Autobiographien auswählen
Es werden nur Texte von über 10 Internet-Seiten publiziert.
Zurzeit sind 563 Biographien in Arbeit und davon 337 Biographien veröffentlicht.
Vollendete Autobiographien: 212
Von Barbara Sattler – Auf dem Hochseil
Barbara Sattler
Info Biographie
Info Autor
CV Autor
Abo
Letzte Aktivitätread-history-title
1.
1965-1985 / 08.05.2026 um 12.25 Uhr
1.
1965-1985 / 08.05.2026 um 12.25 Uhr
1.
1965-1985 / 08.05.2026 um 12.25 Uhr
1.
1965-1985 / 08.05.2026 um 12.25 Uhr
1.
1965-1985 / 08.05.2026 um 12.26 Uhr
1.
1965-1985 / 08.05.2026 um 12.26 Uhr
Zoom -
wysiwyg
Zoom +
nav read

Aktuelle Seite drucken
Aktuelles Kapitel drucken
Alles drucken
print
Print

Verzeichnis

<
rückwärts blättern
vorwärts blättern
>
 
Vorwort
1.
Vorwort
2.
1986-2000
3.
2000-2021
4.
2021-2022
Für alle netten Leute
Vorwort
Seite 0 wird geladen
  Vorwort
Kommentar schreiben

01. August 2023, 07.00.Uhr. Geburtstag der Schweiz. Es regnet und ist ungewöhnlich kalt für die Jahreszeit. Draussen werden die Böllerschüsse abgefeuert und ich spüre plötzlich so etwas wie Nationalstolz in mir aufsteigen.  Darf man das überhaupt noch in der heutigen Zeit? Ich sitze müde am Esstisch, blättere gelangweilt in der Coop-Zeitung und trinke einen Schwarztee. Intervall-Diät, 16/8, den ersten Kaffee gönne ich mir erst um 12.00 Uhr. Das soll gesund sein. Ich möchte aber v.a. ein paar Kilos verlieren. Meine bald 19-jährige demente Katze Nina miaut, sie hätte gerne noch besseres Futter. Ich bin froh, dass es meinem 8-jährigen Kater Flöckli wieder besser geht. Ein geplatzter Abszess samt kleiner OP und Halskragen haben ihm (und auch mir) das Leben schwer gemacht. Dazu kam noch, dass ich seinen Bruder Fritzli seit 3 Wochen vermisste und mir langsam Sorgen machte. Seit ein paar Tagen ist der Streuner aber wieder da und mein Leben zumindest katzentechnisch in Ordnung. "Lebensgeschichte aufschreiben und gewinnen" lese ich in der Zeitung. Meine Biographie schreiben? Wen interessiert das? Meine Kinder? Wohl kaum. Trotzdem, das wäre mal wieder ein Ziel, ein Ansporn und mindestens die Leute beim Coop würden sie ja dann lesen. Aber schreiben nicht nur interessante Menschen ihre Memoiren? Also Stars wie Prinz Harry oder Roger Federer? Egal. Dies hier ist ein Wettbewerb. "Klack", die Mäusefalle beim Abfalleimer hat einer weiteren Maus das Genick gebrochen. Ich habe Mäuse in der Küche. Wie wenn mir meine Katzen nicht auch schon alle Arten von Mäusen bringen würden; tote, halbtote und Lebendige, die ich dann mit meiner Mausefalle lebendig fange. Die tödlichen Fallen sind von der Mausefirma. Ja dann fange ich eben mal an mit meiner Biographie. Das ist immer noch besser als sinnlos Texte bei den dating apps zu schreiben. Die dann sowieso nicht gelesen werden. Weil die Herren lieber gleich ein Hotelzimmer buchen als lange herumzufackeln. Aber das kommt erst viel später. Männertechnisch gesehen wäre meine Biographie sowieso schnell geschrieben: Ein Fremdgeher, ein Alkoholiker und ein Narzisst.

Sämtliche Texte schreibe ich zuerst mit Hilfe der app "Samsung Notes" ins Handy, bevor ich sie via mail ins Word kopiere. Warum so umständlich? Ich schreibe v.a. wenn ich unterwegs bin. Im Bus, im Tram, in Kaffees oder im Auto als Beifahrerin. Ich habe dort die besten Ideen. Mittlerweise bin ich so auf mein Handy fokussiert und schnell im Schreiben, dass ich auch zuhause alles zuerst in mein Telefon tippe. Sogar einen Krimi habe ich auf diese Art und Weise geschrieben. Dort habe ich einen Busfahrer umbringen lassen. Den Mann, der mich im echten Leben via Handy so fest traumatisierte, dass ich es vor lauter Verzweiflung fast in den See geworfen hätte; diese Erlebnisse habe ich in den letzten Jahren bereits verfasst: 30 dates und ein Narzisst! Ich werde diese Geschichte meiner Biographie hinzufügen. Sie hat mich in den Jahren 2021-2023 massgebend geprägt. Eine meiner härtesten Erfahrungen, nebst Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Panikattacken, Leben mit einem Alkoholiker und Leben als Alleinerzieherin. Und nebst vielen schönen Momenten. Leben auf dem Hochseil. Runterfallen strengstens verboten.

Aber eins nach dem anderen. Vielleicht ist mein Leben doch nicht so langweilig wie ich anfangs dachte?

Die ersten paar Jahre bis zum Kindergarten
Seite 1
Seite 1 wird geladen
1.  1965-1985

Die ersten paar Jahre bis zum Kindergarten
Kommentar schreiben

Ich erblickte am 10.05.1965 in Bern als Drittgeborene das Licht der Welt. Meine Mutter war schon fast 40 Jahre alt bei meiner Geburt. Ich habe sie nie gefragt, ob sie eigentlich ein drittes Kind wollte; nicht dass sie mir dieses Gefühl vermittelte. Aber ich denke nicht, dass Verhütung bereits ein Thema war. Dies musste Frau wohl irgendwie selber kontrollieren. Auch wenn Mann dies nur schwer kontrollieren kann... Gemäss den Erzählungen meiner Mutter war ich ein einfaches Baby. Während mein Bruder rot anlief,  wenn er nicht sofort gefüttert wurde, sah meine Schwester aus wie ein Biafra-Kind und sie musste regelrecht zwangsgefüttert werden. Ich dagegen ass, schlief und entwickelte mich ganz normal. An die ersten Jahre kann ich mich natürlich nicht erinnern. In den Filmen, die mein Vater drehte, sehe ich aber ein durchaus fröhliches Kind. Später wurde aus dem fröhlichen dann ein schüchternes und ängstliches Kind. 

1967 zogen wir von Bern nach Zürich und wohnten fortan in einer sehr schönen 5-Zimmer-Wohnung in der Döltschihalden. Ich besuchte den Kindergarten an der Schweighofstrasse und meine Geschwister gingen bereits in die Schule.


 

 

 

Im Kindergarten
Seite 2
Seite 2 wird geladen
1.  1965-1985

Im Kindergarten
Kommentar schreiben

Ich war ein richtiges Rockzipfelkind. Meine Mutter musste mir immer lange winken, wenn ich in den Kindergarten musste. Sowieso ging ich immer viel zu früh, weil ich Angst hatte, zu spät zu kommen. Einmal war ich so viel zu früh dort, dass ich dachte, der Kindergarten fällt aus; ich rannte weinend nach Hause. Schlussendlich war ich dann zu spät. Mein Pflichtgefühl war so gross, dass ich als ich von der Teppichstange fiel und mir einen komplizierten Handgelenksbruch zuzog, trotzdem unbedingt in den Kindergarten gehen wollte. Ich durfte nicht fehlen. Da musste mich mein Vater stoppen. Ausgerechnet er. Er war ja nicht ganz unschuldig an diesem Plicht-Schlamassel. Meine Geschwister wollten mich nach der Schule jeweils abholen vom Kindergarten. Eigentlich sehr nett gemeint. Ich wollte dies aber auf keinen Fall und rannte ihnen immer davon. Warum? Ich habe bis heute keine einleuchtende Erklärung. Ansonsten kann ich mich nicht so recht an meine Freund(innen) erinnern. Nur an Alice. Alice war die sehr blasse Tochter des Coiffeurs meiner Mutter. Der, der meiner Mutter diese grauenhaften Turmfrisuren verpasste. Aber so eine richtige Freundin hatte ich nicht. Daran würde ich mich erinnern. Dafür erinnere ich mich an die Fastnacht. Ich wusste nicht, was anziehen und in der Not schneiderte meine Mutter ein Kostüm aus Crépes-Papier (allerliebst). Im Kindergarten mussten die Kinder dann im Kreis von jedem einzelnen erraten, was er war, also Pirat, Schneewittchen, Pipi-Langstrumpf etc. Auch ich musste in den Kreis und die Kinder konnten noch so viel raten, ich sagte immer nein. Warum? Ich wusste es nämlich selber nicht. Heulend nahm ich wieder auf meinem Stühlchen Platz.

Das letzte halbe Jahr musste ich einen Sprachkindergarten besuchen. Ich konnte das „S“ und das „R“ nicht aussprechen. „De Seppli suecht sini sibe Sache“. Das „S“ ging nachher sicher besser. Das „R“ trainierte ich mir später selber an. Ich wollte reiten und ohne „Brrr“ sagen zu können, erschien es mir keine gute Idee.  

Meine Mutter
Seite 3
Seite 3 wird geladen
1.  1965-1985

Meine Mutter
Kommentar schreiben


 

 

Meine Mutter war Primarschullehrerin in Bassersdorf und eine moderne Frau, die schon früh autofahren konnte. Dann heiratete sie 1956 meinen Vater und arbeitete danach nicht mehr. Ab sofort war mein Vater der Versorger und meine Mutter (noch nicht etwa schwanger) stand am Herd. Das gehörte sich so. Auch dass sie ihm gehorchen musste. Und das war dann nicht mehr so modern. Vielleicht zeitgemäss. 1958 erblickte mein Bruder das Licht der Welt, 1962 meine Schwester und dann kam ich.

Da meine Mutter schon fast 40 Jahre alt bei meiner Geburt war, war sie im Schnitt 10 Jahre älter als die Mütter meiner Freundinnen. Zudem konservativ und sehr korrekt. Sie hatte wohl keine Wahl mit meinem Vater an ihrer Seite. Nie wollte ich so werden wie sie. Alles nur nicht brav, konservativ und gehorchend. Als ehemalige Lehrerin war es ihre Pflicht, dass sie meine Hausaufgaben korrigierte und mit mir auf die Prüfungen lernte. Besonders im Französisch war der Drill beispielslos. Meine Noten aber dementsprechend gut. Ob sie ahnte, dass ich später dank der sehr guten Französisch-Kenntnisse im Beruf immer erfolgreich war? Sie mir halfen, auf dem Hochseil zu bleiben? Heute bin ich ihr unendlich dankbar dafür.

Sie nähte und strickte sämtliche Kleider für uns Kinder selber. Sie war wirklich ein Profi darin. Trotzdem fand ich die Kleider meist nicht so schön. Ich erinnere mich daran, dass wir Mädchen am Sonntag immer weisse kratzige Zopfpullover tragen mussten. Oder daran, dass ich die Kleider meiner älteren Schwester nachtragen musste. Ich erinnere mich auch an mein Lieblingsbäbi, das mir meine Mutter jeweils an meinem Geburtstag neu eingekleidet ins Bett legte; also so richtig hübsche selbstgestrickte oder genähte winzige Kleider. Sie war auch ein liebes Mami. Trotz der Strenge und der gelegentlichen Ohrfeigen wusste ich, dass sie mich liebte und das Beste wollte. Aber sie musste den Anforderungen meines Vaters gerecht werden. Eine Zerreissprobe. Sicher spielte sie oft mit dem Gedanken, sich scheiden zu lassen. Aber so mutig war sie nicht und ich kann es ihr nicht verdenken. Obwohl es ständig Streit gab, hatte ich grosse Angst, dass sie sich scheiden lassen möchte. Ich kannte ja nichts anderes. Und ein Kind möchte alles nur keine solche einschneidende Veränderung.

Als wir Kinder grösser waren, wollte meine Mutter wieder arbeiten gehen. Sie war ja eine moderne Frau und als Lehrerin bot es sich geradezu an, einer Teilzeit-Arbeit nachzugehen. Mein Vater verbot es ihr. Warum? Das würde ja nach Aussen so aussehen, als ob er alleine die Familie nicht ernähren könnte. Später wurde meine Mutter Präsidentin des Frauenvereins. So hatte sie zumindest wieder eine Aufgabe. Wenn auch unbezahlt. Hauptsache das Bild nach Aussen blieb intakt.

Mein Vater
Seite 4
Seite 4 wird geladen
1.  1965-1985

Mein Vater
Kommentar schreiben

Mein Vater definierte sich hauptsächlich über Leistung. Er wurde am 02.10.1926 in Olten geboren. Er studierte gegen den Willen seines Vaters, der ein einfacher PTT-Angestellter war und mit seiner Familie in Olten lebte, ein Studium an der HSG in St. Gallen. Mein Vater war das erklärte Oberhaupt der Familie. Er liebte uns zwar und war stolz auf uns aber wir mussten nach seinen Regeln leben. Einschliesslich meine Mutter. Die Rollen waren klar definiert: meine Mutter kümmerte sich um den Haushalt und die Kinder und mein Vater verdiente das Geld. Er verdiente gut als Dr. oec. der Betriebswirtschaft. Ich erinnere mich wie ich ihm den Guten-Morgen-Kuss verweigerte. Es war mir unangenehm. Ich musste ihm CHf 2.00 als Strafe bezahlen. Oder wie wir in der Ferienwohnung einen Film schauten, er erst später in.die Wohnung kam und uns befahl, den TV sofort abzustellen, weil er jetzt da war. Am Tisch durften wir jeweils nicht reden, weil immer die Nachrichten am Radio liefen oder am Abend danach das Echo der Zeit. Er war sehr launisch. Manchmal auch gut gelaunt und dann war er sicher ein interessanter Gesprächspartner. Ich erinnere mich auch, dass er mich nachdem ich im Sprachkurs in St. Raphael krank wurde, dort mit dem Auto abholte und mich wieder zurückfuhr, damit ich meine Ferien in Südfrankreich doch noch geniessen konnte. 


 

 

Ferien am Meer mit meinen Eltern
Seite 5
Seite 5 wird geladen
1.  1965-1985

Ferien am Meer mit meinen Eltern
Kommentar schreiben

Wir verbrachten die Sommerferien oft am Meer. Das sind meine schönsten Erinnerungen an meine Kindheit. 

Wir reisten im Auto nach Spanien oder nach Italien. Meine Mutter sass meist im Liegestuhl und las Königsheftli. Mein Vater langweilte sich oft und nach mindestens 2 Tagen am Strand benötigte er seine geliebte NZZ, die er aber vergebens im Ort suchte. Ich liebte das Rauschen des Meeres, das Salz in der Luft, der Sand zwischen den Zehen. Meine Mutter ermahnte mich immer, nicht an die pralle Sonne zu liegen. „Deine Haut vergisst kein Sonnenbrand“. Ich aber wollte unbedingt braun werden. Es nervte mich, dass meine Schwester viel brauner wurde als ich. Sie hatte die Haut meines Vaters geerbt, ich diejenige meiner Mutter. 

Oft stürzten wir uns in die hohen Wellen. Meine Geschwister, mein Vater und ich. Furchtlos. Die Wucht riss mich um, der Sand klebte in den Badehosen und ich lag irgendwo am Strand. Hier in den Wellen war auch mein strenger Vater ein anderer. Auch er konnte in den Ferien in eine andere Welt abtauchen. Eine Welt ohne Strenge, ohne Regeln. 


 

Meine Schwester
Seite 6
Seite 6 wird geladen
1.  1965-1985

Meine Schwester
Kommentar schreiben

Meine Eltern hatten 1.5 Töchter und 1.5 Söhne. Meine Schwester, geb. 25.11.1962, war als Kind ein halber Bub. Das hatte für mich auch Vorteile; ich war ja sehr schüchtern und unscheinbar. Wenn mich im Quartier jemand nicht mitspielen lassen wollte, bekam er es mit meiner Schwester zu tun. Sie war nicht zimperlich und wenn nötig bodigte sie sämtliche Buben. Sie war superintelligent und schaffte auch ohne Hilfe meiner Mutter die Beste in der Schule zu sein. Eigentlich war sie das erfolgreiche und intelligente Traumkind, das mein Vater vergeblich in meinem Bruder suchte. So hart dies jetzt auch klingen mag. Im Basketball schaffte sie es in das A-Kader. Als einzige schloss sie ein Studium mit dem Doktor-Titel ab. Ich war nie eifersüchtig auf sie. Dies empfinde ich rückblickend als grosses Geschenk. Eifersucht ist kein schönes Gefühl. Meine Eltern haben sicher vieles verkehrt gemacht. Nie aber hatte ich das Gefühl, dass sie meine Schwester mir vorzogen. Wir waren grundverschieden. Wollte ich nur Röcke, Sandalen und Schmuck tragen so kleidete sich meine Schwester meist in Jeans, T-Shirt und Fleece. Sie war keine Konkurrenz für mich. Ihr Style war nicht meiner. Ihre Einstellung nicht meine. Und umgekehrt. Rückblickend empfindet sie das Leben mit meinen Eltern auch viel weniger schlimm als ich. Sie erfüllte das wichtigste Kriterium gute Noten und das war mehr wie die halbe Miete. Es gab aber nie ernsthafte Probleme und obwohl zu 100% anders hatten wir es gut miteinander. Oder eben genau deshalb. 


 

 

Mein Bruder
Seite 7
Seite 7 wird geladen
1.  1965-1985

Mein Bruder
Kommentar schreiben

 

 

Mein Bruder ist am 26.12.1958 geboren. Er ist 6 Jahre älter als ich. Das ist auch der Grund, warum ich mich nicht an viele gemeinsame Aktivitäten mit ihm erinnere. Er hatte zweifelsohne die Arschkarte als Kind in unserer Familie gezogen. Er war der Bub, der Erstgeborene und alle Hoffnungen meines Vaters ruhten auf ihm. Er war im Fokuss, wir Mädchen hatten es da sicher etwas leichter. 
Leider war mein Bruder ein sehr schlechter Schüler. Er musste die Sekundarschule repetieren und schaffte es mit Ach und Krach in die Handelsschule. Dort wurde er bald "Profi" und dank der Hilfe meiner Mutter schaffte er diese Hürde wenn auch knapp.  Aber die 4-jährige Ausbildung war für ihn kein highlight. Rückblickend sagt er, dass es gar die schlimmste Zeit seines Lebens war. "Schlimmer geht nimmer" ist auch sein Motto geblieben. Alles in der Folge erlebte war für ihn nur noch halb so schlimm.
Mein Kinderzimmer
Seite 8
Seite 8 wird geladen
1.  1965-1985

Mein Kinderzimmer
Kommentar schreiben

1972 zogen wir von Zürich nach Rüschlikon am rechten Zürichsee-Ufer. Mein Vater kaufte eine 4-stöckige Eigentumswohnung samt Privatlift mit Sicht auf den See.

Trotz grosser Wohnung war mein Zimmer sehr schmal und sehr klein. Die Holzlatten meines Bettes mussten mit Schnüren zusammengehalten werden. Nachts hörte ich oft den Glockenschlag der Kirche: 1 2 3 4. Die ersten Vögel zwitscherten und ich schloss meine Augen ganz fest, um die erste Helle des Tages nicht ertragen zu müssen. Die Angst, den nächsten Tag nicht zu schaffen, schnürte mir die Luft ab. Mein ewiges Pflichtgefühl wurde mir in die Wiege gelegt.

Im schmalen Kasten mit der gelben Türe vor dem Bett hatten nur wenige Kleider Platz; lauter unmodische Teile. Meine Puppen sassen alle aufgereit in einem Gestell am Fenster. Ich kleidete sie mehrmals am Tag neu ein, kämmte sie, lackierte ihre Nägel und redete mit ihnen Kauderwelsch. Dies war meine kleine modische Familie. So ganz anders als die richtige. Das Bunte. In der grauen Welt draussen in der Wohnung.

Hinter meinem Bett stand eine kleine Holzkommode mit 2 Fächern und gelbem Vorhang davor. Dort bewahrte ich meine Weihnachtsgeschenke auf. Ich kontrollierte regelmässig, ob ich niemanden vergessen hatte und stellte mir bereits die Reaktion beim Beschenkten vor. Auch heute noch schenke ich sehr gerne und werde gerne beschenkt.


An der rechten Wand vis-à-vis vom Bett stand ein schwarzes Schimmel-Klavier samt Klavierstuhl, der fürchterliche Töne von sich gab, wenn man ihn drehte. Als Jugendliche nahm ich Klavierstunden und übte stundenlang in meinem Zimmer. So richtig begabt war ich aber nicht. Es fehlte die Leidenschaft.

Mein Zimmer war auch Zufluchtsort vor den Launen meines Vaters. Ich schloss dann die Türe und hörte Musik auf meinem Kassettenrecorder. Den hatte ich mir mühsam erbettelt. Ein kleiner Luxus. Meine erste Kassette war von Smokey. Living Next Door to Alice (heutige Version: Alice Who The F**k is Alice).

 

Mein aktuelles Schlafzimmer ist am selben Ort wie mein Kinderzimmer. Inzwischen haben meine Geschwister und ich die Wand zum nächsten Zimmer herausgebrochen und davor einen Wintergarten gebaut. Ein grosser Luxus. Samt Seesicht, Boxspringbett und Fernseher. Meine Türe ist immer offen. Ich hasse geschlossene Türen. 

 

Eine Nacht in meinem Kinderzimmer
Seite 9
Seite 9 wird geladen
1.  1965-1985

Eine Nacht in meinem Kinderzimmer
Kommentar schreiben

An einem Sonntag im Jahr 1975
Ich hasse den Sonntag. Weil es der Tag vor Montag ist. Und Montag ist der erste Tag der Woche und mein strengster. Ich habe wie jeden Sonntag geduscht und mir die Haare  gewaschen. Ich sitze am Boden, während die heisse Luft aus dem Heizöfeli auf dem Stuhl meine Haare trocknen. Die Haare trage ich nie offen, immer zusammengebunden. Nach dem Abendessen darf ich zusammen mit Martina die Hitparade bei meinem Bruder im Zimmer hören. Er hat als einziger von uns einen Kassettenrecorder samt Radio. Wir haben es gut zusammen. Aber der Zeitpunkt, ins Bett gehen zu müssen rückt näher. Und dann ist es soweit. Wir singen mit meiner Mutter "ich ghöre es Glöggli" und ich bete "spiss Gott, tröst Gott, alli arme Chind, wo uf de Erde sind, Amen." Dann ist es dunkel im Zimmer. Ich muss jetzt schlafen. Aber ich habe solche Angst, dass ich nicht schlafen kann. Die Woche beginnt wieder und ich sollte fit sein. Fit für gute Leistungen in der Schule. Ich höre die Glocken der Kirchenuhr in Rüschlikon 8x schlagen. Es bleibt genug Zeit zum Schlafen. Trotzdem, diese lähmende Angst. Ich liege wach im Bett. Höre wieder den Glockenschlag. 9x, 10x, 11x, 12x schlagen. Mitternacht. Jetzt höre ich es alle Viertelstunde schlagen. Viertelnach, halb, viertelvor...ich ziehe die Decke über meinen Kopf. Ich will es nicht hören. Ich MUSS schlafen. Jetzt höre ich meinen Vater. Er muss aufs WC. Draussen zwitschern die ersten Vögel. Es wird etwas hell im Zimmer. Grauenhaft. Es ist 05.35 Uhr und ich habe noch keine Minute geschlafen. Um 07.00 Uhr weckt mich meine Mutter. Ich erinnere mich an einen Traum. Ich bin froh, dass ich wenigsten eine knappe Stunde geschlafen habe. So kann ich den Tag überstehen. 

Mein erster Schulschatz
Seite 10
Seite 10 wird geladen
1.  1965-1985

Mein erster Schulschatz
Kommentar schreiben
1972-1976
Mein Schulschatz hiess Reto. Er wohnte in der Nachbarschaft und wir hatten 6 Jahre lang denselben Schulweg (Primarschule). Viele Bäume säumten den extrem steilen Weg vom Unter- ins Oberdorf. Es gab immer viel zu erzählen und wir hatten eine Menge Spass. Er wollte mich als Freundin, aber mir war dies nicht so ganz geheuer. Ich war zu verklemmt und zu schüchtern für so etwas. Ich erinnere mich an eine kitschige goldene Schmuckschatulle, die er mir schenkte. Auf dem dunkelroten samtigen Stoff lag ein Ring. Wie romantisch. Er erzählte seinen Freunden, dass er mich ausgewählt habe, weil ich tüchtig und fleissig und im Haushalt später zu gebrauchen seie. Schönheit seie ihm nicht so wichtig. In Noten ausgedrückt gab er mir eine 4-5. Mit meinen Zöpfen und unmodischen Kleidern war ich wirklich alles andere als hübsch. In der 4. Klasse hatte er es dann satt, erfolglos um mich zu werben. Er verkündete, dass er fortan in Silva verliebt sei. Obwohl ich nichts von ihm wissen wollte, traf mich das dann doch ziemlich. Heimlich war ich ja trotzdem etwas verliebt in ihn.
Leben am See
Seite 11
Seite 11 wird geladen
1.  1965-1985

Leben am See
Kommentar schreiben

Ich bin ein Seemeitli. Zumindest auf dem Papier. Trotz Leben am schönen Zürisee bin ich keine Wasserratte geworden. Ich brauche sehr lange, bis ich mich angenetzt habe und friere sehr schnell. Auch werde ich mit meiner hellen Haut zuerst krebsrot. Es nervte, wenn meine Mutter predigtr, dass die Haut keinen Sonnenbrand vergisst. Ich wollte trotzdem unbedingt Farbe bekommen. Ich war sehr oft in der Badi Rüschlikon. Dort spielte sich das Leben ab. Früher gab es Hitzeferien. Dann war das ganze Schulhaus dort. Wir spielten Floss- und Steg-Fangis. Da ich keine schnelle Schwimmerin und eine noch schlechtere Taucherin war, verlor ich meist oder die anderen hängten mich ab. Jedes Jahr gab es einen Wasserplausch. Ziel war, einen Parcour im Wasser so schnell wie möglich zu durchlaufen bzw. zu durchschwimmen. Dank meines Ehrgeizes war ich ziemlich erfolgreich, einmal habe ich in meiner Altersklasse sogar gewonnen. Auch die Seeüberquerung schaffte ich und weil dies eine ausserordentliche Leistung war, erhielt ich von meinem Vater Fr. 50.-. Das war auch ausserordentlich. 

Das Zittern
Seite 12
Seite 12 wird geladen
1.  1965-1985

Das Zittern
Kommentar schreiben

Mit ca 13 Jahren begann ich zu zittern. Mit den Händen und mit dem Kopf. Mein Vater wackelte auch mit dem Kopf. Ich fragte meine Mutter nach dem Grund. Sie meinte, dass dies vom Autofahren kommen würde. Ich aber litt darunter. Besonders in der Schule war ex extrem störend. Ich ging heimlich zum Hausarzt und konfrontierte ihn mit meinem Leiden. Er meinte, dass ich zuwenig Selbstvertrauen hätte. Auf meinen Vater angesprochen, erklärte er mir, dass ich ihm dies wohl abschauen würde. Ev. könnte mir ein Psychiater helfen. Ich ging dann tatsächlich zu einer Psychiaterin. Natürlich top secret. Keiner durfte dies wissen. Am allerwenigsten mein Vater. Meine Mutter zahlte aus lauter Angst, er könnte dahinterkommen, nach jeder Session bar. Trotz der Therapie blieb das Zittern. Ich war eben unsicher und schüchtern. Der Hausarzt erzählte meinem Vater von meinem Besuch bei ihm. Vom Zittern. Soviel zum Arztgeheimnis. Das Donnerwetter daheim war vorprogrammiert. Er war mehr wie empört, dass ich solche Unwahrheiten in die Welt setzte. Und verbot mir ab sofort, dieses Thema anzuschneiden. Er hätte nichts. Mit ihm sei alles in bester Ordnung.

Bei mir war gar nichts in Ordnung. Das Zittern war die Hölle. Es war zwar nicht omnipräsent, aber immer dann da, wenn ich es am Allerwenigsten gebrauchen konnte. Beim Klavierspielen, beim Vorlesen in der Schule, bei Vorträgen, bei Prüfungen. Meine erste Stenographie-Prüfung war unleserlich. Der Lehrer meinte trocken, das ginge vorbei. Ich musste mich damit abfinden, dass ich infolge meines mangelnden Selbstvertrauens zitterte. Ich hasste mich dafür und hoffte jeden Tag, dass es niemand bemerkte. In der Apotheke kaufte ich pflanzliche Beruhigungstabletten und nahm vor etlichen Prüfung mindestens 6 Stück davon. Als meine Grossmutter bei uns lebte, stahl ich ihr heimlich Valium. Nicht zuviel. Die Wirkung durfte natürlich meine Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigen. Irgendwie habe ich die Schulzeit geschafft. Ich kann rückblickend aber nicht sagen, dass es schön war. Im Grunde war es grauenhaft. Weil ich kein Selbstvertrauen hatte und bei der kleinsten Unsicherheit zitterte. Und dies niemand sehen durfte. Ich schämte mich sosehr.

Meine Grossmutter
Seite 13
Seite 13 wird geladen
1.  1965-1985

Meine Grossmutter
Kommentar schreiben

Als ich 14 Jahre alt war, zog meine Grossmutter mütterlicherseits zu uns. Es war die Idee meines Vaters. Nicht etwa die meiner Mutter. Die hatte ja die ganze Arbeit. Mein Vater fühlte sich dagegen als Wohltäter. Ein Abschieben in ein Altersheim kam nicht in Frage. Meine Grossmutter lebte im Zimmer neben meinem. Nicht gerade die Traumbesetzung für einen Teenager. Der gerne Musik hörte und sich so langsam für andere Dinge interessierte wie das demente Grosi nebenan. Kam noch dazu, dass sie eine Abneigung gegen mich entwickelte. Sie behauptete, dass ich mein Kind (zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinerlei Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht) vor ihr verstecken würde. Sie suchte es dann auch regelmässig in der Wohnung. Ob sie hellseherische Fähigkeiten besass? Vielleicht suchte sie auch ihr kurz nach der Geburt verstorbenes Kind. Wie auch immer. Ich litt darunter, so nah neben ihr leben zu müssen. Trotzdem bin ich froh, dass ich in der Nacht ihres Todes ihr nächtliches Rufen nach ihrer Mutter hörte und meine Eltern weckte. Sie starb kurz danach. Ich weiss nicht mehr, ob ich traurig war. Sicher aber erlöst. 

Meine Freundinnen
Seite 14
Seite 14 wird geladen
1.  1965-1985

Meine Freundinnen
Kommentar schreiben

Ich wünschte mir immer eine beste Freundin. Dies sollte mir übere kürzere Zeitperioden auch gelingen. Ich klammerte aber zuviel und die Freundinnen suchten sich dann einen Ersatz. Auch die Männer verliessen später immer mich. Ich war dazu meist nicht fähig, auch wenn die Beziehung noch so schlecht war.
In der Primarschule hatte ich zwar Freundinnen und einmal auch eine beste. Rägi. Aber auch sie wechselte mich aus. Ich war sehr eifersüchtig und das kam nicht gut an. Ein Zeichen meiner Unsicherheit. Der Gedanke, alleine die Pause verbringen zu müssen, war mir unerträglich. Und doch passierte es manchmal. Noch heute meide ich Pausenplätze oder auch Schulhäuser. Oder fühle mich dort nicht wohl.
Auch in der Handelsschule von 1980-1984 besserte es nicht. Ich hatte zwar auch da immer wieder beste Freundinnen. Ging sogar mit ihnen in die Ferien. Zurück in der Schule verloren sie aber meist wieder das Interesse an mir. Dieses Ringen um Exklusivität sollte mir später im Leben noch einige Male im Wege stehen. 

Mein erster Kuss
Seite 15
Seite 15 wird geladen
1.  1965-1985

Mein erster Kuss
Kommentar schreiben
Im Sprachaufenthalt in La Ciotat lernte ich 1981 Peter aus Erstfeld, Kanton Uri kennen. Er war gross, blond, sehr gutaussehend und trug getiegerte Badehosen. Er hatte bereits eine längere Beziehung mit einer älteren Frau. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass er sich für mich interessiert. In der Disco streichelte er plötzlich meine Blasen an den Händen, die ich mir beim Windsurfen am Nachmittag zugezogen hatte. Ich sass auf seinen Knien und sein Mund näherte sich meinem. Die Zungen berührten sich und es fühlte sich anfangs fremd an. Nach und nach verschlangen sie ineinander und ein warmes angenehmes Ziehen durchzuckte meinen Körper. Im Hintergrund sang Kim Carnes "Bette Davies Eyes" und ich war verzaubert. In den nächsten 2 Wochen schmusten wir und hielten Händchen. Er merkte wohl bald, wie unerfahren ich noch war. Die Affäre war mit Ferienende ebenfalls zu Ende. Ich schrieb ihm zwar noch etliche Briefe, zu einem Treffen kam es aber nicht mehr.
Unsere Reisen
Seite 16
Seite 16 wird geladen
1.  1965-1985

Unsere Reisen
Kommentar schreiben

Mein Vater war ein Reisefüdli. Meine Mutter eher weniger. Besonders die Reisen im Auto waren sehr anstrengend, da wir immer picknickten und nie auswärts essen gingen. Das war zu teuer. Wir fuhren durch halb England Schottland und Irland, nach Belgien und Holland, mach Spanien und Portugal, nach Italien und Frankreich. Die schönsten Ferien verbrachten wir am Meer. Dann buchte mein Vater ein gutes Hotel inklusive Halbpension. Wir flogen im Flugzeug und alles war viel entspannter. Die Ferien in Tunesien dagegen waren sehr abenteuerlich. Wir fuhren mit einem gemieteten Citroen ( Döschwo) durch die Wüste und trafen auf Nomadenvölker, die uns anbettelten. Unvergesslich die grünen fruchtbaren Oasen mit den hunderte Dattelpalmen, prächtigen Oleanderbüschen und kleinen warmen Tümpeln. Leider hatte unser Benzintank ein Loch und wir verklebten das Loch mit Kaugummis, die meine Mutter glücklicherweise mithatte. Definitiv nichts für schwache Nerven. Meine Mutter litt wohl tausende Tode. Ich war mir der Gefahr nicht bewusst. Wir verloren konstant Benzin, ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es doch irgendwo eine Garage gab, die das Leck flickte. Auf dem Heimweg nahmen wir einen Autostopper mit (auch das äusserst seltsam mit meinem strengen konservativen Vater). Der führte uns schnurstracks zu einem Teppichgeschäft. Wir schlürften Pfefferminztee und ein Teppich nach dem anderen wurde ausgerollt. Mein Vater kaufte tatsächlich einen weiss-blauen Teppich, der via Schiff in die Schweiz geschickt wurde. Auch dies eher aussergewöhnlich mit meinem sparsamen Vater. Aber nicht immer ist ein Mensch schwarz weiss. Oder fast immer.
Die letzten gemeinsamen Meer-Ferien verbrachte ich mit meinen Eltern in Silvi Marina in der Nähe von Pescara, Italien. Ich flirtete mit den Kellnern und mit Dario hatte ich dann noch etwas mehr am Meer. Auf einem Floss während meine Eltern bereits längst schnarchten. Sie merkten nichts von meinen nächtlichen Fremdgehen. Ich glaube wirklich, dass sie so etwas nicht für möglich gehalten hätten. Sex vor einer Verlobung war sowieso tabu. 

Kauf Ferienwohnung in Chernex s.Montreux
Seite 17
Seite 17 wird geladen
1.  1965-1985

Kauf Ferienwohnung in Chernex s.Montreux
Kommentar schreiben


 

 

Im Jahr 1977 kaufte mein Vater eine Ferienwohnung in Chernex s. Montreux. Wichtig war ihm bei jeder Wohnung die Aussicht. Und die ist wirklich grandiös, bis heute nicht zu toppen.  Die stolze Dents-du-Midi, der mysteriöse Rocher-de-Naye, das prunkvolle Château Chillon, die hohen französischen Berge, Montreux mit dem bekannten Hochhaus, die Sicht Richtung Genf und natürlich der breite und oft tiefblaue Genfersee. Magisch. Als Jugendliche hatte ich aber andere Prioritäten. Viel lieber hätte ich ein hübsches Châlet in den Bergen oder eine Finka samt Swimmingpool am Meer gehabt. Ich langweilte mich in Chernex und die vielen schönen Ausflüge im Auto in die Umgebung waren uninteressant. In der 3-Zimmerwohnung war es eng und ich konnte schlecht vor meinem Vater flüchten. Ich erinnere mich, dass er einmal einen Tag später in die Wohnung kam und wir bei seiner Ankunft fernschauten. Wir begrüssten ihn natürlich, wollten aber den Film zu Ende schauen. Eigentlich nicht soo abnormal. Die Reaktion meines Vaters schon eher. Er befahl, die Kiste sofort auszuschalten. Als Oberhaupt der Familie fühlte er sich von uns ignoriert. Ich erinnere mich aber auch, dass ich in Zürich angekommen realisierte, dass ich meine Zahnspange in der Ferienwohnung vergessen hatte und er nochmals ins Welschland fuhr und sie für mich holte. 

Meine erste Stelle
Seite 18
Seite 18 wird geladen
1.  1965-1985

Meine erste Stelle
Kommentar schreiben

Nach der Handelsschule suchte ich mir 1984 eine Stelle. Die heutige Jugend gönnt sich nach bestandenen Prüfungen meist eine Auszeit und geht auf Reisen. Ich hatte jedoch kein Geld. Ich wollte etwas ganz anderes machen und beworb mich in einer Kleiderboutique. Wollte also als Verkäuferin arbeiten. Der Personalchef meinte, ich seie überqualifiziert und sagte mir ab. Der Arbeitsmarkt war zu dieser Zeit sehr gut; schlussendlich ergatterte ich mir einen Job als Sekretärin bei einer Firma, die als Zwischenhändler für allerlei Rohstoffe wie Kohlen, Eisen, Erz etc. fungierte. Jeder Chef hatte seine eigene Sekretärin. Ganz klassisch. Mein erstes Gehalt: CHF 2'400.00 brutto. Das war zu jener Zeit ein sehr gutes Gehalt. Es war auch selbstverständlich, dass man ein 100% Pensum belegte. Von work-life-balance redete damals noch niemand. Ich arbeitete in Zürich-Enge im Hochhaus zur Palme. Mein Chef war mir nicht sonderlich sympathisch. Ein komischer Kauz. Durch und durch Geschäftsmann und ich seine Tippmamsel. Auf meiner dunkelroten Kugelkopf-Schreibmaschine schrieb ich 100te Telefonrapporte samt Durchschlagpapier. Ich kopierte alte Verträge, löschte gewisse Passagen mit Tippex raus und schrieb die aktuellen Bedingungen möglichst gerade herein. Ein ewiges Gebastle. Computer gab es noch keine. Dafür Telexe. Mein Chef diktierte mit Diktaphone auf Englisch seine Konditionen und ich schrieb und schickte den Telex nach Harare oder Casablanca. Selbstverständlich servierte ich ihm täglich seinen Kaffee und fragte ihn höflich, ob ich sonst noch etwas für ihn tun konnte. Naja. Gut, wusste ich zu dieser Zeit noch nicht, wie die Männer in seinem Alter ticken. Es reicht, wenn ich das jetzt mit 58 weiss. Ich hatte aber auch viel Spass mit meinen Kolleginnen und insgesamt war es eine lehrreiche Zeit. Nach 2 Jahren kündigte ich, weil ich mich an der Hotelfachschule Lausanne angemeldet hatte. Sehr zum Unmut meines Chefs. Aber ich hatte andere Pläne. Ich wollte auch weg von Zürich. Weg von meinen Eltern. 

Mein erste Beziehung
Seite 19
Seite 19 wird geladen
1.  1965-1985

Mein erste Beziehung
Kommentar schreiben
Mein erster Freund hiess Hansi. Er war der Bruder des Freundes einer Schulkollegin. Wir begegneten uns 1984 beim gemeinsamen Baden am Türlersee. Wir ruderten hinaus auf den See und er flirtete mit mir. Am Abend dann schmusten wir zu Klängen von Bronski-Beat am Lagerfeuer. Es war sehr romantisch. Nicht nur das Feuer knisterte. Er streichelte meine Brüste und seine Hände wanderten nach unten. Ich stoppte ihn. Ich hatte im Gegensatz zu ihm noch keine Erfahrung. Er dagegen wertete dies als Zeichen, dass ich nicht beim ersten Treffen schon Sex wollte. Wieder daheim merkte er bald, wie grün ich noch hinter den Ohren war und machte nach ein paar Wochen im Auto auf dem Parkplatz beim ehemaligen Nautic in Zürich-Enge Schluss. Dort brachte er mir auch das Blasen bei. Und entjumpferte mich. Total unromantisch.
Mein erster Sex
Seite 20
Seite 20 wird geladen
1.  1965-1985

Mein erster Sex
Kommentar schreiben

Den ersten richtigen Sex hatte ich mit Thomas im Alter von 20 Jahren. Er studierte Biochemie an der ETH in Zürich, war klein, blond und Schweizer-Meister im Rock n'Roll-Tanzen. Ich lernte ihn bei einer Tanzveranstaltung kennen und fand ihn total süss. Mit meinem weissen VW-Käfer besuchte ich ihn oft in seinem winzigen Mansardenzimmer in der Nähe der ETH. Eines Tages fuhren wir in den Jura in ein altes gemütliches Haus, das einem Kollegen von ihm gehörte. Es war eher kühl und wir kuschelten unter der Bettdecke, bevor er in mich eindrang. Zuvor hatten wir es schon probiert, ich war aber immer zu verkrampft. Jetzt war es wie eine Erlösung für mich und ich glaube, dass es sich gut anfühlte. Auch danach hatten wir öfters Sex und ich war total verknallt in ihn. Er stellte mich sogar seinen Eltern vor. Nach ca. 3 Monaten beendete er die Liaison. Ich war wohl zu wenig interessant für ihn. Er war politisch aktiv, war Militärverweigerer und ziemlich selbstbewusst. Ich dagegen hatte keine Meinung, war nicht selbstbewusst und hatte sehr grossen Liebeskummer danach. 

Besuch der Hotelfachschule in Lausanne
Seite 21
Seite 21 wird geladen
2.  1986-2000

Besuch der Hotelfachschule in Lausanne
Kommentar schreiben

Während ich noch als Sekretärin arbeitete, besuchte mein Bruder die Hotelfachschule in Lausanne. Ich besuchte ihn oft und war fasziniert von seinem Leben. Es schien als ob er ständig am Party machen war; sowohl an der Schule als auch während der Praktiken in und um Montreux. So ein Leben wollte ich auch und ich meldete mich für den 2-jährigen Kurs Housekeeping und Administration an. Die Schule war teuer und ich musste sie selber berappen. Ich sparte fortan eisern. Zuhause musste ich zum Glück nichts abgeben.
Ich kündigte meinen Job als Sekretärin und machte mich auf den Weg in ein neues aufregendes Leben in der französischen Schweiz. Als Vorbereitung auf die Schule absolvierte ich einen Intensivkurs in Französisch an der Schule. Wir wurden von der Lehrerin eingeschüchtert, dass wir mit den vorhandenen Kenntnissen nie und nimmer diese grande école hôtelière de Lausanne bestehen würden. Mein Bruder beruhigte mich. Dies gehörte wohl damals zum guten Takt; zuerst Angst machen, damit wir in die Gänge kamen. Ich spürte nichts mehr von grosser Party. Ich bestand den Kurs und absolvierte danach das erste Semester. Es war hart und ich fühlte mich nie ganz wohl in den Multikulti-Klassen. Aber dank meinem Fleiss und Durchhaltewillen schaffte ich auch diese Hürde. Danach folgte der praktische Teil; ein stage im Housekeeping in einem Hotel meiner Wahl. Da ich während der Schule immer in unserer Ferienwohnung in Chernex wohnte wählte ich das Hotel Eden au Lac in Montreux. 

Stage im Eden au Lac als Gouvernante
Seite 22
Seite 22 wird geladen
2.  1986-2000

Stage im Eden au Lac als Gouvernante
Kommentar schreiben

Montreux, ein magischer Ort. Der blaue Genfersee, rundherum die imposante Bergwelt, das majestätsche Château Chillon, das noble Grande Hotel Palace, das weisse Hochhaus direkt am See, das Casino und noch so vieles mehr. Hier wo die zahlreichen Touristen Ferien machen, absovierte ich meinen 1. stage im Hotel Eden au Lac im Housekeeping. Die Chefgouvernante erinnerte etwas an Frau Rottenmeier im Heidi. Ich musste Zimmer putzen, Minibar auffüllen, in der Wäscherei im Keller, wo es keine Fenster gab, die Betonwände schmutzig waren und eine Glühbirne an der Decke ständig flackerte, bei gefühlten 40 Grad Leintücher mangen, Berge von Wäsche waschen, am Buffet aushelfen und obendrein die Gouvernante vertreten, wenn sie frei hatte. Als Stagiaire mit einem Lohn von CHF 1'300.- hatte man mir glatt die Funktion der 2. Gouvernante angehängt. Samt Kadertitel und  ohne Bezahlung der Überstunden. Rückblickend eine Frechheit. Aber ich konnte mich nicht so richtig wehren und schuftete eben für zwei. Daneben hatte ich eine kurze Liebschaft mit einem französischen Koch, der an Ufos glaubte, tanzte in den Discos Nächte durch, beherbergte während des Jazz Festivals bis zu 14 Freunde aus Zürich in meiner Wohnung in Chernex und am Schluss des Praktikums lernte ich meinen späteren Mann kennen. Er arbeitete als Koch in der kalten Küche im Hotel Suisse et Majestic, kam aus Österreich und hatte einen starken Akzent. Ich verstand nur die Hälfte, aber seine rötlichen Haare gefielen mir. Eine Woche nach dem 1. Treffen erkrankte er an einer schweren Bronchitis samt Hautausschlag und Fieber. Er war unausstehlich und jammerte von morgens bis abends. Soll niemand behaupten ich hätte nicht gewusst auf was ich mich da einlasse. Er wurde wieder normaler, wir trafen uns regelmässig und wurden kurze Zeit später ein Paar. 

Robert - mein Ehemann
Seite 23
Seite 23 wird geladen
2.  1986-2000

Robert - mein Ehemann
Kommentar schreiben

Robert war nicht meine grosse Liebe. Was ist die grosse Liebe? Wir waren sehr verschieden, was in diesem Alter aber interessant ist, und wir unternahmen viel gemeinsam. Ich musste wieder an die Hotelfachschule, der 2. Kurs begann und er ging nach Les Diablerets auf Saison. Wir besuchten uns oft, gingen skifahren oder machten einen Ausflug. Er gefiel mir. Wir hatten immer wieder Diskussionen. Er wollte mich verändern. Ich sollte schlanker werden, mich jugendlicher kleiden oder nicht so viel Geld für auswärts essen ausgeben. Ich bestand den 2. Kurs an der Hotelfachschule und machte im Sommer 1988 einen stage an der Reception im Eurotel Riviera in Montreux. Auch Robert arbeitete eine Saison als Koch im Eurotel. Wir hatten eine stressige aber gute Zeit am Genfersee. Im Oktober 1988 trat ich eine Saisonstelle im Waldhotel National in Arosa an der Reception an. Dies war wiederum sehr stressig und auch emotional war ich gefordert, weil sich Robert während der Zwischensaison im Österreich in eine andere Frau verliebt hatte. Ich war am Boden zerstört, hatte in Chur eine Blindarm-Operation und zunehmends auch den Bergkoller. Robert entschied sich zwar für mich. Dies aber wahrscheinlich eher aus rationalen Gründen, er wollte ja in der Schweiz bleiben. Im Frühling 1989 trat ich eine Stelle als Personalassistentin im Mövenpick Hotel in Glattbrugg an. Robert und ich zogen in unsere erste gemeinsame Wohnung in Oberrieden ein. Er besuchte die 2-jährige Hotelfachschule Belvoirpark in Zürich. Während seiner 2 Praktiken waren wir wieder mehr getrennt. Im November 1989 verlobten wir uns offiziell in Österreich und am 24.12.1990 heirateten wir standesamtlich in Bonstetten, dem einzigen an diesem Tag offenen Standesamt. Robert hatte die Hotelfachschule erfolgreich abgeschlossen und hatte eine Stelle als Abteilungschef im Mövenpick Marché im Hauptbahnhof in Aussicht. Und dafür benötigte er eine Arbeitsbewilligung. Manche heiraten aus Liebe, andere weil ein Kind unterwegs ist und ich eben wegen der Bewilligung. 1992 heirateten wir kirchlich im Schlosshotel Fuschl an Fuschlsee in Österreich. Eine Märchenhochzeit, alles war bis ins kleinste Detail geplant. Nichts fehlte, ausser die Liebe. Die konnten wir uns gegenseitig nicht geben. Wir waren viel zu beschäftigt, jeder mit sich selber. Nach der Hochzeit arbeiteten wir beide bei Mövenpick; zwei richtige Mövenpickler und die Zeit ging dahin. Ich wurde befördert zur Personalchefin und wir hatten gute Zeiten und schlechtere Zeiten.

Endgültig schlechtere Zeiten begannen für mich nach unserem 4-wöchigen stressigen USA-Trip.

Der Beginn meiner Schlaflosigkeit
Seite 24
Seite 24 wird geladen
2.  1986-2000

Der Beginn meiner Schlaflosigkeit
Kommentar schreiben

Wir flogen von Hawai nach N.Y. und danach in die Schweiz. 16 Stunden Zeitverschiebung. Sonntag abend Ankunft in Oberrieden, Montag um 08.00 Uhr Lohnlauf im Büro. Soweit die Theorie. Ich schlief von Sonntag auf Montag keine Minute. So eine schlaflose Nacht ist in diesem Alter noch nicht so ein Problem. Ich arbeitete wie immer gut. Sicher würde ich die kommende Nacht besser schlafen. Leider nein. Ich war auf 180 und machte wieder kein Auge zu. Am nächsten Tag hatte ich sehr viele Vorstellungsgespräche und am Abend gar noch das Personalfest, wo ich eine kurze Rede halten sollte. Ich war erstmals in Panik. Das Fest lief soweit gut und ich übernachtete in einem Hotelzimmer. Da würde ich sicherlich tief und fest schlafen können. Leider nein. Ich war wach und überhaupt nicht müde. In meiner Not soff ich die Minibar halb leer. Der Alkohil machte mich zwar relaxter. Leider aber nicht müder. Die 3. schlaflose Nacht in Folge. Ich fühlte mich wie in einem Wachkoma. Wieder hatte ich einen strengen Tag. Wieder schlief ich keine Sekunde. Am nächsten Tag fuhr ich mit den Lehrlingen in den Europapark. Ich fuhr sogar Auto. Ich war  überhaupt nicht müde. Trotzdem schaltete mein System auf Alarm. Es gelang mir nicht mehr, abzuschalten. Und dies seit nunmehr 5 Nächten. Ich telefonierte meinem Homöopathen. Dieser verschrieb mir Rohhypnol. Das Medikament half und ich kam kaum mehr aus dem Bett. Mein Rythmus war komplett verschoben. Ich hatte eine Erschöpfungsdepression, ausgelöst auch durch die Überforderung als Personalleiterin. Aber mein Pflichtgefühl verbat es mir, aufzugeben. Ich denke nicht, dass irgendjemand etwas von meinem inneren Kampf mitbekam. 3 lange Monate gelang es mir nicht, den Rythmus wieder zu erlangen. Die Medikamente halfen zwar, ich hatte aber Angst vor einer Abhängigkeit und nahm nur soviel wie nötig. Langsam ging es aufwärts und die Schlafqualität wurde wieder besser. Der Schock oder gar das Trauma sassen tief. Unbehandelt.  Es sollte mich immer wieder einholen. 

Tod meines Vaters
Seite 25
Seite 25 wird geladen
2.  1986-2000

Tod meines Vaters
Kommentar schreiben

23.11.1992
Mein Vater hatte einen Herzinfarkt. Tödlich. Herzkammerriss. Unerwartet. Von einem Tag auf den anderen. Mit nur 66 Jahren. Für mich nicht ganz so unerwartet. Sein Stress und v.a. sein Tremor hatte ihn das Leben gekostet, da war ich mir sicher. Anfangs verbot er meiner Mutter den Arzt zu rufen. Es seie ihm nur ein bisschen schlecht. Nur nie Schwäche zeigen. Später dann versuchten 4 starke Männer mittels Herzanimation ihn am Leben zu halten. Vergeblich. Ich wurde mitten aus einem stressigen Arbeitstag im Personalbüro herausgerrissen. War auch geschockt. Mit so etwas rechnete ich dann trotzdem nicht. Herzinfarkt gab es in seiner Familie noch nie. Seine Eltern wurden uralt.

Als ich nach Hause kam, lag er auf dem Bett in meinem ehemaligen Kinderzimmer. Sein Gesichtsausdruck war nicht friedlich. Um den Kopf war ein Tuch gewickelt, um den herabhängenden Kiefer zu stützen. Ich berührte sein Gesicht. Streichelte es ein wenig. Und nahm still und leise Abschied. Traurig, aber ohne Tränen. Nicht fähig, meine Gefühle zu ordnen. Trauer? Schock? Erleichterung? So etwas darf nicht sein und trotzdem? Rechnete ich damit, dass das Leben für alle etwas leichter wurde? Auch finanziell? Er hatte fast nichts geregelt. Rechnete nicht mit einem so frühen Tod. Es gab einen Ehevertrag. Das gesamte Vermögen ging an meine Mutter. Was fühlte sie? Erleichterung? Ich weiss es nicht. Darüber redet man nicht.

Geburt meines Sohnes Adrian
Seite 26
Seite 26 wird geladen
2.  1986-2000

Geburt meines Sohnes Adrian
Kommentar schreiben


 

 

Skifahren Lech am Arlberg, März 1994: Ich spürte es sofort; das angenehme Ziehen in der Brust, das kannte ich vorher nicht. Ich war schwanger. Es hatte auf anhin geklappt. Mein grösster Wunsch war in Erfüllung gegangen. Ohne lange Warten und Bangen. Ich war überglücklich. Mein Mann zog kurze Zeit später nach Österreich, um das Elternhaus umzubauen und ich zog zu meiner Mutter. Ich war also sozusagen mit meiner Mutter zusammen schwanger, nicht mit meinem Mann. Ich besuchte ihn zwar regelmässig in seinem Heimatland. Sicher freute er sich auch auf den Nachwuchs. Aber nie durfte ich von ihm diese Innigkeit erfahren, die ich gebraucht hätte. Nie streichelte er mir über den Bauch. Im Gegenteil, er fand mich hässlich und total unsexy. Aber woher sollte plötzlich Liebe kommen, wenn sie nicht schon vorher gesät wurde? Ein Kind rettet nie eine bereits zerrüttete Ehe. Trotzdem blühte ich während der 9 Monate auf. Ich war stolz auf den wachsenden Bauch, hatte schöne Haut und Haare und keinerlei Beschwerden. Meine Mutter bespannte den Stubenwagen, wo bereits ich drin lag, mit wunderschönem Stoff und ich nähte mir Schwangerschaftskleider. Ich arbeitete bis 2 Tage vor der Geburt. Es sollte ein Kaiserschnitt werden, da das Kind verkehrt lag.

Freitag, 29.10.1994 Abend. Feierabend. Samstag und Sonntag Ausruhen so gut es noch ging. Sonntag Abend Einrücken ins Spital Horgen. Montag um 08.00 Uhr Kaiserschnitt. Ich hatte schon etwas Panik davor. Ob mein Ehemann es denn nicht richten konnte, bei der Geburt dabei zu sein, fragte mich eine Krankenschwester fast schon vorwurfsvoll. Konnte und wollte er nicht. Er war zwar auf der Fahrt zu mir. Aber jetzt, wo ich ihn gebraucht hätte, war ich mal wieder allein. Vielleicht war es besser so. Ich hatte die Schwangerschaft ohne ihn verbracht. Es war mein Kind. Ich freute mich mit meiner Mutter zusammen. Sie hatte eine wichtige Rolle eingenommen. Vielleicht hatte sie dadurch auch eine gute Zeit mit mir. Ich hoffe es, ich war oft so unzufrieden mit ihr und dementsprechend zickig. Ich hatte mich für eine Teilanästesie entschieden und erlebte die Geburt bei vollem Bewusstsein. Hörte die Scheren schnipseln und es rumorte gewaltig und ich spürte trotz Narkose ein Ziehen als sie mein Kind herausnahmen. Ich hörte ein schwaches Schreien und kurz danach sah ich ihn in eine Wärmedecke aus Zellophan gewickelt: Adrian, mein Sohn. Am 01.11.1994 kam er zur Welt. Das süsseste Baby auf der ganzen Welt. Ich war überglücklich. Dieses kleine Wesen gehörte jetzt zu mir und ich war bereit, alles für ihn zu tun. Robert kam zwar noch am selben Tag. Den Zauber der ersten Sekunden hatte er aber verpasst. Er fand Adrian sehr hübsch, mich dafür wieder hässlich.

Zuhause bei meiner Mutter gewöhnte ich mich langsam an mein neues Leben mit Baby. Adrian war ein sehr unruhiges Kind, das nie schlafen wollte. Das Stillen klappte dafür gut, aber nach nur 10 Wochen musste ich wieder 80 % arbeiten gehen. Viel zu früh. Wie gerne wäre ich zu Hause geblieben. Auch heute noch beneide ich alle Frauen, die einfach nur daheim bleiben dürfen und der Ehemann bringt das Geld heim. Paradiesische Zustände wie mir scheint. Ich dagegen strampelte mich ab. Ich wollte Adrian mindestens 6 Monate voll stillen. Ich pumpte während der Arbeit in den Pausen Milch ab und fuhr per Auto von Rüschlikon nach Glattbrugg und umgekehrt, damit ich schneller war. Ich schlief sehr wenig, Adrian hielt mich auf Trab. Meine Mutter und mein Bruder waren mir in dieser Zeit eine grosse Stütze. Alles in allem aber ein Marathon, den ich niemandem wünsche. Statt glückseliger Mutter und liebevollem Mann eine komplett erschöpfte ohne Mann. Der war wieder nach Österreich gereist, um unser neues Heim fertig zu stellen. Ich verdiente gut und wir brauchten das Geld u.a. für eine Marmor-Sprudelbadewanne samt goldenen Armaturen. 6 Monate lang dauerte der kräfteraubende Spass. Dann wollte ich meinem Mann nach Österreich folgen. 






Die Auswanderung
Seite 27
Seite 27 wird geladen
2.  1986-2000

Die Auswanderung
Kommentar schreiben

Heute wandere ich aus. Es ist alles gepackt, der gemietete Lieferwagen randvoll. Mein Bruder wird mich und den 6-monatigen Adrian in meine neue Heimat bringen: Totzenbach bei St. Pölten/Niederösterreich, Heimat meines Mannes. Ich hatte diesen Entschluss ohne gross zu überlegen schnell gefasst,  verbrachte ich doch immer wunderbare Ferien dort. Mein Mann war bereits ein Jahr vorher gegangen; er baute sein Elternhaus um, stockte es um einen Stock auf. Unsere Traumwohnung samt Sprudelbadewanne, Marmor und goldenen Wasserhahnen war fast fertig. Im letzten Jahr war ich mehrmals auf Besuch. Die Grenze nahte, Österreich einfach. Plötzlich ergriff mich ein schales Gefühl. In der Magengegend rumorte es, mein Herz klopfte schneller als üblich. Ich fühlte mich plötzlich im falschen Film. Was machte ich da? Warum verliess ich meine Heimat? War es richtig? Ich hatte bereits an der Grenze Heimweh. Die ganze Fahrt über war ich traurig und ratlos. Auch auf meinen Mann freute ich mich nicht wirklich. Wir waren ein Jahr getrennt. Auch er war mir fremd geworden. Es gab aber kein zurück. "Herzlich willkommen in deinem neuen Heim!" Auch das lieb gemeinte gemalte Schild am Haus erfreute mich nicht. Ich fühlte mich auf der ganzen Linie fremd. 

Die erste Panikattacke
Seite 28
Seite 28 wird geladen
2.  1986-2000

Die erste Panikattacke
Kommentar schreiben

1995. Besuch in der Schweiz. Heimfahrt im Auto von Bergdietikon nach Rüschlikon. Ich hatte eine alte Freundin besucht. Es dunkelte bereits und regnete in Strömen. Ich fuhr auf der Autobahn in einen Tunnel mit Gegenverkehr infolge einer Umleitung. Mein 8-monatiger Sohn schlief seelig in seinem Autositz auf dem Rücksitz und nuckelte an seinem Schnuller. Eine ganz normale Fahrt, Tempo 80.
Plötzlich beginnt mein Herz zu rasen. Meine zittrigen Hände umklammern krampfartig das Steuerrad, ich spüre Schweiss auf der Stirn. Panikartig drehe ich mich und sehe Adrian friedlich nuckeln. Ich habe die Verantwortung für mein Kind, ich muss aus diesem verdammten Tunnel fahren weiss aber, nicht wie. Es gibt kein Zurück mehr. Ich zittere mittlerweile am ganzen Körper, mein Atem stockt. Nur nicht das Steuerrad loslassen. Oder noch schlimmer ohnmächtig werden. Die Lichter der Autos blenden mich. Um mich anzulenken schalte ich einen Gang herunter und fahre hochtourig. Endlich, ich sehe das Ende des Tunnels, das Zittern lässt nach und ich kann wieder besser atmen. Ich fahre auf den Pannenstreifen. Ich muss mich etwas beruhigen.
Am nächsten Tag fahre ich wieder in einen Tunnel, diesmal ohne mein Baby. Ich suche die Konfrontation. Möchte das Erlebte sofort verarbeiten und hinter mir lassen. Es gelingt nicht. Wieder habe ich Herzklopfen, zittere. Die Panik sitzt tiefer. Meine Erschöpfung. Mein Leben in Österreich. 

 

Leben in Totzenbach, in der Näche von St. Pölten
Seite 29
Seite 29 wird geladen
2.  1986-2000

Leben in Totzenbach, in der Näche von St. Pölten
Kommentar schreiben

Wir hatten uns auseinandergelebt. Robert und ich. Die Wohnung war top. Wirklich sehr schön und die Schwiegereltern, die unten wohnten, sehr nett. Trotzdem war der Anfang samt Adrian im Gepäck nicht einfach. Ich hatte einen 50% Vertrag als Stubenmädchen im ehemaligen Lehrbetrieb meines Mannes unterschrieben. Mir blieb eine Woche Eingewöhnungszeit. Ich musste Geld dazuverdienen, das war immer der Plan. Meine Schwiegermutter passte in dieser Zeit auf Adrian auf. Jeden Morgen fuhr ich ca. 40 Min. ins Gasthaus Laaben im Wienerwald, servierte den Gästen das Frühstück, putzte danach die Zimmer, bügelte die Wäsche und erledigte danach Büroarbeiten. Ich kam selten vor 14.00 Uhr nach Hause. Wieder fühlte ich mich im falschen Film. Von der Personalchefin zum Stubenmädchen. Am Nachmittag kümmerte ich mich um Adrian und versuchte, Kontakte zu knüpfen. Im Nachbarsort gab es einen Windelclub, wo sich Mütter mit ihren Kindern trafen. Meine Nachbarin war eine Deutsche und hatte einen Sohn im gleichen Alter. Leider harmonierte der lebendige Adrian nicht mit ihrem singenden und artigen Maximilian. Trotzdem hatte ich einige Freundinnen gefunden und lebte mich so langsam ein. Meine Schwiegermutter arbeitete im Pflegeheim Clementinum, nur 5 Min. von unserem Haus entfernt. Dort wurde eine Halbtagssekretärin gesucht. Welch glückliche Fügung. Ich erhielt den Job und kündigte vorzeitig meinen Job als Stubenmädchen. Die Schufterei hatte endlich ein Ende. Ich teilte dort das Büro mit meiner Chefin der Oberschwester Selma. Und schlitterte in die nächste Katastrophe. Die Frau hatte keine Ahnung von nichts, spielte sich als grosse Chefin auf und hatte keine Arbeit für mich. Ich war als Entlastung für sie eingestellt worden. Aber sämtliche Administration wurde im Mutterhaus in Wien erledigt und Selma war damit beschäftigt, Werbung auf ihrem Tisch herumzuschieben und auf den Arbeitsplan zu starren. Jeden Tag tröstete ich mich mit dem Gedanken, dass der Job einerseits in der Nähe war und ich andererseits Geld verdiente. Ich wusste aber tatsächlich nicht, wie ich die Zeit totschlagen sollte. Ich hatte nach kurzer Zeit ein Boreout. Auch die heuchlerische Art, die in diesem Haus allgegenwärtig war, machte mir zu schaffen. Ich fand nach und nach etwas Arbeit. Aber sie füllte mich bei Weitem nicht aus. Daheim hielt mich Adrian dafür auf Trab. Ich vergötterte ihn und war unglaublich stolz auf ihn. Ich hatte öfters Besuch von Freundinnen mit Kindern im gleichen Alter. Je sympathischer die Mutter, desto weniger verstanden sich die Kinder. Oft artete es in einem derartigen Geschreie aus, dass man lieber davon absah, sich weiterhin zu treffen. Mein Ehemann war mir weiterhin keine grosse Hilfe und oft verurteilte er mich für sein langweiliges Leben. Ich dagegen war ziemlich erschöpft und schenkte Adrian meine ganze Liebe. Mein Bruder kam mich oft besuchen. Er war der Götti meines Sohnes und er war mir auch in Österreich eine grosse Hilfe. Adrian konnte mit 11 Monaten bereits laufen und da ging es erst wirklich los. Er rannte von morgens bis abends herum und nur er selber konnte sich stoppen, indem er umfiel und weinte. Er lachte viel und war ein solch herziges Kind. 


 

 

Boreout im Pflegeheim
Seite 30
Seite 30 wird geladen
2.  1986-2000

Boreout im Pflegeheim
Kommentar schreiben

Das Boreout im Pflegeheim wurde immer schlimmer. Ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte. So zu tun, als hätte man etwas zu tun. Das ist auf Dauer sehr anstrengend. Dazu kam, dass mir das scheinheilige Getue der Oberschwester so etwas von auf den Sack ging. Sich so aufspielen und nichts können. Es gab sogar einen Betriebsrat. Der steckte mit der OS unter einer Decke. Wer aufmuckste, wurde entlassen. So einfach war das in einem sozialistisch geprägten Land. Diese Zustände machten mir zu schaffen. Wenn die Herren aus Wien am Weihnachtsessen die OS lobten, hätte ich am Liebsten geschrien, die kann nichts. Die ist strohdumm und treibt alle in den Wahnsinn. Ich musste mir etwas überlegen, um selber nicht wahnsinnig zu werden. Ich wünschte mir immer ein 2. Kind. Trotz aller Umstände. Adrian sollte nicht alleine bleiben. Und in Österreich hatte ich Anspruch auf eine mindestens 16-wöchige Karenzzeit. Diese Aussicht schien mir der Himmel auf Erden. 4 Monate daheim bleiben dürfen hatte ich noch nie. Einmal in meinem Leben nur Hausfrau und Mutter sein, das hatte ich mir immer gewünscht. Es schlug wieder sofort ein. Ich war schwanger. Und überglücklich. Die OS hatte natürlich keine Freude. Dafür alle anderen. Ich hatte erneut eine Schwangerschaft ohne Komplikationen und mein Mann fand mich erneut hässlich mit dem wachsenden Bauch. Soweit alles gut. 

2. Schwangerschaft und Geburt
Seite 31
Seite 31 wird geladen
2.  1986-2000

2. Schwangerschaft und Geburt
Kommentar schreiben

Ich ging zum selben Frauenarzt wie meine Schwiegermutter. Ich mochte ihn nicht. Gerne hätte ich das Geschlecht des Kindes gewusst. Bei Adrian wollten wir das nicht. Dr. Atzinger meinte bloss, dass ich mich doch überraschen lassen solle. Er verrate es mir nicht. Ja andere Länder andere Sitten. Ich fand ihn ein richtiges Arsch, war aber zu gestresst oder zu bequem, einen neuen zu suchen. Mein Bauch wurde noch grösser wie beim 1. Kind. Ich hoffte, diesmal normal gebären zu können. Das Kind lag richtig, also Kopf nach unten und es sprach nichts dagegen. Mein Kind liess sich Zeit und ich übertrug. Nach einer Woche wurde ich langsam nervös und schlief sehr schlecht. Dann endlich, am 25.03.1997 um ca. 03.00 Uhr verlor ich Fruchtwasser und wir riefen die Rettung. Das war so üblich in Österreich, dass die Rettung kam. Ich sollte ja jetzt liegen. Mein Mann würde nachkommen. Genau an diesem Tag hatte er einige wichtige Termine, die er unbedingt wahrnehmen sollte. Im Krankenhaus in St. Pölten wurde ich in ein 4er Zimmer verlegt. 2 Frauen lagen am Tropf, die eine weinte. Bei der Frau neben mir hatten die Wehen bereits eingesetzt. Ich fühlte mich etwas verloren und versuchte, zu schlafen. Die erste Wehe weckte mich. Sie war noch nicht so schmerzhaft, trotzdem hatte ich bereits eine Ahnung davon, was da wohl noch alles kommen würde. Die Wehen wurden etwas stärker und ich versuchte, dagegen zu atmen wie ich es gelernt hatte. Es half nur begrenzt. Ich erfuhr, dass die 2 Frauen am Tropf beide Angst hatten, das Baby zu verlieren. Die Frau neben mir war nicht mehr da. Jetzt hatte auch ich immer stärkere Wehen und mein Muttermund wurde erstmals gemessen. Leider war er noch fast zu. Die Schwestern erklärten mir, dass ich erst bei mind. 10cm Öffnung Anspruch auf eines der tollen rosaroten Geburtszimmer samt Badewanne, Strick und Gummiball hätte. Ich hatte das Spital auch wegen dieser tollen Zimmer ausgewählt. Es erschien mir ein sehr modernes Kramkenhaus zu sein, spezialisiert auf sanfte Geburten. Jetzt aber musste ich zurück in mein 4er-Zimmer. Allein mit heftigen Wehen. Ich schleppte mich auf den Gang. Dort hatte es ein Telefon. Ich hatte damals noch kein handy. Ich rief meinen Mann an und bat ihn, zu kommen. Er wollte noch den einen Termin wahrnehmen und danach kommen. Was dann folgte war ein Alptraum. Ich hatte fürchterliche Schmerzen, musste die Wehen auf dem Gang ertragen, um die Frauen in meinem Zimmer nicht zu stören. Mein Muttermund öffnete sich nicht, ich war in Panik und auch mein inzwischen präsententer Ehemann war mir keine Hilfe. Immerhin massierte er mein Gesäss, ich hatte auch brutale Schmerzen im Rücken. Ich kroch auf allen Vieren auf dem Gang des Spitals. Es schien keinen zu interessieren. Spritzen kannte man in diesem Krankenhaus nicht. Nach ein paar Stunden dann durfte ich endlich in eines dieser Geburtszimmer. Ich war aber bereits halb ohnmächtig und die warme Badewanne war auch keine Erleichterung mehr. Ich fühlte mich wie in einem Tunnel, ich konnte nicht mehr zurück und vorwärts ging es auch nicht. Nach stundenlangen unerträglichen Wehen kamen endlich die Presswehen. Ich sah das Aufblitzen einer Schere und dann hörte ich den ersten Schrei. Aber nichts von Baby auf den Bauch legen und so. Der Nabel wurde durchgeschnitten und das Kind von mir entfernt. Ich war derart traumatisiert, dass ich nicht einmal nach dem Geschlecht fragte. Ich war mir ja sicher, dass es ein Junge war. Dass es dann ein Mädchen war, war dann eine Riesenüberraschung, über die ich mich sehr freute. Unsere Tochter Caroline erblickte am 25.03.1997 um 23.57 das Licht der Erde. 


 

Vielleicht sollte ich sagen meine Tochter. Und die Tochter von Robert. Aber nicht unsere. Wir hatten uns bereits sosehr entfernt voneinander, dass ich keine Innigkeit spürte. Keine Innigkeit als Paar und noch weniger als Eltern. Ich dachte immer, dass kein Baby in der Welt hübscher sein konnte als mein Sohn Adrian. Caroline war aber genauso hübsch, einfach anders hübsch. Sie war bereits im Krankenhaus sehr unruhig und wollte nicht an der Brust trinken; sie spürte bereits meine Überforderung. Daheim wurde es noch schlimmer. Entweder sie schrie nonstop oder sie schlief. Etwas dazwischen gab es nicht. Meine Nächte waren sehr kurz und da war ja auch noch Adrian. Und Robert. Und der Haushalt. Und mein Job, den ich nach 3 Monaten wieder antreten musste. Zwar nur für 2 Stunden am Vormittag. Aber wenn alles am Zusammenbrechen ist, ist auch dies Schwerstarbeit. Mein Göttergatte zog zum Glück ins Gästezimmer. So hatte ich wenigstens meine Ruhe vor ihm. 


Ein Schreikind
Seite 32
Seite 32 wird geladen
2.  1986-2000

Ein Schreikind
Kommentar schreiben




Natürlich war ich auch sehr stolz auf meine so herzigen Kinder. Aber eben auch erschöpft. Wie befürchtet wurde es bei der Arbeitsaufnahme ganz schlimm. Ich war überhaupt nicht bereit. Trotzdem hatte ich Angst, den Job sonst zu verlieren. Es war der Beginn einer erneuten fast endlosen Schlaflosigkeit. Sehr oft ging ich ohne ein Auge zuzutun arbeiten. Mein Ehemann meinte nur, ich solle mich doch nicht so anstellen wegen der paar Stunden am Vormittag. 

Nach ca. 6 Monaten beruhigte sich die Situation etwas. Ich musste aber wieder 50% arbeiten gehen. Mein Mann half mir so gut wie nichts bei der Betreuung der Kinder. Ich lebte mein Leben mit den kids und er seines. Versuche, die Ehe noch zu retten, scheiterten alle. Ich war nur noch erschöpft und versuchte erneut, nicht vom Hochseil zu fallen. Zum Glück besuchte mich meine Mutter und mein Bruder des öfteren. Auch meine Schwiegermutter war mir eine grosse Hilfe.

Adrian im Kindergarten
Seite 33
Seite 33 wird geladen
2.  1986-2000

Adrian im Kindergarten
Kommentar schreiben

In Österreich gehen die Kinder bereits mit 4 Jahren in den Kindergarten. Ich persönlich finde dies zu früh, auf jeden Fall zu früh für meinen Sohnemann. Von Natur her eher schüchtern begriff Adrian eher nicht so ganz, warum er jetzt aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen wurde und mit vielen anderen Kindern spielen musste. Jeden Morgen brach es mir das Herz, wenn ich mich von ihm verabschieden musste. Er winkte mir immer zu und lächelte meistens etwas bedrückt. Dann spielte er alleine mit den Holzspielzeugen in der Ecke. Ich verdrückte oft ein Tränchen bevor ich zur Arbeit fahren musste. Nach ein paar Monaten ging es besser. Er hatte 2 Freunde gefunden und fuhr jetzt selbständig mit dem Schulbus zum Kindsgi. Sogar den grässlichen niederösterreichischen Dialekt hatte er  angenommen. 


 

 

Schlaganfall
Seite 34
Seite 34 wird geladen
2.  1986-2000

Schlaganfall
Kommentar schreiben

Meine Schwiegermutter hatte einen schweren Schlaganfall. Sie musste uns Wiener Krankenhaus geflogen werden. Es sah nicht gut aus. Nebst der Tragödie musste ich für Caroline an 3 Tagen eine Lösung für die Betreuung finden. Und zwar von heute auf morgen. Sie hatte bereits an zwei Vormittagen je eine Tagesmutter. Für beide war es zum Glück kein Problem, sie an 2 Vormittagen zu hüten. Und an einem Vormittag musste jetzt eben mein Schwiegervater einspringen. Force majeure, höhere Gewalt. Adi war versorgt, er ging in den Kindergarten. Und Caro gewöhnte sich schnell an die Situation und fragte mich jeden Morgen: Wo bin ich heute? Bei Petra, Gabi oder eben mit dem Opa im Wirtshaus. Letzteres fand ich zwar nicht so toll, aber ich hatte keine Wahl. Meine Schwiegermutter erholte sich nicht mehr richtig und es würde nie mehr möglich sein, ihr die Kinder zum Hüten zu geben. Sie brauchte fortan selber Betreuung und das Leben würde nie mehr so sein wie vorher. Für alle Beteiligten ein schlimmer Schlag. Sie war erst ein gutes Jahr in Pension. 

Scheidung und Rückkehr in die Schweiz
Seite 35
Seite 35 wird geladen
2.  1986-2000

Scheidung und Rückkehr in die Schweiz
Kommentar schreiben
Mein Ehemann verkündete mir, dass er eine Freundin hätte. Direkt; unverblümt, ohne wenn und aber. Hatte ich es bereits geahnt? Wir waren uns so fremd geworden und ich war so beschäftigt mit den beiden Kindern, dass ich nicht so sehr aus den Latschen kippte. Gewissermassen war es fast eine Erleichterung; so war er wenigstens beschäftigt und forderte seine eheliche Pflicht nicht bei mir ein. Fortan war er das Wochenende meist weg. Ich überlegte mir, wie es weitergehen sollte. Die Rolle als verschmähte Ehefrau gefiel mir nicht. Da war er trotz allem zu weit gegangen. Ich weihte bei unseren gemeinsamen Skiferien meine Mutter ein. Und spann einen Plan B. Zurück in die Schweiz. Ich fuhr zweigleisig. Suchte einen Job in der Schweiz. Und meldete Adrian für den Kindergarten an. Gleichzeitig aber plante ich auch ein mögliches Weiterleben in Österreich. Sollte ich mir eine Wohnung nehmen? Konnte ich es verantworten, dass ich den Kindern den Vater wegnahm? Ein Vater der fremd ging und den die Kinder kaum kannten? Er kümmerte sich so gut wie nie um sie. Ich war hin und hergerissen. Nach 5 Jahren hatte ich mich gut eingelebt, hatte Freunde und mein Job im Pflegeheim wurde auch langsam besser, seit ich aus dem Mutterhaus in Wien mehr Aufgaben delegiert bekam. In der Schweiz musste ich mir alles wieder mühsam aufbauen. Und doch, die Schweiz war meine Heimat und das Heimweh war nie ganz verschwunden. Ich hatte eine 70%  Stelle bei der Pensionskasse Mövenpick in Aussicht. Immer noch haderte ich mit meinem Schicksal. Ich hoffte, dass ich während meinem USA-Trip samt kids zu meiner Schwester zu einer Entscheidung kam. Das Gegenteil war der Fall. Zu allem Unglück wollte mein Noch-Mann die Ehe plötzlich retten. Er benahm sich aber derart ungeschickt, dass ich nur noch einen Wunsch hatte: Nichts wie weg. Ich nahm die Stelle in der Schweiz an und begann noch am selben Tag mit Packen an. Wir informierten die Schwiegereltern, die die Welt danach noch etwas weniger verstanden und ich kündigte meine Stelle. Der Termin beim Scheidungsanwalt und auch der Tag meiner Rückwanderung standen fest. Inzwischen hatte ich ca. 40 Bananenkisten gepackt, der Heizkeller war fast voll. Sicher fragte ich mich zuweilen, ob es wirklich die richtige Entscheidung war, zumal die Liebschaft meines Gatten auch schon wieder bröckelte. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr;  wir waren inzwischen auch geschieden. Mein Bruder mietete einen Bus und holte mich und die Kinder in Österreich ab. Ein schlimmer Tag. Für alle Beteiligten. Niemand half mir beim Einpacken. Meine Schwiegereltern und mein Exmann weinten im Haus während ich und mein Bruder das Auto packten. Adrian und Caroline begriffen noch nicht, was da gerade geschah. Für sie war es eine gewöhnliche Reise in die Schweiz. Schweiz einfach
Als Schweizerin in Österreich
Seite 36
Seite 36 wird geladen
2.  1986-2000

Als Schweizerin in Österreich
Kommentar schreiben

Als Schweizer in Österreich
Dem Leser mag es vielleicht vorkommen, dass mein Leben in Österreich nur schwierig war. Das war es zwar zuweilen schon, ist aber zu einem grossen Teil in den privaten Umständen begründet. Wäre meine Ehe gut gewesen, wäre ich wohl in Österreich geblieben. Ich glaube, man kann fast überall gut leben, wenn das Umfeld stimmt. Trotzdem würde ich es mir heute sehr gut überlegen, ob ich diesen Schritt nochmals wagen würde. Ich denke eher nicht.
Anbei eine Liste der positiven Dinge/Erlebnisse, an die ich mich immer wieder gerne erinnere:

Marillenknödel, Topfenstrudel, Kaiserschmarren,  Apfelstrudel mit Vanillesauce;
Zahlreiche Heurigenbesuche mit Brettljausen aller Art;
Grosse Hasen im benachbarten Feld;
Österreichischer Schmäh, Lockerheit;
Liebe Leute, die nie begreifen konnten, warum ich das Schlaraffenland Schweiz verlassen habe;
Möglichkeit, ein eigenes Haus mit allen Schikanen zu besitzen;
Grosser Garten, Platz haben, nicht Haus an Haus gebaut;
Viele liebe Freunde und Verwandte

Und noch ein paar negative Dinge als Schweizerin in Niederösterreich:

Raues Klima;
Sozialismus, nicht der Bessere bekommt den Job, der mit den meisten falschen Beziehungen;
Zu katholisch;
Rauer Dialekt;
Fasching
Lange Warterei bei allen Ärzte (zw. 2-5 Stunden)
Andere Mentalität, anderes Denken.

Im 2019 habe ich erstmals wieder meine ehemalige Heimat besucht. Ich werde immer sehr herzlich aufgenommen. Auch mit meinem Exmann verstehe ich mich inzwischen sehr gut. Die Liebe hat leider auf beiden Seiten gefehlt. Robert hat sich aber in den letzten über 20 Jahren sehr gut und liebevoll um unsere beiden Kinder gekümmert. Während der zahlreichen Ferien haben sie viel erlebt und es hat ihnen an nichts gefehlt. Abschliessend denke ich, dass wir beide unser Bestes gegeben haben.
Wir besuchen uns jetzt gegenseitig fast jährlich. In der Schweiz oder in Österreich. 

Zurück in der Schweiz
Seite 37
Seite 37 wird geladen
3.  2000-2021

Zurück in der Schweiz
Kommentar schreiben

Viele nehmen nach der Scheidung wieder ihren Mädchennamen an. Ich nicht. Einerseits wegen der Kinder, andererseits wäre es für mich ein Rückschritt gewesen, wieder meinen ledigen Namen anzunehmen. Natürlich war es auch ein Rückschritt, nach meiner Rückkehr in die Schweiz wieder bei meiner Mutter einzuziehen. Ich war natürlich froh darum, aber ich betrachtete mein Leben als gescheitert. Auch dass ich wieder nach Rüschlikon ziehen musste, war schlimm. Ich wollte nie mehr in meiner Heimatgemeinde leben. Obwohl es eigentlich ein wirklich schöner Ort mit einem sehr tiefen Steuerfuss ist. Dies lockt viele Reiche an. Aber reich war ich ganz und gar nicht. Ich konnte gerade noch die Rechnung des Scheidungsanwaltes in Österreich bezahlen und war froh, dass mir meine Schwester in einem Couvert CHF 800.00 hinterlegt hatte. Dies damit ich den ersten Monat in der Schweiz stemmen konnte. Kaum angekommen musste ich ja sofort wieder arbeiten gehen. Es blieben nur ein paar Tage, um mich bei meiner Mutter samt kids in meinem ehemaligen Kinderzimmer samt Wintergarten einzurichten. 


 

 



Adrian ging in den Kindergarten grad um die Ecke und Caro besuchte abwechselnd eine Spielgruppe und einen Kinderhort. Ich arbeitete 70 % bei der Mövenpick Pensionskasse. Zum Glück war der Arbeitsweg sehr kurz und ich verlor keine Zeit mit pendeln. Langsam lebte ich mich in die neue Materie ein. Das Pensionskassen-Business war mir bisher unbekannt. Meine Mutter hütete die Kinder, kochte für sie und war mir eine grosse Stütze. In Zeiten ohne Mittagstisch und ohne Blockzeiten wäre es schier unmöglich gewesen, soviel zu arbeiten. Wir waren auf meinen Verdienst angewiesen, denn die Alimente aus Österreich reichten sprichwörtlich für die halbe Miete. Wir fanden eine hübsche 3-Zimmerwohnung in der Nähe meiner Mutter umd ich war glücklich über meine eigenen 4 Wände. Ich litt aber unter Dauerstress und auch mein Schlaf war schlecht. Ich kämpfte mich oft von Tag zu Tag. Nichts von kleine Kinder geniessen. Ich war einfach nur froh, dass sie neue Freunde hatten und tat alles, damit sie Anschluss fanden.
Und es gab sie auch, die Momente des Glücks. Sei es beim Vorlesen am Abend, beim im selben Bett schlafen, beim Umarmen, beim sich anlächeln, beim Gedanken an meine kleine Familie. 

Speedflirting
Seite 38
Seite 38 wird geladen
3.  2000-2021

Speedflirting
Kommentar schreiben

08.03.2001
Ich hatte mich fürs Speedflirting angemeldet. Ich sehnte mich nach dem anderen Geschlecht früher als erwartet, obwohl ich nach der Rückwanderung alles und alle vermisste, nur nicht meinen Exmann. Auch Sex wollte ich wenn möglich nie mehr. Die Treffen fanden jeweils am Freitag abend statt. Mit 7 Männern durfte ich 7 Minuten sprechen. Der ganze Spass kostete CHF 77.00. Die Ausbeute war eher mager, ich hatte aber immerhin ein paar dates. Natürlich war keiner von meinen 2 kleinen Kindern begeistert. Um wenigstens in eine weitere Runde gehen zu können, verschwieg ich sie je länger je mehr. Spätestens beim 2. Treffen meistens bei mir daheim (ich wollte den babysitter sparen) turnten sie aber dann um die Männer herum. Danach kam es zu keinen weiteren Rendez-vous mehr. Im Sommer 2001 nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und ging alleine an eine Speedflirting Party. Dort lernte ich Matthias kennen. Er gefiel mir sofort, obwohl er ein ziemlich blasses Kerlchen war. Von meinen kids wusste er noch nichts. Ich dafür nicht, dass er mit seinen 36 Jahren noch Jungfrau oder Jungmann war. Das war jetzt wieder eine neue Herausforderung. Er lernte sehr schnell und erwies sich innert kürzester Zeit als sehr potenter Liebhaber. Ich war verknallt in ihn, obwohl er wieder überhaupt nicht zu mir passte. Er verliess mich etwa 4 Monate später. Er war mir sehr dankbar für alles. Er seie jetzt gerüstet für eine Frau, mit der er noch eine Familie gründen wolle. Zum Glück wünschte er sich kein Kind von mir. In meiner Verliebtheit hätte ich mich wohl darauf eingelassen.
In der Folge hatte ich weitere dates, es passte aber niemand so richtig. Dafür lernte ich beim speedflirting meine heutige beste Freundin kennen. 

Silvester 2001/2002
Seite 39
Seite 39 wird geladen
3.  2000-2021

Silvester 2001/2002
Kommentar schreiben

Und mit meiner heutigen besten Freundin meldete ich mich im Jahr 2001 an eine Silvester-Single Party im damaligen Hotel Novapark an der Badenerstrasse in Zürich an. Wir brezelten uns auf und fuhren voller Erwartungen an den event. Natürlich auch mit dem Ziel, einen Mann kennenzulernen. Schon in der Garderobe fielen uns die vielen altmodischen Mäntel auf. Hoffentlich gehörten sie nicht vielen altmodischen Herren. Wir betraten den Saal. Ich war im falschen Film.  Nicht etwa grauhaarige Männer, nein weisshaarige Männer in schlechtsitzenden Anzügen sassen an den runden Tischen. Die Frauen trugen lange Ballkleider und ihre Turmfrisuren erinnerten mich an den Coiffeur meiner Mutter. Grauenvoll. Wir waren noch keine 40 und waren hungrig auf junges Fleisch. Das hier war ein einziges Desaster. Eher ein Tanznachmittag in einem Seniorenheim als eine Singleparty an Silvester. Wir hatten im Nichtraucher-Teil reserviert. Wir wechselten in den Raucher-Teil, in der Hoffnung, dort coolere Leute anzutreffen. Statt Häuptling Silbergrau Winetou in Hochform. Ganz zuhinterst am Tisch Nr. 14 erblickte ich einen jüngeren Herrn mit Anhang. Wir steuerten zu ihnen und waren nur einfach froh, mit jüngeren Leuten an Tisch zu sitzen. Der junge Mann war mit seiner Gotte hier. Er war seit ein paar Monaten Single; sie seit Kurzem Witwe. Es gesellten sich noch andere Besucher zu uns und trotz lästigem Zigarettenrauch war dies immer noch besser als sich wie im Altersheim zu fühlen. Das Buffet war sehr gut, die Stimmung an unserem Tisch heiter. Trotzdem beschlossen wir, das Altersheim zu verlassen und in Richtung Stadt zu ziehen, um das Feuerwerk nicht zu verpassen. Ich plauderte mit Heinz; der junge Herr gefiel mir irgendwie und wir flirteten ein bisschen. Danach spazierten wir in Richtung Niederdorf und tranken dort noch einen Absacker. Der Gotte von Heinz wurde es plötzlich schlecht und sie wollte schnell heim. An Central riefen wir ein Taxi, das uns zurück nach Rüschlikon brachte. In der Hand hielt ich einen Zettelchen. Mit dem email von Heinz. Die hatte ich eilig mit meinem Kajalstift aufgeschrieben, bevor mich meine Freundin ins Taxi zerrte. 

Der 1. Januar 2002
Seite 40
Seite 40 wird geladen
3.  2000-2021

Der 1. Januar 2002
Kommentar schreiben

Kaum daheim angekommen schrieb ich Heinz ein mail. Ich fand, dass sein Name so gar nicht zu ihm passte; mit seinen dunklen Locken, schwarzen Augen und weissen Zähnen sah er eher aus wie ein Latino. Ich fand ihn sehr gutaussehend und auch er war angetan von mir. Er kam mich 2 Tage später besuchen, lernte meine Kinder kennen und ich servierte ihm wie all meinen ehemaligen dates Canapés mit selbstgemachtem Thunfischdip und Schinken Kartoffel-Auflauf mit einer weissen sähmigen Rahmsauce. Für dieses Essen bekam ich immer viele Komplimente von den Herren. Trotzdem wurde nie etwas Ernstes daraus. Bei Heinz war es umgekehrt. Seit einer Thunfischvergiftung im Militär ass er diesen Fisch nicht mehr und weisse Saucen schmeckten ihm auch nicht. Er ging mit leerem Magen heim, ich denke er hatte vor laurer Nervosität auch keinen Hunger. Wir schmusten bereits ein bisschen im Wohnzimmer ehe ich ihn gegen Mitternacht im Schneegestöber an den Bahnhof fuhr. Lieber hätte er wohl bei mir in der warmen Stube übernachtet, das wollte ich aber beim 1. Date nicht. Am Hauptbahnhof nahm er den falschen Zug und musste ein ziemliches Stück noch zu Fuss nach Hause laufen. Es schneite ununterbrochen und er sank bei jedem Schritt ein. Er war ihm egal, er war happy. Er hatte mich kennengelernt. 

Bauchkribbeln und erste Zweifel
Seite 41
Seite 41 wird geladen
3.  2000-2021

Bauchkribbeln und erste Zweifel
Kommentar schreiben

Ich besuchte Heinz oft in seiner Wohnung in Niederweningen. Ich wunderte mich ein bisschen ab seinem Chaos. Aber ich war so verknallt dass es mich nicht sonderlich störte. Ich wunderte mich auch über seinen in meinen Augen hohen Bierkonsum. Ich hatte noch nie einen Mann vorher, der soviel Bier trank. Jeweils 4-5 Dosen jeden Tag (Anmerkung: es waren wohl weit mehr). Er war auch ein starker Raucher. Ein richtiger bad boy, fanatischer ZSC und FCZ-Fan und Verkäufer in einem Fussballgeschäft. Ich war trotzdem geflascht und wir verliebten uns heftig ineinander, auch wenn wir konträer nicht hätten sein können oder gerade deswegen. Wir schrieben uns sms, telefonierten oder waren via messenger im Netz miteinander verbunden. Eine sehr intensive Zeit; ich hatte 2 kleine Kinder zu versorgen, einen anstrengenden Job und Heinz, dem ich meine ganze Aufmerksamkeit schenkte. Er forderte sie auch ein. Ich realisierte bald, dass er ein sehr eifersüchtiger und ungeduldiger Mensch war. Liess ich ihn warten, so liess er mich einfach stehen. Oder lief einfach weg. Er war oft betrunken und dann besonders fordernd. Auch mit meinem Sohn lief es nicht ganz ideal, als eher introvertiertes Kind  hatte Adrian etwas Angst vor Heinz lauter extrovertierter Art. Wir planten schon bald gemeinsame Sommerferien in Zakynthos. 

Ferien in Zakynthos
Seite 42
Seite 42 wird geladen
3.  2000-2021

Ferien in Zakynthos
Kommentar schreiben


 

 

Heinz erklärte mir, dass er unter grosser Flugangst litt. Für ihn Grund genug, sich bereits am Flughafen Zürich zu betrinken. Ich fand dies alles schwierig, war aber derart angetan von ihm, dass ich gewillt war, alles zu ertragen. In Zakynthos hatten wir ein ganz billiges Hotel gebucht, das eine einzige Katastrophe war. Kleines Zimmer ohne Klimaanlage neben einem Hundezwinger gelegen. In der Nacht war nie Ruhe; viele Partygänger machten die Nacht auch im Hotel zum Tage und Heinz schnarchte ständig. Am Strand war es hingegen traumhaft schön. Kristallklares Wasser, dunkelblauer Himmel, flachabfallender Strand mit feinem Sand, der Geruch des salzigen Meeres, einfach herrlich. Am Abend gingen wir immer fein essen und danach in eine Bar und auch ich war fast immer betrunken danach. Ein neues Gefühl. Fühlte sich nicht nur schlecht an. Durch meinen chronischen Schlafmangel war ich aber gegen Ende der Woche todmüde und freute mich auf mehr Ruhe daheim. Wieder in Rüschlikon musste ich sofort wieder arbeiten gehen und auch meine 2 kids waren aus ihren Ferien bei ihrem Vater in Österreich zurückgekehrt. Also viel Ruhe hatte ich nicht, aber wenigstens ein paar Stunden in der Nacht. So hoffte ich. 

Wieder daheim oder der Beginn der erneuten Schlaflosigkeit
Seite 43
Seite 43 wird geladen
3.  2000-2021

Wieder daheim oder der Beginn der erneuten Schlaflosigkeit
Kommentar schreiben

Es war dieser heisse Sommer im 2002. Ich war derart aufgewühlt durch meine Liebschaft mit Heinz, durch seinen hohen Alkoholkonsum, durch die Hitze, meinen Job und meine Kinder, dass ich erneut nicht mehr schlafen konnte. Wieder dieses Wachkoma, ich fand keine Ruhe, wurde mit jedem Tag wacher und geriet langsam in Panik. Trotz enormer Erschöpfung ging ich wie immer arbeiten und niemand realisierte, wie schlecht es mir ging. Ich war Meisterin in mir nichts anmerken zu lassen. Trotzdem konnte es so nicht weitergehen. Ich ging zum Arzt. Dieser wollte mich sofort krank schreiben. Das ging für mich aber nicht. Aufgeben war keine Option. Er gab mir Antidepressiva und Schlaftabletten. Mit letzteren konnte ich wenigstens wieder schlafen. Aber die Angst, abhängig zu werden, machte mich wahnsinnig und es konnte geschehen, dass die Tabletten nicht wirkten. Rückblickend eine schreckliche Zeit. Der Job, die Kinder, Heinz und die Schlaflosigkeit. Ich befand mich wieder auf dem Hochseil. Runterfallen verboten. Immer auch diese Panik, es könnte jemand bemerken, wie schlecht es mir ging. Ich wollte keine Schwäche zeigen. Mimte die Starke, die alles im Griff hat. Dabei war jede Tätigkeit eine Herausforderung. Auch wenn sie nur darin bestand, die kids an eine Geburtstagsparty im Nachbarsdorf zu bringen. Ich erinnere mich, dass ich einmal dort angekommen, das Gefühl hatte, dass es mir den Boden unter den Füssen wegzieht.

Nach etwa 4 Monaten ging es dann aufwärts. Ich konnte wieder stundenweise ohne Schlaftabletten schlafen. Vielleicht wirkten auch die Antidepressiva. Aber auch diese setzte ich Schritt für Schritt ab. Nur keine Schwäche zeigen. 

Sommerferien in Kreta
Seite 44
Seite 44 wird geladen
3.  2000-2021

Sommerferien in Kreta
Kommentar schreiben


 

 

Später dann reisten wir jahrelang samt kids nach Kreta, genauer ins Alexander Beach in Stalida. Einmal bewohnten wir ein hübsches Viererzimmer direkt am Meer; leider wussten wir nicht, dass es direkt unter dem Swimmingpool lag. Ich hatte das Gefühl, in einem U-Boot zu übernachten. Der Lärm der Düsen war nur mit einem entsprechenden Alkoholpegel zu ertragen. Am Schluss wechselten wir das Zimmer. Ich war kaputt vom Schlafmangel. Das Meer, der Strand und der Swimmingpool waren aber schön und die kids genossen das Baden, das feine Buffet und die abendlichen Animationen sehr. So richtig entspannen konnte ich aber mit Heinz nie. Sein Alkoholkonsum und das dadurch ausgelöste nächtliche Geschnarche waren schwer zu ertragen. Zum Glück waren die Kinder noch zu klein, seine Sucht zu realisieren. Auch wenn Caro eines Abends sehr erstaunt war, dass er die Toilette im Bungalow nicht mehr fand.
Alles in allem aber gab es auch sehr schöne Momente und sie Sommerferien in Kreta bleiben rückblickend sicher auch für meine kids unvergessen. 

Das Zittern
Seite 45
Seite 45 wird geladen
3.  2000-2021

Das Zittern
Kommentar schreiben

In meiner Tätigkeit als Sachbearbeiterin Pensionskasse war es meine Aufgabe, Dossiers von IV-Bezügern der Eid. Invalidenversicherung zu prüfen. Nicht immer ist eine Pensionskasse zuständig für die Leistungen aus der 2. Säule. Die IV-Akten waren auf französisch. Ich glaube der Versicherte arbeitete als Portier in einem Hotel in Genf. Er litt an Schlafstörungen und an einem tremeur essentiel. Da ich die Diagnose nicht verstand googelte ich diese im Internet. Was ich da las, war unglaublich. Das war meine Diagnose! Ich war wie vom Blitz getroffen und las den ganzen Nachmittag, was dieses Leiden für den Betroffenen für Folgen hatte. Ich war bei diversen Ärzten, bei Psychologen, monatelang beim Homöopathen. Warum hatte mir niemand gesagt, dass ich eine Krankheit habe, deren Auswirkungen seit Jahrzehnten bekannt sind?? Ich litt untet einem Ruhetremor, der vererbt wird. Zum Glück ist er aber nicht lebensbedrohlich und nicht zu verwechseln mit Parkinson. Von wegen kein Selbstvertrauen. Es war wie eine Offenbarung für mich. Endlich wusste ich, was Sache war. Aber auch, dass es leider kein wirksames Medikament dagegen gibt. Nur starke Beruhigungstabletten oder Inderal, was bei mir richtig dosiert, recht gut wirkt. Ich fühlte mich wie befreit. Ich hatte meine Diagnose nach über 20 Jahren der Ungewissheit selber herausgefunden. Ich weihte meinen Partner am Abend sofort ein. Auch er freute sich für mich. Seither weiss ich, dass die Wahrheit immer besser ist. Nichts ist schlimmer, als die Ungewissheit. Ein Leiden gegen das man kämpft im Glauben, dass man infolge mangelndem Selbstvertrauen im Grunde selber schuld ist daran. Ein Leiden, gegen das man auch in Ruhephasen ankämpft. 

Abschied von meiner Mutter
Seite 46
Seite 46 wird geladen
3.  2000-2021

Abschied von meiner Mutter
Kommentar schreiben

Ich sitze in der Kapelle und nehme Abschied von meiner Mutter. Ich kann nicht weinen. Ich kann nie weinen bei Todesfällen. Bei meinem Vater auch nicht. Erstarrt? Ich hatte gelernt, immer zu funktionieren. Auch wenn ich alles andere als funktionierte. Ich stand immer auf dem Hochseil und war in ständiger Angst, herunterzufallen. Ich war mehrmals gefallen, konnte mich aber immer am Seil halten und wieder hochrappeln.
War das der Grund für dieses nicht weinen können? Jeder trauert anders. Ich war bei ihrem Sterben dabei. Hielt ihre Hand und flüsterte, dass sie ein ganz liebes Mami gewesen sei, dass ich ihr dies aber leider zu wenig zeigen konnte. Ich warf ihr vieles vor. Zu alt, zu streng, nicht modisch, nicht schön, nicht verständnisvoll, zu wenig unterstützend. Was war meine Mutter für eine Frau? Wie dachte sie? Was waren ihre Probleme? Ihre Sorgen? Nöte? Freuden? Mir wurde bewusst, wie wenig ich sie kannte. Kommunizieren war nicht ihre Stärke. Ich bin auch introvertiert und finde, dass extrovertierte Leute es viel leichter im Leben haben.
Die letzten Jahre waren nicht einfach gewesen mit meiner Mutter. Nach einem nicht klar diagnostizierten Schwächeanfall war plötzlich alles anders. Sie hatte danach fast alles vergessen. Banale Dinge wie Teewasser aufsetzen gingen nicht mehr. Auch das Sprechen bereitete ihr grosse Mühe. Mithilfe der Geschwister und der Spitex konnte sie bis am Schluss zuhause gepflegt werden. Der tragische Treppensturz, der Tag auf der Notfallstation und das Sterben im Spital waren traumatisch. Beim Räumen der Kästen realisierte ich erst, wie viele schöne und hochwertige Kleider meine Mutter hatte. Sie hatte sich so viel Mühe gegeben, schön zu sein. Aber ich hatte es nicht gesehen. Zu Lebzeiten nicht realisiert. Das macht mich unendlich traurig.

Der erste Entzug
Seite 47
Seite 47 wird geladen
3.  2000-2021

Der erste Entzug
Kommentar schreiben

Ich stellte Heinz vor die Wahl: Entweder du machst ein Entzug oder ich möchte nicht mehr deine Freundin sein. Zwar sah er immer noch nicht ein, dass er süchtig war, aber er war damit einverstanden, mit einem Betreuer vom Sozialamt Horgen zu sprechen. Das Gespräch verlief gut, auch wenn Heinz total nervös war. Er redete nicht gerne über seine Schwächen. Aber er musste hinsehen. Ich war mir sicher, dass auch sein Arbeitgeber längst wusste, dass Heinz ein Problem hatte. Und dann war es soweit: Heinz war bereit, sich seinem Problem in der Forel Klinik zu stellen. Etwa 2 Monate sollte der Entzug dauern.

Bei seinem Eintritt hatte er 2.8 Promille intus. Die Ausnüchterung war hart. Sein Blutdruck kletterte ins Nirwana und der Zustand war nur mit entsprechenden Medikamenten auszuhalten. Von denen man dann auch wieder loskommen musste. Dann kam die Leere. Nur die Leere kann sich füllen. Aber wie? Betäuben war viel einfacher. Viel schöner. Wie sollte er diese ständige Unruhe, diese innere Einsamkeit, die Zerrissenheit der letzten Jahre anders aushalten? In der Klinik trieb er viel Sport. Der herabrinnende Schweiss im Kraftraum roch gut, nicht vergiftet wie sonst und seine wachsenden Muskeln glänzten. Jede Faser seines Körpers schmerzte beim Training, aber es fühlte sich richtig an. Beim Joggen spürte er den Wind in seinen Haaren, er kniff die Augen zusammen, wenn ihn die Sonne blendete und fröstelte, wenn der Regen seine Trainingshosen langsam aufweichte. Hauptsache sich wieder spüren. In der Werkstatt lernte er die Kunst des Töpferns. Seine Hände kneteten die feuchte und glitschige Tonmasse. Oft wollte die Masse nicht wie er wollte. Zäh und widerspenstig liess sie sich  schlussendlich in hübsche kleine Kunstwerke formen. Er war talentiert und wurde dafür gelobt. Die täglichen Gespräche in der Gruppe waren dagegen schwierig. Seine Geschichte gehörte nur ihm. Es tat zu weh. Es war besser, sie zu vergessen. Dieser Seelenstriptease war etwas für Weicheier. Draussen war er ein geiler Siech. Ein Entertainer. Nie um einen Spruch verlegen. Er unterhielt die Leute. In seinem Beruf als Verkäufer brillant. Er hatte hart dafür gekämpft. Jemand zu sein. Ab und zu Alkohol und Kokain schien ihm das kleinere Übel. Nur nie wieder dieses Gefühl des nicht erwünscht sein erleben müssen. Von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gereicht werden. Die Mutter hatte ihn im Stich gelassen. Mehr noch. Hintergangen hatte sie ihn als er sie retten wollte. Der Bruch war nicht mehr zu kitten. Was also sollte es bringen, sein Leben zu analysieren? Was war war.

Nach 4 Wochen durfte er erstmals am Wochenende heim. Ich war nicht begeistert von der Idee. Lieber besuchte ich ihn jedes Wochenende in der Klinik. Und prompt; er gönnte sich ein Bier. Vielleicht auch mehr. Er beruhigte mich, dass ein Gläschen seinen Entzug nicht gefährden würde. Ich sah dies ganz anders. Er war kein Kandidat für einen langsamen Entzug. Trotzdem wurde er nach 8 Wochen entlassen. Viel zu früh für meine Begriffe. Er war nicht trocken.


 

 



Der 2. und 3. Entzug
Seite 48
Seite 48 wird geladen
3.  2000-2021

Der 2. und 3. Entzug
Kommentar schreiben

Heinz fing wieder an zu arbeiten. Heinz fing wieder an zu trinken. Hatte eigentlich nie damit aufgehört. Sein Pegel war durch den Entzug etwas tiefer, aber das war nur eine Frage der Zeit. Der Suchtdruck war höher. In Absprache mit seinem Arbeitgeber wurder er erneut in die Klinik eingewiesen. Und wurde nach nur 3 Wochen wieder entlassen, weil er mit einem Bier erwischt wurde. Es gab immer Kanäle, um an das Zeug heranzukommen. Ich war mehr wie sauer; es folgte nochmals ein Entzug. Danach bestand ich darauf, dass er Antabus verschrieben bekam. Antabus hindert den Abbau von Alkohol in der Leber. Alkohol und Antabus zusammen ist bald lebensgefährlich. Aber selbst diese Massnahme hinderte ihn nicht, sich ab und zu ein Gläschen zu genehmigen, was an seine blutunterlaufenen Augen unschwer zu erkennen war. Schrecklich. Sucht ist eine schlimme Krankheit. Sprüche wie "wenn er es wirklich will, dann schafft er es" helfen da wenig. Seine Mutter und seine wechselnden Stiefväter tranken auch alle und auch sonst war seine Kindheit und Jugend als uneheliches und ungewolltes Kind alles andere als einfach. Einmal als seine Mutter von ihrem Mann verprügelt wurde, zückte er das Messer und drohte ihm, ihn umzubringen, wenn er seiner Mutter noch einmal ein Haar krümmen sollte. Seine Mutter alarmierte die Polizei und Heinz hatte nur noch einen Wunsch; weg von dieser Familie. Es folgte eine Odysee an Heimaufenthalten. Aber immer noch besser als verraten zu werden. 

Der rasche Zerfall
Seite 49
Seite 49 wird geladen
3.  2000-2021

Der rasche Zerfall
Kommentar schreiben

Es folgten weitere Klinikaufenthalte. Und somit der rasche (Zer)fall. Ich habe mich immer gewundert, wie fit Heinz trotz seines enormen Alkohol-Konsums war. Aber wenn der Körper beginnt, zu rebellieren, ist es oft zu spät. Nicht 5 vor Zwölf sondern 5 nach. Sämtliche Organe funktionieren nicht mehr und oft weiss man nicht, woher die Symptome genau kommen. So auch bei einem Kreislauf-Zusammenbruch oder epileptischen Anfall in einer Klinik. Danach waren seine Hände und Füsse gefühlslos und auch die Operation am Rücken konnte diesen Zustand nicht mehr ändern. Er konnte sich bald nur noch mit Rollator bewegen. Zwar wehrte er sich mit aller Kraft dagegen. In der Folge stürzte er oft schwer, weil er zwar noch laufen konnte, aber seine Füsse ihm trotzdem nicht mehr immer gehorchten. Ich organisierte ihm einen Beistand und dieser fand einen Platz in einem betreuten Wohnen ganz in der Nähe von meinem Wohnort. Seine Wohnung wurde aufgelöst und musste total saniert werden. Sie war in einem katastrophalen Zustand. Heinz hatte sie eigenhändig in betrunkenem Zustand samt Fensterrahmen und ohne vorher den Parkettboden mit Papier abzudecken bunt angestrichen. Er fand es megaschön. Ich weniger. Aber wir hatten uns schon vorher entfremdet. Ich wollte mich trennen und nahm psychologische Hilfe in Anspruch. Ich litt an einer Co-Abhängigkeit und auch aufgrund meiner Persönlichkeit war es schwierig, mich von ihm ganz zu distanzieren. Es gelang mir zwar, aber rückblickend auch nur, weil ich sofort in eine neue Abhängigkeit mit einem anderen toxischen Mann schlitterte. Schlussendlich war ich aber einfach nur froh, dass Heinz versorgt war und ich keine Verantwortung mehr für ihn übernehmen musste. 

Im betreuten Wohnheim
Seite 50
Seite 50 wird geladen
3.  2000-2021

Im betreuten Wohnheim
Kommentar schreiben
Heinz fühlte sich nicht wohl im Wohnheim. Er eckte mit seiner direkten Art bei seinen Mitbewohnern an. Auch war er der einzige, der ein Alkoholproblem hatte. In den Kliniken davor traf er immer auf Gleichgesinnte. Jetzt aber traf er auf depressive, hirngeschädigte oder komplett verschlossene Mitbewohner. Auch er war sehr oft depressiv und seine körperliche Verfassung verschlechterte sich trotz Therapien laufend. Er trank immer noch. Zwar kontrolliert, aber so genau wusste wohl niemand, wie hoch sein Konsum wirklich war. So musste er auch von Zeit zu Zeit ins Spital in den Entzug. Er begann zu malen und arbeitete halbtags in einer betreuten Arbeitsstätte, wo er hübsche Armketteli anfertigte. Er war froh, dass er trotz Rollator noch eigenständig per Bus in Thalwil seine Zigaretten kaufen gehen konnte. Oft tranken wir im Migros einen Kaffee zusammen. Ein kleines bisschen Normalität. Ich war die Einzige draussen, die ihn regelmässig besuchte. Er wollte keinen Kontakt mit seinen früheren Freunden. Er hatte sich längst von ihnen abgewandt. Er schämte sich für seinen Zustand. Anfangs hatte er noch Hoffnung, dass sich seine Lähmungen zurückbildeten. Er musste aber bald einsehen, dass die Therapien vergebene Mühe waren. Er würde zeitlebens auf den Rollator angewiesen sein. Und das nahm ihm jegliche Lebensfreude
Der frühe Tod
Seite 51
Seite 51 wird geladen
3.  2000-2021

Der frühe Tod
Kommentar schreiben

Heinz ist gestorben. Anita, die Leiterin des Wohnheims weint am Telefon. Ich bin sehr erschrocken, weinen kann ich aber nicht. Heinz wurde am Morgen reglos am Boden in seinem Zimmer gefunden. Die genaue Todesursache bleibt bis heute ungeklärt; Tod durch Organversagen am Montag, 13.09.2021, erst 53-jährig. Ich hatte ihn am Wochenende noch besucht. Wir sassen draussen an der Sonne und tranken einen Kaffe. Er war sehr müde und depressiv. Er glaubte nicht mehr an eine Genesung. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich von Tag zu Tag. Besonders zu schaffen machte ihm seine Inkontinenz. Er schämte sich deswegen und wollte nie mehr lange weggehen. Für mich war sein Tod eine Erlösung. Er konnte bis am Schluss selbständig seine Zigaretten kaufen gehen. Und auf dem Weg heimlich einen Schnaps trinken. Ich wollte ihn nochmals sehen und nahm Abschied von ihm. Ich denke, er ist erstickt. Sein Gesicht war leider nicht erlöst und seine Lunge wohl schwarz. Ich war froh, dass er gehen konnte. Aber sehr traurig, dass er seine Süchte nie besiegen konnte.
Ich organisierte eine Trauerfeier in der Kirche Rüschlikon. Mit allem Drum und Dran. Mit Freunden, Blumen, Orgel, Trauerkarten, Pfarrerin, Traueressen und viel Tränen. Das war ich ihm schuldig und er hätte sicher seine Freude daran gehabt, auch wenn er nicht sehr gläubig war. Seine Urne habe ich fast ein Jahr später in meinem Garten vergraben. Ebenfalls samt kleiner Feier und Robby Williams Musik. "Feel", das war unser Lied. Heinz hat mir noch ein Geschenk gemacht, an das ich mich ein Leben lang erinnern werde. Eine Art Zeichen vom Himmel, eine Genugtuung der besonderen Art. Vielleicht stimmt der Spruch, dass alles im Leben irgendwann zurückkommt doch? Ich weiss es nicht. Das Geschenk bleibt mein Geheimnis. Einige Freunde habe ich natürlich eingeweiht. 

"So wie du warst, bleibst du hier"


Lebenslauf Heinz Meyer
Seite 52
Seite 52 wird geladen
3.  2000-2021

Lebenslauf Heinz Meyer
Kommentar schreiben

Lebenslauf Heinz Meyer

 

Der Start ins Leben am 05.04.1986 war für Heinz nicht einfach; sein Vater war unbekannt und in den ersten Lebensjahren wuchs er abwechselnd bei seinen Grosseltern, seiner Mutter und bei Pflegefamilien auf.

Als die Mutter heiratete, nahm sie Heinz zu sich. Die Jahre waren geprägt durch viele Umzüge, Scheidung und erneute Heirat seiner Mutter. Mit ca. 15 Jahren ging er freiwillig ins Heim. Er absolvierte eine Lehre als Sportartikelverkäufer beim Ochsner Sport und trat 01.03.1991 eine Stelle beim Fussball Corner Oechslin an. Seine Mutter starb sehr früh. Seine Grossmutter, zu der er eine innige Beziehung pflegte, kurze Zeit später. Einen familiären Rückhalt hat er nie wirklich gespürt. Dies hat sein Leben geprägt.

Er war mit Leib und Seele Verkäufer. Seine kommunikative Art, sein Humor, seine Sprüche waren legendär. Er schaffte es immer, seine Kunden glücklich und zufrieden zu machen. Fachliche Kompetenz war ihm auch sehr wichtig. Er war Chef beim Einkauf der Shirts und auch das Warenlager räumte er sicher mehr wie 100x um.  In seinem Chef, Heini Oechslin, fand er ein Vorbild und die Beziehung zu ihm war sehr herzlich.
Fussball und Eishockey waren seine Leidenschaft. Er war lebenslanger Fan seiner Clubs FCZ und ZSC, später kam noch der HSV Hamburg dazu. Er war an unzähligen Spielen, litt und jubelte und seine Art machten ihn in Zürich berühmt und berüchtigt gleichermassen. Er hatte 2 längere Beziehungen und lernte 2002/2003 an einem Silvester für Singles Barbara kennen. Er war dort zusammen mit seiner Tante Maja, mit der er in den letzten Jahren auch häufigen Kontakt hatte. Barbara war alleinerziehend, eher introvertiert, sehr korrekt und sympathisch. Er, sehr extrovertiert, humorvoll aber auch rebellisch, launisch, ein Lebemann mit sehr viel Humor. Da prallten 2 Welten aufeinander, die aber letztlich nicht so verschieden waren. Beide suchten sie einen Partner, der sie so nahm wie sie waren. Dies war der Fall. In der 15-jährigen Beziehung gab es keinen Tag, an dem sie nicht mindestens 1x miteinander telefoniert haben. Sie ergänzten sich; sie ordnete sein Leben und er brachte viel Farbe in ihres herein. Unvergessen die schönen Ferien in Kreta samt Kindern und später zu zweit in Zypern. Beide liebten sie Katzen über alles, sie durften sogar einen Wurf mit 4 Katzenbabies im Studio von Heinz miterleben; Fritzli und Flöckli leben heute bei Barbara, sie wird immer gut für sie sorgen. Er war auch sehr stolz auf die Kinder von Barbara, Adrian und Caroline. Adrian wurde dank ihm auch FCZ und ZCS Fan und er verfolgte seine Fussball-Karriere ganz genau. Mit Caroline hatte er bis am Schluss immer Kontakt. Für sie war er eine Vaterfigur. Hatte sie einen neuen Freund, wollte sie ihn immer zuerst ihm vorstellen, er war eben einfach ein „cooler Typ“.
Heinz hat überall Vollgas gegeben, kannte kein Mass, leider auch in der Alkoholsucht. Sie war allgegenwärtig. Sie war auch eine Flucht vor sich selber. Lange konnte er sie verheimlichen. Dann aber wurde es zuviel, er musste sich ihr stellen. Es folgten viele Entzüge, Aufenthalte in div. Kliniken. Er verlor schliesslich alles. Freundin, Job, Wohnung und seine Gesundheit. Während eines Aufenthaltes in einer Klinik erlitt er einen schweren Bandscheibenvorfall und hatte danach Lähmungen an den Händen und Füssen, die genaue Ursache konnte nie genau eruiert werden. Er konnte nur noch mit Mühe gehen, dank Rollator war er bis zum Schluss mobil und einigermassen selbständig. Er zog sich aber immer mehr zurück. Die letzten Jahre wohnte er in der betreuten Wohngemeinschaft Wohnchetti in Thalwil. Er hatte ein sehr schönes Zimmer samt kleinem Gartensitzplatz. Zita, die Katze der Wohnchetti, besuchte ihn dort regelmässig. Er fand neue Freunde und half der Gemeinschaft beim Kochen, Abwaschen und Putzen. Er entdeckte seine kreative Seite und malte diverse tolle Bilder. Seit einigen Monaten arbeitete er bei der Stiftung Horizonte in Thalwil. Auch dort war er sehr kreativ und es gefiel ihm sehr, wieder ein bisschen nützlich sein zu dürfen.

Heinz war sehr tapfer. Er nahm sein Schicksal an, haderte aber trotzdem oft, nicht mehr Vollgas geben zu können. Immer mehr auf Hilfe angewiesen zu sein. Nie mehr gehen zu können. Barbara hat ihn am Samstag vor seinem Tod noch besucht. Er schien bedrückt. Hat er sein Ende vorausgesehen? Wir wissen es nicht. Der Tod ist aber auch eine Erlösung für ihn.

Wir hoffen, dass es dir jetzt gut geht, dort wo du bist. Dass du dort wieder Vollgas geben und die Leute mit deinen Sprüchen unterhalten kannst. Dich aber auch ausruhen kannst von deiner Sucht, die dich in Schach gehalten hat, die nicht besiegbar war.

Wir vermissen dich.

 

 

Das Leben geht weiter
Seite 53
Seite 53 wird geladen
4.  2021-2022

Das Leben geht weiter
Kommentar schreiben

Schon während meiner Beziehung mit Heinz war ich am Ende emotional ausgehungert und fing auf Anraten meiner Psychologin an, wieder vermehrt am richtigen Leben teilzunehmen. Ausserhalb der Klinikmauern. Ich fing auch an zu daten. Tinder. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Ein greenhorn. Die ersten Versuche waren nicht sehr vielversprechend. Dann aber war da einer, der mich interessierte. 

Er war 10 Jahre jünger und sehr attraktiv, eigentlich fast nicht real, dass er sich für mich interessierte, aber er gab mir das Gefühl, dass ich einzigartig bin. Er sagte, er sei einsam und komme bei den Frauen nicht gut an! Was für ein Glück, Zauber, Gefühlsrausch, alles gleichzeitig.
Er war noch in einer Beziehung, unglücklich, er lebe wie Bruder und Schwester mit ihr, hätte schon lange keinen Sex mehr. Ich war alleine, hatte seit 6 Jahren auch keinen Sex mehr. Er tat überrascht und fragte mich, was ich denn für Fantasien hätte. Eigentlich keine, aber mit seiner Hilfe hatten wir schnell ein Drehbuch für unser 1. Treffen. Wie tauschten erotische Bilder und clips aus, telefonierten, hatten das 1. date bei mir zuhause! Und was für eines, ich verliebte mich sofort in ihn, wir hatten Sex, es war unglaublich... 

Ich war im 7. Himmel, so etwas gab es einfach gar nicht, ich wollte nie mehr von dieser rosaroten Wolke herunterkommen, hatte Herzklopfen, wenn ich nur schon an ihn dachte. Der Himmel hatte ihn mir geschickt, ich war so dankbar, hatte zum 1. Mal in meinem Leben wirklich Glück mit einem Mann. Er war so grundehrlich, weich, verführte mich mit seinen Worten, war genau mein Typ, ich war schwer verliebt. Wir hatten wochenlang chats voller Zärtlichkeiten, Erotik, totaler Hingabe. Wir hatten Sex auf dem Boot, auf der Wiese, in der Sauna, im Wald. Einfach überall. Ich war überflutet von Gefühlen, Reizen, Emotionen.

Katz- und Mausspiel
Seite 54
Seite 54 wird geladen
4.  2021-2022

Katz- und Mausspiel
Kommentar schreiben

Ich wurde seine Geliebte und fortan lebte ich im Verborgenen. Ich wurde von seinen whatsapp-Botschaften regelrecht überflutet. So schöne Worte, fast schon wie in einem Kitschroman. Ich ignorierte seine teilweise kritische Haltung zu meinem Leben. Das meinte er sicher nicht so ernst und ich sah keinen Anlass, irgendetwas zu ändern. 

Ich sollte mich täuschen. Mehr und mehr mischte er sich in mein Leben ein, kritisierte meine Freundinnen, meine Kinder, eigentlich fast alles, ohne in seinem Leben auch nur irgendetwas ändern zu wollen. Dann kam die erste Ansage, dass er mich blockieren müsse, wenn ich nicht loyal zu ihm stehen könne. Ich verstand die Welt nicht mehr - seine Welt - denn diese war zeitweise total verdreht. Und dann aber auch wieder ganz normal. Es begann ein Katz- und Mausspiel. Leider war ich dazumal bereits so von ihm manipuliert, dass ich das Spiel mitmachte. Ich wusste aber zu jeder Zeit, dass ich normal bin und er offensichtlich ein Problem hatte. Rational war mir schon bald alles klar, emotional aber war ich ihm über längere Zeit ausgeliefert. 

Nach Phasen der Blockaden meldete er sich immer wieder. Wie es mir so gehe. Nach einigen Zeilen war schnell wieder alles gesagt. Er vermisste meine Loyalität zu ihm und fühlte sich von mir hintergangen. Ja gar ausgelaugt. Natürlich konnte ich nicht mehr wirklich hinter ihm stehen, das Gefühl oder die Abhängigkeit zu ihm war aber über längere Zeit noch da. Was war echt, was gelogen, was Manipulation? Was wollte er von mir? Was war wirklich seine Sicht der Dinge? Er behauptete ja, hochsensibel zu sein. Erklärte dies seine verdrehte Welt? 

Ich hatte zu dieser Zeit keine Erfahrung, mit solchen Menschen. Menschen, die behaupten, eine Stufe höher zu sein. Und er wollte, dass ich zu ihm hochsteige, dass ich mich nicht mehr mit dem - wörtlich - Fussvolk abgebe. Wir hätten eine Seelenverbindung und ich seie dabei, diese zu zerstören. Er müsse sich schützen vor mir. Hä?

Natürlich war aus meiner Sicht alles ganz anders. Warum verstand er meine Sicht nicht? Dass ich alles getan hatte, um ihm zu gefallen, ich aber meine Grundwerte für ihn nicht aufgeben konnte? Was wollte ich von einem Mann, den ich als Täter sah? Täter war, ob infolge einer Störung oder bewusst manipulativ werde ich nie herausfinden. 



 

Komplett verdrehte Welt
Seite 55
Seite 55 wird geladen
4.  2021-2022

Komplett verdrehte Welt
Kommentar schreiben

Auch auf Anraten meiner Psychologin meldete ich mich nicht mehr bei ihm. Auch ich musste mich schützen vor ihm, auch wenn es mir schwer fiel. Auch wenn ich immer noch dachte, dass er irgendwann normal werden musste. Er doch selber an diesen Irrsinn nicht glauben konnte. Und immer war noch dieses Gefühl für ihn, die Gedanken an die schönen und normalen Stunden mit ihm. 

Und dann meldete er sich überraschend bei mir. Er musste sich jetzt entscheiden wegen der Wohnung. Seine Freundin wollte sich von ihm trennen. Wollte ihre Wohnung, wo er Untermieter war, kündigen. Ich bot ihm ein Treffen an, in das er sofort einwilligte. Keine Forderungen wie früher. Wir vereinbarten, dass er am nächsten Tag zu mir kommt. Wie oft hatte ich mir das in der Vergangenheit gewünscht. Damals musste er sich schützen vor mir. Verweigerte sich. Ohne die richtigen Worte im chat unterband er jeglichen Kontakt. Die richtigen Worte hiess, dass ich ihm recht geben und gehorchen musste und seine verdrehten Meinungen zu meinen neuen Erkenntnissen wurden.

Der gefallene König
Seite 56
Seite 56 wird geladen
4.  2021-2022

Der gefallene König
Kommentar schreiben

Jetzt suchte er Schutz bei mir. Stand vor meiner Garage. Er war blass. Seine Augen unbeweglich und starr wie immer. Er wirkte eingefallen, trotz seines muskulösen Oberkörpers. Der grosse König mutierte zu einem Häufchen Elend.

Die Trennung belastete ihn, natürlich hauptsächlich, weil er bald keine Wohnung mehr hatte. Er wollte bei mir einziehen. Behauptete, dass wir es doch schön zusammen hatten und alle Probleme besprochen und bereinigt wären.

Für mich wäre in den letzten Jahren auch so einiges schöner gewesen. Es wäre schöner gewesen, wenn mir seine Forderungen nicht den Boden unter den Füssen weggezogen hätten. Seine Beleidigungen mir nicht das Herz gebrochen hätten. Und die Probleme waren alles andere als bereinigt. Seine verdrehten Weltansichten bringen einem um den Verstand.

Aber jetzt ging es ihm schlecht. Nicht mir. Mir ging es ja nie schlecht. Er hatte mich in der Vergangenheit beschützt. Deshalb waren alle Probleme entstanden. In Zukunft würde nie mehr ein solches Problem entstehen, weil ich selber für mich Verantwortung übernehmen müsse. Er werde mich nicht mehr schützen, er werde mich reinlaufen lassen, erklärt er mir. Wieder war ich komplett überfordert mit seinen Ansichten. Ich empfand gar Mitleid mit ihm. Denn niemand wird ihn je verstehen.

Und doch. Ich fühlte mich wieder angezogen von ihm. Er war wie ausgewechselt und triggerte meine Gefühle. War nett und ich konnte jetzt Dinge sagen und schreiben, die früher eine sofortige Blockierung zur Folge gehabt hätten. Sein einziges Ziel war ja, bei mir einzuziehen. Ich fühlte mich schlecht, mir war nicht wohl bei der ganzen Geschichte. Es fühlte sich an wie fremdgehen. Fremdgehen vor mir selber. Ich erklärte ihm, dass ich ihm keinen Mietvertrag geben konnte. Nicht solange wir uns nicht besser kannten und wir die Vergangenheit nicht geklärt hätten. Eine Vergangenheit, die sich nie klären lässt.

Dann eskalierte es wieder. Ich sagte ihm, dass er ein Narzisst sei in meinen Augen. Er tat ehrlich erschüttert und konnte nicht glauben, dass alle seine Bemühungen der letzten Jahre, mich auf den richtigen Weg zu bringen, umsonst waren. 

 

Das Ende...
Seite 57
Seite 57 wird geladen
4.  2021-2022

Das Ende...
Kommentar schreiben

Ich brach den Kontakt ab. Es tat noch weh, aber ich wollte mich nie mehr so beleidigen lassen. 

Wenn ein Mensch von sich behauptet, er sei eine Stufe höher, sollte man hellhörig werden. Verdeckter Narzissmus kommt schleichend und das Grauen erst dann, wenn man schon längstens abhängig ist. Ein Ausstieg ist äusserst schwierig. Ich war das perfekte Opfer. Ich bin über meine Schmerzgrenze gegangen. War knapp vor dem Abgrund. Seine verdrehte Welt brachte mich um den Verstand. Es ist nichts wirklich Schlimmes passiert ist. Zum Glück. Ich musste weder fliehen, noch musste ich hungern oder wurde geschlagen. Meine Arbeit war mein Halt, ich hatte immer Geld und es mussten keine Kinder leiden. Ich hatte viele geduldige Freundinnen, 2 Psychiater und schlussendlich mussten sich auch viele Männer meine Geschichte anhören. Alles geschah „nur“ auf der Gefühlsebene. WAS war überhaupt passiert? WARUM konnte dies geschehen?

Keiner, der ähnliches erlebt hat, kann verstehen, in was für einer Sache man da drinsteckt. Man versteht es ja selber nicht. Aber die Emotionen lähmen den Verstand. Die Manipulation ist riesig und die Sucht fast unüberwindbar.

In fast jedem Menschen steckt etwas Gutes und etwas Schlechtes. Man muss abwägen, wieviel Schlechtes man ertragen kann, dass es einem nicht umbringt. Die Schwierigkeit ist, dass man sich auch vom Guten trennen muss. Und sich damit die Chance zu geben, dass etwas Besseres kommt. In welcher Form auch immer. Das muss nicht einmal ein Mann sein. Vor allem darf einem die schreckliche Angst, verlassen zu werden nicht lähmen. Auch um die berühmte berüchtigte Selbstliebe zu erfahren.

Ich wünschte ihm die Hölle. Klagte ihn an. Träumte davon, endlich Genugtuung zu erhalten. Wollte Rache. Hasste ihn. Wollte, dass ihn öffentlich alle anspucken und ihm sagen, dass er ein Psychopath sei. Dass er endlich normal werden solle. Ich wartete auf meine Rache. Und sie kam. Und sie war so ganz anders als ich sie erwartete.

Ich hatte gelernt, dass ich etwas wert bin. 

Auch er leidet, das weiss ich. Leidet dass ihn niemand versteht. Dass ich jetzt wo er alleine ist nicht hinter ihm stehen kann. In seinen Augen wollte er doch immer nur das Beste für mich.
Eine arme einsame Seele. Die ich retten wollte. Und er mich.

Er hat mich genährt in seinen Aufwertungen. Und er hat sich genährt, in seinen Abwertungen. Und ich war der perfekte Gegenpart. Der empathische Mensch weiss es rational längst. Trotzdem kommt er da nicht heraus. Kann eigentlich nur hoffen, dass er zur Erkenntnis gelangen darf, dass er das nicht mehr will. Indem er sich selber spürt. Und nicht mehr einen toxischen Gegenpart braucht. 

Ich habe ihm meine Begeisterung geschenkt. Er hat sie nicht erkannt. Konnte sie nicht sehen. Hat sie bewusst oder unbewusst zerstört. Er wollte mich auf seinen Weg bringen. Ich ihn zur Besinnung. Beides führt ins Nichts. Und jetzt ist es zu spät. Er hat mir den richtigen Weg gespiegelt. Meinen. Dass ich keine Gefangene mehr sein möchte. Eine Gefangene meiner Sehnsucht, geliebt zu werden. Beide suchen wir die Seelenverbindung. Nur verstehen wir etwas ganz anderes darunter.
 

Jede Trennung ist schwierig, besonders, wenn man den Menschen wirklich geliebt hat. Wenn die Beziehung in Form einer Abhängigkeit geschah, dann ist der Ausstieg äusserst schwierig. Es ist wie bei einer Sucht. Es gibt kein Rezept. Der Geist hat es rational längst begriffen. Aber emotional stehen die Menschen in der Abhängigkeit völlig hilflos da und begreifen nicht, was da mit ihnen geschieht. Jeder hat seine eigene Strategie, da herauszukommen. Die einen mit dem totalen Rückzug. Andere mit der Konfrontation. Immer mit der Hoffnung, am anderen Ende des Tunnels irgendwann ein Licht zu sehen. Dass das ewige Gefühl der Getriebenheit sich in eine Ruhe verwandelt.

2 Jahre voller Zerrissenheit, Hoffen, Sehnsucht, Irrsinn, Schmerz, getrieben sein, Abhängigkeit, nicht zur Ruhe finden, Herzklopfen, Schwindel und lieben Menschen, die Schlimmeres verhindert haben.

Ich date fast gar nicht mehr. Versuche, wieder mehr am richtigen Leben teilzunehmen. Nicht am Leben im Netz. Ich schäme mich ein bisschen, so lange sinnlos gedated zu haben. Aber ich habe es wenigstens versucht. Und gerade einfach ist es mit mir vielleicht auch nicht. Weil ich jetzt klare Bedürfnisse habe und nicht mehr einseitig alles erfülle.

 

Du kannst den Sturm nicht beruhigen.

Also hör auf, es zu versuchen.

Das Einzige, was du tun kannst, ist dich selbst zur Ruhe zu bringen.

Der Sturm wird irgendwann vorüberziehen….

 

 

 

 

Die Gegenwart
Seite 58
Seite 58 wird geladen
4.  2021-2022

Die Gegenwart
Kommentar schreiben

Die letzten Jahre waren oft hart aber auch lehrreich.

Ich habe auf Facebook und im Whatsapp einen blogg gegründet. Noch ziemlich erfolglos wie mir scheint. Trotzdem schreibe ich dort meine gewonnenen Weisheiten nieder, von denen ich hier einige publiziere. Es ist das, was mich im Moment beschäftigt.
Eigentlich geht es mir ja gut.... 

Meditieren
Seite 59
Seite 59 wird geladen
4.  2021-2022

Meditieren
Kommentar schreiben

Von Januar bis Februar 2024 habe ich einen Meditationskurs besucht. Der 8-wöchige Kurs war sehr inspirierend. Auch wenn ich vieles noch nicht spüren kann. Als kopflastiger Mensch ist es schwierig, in meinen Körper zu horchen. Weil der mir nämlich nicht gehorcht. Ich ihn nur wenig spüre. Aufmerksam sein. Mit sich selber. Mit seinen Mitmenschen. Etwas das in der schnelllebigen Zeit schwierig ist. Alles ist im Fluss, das was gestern noch gut war wurde über Nacht schon wieder revidiert. Ich komme kaum mit. Verstricke mich. Die tägliche Meditation soll helfen, mein Gedankenkarrussel zu entwirren. Klarer zu sehen. Das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Ich verbringe mein Leben mit Warten. Warten auf Menschen, die nicht auf mich warten. Sonst würden sie sich ja melden. Ich möchte das Muster drehen. Vielleicht hilft mir die Meditation dabei. Ich möchte täglich kurz meditieren. Und warten, ob ich ruhiger werde und mich mehr auf die schönen Dinge des Lebens fokussieren kann. Denn von denen gibt es mehr wie genug. 

Fasten
Seite 60
Seite 60 wird geladen
4.  2021-2022

Fasten
Kommentar schreiben

Ich habe anfangs März kurzfristig eine Woche Fasten mit Rüdiger Dahlke in der Steiermark gebucht. Ich möchte meinen Körper und meine Seele entgiften. Ballast loslassen.
Heute ist mein 4. Fastentag. Es geht schon besser als die ersten Tage. Der Kreislauf hat sich normalisiert, die Müdigkeit ist  besser, der Darm dank einer magischen Aprikose entleert und das Hungergefühl habe ich einigermassen im Griff. Zeitweise habe ich schon grosse Gelüste nach Kaiserschmarren, Käsefondue und paniertes Schnitzel. Ist alles giftig, vegan ist Trumpf und der Garant für ein gesünderes Leben. Hier gibt es nebst Tee und Wasser immerhin ein Smoothie am Mittag und am Abend eine Suppe. Schmecken zwar zeitweise fürchterlich aber Hunger ist der beste Koch; in der Not schmeckt alles irgendwie.
Das Programm, das geboten wird, ist gigantisch. Eigentlich durchgehend von morgens bis abends,  4 Sessions mit kurzen Pausen. Mir ist das zuviel. 2-3 Sessions reichen mir. Vom singenden und trommelnden Morgenritual zum Atemyoga, Thai Chi, Mandala malen, Stoffball spielen über unzählige Meditationen bis zum Abendritual samt Rechaud-Kerzen im Kreis, sanften Gitarrenklängen und Rod Stewarts "I am sailing". Was nur alles nötig ist, um den Hunger zu vergessen! Was das Seminar aber einzigartig macht, ist Rüdiger Dahlke. Man mag ihn oder auch nicht. Vom Typ her eher kühl wirkend, blitzgescheit, sarkastisch, selbstverliebt, zynisch, die Welt hinterfragend. Das Corona Theater nennt er Selbstverblödung der Menschheit, die Impfungen wären ein glatter Selbstmord auf Raten. Er ist Arzt, hat ein immenses Wissen, das ihn trotz zeitweiliger Hirnwäsche für mich zu einem interessanten Menschen macht. Klar, er vermarktet sich auch ist aber im Gegenzug gegen den Kapitalismus. Ich höre ihm trotzdem gerne zu, hinterfrage auch einige Dinge, werde aber mein Leben jetzt nicht völlig auf den Kopf stellen. Allem voran möchte ich mich gesünder ernähren. Das wäre auch ein Schritt ins Glück. Bewusster essen heisst ja auch bewusster leben. 

Heute ist der 7. und somit letzte Fastentag. Es geht mir gut. Aber ich freue mich unendlich auf morgen; da gibt es hier ein veganes Frühstück. Ich kann es kaum erwarten. Das Hungergefühl bin ich nie ganz losgeworden. Zumindest im Hirn nicht. Das vegane Kochbuch von Rüdiger Dahlke, das ich hier gekauft habe, musste ich wegschliessen. Was würde ich hergeben für  einen Löwenzahn-Kartoffelsalat mit Tofusticks oder eine Möhren-Quinoa-Suppe. Ich knurre innerlich. Aber bald gibt es hier ja auch eine klare Bouillon, lecker. Heute war ein bisschen ein Chaos hier; im Zentrum wurde eine neue Küche eingebaut. Dies hat den Zeitplan etwas durcheinandergebracht. Der sonst so souveräne Rüdiger Dahlke kam ins Schwitzen. Richtig sympathisch war er. Nicht so abgebrüht und zynisch wie sonst. Willkommen in unserer Welt. Alles was er predigt, ist sehr interessant und fundiert auf seinem Wissen und seinem enormen Erfahrungsschatz. Aber es ist nicht immer praktikabel in unserem stressigen Leben. Mit all unseren Schwächen und Problemen.
Eine Woche Fasten ist für mich aber nur in der Gruppe und mit dementsprechender Animation möglich. Ich habe einen Marathon hinter mir. Yoga, Thai-Chi, Meditationen, Rituale, Tanzen, Singen, Malen...und seeehr viel Rüdiger Dahlke. Ich muss dies alles mal verdauen. Der Körper hat schon alles verdaut. Ich möchte einiges ändern. Gesünder essen, bewusster leben, mich von Zwängen und Korsetten befreien. Schritt für Schritt. Den Genuss werde ich mir aber nie nehmen lassen. Ab und zu mal Fleisch, Käse, Schokolade,  Sahnetorte und Alkohol werde ich mir weiterhin gönnen. Die Kunst wird sein, all diese neuen Weisheiten und Erkenntnisse im Alltagstrott zu integrieren. Nicht sofort wieder in die alten Muster zu fallen. Sich alles zu verinnerlichen. Ich kann es aber trotzdem jedem empfehlen. So ein reset tut gut. Nicht nur dem Computer. Da fällt mir ein: wie ist mein Passwort? Ich habe hier alles vergessen. Ein gutes Zeichen. Bis am Montag. Wenn alles wieder beginnt. Wirklich alles? Es liegt alleine an mir. 

Vegetarierin
Seite 61
Seite 61 wird geladen
4.  2021-2022

Vegetarierin
Kommentar schreiben

Ab heute, 24.03.2024, bin ich Vegetarierin. Wollte ich nach der Fastenwoche in der Steiermark den Fleischkonsum noch reduzieren, so entscheide ich heute, dass ich ab sofort ganz darauf verzichten werde. Was eigentlich finde ich am Fleisch denn so lecker? Das blutige Rindsfilet, das ohne Salz und Pfeffer nach nichts schmecken und im Mund bald als fasriger, nicht herunterschluckbarer Knäuel endet. Oder das Pouletgeschnetzelte, das, sind wir mal ehrlich, ohne sähmige Rahmsauce samt Pilzen und Gewürzen trocken und geschmackslos ist. Oder das Hackfleisch mit Adern, zerhackten Knorpeln und Schweinzchwänzli und Schnörli inklusive. Schon genug? Da hätten wir noch den Salami, der nur mit Fettaugen, gepöckelt, Konservierungsstoffen und roter Lebensmittelfarbe uns schackhaft gemacht wird.
Meine Hirnwäsche von Rüdiger Dahlke hat seine Folgen auf die Fleischindustrie. Und ich liebe Tiere. Meine Tochter liegt mir seit Jahren in den Ohren, dass es als so tierliebende Person nicht nachvollziehbar seie, dass ich weiterhin zu den Fleischfressern gehöre. Es stimmt; ich möchte die süssen Kälbchen im Stall umarmen, Schafe streicheln und meine 3 Katzen zum Schnurren bringen. Ich möchte streunende Vierbeiner in den Ferien füttern und sie adoptieren.
Eine Welt ohne Fleischesser wäre eine bessere, mein Fussabdruck profitiert davon und als bester Nebeneffekt verbessert sich meine Gesundheit und mein Wohlbefinden. Ganz wichtig ist mir aber auch, dass ich mein fleischessendes Umfeld zu 100% respektiere. Wie auch ich von ihnen respektiert werden möchte. 

Richtig atmen
Seite 62
Seite 62 wird geladen
4.  2021-2022

Richtig atmen
Kommentar schreiben
Ich habe 60 Jahre lang nicht richtig geatmet. Erst seit ich meditiere und mich etwas um mein Wohlbefinden kümmere, atme ich tief und bewusst. Eigentlich schon verrückt. Gerade ich, die oft nervös und kribbelig ist, habe nie versucht, es mit besser atmen zu versuchen. Im Gegenteil, ich habe den Atem vor lauter Anspannung angehalten. Vielleicht wäre es gut, die Jugend darauf zu sensibilisieren? Meine Tochter ist Sekundarlehrerin. Ich frage sie, so eine tägliche Atemübung am Morgen würde den ADHS-geplagten kids sicher nicht schaden. Sollte ich eines Tages wie im Song von Helene Fischer wieder atemlos durch die Nacht ziehen, werde ich trotzdem ab und zu einen tiefen Atemzug nehmen. So halte ich länger durch. Frau wird nicht jünger.
Perfektionismus
Seite 63
Seite 63 wird geladen
4.  2021-2022

Perfektionismus
Kommentar schreiben
Je älter ich werde, desto mehr bin ich überzeugt, dass uns der eigene Perfektionismus im Wege steht, ja sogar blockiert. Muss die Wohnung denn immer blitzblank sauber sein - bei mir sowieso noch nie - etwas Schmutz schadet uns nicht, höchstens der Umwelt. In der Arbeitswelt sollte das Ergebnis natürlich stimmen. Dort versuche ich, mich nicht mehr zu ärgern, wenn ich Fehler mache. Durch das Vier-Augenprinzip bin ich safe und ich versuche immer, es gut zu machen. Was eben nicht immer reicht. Früher habe ich die selbstgemachten Werke meiner Kinder immer verbessert, damit sie in meinen erwachsenen Augen schöner aussahen. Würde ich nicht mehr machen. Warum auch? Jedes Werk ist einzigartig. Auch ich war in den hunderten von Bastelkursen, die ich besuchte, immer im Stress, weil ich unbedingt wollte, dass alles gelingt. Die perfekte selbstgedrehte Perle, das perfekte Bild, die perfekt getöpferte Ziege. Was total misslang; meine Ziege hatte keine Standfestigkeit und die Hinterbeine sanken ein. Sinnbildlich. Die Kursleiterin konnte sie zum Glück noch retten. Ob ich mit den neuen Erkenntnissen wieder einen Kurs besuchen soll? Also so frei von jeder Erwartung? Ich bin noch am Überlegen.
Von Plänen und Zielen
Seite 64
Seite 64 wird geladen
4.  2021-2022

Von Plänen und Zielen
Kommentar schreiben

Sprüche wie "Der Sieger hat immer einen Plan" oder "Der Sieger vergleicht seine Leistungen mit seinen Zielen" schrecken mich ab. Was ist, wenn ich keine Leistung erbringe oder es mir aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist? Bin ich dann ein Verlierer? Wer definiert Leistung?  Selber sehr leistungsorientiert versuche ich je länger je mehr, auch "nichts Nützliches" zu machen. Faulenzen. In der Sonne liegen und in den blauen Himmel schauen (sollte es einmal nicht regnen). Am Abend zufrieden sein mit mir, auch wenn ich im Job nicht alles erledigen konnte, was ich wollte. Ist einfacher gesagt als getan. Ev. gibt es definierte Ziele, die es zu erreichen gilt. Es gibt Pläne, die sich durch äussere Einflüsse wie Krankheit, Verlust oder Trennung plötzlich in Luft auflösen. Sie dann loszulassen, ist eine der grössten Herausforderungen im Leben. Nichts passiert zufällig. Oder vielleicht doch? 

Krieg und Frieden
Seite 65
Seite 65 wird geladen
4.  2021-2022

Krieg und Frieden
Kommentar schreiben

"Weisst du eigentlich, dass es noch nie so wenige Kriege auf der Welt gab wie aktuell?" erklärte mir unlängst meine Tochter. Das hat mich sehr erstaunt. Dachte ich doch, dass es noch nie so schlimm war. Ich möchte nichts beschönigen. Der Krieg in der Ukraine und der Konflikt Israel, Palästina sind grauenvoll. Die Kriege sind nah und die tägliche Informationsflut in den Medien füttert uns mit Details, die wir nicht wissen möchten/müssen. Ich lese schon lange nicht mehr alles und verschliesse bewusst die Augen%uD83D%uDE48reiner Selbstschutz. Eine politische Meinung habe ich nicht. Ich kenne die Details zu wenig und höre täglich wieder andere statements. Die Medien manipulieren und ich weiss nicht mehr, wem ich glauben kann. Schlussendlich geht es sowieso nur ums Geld. Und um Macht. Es bleibt zu hoffen, dass unsere Kinder es besser machen, dass ein Umdenken stattfindet. Aber es wird immer Dämonen um uns herum geben. Ying und Yang. Wir können aber versuchen, öfter etwas netter zu sein.Z.B. ein Tierheim unterstützen, die Obdachlosenzeitung kaufen oder ein Ehrenamt antreten. 

Eigentliche geht es mir gut...
Seite 66
Seite 66 wird geladen
4.  2021-2022

Eigentliche geht es mir gut...
Kommentar schreiben

Was eigentlich heisst eigentlich? Eigentlich habe ich alles, mir fehlt es an nichts und ich bin eigentlich zufrieden aber warum fühle ich es dann nicht? Eigentlich habe ich einen interessanten und gutbezahlten Job, aber warum habe ich keine Lust auf meine Arbeit? Uns geht es in der Schweiz eigentlich gut; wir haben keine Kriege, genug zu essen und am Schluss zahlt das Sozialamt. Warum aber ist die Selbstmordrate so hoch? Denn eigentlich ist es nicht möglich, das eigene Befinden mit dem anderer zu vergleichen. Also wer leidet jetzt eigentlich mehr? Eigentlich eine blöde Frage, denn wir sind geprägt von individuellen Empfindungen und Erlebnissen. "Du kannst die Welle nicht aufhalten, aber versuchen darauf zu reiten." Eigentlich ein guter Spruch UND versuchen wir doch, das beste daraus zu machen. Denn eigentlich geht es mir eben schon gut... auch ohne aber... 

 

 

 

Unsere Förderer
79764#$vv#$vs#$vl#