländern Deutschland und Österreich gab es in jenen Wochen autofreie Sonntage. Die Regierungen reagierten damit auf die von arabischen Ländern aus politischen Gründen verordnete Einschränkung der Ölfördermengen und den scharfen Anstieg der Ölpreise auf dem Weltmarkt. Letzterer trug massgeblich zur ersten grossen Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg bei.
Die scharfe Rezession beschleunigte in Ländern wie der Schweiz den bereits im Gang befindlichen Strukturwandel weg von der industriellen Produktion, hin zur Dienstleistungsgesellschaft.
Das Öl-Embargo hatte für die westlichen Staaten weitreichende Auswirkungen: Binnen weniger Monate vervierfachte sich der Ölpreis und die Aktienmärkte erlebten zwischen Oktober 1973 und Oktober 1974 einen Crash von etwa 40 Prozent. Erst nach etwa sechs Jahren hatte der Index wieder den Stand vor Kriegsbeginn erreicht. Gleichzeitig verschärfte der hohe Ölpreis die Inflation, so dass die Wirtschaft in eine Stagflation schlitterte: ein Konjunkturzustand, in dem die Preise steigen, obwohl die Wirtschaft stagniert.
- Lehrjahr Hochbauzeichner
Mein Lehrort: Hochhaus in Bitzighofen, Sarnen
Die Wohnsiedlung Bitzighofen wurde in den 1960er-Jahren von einem Zusammenschluss örtlicher Unternehmer und Handwerker realisiert. Mit der Planung wurde der Architekt Werner Wyss beauftragt. Das Projekt umfasst drei Mehrfamilienhäuser, 13 Terrassenhäuser, sechs Doppelhäuser und ein Wohnhochhaus. Mit dem Bau dieser Grosssiedlung sollte im ländlich geprägten Obwalden ein städtebaulicher Akzent gesetzt werden. Baubeginn war im Sommer 1964. Im Herbst 1973, nach über neun Jahren Bauzeit, war die Wohnsiedlung Bitzighofen fertiggestellt – allein die Erstellung des Hochhauses hatte drei Jahre in Anspruch genommen.
Die Wohnsiedlung Bitzighofen folgt einer differenzierten Siedlungsstruktur. Werner Wyss versuchte Bautypen zu mischen und verschiedenste Wohnangebote im Grünen zu machen. Während viele Grosssiedlungen monoton wirken, schafft die Mischung Lebensqualität und Vielfalt auf engstem Raum. Die Leistung liegt in der Grundkonzeption, der geschickten Ausnutzung des Geländes sowie der gelungenen Platzierung der Bauvolumen.
Als ich mit der Lehre begann hat sich Bitzighofen zu einem sehr beliebten Wohnort gemausert.
Im Quartier gab es auch einen Kindergarten, Quartierladen (Molkerei Seiler) und ein Restaurant (Talibasch).
Unser Büro beanspruchte das gesamte 2. Obergeschoss im Hochhaus.
Beschäftigte bei Lehrbeginn:
Betriebsinhaber: 1
Chefbauleiter: 1
Bauleiter: 1
Entwerfer: 1
Zeichner: 4
Chefsekretärin: 1
Sekretärin: 2
Lehrlinge HBZ: 3 (1., 3. + 4. Lehrjahr)
Lehrlinge Sekretariat: 2 (2. + 3. Lehrjahr)
Für die damaligen Verhältnisse waren wir das grösste Architekturbüro in Obwalden. Dazu kam noch der Hauptsitz in Lausen mit 25 bis 30 Beschäftigten.
Aufgabe eines Hochbauzeichners:
Hochbauzeichner zeichnen und konstruieren nach Entwürfen von Architekten Pläne für Gebäude aller Art: Ein- und Mehrfamilienhäuser, Bürogebäude, Einkaufszentren, Gewerbe- und Industriebauten etc. Als fachtechnische Mitarbeiter von Architekten setzen sie deren Entwürfe in exakte Pläne und andere technische Dokumente um. Je nach Betrieb übernehmen sie unterschiedliche Aufgaben, teilweise spezialisieren sie sich auch auf einen Aufgabenbereich wie Konstruktion oder Bauleitung bzw. auf ein Tätigkeitsfeld wie Industriebau oder Renovation. Hochbauzeichnerinnen erstellen Pläne für alle am Bau Beteiligten: Projektpläne für die Bauherrschaft, Eingabepläne für die Behörden sowie Werk- und Detailpläne für die ausführenden Baufachleute. Dabei halten sie sich an die Normen für Darstellung, Bemassung und Beschriftung. Ausserdem berücksichtigen sie die Vorgaben der Bau- und Zonenordnungen, die Prinzipien der Baukonstruktion sowie die Bauabläufe. Um Lösungen anschaulich zu präsentieren, fertigen sie perspektivische Darstellungen, 3-D-Ansichten und Skizzen von Baudetails an. Sie formulieren zudem Baubeschriebe, die alle Einzelheiten eines Bauprojekts festhalten, und bauen gelegentlich einfache Architekturmodelle. Für das Zeichnen und Konstruieren arbeiteten wir am Zeichnungstisch mit Stift und Massstab. Wir mussten auch das Freihandzeichnen beherrschen. Den Grossteil ihrer Arbeitszeit verbringen Hochbauzeichner im Büro. Je nach Aufgabenteilung im Architekturbüro sind sie auch öfters auf Baustellen unterwegs. Dort besprechen sie mit der Bauleitung die Umsetzung und überprüfen, ob die ausgeführten Arbeiten mit den Plänen übereinstimmen. Sie führen die dafür nötigen Vermessungen durch und erstellen teilweise Bauberichte. Je nach Betrieb übernehmen Hochbauzeichner verschiedene administrative Arbeiten. Sie beteiligen sich beispielsweise am Erstellen von Submissionsunterlagen für Bauausschreibungen oder er stellen Offerten und Dokumentationen.
Voraussetzung für die Lehre zum Hochbauzeichner:
Vorbildung - Abgeschlossene Sekundarschule - Gute Leistungen in Geometrie, Algebra, Rechnen und Techn. Zeichnen Anforderungen - gutes räumliches Vorstellungsvermögen - abstraktlogisches Denken - geistige Flexibilität - präzises Arbeiten - Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit - Kreativität - Organisationstalent - Freude am Kontakt mit Menschen und Verhandlungsgeschick
Lehrzeit: 4 Jahre
Bildung in beruflicher Praxis: in einem Architektur- oder Planungsbüro
Schulische Bildung: in der Regel 1 Tag pro Woche an der Berufsfachschule
Allgemeinbildung: Sprache und Kommunikation, Politik, Recht, Technik, Wirtschaft.
Berufsbezogene Fächer: Algebra, Fachrechnen, Geometrie, Konstruktionslehre, Bauphysik, Bauchemie, Baumaterialkunde, Bautechnik, Baugeschichte, Baustilkunde,
Zeichnen (Projektionslehre/Perspektiven), Freihandzeichnen.
Berufsverhältnisse
Hochbauzeichner arbeiten in Architektur- und Planungsbüros, in Planungsabteilungen von Generalunternehmungen sowie in Bauämtern und -verwaltungen. Je nach Betrieb spezialisieren sie sich, zum Beispiel auf ein Arbeitsgebiet wie Konstruktion, Gestaltung oder Bauleitung, oder auf ein Tätigkeitsfeld wie Industriebau oder Renovation. Die Nachfrage nach Lehrstellen war damals deutlich grösser als das Angebot.
Man durfte sich glücklich schätzen, wenn man eine Lehrstellt hatte.
Wie wurde damals gezeichnet:
Technische Zeichnungen wurden meist durch Übereinanderlegen von mehreren Ebenen entwickelt, sei dies von Skizzen oder bestehenden Plänen. Dazu muss das Papier transparent sein. Die Zeichnungen wurden meist mit Tusche oder Bleistiften ausgeführt. Transparente Pläne lassen sich auch mittels Lichtpausverfahren kopieren und vervielfältigen, wofür sie licht- und UV-lichtdurchlässig sein müssen und keine optischen Aufheller enthalten dürfen.
Beständigkeit
Transparentpapier ist anfällig auf Feuchtigkeitsschwankungen (hygroskopisch). Unter Lichteinfluss ist es nicht alterungsbeständig. Es vergilbt stark und wird brüchig.
***
Arbeitszeiten
Unser Arbeitszeitmodell /Gleitzeitmodell war damals sehr fortschrittlich. Beim Gleitzeitmodell übergibt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmenden die Souveränität, seine Arbeitszeit frei zu bestimmen. Wir mussten die Blockzeiten nach Vorgaben von Werner Wyss einhalten.
Blockzeit bedeutet, dass an bestimmten Stunden am Tag alle Arbeitnehmenden im Betrieb präsent sein müssen. Unsere Blockzeiten waren von 09 bis 11.00 Uhr vormittags sowie von 14 bis 16 Uhr nachmittags. Abgesehen davon konnten wir die Arbeitszeit frei einteilen. Wir konnten Minus- oder Plusstunden anhäufen; am Ende einer Rechnungsperiode (Monat) mussten wir allerdings auf unsere Sollzeit kommen.
Die Arbeitszeit wurde mit Stempeluhr erfasst. Die tägliche Arbeitszeit betrug 8.5 Stunden.
Um 6.45 Uhr war ich jeweils als Erster im Büro. Mittagspause machte ich jeweils von 11.45 Uhr bis 13.00 Uhr. Meistens ging ich nach Hause zum Mittagessen. Die Mittagspause betrug somit
75 Minuten. Für die Fahrzeit benötigte ich ca. 45 bis 50 Minuten. Um 16.30 Uhr machte ich jeweils Feierabend. Weil ich meistens um 16.30 Uhr 30 Feierabend machte musste ich immer wieder spöttische Kommentare über mich ergehen lassen. Es wäre den anderen unbenommen gewesen auch früher mit der Arbeit zu beginnen. Frühes Aufwachen fördert die Produktivität. Ich fühlte mich in den frühen Morgenstunden produktiver. Dafür könnte es mehrere Gründe geben. Einer davon ist, dass ich die Zeit nutzte, in der mein Körper von Natur aus am wachsten ist.
Von meinen weiteren Verpflichtungen/Aufgaben hatten die Angestellten vom Büro Wyss keinen blanken Schimmer. Da ich nun in Sarnen arbeitete musste ich immer wieder diverse Kommissionen für unsere Mama erledigen. Am Samstagmorgen musste ich jeweils die Baustellenfahrzeuge (Jeep, Landrover, Lieferwagen usw.) für die Bauunternehmung unseres Vaters reinigen. Es versteht sich von selbst, dass ich mit den Fahrzeugen von der Garage auf den Waschplatz gefahren bin. So lernte ich nebenbei im Werkhof „Auto“ fahren.
An Arbeit mangelte es mir nie. Meine Eltern haben mich immer mit genügend Arbeit eingedeckt.
Die Schulaufgaben für die Gewerbeschule erledigten sich auch nicht von selbst.
Die Anderen sorgten schon dafür, dass es mir nie langweilig wurde.
Pro Jahr hatte ich jeweils 4 Wochen Ferien
Lohn
- Lehrjahr: Fr. 200.00
- Lehrjahr: Fr. 300.00
- Lehrjahr: Fr. 300.00
- Lehrjahr: Fr. 400.00
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Lernende für Hilfsjobs einsetzen?
Die Besonderheit eines Lehrverhältnisses besteht in der Ausbildungspflicht des Arbeitgebenden. Die zugewiesene Arbeit an lernende Personen begrenzt sich dabei grundsätzlich auf ausbildungsrelevante Inhalte und umfasst drei Teilbereiche: die Ausbildungsarbeit, die Berufsarbeit sowie die nichtberufliche Arbeit. Die Ausbildungsarbeit dient ausschliesslich dem Erlernen berufsspezifischer Fähigkeiten ohne konkreten Nutzen für den Arbeitgebenden. Die Berufsarbeit umfasst Arbeiten, die nicht primär dem Ausbildungszweck dienen. Und bei der nichtberuflichen Arbeit muss mindestens ein Zusammenhang zum erlernenden Beruf bestehen. Berufsfremde Arbeit darf Lernenden indes nicht zugewiesen werden. Sofern also Vorbereitungs- und Aufräumarbeiten einen beruflichen Zusammenhang haben, handelt es sich nicht um berufsfremde Arbeiten. Vorausgesetzt also, es liegt ein beruflicher Zusammenhang vor, sind Auto waschen, Werkzeuge putzen oder Abfalleimer leeren Bestandteile der Arbeit und somit Inhalt eines Lehrverhältnisses wie die eigentliche Ausbildungsarbeit. Besteht die Lehre allerdings nur aus solchen Arbeiten, sollte der Lernende den Arbeitgebenden schriftlich abmahnen.
Der Begriff «Zusammenhang zum erlernenden Beruf» wurde im Büro Wyss mehr als überstrapaziert.
Das Ausfertigen sämtlicher Plankopien / Vervielfältigungen gehörten zu den Aufgaben des Lehrlings. Für die Herstellung von Plankopien hatten wir eine Lichtpausmaschine. Mit diesem Verfahren hergestellte Werke wurden als Lichtpause bezeichnet. Das Lichtpausverfahren war für die von Technischen Zeichnungen besonders geeignet und bis etwa 1995 weit verbreitet. Die Originale wurden mit Tusche auf Pergamentpapier gezeichnet. Mit der Lichtpausmaschine wurden die Plankopien hergestellt.
In einem Belichtungsteil wird die transparente Vorlage an das Lichtpauspapier angepresst. Das aktinische Licht von Leuchtstoff- oder Quecksilberdampf- oder Metallhalogenidlampen durchdringt die transparenten Teile der Vorlage und wirkt auf die lichtempfindliche Schicht des dahinter liegenden Lichtpauspapiers ein. Im Entwicklungsteil folgt die Rot-, Blau- oder Schwarzfärbung der unbelichteten Stellen auf photochemischem Wege. Die regelmässige Wartung der Lichtpausmaschine gehörte auch zu meinen Aufgaben. Die Arbeiten mussten aufgrund der Lichtempfindlichkeit des Papiers bei künstlichem Licht ausgeführt werden.
Durch qualitativ hochwertige Pläne kann der Eindruck über die Qualität eines Projekts erheblich gesteigert werden. Oft verbessert sich die Lesbarkeit von Plänen, wenn geschnittene Bauteile mit einer Füllfläche versehen werden. Bei Wyss haben wir die Pläne mit unterschiedlichen selbstklebenden Folien versehen. Die Fenster auf den Fassadenplänen wurden mit einem Punktraster versehen. Arbeitsmittel war hierbei ein Skalpell. Die Zeichner beauftragen mit dieser Arbeit am liebsten die Lehrlinge.
Wyss glänzte bei seinen Auftraggebern gerne mit kolorierten Plänen. Zu meinen Aufgaben gehörte es die Pläne zu kolorieren. Dazu verwendete ich eine flüssige, gebrauchsfertige Wasserfarbe. Die Farbintensität liess sich durch Verdünnung mit Wasser verringern. Die Farbe hatte eine kurze Trockenzeit, war aber nicht wasserfest auf und konnte daher jederzeit wieder mit Wasser angelöst werden. Die Farben habe ich mit dem Pinsel verarbeitet. Ich entwickelte mich zu einem richtigen Künstler.
Ausser Handskizzen wurden die Pläne mit Schriftschablonen beschriftet. Die auf Plänen verwendete Schrift musste gut leserlich sein. Für die Pläne haben wir meist die Schriftart Arial verwendet. Die Schriftgrösse musste dem Massstab der Pläne angepasst werden. Das Beschriften der Planköpfe und der Legende wurde sehr gerne an den Lehrling delegiert.
Mit der Reinigung / Pflege der Zeichnungswerkzeuge (Tuschstiften, Schablonen usw.) wurde vor allem der Lehrling beschäftigt. Um die Tuschstifte optimal zu nutzen mussten diese mit der Kappe verschlossen werden und waagrecht gelagert werden. Feder und Kappe mussten regelmäßig gereinigt werden.
Das Reinigen der Schablonen ist nach jedem Gebrauch ist wichtig, um sie in gutem Zustand zu halten und sicherzustellen, dass sie so lange wie möglich halten. Ohne ordnungsgemässe Reinigung können Farbe, Tinte oder andere Materialien auf der Oberfläche der Schablone trocknen, was das Entfernen erschwert und mit der Zeit zu Schäden führen kann. Diese Arbeiten wurden am liebsten an den Lehrling delegiert.
Die Lehrlinge des kaufmännischen Bereichs waren für den Znüni Kaffee zuständig.
Ca. eine Stunde vor der Kaffeepause musste ich jeweils bei den «Arbeitskollegen» die Bestellungen für das Znüni aufnehmen und im Quartierladen besorgen. Gewisse Kollegen hatten sogar die Vorstellung, dass ich mich auch am Nachmittag nach ihren Wünschen für den Nachmittagskaffee erkundigen könnte. Dieses Ansinnen habe ich im Keim erstickt.
Regelmässig musste ich auch Botengänge mit dem Töffli im Dorf erledigen. Insbesondere musste ich diverse Zeichnungsutensilien (Ersatz- Tuschstifte, Zeichenkegel, Schablonen, Folien usw.) in der Papeterie Spichtig besorgen. Ich war für den Einkauf des Zeichnungsbedarfs zuständig.
Eine Kilometerentschädigung für mein Töffli wurde nicht bezahlt.
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In den nächsten 4 Jahren werden mich das Hotel Rigiblick in Buochs und die Stockenmatt in Stalden immer wieder beschäftigen.
Das Hotel Rigiblick liegt an der Seepromenade in Buochs, direkt am Vierwaldstättersee und ist im Jugendstil erbaute Gebäude.
Vom Rigiblick existierten keine Pläne, deshalb musste vorab eine Bauaufnahme erstellt werden.
Der Begriff Bauaufnahme erklärt sich selbst: Ein bestehendes Bauwerk wird genau vermessen und gezeichnet. Wie eine komplette Entwurfsplanung ein neu zu schaffendes Bauwerk in seiner Ganzheit mit Grundrissen, Schnitten, Ansichten und Details darstellt, so dokumentiert die Bauaufnahme ein bereits bestehendes Gebäude mit der gleichen Architektursprache.
Da es sich um ein Jugendstil Gebäude handelte war eine wesentlich weiter gehende Erfassung erforderlich.
In der Stockenmatt sollte eine Feriensiedlung vom Feinsten realisiert werden. Bevor ein Entwurf ausgefertigt werden konnte musste das Gelände vermessen werden. Ich durfte mit einem Zeichner das Gelände vermessen. Die Terrainaufnahmen erfolgten damals, Mittels Nivelliergerät und Messlatte.
Nachdem die Vermessungsarbeiten abgeschlossen waren und im Büro die benötigten Pläne erstellt waren, musste ich ein Karton-Relief oder Topografie des Geländes mit ihren Höhen, Tiefen, Unregelmäßigkeiten und Formen herstellen. Meine Arbeitsmittel waren: Bastelmesser, Skalpell, Karton und Leim.
Für die Stockenmatt konnte ich mich nie begeistern. Die hochfliegenden Träume von Werner Wyss kamen nie richtig zum Fliegen. Als Gemeinderat im Jahr 2024, das heisst über 50 Jahr später beschäftigte mich die Stockenmatt immer noch. Ein Historiker könnte über die Stockenmatt ein Buch schreiben mit dem Titel «wie Hochfliegende Träume in einer bösen Bruchlandung enden».
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Kurz vor Beendigung des 1. Lehrjahres bin ich an das Amt für Berufsbildung in Sarnen gelangt und habe das Amt über die Zustände bei Wyss informiert.
Ich muss nicht erwähnen, dass Wyss und meine Kollegen über mein Verhalten empört waren. Das hat ein Riesentheater abgesetzt. Rückblickend hätte ich schon viel früher an das Amt für Berufsbildung gelangen sollen. Ich liess mich nicht einschüchtern.
Lehrlinge haben Anspruch auf eine ordnungsgemässe Ausbildung, regelmässige Entlohnung ("Lehrlingseinkommen"), Ferien und Freistellung für den Berufsschulbesuch. Lehrlinge dürfen nur zu Tätigkeiten herangezogen werden, die mit dem Wesen der Ausbildung vereinbar sind und ihre Kräfte nicht übersteigen.
Die Führung und Motivation von Lernenden sind zentrale Elemente in der beruflichen Bildung und massgeblich für den Erfolg der Ausbildung. Indem Berufsbildner/innen ein unterstützendes Umfeld schaffen, klare Ziele setzen und regelmässig Feedback geben, können sie die Motivation und das Engagement ihrer Lernenden nachhaltig fördern.
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Gewerbeschule
Im 1. Jahr besuchte ich die Gewerbeschule Heimbach (Heimbachweg 12) in Luzern.
Wir waren 22 Schüler (4 Schülerinnen und 18 Schüler). 19 Schüler waren aus dem Kanton Luzern,
1 Schüler aus dem Kanton Nidwalden und 2 Schüler aus dem Kanton Obwalden (Hanni von Rotz von Kerns und ich aus Giswil). In der Parallelklasse gab es noch 2 Schüler aus dem Kanton Obwalden (Franz Gasser aus Lungern und Rudolf Halter «Landweibels» aus Sarnen). Zu den Schülern aus der Parallelklasse hatten wir keinen Kontakt.
Gute Vorkenntnisse in Mathematik sind für eine erfolgreiche Lehre sehr wichtig. Denn wer rechnen kann, ist klar im Vorteil. Dies gilt speziell für alle technischen Berufe.
Die Arithmetik ist der grundlegendste Zweig der Mathematik und beschäftigt sich mit dem Zählen von Zahlen und der Anwendung von Operationen wie Addition, Multiplikation, Division und Subtraktion. Die Algebra ist ein Zweig der Mathematik, der sich mit Variablen und Zahlen zur Problemlösung beschäftigt.
In der Gewerbeschule war Algebra mein Horrorfach.
Leider haben wir in der 2. Sekundarschule die Grundlagen der Algebra nicht kennen gelernt.
Die Konzepte der Algebra sind abstrakter und komplexer als das, was wir in den Grundrechenarten gelernt haben. Bei Algebra geht es nicht darum, Formeln auswendig zu lernen. Es geht darum, die Logik hinter den Formeln zu verstehen und sie korrekt anzuwenden.
Wenn man jedoch die Grundlagen nicht kennt und versucht, ein fortgeschrittenes Algebra-Konzept zu lernen, ist das so, als würde man versuchen, ein Wort zu buchstabieren, ohne das Alphabet zu verstehen!
Ich schleppte mich jeweils durch die nicht enden wollenden Algebra Stunden und war froh, wenn ich die Prüfungen überstanden hatte. Ich war seitdem davon überzeugt, dass ich in Algebra einfach zu schlecht sei, so wie viele andere eben auch und dass man daran auch nichts mehr ändern könne. Doch einmal hatten wir ein Thema, was mir Spass machte. Ich verstand es auf Anhieb und wie zu erwarten, war auch die Prüfung ein kleiner Erfolg. Ich schöpfte Hoffnung und Mut, dass ich es doch noch zu etwas bringen könnte. Doch dann stellte ich fest, dass meine gute Note irgendwie nicht einberechnet worden war, als es um die Zeugnisnoten ging. Etwas verdutzt rechnete ich wieder und wieder nach und kam immer zu einem anderen Ergebnis als mein Lehrer. Als ich ihn nach den Sommerferien darauf ansprach, antwortete er mir nur, dass meine gute Leistung bloss ein positiver Ausrutscher gewesen sei, der so wohl nicht mehr vorkommen werde und von daher von ihm auch nur gering berücksichtigt werde. Schliesslich wolle ich ja auch nicht, dass negative Ausrutscher so ins Gewicht fallen. Damit hatte er mir endgültig die Freude an der Algebra genommen.
Was mich dann gerettet hat, war Trigonometrie. Auf einmal kam es nicht mehr auf reines Rechnen an, sondern auf logisches Vorstellungsvermögen, auf dreidimensionales Denken.
Insgesamt lag ich mit meinen Noten im Durchschnitt der Klasse. Die ungenügende Leistung in der Algebra habe ich mit guten Leistungen in anderen Fächern kompensiert.
Angebote bei Lernproblemen und Schulschwierigkeiten existierten damals nicht. Gerne hätte ich mein Defizit im Fach Algebra ausgeglichen, damit ich in Zukunft die gewünschten Türen öffnen kann.
Der Lernbetrieb oder meine Oberstifte konnten oder wollten mich nicht unterstützen. Die beiden Bauleiter hatten von Algebra weniger Ahnung als ich. Ich konnte nur kompensieren. Dieses Defizit wird mich in Zukunft wie ein Schatten begleiten. Ich werde verschiedene Umwege machen müssen um zu meinem Ziel zu gelangen.
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Töffli
Ein fetter Auspuffsound und das eigene Töffli zu frisieren, gehörte damals für viele Töfflibuebe einfach zum guten Ton. Die Sache hatte leider nur den einen oder anderen Haken. Vor allem die strikte gesetzliche Regelung erwies sich als Spassbremse, denn hier gibt es leider so gut wie keine Spielräume und nur eine kleine Grauzone.
Mit der Polizei wollte ich keinen Ärger. Auf einen fetten Auspuffsound konnte ich gerne verzichten.
Ich liebte mein Töffli über alles, aber ich wünschte mir mehr Geschwindigkeit. Dieses Ziel konnte ich für relativ wenig Geld erreichen. Um mein Töffli schneller zu machen, musste die Übersetzung verändert werden, das Ritzel oder das Kettenrad musste ausgetauscht werden. Dabei musste man behutsam vorgehen und das neue Ritzel oder Kettenrad sollte maximal 2 Zähne mehr oder weniger als das originale haben.
Ein Mechaniker Lehrling (Georges Berchtold) hat für mich diese Optimierung ausgeführt. Die Höchstgeschwindigkeit durfte maximal 30 km/h betragen mit der Optimierung betrug nun die Höchstgeschwindigkeit
40 km/h.
Du kannst alles frisieren – du darfst dich nur nicht erwischen lassen. Nach meinem Empfinden war das noch in der Grauzone. Am Motor oder am Auspuff wurden keine Änderungen vorgenommen.
Das heisst für meinen Arbeitsweg würde ich mit dem Töffli nur noch etwa 22 Minuten benötigen. Das ergibt eine Zeitersparnis pro Weg von 8 Minuten, das sind täglich etwa eine ½ Stunde. Pro Jahr sind das ungefähr 100 Stunden, bzw. 10 Arbeitstage.
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Zimmer im Elternhaus
Unsere Schlafzimmer befanden sich im 1. Obergeschoss. Mein Zimmer war zwischen dem Zimmer von Willi und Veronika. Adrian und Norbert (Alex) teilten sich ein Zimmer. Die wichtigste Voraussetzung für ein gemeinsames Kinderzimmer ist die Geschwisterkonstellation. Die Kinder müssen sich wirklich gut verstehen, damit die Konflikte auf Dauer im Rahmen bleiben. Kleinere (und einige größere) Streitigkeiten sind in jeder Familie normal, wenn man jedoch zwei Kinder hat, die sich den ganzen Tag nur streiten, wird man ihnen keinen Gefallen tun, wenn man sie gemeinsam in einem Zimmer unterbringt. Ich würde übertreiben, wenn ich schreiben würde Adrian und Norbert (Alex) hätten sich gut verstanden. Im Weiteren musste ich mich mit Willi am Morgen auch mit dem Lavabo arrangieren.
Neben den Garagen gab es ein Souterrainzimmer, welches etwas grösser war als mein Zimmer. Ein Souterrainzimmer bezeichnet ein Zimmer, welches unterhalb des Erdgeschosses liegt und trotzdem noch mit Fenstern ausgestattet ist. Von außen sind die Fenster dabei auf Bodenhöhe. Neben der Garage gab es ein separates WC mit Lavabo und einen Brennholzlagerraum mit einer Dusche.
Mit Beginn der Lehre habe ich ins Souterrainzimmer gezügelt. Adrian bezog mein Zimmer und Norbert (Alex) ist in seinem Zimmer geblieben. Ich habe das gemeinsame Wohnen von Adrian und Norbert beendet. Die ständigen Streitereien haben mich belastet. Die räumliche Trennung erfolgte dauerhaft. Einfach die Tür schließen zu können und Ruhe zu haben, senkt den Stresslevel schon nachhaltig.
Am meisten schätzte ich an meinem Souterrainzimmer ein bisschen mehr Privatsphäre. Mein Zimmer sollte für die Anderen nicht zugänglich sein. Leider schnüffelten meine Geschwister trotzdem in meinem Zimmer herum. Mein Recht auf freie Entfaltung meiner Persönlichkeit, wurde durch meine Geschwister mit Füssen getreten. Für meine Geschwister war ich immer von besonderem Interesse.
Das Abnabeln vom Elternhaus ist ein sehr wichtiger Schritt in der Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenheit. Er dient jungen Erwachsenen dazu, sich neu zu orientieren und ihr Leben in einem sozialen Verbundsystem so zu entwickeln, dass ein gewisses Mass an Eigenständigkeit aber gleichzeitig an sozialer Eingebundenheit möglich ist.
Es ist eine der grössten Herausforderungen für Eltern, ihre%u202FKinder loszulassen. Sie wissen, es ist der unausweichliche Lauf der Dinge und wesentlich für ihre Entwicklung – und doch so oft alles andere als einfach. Loslassen, was so ein kleines Wort alles in uns auslösen kann. Es erinnert einerseits an Verlust, Schmerz, Einsamkeit, andererseits an Befreiung und Erleichterung. Denn so schmerzvoll es sein kann, jemanden oder etwas loslassen zu müssen, so unheimlich befreiend kann es auch sein, sich von überflüssigen Dingen, von ungesunden Beziehungen, schlechten Gewohnheiten oder Überzeugungen zu verabschieden. Unsere Mama hat sich besonders schwer getan uns Kinder in die Selbständigkeit zu entlassen. Unseren jüngsten Bruder Norbert (Alex) hat unsere Mama nie losgelassen.
Mein Souterrainzimmer war für mich ein kleiner Schritt in die Unabhängigkeit.
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Anfangs Juli ging es mit meinen Kollegen in das 14-tägige Zeltlager nach Iragna TI. Da ich in der Zwischenzeit Gruppenführer war, hat das Lager für mich bereits am Samstag begonnen. Ich durfte mit dem grossen Überlandlastwagen mit Meinrad Burch (Burch Transporte) ins Tessin fahren. Den Seelisbergtunnel und den Gotthardtunnel gab es damals noch nicht. Es ging über die Axenstrasse und den Gotthardpass. Auf dem Zeltplatz waren wir vor allem mit dem Aufstellen und Einrichten, des Küchenzeltes und des Esszeltes beschäftigt.
Marietheres, meine Lieblingsschulkollegin aus der 1. und 2. Sekundarschule war in der Zwischenzeit Gruppenführerin im Blauring. Marietheres hat die 3. Sekundarschule in Sarnen besucht.
Der Blauring übernimmt jeweils das Zeltlager der Jungwacht für ihr Lager.
Ich wollte Marietheres eine kleine Vorfreude auf das kommende Lager machen und habe ihr eine Ansichtskarte mit lieben Grüssen von Iragna geschickt. Umso mehr war ich überrascht als ich ein Päckli mit einem lieben Brief erhalten habe. In dem Paket hatte es einen feinen Mövenpick Rüblikuchen. Im Brief teilte sie mir mit, dass sie leider keine Zeit gefunden hat für mich einen Kuchen zu backen, da sie einen Ferienjob bei Edi Zumstein im Verkauf habe. Das Marietheres für mich einen Kuchen backen würde hätte ich mir nicht träumen können. Ich empfand ein tiefes Gefühl von Herzlichkeit. Kuchen verbindet für mich den Bereich der Kultur und Kunst, für Schönes, Lebensfreude und Sinnlichkeit, für Tanz und Spiel, für die feinen, kleinen Dinge, an denen ich mich oft freue, weil in ihnen so viel Liebe steckt. So richtig es ist, Brot und Kuchen zu unterscheiden, so sehr gehören Kuchen eben auch zum „täglichen Brot“. Eben, weil Kultur kein Luxus ist, sondern ein Lebensmittel.
Im Alltag hatte ich immer sehr viel Freude an liebevoll, ästhetisch und schön gestalteten Backwaren. Ich weiss nicht, ob Marietheres sich je bewusst war, was sie mit ihrem Kuchen in mir anklingen liess?
Es versteht sich von selbst, dass auch Marietheres von mir ein grosses Paket in einer speziellen Verpackung erhalten wird.
Im Lager schmiedeten Werni, Sepp und ich den Plan, dass wir von Giswil nach Iragna laufen könnten. Das Blauringlager hatte weniger Teilnehmer und so stand ein Gruppenzelt leer, welches wir sicher für 2 – 3 Tage benutzten konnten. Wernis Mutter war Lagerköchin. Als Lagerhelfer waren wir sicher Willkommen. Am Samstag würden wir gegen Abend vom Lager heimkommen und am Dienstagmorgen um 04.00 Uhr wollten wir von Giswil losmarschieren. Wir würden im Freien im Schlafsack übernachten.
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Der Zufall wollte es, dass Marietheres und ich uns am Sonntag um ca. 16.30 Uhr auf dem Heimweg etwa 100 Meter von meinem Elternhaus begegnet sind. Ich freute mich riesig über die zufällige Begegnung. Vor allem bedankte ich mich für das Paket und den lieben Brief, welches ich nicht erwartet habe. Marietheres gab mir das Gefühl von Stärke und Mut, ich hatte das Gefühl wird könnten gemeinsam Berge versetzen und jeden Traum verwirklichen. Wir haben sicher 2 Stunden auf der Strasse geredet und dabei Raum und Zeit vergessen. Es ist schwierig, dieses Gefühl des Schwebens und des Zaubers in Worte zu giessen. Zum Abschied habe ich Marietheres auf den Mund geküsst.
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Für diverse Arbeiten hat unser Papa in seiner Bauunternehmung immer wieder Sprengmittel benötigt. Im Magazin hatte er ein kleines Lager von Sprengstoffen (Kesseln und Stangen), Sprengkapseln und Zündschnüren. Es handelte sich dabei um Plastiksprengstoff. Der Vorrat betrug etwa 200 Kg. Damals war es völlig normal, dass von den Bauern Wurzelstöcke oder Findlinge in ihrem Landwirtschaftsland gesprengt wurden. Der Sprengstoff wurde in Kesseln oder Einzeln in Stangen an die Bauern verkauft. Regelmässig wurde mir als Sekundarschüler der Verkauf des Sprengstoffes, Sprengkapseln und Zündschnüren anvertraut. Der Sprengstoff wurde in Kisten geliefert mit der Aufschrift «Explosiv».
Heute kann man sich das nicht mehr vorstellen. Interessanterweise war nie etwas passiert.
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Am Montagmorgen habe ich für Marietheres feine Sachen eingekauft, damit ich ihr ein Paket ins Lager schicken kann. Ich habe den Einkauf in einen Sprengstoffkarton (Gefahrgutkarton) mit der Warnung «Explosiv» verpackt. Im Fundus unseres Papas hatte es immer diverses Verpackungs-material. So ein spezielles Paket war aufsehenerregend. Da würde ich bei Marietheres sicher punkten. Auf der Poststelle wurde das Paket kommentarlos entgegengenommen. So etwas wäre heute unvorstellbar.
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Am Dienstagmorgen um 04.00 Uhr haben wir uns beim Schulhaus getroffen und sind in südlicher Richtung losmarschiert. Die 1. Etappe von Giswil nach Innertkirchen beträgt rund 30 Km, der Höchste Punkt liegt auf 1'090 m und der Niedrigste Punkt liegt auf 480 m. Mit Gepäck dürfte die Marschzeit ca. 7.5 Stunden betragen. Die Wanderung bedingt eine sehr gute Kondition. Wir wanderten auf der rechten Seite des Lungerersee nach Lungern. Hier gibt es etliche Wegweiser in Richtung Brünigpass. Wir sind durch das Dorf hinauf zur gut sichtbaren Kirche gewandert und sind dort den Wegweisern gefolgt. Der Weg führte uns auf einer Forststrasse unter den Felsen hinauf bis zur Kapelle. Von hier aus überblicken wir nochmals der hinter und unter uns liegende Lungerersee. Gemütlich wanderten wir in südlicher Richtung über die Alpwiesen und erreichten den Brünigpass. Wir folgten dem signalisierten Weg Richtung Meiringen. Von Meiringen folgten wir dem signalisierten Weg Richtung Innertkirchen.
Am frühen Nachmittag sind wir in Innertkirchen eingetroffen. Unser 1. Tagesziel hatten wir erreicht.
Von Innertkirchen bis Göschenen sind rund 45 Km zu absolvieren. Der Höchste Punkt liegt auf
2’060 m und der Niedrigste Punkt liegt auf 1’590 m. Teilweise ist man im alpinen Gelände unterwegs. Die Wanderung ist sehr schwer. Sie bedingt auch eine sehr gute Trittsicherheit, nebst sehr guter Kondition.
Aufgrund der unsicheren Wetterlage haben wir uns entschlossen mit dem Postauto nach Göschenen zu fahren und von Göschenen mit dem Zug nach Airolo.
Ausserhalb von Airolo haben wir unter freiem Himmel in unserem Schlafsack übernachtet.
Am frühen Morgen um 06.30 Uhr sind wir bereits losmarschiert. Leider konnten wir das Wetter nicht auslesen. Es war bewölkt und leicht regnerisch, eigentlich ein eher trüber Tag.
Unser Ziel war es den berühmten Wanderweg „Strada Alta“ zu erwandern.
Der Wanderweg „Strada Alta“ liegt an der sonnigen linken Seite des Leventina Tals, und lässt sich in vier Tagesetappen erwandern. Dieser Ausflug beginnt in Airolo (1140m), am Fusse des Gotthard Pass, steigt bis auf 1800 m beim Ritom See, und sinkt via Passo Forca Richtung Osco bis nach Biasca.
Auf den rund 50 Kilometern traversierst du das Leventina Tal von Nord nach Süd. Die knapp 1.400 Höhenmeter, die du dabei aufsteigst, sind meist wenig beschwerlich oder aber kurz, knackig und rasch bezwungen. Das Gros an Abstiegshöhenmeter absolvierst du auf der Schlussetappe. Abenteuerlich, aber sicher steigst du über viele Steintreppenstufen in den Talboden und damit auch wieder zurück in den Alltag. Der gesamte Höhenweg ist als Bergweg „weiss-rot-weiss“ signalisiert.
Stets erhöht über dem geschäftigen Talboden geniesst du in der ruhigen Idylle der Berghänge praktisch dauerhaft wunderbare Panoramaausblicke.
Für uns ging es bis weiter bis nach Iragna. Zu den 50 Km kommen noch 5 km nach Iragna dazu, Total 55 Km.
Meine Kollegen hatten dermassen Rückenwind und Heimweh, dass sie im am Nachmittag den Vorschlag machten die Strada Alta in einer Etappe zu absolvieren. Ich wollte kein Weichei sein und habe mich gegen dieses Ansinnen nicht gewehrt.
Wanderungen von über 50 km Länge sind für den Körper eine grosse Anstrengung. Dementsprechend lange muss man danach auch regenerieren. Ich würde aber Niemanden empfehlen die Strada Alta in einem Tag abzuspulen.
Kurz vor Mittenacht sind wir hundemüde und kaputt in unser Zelt gekrochen.
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Marietheres war im Zeltlager Gruppenleiterin. Eine Gruppe besteht aus acht bis zehn Kindern, die etwa gleichaltrig sind. Betreut wird jede Gruppe von ihrer Gruppenleiterin. Zusammen wird gegessen, gespielt und der tägliche Dienst erledigt. Jede Gruppe wohnt in ihrem eigenen Zelt. Die Gruppenleiterin ist dabei der erste Ansprechpartner für die Kinder und immer vor Ort.
Kurz vor dem Mittag habe ich Marietheres getroffen, sie trug ein selbst bedrucktes T-Shirt mit ihrem Blauringnamen «Teli». Ich konnte mich ein wenig mit ihr und den anderen Leiterinnen unterhalten. Es war mir klar ein persönlicher Gedankenaustausch wäre erst am späteren Abend möglich.
Nach dem Abendprogramm habe ich Marietheres gefragt, ob sie Lust auf einen Spaziergang mit mir hätte. Fiebrige Erwartung erfüllte diese laue Sommernacht; Erwartung auf das, wovon ich schon seit langem geträumt hatte. Zum ersten Kuss gehört Mut. Vielleicht ist das der Grund, warum sich jeder an seinen ersten Kuss erinnern kann. Ich weiss noch, wie unsicher ich damals war und was für eine Überwindung es mich gekostet hatte, Marietheres, welche vor mir stand, immer näherzukommen – bis sich unsere Lippen schliesslich berührten. Die Umgebung wurde mit einem Mal unscharf, und für einen kurzen Moment gab es nur noch uns beide. Ich habe sie so leidenschaftlich geküsst, dass ich dabei Raum und Zeit vergessen habe.
Dieser Kuss markierte den Start der gemeinsamen Zeit, er sorgte für Geborgenheit und liess alles Negative der Vergangenheit für mich verblassen.
Ich war 17 und unerfahren. Aber von einem Augenblick auf den nächsten wusste ich mit absoluter Gewissheit, dass ich die oder keine wollte. Mit jeder Faser meines Körpers.
Die erste grosse Liebe spielt eine ganz besondere Rolle. An dieser Beziehung werden alle weiteren gemessen. Jeder von uns hat diesen einen Menschen, der uns nie ganz loslässt. Das ist eine sehr intensive Erfahrung, deshalb ist es schön, wenn wir eine gute Erinnerung daran haben, und es kann uns lange beeinflussen, wenn es nicht so ist.
Verständlicherweise waren wir 3 Besucher bei den Lagerleiterinnen nicht unbedingt Willkommen, obwohl wir als Helfer unser Bestes gaben. Nach 3 Nächten sind wir mit dem Zug nach Hause gereist.
Ich hab’ mein Herz in Iragna verloren,
In einer lauen Sommernacht.
Ich war verliebt bis über beide Ohren,
Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.
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Jungschützenkurs 300 m
Der Jungschützenkurs ist eine kostenlose, vordienstliche Schiessausbildung für Schweizerinnen und Schweizer. Neben Trainings haben auch schiesssportliche Wettkämpfe auf Distanz 300m stattgefunden. Dabei wurde die Konzentration, Disziplin und Körperkoordination gefördert.
Auch die Kameradschaft kam nicht zu kurz.
Der Jungschützenkurs dauerte jeweils von März bis Ende August und beinhaltete ein Theorieabend und 6-7 Kurstage und diversen Wettkämpfe.
Während der Dauer des Kurses erhielt jeder Teilnehmer seine persönliche Waffe, welcher er nach Hause nahm.
Wir wurden auf dem Sturmgewehr 1957 / SIG 510 ausgebildet. In der Schweizer Armee war das Standardsturmgewehr im Kaliber 7,5 × 55 mm in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es wurde 1959 / 1960 eingeführt und in den 1990er-Jahren durch das SIG 550 abgelöst.
Aufgrund meiner Treffsicherheit wurde ich mit dem Schützenabzeichen ausgezeichnet.
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Nach den Sommerferien werde ich mit dem 2. Lehrjahr starten.
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Was macht Veronika?
Veronika hat die obligatorische Schulzeit abgeschlossen und wird im Sommer die Frei’s Handelsschule in Luzern besuchen und nach 2 Jahren mit dem Handelsdiplom abschliessen.
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Was macht Adrian (29.04.1961)?
Dieses Jahr war Adrian gefordert. Das Übertrittsverfahren von der Primar- zur Sekundarstufe stand auf dem Programm. Die Prüfung fand jeweils nach den Osterferien statt. Mein jüngerer Bruder Adrian war damals schon ein Aufschneider; einer, der sich sehr wichtig und gross fühlt, einer der plagiert, vor allem mit Fähigkeiten, welche er nicht hatte und nie haben wird. Anfangs Juni stand jeweils fest wer mit wem nach den Sommerferien in die Schule gehen wird. Es hätte mich sehr überrascht, wenn Adrian die Aufnahmeprüfung in die Sekundarschule bestanden hätte.
Nun durfte man gespannt sein, wie es mit ihm weitergehen soll. Adrian wird nach den Sommerferien das Internat wie damals Willi in Vilters besuchen. Für Adrian war Vilters nur ein kurzes Gastspiel. Adrian hatte in solchem Massen Heimweh, dass er sich weigerte nach den Herbstferien wieder ins Internat zu gehen. Auch da haben meine Eltern eine Lösung gefunden.
Nach den Herbstferien wird Adrian das Juvenat der Franziskaner im Flüeli (Gemeinde Sachseln) besuchen. Das Juvenat ist ein Schulinternat auf Sekundarstufe I der Gemeinschaft der Franziskaner.
Adrian durfte jedes Wochenende nach Hause. Adrian überschätzte seine Fähigkeiten und hat mit seinen Leistungen geprahlt. Er dachte, dass er besser sei als andere, einzigartig oder besonders.
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Was war 1974
Das Jahr 1974 war geprägt von den Nachwirkungen der Ölkrise im Jahr 1973. Die steigenden Ölpreise und die Verknappung der Ressourcen führten weltweit zu Währungsschwierigkeiten und einer hohen Inflationsrate. Insbesondere in Europa kämpfte die Wirtschaft mit den Auswirkungen dieser Krise und musste sich den wirtschaftlichen Herausforderungen stellen.
Die Ölkrise hatte weitreichende Folgen für die globale Wirtschaft. Die starken Preisanstiege führten zu einem enormen Anstieg der Produktionskosten und belasteten die Handelsbilanzen vieler Länder. Gleichzeitig hatten die gestiegenen Energiekosten Auswirkungen auf die Inflationsraten, da die Unternehmen die höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben mussten.
In vielen Ländern mussten Maßnahmen ergriffen werden, um die negativen Auswirkungen der Ölkrise abzumildern. Regierungen und Zentralbanken waren gezwungen, ihre Geldpolitik anzupassen, um die Inflation einzudämmen und die Währungen zu stabilisieren. Auch wurden Programme zur Förderung erneuerbarer Energien und zur Reduzierung des Energieverbrauchs eingeführt.
Die europäische Wirtschaft wurde besonders hart von der Ölkrise getroffen. Viele Länder waren stark von Importen abhängig und hatten somit hohe Energiekosten. Dies führte zu einer hohen Inflation und schwächte die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen. Um dieser Herausforderung zu begegnen, wurden in vielen Ländern Strukturreformen eingeleitet, um die Produktivität und Effizienz zu steigern.
Im Nahen Osten bestimmten die Nachwirkungen des 1973 geführten Jom-Kippur-Kriegs die Politik. Nach dem Rücktritt Golda Meirs wegen der hohen israelischen Verluste übernahm Jitzchak Rabin das Amt des israelischen Regierungschefs.
Im Norden Zyperns begann mit dem Einmarsch und der Besetzung durch türkische Truppen der Zypernkrieg, in Portugal kam es zur sogenannten Nelkenrevolution. In Westdeutschland gab es durch den Rücktritt Willy Brandts aufgrund der Spionageaffäre um seinen persönlichen Referenten Günter Guillaume einen Regierungswechsel.
Im Jahr 1974 kam es zu bedeutenden politischen Veränderungen in Portugal und Griechenland. In Portugal endete nach 41 Jahren eine langjährige Autoritäre Staatsführung und brachte eine friedliche Wende für das Land. Die sogenannte Nelkenrevolution, die von Aktivisten und Militärs getragen wurde, markierte den Beginn einer neuen Ära, in der demokratische Prinzipien und Freiheit wiederhergestellt wurden.
In Griechenland trat 1974 ebenfalls eine bedeutende politische Veränderung ein: die Absetzung der Militärjunta. Diese Militärregierung war 1967 an die Macht gekommen und hatte das Land sieben Jahre lang regiert. Der Rücktritt der Junta wurde durch eine politische Krise und eine Reihe von Protesten ausgelöst. Das Ende der Militärjunta in Griechenland war ein wichtiger Schritt hin zur Wiederherstellung der Demokratie und des politischen Pluralismus.
Sportlich wurde das Jahr vor allem durch die Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland, bei der die deutsche Nationalelf den Meister-Titel gewann, sowie den Boxkampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman in Zaire („Rumble in the Jungle“) dominiert.
- Lehrjahr Hochbauzeichner
Nach meinen Sommerferien haben im Büro Wyss drei neue Lehrlinge ihre Ausbildung gestartet.
- Elsbeth Gasser, von Lungern, Kauffrau
- Monika Rossacher, von Giswil, Hochbauzeichner
- Eugen Imhof, Kägiswil, Hochbauzeichner
Monika, Eugen und ich sind alle im Jahr 1957 geboren. Hätte ich auch die 3. Sekundarschule in Sarnen besucht, so wären wir Schulkollegen gewesen. Mit Monika habe ich die 1. und 2. Sekundarschule in Giswil besucht.
Nun war ich der Oberstift und wurde beauftragt die Neuen einzuführen.
Die ersten Wochen eines Lernenden sind die wichtigsten. Die Lernenden sollen sich willkommen fühlen, so dass sie ihre ersten Arbeitswochen positiv erleben. Ich habe mir die Zeit genommen, ihnen das gesamte Büro gezeigt und sie mit den anderen Mitarbeitern des Büros bekannt gemacht, damit sie wussten, mit wem sie es zu tun haben.
Ich habe ihnen das Ausfertigen von Plankopien / Vervielfältigen beigebracht. Dazu gehörte auch das Beschriften und kolorieren von Plänen. Die Pflege und das Reinigen der Schablonen und den Tuschstiften.
Die Organisation des Znünis war nun Sache von Monika und Eugen, welche sich die Aufgabe teilen konnten.
Nach meinem Dafürhalten habe ich die Lernenden mustergültig eingeführt und unterstützt.
An den Schultagen von Monika und Eugen war ich für das Znüni verantwortlich.
Das Ausfertigen von Plankopien erledigte ich nur noch in dringenden Fällen.
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Unser Büro beteiligte sich auch immer wieder an verschiedenen Architekturwettbewerben.
Der Ausdruck "Architekturwettbewerb" ist eine in der Baubranche übliche Kurzbezeichnung für ein Verfahren mit dem Zweck, einem Bauwilligen mehrere Lösungsvorschläge für ein Bauvorhaben zu verschaffen. Statt dass der Bauwillige mehreren Architekten je einen eigenen Projektierungsauftrag mit entsprechender Vergütungspflicht erteilt, lädt er beim Architekturwettbewerb verschiedene Architekten ein, ihm unentgeltlich oder gegen eine geringe Entschädigung ein Projekt einzureichen, dies unter Aussetzung von Preisen für die zu erarbeitenden Projekte. Der Architekturwettbewerb wird dadurch eröffnet, dass ein Bauwilliger (der Veranstalter) Architekten einlädt, ihm aufgrund bestimmter Unterlagen (Wettbewerbsbedingungen, Wettbewerbsprogramm) ein Bauprojekt einzureichen, wobei sich die Einladung an individuell bestimmte Architekten richten kann.
Ich erinnere mich an die Wettbewerbe, für den Neubau der Kantonalbank in Kerns und den Neubau des Gemeindehauses in Sarnen. Unser Büro erreichte jeweils den 2. Rang.
Im Weiteren hat sich unser Büro auch an internationalen Wettbewerben beteiligt. Zum Beispiel eine Ferienanlage in Cap d'Antibes. Cap d'Antibes liegt an der Côte d'Azur.
Hält sich der Veranstalter am Ende an die Vorgaben der Jury und das preisgekrönte Projekt wird realisiert, was nicht immer der Fall ist, sind alle glücklich. Ausgenommen natürlich die vielen Architekten, die ihren Beitrag eingereicht haben und leer ausgegangen sind.
Das ist die Crux und das ist das wesentliche Argument, das dem offenen Architektenwettbewerb oft entgegengehalten wird. Es gibt immer nur einen Gewinner und viele Verlierer.
Vom unternehmerischen Standpunkt aus sei dies unverantwortlich, so hört man immer wieder und gesamt volkswirtschaftlich grenze eine solche Verschwendung von Arbeitskraft an Wahnsinn. Kann schon sein. Vom unternehmerischen Standpunkt aus ist das Wettbewerbswesen nicht unbedingt verkehrt. Viele Architekten schätzen es, ihr kreatives Potenzial zu trainieren und sich mit ihren Mitbewerbern im Wettkampf zu messen. Denn wo sonst hat ein Architekt die Gelegenheit seine eigene Kreativität auszuleben als im Wettbewerb? Von der Präsenz des eigenen Büros in der Wettbewerbsszene verspricht sich manch einer eine werbewirksame Aussenwirkung, denn die Medien publizieren gerne die Wettbewerbsergebnisse. Wer dabei ist, gehört dazu – zumindest einen kurzen Rausch lang – und wer dazu gehört, ist wichtig. Und auch die immer wieder beschworene volkswirtschaftliche Verschwendung von Kreativpotenzial, die dem Wettbewerbswesen innewohnt, kann man durchaus sportlich sehen. Es ist für jeden Architekten immer eine unternehmerische Entscheidung, wie viel er in Wettbewerbsverfahren investieren will und jeder muss für sich selbst abwägen, ob es sich für ihn lohnt oder nicht.
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In unserem Büro gab es bereits 1. Anzeichen von einer grösser sich anbahnenden Rezession.
Seit einiger Zeit hat sich der bauwirtschaftliche Horizont verdüstert. Nach einer Zeitspanne der Stabilisierung auf sehr hoher Ebene mehren sich seit Jahresanfang die Anzeichen für eine Talfahrt der Nachfrage und der Beschäftigung. Die Planungsstufe ist zum Teil bereits unterbeschäftigt. Vorderhand wird allgemein ein Rückgang der Bauvorhaben von 10% und mehr erwartet, der sich 1975 fortsetzen dürfte. Seit einiger Zeit sind in der Bauwirtschaft eine wachsende Nervosität und Unsicherheit festzustellen, ja vereinzelt sogar Zeichen der Panik.
Im Mai 1974 waren im Bauhauptgewerbe rund 180000 Personen (- 12 %) weniger beschäftigt als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der gegenwärtige Beschäftigungseinbruch im Baugewerbe geht bereits jetzt über das im Rezessionsjahr 1967 beobachtete Ausmaß hinaus.
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Im 2. Lehrjahr besuchte ich jeweils am Mittwoch die Gewerbeschule. Zufälligerweise war am Mittwoch 25. September Bruder-Klausen-Tag. Im Kanton Obwalden ist das seit der Heiligsprechung 1947 ein Feiertag. Das Büro war geschlossen und meine Arbeitskollegen hatten einen arbeitsfreien Tag. Selbstverständlich habe ich an diesem Tag die Gewerbeschule besucht.
Eine Woche später wird jeweils in Luzern der heilige Leodegar der Schutzpatron der Stadt Luzern gefeiert. Er wirkte im 7. Jahrhundert als Kirchenfürst und Staatsmann in Frankreich und wurde 678 enthauptet. Das Schutzengelfest selbst stammt aus Spanien und wird in Luzern jährlich am 2. Oktober begangen, um Leodegar zu ehren und zu gedenken.
Es versteht sich von selbst, dass ich an diesem Tag meinen Schultag vom 25. September kompensiert habe. Irgendeinem Mitarbeiter ist im Verlaufe des Nachmittags in den Sinn gekommen, warum ich nicht im Büro sei. In Luzern wäre ja Feiertag und da ich keine Schule hätte müsste ich im Büro sein.
Die Sekretärin hat sogar zuhause angerufen und sich nach mir erkundigt. Ich war unterwegs und gönnte mir meinen freien Tag.
Am nächsten Morgen war im Büro «Stadelzeit» (Komödienstadel) angesagt. Meine Arbeitskollegen gönnten mir den Kompensationstag nicht. Sie erwarteten, dass ich diese Arbeitszeit nachholen muss. Gestützt auf die gesetzlichen Bestimmungen hatte ich Anspruch auf diesen Kompensationstag. Meinen vernünftigen Argumenten waren meine Kollegen nicht zugänglich. Ich fand dieses Verhalten miserable und armselig. Wahre Grosszügigkeit erfordert Grossmut und ist darum nichts für Kleingeister. Kleinlich zu sein ist leicht. Grösse zeigen dagegen schwer. Ein Auge zudrücken oder mal Fünfe gerade sein lassen - das sagt sich leicht. Die Umsetzung fällt vielen deutlich schwerer. Tatsächlich klammern sich zahlreiche Menschen an feste Regeln und Vorgaben und sind erst dann so richtig zufrieden, wenn alles bis ins kleinste Detail erfüllt ist. Wahre Grösse sich selbst gegenüber zeigt sich vor allem in den Niederlagen und Rückschlägen, die jeder von uns erlebt.
Was ist Feiertag Kompensation?
Feiertage sind nicht zusätzliche Ferientage, sondern öffentlich festgelegte arbeitsfreie Tage, die von den Arbeitgebenden zu gewähren sind.
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Gewerbeschule
Die Schulräume der Gewerbeschule waren in Luzern sehr knapp bemessen. Am Vormittag wurden wir jeweils in der Hubelmatt unterrichtet. Das heisst vom Bahnhof musste ich jeweils den Bus in die Hubelmatt nehmen. Die Bahnhaltestelle Allmend gab es damals noch nicht.
Am Nachmittag fand der Unterricht im Heimbach (Heimbachweg 12) statt.
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Vermessungskurs
Nach den Sommerferien habe ich einen freiwilligen Vermessungskurs auf der Allmend in Luzern besucht. Der Kurs fand jeweils an 5 Samstagen, von 08.00 – 12.00 Uhr statt.
Die Ingenieurvermessung wird oft als Überbegriff für die verschiedensten Vermessungen im Hoch- und Tiefbau ausserhalb der amtlichen Vermessung verwendet. Sie beschäftigt sich vor allem mit dem Bau und der Realisierung von Gebäuden, Objekten und Infrastrukturanlagen.
Themen waren:
Abstecken von Geraden
a) mit der Schnur, b) mit Jalons, c) mit Doppelprisma, d) mit Nivellierinstrument, e) mit Theodolit
Verlängern einer Geraden
a) mit Jalons, b) mit Theodolit
Abstecken von rechten Winkeln
a) mit Schnur und Messband, b) mit Winkelprisma
- Das einfache Nivellement
- Das zusammengesetzte Nivellement
- Profil- Aufnahmen (Längen- und Querprofil)
- Flächennivellement
- Optische Distanzmessung
Ein Winkelprisma ist ein einfaches, aber wichtiges optisches Instrument der Geodäsie, um rechte Winkel abzustecken oder rechte Winkel zu überprüfen, einen Punkt auf eine Gerade aufzuwinkeln
(d. h. das Lot vom Punkt auf diese Gerade zu fällen) und um sich selbst in eine Gerade einzufluchten.
Das Nivelliergerät (auch Nivellierinstrument, schlicht Nivellier) ist ein Messinstrument, mit dem Höhenunterschiede gemessen und Höhenhorizonte hergestellt werden.
Ein Theodolit ist ein Winkelmessinstrument, das in der Geodäsie (Vermessungskunde) zur Messung von Horizontalrichtungen und Zenit- oder Vertikalwinkeln verwendet wird. Hierzu wird er mittels eines Stativs lotrecht über einem Punkt aufgestellt.
Viele Mitschüler dachten fälschlicherweise, Kompetenzen in der Vermessung bräuchten sie nicht.
Nur ca. jeder Fünfte besuchte den Vermessungskurs. Das ist schade. Denn Kompetenzen in der Vermessung waren für mich unerlässlich. Klassische Kompetenzen bestehen aus der Fach- bzw. Kernkompetenz und der erforderlichen Methodenkompetenz, um Ziele systematisch erreichen zu können. Die Persönlichkeitskompetenz ist ebenfalls entscheidend: Sie beinhaltet die Fähigkeiten und Einstellungen, in denen sich die individuelle Haltung zur Welt und insbesondere zur Arbeit widerspiegelt. Gemeint sind Persönlichkeitseigenschaften, die nicht nur im Arbeitsprozess wichtig sind wie Eigenverantwortung, Kreativität, die richtige Motivation, Initiative und Engagement, Lern- und Leistungsbereitschaft, Flexibilität, Ausdauer, Resilienz, ein realistisches Selbstbild haben und eine gehörige Portion Herzblut mitbringen. Auch die Sozialkompetenz mit ihren Fertigkeiten und Fähigkeiten, die dazu befähigen, in den Beziehungen zu Menschen situationsadäquat zu handeln, ist unverzichtbar.
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Unfall mit Töffli Herbst 1974
Vorbemerkung: Seit dem 1. Oktober 1985 gilt die Helmpflicht beim Töffli für alle Fahrer!
Bis ca. 1984 waren keine Helme für Töfflifahrer im Angebot.
Mein kürzester Arbeitsweg führte über Wilen. Durch den Wald führt die schmale Strasse zu den gefürchteten Wildbächen. Der Steinibach wird auf der Strasse durch eine Furt überquert. Es geht weiter im Wald hinab auf der Strasse zum Gehrisbach auch dieser wird durch eine Furt überquert.
Als Furt bezeichnet man eine Flachstelle (Untiefe) in einem Bach- oder Flusslauf, mittels der das Gewässer zu Fuss, zu Pferd oder mit Fahrzeugen durchquert werden kann. Diese seichte Stelle ist somit Bestandteil einer übergeordneten Wegeverbindung und bestimmte den Verlauf von Verkehrswegen.
Die linksufrige Seestrasse zwischen Forst - Oberwilen - Wilerbad wurde zwischen 1941 und 1945 durchpolnische Internierte realisiert.
Die Wildbäche Steinibach und Gehrisbach sind immer wieder durch Hochwasser und Überschwemmungen aufgefallen. Es wurden daher im Laufe der Jahre immer wieder bauliche Massnahmen getroffen, um die Wildbäche sicherer zu gestalten. Wildbäche besitzen ein enormes Zerstörungspotential. Ein Wildbach ist, ein dauernd oder zeitweise fliessendes Gewässer, dass durch rasch eintretende und nur kurze Zeit dauernde Anschwellungen Feststoffe aus seinem Einzugsgebiet
oder aus seinem Bachbett in Gefahr drohendem Ausmasse entnimmt, diese mit sich führt und innerhalb oder ausserhalb seines Bettes ablagert oder einem anderen Gewässer zuführt. Hauptcharakteristika von Wildbächen sind das starke Gefälle und die durch Schneeschmelze oder heftige Gewitter innerhalb kurzer Zeit stark variierenden Abflusswerte. Die beiden Wildbäche führen bei Hochwasser im Bereich der Furt immer sehr viel Geschiebe (Steinmaterial) und Schwemmholz mit sich.
Das Unwetter in der vergangenen Nacht hatten den Steinibach und den Gehrisbach rasch anschwellen lassen. Als ich am Morgen, wie üblich um ca. 6.20 Uhr mit dem Töffli losgefahren bin war der Regen nur noch stark.
Starker Regen entspricht 10 Millimetern und mehr innerhalb einer Stunde. Vor Unwetter wird gewarnt, wenn es mehr als 25 und bis zu 40 Millimeter innerhalb einer Stunde regnet oder laut Vorhersage dieser Schwellenwert voraussichtlich überschritten wird.
Ich war mir durchaus bewusst, dass unter Umständen der Steinibach und der Gehrisbach gesperrt sein könnten. Die Strasse war nicht gesperrt worden und es war auch keine Verbotstafel aufgestellt worden. Kurz vor dem Steinibach überholte mich ein Auto, welches die Furt querte. Ich war guten Mutes, dass auch mir das Gelingen wird und tatsächlich, es ist mir ohne grosse Schwierigkeiten gelungen. Der Gehrisbach war der kleinere Bach, somit würde ich auch diese Furt queren können. Die Sicht war durch den starken Regen etwas eingeschränkt. Ich hatte über die Hälfte der Furt im Gehrisbach durchquert, da kam es zum unglücklichen Ereignis, es hat mich mit meinem Töffli über die Furt in den Gehrisbach gespült. Der Gehrisbach führte immer noch Geschiebe und Schwemmholz mit sich. Die grosse Herausforderung bestand darin dem reissenden Bach zu entkommen, über die Böschung zu klettern und somit auf sicheres Terrain zu gelangen. Das ist mir auch gelungen.
Als nächstes hielt Ausschau nach meinem Töffli. Der Lenker des Töfflis ragte am Böschungsfuss aus dem Wasser. Als ich über die Furt geschwemmt worden bin hatte ich das Töffli nicht losgelassen und mitgezogen. Irgendwie gelang es mir das Töffli auf über die Böschung auf sichere Fläche zu ziehen. Obwohl das Töffli ordentlich beschädigt worden ist, hoffte ich, dass man es noch reparieren kann.
Ich habe das Töffli an den Strassenrand gestellt, damit man es später abholen kann und in die Werkstatt von Albert Mathis zur Reparatur bringen kann.
Völlig durchnässt lief ich zum See und hielt Ausschau nach einem Böötler, welcher mich zum Camping fahren würde. Tatsächlich sah ich in der Nähe René Eberli mit seinem Boot. Ich signalisierte ihm, dass ich dringend Hilfe benötigen würde. Er hat mich in seinem Boot zum Camping Giswil gefahren. Vom Camping bis nach Hause hatte ich noch ¾ Stunden Fussmarsch vor mir. Meine Mama ist furchtbar erschrocken, als sie mich sah, durchnässt und verbeult. In wenigen Worten habe ich geschildert was ich soeben erlebt hatte. Mir fehlte nichts, ausser diverser Schürfungen und blauen Flecken.
Nachdem die Wildbäche weniger Wasser führten hat ein Mitarbeiter von Papa und ich das Töffli beim Gehrisbach abgeholt und die Werkstatt gebracht. Albert Mathis sah sich das ramponierte Töffli an und meinte, dass sich eine Reparatur nicht lohnen würde. Nun war guter Rat teuer. Soll ich mir ein Rennvelo kaufen und mit dem Velo zur Arbeit fahren oder wieder ein Töffli? Meine Überlegung war, dass ein bisschen Sport nicht schaden würde. Mein Papa war der Ansicht, dass ich mit einem Töffli besser bedient wäre, insbesondere in der kälteren Jahreszeit.
Albert Mathis konnte in der Folge ein neues Töffli der Marke Condor-Puch mit 2 Gang Handschaltung verkaufen.
Bereits am nächsten Morgen ging es wieder über Wilen ins Büro.
Ich war überzeugt, dass ich an diesem Tag nicht nur Glück hatte, da hatte ich einen riesengrossen Schutzengel an meiner Seite. Ich war sehr dankbar, dass ich diesem Wildbach entkommen bin.
Dieses Ereignis hat in meinem Bewusstsein tiefe Spuren hinterlassen. Spurlos geht ein solches Erlebnis an niemandem vorbei. Während der lebensgefährlichen Situation aktiviert der Körper sämtliche Stress- und Notfallmechanismen. Wenn Menschen einer schlimmen Situation ausgeliefert sind, reagieren sie bereits vor Ort sehr unterschiedlich. Manche erstarren, geben keinen Laut von sich. Andere schreien oder lachen, zeigen sich aggressiv. Ich funktioniere ganz normal weiter, als ob nichts geschehen wäre.
Vor Wildbächen habe ich auch 50 Jahre später einen sehr grossen Respekt. Wenn man sich in einem Wildbach aufhält muss man immer sehr genau das Wetter beobachten, da lässt sich nicht spassen.
In der Zwischenzeit wurde der Steinbach und der Gehrisbach weiter verbaut und die Furt höher gelegt. Bei Hochwasser wird die Strasse frühzeitig gesperrt und die Verbotsschilder in Kirchhofen (Sarnen) und Giswil weisen darauf hin, dass die Strasse von Oberwilen bis zum Forst gesperrt sind.
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Kunststück auf Töffli
Ein Pfauenrad bedeutet: Ich bin ziemlich toll
Wenn ein Pfau ein Rad schlägt, finden das Menschen oft super. Die bunten Federn sehen aus wie ein kostbarer Riesenfächer. Natürlich macht das der Pfau nicht, damit Menschen das toll finden.
Ein Pfauen-Männchen will damit andere Pfauen beeindrucken. Vor allem natürlich die Weibchen. Pfauen-Männchen tragen eine Schleppe aus meterlangen Federn. Am Ende hat fast jede der Federn ein rundes Muster. Es sieht ein bisschen aus wie ein grosses Auge. Wenn der Pfau die langen Federn zu einem Rad schlägt, sieht es aus wie viele bunte Augen.
Je grösser und schöner seine Federpracht ist, desto besser finden ihn die Pfauen-Weibchen. Vor allem im Frühling schlagen die Pfauen-Männchen ihre Federn auf. Im Herbst kann man dann manchmal sogar eine Pfauen-Feder im Zoo finden. Dann verlieren die Männchen ihre Angeber-Federn nämlich wieder.
Was habe ich mit einem Pfau gemeinsam. Auch ich wollte das Mädchen (Marietheres) beeindrucken. Nur hatte ich keine Federn. Aber ich hatte mein Töffli.
Mit meinem Töffli wollte oder konnte ich die Mädchen beeindrucken. Ich konnte mit dem Töffli stehend freihändig fahren. Ich stand dazu auf die Motorabdeckung und bin freihändig gefahren. Nur freihändig fahren hätte Niemand beeindruckt.
Stehend freihändig Töffli fahren war eine grössere Nummer. Ich kannte Niemanden, der dieses Kunststück beherrschte. Es gab auch keine Nachahmer. Wie der Pfau war ich ziemlich toll.
Grundvoraussetzung für diese Nummer war regelmässiges üben und trainieren.
Vorab muss man ein gutes Gefühl für das Töffli bekommen. Zu Beginn versuchte ich bei ca.20km/h im 2. Gang geradeaus zu fahren und habe dabei beide Hände vom Lenker genommen. Ich habe sofort gespürt, ob ich neutral auf dem Töffli sass, oder ob ich zu einer Seite schief sass. Dann kamen die weiteren Schritte dazu.
Damit ich diese Nummer zeigen konnte musste folgendes stimmen: Konzentration, Gleichgewicht mentale Stärke.
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Im September fand das Herbstweekend der Gruppe Adler und Puma statt. Laurenz war der Gruppenführer der Gruppe Adler und ich der Gruppe Puma. Den ca. 20 Jungs im Alter von 13 Jahren wurde ein erlebnisreiches Programm geboten. Sie verbrachten mit ihren Kollegen eine Nacht in der Zwirchi Hütte auf 1'400 m, oberhalb von Giswil.
Am Samstagvormittag trafen wir uns bei der Kirche Giswil zur gemeinsamen Wanderung zur Zwirchi Hütte. Die Marschzeit betrug knapp 3 ½ Stunden.
Im Verlaufe des Sonntagsmorgens war aufräumen und putzen der Hütte angesagt. Wir hatten geplant, dass wir wieder gemeinsam zurückmarschieren würden. Ein Teil der Jungs hatte dermassen Stalldrang, dass sie bereits eine Stunde früher als geplant zurückmarschier wollten. Laurenz und ich wollten keine Lustlosigkeit oder schlechte Laune aufkommen lassen, deshalb durften die Jungs welche nicht mit uns zurückmarschieren wollten abmarschieren. Laurenz und ich haben den Boden noch feucht gewischt. 4 Jungs unter anderem mein Bruder Adrian wollten mit uns zurücklaufen und haben vor der Hütte auf uns gewartet.
Ich war schon ein wenig überrascht als kurz vor 12.00 Uhr mein Bruder Willi mit meinem jüngsten Buder Norbert (Alex) geboren am 02. Mai 1963 im Jeep angebraust kam. Willi hatte erst am Freitag die Fahrprüfung bestanden. Bei Neulenker ist das Unfallrisiko wegen fehlender Erfahrung aber noch sehr hoch.
Vom spontanen Besuch von Willi war ich alles andere als begeistert. Ich bekam ein sehr flaues Gefühl in meiner Magengegend.
Der Jeep hatte ein wetterfestes Verdeck mit Türen aus vinyl. Die hinteren Sitze waren seitlich gegenüberliegend angeordnet, somit konnten bis zu acht Personen befördert werden. Sicherheitsgurten gab es noch nicht.
Junglenker haben noch keine Erfahrung und überschätzen sich gerne. Das Fahrzeug selbst ist meistens nicht das Problem. Auch die Marke nicht. Das eigentliche Problem sitzt hinter dem Lenkrad, der Fahrer selbst. Es braucht dann nur eine kleine Schocksekunde und die Kontrolle ist komplett weg. Willi sagte sich selbst: «Ich beherrsche das.» Willi wollte uns beweisen, was für ein geiler Siech er sei. Ich habe von Willi nicht erwartet, dass er das Zeug zum Rally Fahrer hat. Um mit dem Rallye-Fahren anfangen zu können, benötigt ein Rallye-Fahrer oder eine Rallye-Fahrerin eine A-Lizenz. Diese Lizenz wird im Rahmen eines Lehrgangs erworben. Hierzu zählen theoretische Einheiten, aber auch praktische Erfahrungen auf der Strecke.
Was ist passiert:
Willi hat uns aufgefordert hinten einzusteigen. Ich bin nicht eingestiegen und habe es vorgezogen zu laufen. Willi hat mich als Angsthase bezeichnet und ausgelacht. Laurenz und die Jungs haben in den Chor von Willi eingestimmt.
Trotzdem habe ich es vorgezogen zu Fuss unterwegs zu sein. Ich verlor den Jeep aus meinem Blickfeld und war glücklich alleine unterwegs zu sein. Hinter der nächsten Kurve im Wald haben sie auf mich gewartet. Alle haben mich bekniet endlich einzusteigen und ich habe mich breitschlagen lassen. Unser Rallyefahrer wollte uns auf dieser Naturstrasse seine Fahrkünste demonstrieren. Es war wie auf einer Achterbahn. Laurenz und die Jungs waren begeistert und ich habe Willi gebeten anzuhalten, weil ich aussteigen wollte. Er hat nur gelacht und mich negiert. Ich habe geschrien die Fahrweise den Strassenverhältnissen anzupassen. Einige Sekunden Später, hat Willi die die Beherrschung über den Jeep verloren und ist von der Strasse abgekommen. Es ging den Hang hinunter, Willi riss das Steuer herum und das Fahrzeug drohte umzukippen. Bevor der Jeep kippen konnten prallte das Fahrzeug in Schräglage seitlich gegen einen Baum. Abgesehen von leichten Schürfungen, blauen Flecken und einem riesigen Schrecken konnten wir das Fahrzeug unverletzt verlassen. Im Verlaufe des Montags hatte der Garagier unserem Papa mitgeteilt, dass sich eine Reparatur des Jeeps nicht mehr lohnen würde. Der Jeep kam zum Schrotthändler.
Was Willi für eine Räubergeschichte unserem Papa erzählt hat entzieht sich meinen Kenntnissen. Gerüchteweise habe ich gehört, dass er am Montag in der Gewerbeschule mit seinen Fahrkünsten geprahlt hat. Ich hatte es völlig anders erlebt.
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich bei Willi je wieder in ein Auto gestiegen wäre. Als Beifahrer habe ich immer noch grossen Respekt im Auto. Die Ausnahmen kann ich an einer Hand abzählen.
Ich wäre gut beraten gewesen, wenn ich das Empfinden der Angst zugelassen hätte. Angst zu empfinden ist erst einmal ein natürliches und lebenswichtiges Phänomen. Sie ist eine biologische Reaktion unseres Körpers und hilft uns dabei, uns in einer ernsten oder riskanten Situation zu schützen.
Die Angst hat also nichts anderes vor, als uns Schutz zu geben. Und genau deshalb sollten Betroffene versuchen, ihre Angst als eine Art Freund zu betrachten, die es im eigentlichen Sinne nur gut mit einem meint.
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Gärtnerei Frei Blumenladen mein 1. Auftrag
Im Frühling 1975 an einem Samstagmorgen musste ich für unsere Mama beim Gärtner Heinrich Frei Setzlinge besorgen. Ich wurde von Heinrich Frei persönlich bedient, dabei hat mir erzählt, dass er in Zukunft seine Kunden in einem Laden bedienen will. Von diesem Laden hatte er ganz genaue Vorstellungen. Vorab müsste er bei der Gemeinde ein Baugesuch einreichen. Für das Baugesuch benötige er Pläne, welche Jemand für ihn zeichnen müsse. Ihm war bekannt, dass ich eine Lehre als Hochbauzeichner in Sarnen absolvieren würde. Er wäre froh, dass ich für ihn die Baueingabe machen würde. Für mich wäre das eine Kleinigkeit. In Giswil gab es kein Architekturbüro, Heinrich atte eine Offerte von einem Ingenieurbüro, welches für ihn die Pläne für die Baueingabe ausfertigen sollte. Die Offerte des Ingenieurbüros bezeichnete Heinrich als Abzockerei. Ich würde ihm das sicher für die Hälfte machen können. So kam ich zu meinem ersten Auftrag. Als ich Zuhause war habe ich mit dem Zeichnen begonnen. Am Sonntagabend war ich mit der Arbeit fertig. In dieser kurzen Zeit habe ich mehr verdient, als in einem Monat bei Wyss. Für einen Lehrling im 2. Lehrjahr war das ein sehr guter Nebenverdienst.
Die Zimmerei Anton Kiser wurde von Heinrich Frei mit den Zimmerarbeiten für den Laden beauftragt. In Zukunft wurde ich auch immer wieder mit Planungsaufträgen von Toni Kiser beauftragt. In den meisten Fällen hatte ich einfache Anbauten (Bad mit Küche), Remisen, Garagen oder Umbauten von Häusern bearbeitet. Es handelte es sich vor allem um Planungsarbeiten ausserhalb der Bauzone.
Der Lehrbetrieb wurde mit meiner Tätigkeit nicht konkurriert. Das Büro Wyss hätte solche Arbeiten verschmäht und die Auftraggeber hätten für das Büro Wyss das Geld nicht gehabt.
Bis nach Beendigung meiner Lehre bei Wyss habe ich immer wieder für Toni Kiser sehr viele Planungsaufträge erhalten. Ich muss nicht erwähnen, dass ich gut bezahlt worden bin. Meine Aufträge habe ich immer Pauschal abgerechnet. Toni Kiser wusste somit nicht, was ich pro Stunde verdient habe. Das Zeichnen war meine Passion es ist eine Leidenschaft, also etwas für das ich mich begeisterte. Mein grösstes Interessensgebiet, an das ich immer dachte und mich am liebsten beschäftigte.
Diese verrückte Zeit hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, seiner eigenen Intuition zu folgen, auf seine innere Stimme zu hören und dem eigenen Weg zu vertrauen. Vieles löst sich dann nämlich von ganz alleine und relativ schnell. Einstehen für die eigenen Werte, für die eigenen Träume und an sich glauben, ganz egal, ob Andere diese Werte mit dir teilen oder nicht. Die passenden Menschen kommen dabei automatisch in dein Leben, weil sie dich verstehen und genauso fühlen.
Das grosse Glück in den kleinen Dingen finden – anstatt nach dem unsagbar Grossen zu suchen und dabei die kleinen Glücksmomente zu übersehen. Dir und dem Leben vertrauen. Dann kommt es richtig gut.
Durch meine Tätigkeit wurde ich zum Autodidakten, ich habe mich durch eigenen Aufwand weitergebildet und somit neue Fähigkeiten und einen erweiterten Wissensschatz erlangt.
Durch meine Arbeit in meiner Freizeit habe ich mehr gelernt als im Lehrbetrieb.
Manchmal hatte ich das Gefühl ich wäre ein Zauberlehrling. «die Geister die ich rief, die Geister werde ich nicht mehr los!» Mit anderen Worten die Arbeit wäre mir bald über den Kopf gewachsen.
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Wie ging es nach dem Lager mit Marietheres und mir weiter?
Warum nichts schöner ist als eine Sommerromanze
Aber über eine Sommerromanze geht nun einmal nichts. Es ist fast so, als wäre der Sommer genau dafür gemacht. Alles ist irgendwie leichter. Dafür ist der Sommer ja bekannt. Wie schnell sich zwei Hände finden und ein Mund den anderen. Man schaut nicht auf die Uhr und schon gar nicht auf den Weg. Und mit dieser Leichtigkeit im Rücken fängt auch alles an. Küssen, als wäre es das erste Mal. Tanzen, als wäre es das letzte Mal. Das Schönste an einer Sommerromanze ist allerdings, dass man sich mit ihr – ganz egal, wie alt man ist – wieder Jung fühlen kann. Und manche dieser schönen, kleinen Episoden nehmen wir mit. Bis es Herbst wird. Sie überstehen den Sommer und manchmal noch viele weitere. Andere verglühen wie kleine Glühwürmchen am Gärtnerplatz. So oder so weiss man aber: Ich würde heute alles wieder genauso machen.
Sie und ich hatten eine grossartige Zeit. Verliebt sein fühlte sich wie auf Droge an.
Marietheres wollte Kindergärtnerin werden, deshalb musste sie ein einjähriges Praktikum mit Kindern absolvieren. Sie absolvierte dieses Praktikum im Kinderheim Dr. Bosshard in Unterägeri. Das Kindeheim galt bei den zuständigen Stellen als gute Referenz. Die Praktikantinnen, wurden als billige oder gar kostenfreie Arbeitskräfte ausgenutzt. Sie hatten es schwer sich gegen diese Missstände zu wehren, denn von den zuständigen Behörden wurde über das Kinderheim schützend die Hand gelegt. Als Praktikantin mussten sie Aufgaben ausführen, die sie körperlich und seelisch stark belasteten.
Marietheres hatte in der Regel in einem Monat vier Freitage an einem Stück und dies unter der Arbeitswoche. Diese wertvolle Zeit wollte sie zuhause verbringen und benötigte Erholung.
Marietheres wollte in dieser für sie nicht ganz einfachen Zeit kein Anhängsel wie mich.
Sie suchte Abstand, sie wollte frei und ungebunden sein. Sie wollte mich nicht mehr. Was sie lieber wollte: Allein sein. Ohne Freund. Sie hat mir dieses Verlangen per Brief mitgeteilt. Ich habe mich zurückgenommen und ihren Wunsch akzeptiert.
Doch so, wie der Sommer sich langsam dem Ende neigte und die Tage kürzer wurden, so neigte sich auch unsere Begeisterung füreinander langsam dem Ende zu. Die rosarote Brille war inzwischen von der Nase gerutscht und es blieb nicht mehr viel übrig, was eine Freundschaft zusammenhält. Desinteresse und Gleichgültigkeit bahnten sich nun ihren Weg zwischen uns.
Jaja, Beziehungen sind schön und so weiter. Aber Romanzen von sehr begrenzter Dauer bieten etwas, was in vielen Beziehungen mit der Zeit verlorengeht: das Gefühl von Leichtigkeit und Unbeschwertheit, dass jeder von uns gut gebrauchen kann – vor allem im Sommer.
Offenbar handelte es sich um nicht mehr als eine kurze Sommerromanze. Der Sommer war vorbei.
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- Jungschützenkurs 300 m
Aufgrund der tollen Kameradschaft haben die meisten Absolventen des 1. Kurses auch den 2. Kurs absolviert. Neben Trainings haben auch schiesssportliche Wettkämpfe auf Distanz 300m stattgefunden. Während der Dauer des Kurses erhielt jeder Teilnehmer seine persönliche Waffe, welcher er nach Hause nahm.
Aufgrund meiner Treffsicherheit wurde ich mit dem Schützenabzeichen ausgezeichnet.
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Nach den Sommerferien starte ich mit dem 3. Lehrjahr.
Was macht Willi?
Willi hat im Sommer die 3-jährige Maurerlehre erfolgreich abgeschlossen.
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Was war 1975
Das Jahr 1975 markiert auf der politischen Weltbühne das endgültige Ende des Vietnamkrieges, der mit dem Sieg des kommunistischen Nordens über den US-Verbündeten Südvietnam endet. In Spanien geht mit dem Tod von Diktator Francisco Franco und der Wiedereinführung der Monarchie eine Ära zu Ende.
1975 fuhr die SNB den Negativzins für Neugeld von 3 auf 10 Prozent hoch und dehnte das Verzinsungsverbot auf bestehende ausländische Einlagen aus. Im Januar 1975 begann sie auch, erstmals seit 1973 wieder direkt am Devisenmarkt zu intervenieren. Um den Franken zu schwächen, kaufte sie vor allem Dollar auf. Ausserdem senkte sie im weiteren Jahresverlauf fünf Mal in Folge den Diskontsatz, um die Zinsdifferenz zum europäischen Ausland und zu den USA auszuweiten.
Die Frankenaufwertung und die Abkühlung der Nachfrage in den Hauptabsatzmärkten wirkten wie ein Giftcocktail für die Schweizer Konjunktur. Die Industrieproduktion verlor 15 Prozent. Die schwersten Einbussen traten in der Uhrenbranche sowie in der Textil-, der Bekleidungs- und der Schuhindustrie auf.
Den Exportunternehmen bereiteten neben dem überbewerteten Franken vor allem die grossen Schwankungen des Wechselkurses Schwierigkeiten. Die SNB berichtete damals: Die starken Kursfluktuationen erschweren nicht nur die Offertstellung, sondern bewirken auch Verzögerungen im Zahlungseingang, weil ausländische Kunden sich in Erwartung günstigerer Frankenkurse mit Zahlungen zurückhalten, wodurch sich die Liquiditätsverhältnisse der Exportfirmen verschlechtern. Einzig die Banken und die Tourismusbranche blieben von der schweren Rezession weitgehend verschont.
Am meisten litten die Bauwirtschaft und die baunahe Industrie. Sie waren nach mehreren Jahren Boom besonders anfällig für eine Korrektur. Das wirtschaftspolitische Bremsmanöver der Vorjahre traf sie unvorbereitet. Zeitgleich wurde erstmals auch eine strukturelle Abschwächung der Nachfrage im privaten und im öffentlichen Sektor sichtbar. Die SNB sprach bereits 1974 von einer übersetzten Wohnungsproduktion und einem Überangebot von Wohnungen. 1975 sank das Bauvolumen um 40 Prozent, unter anderem verstärkt durch den Wegzug ausländischer Arbeitskräfte, die ihre Stelle verloren hatten.
Mit der Rezession von 1974/75 geht eine fast dreissigjährige Phase des Wirtschaftsbooms zu Ende. Als Folge breitet sich ein allgemeines Krisenbewusstsein aus.
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- Lehrjahr Hochbauzeichner
Gerne will ich meine persönliche Erfahrung im Zusammenhang mit Herrn Werner Wyss und der Entstehung der Werner Wyss AG schildern.
Ich befand mich damals im dritten Lehrjahr als Hochbauzeichner, als unser Betrieb in eine schwierige Phase geriet. Mein Chef, Werner Wyss, war ein Mann mit aussergewöhnlichen Ideen und zweifellos ein Visionär. Er dachte weiter als andere, entwickelte innovative Konzepte und begeisterte mit seinem unternehmerischen Mut.
Leider zeigte sich jedoch, dass er als Kaufmann weniger geschickt agierte. In der Zeit der Rezession geriet unser Unternehmen zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten, bis wir schliesslich praktisch vor dem Konkurs standen. Diese Situation führte dazu, dass zahlreiche Mitarbeitende entlassen werden mussten – eine sehr einschneidende und prägende Erfahrung für uns alle.
Infolge dieser Entwicklungen fand sich Herr Wyss vorübergehend in einer Auffanggesellschaft wieder. Doch seine Ideen hatten weiterhin Substanz und Strahlkraft. Verschiedene Unternehmer erkannten das Potenzial seiner Konzepte und zeigten Interesse an einer Zusammenarbeit.
Aus diesen Begegnungen und dem Vertrauen in seine Visionen entstand schliesslich die Werner Wyss AG. Damit erhielt er eine neue Chance, seine unternehmerischen Vorstellungen in einem stabileren Rahmen weiterzuentwickeln.
Rückblickend war diese Zeit für mich lehrreich. Ich habe erlebt, wie wichtig neben Kreativität und Innovationskraft auch eine solide kaufmännische Führung ist – und zugleich, wie entscheidend es sein kann, wenn Menschen an Visionen glauben und bereit sind, in diese zu investieren.
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Autoprüfung
Mein Fahrlehrer war Beni Burch von Giswil.
Nach meinen Sommerferien besuchte ich jeweils mit anderen Fahrschülern einmal in der Woche den Theoriekurs bei Beni Burch. Die Theorie war die Basis für meine ganze Autofahrkarriere!
Wer alle Verkehrsregeln, Signalisationen und Vortrittsregeln beherrscht, brauchte später viel weniger Fahrstunden. Das spart nicht nur Geld, sondern brachte mich auch schneller durch die ganze Fahrausbildung – bis hin zur praktischen Prüfung. Ich lernte also wirklich fürs Leben, nicht nur für die Theorieprüfung.
Der Theoriekurs fand jeweils einmal pro Woche am Abend statt und dauerte jeweils 2 Stunden. Bereits nach 4 Abenden meldete mich Beni Burch zur Prüfung bei der MFK an.
Ich muss nicht erwähnen, dass von mir erwartet wurde, dass ich die Theorieprüfung und die spätere Führerscheinprüfung beim ersten Mal schaffe. Ich habe die Erwartungen erfüllt.
Nach bestandener Theorieprüfung habe ich den Lernfahrausweis erhalten.
40 Prozent aller Fahrschülerinnen und Fahrschüler schaffen die Führerscheinprüfung für PKW nicht beim ersten Mal. Das sind satte 10 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Das gilt sowohl für die theoretische als auch die praktische Prüfung.
Die Fahrstunden hatte einen Simca 1501
Er ist ein Franzose, sieht aus wie ein Italiener, fühlt sich an wie ein Deutscher und fährt wie ein Ami. Obwohl der Simca 1501 viele gute Eigenschaften in sich vereinte, verschwand er zusammen mit seiner Marke in der Bedeutungslosigkeit.
Damit du den Lernfahrausweis erhältst und sowohl Fahrstunden als auch private Lernfahrten absolvieren kannst, musst du die Theorieprüfung bestehen. Was du über die theoretische Prüfung wissen musst, erfährst du hier.
Bevor du dich also in ein Auto setzt und das Fahren in der Praxis lernst, musst du dir theoretisches Wissen aneignen und dieses festigen. Damit sorgst du beim späteren Fahren nicht nur für mehr Sicherheit gegenüber anderen Verkehrsteilnehmenden.
In der ersten Fahrstunde geht es wesentlich darum, das Auto kennen zu lernen und ein Gefühl dafür zu bekommen. Einen klaren Ablauf, also mit Checkliste gibt es in dem Sinn nicht. Natürlich passt dein Fahrlehrer den Inhalt der ersten Fahrstunde deinen Vorkenntnissen an. Wenn du noch nie hinter dem Steuer gesessen bist, wird er dich vielleicht mit leichten Lenkübungen und Schaltvorgängen auf ruhigen Nebenstrassen beginnen lassen und dich sicher nicht ins grosse Verkehrsgetümmel schmeissen.
Bevor es richtig los geht, wird dir zunächst die Technik des Autos erklärt. Dazu zählen etwa die Anzeigen und Kontrollleuchten am Armaturenbrett, die Funktionshebel sowie die Beleuchtung und die Scheibenwischer. Anschließend zeigt er dir, welche Einstellungen du vor der Fahrt beachten musst. Dazu gehört die richtige Sitzeinstellung, damit du alles bequem erreichst und eine gute Sicht hast. Ist der Sitz richtig eingestellt, passt du die Einstellung der Spiegel an. Auch hier zeigt dir dein Fahrlehrer, wie du den Innen- und die Außenspiegel richtig einstellen musst, um den Verkehr ausreichend beobachten zu können. Dann geht’s los!
Eine Fachperson kann dir viel besser Antworten auf deine Fragen geben und zeigt dir vor allem alles was du wissen musst von Grund auf korrekt. So bestehst du die Autoprüfung am einfachsten.
Die ersten 4 Fahrstunden hatte ich Einzellektionen. Bei den weiteren Lektionen war noch ein weiterer Fahrschüler oder Fahrschülerin dabei. Es war jeweils eine Doppelfahrstunde. So konnte man voneinander lernen. Vor allem wenn es nach Luzern war die Doppelfahrstunde sehr sinnvoll.
Beni Burch hat mich eine Defensive Fahrweise gelernt. Defensives Fahren heisst, eigene Aggressionen unter Kontrolle zu halten, gelegentlich sogar Schwäche zu zeigen. Andererseits heisst es aber auch, freundlich und zuvorkommend mit den Verkehrspartnern umzugehen. An sich wären das christliche und allgemeinverbindliche Lebensweisheiten. Es hilft zudem, wenn man akzeptiert, dass Fehler vollkommen menschlich sind – und sich selbst bei dieser Erkenntnis miteinschliesst.
Am Donnerstag, 06. November absolvierte ich die Autoprüfung. Ich fuhr mit dem Fahrlehrer von Giswil nach Luzern zur Allmend. Beni Burch ist ausgestiegen und der Experte zugestiegen.
Von der Allmend musste ich zur Obergrundstrasse – Bundestrasse – Langesandbrücke – Tribschenstrasse – Geissensteinring – Voltastrasse – Moosmattstrasse – Breitenlachstrasse – Hubelmatt fahren. In der Hubelmatt musste ich am Berg anfahren und sichern. Eine kurze Strecke retour fahren. Über den Zihlmattweg ging es zurück zur Allmend. In der Allmend musste ich noch parkieren. Anschliessend ist der Fahrlehrer wieder zugestiegen. Von der Allmend musste ich nach Sarnen fahren. Es ging über Horw – Hergiswil – Lopper – von Alpnachstad über die Autostrasse zur MFK in Sarnen. Die MFK war damals noch beim Spital Sarnen. Eine erste Fahrzeitverkürzung zwischen Luzern und Alpnachstad brachte 1889 die Eröffnung des Loppertunnels. Der Experte war mit meiner Fahrweise sehr zufrieden und hat auf den Lehrfahrausweis abgestempelt. Ab sofort durfte ich ohne Begleitung Auto fahren.
Macht es Sinn die Prüfung mit einem Automaten zu machen. Unbedingt! Wenn ich heute die Autoprüfung nochmals machen müsste, dann würde ich sie ebenfalls auf einem Automat machen. Seit der Gesetzesrevision 2019 dürfen in der Schweiz alle, die Ihre Autoprüfung mit einem Automaten gemacht haben, danach alles fahren. Du bekommst dann einen Fahrausweis der Kategorie B und darfst sämtliche Fahrzeuge dieser Kategorie lenken. Unabhängig ob manuell geschaltet oder Automat. Das gilt sowohl für Fahrten in der Schweiz als auch im Ausland.
Fahrstunden mit einem Automaten sind viel einfacher als früher mit den geschalteten Autos. Statt dass der Fahrschüler darüber nachdenken muss in welchen Gang er schalten soll kann er sich von Anfang an auf den Verkehr konzentrieren. Ausserdem siehst du so in deinen Fahrstunden von Anfang an gewisse Erfolge. Somit hast du viel mehr Spass während deinen Fahrstunden.
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Jaguar XJ6, V8, 4,2 Liter, Automat
Als ich meine Autoprüfung bestanden hatte, eröffnete sich für mich eine unerwartete Nebenrolle in der Welt meines Lehrmeisters, des Architekten Werner Wyss. Er besass eine britische Oberklasse-Limousine, einen Jaguar XJ6 Series I mit 4,2-Liter-Reihensechszylinder – ein Fahrzeug, das damals fast schon ein Statement war. Gebaut von Jaguar Cars und entworfen unter der Ägide des Firmengründers William Lyons, verkörperte dieser Wagen eine Mischung aus Eleganz, Prestige und britischer Noblesse.
Der Jaguar stammte ungefähr aus dem Jahr 1973. Schon auf den ersten Blick unterschied er sich deutlich von den gewöhnlichen Autos, die man damals auf den Strassen unserer Gegend sah. Die lange, flache Karosserie, die vier runden Scheinwerfer und die elegante Linienführung gaben dem Wagen eine gewisse aristokratische Ausstrahlung. Im Innenraum dominierte poliertes Holzfurnier und weiches Leder, und wenn man hinter dem Steuer sass, hatte man fast das Gefühl, eher in einem Salon als in einem Automobil zu sitzen.
Wer Jaguar fuhr, gehörte – zumindest nach allgemeiner Vorstellung – zu einer ganz bestimmten Sorte Mensch. Für viele war das Bild klar: Der Jaguar-Fahrer war ein Mann, meist um die fünfzig Jahre alt, erfolgreich im Beruf und finanziell sehr gut gestellt. Er gehörte zur oberen Schicht, zu Ärzten, Unternehmern oder eben Architekten. Das Auto selbst war gewissermassen Teil seiner gesellschaftlichen Rolle.
Nach meiner eigenen Einschätzung passte der Wagen durchaus zu Werner Wyss. Er verstand es, Wirkung zu erzielen und Eindruck zu machen. Rückblickend erschien er mir manchmal wie ein Hochstapler – jemand, der das Bild von Erfolg und Bedeutung sehr bewusst pflegte. Der Jaguar war dafür das perfekte Requisit.
Für mich als Lehrling hatte dieses Auto jedoch eine ganz andere Bedeutung. Nachdem ich die Fahrprüfung bestanden hatte, übertrug mir mein Lehrmeister regelmässig kleine Besorgungen. Ich musste mit dem Jaguar ins Dorf fahren oder nach Giswil, um Kommissionen zu erledigen. Für einen jungen Mann war das natürlich etwas ganz Besonderes. Während andere Lehrlinge vielleicht mit einem einfachen Kleinwagen oder mit dem Fahrrad unterwegs waren, fuhr ich eine grosse britische Luxuslimousine.
Schon beim Starten des Motors spürte man die Kraft und die Gelassenheit dieses Wagens. Der 4,2-Liter-Reihensechszylinder lief ruhig und gleichmässig, und die Automatik sorgte dafür, dass sich das Auto fast lautlos und würdevoll in Bewegung setzte. Es war ein ganz anderes Fahrgefühl als bei den gewöhnlichen Fahrzeugen jener Zeit.
Wenn ich mit diesem Jaguar durchs Dorf fuhr, blieb das natürlich nicht unbemerkt. Die Leute schauten hin. Ein solches Auto war damals selten, besonders in einer ländlichen Umgebung. Noch auffälliger war vielleicht, dass am Steuer kein gesetzter Herr im Anzug sass, sondern ein junger Lehrling.
Ich muss zugeben: Mir gefiel diese Rolle durchaus. Ein junger Mann in einem solchen Wagen zog zwangsläufig Aufmerksamkeit auf sich. Besonders die jungen Mädchen im Dorf warfen neugierige Blicke auf das elegante Auto – und auf den Fahrer. Für einen Augenblick konnte ich mich fühlen, als gehörte auch ich zu jener Welt von Erfolg und Eleganz, die der Jaguar ausstrahlte.
Natürlich wusste ich sehr genau, dass das alles nur geliehen war – das Auto ebenso wie der Eindruck, den es vermittelte. Aber gerade deshalb blieb mir diese Zeit in lebhafter Erinnerung. Der Jaguar meines Lehrmeisters war für mich nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein kleines Fenster in eine andere gesellschaftliche Wirklichkeit.
So kam es, dass ich als Lehrling gelegentlich durch das Dorf und über die Strassen nach Giswil fuhr – nicht in einem bescheidenen Wagen, sondern in einer britischen Oberklasse-Limousine. Und jedes Mal, wenn ich hinter dem grossen Lenkrad dieses Jaguars sass, wusste ich, dass ich für einen kurzen Moment Teil einer Geschichte war, die eigentlich nicht mir gehörte.
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Gewerbeschule
Die Schild AG (früher Tuch AG) hatte im Maihofquartier preisgünstige «Herren- und Knabenbekleidung in bester Qualität» hergestellt. Mit Beginn der globalen Verlagerung der Textilproduktion in Billiglohnländer wurde die Produktion von Kleidungen aufgegeben.
Die ehemalige Produktionsstätte in der Weggismatt wurde in ein modernes Schulgebäude umgebaut.
Nach den Sommerferien fand der Schulunterricht im neuen Schulhaus in der Weggismatt im Maihofquartier statt. Ich hatte jeweils am Freitag Schule.
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Lehre – und dann?
Mit der Rezession geht der Wirtschaftsboom zu Ende. Eine Höhere Berufsbildung ist die Attraktivste am Arbeitsmarkt. Zudem weisen Absolventen und Absolventinnen der höheren Berufsbildung die niedrigste Arbeitslosenquote auf. Personen, die eine Weiterbildung an einer Höheren Fachschule abgeschlossen haben, sei es im Anschluss an eine Berufslehre oder im Rahmen einer eidgenössischen Berufsprüfung oder Höheren Fachprüfung, die geringste Erwerbslosenquote aufweisen. Diese Absolventen und Absolventinnen gelten als äusserst begehrt auf dem Arbeitsmarkt und haben eine höhere Beschäftigungsfähigkeit im Vergleich zu Absolventen und Absolventinnen von Universitäten.
Nach der Berufslehre gibt es verschiedene Möglichkeiten: Erwerbstätigkeit, Selbständigkeit, Weiterbildung, Auslandsaufenthalt oder Militär- und Zivildienst.
Weiterbildung
Hochbauzeichner haben viele Möglichkeiten sich zu spezialisieren und weiterzubilden. Um einige Möglichkeiten zu nennen:
- Handwerkliche Zusatzlehre: Maurer, Strassenbauer, Zimmermann, Bauschreiner u.a.m.
- Bauleiter
- Polier
- Maurermeister (gibt es nicht mehr)
- Bauführer
- Architekt HTL
- Innenarchitekt, Industriedesigner, Landschaftsarchitekt, Raumplaner
- Polizei
Was macht ein Maurermeister?
Der Maurermeister arbeitet auf Baustellen und in Büros. Bei Bauprojekten sind sie die Schnittstelle zwischen Kunden, Lieferanten, Behörden und am Projekt beteiligte Unternehmen. Ausserdem sind sie Ansprechpartner für Mitarbeiter und externe Dienstleister.
Maurermeister arbeiten in einer mittleren oder grossen Bauunternehmung, in der öffentlichen Verwaltung oder in Ingenieur- oder Architekturbüros.
Die ungenügenden Leistungen im Fach Algebra schränkten meine Möglichkeiten ein. Meinen Wunsch Architekt zu werden und das Technikum in Horw (Heute Fachhochschule) zu absolvieren stand die Algebra im Weg. Vorab hätte ich einen einjährigen Vorbereitungskurs absolvieren und anschliessend die Aufnahmeprüfung bestehen müssen. Das war mir zu unsicher.
Die Ausbildung zum Techniker/in HF Bauplanung konnte man erst ab ca. Mitte 1985 absolvieren. Diese Weiterbildung hätte mir ermöglicht, eine verantwortungsvolle und leitende Positionen im Baugewerbe zu übernehmen.
Somit war für mich Maurermeister ein erstrebenswertes Ziel. In der Folge habe ich mich vertieft mit der Frage beschäftigt, welche weiteren Schritte ich absolvieren muss damit ich Maurermeister werden kann. Besonders interessierte mich, welche Fächer an der Meisterprüfung geprüft werden. Es beruhigte mich, dass Algebra nicht geprüft wird. Unabdingbare Voraussetzung war ein Fähigkeitszeugnis als Maurer. In einer auf zwei Jahre verkürzten Lehre werde ich mit meinem Berufsabschluss EFZ die gleichen Fertigkeiten aneignen können, wie Maurer EFZ in drei Jahren.
Als weiteren Schritt werde ich die Polierschule an der Bauschule in Aarau absolvieren. Voraussetzung für die Polierschule ist ein einjähriges Praktikum nach der Lehre und selbstverständlich muss auch die Aufnahmeprüfung bestanden werden. Da machte ich mir keine weiteren Gedanken/Sorgen. Das alles kann ich mit vernünftigen Aufwand schaffen. Die Polierschule dauert 2 Jahre bzw. 4 Semester. Das 1. und 4. Semester sind Tagesschule das 2. und 3. Semester sind Praktikum in einer Bauunternehmung.
Das heisst im Frühling 1980 werde ich mit der Polierschule starten und im Frühling 1982 werde ich mein Diplom in Empfang nehmen können. Soweit meine Pläne.
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Wien mit Dieter
Mein letztes Sommerlager fand in Will SG statt. Dieses Jahr bin ich nicht mehr dabei.
Mit meinem Schulkollegen Dieter Wüest habe ich eine Woche in Wien verbracht. Mit dem Nachtzug sind wir am Sonntagabend von Zürich nach Wien gefahren. Wir hatten ein Liegebett in einem 6er-Abteil. Im Unterschied zu Schlafwagen weisen die Liegewagen eine höhere Belegungsdichte (4 bis 6 Liegen pro Abteil) auf. Sie haben auch weniger Komfort und Privatsphäre, weshalb die Preise niedriger als im Schlafwagen sind. Unser Abteil teilten wir mit einem älteren Ehepaar und einem Liebespärchen. Die Zugfahrt von Zürich nach Wien dauerte etwa 10 Stunden. Kurz nach 08.00 Uhr sind wir am Hauptbahnhof in Wien angekommen.
Unser Reisebudget war begrenzt, was eine sorgfältige Planung erforderte. Das bedeute, dass wir nach einer günstigen Unterkunft suchen mussten. Im Herzen von Wien haben wir ein sehr günstiges Hotel gleich neben dem 12 Zwölf-Apostelkeller gefunden. Der Zwölf Apostelkeller ist ein historischer Stadtheuriger in den Kellergewölben des Hauses Sonnenfelsgasse 3 im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Das Gebäude und die Keller stehen unter Denkmalschutz. Das untere Kellergeschoss wurde um das Jahr 1100 errichtet. Das Mauerwerk besteht aus romanischen Steinquadern, die zu dieser Zeit hauptsächlich für vornehme Gebäude verwendet wurden. Einige Zeit später wurde die heute einzige noch erhaltene gotische Brunnenstube hineingebaut. Sie ist figural verziert.
Das Hotel «Schatz» war heruntergekommen, abgenutzt und nicht sehr gepflegt. Das Hotel war veraltet und nicht sehr ansprechend. Das Zimmer war eher schäbig mit Etagendusche/WC. Frühstück gab es nicht. Das Positive war die zentrale Lage. Für eine Woche ist das kein Problem, zum Schlafen genügte es, denn tagsüber waren wir unterwegs.
Von den Prachthäusern des Barocks über den goldenen Jugendstil bis zur Moderne findet man in der österreichischen Hauptstadt eine Vielzahl architektonischer Meisterwerke und bekannter Sehenswürdigkeiten. Neben den historischen Gebäuden, die man in Wien nicht verpassen sollte, locken mehr als 100 Museen und 60 kulturelle Institutionen im Museumsquartier. Die Stadt war und ist Heimat verschiedener Kulturen, deren Spuren an vielen Ecken zu finden sind.
Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Wien sind das Schloss Schönbrunn, der Stephansdom, die Hofburg, das Riesenrad im Prater und das Hundertwasserhaus.
- Schloss Schönbrunn: Ein majestätisches Barockschloss mit weitläufigem Park und dem berühmten Tiergarten.
- Stephansdom: Die beeindruckende Kathedrale im Herzen von Wien, ein Wahrzeichen der Stadt.
- Hofburg: Die ehemalige Residenz der Habsburger Kaiser, ein komplexes Gebäude mit verschiedenen Museen und dem Winterpalais.
- Riesenrad im Prater: Ein Wahrzeichen der Stadt, das einen atemberaubenden Blick auf Wien bietet.
- Hundertwasserhaus: Ein Haus mit einzigartiger Fassade, gestaltet von dem Künstler Friedensreich Hundertwasser.
- Weitere Sehenswürdigkeiten:
- Wiener Stadtpark: Ein beliebter Park im Herzen der Stadt.
- Naschmarkt: Ein großer Markt mit vielen Ständen und Restaurants.
Wien ist die Bundeshauptstadt der Republik Österreich und zugleich eines der neun österreichischen Bundesländer. Mit mehr als 2 Millionen Einwohnern ist das an der Donau gelegene Wien die bevölkerungsreichste Grossstadt Österreichs sowie die zweitgrößte Stadt des deutschen Sprachraums und Mitteleuropas. Im Grossraum Wien leben etwa 3 Millionen Menschen – das entspricht rund einem Drittel der österreichischen Gesamtbevölkerung. Architektonisch ist die Stadt bis heute vor allem von den Bauwerken um die Wiener Ringstrasse aus der Gründerzeit, aber auch von Barock und Jugendstil (Wiener Moderne bzw. Wiener Secessionsstil) geprägt. Durch seine Rolle als kaiserliche Reichshaupt- und Residenzstadt des Kaisertums Österreich ab 1804 wurde Wien zu einem kulturellen und politischen Zentrum Europas. Um das Jahr 1910, als Wien noch Hauptstadt der Habsburgermonarchie war, zählte die Stadt über zwei Millionen Einwohner. Das historische Zentrum von Wien sowie das Schloss Schönbrunn gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mit jährlich über 8 Millionen Touristen und rund 16,5 Millionen Gästeübernachtungen zählt Wien zu den meistbesuchten Städten Europas.
Bereits beim Wiener Kongress 1814/15 spielte die Stadt eine bedeutende Rolle in der internationalen Diplomatie, die sie bis in die Gegenwart beibehalten hat. So ist Wien heute als internationaler Kongress- und Tagungsort Sitz von über 40 internationalen Organisationen, darunter das Erdölkartell OPEC, die Internationale Atomenergiebehörde IAEO und die OSZE, und zählt damit zu den Weltstädten. Das Büro der Vereinten Nationen in Wien (UNOV) beherbergt im Vienna International Centre (VIC) einen der vier Amtssitze der UNO, im Volksmund meist als UNO-City bezeichnet. Wien ist eine Grossstadt mit sehr hoher Lebensqualität und hohem BIP pro Kopf, gehört im weltweiten Vergleich allerdings auch zu den teuersten Städten
Am Mittwochmorgen besuchten wir das Schloss Schönbrunn. Ich war schon sehr überrascht, als ich Mami und Papi im Eingangsbereich erblickte. Ich habe ihnen schon weitem zugerufen. Sie waren nicht weniger überrascht uns anzutreffen. Ich wusste ja nichts von ihrem Besuch in Wien. Bei Papi wusste man nie was seine Reiseziele waren. Meistens unternahm er in den Sommerferien eine längere und spontane Autoreise mit seinem Auto. Am Nachmittag unternahmen wir gemeinsam mit seinem Auto einen Ausflug auf den Kahlenberg. Der Kahlenberg gehört zum Wienerwald und ist eine Sehenswürdigkeit Wiens sowie ein traditionelles Sonntagsausflugsziel der Wiener, da man vom Kahlenberg Aussicht auf ganz Wien und bei guter Sicht bis zu den Kleinen Karpaten in der Slowakei bzw. zum Schneeberg in den Steirisch-niederösterreichische Kalkalpen hat. Sein Gipfel überragt das Wiener Becken um etwa 320 m. Von der Stefaniewarte, die sich auf dem höchsten Punkt des Berges befindet, kann man auch auf Teile Niederösterreichs sehen.
Zum Abschluss unserer Begegnung besuchten wir am Abend den Heurigen in Grinzing. Als Verkehrsmittel wählten wir den Touristenbus, welcher uns auch wieder zurückbringen wird. Grinzing gilt als einer der besten Wiener Heurigen Orte. Der Wiener Heurige ist so bekannt wie das Riesenrad, Schloss Schönbrunn, die Sängerknaben oder die Lipizzaner. Zahlreiche Lieder wurden ihm gewidmet, für viele Filme diente er als Kulisse. Doch vor allem bietet der Heurige den Wienern und ihren Gästen in der sprichwörtlich gemütlichen Atmosphäre Unterhaltung, feine Weine aus Wien und die dazu passende kulinarische Begleitung. Ein Platz zum Wohlfühlen, bei dem jeder herzlich willkommen ist. Den echten Wiener Heurigen, in dem ausschliesslich Wein aus eigenem Anbau ausgeschenkt wird, erkennt man am Föhrenbuschen und an einer Tafel mit dem Wort „Ausg’steckt“, das gleichzeitig anzeigt, wenn das Lokal geöffnet ist. Die Wiener Heurigenkultur zählt übrigens ebenso wie der Wiener Würstelstand und die traditionelle Wiener Kaffeehauskultur zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Die Vielfalt der Wiener Heurigen reicht vom traditionellen Heurigen bis zur Buschenschank direkt im Weingarten. Heurigen-Kultur ist ein ganz besonderer Teil der österreichischen Kultur. Gegen Mitternacht führte uns der Bus zurück in die Innenstadt. Um die jungen Frauen zu beeindrucken habe ich den Busfahrer gebeten beim Hotel Imperial anzuhalten und uns aussteigen zu lassen. Im Hotel Imperial tagte gerade die Konferenz der OPEC und wurde schwer bewacht durch Polizei und Militär mit ihren Panzerfahrzeugen. Bei der Abfahrt des Buses haben wir den Jungen Frauen gewinkt und sie uns. Vom Hotel Imperial bis zum Hotel Schatz hatten wir noch fast eine Stunde Fussmarsch vor uns, der Spass war uns das Wert.
Dieter und ich verbrachten eine abwechslungsreiche Woche in Wien. Wir haben beschlossen nach der Lehrabschlussprüfung für eine Woche nach London zu fahren.
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Dörflifest im Kleinteil
Zum Kleinteiler «Dörflifest» vom 12. bis 14. September 1975 hiess der Präsident der Renovations-kommission im Festführer die Gäste mit folgenden Worten willkommen: «Weshalb so ein Fest, werdet Ihr fragen? Nun, unsere kleine Kapelle bedarf dringend einer gründlichen Renovation, Sie ist in einem sehr schlechten Zustand und eines Gotteshauses unwürdig.»
So beschlossen einige Mutige: «Jetz mios eppis gah». Es fanden sich viele Helfer und in unzähligen Stunden wurde gestrickt, genäht, gesägt, gehobelt, gemalt, gekorbt, gebastelt. Nun sollen alle die gefertigten Sachen verkauft werden. Es brauchte noch manchen Franken, bis das Werk, die Renovation, begonnen werden konnte. Nun, die Erwartungen haben sich erfüllt. Abgesehen vom ersten, arg verregneten Abend, hat auch das Wetter bestens mitgespielt. Die Leute kamen in Scharen, auch von auswärts, und freuten sich am originellen und gemütlichen Kapellenfest. Sie hatten dabei die Gelegenheit, die in den Jahren 1664 bis 1667 erbaute Kapelle in ihrem armseligen Zustande zu sehen. Wenige Wochen nach dem wohl gelungenen Dörflifest ist die Renovation angelaufen. Sie begann am 20. Oktober mit dem Ausräumen der Kapelle.
Was wird das alles kosten? Der Kostenvoranschlag des Architekten rechnete mit Fr. 280’000.-. Die Kleinteiler wehrte sich vorbildlich für ihre Kapelle. Das oben genannte Dörflifest brachte einen Reingewinn von Fr. 60 000.-. Stark ins Gewicht fielen auch die Fronarbeiten.
Der Kegelclub Giswil organisierte für diesen Anlass ein Wettkegeln. Dieser fragte mich an, ob ich für sie ein Werbeplakat entwerfen / ausfertigen würde. Ich bin diesem Wunsch gerne nachgekommen. Für meine Arbeit hat mich der Kegelclub auch mit einem Kranz (Auszeichnung) belohnt.
Markus Gisler und ich wurden angefragt ob wir den Stand des «billigen Jakobs» betreiben könnten. Markus und ich haben gerne zugesagt diesen Stand am Samstag und Sonntag zu betreiben. Unser Humor sorgte dafür, dass wir sehr gut verkauften. Humor tat den Zuhörern gut. Unser Humor weckte den Wunsch nach mehr. Ich war in meinem Element. Ich konnte genau meiner eigenen Vorliebe und Fähigkeit entsprechenden Tätigkeit nachgehen und dabei mein Potenzial ungehemmt ausleben. Mit unserem Stand haben wir alle Erwartungen bei weitem übertroffen.
Der Brauch vom Billigen Jakob ist so alt wie die Markt-Tradition. Als Händler preist der Billige Jakob spezielle Ware zu besonders günstigen Preisen an. Laut und originell.
"Wer nichts vom billigen Jakob braucht, den gibt's gar nicht!" - so lautete unser Motto.
Wer kennt ihn nicht, den billigen Jakob? Braucht es da noch eine besondere Vorstellung? Wohl kaum! Handelt es sich hier doch um eine Jahrmarktfigur grösster Popularität. Ja, ohne billigen Jakob kann man sich einen Jahrmarkt gar nicht vorstellen. Wenn er seine Witze schiessen lässt, wenn er seine bekannten Sprüche zum Besten gibt, hat er immer seine Zuhörer. Alles drängt sich um seinen Marktstand herum, alles lacht, amüsiert sich köstlich. Und der Jakob schnorrt und schnorrt, preist seine billigen Waren an und findet immer seine Käufer.
Die meisten denken, Verkaufen sei eine äusserst ernsthafte Angelegenheit. Aber in der Praxis zeigt sich, dass gerade die Verkäufer besonders erfolgreich sind, die sich eine gewisse Leichtigkeit und ein humorvolles Auftreten beim Kunden bewahrt haben. Mit anderen Worten: Humor verkauft!
Humor einzusetzen ist tatsächlich gerade im Verkauf sehr effektiv, denn die Erfahrung zeigt, dass Kaufentscheidungen meist nicht nur auf Grund von guten Argumenten und attraktiven Konditionen getroffen werden. Sie basieren oft schlicht und einfach darauf, dass Menschen sich sympathisch sind, sich verstanden oder gut aufgehoben fühlen. Und um das zu erreichen, ist Humor ein perfektes Werkzeug!
Zufälligerweise ist auch Marietheres am Samstag gegen Abend an unserem Stand aufgetaucht. Sie suche eine Bibel besser gesagt das «Alte Testament» für den Unterricht im Kindergartenseminar. Das Alte Testament erzählt die Schöpfungsgeschichte und die Geschichte des Volkes Israel. Es bildet die Grundlage für den zweiten Teil, das Neue Testament. Gleich zu Beginn des Alten Testaments wird beschrieben, wie Gott die Welt erschaffen hat. Sicher hätten wir so etwas in unserem Fundus. Ich habe Marietheres gebeten morgens am späteren Nachmittag nochmals vorbeizuschauen, ich werde schauen was alles an gebrachten Büchern noch hereinkommen wird. Wir hatten einen riesigen Fundus an alten Büchern. Mit diesem Fundus hätte ich ein kleines Antiquariat eröffnen können und mich auf den Handel mit gebrauchten Büchern spezialisieren können.
In meinem Fundus habe ich eine Bibel gefunden. Ich hatte meine Zweifel, ob im Seminar eine Bibel gebraucht wird. Ich habe vermutet, dass die Bibel Mittel zum Zweck sein sollte um mit mir wieder ins Gespräch zu kommen. Tatsächlich hat Marietheres wie vereinbart am Sonntag Nachmittag die Bibel bei mir abgeholt. Ich war sehr beschäftigt und fand keine Zeit für einen längeren Schwatz. Sie hat erwähnt, dass sie am «Dörflifest» einen Job in der Kinderbetreuung hätte.
Nach dieser Funkstelle fasste ich einen bewussten Entschluss. Ich wollte die weitere Kommunikation mit Marietheres vorsichtig und zurückhaltend angehen. Sollte sie wirklich Interesse an mir haben, so musste der nächste Schritt von ihr kommen. Ich selbst würde nichts unternehmen, um sie nicht erneut in eine Lage zu bringen, in der sie sich eingeengt fühlen könnte.
Ich hatte begonnen zu verstehen, dass Menschen sich eingeengt fühlen können, wenn sie den Eindruck haben, ihr persönlicher Freiraum werde zu stark eingeschränkt oder wenn Erwartungen auf ihnen lasten, die sie noch nicht erfüllen möchten. Manchmal entsteht dieses Gefühl durch zu häufige Kontakte, durch eine Nähe, die sich zu rasch entwickelt, oder einfach durch die Sorge, den eigenen Bedürfnissen und Grenzen nicht genügend Raum geben zu können. Gerade deshalb wollte ich nichts erzwingen. Ich wollte der Situation Zeit lassen.
So beschloss ich, mich zurückzunehmen und abzuwarten. Ob und wie sich die Sache weiterentwickeln würde, lag nun nicht mehr in meiner Hand.
In solchen Momenten dachte ich oft über einen Satz nach, den man immer wieder hört: Man vergesse Menschen, wenn man sie lange nicht mehr sieht. Ich konnte mich mit diesem Gedanken nie wirklich anfreunden. Nach meiner Erfahrung vergisst man keinen Menschen, den man einmal im Herzen getragen hat. Solche Begegnungen bleiben Teil der eigenen Geschichte, selbst wenn sich die Wege im Leben trennen.
Einige Tage später erhielt ich einen Brief von Mariethres. Es war ein Dankesschreiben für die Bibel, die ich ihr geschenkt hatte. Briefe hatten damals noch ein besonderes Gewicht. Man nahm sich Zeit, sie zu schreiben, und ebenso Zeit, sie zu lesen. Als ich den Umschlag öffnete und ihre Handschrift erkannte, spürte ich eine stille Spannung.
In ihrem Brief bedankte sie sich herzlich für das Geschenk und erzählte zugleich von ihrer neuen Lebenssituation. Sie schrieb, dass sie nun das Kindergärtnerinnenseminar in der Villa Bellerive besuchen werde. Während der Woche wohne sie bei ihrer Schwester Vreni im Würzenbach. Die Wochenenden verbringe sie in Giswil, wo sie vor allem mit ihren Schularbeiten beschäftigt sei.
Während ich ihre Zeilen las, stellte ich mir ihren neuen Alltag vor: die Ausbildung, neue Menschen, neue Eindrücke und die vielen Aufgaben, die vor ihr lagen. Ihr Leben befand sich offenbar in einer Zeit des Aufbruchs und der Veränderung. Mir wurde bewusst, dass dieser neue Abschnitt für sie viel Raum und Konzentration erforderte.
Ich legte den Brief schließlich zur Seite und dachte lange über ihre Worte nach. In mir mischten sich Hoffnung, Nachdenklichkeit und der Entschluss, meiner Entscheidung treu zu bleiben: Geduld zu haben und abzuwarten, welchen Weg das Leben für uns beide bereithalten würde.
Das Kindergärtnerinnenseminar befand sich in der Villa Bellerive. Ursprünglich als Wohnhaus genutzt, übernahm 1964 der Kanton Luzern die Villa. Er liess dort 1970 das kantonale Kindergartenseminar errichten. Heute nützt die Pädagogische Hochschule Luzern das Gebäude. Die Villa Bellerive steht in der Stadt Luzern an erhöhter Lage mit Aussicht auf den Vierwaldstättersee. Sie ist mit dem umliegenden Park auf der Liste der Kulturgüter in Luzern als national bedeutend aufgeführt.
Die Villa ist ein Bau im Stil der toskanischen Renaissance-Landgüter. Auf dem Grundstück stehen neben der grossen Parkanlage von Evariste Mertens ein Pförtnerhaus, ein Bauernhaus und ein Ökonomiegebäude.
Selbstverständlich schrieb ich Marietheres zurück. Wir beide waren zu dieser Zeit in unseren Leben gefangen, jeder mit seinen eigenen Verpflichtungen, und doch fanden wir zueinander über Briefe. Zunächst entwickelte sich eine lebhafte Brieffreundschaft, die einige Monate anhielt – ein zartes Band aus Papier, Tinte und Gedanken.
In jener Zeit hatte ein Brief ein Gewicht, das heute kaum jemand mehr kennt. Man nahm sich die Musse, zu schreiben, wählte sorgfältig jedes Wort, jede Wendung, und legte dabei ein Stück von sich selbst hinein. Allein die Mühe, die ein Brief erforderte, war bereits eine Botschaft: „Ich habe an dich gedacht, du bist mir wichtig genug, dass ich Zeit für dich finde.“
Ich erinnere mich noch an das leise Rascheln der Umschläge, die auf meinem Schreibtisch lagen, an die Vorfreude, sie zu öffnen, an die Wärme, die beim Lesen durch meine Finger zog. Jeder Brief war mehr als Nachricht – er war ein Moment der Nähe, ein kleiner Fluss aus Aufmerksamkeit und Vertrauen, der uns trotz der Distanz verband.
Unsere Briefe überbrückten die hektischen Tage, die Termine, die Verpflichtungen. Sie erlaubten uns, an den Gedanken und Empfindungen des anderen teilzuhaben, obwohl wir uns kaum sahen. Es war das Jahr 1975, mitten in einem Sommer der Veränderung, als Worte noch langsam reisten, und jeder Umschlag ein stilles Versprechen barg – das Versprechen, dass Verbindung und Freundschaft die Distanz überdauern konnten.
In den 1970er Jahren war die Schweiz noch stark durch ihre Religion geprägt. Über 95% der Bevölkerung gehörten einer der beiden grossen Landeskirchen, der römisch-katholischen oder der evangelisch-reformierten Kirche, an. Kirchenbesuche waren damals häufiger als heute, obwohl es schon damals einen allmählichen Rückgang der religiösen Zugehörigkeit gab. Im Kanton Obwalden hatte die Kirche in der Vergangenheit oft einen starken Einfluss auf das gesellschaftliche Leben. Für meine Eltern war es wichtig, dass wir Kinder am Samstag oder Sonntag die Kirche/Messe besuchten. Meine Eltern waren verärgert, wenn wir den Kirchenbesuch verweigerten. Solange wir zuhause wohnten galten die Regeln unserer Eltern.
Unser Papa besuchte jeweils um 18.00 Uhr die Vorabendmesse im Rudenz. Meistens begleitete ich ihn. In der Regel besuchte auch Marietheres die Vorabendmesse. Sofern ich Marietheres in der Kirche sah, sind Marietheres und ich nach der Messe gemeinsam bis zum Schulhaus gelaufen und haben uns unterhalten. Beim Schulhaus trennten sich jeweils unsere Wege. Unserem Papa sagte ich jeweils ich müsse noch etwas für meine Fitness machen und würde nach Hause laufen.
Der 13. Dezember war ein kalter Dezemberabend 1975, als ich mit meinem Vater die Vorabendmesse besuchte – ein Abend wie viele andere, dachte ich. Marietheres war da, und wir gingen nach der Messe wie gewohnt gemeinsam zum Schulhaus. Doch an diesem Abend fühlte sich alles anders an.
Beim Verabschieden habe ich sie ohne zu zögern innig geküsst. Sie lächelte, sie sagte sie habe sich mir in letzter Zeit sehr nahe gefühlt, und dass es sich einfach richtig angefühlt. In diesem Augenblick wusste ich, dass zwischen uns etwas begonnen hatte, das grösser war als Worte, ein Moment, den ich nie vergessen würde.
Nur wenige Tage später, am Sonntag, dem 21. Dezember, trafen wir uns wieder. Ich holte Marie-theres gegen Abend mit dem Auto ab, und wir fuhren nach Lungen. Auf dem Parkplatz des Restaurants Obsee standen wir allein, die Scheinwerfer waren ausgeschaltet, und draussen war es furchtbar kalt. Und trotzdem, trotz der Kälte, küssten wir uns ausgiebig. Die Nähe zwischen uns war so intensiv und selbstverständlich, dass der Moment sich unvergesslich anfühlte. Die Liebe konnte so einfach, so wunderbar sein.
Wenige Tage später war Silvester. Gemeinsam mit meinem Bruder Willi und seiner Freundin Marielouise fuhren wir nach Lungern ins Hotel Löwen, wo eine bekannte Band zum Tanz aufspielte. Musik, Lachen und das Glitzern der Lichter füllten den Raum, doch für mich gab es nur Marietheres. Zwischen den Tänzen und Gesprächen verriet sie mir beiläufig, dass ihr Bruder Peter an diesem Abend mit Paula verloben würde. Ich hörte es, lächelte innerlich und dachte, dass Begeisterung nicht immer da ist, wo sie stehen sollte.
Als Mitternacht näher rückte, zogen wir uns nach draußen vor das Hotel zurück. Wir standen allein, die kalte Nachtluft umhüllte uns, die Welt wirkte still. Ich zog Marietheres sanft an mich, und wir küssten uns innig. Es war ein Kuss voller Wärme und Nähe, ein Moment, in dem alles andere bedeutungslos wurde. Keine Menschen, keine Musik, kein Feuerwerk – nur wir beide, das neue Jahr und das stille, tiefe Glück, das unsere Liebe an diesem Augenblick erfüllte. Ein Moment, den ich nie vergessen würde, ein stiller Beginn von etwas Beständigem und Besonderem.
Am Neujahr gegen 17.00 Uhr habe ich Marietheres bei sich zuhause besucht und ihren Eltern meine persönlichen Neujahrswünsche überbracht.
Bei den Eltern von Marietheres war es Tradition, dass sie am Neujahr Besuch von ihren Freunden hatten (Frau und Herr Voser, Frau und Herr Schild und Frau Huber).
Marietheres und ich hielten uns in der Stube auf, während die anderen im Stübli verweilten. Doch es dauerte nicht lange, bis die Frauen begannen, merkwürdig interessiert zu wirken. Unter den unterschiedlichsten Vorwänden traten sie nacheinander in die Stube, um einen Blick auf den Freund von Marietheres zu erhaschen. Ich konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken und fragte mich innerlich, warum plötzlich so viel Neugier herrschte. Zwei Gedanken schossen mir durch den Kopf: Menschen, die ein enges Leben führen, sind oft neugierig auf alles Neue vor ihren Türen – oder Frauen sind einfach neugierig, nicht aus Bosheit, sondern weil sie gerne über alles informiert sein wollen. In jedem Fall fühlte ich mich beobachtet, aber auch ein bisschen geschmeichelt, und die Stube, in der wir sassen, wirkte wie eine kleine Bühne, auf der ich die Rolle des Freundes von Marietheres einnahm.
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Aushebung
1976 war ein besonderes Jahr: In Sarnen fand die Aushebung unseres Jahrgangs 1957 statt. Ich erinnere mich noch gut an die Mischung aus Nervosität und Neugier, die in der Luft lag. Gemeinsam mit meinen Kameraden warteten wir auf den ersten offiziellen Schritt in Richtung Militärdienst – und gleichzeitig auf einen Moment, der uns das Erwachsenenleben ein Stück näherbrachte.
Zwischen all dem offiziellen Ablauf und der Spannung gab es aber auch kleine, menschliche Momente. So half ich einem Kameraden beim Aufsatz – er hatte so viele Schreibfehler gemacht, dass ich kaum stillsitzen konnte, ohne ihm ein paar Tipps zu geben. Wir lachten viel, aber spürten auch, dass wir zusammenstanden, egal was kam. Rückblickend war die Aushebung für mich mehr als ein bürokratischer Akt: Es war ein erster Vorgeschmack auf Verantwortung, Kameradschaft und die Herausforderungen, die das Leben noch bereithalten würde.
Als eine der letzten Demokratien hat die Schweizerische Eidgenossenschaft erst im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts einen zivilen Ersatzdienst für Militärdienstverweigerer aus Gewissensgründen eingeführt. Noch bis zum Ende der Ära des Kalten Kriegs wurden "Dienstverweigerer" (so der in der Schweiz übliche Terminus) generell kriminalisiert und hatten nicht selten auch im Privatleben mit Nachteilen zu rechnen.
In den sechziger Jahren nahmen Dienstverweigerungen zunächst allmählich, seit den siebziger Jahren dann erheblich zu. 1961 erfolgten 47 Verurteilungen, 1965 77, 1970 175 und 1975 520 – dies bei einem totalen Bestand der Schweizer Armee von etwa 650.000 Wehrmännern.
Erst das Ende des Kalten Krieges brachte einen Stimmungswandel. Ende November 1989 wurde eine Volksinitiative für die Abschaffung der Schweizer Armee überraschend von 35,6% der Stimmenden und zwei Kantonen gutgeheißen, wobei gemäss Umfragen drei Viertel der Angehörigen der Armee dem Begehren zustimmten. Im Oktober 1990 verabschiedete das Parlament eine Revision des Militärstrafgesetzes, die die Verpflichtung der Dienstverweigerer zu einer Arbeitsleistung von anderthalbfacher Dauer des verweigerten Militärdienstes vorsah, sofern sie "unter Berufung auf ethische Grundwerte" glaubhaft darlegten, dass sie den Militärdienst nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten. Da für Dienstverweigerung aus Gewissensgründen weiterhin Militärgerichte zuständig sein sollten – das Gesetz bezeichnete die Verweigerer wie gehabt als "Täter" und der Verpflichtung zur Arbeitsleistung hatte ein richterlicher Schuldspruch voranzugehen –, wurde dagegen das Referendum ergriffen. 1991 nahmen 55,7% der Stimmenden die Reform aber an.
Warum brauchte die Schweiz so lange, um die Dienstverweigerung zu entkriminalisieren und einen zivilen Ersatzdienst einzuführen? Zunächst ist festzuhalten, dass entsprechende Forderungen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Raum standen und bereits gegen Ende des Ersten Weltkrieges auch armeeintern nach einer Lösung des Verweigererproblems gesucht wurde. In der Folge gingen aber die gesellschaftliche und politische Polarisierung der Nach-Landesstreikzeit, die Geistige Landesverteidigung und die Kalte–Kriegs–Mentalität fast nahtlos ineinander über. So waren bis Ende der sechziger Jahre alle entsprechenden Vorstöße chancenlos. Die beliebte Redewendung "Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee!" ließ auch nicht den kleinsten Kratzer an der allgemeinen Wehrpflicht zu. Der vorherrschende Diskurs des bürgerlichen Establishments situierte die Dienstverweigerung zwischen Landesverrat, Geisteskrankheit und Verweiblichung. In den siebziger Jahren zeigte sich zwar in den politischen und gesellschaftlichen Eliten eine zunehmende Akzeptanz für die Einführung eines zivilen Ersatzdienstes, von diesem sollten aber nach dem Willen der bürgerlichen Mehrheit und der Armeespitze die als linksradikale Systemveränderer betrachteten Verweigerer aus politischen Gründen strikt ausgegrenzt werden.
Erst das Ende des Kalten Krieges brachte den entscheidenden Stimmungsumschwung. Parallel zum Wegfall des außenpolitischen Feindbildes Ostblock führten um 1990 verschiedene innenpolitischen Ereignisse zu einem sicherheitspolitischen Um– oder zumindest Nachdenken. Neben dem unerwartet guten Abschneiden der ersten Armeeabschaffungsinitiative ist etwa der 1989/90 aufgedeckte große Bespitzelungsskandal zu nennen, in den neben der Bundespolizei und den kantonalen Nachrichtendiensten auch die Armee verwickelt war, ferner die einsetzende intensive öffentliche Debatte über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg, in der die Bedeutung der Armee für die Behauptung der Eigenständigkeit stark in Frage gestellt wurde. Der daraufhin einsetzende schrittweise Abschied vom Konzept der infanteristischen Massenarmee mit jahrzehntelanger Wehrpflicht ermöglichte auch die Einführung eines zivilen Ersatzdienstes und eine überwältigende Zustimmung dazu in der Volksabstimmung.
Die Schweiz hat eine Milizarmee
Was ist typisch für die Schweiz? Nicht nur Schokolade und Käse, sondern die direkte Demokratie und das Milizprinzip. Miliz bedeutet, dass etwas nebenamtlich gemacht wird. Das beginnt im Verein, geht über die Politik bis hin zur Milizarmee. Deshalb sind alle männlichen Schweizer Jugendliche ab dem 18. Lebensjahr dienstpflichtig.
Im Winter 1976 fand die Aushebung des Jahrganges 1957 in Sarnen statt.
Etwa 80 Prozent der Obwaldner bestehen die militärische Rekrutierung und sind damit militärdienstpflichtig. Dienstuntauglich geschrieben werden Stellungspflichtige, die eine für den Militärdienst ungenügende körperliche oder psychische Leistungsfähigkeit aufweisen.
Stellungspflichtige ländlicher Herkunft sind eher tauglich als Städter. Je grösser die Stadt, desto mehr Untaugliche. Konservativ und rechts stimmende Gemeinden haben zudem höhere Tauglichkeitsquoten als links und progressiv-liberal stimmende. Es gibt aber auch Unterschiede nach Sprachregionen. Unter den französischsprachigen Stellungspflichtigen sind mehr Untaugliche als unter den Deutschschweizern. Die italienischsprachigen Stellungspflichtigen befinden sich dazwischen. Besonders hohe Tauglichkeitsraten weisen Nidwalden, Appenzell Innerrhoden und Obwalden auf (zwischen 70 und 80 Prozent), besonders tiefe Raten Jura, Zürich und Genf (zwischen 50 und 55 Prozent).
Bei den Gründen für die Untauglichkeit liegen psychische Probleme an der Spitze. Zuweilen kommen mehrere Diagnosen zusammen, doch weisen 76 Prozent aller militärdienstuntauglichen Stellungspflichtigen einen psychischen Hauptbefund auf.
Davon haben rund 27 Prozent eine Diagnose, die im Zusammenhang mit dem Militärdienst steht, zum Beispiel eine Autoritätsproblematik oder Anpassungsauffälligkeiten. Die übrigen psychischen Diagnosen betreffen die ganze Bandbreite psychischer Erkrankungen, etwa Depressionen und paranoide Persönlichkeitsstörungen.
Wer keinen Wehrdienst leistet, hat mit Ausnahme von Invaliden eine jährliche Wehrpflichtersatzabgabe von drei Prozent des steuerbaren Einkommens zu bezahlen.
Obwalden hatte bis 2003 ein eigenes Gebirgsfüsilierbataillon. Das Obwaldner Gebirgsfüsilierbataillon 47 erlebte von 1875 bis 2003 eine wechselvolle Geschichte. In dieser Einheit leistete der Grossteil der Obwaldner Wehrmänner ihren Militärdienst. Für das Gebirgs-Füsilier-Bataillon 47 schlug am
6. September 2003 mit der Fahnenabgabe auf dem traditionsreichen Landenberg ob Sarnen die letzte Stunde.
An der Aushebung wurde ich für Diensttauglich erklärt und als Rettungssoldat bei der Rettungstruppe eingeteilt.
Die Truppen der Rettung prädestinieren sich durch ihre speziellen Kenntnisse und Mittel für den Einsatz im Rahmen der militärischen Katastrophenhilfe. Sie leisten hauptsächlich Rettungseinsätze in schweren und ausgedehnten Schadenlagen sowie bei Grossbränden. Zusätzlich erbringen sie Beiträge zur Unterstützung humanitärer Hilfeleistungen.
- Als weltweit einzigartige Armeeformation leisten die Rettungstruppen sowohl in Normalzeiten als auch in Krisen- und Kriegssituationen beispielslose und äusserst wertvolle Katastrophenhilfe.
- Auf Grund der Ausbildung und Ausrüstung sind wir folglich die Hauptträger der militärischen Katastrophenhilfe. Wir leisten hauptsächlich Rettungseinsätze in schweren und ausgedehnten Schadenlagen sowie bei Überschwemmungen und Grossbränden.
- Die Hauptaufgabe liegt in der Hilfeleistung an zivile Behörden, Zivilbevölkerung sowie Unterstützung der Feuerwehren und des Zivilschutzes. Mit modernen technischen Geräten werden Personen gerettet, mit leistungsfähigen Brandbekämpfungsmitteln werden Brände gelöscht oder Überschwemmungen bekämpft. Die Rettungstruppen verfügen über genügend Fahrzeuge, um rasch an verschiedenen Orten Hilfe zu leisten. Wir sind bewaffnet und in der Lage, den Standort zu sichern.
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Was war 1976
Das Ende der Boomjahre wirkte sich auch auf die Soziale Sicherheit aus. Bei der Neuordnung der Arbeitslosenversicherung von 1976 handelte es sich um eine Massnahme, die unmittelbar durch den Beschäftigungseinbruch nötig wurde. Als Massnahme zur Krisenbekämpfung wird 1976 eine gesamtschweizerisch obligatorische Arbeitslosenversicherung eingeführt. Zugleich beginnen Debatten über Sparmassnahmen bei den Sozialversicherungen.
Die Folgen waren Einkommenseinbussen und zunehmend unsichere Arbeitsverhältnisse. Die geringe Verbreitung der Arbeitslosenversicherung und die Rückwanderung ausländischer Arbeitskräfte erlaubten es jedoch, die offiziellen Arbeitslosenzahlen trotz Arbeitsplatzverlusten tief zu halten. Die Verteilungs- und Arbeitskämpfe verschärften sich. Auf der einen Seite verlangten linke Parteien und Gewerkschaften eine antizyklische Konjunkturpolitik. Auf der bürgerlichen Seite erhielten Forderungen nach einer "Gesundschrumpfung" der Wirtschaft, nach Steuersenkungen und Deregulierung Auftrieb.
Allein 1975/76 gingen in der Schweiz 300.000 Stellen verloren, wovon allerdings zwei Drittel durch die Rückwanderung ausländischer Arbeitskräfte aufgewogen wurden, weil die Behörden ihre Aufenthaltsbewilligungen nicht erneuerten.
Im Jahr 1976 endet die langjährige diktatorische Herrschaft von Mao Zedong mit seinem Tod im September.
Im Juni 1976 rebellierten Schüler in Soweto gegen das südafrikanische Regime. Ihr Aufstand wurde blutig niedergeknüppelt. Trotzdem war es ein Wendepunkt - der Anfang vom Ende der Apartheid.
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- Lehrjahr Hochbauzeichner
Im Spätherbst 1976 veranstaltete der Verein zur Förderung der Ausbildung von Hochbauzeichnern eine Test-Lehrabschlussprüfung. Diese fand in den Räumen des Campus Technikum Horw
(Heute: Hochschule Luzern – Technik & Architektur) statt. Ziel dieser Prüfung war es, den Lernenden einen ersten Eindruck davon zu vermitteln, wie die eigentliche Lehrabschlussprüfung im folgenden Sommer ablaufen würde.
Die Testprüfung begann am Montagmorgen um acht Uhr und dauerte bis zum Freitagnachmittag. Während dieser fünf Tage arbeiteten wir an verschiedenen Aufgaben aus unserem Fachgebiet. Dabei konnten wir unsere Kenntnisse und Fähigkeiten im Hochbauzeichnen unter realistischen Prüfungsbedingungen anwenden. Für uns alle war diese Woche eine wertvolle Erfahrung, da sie uns zeigte, welche Anforderungen an der Abschlussprüfung gestellt werden.
Ich selbst fühlte mich für diese Testprüfung relativ gut vorbereitet. Während der Arbeit an den Aufgaben hatte ich ein gutes Gefühl und konnte vieles von dem umsetzen, was ich in der Ausbildung gelernt hatte. Besonders im technischen Zeichnen und in der Bearbeitung der gestellten Aufgaben kam ich gut voran.
Allerdings stellte ich fest, dass ich im Bereich des Freihandzeichnens noch Verbesserungspotenzial habe. In diesem Fachbereich fühlte ich mich noch nicht ganz sicher und erkannte, dass ich hier noch intensiver üben sollte. Dieses Defizit wollte ich in den folgenden Monaten gezielt aufholen, um für die eigentliche Lehrabschlussprüfung besser vorbereitet zu sein.
Zusammenfassend war die Test-Lehrabschlussprüfung für mich eine sehr hilfreiche Erfahrung. Sie gab mir einen guten Einblick in den Ablauf der späteren Prüfung und zeigte mir zugleich meine Stärken sowie die Bereiche, in denen ich mich noch verbessern musste. Insgesamt zog ich daraus ein positives Fazit und fühlte mich motiviert, weiter an meinen Fähigkeiten zu arbeiten.
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Freihandzeichnen
Freihandzeichnen ermöglicht die Visualisierung einer Idee in Form einer Skizze. Es ist auch eine universelle Sprache, die Zeichner verwenden, um mit anderen Projektteilnehmern zu kommunizieren. Aus diesem Grund ist Freihandzeichnen ein fester Bestandteil der Ausbildung.
Als Hochbauzeichner mussten wir vor allem perspektivisch zeichnen können. Zudem sind Schraffuren sehr wichtig um Schattierungen und unterschiedliche Materialien visualisieren zu können.
Bei der Lehrabschlussprüfung musste jeder Lehrling eine Arbeitsmappe mit etwa 50 Freihandzeichnungen zu verschiedenen Themen abgeben.
Freihandzeichnen kann sehr schwierig sein. Manche Menschen haben eine bessere Hand-Augen-Koordination oder Beobachtungsgabe als andere. Das macht es zwar einfacher, aber jeder kann es lernen. Durch regelmässiges Üben im Freihandzeichnen habe ich meine zeichnerischen Fähigkeiten kontinuierlich verbessert und individuelle Ausdrucksformen entwickelt.
Für die Lehrabschlussprüfung habe ich mir vorgenommen eine kolorierte Bleistiftzeichnung auszufertigen. Üblicherweise werden Skizzen und Zeichnungen mit Bleistiften oder Tusche angefertigt und in vielen Fällen als Schwarz-Weiss-Bilder belassen. Da Zeichnungen jedoch keineswegs immer nur als Entwürfe anzusehen sind, kann es durchaus reizvoll sein, die Zeichnungen mit Buntstiften zu kolorieren. Beim Zeichnen mit Buntstiften gilt es jedoch, einige wesentliche Aspekte zu berücksichtigen und letztlich kommt auch hier der Grundsatz zum Tragen, dass Übung erst den Meister macht.
Zeichnungen müssen keineswegs immer nur Schwarz-Weiss bleiben, sondern können durchaus im Nachhinein auch koloriert werden. Anders als in der Malerei, bei der die Farben ein gestalterisches und darstellendes Element sind, stellt die Farbgebung beim Zeichnen aber nur ein ergänzendes Mittel dar. Nun klingt dies eigentlich recht einfach, aber in der Praxis zeigt sich oft, dass es gar nicht so leicht ist, tatsächlich nur innerhalb der Konturen zu malen. Gerade bei den ersten Versuchen geht doch der eine oder andere Strich über die vorgezeichnete Linie hinaus. Hier sind also, wie beim eigentlichen Zeichnen auch, Übung und ein wenig Geduld gefragt.
Ich habe meine Zeichnungen mit Bundstiften von CARAN D'ACHE koloriert. Ein Set mit 18 Buntstiften genügte mir völlig.
Meine Zeichnungslehrerin fand mich kreativer, als ich wirklich bin. Sie hat mich gefragt, was ich für Pläne nach der Lehre hätte? Ob ich nicht auch schon mit dem Gedanken gespielt hätte nach der Lehre die Kunstgewerbeschule zu besuchen. Sie würde dort auch unterrichten und sie könne gut einschätzen, wer ein Künstlerisches Talent hätte. Bei mir manifestiere sich das Talent in einer tiefen Wertschätzung für Farben, Formen und kreativen Ausdruck. Ich habe mich noch nie so gesehen. Ich habe mich dahingehend geäussert, dass ich mich glücklich schätzen würde, wenn ich an der LAP im Freihandzeichnen eine genügende bekommen würde. Jetzt war sie ein wenig überrascht über meine persönliche Einschätzung. Bezüglich Freihandzeichnen solle ich mir keine Gedanken machen, das komme schon gut.
Kreative aller Art gehören zu einer Spezies, die besonders häufig von Selbstzweifeln geplagt wird. Warum bin ich noch nicht gut genug? Warum werden andere schneller besser? Bin ich überhaupt besonders? Wäre es nicht besser aufzugeben? Das mag damit zusammenhängen, dass Kreativität, Kunst und der daraus resultierende „Erfolg“ teils nur schwer objektiv messbar sind. Kurz gesagt: Es gibt keine bestimmte Zielmarke, bei der man es „geschafft“ hat. Viel mehr befinden sich die meisten Künstler in einem ständigen Prozess der Weiterentwicklung
Nach der bestandenen LAP habe ich mich nicht mehr mit dem Freihandzeichnen beschäftigt.
Die Rolle des Künstlers war für unseren Papa reserviert, er lebte ausschliesslich von der Bewunderung und nicht von der Kunst.
Heute weiss ich, dass Kunst (Zeichnen/Malen weit mehr als nur ein Mittel zur ästhetischen Ausdruckskraft; sie ist ein mächtiges Werkzeug, das Familien miteinander verbindet und das Leben in vielerlei Hinsicht bereichert. Kunst fördert Kreativität, stärkt familiäre Bindungen und öffnet Türen zu neuen Welten und der Selbsterkenntnis. In einer Zeit voller Ablenkungen bietet die Kunst einen Rückzugsort, an dem Schönheit, Harmonie und Gemeinschaft gefeiert werden können – ein Erbe, das von Generation zu Generation weitergegeben werden sollte.
Meine Zeichnungslehrerin wollte mein schlafendes Talent zum Leben erwecken. Für mich war das leider nie eine prüfenswerte Option.
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Lehrabschlussprüfung
Allgemeinbildung
Die Lehrabschlussprüfung als Hochbauzeichner umfasste neben den fachlichen und praktischen Teilen auch den Bereich Allgemeinbildung. In diesem Abschnitt wurden die Fächer Deutsch, Wirtschaftsrechtskunde sowie Staat und Wirtschaft geprüft. Diese Prüfungen fanden etwa zwei Wochen vor der praktischen Lehrabschlussprüfung statt.
Ich erinnere mich, dass ich in diesen Fächern ein sehr gutes Gefühl hatte. Während meiner Ausbildung hatte ich mich intensiv mit den Themen beschäftigt und fühlte mich entsprechend gut vorbereitet. Besonders im Fach Deutsch lag mir das Schreiben und Formulieren, während ich in Wirtschaftsrechtskunde sowie in Staat und Wirtschaft ein solides Verständnis für rechtliche und wirtschaftliche Zusammenhänge entwickelt hatte.
Die Prüfungen verliefen ruhig und konzentriert. Ich konnte das Gelernte sicher anwenden und meine Antworten strukturiert formulieren. Dadurch ging ich mit einem positiven Gefühl aus diesen Prüfungen heraus. Diese Erfahrung gab mir zusätzliches Selbstvertrauen für den nächsten wichtigen Schritt – die praktische Lehrabschlussprüfung, die zwei Wochen später stattfand.
Praktische Prüfung
Eine Woche zwischen Anspannung und Erleichterung
Im Juni 1977 stand für mich ein entscheidender Moment meiner Ausbildung bevor: die Lehrabschlussprüfung als Hochbauzeichner. Schon im Vorfeld spürte ich eine wachsende Anspannung. Man wusste, dass diese Woche über vieles entscheiden konnte. Monate und Jahre der Ausbildung liefen letztlich auf diese Prüfungen hinaus.
Am Montagmorgen fuhr ich früh mit unserem Familienauto (Mami, Willi, Marcus und Veronika) Peugeot 104 nach Luzern ins Maihofquartier. Während der Fahrt gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Ich versuchte, ruhig zu bleiben, doch innerlich war ich angespannt. Als ich tatsächlich einen Parkplatz fand, war das schon die erste kleine Erleichterung. Wenig später standen wir vor der Maihofkirche bereit für den Beginn der Prüfungen.
Punkt acht Uhr begann alles mit dem Freihandzeichnen. Unsere Klasse war als erste an der Reihe. Ich nahm die Umgebung um mich herum wahr, die Landschaft, die Gebäude – und begann zu zeichnen. Zuerst mit dem Bleistift, vorsichtig und konzentriert. Strich für Strich entstand auf dem Papier ein Bild der Landschaft. Danach kolorierte ich die Zeichnung. Während ich arbeitete, versank ich völlig in meiner Aufgabe. Der Stress war zwar da, aber gleichzeitig vergass ich Raum und Zeit. Alles andere trat in den Hintergrund – es gab nur noch das Blatt vor mir, den Stift in meiner Hand und die Konzentration auf jeden einzelnen Strich.
Doch das war erst der Anfang der Prüfungswoche. Danach folgte das technische Zeichnen, und die Anforderungen wurden noch anspruchsvoller. Wir mussten eine komplizierte Spannenlage in einem alten Gebäude in der Altstadt ausarbeiten, dazu einen Ausführungsplan mit dem Grundriss einer Villa. Es folgten ein Fassadenplan, ein detaillierter Fassadenschnitt und schliesslich noch ein Kanalisationsplan. Stunde um Stunde sassen wir über unseren Zeichnungen. Jeder Strich musste stimmen, jeder Massstab korrekt sein. Die Zeit verging dabei auf eine seltsame Weise – manchmal schien sie stillzustehen, und dann wieder raste sie davon.
Neben den zeichnerischen Aufgaben wurden auch unsere Berufskenntnisse geprüft. In den mündlichen Prüfungen ging es um Baustoffe wie Steine und Holz sowie um vieles andere, was zum Beruf gehörte. Dazu kam Mathematik mit Rechnen, Trigonometrie, Geometrie und Algebra. Auch schriftliche Prüfungen standen auf dem Programm. Es war eine intensive Woche, in der man ständig gefordert war und immer unter Spannung stand.
Hinzu kam die Hitze. Die ganze Woche über war es sehr warm. Viele meiner Kollegen kämpften mit schwitzigen Händen, was beim Zeichnen natürlich nicht gerade hilfreich war. Ich hatte in dieser Hinsicht Glück. Meine Hände waren eher kühl und trocken, was mir beim Arbeiten sehr zugutekam. Das half mir, die Linien ruhig zu ziehen und konzentriert zu bleiben.
Als dann am Freitagnachmittag endlich das Ende der Prüfung verkündet wurde, fiel eine grosse Last von mir ab. Die Anspannung der ganzen Woche löste sich schlagartig. Man spürte Erleichterung, aber auch eine gewisse Müdigkeit nach all der Konzentration.
Die meisten aus unserer Klasse trafen sich anschliessend zum Mittagessen im Trumpf-Buur in Ebikon. Wir sassen zusammen, lachten, tauschten unsere Eindrücke aus und liessen die Prüfungswoche Revue passieren. Es tat gut, gemeinsam aufzuatmen.
Wenn ich heute daran zurückdenke, erinnere ich mich vor allem an die Intensität dieser Tage. Es war eine Woche voller Stress, Konzentration und Erwartung. Man war so vertieft in seine Aufgaben, dass man tatsächlich manchmal Raum und Zeit vergass. Doch am Ende blieb vor allem das Gefühl der Erleichterung – und auch ein wenig Stolz, diesen wichtigen Schritt geschafft zu haben.
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Abschied von der Lehrzeit – 1977
Meine Lehrzeit bei Werner Wyss dauerte vier Jahre. Dort lernte ich den Beruf des Hochbauzeichners. Es war eine Zeit, in der ich viel über das Bauwesen lernte, aber auch über den Arbeitsalltag in einem Betrieb. Wie das damals eben war: Als Lehrling musste man anpacken, zuhören und funktionieren.
Im letzten Lehrjahr, im Jahr 1977, wurde ich immer häufiger auf Baustellen geschickt. Eigentlich gehörte ich ins Büro, an den Zeichentisch, wo ich Pläne ausarbeiten sollte. Doch stattdessen stand ich oft draussen auf der Baustelle. Ich musste Aufgaben übernehmen, die normalerweise ein Techniker erledigte. Für einen Lehrling bedeutete das viel Verantwortung. Einerseits war es interessant, weil ich die Arbeit auf der Baustelle aus nächster Nähe kennenlernte. Andererseits hatte ich manchmal das Gefühl, dass man mich recht selbstverständlich einsetzte, wo gerade jemand gebraucht wurde.
Als sich das Ende meiner Lehrzeit näherte, wusste ich bereits, dass ich nicht im Betrieb bleiben wollte. Offiziell endete meine Lehrzeit Ende Juli 1977. Ich hatte jedoch meine Ferien über längere Zeit aufgespart. Dadurch konnte ich mich schon Anfang Juli verabschieden und früher gehen.
Trotz allem wollte ich mich von meinen Arbeitskollegen anständig verabschieden. Deshalb organisierte ich einen kleinen Apéro im Betrieb. Ich kaufte auf eigene Rechnung etwa zehn Flaschen Weisswein sowie Apéro-Sachen – Chips, Nüsschen und andere Knabbereien. Das war damals so üblich, wenn jemand ging: Man sass noch einmal zusammen, trank ein Glas und liess die gemeinsame Zeit Revue passieren.
Vom Geschäft selbst kam allerdings gar nichts. Keine Flasche Wein, kein Beitrag, keine kleine Aufmerksamkeit. Alles musste ich selber bezahlen. Das war zwar enttäuschend, aber es passte irgendwie zur ganzen Situation.
Der Abend wurde trotzdem gesellig. Einige meiner Arbeitskollegen waren gute Trinker, deshalb hatte ich genügend Wein besorgt. Wir sassen zusammen, redeten über die vergangenen Jahre und lachten auch über manche Baustellengeschichte. Es war ein einfacher Abschied, ohne grosse Worte.
Am Ende blieben noch zwei Flaschen Weisswein übrig. Ich stellte sie in den Kühlschrank, damit sie vielleicht am nächsten Tag heimnehmen konnte. Als ich am Morgen wieder in den Betrieb kam, waren sie verschwunden. Wirklich überrascht war ich nicht. Offenbar hatte sich mein Chef, Werner Wyss, noch daran bedient. So ging meine Lehrzeit dort zu Ende – ohne grosse Zeremonie.
Dabei hätte sich für mich damals sogar noch eine ganz andere Möglichkeit ergeben. Mein Chef stellte mir eine Stelle als Bauleiter im Nahen Osten in Aussicht, vermutlich in Saudi-Arabien. Dort herrschte zu jener Zeit ein gewaltiger Bauboom. Viele europäische Fachleute gingen dorthin, weil überall gebaut wurde. Auch ich hätte dort Arbeit finden können.
Doch ich hatte meine eigenen Pläne. Im Betrieb liess ich das Gerücht aufkommen, ich würde für einige Monate nach England gehen. Mein Chef glaubte, ich würde etwa drei Monate verreisen und danach vielleicht wieder zurückkommen. Dadurch konnte ich mein Arbeitsverhältnis bereits Ende Juni beenden und eine Woche früher gehen.
Tatsächlich reiste ich anschliessend für eine Woche allein nach England. Es war mehr ein Schnuppern, ein kleiner Blick in eine andere Welt. Für einen jungen Mann bedeutete das Freiheit und Abenteuer.
Meine eigentliche Zukunft war jedoch bereits entschieden. Ich hatte schon vorher einen neuen Lehrvertrag unterschrieben – diesmal für eine Maurerlehre. Damit wollte ich noch näher an die praktische Arbeit auf dem Bau heran.
So endete im Jahr 1977 ein wichtiger Abschnitt meines Lebens. Vier Jahre als Hochbauzeichner-Lehrling lagen hinter mir. Ich hatte viel gelernt – über Pläne, Baustellen und über Menschen. Vor allem aber hatte ich gelernt, dass man seinen eigenen Weg gehen muss. Manchmal bedeutet das, früh aufzustehen, eine Entscheidung zu treffen und weiterzugehen.
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Allein in London – eine prägende Reise im Sommer 1977
Anfang Juli 1977 plante ich zusammen mit meinem Schulkollegen Dieter Wüest eine Reise nach London. Für uns beide war das etwas Besonderes: eine Woche in einer grossen, internationalen Stadt, weit weg von zuhause. Doch kurz vor der Abreise sagte Dieter Wüest aus Gründen, die ich bis heute nicht richtig nachvollziehen kann, plötzlich ab. Die Reise war bereits vorbereitet, und so stand ich vor der Entscheidung: absagen oder alleine gehen. Ich entschied mich dafür, die Reise trotzdem anzutreten.
Von meinem Wohnort Giswil machte ich mich zunächst mit dem Zug auf den Weg nach Zürich. Schon diese erste Etappe war Teil des Abenteuers. Am Hauptbahnhof Zürich nahm ich damals den Bus zum Flughafen Kloten, da es keine direkte Zugverbindung gab.
Für mich war es der allererste Flug meines Lebens. Fliegen war damals noch keine Selbstverständlichkeit, wie es heute ist. Am Check-in-Schalter fragte man mich, ob ich eine zusätzliche Versicherung abschliessen wolle: für den Fall, dass das Flugzeug abstürzen würde, würden die Nachkommen eine Million Franken erhalten – und das für relativ wenig Geld. Ich investierte damals die zehn Franken für die Versicherung und dachte bei mir, dass es ja schön wäre, wenn meine Nachkommen oder Verwandten im schlimmsten Fall einen grossen Haufen Geld bekämen. Dieses kleine Detail blieb mir bis heute in Erinnerung und zeigt, wie anders Fliegen damals wahrgenommen wurde.
Der Flug führte mich nach London Gatwick. Am Flughafen wartete, wie es mir das Reisebüro angekündigt hatte, ein Bus auf mich. Er brachte mich direkt zu meinem Hotel mitten in London. Diese Art des Transfers erinnerte mich daran, wie organisiert die Reise war – ähnlich wie es heute Pauschaltouristen erleben. Nach einer Woche würde der Bus mich auch pünktlich wieder abholen und zurück zum Flughafen bringen. Das gab mir ein beruhigendes Gefühl: selbst wenn ich die Stadt noch nicht kannte, war alles geplant und strukturiert.
Ich hatte im Voraus ein sehr einfaches Hotel gebucht. Es war klein, schlicht eingerichtet, aber sauber und ordentlich. Jeden Morgen wurde ich vom Geräusch der Strassen und dem Murmeln der Hotelgäste geweckt. Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Schon die ersten Schritte auf den Londoner Strassen waren ein Abenteuer: der Verkehr, die Doppeldeckerbusse, die Menschen, die an mir vorbeigingen – alles wirkte so lebendig und anders als zuhause.
In London schaute ich mir im Grunde das an, was die meisten Touristen anschauen: bekannte Plätze, berühmte Sehenswürdigkeiten, die man aus Fotos kannte. Doch nicht einzelne Bauwerke blieben mir besonders in Erinnerung. Viel stärker beeindruckte mich die Stadt als Ganzes – ihre Grösse, ihre Vielfalt und das Gefühl, in einer lebendigen, pulsierenden Metropole unterwegs zu sein.
Besonders faszinierend waren die U-Bahn-Stationen. Ich erinnere mich noch genau an die langen Rolltreppen, die scheinbar endlos in die Tiefe führten, und an den leicht modrigen Geruch, der in den alten Tunneln hing. Es war so endgültig und gleichzeitig typisch London. Dazu kam der Anblick der Menschen: damals trugen viele Herren noch Schirm, Charme und Melone – der klassische Engländer, wie man ihn aus Filmen kannte. Dieses Bild von London, so eigenständig und gleichzeitig charmant altmodisch, hat mich tief beeindruckt.
Während der Woche baute ich kleine Szenen ein, die das Leben in London für mich greifbar machten: Ich stand an einem Imbiss und bestellte Fish and Chips, kämpfte ein wenig mit dem Bestellvorgang, lachte dann aber über die Mischung aus Gesten und Englisch, die zum Erfolg führte. Ich irrte durch enge Gassen, entdeckte kleine Buchläden und Cafés, und genoss das Gefühl, plötzlich allein die Stadt zu erkunden und zu entscheiden, wohin ich gehe.
Ein Höhepunkt war ein Tagesausflug nach Oxford. Die Fahrt dorthin und der Besuch dieser traditionsreichen Universitätsstadt waren eine willkommene Abwechslung zur hektischen Grossstadt. Die Atmosphäre war völlig anders: ruhig, historisch, voller Studierender und Besucher, die durch die alten Gassen schlenderten.
Die ganze Woche über war ich auf mich allein gestellt. Ich musste selbst entscheiden, wohin ich gehe, wie ich mich orientiere, wie ich meine Zeit plane. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass ich diese Situation nicht meistern würde. Im Gegenteil: ich hatte immer ein gutes Gefühl dabei.
Diese Reise wurde für mich zu einer wichtigen Lebenserfahrung. Sie zeigte mir, dass ich auch alleine zurechtkommen kann – selbst in einer grossen, fremden Stadt und in einem Land mit einer anderen Sprache. Ich lernte, mich auf mich selbst zu verlassen und Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten zu haben.
Rückblickend war diese Woche in London im Sommer 1977 eine sehr gute und lehrreiche Erfahrung. Sie hat mir gezeigt: Ich schaffe es. Ich komme auch allein mit mir zurecht.
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Ferien mit Marietheres
Die Welt gehörte uns, noch bevor meine Maurerlehrer bei Nosetti in Emmenbrücke nach Maria Himmelfahrt begann. Marietheres und ich hatten uns unsere erste grosse Flucht gegönnt – zwei Wochen in Italien, in der Cinque Terre, einem Ort, der wie aus einem Traum geformt schien. Wir waren jung, verliebt, voller Sehnsucht nach Abenteuern, und jede Stunde fühlte sich wie ein Funke an, der unsere Herzen entflammte.
Bevor es nach Italien ging, musste Marietheres ihren Landdienst bei der Familie Alabor im St. Gallischen Rheintal absolvieren. Ich fuhr sie selbstverständlich über das malerische Appenzellerland hin, durch Hügel, Wälder und kleine Dörfer, und holte sie wieder ab.
In Giswil stiegen wir in den Zug. Über Luzern ging es weiter, wo ich zufällig Irma Schniepper traf – eine alte Schulkollegin. Wir lachten kurz, erinnerten uns an vergangene Tage, bevor wir uns wieder verabschiedeten. Dann begann die Nachtfahrt: der Zug, der im Dunkel durch die Alpen schnitt, während draussen die Lichter der Städte wie flüchtige Sterne vorbeizogen.
In Genua öffnete sich eine neue Welt. Ich war noch nie am Meer gewesen, und dieser Hafen war größer, lebendiger, überwältigender, als ich es je erträumt hatte. Die riesigen Schiffe schwankten sanft auf den Wellen, ihre Kräne ragten wie Stahlgiganten in den Himmel, Möwen kreischten über unseren Köpfen, und der salzige Duft des Meeres füllte unsere Lungen. Wir standen Hand in Hand auf dem Kai, spürten das vibrierende Pulsieren der Stadt, das leise Tosen der Wellen und die Wärme des Lichts auf unseren Gesichtern. Alles fühlte sich möglich an – alles gehörte uns.
Am nächsten Morgen ging es weiter nach La Spezia, und von dort begann unser eigentlicher Traum: die Cinque Terre. Jeder Tag war ein neues Kapitel, jedes Dorf ein kleines Wunder:
- Riomaggiore, wo die Häuser wie gemalt an den steilen Felsen klebten, und die engen Gassen sich wie Wellen hinaufzogen. Wir liefen Hand in Hand, spürten die Wärme der Sonne auf den Steinen, hörten das Meer an den Klippen brechen und fühlten, dass unsere Herzen in einem Rhythmus schlugen.
- Manarola, mit seinen grünen Reben und dem winzigen Hafen, wo Boote sacht auf den Wellen schwankten. Wir setzten uns ans Wasser, sahen den Sonnenstrahlen beim Tanzen auf den Wellen zu und wussten, dass wir alles teilen wollten, was noch kommen würde.
- Corniglia, auf einer Anhöhe, mit der Aussicht auf die gesamte Küste. Der Wind spielte in unseren Haaren, wir hielten uns fest und fühlten, dass die Welt klein war, so lange wir zusammen waren.
- Vernazza, lebendig und duftend nach frisch gebackenem Focaccia, die Cafés und Gassen vibrierend vor Leben. Wir liefen durch die schmalen Straßen, lachten, küssten uns, während die Sonne die Wände der Häuser in Gold tauchte.
- Monterosso al Mare, mit seinen weiten Stränden und dem glitzernden Meer, auf dem die Sonne wie flüssiges Gold schimmerte. Wir lagen im Sand, hörten die Wellen, rochen die salzige Luft, und alles war vollkommen.
Jede Gasse, jeder Pfad, jede Welle war ein Gedicht, das wir gemeinsam lebten. Die Cinque Terre war nicht nur ein Ort – sie war ein Gefühl, ein Herzschlag, der unsere Liebe spiegelte: lebendig, bunt, unendlich. Die Tage vergingen wie flüchtige Träume, zu schnell, um sie vollständig zu fassen, und doch für immer in uns eingebrannt.
Das Geld war knapp, wie es bei jungen Reisenden oft ist, doch unsere Liebe war grenzenlos. Wir hatten die ganze Welt vor uns, fühlten uns unbesiegbar und wussten: wir waren füreinander geschaffen. Jeder Blick aufs Meer, jede Gasse, jeder Sonnenstrahl war ein Versprechen, dass wir zusammen alles erleben würden. Diese Ferien waren nicht nur Urlaub – sie waren unser erstes grosses Abenteuer, ein filmischer Traum, in dem wir die Hauptrolle spielten, und ein Moment, den wir für immer in unseren Herzen tragen würden.
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Was war 1977
Hier ist der Dreisatz%u2011Überblick für die Schweiz 1977:
- Politik: Kurt Furgler war Bundespräsident, Elisabeth Blunschy wurde erste Präsidentin des Nationalrats, und zahlreiche Volksabstimmungen zu Steuern, Umweltschutz und Mitbestimmungsrechten prägten das Jahr.
- Gesellschaft: Die Frauenbewegung setzte sich weiter für Gleichberechtigung und Arbeitsrechte ein, während Debatten über Energiepolitik und Umweltschutz an Bedeutung gewannen.
- Kultur & Wirtschaft: Schweizer Künstler gewannen international Beachtung, und die Wirtschaft stabilisierte sich nach der Rezession der Mitte der 1970er Jahre.
Politik & internationale Beziehungen
- Jimmy Carter wird am 20. Januar als 39. Präsident der USA vereidigt.
- Margaret Thatcher wird am 4. Mai Vorsitzende der britischen Konservativen Partei und beginnt ihren Aufstieg zur Premierministerin.
- Der Vietnamkrieg ist offiziell beendet, die Region bleibt jedoch politisch instabil.
- Ägypten und Israel verhandeln über Friedensgespräche, die später zum Camp-David-Abkommen 1978 führen.
Wirtschaft & Energie
- Ölkrisen-Nachwirkungen: Weltweite Energiepolitik und steigende Ölpreise beeinflussen Wirtschaft und Inflation.
- Inflation und Rezession belasten viele Industrieländer, während Japan wirtschaftlich stark wächst.
Gesellschaft & Kultur
- Star Wars feiert am 25. Mai Premiere und prägt die Popkultur weltweit.
- Punkbewegung und neue Musikrichtungen werden international sichtbar.
- Frauenrechte und Bürgerrechtsbewegungen setzen sich in mehreren Ländern weiter durch.
Natur & Wissenschaft
- NASA-Missionen: Weiterentwicklung des Space Shuttle Programms und Weltraumforschung.
- Seismische Ereignisse: Erdbeben in mehreren Regionen fordern Menschenleben (z.%u202FB. in Iran und Rumänien).
Kurz gesagt: 1977 war geprägt von politischen Machtwechseln (USA, UK), wirtschaftlichen Herausforderungen (Öl, Inflation), kulturellen Durchbrüchen (Star Wars, Punk), Fortschritten in Frauen- und Bürgerrechten sowie wichtigen Entwicklungen in der Raumfahrt.
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Maurerlehre 1977 – 1979 (August bis Ende Juli)
Teil 1: Die Suche nach meiner eigenen Lehre
Ich wollte meine Lehre als Maurer nicht im Baugeschäft meines Vaters in Giswil machen. Mein Bruder Willi war dort, auch Adrian – beides Brüder – und das fühlte sich für mich irgendwie nicht richtig an. Vor allem wollte ich nicht ständig unter der Aufsicht meines Vaters stehen. Ich wollte frei sein. Ich wusste, wenn ich bei ihm die Lehre machte, würde ich vor allem im Büro arbeiten und das Handwerk nur nebenbei erlernen. Das kam für mich nicht infrage.
In den Monaten vor meiner Lehrabschlussprüfung streckte ich die Fühler aus und fand schliesslich eine Lehrstelle bei Nossetti in Emmenbrücke. GlücklicherwGlacee konnte Marietheres, welche in Luzern das Kindergärtnerinenseminar besuchte, mich gut besuchen, sodass ich die Umstellung gut bewältigen konnte.
Die Lehre begann am 16. August 1977. Ich zog in ein kleines Studio im Dachgeschoss in der Sprengi (Emmenbrücke) bei Radio TV Häfliger. Es war sehr bescheiden: eine Dachkammer mit Dusche, WC und einer kleinen Küche, Kühlschrank, WC / Dusche – alles einfach, aber für mich ausreichend.
Zur Gewerbeschule fuhr ich jeweils nach Sursee, mein Töffli immer dabei, um auf die Baustellen zu kommen. Morgens fuhr der Bus um halb sieben in Emmenbrücke ab, dann ging es weiter zu den Baustellen. Feierabend war um 17.30 Uhr, mit einer Mittagspause von einer Stunde.
Ich arbeitete auf verschiedenen Baustellen, unter anderem in Eschenbach: zuerst in einer Gärtnerei, dann an einem Wasserreservoir und schließlich bei einer Käserei. Ein besonders prägender Moment war im November, als ich im ersten Obergeschoss die Decke ausschalen sollte. Ich hatte selbst einen Scheinwerfer installiert, doch der Polier zog nach einiger Zeit den Stecker heraus, sodass ich plötzlich im Dunkeln stand.
Vorsichtig tastete ich mich an der Wand entlang, in der Annahme, dass dort die Treppe sei. Neben der Treppe war jedoch der Lift – ich schenkte ihm zu wenig Aufmerksamkeit. Die Aussparung für die Lifttüre war nicht abgesperrt, der Schacht offen – und ich stürzte durch den Liftschacht in den Keller, insgesamt etwa siebeneinhalb Meter tief. Zum Glück war die Liftunterfahrt mit Wasser gefüllt, sodass ich vor allem durchnässt und verbeult, aber unverletzt blieb.
Wütend beschimpfte ich den Polier heftig und fuhr sofort ins Büro, um bei Nosetti zu intervenieren. Sein müdes Lächeln liess mich jedoch kalt. Für mich war die Sache damit erledigt: Ich löste den Lehrvertrag sofort auf. Den Lohn für die bereits geleistete Arbeit erhielt ich selbstverständlich.
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Was machte der Absturz mit mir? In diesem Moment war ich allein, verletzt und hilflos – und weil ich damals versäumt hatte, den Unternehmer anzuzeigen, blieb er ungestraft, obwohl er meine Sicherheit hätte gewährleistet werden müssen. Dieses Gefühl der Ohnmacht und Ungerechtigkeit hat mich lange begleitet. Heute würde ein solcher Unfall sofort von den Behörden verfolgt werden, und der Unternehmer könnte sich straf- und zivilrechtlich nicht entziehen. Die Verantwortung für die Sicherheit am Arbeitsplatz ist heute klar geregelt – damals hätte sie mich nicht geschützt.
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Teil 2: Die Lehre bei meinem Vater
Nach dem abrupten Ende meiner Lehrstelle in Emmenbrücke war die Suche nach einer neuen Lehrstelle überraschend unkompliziert. Mein Vater war erleichtert, dass ich bereit war, die Lehre bei ihm im Baugeschäft in Giswil fortzusetzen. Arbeit gab es genug, und er sah darin die Chance, mich richtig auszubilden – so wie es bei ihm im Betrieb üblich war.
Die Gewerbeschule besuchte ich nun in Sarnen. Wir waren etwa 16 Schüler aus Obwalden und Nidwalden, welche die verkürzte Lehre absolvierten. Von uns 16 Lehrlingen würden in den nächsten Jahren 3 Lehrlinge (André Beeler, Fredi Fanger und Marcus Wält) die Bauführerschule in Aarau absolvieren und die Schule mit dem begehrten Titel Dipl. Bauführer SBA abschliessen.
2026 sind es in der Zentralschweiz (UR, OW, NW, LU, Zug) knapp 20 Lernende, welche noch die Zusatzlehre absolvieren.
„Im Laufe meiner Karriere wurde mir immer wieder bewusst, wie wenige bereit waren, die Strapazen der Zusatzlehre als Maurer auf sich zu nehmen. Diese Menschen trugen schwere Lasten, lernten unter harter Arbeit und oft unter Entbehrungen – und dennoch blieben sie häufig unsichtbar für diejenigen, die selbst nie diesen Weg gegangen waren. Statt Anerkennung zu zeigen, spielten sich manche von aussen auf, nahmen sich wichtig und übersahen, was wirkliche Erfahrung und Hingabe bedeuteten. So wuchs nicht nur ein Mangel an erfahrenen Fachleuten heran, sondern auch die nächste Generation von Kadern entstand nur langsam und zaghaft – und ich sah, wie wertvoll und zugleich zerbrechlich dieses Fundament für unsere Bauprojekte war.“
Die Arbeit auf den Baustellen meines Vaters war abwechslungsreich. Doch leider verlief die Lehre genau so, wie ich befürchtet hatte: Zwar war ich ab und zu auf der Baustelle, aber die Hälfte der Zeit verbrachte ich im Büro. Dort erledigte ich Zeichnungsarbeiten, plante Projekte und kümmerte mich um organisatorische Aufgaben. Das Maurerhandwerk selbst lernte ich nicht effektiv – ich war in diesem Sinn kein „klassischer“ Maurer.
Dennoch gab es Momente, in denen sich Theorie und Praxis verbanden. Unter anderem plante und zeichnete ich Einfamilienhäuser, die ich später auf der Baustelle gemeinsam mit den Maurern umsetzte. So konnte ich zumindest teilweise erleben, wie aus den eigenen Plänen realer Bau wurde. Es war eine Mischung aus Büroarbeit und gelegentlicher praktischer Mitarbeit, die mir ein umfassendes Verständnis für den Bauprozess vermittelte – auch wenn das Handwerk an sich oft zu kurz kam.
Dennoch gab es Momente, in denen sich Theorie und Praxis verbanden. Unter anderem plante und zeichnete ich Einfamilienhäuser, die ich später auf der Baustelle gemeinsam mit den Maurern umsetzte. So konnte ich zumindest teilweise erleben, wie aus den eigenen Plänen realer Bau wurde. Es war eine Mischung aus Büroarbeit und gelegentlicher praktischer Mitarbeit, die mir ein umfassendes Verständnis für den Bauprozess vermittelte – auch wenn das Handwerk an sich oft zu kurz kam.
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Mein Bruder Willi war nur fünfzehn Monate älter als ich. Trotzdem war er während meiner Lehrzeit zeitweise mein direkter Vorgesetzter. Im Laufe des Jahres 1978 hatte er die Vorarbeiterschule in Sursee abgeschlossen, und auf der Baustelle übernahm er die Rolle des Vorarbeiters. Zusätzlich war er im Militär Feldweibel, und sein Auftreten war stark von dieser Rolle geprägt – diszipliniert, bestimmt und manchmal ziemlich schroff.
Für mich war diese Situation von Anfang an schwierig. Wir waren altersmässig praktisch gleich, und doch stand er plötzlich über mir und gab die Anweisungen. Zeitweise musste ich unter ihm arbeiten. Reibereien blieben dabei nicht aus.
Der Arbeitstag begann oft am Morgen vor dem Baustellencontainer. Die Mannschaft versammelte sich, und mein Bruder erklärte den Tagesablauf und verteilte die Arbeiten. Es hatte manchmal etwas von einem militärischen Antrittsverlesen. Für die anderen gehörte das zum Alltag auf der Baustelle, doch für mich fühlte es sich seltsam an, von meinem nur wenig älteren Bruder in diesem Ton herumkommandiert zu werden.
Zum Glück konnte ich zwischendurch auch wieder im Büro arbeiten. Dort zeichnete ich Pläne, was mir deutlich besser lag als der Baustellenalltag. Doch selbst das machte die Situation nicht unbedingt einfacher. Es kam vor, dass ich Pläne zeichnete, die mein Bruder später auf der Baustelle umsetzen musste. Ich spürte, dass ihm das nicht gefiel. Vielleicht passte es ihm nicht, Anweisungen auszuführen, die indirekt von seinem jüngeren Bruder kamen.
Manchmal zeigte sich auch eine andere Seite seines Führungsstils. Einmal am Abend, um halb sechs, sassen wir bereits im Bus und wollten zurück in den Werkhof fahren. Der Arbeitstag war vorbei, alle waren müde und wollten nur noch nach Hause. Genau in diesem Moment kam der Bauleiter noch schnell auf die Baustelle.
Eigentlich wäre es einfach gewesen zu sagen: „Wir haben jetzt Feierabend. Wenn etwas ist, besprechen wir das morgen.“ Doch mein Bruder stieg wieder aus dem Bus und begann mit ihm zu reden. Und wie. Eine halbe Stunde lang standen sie noch da und diskutierten irgendwelche Details, während wir im Bus warteten.
Ich sass dort und dachte nur, dass dies der Moment gewesen wäre, einmal klar Stellung zu beziehen. Gegenüber uns auf der Baustelle trat er streng und bestimmt auf. Doch gegenüber dem Bauleiter zeigte er sich plötzlich sehr entgegenkommend.
Solche Situationen machten die ganze Konstellation für mich nicht einfacher. Auch von meinem Vater bekam ich wenig Unterstützung. Für ihn war die Sache klar: Mein Bruder war der Vorarbeiter, also hatte ich mich unterzuordnen. Diese Haltung kannte ich schon aus meiner Kindheit.
Rückblickend bestätigte sich für mich damit genau das, was ich eigentlich schon früher gespürt hatte. Ich hatte von Anfang an ein ungutes Gefühl dabei gehabt, meine Lehre im Betrieb meines Vaters zu machen. Trotzdem war es so gekommen. Heute erscheint mir diese Zeit in gewisser Weise tragisch – weil Familie und Arbeit so eng miteinander verflochten waren, dass Konflikte kaum ausweichen konnten.
Mein Bruder Willi und ich hatten ein ganz eigenes Verhältnis, geprägt von Nähe, Konkurrenz und unausgesprochenen Erwartungen. Mein Vater hatte schon früh eine klare Vision: Willi und ich sollten eines Tages gemeinsam seine Bauunternehmung führen. Für ihn war das selbstverständlich, fast wie ein unverrückbares Gesetz. Für mich jedoch war es undenkbar. Ich wollte nie im Leben eine Bauunternehmung, und schon gar nicht mit meinen Geschwistern.
Die Baustelle machte mir schnell die Augen auf. Willi als Vorarbeiter, ich als Lehrling – in dieser alltäglichen Hierarchie spürte ich, wie sehr unsere Wege auseinanderliefen. Die Arbeit, die Verantwortung, die Dynamik zwischen uns – es war nicht mein Terrain, und ich wusste, dass sie es nie werden würde. Die Ausbildung, die mir dafür zur Verfügung stand, änderte daran nichts. Sie machte mich nur fähig, etwas zu tun, das ich innerlich ablehnte.
Immer wieder sagte ich meinem Vater unmissverständlich, was ich wollte – und was nicht. Doch er hörte nicht hin. In seinem Kopf war alles bereits entschieden: „Es wird schon werden“, dachte er. Er negierte meine Haltung, als sei sie nur eine vorübergehende Laune. Aber ich wusste: Diesen Weg gehe ich nicht. Nie.
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Für die Lehrabschlussprüfung war man in der Maurerlehrhalle und absolvierte drei Kurse, jeder vier Wochen lang. Dort lernte man das Handwerk, das für die Prüfung nötig war: Objektbau, Mauern, Verputzen, Überzüge, Kanalisation, Feinarbeiten – kurz, das gesamte Maurerhandwerk, wie es zwischen 1977 und 1979 aktuell war. In der Theorie war ich außerordentlich gut, handwerklich hatte ich noch etwas Luft nach oben.
Für meine Lehrabschlussprüfung als Maurer in Sursee habe ich mir im Magazin von Papi einen kleinen Trainingsplatz eingerichtet. Ich habe Übungsobjekte aufgebaut, gemauert, verputzt, Überzüge hergestellt – immer so, als wäre es die echte Prüfung. Dabei habe ich mir selbst Zeitlimits gesetzt, um zu spüren, wie es unter Druck läuft, und um zu lernen, meine Abläufe effizient zu gestalten. Stundenlang habe ich Steine gesetzt, Kellen geschwungen und meine Handgriffe verfeinert, bis sie sassen. Es war anstrengend, manchmal frustrierend, aber gerade das hat mir gezeigt, wie sehr Übung Sicherheit gibt. Jeder fertiggestellte Block, jeder glatte Putz, jede saubere Ecke war ein kleiner Sieg und hat mir das Vertrauen gegeben, dass ich das Prüfungsziel erreichen kann. Diese Zeit hat mir nicht nur handwerkliches Können gebracht, sondern auch Geduld, Disziplin und den Stolz, etwas wirklich Eigenes geschaffen zu haben.
Mein Vater war sich nicht ganz sicher, ob ich die Prüfung überhaupt bestehen würde, und meldete mich vorsichtshalber bereits für die Frühlingsprüfung an. Ich war völlig überrascht, als ich nach Sursee in die Maurerlehrhalle kam – von meinen Schulkollegen war niemand dort. Es waren vor allem Basler, und ich fand mich inmitten dieser Gruppe wieder.
Die Prüfung begann am Montag mit dem mündlichen Teil und dem schriftlichen Teil. Am Samstagmittag war alles erledigt, das Objekt wurde abgeräumt, und ein Experte teilte mir mit, dass ich bestanden hatte. Ich war überglücklich. Der Fähigkeitsausweis wurde mir per Post zugestellt, und ich erhielt die Note 5 – für mich eine sehr gute Leistung. Der Fähigkeitsausweis wurde am 27. März 1979 durch die zuständige kantonale Behörde ausgestellt.
Die Lehrabschlussprüfung als Maurer war wie das Schliessen einer schweren Tür hinter mir. Tage voller Staub, Zement an den Händen und Handschuhe, die meine Haut schützten, gehörten der Vergangenheit an. Abends wusch ich mir nicht länger Schmutz und Stein aus den Fingern – stattdessen fand ich Ruhe hinter einem Schreibtisch, wo Papier und Pläne meine neuen Werkzeuge waren. Die Arbeit war anders, doch erfüllte sie mich auf eine neue Weise, und ich spürte, wie sehr mein Kopf nun die Muskeln ersetzen durfte, die einst die Mauern stemmten.
Lustigerweise meldete sich dann einmal die Gewerbeschule telefonisch und wollte wissen, wo Marcus Wälti bleibe, er hätte ja noch Schule. Ich erklärte, dass ich die Lehrabschlussprüfung bereits absolviert und bestanden hätte. Danach sah ich meine Schulkollegen nicht mehr – für mich war die Maurerlehre erledigt.
Im Frühling 1979 hatte ich meine verkürzte Maurerlehre abgeschlossen. Damit war ein wichtiger Abschnitt geschafft, und mein Blick richtete sich bereits auf das nächste Ziel: Im Frühling 1980 wollte ich die Polierschule in Aarau beginnen. Die Voraussetzungen dafür waren überschaubar – ein Jahr praktische Arbeit in einer Bauunternehmung und im Herbst die Aufnahmeprüfung. Darüber machte ich mir jedoch wenig Sorgen, denn in der Theorie war ich stets gut, und praktische Arbeiten wurden nicht verlangt. Zuerst stand jedoch noch etwas anderes an: Im Sommer musste ich die die Rekrutenschule. Ich hatte sie damals verschoben, vielleicht in der Hoffnung, dass das Militär abgeschafft würde oder ich nicht mehr hingehen müsste. Auf jeden Fall begann nun ein neuer Abschnitt meines Lebens.
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Der 24. März 1978 war ein besonderer Tag, der mir bis heute lebhaft in Erinnerung geblieben ist. Es war Karfreitag, und zugleich der 20. Geburtstag von Marietheres. Damals bedeutete dieser Geburtstag noch mehr als heute, denn mit zwanzig Jahren wurde man zu jener Zeit volljährig. Für sie war es also ein wichtiger Schritt ins Erwachsenenleben.
Schon Tage zuvor hatte ich mir viele Gedanken gemacht, was ich ihr schenken könnte. Es sollte etwas Besonderes sein, etwas, das zu diesem bedeutenden Geburtstag passte. Schliesslich kam mir eine Idee: zwanzig langstielige rote Rosen, eine für jedes Lebensjahr.
Vorab bestellte ich bei der Gärtnerei Frey die roten Rosen. Es waren tiefrote, langstielige Rosen, wunderschön und frisch. Rote Rosen gelten seit jeher als Zeichen von Liebe, Zuneigung und tiefer Verbundenheit. Gerade deshalb schien mir dieses Geschenk passend – schlicht, aber mit einer klaren und herzlichen Botschaft.
Mit diesem prachtvollen Strauss machte ich mich im verlaufe des Karfreitagsmorgens auf den Weg zu den Eltern von Marietheres. Als ich dort ankam und ihr die zwanzig roten Rosen überreichte, war die Freude gross. Die Rosen passten wunderbar zu ihrem runden Geburtstag, und ich glaube, sie war wirklich überrascht.
Der Tag selbst zeigte sich von seiner schönsten Seite: strahlender Sonnenschein und eine warme, ruhige Frühlingsstimmung, wie man sie an einem Karfreitag nicht immer erwartet.
Wir verbrachten den Tag gemeinsam mit ihrer Familie. Ihre Eltern waren da, und auch ihre ältere Schwester Vreni. In dieser kleinen, vertrauten Runde feierten wir Marietheres. Es war keine grosse Feier, sondern ein gemütliches Beisammensein mit Gesprächen, Lachen und einer besonderen Herzlichkeit.
Wenn ich heute daran zurückdenke, sehe ich noch immer die zwanzig roten Rosen vor mir, spüre die warme Frühlingssonne und erinnere mich an die fröhliche Stimmung dieses Tages. Es war einer jener einfachen, aber kostbaren Momente im Leben, die sich tief ins Gedächtnis einprägen – ein Karfreitag im Jahr 1978, der für Marietheres und für mich zu einem unvergesslichen Geburtstag wurde.
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Loire, Atlantik und wir – Sommer 1978
Es war der Sommer 1978. Ich war einundzwanzig, Marietheres zwanzig, und wir waren jung genug, um zu glauben, dass zwei Wochen Abenteuer in Frankreich die Welt für immer verändern könnten. Wir hatten nicht viel Geld, aber wir hatten Sehnsucht, Mut und die Freiheit, die uns diese Reise versprach. Unser Fahrzeug war kein eigenes, sondern das Familienauto von Mami, Willi Veronika und mir, ein Peugeot 104, den ich nutzen durfte. Das Auto war noch nicht alt, doch es hatte seine Eigenheiten – kleine Macken, die uns manchmal fast zur Verzweiflung trieben, uns aber auch zum Lachen brachten.
Unsere Reise begann in Giswil. Bereits am Vortag hatten wir die Reifen- und Ölstände des Peugeot überprüft und den Tank bis zum Rand gefüllt, sodass wir am Morgen nur noch einsteigen und losfahren mussten. Das Auto war bereit, wir waren bereit, und die Vorfreude summte zwischen uns wie eine feine Melodie. Über Luzern erreichten wir die Autobahn Richtung Basel. Anders als erhofft war die Strecke alles andere als leer: Lastwagen, PKWs und Busse reihten sich wie eine endlose Kette auf dem Asphalt, hupend, beschleunigend, bremsend, und wir mussten aufmerksam zwischen ihnen navigieren. In Basel selbst mischten sich Touristen, Pendler und Lieferwagen zu einem geschäftigen Strom, der uns klar machte, dass wir nicht nur auf einer Reise durch Landschaften, sondern mitten hinein in die pulsierende Realität unterwegs waren.
Hinter der Grenze nach Frankreich setzte sich der Verkehr fort. Autos drängten sich auf den Strassen, Lichter flackerten in der Dämmerung, Lkws donnerten über die Fahrbahnen, und wir mussten geduldig bleiben, manchmal anhalten, wieder anfahren. Es war anstrengend, aber zugleich aufregend: Die Fahrt selbst fühlte sich wie ein Vorbote der Abenteuer an, die noch vor uns lagen.
Am ersten Tag erreichten wir Orléans. Nur eine Nacht verbrachten wir in der Stadt, in einem kleinen, schlichten Hotelzimmer, das nach Holz, Seife und Reinigungsmitteln roch. Am Abend schlenderten wir durch die Strassen, die vom Schein der Laternen in warmes Licht getaucht wurden. Kopfsteinpflaster knackte unter unseren Schritten, und aus den Boulangerien stieg der Duft frisch gebackenen Brotes. Wir sprachen kaum, spürten nur die Aufregung und die Freude über das, was vor uns lag.
Am nächsten Morgen starteten wir den Peugeot, der widerwillig, aber immerhin, ansprang. Die Fahrt ins Loiretal begann wie ein sanftes Gleiten in eine andere Welt. Die Strasse schlängelte sich durch sanfte Hügel, ein Mosaik aus Gold, Grün und schimmernden Ackerflächen. Zwischen den Feldern erhoben sich vereinzelt dunkle Eichen und schlanke Pappeln, deren Schatten sich über den Asphalt legten und sich mit der tief stehenden Sonne zu bewegen schienen. Die Luft war erfüllt von der Mischung aus frisch gemähtem Gras, feuchter Erde und dem süßen Duft wilder Blumen, der wie ein unsichtbares Band durch die offenen Fenster in den Peugeot strömte. Ich atmete tief ein, fühlte, wie diese Gerüche meine Lungen füllten, und spürte, wie ein merkwürdiges Glück durch meine Brust wanderte.
Die ersten Schlösser tauchten wie Illusionen am Horizont auf. Château de Chambord ragte majestätisch in den Himmel, seine unzähligen Türme und Erker warfen Schatten auf die spiegelnden Wassergräben. Ich hielt kurz inne, fuhr nicht schneller, als ich musste, und betrachtete das Bauwerk, das wie ein Relikt aus einem Traum wirkte. Ein kalter Windzug ließ die Wasseroberfläche kräuseln, das Plätschern der Gräben vermischte sich mit dem gelegentlichen Ruf eines Reiherpaares. Ich dachte an die unzähligen Generationen, die diese Hallen betreten hatten, an die Geheimnisse, die in den Mauern schlummerten, und daran, wie winzig wir in dieser Geschichte waren.
Wir parkten den Peugeot am Rand eines kleinen Weges, von dem aus wir den Garten des Schlosses überblicken konnten. Château de Chenonceau empfing uns mit einer Symphonie von Düften: Rosen, Lavendel, Minze, vermischt mit dem Aroma von feuchtem Stein und Erde. Die Gärten waren ein Labyrinth aus akkurat geschnittenen Hecken, kleinen Springbrunnen und verschlungenen Pfaden. Jeder Schritt hallte auf den Kieswegen, und das Zwitschern der Vögel mischte sich mit dem rhythmischen Tropfen des Wassers. Marietheres lächelte, ihre Augen glänzten im Sonnenlicht, und ich spürte ein Ziehen in meiner Brust – eine Mischung aus Liebe, Ehrfurcht und der Ahnung, dass wir diesen Moment niemals vergessen würden.
Wir ließen uns treiben, setzten uns auf eine alte Steinbank, die von Moos überwuchert war, und schwiegen. Es war ein Schweigen voller Gedanken: über die Schönheit, die Vergänglichkeit, die kleinen Zufälle, die uns hierher geführt hatten. Ich betrachtete die Wasserflächen, die das Schloss wie ein Spiegel umgaben, sah Enten still ihre Bahnen ziehen, und dachte daran, wie sehr wir uns selbst in der Weite dieser Landschaft verloren, während wir doch näher zusammenrückten als je zuvor.
Ein Windstoss ließ die Blätter der Bäume rascheln, und ein ferner Glockenton erklang von der Schlosskapelle. Plötzlich schien alles gleichzeitig lebendig und zeitlos – die Sonne, die das Wasser glitzernd färbte, das Summen der Insekten, das entfernte Klappern eines Pferdehufes auf dem Kies. Ich dachte an die Jahre, die wir noch vor uns hatten, und gleichzeitig an die Vergänglichkeit dieses Augenblicks. Ein leichtes Frösteln lief mir über den Rücken, nicht wegen der Kälte, sondern wegen der Ehrfurcht vor dieser stillen Schönheit.
Am späten Nachmittag stiegen wir wieder in den Peugeot. Die Schlösser verschwanden langsam hinter uns, doch ihr Geist blieb. Die Felder, die sanften Hügel, das leise Rauschen des Flusses begleiteten uns weiter. Ich war still, ließ Marietheres vor sich hinträumen, beobachtete die Sonne, die tiefer sank, und dachte an die unzähligen Stunden, die uns noch bevorstanden – voller Entdeckungen, voller kleiner Freuden, voller Augenblicke, die das Herz stillstehen ließen.
Nach einigen Tagen führte uns die Strasse weiter westwärts, Richtung Atlantik. Saint-Nazaire empfing uns mit salziger Luft und dem Rauschen des Meeres. Die Brandung schlug gegen die Küste, Möwen kreischten, und der Wind trug das salzige Aroma mit sich, das wir sofort einatmeten. Wir spazierten am Strand, ließen die Zehen in den Sand sinken, hörten die Wellen, die sich rhythmisch gegen die Küste rollten, und fühlten uns klein und zugleich unendlich frei.
In Saint-Nazaire beeindruckte uns der Pont de Saint-Nazaire. Dieses 1975 fertiggestellte Bauwerk überspannt die Mündung der Loire. Sie ist eine der größten Schrägseilbrücken Europas: Sie erhebt sich 61 Meter über den Fluss und erstreckt sich über 3.356 Meter zwischen Saint-Nazaire und Saint-Brévin. Sie ersetzt die alten Fähren, die es ermöglichten, die Loire zu überqueren, und von denen man an beiden Ufern noch die Überreste des Piers sehen kann. Wir konnten nicht anhalten, die Brücke war strikt befahrbar. Aber ich musste unbedingt darüberfahren. Wir fuhren hinüber, auf die gewaltige Hängebrücke, die Mündung der Loire unter uns, und spürten das Zittern der Brücke unter den Reifen. Auf der anderen Seite hielten wir kurz, drehten um und fuhren wieder zurück. Es kostete uns damals einige französische Franc, kleine Opfer für ein unvergessliches Erlebnis, aber das war mir egal – diese Brücke wollte ich einfach erlebt haben.
Unser Familien-Peugeot war ein geduldiger Begleiter, doch morgens wollte er manchmal nicht anspringen. Deshalb parkten wir ihn stets bergab, ein kleiner Trick, der uns beruhigte und über den wir oft lachen mussten. Diese kleinen Sorgen – das widerwillige Auto, die schlichte Unterkunft, das knappe Geld – gehörten genauso zur Reise wie die Schlösser und das Meer. Sie machten sie lebendig, machten uns erfinderisch und ließen uns jeden Moment bewusster genießen.
Die Hotels, in denen wir übernachteten, waren meist einfach, oft kaum mehr als ein Dach über dem Kopf. Aber gerade das machte es aus: Wir waren auf uns selbst gestellt, lernten, miteinander zu leben, Kompromisse zu schließen und uns an kleinen Freuden zu erfreuen. Ein warmes Bett, eine heisse Dusche, das leise Murmeln der Strassen draussen – und wir fühlten uns reich, ohne einen Franc zu verschwenden.
Nach einigen Tagen am Meer begann der Rückweg. Über Besançon fuhren wir Richtung Schweiz, unsere Köpfe voller Erinnerungen, unsere Herzen schwer von Abschiedsschmerz, aber auch erfüllt von Dankbarkeit. In Lausanne machten wir unsere letzte Station. Wir wollten die Reise gebührend beenden und gingen in ein Restaurant, bestellten ein Chateaubriand, dazu einen feinen Wein. Wir assen langsam, genossen jeden Bissen, sprachen wenig, weil Worte kaum ausdrücken konnten, was wir fühlten. Dieser Abend war unser kleines Triumphfest, ein stilles Ende zweier Wochen voller Erlebnisse, bevor wir am nächsten Morgen endgültig die Heimfahrt antreten würden.
Vierzehn Tage waren vergangen. Vierzehn Tage voller Schlösser, Meeresbrisen, einfacher Hotels, Lachen, kleinen Pannen und großen Gefühlen. Vierzehn Tage, die uns näher zusammenbrachten, die unsere Liebe stärkten und die sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben, als wären sie ein kostbarer Schatz. Manchmal denke ich zurück an diese Zeit, an den Peugeot das «Familienauto», der uns geduldig trug, an Marietheres, die neben mir sass, an den Duft von Rosen und Lavendel in den Schlossgärten, an das Rauschen der Loire unter der Brücke und das salzige Aroma des Atlantiks. Dann weiss ich: Es war eine Reise, die uns nicht nur nach Frankreich führte, sondern tief hinein in unser eigenes junges Leben.
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Sommerreise 1979:
Unsere dritten gemeinsamen Ferien – Hand in Hand durch Berge, Seen und Herzklopfen
Es war Mitte Juni 1979. Wir – 22 und 21 Jahre alt – machten uns auf unsere dritten gemeinsamen Ferien. Marietheres, meine allerliebste Freundin, ging an meiner Seite. Schon beim Start in Giswil spürte ich dieses Kribbeln im Bauch, das nur passiert, wenn man mit jemandem unterwegs ist, den man still und tief liebt. Wir genossen jede kleine Freude – ein feines Glace, ein gutes Abendessen, ein Spaziergang durch die Stadt – und gönnten uns bewusst schöne Momente, die diese Ferien besonders machten.
Innsbruck – Erste Schritte in die Ferne
Über den Arlberg erreichten wir Innsbruck. Wir hatten ein kleines Zimmer direkt in der Altstadt, mitten zwischen den alten Häusern und verwinkelten Gassen. Von unserem Fenster aus sahen wir die bunten Dächer und die Berge dahinter, ein Bild, das ich nie vergessen werde. Wir schlenderten Hand in Hand durch die Strassen, bewunderten das Goldene Dachl, lachten über die strengen Touristenführer und genossen unser erstes Tiroler Abendessen: einfach, aber köstlich. Sie reichte mir ein Stück Kaiserschmarrn – und ich spürte, wie mein Herz schneller schlug.
Kufstein – Tiroler Musik und köstliches Abendessen
In Kufstein erkundeten wir die Altstadt und genossen die besondere Atmosphäre. Am Abend fanden wir ein kleines Gasthaus, typisch für die Tiroler Altstadt, wo leise Tiroler Musik durch die Stube schwebte. Wir setzten uns an einen Holztisch und bestellten ein feines Abendessen. Jeder Bissen schmeckte köstlich, und während wir zusammen assen, spürte ich dieses warme Gefühl von Nähe und Geborgenheit – als wäre die ganze Stadt nur für uns da.
Salzburg – Musik, Wasser und das Weiße Rößl
Unsere Reise nach Salzburg blieb mir für immer im Herzen. In Salzburg blieben wir einige Nächte.
Wir gingen langsam durch die engen Gassen der Altstadt, während die Salzach ruhig neben uns floss. Über der Stadt thronte die Festung Hohensalzburg, als würde sie über diesen besonderen Moment wachen. In der warmen Abendluft spürte ich, wie kostbar dieser Augenblick war. Neben mir ging der Mensch, den ich liebe, und plötzlich schien die ganze Welt still zu stehen.
Einen ganzen Tag verbrachten wir in St. Wolfgang. Dort gingen wir ins berühmte Weiße Rössl, das historische Gasthaus direkt am Seeufer mit seinen weißen Wänden, bunten Fensterläden und alten Holzstühlen. Wir setzten uns an einen kleinen Tisch am Fenster, sahen hinaus auf den Wolfgangsee, während das Licht auf dem Wasser glitzerte. Jeder von uns bestellte sein eigenes Wiener Schnitzel, gross und knusprig. Wir mussten die Bissen nicht teilen, und doch fühlte es sich besonders an, nebeneinander zu sitzen, jeder in sein Schnitzel vertieft, zwischendurch kleine Blicke auszutauschen und über die riesigen Portionen zu lachen. Ich konnte nicht anders, als sie zu beobachten, wie sie genüsslich ass und dabei das verschmitzte Lächeln nicht verbergen konnte – ein Moment, der perfekt war, einfach, echt und unvergesslich.
Hallein – Salzbergwerk und Brauerei-Mittagessen
Am nächsten Tag besuchten wir das Salzbergwerk in Hallein. Unter der Erde, dunkel und geheimnisvoll, hielten wir uns eng aneinander. Ihr Herz pochte gegen meine Brust, ihre Finger suchten die meinen, und wir lachten leise über das Echo unserer Stimmen – ein kleines, magisches Universum nur für uns zwei.
Auf dem Rückweg nach Salzburg machten wir Halt in einer kleinen Brauerei, die wir zufällig entdeckten. Dort genossen wir ein sehr feines Mittagessen: einfache, herzhafte Gerichte, frisch und bodenständig, mit einem Hauch von Tiroler Gemütlichkeit. Wir setzten uns an einen sonnigen Tisch, tauschten Blicke aus, lachten über unsere kleinen Streiche und fühlten uns, als hätten wir die Welt für einen Moment ganz für uns allein.
Linz – Altstadtbummel und leises Glück
In Linz besichtigten wir die Altstadt. Wir schlenderten durch die Strassen, bewunderten die alten Häuser und Plätze, hielten ab und zu inne, um den Moment zu genießen. Wir lachten viel, sprachen über kleine Dinge, und ich fühlte dieses warme, ruhige Glück, einfach zusammen zu sein – ohne dass wir irgendetwas Besonderes tun mussten.
Bozen
Unser erster Abend in Bozen begrüsste uns mit heftigem Regen. Wir suchten ein Hotel, fanden ein schönes Plätzchen, genossen ein feines Abendessen – und doch glitt die Stadt an uns vorbei. Wir spürten nur kurz ihr Flair, bevor wir weiter nach Meran fuhren.
Erst Jahre später nahmen wir uns Zeit, Bozen wirklich zu erkunden. Was beim ersten Besuch im Vorbeifahren unscheinbar wirkte, entfaltete sich nun in voller Pracht: die charmanten Gassen, das bunte Treiben der Lauben, die Mischung aus italienischem Lebensstil und Südtiroler Gemütlichkeit. Dieser zweite Eindruck zeigte uns, dass eine Stadt manchmal mehr Zeit und Ruhe braucht, um sie wirklich zu erleben.
Meran – Lauben, Wein und Genuss
In Meran genossen wir die Atmosphäre der Lauben. Wir schlenderten durch die schattigen Arkaden, sahen in kleine Läden, hörten das leise Stimmengewirr und setzten uns zwischendurch in eine Weinstube, um den feinen Südtiroler Wein zu probieren. Hand in Hand, lachend über kleine Geschichten und Streiche, fühlte es sich an, als sei die ganze Stadt nur für uns gemacht.
Heimreise über den Ofenpass – bittersüsser Abschied
Die Heimreise über den Ofenpass war besonders emotional. 12 Tage Wochen voller Lachen, kleine Neckereien, Küsse, Spaziergänge und bewusster Genuss waren vorbei. Mein Herz zog sich zusammen, weil die Rekrutenschule unmittelbar bevorstand – und ich wusste, dass die Realität mich bald einholen würde. Ich hielt Marietheres’s Hand, drückte sie sanft, wir lachten, aber innerlich war es bittersüss. Die Berge zogen majestätisch vorbei, die Erinnerungen funkelten hell in mir, und ich wusste: diese Ferien, dieses Lachen, die Tiroler Musik in Kufstein, der Tag im Weissen Rößl, das feine Mittagessen in der Brauerei und der Wein in Meran – das würde für immer bleiben.
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Ereignisse 1978
1978 war ein bedeutendes Jahr in der Schweiz. Politisch stand die Gründung des Kantons Jura im Mittelpunkt: Mit einer Volksabstimmung im September wurde der neue Kanton beschlossen, ein historischer Schritt für regionale Identität. Das Jahr war aber auch von der Natur geprägt: Sintflutartige Regenfälle im August führten zu schweren Überschwemmungen, die viele Menschen direkt betrafen. Kultur und Sport gaben dem Alltag Farbe: Das Locarno Film Festival, die Tour de Suisse und Tennis%u2011Turniere zeigten die lebendige Seite der Schweiz.
1978 war ein bewegtes Jahr auf der ganzen Welt. Johannes Paul%u202FII. wurde Papst, ein historischer Moment, der vielen Menschen Hoffnung gab. Politisch und gesellschaftlich gab es Umbrüche: In Nahost wurden Friedensgespräche vorbereitet, während in Nicaragua die Revolution näher rückte. Die Welt erlebte Tragödien wie Jonestown (Massentod von über 900 Menschen, wovon 300 Kinder), aber auch Fortschritte in Wissenschaft, Raumfahrt und Umweltbewusstsein. Kultur und Sport prägten den Alltag: Filme wie „Grease“, Disco-Musik und die FIFA-Weltmeisterschaft in Argentinien machten die Welt lebendig.
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Ereignisse 1979
1979 war ein prägendes Jahr für die Schweiz. Der Kanton Jura wurde offiziell gegründet und feierte seinen ersten Geburtstag als eigenständiger Kanton – ein historischer Moment für die Region. Politisch prägten zahlreiche Volksabstimmungen das Jahr, etwa zu Sozial- und Wirtschaftsfragen, und zeigten die Bedeutung direkter Demokratie. Naturereignisse blieben im Fokus: Überschwemmungen und Stürme erinnerten an die Kräfte der Natur. Kultur und Sport gaben dem Alltag Farbe: Das Locarno Film Festival, Sportevents wie die Tour de Suisse und Tennis-Turniere spiegelten das lebendige gesellschaftliche Leben wider.
1979 war ein bewegtes Jahr auf der Welt. Im Iran stürzte der Schah, und Ayatollah Khomeini übernahm die Macht – ein Wendepunkt im Nahen Osten. Die Sowjetunion griff Afghanistan an, während in Großbritannien Margaret Thatcher Premierministerin wurde. In den USA erschütterte der Three-Mile-Island-Unfall die öffentliche Debatte über Kernenergie. Gleichzeitig prägten Kultur, Musik und Sport den Alltag: „Apocalypse Now“, Disco und Punk, sowie weltweite Sportereignisse gaben Farbe. Technologische Fortschritte in Computern und Raumfahrt zeigten, dass die Welt sich schnell veränderte.
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Rekrutenschule Sommer 1979
Juckreiz
“Schon als Kind bemerkte ich, dass meine Haut sehr empfindlich war: Manche Stoffe lösten sofort Juckreiz und Irritationen aus. Beim Militär machte mir das besonders zu schaffen. Die Uniformhosen waren ohnehin lästig, und dennoch trug ich selbst im Sommer immer lange Unterhosen darunter. Sie waren meine kleine Rettung – eine unsichtbare Schutzschicht gegen den kratzigen Stoff, die mir wenigstens ein bisschen Komfort verschaffte, während ich die oft unbequeme Kleidung ertrug.”
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Ende Juni 1979 war es soweit. Ich fuhr mit dem Peugeot 104 nach Wangen an der Aare und rückte in die Rekrutenschule bei den technischen Rettungstruppen ein. Schon die Ankunft war ein Schock: enge Zimmer mit 30 Leuten im Zimmer, Betten einfach, kaum Platz für persönliche Dinge. Privatleben gab es nicht mehr, alles war streng geregelt. Die Uniform war steif und unbequem – die Hosen „bissen“, und jedes Detail musste stimmen.
Der Morgen begann auf ungewöhnliche Weise: noch vor dem Wecker kam die sogenannte Weckrunzel. Der Feldweibel war zuständig, dass jeder rechtzeitig aufstand, und sobald er auf dem Gang auftauchte, begann das Geschrei. Türen knallten, Betten wurden aufgerissen, Stimmen schrien durcheinander – ein Chaos, das einen schlagartig in den Rhythmus der RS katapultierte.
Wir waren eine Kompanie von ungefähr 120 Mann, aufgeteilt in vier Züge zu je 30 Mann. Ich war in einem einzelnen Zug eingeteilt, der wiederum in etwa fünf Gruppen aufgeteilt war. Jede Gruppe hatte einen Gruppenführer im Rang eines Korporals, der die Verbindung zwischen den Ausbildnern und den Rekruten herstellte. So war der Alltag streng hierarchisch, und jeder wusste sofort, wer Anweisungen gab und wer sie auszuführen hatte.
Die erste Woche diente der Angewöhnung an das Militär. Wir mussten grundlegende Abläufe lernen: Übergabe der Waffe, Kleiderfassen, Appelle, Exerzieren und alles, was zur militärischen Routine gehört. Ausgang gab es in dieser Zeit nicht, alles war streng durchgetaktet. Erst später, im Übungsdorf, begann die eigentliche Arbeit der technischen Rettungstruppen – Tragen, Bergen und Retten in praxisnahen Szenarien.
Am Wochenende gab es dann eine kleine Ausnahme: Wir konnten bereits am Samstag um 12 Uhr abtreten, damit auch die Tessiner Rekruten noch rechtzeitig mit dem Zug nach Hause kamen – der Weg von Wangen an der Aare ins Tessin war doch sehr weit.
Der militärische Alltag verlangte bereits alles ab: frühes Aufstehen, körperliche Anstrengung, Disziplin und ein ständiges Funktionieren im Takt des Dienstbetriebs. Die Wochenenden waren eigentlich die wenigen Momente, in denen man kurz Luft holen konnte.
Für mich jedoch bedeuteten sie etwas anderes.
- Berchtold hatte endlich die Baubewilligung für den Neubau/Anbau Alpenrösli erhalten. Das heisst in den nächsten Wochen sollte mit den Baumeisterarbeiten begonnen werden. Vorab musste noch der Bauingenieur seine Pläne zeichnen. Meine Aufgabe war es in meiner kärglichen Freizeit die Ausführungspläne zu zeichnen. So kam es, dass ich während der ersten Wochen der Rekrutenschule jedes Wochenende am Zeichenbrett sass und die Detailpläne für dieses Bauprojekt ausarbeitete.
Während andere Rekruten ihre freie Zeit zur Erholung nutzten, zeichnete ich Schnitte, Details und Massangaben, konzentriert und präzise, denn diese Pläne waren keine Übung. Nach ihnen wurde gebaut.
Die Doppelbelastung war enorm. Unter der Woche die strenge Realität der Rekrutenschule, am Wochenende die konzentrierte Arbeit des Zeichnens. Erholung gab es kaum. Doch innerhalb der Familie fühlte ich mich verpflichtet. Nein zu sagen kam für mich damals nicht in Frage.
Rückblickend war diese Zeit eine harte Schule. Sie zeigte mir früh, wie stark Pflichtgefühl und Verantwortung sein können – manchmal stärker als die eigenen Grenzen. Der Sommer 1979 hat sich mir deshalb tief eingeprägt: als eine Zeit, in der ich lernte, Belastung zu tragen, lange bevor ich gelernt hatte, sie zu begrenzen.
Man musste sich wirklich erst an das Militärwerk gewöhnen, an die strengen Abläufe und die ständige Disziplin.
Trotz des Drucks entstand schnell Kameradschaft. Das gemeinsame Durchstehen von Strapazen, die ständige Beobachtung durch Vorgesetzte und die vielen kleinen, absurden Momente schweissten uns zusammen. Lachen half, die Anspannung zu lindern. So gewöhnte man sich langsam an den Rhythmus – trotz des mulmigen Gefühls, das am ersten Tag noch überwog.
Die RS war ein Sprung in eine völlig andere Welt: hart, diszipliniert, fordernd, aber auch lehrreich. Man lernte nicht nur körperliche Belastbarkeit, sondern auch Teamgeist, Gehorsam und Durchhaltevermögen. Die erste Woche war geprägt von Angst, Staunen und Respekt – eine Erfahrung, die man nicht vergisst.
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Während meiner Zeit bei der technischen Rettungstruppe lernte ich schnell, dass unsere Arbeit weit über das blosse Bedienen von Maschinen hinausging. Motorsägen, Trennschleifer, Schweissgeräte, Kompressoren – all das beherrschte ich, doch der wahre Prüfstein war die Fähigkeit, unter extremen Bedingungen zu handeln.
Ein besonders prägender Teil unserer Ausbildung war der Sanitätsdienst. Wir lernten, Verbände anzulegen, Verletzte zu versorgen und in brenzligen Situationen schnelle Entscheidungen zu treffen. Dieses Wissen war lebenswichtig, nicht nur für unsere Einsätze, sondern auch im Alltag. Es gab mir ein Verantwortungsbewusstsein, das ich bis heute spüre.
In Wangen an der Aare hatten wir ein eigenes Übungsdorf – ein Ort, an dem die Realität so nah war, dass man manchmal den Boden unter den Füssen fast vergaß. Dort übten wir Szenarien, die jedem Einsatz so nahe kamen, dass die Anspannung greifbar war. Besonders die Brandpiste hinterliess einen bleibenden Eindruck: Die Hitze, der Rauch, das prasselnde Feuer, die drängenden Sekunden, in denen Menschen gerettet werden mussten – alles war extrem real. Wir löschten Flammen, retteten „Verletzte“ und mussten gleichzeitig als Team schnell und koordiniert handeln.
Eines Tages besuchte uns eine Delegation aus China. Militärische Führungsleute aus verschiedenen Bereichen standen hautnah neben uns und verfolgten, wie wir die Szenarien meisterten. Es war ein aufregender Moment, unsere Ausbildung auf diesem Niveau zu präsentieren – und zu spüren, dass unser Können anerkannt wurde.
Ein weiterer interessanter Aspekt unserer Ausbildung zeigte sich beim Führerausweis: Ich hatte meinen bereits, doch meine Kollegen, die den Führerausweis noch nicht besassen, konnten sich dank der militärischen Sanitätsausbildung den obligatorischen Nothelferkurs sparen. Für uns in der Rettungstruppe galt diese Ausbildung als vollwertiger Ersatz – ein praktischer Beweis dafür, wie umfassend und wertvoll das Training war.
Rückblickend war diese Zeit bei der technischen Rettungstruppe mehr als nur Ausbildung. Sie hat mich geprägt – in technischer Hinsicht, in meiner Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, und in meiner Haltung gegenüber Extremsituationen. Die Szenen auf der Brandpiste, die Hitze, der Rauch, das Adrenalin, die Delegation aus China – all das hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt und mir gezeigt, was es bedeutet, in kritischen Momenten einen klaren Kopf zu bewahren.
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Die Infanterieausbildung gehört zu den intensivsten Erfahrungen überhaupt. Besonders das Biwakieren im Wald brannte sich tief in mein Gedächtnis ein. Wir übernachteten unter einer einfachen Zeltplane, die wir selbst aufspannten und zusammenknüpften. Oft war die Plane nicht vollständig geschlossen, und der kalte Nachtwind kroch unbarmherzig unter die Plane. Der Waldboden war hart und feucht, die Kälte zog durch die Kleidung, doch wir lagen gruppenweise zusammen, jeder mit dem Gewehr griffbereit.
Das Kochen im Feld war ein Ritual für sich. Mit einfachen Mitteln bereitete man Mahlzeiten zu – Hörnchen mit Gehacktem, „Hörnchen-Pilaf“ genannt – in der Kamelle, einem improvisierten Kochgerät. Der Duft von brennendem Holz mischte sich mit dem scharfen Geruch des angebratenen Fleisches, während der Rauch vom getarnten Feuer fast lautlos durch die Bäume stieg. Jemand kümmerte sich ums Feuer, die anderen schoben Wache, die Ohren stets gespitzt, bereit auf das leiseste Geräusch im Wald zu reagieren.
Tarnung war überlebenswichtig. Das Feuer brannte in einer kleinen Mulde, Rauch und Flamme gut verborgen. Und wir selbst? Wir mussten praktisch unsichtbar sein. Jeder Schritt wurde gedämpft, jeder Ast vermieden, und wir bewegten uns lautlos durch die Dunkelheit, als wäre der Wald selbst unser Gegner. Das Knistern des Feuers, das Rascheln der Blätter, der kalte Atem des Windes – alles verband sich zu einer greifbaren Spannung, die man nur fühlen konnte, wenn man selbst dort war.
Dieses Zusammenspiel aus Teamarbeit, Disziplin, Tarnung und dem ständigen Bewusstsein für die Umgebung prägte die Ausbildung nachhaltig. Es waren Nächte voller Kälte, Duft und Geräuschen, die noch Jahrzehnte später lebendig in meinem Gedächtnis sind.
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Als Rettungssoldat gehörte neben der klassischen Bergungs- und Rettungsausbildung auch eine technische Sprengausbildung zu unserem Programm. Diese Ausbildung wurde von Adjutant Schuler geleitet, der uns mit großer Präzision und strenger Sicherheitsdisziplin in dieses anspruchsvolle Fachgebiet einführte.
Der Zweck dieser Ausbildung war nicht militärische Zerstörung, sondern Hilfeleistung in Katastrophensituationen. Wir sollten lernen, eingestürzte Gebäude zu öffnen, Betonplatten aufzubrechen oder blockierende Bauteile zu entfernen, um Verschüttete möglichst schnell erreichen zu können. Dabei galt immer der Grundsatz, mit möglichst kleinen Ladungen eine gezielte Wirkung zu erzielen.
Zu Beginn erhielten wir eine gründliche theoretische Einführung. Wir lernten die Eigenschaften verschiedener Sprengstoffe kennen, die Wirkungsweise von Detonationen sowie die strengen Sicherheitsvorschriften im Umgang mit Sprengmitteln. Ein großer Teil der Ausbildung bestand darin, die Verantwortung und die möglichen Gefahren richtig einzuschätzen.
In der praktischen Ausbildung arbeiteten wir mit verschiedenen Zündsystemen. Wir verwendeten klassische Zündschnüre, die eine zeitverzögerte Zündung ermöglichten, damit sich die Mannschaft rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Ebenso lernten wir den Umgang mit elektrischen Zündungen. Dabei wurden elektrische Sprengkapseln über Kabel mit einer Zündmaschine verbunden, die durch einen Handgenerator den notwendigen Stromimpuls erzeugte. Diese Methode erlaubte eine präzise und kontrollierte Auslösung der Ladungen.
Ein zentrales Element waren die Sprengkapseln, die als Initialzünder dienten. Sie enthielten einen besonders empfindlichen Sprengstoff, der die eigentliche Hauptladung zur Detonation brachte. Entsprechend sorgfältig mussten diese Komponenten behandelt und vorbereitet werden.
Wir arbeiteten außerdem mit unterschiedlichen Sprengstoffen, meist in Form von Blöcken oder plastischen Ladungen. Diese konnten an Beton, Holz oder Stahl angebracht werden. Je nach Aufgabe wurden kleine, gezielt platzierte Ladungen vorbereitet, um beispielsweise einen Betonblock zu brechen, einen Holzbalken zu trennen oder eine blockierende Konstruktion zu lösen.
Die Übungen fanden unter strenger Aufsicht statt. Jede Ladung wurde sorgfältig vorbereitet, anschliessend kontrolliert und erst nach der Freigabe des verantwortlichen Ausbilders gezündet. Vor jeder Sprengung erfolgte ein klarer Ablauf: Rückzug auf sichere Distanz, Warnruf, Zündung und danach die Kontrolle des Ergebnisses.
Diese Ausbildung beeindruckte mich sehr. Sie zeigte mir, wie viel Präzision, Verantwortung und Disziplin erforderlich sind, um solche technischen Mittel im Dienst der Rettung einzusetzen. Rückblickend war diese Zeit in der Rekrutenschule eine intensive und prägende Erfahrung, die mir den respektvollen Umgang mit Technik, Risiko und Verantwortung deutlich vor Augen führte.
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Eines Montagmorgens, kurz nach dem Antreten, wurde ich vom Kompaniekommandanten in sein Büro gerufen. Dort wartete bereits Adjutant Schuler, der für Sprengungen zuständig war.
In Solothurn stand eine alte Ofenfabrik, ein grosser Industriekomplex, der abgebrochen werden sollte. Die Aufgabe unserer Rekrutenschule bestand darin, das Gebäude durch eine kontrollierte Sprengung zum Einsturz zu bringen und das Gelände einzuebnen. Da ich als Hochbauzeichner und Maurer ausgebildet war und somit viel Verständnis für Baukonstruktionen hatte, fragte mich Adjutant Schuler, ob ich ihn bei der Vorbereitung unterstützen würde.
Gemeinsam fuhren wir nach Solothurn, um das Objekt zu besichtigen. Vor den massiven Mauern und den weitläufigen Fabrikgebäuden erklärte mir der Adjutant seine Vorstellungen. Nach seinen Anweisungen begann ich, die Sprengpläne zu zeichnen. Meine Aufgabe bestand darin, festzulegen, wo die Bohrlöcher angebracht werden mussten, damit die Sprengladungen die tragenden Strukturen gezielt schwächen konnten. Zusammen mit einem Kameraden mass ich anschliessend am Gebäude die entsprechenden Stellen ein und zeichnete die Bohrpunkte an den Mauern an.
Danach rückte die Truppe an. Die Rekruten bohrten die Löcher und setzten die Sprengladungen ein. In der Nacht vor der Sprengung wurde das ganze Gelände streng bewacht. Strassen wurden abgesperrt, und mit Feuerwehrschläuchen richteten wir Wasservorhänge ein, um Staub und mögliche Funken zu binden.
Am Tag der Sprengung versammelten sich Offiziere und Verantwortliche in sicherer Entfernung. Für mich war es eine besondere Situation: Als Rekrut durfte ich bei ihnen stehen und das Ereignis aus nächster Nähe verfolgen. Während der Vorbereitungen hatte ich gewissermassen als rechte Hand von Adjutant Schuler gearbeitet – eine ungewöhnliche Rolle für einen einfachen Rekruten.
Dann kam der entscheidende Moment. Die Zündung erfolgte, ein dumpfer Schlag hallte über das Gelände, und innerhalb weniger Sekunden begann der gewaltige Gebäudekomplex in sich zusammenzusinken. Mauern, Dächer und Hallen brachen gleichzeitig ein, und eine mächtige Staubwolke stieg auf. Genau so, wie wir es geplant hatten. Als sich der Staub langsam legte, war von der einstigen Fabrik kaum mehr etwas zu erkennen – der gesamte Komplex war vollständig in sich zusammengefallen.
Für mich war dieses Erlebnis besonders eindrücklich. Es zeigte mir, wie wertvoll mein handwerkliches Wissen auch in einer völlig anderen Umgebung sein konnte. Als junger Rekrut hatte ich für kurze Zeit eine ungewöhnliche Aufgabe übernommen: die eines technischen Assistenten bei der Planung einer grossen Sprengung.
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Meine Zeit als Rettungssoldat und Kompaniefahrer in der RS
Während meiner Rekrutenschule meldete ich mich freiwillig für eine besondere Zusatzaufgabe: die Ausbildung zum Kompaniefahrer. Dies war keine eigene Schule, sondern eine Parallelrolle innerhalb meiner normalen RS-Zeit als Rettungssoldat. Während meine Kameraden ihre üblichen Rekrutenausbildungen absolvierten, nahm ich zusätzlich an einer spezialisierten Fahrausbildung teil – eine Chance, die nur ausgewählten Anwärtern offenstand.
Nach einem strengen Auswahlverfahren wurde ich genommen. Für uns Kompaniefahrer-Anwärter bedeutete dies: eine umfassende militärische Fahrerausbildung, die weit über normales Fahren hinausging. Wir lernten Theorie, praktische Fahrtechnik, Fahrzeugwartung und Geländefahren.
Die Theorie behandelte Fahrzeugtechnik, Sicherheitsvorschriften, Verkehrsregeln im militärischen Kontext und richtiges Verhalten im Gelände. Danach folgten die praktischen Übungen: Fahren auf Straße und im Gelände, Anhängerfahren, Präzisionsmanöver und das sichere Bedienen verschiedenster Fahrzeuge.
Besonderen Wert legte man auf Fahrzeugwartung. Wir prüften Öl, Wasser, Batterie, Bremsen und Reifendruck, Birnen wechseln, Schneeketten montieren und führten kleinere Reparaturen durch. Samstagmorgens war dafür ein Block reserviert: wir trennten uns von der Truppe, um alle Fahrzeuge gründlich zu warten. So lernte ich Verantwortung, technisches Verständnis und Sorgfalt – Fähigkeiten, die über das reine Fahren hinausgingen.
Unsere Fahrzeugflotte war vielseitig: zweiachsige und dreiachsige Pinzgauer, ein zusätzlicher dreiachsiger Pinzgauer als Sanitätsfahrzeug, Jeep und ein VW Käfer. Wir waren fünf Fahrer, die die Fahrzeuge untereinander aufteilten. Besonders die dreiachsigen Pinzgauer erforderten besondere Aufmerksamkeit, da Fahrverhalten, Wendigkeit und Beladung anders waren als bei den zweiachsigen Fahrzeugen.
Nach Abschluss der Fahrschule erfolgte die Theorie- und Praxisprüfung. Die Prüfungen waren anspruchsvoll, und nur die Hälfte der Anwärter bestand. Ich bestand beide Prüfungen sehr gut, erhielt meinen militärischen Führerausweis und das Spezialabzeichen in Form eines Steuerrades, das meine Rolle als Kompaniefahrer sichtbar machte.
Während der Dienstzeit trug ich den Pronto-Mantel, das Erkennungsmerkmal der Fahrer. Ausserhalb des Dienstes – in der Freizeit oder beim Ausgang – trug ich selbstverständlich die normale Uniform. Das Steuerrad-Abzeichen an der Uniform machte sofort deutlich: „Das sind die Kompaniefahrer – ausgebildet, verantwortungsbewusst und einsatzbereit.“
Ein typischer Tag als Kompaniefahrer begann früh mit dem Appell. Danach ging es an die Fahrzeugkontrolle: Öl, Wasser, Batterie, Reifendruck, Lichter und Schneeketten wurden geprüft. Anschliessend fuhren wir im Gelände oder auf der Strasse, transportierten Material, Anhänger oder Personen und führten Übungsfahrten durch. Geländefahrten waren besonders spannend: sie forderten schnelle Entscheidungen, Fahrzeugbeherrschung und Teamkoordination.
Am Ende des Tages wurden die Fahrzeuge gesichert, kleinere Wartungen durchgeführt und Rückmeldungen an die Vorgesetzten gegeben. Ich war also parallel aktiv: tagsüber Rettungssoldat, daneben Kompaniefahrer mit Verantwortung für Fahrzeuge, Wartung und Geländeeinsätze.
Die Zeit als Kompaniefahrer war ein Höhepunkt meiner RS-Ausbildung: lehrreich, anspruchsvoll und unglaublich spannend. Ich lernte Technik zu verstehen, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und in jeder Situation ruhig und konzentriert zu bleiben. Der Pronto-Mantel, das Steuerrad-Abzeichen und der militärische Führerausweis sind sichtbare Zeichen all dessen – Erinnerungen an eine unvergessliche und prägende Zeit, in der ich zwei Rollen gleichzeitig meistern durfte: Rettungssoldat und Kompaniefahrer.
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Die ersten Wochen der Rekrutenschule 1979 waren eine ganz eigene Welt. Zwölf Wochen lang durchliefen wir die Grundausbildung, dann folgten drei Wochen Verlegung und schließlich noch zwei Wochen zurück in der Kaserne – und plötzlich hatte man das Gefühl, jeden Tag schon tausend kleine Dinge gelernt und erlebt zu haben. Ich merkte schnell, dass mir das Schiessen lag. Präzision, Konzentration, Nervenstärke – und dazu kam das Werfen von Handgranaten, eine Aufgabe, die gleichermaßen aufregend wie verantwortungsvoll war. Jede Handgranate war klein, tödlich und verlangte Respekt.
Während viele Kameraden sich allein auf das Schiessen konzentrierten, bekam ich immer wieder Sonderaufträge, die Verantwortung mit sich brachten. Beim ersten Gefechtsschiessen war ich Kompaniefahrer. Zusammen mit einem Korporal holte ich Munition und Handgranaten vom Munitionsmagazin ab. Aus Sicherheitsgründen luden wir alles in den Anhänger, den wir separat hinter unserem Fahrzeug transportierten. Niemand hätte gedacht, dass wir solche gefährliche Ladung dabei hatten. Unser Ziel war die Schmiedematte im Jura, der Gefechtsschießplatz, auf dem wir unsere Schiessfertigkeiten und das Werfen der Handgranaten übten. Die Verantwortung war greifbar – jede Handgranate, jede Kiste Munition war ein Stück Vertrauen, das man nicht leichtfertig behandeln durfte. Die Begleitung des Korporals gab mir Sicherheit, doch die volle Verantwortung lag spürbar auf meinen Schultern.
Beim zweiten Gefechtsschiessen änderte sich die Aufgabe ein wenig. Ich war nun Fahrer des Sanitäts-Pinzgauers. Sollte ein Unfall geschehen, lag es an mir, den Patienten schnell und sicher ins Spital zu bringen – selbstverständlich mit Begleitperson. Auch während dieser Fahrten konnte ich zwischendurch am Schiessen teilnehmen, aber meine Aufmerksamkeit galt immer auch dem Fahrzeug, dem Patienten und der Sicherheit der Umgebung. Und natürlich den Handgranaten, die wir während der Übungen nutzten – klein, tödlich, aber unter unserer Kontrolle.
Wenn ich heute daran zurückdenke, wird mir klar, wie sehr diese Wochen Verantwortung, Umsicht und klare Nerven erforderten. Munition und Handgranaten im Anhänger transportieren, als Fahrer eines Sanitäts-Pinzgauers bereitstehen, auf der Schmiedematte im Jura trainieren – all das prägte nicht nur meine militärischen Fähigkeiten, sondern auch meine Selbstständigkeit und mein Vertrauen in die eigenen Entscheidungen. Es war eine Mischung aus Adrenalin, Konzentration und der stillen Last von Verantwortung, die auf jedem von uns ruhte – und die ich von Anfang an gespürt und getragen habe.
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Als Kompaniefahrer übernahm ich für eine Woche eine besondere Aufgabe: Ich war Fahrer im Krankenzimmer, kurz KZ genannt. Plötzlich war ich mittendrin in einem kleinen, aber wichtigen Teil des Lebens in der Kaserne: Ich begleitete Soldaten zu medizinischen Terminen, ins Spital, zum Röntgen oder zu sonstigen Untersuchungen.
Während dieser Zeit trug ich die Tenü B – den Ausgangskittel mit den rauen Hosen, im Gegensatz zum Ausgangstenü mit den feineren Stoffhosen. Dies verlieh mir ein zusätzliches Gefühl von Verantwortung und Zugehörigkeit. Jede Fahrt war anders. Manchmal ging es ruhig zu, andere Male war es hektisch, wenn ein dringender Transport notwendig war. Selbstverständlich gehörte dazu auch der Wochenenddienst – der Sonntag eingeschlossen –, sodass Verantwortung keine Pause kennt, egal ob Werktag oder Wochenende.
Diese Zeit hat mir viel gegeben: ein Gefühl für Verantwortung, die Bedeutung von Zuverlässigkeit und Organisation und die Erfahrung, dass selbst scheinbar kleine Aufgaben einen wichtigen Beitrag für das Wohl anderer leisten. Rückblickend war diese Woche im Krankenzimmer eine intensive, lehrreiche Zeit, die mir einen tiefen Einblick in die Abläufe und Menschen hinter der Uniform gab.
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Während der dreiwöchigen Verlegung in Hochwald war ich Fahrer des Kompaniekommandanten. Mein Fahrzeug war ein offener Willys Jeep, ohne Türen und nur mit einem Stoffverdeck. Jede Fahrt fühlte sich dadurch direkt und unverfälscht an – der Wind strich mir ins Gesicht, der Geruch von nassem Laub und Erde stieg auf, und jede Bodenwelle ließ den Jeep leicht erzittern. Die Vibration des Motors unter meinen Händen war konstant spürbar, fast wie ein Herzschlag, der das Fahrzeug lebendig machte.
In der Regel war ich alleine mit dem Kompaniekommandanten unterwegs. Nur bei Übungen sass zusätzlich ein Funker hinter uns, mit seinem großen Kasten, Kopfhörern und der imposanten Antenne. Dann war die Fahrt fast wie ein kleines militärisches Unternehmen, sonst aber spürte man die Nähe und Ruhe zwischen Kommandant und Fahrer – eine vertraute, konzentrierte Partnerschaft auf vier Rädern.
Das Wetter verlieh den Fahrten zusätzliche Intensität. Früh am Morgen war die Luft frisch und klar, die Kälte biss leicht in den Fingern, und der Nebel schwebte zwischen den Bäumen, während die Räder über feuchtes Laub rollten. Später erwärmte die Sonne die Umgebung, und die Geräusche des Herbstwaldes – das Rascheln der Blätter, das Knacken von Ästen unter Tieren, das ferne Rufen eines Vogels – mischten sich mit dem gleichmäßigen Brummen des Motors. Regen überraschte uns manchmal und machte das Stoffverdeck klatschnass, während kleine Pfützen auf dem Weg spritzten und den Jeep leicht durchschüttelten.
Wir waren unterwegs zu Übungen, Besuchen bei anderen Zügen, Inspektionen von Arbeitern oder Fahrten zum Stab in die Kaserne Liestal. Jede Fahrt war anders, jede Strecke hatte ihren eigenen Rhythmus. Trotz der Anstrengungen war es ein Gefühl von Intensität und Verantwortung, das mich ständig auf Trab hielt.
Ich kannte die anderen Fahrer schon von der Ausbildung her, doch es war jedes Mal eine Freude, wieder meine alten Weggefährten zu treffen. Wir Kompaniefahrer hatten ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Während der Fahrten spürte ich immer wieder die Kameradschaft und das unaufdringliche Vertrauen zwischen uns, das diese Zeit nicht nur fordernd, sondern auch besonders bereichernd machte.
Rückblickend waren diese drei Wochen unglaublich lehrreich und prägend. Ich bekam einen tiefen Einblick in die Arbeit des Kompaniekommandanten – direkt, hautnah und ununterbrochen in Bewegung. Die Mischung aus Verantwortung, Nähe zum Geschehen und dem ständigen Wechsel von Natur, Wetter und Übungen machte die Erfahrung unvergesslich. Jeder Motorvibration, jeder Duft des Herbstwaldes, jeder frische Morgenhauch bleibt mir bis heute in Erinnerung – ein intensives Mosaik aus Geräuschen, Gerüchen, Bewegung und menschlicher Nähe, das diese Zeit so lebendig machte.
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Vor der Verlegung nach Hochwald stand die Fahnenübergabe auf dem Programm, begleitet vom strengen Klang des Fahnenmarsches. Alle Kompanien rückten zusammen und bildeten das Rekrutenbataillon. In unserer Kompanie erinnere ich mich besonders an zwei Rekruten: den lieben Moll, ein Basler, ein Hühne von einem Mann, und den kleinen Zink, ebenfalls aus Basel.
Während des Fahnenmarsches verharrten wir in Achtungsstellung, die Körper steif, die Augen auf die Fahne gerichtet. Der große Hüne Moll stand in der vordersten Reihe und der kleine Zink ganz hinten und dann geschah es: Moll und Zink scherten aus der strengen Formation aus, hängten sich gegenseitig ein und begannen, ausgelassen im Takt der Musik zu tanzen. Ihre Lebensfreude war ansteckend, und trotz aller Disziplin konnten wir uns ein Lächeln nicht verkneifen.
Der Schulkommandant war fassungslos. Zur Strafe mussten wir am Nachmittag einen langen Marsch unter sengender Hitze absolvieren, zwei Stunden lang mit Schutzmasken, die jede Bewegung erschwerten. Trotz der Strapazen blieb dieses Erlebnis unvergesslich: der Mut und die Unbeschwertheit von Moll und Zink überstrahlten alles und hinterliessen ein lebendiges Bild von Humor und Lebensfreude mitten in der strengen Ordnung der Rekrutenschule.
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Anfang September 1979, mitten in meiner Rekrutenschule, beantragte ich Urlaub, um die Aufnahmeprüfung für die Polierschule in Aarau abzulegen. Der Urlaub wurde genehmigt, und so fuhr ich in meiner Militäruniform für einen Tag nach Unterentfelden, wo ich meinen Bruder Willi traf, der ebenfalls die Prüfung absolvierte. Ich freute mich, ihn zu sehen, und war besonders froh, dass auch er die Chance hatte, die Prüfung zu bestehen.
Kurz darauf erhielten wir die Nachricht: Wir hatten beide bestanden! Dass dies den Militärs nicht verborgen blieb, merkte ich schnell – sie hatten es bemerkt, und das sollte später Konsequenzen für mich haben. Pläne wurden für mich gemacht, von denen ich damals noch keine Ahnung hatte. Im Frühjahr 1980 stand dann die Ausbildung an der Polierschule in Aarau bevor – ein neuer Abschnitt voller Möglichkeiten, doch zugleich verbunden mit den unerwarteten Erwartungen der Militärwelt.
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Nachdem ich die Aufnahmeprüfung an der Polierschule in Aarau bestanden hatte, merkte ich schnell, dass dies den Militärs nicht verborgen geblieben war. Plötzlich war klar: Aufgrund dieses Erfolgs war ich für eine spätere Offizierslaufbahn gesetzt. Vorab musste ich jedoch die Unteroffiziersschule besuchen. Eine Wahl hatte ich nicht – die Militärs hatten Pläne für mich, von denen ich damals noch keine Ahnung hatte. Es war ein eigenartiges Gefühl: Einerseits stolz auf meinen persönlichen Erfolg, andererseits von der Militärhierarchie auf einen Weg gedrängt, den ich nicht selbst gewählt hatte.
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Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, als würde sich die Welt um mich herum plötzlich verengen und darüber die allgegenwärtige Erkenntnis, dass es kein Entkommen gab. Ich erhielt den Vorschlag, Korporal zu werden, Gruppenführer – eine Führungsrolle, die auf den ersten Blick eine Ehre war. Doch in mir stieg sofort Widerstand auf. Ich wollte diese Verantwortung nicht tragen, fühlte mich nicht bereit, und doch war es keine Frage des Wollens.
Das Militärgesetz von damals liess keine echten Entscheidungen zu. Wer sich widersetzte, riskierte Gefängnis. Für mich, der die Polierschule in Aarau unbedingt absolvieren wollte, war dies keine theoretische Bedrohung, sondern eine handfeste Realität: Ohne den Dienst abzuleisten, ohne zu unterschreiben, wäre mein weiterer Lebensweg blockiert gewesen. Meine Zukunft hing buchstäblich davon ab, zu tun, wozu ich gezwungen wurde.
Ich erinnere mich, wie ich die Unterlagen vor mir liegen sah, den Stift in der Hand, den Druck auf meinen Schultern wie ein Gewicht, das mich niederzudrücken drohte. Zähneknirschend unterschrieb ich, Korporal werden, den Gruppenführer übernehmen – nicht aus Stolz, nicht aus Ehrgeiz, sondern aus der einzigen Option, die mir blieb: weiterzumachen, zu gehorchen, zu überleben.
Die Tage danach waren geprägt von dieser bitteren Mischung aus Pflicht und Zwang. Jede Entscheidung, die ich traf, jede Anweisung, die ich ausführte, erinnerte mich daran, dass mein eigener Wille von äusseren Zwängen überlagert war. Und doch – trotz der Enge, trotz der Angst – entwickelte sich eine innere Klarheit: Ich tat, was nötig war, um meinen eigenen Weg zu sichern, meine Ziele nicht aufzugeben, auch wenn der Preis darin bestand, eine Rolle anzunehmen, die ich nicht wollte.
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Zusammen mit den anderen zukünftigen Unteroffizieren, den angehenden Korporalen, wurden wir gesondert zusammengezogen. Halbtags erhielten wir spezielle Lektionen, die uns auf unsere künftigen Aufgaben vorbereiteten: von der Führung kleiner Gruppen über die Organisation von Abläufen bis hin zur grundlegenden militärischen Disziplin. Diese Stunden waren mehr als nur Unterricht; sie gaben uns einen ersten Einblick in die Verantwortung, die uns erwartete, und legten den Grundstein für das, was später die Unteroffiziersschule vertiefen sollte. Es war eine intensive, manchmal fordernde, aber zugleich prägende Erfahrung, die mir sehr früh bewusst machte, welche Bedeutung Führung, Pflichtbewusstsein und Zusammenhalt hatten.
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Alles, was ich tun konnte, war, mich auf das Kommende vorzubereiten – auf die strengen Regeln der Kaserne, die neuen Anforderungen der Unteroffiziersschule und auf eine Laufbahn, die mir damals noch vage und vorbestimmt erschien.
Im Januar 1980 sollte ich in Wangen an der Aare in die Kaserne einrücken, direkt im Städtchen, in der alten Kaserne, um die Unteroffiziersschule zu absolvieren. Ich hatte keine Wahl. Meine Begeisterung? Sehr begrenzt. Es war ein Trauerspiel für mich. Ich hätte wirklich gerne darauf verzichtet, wollte meine Pläne nicht verschieben, und doch musste ich – unter anderem bedeutete das auch, dass ich den Beginn meiner Polierschulausbildung um ein ganzes Jahr verschieben musste.
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Etwa Mitte November 1979 endete meine Rekrutenschule. Von da an bis Anfang Januar gehörten die Wochenenden ganz Marietheres und mir. Doch sobald wir zusammen waren, schien die Zeit stillzustehen. Wir spazierten durch die ruhige Natur von Giswil, lachten über kleine Alltäglichkeiten und genossen einfach die Nähe des anderen. Stundenlang nebeneinander zu sitzen, ohne viel zu sagen, reichte uns vollkommen. Es war schön, einfach zusammen zu sein – ganz ohne Grund, nur wegen der Freude aneinander.
Die Wochenenden in Giswil wurden zu kleinen Inseln der Zärtlichkeit, einer Pause zwischen den Pflichten des Militärs und der Arbeit bei meinem Vater. Marietheres konnte sich nie für das Militär begeistern, ich hingegen akzeptierte diese Welt als eigene Realität. Doch sobald wir wieder zusammen waren, zählte nur ihre Nähe. Diese gemeinsamen Stunden waren intensiver als jeder Drill, jede Vorschrift, und ich wollte sie in vollen Zügen auskosten, bevor Anfang Januar die Unteroffiziersschule rief.
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Unteroffizierschule, Abverdienen, Unfall «OS» 1980
Es war Anfang 1980, und ich stand vor einer Realität, die mir alles andere als angenehm war. Ich hatte die Aufnahmeprüfung an der Polierschule in Aarau bestanden – ein Erfolg, auf den ich stolz sein könnte. Doch in der Militärwelt hatte dieser Erfolg sofort andere Konsequenzen. Die Rettungstruppen suchten gezielt Baufachleute, die höhere Schulen besuchen werden, für ihr zukünftiges Kader. Ich war einer von ihnen, und damit war mein Weg vorgezeichnet.
Anfang Januar 1980 musste ich widerwillig in Wangen an der Aare in die Unteroffiziersschule einrücken. Es war alles andere als freiwillig, und meine Begeisterung dafür tendierte gegen null. Ich fühlte mich, als hätte man mir meine Pläne gewaltsam entrissen – ein echtes Trauerspiel. Alles, wofür ich mich vorbereitet hatte, musste warten. Besonders schmerzlich: Der Beginn der Polierschule, auf den ich mich so gefreut hatte, verschob sich dadurch um ein ganzes Jahr. Jeder Tag in de Kaserne erinnerte mich daran, dass ich keine Kontrolle über mein eigenes Leben hatte.
Jeder Tag erinnerte mich daran, dass ich nicht selbst entscheiden konnte. Innerlich regte sich Widerstand, ein leises, ständiges Aufbegehren gegen das Vorgefertigte. Stolz auf meine Leistungen mischte sich mit Frust und einer Ahnung von Pflicht, die mir von außen aufgezwungen wurde.
Und doch wusste ich, dass dies ein notwendiger Schritt war. Ein Schritt, den ich nicht ablehnen konnte, auch wenn er mich zurückhielt und meine eigenen Pläne verschob. Es war ein seltsames, widersprüchliches Gefühl: Erfolg, Pflicht, Zwang, Enttäuschung – alles gleichzeitig, eingesperrt in den Mauern der alten Kaserne und in der engen Struktur der militärischen Hierarchie.
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Wintertag an der Unteroffiziersschule Wangen an der Aare, Januar 1980
Die Tagwache war jeden Morgen um 5:30 Uhr. Es war noch stockfinster, die dicken Mauern der alten Kaserne hielten den Wind draussen, aber die Luft in unseren Schlafräumen war trotzdem bitterkalt. Die Fenster waren innen gefroren, jeder Atemzug malte kleine Wolken auf das Glas. Kein Wecker weckte uns – es war der Feldweibel, der durch die Räume schritt und mit harter Stimme rief: „Aufstehen! Aufstehen!“ Schlaftrunken erhoben wir uns.
Zuerst erledigten wir die Morgentoilette: Waschen, rasieren – beides gehörte zur Pflicht und zum Tagesritual. Jeder Handgriff musste präzise sitzen, selbst in der Kälte. Erst danach zogen wir die Uniform an, mechanisch und routiniert, jeder Schritt geübt, ohne zu zögern. Meine Hände und Füsse waren kalt.
Frisch gewaschen, rasiert und angezogen ging es anschließend zum Frühstück, das uns Kraft für den bevorstehenden Tag geben sollte.
Um 7:00 Uhr standen wir draußen zum Antrittsverlesen. Der Schnee glitzerte matt unter den schwachen Lichtern der Kaserne, der Atem stieg in dicken Wolken auf. Wir standen still in Reih und Glied, Füsse tief im gefrorenen Pflaster, Augen auf den Feldweibel gerichtet. Er schritt die Formation ab, Kommandos hallten von den alten Mauern wider:
„Rechts um! Stillgestanden! Meldung!“
Die Kälte brannte in Gesicht und Händen, jeder Schritt musste sitzen, jede Bewegung präzise ausgeführt werden. Stolz auf die korrekte Ausführung mischte sich mit einem leisen, inneren Widerstand gegen die Strenge des Reglements.
Nach dem Antrittsverlesen folgte die halbstündige Zugschule. Exerzieren, Marschieren, Formationen einhalten – jeder Befehl präzise auszuführen. Die Schuhe knirschten im Schnee, die Glieder steif von der Kälte, jeder Schritt verlangte Aufmerksamkeit. Trotz der Kürze der Übung spürte man, wie die Kälte den Körper testete und die Sinne schärfte.
Dann ging es hinein ins Theorielokal. Hohe Decken, Steinböden, kalte, aber windstille Luft. Hier büffelten wir Kartenkunde, Taktik, nahmen Frontalunterricht entgegen. Augen auf die Unterlagen, Ohren auf den Lehrer gerichtet. Hier wurde der Geist gefordert, während der Körper sich etwas erholen konnte. Doch die innere Anspannung blieb: Disziplin, Pflichtbewusstsein und Stolz auf das, was wir gelernt hatten, waren allgegenwärtig.
Am Nachmittag folgten weitere Kurse im Freien: Orientierung, Geländeübungen, Schießtraining. Minusgrade, Eis und Schnee machten jeden Schritt zu einer Herausforderung. Wir froren an die Hände und Füsse, die Glieder wurden steif. Körper und Geist waren gleichermassen gefordert, Durchhaltevermögen und Präzision mussten stimmen.
Der Abend brachte die härteste Prüfung: Nachtmärsche entlang der Aare. Dunkelheit, Minustemperaturen, knirschender Schnee unter den Schuhen. Nur unsere Taschenlampen beleuchteten punktuell den Weg, warfen spitze Lichtkegel auf den Schnee. Zwei Stunden marschierten wir die Aare hinunter, dann wieder zurück in die Kaserne. Jeder Schritt war Pflicht, jede Bewegung kontrolliert, jeder Atemzug spürbar in der frostigen Luft. Stolz, Willenskraft und Disziplin trugen uns durch die Dunkelheit und die Kälte, während wir zurückkehrten, bereit für den nächsten Tag.
Wenn ich heute daran zurückdenke, erinnere ich mich an die Kälte, den Schnee, die strengen Kommandos. Ich erinnere mich an die Mischung aus Stolz, körperlicher Anstrengung, innerer Disziplin und dem leisen Widerstand, die jeden Tag zu einer Prüfung machte – eine Prüfung, die uns körperlich und geistig formte.
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Erinnerung:
Mehrtägige Durchhalteübung, Unteroffiziersschule Wangen an der Aare, Januar 1980
In der letzten Woche der Unteroffiziersschule standen wir vor einer mehrtägigen Durchhalteübung, die alles von uns forderte. Der Winter war gnadenlos: unaufhörlich fiel Schnee, die Kälte kroch unter jede Kleidungsschicht, ließ unsere Glieder steif werden und jedes Zittern bis in die Knochen spüren. Jeder Schritt über verschneite Strassen, gefrorene Felder und glatte Wege war ein Kampf gegen den eigenen Körper, der uns ständig sagen wollte: „Gib auf!“ Wir mussten im Winter über die Schmiedematt. Die Schmidenmatt befindet sich im Kanton Solothurn auf der ersten Jurafalte südlich von Herbetswil, in der Region Thal an der Grenze zum Kanton Bern. Die Schmiedematt liegt auf das 1'000 m. ü. M.
Die Nächte verbrachten wir auf dem harten Turnhallenboden, nur unsere Schlafsäcke schützten uns vor der Kälte. Jede unruhige Stunde erinnerte uns daran, wie sehr Körper und Geist belastet werden können. Tagsüber mischten sich körperliche Strapazen mit geistiger Anstrengung: Posten, Fragen, Schießübungen. Jeder Schritt, jeder Marsch, jede Aufgabe wurde zur Prüfung unserer Ausdauer, unseres Durchhaltevermögens und unserer Fähigkeit, den inneren Schweinehund zu überwinden.
Doch wir waren ein Team. Wer Mühe hatte, dem halfen wir. Wir trugen Gewehre, motivierten, hielten zusammen. Schritt für Schritt, Nacht für Nacht, überstanden wir die extremen Bedingungen – nicht als Einzelkämpfer, sondern als Gruppe. Die gemeinsame Anstrengung, das gegenseitige Aufrichten und Anspornen machte uns stark und unbesiegbar in unserer Einheit.
Am letzten Tag, gegen 16 Uhr, erreichten wir die Kaserne. Die letzte Prüfung wartete: der feierliche Einmarsch. Jede Gruppe musste perfekt im Gleichschritt einmarschieren. Wer wankte, musste zurück zur Pforte und erneut antreten. Erschöpft, durchgefroren, aber gemeinsam, schritten wir ein – jeder Schritt ein Triumph über Kälte, Schmerz und Erschöpfung. Schliesslich wurden wir vom Schulkommandanten, Major Marfurt, offiziell zum Unteroffizier brevetiert.
In diesem Moment fühlten wir Stolz, Erleichterung und Erfüllung zugleich. Wir hatten den inneren Schweinehund besiegt, unsere Grenzen überwunden und uns gegenseitig getragen. Wir hatten nicht nur eine Prüfung bestanden – wir hatten gelernt, was echte Kameradschaft bedeutet.
Und genau diese Erfahrung, diese Mischung aus Härte, Durchhaltevermögen und Teamgeist, würden wir später auch von den zukünftigen Rekruten verlangen. Denn nur wer selbst weiß, wie es ist, bis ans Limit zu gehen, kann verstehen, wie wertvoll Zusammenhalt, Durchhaltevermögen und gegenseitige Unterstützung wirklich sind. Diese Lektion tragen wir nicht nur in uns – wir geben sie weiter.
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Als Gruppenführer in der Schweizer Armee 1980 hatte man seine kleinen Privilegien – nicht dass wir überheblich wurden, aber es war schon angenehm: Wir assen separat, in eigenen Räumen, während die Rekruten in der Kantine Schlange standen. Unsere Schlafräume waren sauberer, etwas ruhiger – und ja, wir mussten unsere Kleider nicht selbst schrubben. Das Soldgeld war ein bisschen höher.
Dazu kam die unvermeidliche Autorität: Plötzlich hatten wir die Macht, zu führen, zu organisieren, manchmal sogar kleine Extrawürste zu verteilen. Zwischen Übungen, Marschbefehlen und endlosen Formationen lernten wir Verantwortung – und nebenbei auch, wie man ein bisschen «Luxus» geniesst, ohne sich zu wichtig zu nehmen. Es war eine Mischung aus Pflicht, Kommandieren und kleinen, heimlichen Freuden, die den Militäralltag eindeutig erträglicher machten.
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Nach dem Abschluss der Unteroffiziersschule öffnete sich für mich ein neuer Abschnitt: Der Adjutant Zwygart, der mich noch von meiner eigenen Rekrutenschule kannte, wählte mich als Hilfsfahrlehrer aus. In den ersten zwei Wochen der Rekrutenschule durfte ich die neuen Rekruten auf ihrem Weg zum Kompaniefahrer begleiten. Es war faszinierend zu sehen, wie sie mit jedem Manöver, jeder Kurve und jedem Gang an Sicherheit gewannen – und ich konnte meine Erfahrung in kleinen Tipps weitergeben, die oft den entscheidenden Unterschied machten.
Später übernahm ich die Verantwortung als Korporal für die Kompaniefahrer bis zur Verlegung, ehe der Motorfahrkorporal diese Aufgabe übernahm. Meine Rolle war weniger die des Fahrers selbst, sondern die des Begleiters und Beobachters: Ich war dabei, wenn sie durch das Gelände zogen, bei Transportaufträgen oder Routinefahrten, und sorgte dafür, dass alles reibungslos verlief und die Ruhezeiten eingehalten wurden.
Diese Zeit war ein Geflecht aus Verantwortung, Beobachtung und stiller Freude über die Fortschritte der Rekruten. Ich stand am Rand, doch mitten im Geschehen – und spürte, wie Vertrauen und Erfahrung in diesen Wochen nicht nur die Soldaten, sondern auch mich selbst prägten.
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Erst in der dritten Woche stiess ich dann zu meinem eigentlichen Zug, wo mir schliesslich meine eigene Gruppe von sechs bis acht Mann anvertraut wurde. Als Gruppenführer lag die Verantwortung für diese Truppe vollständig bei mir – für ihren Einsatz, ihre Sicherheit und ihre Ausbildung.
Meine Gruppe begann zunächst mit der Grundausbildung an allen Geräten. Wir lernten den Umgang mit hydraulischen Hebekissen, Spreizern, Schneidwerkzeugen, Tragen und weiterer Spezialausrüstung. Auch die Sanitätsausbildung gehörte zum Programm: Verletztenversorgung, Stabilisierung, Tragen und Transport mussten wir bis zur Routine beherrschen. Es war ein intensives Training, in dem Theorie und Praxis eng miteinander verbunden wurden, damit jeder Handgriff sass und jede Maßnahme sicher durchgeführt werden konnte.
Danach führten uns die Übungen in die Praxis: Trümmerfelder, eingestürzte Gebäude, Brände und Verletzte nach Bombenangriffen. Jede Übung erforderte präzise Teamarbeit und von mir schnelle Entscheidungen. Ich teilte die Trupps ein, überwachte die Arbeit, korrigierte Handgriffe und sorgte dafür, dass niemand unnötig gefährdet wurde.
Morgens überprüften wir Geräte und Material, planten den Ablauf und besprachen die Aufgaben. Nachmittags wiederholten wir Rettungseinsätze unter erschwerten Bedingungen – Rauch, instabiler Boden, Trümmer – um die Einsatzbereitschaft der Gruppe zu stärken. Ich sah, wie meine Gruppe zusammenwuchs, wie jeder auf den anderen achtete, und wir lernten, auch in gefährlichen Situationen ruhig zu bleiben und effizient zu handeln.
Diese Wochen prägten mich nachhaltig. Ich lernte, Verantwortung zu tragen, Entscheidungen unter Druck zu treffen und ein Team zu führen. Es waren Erfahrungen, die weit über die militärische Ausbildung hinausgingen – Lektionen über Mut, Zusammenhalt und das menschliche Mass in Extremsituationen.
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Raketenrohr
Eine der eindrücklichsten Erinnerungen aus meiner Militärzeit als Korporal und Gruppenführer bei den technischen Rettungstruppen stammt aus einem Gefechtsschiessen im Jura. Der Schiessplatz Schmiedematte, auf dem diese Übung stattfand, war gewaltig gross – eine weite, raue Landschaft mit Hügeln, Waldstücken und offenen Flächen, die sich scheinbar endlos ausdehnten.
An jenem Tag war der Himmel schwer von Wolken verhangen. Ein feiner, gleichmässiger Regen fiel über das Gelände und legte sich wie ein dünner Schleier über die Landschaft. Die Luft war kühl und roch nach nasser Erde und Gras. Trotz des Regens herrschte auf dem Schiessplatz konzentrierte Betriebsamkeit. Immer wieder hallten in der Ferne Schüsse über die Hügel des Juras.
Obwohl unsere eigentliche Aufgabe bei den technischen Rettungstruppen lag, wurde ich für dieses Gefechtsschiessen in einem Schnellkurs auf die Bedienung eines 8,3-cm-Raketenrohrs ausgebildet. Für mich war das etwas Besonderes, denn mit einer solchen Waffe hatte ich zuvor noch nie gearbeitet. Sie gehörte normalerweise zur Ausrüstung der Infanterie und war zur Bekämpfung gepanzerter Fahrzeuge gedacht.
Die Einweisung begann sachlich und konzentriert. Das Raketenrohr selbst wirkte zunächst erstaunlich schlicht: ein langes Rohr mit Zielvorrichtung, Griffen und Abzugseinrichtung. Doch man merkte sofort, dass es sich um eine ernst zu nehmende Waffe handelte. Der Ausbilder erklärte uns ruhig und präzise jeden Handgriff – vom Ansetzen über das Zielen bis zum Abdrücken.
Immer wieder betonte er die Sicherheitsregeln. Besonders wichtig war der Bereich hinter dem Schützen. Beim Abschuss entstand dort ein starker Rückstrahl aus heissen Gasen und Flammen. Wer sich dort aufhielt, konnte schwer verletzt werden. Deshalb gehörte der Blick über die Schulter, um den Raum hinter dem Rohr zu kontrollieren, zu den ersten Dingen, die uns eingebläut wurden.
Beim eigentlichen Gefechtsschiessen nahm ich meine Stellung nicht im Stehen oder Knien ein, sondern bewusst im Liegen. Diese Haltung bot ein möglichst kleines Ziel und entsprach der taktischen Regel, dem Gegner so wenig Angriffsfläche wie möglich zu geben. Im nassen Gras des Jurabodens lag ich mit dem Raketenrohr auf der Schulter, den Körper flach an den Boden gedrückt. Der feine Regen prasselte leise auf Helm und Uniform.
Vor mir lag das weite Gelände der Schmiedematte, verschwommen in grauen Schleiern aus Regen und Nebel. Irgendwo in der Ferne befand sich das Ziel. Trotz der kühlen Luft und des nassen Bodens war meine ganze Aufmerksamkeit auf das Zielen gerichtet.
Für einen kurzen Moment schien alles still zu stehen. Ich blickte durch die Zielvorrichtung, konzentrierte mich auf den dunklen Punkt in der Ferne und blendete alles andere aus.
Dann kam der Befehl zum Schuss.
Ich drückte den Abzug. Im selben Augenblick durchbrach ein lauter Knall die Stille, begleitet von einem scharfen Zischen, als die Rakete aus dem Rohr schoss. Hinter mir fauchte der Rückstrahl, wirbelte Wasser, Erde und kleine Steinchen auf und liess die Luft flimmern. Die Rakete raste durch den regnerischen Himmel auf ihr Ziel zu.
Wenige Sekunden später war die Wirkung zu sehen.
Ich hatte das Ziel sauber getroffen – absolut ins Schwarze.
Dieser Augenblick blieb mir besonders in Erinnerung. Nicht nur wegen der Kraft dieser Waffe, sondern auch wegen der Verantwortung, die man als Schütze trug. Jeder Handgriff musste sitzen, jede Sicherheitsregel beachtet werden. Fehler hätten schwerwiegende Folgen haben können.
Das Gefechtsschiessen auf der Schmiedematte war für mich eine eindrückliche Erfahrung. Es zeigte mir, wie vielseitig die militärische Ausbildung sein konnte. Auch wenn unsere Hauptaufgaben in der technischen Hilfe und Rettung lagen, wurde von uns erwartet, dass wir im Ernstfall auch mit den Waffen der Armee umgehen konnten.
Rückblickend blieb dieser Tag im Jura einer jener seltenen Momente meiner Dienstzeit, die sich tief ins Gedächtnis eingeprägt haben: der graue Himmel über der weiten Landschaft, der feine Regen auf der Uniform, das nasse Gras unter mir, das Gewicht des Raketenrohrs auf der Schulter – und der Augenblick, in dem der Schuss fiel und die Rakete ihr Ziel exakt traf.
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Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich die Feldweibelschule besuchen und damit den Weg zum Feldweibel einschlagen sollte. Eine Woche beim Feldweibel schnuppern genügte, um ein klares Bild von dieser Rolle zu bekommen. Sofort wurde mir bewusst, dass es sich dabei keineswegs um eine blosse Zwischenstation handelt, sondern um eine Aufgabe, die unmittelbare Verantwortung und Nähe zur Truppe verlangt. Als Feldweibel organisiert man nicht nur den Dienstbetrieb, überwacht Anwesenheit und Material, sondern koordiniert Übungen, Ausbildung und praktische Einsätze. Man ist die erste Anlaufstelle für Soldaten, ein Bindeglied zwischen Offizieren und Mannschaft, und trägt Verantwortung für die Umsetzung von Befehlen und den geordneten Ablauf des Dienstes. Die Arbeit ist unmittelbar, greifbar und unverzichtbar – man steht mitten im Geschehen, lernt die Menschen und ihre Stärken und Schwächen genau kennen, und wird selbst ein Teil des Alltags, der das Fundament der Truppe trägt.
Im Vergleich dazu ist die Laufbahn eines Offiziers von einer anderen Art Verantwortung geprägt. Offiziere übernehmen die strategische Leitung größerer Einheiten, planen Einsätze und treffen Entscheidungen, die weit über den direkten Truppendienst hinausgehen. Sie müssen theoretische und taktische Grundlagen ebenso beherrschen wie die Führung auf höherer Ebene. Während der Feldweibel nahe am Geschehen ist und das direkte Miteinander steuert, liegt die Verantwortung des Offiziers auf einer übergeordneten, planenden Ebene, die den Einsatz der gesamten Einheit koordiniert und lenkt. Beide Rollen sind wichtig, aber sie fordern unterschiedliche Fähigkeiten, Perspektiven und Prioritäten.
Obwohl die Aussicht, Feldweibel zu werden, mir sehr reizvoll erschien, entschied ich mich bewusst, die Feldweiberschule nicht zu besuchen und diesen Weg nicht einzuschlagen. Diese Entscheidung war nicht nur eine persönliche Wahl, sondern hatte auch kollegiale Bedeutung: Mein dienstlicher Kamerad, ein Lehrer, war für die Offizierslaufbahn nicht vorgesehen. Durch meinen Verzicht auf die Feldweibelrolle öffnete ich ihm die Möglichkeit, genau diese Laufbahn einzuschlagen und seine Fähigkeiten auf eine Weise einzubringen, die ihm zuvor verwehrt gewesen wäre.
Rückblickend zeigt mir diese Erfahrung, dass Verantwortung oft über das eigene Handeln hinausreicht. Manchmal bedeutet Grösse im Leben nicht, den nächsthöheren Rang selbst zu erreichen, sondern zu erkennen, wo man durch einen bewussten Schritt anderen Türen öffnen kann. Die Entscheidung, die Feldweiberschule nicht zu besuchen, verband für mich Verantwortung, praktische Erfahrung und die Chance, einem Kameraden den Weg zu ebnen – und hinterliess das beruhigende Gefühl, dass mein Handeln einen spürbaren, positiven Einfluss hatte. Es ist eine Lektion, die ich bis heute mitnehme: Erfolg misst sich nicht nur an eigenen Errungenschaften, sondern auch daran, wie man durch eigene Entscheidungen das Potenzial anderer fördern kann.
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Schon früh während meiner Zeit bei den Rettungstruppen merkte ich, dass diese Phase mehr sein würde als nur eine militärische Grundausbildung. Aufgrund meiner Leistungen und meiner Führungsfähigkeiten wurde ich als Aspirant für die Offiziersschule ausgewählt – doch dieser Status brachte nicht nur Ehre, sondern auch besondere Anforderungen mit sich.
Von Anfang an stand ich unter intensiver Beobachtung des Schulkommandanten. Jede Aufgabe, die mir übertragen wurde, jede Übung, die ich leitete, wurde genau registriert. Ich übernahm Verantwortung als Gruppenführer, leitete Übungen, koordinierte Einsätze und musste gleichzeitig beweisen, dass ich auch unter Druck die richtigen Entscheidungen treffen konnte. Es war ein ständiges Testen meiner Belastbarkeit und meines strategischen Denkens.
Der Schulkommandant hatte dabei eine besondere Perspektive: Er kannte die Bauführerschule in Aarau, die ich absolvieren wollte, aus eigener Erfahrung. Der Freund seiner Tochter wollte diese Schule ebenfalls besuchen, hatte die Aufnahmeprüfung aber noch nicht absolviert. So wusste er genau, welche Fähigkeiten erforderlich waren, um dort aufgenommen zu werden. Für ihn war klar: Nur wer in militärischer Ausbildung Verantwortung übernehmen und komplexe Aufgaben bewältigen konnte, hatte das Zeug, auch diese anspruchsvolle zivile Schule zu meistern.
Wochenlang arbeiteten wir unter seiner aufmerksamen Beobachtung. Jede kleine Entscheidung, jede Übung war wie ein Prüfstein – mal fordernd, mal überraschend, immer mit der Erwartung, dass ich zeige, was ich konnte. Der Druck wuchs, doch auch meine Fähigkeiten und mein Selbstvertrauen wuchsen Schritt für Schritt.
Dann, sechs Wochen vor Ende meines Abverdienens, kam der Moment, der alles veränderte. Der Schulkommandant rief mich zu sich, sah mich ernst an und sagte:
“Du bist der Einzige aus der gesamten Kompanie, der anfangs Juli in die Offiziersschule einrücken wird.”
In diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass sich all die Herausforderungen, das ständige Üben, die Verantwortung und das Beobachtet werden gelohnt hatten. Diese Worte waren nicht nur Anerkennung – sie waren der Beweis, dass die gezielte Förderung und die Prüfungen mich optimal vorbereitet hatten. Ich hatte die Hürde genommen, die nicht nur militärische, sondern auch zivile Exzellenz forderte.
Die Zeit als Aspirant bei den Rettungstruppen war somit weit mehr als eine militärische Ausbildung: Sie war eine intensive Prüfung meiner fachlichen Fähigkeiten, meiner Belastbarkeit und meiner Führungskompetenz. Sie war eine Vorbereitung auf die Offizierslaufbahn und zugleich ein Fundament für meine zivilen Pläne in der Bauschule in Aarau. Jeder Schritt, jede Übung und jede Entscheidung hatte mich dorthin gebracht – zu diesem Moment der Bestätigung, der mir zeigte: Ich war bereit.
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Es war die letzte Woche der Rekrutenschule, ein Donnerstag im Übungsdorf. Die gesamte Kompanie war draußen, und wir Gruppenführer sassen gemeinsam beim Mittagessen, als plötzlich eine Gruppe von Soldaten auf uns zustürmte. Ich spürte sofort, dass etwas nicht stimmte.
Ohne Vorwarnung packten sie einen meiner Kollegen – einen Gruppenführer – und warfen ihn einfach in die Aare. Sie lachten, fanden es offenbar witzig. Bevor ich reagieren konnte, griffen sie einen zweiten, dann einen dritten Gruppenführer und warfen auch diese in den Fluss.
Ich stellte mich ihnen entgegen. Wahrscheinlich mussten sie Frust ablassen – an den Offizieren konnten sie sich nicht rächen, und der Militärdienst ist nichts für Weicheier. So suchten sie sich uns Gruppenführer als Ziel – die letzte greifbare Autorität, gegen die sie sich auslassen konnten.
Dann sprang einer von ihnen auf mich zu. Mit voller Wucht traf er mich mit den hohen Militärschuhen am linken Knie. Ich sah nur noch Sterne. Der Schmerz war intensiv und brennend, aber ich wehrte mich – niemand von uns Gruppenführern musste so behandelt werden.
Am Abend suchte ich den Arzt im KZ auf, um den Vorfall zu melden. Er war gerade am Aufräumen, da die Rekrutenschule am Samstag endete. Nach einer kurzen Untersuchung stellte er fest, dass mein Knie geschwollen war, und sagte:
„Wenn es nicht besser wird, gehen Sie zu Ihrem Hausarzt, dann sehen wir weiter.“
Ich liess den Vorfall dokumentieren – ein klarer Fall für die Militärversicherung. Trotz des Schocks und der Schmerzen wusste ich: In solchen Momenten zeigt sich, wer Verantwortung übernimmt, wer standhaft bleibt und wer unter Druck handlungsfähig bleibt. Dieser Tag war eine harte, aber wertvolle Lektion in Belastbarkeit und Führung – mitten im Chaos der letzten Woche der Rekrutenschule.
Am Samstag war Abtreten um 12 Uhr – die Rekrutenschule war offiziell vorbei. Mein Knie jedoch schmerzte weiterhin stark. Anfangs hoffte ich, der Schmerz würde nachlassen, doch er blieb und machte jede Bewegung unangenehm.
Am Montag entschied ich mich, Dr. Koch in Luzern anzurufen und einen Termin zu vereinbaren. Er war der Arzt meiner Mutter, und meine Mutter kannte damals seinen Vater persönlich – eine vertrauensvolle und familiär geprägte Verbindung, die mir Sicherheit gab. Der damalige Dorfarzt in Giswil, Dr. Sanner, hatte sich in der Vergangenheit als wenig zuverlässig erwiesen, daher wollte ich auf Nummer sicher gehen.
Dr. Koch untersuchte mein Knie gründlich, punktierte es und stellte schliesslich die Diagnose: Der Meniskus war verletzt und musste dringend operiert werden. Er meldete mich für die Operation im Spital Stans an und vereinbarte einen entsprechenden Termin.
Am kommenden Montag musste ich in die Offiziersschule in Wangen an der Aare einrücken. Schon vorher war klar, dass ich die Schule unter diesen Umständen überhaupt nicht absolvieren konnte. Dr. Koch stellte mir ein ärztliches Zeugnis aus, das mich offiziell von der Offiziersschule dispensierte.
Dennoch musste ich, wie alle anderen, am Antrittsverlesen um 13:30 Uhr teilnehmen. Schon beim Antrittsverlesen der Offiziersschule spürte man deutlich, dass hier zukünftige Offiziere versammelt waren. Nach dem Antrittsverlesen mussten diejenigen mit einem ärztlichen Zeugnis zum Schulkommandanten Oberst Bienz. Das kurze Gespräch klärte alles Weitere, er wollte mir sogar eine Marschdispens erteilen. Ich konnte nach diesem Gespräch offiziell die Schule verlassen.
Nach dieser Formalität fuhr ich wieder heim, zurück nach Giswil. Die bevorstehende Meniskusoperation, 1980 noch ein ernsthafter Eingriff, bestimmte nun meine nächsten Wochen. Sie bedeutete Schonung, Unsicherheit und die Frage, ob ich jemals wieder voll belastbar sein würde.
Rückblickend erscheinen mir diese Tage als eine prägende Erfahrung: eine Mischung aus militärischer Strenge, persönlichen Grenzen und der Erkenntnis, dass Disziplin und Selbstverantwortung nicht immer Hand in Hand gehen. Ich konnte den Weg eines Offiziers nicht beschreiten, den ich mir einst vorgestellt hatte, aber ich lernte, auf meinen Körper zu hören und Verantwortung für mich selbst zu übernehmen – eine Lektion, die mir bis heute bleibt.
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Meniskusoperation – Schmerz, Geduld und kleine Eifersüchteleien
Bereits einen Tag später erfolgte die Meniskusoperation im Spital Stans.
Mein Knie verlangte eine offene Meniskusoperation – ein langer Schnitt, ein Eingriff, der damals noch weit grösser war als die modernen arthroskopischen Verfahren. Schon das Aufwachen aus der Narkose war ein eigenartiger Schock: der Geruch von Desinfektionsmitteln, das kalte Licht des Krankenzimmers und das dumpfe, pochende Gefühl im Knie, das sich anfühlte, als würde es gegen mich rebellieren.
Die zehn Tage im Krankenhaus waren eine eigenartige Mischung aus Schmerz, Routine und kleinen Beobachtungen. Jede Bewegung war ein Balanceakt zwischen Schmerzen und Fortschritt. Das Knie war geschwollen, warm, jeder Schritt auf den Krücken ein leises Spiel aus Vorsicht und Mut. Gleichzeitig spürte ich die unaufdringliche Fürsorge der Krankenschwestern, die mit freundlichem Lächeln und sanftem, aber bestimmt geführtem Griff meine Heilung begleiteten. Ihre Aufmerksamkeit gab mir Sicherheit und Trost inmitten der körperlichen Anspannung.
Doch nicht jeder nahm diese Nähe ungetrübt wahr. Marietheres, meine Freundin, wirkte nicht ganz erfreut über die Aufmerksamkeit der Schwestern. Eine leichte Eifersucht lag in der Luft, die ich unweigerlich spürte – kleine spitze Bemerkungen, flüchtige Blicke, die mehr sagten als Worte. Erst im Rückblick verstand ich, dass es eine Mischung aus Sorge, Anteilnahme und eigenen Unsicherheiten war.
Sechs Wochen lang war ich arbeitsunfähig. Jede alltägliche Bewegung – Aufstehen, Gehen, Treppensteigen – wurde zu einem Triumph über Schmerz und eine Übung in Geduld. Doch parallel zu diesen körperlichen Herausforderungen lernte ich auch, die feinen emotionalen Dynamiken um mich herum wahrzunehmen: die Wärme und Professionalität der Krankenschwestern, die kleine Eifersucht meiner Freundin, die stillen Versuche, Nähe und Fürsorge in einem Raum voller Routine auszubalancieren.
Diese Erfahrung war mehr als ein medizinischer Eingriff. Sie war ein Tanz zwischen Schmerz, Heilung und Empathie – eine Konfrontation mit körperlicher Verletzlichkeit, eine Lektion in Geduld und Achtsamkeit, und ein Moment, in dem selbst kleine menschliche Regungen, wie ein Schatten der Eifersucht, spürbar wurden und in meine Heilung einflossen.
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Nach meiner Meniskusoperation, verbrachten Marietheres und ich Ferien in Lugano. Es waren unsere vierten gemeinsamen Ferien, doch diese Reise war besonders, weil wir uns zuvor wieder zusammengerauft hatten. Wir mieteten eine Ferienwohnung und genossen zwei wunderbare Wochen miteinander.
Wir gingen im Lido di Lugano baden, assen gut und freuten uns einfach am Zusammensein. Das Schwimmen tat meinem Knie nach der Operation gut und half mir bei der Erholung. Überhaupt war diese Zeit für mich eine gute Möglichkeit, mich zu erholen und wieder zu Kräften zu kommen.
Mein Vater hatte mir sein Auto mit Automatikgetriebe geliehen, weil ich wegen meines Knies nur das rechte Bein richtig gebrauchen konnte. Mit einem Auto mit Gangschaltung wäre das für mich damals schwierig gewesen, deshalb war ich sehr froh über dieses Auto.
Während unserer Ferien erlebten wir noch etwas Besonderes: In Lugano gab es einmal einen heftigen Hagelsturm. Der Hagel war so stark, dass das Auto meines Vaters beschädigt wurde. Als wir später wieder zu Hause waren, ließ ich das Auto selbstverständlich reparieren und übernahm auch die Kosten dafür.
Im Nachhinein war das fast schon eine ironische Geschichte des Lebens: Einige Wochen später fuhr mein jüngerer Bruder Adrian genau dieses Auto zu Schrott. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich die Reparatur wahrscheinlich gar nicht mehr machen lassen. Aber so ist das Leben – damals konnte ich das natürlich nicht wissen.
Trotz dieser Episode blieb für mich vor allem die Erinnerung an zwei sehr schöne und harmonische Wochen. Ich war froh und dankbar, dass sich die Beziehung zwischen Marietheres und mir wieder eingerenkt hatte und wir diese Zeit in Lugano gemeinsam so unbeschwert genießen konnten.
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Nach meinem Unfall im Militär fühlte ich mich plötzlich wie in einem leeren Raum – die Zukunft unklar, die Offizierslaufbahn wie aus meinen Händen gerissen. Doch anstatt aufzugeben, entschloss ich mich, diese unfreiwillige Pause zu nutzen, um meine Energie auf etwas Neues zu lenken: Algebra und die Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung für die Bauführerschule, damals die unangefochtene Crème de la Crème im Bauwesen.
Es war nicht leicht. Nach Wochen der Ruhe spürte ich, wie die Motivation manchmal zu entgleiten drohte. Doch ich wollte nicht zulassen, dass Angst oder Frust die Oberhand gewinnen. Ich brauchte ein Ziel, einen Anker. Und so betrat ich die Buchhandlung Pfamatter in Sarnen und kaufte das Buch „Kusch“ – die Bibel der Algebra, mit Lösungsheft.
Zu Hause setzte ich mich hin, öffnete die erste Seite, und ein seltsames Kribbeln durchfuhr mich. Jede Aufgabe war wie ein kleiner Kampf, jeder gelöste Schritt ein Sieg. Mein Herz klopfte schneller, wenn ich vor schwierigen Aufgaben sass, und ich fühlte gleichzeitig Stolz, Entschlossenheit und eine wachsende Gewissheit: Ich wollte diese Prüfung bestehen – ich würde bestehen!
Die Tage vergingen wie im Flug. Jeder Morgen begann mit dem Drang, noch ein bisschen mehr zu lernen, jede Nacht endete mit dem festen Gedanken: Im Herbst die Aufnahmeprüfung, im Frühling 1981 der Beginn eines neuen Kapitels. Ich wollte nicht nur teilnehmen – ich wollte erfolgreich sein, ich wollte beweisen, dass ich trotz allem die Spitze erreichen konnte. Und mit jedem gelösten Problem, mit jedem kleinen Erfolg, wuchs in mir die unerschütterliche Gewissheit: Ich war bereit.
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Wiederholungskurs 1980 in Tegerfelden
Im Herbst 1980 musste ich zu meinem ersten Wiederholungskurs als Rettungskorporal einrücken.
Für uns Kader begann der Dienst bereits einige Tage früher mit einem Kadervorkurs in einer Nachbargemeinde von Tegerfelden im Kanton Aargau. Während wir uns dort vorbereiteten, rückte die Mannschaft erst am Montag mobilmachungsmässig in Wangen an der Aare ein. Von dort aus verschob sich die ganze Kompanie gefechtsmässig nach Tegerfelden, mit diversen Zwischenübungen unterwegs. Darunter war auch der sogenannte C-Alarm – der Chemiealarm. Dabei wurde ein chemischer Angriff simuliert, inklusive Schutzmassnahmen, Dekontamination und Einsatz der Gasmaske. Solche Übungen waren damals eindrücklich, weil sie uns zwangen, unter simuliertem Gefahrstoffdruck schnell und organisiert zu handeln.
Unsere Unterkunft befand sich im Schulhaus der Gemeinde – ein voll eingerichtetes Militärkantonament, wie es damals hiess. Diese Unterkünfte waren ausschliesslich für Militärs vorgesehen und mussten nicht improvisiert werden. Alles war auf den militärischen Bedarf ausgerichtet: Schlafsäle, Sanitäreinrichtungen, Gemeinschaftsräume und eine eigene Küche, in der das Essen zubereitet wurde.
Die Mahlzeiten für die Mannschaft wurden in Selbstbedienung bereitgestellt: jeder holte sein Essen selbst im Restaurant des Hotel Löwen. Für uns Gruppenführer hingegen wurde das Essen serviert, entsprechend unserem Rang und den Aufgaben, die wir während des WKs zu erfüllen hatten.
Als Gruppenführer hatten wir innerhalb des Militärkantonaments zudem einen eigenen Schlafraum, getrennt von den Schlafsälen der Mannschaft. So konnten wir in Ruhe arbeiten, Unterlagen vorbereiten oder einfach einmal eine Pause abseits des üblichen Trubels einlegen.
In derselben Kompanie diente Engelbert Zumstein, den ich bereits von früher kannte. Er ist in der Nachbarschaft von Marietheres aufgewachsen, ebenfalls ein Giswiler, und hatte den Rang eines Soldaten. Während des WKs war er für das Kleinmaterial der Kompanie verantwortlich. Ich erwähne ihn deshalb, weil sich unsere Wege später im Leben noch mehrfach kreuzen sollten – damals wussten wir das natürlich noch nicht.
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Während dieses WKs stand für mich noch etwas ganz anderes Wichtiges an: die Aufnahmeprüfung an die Bauführerschule, die in Unterentfelden bei Aarau stattfand. Dafür musste ich während des Dienstes Urlaub beantragen. Dieser wurde mir selbstverständlich gewährt.
Auch wenn man um 1980 während eines Wiederholungskurses (WK) der Schweizer Armee unterwegs war, erschien man nicht zwingend direkt in Uniform zu einer Aufnahmeprüfung oder einem Bewerbungsgespräch. Viele hatten – so wie ich – zivile Kleidung im Gepäck oder im Auto, um sich vor dem Termin umzuziehen. Die Uniform war zwar im Alltag präsent, doch für formelle Anlässe zog man häufig bewusst Zivilkleidung an.
Also fuhr ich an diesem Tag in ziviler Kleidung zur Prüfung.
Die Aufnahmeprüfung dauerte den ganzen Tag. Verschiedene Fächer wurden geprüft, und entsprechend angespannt war ich natürlich. Schliesslich hing einiges davon ab, ob ich später die Ausbildung beginnen konnte. Glücklicherweise bestand ich die Prüfung. Etwa nach 2 bis 3 Wochen bekam ich von der Bauführerschule Aarau ein Schreiben, dass ich die Aufnahmeprüfung bestanden hätte und im Frühling mit der Bauführerschule beginnen konnte. Das war für mich eine riesige Freude.
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Zum Militärdienst gehörten natürlich auch andere Übungen, und eine davon ist mir besonders lebhaft in Erinnerung geblieben. Unsere Kompanie war in diesem Jahr als Katastrophenkompanie eingeteilt. Das bedeutete, dass wir im Falle eines realen Ereignisses irgendwo in der Schweiz sofort hätten ausrücken müssen, um die zivilen Behörden zu unterstützen.
Das Übungsszenario lautete: grosse Trockenheit. Seit Monaten habe es nicht mehr geregnet, und die Bauern würden dringend Wasser für ihre Felder benötigen. Unsere Aufgabe bestand darin, Wasser aus der Aare zu fördern und in ein anderes Tal zu leiten.
Das gesamte Bataillon 2 wurde beübt. Die Übung begann am Abend. Es war nass, kalt, und es regnete weiterhin wie aus Kübeln. Wir hätten im Wald biwakieren sollen. Doch es brauchte nicht viel Überlegung, um festzustellen, dass es völlig sinnlos war, bei diesem Wetter vom Lastwagen abzusteigen und im Wald ein Lager einzurichten. So beschlossen wir kurzerhand, die Nacht einfach auf den Lastwagen zu verbringen.
Die ganze Kompanie blieb im Schutz der Fahrzeuge sitzen. Wir sassen dicht gedrängt, die Gewehre zwischen den Beinen, und so verbrachten wir die Nacht halb sitzend und halb dösend. Komfortabel war das nicht, aber wenigstens wurden wir nicht durchnässt.
Am Morgen verpflegten wir uns, und kurz darauf erfolgte Alarm – die Übung begann.
Wir richteten unsere Einsatzstelle in Biberstein an der Aare ein, bereiteten die Pumpstellen vor und begannen damit, das Wasser über die Hügel ins nächste Tal zu leiten. Währenddessen regnete es immer noch in Strömen.
Als Rettungstruppe mussten wir eine Transportleitung über den kleinen Jurahügel bauen, um das Wasser ins nächste Tal zu bringen und die Bauern zu versorgen. Dazu wurden sogenannte Transportleitungen mit Ausgleichsbecken aufgebaut:
- Schläuche auslegen – vom Ausgangspunkt an der Aare wurden die Schläuche entlang des Geländes ausgelegt, Steigungen, Kurven und Hindernisse wurden berücksichtigt.
- Zwischenpumpen und Ausgleichsbecken – an kritischen Stellen wurden kleine Becken eingerichtet, die als Puffer dienten, damit der Wasserdruck ausgeglichen wurde und kein Schlauch platzte.
- Pumpstationen – bei steilen Anstiegen setzten wir Pumpen ein, um das Wasser über Hügel zu fördern. Die Pumpen wurden manuell oder mit kleinen Motoren betrieben, je nach Übungsszenario.
- Kontrolle und Sicherung – die gesamte Leitung musste laufend überwacht werden: keine Knicke, keine Lecks, keine Luftblasen, die den Wasserfluss unterbrechen könnten.
Nur hatte die Realität mit dem Szenario wenig zu tun. Der intensive Dauerregen machte das Verlegen der Schläuche und die Arbeit an den Ausgleichsbecken zusätzlich kompliziert, rutschig und sehr nass.
Die Bauern auf der anderen Talseite wunderten sich wahrscheinlich eher, woher all dieses zusätzliche Wasser kam, obwohl es ohnehin seit Tagen ununterbrochen vom Himmel fiel.
Irgendwann begegnete ich dem Übungsleiter, dem Hauptmann Amrein aus Sursee, eine Arschgeige. Ich trug meine Regenpelerine, doch trotz allem lief das Wasser direkt in meine Schuhe und sammelte sich darin. Es war schlicht alles durchnässt.
In diesem Moment konnte ich mir einen Kommentar nicht verkneifen.
Ich sagte zu ihm, dass es bei meiner Grossmutter ähnlich angefangen habe wie bei ihm – sie hatte auch kleinen Dachschaden. Nur sei der Unterschied gewesen, dass meine Grossmutter einmal in die Molkerei gegangen sei und statt des Milchkessels jeweils den Vogelkäfig mitgenommen habe.
Der Hauptmann reagierte alles andere als amüsiert.
Er wurde fuchsteufelswild und befahl mir sofort, Haltung anzunehmen mich anzumelden.
Ich antwortete ruhig: „Hauptmann, Korporal Moser.“
Er versuchte, meinen Namen zu notieren – doch bei diesem Regen war das praktisch unmöglich. Das Papier war völlig durchnässt, der Bleistift schmierte nur, und eine saubere Notiz kam nicht zustande. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als sich meinen angeblichen Namen zu merken.
Später stellte sich natürlich heraus, dass es im gesamten Bataillon keinen Korporal Moser gab.
Damit verlief die Sache im Regen.
So war das damals im Militär.
Nach dreieinhalb Wochen war der Wiederholungskurs vorbei. Wie so oft beim Militär blieb eine Mischung aus Strapazen, Kameradschaft, absurden Situationen und einigen guten Geschichten zurück.
Es war eben Militär – mit allem, was dazugehört.
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Ereignisse 1980
1980 war die Schweiz politisch stabil, der Bundesrat blieb unverändert. Die Wirtschaft zeigte erste Anzeichen einer Rezession, und die Arbeitslosigkeit stieg leicht an. Umwelt- und Anti-Atomkraft-Initiativen gewannen zunehmend an Aufmerksamkeit. Die Schweiz nahm an den Olympischen Winterspielen in Lake Placid teil und zeigte dort sportliche Präsenz. Kulturell waren Schweizer Künstler wie Friedrich Dürrenmatt international anerkannt und aktiv. Gesellschaftlich rückten die Frauenbewegung und Debatten über Gleichberechtigung stärker ins öffentliche Bewusstsein. Insgesamt war es ein Jahr des gesellschaftlichen Wandels bei gleichzeitiger politischer Kontinuität.
1980 war ein Jahr voller Umbrüche in der Welt.
In Polen gründete sich die Gewerkschaft Solidarno%u015B%u0107, und der Widerstand gegen Unterdrückung wurde spürbar. Ronald Reagan trat als neuer US-Präsident an, während die Sowjetunion weiter in Afghanistan intervenierte. Die Weltwirtschaft kämpfte mit Inflation und Schuldenkrisen, während die Raumfahrt neue Horizonte öffnete – der erste Space-Shuttle-Flug stand kurz bevor. Kultur und Gesellschaft wurden von tiefgreifenden Ereignissen geprägt: der Mord an John Lennon erschütterte die Welt, und die Olympischen Spiele in Moskau zeigten, wie Politik selbst den Sport beeinflussen konnte. Neue Musikrichtungen wie New Wave und elektronische Klänge kündigten das Lebensgefühl der 1980er Jahre an.
Militär 1981 - 1990
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Ich konnte meine Ausbildung zum Dipl. Bauführer am Osterdienstag, 21. April 1981 an der Bauschule Aarau in Unterentfelden beginnen. In 3 anspruchsvollen Jahren sollte ich mein Diplom in den Händen haben.
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1980 hatte ich wegen meines Unfalls die Offiziersschule nicht antreten können. Doch schon anfangs Mai 1981 flatterte erneut ein Marschbefehl ins Haus – ich sollte nochmals einrücken. Ich schickte den Befehl zurück und erklärte, dass ich inzwischen die Bauschule Aarau besuche und einfach keine Zeit für die Offiziersschule hätte. Ausserdem zwickte mein Knie noch immer, die alte Verletzung machte sich immer wieder bemerkbar. Eine militärische Ausbildung war für mich schlicht nicht möglich.
Kurz bevor die Offiziersschule beginnen sollte, erreichte mich schliesslich ein offizielles Schreiben vom EMD: Ich war definitiv von der Offiziersanwärterliste gestrichen. Ich musste die Schule nicht mehr besuchen.
Mein Vater reagierte, wie ich es mir schon vorgestellt hatte – und dennoch war es erschreckend, es so zu sehen: Er war mehrere Tage wie gefrostet, sprach kaum ein Wort und konnte mein Verhalten einfach nicht verstehen. An seinem Ego kratzte es enorm, dass sein Sohn nicht den Weg des Offiziers einschlug, und er hätte nichts lieber gesehen, als dass ich in Uniform vor ihm stünde. Doch je länger ich Abstand gewann, desto klarer wurde mir, dass ich mir diese Laufbahn überhaupt nicht hatte vorstellen können. Ich hatte meinen eigenen Weg gewählt – mit anderen Prioritäten, anderen Träumen und einem Knie, das nicht mitspielte.
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1981 WK Hägendorf (Sommerferien)
Seit dem 21. April war ich nun Absolvent der Bauführerschule in Aarau. Mitte Mai erhielt ich den Marschbefehl für den WK in Hägendorf. Dieser fand Ende Juni statt, also zwei Tage vor Beginn der Sommerferien war KVK. Das hiess, am Freitag und am Samstagmorgen konnte ich die Schule nicht besuchen, weil ich in den WK einrücken musste. Die folgenden drei Wochen fielen dann in die Sommerferien.
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Mikrogeschichte: Haarschnitt im Kaderkurs
Als Korporal musste ich den KVK-Kadervorkurs in Hägendorf einrücken. Eine Woche vorher war ich in Giswil zum Coiffeur gegangen, um sicherzustellen, dass mein Haarschnitt den Vorschriften entsprach. Am zweiten Tag jedoch beanstandete der Kompaniekommandant meinen Schnitt: Für einen Soldaten sei es ausreichend, für einen Korporal jedoch nicht. Ich musste nochmals zum Coiffeur, die Haare kürzer schneiden lassen.
Dieses Erlebnis zeigte mir, dass der Kommandant seine Prioritäten falsch setzte: Details wie der Haarschnitt wurden über die Führung von Menschen gestellt, Vorbereitung und Eigeninitiative der Unteroffiziere wurden ignoriert. Für mich war dies ein klarer Beleg mangelnder Führungskompetenz und ein Tag voller Frust, der völlig unnötig entstand. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr konnte ich auf das Militär verzichten. Das muss ich, glaube ich, nicht mehr haben – mein Fokus liegt jetzt auf der Bauführerschule.
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Die Territorial - Meisterschaft 1981 – oder wie wir den Sportminister austricksten
Im Kadervorkurs informierte uns Hauptmann Amrein, dass das Bataillon 2 mit der Durchführung der Territorial - Meisterschaft beauftragt worden ist. Das sind Wettkämpfe, bei denen Soldaten an ihre körperlichen Grenzen gebracht wurden.
Natürlich war das kein kurzfristiges Ding – der Auftrag bestand schon länger, eine langfristige Planung, wie es im Militär üblich ist. Aber jetzt war der Zeitpunkt konkret: Strecken mussten markiert, Aufgaben vorbereitet, Teilnehmer koordiniert und die Meisterschaft selbst durchgeführt werden.
Offiziell beaufsichtigt wurde das Ganze von Hauptmann Amrein, unserem obersten „Sportminister“. Streng, laut, voller Ehrgeiz – und überzeugt davon, dass jeder Korporal und Unteroffizier seine Pflicht mit voller Energie erfüllen müssten. Am Vormittag meldete sich Amrein bei uns, übermotiviert wie eh und je, voller Elan und mit einem leicht überdrehten Humor, den wir schon aus dem letzten WK kannten. Sein Auftrag war klar: alle Gruppenführer, also wir Korporale, sollten sich bis Mittag anmelden und teilnehmen. Punkt, Ende, keine Diskussion.
Doch wir Unteroffiziere von der Kompanie 5 hatten im WK keine Affinität zum Sport. Nie gehabt. Nie interessiert. Schon beim Zuschauen im Fernsehen wurde uns langweilig, und jetzt sollten wir rennen, schwitzen, Orientierungsläufe (OL) meistern? Nicht mit uns.
Also entschieden wir uns für die eleganteste Strategie: wir meldeten uns nicht an. Kein Mitmachen, keine Teilnahme. Hauptmann Amrein, in seiner Rolle als Sportminister zu sehr beschäftigt, bemerkte unsere Abwesenheit nicht. Zwischen Strecken markieren, Teilnehmerlisten prüfen und hektisch die Organisation überwachen hatte er schlicht keine Zeit für uns.
Die Meisterschaft selbst fand statt. Die Sportbegeisterten rannten, kämpften, schwitzten und gaben alles – bei den Orientierungsläufen, in jeder Disziplin. Wir Unteroffiziere beobachteten das Ganze aus sicherer Entfernung, in voller Uniform, mit kühlen Getränken in der Hand, und kommentierten das Geschehen leise untereinander.
Es war eine Mischung aus Unterhaltung, stillem Protest und cleverem Überleben: Wir erfüllten unsere Rolle im Kadervorkurs, liessen uns aber nicht unnötig verbiegen oder quälen. Rückblickend war es eine perfekte Lektion: militärische Befehle kann man respektieren – oder, wenn sie absurd sind, humorvoll ignorieren.
Wir nahmen daran nicht teil; für uns war das keine Pflicht, wir haben es schlicht negiert, so wie man auch nicht jede Theatervorstellung besucht.”
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Unterkunft
Die Unterbringung der Kompanie ohne Offiziere war in der Zivilschutzanlage in Hägendorf.
Die Zeit in der unterirdischen Anlage ist mir als eine eigene, abgeschlossene Welt in Erinnerung geblieben. Kaum hatte man die schweren Türen hinter sich gelassen, war man vom Leben draussen getrennt. Kein Tageslicht, keine frische Luft im gewohnten Sinn – nur die gefilterte Luft, der Geruch von Beton und Technik und das gleichmässige Klima unter der Erde.
Die Unterkunft war insgesamt eng, aber es gab Unterschiede. Wir Gruppenführer hatten einen eigenen Schlafraum, und wir hatten das Glück, dass jeder von uns praktisch drei Kajütenbetten für sich alleine nutzen konnte. Das war ein unerwarteter Komfort in dieser Umgebung – etwas mehr Platz, etwas mehr Ruhe.
Ganz anders war es für die Mannschaft. Für die Soldaten war es sehr, sehr eng. Die Kajütenbetten standen dicht an dicht, jeder hatte nur wenig Raum für sich. Privatsphäre gab es kaum. Man lebte unmittelbar nebeneinander, hörte jedes Geräusch, jede Bewegung. Diese Enge war spürbar – und sie gehörte einfach zum Alltag.
Die Offiziere hingegen waren nicht in der Anlage untergebracht. Sie wohnten selbstverständlich oberirdisch, in einem Hotel in Hägendorf. Zwischen ihnen und uns bestand nicht nur Distanz, sondern eine spürbare Trennung. Es waren tatsächlich zwei verschiedene Welten. Während wir unter der Erde lebten, arbeiteten und den Alltag teilten, blieben sie auf Abstand – auch im Umgang. Nähe entstand dort keine. Mit der Zeit wurde mir das immer deutlicher. Diese Art von Führung und diese Distanz entsprachen nicht meinem Verständnis. Der Gedanke reifte, leise aber bestimmt: Das ist nicht meine Welt. Ich werde meiner Militärkarriere ein Ende setzen.
Die Kameradschaft entstand dafür umso stärker unter uns Gruppenführern und mit den Soldaten. Dort war sie echt, gewachsen aus dem gemeinsamen Alltag, aus Enge, Müdigkeit und Verantwortung.
Der Tagesablauf war klar geregelt. Ohne Fenster verlor man rasch das Gefühl für Zeit, deshalb gaben feste Abläufe Struktur: Wecken, Essen, Übungen, Bereitschaft. Ob draussen die Sonne schien oder Regen fiel, spielte keine Rolle. Unten war es immer gleich hell, immer gleich kühl.
Ständig hörte man das leise Brummen der Lüftung und der technischen Anlagen. Anfangs nahm man es bewusst wahr, später wurde es zum Hintergrundgeräusch, fast wie ein ständiger Begleiter. Diese gleichförmige Umgebung hatte etwas Beruhigendes, aber auch etwas Eintöniges.
Für uns von der Rettungstruppe war die Anlage nicht nur Unterkunft, sondern Ausgangspunkt für den Einsatz. Die Ausrüstung war bereit, jeder wusste, was zu tun war. Die ständige Bereitschaft war immer präsent. Es ging weniger um Schutz als darum, im Ernstfall handeln zu können.
Rückblickend bleibt die Erinnerung an eine intensive Zeit – geprägt von Kameradschaft unten und klaren Erkenntnissen darüber, wo ich selbst meinen Weg nicht weitergehen wollte.
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Mikrogeschichte: des Personentransports auf der Ladefläche des Lastwagens
Beschreibung des Personentransports auf der Ladefläche (allgemein formuliert)
- Sitzanordnung:
Viererreihen hintereinander über die Länge der Ladefläche.
Jede Person sitzt auf dem Boden der Ladefläche, ohne Sitzbank.
- Gewehrhaltung:
Das Gewehr wird zwischen den Beinen gehalten, sodass es beim Bremsen oder Schaukeln nicht verrutscht.
- Körperhaltung und Stabilität:
Die Beine sind angewinkelt.
Jede Person lehnt sich leicht an die angewinkelten Beine des Nachbarn vor oder neben sich, um gegenseitige Stabilität zu erreichen.
- Dieses „Körperstützsystem“ verteilt die Kräfte bei Fahrbewegungen und erleichtert das Gleichgewicht auf der unbequemen, offenen Ladefläche.
- Sicherheitsprinzip:
Keine Sicherheitsgurte, keine festen Sitze — die Stabilität kommt allein durch Körperhaltung, kollektives Anlehnen und Konzentration der Soldaten.
Seitliche Bordwände der Ladefläche dienen als passiver Schutz gegen Herausfallen.
Kurz gesagt:
Soldaten sassen eng auf der Ladefläche, in Viererreihen hintereinander, Gewehr zwischen den Beinen, und stützten sich gegenseitig ab, um Stabilität während der Fahrt zu gewährleisten. Ein System, das gleichzeitig Platz sparte, Sicherheit erhöhte und Disziplin verlangte.
Mikrogeschichte Personentransport:
Die Waldlichtung lag still, die Sonne glitzerte durch die Bäume, Vögel zwitscherten – eine Idylle, die man nicht mit dem Militär in Zusammenhang bringt. Auf der Ladefläche des Lastwagens sass die Mannschaft in Viererreihen, Gewehr zwischen den Beinen, Beine angewinkelt, jeder stützte sich leicht am Nachbarn ab. Die Plane über Kopf spannte sich wie ein dürftiger Schutzschirm gegen Regen, die offenen Seiten und das Heck liessen Luft und Sicht zu. Alles schien bereit für die Übung – nur Leutnant Grimmig nicht.
Leutnant Grimmig stand vorne, die Stirn in Falten, die Hände zu Fäusten geballt, seine Augen blitzten. „Aufsitzen! Absitzen! Aufsitzen!“ schallte es über die Lichtung. Jeder Befehl ein Versuch, die Truppe auf Linie zu bringen, jede Bewegung penibel zu kontrollieren. Doch nach spätestens einer halben Stunde wurde deutlich: die Mannschaft hatte genug von seinem Perfektionswahn. Die Soldaten lehnten sich zurück, verschränkten die Arme, starrten geradeaus – stoisch, ungerührt, fast schon meditativ in ihrer Gelassenheit.
Grimmig lief auf und ab, gestikulierte wild, schrie, als würde allein seine Lautstärke Disziplin erzwingen. Doch das Echo seines Frustes prallte an der stillen Gelassenheit der Soldaten ab. Die Zeit zog sich, er wurde immer roter im Gesicht, seine Stimme immer lauter, die Kommandos immer schärfer – und doch geschah nichts. Die Mannschaft blieb sitzen, halb irritiert, halb belustigt, und die Ladefläche verwandelte sich in ein kleines Theaterstück der Absurdität.
Schliesslich zog sich Grimmig erschöpft und durch den Wald zurück, das Gesicht vor Frustration verzogen. Die Soldaten lehnten sich zurück und lächelten. Die Waldlichtung war wieder still, nur das leise Knarren des Lastwagens im Wind erinnerte an das, was gerade passiert war: ein Nachmittag voller Unsinn, perfekter Disziplin nur auf dem Papier.
Typisch Schweizer Militär: so kann man die Zeit totschlagen. Je älter man wird, je länger man in diesem Verein dabei ist, desto weniger braucht man solchen Unsinn. Aber für diejenigen, die gerade erst anfangen, ist es ein Schauspiel: ein jungfräulicher Leutnant, der sich aufreibt, und eine stoische Mannschaft, die geduldig und fast schon heimlich die Oberhand gewinnt. Ein Lehrstück in Geduld, absurdem Pflichtgefühl und der Kunst, sich elegant über die Sinnlosigkeit hinwegzusetzen.
Grimmig: Pseudonym
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Es war ein typischer Abend im WK, doch diesmal sollte es besonders turbulent werden. Um 17 Uhr erfolgte der Alarm, und unsere Kompanie machte sich mit Lastwagen, Anhänger voller Rettungsmaterial und am Anhänger angehängte Motorspritze auf den Weg nach Aarau. Schon auf der Fahrt wurde klar: Diese Übung würde anders sein. In der Stadt fuhren Polizeiautos und Feuerwehrfahrzeuge kreuz und quer durch die Strassen, Blaulichter flackerten überall – man kam kaum vorwärts. Das Chaos war perfekt, die Strassen blockiert, jeder versuchte, sich seinen Weg durch das Gewimmel zu bahnen. Chaos pur.
Als wir beim Industrie- und Gewerbekomplex Telli ankamen, staunten wir nicht schlecht. Direkt daneben liegt das Wohnquartier Telli, eine einzigartige Überbauung mit fast 600 Wohnungen. Dort tobte ein Riesenszenario – die Show musste weitergehen. Doch es war kein Spiel: Ein Riesenchaos herrschte, wie nach einem Bombenangriff. Menschen liefen durch die Strassen, Sirenen heulten, Feuerwehr und Polizei kämpften sich durch das Gewimmel – man konnte es sich kaum vorstellen, aber es war wirklich reell.
Wir luden unsere Anhänger ab und machten uns bereit – mein Zug unter meiner Führung als Korporal war für ein bestimmtes Gebäude zugeteilt. Direkt am Objekt griffen wir ein: Türen aufbrechen, Brandherde bekämpfen, Menschen retten, Verletzte betreuen. Jeder Handgriff zählte, jede Sekunde war kritisch. Regen prasselte auf unsere Helme, die Dunkelheit verschärfte die Lage, doch wir mussten handeln – schnell, präzise, konzentriert.
Um 19 Uhr begann der volle Einsatz. Wir koordinierten mehrere Gruppen, kämpften uns durch Rauch und Chaos, löschten Feuer, halfen Menschen aus den Gebäuden – der Druck war enorm, doch das Adrenalin hielt uns wach und fokussiert. Stunden vergingen, die Uhr tickte gnadenlos, bis wir schliesslich um 2 Uhr morgens abgelöst wurden. Eine andere Kompanie übernahm, während wir unser Material wieder verluden und erschöpft in einer Turnhalle eines Schulhauses unsere Ruhe suchten.
Die Übung war für uns beendet, doch das Erlebnis brannte sich in unsere Köpfe: Realistischer als alles, was man sich vorstellen konnte, chaotisch durch fehlende Kommunikation, aber zugleich ein Lehrstück in Führungsverantwortung, Teamarbeit und logistischem Geschick. Heute, im Jahr 2026, wären solche Übungen aufgrund der strengen Umwelt- und Sicherheitsauflagen kaum noch durchführbar – damals, 1981, war das bei den Rettungstruppen noch problemlos möglich. Es machte Sinn, dass man damals solche realistischen Szenarien trainieren konnte – eine Nacht, die niemand so schnell vergessen würde.
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Nach dem WK in Hägendorf verbrachten Marietheres und ich zwei Wochen in einer Ferienwohnung in Ascona, um nach einem passenden Rustico zu suchen – einem alten Tessiner Steinhaus, das wir als Ferienrefugium umbauen wollten. In den 1980er-Jahren war es gerade sehr beliebt unter Deutschschweizern, solche Rusticos zu entdecken und zu restaurieren. Dicke Steinmauern, sichtbare Holzbalken und kleine Fenster verliehen diesen Häusern einen unverwechselbaren Charme, und viele Deutschschweizer sahen darin ein kreatives Projekt: ein altes Haus in ein modernes, gemütliches Ferienhaus zu verwandeln, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Ich erzählte meinem Vater von der Idee, und er war sofort begeistert: „Wieso nicht?“ Damit hatte ich den Auftrag, nach einem passenden Rustico Ausschau zu halten.
Marietheres und ich gingen vor allem über die Immobilienmakler. In Locarno und Ascona gab es kleine Schaufenster, in denen die Makler ihre Angebote aushängten – viele Rusticos waren dort gelistet, und wir nahmen direkt Kontakt auf. Mit den Einheimischen selbst hatten wir kaum Kontakt; es war eher eine organisierte Suche über die professionellen Kanäle. So konnten wir gezielt die Häuser besichtigen, die zum Verkauf standen, und uns vorstellen, wie wir eines davon zu unserem Ferienrefugium machen könnten.
Diese zwei Wochen in Ascona legten den Grundstein für das, was später werden sollte – aber die Details dieser Suche und der anschließende Umbau sind eine eigene Geschichte.
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1982 Zell
Es war 1982 – im Kadervorkurs in Huttwil.
Wir standen auf der Schulhausanlage, auf dem grauen Asphalt, bereit zum ersten Antrittsverlesen. Es waren nur die Unteroffiziere da – die Soldaten würden erst am Montag einrücken. Das Kader war also unter sich: mustergültig, aufmerksam, jeder in Uniform – und alle trugen eine Mütze.
Alle – ausser mir.
Ich stand in der vorderen Reihe in der Formation, ohne Kopfbedeckung. Nicht aus Nachlässigkeit oder Trotz, sondern aus medizinischen Gründen. Schon seit längerer Zeit hatte ich diesen hartnäckigen „Biss“ auf dem Kopf, dessen Ursache damals niemand kannte. Das ständige Jucken und Brennen war so stark, dass der Arzt mir eine Dispens ausstellte. Ich sollte weder Helm noch Mütze tragen, weil jede Kopfbedeckung den Biss verschlimmerte.
Um die Beschwerden unter Kontrolle zu halten, benutzte ich auf Anweisung des Arztes ein spezielles Teerschampoo. Dieses Shampoo war stark, speziell für empfindliche Kopfhaut, und half mir, die Symptome zu lindern. 40 Jahre später fand sich der wahre Grund heraus: eine Histaminun-verträglichkeit. Ich reagierte auf bestimmte Lebensmittel – Rotwein, Tomaten, bestimmte Käse – und die Kopfhautreaktion konnte sich bei Stress, Hitze oder falscher Pflege verschlimmern. Damals wusste ich nur: Helm = Qual.
Vorne, auf einer leicht erhöhten Ebene, stand der Feldweibel neben dem Major. Er wollte die Truppe dem Major melden, merkte aber, dass nicht alle die Mütze aufhatten. Deshalb unterbrach er die Meldung und rief zu mir:
„Korporal, setzen Sie die Mütze auf!“
Ich habe zurückgerufen:
„Ich habe eine Dispens!“
Darauf fragte er trocken von oben:
„Haben Sie Flöhe?“
Ich konnte nicht anders und rief klar zurück:
„Das geht Sie einen Scheissdreck an, Sie Superesel!“
Daraufhin brach das Gelächter los – quer durch die Reihen der Unteroffiziere.
Selbst die, die eigentlich Haltung bewahren mussten, konnten sich kaum halten.
Nachdem sich die Situation beruhigt hatte, meldete der Feldweibel die Truppe wieder ordnungsgemäss:
„Major, melde die Unteroffiziere zum Kadervorkurs bereit.“
Der Major bemerkte trocken:
„Man soll sich das Gesicht merken von diesem Korporal merken. Alle anderen müssen Mützen und Helme tragen, ausser diesem Korporal.“
Am Montag ging es dann weiter nach Zell, beziehungsweise nach Wangen an der Aare. Die Soldaten waren selbstverständlich mobilmachungsmässig eingerückt, und wir haben sie dort in Empfang genommen. Routine, wie jeder Wiederholungskurs sie kennt.
Doch diese Szene aus dem Kadervorkurs in Huttwil – das erste Antrittsverlesen, der Superesel, der Feldweibel und der trockene Kommentar des Majors – blieb mir unvergessen. Sie war eine Mischung aus Militärdisziplin, Bürokratie und Humor, und sie zeigte mir früh: Manchmal muss man einfach zu seiner Dispens stehen – und zu sich selbst.
Histaminintoleranz
Histaminintoleranz (HIT) ist eine Unverträglichkeit gegenüber Histamin aus der Nahrung, die durch einen Mangel an dem abbauenden Enzym Diaminooxidase (DAO) entsteht. Sie äußert sich in Hautrötungen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Herzrasen. Die Behandlung basiert auf einer histaminarmen Ernährung und der Diagnose durch Ernährungsanpassung
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Es war der zweite Tag, 1. Mai 1982 im Kadervorkurs, Samstagmorgen in der Frühe, unmittelbar nach dem Frühstück. Zum Glück konnten wir das Frühstück noch in Ruhe einnehmen – das war das letzte bisschen Normalität, dass wir an diesem Tag hatten. Danach wurde es hektisch.
Die Offiziere waren im Hotel Mohren untergebracht, wir Unteroffiziere hatten die Nacht in einem Massenlager beim Schulhaus verbracht. Plötzlich – Dachstock des Hotels brennt! Huttwil ein beschauliches Kleinstädtchen im Emmental, steht im Alarmzustand.
Interessanterweise waren wir Unteroffiziere, also Gruppenführer, normalerweise in Führungsrollen. Für diese Situation wurden wir teilweise wieder zu „normalen Soldaten“ in der Übung. Plötzlich hiess es: anpacken, mit anpacken, Material bewegen, löschen, sichern – alles wie ein frisch eingezogener Rekrut.
Selbstverständlich waren wir als Rettungstruppe sofort aktiv. Wir unterstützten die örtliche Feuerwehr beim Löschen des Feuers und beim Schützen des Städtchens. Eine echte, unfreiwillige Einsatzübung – und wir meisterten sie bravourös. Den ganzen Samstag waren wir im Einsatz: löschen, sichern, Material bewegen, Menschen schützen – alles live, kein Training, kein Spass.
Am Montag war dann der Höhepunkt: Wir standen auf der Titelseite der „Emmentaler Zeitung“. Unser Einsatz war öffentlich gewürdigt – die ganze Stadt konnte sehen, dass wir Unteroffiziere und Rettungstruppen nicht nur Theorie beherrschten, sondern auch richtig anpacken konnten, wenn es ernst wurde.
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Wie bereits erwähnt, hatte die Kompanie 5/2 ihren WK%u2011Standort in Zell. Wir Gruppenführer hatten unsere Unterkunft im Hotel Sonne. Das Essen wurde zwar ausserhalb gekocht, aber verpflegt wurden wir selbstverständlich durch die Truppe im Saal des Hotels Sonne. Die Offiziere logierten in der Linde, die Mannschaft im Schulhaus.
Dann begann der Alltag bei der Rettungstruppe – wie man ihn kennt: alles dran, alles drin, alles echt. Werkzeuge handhaben, Schläuche auslegen, Pumpen bedienen, Leitern aufstellen – jeder Handgriff musste sitzen, alles exaktes Arbeiten. Wir Gruppenführer hatten dabei die Aufgabe zu führen, zu koordinieren und Anordnungen zu geben, damit die Soldaten alles korrekt ausführten.
Besonders wichtig war das Zusammenspiel: Die Soldaten mussten gut untereinander funktionieren, zuerst als Gruppe, dann als ganzer Zug. Bei den Rettungstruppen geht es niemals um Einzelsport. Alles hängt zusammen – ein Fehler bei einem, und die ganze Übung ist gefährdet. Das Training brachte den Leuten bei, aufeinander zu achten, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam schnelle Entscheidungen zu treffen.
Zwischendrin gab es auch die Infanterieausbildung, eher am Rand erwähnt – Exerzieren, Marschieren, Kommandos einhalten. Nicht so gewichtig wie bei der Infanterie, aber notwendig, damit die Soldaten auch die militärische Struktur und Disziplin kennen.
Das Ganze war ein Mix aus Technik, Handhabung, Teamwork und Einsatzbereitschaft. Schläuche ausrollen, Knoten binden, Werkzeug prüfen, Pumpen starten – alles gleichzeitig, alles korrekt. Wer etwas vernachlässigte, bekam sofort Hinweise: „Korporal, prüfen Sie die Kupplungen!“ oder „Gruppenführer, Bewegungen koordinieren!“
So vergingen die Tage – praktische Übungen, Infanterieelemente am Rand, Organisation, Einsatzsimulation – alles unter dem Motto: nur gemeinsam klappt es. Am Ende wusste man: alles, was ein Rettungstruppensoldat braucht – Technik, Handhabung, Teamfähigkeit, Einsatzfähigkeit – lernt man hier.
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Während unseres WK in Zell hatten wir Gruppenführer neben den üblichen Aufgaben bei der Rettungstruppe auch besondere Aufgaben, die im Infanterie-mässigen Rahmen organisiert waren. Dazu gehörten unter anderem Bewachungsaufgaben, also das Beobachten und Überwachen von potenziellen Bedrohungen oder „Terrororganisationen“.
Mit meiner Gruppe war ich zunächst in Hellbühl auf einem Bauernhof einquartiert, unser erster Standort. Dort mussten wir das Gelände überwachen, alles beobachten, was geschah, und gleichzeitig dort auch übernachten. Den ganzen Tag über hielt unsere Gruppe Stellung und sorgte dafür, dass nichts unbemerkt blieb.
Am Abend wurden wir abgeholt und nach Beromünster verschoben, wo wir erneut Wachdienst leisteten. Dort übernachtete unser gesamter Zug in der Turnhalle. Im Verlauf des Tages kamen dann noch die restlichen Züge dazu, jeder mit eigenen Aufgaben, die ich im Detail nicht kannte.
Meine persönliche Aufgabe war die Überwachung des Kommandopostens (KP), während der Rest unseres Zuges morgens ausrücken musste, um den Sender Beromünster zu bewachen oder zu überwachen. Es war kalt und regnerisch, doch ich hatte das Glück, als Wachkommandant am KP an der Wärme zu sein. Der Sender wurde ungefähr zwei Tage lang bewacht, und ich hielt in dieser Zeit die KP-Wachung beim Schulhaus aufrecht.
So ging dieser WK langsam zu Ende. Am Schluss stand noch die Fahnenabgabe in Willisau an. Da ich eine Helmdispens hatte, musste ich an der Fahnenabgabe nicht teilnehmen – ich war dispensiert.
Einschub: Mein jüngerer Bruder Adrian, Jahrgang 1961, war ebenfalls in der KP 5/2, allerdings nicht in meinem Zug. Er hatte eine Tragdispens und durfte maximal 10 Kilo tragen – ja, er war auch ein spezieller Soldat.
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Nach meinem letzten Wiederholungkurs in Zell erhielt ich die Aufforderung, zu einem Termin in Luzern vor der Untersuchungskommission zu erscheinen. Ich bin dort pünktlich erschienen. Während des Termins erläuterte mir der Kommissionsmitarbeiter, dass es sehr bedauerlich sei, dass ich aufgrund meiner Beschwerden keinen regulären Militärdienst mehr leisten könne.
Er erklärte jedoch, dass der Zivilschutz für mich nicht in Frage käme, da ich als zu wertvoll für die Truppe angesehen werde. Stattdessen empfahl er mir den Einsatz bei der Hilfspolizei, was er als eine sehr geeignete Möglichkeit für mich darstellte.
Da ich zu diesem Zeitpunkt noch verpflichtet war, Militärpflicht-Ersatzleistungen zu zahlen, falls ich keinen Dienst leisten würde, stimmte ich dem Vorschlag zu. Zu diesem Zeitpunkt war mir jedoch nicht bekannt, dass Personen, die einen Militärunfall erleiden, von der Pflicht zur Ersatzzahlung befreit sind.
Hätte ich diese Regelung damals gekannt, hätte ich mich vollständig vom Militärdienst verabschiedet und weitere gesundheitliche Beschwerden, wie Rückenprobleme und ähnliche Einschränkungen, geltend gemacht, sodass ich definitiv nie wieder mit dem Militär etwas zu tun gehabt hätte.
Es ist wichtig zu betonen, dass die gesundheitlichen Probleme vor allem während des Militärdienstes auftraten. Privat und im Alltag waren diese Beschwerden leichter zu ertragen. Diese Schmerzen entstanden vielmehr durch die körperlichen und organisatorischen Belastungen im Militär.
Ich möchte ausserdem festhalten, dass mich mein Hausarzt in dieser Situation unterstützt hat.
Ich nehme an, dass mein Hausarzt auch ein besonderer Freund der Militärköpfe war.
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Umschulung Hilfspolizei 1984
Im Herbst 1984 stand ich im Ausbildungszentrum der Armee in Luzern, frisch einberufen zum Umschulungskurs der Hilfspolizei. Ich war damals bereits diplomierter Bauführer, doch diese Ausbildung öffnete mir eine völlig neue Welt – geprägt von Disziplin, Verantwortung und Teamarbeit. Schon am ersten Tag wurde klar: Wir waren Teil einer Miliztruppe, klein im Alltag, aber im Ernstfall bereit, die Militärpolizei oder die zivile Polizei zu unterstützen.
Unsere Ausrüstung war genau auf unsere Aufgaben abgestimmt. Wir trugen die Uniform der Schweizer Armee, gekennzeichnet durch orangefarbene Patten, die uns als Hilfspolizisten auswiesen. Unsere Pistole sass sicher am Gürtel, Maschinenpistolen standen für besondere Situationen bereit. Für Verkehrsdienst und Patrouillen nutzten wir robuste Fahrräder – schwer, stabil, mit Rücktrittbremse, unbequem, aber für schnelle Reaktionen unverzichtbar. Jeder Tritt erinnerte daran, wie wichtig Disziplin und Beweglichkeit waren.
Der Alltag im Ausbildungszentrum war streng organisiert. Die Tage begannen früh, die Zeitpläne waren minutiös. Überall herrschte ein charakteristisches Geräuschbild: Metallklirren der Pistolen, Quietschen der Fahrräder auf dem Hof, Funkgeräte, die Befehle übertrugen. Wir lernten, den Verkehr zu regeln, Personen zu kontrollieren und die Kommunikation zwischen den Posten aufrechtzuerhalten. Jede Übung testete unsere Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Teamgeist.
Besonders eindrücklich waren die Schiessübungen auf dem Stand der Schiessanlage. Das dumpfe Knallen der Schüsse hallte durch den Stand, der Geruch von Pulverdampf hing in der Luft. Ziel anvisieren, Atmen kontrollieren, auslösen, nachladen – jede Runde forderte Präzision und Ruhe.
Man spürte, dass diese Fertigkeiten im Ernstfall entscheidend sein konnten.
Zwischen Strenge und Pflicht gab es auch menschliche Momente: das gemeinsame Zusammenpacken der Ausrüstung, das gegenseitige Helfen beim Reparieren der Fahrräder, das Lachen nach langen Übungsstunden. Teamarbeit war hier nicht nur ein Wort – sie war die Grundlage unseres Erfolges.
Die orange Patten auf der Uniform waren ein ständiges Symbol unserer Verantwortung. Sie standen nicht nur für Zugehörigkeit, sondern auch für die Pflicht, Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig respektvoll gegenüber der Bevölkerung zu bleiben. Jeder Schritt, jede Handlung war sichtbar und nachvollziehbar – wir waren Teil eines Systems, das auf Präzision, Organisation und Vertrauen beruhte.
Am Ende des Kurses spürte man eine Mischung aus Erschöpfung und Stolz. Alles, was wir gelernt hatten – Verkehrsdienst, Patrouillen, Waffenhandhabung, Kommunikation – war aufeinander abgestimmt und wurde in realistischen Übungen geprüft. Das Ausbildungszentrum Luzern hatte uns gezeigt, dass Vorbereitung, Disziplin und Teamarbeit nicht nur Schlagworte sind, sondern gelebte Realität – und dass Verantwortung immer greifbar ist, wenn man sie übernimmt.
Rückblickend bleibt dieser Herbst 1984 unvergesslich. Die Hilfspolizei war mehr als eine Ausbildung – sie war ein intensives Erlebnis, das körperlich, intellektuell und menschlich forderte und mir zeigte, wie man in einem Team Verantwortung übernimmt und in kritischen Situationen ruhig, präzise und effektiv handelt.
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Mitternacht oder Ehe – ein Wochenende, das alles veränderte
Ende März 1984 schloss ich die Bauführerschule ab. Zehn Jahre Ausbildung lagen hinter mir – Jahre voller Lernen, Prüfungen und harter Arbeit. Fünf Monate später, im September, war ich mitten im Umschulungskurs für die Hilfspolizei in Luzern. Obwohl die Ausbildung vorbei war, fühlte sich mein Leben noch wie ein Übergang an: frisch „fertig“, aber innerlich noch nicht ganz angekommen. Ich war 27, ein bisschen im Studentenmodus, ein bisschen schon im richtigen Leben.
An einem Samstagmittag um 12 Uhr wurde ich für das Wochenende in den Sonntagsurlaub entlassen – 1 1/2 freie Tage, die wie ein kleiner Atemzug zwischen zwei Welten wirkten. Mein Ziel war klar: zu Marietheres in den Rosenweg, ein Glas Wein, gutes Essen, ein Abend nur für uns. Ein ruhiger, schöner Abend – dachte ich.
Alles begann wie geplant: Wein, Essen, Lachen. Alles entspannt.
Doch dann, mitten im Abend, während das Kerzenlicht auf unseren Gesichtern tanzte, erhöhte Marietheres plötzlich den Schwierigkeitsgrad – und machte mir einen Heiratsantrag.
Ich war überrascht. Mein Herz machte einen Satz, mein Kopf ratterte: Warum jetzt? Alles läuft gut. Keine Kinder geplant. Ich habe gerade erst die Ausbildung abgeschlossen. Und jetzt gleich heiraten?
Tief in mir wusste ich jedoch schon lange: Marietheres war die Richtige. Mein Problem war nicht sie, sondern das Timing. Ich wollte die Freiheit noch ein wenig spüren, das Leben noch ein bisschen ohne endgültige Bindungen genießen. Heiraten fühlte sich in diesem Moment weniger wie Romantik an und mehr wie ein Schritt, der alles verändern würde.
Ich bat um Bedenkzeit. Sie setzte mir eine Frist: Mitternacht.
Die Stunden bis dahin vergingen wie in einem Traum. Ich dachte nach, rang mit mir selbst, spürte aber immer wieder, wie mein Herz zu ihr zog. Es war keine Frage des Zweifelns, sondern des Mutes: den Mut, das Herz entscheiden zu lassen.
Kurz vor Mitternacht sagte ich Ja.
Am 14. Dezember 1984 heirateten wir in Giswil. Die Hochzeitsvorbereitungen lagen vollständig in ihren Händen, während ich noch mitten im Hausbau beschäftigt war. Sie machte alles perfekt. Ich erschien, wir lachten, wir waren ein Team – und inmitten von Kerzenlicht, Plänen und Baustellen spürten wir beide, dass dieser Schritt richtig war.
Heute, nach 41 Jahren Ehe und rund 50 Jahren gemeinsamer Geschichte, weiss ich: Dieses Ja war kein spontaner Impuls. Es war eine Entscheidung fürs Leben. Ich würde Marietheres wieder heiraten. Und sie mich – sehr wahrscheinlich – auch.
Manchmal, wenn wir uns ansehen, denke ich daran, wie ein kleines Wochenend-Urlaubserlebnis, ein Glas Wein und ein Mitternachts-Entscheid so viele Jahrzehnte Herz und Glück haben entstehen lassen. Und ich lächle, weil ich weiss: Die Freiheit, die ich damals noch spürte, führte mich geradewegs zu der Liebe, die mein Leben vollkommen gemacht hat.
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Der Oberst und das Problem mit dem Schwitzen
1984, Umschulungskurs zur Hilfspolizei. Ich war damals Gruppenführer – also keiner, der zum ersten Mal eine Uniform trug, sondern eher einer, der gelernt hatte, die Dinge gleichzeitig ernst zu nehmen und innerlich auf Abstand zu halten.
Zum Programm gehörte ein ganz besonderer Höhepunkt: Jeder Gruppenführer – oder Korporal, wie man uns bei Bedarf wieder nannte – hatte sich an einem festgelegten Zeitpunkt persönlich beim Obersten zu melden. Der Zweck dieser Audienz war klar umrissen: Der Oberst wollte sich ein Bild machen und zugleich die Weichen für die Zukunft stellen. Wer Ambitionen zeigte, durfte „aspirieren“ – also sich für höhere Funktionen wie Feldweibel, Fourier oder gar Leutnant im Hilfsdienst empfehlen.
Kurz gesagt: Es ging um Karriere. Oder zumindest um das, was das Militär dafür hielt.
Also trat ich ein.
«Korporal Wälti» meldete ich mich vorschriftsgemäss, geschniegelt in Tonfall und Haltung.
Der Oberst sass da wie die personifizierte Dienstordnung. Ein Mann, der nicht nur Ordnung verlangte, sondern sie auch ausstrahlen wollte – mit wechselndem Erfolg, wie sich gleich zeigen sollte.
Das Gespräch begann erwartungsgemäss: Beruf, Funktion, ein paar Fragen, die vermutlich schon hundertfach gestellt worden waren. Dann kam er zum entscheidenden Punkt. Ob ich denn „aspirieren“ wolle.
Das Wort fiel mit einem welschen Akzent, der ihm eine gewisse… Dehnbarkeit verlieh.
Für einen Moment blieb es im Raum hängen.
Ich sah ihn an und fragte, scheinbar bemüht, ihn korrekt zu verstehen:
„Wollen Sie aspirieren?“
Ein kurzes Stocken. Ein kaum wahrnehmbares Innehalten.
Dann setzte ich nach, freundlich, sachlich, präzise: „Nein, Sie meinen transpirieren. Nein, ich möchte nicht transpirieren. Ich bin nicht hier, um zu schwitzen. Ich habe die feste Absicht, für den Rest des Kurses eine ruhige Kugel zu schieben. Militär interessiert mich im Grundsatz nicht.“
Was nun geschah, entzog sich jeder militärischen Vorschrift.
Der Oberst explodierte.
Nicht im übertragenen Sinn, sondern in einer Weise, die man eher von schlecht gesicherten Druckkesseln kennt. Seine Stimme hob ab, die Fassung verabschiedete sich in Richtung Ausgang, und ich stand plötzlich im Zentrum eines sehr persönlichen Manövers.
Man konnte den Eindruck gewinnen, dass meine Karriereplanung – oder deren völlige Abwesenheit – nicht ganz mit seinen Erwartungen übereinstimmte.
Ich wurde umgehend abgemeldet.
Das ging erstaunlich schnell. Wenn man bedenkt, wie viel Wert sonst auf korrekte Abläufe gelegt wurde, war diese plötzliche Effizienz fast schon beeindruckend.
Ich verliess den Raum, äusserlich korrekt, innerlich ausgezeichnet unterhalten.
Über vierzig Jahre sind seither vergangen. Vieles ist verblasst: Namen, Daten, Vorschriften. Aber diese Szene ist geblieben – klar, präzise und mit einer gewissen zeitlosen Ironie.
Es war einer jener seltenen Momente, in denen ein einziger Satz genügt, um die Ernsthaftigkeit eines ganzen Systems kurz ins Wanken zu bringen.
Und ich habe bis heute nicht den Eindruck, dass mir etwas fehlt, nur weil ich damals nicht aspirieren wollte.
Transpirieren wollte ich ja auch nicht.
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Ein typischer Lehrer-Moment während des Kurses
Es war gegen Abend im Ausbildungszentrum der Armee in Luzern, kurz nachdem ich einen Tag Urlaub hinter mir hatte – Montag hatte ich frei bekommen, um das Nötigste für die Baustellen im Büro zu regeln. Dienstagmorgen war ich wieder zurück in der Kaserne, bereit, mich wieder in den Kurs einzufinden. Glück gehabt – ich wurde von der Sonntagswache verschont, denn die Sonntagsdienste mussten vor allem die übernehmen, die Aspiranten waren. Ich war ja kein Aspirant, also war dieser Job eher für die Jüngeren reserviert.
Doch dann kam mein Kollege, ein Lehrer, ins Spiel. Er wollte offenbar Feldweibel oder Fourier werden und stürmte mit leicht weinerlicher Stimme zum Feldweibel: „Korporal Wälti war ja noch nie auf der Wache, und er hatte doch Urlaub!“ Ich stand daneben, hörte zu und musste innerlich schmunzeln. Für mich war das typisch – dass ein Lehrer gleich ein Problem sah. Genau so hatte ich mir Lehrer schon immer vorgestellt: pedantisch, etwas dramatisch, aber prinzipientreu.
Am nächsten Abend trat der Feldweibel dann auf mich zu. „Korporal, könnten Sie vom Freitagabend auf Samstagmorgen als Wachkommandant einspringen?“ fragte er. Ich nickte und antwortete gelassen: „Lieber Feldweibel, das mache ich gerne, das gehört ja zu meinen Pflichten.“
In diesem Moment spürte ich etwas Neues: Früher wurde einfach befohlen, jetzt wurde ich gefragt. Verantwortung fühlte sich plötzlich anders an – ernst, aber auch respektvoll. Ich konnte mir ein Schmunzeln über meinen Kollegen nicht ganz unterdrücken. Dieser Moment, zwischen Pflicht und Humor, hat sich tief in meine Erinnerung eingebrannt: Die Hilfspolizei war nicht nur streng und ernst, sie hatte auch ihre kleinen menschlichen Seiten.
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1986 EK in Kerns
Es war Herbst 1986, als ich am Freitag direkt zum Kadervorkurs in Engelberg einrücken musste.
Mein Vater hatte einen alten Geschäftsfreund, Niklaus Theiler, Anwalt, Rechtsanwalt, Notar – und damals auch Korporal beim Hipol Det. 72 wie ich. Mit Niklaus Theiler hatte ich auch schon geschäftlich zu tun. Umso überraschender war es, dass wir nun auch dienstlich Kollegen sein würden.
Marietheres übernahm die Fahrt nach Engelberg. Wir holten Niklaus Theiler in Sachseln ab.
Schon beim Einsteigen bemerkte sie trocken: „Puh, seine Uniform stinkt nach Mottenkugeln!“ Offenbar hatte er sie lange im Keller aufbewahrt. Der Geruch war stark, aber wir mussten lachen.
In Engelberg war der Treffpunkt das Schützenhaus. Dort trafen wir auf eine bunte Mischung: Hilfspolizisten wie wir und ältere Infanteristen aus dem Infanteriebataillon 47 und den Schützen 12 von Nidwalden, die noch Ergänzungskurse absolvierten. Die drei Tage waren eher routinemässig, wenig spannend – aber die Kameradschaft und der Austausch mit Kollegen machte alles erträglich.
Während der Vorbereitungen für den Kadervorkurs fragte ich Korporal Teiler, warum er eigentlich bei der Hilfspolizei sei. Er erklärte mir, er habe einen Militärunfall gehabt. Neugierig fragte ich gleich nach, ob er deswegen Militärausfall bezahlen müsse. Er lachte und sagte: „Wenn man einen Unfall gehabt hat, muss man nichts bezahlen.“ Für mich war der Fall damit klar.
Das Dienstbüchlein blieb während des Dienstes beim Kompaniekommandanten. Am Ende des WKs bekam man es zurück, und dort wurde auch die Entschädigung eingetragen. Ich schrieb sofort nach dem WK an die zuständige Militärbehörde, forderte alles Geld zurück – inklusive Zinsen – und setzte eine 30-tägige Frist. Das Geld kam zurück, leider ohne Zinsen. Ein kleines, ärgerliches Detail – aber typisch für die Bürokratie.
Unterkunft und Verpflegung
Unsere Unterkunft während des Ergänzungskurses war in der Schulhausanlage in Kerns. Die Verpflegung erfolgte im Rössli-Saal, wobei das Essen vom Militär gekocht und serviert wurde. Alles war funktional, zweckmässig und gut organisiert – so dass wir uns voll auf die Übungen konzentrieren konnten.
Als Korporale hatten wir selbstverständlich ein separates Zimmer, während die normalen Soldaten im Massenlager untergebracht waren. Ein kleiner Luxus, aber angemessen für unsere Funktion und Verantwortung.
Velotour und Postenaufgaben
Am Montag begann dann das Eindrücken der Soldaten bei Zumstein Willi in Sarnen, einem Landwirtschaftsbetrieb. Alle Soldaten mussten mit ihrer persönlichen Ausrüstung einrücken. Damit wir die schweren Rucksäcke nicht auf den Velos mittransportieren mussten, wurden die Rucksäcke auf den Lastwagen verladen und direkt nach Kerns transportiert. Wir behielten nur Fahrräder und die kleinere Ausrüstung.
Dann begann die eigentliche Velotour, die sich als harte, schweisstreibende Herausforderung entpuppte:
- Von Zumstein Willi nach Kägiswil – erste Kilometer, bereits schweisstreibend.
- Von Kägiswil nach Kerns bei der alten Teigwarenfabrik Röthlin vorbei. Wir mussten die Velos schieben.
- Von Kerns nach St. Niklausen. Wieder mussten wir die Velos schieben.
- Schliesslich durch ein kleines Strässchen in der Nähe der Hohen Brücke zurück nach Kerns –
Unterwegs mussten wir auch Postenaufgaben erledigen, was zusätzliche Energie kostete. Wir waren keine Elitetruppe, keine Radprofis – wir waren die Hilfspolizei. Jede Steigung, jeder Meter Schieben, jeder Posten fühlte sich nach einer echten Prüfung an.
Unser Velo war ein robustes Ordonnanzrad. Typisch sind der schwarze Stahlrahmen, 1 Gang, die Rücktrittbremse, ein robuster Gepäckträger und ein Ledersattel. Es wiegt über 20 kg, ist extrem wartungsarm und wurde oft von Condor produziert.
Ergänzungskurse Hilfspolizei Obwalden
Das Hilfspolizeidetachement 72 Obwalden absolvierte seine Ergänzungskurse alle zwei Jahre. Parallel dazu gab es in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei regelmässig Grosskontrollen, die von den Bewohnern Obwaldens genau eingeplant wurden: Wenn die Hilfspolizei Kurs hatte, wurde weniger getrunken, weil jeder wusste, dass irgendwann eine Kontrolle stattfinden würde.
Die Ergänzungskurse bestanden aus dem üblichen Programm:
- Pistolenschiessen
- Radfahren
- Verkehrsregelung und Verkehrswinkeln
- Aufbau von Strassenkontrollen
- Personenkontrollen
- Bewachungsaufgaben
Als Korporal musste ich nicht persönlich den Verkehr regeln, aber wir übten den Aufbau von Kontrollen und die Organisation von Wachdiensten. Zusätzlich gab es kleine Nachtübungen, die meist bis Mitternacht dauerten, und wir übernahmen auch Objektschutz und Wachdienste. So wurde es uns nie langweilig, auch wenn die Aufgaben keine grosse Herausforderung darstellten. Vieles war Auffrischung dessen, was wir in Luzern gelernt hatten, aber die Mischung aus Tagesübungen, Nachtübungen und Postenaufgaben machte den Ergänzungskurs trotzdem abwechslungsreich.
Die Bewohner von Obwalden wussten also genau, wann der Ergänzungskurs stattfand. Es war eine sichtbare Präsenz der Hilfspolizei, mit Übungen, Velotouren, Nachtwachen, Verkehrskontrollen und Grosskontrollen. Trotz der bekannten Routine war es ein strenger, körperlicher und organisierter Ablauf, bei dem wir schwitzten, fluchten und unsere Aufgaben gewissenhaft erfüllten – ganz normale Hilfspolizisten, keine Profis, aber einsatzbereit und engagiert.
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1988 EK in Kerns
1988 stand wieder ein Kadervorkurs auf dem Plan, diesmal in Lungern, und anschliessendem Ergänzungskurs in Kerns. Schon bei der Ankunft gab es einen kleinen Luxus: Ich hatte ein privates Zimmer mit Niklaus Theiler, direkt neben der Bäckerei Röthlin. Kein Massenlager, kein Gedränge – nur Ruhe, eine Tür zwischen mir und dem Alltag der anderen Soldaten. Für mich als Korporal war das eine angenehme Abwechslung und half, mich auf die bevorstehenden Aufgaben zu konzentrieren.
Am 25. September, dem Bruder-Klaus-Tag, wartete ein ganz besonderer Anlass: eine Bergwanderung vom Stanserhorn nach Kerns. Morgens ging es zuerst mit dem Bähnchen auf das Stanserhorn, eine Fahrt, die die Aussicht auf die umliegenden Berge atemberaubend machte – aber auch ahnen liess, was noch kommen würde.
Vom Gipfel aus begann der Abstieg zu Fuss. Schon nach wenigen Kilometern meldete sich mein linkes Knie mit einem stechenden Schmerz. Der Meniskus spielte verrückt, und je länger wir unterwegs waren, desto deutlicher wurde mir: Bergwanderungen würden künftig keine leichte Übung mehr sein.
Die Strecke war lang und fordernd. Jeder Schritt war eine kleine Qual, besonders bergab, wo das Knie die volle Last trug. Ich merkte, dass ich für den nächsten Ergänzungskurs eine Dispens für Märsche beantragen muss. Dennoch biss ich die Zähne zusammen, Schritt für Schritt, Meter für Meter. Schwitzend, fluchend, manchmal fast humpelnd, kämpfte ich mich vorwärts – der Wille stärker als der Schmerz.
Schliesslich, nach quälend langen Stunden und gefühlt endlosen Serpentinen, erreichte ich Kerns. Erschöpft, mit schmerzenden Beinen, aber gleichzeitig stolz auf das Durchhalten. Die Wanderung war mehr als nur ein körperlicher Test: Sie war eine Lektion in Geduld, Selbstdisziplin und dem Akzeptieren der eigenen Grenzen.
Ergänzungskurs Hilfspolizei Kerns – das übliche Programm
Neben der Bergwanderung gehörte zum Ergänzungskurs 1988 selbstverständlich wieder das klassische Programm der Hilfspolizei:
- Velofahren – wir fuhren zum Beispiel nach Stans, trainierten Ausdauer und Orientierung.
- Pistolenschiessen – Präzision, Konzentration und die Übung, ruhig zu bleiben, wenn der Puls hochgeht.
- Verkehrskontrollen – aufbauen, Absperren, Fahrzeuge prüfen, Personen kontrollieren.
- Verkehrswinken – Handzeichen, Situationsbeurteilung, Verkehrsfluss lenken.
- Bewachungsaufgaben – Objektschutz, Wachdienste und kleine Nachtübungen.
Und selbstverständlich gehörte auch die Verpflegung dazu: Benny Burch, der Besitzer des Restaurant Siesta in Giswil, war unser perfekter Küchenchef. Wir wurden immer sehr gut verpflegt, egal wie anstrengend die Velotouren, das Pistolenschießen oder die Bergwanderung gewesen waren. Das Essen gab uns Energie, hielt die Moral hoch und machte die Strapazen des Ergänzungskurses erträglicher.
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Mein letzter EK 1990 – Abschied von der Armee
Beim letzten Kadervorkurs im Herbst 1990 des Hilfspolizei-Detachements in Lungern meldete ich mich mit einem Zeugnis beim zuständigen Arzt, weil mein Knie nach der Meniskusoperation immer noch nicht richtig belastbar war. Die übliche Eintrittsmusterung. Der Arzt wollte mir kein Zeugnis ausstellen.
Er war ein eher lustiger Typ – der heisst nicht Lustig, aber er hatte eine eigene Art –, doch ich blieb sachlich und sagte ihm, dass es mich überhaupt nicht interessiert, was er möchte oder nicht. Schliesslich sei er nicht mein behandelnder Arzt; mein Hausarzt hatte das Zeugnis ausgestellt, und das reiche völlig.
Er meinte nur viele hätten bereits mit 33 Jahren schon Arthrose. Was viele hätten interessierte mich nicht, ich bin nicht viele.
Ich machte von Anfang an klar: Ich würde nicht marschieren. Das brachte den Arzt auf die Palme; er bekam richtig schlechte Laune. Er wollte, dass ich mich militärisch korrekt abmelde und das Männchen klopfen würde. Soweit kommt es noch, der ist doch völlig durchgeknallt. Ich liess mich davon nicht beirren, verabschiedete mich ruhig, aber bestimmt mit einem „Tschüss“ – mir war sein Gemotze sowas von egal.
Der Vormittage war die übliche Routine. Appelle, Übungen, Befehle – und das Mittagessen, das im Hotel Bären serviert wurde. Für die meisten ein unauffälliger Teil des Tages. Für mich wurde es zur Bühne eines kleinen Dramas, das alles verändern sollte.
Es begann mit dem Getränk. Kostenloses Wasser oder Tee war Teil meines Militärzuguts. Doch die Serviertochter verlangte, dass ich es bezahlen sollte. Ich bestellte nichts Aussergewöhnliches, aber ich bestand darauf, mein Recht auf das Getränk durchzusetzen. Sofort änderten sich die Gesichter der Militärs: Ungläubigkeit, Empörung, fast panische Verwirrung. „Wie, er will das einfach so?“ Die Worte blieben unausgesprochen, aber ihre Blicke sagten alles. Ich sass ruhig da, das Glas vor mir, und genoss die Situation. Das kleine Getränk wurde zum Symbol meiner Haltung: Respekt wird verdient, nicht befohlen. Das Fass war übergelaufen – und ich liebte es.
Doch das Getränk war nur der Auftakt. Bruno Frey, unser Kompaniekommandant, war in der Gemeinde Alpnach für die Finanzen verantwortlich. Er hatte sich eigenmächtig einen Kredit aus der Gemeindekasse genommen – strafbar, ein klarer Verstoss. Zivilrechtlich war das Unterschlagung, militärisch hätte er sofort disziplinarische Konsequenzen bis hin zur fristlosen Entlassung erwarten müssen. Tatsächlich führte dies dazu, dass er von der Gemeinde entlassen wurde. Sein Fehlverhalten machte die Atmosphäre noch brisanter.
Ich nutzte die Situation klug. Bruno Frey bot an, Urlaubspässe auszustellen. Ich liess mir einen Blanko-Urlaubspass geben – eine Karte, die mir erlaubte, nach Hause nach Giswil zu gehen, dort zu schlafen und morgens wieder beim Appell zu erscheinen. Natürlich hielt ich mich bei Pflichtübungen, Nachtwachen und Nachtübungen streng an die Vorschriften. Alles andere war mein Raum, meine Freiheit.
Und dann die provokative Note: Während alle anderen ihre schwarzen Halbschuhe zu Hause hatten – Pflichtteil des Alltags, wie es beim Ausgang üblich war – hatte ich keine. Ich trug weiterhin meine hohen Militärschuhe. Jeder Schritt war ein stiller Aufstand, jede Handlung ein Statement. Sie tobten, ich genoss es.
Nach dem verheerenden Orkan Vivian, der in Obwalden viele Wälder und Wege zerstört hatte wurde die Truppe wurde klar aufgeteilt: Die Mehrheit der Soldaten verbrachte die ganzen 14 Tage im Wald, um die umgestürzten Bäume zu beseitigen und Wege wieder passierbar zu machen.
Ich und Korporal Theiler gehörten zu der kleinen Gruppe, die bei der Unterkunft blieb. Wir hörten von den Soldaten wie anstrengend die harte Arbeit im Wald war, die umgestürzten Bäume und das anstrengende Räumen der Wege.
Für uns bedeutete der WK ruhige, aber dennoch offizielle Diensttage: wir absolvierten unsere üblichen Übungen, vom Schiessstand über Velofahren bis hin zu den gewohnten Übungen. Es war ein entspannter, selbstbestimmter Alltag im Vergleich zum Waldteam, aber wir waren trotzdem Teil des Einsatzes und des ordentlichen WKs. Die Tage vergingen ruhig, strukturiert und doch mit dem leisen Hintergrundrauschen der Geschichten aus dem Wald – ein Gefühl, dabei zu sein, ohne direkt mitten im Chaos zu stecken.
Die zwei Wochen WK absolvierte ich so – clever, konsequent, mit Prinzipien. Einige Tage nach Ende des WKs erhielt ich zu Hause das Schreiben: Ich war entlassen, durfte meine Militärsachen abgeben und musste nie wieder zurück. Eine endgültige Befreiung.
Das Mittagessen im Hotel Bären, das kleine Gratis-Getränk, die Schuhe, der Urlaubspass – alles Details, die grosse Wirkung hatten. Für mich war es kein Ärger um Wasser, keine simple Trotzhandlung, kein Scherz: es war ein Drama über Prinzipien, Selbstbehauptung, Cleverness und die Freude, das System einmal richtig auf die Palme zu bringen.
Ich hatte gezeigt: Autorität, Titel, Uniformen oder leere Hierarchien verdienen keinen Respekt. Respekt gibt es nur für Leistung, für Tatkraft, für Substanz. Wer etwas schafft, wer Verantwortung übernimmt – Ingenieure, Wissenschaftler, echte Macher – denen zolle ich Anerkennung. Alles andere ist Operette. Das Getränk war nur der Startpunkt. Am Ende hatte ich meine Freiheit gewonnen.
Am Ende des Wiederholungskurses passierte etwas, das mich richtig erleichterte: Ich bekam zu Hause ein Schreiben, dass ich meine Uniform und alle militärischen Sachen im Zeughaus Sarnen abgeben könne. Das war ein gewaltiger Tag für mich. Am 24. September, einen Tag nach der Geburt unserer Tochter Barbara fuhr ich ins Zeughaus Sarnen. Um 16.30 Uhr übergab ich meine gesamte Ausrüstung – für immer. Der Zeughausmitarbeiter war von meinem Erscheinen wenig begeistert, er war schon im Feierabendmodus, den am 25. September war Feiertag in Obwalden – Bruder-Klausen-Tag. Er wollte mir die Sachen zuerst nicht abnehmen und meinte ich solle an einem anderen Tag wieder kommen. Ich erklärte ihm ruhig, dass er meine Sachen jetzt entgegennehmen solle, sonst würde ich sein Verhalten seinem Vorgesetzten melden. Schliesslich hatte er offiziell bis 17 Uhr Dienst. Dann bequemt er sich endlich, alles entgegenzunehmen.
Damit war meine Militärkarriere endgültig beendet. Tschüss, das war’s. Keine Uniform mehr, kein Dienst, kein Marschieren, keine Wiederholungskurse – einfach vorbei. Ein Ende, das sich gleichzeitig wie ein Befreiungstag anfühlte. Bye-bye, Armee – ich brauche das nicht mehr.
Ich hatte insgesamt 59 Wochen Militärdienst geleistet + 1 Woche Zivildienst. Total 60 Wochen. Gefühlt 1 ½ Jahre.
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Nach 59 Wochen Militärdienst – Wochen, die mich weder körperlich noch geistig völlig an die Grenzen brachten, sondern einzig das autoritäre Gehabe der Swiss Army – diese selbstgefälligen kleinen Männer, die hier plötzlich etwas zu sagen hatten, wo sie zu Hause längst unter der Kontrolle ihrer Frauen standen – hätte ich geglaubt, dieses Kapitel sei endlich abgeschlossen. Es war das Gefühl, dass diese Typen, die im Alltag kaum je eine Entscheidung trafen, plötzlich Befehle erteilen konnten, dass ihr „Ich habe hier das Sagen“ Getue durch Uniform und Vorschriften legitimiert wurde. Ich konnte nichts daran ändern, aber ich konnte mir wenigstens einbilden, ihnen nach dem Militär zu entkommen.
Doch kaum glaubte ich, diesem Schauspiel zu entkommen, erwartete mich schon der nächste Pflichttermin: der Zivilschutz. Nicht irgendein Einsatz, sondern der Kulturgüterschutz. Meine erste Reaktion war ein ungläubiges Kopfschütteln, fast schon ein bitteres Lachen. Ich? Weiter Dienst leisten? Finanzielle Gründe? Hah! Keine Chance. Aufgrund eines Militärunfalls war ich von der Militärersatzpflicht befreit. Kein Vorteil, kein Bonus, kein Gehalt – nichts. Ich war Dipl. Bauführer, gewohnt, Verantwortung zu tragen, Pläne zu entwerfen und Projekte zu leiten. Und nun sollte ich mich mit Leuten herumplagen, die für mich eher wie Halbtote wirkten – Köpfe gesenkt, Hände in den Taschen, durch die Pflicht schlurfend, stolz auf ihre unerhebliche Autorität, die sie für einen Augenblick wie Götter erscheinen liess.
Mir war das alles so was von egal. Wirklich egal. Die Vorstellung, meine Zeit in einem solchen bürokratischen Sumpf zu verschwenden, der jeglicher Logik und Leidenschaft entbehrte, war schlicht widerlich. Dennoch war es gesetzlich vorgeschrieben. Mein Wissen im Bauwesen, meine Erfahrung, meine Kompetenz – plötzlich wertvoll für den Schutz von Kulturgütern, für das Sichern historischer Schätze, für Notfälle, die ich mir nie ausgemalt hatte. Ich musste akzeptieren, dass mein Können in einem anderen Kontext gebraucht wurde – nicht für Ruhm, nicht für Geld, sondern schlicht, um etwas zu bewahren, das grösser war als ich.
Und während ich dort stand, zwischen Pflicht und Gleichgültigkeit, zwischen Stolz auf meine Fähigkeiten und Verachtung für die kleinen Herren, deren Machtgefühle auf Uniformen gestützt wurden, wurde mir klar, wie absurd die ganze Inszenierung war: ein Spiegelkabinett der Bürokratie, bevölkert von Menschen, deren Begeisterung für das Leben längst erloschen war, deren Energie einzig darin bestand, die Illusion ihrer Wichtigkeit aufrechtzuerhalten. Der Zivilschutz wurde zu meinem Spiegel: ein gnadenloser Spiegel, der mir zeigte, wie Wissen und Erfahrung oft an die absurdesten Orte verschwendet werden, wie Pflicht und Gesetz einen Menschen zwingen können, sich zwischen Verachtung und stoischem Pflichtbewusstsein zu bewegen – und wie man trotzdem unbeeindruckt bleiben kann.
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1991 erhielt ich das Aufgebot, einen Zivilschutz-Einführungskurs zu besuchen, und zwar in Stans-Oberdorf. Der Kurs dauerte etwa eine Woche, und ich war im Kulturgüterschutz eingeteilt – mein persönlicher Beitrag zum Schutz von Kunst, historischen Dokumenten und allem, was einen kulturellen Wert hat. Voller Neugier und mit hohen Erwartungen betrat ich also das Klassenzimmer, bereit, etwas zu lernen.
Der Instruktor legte eine Folie auf und begann zu erklären, wie der Zivilschutz funktioniere. Ich studierte aufmerksam jede Zeile – nur um dann zu merken, dass der Kulturgüterschutz nirgends zu sehen war. Also meldete ich mich mutig: „Entschuldigung, aber wo ist der Kulturgüterschutz auf Ihrer Folie? Den vermisse ich.“
Seine Antwort war eine Mischung aus Gleichgültigkeit und paternalistischem Schulterzucken: „Ach, das ist nicht wichtig. Kulturgüterschutz hat hier keine Bedeutung.“
Ich war zunächst sprachlos, dann enttäuscht, dann wütend – und schliesslich sehr direkt:
„Also, ich bin voller Erwartung hierhergekommen, und jetzt wird genau meine Aufgabe schlechtgemacht?“
Die folgende Woche verbrachte ich damit, praktisch nichts zu tun. Ich beobachtete den Kurs, schaute den anderen zu, wie sie sich mit den üblichen Übungen abmühten, und stellte langsam fest: Der Zivilschutz war für mich wie ein Tierschutzverein, nur dass der Tierschutzverein sich um alle Tiere kümmert – Hunde, Vögel, Mäuse – während der Zivilschutz sich nur um die Katze kümmert. Oder vielleicht nicht mal die Katze, eher um ein unsichtbares, namenloses Tier, das keiner wirklich sieht.
Rückblickend, besonders im Vergleich zu meiner militärischen Erfahrung, wird das noch deutlicher: Die Armee hatte Struktur, Aufgaben, Verantwortung – und man fühlte sich nützlich. Der Zivilschutz? Für nichts. Aber wirklich für nichts. Ein Ort voller Erwartungen, die nie erfüllt wurden, ein Kurs, der eher wie ein Theaterstück für Erwachsene wirkte, bei dem die Hauptrollen leer blieben.
Und doch: Ich habe etwas gelernt. Ich habe gelernt, dass Motivation und Realität manchmal Welten auseinanderliegen – und dass man, selbst wenn alles absurd erscheint, seine Meinung sagen kann. Und dass ein Instruktor nie den Kulturgüterschutz herunterspielen sollte, wenn jemand wie ich voller Enthusiasmus ankommt.
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Wenn ich heute zurückblicke, auf die Zeit zwischen 1979 und 1990, wird mir erst richtig bewusst, wie anders alles damals war. Man hatte kaum Wahl – Entscheidungen wurden einem aufgedrängt, und wer widersprach, musste mit Gefängnis oder Schlimmerem rechnen. Heute ist das anders. Heute kann man seinen Weg selbst bestimmen, und allein diese Möglichkeit fühlt sich schon wie ein Geschenk an.
Würde ich die Uhr zurückdrehen, würde ich ein Jahr an einer Schule verbringen. Schülern etwas mitzugeben, ihnen ein bisschen Orientierung, ein bisschen Wissen oder einfach nur ein offenes Ohr zu schenken – das hätte mir damals wahrscheinlich mehr gegeben als die militärische Laufbahn. Vielleicht noch ein Sprachaufenthalt in England dazu, und das Jahr wäre ein Abenteuer gewesen, das meinen Horizont geöffnet hätte.
Damals war die Armee riesig – über 600.000 Mann. Heute sind es vielleicht noch 120.000. Die Welt war eine andere, die Bedrohungen wirkten real, der Frieden lag anders, die Verantwortung schien klarer und gleichzeitig schwerer zu greifen. Mein Knieunfall, der die Offiziersschule unmöglich machte, war ein Wendepunkt, den ich damals bitter empfand. Heute sehe ich ihn fast als Chance: Denn rückblickend wird mir klar, dass soziale Verantwortung, der direkte Kontakt mit Menschen und das Weitergeben von Wissen Dinge sind, die mir immer wichtiger gewesen wären als militärische Karriereziele.
Wenn ich also wählen könnte, heute – dann stünde mein Weg klar fest: ein Jahr soziales Engagement, ein Beitrag für andere und zugleich eine Erfahrung für mich selbst. Eine Entscheidung, die nicht nur andere bereichert, sondern auch mich selbst wachsen lässt.





