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Weil ich am 25. Juli (Jakobitag 1945) zur Welt kam heisse ich Jakob, wie mein Vater und Grossvater obwohl die Familie eigentlich geplant hatte mit dieser Tradition zu brechen.
Diese Familie bestand aus Grossvater (Jakob), Tante (Trudi), Schwester meines Vaters, Grossmütter (Anna, Mutter meines Vaters und Sophie, Mutter meiner Mutter), Mutter (Elsa) und Vater (Jakob) und bewohnte ein grosses Bauernhaus für zwei Familien.
Natürlich zeigte diese Familie grosses Interesse am neuen Stammhalter und so war wohl immer jemand bereit, sich um mein Wohlergehen zu kümmern und mir Gesellschaft zu leisten.

Ein junger Eisenhut namens Uli ist jedoch nach Wald AR gezogen und hat sich dort einbürgern lassen.
Ihm wurde 1639 Sohn Hans geboren. Der bekam 1663 einen Sohn Lorenz.
Lorenz wiederum bekam 1717 einen Sohn den er auch Lorenz nannte.
Dieser bekam 1746 einen Sohn namens Hans Georg.
Ihm wurde im 1825 ein weiterer Lorenz geboren.
Der nächste Sohn in Linie war 1846 Meinrad, wohnhaft in Heiden.
Er hatte 1873 einen Sohn Jakob, der heiratete Anna Sturzenegger in Reute.
Drei Kinder wurden geboren, nämlich 1910 Anna, 1914 Gertrud und 1917 Jakob.
Dieser Jakob ist mein Vater, heiratete Elsa Kuhn in Reute und sie bekamen die Kinder Jakob 1945 (das bin ich), 1948 Ruth und 1949 Elsbeth.
Ich heiratete Adelheid Keller von Wädenswil in Reute.
Wir haben zwei Söhne, 1973 Rolf Jakob und 1974 Urs Ernst, die beide in Singapore zur Welt kamen.

Ich war in einem Laufgatter unter dem Kirschbaum 'eingesperrt' und von jemandem der Familie bewacht.
Nach drei beziehungsweise vier Jahren wurde unsere Familie um zwei Schwestern erweitert.
Ab dann glaube ich, wurde mir auch eines der vielen Zimmer als meine eigenes zugewiesen. Es befand sich im ersten Stock nahe der Treppe nach unten zu Küche und Stube und auch nahe zum Durchgang zur andern Wohnung der Grosseltern und Tante.
Jede Wohnung hatte Eingang, Küche, Stube, Schlafräume, man konnte über einen Durchgang im ersten Stock von einer zur anderen Wohnung wechseln.
Angebaut an 'unserer' Wohnung war ein Kuhstall mit separatem Schweinestall.
Über diese wurde während den Sommermonaten ein grosser Heustock angelegt.
Ich glaube, dass die Kindheit von mir und meinen Schwestern sehr harmonisch verlief obschon zu der Zeit weder Krippe, Hort noch Kindergarten ein Thema waren.
Wir wurden von Mutter, Grosseltern und Tante umsorgt, natürlich auch vom Vater wenn er zwischen den Aufgaben der Landwirtschaft Pausen einlegen konnte oder sonst die Zeit dazu fand.
Als ich schon etwas grösser war erinnere ich mich, dass ich mit dem Grossvater ins etwa 300m nahe Dorf zum einkaufen spazieren durfte. Dabei kamen wir an einem Weiher mit Löschwasser für die Feuerwehr vorbei und an einer Bank vor dem Friedhof. Da sass ich dann mit dem Grossvater bestaunte die Aussicht über das Rheintal nach Vorarlberg und hörte gerne seinen Erzählungen zu.
Wie erwähnt hatte Reute zu der Zeit keinen Kindergarten. Die Gemeinde setzt sich aus drei Bezirken (Reute/Mohren/Schachen) zusammen. Jeder Bezirk hatte je ein Schulhaus, Schachen/Mohren für die Primarklassen 1-4 und 7-8 und Reute für die sogenannte Ganztagsschule 5 und 6 Klasse. Mein Schulweg führte mich nach Mohren, knappe 4 km Spazierweg hin und zurück.
Im Winter konnte es schon passieren, dass zu viel Schnee lag, oder die Strasse noch nicht geräumt war und wir es nicht bis zur Schule schafften sondern auf halbem Weg wieder umkehren und zurück nach Hause gehen mussten.
Sonst habe ich aber nur schöne Erinnerungen an den Schulweg der ersten 4 Klassen.
Eine Mutter fand einmal, dass es ihrem Mädchen nicht zuzumuten sei diesen langen Weg zur Schule gehen zu müssen, worauf ihr Mädchen angeblich antwortete: "Mutter, wenn du wüstest wie schön dieser Schulweg ist würdest du jeden Tag mit mir gehen".
Ausser Telefon und Radio (für Nachrichten und Wetterprognose) gab es keine Medien im Haus, bis zum ersten Kontakt mit Fernsehen vergingen noch einige Jahre. Dazu mussten wir schon mit dem ersten Velo in die Nachbargemeinde Eschenmoos ins Restaurant Schäfli fahren, dort konnten wir am Fernseher z. B. ein Fussballspiel sehen.
Meine Eltern waren Protestanten, Sonn-/und Feiertage, auch Geburtstage wurden jeweils gefeiert. Oft kam dann auch meine Gotte (Schwester der Mutter) zu Besuch und manchmal auch mein Götti (Ehemann von Vaters älterer Schwester) mit der ganzen Familie (eine Cousine/zwei Cousins) dazu. Gerne spielten wir zusammen in Haus und Hof, auch kurze Spaziergänge in den nahen Wald oder zu einer zweiten Scheune wenn unsere Tiere gerade dort angebunden waren.


Meine Mutter war eine sehr liebenswürdige, intelligente Frau die sich auf Grund der Arbeiten zu Hause ihren Wunsch nach Studieren nicht erfüllen konnte.
Sie liebte Musik, spielte Harmonium und war Sängerin im gemischten Dorf Chor und las auch gerne ein gutes Buch wenn etwas Zeit dafür übrig war.
Natürlich war sie anfänglich auch keine Bäuerin, hat aber doch meinen Vater bei der Landwirtschaft nach besten Kräften unterstützt, besonders auch wenn mein Vater als Unteroffizier (Trainsoldat) Militärdienst leisten musste und eine Hilfskraft (Knecht) in der Landwirtschaft aushelfen musste.

Mein Vater war vielseitig interessiert, im Männerchor, in der Dorfpolitik als Gemeinderat, als Gemeindebaumeister, Polizeiverwalter, als Immobilienschätzer usw.
Auch ihn habe ich als sehr liebenswürdige Person und Vater in Erinnerung. Er war sehr begabt im Umgang mit Tieren. (er konnte sozusagen mit ihnen sprechen)
Im Winter war er auch mit dem Förster in einer 'Holzer Gruppe' tätig.
Natürlich lernte er uns den Wintersport, das schlitteln und das Skifahren.
Seine Aufgaben in der Politik führten schon früh dazu, dass wir Kinder die Mutter unterstützen mussten anstelle mit den andern Dorfkinder den Pausenplatz unsicher zu machen.
Mit dem älter werden (und meinen Wünschen nicht Landwirt zu werden sondern eine Berufslehre zu absolvieren) entstanden dann Meinungsverschiedenheiten und kleine Reibereien.
Trotzdem konnte ich den Vater überzeugen vom sägen mit der Handsäge abzukommen und eine Motorsäge (wie beim Förster) zu kaufen.
Weiter gelang es mir, (zusammen mit der ganzen Familie) dass Vater die Anschaffung eines Einachsers (Rapid 606) in Erwägung zog (und durchführte) damit wir selber eine Mähmaschine verfügbar hatten (und nicht mehr vom Nachbar abhängig waren) und mit dem montierten Zapfwellen Anhänger auch das Heu (das bis anhin zu Burden gebunden auf dem Kopf heimgetragen wurde) einbringen konnten. Selbstverständlich war auch ein mobiles Heugebläse erforderlich das jeweils von Scheune zu Scheune verschoben werden konnte.
Nachdem diese Investitionen vorgenommen und die Ergebnisse bekannt waren war auch mein Vater glücklich darüber.

Ich glaube, dass meine Eltern ein gutes Ehepaar bildeten, sich liebten und gegenseitig schätzten obwohl die stete Anwesenheit der Grossmutter (Mutters Mutter) und auch die Nähe (nebenan) von Vaters Eltern und Schwester nicht immer eitel Freude bereiteten. Sie waren aber immer für uns Kinder da und haben etwas mit uns unternommen, wenn das die Aufgaben der Landwirtschaft zuliessen.
Das Familienleben war aber ohne Zweifel geprägt von der Anzahl Personen die im selben Hause wohnten.
Strafen kannten wir eigentlich nicht, wir wurden meistens überzeugt, dass etwas richtig oder falsch war oder auch nötig beziehungsweise unnötig.
Taschengeld war kein Theme solange wir die Primarklassen 1-6 in der Gemeinde besuchten, für die Sekundarschule hingegen, die wir entweder in den Nachbargemeinden Berneck oder Oberegg besuchten bekamen wir schon Taschengeld damit wir uns ein Znüni Brötchen kaufen konnten.
Politik beschränkte sich auf Dorfpolitik und da war ja unser Vater oft mittendrin.
Erinnerungstücke sind Gebrauchsgegenstände Tisch/Stuhl/Bett und natürlich seit ca. 30 Jahren nun das Elternhaus das wir bewohnen und worauf ich später zurückkommen werde.
Als Lebensweisheit habe ich wohl von meinen Eltern mitbekommen, dass es sich nicht lohnt habe Sachen zu machen, wenn schon, dann so gut wie möglich.
Mein Vater war Landwirt mit Leib und Seele, hat sich sehr bemüht für mich als Nachfolger gute Voraussetzungen zu schaffen. Ich konnte seinen Wunsch jedoch nicht erfüllen.
Sexualität oder Erotik glaube ich war weder sichtbar noch Thema in meine Jugend.
Beide Eltern sind seit Jahren nicht mehr unter uns, meine Frau Heidi hat mir bei der Grabpflege der Eltern und Vaters Schwester geholfen solange bis die Gräber vor Jahren geräumt wurden.


Er war Landwirt auf einer kleinen Landwirtschaft und Postkutschenfahrer.
Bei einer günstigen Gelegenheit konnte er ein grösseres Anwesen kaufen, das er später meinem Vater zur Bewirtschaftung übergab. (mein Geburtshaus)

Sie konnte die Zither spielen. (und wohl auch singen dazu)
Sie war Hausfrau und hat ihren Teil an der Aufsicht für mich und meine Schwestern übernommen.


Als sich meine Mutter entschied Bäuerin zu werden zog sie auch ins Appenzellerland, wohl um meiner Mutter bei der Aufsicht von mir und meinen Schwestern behilflich zu sein.
Ich glaube auch einmal gehört zu haben, dass sie meinen Vater finanziell unterstützen konnte als die alte Scheune erneuert werden musste. (das gab ihr wohl auch ein gewisses Mitbestimmungsrecht)
Je älter ich wurde desto weniger mochte ich die dominante Art meiner Grossmutter.
An ihr Ableben erinnere ich mich nur vage, weil ich mit meiner Frau bereits nach Singapore gezogen war.


Natürlich gab es die gängigen Kinderkrankheiten oder mein Vater verletzte sich bei der Waldarbeit oder es gab die eine oder andere Zerrung beim Skifahren oder Turnen.
Auch beim lernen die Sense mit dem Stein zu schärfen ist der eine oder andere Schnitt am Daumen entstanden.
Als ich etwas älter und ausgelernt war habe ich auch mit meinem Kleinmotorrad "Florett" einen leichten Unfall verursacht, bei welchem ich Schürfungen am Kopf und am linken Unterarm sowie einen Bruch am kleinen linken Finger erlitten habe.

Nach dem ableben der Eltern meines Vaters sind wir von meinem Geburtshaus (etwas am Dorfrand) in ein anderes schönes grosses Bauernhaus (mit 7 Zimmern) im Dorfzentrum umgezogen. Auch das Nebenhaus konnte mein Vater kaufen und die darin befindliche Wohnung seiner Schwester (Damenschneiderin) vermieten.
Neben dem schönen Haus war sicher auch die dazugehörende Landwirtschaft für meine Vater ein Grund zum kaufen.
Die sanitäre Installation im neuen Haus war insofern besser, als es eine Waschküche gab mit Badewanne und einem grossen Wasserkocher mit Rauchabzug im Kamin.
Das WC war wie früher ein Plumpsklo, eine Dusche gab es nicht.
Obwohl die Küche einen Elektroherd hatte wurde im Winder oft auch am Holzherd oder im Kachelofen gekocht oder zumindest gekochte Speisen aufgewärmt.
Nach wie vor waren Telefon und Radio die einzigen Medien.
Mit den Knaben der direkten Nachbarn hatte ich ein sehr freundschaftliches Verhältnis, wir haben zusammen gespielt, zu Schule gegangen, in der Jugendriege geturnt und natürlich Wintersport betrieben.

Im Haus befand sich ein grosses Schulzimmer für die 1-4 und 7-8 Klasse und darüber die Wohnung der Lehrerfamilie.
Ich glaube, ich habe unseren Lehrer Herrn Calörtscher gemocht, weil ich mich nicht erinnere, jemals nicht in die Schule gehen zu wollen.

Oder auch die seltene Mitfahrt im Seitenwagen vom Motorrad, wenn der Bäcker seine Kundenbesuche abgeschlossen und uns Kinder eine Fahrgelegenheit angeboten hatte.
An Schulreise oder Ferienlager habe ich keine Erinnerung, Hausaufgaben hatten wir wenig und wenn hat mir meine Mutter sicher dabei geholfen sofern das nötig war.

Vor und neben dem Schulhaus befand sich ein grosser Spielplatz mit Weitsprunganlage und Kletterstangen. Hinter dem Haus stand ein Reck in einer Kiesgrube.
Über die ganze Breite vom Haus war eine Bank montiert die besonders in der Pause rege benutzt wurde. (Znüni)
Die wichtigen Erinnerungen an die 5.und 6. Klasse waren:
- wer ist der Schnellste an der Kletterstange
- wer kann am weitesten springen
- wer macht die schönste Bauchrolle am Reck
- wer trifft beim Sitzball seine Mitspieler sicher
- wer kennt die Fragen der Prüfungsaufgaben der vergangenen paar Jahre am besten
1.) für die Sekundarschule Mittelrheintal (Kanton St. Gallen)
2.) für die Sekundarschule Heiden (Kanton App. AR) oder
3.) für die Sekundarschule Oberegg (Kanton App. IR)
Schon damals gab es Lehrermangel und so wurden wir von einem Aushilfslehrer Herr Grüninger unterrichtet, ein in Ungnade verfallener Polizeikommandant von St. Gallen, der im Krieg ohne Bewilligung Flüchtlingen beim Grenzübertritt behilflich gewesen war.
Herr Grüninger wurde inzwischen rehabilitiert, die Grenzstrasse zwischen Diepoldsau und Hohenems trägt heute sogar seinen Namen.
Meine Lieblingsfächer waren Turnen, Rechnen und Lesen.
Meine Freizeit verbrachte ich hauptsächlich zu Hause bei Mithilfe in der Landwirtschaft, Gras oder Heu einbringen, Stall reinigen usw.
Das hat dann auch dazu geführt, dass ich nicht mehr Landwirt werden wollte und das meinen Eltern auch langsam aber sicher mitgeteilt habe.

Die Eintrittsprüfung Sekundarschule Mittelrheintal Berneck/Heerbrugg habe ich problemlos bestanden was meinem besten Freund und Schulkamerad in der Primarklasse leider nicht gelang.
Berneck liegt etwa 4.6 km entfernt von Reute im Rheintal, Heerbrugg ist etwa 6.3 km weit weg. Zur und von der Schule gelangten wir hauptsächlich mit dem Fahrrad, bei einer Freistunde vor oder nach dem Mittag sind wir meist 2x pro Tag hinunter und hinauf gefahren/gegangen. Da Berneck auf 404 m ü. M. und Reute auf ca. 720 m ü. M. liegt war jeweils ein Höhenunterschied von etwas über 310 m zu überwinden.
Sek. Berneck war für mich die einzige Wahl, es gab in der Umgebung kein Gymnasium und die Sekundarschule war die erste Abweichung von Vaters Plan mich in die Landwirtschaftsschule zu schicken.
Der Schulweg war auf Grund von Distanz und Höhendifferenz natürlich recht anstrengend, oft versuchten wir trotz unterschiedlichen Stundenplänen gemeinsam mit einem Schüler vom Vorjahr oder einer Nebenklasse den Weg zusammen zu gehen.
Ich glaube, dass die Disziplin an der Schule gut bis sehr gut war, Mobbing, Gangs oder so etwas sind mir nicht bekannt. Meine Leistungen waren meist etwas über dem Durchschnitt, durfte ich doch meistens in der hinteren Hälfte vom Klassenzimmer sitzen. (schwach gleich vorne, stark gleich hinten)
Vater hatte nun gehofft, dass ich nach zwei Sekundarjahren austreten und in der Landwirtschaftsschule weitermachen würde, ich jedoch habe Mutter und Vater auf dem letzten Zacken überzeugen können, dass ich auch das dritte Sekundarjahr absolvieren möchte.
Ein Gespräch meiner Eltern mit dem Schuleiter bestätigte meine gute Leistung und so konnte ich trotz vorheriger Austrittsmeldung wieder die dritte Klasse besuchen.
Nach wie vor war meine "Freizeit" geprägt vom helfen zu Hause.
Gegen Ende dieser dritten Klasse gelang es mir meine Eltern zu überzeugen, dass ich nicht Landwirt werden wollte und anstelle in eine Lehre eintreten wollte.

Auch bei den Jungschützen machte ich keine schlechte Figur.
Weil Mutter Musik liebte war das lernen der Blockflöte Pflichtprogramm für uns Kinder.
An Kinobesuch kann ich mich nicht erinnern, Computer/Internet waren ja auch noch kein Thema.
Politisch habe ich mich bis zum heutigen Tag kaum aktiv gezeigt, weil Vaters Abwesenheit von zu Hause auf Grund seiner Ämter-Aufgaben eine negative Erinnerung hinterlassen hat.
Durch die Velofahrten auf dem Schulweg waren Körper und Beine so stark, dass wir sonntags kleinere oder grössere Velofahren unternahmen. Dabei kamen wir auf die Idee eine Velotour für die Ferien zu planen. Die Eltern meiner beiden Nachbarfreunde halfen mit bei Routenplanung und Jugendherberge-Reservation. Die Touretappen waren:
1.Tag bis Sedrun am Oberalp,
2. Tag über Oberalp-Furka ins Wallis und hinauf nach Zermatt,
3. Tag Ruhetag, den nutzten wir aber zu einer Bergtour auf den Gornergrat obwohl das Wetter nicht optimal war und ich mich an Schneeflocken erinnere,
4. Tag hinunter nach Martiny,
5. Tag nach Luzern und am
6. Tag wollten wir wieder zu Hause sein zur Feier vom ersten August.
Leider gerieten wir in Luzern in einen Sturm, so dass wir von den Rädern steigen und Schutz suchten mussten. Der Wind bliess so stark, dass die Velos umfielen und Regenwasser die Ersatzkleider in unseren Satteltaschen durchnässte. In der Jugendherberge angekommen mussten wir die Ersatzkleidung anziehen zum Schlafen, damit wir am Morgen halbwegs trockene Sachen zur Weiterfahrt hätten. Einer von uns dreien fühlte sich so unwohl, dass er nicht weiterfahren konnte. Wir legten das ganze Geld zusammen und kauften ein Bahn-Billett Luzern-Heerbrugg und zwei Billette Luzern-Zürich. Mein bester Freund und ich wollten/mussten von Zürich nach Hause fahren. Diese Tour hinterliess eine bleibende Erinnerung.
Eine weitere Fahrt unternahm ich alleine von Reute nach Guarda im Unterengadin. Dort waren Vaters Rinder zur Sömmerung und ich sollte hinfahren um zu sehen, ob es ihnen gut gehe.
Ich hatte Glück, dass am Flüela-Pass gebaut wurde und ich mich ein gutes Stück an einem Lastwagen hinaufziehen lassen konnte. Vaters Bekannte, die Familie Bickel nahmen mich sehr freundlich auf. Nach meiner Wanderung ins Tuoital und der Bestätigung, dass mit den Rindern alles zum Besten war, traf ich auf dem Rückweg auf die Fam. Bickel und half so gut ich konnte beim Heuen mit.
Auch diese Tour ist in guter Erinnerung geblieben.



Feste der Jugendriege oder Turnverein ermöglichten immer wieder Kontakte und Freundschaften zu pflegen.
Ein Kindermädchen (Nelly) im Nachbarhaus (Pfarrhaus) wurde dann meine Freundin und später meine erste grosse Liebe.

Mit meinem grossen Fernweh passte dies aber nicht zusammen, das Thema Nachwuchs löste sich durch eine Fehlgeburt in Luft auf und so beschlossen wir auch unsere Verlobung wieder aufzulösen obwohl ich gedanklich noch lange mit dieser Freundschaft (Liebe) beschäftigt war.

Ein ehemaliger Jugi Leiter zeigte uns im Urlaub Fotos vom Schiff auf dem er arbeitete und von fernen Häfen und Städten. Das hat so starkes Fernweh geweckt, dass wir uns heimlich bei der Basler Reederei beworben haben auf Schiffen zu arbeiten. Leider (vielleicht) wurde meine Bewerbung von meinen Eltern entdeckt, gerade als er seine Bewerbung abgeschickt hatte. Ich erhielt keine Zustimmung von meinen Eltern, er erhielt eine Anstellung als Matrose. Das hat unserer Freundschaft weiter geschmälert.

Ich bin also (einmal mehr auf dem letzten Zacken) zum Werkzeugmacher Lehrling geworden, habe nach wie vor zu Hause gewohnt, wurde mit einem Firma-VW-Bus zur Arbeit und wieder nach Hause gefahren.
Die Ausbildung, praktisch und Schule hat mir gut gefallen obwohl das stunden- bis tagelange Feilen oft etwas mühsam war und teilweise sogar zu Blasen an den Händen führte.
Aber alles besser als Landwirt.
Ich habe die Lehre (mit kleinem Verdienst) zu einem guten Abschluss gebracht und mir dadurch auch einen Anstellungsvertrag erhandelt, weiterhin in der Fa. WILD arbeiten zu können.
Als gelernter Werkzeugmacher verbesserten sich meine finanziellen Verhältnisse schlagartig und so gut, dass ich mir neben einer Abgabe zu Hause auch ein Kleinmotorad (Florett) leisten konnte und somit nicht mehr ausschliesslich auf den Transport durch den VW-Bus angewiesen war.

Zur Rekrutenschule wurde ich nach Herisau beordert, durch einen glücklichen Zufall hatte meine Freundin (Kindermädchen im Pfarrhaus) ihre Stelle gewechselt und war Serviertochter in der Kasernenkantine geworden.
Meine Ausbildung war körperlich anstrengend, so dass einige Kameraden bis über ihre mögliche Leistungsgrenze gefordert wurden und auf dem Weg von Herisau zum Breitfeld (St.Gallen) weder weiter tragen noch gehen konnten. Die Kräftigeren unter uns anerboten dann die Lasten dieser Kameraden aufzuteilen und mitzutragen.
Unser Offizier war damit nicht einverstanden und befahl uns die Lasten wieder zurückzugeben, denn die schwächeren Kameraden hätten sich zu ertüchtigen und zu lernen die Lasten selber tragen zu können.
Das beeinflusste meine Zielsetzung nach Weitermachen bis zum Offizier dermassen, dass ich ab sofort nicht gerade zum Querulanten wurde aber sicher nichts mehr freiwillig in Angriff nahm und meine Zielsetzung radikal umstellte. Ich wollte nicht Teil einer Organisation werden die gegenseitige Hilfestellung nicht tolerieren wollte. Dadurch musste ich hin und wieder anstelle von Ausgang im Materialdepot Reinigungsarbeiten übernehmen. Aber ihr wisst ja bereits, dass meine Freundin im selben Gebäude im Service tätig war.
Zum Armeegegner bin ich nicht geworden, aber ich war später froh, dass ich auf Grund vom Auslandaufenthalt meine Ausrüstung deponieren konnte.
Nach meinen Auslandjahren habe ich diese Ausrüstung dann wieder gefasst um einige WK's nachzuholen und etwas vom bezahlten Militärpflichtersatz zurück zu erhalten. Diese Wiederholungskurse habe ich in guter Erinnerung weil auch die Offiziere keine Aufstiegs-Ambitionen mehr hatten und es etwas gemütlicher angehen liessen.

Das hat sich aber mit der Möglichkeit eine Lehre anzutreten radikal geändert weil ich ab sofort Verantwortung für meine Zukunft übernehmen und dafür gute Arbeit und Leistung erbringen wollte.

Werkzeugmacher ist ein sehr interessanter, vielseitiger Beruf und ich war durchwegs zufrieden, dass ich fast zufällig diesen Beruf erlernen und darin arbeiten durfte.
Nach der Rekrutenschule wurden am WILD-Anschlagbrett Mitarbeiter gesucht, die sich einen Auslandaufenthalt in der Tochterfirma Farmingdale USA für etwa 2 Jahre vorstellen könnten.
Das war meine Chance von Reute weg zu kommen. Also meldete ich mich umgehend im Personalbüro als Kandidat an.
Zu Hause, besonders beim Vater kam natürlich keine Freude auf und Mutter hatte Bedenken, dass ich doch nicht ohne englisch Kenntnisse ausreisen könne.

Zu unserer Vorbereitung wurde eine kurze Ausbildung zusammengestellt, damit wir an den entsprechenden Maschinen in Heerbrugg nochmals gezielt üben konnten.
Vor dem Reisetermin musste unbedingt auch noch die Fahrprüfung bestanden werden, denn ohne Auto geht in Amerika gar nichts.

Laut Information in Heerbrugg waren in Farmingdale etliche Schweizer beschäftigt, als Produktionsleiter, Montageleiter und Instrumenten-Monteure und diese würden uns dann sicher helfen uns in den Staaten zurecht zu finden.
Zum Glück war John (ledig, Hilfsarbeiter) unter diesen.
John hat uns geholfen ein Doppelzimmer bei einer polnischen Auswanderfamilie zu finden, John hat uns geholfen ein Auto (6 Zylinder Rambler Kastenwagen) für beide zu finden und John hat uns den Weg gezeigt wie wir vom Zimmer zu einem 'Diner' und zur Firma finden können.
Wir haben in der Freizeit fern gesehen bis wir genügend verstanden haben damit wir Bowling spielen konnten und weiter zu einer Einwanderschule gehen konnten an welcher eine Lehrerin diverse Gegenstände aus einer Schachtel hochhielt und wir gemeinsam den Gegenstand benennen mussten. Hier gab es eine Reihe Klassen, wer Fortschritte gemacht hatte durfte die nächste Klasse besuchen usw.
Zwei junge Schweizer mit einem Auto und einem Doppelzimmer konnte auf die Dauer nicht gut gehen. Wir beschlossen uns zu trennen, ich kaufte seinen Autoanteil, er ein anderes Fahrzeug und beide wohnten fortan in verschiedenen Unterkünften. Ich fand ein schönes Parterrezimmer mit grossem Spielzimmer mit selbstspielendem Klavier (ab Rolle) und einem Billardtisch (8Ball) (tags für die Kinder der Familie Petersen und abends/nachts zu meiner Verfügung.)
Eine kleine Kochecke war mit dabei und so konnte ich erste Erfahrung mit Selbstversorgung sammeln.
Ich testete meine Kenntnisse beim Metzger und bestellte 100 gr. Wurst von der zweiten Wurst rechts, dünn geschnitten. Der Metzger antwortete mit "What"?
Ich wiederholte die Bestellung ausführlich und erhielt nochmals "What"? zur Antwort.
So zeigte ich mit den Fingern, dass ich etwa 5 cm dieser Wurst (zeigte mit dem Finger darauf) aufgeschnitten kaufen möchte. Diese Bestellung hat funktioniert und ich bin nicht weiter zur Schule gegangen weil nicht verstanden würde, was ich dort lernte und ich mit Handzeichen weiter komme als mit Schulenglisch.
John war der einzige Schweizer der uns anfänglich unterstützte, sogar in die Stadt zum Eishockeyspiel mitnahm und uns auch am Wochenende Sehenswürdigkeiten wie z.B. den Strand oder "National City Music Hall" und dergleichen zeigte.
Dann kam der Tag als ein Maschinist eine etwas anzügliche Frage stellte und total überrascht wurde von meiner etwas provokativen Antwort.
Es dauerte etwas, dann lud er mich spontan am Wochenende zu sich nach Hause zum Grillieren ein.
Nun bekam ich auch von Schweizer Monteuren Einladungen, die ich aber gerne ausschlug um meine Freizeit mit den Amerikanern zu verbringen.
Eine bleibende Erfahrung machte ich, als der Bediener der Rundschleifmaschine eine Arbeit ablehnte, weil sie nicht ausführbar sei. Als der Chef insistierte, dass er diese Arbeit erledigen müsse kündigte der "Schleifspezialist". Offenbar wusste der Chef, dass ich auch kurze Erfahrung mit dieser Maschine hatte und so bekam ich die Aufgabe die Arbeit zu erledigen. Es war wirklich eine sehr heikle Passarbeit bei welcher die Teile gefertigt und probeweise zusammen gepaart werden mussten. Während dieser Zeit kam der Schleifer oft zu uns zum "Znüni" und fragte ob ich die Arbeit erledigt hätte. Als das dann (endlich) der Fall war, hat er sich wieder als Schleifer beworben und wurde tatsächlich eingestellt.
Es dauerte eine gewisse Zeit bis mir klar wurde, dass das gut für alle Beteiligten war.
Der Schleifer hatte wieder Arbeit, die Firma hatte wieder einen Schleifer mit Erfahrung und ich konnte wieder für andere Aufgaben eingesetzt werden.
Während den zwei Jahren habe ich versucht auch ein wenig von Amerika kennen zu lernen. So bin ich zum Beispiel mit dem Greyhoundbus über das Wochenende nach Montreal zur Weltausstellung gefahren oder bin mit meinem Arbeitskollegen zum fischen gefahren. (obwohl ich nicht fischen kann)
Meiner ersten Amerika Freundin Sandy habe ich versucht, upstate New York in den Catskills und weiter nördlich in Vermont das Skifahren beizubringen oder mit Arbeitskollege Ardy habe ich an Autos gebastelt. (frisiert)
Die zwei Jahre vergingen wie im Fluge, waren offenbar erfolgreich für die Firma weil uns zwei neue junge Schweizer ablösten.
Ich beschloss die Heimreise als einer von ca. 2000 Passagieren der 'New Amsterdam' (Holland/Amerika/Line) zu erleben und wurde von meiner neuen Freundin Mary am Peer verabschiedet mit dem Versprechen, dass sie mich in der Schweiz besuchen werde.
Auf dem Schiff lernte ich eine Gruppe junger Menschen kennen mit welchen ich gerne Zeit mit "Shuffleboard", im Fitnessraum oder Pool und natürlich bei Unterhaltung und feiern verbrachte. Eine Schlechtwetterzone brachte das Schiff tüchtig ins wanken, in den Gängen wurden Seile gespannt und im Speisesaal waren mehr Kellner als Gäste anwesend. Den Zwischenstopp in Le Havre habe ich buchstäblich verschlafen und bei der Ankunft in Rotterdam war ich so müde, dass ich beschloss auf direktem Weg nach Hause zu meinen Eltern zu reisen um mich zu erholen.

In einem Gespräch mit Hrn. Simmen Direktor Fertigung und verantwortlich für meinen USA-Einsatz habe ich eine Umteilung gewünscht, weil gelernter Werkzeugmacher mit Auslanderfahrung und Schichtarbeit nicht zusammenpassen würden. Ohne Umteilung wollte ich mir eine andere Anstellung suchen.
Hr. Simmen hat sich verständnisvoll gezeigt, zu meinem Erstaunen aber gesagt, dass ich mir ruhig etwas anderes suchen, neue Erfahrung und neue Kenntnisse aneignen soll. Auch hat er mir gesagt, dass er mich eventuell anrufen und mir eine neue Anstellung in Aussicht stellen werde, wenn die Umstände dies erlauben würden.

Vorher ist jedoch meine USA-Freundin zum vereinbarten Besuch gekommen. Ich habe ihr die Ostschweiz mit Alpstein, das Vorarlberg und den Bodensee etc. gezeigt. Zum Jahreswechsel haben wir zusammen mit meiner Schwester eine Silvesterfeier besucht die aber irgendwie nicht sehr fröhlich verlief wegen Verständigung und Mentalitätsunterschied.
Früher als geplant waren wir denn vor Mitternacht bereits wieder zu Hause wo ich beschloss Freundin und Schwester sich selbst zu überlassen und alleine nochmals eine Feier zu suchen. Ein mir bereits gut bekanntes Restaurant war festlich beleuchtet und wurde von mir besucht. Die Gäste waren in bester Feierlaune und zur Musik aus der Jukebox wurde getanzt. Beim Song 'Oh happy day' erblickte ich eine wunderschöne junge Frau und bat sie zum tanzen mit mir. Wir haben uns gut verstanden und gegenseitig tief in die Augen gesehen.
Sie war die Schwester vom Wirt und hat mir erlaubt ihr nach dem Fest noch beim aufräumen zu helfen.
Es kam wie es kommen musste, meine USA-Freundin hat sich für den Aufenthalt in der Schweiz bedankt und ist wieder nach Hause gereist.
Ich habe mich nach Kräften um die junge Frau (Heidi) bemüht die mit mir am Neujahrmorgen 1970 zu 'Oh happy day' getanzt hat.
Wir haben uns über beide Ohren ineinander verliebt, haben uns bald verlobt und bereits am 15. August 1970 geheiratet.
Vorher haben wir auch neue Anstellungen gesucht und gefunden, Heidi in Zürich und ich bei der Fa. Rieter in Winterthur wo wir auch unsere erste kleine Wohnung eingerichtet haben. Im Werkzeugbau der Fa. Rieter habe ich richtigen Werkzeugbau mit Folgestationen Schnitt-, Biege- und Trennstation kennen, reparieren und bauen gelernt. Bald durfte ich auch beim Hersteller eine neue Funken Erodier Anlage kennenlernen und bei Rieter einführen/anwenden. Auch eine notwendig geworden Stempelhobelmaschine durfte ich beim Hersteller kennenlernen und zu Rieter überführen.
Mein Arbeitsalltag war hervorragend und mein Privatleben mit Heidi ausgezeichnet und unsere Wohnung füllte sich mehr und mehr mit den üblichen Möbelstücken.
Ich war mit Veloreinigung beschäftigt als mir meine Frau Heidi berichtete, dass ein Herr Simmen am Telefon nach mir fragen würde.
Der Herr Simmen, der meine Kündigung bei WILD akzeptierte und mich anrufen wollte wenn sich gewisse Situationen eingestellt hätten. Herr Simmen erzählte mir, dass WILD Heerbrugg AG plane in Singapore ein Tochterunternehmen aufzubauen, dass ich dabei event. helfen könnte und er mich gerne mit Frau Heidi nach Heerbrugg einlade um weitere Informationen auszutauschen.
Obwohl in Winterthur alles zum Besten war mit unserer jungen Ehe und unseren Arbeitsstellen fuhren wir ins Rheintal um von Hr. Simmen und Hr. Staubli, der die Direktion der geplanten Fa. WILD Singapore Pte. Ltd. übernehmen würde, die Details des Projektes zu erfahren.
Diese waren:
Übernehmen der vom Singapore Economic Development Board (EDB) beziehungsweise der Jurong Town Corporation gemieteten 2 Stockwerke in einem neuen 7 Stock Industriegebäude im Stadtteil Tiong Bahru.
Einrichten dieser Produktionsräume zur Herstellung und Vertrieb von Nivellier-Instrumente, das heisst für mechanische Produktion, optische Produktion, Montage und Kontrollen, Lager und Versand, sowie Büroräume für das Management.
Für mich war vorgesehen, dass ich mich primär mit Layoutplanung, Installation von Elektrizität, Wasser, Pressluft, Klimaanlagen etc. sowie mit Auswahl/Anstellung von Mitarbeitern (Abgänger von technischen Schulen) und Vorbereitung der mechanischen Fertigung befassen würde.
Zu melden in Singapore hätte ich mich bei einem Hr. Mathew Tan (zuständig für das finanzielle der Firma) der mir das Fabrikgebäude und die Räume zeigen und mir die Schlüssel übergeben würde.
Bald nach meiner Ankunft in Singapore würde auch Hr. Nüesch mit Familie in Singapore eintreffen.
Hr. Nüesch (mein ehemaliger Lehrlingsausbilder) war vorgesehen und angestellt als General Manager der Firma. Weitere Schweizer (Leiter Optik, Leiter Montage, Leiter Kontrolle) würden dem Projektfortschritt entsprechend folgen.
Das war einerseits natürlich sehr interessant aber andererseits auch happige Kost für uns, wussten wir ja kaum wo Singapore war und kannten keinerlei Details dieses asiatischen Stadt-States. Zudem wurde uns nicht sehr viel Zeit eingeräumt uns an diesem Projekt zu beteiligen oder nicht.
Auf Grund der Tatsache, dass Hr. Simmen verantwortlich für meine USA-Anstellung und Hr. Nüesch mein General Manager sein würde war ich bald positiv gestimmt. Heidi hatte selber und auch in der Familie mehr zu kämpfen um mit mir das Wagnis "Singapore" einzugehen.
Schliesslich aber wollten wir das Wagnis zusammen eingehen und begannen unsere Vorbereitung. Oft haben wir mit dem Auto voll kürzlich angeschafften Einrichtungsgegenständen Verwandte besucht und sind mit leerem Auto wieder nach Hause gekommen. (schlimm für Heidi)
Unsere Anstellungen wurden gekündigt, die Wohnung aufgelöst, wir wohnten kurzfristig wieder bei meinen Eltern, weil ich zurück in Heerbrugg verschiedene Vorbereitungen treffen musste wie z.B. Maschinen auswählen die flott gemacht und zum Transport nach Singapore verpackt wurden oder die grobe Layoutplanung vereinbaren und auch welche Hersteller für Kompressoren, Klimaanlagen etc. am ehesten in Frage kommen würden. Zu den Vorbereitungen gehörten auch verschiedene Impfungen wie z.B. Gelbfieber oder Cholera.
Im August 1971 bestiegen wir die Swissair Maschine DC-8 die uns in einem nicht enden wollenden Flug mit mehreren Zwischenhalten nach Singapore brachte.

Mathew Tan und eine Repräsentantin vom EDB begrüssten und begleiteten uns im Taxi in die Stadt zum Hotel Orchid Inn an Bukit Timah, wo wir die ersten Wochen untergebracht waren. Ich war schnell schon im Arbeitsstress mit kennenlernen von Lieferanten/Installateuren für die Infrastruktur und einstellen von ersten Mitarbeitern für die Reinigung der Räume und zum malen der Betonböden sowie mit privaten Besorgungen wie z.B. dem Kauf eines Autos oder so.
Heidi sass im Hotel und wunderte sich ob es richtig war mit mir nach Singapore zu reisen.
Zum Glück gab es einen Schweizer Club in Singapore wo wir andere Schweizer wie z.B. Margrith und Rolf Von Felten kennen lernten, den Pool und das Restaurant besuchen konnten.
Weil der Verbleib im Hotel teuer war wurde uns im 'Namly Drive' ein "leave house" vermittelt. Unter 'leave house' versteht man eine möblierte Wohnung die vom Besitzer z.B. während seinen Ferien untervermietet wird. Das Haus hatte Wohnraum, Schlafzimmer und Küche mangelte aber an Annehmlichkeiten wie Waschmaschine oder Klimaanlage oder Garage. Damit sich Heidi besser in Singapore verständigen, bewegen und einkaufen konnte besuchte sie eine Englischklasse der Internationalschool und hatte damit auch eine erste Tagesstruktur. Wir waren glücklich als uns Margrith berichtete, dass zwei Strassen neben ihrem Haus an der 'Jalan Jelita' ein Haus frei würde zum Mieten. Wir beschafften uns das nötigste an Ausrüstung, Waschmaschine und Klimaanlage fürs Schlafzimmer waren vorhanden und zogen dort ein.
Meine Mitarbeitersuche und Auswahl an den Technischen Schulen war nicht gerade erfolgreich, weil ich feststellen musste, dass die Kandidaten (neun Jahre Schule plus mind. ein Jahr Praktikum) wohl für Genauigkeiten von 0.1 mm trainiert waren, unsere Produkte aber Genauigkeiten von 0.01 und sogar 0.001 forderten. Nach Kommunikation mit Heerbrugg wurde beschlossen, dass Kandidaten der Schulen eingestellt werden sollten, dass diese aber eine interne Zusatzausbildung absolvieren müssten um die nötigen Fähigkeiten zu erlangen. Hr. Nüesch, der mittlerweile auch in Singapore angekommen war, als erfahrener Ausbilder erarbeitete mit mir ein Ausbildungsprogramm (Syllabus) das vom EDB begutachtet und subventioniert wurde. Anstelle vom Fertigungsleiter wie geplant wurde ich nun Ausbildungsleiter und hatte gleichzeitig die Verantwortung von Unterhalt und Wartung von Infrastruktur, Maschinen und Werkzeugen. (Tool Room)
Die Fertigungsleitung würde dann von Hr. Elsener (einem ehemaligen Lehrlingskollegen von mir der auch in den USA als Instrumenten-Monteur tätig war) übernommen sobald geeignete Mitarbeitende verfügbar wären.
Als die Fertigungsräume eingerichtet, die Maschinen angekommen und bereit waren wurde mit der Ausbildung begonnen. Bis Anfang 1972 war die Mitarbeiterzahl auf 29 Personen angestiegen einschliesslich der 5 Personen aus der Schweiz. Die Lehrlinge zeigten grosses Interesse Neues zulernen und machten dementsprechend rasche Fortschritte. Die Besten wurden sogar ausgewählt einige Monate in Heerbrugg zu verbringen um ihre Fähigkeiten weiter zu verbessern und auf Schweizer Niveau zu bringen. Diese wurden später als Gruppenleiter z.B. für drehen, fräsen oder schleifen oder bei den Drehautomaten eingesetzt. In diesem Sinne wurde denn auch der verzögerte Fertigungsstart umgesetzt. Die ersten in Singapore gefertigten Serien gingen in die Schweiz zur Qualitätsbestätigung und zur Instrumentenmontage. Parallel zur mechanischen Produktion wurde unter der Leitung von Hr. Frei auch die Fertigung optischer Komponenten (Linsen, Prismen, Spiegel) aufgenommen und vorerst in Heerbrugg begutachtet und weiterverarbeitet. Bald hatte Singapore die Qualitätsanforderung erreicht und Hr. Talbot konnte mit dem Aufbau seiner Montage beginnen.
Bei WILD (S) Pte. Ltd. wurde bereits die zweite Gruppe Lehrlinge ausgebildet, die Infrastruktur wurde mit der Einrichtung von Lackierung und Galvanik komplettiert, die Gruppenleiter instruierten und überwachten ihre Produktionsmitarbeiter selbstständig und wir befassten uns mit der der Vorbereitung vom Versand direkt ab Singapore zu den Kunden. Auch Rohmaterial konnte in geforderter Qualität in Asien beschafft werden und eine japanische Giesserei wurde ausgewählt um die Gehäuse-Rohlinge, mit Gussformen aus der Schweiz, für die Nivelliere herzustellen. Das gab mir die Gelegenheit nach Japan zu reisen, die Firma und die Qualität der erzeugten Produkte zu begutachten und ein ganz wenig von Japan z.B. Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug 'Shinkansen' oder eine Übernachtung in Kyoto im Kimono auf dem Futon zu erleben.
Nachdem der zweite 'batch' Lehrlinge ihre Ausbildung abgeschlossen hatte endete auch meine Ausbilderfunktion. Mir wurde nun die Leitung der mechanischen Fertigung, den Unterhalt und die Materialbeschaffung zugeteilt. Die Leitung der Kontrollen wurde nun von Kollege Elsener sichergestellt.
Die Anzahl der Angestellten erhöhte sich bis im Sept.72 auf 110 und würde bis Sommer 1974 auf der zur Verfügung stehenden Fläche von 3300 m/2 auf gesamthaft ca. 300 Mitarbeitende anwachsen. Das geschah auch wie vorgesehen, doch die Firma wollte nun noch weiterwachsen.
Weil im Tiong Bahru Industrial Estate keine freien Produktionsflächen verfügbar waren, mussten wir im 1981 einen Umzug in ein neues, grösseres Gebäude, dem Blk.3 im Redhill Ind. Estate ins Auge fassen und planen.
Redhill Estate befand sich lediglich ca. zwei km. entfernt an derselben Hauptstrasse. Die Wunschvorgabe, dass jeder Arbeitsplatz nur drei Tage unproduktiv sein würde (je ein Tag Abbau, Transport, Neuanschluss) konnte mit Ausnahmen der grossen Anlagen wie z.B. Galvanik etc. und durch die Mitarbeit der jeweiligen Produktionsmitarbeiter sowie den Einsatz von mehrerer Transportfahrzeuge weitgehend erreicht werden.

Heute darf ich unsere Beziehung, unsere Ehe als überdurchschnittlich gut bezeichnen. Zu der anfänglichen Verliebtheit gesellte sich schnell ein gegenseitiges Vertrauen, das sich z.B. darin zeigte, dass wir nur ein Familienkonto führten. Alle Einkünfte wurden hinzugefügt, alle Ausgaben wurden aus diesem Konto beglichen.
Kleine Beträge (z.B. Bargeld) konnten bei Bedarf abgehoben werden, grössere Beträge wurden vor dem Ausgeben abgesprochen.
Unser Projekt Singapore war natürlich auch schuld daran, dass wir gegenseitig sehr stark auf einander angewiesen waren.
Absprachen/Vereinbarungen waren eine Regelmässigkeit, besonders auch später als wir uns zum Verhalten mit und bei der Kindererziehung regelmässig absprachen und einigten. (Damit nicht bei Mama erlaubt wurde was Daddy verboten hatte und umgekehrt)
Kommunikation zwischen uns war und ist gegenwärtig und wichtig!

Heidi wäre bei den ersten Neuangekommenen zwar am liebsten mit deren Flugzeug wieder zurück nach Hause geflogen.
Mit dem Umzug ins Haus an Jalan Jelita, mit grösser werdendem Bekanntenkreis, aber besonders mit Freundin Margrit, die Heidi die Stadt und Einkaufsmöglichkeiten zeigte, mit den besseren Sprachkenntnissen und dann auch mit 'Lassy' einer jungen Alsatian Hündin, die uns eigentlich vor Einbrechern beschützen sollte wurde das Heimweh laufend reduziert. Die gute 'Lassy' war erst jedoch noch so jung und klein, dass wir auf sie aufpassen mussten, denn schöne Hunde waren in Singapore Mangelware.
Dann ging auch ein weiterer Wunsch in Erfüllung, Heidi war schwanger geworden und begann sich zunehmen mit der Situation abzufinden oder schon zu freuen.

Am 8. Jan.1973 kam unser Sohn Rolf (Stammhalter) im Gleneagles Spital zur Welt. Wir freuten uns natürlich enorm, dass Mama und Baby gesund und wohlauf waren. Jetzt waren wir eine richtig glückliche Familie. Zu unserer grossen Überraschung kündigte sich schon bald weiterer Nachwuchs an.
Heidi lernte Autofahren und absolvierte die Fahrprüfung auf Anhieb erfolgreich und erlangte somit ein weiteres grosses Stück Selbstständigkeit.
Schon am 30. Juli 1974 kam dann unser zweiter Sohn Urs zur Welt und machte damit unsere Familie komplett.
Im Arbeitsvertrag waren sogenannte 'home leaves' vorgesehen, etwas verlängerte Ferien in der Schweiz zur Erholung und natürlich Verwandtschaftspflege. Dazu gehörten unter Anderem jeweils auch die Zusammenkunft der Familie zur Taufe unserer Söhne in der Kirche Reute.
Diese Reisen benutzten wir gerne angeflogene Staaten besser kennen zu lernen wie z.B. Colombo wo wir Rolf bei Bekannten abgeben durften, damit Heidi und ich eine Rundfahrt zum Jale Park, Nuarelia, Candy unternehmen konnten.
Auf einer Heimreise war Athen und Umgebung auf unserem Programm und auf der letzten Heimreise flogen die Kinder alleine, wurden in der Schweiz von meiner Schwester abgeholt und betreut. Heidi und ich reisten nach Bali dann mit einem Motorrad auf Inselrundfahrt und weiter nach Bangkok wo wir Bekannte von Singapore trafen bevor wir uns auf den Heimweg (zu unseren Kindern) machten.
Als die Schweizer Schule 1975, mangels Schüler, die Sekundarklasse temporär schliessen musste, konnten wir das schöne, grössere Haus des Lehrers an der Hua Guan Avenue mieten und von Jalan Jelita mit einem weinenden und einem lachenden Auge Abschied nehmen.

Hier lernten wir Tennis spielen, schwammen im Pool, speisten am Sonntagabend, spielten Jass oder plauderten mit anderen Mitgliedern.
Feste wie Ostern, 1.August, Weihnachten/Neujahr und auch Fasnacht, Tennistournier oder Feldschiessen bleiben in bester Erinnerung.
Die Führung vom Club wurde von einem gewählten Schweizer-Komitee sichergestellt, lokale Angestellte sorgten für Funktion von Clubhouse/Restaurant und Unterhalt der Anlagen wie Pool, Tennisplatz etc.
Schweizer mit längerem Singapore Aufenthalt wurden unweigerlich in gewisse Funktionen gewählt.
So war ich bald einmal 'Poolsupervisor' und somit vor allem verantwortlich für die Filteranlagen und die Wasserqualität vom Schwimmbad im Urwald.
Später wurde ich auch zum 'Shooting secretary' gewählt und damit verantwortlich für die Organisation von Übungsschiessen, Feldschiessen, Säuli-Schiessen etc. für den Unterhalt und die Sicherheit der Gewehre und auch für die Bestellung und den Transport der Munition von der Schweiz nach Singapore.
Am erinnerungsträchtigsten war wohl der Transport von Munition aus der Schweiz mit Polizei-Eskorte vom Singapore-Hafen zum 'strongroom' im Schweizerclub.
Parallel dazu habe ich auch für eine gewisse Zeit Jass Abende (Sonntag Abend) und ein jährliches Tournier zu Erkürung vom Swiss-Jass-Meister organisiert.
Mitglieder vom Swiss Club spielten auch Fussball, z.B. gegen den Deutschen Club oder auch gegen lokale Mannschaften.

Im Kap. 'Singapore' habe ich bereits auf Arbeitskollegen hingewiesen.
Nun also noch etwas Wiederholung:
R. Nüesch, ehemaliger Lehrlingschef, nun mein General Manager von 71-75
M. Schütz, Nachfolger von R. Nüesch 75-79, Man. Direktor 1980-1990
B. Elsener, ehemaliger Lehrlingskollege und nun Leiter Mechanik, später Produktionsleiter
G. Frei Leiter optische Fertigung
F. Rubin Nachfolger von G. Frei optische Fertigung
T. Talbot Leiter Montagen
J. Eisenhut, Leiter Toolroom (Unterhalt/Ausbildung) 71-77, Leiter Mechanik 77-79, Produktionsleiter 80-82
H. Fässler Mitarbeiter Mechanik 78-79, Leiter Mechanik 80-82
Ich darf mit Überzeugung behaupten, dass wir in den verschiedenen Zusammensetzungen ein zielgerichtetes, aber kollegiales Arbeitsverhältnis pflegten und die Herausforderungen soweit wie möglich mit gegenseitiger Unterstützung meisterten.
Bei WILD (S) Pte.Ltd. wurden aber nicht nur Teile und Instrumente produziert, wir stellten auch, durch Freizeitgestaltung, ein gutes Arbeitsklima sicher, indem Fussball oder Bowling gespielt oder auch Geländelauf Veranstaltungen organisiert wurden.
Meiner Abteilung (Tool Room) gelangen dabei vordere Platzierung und Pokale beim Bowling und auch im Fussball zu erreichen.
Preise und Pokale gespendet von Direktoren und Managern wurden jeweils an einem jährlichen Dinner& Dance-Event (z. B. im Hotel Merlin) feierlich übergeben.
Obwohl wir in der Firma gut zusammenarbeiteten war es dann doch so, dass wir an Wochenenden oder Ausflügen nach Malaysia gerne mit Bekannten/Freunden zusammen unterwegs waren, die in anderen Firmen angestellt oder sogar selbständig arbeiteten. Diese Freundschaften haben z.T. viele Jahre überlebt mit gegenseitigen Besuchen in der Schweiz und sind sogar heute nach über 40 Jahren noch aktiv. (3x jährlicher Singapore-Stamm, mit chinesischem Mittagessen)

Die Schwangerschaften waren eigentlich ohne grosse Probleme, natürlich schon beeinflusst durch das tropische Klima von Temperaturen um die 28° und hoher Luftfeuchtigkeit. Die Geburt von Rolf war für Heidi trotz der vorzüglichen Unterstützung im Spital sehr anstrengend, weil er ein verhältnismässig grosses Baby geworden war. Bei Urs hingegen mussten die Geburtshelfer 'auf die Bremse stehen, weil der Arzt erst noch vom Tennisplatz ins Spital eilen musste.
Die beiden Buben waren natürlich Erfüllung für uns. Durch den geringen Altersunterschied lernten sie schnell sich auch miteinander zu beschäftigen und zu spielen. Unsere Reinigungshilfe Anny mutierte schnell auch zum Kindermädchen und hatte ihre grosse Freude an den Beiden.
Meine Eltern waren natürlich voller Stolz an den Stammhaltern und die Schwiegereltern freuten sich über die glückliche Mutterschaft ihrer Tochter.
Beide hätten jedoch gerne die Kleinen auch in den Arm genommen, mussten sich dazu aber noch etwas gedulden.
Rolf wurde im Heimaturlaub 1973 und Urs im Urlaub 1975 getauft.
Vorher hatte Urs, vor unserem Ferienhaus in Tschirtschen, bereits gelernt seine ersten Schritte zu gehen.
Natürlich versuchten wir während unseren Heimaturlaub's mit möglichst vielen Familienmitglieder zusammenzukommen um uns gegenseitig auszutauschen.
Gerne verbrachten wir dann auch eine Woche oder so in einem Ferienhaus in Tschirtschen (erste Schritte von Urs) von dem leichte Spaziergänge aber später auch tüchtige Wanderungen möglich waren.
Anlässlich von Geburtstagen wurden in Singapore jeweils Childrens-partys mit gemieteten Schaukeln und oder Rutschen oder andern Spielgeräten organisiert an welchen sich die Mütter mit ihren Kindern zum spielen und feiern versammelten.
Die Kinder gediehen prächtig, lernten schwimmen, spielten Fussball und besuchten bald auch die Play Group, den Kindergarten und auch die Primarklassen.
Unsere Erziehung war darauf bedacht, dass wir uns auf eine Linie einigten, dies den Kindern vorgaben und uns selber möglichst an diese Vorgabe hielten. Wir wollten den Kindern 'Vorbilder' sein.
Als eine weitere Freizeitgestaltung bot sich das Fussballspiel organisiert von ANZUK-Forces an. Ein grosses Spielfeld für die 'grossen Kinder', ein Halbfeld für die 'Mittelgrossen und ein Viertelfeld für die Kleinen. Trainer-, Linienrichter- und Schiedsrichter-Aufgaben wurde von den Vätern sichergestellt. Ich wurde als Schiri zu den Kleinen eingeteilt, weil Rolf&Urs anfänglich natürlich in diesem Segment spielten. Ein herrlicher (Ganztags-) Anlass für die ganze Familie.

Das Haus stand leicht am Hügel in einer internationalen Nachbarschaft.
Zu den Spielkameraden der Kinder gehörten Japaner, Deutsche, Skandinavier und unten bei der Einmündung der Strasse wohnten Engländer. Nicht nur wir und die Kinder freuten sich über die grössere Anlage, auch unser Familienhund Lassy genoss den grossen Auslauf. Natürlich kamen auch die einen oder anderen Gäste zu Besuch, vorwiegend Schweizer, was Lassy mit den Jahren dazu bewog, schweizerdeutsch sprechende Besucher ohne knurren oder bellen durchs Tor zu lassen, andere Europäer wurde durch knurren am Tor zurückgehalten, bei Chinesen war es bereits ein bellen am Tor und bei Indern bellte unser Hund schon bevor sie am Tor angekommen waren.
Hua Guan war für uns ein herrliches Wohnhaus mit einer gedeckten Terrasse, Autounterstand, Aussentisch, Sandkasten und Schaukel. Auch einen kleinen Pool kauften wir, um uns bei Bedarf abzukühlen. Eine Umlaufpumpe sorgte dafür, dass wir einen Springbrunnen plätschern lassen konnten.
Ein gedeckter Arbeitsplatz mit Hobelbank erlaubte zum einen die einfache Pflege der Orchideen, aber auch Hobbyarbeiten wie z.B. das bauen von einem Kajüten Bett für die Kinder um im Schlafzimmer mehr Freiraum zum spielen zu erhalten. Auch ein Stall für die Kaninchen baute ich hier. Der Versuch der Kaninchenhaltung mussten wir jedoch abbrechen, weil die Tierchen nicht handzahm werden wollten.
Der Daueraufenthalt im Gartengehege machte sie zu wilden Hasen anstatt zu lieben Kaninchen.

Die uniformierten Schüler wurden aus Sicherheitsgründen mit einem Schulbus zur und von der Schule nach Hause gefahren.
Auch die Schule war für ein positives Klima besorgt und veranlasste dazu Sportveranstaltungen, Eiersuchen an Ostern oder kostümierte Fasnacht-Veranstaltungen und dergleichen.

An Feiertagwochenenden fuhren wir oft gemeinsam mit befreundeten Familien nach Malaysia zur Besichtigung eines Pfahlbauerdorfes mit guter Verpflegung oder auch zum Übernachten und baden sowohl auf Rawa Island als auch an der Ostküste (Kuantan, Terengganu) oder auch Westküste. (Port Dickson)
Da kam es auch vor, dass die Männer mit Motorräder und die Frauen mit den Kindern mit wenigen Autos unterwegs waren. Abwechselnd wurden die Autofahrerinnen dann auch auf die Motorräder geholt um trotz dem Tropenklima auch den frischen Fahrtwind um die Ohren zu spüren.
Weihnachten oder Neujahr verbrachten wir gerne in etwas erhöhter Lage wie 'Fraiser Hill' oder 'Camerun Highland'.
Anfänglich war für jede Einreise nach Malaysia ein 'Permit' nötig das vorab mit teils stundenlangem Anstehen eingeholt werden musste.
Wir unternahmen auch grössere Reisen z.B. zu Bekannten in den Philippinen, konnten unser Söhne bei einem Arbeitskollegen in Obhut geben.
In Erinnerung bleibt, dass wir ein kleines Köfferchen voll mit verschiedenem in den Philippinen nicht erhältlichem Käse mitbrachten. Unsere Bekannte lud dann weitere Schweizer zum Käshörnli-Znacht ein, einige waren so gerührt, dass die Tränen nicht zurückgehalten werden konnten.
1980 hatte ich Gelegenheit an einer, vom Pfarrer organisierten, Reise nach China teilzunehmen. Unser damaliger Pfarrer ist in China geboren und wollte nach der Vertreibung der Familie aus China die erste Möglichkeit ergreifen seinen Geburtsort zu besuchen. Dies wurde aber nicht als Alleinreisender bewilligt, sondern nur als kleine Gruppenreise.
Vor der Einreise in China musste die ganze Gruppe (9 Personen) drei Tage in Hongkong zur Kontrolle verweilen. Dann wurden wir zur Grenze gefahren, wo wir unser Gepäck entgegennehmen und zu Fuss über die Brücke nach China tragen mussten. Diese Chinareise war eines meiner eindrücklichsten Erlebnisse obwohl wir uns nicht frei bewegen konnten, also total überwacht waren. Trotzdem bekamen wir viele Sehenswürdigkeiten von Hangzhou, Shanghai, Tientsin, Peking, die grosse Mauer, die Sommerresidenz, Terrakotta Armee, Chengtu bis zurück nach Guangzhou zu sehen.
In Erinnerung bleibt die komplette Überwachung, tags in den Transportmitteln (Zug/Bus/Flugzeug) und nachts in den, von Mauern umgebenen, vorzüglichen Gasthäusern.
Trotz all diesem Optimismus und der Freude an der aktuellen Situation kam mehr und mehr die Frage auf, wie lange wir meinen Vertrag in Singapore verlängern wollten.
Wollten wir länger bleiben und unsere Kinder Singaporer werden lassen oder wollten wir zurück in die Schweiz, damit sie Land und Familie nicht nur als Ferienland sondern in aller Realität kennen würden?
Wir erstellen eine Werteliste und kamen zum Schluss, dass wir den Kindern und der Familie zu liebe eine Rückkehr in die Schweiz anstreben wollten.

Auch in Heerbrugg wurde mir signalisiert, dass mich eine interessante Aufgabe erwarten würde.
Privat organisierten wir z.B. bereits Mitgliedschaft im Tennisclub Rebstein, fanden auch ein Haus in Rebstein, das Wild für uns reservieren würde.
Alles schien auf einen geordneten Umzug hinauszugehen.
Erste Haushaltgegenstände und Möbel wurden bereits beiseite gestellt oder schon verpackt.
Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Aus WILD war inzwischen WILD/LEITZ geworden und diese Fa. hatte in USA die Fa. Presicion International (PI) in Tullahoma TN erworben, weil PI, wie ich sie fortan nennen werde, know-how im Distanzmessen besass, das in Heerbrugg noch gefehlt hatte.
Aber, PI wurde typisch amerikanisch geführt, und das passte nicht so recht mit dem Schweizer Führungsstil zusammen. Trotzdem kamen Vorgaben aus Heerbrugg was den Fertigungsleiter so erzürnte, dass er seine Aufgaben hinschmiss und sich aus der Fa. verabschiedete.
Hr. Simmen hat mich dann angerufen und mich gefragt ob ich mir nicht vorstellen könnte anstelle von heimkehren noch maximal zwei Jahre bei PI die Fertigung in den Griff zu bekommen. Weil ich vorher noch nicht von PI gehört hatte, müsste ich die Fa. kennenlernen um eine Antwort zu geben. Hr. Simmen sagte ich solle doch nach Tennessee fliegen, Fa. und Leute kennenlernen, weiter nach Heerbrugg reisen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen.
Gesagt getan, PI brauchte dringend Unterstützung die ich zum Teil geben könnte und so sagte ich Hr. Simmen zu für max. zwei Jahre in den USA tätig zu werden.
Ich rief also Heidi in Singapore an um ihr Bescheid zu geben, dass unser Hausrat nicht in die Schweiz, sondern nach USA geschickt werden müsse.
Nun ging alles recht schnell, private Abschiedspartys, Abschiede in der Firma, Abschiedsparty von Mitarbeitern bei uns zu Hause usw.
Leider mussten wir uns auch von unserer Lassy, meinem Spaziergang-Gefährten, dem Babysitter, dem Hausbewacher für bald 10 Jahre verabschieden. Sie hatte Gelenkprobleme entwickelt, bekam dafür Medizin und musste trotzdem unterstützt werden damit sie aufstehen und langsam in die Gänge kommen konnte. Nach Absprache mit dem Tierarzt war klar, dass sie einen Umzug mit Transport und Quarantäne kaum oder nicht überstanden hätte und sie deshalb in den Hundehimmel entlassen würde. Es war ein verständliches, aber doch sehr bedrückendes Gefühl nur mit Halsband und Hundemarke nach Hause zu kommen.
Nach dem Garage-Sale bei welchem vor allem Elektro Geräte (die aus Frequenzgründen in USA nicht benutzbar waren) günstig verkauft wurden, wurde der Rest im Container verstaut und nach Tullahoma verschickt.
Wir vereinbarten mit meiner Schwester, dass sie unsere Kinder in Kloten abholen und in Obhut nehmen werde bis Heidi und ich in der Schweiz ankommen würden. Wir wollten vorher noch schnell Bali sehen und unsere Freunde Fam. Hörndli in Bangkok besuchen.
Von Bali bleibt in Erinnerung, dass das gemietete Motorrad oft stehen blieb und erst nach einer Kerzenreinigung wieder brauchbar war. Und natürlich Ubut, die Tempel und die Schnitzereien, den Vulkan und die Strände.
In Bangkok hat uns unser Freund Hugo herzlich empfangen und uns die Stadt, die Tempelanlagen, den 'floating market' und vieles mehr gezeigt. Weil seine Frau France gerade in die Schweiz reisen musste konnten wir auch bei Hugo wohnen.
Doch schnell reisten wir weiter in die Schweiz, nahmen unsere Söhne in Empfang und wohnten für kurze zwei Wochen bei meinen Eltern um anschliessend nach Nashville zu fliegen, wo uns mein neuer Chef Tomy Broatbent abholte und uns nach Tullahoma chauffierte.


Tullahoma TN ist ein kleines Städtchen ca. eine Autostunde südlich von Nashville, mit damals wohl etwa 15`000 Einwohnern.
Wir wurden im 'little house' einquartiert, einem kleinen, möblierten Wohnhaus, ausserhalb der Stadt umgeben von lichtem Wald, in der Nähe der Residenz vom Chef T. Broadbent.
Nun waren wir also vom 'Entwicklungsland' Singapore im hochentwickelten Amerika angekommen.
Die Bank wollte jedoch trotz gültigem Pass und Visa kein Konto eröffnen und verlangte dazu erst einen Bestätigungsbrief vom Firmenchef.
Der Autoverkäufer fiel beinahe in Ohnmacht, als ich nicht auf Ratenzahlung pochte sondern das Auto gleich bezahlen wollte.
Um Rolf und Urs möglichst schnell zu integrieren kauften wir Baseball Ausrüstungen, ein Softball (~50% grösser als Baseball) wurde an einem Seil in den Baum gehängt, damit die Buben mit dem Schläger das Treffen am baumelnden Ball üben konnten und ein Baseball wurde in jeder freien Minute vom einen zum anderen geworfen und mit dem Handschuh gefangen.
Die Leiterin der Robert E. Lee Schule, da hatten wir die Buben angemeldet, brachte Schulbücher, damit Heidi die Bücher den Buben bekanntmachen konnte. (In Singapore hatten sie ja die Schweizer Schule besucht, dort wurde auf deutsch unterrichtet.)
Die Distanz vom 'little house' zur Schule war so gross, dass Heidi die Buben mit dem Auto zur Schule fahren und wieder abholen musste.
Zu unserem grossen Glück wurde nahe der Schule an Ovoca Road ein Bungalow mit grosser Wiese zum Verkauf angeboten. Heerbrugg war bereit mir, mit einem günstiges Darlehen zu helfen, das Haus zu kaufen.

Die Firma PI besass 'know how' im Distanzmessen und produzierte entsprechende Geräte (Beattles/Citation) vor allem für den US Markt.
Sie war aufgeteilt auf 3 Standorte, Leitung/Finanz/Personal, Entwicklung sowie Produktion/Kontrolle/Reparatur/Vertrieb.
Allfällige Kundenbeanstandungen wurde durch Geräteaustausch erledigt.
Die Produktion war optimistisch vergrössert worden, bei meiner Ankunft jedoch nicht ausgelastet.
Verantwortliche Personen waren:
T. Brodbent, General Manager/Director
B. Johnson Engineering-Management
Mrs. Schmid, PR-Management
H. Kelly Assembly Management
D. Lapzinski Quality-Management
Ich sollte nun den Production-Manager ersetzen, der die Fa. Hals über Kopf verlassen hatte, weil er mit Zielsetzungen und Vorgaben von WILD-Leitz Heerbrugg nicht einverstanden war.
Vorgängig meiner Ankunft wurde vom PI-Management beschlossen, dass die schlechte Auslastung durch Entlassungen begegnet werden müsse. Die Entlassungsbriefe waren bereits vorbereitet und wurden mir zum Verteilen an die jeweiligen Mitarbeiter übergeben. Ich sollte also quasi gleichzeitig mit meiner Mitarbeiter-Begrüssung gleich auch Entlassungen vornehmen.
Nach eingehender Analyse folgten Besprechungen mit dem PI-Management und auch mit Heerbrugg um Verbesserungspotential auszuloten, erste Schritte zu planen und die Umsetzung in Gang zu setzen.
Zu diesen Schritten gehörten unter Anderem:
1.) die Produktion von Einzelteilaufträgen für Heerbrugg um die Auslastung zu verbessern.
2.) die Reorganisation vom Materialfluss (von Fertigung/Montage/Kontrolle/Nachbesserung durch Techniker/Schlusskontrolle zu Fertigung/Montage mit integrierter Unterstützung durch Techniker/Funktions- und Schlusskontrolle.) um sowohl den Montage- als auch den Nachbesserungsaufwand zu reduzieren und auch die Kundenbeanstandungen zu senken.
3.) Zusammenzug der drei Standorte am Produktionsstandort.
Schritte wie 1.) und 2.) konnten sofort in Angriff genommen werden, für 3.) war eine Gebäudeerweiterung nötig und damit eine längere Planungs- und Vorlaufzeit.
Bei der Produktion der Aufträge für Heerbrugg zeigten sich Qualitätsmängel sprich hohe Ausschussraten weshalb ich in Heerbrugg Unterstützung durch eine Fachkraft beantragte. Die Reorganisation vom Materialfluss wurde von den Mitarbeitenden gut angenommen und zeigte schnell Verbesserungen.
Mein Nachfolger als Leiter Fertigung in Singapore war bereit mich auch bei PI zu unterstützen. Nach meinem Umzug zur Ovoca Road war das 'little house' frei für ihn.
Seine Aufgabe war nun vor allem die angelernten Produktionsmitarbeiter der Fertigung zu unterstützen, Erststückfreigabe zu erstellen und allfällige Fertigungsprobleme zu lösen. Ich konnte mich so mehr um Materialfuss und Auslastungsoptimierung kümmern und den Standort-Zusammenzug voranbringen.

Auf der anderen Seite der Hauptstrasse zweigte die Strasse zur Schule ab, die unsere Jungs nun mit ihren Fahrrädern benutzen konnten.
Das Haus war geräumig, Eingang vorne zum Wohnzimmer oder hinten durch die Garage zur Küche, dann zum Aufenthaltsraum (lounge), weiter Bad und zwei Schlafräume, zurück zum Wohnzimmer und zum grossen Spielzimmer (Billard) und stand ca. 8 m von der Strasse auf einer grossen Wiese mit einigen riesigen Laubbäumen. Ein grosser Sitzplatz hinter dem Haus wurde rege zum grillieren und essen im Freien benutzt. Gegen Kälte im Winter waren Elektro-Heizkörper installiert.
Die Buben integrierten sich schnell in der Schule die vom Morgen einschliesslich Lunch bis im frühen Nachmittag dauerte. Im Anschluss traf man sich auf den Sportplatz zum Baseballspiel und zunehmend auch zum Fussball. Das war hervorragen für die Beiden, die ja in Singapore Fussball gelernt hatten. Sie machten aber auch bei den Pfadfindern mit, die z.B. ein campieren im Zelt, mit den Vätern, organisierten.
An Wochenenden oder Feiertage erkundeten wir die Umgebung und fanden z.B. grosse Wasserreservoirs die mit Booten rege benutzt wurden fürs Wasserski fahren oder fischen etc. Das wünschten wir uns auch, nicht fischen aber 'böteln' und wasserskifahren. Ein geeignetes Boot mit Anhänger war bald gefunden und gekauft, gezogen vom Geschäfts-Pickup fuhren wir also fortan zum baden zu den Seen. Um Wasserski einfach zu lernen besorgte ich eine dünne Holzplatte (Ca 1.2mx1.2m), sägte sie leicht oval aus, befestigte vorne das Zugseil zum Boot. Als Hilfe zum stehen wurde ein Seilbogen von ca. 8Uhr zu ca. 2Uhr fixiert. So konnte man anfänglich auf der Platte kniend und am Seilbogen haltend gezogen werden. Mit zunehmender Geschwindigkeit und Stabilität konnte man sich am Seilbogen hochziehen und Skifahren. Nach diesem Lernschritt gelang schnell auch das anfahren mit richtigen Wasserskies.
Ein grosser Baum sehr nahe am Hauseingang machte mir Angst, dass er bei einem Sturm fallen und das Haus beschädigen könnte. So wurde er gefällt und machte auch gleich Platz um ein Unterstand für die Autos und den Anhänger mit Boot bauen zu lassen. Eine weitere Aufwertung des Hauses gelang durch den Einbau von einem Cheminee in die Aussenwand der Lounge. Mit kostenlosem Holz, von der Farm vom Chef, heizten wir fortan nicht nur die Lounge angenehm warm, sondern auch die ganzen Wohnräume. Dazu baute ich einen Ventilator in die Zwischenwand der grossen Wandschränke und liess die Türen auf beiden Seiten leicht geöffnet, damit die Warmluft von Raum zu Raum zirkulieren konnte. So konnten wir viel Strom fürs heizen einsparen.
Noch in Singapore sass ich mit Sohn Rolf in der Gartenschaukel, eine Zigarette im Mund, als er mir erklärte, dass ich stinke. Da beschloss ich, dass ich das Rauchen aufgeben würde. Durch die Hektik von Umzug nach USA, Einarbeitung PI und so, dauerte es noch etwas, bis ich nach einem Partyabend am Morgen nicht rauchen mochte. Jetzt höre ich damit auf sagte ich zu Heidi und bat sie, viel Obst und Gemüse und wenig Scharfes oder Fleisch aufzutischen, damit mir das auch gelinge. Schon am zweiten Tag spielte ich verrückt, suchte Zigaretten wo ich noch nie welche hatte und beschloss, wieder ein Päckli zu kaufen und auf den Bürotisch zu legen. Jetzt konnte ich sie zwar sehen, mein Wille wollte sie aber nicht rauchen. Nach wenigen Tagen war der Spuck vorbei und ich hatte das Rauchen überwunden. Heidi wollte zwar auch aufhören, konnte aber nicht, auch nicht mit Unterstützung durch Anti-Raucher-Filme etc. Das änderte sich, als wir auf grosse USA-Reise gingen und teilweise mehrere Stunden auf dem Highway verbrachten. (Im klimatisierten Auto soll/kann man nicht rauchen) Diese Tatsache und etwas gut zureden führten dazu, dass auch Heidi mit dem Rauchen aufhören konnte!

Während meines ersten USA Aufenthalts hatte ich gefühlt viel zu wenig vom Land gesehen. Das wollte ich diesmal besser machen. So waren wir z.B. einmal unterwegs nach New Orleans als wir am Radio hörten, dass ein Raketenstart von Cap Canaveral bevorstehen würde. Wir kürzten den geplanten Aufenthalt in New Orleans und fuhren nach Florida. Tatsächlich gelang es uns den Start mit zu erleben. Wir sahen die Rakete und viel Rauch aufsteigen und dann Ruhe. Enttäuschung! Erst dann erreichte uns die Schallwelle, Donnergrollen, Wellen auf dem Wasser und beben der Erde auf der wir standen. Phänomenal!
Weitere Reisen brachten uns quer durch USA zu den Nationalpärken von Yello Stone, Arches and Bridges, Dead Valley, zum Grand Canyon oder zu einer Schlauchboot-Fahrt auf dem Colorado River. Auch im Osten reisten wir via Blue Ridge Mountains nach New York und weiter bis zu den Niagarafällen. Auf dem Weg besuchten wir die Familie eines Arbeitskollegen vom ersten Aufenthalt der inzwischen von Long Island nach Silvan Beach, Upstate New York umgezogen war.
Bei den Niagara Fällen bestiegen wir den Aussichtsturm auf der Kanadaseite, herrlich und bei der Rückkehr stellte ein Grenzbeamter fest, dass mein Arbeitsvisum abgelaufen war. Stundenlanges Warten und Verhör waren die Folge bevor ich wieder zur Familie gehen und die Reise fortsetzen durfte, nicht ohne eine bestimmte Aussage, dass ich wieder nach Buffalo zu einem Gerichtstermin erscheinen müsse.
Alle Versuche der Firma, auch mit Hilfe der Politik, dies abzuwenden waren erfolglos und so musste ich einer freiwilligen Ausreise zustimmen um wenigstens etwas Zeit gewährt zu erhalten unsere, so nicht geplante, Heimreise vorzubereiten.
Durch den Gerichtsentscheid der Ausreise begann nun einerseits die Auflösung und Verpackung von unserem Haushalt, andererseits die Suche nach Wohnung in der Schweiz und die Vereinbarung wo und wie ich in der Schweiz angestellt werden würde.
Natürlich war dieser 'freiwilligen' Ausreise ein Termin vorgegeben, was bedeutet, dass unsere Vorbereitungen zum Teil auch etwas hektisch waren. Garage-Sale, Boot- und Autoverkauf waren unproblematisch, mit dem Hausverkauf war ich dann jedoch auf die Unterstützung der Firma angewiesen, weil sich der geeignete Käufer erst einfand, als wir bereits zurück in der Schweiz waren.

Und natürlich bin ich stolz auf meine Knaben die sich in der neuen Sprache, der neuen Schule und auf dem Sportplatz integriert und durchgesetzt haben. Dann bin ich auch stolz, dass es Heidi und mir gelungen ist mit dem Rauchen aufzuhören.


Spezko wollte sich selbständig machen, das heisst sich vom Bereich Geodäsie trennen.
In meiner Funktion enthalten waren folgende Aufgaben:
-Projektleiter Projekt Maverick
-Aufbau AVOR/Prototypenmontage/Montage
-Übernahme Funktionsmusterbau und Integration in Prototypenmontage
-Einführen CAD in der Betriebsmittelkonstruktion
-Einführen Wareneingangsprüfung, Lager, Wartung/Kalibrierung für Betriebsmittel und Prototypenbau.
Die Aufgaben waren gleichermassen herausfordernd und faszinierend und ich freute mich an jedem erreichten Meilenstein und auch an jedem neuen Mitarbeiter der uns weiter unterstützten konnte.
Bald schon waren wir eingerichtet und nahmen unsere Verantwortung losgelöst vom Bereich Geodäsie war.
Offenbar hatten nicht alle Beteiligten Freude an dieser Bereichstrennung wie sich später zeigen sollte.

Die Garage wurde sofort zweckwidrig als Billard- oder Pingpong- Raum eingerichtet.
Beim ersten Schulbesuch der Knaben zeigte sich, dass wir Wichtiges übersehen hatten. So verständigten wir uns in englisch und schweizerdeutsch, hatten aber das auch nötige Hochdeutsch übersehen. Rechnungen wurden in Rebstein mit der Methode 'Einmaleins' gelöst, die Knaben hatten aber in USA die Mengenlehre gelernt. Glücklicherweise war ein bereits pensionierter Lehrer bereit bei der Aufarbeitung vom Fehlenden zu helfen.
Unproblematisch war der Einstieg im Fussball Club.
Heidi und ich begannen wieder Tennis zu spielen, spielten im Sommer bald in den Interclub-Mannschaften und im Winter im Hallentennis Altstätten. Auch im Turnverein beziehungsweise der Männerriege wurden wir schnell Mitglieder und Teilnehmer. Zum Arbeitsausgleich freute ich mich auch, wenn ich vom Garten Salat oder Gemüse in die Küche bringen konnte. Weil die alte Föhre den ganzen Blumengarten mit ihren Nadeln überstreute beschloss ich, dass ich sie fällen würde, obwohl sich eine Nachbarin klar dagegen ausgesprochen hatte. Nach dem Fällen schnitt ich mit der Motorsäge dicke Bretter vom Stamm und schichtete diese zum Trocknen auf. Später zimmerte ich aus den trockenen Brettern einen soliden Tisch der noch bis heute, nach über 40 Jahren, im Gebrauch steht.
Im 1986 während unseren Tennisferien in Umag Kroatien ist leider mein Vater verstorben. Heisst, dass meine Mutter jetzt alleine in einem grossen Bauernhaus wohnte, was uns zu vermehrten Besuchen veranlasste.
Die Knaben durchliefen Primar- und Sekundarschule problemlos, lernten Töffli- und Skifahren. Die Schulskiferien (beide die gleiche Woche) nutzten Heidi und ich auch für Skiferien und zwar in Samnaun. Das haben wir übrigens bis jetzt jährlich wiederholt und sind also gegen 40 Jahre im selben Hotel abgestiegen. In WILD/Leitz gab es auch eine Wander- und/oder Skitouren-Gruppe. Beim wandern machte die ganze Familie mit, bei der Tourengruppe nur Rolf und ich. Erst bestiegen wir Hügel und Berge in der Umgebung Ostschweiz/Vorarlberg, dann wollten wir immer höher hinaus wie z.B. auf die 4000ender Allalinhorn im Wallis oder Grand Paradiso oder Tresente im Aosta-Tal. Rolf war so fasziniert, dass er sich zum IOS-Leiter ausbilden lies und so später selber Touren leiten konnte.
Rolf und Urs begannen beide Lehren in mechanischen Berufen. Rolf als Feinmechaniker bei WILD/Leitz und Urs als Maschinenmechaniker bei Stadler AG. Unbekannte Schuhe im Korridor zeigten uns, dass erste Freundinnen auch Hausbesuche wagten. Im 1991 haben wir gemeinsam eine Ferienreise nach Singapore, zur Insel 'Rawa' Malaysia und weiter nach Bangkok, um unsere Freunde Höndli's zu besuchen, unternommen. Wir wollten vor allem unseren Jungen nochmals zeigen, wo sie ihre erste Lebenszeit verbracht hatten.
1991 durfte der Zwergdackel 'Peach' von Heidi's Mama nicht mit ihr ins Altersheim übersiedeln und so kamen wir fast ungewollt wieder zu einem Haustier. Obwohl ich mir keinen Dackel gewünscht hatte, wurde er ein guter, treuer Begleiter der im Winter sogar in meinem Rucksack mitgetragen wurde weil Schnee sich in seinen langen Haaren zu Klumpen ballte und er deshalb kaum selber gehen konnte.
Die zehn Jahre (83-93), die wir im Rohnacker lebten waren schön und vielseitig, wir haben auch versucht uns anstelle vom Miethaus eine Bleibe zu kaufen. Die Gründe warum das nicht gelungen ist waren z.B. Standort, Kosten oder auch Ausbaustandard. Dann überlegten wir auch, was mit dem grossen Elternhaus geschehen würde, falls meiner Mutter etwas zustossen sollte.
Würden wir event. doch, trotz aller Versprechen dagegen, in Reute landen?

'Herr J. Eisenhut besitzt ein sehr fundiertes Fachwissen und eine umfangreiche Erfahrung in seinem Aufgabengebiet. Zusammen mit seinen guten organisatorischen und planerischen Fähigkeiten ist er in der Lage, komplexe Arbeitsprozesse abzuwickeln. Er sorgt für eine qualitativ hochstehende Ausführung der ihm übertragenen Arbeiten sowie eine termingerechte Auslieferung der Produkte.'
Im Bereich IMS war ein 3D Messinstrument (Winkel, Distanz und Auswertung) entwickelt worden, das vor allem in der Flugzeugindustrie grosses Interesse und entsprechende Bestellungen auslöste. Die vorhandene Kapazität der Fertigung und Montage konnte die Liefererwartung in keinster Weise erfüllen.
Die Leitung und Entwicklung von IMS war in Unterentfelden AG, während die Fertigung, Montage und Kontrolle in Heerbrugg stattfanden.
Nach der Anfrage von Dr. Wullschläger begab ich mich nach Unterentfelden um die Details der Aufgabe und einer allfälligen Umteilung zu erfahren. In der SpezKo. Montage lief alles ordnungsgemäss und so reizte mich die Aufgabe dermassen, dass ich der Umteilung auf Sept 1998 zustimmte.
Als Montageleiter IMS, war es primär meine Aufgabe, die Fertigung und Montagekapazität möglichst schnell hochzufahren um die Liefererwartungen zu erfüllen. Eine spannende Erweiterung der Montageräume und der anschliessenden Geräteendprüfung begann. Parallel dazu wurden, von den bereits erfahrenen, auch Mitarbeiter geschult um die nötigen Prozesse einwandfrei auszuführen.
Die grösseren Einzelteilanlieferungen wurden montiert und geprüft. Bald standen neue Geräte in grösserer Anzahl zur Auslieferung bereit. Weil sich aber die zusätzlich genutzten Räume in Gebäuden vom Bereich Geodäsie befanden involvierte sich der Montageleiter Geo. und legte mir Hindernisse in den Weg, lud mich nicht zu wichtigen Besprechungen ein und schwärzte mich sogar beim IMS-Leiter als unkooperativ und unfähig an.
Als dann die Flugzeugindustrie schwächelte und der Bedarf an unseren Geräten einbrach waren plötzlich 3D Instrumente verfügbar die niemand mehr wollte. Auch ich wurde überflüssig und hoffte, dass ich nun wieder in den Bereich Spezko. zurück wechseln könnte.
Aus meiner Zeit in Singaore hatte ich ein Versprechen, dass ich durch die 10 Tropenjahre vorzeitig in Pension gehen könne, wenn ich mind. auch 40 Jahre ohne Unterbruch bei WILD/Leitz in Anstellung gewesen sei. Wir zählten dann 38 Jahre.
Ob das mit ein Grund war oder das Schlechtmachen vom Montageleiter Geo. den Ausschlag gab weiss ich nicht, auf jeden Fall aber wurde ich vom Leiter IMS am 20 Okt.1999 entlassen. Im Gespräch mit der Personalabteilung in Heerbrugg wurde ich a.) sofort freigestellt und b.) wurde mir eine 'Outplacement' Unterstützung zugesagt.

Trotzdem musste das Leben weitergehen. Anmeldung beim RAV, kennenlernen von Berater und Psychologin der Outplacement-Agentur DMS. Wieder Erstarken vom Selbstwertgefühl durch spezielle Aufgaben von DMS. Listen schreiben von möglichen Arbeitgebern, Bewerbungsschreiben verfassen, Lebenslauf formulieren, Besprechungstermine vereinbaren, Vorstellungsgespräche, Absagen verdauen.
Gespräche mit Outplacement-Berater, Psychologin, weiteres Vorgehen vereinbaren.
Und neue Listen erstellen, weitere Bewerbungen schreiben, Personalabteilungen anrufen und, und, und.
Die Outplacement-Beratung hat mir aber sehr geholfen mein Selbstwertgefühl wieder zu stärken. So habe ich auch wieder klar meine Fähigkeiten gesehen und bin zur Überzeugung gekommen, dass ich eine Anstellung finden werde!
Unter vielen Anderen habe ich am 13.März 98 ein Bewerbungsschreiben an Optiprint AG verfasst. Weil in den Gesprächen klar wurde, dass Optiprint vor allen Unterstützung im Qualitätsbereich suchte, habe ich beim RAV die Zusage für einen Einarbeitszuschuss eingeholt und nach Rücksprache mit Optiprint zu einer Ausbildung als Qualitäts-Organisator und der Assistenten-Stelle zugesagt.

Durch meine Bereitschaft zu Weiterbildung (und dem Einarbeitszuschlag vom RAV) bin ich also Ende Mai 2000 bei Optiprint als Assistent vom Qualitätsmanager angestellt worden. Die Aufgaben waren
-Fehlerbehandlung (erfassen, verarbeiten, bekanntmachen)
-Mitarbeiter zu verbesserter Qualitätsarbeit motivieren
-Verbesserungsmassnahmen einführen, und
-ISO 14000 Prozessdokumentation erstellen.
Dazu musste ich natürlich erst die Prozesse der Leiterplattenfertigung kennenlernen und parallel die Kurse zum QM-Organisator besuchen. Beides machte mir Spass und so wurde bereits im Oktober beschlossen, dass ich die weiteren Ausbildungsmodule 'Infosysteme', 'Führungsinstrumente' sowie 'Verbesserungsmanagement' auch besuchen werde.
Als sich mein Vorgesetzter zu einer Veränderung entschloss, wurde mir die Aufgabe vom 'Management System Leiter' übertagen. Dies alles war etwas zu viel für mich, deshalb bewilligte der Optiprint Leiter einen temporären externen Berater anzustellen, damit die QM-Dokumentation den ISO Anforderungen gerecht erstellt und auf Anhieb unproblematisch zertifiziert werden könnte.
Alles lief wie am Schnürchen, die Weiterbildung hatte Spass gemacht, die Zertifizierung der Prozess-Dokumentation war erfolgreich, die Fehlerquoten hatten sich verbessert, mein Chef war zufrieden mit mir und mein Einkommen hatte sich wieder verbessert.
Leider verschlechterte sich der Leiterplattenmarkt und so musste ich im Zeugnis vom März 2006 folgenden Satz zur Kenntnis nehmen:
'Nach unbefriedigender Auftragslage im 2005 zwingt uns die wirtschaftliche Situation nun zu unerfreulichen Restrukturierungsmassnahmen.
Wir bedauern sehr, dass davon leider auch Herr Eisenhut betroffen ist.'

Ich traute mich diesmal auch direkt Personalchefs anzuschreiben wie z.B im Mai 2006 Hrn. Alder von Huber&Suhner Herisau. Obwohl ich mich auf einen gesuchten 'Fertigungstechniker' bezog, erwähnte ich auch, dass ich mir ebenso gut eine Mitwirkung im QM-Bereich vorstellen könnte. Etwas überraschend wurde ich zu einem Gespräch am 24.Mai 06 mit Hr. Alder und Hr. Eichenberger eingeladen.
H&S kämpfte anscheinend mit vielen Fehlteilen (Ausschuss) von Lieferanten, was nicht zuletzt die Produktionsplanung und schlussendlich die H&S Auslieferung negativ beeinflusste.
Das Gespräch führte zu einem Anstellungsangebot als 'Lieferantenentwickler' Fertigungsinsel Galvanik/WEP, dem ich zusagte und am 2. Aug. 2006 meine neue Aufgabe antrat.

Hr. Eichenberger ist Leiter der Galvanik aber auch der Eingangsprüfung von extern hergestellten Komponenten. Er ist mein Vorgesetzter geworden und will die Quantität der Fehlteile massiv reduzieren.
Dazu hat er die Stelle Lieferantenentwickler/Lieferantenpflege neu für mich geschaffen. Ich werde also eng mit der WEP aber auch mit dem Einkauf zusammenarbeiten. Situationsanalyse der Lieferanten und der Fehlerteil-Gruppen zur Priorisierung vom Vorgehen. Lieferanten besuchen zusammen mit dem verantwortlichen Einkäufer, um mich vorzustellen aber auch im Gespräch allfällige Fehlerquellen zu erkennen. Nach meiner Einarbeitszeit erkannte ich mehrere Fehlerquellen, dabei waren Zeichnungsfehler, Messfehler und auch Produktionsfehler.
Ich stellte unter Anderem fest, dass die Lieferanten oft Messmaschinen benutzten die die Genauigkeit der WEP-Messmittel übertrafen. Ich beantragte deshalb, dass H&S sich eine genaue Messmaschine beschaffe und dafür einen klimatisierten Raum bereitstelle. Weil ich auch Zeichnungen korrigieren liess und Messfehler zugestanden habe, besserte sich meine Akzeptanz bei den Lieferanten stark. Während mein Kollege Beschaffungsaspekte besprach, auditierte ich die Produktionsprozesse. Das führte zu Verbesserungen bei uns und bei den Herstellern. Aus der anfänglichen Fehlteilestatistik wurden Zielsetzungen pro Teil und/oder pro Lieferant vereinbart. Es gelang mir mehrfach solche Ziele zu übertreffen. Das führte dazu, dass mir mein Vorgesetzter weitgehende Freiheiten gewährte, welche Lieferanten wann und warum zu besuchen waren. Ich erlebte meine besten Jahre von meiner Erwerbstätigkeit!
Trotz ausgezeichnetem Arbeitsklima, Freiheiten im Vorgehen, Firmenfahrzeug und persönlicher Genugtuung, beantragte ich im 2009 eine Frühpension im Alter von 64 Jahren. (Man muss gehen, wenn es am Schönsten ist)

Ich versuchte in Gesprächen mit Mutter und Schwestern, unterstützt von einem Notar, Erbteilungsmöglichkeiten aufzuzeigen und stellte fest, dass ein Kauf und entsprechende Vergütungen meiner Schwestern im Bereich des Möglichen lagen.
Dazu wollte ich aber den Stall als Wohnraum ausbauen können und beantragte im Voraus, das Haus aus der Landwirtschafts- in die Wohnzone umzuzonen. Als der Antrag bewilligt wurde und Mutter und Schwestern meiner Teilungsvariante zustimmten, wurde unser Umzug nach Reute festgelegt. Nur musste vorerst ein Umbau von Stall zu Wohnhaus geplant, gezeichnet, finanziert und gebaut werden.
Die Realisation wurde von 92 bis 93 durch Architekt Bänziger, Baugeschäft Künzler und Zimmerei Schmid durchgeführt. Der Ausbau vom Stall sollte altersgerecht (für die Mutter) sein, das heisst Küche, Wohnzimmer, Bad und zwei Schlafräume auf gleicher Ebene ohne Hindernisse. Garage, Werkplatz, Heizung, Waschküche und Eingang im Parterre, von wo auch ein Zugang zum Naturkeller unter dem Altbau realisiert werden sollte. Im zweiten Stock waren ein drittes Schlafzimmer, Büroarbeitsplätze und viel Stauraum unter dem Dach geplant. Weil das Haus Ortsbild geschützt war befand der Heimatschutz, dass das Dach nicht abgebrochen werden dürfe und der Wohnbau quasi unter das Dach eingebaut werden müsse. Man stelle sich vor was das bedeutete!
Im Okt. 93 rief uns Pfarrer Örtle (im Nachbarhaus) an, dass meine Mutter nach dem Gemüse holen im Garten vor dem Haus zusammengebrochen und verstorben sei. Nach der ersten Überraschung/Bestürzung realisierten wir bald, dass dies wohl für alle Beteiligten eine akzeptable, ja sogar gute Lösung gewesen war. Mutter musste weder Spital noch Heimaufenthalt noch Schmerzen erleiden und wir hatten keine Pflegeaufgaben zu bewältigen.
Der Stallumbau war praktisch abgeschlossen und so beschlossen wir nach Mutters Beerdigung, dass wir baldmöglichst von Rebstein in die Stallwohnung ziehen und das Haus zum vermieten herrichten wollten. Dieser Umzug fand dann schon Ende Nov. 93 statt. Schon während der Ausbauphase vom Stall war bereits ersichtlich, dass auch das Haus eine grössere Renovation nötig hatte. Dazu zählten immer weitere Notwendigkeiten und schlussendlich Kachelofen/Kamin, Küche und Bad, Küchenboden und Decke, Treppen zum Keller und zum ersten Stock. auch die ganze Fassade (Ost/Nordseite mit Schindeln) musste erneuert, und teilweise besser isoliert werden und zum Schluss mussten auch die einfachen Fenster durch zeitgemäss Doppelverglaste ersetzt werden.
Um die Finanzierung sicher zu stellen musste ich mich entschliessen, verpachtete Wiesenparzellen an den Pächter zu verkaufen.
Obwohl mir die ganze Familie tatkräftig auf der Baustelle half, bei Demontage (z.B. Schindelfassade) Isolierung/Einbau von Trennwänden im Dachzimmer oder laufende Reinigung der Baustelle, stellten die Söhne bald fest, dass ihnen der Wohnort Reute nicht zusage. Freunde, Fussball- und Tennisplatz waren in Rebstein und auch der Arbeitsweg war ungünstiger zu bewältigen als im Rheintal. Rolf wollte aber vor der 'Selbständigkeit' erst noch die RS und seine Weiterbildung zum Techniker abschliessen, Urs noch seine Lehre und die RS hinter sich bringen.

Obwohl wir unseren Nachwuchs so gut wie möglich auf Selbständigkeit erzogen hatten, waren wir doch etwas überrascht, als uns Urs 1994 mitteilte, dass er sich einer WG in Rebstein anschliesse und uns verlassen werde. Trotzdem hat er aber doch eine Weiterbildung zum Werkmeister und Industriemeister begonnen und später erfolgreich abgeschlossen.
Nach der abgeschlossenen Techniker-Weiterbildung von Rolf hat auch er 1996 dem Appenzellerland den Rücken gekehrt und ist in eine WG nach Widnau gezogen. Nun waren wir alleine mit unserem Kater 'Felix', einer sehr lieben Katze die uns bis 2018 begleitete und dann wegen Krankheit in den Katzenhimmel wechseln durfte. Mich hat die letzte Fahrt zum Tierarzt so stark berührt, dass ich selbiges nie wieder erleben wollte und wir seitdem kein Haustier mehr haben. Aber zurück zu den Jahren vor der Jahrhundertwende.
Nach und nach wurden dann bei den Söhnen auch Freundinnen ein Thema wobei Rolf mehrfach von Liebeskummer geplagt wurde und sich mit guten Freunden dem Bergsteigen und Klettern und im Winter dem Skifahren zuwannte.
Urs hatte schon ziemlich bald seine Karin gefunden die er im 2000 in der Kirche Reute heiratete. Trotz Kinderwunsch dauerte es bis dann im Sept 2003 Sandro geboren wurde.
Ein Stammhalter, Stolz und Freude herrschte gleichermassen! Weil aber Urs dem Wunsch von seinem Arbeitgeber SFS folgte und mit der jungen Familie in ein Tochterwerk nach Medina USA umsiedelte, mussten wir nach Amerika reisen um den jüngsten Eisenhut geniessen zu können. Aber davon später mehr.
Rolf hatte wohl im 2006 seine Cornelia gefunden und im 2007 auf der Kyburg bei Winterthur geheiratet. Ein stielvolles, sehr schönes Fest!
Von nun an waren Heidi und ich alleine, mit den jeweiligen Mietern, im Haus am Kirchenplatz.

In meiner Primarschulzeit gab es:
- drei Schulhäuser, je eines im Schachen und in Mohren für die Klassen 1-4 sowie 7 und 8. Die Kinder der ganzen Gemeinde wurden auf diese beiden Schulhäuser aufgeteilt. Ein weiteres Schulhaus stand in Reute für alle Kinder der Klassen 5 und 6 und dem Ziel die Eintrittsprüfungen einer umliegenden Sekundarschule, Mittelrheintal, Oberegg, Heiden oder Altstätten zu schaffen.
Mit dem Neubau von einem Mehrzweckgebäude in Reute, das neben Schulräumen für alle Klassen auch eine Turnhalle mit Bühne und Küche für Unterhaltungszwecke sowie Räume für die Gemeindekanzlei, Zivilschutz und sogar eine Wärmeverbundheizung, einen Sport- und Kinderspielplatz umfasst wurden die Primarschulhäuser in Mohren und Schachen zu Wohnhäusern umgebaut.
- vier Metzgereien, je eine in Mohren und Reute und sogar deren zwei im Schachen. Nach und nach haben vier alle ihre Tätigkeiten eingestellt.
- vier Bäckereien, je eine in jedem Weiler und eine zwischen Reute und Mohren. Diese hat sich schon seit geraumer Zeit als Holzofenbäckerei spezialisiert und ist als Einzige noch im Geschäft.
- zwölf Wirtschaften, die oft auch mit Bäckerei, Metzgerei oder Landwirtschaft gemeinsam betrieben wurden. Eine Einzige davon ist heute noch teilweise geöffnet.
Schade finde ich vor allem, dass es keine Dorfwirtschaft mehr gibt, wo man sich zu einem Bier, Schwatz oder Jass treffen kann oder sogar eine Kleinigkeit zum essen bestellen kann.
- drei 'Tante Emma' Läden die mittlerweile alle geschlossen haben. Glücklicherweise wurde ein sich abzeichendes Versorgungsproblem rechzeitig erkannt und eine Genossenschaft der Einwohner gegründet mit dem Ergebnis, dass heute in einem Denner-Satelit-Laden eingekauft werden kann.
- vier Landwirte im Dorf. Heute besteht noch eine aktive Landwirtschaft die gleichzeitig auch Viehhandel bereibt.
Ich bin natürlich auch Teil dieser Veränderung dadurch, dass ich die anfänglich verpachteten Wiesenflächen entweder der Gemeinde oder dem noch übrig gebliebenen Landwirt verkauft habe um damit meine Auslagen am Umbau und Unterhalt meiner Liegenschaft zu finanzieren.
- drei Poststellen, je eine in jedem Weiler. Heute gibt es noch eine Postablage im Denner-Satelit um Briefe oder Packete zu verschicken und Briefmarken zu kaufen. Die Zustellung von Postsendungen wird von der Nachbargemeinde organisiert und durchgeführt.
- einen Dorfpolizisten. Heute steht für Notfälle die Kantonspolizei bereit.
- diverse Webkeller und/oder Sticklokale in allen drei Weilern. Keine davon haben bis heute überleben können.

Im 2007 war die Anmeldezahl dann so gering, dass ich wohl oder übel entscheiden musste den Anlass auch sterben zu lassen. Leider.

Unvergessen sind auch eine Hurtigruten-Reise, eine 'inside Passage' Reise bis nach Alaska, oder eine China-Reise die unsere Kondition bis zu Anschlag belastete.
Weniger Kondition aber ebenso viel Freude bereitete uns auch eine Reise durch die Schweiz, eine Geschenk und organisiert von unserer Familie zu unserem 40. Hochzeit-Jubiläum. Die Reise führte uns auf den Pilatus, zum Besuch von guten Freunden aus der Singaporezeit und sogar auf das Jungfrau-Massiv.
Zunehmend bevorzugen wir, anstelle von anspruchsvollen Rundreisen, sogenannte Standortreisen ohne tägliches Ein-Auspacken oder Flussreisen bei welchen das Hotel und die Ausflugbusse die Reise begleiten. Hier haben wir vom schwarzen Meer bis Rügen, von der Schweiz nach Holland und auch in Frankreich (Rhone/Seine) herrliche Reiseerlebnisse sammeln können. Zwischendurch haben wir uns Badeferien auf den Balearen, in der Türkei oder Griechenland leisten können. Zur Silberhochzeit in Kos wurden wir sogar bei einer Kirchenbesichtigung vom Priester zu unserer Überraschung nochmals gesegnet.
Silberhochzeitferien KOS, j.e. Sept. 95
Hotel Marmari , das ist ja toll
über 1000 Zimmer voll
vom Meer her eine steife Brise
voll, am Pool, die Liegewiese
ein Glas "Metaxa" wärmt den Bauch,
s'gibt andere gute Sachen auch. Zwei Tage sind wir jetzt auf Kos
und kennen diese Insel, blos
ein Fleckchen hier und da zwei, drei
sind für Erkundigung noch frei
mit einem Töff geht's ziemlich munter
den Hügel rauf und ans Meer hinunter.
Beim fahren mit Brille um Kurven, dann
schleicht sich die Seekrankheit heran
Heidi geht es nicht sehr gut
wir fassen aber neuen Mut
gut festhalten und die Augen zu
so lässt "sie" Heidi wieder in Ruh. Beim Tennisfeld gibts Plätze, drei
sind alle für uns beide frei
so spielen wir von neun bis zehn
dann kommen "Profis", wir müssen gehn.
Dem Strand entlang beim "Barfussgehen"
zehren bald die Müskelchen
trotz Liegestuhl und Leselektion
fehlt abends für Tennis die Kondition.
Griechische Schwämme sind bekannt
woher sie kommen ist interessant
mit Bus und Schiff nach "Kalymnos"
Erklärung in deutsch, französische Videos
dann prüft man gut die Qualität
bezahlt und besitzt einen Sack der Rarität.
Vieleicht finden Liebste am Weihnachtsbäumchen
zum Jass oder baden ein griechisches Schwämmchen.
Schon Freitag ist es und darum
gehts wieder auf Erkundigung
Windmühle, Salzsee, Töpfer und Meer
da muss halt wieder ein "Töffli" her
denn damit kommt man sehr geschwind
wo andere erst nach Tagen sind. In Griechenland das weiss man schon
gehört ein Tempelbesuch zum guten Ton
so bestaunen wir am Samstag viel Steine
ein jeder denkt sich dabei das seine
später am Strand hat's noch mehr von dem Übel
so fahren wir wieder zum Dörfchen am Hügel.
Der Pfarrer in "Zia" sah uns als Hochzeitspaar
gab uns Kerzen und den Segen gar
gut für die nächsten 25 Jahre, hoffen wir
fuhren zum Hotel, ich trank ein Bier
Heidi packte schon die Koffer ein
schon um 4 Uhr 15 müssen wir gerüstet sein.
Der Urlaub ist fertig, kurz aber schön
vielleicht gibt's mit Kos ein Wiedersehn?

Bei der Erbteilung erhielt eine Schwester einen unbewohnten Altbau zugeteilt. Ihr Mann wollte das Gebäude mit Hilfe seiner Söhne sanieren/renovieren. Gesundheitsprobleme zwangen ihn jedoch den Plan aufzugeben. So habe ich die Parzelle von meiner Schwester gekauft, um diese Renovation selbst voran zu bringen. Nachdem ich Ofen/Kamin, die ganze Küche, elektrische- und Wasserleitungen abgebaut und via grosse Mulde entsorgt hatte, besprach ich mich mit Fachleuten um den Wiederaufbau zu planen. Zu meiner grossen Enttäuschung wurde mir erklärt, dass die Bausubstanz zu schlecht wäre und deswegen ein Ausbau nicht ratsam sei. Eine Kosten/Nutzenrechnung zeigte weiter, dass die Investitionskosten für einen allfälligen Abriss und Neubau gross und mit Mietertrag in Reute nicht rentable wäre.
So wird der Altbau teilweise noch als Lagerschuppen und/oder als Garage für den, im 1965 durch meinen Vater gekauften, Rapid Einachser genutzt.
Weiter ist auf dieser Parzelle auch mein Gemüsegarten, den ich gerne noch einige Jahre (?) weiter pflegen werde.
Nicht zuletzt aber freute ich mich auch auf etwas mehr Wander- und Reisezeit. Diese Möglichkeit nutzten wir teilweise recht ausgiebig, anfänglich noch eher verschiedene Wanderungen, dann entdeckten wir die Flussreisen mit einem Hotelschiff. Diese Art Ferien zu verbringen haben wir inzwischen recht ausgiebig benutzt, so waren wir auf der Donau, dem Main, dem Rhein, Oder, Seine, Rhone und Saone unterwegs und haben davon noch keineswegs genug.
Mehr Zeit als erwartet nahm und nimmt auch die Vermietung vom grossen Elternhaus und die bereits mehrfachen Mieterwechsel in Anspruch. Zudem waren nach Mieterwechseln auch Unterhalt und Reparaturen nötig. Bodenschleifen, weil die Hundekrallen zu lang waren und Spuren hinterlassen hatten, Wände schleifen/malen, weil die Kinder direkt an die Wände gemalt hatten oder ihre Zeichnungen mit vielen Bostiches daran befestigt hatten, Ofen reparieren weil die Benutzungsinstruktion nicht befolgt wurden und und und.

Ich habe mich mehr mit Holz beschäftigt, Ramen für Heidi's Bilder hergestellt und einige Masken, Tiere oder sogar einen Budda geschnitzt. Obwohl noch genügend verschiedenes Holz vorhanden wäre, musste ich zurückstecken, weil meine Finger und Hände die Belastung vom Schnitzen nicht mehr mitmachen wollen. Dafür habe ich mich einer Gruppe angeschlossen, die jeden Montag fast 3 kg schwere Kugeln nach neun Kegeln wirft und hofft, dass möglichst wenige davon stehen bleiben können.
Auch schreibe ich gerne hin und wieder ein Verslein über Reiseerlebnisse oder eine Glückwunschkarte oder sowas.
Ich habe auch nochmals Winterferien gebucht, obwohl Heidi zu viel Respekt entwickelt hat und wandern oder lesen vorzieht. Ich hoffe aber, dass mir das Skifahren weiterhin gelingt und Spass macht.

Nun wieder zu Hause pflege ich meinen eigenen Garten in dem neben Kartoffeln und Beeren, diversen Salaten auch diverse Kohlarten wie Spitzkohl, Blumenkohl, Broccoli, Chinakohl und dieses Jahr sage und schreibe auch Rosenkohl angepflanzt wurde. Ich freue mich wenn ich beobachten kann, dass die Setzlinge gut gedeien und natürlich auch auf die Speisen die meine Frau Heidi mit den Produkten aus 'meinem' Garten zubereitet.

Ich habe ausser einer kleinen Ellbogen-Reparatur und einigen physiotherapeutischen Muskel-Sehnen-Unterstützungen (Schulter) wenig oder nichts zu beklagen.
Mit zunehmenden Jahren haben wir uns aber auch etwas mehr Schonung zugestanden. Ich bin auch überzeugt, dass die Erzeugnisse aus dem eigenen Garten zweimal gesund sind, erstens durch die Gartenarbeit im Freien und zweitens auch durch die Bekömmlichkeit der Produkte, die mit Kompost, ohne Kunstdünger oder Chemie heranwachsen dürfen.
Während der Corona-Problematik waren wir glücklich nahe am Wald zu wohnen, so dass wir öfters stündige Rundgänge unternehmen konnten ohne anderen Leuten zu begegnen. Natürlich haben wir uns auch impfen lassen und sind so, mit geringen Krankheitssymptomen, über die Runden gekommen.

Rolf und Cornelia hatten mit ihrer Hochzeit solange zugewartet und es war sehr erfreulich, dass die ganze Familie gemeinsam feiern konnte. Aline, die erste Tochter von Cornelia und Rolf kam im 2008 zur Welt, gefolgt von Annik im Jahre 2010. Alle vier Enkelkinder waren und sind gesund und munter. Besonders bei Aline hatte Heidi eine Babysitter-Aufgabe übernommen, jeweils am Dienstag, abwechselnd mit Maria der zweiten Oma. Als Cornelia ihre Physiotherapie-Tätigkeit zu Gunsten einer Weiterbildung aufgab, war das 'Babysitting' nicht mehr notwendig.
Sandro und Celine waren/sind beide sportbegeistert, Sandro beim Fussball und Celine mit Sportgymnastik/Geräteturnen. Sandro wollte nach der Schule Schreiner werden und Celine hat den Beruf der Drogistin erlernt.
Die jüngeren Mädchen fanden sportliche Betätigung beim Orientierungslaufen (Aline) und beim Fussball. (Annik) Beide sind ausgezeichnete Schülerinnen und bringen hervorragende Zeugnisse vom Gymnasium nach Hause.
Sandro und Celine arbeiten mittlerweile (2025) in ihren erlernten Berufen. Beide haben Weiterbildungen begonnen, wo diese hinführen ist im Moment noch nicht klar.
Auch bei Aline und Annik steht noch nicht definitiv fest, welche Studienrichtung sie einschlagen werden.

Heute würde ich als Luxus erachten, dass unser Auto Allrad-Antrieb hat um zu verhindern, dass wir im Winter Schneeketten montieren müssen. Als Luxus könnte auch das Geberit Dusch-WC oder die Infrarot-Wärmekabine gelten.
Natürlich kann auch das wohnen im Eigenheim und die Möglichkeit jährlich Ferien oder Reisen zu finanzieren als Luxus bezeichnet werden, wobei bei der Auswahl die Kosten stark mit berücksichtigt sind. Dann denke ich, dass es auch etwas Luxus ist Gemüse und Salate vom eigenen Garten zu ernten und essen zu können.

Oder bei nötige Entscheidungen im sportlichen Bereich, weil Tennis spielen nicht mehr ohne Schmerzen möglich war und schliesslich eingestellt werden musste.
Oder als mir Heidi unmissverständlich nahe legte, dass ich nicht mehr Bäume im Wald fällen solle und mir das Brennholz von einem Nachbarn bis vor unser Haus bringen lassen soll um es dort zu zerkleinern..
Natürlich merke ich, dass der Zahn der Zeit an meiner Kraft und Kondition nagt, muss aber gleichzeitig erwähnen, dass ich noch vollends zufrieden bin mit dem was mit meinen 80 Jahren nach wie vor möglich ist. Auch das Umfeld reagiert oft mit Staunen, wenn mein Alter angesprochen wird.
Ich hoffe natürlich, dass ich und auch meine Frau noch länger gesund und selbstständig älter werden, Ferien und Reisen und das leben im Eigenheim geniessen können.
Für unverhoffte Fälle haben wir mit Ehevertrag, Vorsorgedokumenten, Organspendenausweisen etc. so vorgesogrt, dass nötige Aktionen in unserem Sinne vorgenommen werden können.

Etwas vorgezogen haben wir ein gemeinsames Mittagessen im 'Gletscherhügel', ein Restaurant oberhalb St.Margreten, mit gutem Preis-Leistungsverhältnis, netten Wirtsleuten und herrlicher Aussicht auf den östlichen Teil vom Bodensee.
Mit dabei waren unsere Söhne mit ihren Familien sowie die Geschwister von mir und Heidi mit ihren Lebenspartnern.
Zu meiner grossen Überraschung und Freude wurden Heidi und ich dann zu einem Familien-Wochenende anfangs August auf die Lenzerheide eingeladen. Urs und Karin holten uns sogar zu Hause ab und brachten uns zum Hotel wo wir unsere Zimmer bezogen. Sowohl ihre Kinder Sandro und Seline wie auch Rolf, Cornelia mit Aline und Annik waren bereits angekommen. Nach gegenseitiger Begrüssung begaben wir uns zusammen auf einen Rundgang um den See. Auf Grund seiner Knieoperation wählte Urs mit seinen Stöcken die Gegenrichtung und begleitete uns nach dem Zusammentreffen wieder zum Hotel zurück wo wir uns mit verschiedenen Getränken den Durst vom wandern löschten und unsere Wandergespräche fortsetzten. Bald schon machten wir uns frisch für ein feines Abendessen. Am Sonntag, nach dem Morgenessen fuhren wir gemeinsam zur Minigolfanlage teilten uns in verschiedene Gruppen (jung/älter) und hatten unseren Spass beim versuchen, den kleinen Ball mit möglichst wenigen Schlägen in die Löcher zu versenken. Weil Parkplätze beim Restaurant vorgesehen zum Mittagessen fehlten, fuhren wir zurück zum Hotel und genossen dort eine Kleinigkeit und etwas Grosses gegen den Durst den wir vom Minigolf mitgebracht hatten.
Bald schon verabschiedeten sich Rolf und Aline, die Velos dabei hatten und bis nach Sargans radeln wollten. Auch wir anderen begaben uns bald auf den Heimweg im Wissen, dass wir eine ganz tolles Wochenende zusammen verbracht hatten.
Das nächste 'Highligth' das ich erwähnen will war die Woche 34, die uns mit dem Bus nach Paris und dann mit der Excellence Royal auf der Seine in die Normandie und wieder zurück nach Paris brachte. Eine herrliche Woche mit LeHavre, Etretat, Monet Garten und Parisbootsfahrt etc. Die lange Anreise und Rückfahrt sei nur am Rande erwähnt.
Im Sept. kann ich von einem schönen Senioren-Tagesausflug und einer unserer sehr seltenen Klassenzusammenkunft berichten. Selten, weil einerseits nur noch wenige Ehemalige einer Klasse gesundheitlich teilnehmen können und so drei Jahrgänge zusammengezogen werden und auch, weil sich Organisatoren nicht aufdrängen.
Im Oktober und November haben keine nennenswerte Ereignisse stattgefunden, anderst dann an Weihnachten, weil wir am 25igsten einmal mehr die ganze Familie (Söhne, Schwiegertöchter und Enkelkinder) vereint an unserem Esstisch sassen um zusammen ein 'Steamboot' zu geniessen und Weihnachten zu feiern.'Steamboot', bei dem fleisch, Fisch, Gemüse in mundgerechte Stücke geschnitten mit einem kleinen Sieb in einer kochende Brühe mit viel Gemüse darin gegart werden und je nach Wunsch auch mit Nudeln zusammen verspeist werden und wir von unserer Singaporezeit kennen, ist seit mehreren Jahren als Weihnachtsmalzeit zur Tradition geworden, mit wenigen Ausnahmen wie z.B. ein Grippefall oder das Coronajahr.
Sobald sich draussen der Winter zeigte begann ich mich auf die Skiwoche zu freuen obwohl Heidi ihre Ausrüstung verschenkt hatte und nicht mehr skifahren wollte.
Ich aber wollte unbedingt erleben wie sich eine Skiwoche anfühlt zu einem Kinder-Skipasspreis. Rückblickend kann ich bestätigen, dass das Skifahren auch zum ermässigten Kinderpreis absolut Spass bereitet hat.
Damit Heidi nicht allzuviel alleine spazieren oder lesen musste habe ich meine Pistenzeit natürlich reduziert und dadurch nicht nur ihr eine Freude bereitet, sondern auch meine Kondition geschohnt.
Nach der Skiwoche zu Hause habe ich festgestellt, dass ein Teil der Silikonfugen im Bad erneuert werden sollten. Damit das auch ordentlich aussehen würde habe ich mit Fredy Heule einen Profi. beauftragt und gestaunt, wie schnell er diese Arbeit erledigen konnte.
Weil meine Hände zunehmend Schmerzen verursachten hat mich mein Hausarzt Dr.Frisbie zum Handchirurgen Dr.Sonderegger überwiesen. Nach dem untersuchen der Nervenfunktion war für ihn klar, dass die Karpaltunnelle an beiden Händen operiert werden müssen. Somit wurden also Termine für beide Hände festgelegt, laut Dr.Sonderegger würde eine Abstand von einem Monat von der einen zur anderen Hand genügen.
Seit über 10 Jahren produzieren einige Photovoltaik-Platten bei schönenm Wetter etwas eigenen Strom. Weil beim Wechselrichter keine Baterie angeschlossen werden kann beschloss ich am 8 Mai den Wechselrichter zu ersetzen und gleichzeitig eine Baterie anzuschliessen. Weil dann natürlich auch attraktiver Strom für ein E-Auto verfügbar würde wurde gleich auch eine Ladestation eingebaut.
Das wiederum brachte mich in Zugzwang meinen (geliebten) Allradsubaru gegen eine E-Fahrzeug einzutauschen. Attraktive gebrauchte E-Autos standen nicht reihenweise zur Verfügung, nach einigen Testfahrten beschloss ich einem Tauschgeschäft gegen einen BMW zuzustimmen.
Dieser Tausch wurde bereits am 12 Juni Realität und so fahre ich nun also mit einem E-Auto zum Einkaufen, Kegeln usw.
Die Benutzung der Ladestation schien vorab mehr als einfach, Ladekabel anschliessen und schon wird mit günstigen Strom vom Dach oder der neuen Huawei-Batterie die Autobatterie wieder aufgeladen.
Jetzt nach mehr als einem Monat weiss ich, das das alles nicht ganz so einfach ist weil porogrammiert/eingestellt werden muss, was wann vorrangig mit Strom bedient werden soll. Natürlich hat kochen Vorrang, dann Geschirrwaschen oder überhaubt Waschen und Trocknen und wann darf das Boilerwasser geheizt werden und soll fürs Auto nur 'grüner' Strom genutzt werden oder darf allfällig auch das Netz angezapft werden? Weil die Mitarbeiter von Swiss-Photovoltaik extrem belastet (überlastet) sind dauert das Einstellen nun schon seit Wochen und braucht Geduld. Mit etwas Überwachung und Phantasie, auch Absprache mit Heidi habe ich jedoch die Autobatterie bis jetzt immer mit 'grünem' Strom aufladen können.
Etwas überraschend sprach mich inzwischen ein Bekannter mit Namen Dani an und schlug mir vor, dass er unseren Altbau (das Trudihaus) gerne kaufen und für seinen Musikkollegen langsam (über Jahre) als Wohnung ausbauen würde.
Ich hatte vor Jahren geplant, das alte Haus zu renovieren, wurde aber von mehreren Fachleuten überzeugt das nicht zu tun, weil die Bausubstanz eine Renovation nicht rechtfertigen würde. Ein allfälliger Verkauf zum Rück- und Neubau stand also zu Diskussion.
Weil ich in der Garage noch viele Gartengeräte, einen Häcksler, einen Rapid-Einachser und Waldwerkzeuge wir Motorsäge etc. eingelagert hatte wollte ich einen Verkauf aber hinausschieben bis ich nicht mehr fit genug für Gartenarbeit oder Brennholzzubereitung sein würde.
Und nun wollte Dani das alte Haus tatsächlich renovieren!
Ich begann mit aufräumen, Geräte in andere Lagerorte zu verschieben und mit Dani über Handänderungsdetails zu sprechen, als ich merkte, dass mir die Situation über den Kopf wuchs und mir nachts den Schlaf raubte.
Ich überdachte die Situation und beschloss, meiner Gesundheit Vorrang zu gewähren, Dani entsprechend zu informieren und eine Veräusserung (vorerst) abzusagen.
Jetzt bekam ich vom Strassenverkehrsamt die Einladung zum Gesundheits- beziehungsweise Fahreigungstest. Auch das noch! Ich meldete mich also gleich an und bekam nach entsprechendem Untersuch von Dr. Popp die Bestätigung, dass ich weiterhin Befugnis zum lenken eines Automobils haben würde.
Jetzt zurück zur Karpal-Operation. Die linke Hand wurde am 23 April im Spital Grabs operiert. Zum Glück die linke Hand weil ich im Anschluss an die OP im linken Daumen kein Gefühl verspürte und der Daumen kalt blieb. Fehlende Blutzirkulation. Hausarzt Dr. Frisbie stellte mir eine Verfügung zur Physioterapie aus und ich sagte den Operationstermin im Spital Grabs für die rechte Hand ab zumindest solange bis die Linke wieder voll funktionsfähig sein würde.
Inzwischen sind wir bereits in der dritten Juli-Woche, wegen fehlendem Gefühl im linken Daumen war eine zweite Verfügung für Physioterapie nötig und ich glaube mehr und mehr, dass ich mir eine Erfahrung wie ich sie mit der linken Hand aktuell machen muss auf der rechten Seite nicht antun würde! Nun bat ich den Physiotherapeuten sich meine rechte Hand anzusehen. Ein Blick genügte und er sah klare Zeichen, dass zusätzlich zu der Karpal-OP auch noch ein Schnappfingerproblem behoben werden müsse und zwar nicht konventionell sondern operativ.
Nachdem die linke Hand wieder voll funktioniert werde ich mich also wieder mit Dr. Sonderegger absprechen wie weiter vorgegangen werden kann. Eine OP an der rechten Hand werde ich aber hinauszögern bis im Spätherbst Kartoffeln und Gemüse eingebracht sind, das heisst bis der Garten leer sein wird.
Übermorgen Samstag feiern wir meinen 81igsten Geburtstag, mein 80 igstes Jahr ist also vorüber und abgeschlossen. Die enge Verwandschaft ist zum 'SchreGazuHau' (Schrebergarten zu Hause) eingeladen diesen Anlass mit mir zu feiern. Heidi hat bereits eine Kuchen gebacken, Schwiegertochter Karin will ein Dessert für alle mitbringen und ich habe mir wieder mein Standart Geburtstagsznacht Penne mit Heidi's Sugo gewünscht. Das Wetter soll einigermassen mittun, erst am späteren Abend ist event. etwas Regen angesagt.

Dann bearbeite ich auch andere hängige Themen wie z.B. den Verkauf der Parzelle 720. Seit ich erfahren habe, dass die Immobilie wesentlich wertvoller ist als im Gespräch mit Dani angenommen, habe ich jegliche Motivation zum Verkauf verloren und Dani entsprechend informiert. Glücklicherweise hat er Verständnis gezeigt und meine Entscheidung akzeptiert.
Dann habe ich die Kommunikation mit dem Spital Grabs wieder aufgenommen und einen Termin mit dem Handchirurgen Dr. Sonderegger vereinbart. Er hat noch immer eine 'Sprechstunde' im Spital Altstätten. Ich bin gespannt zu erfahren, was er mir zu den Problemen mit dem linken Daumen und zu einer allfälligen Schnappfinger-OP an der rechten Hand zu sagen/raten weiss.
Dann macht mir ja auch die aktuelle Hitze/Dürre-Periode mehr und mehr zu schaffen, weil der Dorfbrunnen, mein Wasserlieferant, versiegt ist. Das ist so gut ich mich erinnern kann in den vergangenen 30 Jahren nicht vorgekommen. Trotz Hitze und wenig Regen sind aber die Regensammel-Fässer noch voll. Mit dem noch vorhandenen Restwasser im Dorfbrunnen, mit dem Wasser in meinem Gartenbrunnen und dem Regenwasser in den Fässern kann ich bis jetzt die Pflänzchen im Garten am leben halten und Heidi's Küche mit Zucchini, Randen, Salat und hin und wieder einer Portion Bohnen beliefern. Fast hätte ich die Frühkartoffeln vergessen die natürlich auch Menu-Bestandteile sind.





