9.
Weitere Jobs und Freiwilligenarbeit
14.
Bleibende Erinnerungen
Vorwort
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Vorwort
LEBEN
Refrain aus meinem Song - Text & Musik Daniela Mühleis (Copy Right Suisa CH)
Leben du hast mir schon so viel gegeben
doch genommen hast du mir auch viel
glückliche Stunden, schmerzende Wunden
was treibst du denn nur für ein Spiel
du lässt Hoffnungen wecken, lässt Liebe entdecken
schürst Streit und Gehässigkeit
du hast viele Gesichter, wie tausend Lichter
niemand weiss was morgen ist.
Kindheit
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1.
Kindheit

Da war ich ca. 4 Jahre alt.
Am 27. April 1955 erblickte ich in der Klinik Notkerianum in St. Gallen als Erstgeborene meiner Eltern das Licht der Welt. Mein Vater, Beat Mühleis, war Schweizer Bürger und Handelsreisender sowie Präsident der Knabenmusik der Stadt St. Gallen. Meine Mutter, Vera Mühleis-De Martin, war Italienerin und Hausfrau und kümmerte sich um die Majoretten der KM. Meine Grosseltern väterlicherseits und meinen lombardischen Nonno kannte ich nicht. Meine Nonna, die ich noch einige Jahre geniessen durfte, kam als Gastarbeiterin aus dem Comelico, Provinz Belluno in die Schweiz. Beide Elternteile stammten aus einfachen Verhältnissen. Fünf Jahre später bekam ich einen Bruder. Ivo und ich wuchsen zweisprachig auf, da unsere Nonna bei uns wohnte und kaum deutsch sprach. Unsere Eltern förderten unsere musikalischen Talente, liessen mich Gitarre- und Klavierunterricht nehmen. Mein Bruder fand Gefallen an der Trompete sowie am Piano. Die Sekundarschule besuchte ich bei katholischen Klosterfrauen in der "Flade" St. Gallen. Damals war es uns Mädchen noch strengstens untersagt, Hosen und ärmellose Shirts zu tragen und sich zu schminken. Mit dem Resultat, dass ich später, ausser für besondere Anlässe, nie mehr einen Rock trug.
Jugendzeit
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Jugendzeit
Das war ca. 1973. Daniela, Beat, Ivo und Vera Mühleis.
Als ich mich für eine Lehre entscheiden musste, interessierte ich mich für eine Ausbildung in der Reisebranche. Ich ging ins Reisebüro Agustoni in St. Gallen, wo ich mich vorstellte. Der Seniorchef fragte nur:"Sprichst du italienisch?" Dies war das einzige Kriterium, das ihn wirklich interessierte. Als ich bejahte bekam ich die Lehrstelle. So einfach war dies damals. Weil im Reisebüro Agustoni viele italienische Gastarbeiter, die nicht deutsch sprachen, ihre Bahnreisen in die Heimat buchten, war dies für den Chef ausschlaggebend. Mein Bruder studierte hingegen am Lehrerseminar, wurde Primarlehrer und Dirigent verschiedener Blasmusikformationen.
Mit den Eltern besuchten wir jedes Jahr unsere Verwandten in Italien. Für unsere Schuelgspänli war dies damals noch etwas Besonderes. Denn in den 60er und 70er Jahren waren Ferien im Ausland eher die Ausnahme. Im Bergdorf meiner Mutter, das mitten in den Dolomiten liegt, lernte ich Mario und Davide kennen, mit denen ich heute noch Kontakt habe. Sie waren auch sehr musikinteressiert. Und so machten wir fast jeden Abend vor dem Haus meiner Verwandten Musik, sangen die italienischen Canzoni rauf und runter und unterhielten so die Dorfjugend, die damals mit Geselligkeit noch nicht so verwöhnt war.
Nach der Lehre arbeitete ich anschliessend in verschiedenen Reisebüros in der Stadt St. Gallen. Damals war es noch üblich, dass Reiseberatende Studienreisen auf Kosten der Fluggesellschaften oder Pauschalreisenanbieter machen konnten. So bin ich schon sehr früh in der Welt herumgekommen, habe viele Länder und Städte gesehen und fremde Kulturen kennengelernt. Meine Lieblingsdestinationen sind nach wie vor Venedig (da war ich schon um die 20 Mal), die Dolomiten (fast jährlich) und Irland.
Ich arbeitete damals in den Geschäftsreiseabteilungen, plante vorallem die Businesstrips der Stickereifirmenchefs in den Mittleren und Nahen Osten. Somit hatte ich auch oft mit den örtlichen Swissairbossen zu tun, was für meine spätere musikalische Karriere von Vorteil war. Dazu mehr im Kapitel "Musik".
Tiere
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Tiere
Schon während meiner Kindheit kauften mir die Eltern einen Hund, Winny. Gemäss ihren späteren Aussagen sei ich ein sehr introvertiertes Mädchen gewesen. Der Kinderarzt habe damals gemeint, dass mich ein Hund möglicherweise aus der Reserve locken könnte. So oder so waren Winny, wie auch die weiteren Papillonhunde Pascal und Snert, die ich im Erwachsenenalter hielt, meine grosse Liebe. Während meiner Jugendzeit engagierte ich mich auch aktiv für den Tierschutz, nahm an Protestaktionen z.B. gegen Tierversuche teil und ich veröffentliche Eigenkompositionen gegen das Leid der Tiere.
Musik
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Musik
In der Sekundarschule sang ich oft vor meinen Mitschülerinnen. Damals hörte mich Elisabeth, die Schwester der Schlagersängerin Paola, italienische Canzoni singen. Sie erzählte mir, dass es in St. Gallen den italienischen Gesangswettbewerb "Disco d'Oro" gibt und ermunterte mich, dabei mitzumachen. So meldete ich mich dort an und ich belegte gleich den 3. Rang. Danach machte ich einige Jahre mit der Begleitband "The Batmen" an italienischen Veranstaltungen Musik. Ich nahm erneut zwei Mal am "Disco d'Oro" teil und gewann 1976 und 1978 den 1. Platz und somit einen Pokal.
1976 Siegerpokal "Disco d'Oro" St. Gallen
Parallel schrieb ich deutsche Songs im Liedermacherstil. Als ich als 21-Jährige vom ARD-Wettbewerb "Talentschuppen" erfuhr, meldete ich mich dort an und wurde fürs Vorsingen nach Baden-Baden/Deutschland eingeladen. Aus 200 Teilnehmenden wurde ich nebst zwei anderen Girls für die von Bill Ramsey präsentierte TV-Sendung "Talentschuppen" ausgewählt. Eine ARD-Filmcrew ist damals extra nach St. Gallen gefahren, um einen Kurzfilm über mich, meine Familie und meinen Job zu drehen.
Nach der Sendung, in der ich Reinhard Mey live interviewen durfte, erhielt ich massenhaft Fanpost. Damals wurde auf dem TV-Bildschirm noch die vollständige Privatadresse eingeblendet. Unglaublich! Viele Briefe erreichten mich aus der damaligen DDR. Offenbar war es den Leuten erlaubt, West-TV zu schauen. Einer dieser Briefkontakte hatte für mich aber unangenehme Folgen. Darüber schreibe ich unter dem Titel "Fichen".
Aus dem Bravo-Magazin über den Talentschuppen
Nach dieser TV-Show und dem Artikel im "Bravo" bekam ich in der Schweiz viele Anfragen für Auftritte. Als ich aber bei einem Kollegen eine LP von Tanya Tucker hörte, wusste ich, dass dies die Musik ist, die ich in Zukunft machen wollte: Country-Rock!
Damals gab es noch keine Country-Szene in der Schweiz. Diese entwickelte sich erst langsam dank John Brack und Jeff Turner. Doch auf der Suche nach Musikern wurde ich endlich fündig. Die St. Galler Rockgruppe "Cargo" gab mir 1979 die Chance, mit ihnen aufzutreten. So begann ich mit vier Country-Songs und erweiterte immer mehr mein Repertoire.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir - Ernst, Alex und ich - jeweils um einen Kassettenrecorder herum sassen und uns die neuesten Country-Rock-Songs aus den U.S.A. anhörten um die Texte herauszuschreiben. Damals konnte man sie nicht einfach aus dem Internet herunterladen. Oft verstanden wir die Texte nicht so genau und haben sie dann einfach phonetisch übernommen. Hauptsache es hat gerockt.
Meine musikalische Laufbahn hier im Detail aufzuschreiben wäre zu lang. Deshalb möchte ich nur ein paar Highlights erwähnen. Meine ganze musikalische Entwicklungsgeschichte ist meiner Band-Biografie unter
www.muehleis.ch zu entnehmen. Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass wir immer eine Hobbyband blieben.
1981 traten wir bereits am nationalen Country-Festival im Hallenstadion Zürich auf. 1985 - dann unter dem Namen Daniela Mühleis & Band - wurden wir Sieger des Country-Openairs Zürich in der Sparte "Modern Country Music". Als erste und bisher einzige St. Galler Country-Gruppe erhielten wir vom Kanton und der Stadt St. Gallen einen beachtlichen Förderungsbeitrag zur Herstellung einer LP.
Während unserem 20-jährigen Bestehen veröffentlichten wir einige Singles, LPs, MCs und CDs und traten in diversen TV-Shows wie "Karussell", "Szenenwechsel", "Musik & Gäste", "Sonntagsmagazin", "Top of Switzerland" usw. auf.
Auf den Tonträgern "Animals", "Better life" und "Open minds" veröffentlichten wir eigene Tierschutzlieder, um das Publikum auf die Problematik hinzuweisen. Diese Songs wurden auch im Ausland oft gespielt, vorallem in den Country-Sendungen in Dänemark, aber auch in Japan und in den U.S.A.

1983 Plattentaufe mit Sue Shell und Marc Surer
1990 Plattentaufe mit Peter Müller (Skirennfahrer).
Damals war es noch üblich, einen bekannten LP/CD-Götti oder eine Gotte bei der Taufe des entsprechenden Tonträgers zu haben. So hatten wir das Glück, dass so sympathische Gottis und Göttis wie Sue (Peter, Sue & Marc), Marc Surer (Formel 1 Rennfahrer), Peter Müller (Skirennfahrer), Ray Fein (Che & Ray), Kliby (Kliby & Caroline) oder Trudi Gerster (Märlitante) unsere Paten wurden. Die Sängerin Maja Brunner amtete 1999 bei unserem Abschiedskonzert als Gotte.
1989 wurden wir vom tschechischen Kulturministerium eingeladen, die Schweiz am internationalen Countryfestival in Holany/CSSR zu vertreten. Wie im Kapitel "Jugendzeit" schon erwähnt, hatte ich dank meinem Beruf das Glück, einflussreiche Swissair-Persönlichkeiten zu kennen. Dank ihnen durfte ich mit meiner Band inkl. Instrumenten-Übergepäck gratis zu unseren Auslandauftritten in die CSSR, Litauen, Holland usw. fliegen.

1993 Visagino Countryfestival Litauen
Als wir mal für die Swissair an einem internen Anlass in Zürich auftraten, habe ich erfahren, dass die SR-Filmcrew ebenfalls anwesend war. Ich sagte meinen Musikern, dass ich diese frage, ob sie über uns einen Video-Clip machen würden. Damals kamen diese musikalischen Kurzfilme soeben auf. Meine Musiker tippten sich an die Stirn und meinten, ich würde bestimmt eine Absage bekommen. Doch die Crew willigte ein und machte den Vorschlag, den Clip nicht in der Schweiz sondern auf der Insel Malta zu drehen. Und so flogen wir 1994 nach Valletta um "Ease on up the highway" aufzunehmen. Heute wäre so ein Support für eine Hobbyband undenkbar.
1994 Filmaufnahmen mit der Swissair auf der Insel Malta
1995 traten wir am internationalen Country-Festival in Zevenbergen (Holland) und am gigantischen Festival in Mirande (Frankreich) auf.

1995 Internationales Country-Festival Mirande / Frankreich
Einer unserer Höhepunkte war im selben Jahr die Teilnahme an der "Miss Albania TV-Show", wo wir als musikalische Gäste im Kulturpalast von Tirana u.a. vor Leuten wie Modeschöpfer Pierre Cardin auftraten. Wir wohnten im besten Hotel Tiranas und bekamen zwei Limousinen inkl. Chauffeure zur Verfügung gestellt. Eben wie Top-Stars.
Am Sonntagnachmittag brachen wir für die Heimreise auf. Die detaillierte Schilderung der damaligen albanischen Autofahrt würde sicher nochmals eine Seite füllen. Jedenfalls war ich mehr als einmal einem Herzstillstand nahe. Nach einer dreiviertelstündigen Abenteuerreise Richtung Flughafen, vorbei an blökenden Schafen und strassenüberquerenden Eseln, erreichten wir den Airport von Tirana. Und es schien, dass hier jedermann am Tag zuvor die Show gesehen hat. Man winkte uns freudig zu, sprach uns an und sogar auf dem Airport-Klo, wo man von der Reinigungskraft normalerweise nur 2 Blatt WC-Papier erhielt, bekam ich eine ganze Rolle in die Hand gedrückt. "TV", sagte sie und zeigte lächelnd auf mich. So eine "Miss Albania TV-Show"-Teilnahme hatte eben auch seine Vorteile.
1997 fand die Plattentaufe unseres Albums "Open minds" mit CD-Gotte "Märlitante Trudi Gerster statt.

1997 CD-Taufe mit "Gotte" Trudi Gerster.
1998 wurde ich von der ECMA (European Country Music Association) als einzige Schweizerin in der Sparte "European Female Vocalist" nominiert. Im selben Jahr traten wir in Spanien auf.
1999 fand das "20-Jahr-Jubiläums- und Goodbye-Konzert" in St. Gallen statt. Wir lösten uns in aller Freundschaft auf. Dass wir es als Hobbyband so weit brachten, machte uns schon ein bisschen stolz.
Drei Wochen nach der Bandauflösung wurde ich als erste Schweizerin von der NACMAI (North America Country Music Association International) mit dem begehrten "International Rising Star" Award für meine Eigenkomposition "Point of living" ausgezeichnet. Damit endete meine aktive musikalische Laufbahn endgültig.
International Rising Star Award für Point of living
Ich hatte immer sehr gute Instrumentalisten. Vier von ihnen sind leider bereits verstorben. Zu den meisten anderen habe ich heute noch einen losen Kontakt. Erlebnisse verbinden!
1993 Daniela Mühleis & Band

1999 Daniela Mühleis & Band
2024 wurden je 1 Exemplar der Tonträger von Daniela Mühleis & Band ins Archiv der St. Galler Kantonsbibliothek Vadiana aufgenommen. Für uns eine besondere Ehre.
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Songwriting
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Songwriting
Nach der Bandauflösung habe ich allein oder in Zusammenarbeit mit meiner exzellenten Pianistin Kalina noch einige Songs (deutsch/englisch/italienisch) geschrieben, die vielleicht einmal durch interessierte Fremdinterpreten veröffentlicht werden. Darüber würde ich mich sehr freuen.
Radio
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Radio
1984 kamen in der Schweiz die ersten Privatradios auf. So auch Radio aktuell St. Gallen. Da der Leiter dieses Senders wusste, dass ich Country-Music machte, fragte er mich an, ob ich Interesse hätte, wöchentlich eine Country-Sendung zusammen zu stellen und zu moderieren. Ich war etwas erstaunt über diese Anfrage, hatte ich doch null Ahnung vom Job als Radiomoderatorin. Doch er meinte, das sei nicht so schwierig. Es gebe eine Anweisung, wie man die Geräte benutzen müsse. Und so stürzte ich mich ohne jegliche Ausbildung auf diesem Gebiet in dieses Abenteuer. Als ich mich nach dem Country-LP-Archiv erkundigte, sagte man mir, dass das Radio noch keine grosse Sammlung besitze und ich die LPs selber mitnehmen müsse!!! (Heute wäre sowas ungeheuerlich). Und so ging ich anfangs bei Musikern und Kollegen auf Betteltour nach entsprechenden Tonträgern. Anscheinend machte ich es nicht so schlecht. Jedenfalls stellte ich die Country-Sendung bis ins Jahr 1997 regelmässig zusammen.
Moderation "Country Special" bei Radio aktuell St. Gallen.
Fichen
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Fichen
Wie bereits im Kapitel "Musik" erwähnt, hatte mich unter anderem ein Fan aus der ehemaligen DDR mehrmals angeschrieben. Es entwickelte sich ein Briefwechsel, in dem Peter und seine Frau mich baten, sie doch mal in Ost-Berlin zu besuchen. So flog ich mit einem Kollegen nach West-Berlin und lief via Checkpoint Charlie in den Osten der Stadt hinüber. Auf ihren Vorschlag hin trafen wir sie nicht in einem Café sondern in einem Park, um nicht belauscht zu werden.
Sie erzählten uns von ihrem Leben in der DDR und dass sie meine Musik mögen. Nach der Rückkehr in die Heimat - ich wohnte damals noch bei meinen Eltern - läutete es eines nachts um ca. Mitternacht an unserer Haustüre. Irgend ein Typ stand davor, sagte, dass er Markus Wagner heisse und Geld wolle, um die Flucht für Peter in den Westen zu organisieren. Ich war total ahnungslos und meine Eltern sind extrem erschrocken. Sie schickten ihn sofort weg und forderten mich auf, die Polizei zu informieren. Und so kam ein Beamter aus Bern extra nach St. Gallen um sich eine genaue Beschreibung dieses Markus Wagner geben zu lassen. Der Beamte bot mir sogar Personenschutz an, den ich aber ablehnte. Offenbar war die Kapo Bern diesem Typen schon länger auf der Spur. Jedenfalls wurde er kurz darauf gefasst. Ich war natürlich sehr erleichtert. Von Peter habe ich nie mehr was gehört.
Ich stellte zwar fest, dass der Beamte Notizen machte. Dass daraus aber gleich eine Fichenakte erstellt werden könnte, war mit damals nicht bewusst. 1990, als der Fichen-Skandal publik wurde und das Volk erfuhr, dass vor allem Schweizer, welche Ostblockländer besucht haben registriert wurden, verlangte auch ich Einsicht in mögliche Fichen, die über mich erstellt wurden.
Und wie erahnt, bestätigten sich meine Befürchtungen. Die Polizeidienste der Bundesanwaltschaft hatten aufgrund dieses Vorfalls vier Fichen-Seiten angelegt. Am 23. Januar 1991 erhielt ich einen eingeschriebenen Brief vom Sonderbeauftragten für Staatsschutzakten, Dr. iur. Walter Gut, alt Regierungsrat, mit dem Vermerk: Verfügung über die Einsicht in die Akten des Polizeidienstes der Bundesanwaltschaft. Beigelegt waren eine Rechtsmittelbelehrung, ein 2-seitiges Merkblatt für die Einsichtnahme sowie die entsprechenden Fichen. Die Namen von Drittpersonen wurden abgedeckt, um die Identität der Informanten geheim zu halten. Für mich war die Sache damit aber erledigt. Ich war froh, dass dies so glimpflich ausgegangen ist.
Familie
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Familie
RICHA ist das BESTE, das uns passieren konnte - Unsere FAMILIE.
Familie1984 suchte ich einen günstigen Fotografen für unsere Autogrammkarten. Ein Kollege meinte, er kenne einen Hobby-Fotografen, der das sicher gratis für unsere Band machen würde. Und so lernte ich Hansjörg kennen. Während den Fotoaufnahmen verliebten wir uns und wir merkten, dass wir ähnliche Lebensansichten und Vorlieben hatten. Wichtig war für mich auch, dass er meinen Hund Pascal und meine Musik mochte. Nach unserer ersten gemeinsamen Reise, die uns nach Rom führte, zog er bald einmal bei mir ein.1986 haben wir im kleinen Rahmen geheiratet. Hansjörg ist Architekt und leitete damals das Architekturbüro Hochstrasser & Bleiker AG in St. Gallen. Da er eine neue Sekretärin suchte und ich wegen der Musik nicht mehr 100% im Reisebüro arbeiten wollte, fing ich bei ihm im Sekretariat als Teilzeitmitarbeiterin an. 1987 begannen wir mit dem Bau unseres Doppeleinfamilienhauses in Untereggen (SG), wo wir immer noch wohnen.
Unsere Tochter RichaWir unternahmen einige unvergessliche U.S.A-Reisen, bevor wir eine Familie gründen wollten. Doch damals ging es mir gesundheitlich nicht gut, ich wurde nicht schwanger. Nach 4 Jahren Odyssee von einem Arzt zum anderen, wurde bei mir endlich die schmerzhafte Unterleibserkrankung Endometriose diagnostiziert. Gleichzeitig habe ich erfahren, dass ich niemals schwanger werden konnte. Nach diversen Überlegungen und Gesprächen haben wir uns für eine Adoption entschieden. Damit begann eine endlos lange "Schwangerschaft". Sie dauerte fast vier Jahre von der Kontaktaufnahme mit der Vermittlungsagentur bis zur Einreise von Richa in die Schweiz.
Wir beschlossen, uns nur für eine von den Schweizer Behörden offiziell anerkannte Vermittlungsstelle zu entscheiden. Schlussendlich fiel die Wahl auf die "Adoption Unity" aus Meilen, die Kinder aus Indien vermittelte.1993 haben wir erstmals mit der Agentur Kontakt aufgenommen. Die Anforderungen seitens der Schweizer Behörden wie auch der indischen Obrigkeit waren riesig. Wir mussten für die indischen Behörden über alles auf englisch Auskunft geben. Über die finanzielle Situation, unsere Berufe, über Eigentum, Immobilien und sogar über die Nachbarn. Eine Sozialarbeiterin aus St. Gallen hat uns dann besucht und uns auch über die Geschichte und Politik Indiens abgefragt. Ungefähr 3 1/2 Jahre nach der ersten Kontaktaufnahme mit der Vermittlungsstelle erhielten wir einen Vorschlag: Das Foto eines Mädchens, das 2 Jahre alt war und Richa hiess. Viel mehr wussten wir nicht über dieses Kind. Einzig, dass es die Mutter (Vater unbekannt) nach der Geburt gleich abgegeben hat und Richa in einem Kinderheim in Nagpur aufwuchs. 2 Jahre lang durfte sie nicht zur Adoption freigegeben werden um der Mutter, bzw. der Familie die Chance zu geben, das Mädchen doch noch abzuholen. Erst als sich nach diesem Zeitraum niemand meldete, war der Weg frei für die Adoption. Wir mussten dann in Zürich vor Zeugen eine Beglaubigung unterschreiben und eine Unterhaltsverpflichtung unterzeichnen. Als alle Dokumente zur Ausreise vorlagen, wurde Richa von Christina Inderbitzin, Präsidentin von "Adoption Unity" im Kinderheim abgeholt und nach Bombay (heute Mumbai) geflogen, wo sie wegen einer Lungenentzündung ins Spital musste. Erst drei Wochen später erhielt sie das OK, dass sie fliegen durfte. Das ganze Prozedere war für uns extrem belastend.
Am 5. April 1997 war es soweit: Richa landete nach reichlicher Verspätung mit Christina in Zürich-Kloten. Ich war so nervös, dass ich zu weinen anfing. Daheim hatte ich bereits vorgekocht: Broccoli mit Reis. Das werde ich nie vergessen. Ich dachte, dass sie dies bestimmt mag.
1997 Familie: Hansjörg, Daniela und Richa Huber mit Snert
Richa fühlte sich von Anfang an wohl, hat uns als Eltern sofort akzeptiert. Nachts hatte sie zwar fast ein Jahr lang Albträume und schrie, bis ich sie zu mir ins Bett holte. Und sie wollte ständig essen. Bei der Ankunft war sie 2 1/2 Jahre alt und wog nur 8.7 kg. Anfänglich haben wir mit Zeichensprache und gleichzeitig reden kommuniziert. Sie selbst sprach kaum etwas. Ausser "goilo", was offenbar fertig bedeutete und "Dodo", das hiess, dass sie aufs WC musste. Ihre Muttersprache Marathi konnte sie nicht sprechen. Doch sie lernte schnell Schwizerdütsch. Auch dank ihren Gspänli, die in unserer Nachbarschaft wohnten und sie herzlich aufnahmen. Nach einem halben Jahr Aufenthalt in der Schweiz sprach sie so gut Schweizerdeutsch wie ihre gleichaltrigen Freundinnen.
Einzig unser Hund Snert hatte anfänglich Mühe mit der neuen Mitbewohnerin. Er bekam Durchfall und ich musste mit ihm zum Tierarzt. Doch wenig später wurden sie ein Herz und eine Seele.
Richa war auch der Grund, dass ich die Band auflöste. Da ich nicht nur Sängerin der Gruppe sondern auch Songwriterin und Managerin war, brachte ich mein intensives Hobby und das Muttersein nicht mehr unter einen Hut.
Andere können dies, ich nicht. Ich habe so lange auf dieses Kind gewartet. Nun wollte ich auch alle Zeit der Welt für Richa haben. Ich habe es keine Sekunde bereut, die Musik dafür aufgegeben zu haben.
Richa war ein Engel von einem Kleinkind. Sie hat nie getrötzelet, hatte immer ein sonniges Gemüt. Die Pubertät wurde dann etwas anstrengender. In der Schule lief es eher harzig, in der Freizeit wollte sie alles ausprobieren. Da kam ich oft an meine Grenzen. Nach der Sekundarschule besuchte sie die Wirtschaftsmittelschule. Während dem Studium ging sie aber immer nebenbei arbeiten. Sei es bei der Putzequipe an der Offa oder als Securitas an der Olma. Danach wollte sie Journalistin werden, machte ein Praktikum beim St. Galler Tagblatt in Rorschach und ging an die ZHAW in Winterthur studieren. Doch irgendwie war dies noch nicht ihr Traumjob. Als sie Roman kennenlernte und im St. Galler Rheintal mit ihm zusammenzog, arbeitete sie eine Weile bei einer Investmentfirma im Fürstentum Liechtenstein. Doch dann entschied sie sich, nochmals eine Ausbildung zu machen. Sie wollte die Pädagogische Hochschule besuchen. Mit der Berufswahl zur Lehrerin blühte sie auf. Heute ist sie mit Leib und Seele Kindergärtnerin, hat ihren Traumjob gefunden. Nebenbei ist sie noch Präsidentin der Jugendmusik Eichberg. In der Erwachsenenformation spielt sie Bass und singt auch ab und zu.
2022 haben Richa und Roman geheiratet. Roman ist DER Traumschwiegersohn schlechthin und das Beste, was Richa passieren konnte. Er ist Musiker, hat den Master auf klassischem Piano gemacht und ist Mitglied der bekannten Rheintaler Band "Die Fäaschtbänkler". Hansjörg und ich sind sehr stolz darauf, wie die beiden ihr Leben gestalten. Richa hat nicht nur einen tollen Mann sondern auch eine liebe Schwiegerfamilie bekommen.
Wir hatten und haben ein grosses Glück mit unserem Kind. Auch sie ist für uns das Beste, das uns passieren konnte.
Am 24. Februar 2026 wurden Richa und Roman glückliche Eltern und Hansjörg und ich stolze Grosseltern von Ravin. Sein Name ist indisch und bedeutet im Sanskrit "Der Strahlende". Im Hinduismus symbolisiert er Kraft, Wärme und Lebendigkeit. Es ist schön zu sehen wie der Kleine heranwächst und allen grosse Freude bereitet.
Weitere Jobs und Freiwilligenarbeit
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Weitere Jobs und Freiwilligenarbeit
Nachdem Richa zu uns kam, begann ich, meine Sekretariatsarbeit im Architekturbüro massiv zu kürzen. Als Hansjörg später den Arbeitgeber wechselte, gab ich meine Tätigkeit ganz auf. Von zu Hause aus engagierte ich mich aber als Freiwillige für das Schweizerisch/Indische Hilfswerk "Sisa", das ebenfalls von Christina Inderbitzin geleitet wurde. Ich suchte Spender und Sponsoren für die Hilfsorganisation.
Von 2005 bis 2008 war ich an der Primarschule Untereggen Klassenhilfe. Diese Aufgabe hat mir grosse Freude bereitet. 2008 wurde ich zur katholischen Kirchenverwaltungsrätin gewählt. Ich war Aktuarin und für den redaktionellen Teil des Amtsberichts zuständig. Dieses Amt führte ich bis 2015 aus.
Als Richa das Praktikum beim St. Galler Tagblatt in Rorschach machte, kam sie eines Tages mit der Information nach Hause, dass ein Mitarbeiter, der über kirchliche Aktivitäten schrieb, plötzlich verstorben sei und die Zeitung dringend eine Nachfolge suche. "Mami, du kannst das doch machen", war sie überzeugt. "Du schreibst ja auch für den Amtsbericht". Nach anfänglicher Skepsis und ohne diesbezügliche Ausbildung entschied ich mich, mal einen Versuch zu wagen. Nach dem ersten Artikel bekam ich von der Redaktion bereits Aufträge für weitere Berichterstattungen über lokale Ereignisse jeglicher Art. Und so arbeitete ich von 2014 bis 2021 als freie Mitarbeiterin für ch.Media.
Persönliches
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Persönliches
Lieblingsessen: Vegetarische Gerichte.
Lieblingsgetränk: Cappuccino decaffeinato
Stärken: Zuverlässigkeit, starke Wille
Schwächen: extremer Ordnungstick, Platzangst (Ich kann nicht Lift fahren!)
Pensionierung
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Pensionierung
Heute bin ich Rentnerin. Hansjörg und ich reisen immer wieder ins Ausland, sei es in meine zweite Heimat, die Dolomiten oder in Regionen und Städte, die wir noch nicht kennen. Wir machen gerne Wanderungen im Alpstein oder Velotouren am Bodensee. Nur Badeurlaub, das machen wir nicht. Mit unseren Reiseplänen wird uns sicher nicht langweilig.
Nach den Ferien macht Hansjörg als Hobbyfotograf jeweils wunderschöne Fotoalben von unseren Reisen. Das sind bleibende Erinnerungen, die uns niemand nehmen kann.
Ansonsten ist er trotz Pensionierung immer wieder mal als Berater und Experte in Sachen Baugesetze für seine ehemalige Arbeitgeberin, für Gemeindeverwaltungen oder private Einsprecher tätig. Er findet, dass ihn dies jung und aktiv hält.
In den Dolomiten: Hansjörg, Daniela, Richa, Roman.

In meiner Lieblingsstadt Venedig
70. Geburtstag
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70. Geburtstag
Noch nie hatte ich einen so tollen Geburtstag gefeiert wie denjenigen, als ich 70 wurde. Nicht weil zugunsten von mir eine riesen Party organisiert wurde. Das bedeutet mir nichts. Mit meiner Band stand ich jahrelang im Mittelpunkt. Ich mag das nicht mehr.
Erstens fuhren Hansjörg und ich kurz vor dem Geburtstagstermin in meine absolute Lieblingsstadt Venedig, wo wir mit einer Gondel durch die Kanäle geleitet wurden. Für mich gibt es keine schönere Stadt als Venedig.
Und zweitens durfte ich diesen Tag mit meinen Liebsten bei einem feinen Essen und einem Ausflug verbringen. Abends verabschiedeten wir uns von Richa und Roman um sie eine halbe Stunde später daheim wieder zu sehen. Was für eine Überraschung!!! Roman stellte im Wohnzimmer sein Keyboard auf. Und sie begannen, meine eigenen Lieder in ihrer Version zu singen und zu spielen. Noch nie hatte ich meine Songs in der Darbietung anderer Interpreten gehört. Dies hat mich so berührt, dass ich Tränen in den Augen hatte. So schön, so wunderbar haben sie die Songs vorgetragen. Ich denke oft an diesen Moment zurück und werde dies mein Leben lang nie vergessen. Dies war für mich die grösste Wertschätzung. Und bedeutungsvoller als alle Pokale und Auszeichnungen, die ich je bekommen habe.
Fazit
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Fazit
Musikalisch bin ich schon lange nicht mehr aktiv. Und wenn ich Musik höre, dann meistens Songs meiner Lieblingsinterpreten: Wynonna Judd, Eagles, Lucio Battisti oder Marcella Bella.
Heute ist mir wichtig, meine Familie und Freunde zu treffen und die Freundschaften zu pflegen.
Ich bin Hansjörg dankbar, dass er nie motzte, wenn ich mit meinen Jungs musikalisch unterwegs war. Das ist nicht selbstverständlich.
Seit Kindheit empfand ich die Erwartungshaltung meiner Eltern als sehr belastend. Vergleiche mit anderen verletzten mich. Ich war nur eine mittelmässige Schülerin, wollte Vater und Mutter aber beweisen, dass ich es trotzdem zu etwas bringen konnte.
Im Nachhinein finde ich es schade, dass ich während meiner musikalischen Aktivzeit, in der ich auch noch 100% arbeitete, den Radio-Job, Haushalt und Hund hatte, nicht mehr Zeit mit meinen Eltern verbracht habe. Als Perfektionistin wollte ich immer alles bestmöglichst erledigen. So habe ich mich mit der Musik unter Erfolgsdruck gesetzt, bin zum Teil wie ein Turbo durchs Leben gegangen. Dabei habe ich leider ausgeblendet, dass meine Eltern älter wurden und sie sich wahrscheinlich über mehr relaxten Besuch und weniger Hektik gefreut hätten.
Bleibende Erinnerungen
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Bleibende Erinnerungen
Ein paar TV-Auftritte von mir und meiner Band sind auf Youtube zu sehen.
SpotifyUnd einige unserer Songs sind auf Spotify zu hören. So sind wir doch noch in der Gegenwart angekommen.
www.muehleis.ch
Juli 2025 - Daniela Huber-Mühleis