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Vollendete Autobiographien: 212


Wir schreiben das Jahr 2020. Ein spezielles Jahr, das niemand so erwartet hatte. Da bricht im Herbst 2019 in China ein Virus aus, das in Windeseile die ganze Welt in den Bann zieht. Geschäfte werden geschlossen, Termine verschoben und dann doch noch abgesagt. Viele Menschen sterben an Corona. Es hiess: Bleiben Sie zu Hause! Vieles wurde verboten.
Das hat mich veranlasst, meine Kinder- und Jugendjahre aufleben zu lassen. Man hat ja jetzt so viel Zeit zum Nachdenken. Mit meinen Erinnerungen an unsere Kindheit im Kidli möchte ich meinen Nachkommen beschreiben, wie wir als Kinder aufwuchsen.
Es braucht keinen grossen Luxus, um zufrieden und glücklich zu sein. Das Geld war nach dem Krieg sehr knapp.
Das Wichtigste war eine gute Familie, die zusammenhält und wo man die "Nestwärme" erleben durfte. Ich habe aber nicht verstanden, warum wir den Eltern nicht du sagen durften. Die Mutter erklärte, dass das mit Respekt zu tun habe. Und so sagten wir zu Vater und Mutter "Ihr", bis zu ihrem Tod.
Als Bauernkinder auf dem Land aufzuwachsen war ein Privileg. Wir hinkten zwar den Stadtkindern hintennach und mussten auf vieles verzichten. Aber wir kannten ja nichts Anderes. Der Fortschritt seit meiner Kindheit bis heute ist gewaltig. Die Entwicklung und die Vertechnisierung wäre für uns damals eine Utopie gewesen.

Unser Haus mit angebauter Scheune


Nach der schon grossen Kinderschar kam ich als 9. Kind auf die Welt. Es war für die Eltern eine harte Zeit nach dem Krieg eine so grosse Familie zu ernähren. Trotzdem vergrösserte sich die Familie noch um zwei Kinder.
Das Essen war knapp. Zum Einkaufen gab es Märkli, die nur beschränkt erhältlich waren. Der kleine Bauernhof trug zum Überleben bei. Hatten wir doch selbst Obst, Gemüse und Kartoffeln. Die Mutter pflegte einen grossen Pflanzplätz.
Das Notwendige, das man nicht selber hatte, konnten wir im Chrämerlädeli in Kottwil einkaufen. Hinter dem Ladentisch standen die grossen 50 kg Säcke mit Reis, Gries, Zucker, Teigwaren, Mehl, Salz etc., von denen Frau Bühlmann die benötigte Menge in 1 oder 2 kg Papiersäcke abfüllte. Für den Heimweg schenkte sie uns immer feine Himbeer-Zückerli aus dem grossen Glas. Im Raum nebenan flickte Herr Bühlmann Schuhe. Er war zugleich auch Haarschneider und half auch im Laden. Alles unter einem Dach, das war für viele praktisch. Die Ladenöffnungszeiten waren noch in keinem Gesetz verankert!
Für den Winter wurde Gemüse und Obst eingemacht, sei es durch Sterilisieren, Dörren oder Einsäuern.
Meine Erinnerungen reichen ins Jahr 1949 zurück. Da herrschte nach 1947 die 2. Trockenheit. Der Bauernhof des Nachbarn hatte zu wenig Wasser für das Vieh. Deshalb musste man jeden Tropfen auffangen. Da wir zusätzlich im Besitz einer selbstgefassten Quelle waren, floss das Wasser stetig, wenn auch nur noch "im Faden". Diese Quelle läuft heute noch und gefriert nie zu.
In der ältesten Erinnerung sehe ich den Vater in der Militärkleidung, wie er vom Landsturm nach Hause kam, sich in der Stube unten an den grossen Tisch setzte und die Kleinsten auf seine Knie nahm. Es gab Schokolade, die der Vater im Militär für uns gespart hatte. Wir freuten uns riesig, wenn es auch nur für ein Täfeli reichte.
Den ganzen Sommer 1949 verbrachte ich bei meiner Gotte in Willisau. Vermutlich war die Mutter geschwächt, oder es war ein Kind weniger am Tisch. Sie hatte eine schwierige Geburt bei Georg . Ich durfte im Laden der Molkerei mithelfen, Buttermödeli für die Kundschaft aus dem grossen Brunnentrog im Keller holen. Die Gotte nahm mich mit zum "Milch zusammenführen". Die Tour reichte bis nach Ostergau, Stettenbach und? Wie die andern Orte hiessen, weiss ich nicht mehr.
Was ich einzigartig fand, war der Kindergartenbesuch mit der Cousine Brigitte. In unserem kleinen Dorf gabs kein Kindergarten. Als Fünfjährige durfte ich das erste Mal mit der Strickflott Wollplätzli stricken. An die Bastelarbeiten kann ich mich nicht mehr erinnern. Die Cousine Hedy lehrte mich Schuhe putzen. Sie fragte mich noch lange, ob ich immer noch gerne Schuhe putze, sie hätten nie mehr so schön glänzende Schuhe gehabt!
Einmal schenkte mir eine Frau, der ich Käse bringen durfte, 20 Rappen. Ich hatte ja keine Ahnung, wieviel Geld das war. Brigitte trug bunt bemalte Holzzoggeli. Solche hätte ich auch gerne gehabt, bekam aber leider keine. Einige Häuser weiter befand sich ein Schuhgeschäft. Bei einem Botengang bestaunte ich lange die schönen Zoggeli im Schaufenster. Da fasste ich den ganzen Mut zusammen und betrat das Schuhgeschäft. Die Frau kannte mich und fragte; Was möchtest du? Kleinlaut stotterte ich: Diese Holzzoggeli. Auf die Frage, ob ich Geld dabeihabe, zeigte ich ihr voller Stolz das 20 Rappenstück. Dass ich traurig zurück trottete, ist zu erraten. Dieses Episödeli vernahm meine Gotte sehr schnell. Welch eine Überraschung und Freude! An Weihnachten schenkte mir die Gotte Holzzoggeli mit bunten Blümchen. Ich war überglücklich. Das war Weihnachten!
Unsere Kinder- und Jugendjahre waren geprägt von Arbeit und Schule.
Zum Spielen war die Zeit begrenzt, ausser am Sonntag. Da wir viele Geschwister waren, hatten wir genügend Spiele für zwei Parteien,z.B. Völkerball, Tüüfel uustriebe, Seiligumpen, Jassen, Chübleris, Versteckis, einfach alles Mögliche. An Ideen fehlte es uns nie. War es einmal ein Regensonntag, gabs im oberen Stock ein Zimmer mit vielen Utensilien. Verkleiden war bei uns sehr beliebt, nicht nur an der Fasnacht. Im angebauten Holzschopf bauten wir "Häuser" aus Harassen. Wir zelebrierten Hochzeiten mit Pfarrer, Brautpaar und Gästen.Für die Braut machten wir aus alten Tüllvorhängen einen schönen Schleier. Der Bräutigam wurde mit einem schwarzen Anzug und einer Fliege ausgestattet. Der sah wie echt aus, wenn auch einige Nummern zu gross. Dann folgte die Prozession durchs Haus. Wenn Besuch da war ,fanden wir das doppelt lustig. Die Taufe gehörte auch dazu. Ein schön gekleidetes "Titti" diente als Bébé. Mein "Bäbi" lebt heute noch, vielleicht weil es so oft getauft wurde. Das Hochzeits- oder Taufessen kochten wir unter dem Zwetschgenbaum. Mit dem kleinen Kochherdli und Rechaudkerzen kochten wir Zwetschgen oder andere Früchte, halt jene, die gerade reif waren. War nichts vorhanden, gab es etwas besonders Feines, was wir sehr liebten. Nämlich Futterhaferflocken vom grossen Sack, und im "Chuchigänterli" naschten wir Kakao und Zucker. Mit Milch mischten wir alles zu einem Breili. Je nach Jahreszeit sammelten wir die feinen Walderdbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren. alles Mögliche. An Ideen fehlte es uns nie. 
Der Bach war auch nahe zum «Dräckelen» und Kuchen formen. Wir brauchten gar nicht mehr, da wir eh unserer Fantasie freien Lauf liessen. Uns war es nie langweilig, und vermisst haben wir auch nichts. Wir durchstöberten die Abfallgrube im Nachbarland und im Tobel. Wir fanden immer etwas, was wir noch brauchen konnten. Die Mutter hatte aber nicht immer Freude.
Unser Bauernhof und der Wald waren unsere Abenteuerplätze. Hätte es zu dieser Zeit schon Fernseher, Natel und all diese technischen Geräte gegeben, hätten wir nie eine so interessante und kreative Kindheit erlebt.


Im Frühling 1952 war mein erster Schultag. Die erste Woche begann für die Erstklässler erst um 9.00 Uhr. Mit der braunen Schultheke von Martha, der, die Mutter "aufgemöbelt" hatte, beinelte ich ganz allein den Buchrain hinunter zur Schule. Am Ziel angekommen, stand ich scheu und voller Erwartung auf dem Schulhausplatz. Ich kannte nur Heller Toni. Da erschien unsere Lehrerin Fräulein Beatrice Bucher. In Zweierkolonne marschierten wir ins unbekannte Schulzimmer.

Nach dem Kennenlernen erzählte die Lehrerin eine lustige Geschichte. Die erste Scheu war gebannt. Dann fragte sie: Wer kann ein Liedlein singen? Nur wenige streckten den Finger. Ob meinem Liedli haben alle gelacht. Das tönte so: Hinderem Huus und vorem Huus, da schtohd es Beckali Kafi, und wär drus trinkt, dä schtinkt! – Fertig lustig! Der Ernst der Schule nahm seinen Lauf. Als erstes teilte die Lehrerin eine Schiefertafel und einen Griffel aus. Dann schrieb sie den ersten Buchstaben an die Wandtafel. Wir versuchten ihn so gut wie möglich auf die Schiefertafel zu schreiben. Als Hausaufgabe durften wir die ganze Seite mit dem A beschreiben. Das ging so weiter, bis das ganze ABC und einfache «Sätzli» im Hirn verankert waren.
Nach einer Woche fragte ich die Mutter: Muss ich jetzt jeden Tag zur Schule gehen? Ich war sichtlich enttäuscht, da ich in ein Schema gepresst wurde, auf das mich niemand vorbereitet hatte. Aber mit der Zeit fühlte ich mich wohl in der Schule
Der Unterricht dauerte immer von Montag bis und mit Samstagnachmittag von 8.00 bis 11 Uhr und von 13 Uhr bis 16.00 Uhr. Für die untersten Klassen war die Unterrichtszeit etwas kürzer.
Der Donnerstag war schulfrei. Aber ab der 2. Klasse begann der Religionsunterricht beim Pfarrer in Ettiswil. Das bedeutete eine Stunde hin, eine Stunde Unterricht und wieder eine Stunde (oder mehr!) zurück, immer zu Fuss. Bei Frau Wyss war ein Pumpbrunnen. Dort tranken wir Wasser oder narrten Frau Wyss mit Läuten an der Türe.
In der Käserei Kottwil stand meistens der Käser parat mit "Chäs-Mertel", die wir so liebten. Das stärkte uns für den Rest des langen Heimwegs ins Kidli. So war der halbe "freie" Tag schon vorbei. Nach dem Mittagessen wartete die Arbeit auf uns.
Die 1. – 4. Klasse war zusammen in einem Schulzimmer. Plus minus 40 Schüler mit nur einer Lehrerin, die alle Fächer unterrichtete. Da war äusserste Disziplin nötig. Das Schwatzen war untersagt. Wer etwas nicht begriff, musste den Arm strecken und warten, bis Fräulein Lehrerin Rosmarie Notz Zeit hatte.
Da kam es etwa vor, dass ein Erstklässler nasse Hosen verdecken musste! Für gutes Benehmen und fleissiges Arbeiten gabs Fleisszetteli. Für 10 Stück durften wir bei der Lehrerin einen Bleistift, einen Gummi oder eine Schreibfeder abholen. Da alle Schulmaterialien zu Lasten der Eltern gingen, waren wir stolz, wenn wir 10 Zetteli beisammenhatten. So konnte die Rechnung etwas kleiner gehalten werden.
Wir erlebten aber auch viel Schönes. Da wir keine Turnhalle hatten, turnten wir auf dem Natur-Pausenplatz. Im Sommer barfuss, weil wir keine Turnschuhe besassen. Fast alle Kinder gingen den ganzen Sommer barfuss zur Schule. Am Ende des Platzes befand sich der Leichtathletikteil, ausgestattet mit Sand, drei Kletterstangen und einem Doppel-Reck.Die Schulbänke waren dicht aneinandergereiht, pro Bank zwei Plätze. Das hat viel von den Schülern abverlangt. Wer mit der "Nase" schrieb, wurde mit den Haarzöpfen an die Banklehne gebunden. Den Buben diente das "Zännihoorbüscheli" dazu, das auch zu Hause gebraucht wurde. Für unartiges Benehmen beim Lehrer kam der "Tatzenknebel" zum Einsatz. Mit dem Federhalter und Tinte zu schreiben war für einige eine Herausforderung. Die Feder musste exakt geführt werden, da sonst kleine Spritzer oder ein "Tolgge" das Blatt beklecksten. Nur in der Sekundarschule waren die neuen Füllfederhalter mit Patronen erlaubt. Ja, unser Leben war eine strenge Lebensschule.
In der Handarbeitsschule nähten wir unser Turndress selber. Das war ein blauer Baumwollrock mit Pumphosen. So hatten die Buben nichts zu spötteln, wenn wir am Reck turnten. Die Kletterstangen durften nur die Buben benutzen. Die Moral verlangte es so. Wenn das Thermometer im Sommer hochkletterte, durften wir im Wald turnen, meistens eine Doppelstunde. Ab und zu gab es eine Schnitzeljagd. Das war lässig! Sogar die Naturkunde konnten wir hie und da im Wald 1:1 lernen. Das war spannender als im Schulzimmer.
Der Lehrer Isidor Schilliger unterrichtete die 5. bis 8. Klasse. Wer die Sekundarschule besuchte, musste ab der 6. Klasse nach Ettiswil. Wenn es im Sommer gar heiss war, durften die Oberstufenschüler mit dem Velo an den Mauensee zum Schwimmunterricht. Das Schwimmen existierte für Mädchen nicht auf dem Stundenplan.
Stattdessen besuchten wir die Handarbeitsschule. Das war für uns sehr wichtig, da wir Socken, Strümpfe und Pullover selber strickten. Auch das Nähen und Flicken war ein wichtiges Fach. Schliesslich waren unsere Kleider aus Wolle und Baumwolle, für die es sich lohnte zu flicken. Da war unsere Mutter sehr darauf bedacht, dass keines mit fehlendem Knopf, Dreiangel oder sonst einem Loch in den Kleidern zur Schule ging. Die handgestrickten Pullover schützte man mit selbstgenähten "Ärmelschtöss". Zudem trugen alle Schürzen in der Schule, um die Kleider zu schonen.
Für das Examen am Ende des Schuljahres schneiderte uns die Mutter immer neue Schürzen, auf die wir uns jeweils freuten und stolz waren. Die Kleider der drei älteren Schwestern wurden für uns drei Jüngere zum Nachtragen angepasst. Ab und zu kam die Störschneiderin, wenn wir neue Kleider bekamen. Sie brauchte immer viel "Güfeli". Mit dem Magnet fischten wir sie aus den Stoffresten, die am Boden lagen. Fritz und ich machten jedesmal eine Wette, wer am meisten "Güfeli" fand.
Die Sekundarschule besuchte ich in Grosswangen. Das war ein weiter Weg. Deshalb durfte ich zu Tante Marie und Onkel Jean zum Mittagessen. Unsere Velos waren damals noch nicht mit Schaltung ausgerüstet. Die vielen Steigungen erforderten viel Kraft und Ausdauer, besonders wenn es regnete. Da brauchte es die eine Hand, um den Schirm zu halten. Gute Regenkleider vermochten wir nicht.
Die Buben und Mädchen in der Sekundarschule in Grosswangen waren getrennt. Die Buben besuchten den Unterricht im ersten Zimmer und wir Mädchen zuhinterst im Gang. Sogar auf dem Pausenplatz waren wir getrennt.
Lange Hosen im Winter waren für Mädchen nicht erlaubt. Das bedingte eine Schürze über die Hosen oder einen Jupe, den wir vor dem Unterricht im WC anzogen. Eine Menzinger Schwester erteilte den Unterricht. Sie ging mit uns sehr streng um. Sie besass Argusaugen, denen nie etwas entging. Müsste sie heute noch unterrichten, sie hätte keine Augen mehr! Wenn sie eine Schülerin, die sie das zweitemal beim flüstern mit der Banknachbarin ertappte, gabs im Notenbüchlein eine römische 1-2 im Betragen. Das habe ich selber erlebt und deshalb vom Vater Schelte bekommen. Ich hatte ihm erklärt, dass ich nur der Kollegin ihre Frage beantworten wollte. Das hatte er dann begriffen, dass diese Note im Betragen nicht gerechtfertigt war.
Den Schulabschluss durften wir mit den Buben gemeinsam im Restaurant Bad in Grosswangen feiern . Vom Vater bekam ich einen Fünfliber, der für ein Rivella und einen Nussgipfel reichte. Nach gut einer Stunde verabschiedeten wir uns von den Klassenkameraden. Tschüss miteiander und vorbei waren die acht Schujahre!

Der Juni war der Heumonat. Wenn die Wiesenblumen verblüht waren, die Grillen um die Wette zirpten und laue Sommerabende Einzug hielten, begann der Heuet. Dann gab es Heuferien. Nach der Pause am Vormittag wurde entschieden, ob die Wetterlage sicher genug war zum Heuen. Wenn ja, spurteten wir nach Hause und wechselten die Kleider. Und los gings mit den Scheitergabeln ans "Worben" (das frisch geschnittene Gras gleichmässig verteilen).
Das Heu wurde auf eisenbereiften "Bruggwagen" aufgeladen und mit dem Bindbaum und einem Seil zusammengebunden. Der Vater führte mit dem Flori die Heufuder in die Scheune.Der erste Heuschnitt war immer streng zum Zetteln, besonders, wenn viel Klee dabei war. Mit Kehren und Schütteln mit der Holzgabel brauchte das Heu mindestens drei Tage, bis es in die Scheune eingebracht werden konnte.
Das Nachrechen des "Heuplätzes" war immer Frauensache. Die Heuferien dauerten insgesamt etwa 10 Halbtage. Dann drückten wir wieder die Schulbank bis zu den nächsten Ferien.
Diese Ferien dauerten 14 Tage für die Getreideernte. Auch da gab es wieder viel Handarbeit. Wir jüngeren Kinder mussten die Disteln aus den Getreidemahden herauslesen.
Die Ernteferien begannen am 1. August. Deshalb übten wir in der Schule die Landeshymne: "Rufst du mein Vaterland". Dazu spielte der Lehrer mit dem Harmonium. Später wurde die Landeshymne ersetzt durch: "Trittst im Morgenrot daher …"
Mit der "Aträggabel"legte man drei bis vier Getreidebündel zu einer Garbe. Diese wurden mit dem Garbenseil gebunden. Die trockenen Garben lagen bis zum Dreschen in der Scheune. Auf dem Stoppelfeld mussten wir am Schluss die abgefallenen Ähren und nachher noch die Steine zusammenlesen.
Wenn Regenwetter angesagt war, machte man "Puppen". Auf über drei aufgestellte Garben wurde eine vierte geknickt, quer darübergelegt als "Schutzdach". Es kam vor, dass bei anhaltendem Regen die Körner an den Garben keimten. Das wurde dann zu Futtergetreide deklariert.
War alles Heu, das Emd und die Frucht in der Scheune, gab es eine Sichlete. Alle Mitarbeitenden wurden zu Speis und Trank eingeladen. Für uns Kinder gab es Himbo und einen halben Cervelat. Das war ein Fest! Es gab sonst nie gekauftes Süssgetränk, und vom Cervelat gab es jeweils nur ein "Rädli".
Unser Haus war mit der Scheune zusammengebaut. Links und rechts der Einfahrt wurde das Heu gelagert. Da wo der Boden flach war, wurden die Garben deponiert. Das war über unseren Schlafzimmern.
Unsere Zimmertüren "giebschten" (quietschten) unter der grossen Last. In den Zwischenböden fing ein Fest für die Mäuse an.
Am Jahresanfang platzierte man die Dreschmaschine auf dem Hausplatz. Toni entfernte einige Ziegel und Latten. Das war praktisch. Die Garben konnten wir so übers Dach direkt in die Maschine sausen lassen. Wenn die untersten Garben an der Reihe waren, brauchte es Hund, Katzen und Schaufeln, um die Mäuse zu dezimieren. Das war jeweils ein Gaudi!

Wir hatten vier Wochen Herbstferien für die Obst-, Kartoffel- und Rübenernte. Unser Vater war ein guter und leidenschaftlicher Obstbauer. Viele Äpfel- und Birnbäume wuchsen auf der Liegenschaft. Das war viel Arbeit: Äpfel und Birnen auflesen, die Äpfel sorgfältig ablesen und zwischendurch mosten. Beim Mosten wurde eine Eisenstange in das Zahnrad eingeführt. Von Hand hat man zu zweit gepresst. Das brauchte viel "Speuz". Als Belohnung floss feiner Most in die Stande. Den sterilisierten Most lagerten wir in Holzfässern im Keller. Aus dem"Trasch"(die festen Rückstände) wurden mit einer Maschine (vergleichbar mit einer Wurstmaschine) "Träschstöckli" gemacht. Diese reihten wir auf Hurden zum Trocknen auf. Im Winter wurden sie als Wärmespeicher gebraucht. Die Mutter legte jeweils nach dem Kochen einige in die Glut, damit der Ofen noch lange Wärme spendete und die Glut nicht erlosch.
Der Holzherd in der Küche heizte die Wohnstube, der Brotbackofen die hintere Stube, die aber nur am Backtag warm wurde. Wir freuten uns immer auf die Apfelwähen, Birnenweggen und Brote. Die Mutter backte jeweils zwei Wähen auf einmal, meistens mit "Apfelräschi" belegt. Wir hätten gerne auch mit Schnitzli belegte Wähen gewünscht. Das gab für die Mutter aber zu viel Arbeit, da die Backbleche mindestens einen Meter lang waren.
In den Herbstferien war auch das "Härdöpfle" dran. Anfänglich grub man die Kartoffeln mit dem "Charscht" aus. Später gab es einen Kartoffelgraber, der vom Pferd gezogen wurde. Das verdorrte Kartoffelkraut haben wir zu Haufen geschichtet und nachher angezündet. Das war ein herrliches Bild.
Wenn die Rauchschwaden gespenstisch über die abgeernteten Felder zogen, die vielen Buchen in ihrem bunten Blätterkleid ringsum leuchteten, der Duft des verbrannten Kartoffelkrautes in die Nase stieg, war das der Inbegriff des Herbstes.
Die Asche verstreute man über den Acker. Das war Dünger, und die Krankheiten konnten sich weniger verbreiten.
Wenn es nichts mehr zum Grasen gab, liess man die Kühe auf die Weide. Da rings um die Liegenschaft Wald war, machte man keine Zäunung im Herbst. Zwei Kinder mussten aber immer die Kühe hüten. Nach dieser Arbeit folgte die Rübenernte. Jeden Morgen holten wir frisches Kraut für die Kühe. Das war für sie eine Delikatesse. Da wir keine wasserundurchlässigen Kleider hatten, banden wir mit einem "Garbenseili" einen alten Jutesack um den Bauch. So blieben wir einigermassen trocken und sauber. Die Rüben mussten wir jede einzeln aus dem Boden heben, in die "Bänne" aufladen und zu Hause durchs Kellerfenster werfen.
Am meisten habe ich mit Fritz und Georg das Vieh gehütet. Bernadette rannte vor jeder Kuh davon. Dafür konnte sie schon aus der Zeitung lesen, bevor sie in die erste Klasse kam. Das Hüten machte uns Spass. Zum Zeitvertreib schnitten wir Haselstecken und spitzten sie vorne an. Damit spielten wir "Chnebleris". Oder wir bauten mit Tannzapfen Häuser. Ab und zu suchte eine Kuh im Wald etwas zu fressen. Bis zum Heimtrieb war die Herde aber wieder vollzählig.
War der Weidebetrieb eingestellt, holten wir täglich eine "Bäre" (Schubkarren) voll Rüben aus dem Keller. Mit dem Rübenbröckler zerkleinerte man die Rüben. Diese Schnitzel brauchte man für das "Gläck", das aus Heublumen, "Chrösch", Rübenschnitzel, etwas Salz und Futtermittel bestand. Auf dem Tennboden wurde alles vermischt und zu einem Walm aufgeschichtet. Das wurde den ganzen Winter über zum Heu gefüttert. Am Samstag richteten wir die doppelte Menge, damit es auch für den Sonntag reichte.
Im Vorwinter montierte man die Vorfenster. Zuerst putzten wir sie mit Wasser und einem "Gutsch" Träsch. Mit Zeitungspapier haben wir nachpoliert. Zum Einhängen brauchte es immer zwei. An vier Haken konnte man die Fenster befestigen. Als zusätzliche Isolation legte die Mutter "Spreuersäckli" zwischen die Fenster und Vorfenster. Im zeitigen Frühjahr dienten die Zwischenräume als Treibhaus für die überwinterten Geranien.
In den sehr kalten Wintern gab es trotzdem wunderschöne Eisblumen auf den Fensterscheiben, die Zimmerdiele glänzte, und die Nachttöpfe bekamen eine Eisschicht, weil auch im Zimmer ab und zu die Temperatur unter 0 Grad war. Aber wir hatten warme Betten mit Barchentleintüchern, Wolldecken, eine Federdecke und Steinkissen oder Bettflaschen. Wir mussten nie frieren. Die selbstgenähten Barchentnachthemden gaben schön warm.
Zudem schliefen wir zu viert in zwei zusammengestossenen Betten. Da wir nicht immer sofort einschliefen, besonders im Sommer, hatten wir es oft lustig. Dann klopfte die Mutter mit dem Besenstiel an die Stubendecke seid still und schlaft endlich, hätte das geheissen. Das war leichter gesagt als getan.
Wir machten 1x1 Spiele, zeichneten mit dem Finger Figuren auf den Rücken, "Rückenzeichnen" nannten wir das. Das andere musste erraten, was man gezeichnet hat. Zudem sahen wir zwischen den Tannen hindurch zwischen St. Erhard und Kaltbach ab und zu den Roten Pfeil. Den wollten wir nicht verpassen.
Die Kleider legten wir unter die Bettdecke. So waren sie am Morgen schön warm zum Anziehen.

Wenn von den Herbststürmen die Farbenpracht der Laubbäume weggefegt war, die Luft rauer wurde und die ersten Schneeflocken durch die Luft wirbelten, freuten wir uns auf den ersten Schnee. Mit "Fassduugeli" (Dauben von einem alten Fass) und einem kaputten Velomantel bastelten die Buben die ersten Skier. Mit diesen "Fassduugeli" versuchten wir die ersten Spuren über den Hausplatz zu ziehen. Das ging aber anfangs harzig!
Später schenkten uns Verwandte Occasions-Holzski und Skihosen von ihren grösseren Kindern. Hauptsache war, dass die Skis richtige Bindungen hatten, aus Lederriemli, zwar die der Nässe wegen öfters mit Schnüren geflickt werden mussten. Als Skistöcke dienten Haselstecken. Skischuhe hatten wir keine. Die Schuhe mussten multifunktional sein. Wir besassen Lederschuhe. Die Sohlen hatten hinten eine Rille, damit die Bindung besseren Halt bekam. Diese Schuhe waren im Winter auch für den Kirchgang bestimmt.
Für den Alltag trugen wir genagelte Holzschuhe. Anfänglich fertigte sie der Vater noch selber an. Er besass eine ausrangierte Schuhnähmaschine. Das Fell der Kühe wurde vom Gerber zu Rindsleder verarbeitet. Es war nicht so weich, dafür stark. Ich mag mich noch erinnern, wie der Vater am Boden die Umrisse der Schuhe auf das Leder zeichnete und mit einem Ledermesser ausschnitt . Die Holzböden konnte man bei Bühlmanns im Dorflädeli kaufen. Mit selbstgestrickten Strümpfen und Socken war das Tragen der Holzschuhe gar nicht so schlimm. Über die Strümpfe trugen wir zusätzlich bei Schnee "Gehten", die mit einem Latz und Gummiband über die Schuhe gezogen wurden. Die hatten wir mit dem Patentmuster gestrickt. Die ersetzten für uns Mädchen, die Gamaschen oder Wadenbinden.
Bei nassem Schnee wetteiferten wir auf dem Schulweg, wer die grössten "Tötsch" (Schneeklötze) an den Schuhen fertigbrachte. Aus allem machten wir ein Spiel oder einen Wettbewerb. Der Kidli-Schüler wegen lernten der Lehrer und die Lehrerin noch Ski fahren. Statt des Turnunterrichts durften wir ab und zu einen Schlittel- und Skinachmittag durchführen. Kottwil war fortschrittlich! Es brauchte kein Carunternehmen, das uns ins Skigebiet führte. Die "Lauberhornabfahrt" war direkt neben dem Schulhaus.
Weihnachten
Mit dem Adventskalender verkürzten wir die Wartezeit aufs «Chrischtkindli». Hinter jedem Türchen versteckte sich ein Bildchen.
In der Stube war ein «Eckgänterli» mit einer Nische, wo eine Herz-Jesu Statue stand. Ab dem ersten Adventssonntag stellte die Mutter dort das Kripplein auf. Für jede gute Tat durften wir ein Heuhälmchen hineinlegen. Wer stritt oder sonst etwas «Unbraves» tat, musste wieder ein Hälmchen wegnehmen. Wir bemühten uns sehr, dass das Christkind weich liegen durfte.
Ich glaube, das war für die Mutter die schönste Zeit, aber auch eine strenge. Sie musste doch für jedes Kind ein Geschenklein besorgen, das nicht viel kosten durfte. Sie fuhr jeweils mit dem Velo nach Sursee, Ettiswil oder Willisau, um beim Christkind die Päckli zu «bestellen». Damals flatterten auch schon Spielsachenkataloge ins Haus. Voller Neugierde schauten wir sie immer wieder an und hofften auf eine Überraschung, die aber nicht eintraf.
War dann endlich Heiligabend, durften wir mit dem Vater in den Stall. Er hatte extra frisches Stroh zum Draufsitzen bereitgemacht Der Vater setzte sich aufs Stallbänkli und erzählte uns eine Weihnachtsgeschichte. Die Kühe lagen friedlich auf dem «Läger» und kauten gemächlich, als ob sie auch zuhören würden.
Plötzlich wurde diese Ruhe von einem Glöcklein unterbrochen. Beim zweiten «glöggele» durften wir zurück ins Haus. Vor der Stubentüre «vergitzelten» wir fast vor Aufregung. Und als sich die Tür öffnete und das Weihnachtsbäumchen sahen, konnten wir mit aaaaaaaah… und oooooooooh… nicht zurückhalten.
Wir setzten uns ums Bäumchen, sagten unsere Gedichte auf und sangen Weihnachtslieder. Besonders beim «Stille Nacht, heilige Nacht» tönte es fast wie ein Engelchor. Denn die Mutter sang die Oberstimme dazu. Endlich durften wir die Päckli verteilen. Wir packten sie sehr sorgfältig aus (nichts von Aufreissen!).
Wir mussten das Papier fein säuberlich falten und die Bändeli schön aufrollen. Denn nächstes Jahr brauchte das Christkind auch wieder Verpackungsmaterial.
Als wir in den oberen Klassen waren, durften wir mit den älteren Geschwistern in die Mitternachtsmesse (24 Uhr) nach Ettiswil gehen. Es bleibt für mich ein einmaliges Erlebnis, bei klirrender Kälte durch die stille klare Nacht zu marschieren und das Knirschen des Schnees zu hören.
Am 26. Dezember ermahnte uns die Mutter, an Gotte und Götti ein Dankesbrieflein zu schreiben. Ich machte das gerne. Die Türlein vom Adventskalender wurden geschlossen. Nächstes Jahr musste er wieder seinen Dienst leisten, obwohl wir die Bildli bald auswendig kannten.
Nach Weihnachten bis nach Neujahr gingen wir mit dem Vater in den Wald. Er stutzte von unten den Jungschutz auf, und wir haben die Äste zusammengetragen. Wenn Schnee auf den Tannli lag, war es unangenehm, weil Schnee in den Hals rutschte. Damals gab es noch viel Schnee.
Die Strassen wurden nur gepflügt. Wenn es eisig wurde, streute man Kieselsteine, nicht Salz. Das war toll zum Schlitteln.
Sonntags konnten wir mit dem antiken Pferdeschlitten zur Kirche fahren. Wir waren warm angezogen und in Wolldecken eingepackt. Liese, die «Grossmutter» im Pferdestall, trabte mit uns nach Ettiswil. Sie war für schwere Arbeiten nicht mehr einsatzfähig, konnte aber noch Ausfahrten machen, auch an der Fasnacht.
Der schwierigste Teil war die «Hohle», weil die Strasse ziemlich Gefälle hatte. Zum Bremsen legte der Vater kleine Ketten um die Kufen, aber auf der Strasse musste er sie wieder entfernen. Autos fuhren zu dieser Zeit ganz wenige. Als der Verkehr grösser wurde, wurden die Strassen schwarzgeräumt und gesalzen.
Etwa ab der 1. Klasse war es vorbei, mit dem Schlitten in die Kirche zu fahren. Da musste der lange Weg wieder zu Fuss gemacht werden.
Hauptsache war, dass der Weg in die Schule fast bis zum April eine Schlittelbahn blieb. Auf dem Land lag längst kein Schnee mehr, aber zur Schule diente der Davoserschlitten immer noch als schnelles Taxi. Leider war für den Heimweg der Benzintank immer leer

Mit dem Adventskalender verkürzten wir die Wartezeit aufs «Chrischtkindli». Hinter jedem Türchen versteckte sich ein Bildchen.
In der Stube war ein "Eckgänterli" mit einer Nische, wo eine Herz-Jesu Statue stand. Ab dem ersten Adventssonntag stellte die Mutter dort das Kripplein auf. Für jede gute Tat durften wir ein Heuhälmchen hineinlegen. Wer stritt oder sonst etwas "Unbraves" tat, musste wieder ein Hälmchen wegnehmen. Wir bemühten uns sehr, dass das Christkind weich liegen durfte.
Ich glaube, das war für die Mutter die schönste Zeit, aber auch eine strenge. Sie musste doch für jedes Kind ein Geschenklein besorgen, das nicht viel kosten durfte. Sie fuhr jeweils mit dem Velo nach Sursee, Ettiswil oder Willisau, um beim Christkind die Päckli zu "bestellen". Damals flatterten auch schon Spielsachenkataloge ins Haus. Voller Neugierde schauten wir sie immer wieder an und hofften auf eine Überraschung, die aber nie eintraf.
War dann endlich Heiligabend, durften wir mit dem Vater in den Stall. Er hatte extra frisches Stroh zum Draufsitzen bereitgemacht. Der Vater setzte sich aufs Stallbänkli und erzählte uns eine Weihnachtsgeschichte. Die Kühe lagen friedlich auf dem "Läger" und kauten gemächlich, als ob sie auch zuhören würden.
Plötzlich wurde diese Ruhe von einem Glöcklein unterbrochen. Beim zweiten "glöggele" durften wir zurück ins Haus. Vor der Stubentüre "vergitzelten" wir fast vor Aufregung. Und als sich die Tür öffnete und das Weihnachtsbäumchen sahen, konnten wir mit aaaaaaaah… und oooooooooh… nicht zurückhalten.
Wir setzten uns ums Bäumchen, sagten unsere Gedichte auf und sangen Weihnachtslieder. Besonders beim "Stille Nacht, heilige Nacht" tönte es fast wie ein Engelchor. Denn die Mutter sang die Oberstimme dazu. Endlich durften wir die Päckli verteilen. Wir packten sie sehr sorgfältig aus (nichts von Aufreissen!).
Wir mussten das Papier fein säuberlich falten und die Bändeli schön aufrollen. Denn nächstes Jahr brauchte das Christkind auch wieder Verpackungsmaterial.
Als wir in den oberen Klassen waren, durften wir mit den älteren Geschwistern in die Mitternachtsmesse (24 Uhr) nach Ettiswil gehen. Es bleibt für mich ein einmaliges Erlebnis, bei klirrender Kälte durch die stille klare Nacht zu marschieren und das Knirschen des Schnees zu hören. Kein Auto, die ganze Strasse konnte man damals benutzen
Am 26. Dezember ermahnte uns die Mutter, an Gotte und Götti ein Dankesbrieflein zu schreiben. Ich machte das gerne. Die Türlein vom Adventskalender wurden geschlossen. Nächstes Jahr musste er wieder seinen Dienst leisten, obwohl wir die Bildli bald auswendig kannten.
Nach Weihnachten bis nach Neujahr gingen wir mit dem Vater in den Wald. Er stutzte von unten den Jungschutz auf, und wir sammelten die Aeste zusammen. Wenn Schnee auf den Tannli lag, war es unangenehm, weil Schnee in den Hals rutschte. Damals gab es noch viel Schnee.
Die Strassen wurden nur gepflügt. Wenn es eisig wurde, streute man Kieselsteine, nicht Salz. Das war toll zum Schlitteln.
Sonntags konnten wir mit dem antiken Pferdeschlitten zur Kirche fahren. Wir waren warm angezogen und in Wolldecken eingepackt. Liese, die "Grossmutter" im Pferdestall, trabte mit uns nach Ettiswil. Sie war für schwere Arbeiten nicht mehr einsatzfähig, konnte aber noch Ausfahrten machen, auch an der Fasnacht.
Der schwierigste Teil war die "Hohle", weil die Strasse recht Gefälle hatte. Zum Bremsen legte der Vater kleine Ketten um die Kufen, aber auf der Hauptstrasse musste er sie wieder entfernen. Autos fuhren zu dieser Zeit ganz wenige. Als der Verkehr zunahm, wurden die Strassen schwarzgeräumt und gesalzen.
Etwa ab der 1. Klasse war es vorbei, mit dem Schlitten in die Kirche zu fahren. Da musste der lange Weg wieder zu Fuss gemacht werden.
Hauptsache war, dass die Hohle fast bis zum April eine Schlittelbahn blieb. Auf dem Land lag längst kein Schnee mehr, aber zur Schule diente der Davoserschlitten immer noch als schnelles Taxi. Leider war für den Heimweg der Benzintank immer leer!!!

Zuerst musste der "Hoschtet" (Baumgarten) gesäubert werden. Die vielen Äste von den geschnittenen Bäumen und vom Wald wurden mit dem Blitzhacker gehäckselt. Das ergab einen riesigen Haufen. Schinnerweise versorgten wir das Häckselgut im Holzschopf. Die gröberen "Chresäste" schneitelten wir mit dem Gertel aus. Es wurde zum Streuen für das Vieh verwendet. Aus den nackten Ästen banden wir mit einer speziellen Vorrichtung "Bördeli". Diese Arbeit gefiel mir. Es duftete jeweils so gut nach Tannenharz. Leider waren nachher die Hände das Problem! Bis Ostern musste alles erledigt und der Hausplatz gereinigt sein. Das war Vaters «Gesetz».
Das Erwachen der Natur haben wir damals sehr intensiv erlebt. Es duftete überall nach Frühling. An den Waldrändern blühten die Schlüsselblümchen und "Geissenblümchen" (Buschwindröschen). Wo es feucht war, fanden wir "Guggerblumen" (Dotterblumen). Damit zierten wir das Osternest. Schon von weitem duftete der Bärlauch. Die Mutter erklärte uns den Unterschied zum giftigen Aronenkraut. Der Waldboden war übersät mit Waldmeister, Immergrün und Sauerklee. Wir schlenderten in dieser Zeit oft durch den Wald in die Schule. Das war interessanter als auf der gewöhnlichen Strasse, auch weil die jungen hellgrünen Blätter der Buchen so schön leuchteten. Den Sauerklee brauchten wir zum Kauen, denn er löschte den Durst. Es war einfach nur schön durch den Wald zu gehen, denn die Vögel begleiteten uns mit ihrem Gesang.
Leider gab es in dieser Zeit richtige Maikäfer-Invasionen, die bekämpft werden mussten. Bei jeder Gelegenheit schüttelte man die Buchen am Waldrand. Wir sammelten die Maikäfer in alte Brenten (Milchkannen), um sie zu verbrühen, denn die Buchen wurden zum Teil kahlgefressen. Wenn der Vater neben dem Wald pflügte, stampften wir zu zweit hintennach, um in der Furche die Engerlinge zu vernichten. Das war BIO pur!

Im Hebst und Frühjahr wurde ein fettes Schwein geschlachtet. Am Abend davor wurde alles bereitgestellt. Eine grosse Wäsche-Holzstande wurde auf Harassen gestellt, die aber zusätzlich mit Läden verstärkt wurden. Um 05.00 Uhr feuerte man an, um heisses Wasser zum Brühen der Sau hatte. Frühzeitig erschien der Metzger Künzli aus Ettiswil mit Velo und Hutte. Darin waren alle Metzgerutensilien verstaut. Ein Schuss, ein Schnitt, und schon floss das Blut in den Kessel. Es musste sofort gerührt werden, bis es kalt war. Die Sau wurde im heissen Bad geschabt, nachher aufgehängt und ausgenommen. Die Därme samt Wacker, wurden sauber gereinigt und dann mit dem gewürzten Blut gefüllt. Diese legte man in mit Stroh ausgelegte Harassen. Bis zum Verzehr blieben sie einige Tage im Keller. Am nächsten Tag kam der Metzger wieder und zerteilte das Fleisch. Es gab noch keine Möglichkeit zum Kühlen oder Einfrieren. Es musste alles konserviert werden. Gnagi, Schinken und alles was zum Räuchern war, legte man in einem grossen Steinguttopf in eine Beize ein. Bratwürste, Voressen, Braten und Geschnetzeltes hat die Mutter angebraten und mit dem feinen Jus in Sturzgläser eingefüllt und sterilisiert. Das Schweinefett trieb man durch den Fleischwolf und hat es nachher gekocht, bis die "Gräubi" hellbraun waren. Von denen gabs nahrhafte Linzertorten. Die mochte ich sehr gerne. Die restlichen "Gräubi" bekamen die Hühner und der Hund. Das gebeizte Fleisch wurde im Kamin geräuchert. Der Schinken wurde nach dem Räuchern in Gläsern strerilisiert. Diese Spezialität gabs nur am Sonntag.
1955 wurde in der Käserei in Ettiswil eine Gefrieranlage gebaut. Das war eine gewaltige Erleichterung. Nun konnten wir in gemieteten Tiefkühlfächern Gemüse, Fleisch und Früchte lagern. Das Dörren wurde trotzdem beibehalten. Harassenweise mussten wir nach der Schule Äpfel schälen.Es gab sogar ein Schälmaschineli und einen Schnitzler. Das ging bedeutend schneller. Die Birnen und Zwetschen legte man ganz auf die Darren. Der grosse Holzdörrofen wurde in der Küche direkt unter der "Hurd" (offener Kamin) hingestellt. Mit Holz erzeugte man die Wärme zum Dörren. Die Darren mussten immer wieder gewechselt werden, damit die untersten Früchte nicht schwarz wurden. Aber die Mutter liess nichts anbrennen. An beiden Seiten des Dörrofens hatte es Schubladen, um das Dörrgut fertig zu trocknen. Wenn es dann so weit war, freuten wir uns auf das Abfüllen in die Stoffsäcke. Aus diesem Dörrgut gab es das feine "Chrosi" für für die Birnenweggen.

Die grosse Wäsche im Frühling dauerte drei Tage. Am Vorabend wurden die grossem Holzzuber bereitgestellt und mit Wasser gefüllt. Darin weichte man über Nacht die Schmutzwäsche ein. Um 05.00 morgens wurde der Waschhafen angefeuert. Zuerst kochte man die Weisswäsche, nachher die Buntwäsche und zuletzt die Stallkleider. Wollsachen wurden mit Kernseife oder Seifenflocken von Hand gewaschen. Mit einer grossen Holzzange wechselte man die gekochte Wäsche in den Holzzuber zum Spülen. Wir hatten zu dieser Zeit noch keine Auswinde. Zu zweit haben wir die grossen Betttücher "ausgedreht", wie eine Schraube, bis sie nicht mehr tropften. Man spannte von Baum zu Baum ein Wäscheseil und sicherte es etwa in der Mitte mit einem "Stüber", damit die saubere Wäsche nicht wegen des Gewichts den Boden küsste.
Später bekamen wir eine halbautomatische Maschine, die auf 60 Grad erhitzt werden konnte. Ein Flügel in der Mitte drehte hin und her, bis man abstellte. Jetzt war das mühsame Vorwaschen mit dem Stöpsel vorbei. Dann kam bald noch eine Auswinde dazu. Das war eine grosse Erleichterung.
Im Sommer durften wir ab und zu im Waschzuber baden. Die Mutter kochte zwei Pfannen Wasser und mischte es mit dem kalten im Waschzuber. Es war herrlich, draussen zu "pflotschen"! Der Brunnentrog diente den ganzen Sommer über als Fussbad. Vom Barfusslaufen hatten es die Füsse nötig. Wir standen in den Brunnentrog und fegten mit der "Wörzlibörschte" die Füsse sauber.
Bevor der Heuet anfing, musste die Frühlingsputzete gemacht werden. Alle Matratzen mussten an die frische Luft, und mit dem Teppichklopfer entstaubten wir sie tüchtig. Alle Betten hatten eine schwere Feder- und eine Roosshaarobermatratze. Die "Starchen"(die älteren Brüder) mussten sie von den Schlafzimmern auf den Hausplatz tragen ,auf die Gestelle ,die mit Harassen und Holzleitern parad gestellt wurden. In den Zimmern fegte man die rohen Holzwände mit Schmierseifenwasser. Das duftete noch viele Tage nach Frische.
Es war ein herrliches Gefühl, am Abend in die gesonnten, mit frischer Bettwäsche bezogenen Betten zu fallen.

Die Mutter war eine gute kreative Köchin. Mit dem, was sie zur Verfügung hatte, verstand sie es immer etwas Gutes zu kochen. Die Kost war sehr einfach, aber Hunger mussten wir nie leiden. Im "Chrieset"gabs jeweils eine nahrhafte Suppe und danach "Chriesibrägu"mit Kefen, Kohlraben oder Blumenkohl. Es gab nicht jeden Tag Fleisch. Zum Schweinebraten bereitete die Mutter viel Sauce, damit wir im Kartoffelstock ein "Göuelöchli"mit der Sauce füllen konnten. Dazu gabs für uns Kinderfleisch. Das waren "Houdali" (Anschnitte vom Brot).Das liebten wir. Wenn einmal Würste auf den Tisch kamen, erhielten wir ein "Trödali " (Rädli).
Im Herbst buck die Mutter öfters Zwetschgen-und Apfelwähen zum Mittagessen. Im Voraus, wie immer, eine währschafte Suppe, oder es gab Kastanien mit selbstgemachter "brönnti Creme". Das liebten wir überalles. An den Samstagen im Winter wurde meistens ein Eintopf ("Schnetz ond Härdöpfu") serviert. Wir liebten nur das mit gedörrten Birnen-und Apfelschnitzli,denn das mit Süssäpfel gab ein anderes Aroma. Die Erwachsenen erhielten dazu noch Fleisch aus dem Kamin. Ich vermisste das nie, weil man es solange "chätschen " musste.
Alles ,was den Sommer und Herbst durch, haltbar gemacht wurde, brachte Abwechslung im Menueplan. Zudem lagerten im Keller genug Kartoffeln, Aepfel, Birnen, Most, Blaukabis und Wirz. Den Weisskabis hobelten wir in eine Holzstande, aus dem dann Sauerkraut gemacht wurde. Wir haben auch sehr viel sterilisiert : z.B. Kirschen, Bohnen, Zwetschgen und Birnenschnitze.
Das Morgenessen bestand aus "Brousi" (Rösti) und Milchkaffee. Für die Kinder aber nur mit einem Wölklein Kaffee. Zwei grosse Bratpfannen Brousi brauchte es, damit es für Alle reichte. Mit Milchkaffe dazu, war das ein feines Morgenessen. Im Winter gab es öfters dicker Haferbrei, (gekocht mit Futterhaferflocken), mit einem Schuss Milch. Das Lieblingsessen war es nicht, aber sättigend und starke Knochen gabs davon. Von unserer Familie hatte nie Eines einen Knochenbruch.
Zum Znacht gab es im Winter ab und zu Gschwellti, aber nicht mit Käse, sondern Birnenhonig mit eiwenig Rahm geschlagen und mit Milch gestreckt. Das mochte ich gar nicht, aber essen musste ich trotzdem. Was wir liebten waren :Milchreis mit sterilisierten Früchten, Seidenmüesli, Griesbrei, Griespudding mit Sirup, Kapuzinerklösse im Zimt-Zucker gewendet, Apfelrösti und Auflauf. Von der Bienstmilch mit Mehl, Eier und Zucker gab es auch einen guten Auflauf.
(Die erste Milch der Kalberkuh hat verschiedene Namen: Biest, Biescht, Briemscht, Briesch) Sie ist gelb, dickflüssig und nahrhaft.
Da wir selber Hühner hatten, kochte die Mutter auch viele Eierspeisen. Wir hatten nie Mangelerscheinungen. Unbewusst nahm ich sehr viel wahr von Mutters einfachen Kochkünsten und das Haltbarmachen der eigenen Hofprodukte.
Das selbstverständliche Wissen wurde mir erst so richtig bewusst, als ich selber auf eigenen Füssen stand und für meine grosse Familie kochte. Man wusste es einfach.
DANKE MUTTER!

Wir nutzten die Zeit , um nachher mit unseren ehemaligen Klassengespanen zu plaudern.
Da wurde es halt mal 22.00 Uhr, bis wir mit dem Velo, zu Hause waren. Wir "mogelten" mit der Aussage; der Pfarrer hatte eine lange Predigt. Promt erkundigte sich der Vater am Morgen beim Pfarrer. Das habe ich nie verstanden, dass er uns nicht mehr Vertrauen schenkte. Wenn man sein selbst geschriebenes Büchlein vom Aktivdienst liest, versteht man aber ein wenig besser, dass er so streng mit uns umging. Wir waren aber nicht im Militär, sondern in der Familie. Glücklicherweise durften wir eine liebe und gütige Mutter unser Eigen nennen. Sie hätte einen "Heiligenschyn"verdient.


Am 23. April 1971 war die Zivilhochzeit in Baar. Anwesend war das Brautführerpaar, der Standesbeamte und wir Zwei. Es war schlicht und einfach. Nach einer kurzen Einkehr im Restaurant, verabschiedeten wir uns und jedes fuhr wieder alleine zu sich nach Hause. Damals durften wir vor der Hochzeit noch nicht zusammen wohnen. Das war so befohlen von der Kirche und meine Eltern hätten das auch nicht akzeptiert.

Der lang ersehnte Tag, 24.April 1971
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Die besten Wünsche vom Bauern-Pater Christian Rohrer
Fototermine

Meine Familie Gut-Baumann

Familie Huber-Leu

Mit Pater Christian, Brautführerpaar, Christeli Gut und Nicola Gut

Trachtentanzgruppe Baar

Die "Eibeler"Feuerwehr aus Baar mit der antiken Spritze

Trachtentanzgruppe Sempach
Apéro in der LMS, hier war ich die erste Köchin
Zum Mittagessen brachte uns der Carchauffeur nach Eich, ins Restaurant Vogelsang. Nach dem Essen wurden schon etliche Telegramme vom Confrencier vorgetragen und es wurden kleinere Einlagen zum Besten gegeben. Am späteren Nachmittag führte uns die Carfahrt nach Risch ins Restaurant Waldheim. Da wurde es gemütlich mit der Baarer Tanzgruppe.
Gemütliche Stimmung mit örgelen, chlefelen und löffelen
(Hans Zürcher, Oski Arnold, Viktor Rychmut)

Auch Karis Grosi freute sich sehr dabei zu sein. (vorne mit Hut)
Es war ein unvergesslich-schöner Tag, mit vielen Ueberraschungen. Karis Vater ermöglichte uns einen Ersatz-Bauernhof, in Fenkrieden. Er liess aber eine rechte Hypothek auf dem Hof stehen. Als mittelloses Dienstmädchen verspürte ich mich nicht so sehr willkommen auf der Mühlematt. Leider konnte ich kein "Mitgift" in die Ehe bringen. Unsere Liebe war stark und wir liessen uns nicht unterkriegen. Ein weiterer Grund war die Familie. Mit seiner Schwester Maria erblickten sie als Zwillinge im Oktober 1945, das Licht der Welt. Anderthalb Jahre danach starb ihre Mutter, erst 24jährig, an der Geburt von Silvia. Der Vater brauchte dringend ein neues Mami für die 3 kleinen "Buscheli". Nach 2 Jahren heiratete er Marie Leu. Sie war schon verlobt mit einem angesehenen Bauer, aber ihre Mutter Elisabeth zog die Fäden und so musste sie sich dem Willen ihrer Mutter beugen. Die Heirat war eher eine Vernunft-als eine Liebesheirat. Für mich fühlte es sich so an. Die Familie erweiterte sich mit 5 Halbgeschwistern. Sie versuchte, als gute Mutter, allen gerecht zu werden, doch es entstand nie eine innige Familienbande, wie ich es in unserer Familie gewohnt war. Es fehlte einfach die Nestwärme.
Die Entscheidung, die Mühlematt für eine Ersatzliegenschaft zu tauschen, war unumgänglich. In Fenkrieden durften wir 21 Hektaren Land und Wald unser Eigen nennen. Weniger erfreulich waren die alten Gebäude. Dem Schwiegervater war das Land wichtig und nicht die Gebäude. Das grosse Wohnhaus erlebte kaum jemals eine Erneuerung. Die Gebäude kann man renovieren, sagte der Schwiegervater, aber von seiner Unterstützung war nie die Rede. Die Liegenschaft war vorher verpachtet, an eine Familie mit 10 Kindern. Für den Ackerbau wurde im Herbst vorher kein Getreide mehr angesäet, deshalb gab es viel zu Heuen. Einen Angestellten leisten im ersten Jahr, lag nicht in unserem Budget. Wir liessen uns nicht entmutigen, denn wir waren uns gewohnt viel und streng zu Arbeiten. Viel Zeit verbrachten wir nicht im Hause, da wir miteinander die täglichen Arbeiten auf dem Hof verrichteten. Von einer 45 Stundenwoche waren wir weit entfernt und von Ferien konnte man nur träumen. Für den dringend nötigsten Umbau der Stube und des Schlafzimmers lieh uns meine älteste Schwester ein Darlehen. So restaurierten wir nach und nach, an Haus und Scheune. Eine totale Sanierung der "Villa Durchzug" hätte uns ruiniert.
Mit Geranien an den Fenstern und mit dem Garten, bepflanzt mit Gemüse und Blumen, sah das Haus ganz passabel aus
Ausbildung der Lehrtöchter
Die Mädchen kamen direkt nach dem Schulabschluss ins Lehrjahr. In einem Jahr lernten sie den bäuerlichen Alltag,
was ihnen sehr wertvoll diente bei der Berufswahl. Mit viel Freude und Liebe umsorgten sie unsere Kinder. Wenn im Stall meine Mithilfe gefragt war, so waren die Kleinen immer liebevoll betreut. Es gab kaum eine Arbeit, die sie lieber machten, als die Kinder hüten.

Kari und ich pflegten die gleichen Interessen, das Volkstümliche und das Schweizer Brauchtum. In der Trachtentanzgruppe Baar erlebten wir viel Abwechslung und unvergessliche Stunden. Bei den Auslandauftritten mussten wir uns absprechen, je nach Arbeit, wer mitgehen kann. Leider war es nicht möglich, dass Beide gleichzeitig dabei sein konnten. Die jeweiligen Auslandauftritte sorgten für doppelte Energie im Alltag. Unvergesslich war für mich der die Reise nach Bremen. Wir durften am iternationalen Fest "Musik der Nationen" auftreten. Aus der ganzen Welt spielten hochrangige Musikkorps auf, in der riesengrossen Halle, vor 35tausend Besuchern. In der "Hochkunjuktur" der Schweizervolklore war die Trachtengruppe Baar sehr beliebt für Auslandauftritte, da sie ein ganzes Programm präsentieren konnten, mit Tanzen Fahnenschwingen, Jodeln, Oergelimusik und Bödelen. Die Auftritte hatten wir viel dem "Volklorepapst" Wiesel Gier zu verdanken.
Bei den Ausland -Auftritten mussten wir absprechen, wer mitgehen kann.Später durfte ich im Jodelduett mit der Baarer Tanzgruppe nach Neuseeland.
In Rotorua , Neuseeland, fand ein internationales Trachtenfest statt. Das war einmalig und sehr interessant. Bei den Einheimischen waren wir sehr gut aufgehoben. Alle durften privat übernachten. Die vermöglicheren Leute sind im Besitz eines Badehäuschen. Das heisse Wasser kommt direkt aus dem Hahnen. Die Kochstelle vor dem Haus ist ein Betonkasten im Boden. Auf das Gitter in der Truhe stellt man alle Töpfe mit den Esswaren, Deckel zu, Dampfhahnen auf und in kurzer Zeit ist das Essen fertig, wie bei uns ein Steamer. Dieechten Maoris stellen den Kochtopf in ein Erdloch.

In der Nähe befindet sich das Naturschutzgebiet. Mit einem Führer durften wir auf markierten Wegen, die man ja nicht verlassen durfte, das einzigartige Gebiet erkunden. Sehr imposant waren die kochenden Tümpel und der kleine See. Das war eine eindrückliche Wanderung.


Mein Beruf ist Bäuerin, in dem sehr viele Berufe enthalten sind. Ich liebe ihn sehr, da er so viel Abwechslung bietet. Er enthält nicht nur kochen, waschen, putzen, Kinder erziehen, nein es gibt unendlich viele andere sinnvolle Aufgaben. Viele Jahre war ich Ortsvertreterin der Landfrauen von Fenkrieden und viele Jahre wirkte ich im Frauenbundsvorstand Dietwil mit.
1996 gründeten einige Bäuerinnen die "Oberfreiämter Buurechuchi"
Wir schätzten die kinderliebenden Lehrtöchter. Nur zu gerne spielten sie "Bebisitter". 1975 kam Lukas gesund auf die Welt. Nach einer Woche stellte sich heraus, dass der vermeintliche Säuglingsausschlag auf den Wangen, später zu einer Herausforderung für die Ärzte wurde. Mit 3 Monaten fing seine Leidenszeit an und mit 7 Monaten war er für lange Zeit im Spital. Die ersten 3 Monate verbrachte Lukas im Kantonsspital in Zug, bis die Aerzte am Ende des "Latein" waren. Mit Blaulicht brachten sie ihn ins Kispi nach Zürich. Lukas wurde zu unserem Sorgenkind. Der Ausschlag nahm immer ein grösseres Ausmass an. Es bildeten sich überall Infektionen und sogar auf den Lungen. Das Spital wurde zu seiner zweiten Heimat. Ihm fehlten wichtige Abwehrstoffe, was die unzähligen Spitaleintritte erforderte. Als Einjähriger mussten wir mit dem Schlimmsten rechnen. Er hatte es überstanden, aber die Gesundheit blieb schwach.

Mit 2 Jahren mussten wir wieder mit dem Schlimmsten rechnen. Die Herz- und Lungenmaschine hielten ihn am Leben. Wie ein Wunder schaffte es Lukas ins Leben zurück. Der Krankheitsverlauf war ein Auf und Ab.
Unsere Familie wurde grösser, mit Priska 1977, Anita 1978 und mit Peter 1979

Ich möchte ein Brüderlein, ich möchte ein Schwesterlein, was gibt es wohl? Das Rätsel wurde im Oktober 1980 gelöst. Ein kräftiges Büblein, namens Thomas, wurde uns geschenkt. Die Kinderschwestern vom Spital Cham wählten gleich, den kleinen Thomas für einen speziellen Auftrag aus , von dem wir aber nichts ahnten. 3 Wochen vor Weihnachten wurde ich von der Station überrascht mit dem Wunsch, sie möchten Thomas als Christkindli für die Weihnachtsfeier im Spital "ausleihen". Es war war eine freudige Ueberraschung und eine Ehre, die wir sehr gerne erfüllten.

Die Krankheit von Lukas dauerte an , bis ein Medikament längere Wirkung zeigte. Die Hoffnung stieg. Von den Trainagen auf den Lungen bildete sich auf dem linken Flügel eine Vertiefung, in der sich ein Pilz ansammelte. Nach der 2. Sekundarklasse bedingte das wieder eine OP. Zuerst musste der Pilz eingekapselt werden, bevor sie operieren konnten. Das war für ihn eine happige Prozedur. Ganze 6 Monate dauerte der Spitalaufenthalt. Zusammengerechnet verbrachte Lukas 22 Monate in seinen 13 Jahren.
Jetzt kann er ein normales Leben führen, muss aber regelmässig 2 Medikamente einnehmen (Floxapen und Sporanox). Aus ihm ist ein belesener intelligenter Mann geworden. Als Heizungszeichner ist er sehr exakt und beliebt im Büro. Sein geliebtes Hobby, das "Töfffahren" kann er voll geniessen und die Welt erkunden. Bei gutem Wetter fährt er sogar mit dem Velo an die Arbeit. Die andern 5 Kinder sind gesund und stark. Dafür sind wir sehr dankbar.
1976 absolvierte mein Mann die bäuerliche Meister-Prüfung, das ihn zum Lehrmeister machte. Fortan bildete er Lehrlinge aus. Die Familie wuchs mit Lehrling und Lehrtochter auf 10 Personen an. Der grosse Stubentisch war somit mit Hungrigen stark belegt. Für die Lehrtöchter war es eine gute Erfahrung, in einem grossen Bauernhaushalt zu lernen. Im Garten und im "Pflanzplätz"gab es viel zu arbeiten , säen, pflanzen, jäten und hacken. Wir konnten den Sommer über immer frisches Gemüse aus dem Garten holen. Das Haltbarmachen der Früchte und Gemüse war nach der Lehre bei Allen sattelfest. Auch das Dörren von Obst und Suppengemüse, fanden sie eine geniale Arbeit. So lernten sie die Selbstversorgung auf dem Bauernhof.


Die Verantwortung der Lernenden lag in unseren Händen. So gehörten sie zur Familie und hatten auch Regeln zu befolgen. Wir sind katholisch und sprechen vor dem Essen ein kurzes Gebet, dann wird geschöpft, am Ende folgt ein Dankgebet und erst dann darf man vom Tisch gehen. Wer noch mag , bekommt ein Nachtisch und die Erwachsenen dazu noch einen Kaffee . Das Essen zubereiten braucht Zeit und Sorgfalt, deshalb verdient auch der Tisch seine Aufmerksamkeit. Ein Set unter dem Teller sieht schön aus und wirkt ruhiger. Die flachen Teller und Anrichte-Geschirr werden vorgewärmt, damit das Essen nicht so schnell erkaltet. Gibt es Salat, kommt er in Salattellerli, so bleiben auch keine Resten übrig, oder einige lernten vielleicht Salat essen!
Ausgang gab es für die Lernenden keinen während der Woche. Das gab nie Diskusionen. Wir wohnen ausserhalb des Dorfes und Discos gab es auch keine in Reichweite. Das war für uns ein Vorteil. Da war die Versuchung gebannt! Für die Freizeit zu Hause waren dann die ihre Eltern zuständig. Die meisten Lehrtöchter liebten es, mit den Kinder am Abend nach oben zu gehen, damit sie ein "Guetnacht-Gschichtli"zum Einschlafen erzählen durften. Das Ritual gehörte immer dazu. Das gute Verhältnis mit den Lehrtöchtern war für mich sehr wertvoll, so blieb mir etwas mehr Zeit, meine vielen Hobbys zu pflegen. Es war auch für die Kinder eine lehrreiche Erfahrung, den Angestellten gegenüber mit Respekt zu begegnen.
Ich war etliche Jahre Ortsvertreterin der Landfrauen Fenkrieden. Damals war das Interesse an Kursen noch gross. Unser alter Hausteil diente perfekt als Kurslokal. Wir waren sehr aktiv, zum Beispiel ; wunderschöne Strohsterne anfertigen, Glas ritzen, Körbe aus Peddigrohr flechten, Holz schnitzen, Brandmalen, Bauernmalerei und noch viele andere Sachen.

Für die Gemütlichkeit organisierte ich ab und zu ein Treffen im Restaurant, oder in den Schulferien mit den Kindern ein kleiner Ausflug. 

Freiwilligen -Arbeit war zu unserer Zeit selbstverständlich. So amtete ich etliche Jahre im Vorstand des Frauenbundes Dietwil. Man merkte erst später, wieviel Zeit dieses Amt in Anspruch nahm. Trotzallem war es eine lehrreiche Erfahrung für Geist und Gemüt, die ich schätzte.
Mit der Zeit änderten sich die Gepflogenheiten. Eine modernere Welt machte sich allmählich bemerkbar. Selbstgefertigte Sachen waren nicht mehr gefragt, somit nahm das Kurswesen eine andere Form an.
Nach 10 Jahren verliess ich die Trachtentanzgruppe in Baar und wechselte ins Heimatchörli Luzern. Nach dem Jodelkurs durfte ich gleich die zweite Jodelstimme singen. Das war für mich Freude pur.


Das war meine Welt. Mit 6 Kindern musste ich gut organisieren, damit niemand zu kurz kam. Jede Woche einmal Probe, ausser während den Schulferien, dazu Ständchen und Engagements bei anderen Klubs oder sonst Anfragen, das nahm viel Zeit in Anspruch. Ich schätzte sehr die Unterstützung von Kari, der glücklicherweise das Volkstümliche sehr mag. Auch er sang in einem Jodelklub. Das Singen und Jodeln baut Stress ab! Nach der Probe pflegten wir im Restaurant die Gemütlichkeit, die auch mal bis"elfi- nünzg" dauerte. Da war die Batterie am Morgen wieder voll geladen. Es ist sehr wertvoll, wenn Jedes sein Hobby pflegen darf.
Die Kinder wurden langsam grösser und waren schon eine echte Hilfe im Haus und Hof.
Da ich ihnen auch gerne das Kochen, Backen und Haushalten beibringen wollte, kam es mir gelegen, dass die älteste Tochter den Wunsch äusserte, keine Lehrtöchter mehr zu haben. Regula war schon 14 Jahre alt und liebte das Organisieren. Sie teilte jedem Geschwister ein Aemtli zu. Für mich gab es auch Stallarbeit, wenn der Lehrling Schule, Ferien oder frei hatte. So war es mir weiterhin möglich, meine Hobbys nicht zu vernachlässigen. Für die Kinder war die Mitarbeit in Haus und Hof eine Selbstverständlichkeit. Eine klare Erziehung hilft im späteren Berufsleben. Sie werden gefestigt im Durchhaltewillen.
Nach dem Haushaltlehrjahr absolvierte Regula das 5 jährige Semi als Hauswirtschafts-und Arbeitslehrerin. Später gründete sie mit Stefan eine Familie. Lukas wurde, wie schon erwähnt, Heizungsplaner. Priska erlernte den Beruf Koch und gleich nachher noch Bäcker-Konditor. Nach etlichen Weiterbildungen ist sie heute Managerin von einem Grossbetrieb. Anita wurde auch Bäcker-Konditorin. Sie gründete mit Seppi eine Familie und betreibt ein eigenes Nailstudio. Peter lernte Radio-TV-Elektroniker und ist jetzt Geschäftsführer. Thomas, der Jüngste absolvierte die landwirtschaftliche Schule mit Meisterprüfung und führt unser Bauernhof weiter.
1996 gründeten wir 5 Bäuerinnen und ein Bauer die Oberfreiämter Buurechuchi. Da das Freiamt zu wenig städtisch ist, überlegten wir, wie wir am besten unsere Produkte verkaufen können. Die Veredlung unserer Produkte, war die richtige Entscheidung. Wir brauchten einen Laden, in dem man arbeiten und verkaufen kann. Ohne Unterstützung von öffentlichem Geld, richteten wir in unserem alten, unbewohnten Hausteil einen "antiken" Laden ein. Ende September, im selben Jahr, wurde die neue Brücke über die Reuss, eingeweiht. Zu diesem Anlass organisierte die Sinser- und Hühnenberger- Gemeinde einen grossen Markt. Wir starteten mit einem Stand mit den verarbeiteten Produkten. Mit unserem Geschenksack , gefüllt mit selbst produzierten Köstlichkeiten, stiess auf grosses Interesse. Das Weihnachtsgeschäft buumte erfreulicherweise schon im ersten Jahr. Bald durften wir schon in die Landi Sins, Muri und Hünenberg unser Angebot liefern. Laufend interessierten sich junge Landfrauen als Produzentinnen. Die Produktenliste wurde vielfältiger und grösser. Wir gründeten einen Verein mit Statuten. Der Laden wurde langsam zu klein, und wir planten den Umbau unseres Hauses. Es ergab sich die Riesenchance auf einem Bauernhof, in ein Umgebautes Gebäude zu wechseln. In diesem tollen Laden ist das Geschenke herrichten und präsentieren der Produkte ein Glücksfall. Die Landfrau übernahm zugleich die Geschäftsführung.
Die Nachfolge unseres Bauernhofes war gesichert. Die Heirat von Thomas bedingte eine zweite Wohnung. Es ging ans planen, Umbau oder Neubau? Bei einem Neubau hätten wir die Grösse von unserem alten Haus nicht realisieren können. Auch der Vorgesetzte wünschte, dass es renoviert würde. Im Winter 2005 fing das grosse "Entrümpeln"an. Ab dem 1.3.2005 konnten wir glücklicherweise eine Wohnung im Dorf mieten, ca. 600M entfernt.
Das Haus wurde ausgehöhlt und das Dach mit riesigen Tannstämmen abgestützt. Ueber alle Kellerabteile wurde ein Beton-Boden gegossen. Die erste Etage war mit Holz fertig gebaut. Da geschah das Unfassbare. Am 19. August krachte es am Morgen um 6.00 Uhr. Das ganze Bauwerk war eingestürzt, somit war das Geschaffene komplett zerstört.

Ab dem Keller wurde nachher mit Backsteinen aufgebaut und nicht mehr mit Holz. Schon im Oktober konnten wir Aufrichte feiern. Nach dem Innenausbau durften wir im April 2006 in ein neues Haus einziehen. Es gab immer noch viel zu tun, bis wir richtig angekommen waren. Die Hausfassade musste noch geschindelt werden. Unser Thomas schaffte es in sechs Wochen, das Riesenhaus zu schindeln. Ab und zu half ihm noch ein Kollege in seiner Freizeit. Und so durften wir stolz sein auf das grosse Werk.
erstrahlte ein wunderschönes Haus in Gerenschwil.
2008 haben wir den Bauernhof übergeben. Nach 4 Jahren wurde nach und nach die Milchproduktion aufgegeben, damit die Arbeit weniger streng wurde. Das war ein enorm emotzionaler Einschnitt für meinen Mann. Zeitlebens hatte er morgens und abends Kühe gemolken. Er tat sich schwer, mit diesem Entscheid. Der Laufstall füllte sich nach und nach mit Ausmast-Kühen. Langsam gewöhnte er sich an diese ungewohnte Situation. Zur Abwechslung machte er den Melker, bei Bauern in Notsituationen. Mit der Zeit wurde es bald zu viel, da er ja zu Hause auch noch arbeitet. So reduzierte er die Aushilfen nach seinem Gutdünken.
Solange mein Mann auf dem Hof zum Rechten schaut, kann Thomas noch 80% auswärts arbeiten. Nebenbei betreibt er, mit viel Liebe und Engagement mit seiner Frau Irene, den Eventraum. Später richteten sie noch ein Gartenkaffee ein. Für viele Velofahrer und Wanderer ist es eine willkommene Pause. In der Selbstbedienung kann man sich mit Kaffee, kalten Getränken oder mit einem feinem " Buurehof "Glacé verwöhnen lassen. Bei schlechtem Wetter steht ein kleiner gemütlicher Raum zur Verfügung mit WC und Dusche. Auf dem grossen Parkplatz, unterhalb der Scheune, bieten sie noch 5 Standplätze für Wohnmobile an.
s
Was ist dir vom ersten Ehejahr in Erinnerung geblieben?

Unser neues, altes Daheim
Zu Hause angekommen, hatte uns gleich die Arbeit voll im Griff. Der "Heuet" ging los.
Ein spezielles Jahr war das für uns, wir zu Zweit in diesem grossen Haus. ganz alleine. Vorher bewirtschaftete eine Familie mit 10 Kindern den Bauernhof. Es war anfangs Mai, als endlich das gute Heuwetter begann. Es gab viel zum Heuen, da der vorherige Pächter kein Getreide mehr angesät hatte. Wir stellten gleich auf Kälbermast um und mästeten die Kälber mit der anfallender Milch. So waren wir mit Melken etwas flexibler in der Zeit. Die Milch in die Käserei fahren, blieb dann weg. Einen Angestellten lag nicht in unserem Budget. Von der 50 Stunden Woche waren wir weit entfernt und von Freimachen konnten wir nur träumen. Wir haben gar nichts vermisst. Beide waren gewohnt , streng und viel zu arbeiten. In der Trachtentanzgruppe Baar besuchten wir jeden Montag die Probe und sonstige Anlässe. Das sorgte für Abwechslung.
Das Haus war in einem sehr schlechtem Zustand. Esszimmer, Stube und das Schlafzimmer brauchten dringend eine Renovation. Meine älteste Schwester lieh uns ein Darlehen, damit wir das Nötigste sanieren konnten. Nach einem Jahr leisteten wir uns einen Angestellten. Wir lieferten die Milch in die Käserei. Von da an wurde ich bei der Arbeit recht entlastet.

Mit Geranien an den Fenstern und dem grossen Garten, bepflanzt mit Blumen und Gemüse, sah das alte Haus ganz passabel aus. Wann das Gebäude gebaut wurde, konnten wir nicht ausfindig machen. Beim sanieren eines Zimmers kam ein Zettel in einem Balken zum Vorschein. Das Datum stammte von 1826. Die Nachbar-Seniorin konnte aus der sehr alten deutschen Schrift entziffern, dass es um geliehene 300 Gulden handelte. Vermutlich wurde das Haus damals beidseitig um eine Zimmerbreite angebaut. Der zweite Dachstuhl überdeckte den ersten. Somit entstand ein Zweifamilienhaus! Sogar die Scheune war so gebaut, mit 2 Ställen, die durch ein 8 Meter breites Tenn getrennt waren.
Wie war eure Hochzeit?


Es war unser gemeinsamer Wunsch, eine grössere Familie zu haben. 1972 war ich das erste Mal schwanger. Wir freuten uns riesig. Leider erkannte oder wollte der Arzt meine Situation nicht erkennen. Trotz meiner unmöglichen Beschwerden, überall das Beissen am ganzen Körper nahm er nicht ernst. Seine Antwort war, das ist normal. Einige Tage vor dem Geburtstermin suchte ich den Arzt auf, der für die Geburt im Spital zuständig war. Er wurde schon ganz nervös, bevor er etwas kontrollierte, . Er erklärte mir, dass das Kind in diesem Stadion schwerst hirngeschädigt sei und er hoffe, dass es zu einer Totgeburt führt. Ich hatte eine Schwangerschaftsvergiftung im höchsten Grad. Eine Welt brach für mich zusammen. Mir kollerten die Tränen runter. Die Lage war sehr ernst. Beinahe hätte sich das Schicksal, wie bei Karis Mutter, wiederholt. Ich hätte sofort ins Spital eintreten sollen, aber ich war ja mit dem Auto zum Arzt gefahren. Zu Hause kochte ich noch das Mittagessen und dann erst ins Spital. Ich war mir gar nicht bewusst, was das für Folgen haben könnte. Bis 10 Stunden vor der Geburt spürte ich noch das Bébé, dann waren die Herztöne weg. Die Wehen setzten ein und es wurde eine sehr strenge Totgeburt. Diesem Arzt durfte ich das Leben verdanken. Nach ca.3 Wochen, Bangen und Hoffen, durfte ich endlich nach Hause. Die wunderschöne hergerichtete Wiege mit Vorhang musste leider wieder versorgt werden, da ich kein Bébé hinein legen konnte. Eine sehr schlimme Zeit, die ich keiner jungen Frau wünsche. Die strenge salz-und eiweisslose Diät raubte mir viel Kraft. Es war Januar und durch jede Ritz spürte man die kalte Bise. Zentralheizung gab es keine in diesem alten Haus. In der Küche war ein Kombiherd und im Gang ein grosser Ofen zum Einheizen. Von Hand gestrickte Pullover und ein Jäckli brauchte ich, um mich einigermassen warm zu halten.
Ich freute mich auf den Frühling, die Tage wurden länger und die Sonne wärmte auch meine Seele. Es ging mir langsam besser. Nach 6 Monaten durfte ich nach und nach zu normalem Essen übergehen. Milchprodukte und Fleisch erweiterten den Speiseplan. Mein Optimismus schaffte mir die Lebensenergie zu stärken. Die Freude am arbeiten kehrte wieder zurück.
Die Hoffnung auf weitere Kinder gaben wir nicht auf. Bald wurde ich zum zweitenmal schwanger. Fortan betreute mich, mit grösster Sorgfalt, der Arzt von Cham. Die Freude war unbeschreiblich, als ich Regula 1974 als gesundes Mädchen in den Armen halten durfte.
Vom Frühling 1974 bildete ich bäuerliche Haushaltlehrtöchter aus. Zu dieser Zeit war es eine Selbstverständlichkeit, dass die jungen Mädchen Familienanschluss hatten, den sie auch zu schätzen wussten. Sie gehörten 1 Jahr lang zu unserer Familie.
1.Lehrtochter,Margrit Keiser mit Regula

Die Büsi müssen auch etwas zum essen haben
Besuch unserer Rinder auf der Alp Rigi-First mit Regula
1975 erblickte Lukas das Licht der Welt. Unser Glück wurde bald getrübt. Was etliche Wochen als vermeintlichen Säuglings Ausschlag behandelt wurde, nahm kein Ende. Mit 7 Monaten wurde die Behandlung im damaligen Kantonsspital Zug fortgesetzt. Nach 3 Monaten, immer noch keine Besserung in Sicht. Notfallmässig brachte man Lukas ins Kinderspital nach Zürich. Am Kopf und Hals bildeten sich Eiterherde, sogar auf den Lungen. Er wurde auf die Intensivstation verlegt. Vom Arzt wurde ich auf die sehr schwache Gesundheit vorbereitet, es müsste ein Wunder geschehen, wenn er es schaffen würde. Nur Dank der Lungen-und Herzmaschine konnte Lukas überleben. Beidseitig legten sie kleine Schläuche, damit der Eiter von den Lungen abfliessen konnte. Sobald eine Besserung sichtbar wurde, durfte ich ihn nach Hause holen. Alle 6 Stunden, auch Nachts, musste ich ihm das flüssige Medikament eingeben. Kaum 2 Monate zu Hause, wieder im Spital. Es war der reinste Marathon Fenkrieden-Zürich-retour. Beim zweijährigen Lukas wiederholte sich das gleiche Schicksal, wie vor einem Jahr. Wir konnten nur noch hoffen. Dank der guten Betreuung der Aerzte und Pflegepersonal hat er es geschafft, aber die Gesundheit blieb schwach.

Lukas im Kispi Zürich
Da Lukas nicht alle Abwehstoffe hat, war es für die Aerzte schwierig, die wirksamsten Medikamente zu finden, da diese Krankheit sehr selten vorkommt. Ein weiterer Versuch bedingte eine direkte Blutentnahme an der Uni in Ulm DL. Meine Schwester Louise chauffierte uns, da ich die 6 Wochen alte Priska auch mitnehmen musste, da ich sie stillte. Alles ging flott über die Bühne.

Lukas kann bald nach Hause, für wie lange?
Die Krankheit von Lukas dauerte an, bis ein Medikament längere Wirkung zeigte. Die Hoffnung auf Genesung stieg. Langsam wurden die Abstände der Spitalaufenthalte länger. Mit sechs Jahren konnte er in Aettenschwil den Kindergarten besuchen. Bis dahin verbrachte Lukas, zusammen gerechnet, ein ganzes Jahr im Spital. Die liebevolle Betreuung wussten wir sehr zu schätzen. Schwester Beata liebte ihn besonders, da er ein fröhliches, geduldiges Büblein war. Schwester Beata war im Spital das zweite Mami für ihn.
Von den Trainagen der Lungen bildete sich auf dem linken Flügel eine Vertiefung, in der sich ein Pilz ansammelte. Nach der 2 Sekundarklasse bedingte das wieder eine OP. Zuerst musste der Pilz eigekapselt werden, bevor sie operieren konnten. Das war für Lukas eine happige Prozedur. Ganze 6 Monate wurde das Spital sein zu Hause. Zusammen gerechnet verbrachte er 22 Monate in seinen 13 Jahren.
Die Familie vergrösserte sich. 1978 erblickte Anita das Licht der Welt und 1979 Peter.

"Ech möcht es Schwöschterli, ech möcht es Brüederli", was gibt es wohl ?
Ein kräftiges, gesundes Büblein machte unsere Familie vollständig. Im Oktober 1980 ist Thomas geboren und wurde von den Krankenschwestern gleich als das Christkindli ausgewählt, von dem wir keine Ahnung hatten. Vor Weihnachten bekam ich einen Anruf vom Spital Cham, sie möchten Thomas als Christkindli ausleihen. Wir fühlten uns natürlich sehr geehrt für diese schöne Aufgabe.

Thomas als Christchindli
Damals war noch das Seniorenheim am Spital angebaut. Die vier Engelein chauffierten das Christkindli im Wägeli über alle Stationen und beschenkten die alten Leute mit einem Päckli. Freudentränen flossen ob dem lieblichen Lächeln des Christchindli. Bis sie im 3. Stock ankamen, hat das Christchindli friedlich geschlafen. Das war noch Weihnachten für diese Leute.

Familienfoto 1980
Die Kinder brachten Leben in die Familie. Bäuerliche Haushalt-Lehrtöchter waren leicht zu bekommen. Die meisten suchten eine Lehrstelle mit Kleinkinder. Mein Mann absolvierte die Meisterprüfung und konnte fortan auch Lehrlinge ausbilden. Somit bildeten wir einen Zehnpersonen-Haushalt. Meine Arbeit ging nie aus. Die Organisation war etwas vom Wichtigsten.
Die Kinder kamen Eins nach dem Andern in die Primarschule. Damals hatte Fenkrieden noch ein eigenes Schulhaus. Nach dem 5. Schuljahr konnten sie wählen; 4 Jahre Bezirk-, Sekundar- oder Realschule. Dazu brauchte Jedes ein Velo, da der Weg nach Sins 6 Km beträgt. Für mich war es wichtig, dass sie frühzeitig zum Morgenessen aufstanden. Eine grosse Tasse Ovomilch und ein feiner "Ankebock" (Butterbrot),oder hie und da eine Rösti, habe ich immer vorbereitet. Nach dem Morgenritual sind sie frohgelaunt zur Schule geradelt. Die Mittagszeit war meistens knapp. Da musste das Essen auf dem Tisch sein, wenn sie mit "Kohldampf "an den Tisch sassen. Nach der Schule wurden die Hausaufgaben gleich erledigt. Bei den Primarschülern konnte ich helfen und korrigieren, wenns nötig war. In den oberen Klassen war meine Hilfe nicht nötig, da ich eh nicht mehr folgen konnte.
Nach dem 2. Jahr Sekundarschule holte die Krankheit Lukas wieder ein. Eine schwierige Lungen-OP. stand bevor. Am 1. Ferientag musste ich ihn leider wieder ins Kispi nach Zürich bringen. Ganze 6 Monate wurde das Spital sein zu Hause. Weil die Lunge Probleme machte brachte es die Aerzte bald ans "Latein", denn die Lunge wollte einfach nicht verheilen. Am Silvester war ein kleines Wunder geschehen und ich durfte ihn gleich nach Hause mitnehmen. Von seinen 13 Jahren verbrachte er 22 Monate im Spital.
Weihnachten im Spital 1988
Nach Neu-Jahr besuchte er wieder die Schule in Sins, bis zum Abschluss. Einmal im Monat brauchte er zusätzlich noch eine Immunglobulin-Infusion zu den Medikamenten, für die ich ihn nach Zürich bringen musste. Dieser halbe Tag nutzte ich mit Häckeln, Stricken, oder wenn er Lust verspürte, mit Jassen. Auf dem Heimweg machten wir in Zürich-Wollishofen bei meinem Onkel eine Halt. Die Tante offerierte jedesmal ein kleiner Zmittag. Mit 18 Jahren absolvierte Lukas die Autoprüfung und konnte fortan selber fahren.
Aus ihm ist ein belesener, intelligenter Mann geworden. Als Heizungszeichner arbeitet er sehr exakt und ist beliebt im Büro. Sein Hobby "Töfffahren" kann er voll geniessen und die Welt erkunden. Medikamente einnehmen und Kontrollen im Spital sind aber unerlässlich.
Die Krankheit von Lukas forderte auch mich stark. Die andern 5 Kinder sind gesund. Das ist ein grosses Geschenk für das sind wir sehr dankbar.
1976 absolvierte mein Mann die bäuerliche Meister-Prüfung, die ihn zum Lehrmeister machte. Fortan bildete er Lehrlinge aus. Die Familie wuchs mit Lehrtochter und Lehrling auf 10 Personen an.
Ausbildung der Lehrtöchter
Für die Lehrtöchter war es eine gute Erfahrung, in einem grossen Bauernhaushalt zu lernen. Im Haus, Garten und "Pflanzplätz"gab es viel zu arbeiten, säen, pflanzen, jäten und hacken. Im Sommer konnten wir immer frisches Gemüse , Kräuter und Teesorten aus dem Garten ernten.

Lehrtochter Karin beim Gldmelissen pflücken
Eine der schönsten Arbeit, sie ist so beruhigend, duftet süss und die Bienen summen so friedlich und naschen Nektar. Das Haltbarmachen der Früchte und Gemüse war nach der Lehre sattelfest. Auch das Dörren von Obst, Suppengemüse und Teekräuter fanden sie genial. So lernten sie die Selbstversorgung auf dem Bauernhof.


Ferien oder grössere Reisen sind für uns Zwei eher selten, da mein Mann am liebsten zu Hause, im Stall auf dem Feld oder im Wald arbeitet. Ich schätze es sehr, dass ich die Freiheit habe, mit meinen 3 Kolleginnen etwas zu unternehmen. Zudem bin ich noch im Kirchenchor, Frauenbund und bei den Landfrauen aktiv. Da gibst es auch noch Ausflüge oder sonstige Aktivitäten.
Unvergesslich bleibt die Agrarreise nach Kanada und Norwegen. Die endlosen, bis an den Horizont reichenden Getreidefelder, die riesigen Silos und übergrossen Maschinen auf den Farmen in Kanada, sind bei uns unvorstellbar.

Die Silos fassen 1200-3000 Tonnen Futtermittel

Rindermastbetrieb mit bis zu 30 000 Tieren unter freiem Himmel, in glühender Sonne oder eisiger Kälte. Das Gesetz vom Tierschutz kennen sie wohl kaum!




Die Chefin im Haus, Hilda Gross 77 Jahre, zeigt uns mit Stolz die moderne Metzgerei mit Kühlzellen.

Unser kanadischer Buschauffeur ist zugleich ein Experte im Gold waschen. Einige fischten sogar ganz kleine Goldblättli aus dem Sand. Die Männer waren sehr begeistert beim "Sändelen".
Und tschüss! Das wollte ich mir nicht zutrauen. Zu Dritt blieben wir an Land und genossen das schöne Wetter in einem Gartenbeizli. Die Wale wollten sich aber nicht zeigen! Den Plausch hatten sie trotzdem bei dieser rasanten Zodiacfahrt.
Wir besuchten auch ein privates Indianer-Reservat, das tausende von Leuten aus aller Welt besucht wird.
Ein echter Indianer

DIE SONNE SCHEINT, DAS GRAS WÄCHST, DAS WASSER, FLIESST,
DIE WELT IST IN ORDNUNG
Indianer Sprichwort
Der Eindruck von Kanada bleibt unvergesslich. Ein Land, mit so viel unterschiedlichen Landschaften und Sehenswürdigkeiten, hätte ich mir nicht vorstellen können. Dank unserem exzellenten Reiseführer, Herbert Tillie, erlebten wir sehr viel Interessantes der verschiedenen Ausflüge.
Nach zwei Jahren buchten wir noch die Agrar-Reise nach Norwegen. Das war ein rechter Unterschied zu Kanada, aber auch sehr interessant. Einblick bekamen wir von einer Gärtnerei, die Grasziegel für Dächer produziert. Mit denen isolieren sie die Häuser. Ferner besuchten wir das nördlichist- gelegene Treibhaus für Tomaten, mit künstlichen Licht ausgestattet. Wahrscheinlich ist der Strom sehr günstig !

Das Leben in unserer schönen, kleinen Schweiz, mit saftig grünen Weiden und den schneeweissen Bergen, würde ich doch nie tauschen. Wir schätzen unser schönes zu Hause. Mein Mann liebt es, im Stall, auf dem Feld und im Wald zu arbeiten oder mit dem Velo die nähere Umgebung zu erkunden. Dafür habe ich die Freiheit mit meinen 3 Kolleginnen kleinere Wünsche zu erfüllen . Jedes Jahr besuchen wir zu Viert einen Weihnachtsmarkt oder sonst einen 3 Tages Urlaub. Das reicht, den Alltag einmal zu vergessen. Auch spontane Vorschläge geniessen wir sehr. Das Jahr hindurch feiern wir auch unsere Geburtstage. In einem Restaurant lassen wir uns mit einem feinen Essen verwöhnen. Langeweile kennen wir nicht. Nebst dem Haushalt pflege ich sehr gerne den Gemüse-und Wohngarten. Dazu gehören selbstverständlich auch Blumen. ohne diese wäre mein Leben farblos. Was gibt es Schöneres, als an lauen Sommerabenden oder am Sonntagnachmittag im Garten, zu relaxen. Den Duft der Blumen einatmen, lesen, Kreuzworträtsel lösen oder zu Zweit jassen. Untermalt vom leisen Konzert der Vögel, das ist eine wohltuende Energiequelle.

Da gibt es zum Glück noch Andere, die in der Freizeit ihr Sackgeld mit Arbeit verdienen. Das finde ich eine gute Idee, die sind privilegiert für ihr Berufsleben . Sie geben es überlegter aus, als wenn die Eltern bei jeder Gelegenheit den "Geldhahnen" offen halten. Man kann nicht sagen, die Jungen haben es heute besser, als wir es in unserer Zeit erlebt haben. Die enorme Flut von Angeboten und der Technik würde uns ja total überfordern, was jetzt schon zum Teil der Fall ist! Wir kannten nur Handarbeit, was heute mit der Technik erledigt wird und die braucht Leute mit"Köpfchen".

Schreiben macht auf jeden Fall Spass und ist empfehlenswert. Gerne schreibe ich, für Geburtstage, Einladungen, Gratulationen oder Reiseberichte den Text in Versform. Und so beendige ich meine Lebensgeschichte auch mit einem Versli.
Lang heds duuret, bes ändli die Biographie esch gebore,
zwöschetie hani de Muet bald verlore.
Ha öppedie e falschi Taschte dröckt,
ond de Text esch witerabe grötscht.
Hani zwe Fotene welle näbenand platziere,
tuet die zwöiti die erscht weder useboxiere.
mech hed's donkt, es seig alles so kompliziert,
ech be halt för die Technik ned grad prädestiniert.
Ech hole e guete Rot bim Herr Bohli am Telefon,
ond erkläre ehm mini heikli Situation.
Aer seid; es eifachs Programm hemmer gschtaltet, wo för Alli passt,
mi Computer-Afängerkors esch leider scho rächt verblasst.
Ech gebe ned uuf , es hed sech glohnt,
metere fertig verfasste Biographie beni jetz belohnt.





