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Von Niklaus Wild – Familie und Dienst an der Gesellschaft
Niklaus Wild
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4.
Meine Grosseltern / 07.09.2026 um 9.02 Uhr
19.
Gemeinsame Freunde und Bekannte neben Kyburgern / 09.09.2026 um 7.52 Uhr
4.1.
Meine Grosseltern / 09.09.2026 um 8.55 Uhr
20.
Meine Beziehungen über die Jahre / 09.09.2026 um 9.02 Uhr
20.1.
Meine Beziehungen über die Jahre / 11.09.2026 um 6.58 Uhr
12.2.
Studium an ETH Zürich / 11.09.2026 um 9.57 Uhr
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Verzeichnis

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1.
Einleitung und Buch über Afrikareise
2.
Kindheit in Grossfamilie
3.
Meine Eltern
3.1.
Meine Mutter, auch Haushaltsvorsteherin
3.1.
Was fällt dir als erstes ein, wenn du an deine Mutter denkst?
3.1.
Gibt es ein bestimmtes Bild früheren Glückes, das dir im Zusammenhang mit der Mutter in den Sinn kommt?
3.1.
QX Mutter wuchs im Schönenbühl Teufen auf mit drei Geschwistern
3.1.
QX Meine Mutter, die Organisatorin
3.1.
Wie hast du sie als Mutter empfunden?
3.1.
QX Meine Mutter war für alle da, gönnte sich selber wenig
3.1.
Was habt ihr alles zusammen unternommen?
3.1.
Hast du dich an deine Mutter gewandt, wenn dir etwas auf dem Herzen lag? Woran erinnerst du dich speziell?
3.1.
Welches war der Beruf deiner Mutter, bevor sie heiratete? Hat sie diesen Beruf auch nach der Heirat ausgeübt?
3.1.
Hatte sie Hobbies oder Leidenschaften? Was konnte sie besonders gut? Was machte sie besonders gern?
3.1.
Wie haben sich die Eltern kennen gelernt?
3.1.
Wie kleidete sie sich? War ihr das wichtig?
3.2.
Mein Vater, der stille Anwesende
3.2.
QX Vater in der Stube
3.2.
QX Vater mit dem Willys Jeep, Vater schreibt viel
3.2.
QX Vater mit sieben Geschwistern im Steigbach aufgewachsen
3.2.
Wie würdest du ihn beschreiben?
3.2.
Wie hast du ihn als Vater empfunden?
3.2.
Was waren seine herausragenden Eigenschaften?
3.2.
QX Vater informierte sich. Am Sonntag war immer 'arbeitsfrei'
3.2.
Hast du dich an deinen Vater gewandt, wenn dir etwas auf dem Herzen lag? Woran erinnerst du dich speziell?
3.2.
QX Werkzeugschrank meines Vaters
3.2.
QX Arbeitsfelder meines Vaters, vor unseren Augen
3.2.
QX Leidenschaften des Vaters
3.2.
QX Vater sieben Tage die Woche im Einsatz, zwingend morgens und abends
3.3.
Familie mit fünf Mädchen und vier Buben
3.3.
Was fällt dir spontan ein, wenn du an deine Eltern als Ehepaar denkst?
3.3.
QX Mutter organisierte den Alltag unserer Grossfamilie mit bescheidenen finanziellen Mitteln
3.3.
QX Guter Umgang untereinander
3.3.
Falls es zu Trennungen/Scheidung kam: Was war das für eine Erfahrung?
3.3.
An welchen Elternteil hast du angenehmere oder spezifischere Erinnerungen?
3.3.
An was für Erziehungsmethoden, allenfalls auch Bestrafungsmethoden, erinnerst du dich?
3.3.
QX Mithilfe in Hof und Haus
3.3.
Wie hielten es deine Eltern mit Taschengeld?
3.3.
Wie waren deine Eltern religiös eingestellt?
3.3.
Haben deine Eltern dir als Kind/euch als Kinder gegenüber ihre politischen Ansichten geäußert? Wo standen sie politisch?
3.3.
Hast du Erinnerungen an das damalige Verhältnis deiner Eltern zu Behörden und Obrigkeit? Zur Kirche?
3.3.
Was für mediale Erinnerungsstücke an deine Eltern wie Briefe, schriftliche Aufzeichnungen, Bilder, Fotos, Filme, Tonaufzeichnungen, Videos hast du?
3.3.
QX Gewohnheiten, Überlieferungen, Ähnlichkeiten
3.4.
Mehrheitlich gesunde Familie
3.4.
Gibt es Lebensweisheiten, die dir deine Eltern mitgegeben haben?
3.4.
Inwiefern glaubst du, dem Vater oder der Mutter ähnlich zu sein? Oder bewusst anders?
3.4.
Welche Rolle spielte Humor in deinem Elternhaus? Erinnerst du dich an lustige Geschichten oder Vorfälle?
3.4.
Wie hast du Sexualität/Erotik in deinem Elternhaus erlebt?
3.4.
Falls ein Elternteil, oder beide, schon gestorben sind, welche Erinnerungen hast du an ihren Tod?
3.5.
Tod der Eltern, Familientreffen
4.
Meine Grosseltern
4.1.
Mein Grossvater väterlicherseits
4.1.
Was sind deine Erinnerungen an diesen Grossvater?
4.1.
QX Grossvater Hasdöni, Onkel Karl in Ecuador, Tante Berta
4.1.
Was habt ihr zusammen unternommen?
4.1.
Was für Selbstzeugnisse oder Objekte über deinen Grossvater existieren noch? Was bedeuten sie dir?
4.1.
Was war seine berufliche Tätigkeit?)
4.1.
Erinnerst du dich an seinen Tod?
4.1.
Wie hat er im Alter gelebt?
4.1.
Erinnerst du dich an Personen, die im Leben deines Grossvaters eine wichtige Rolle, positiv oder negativ, gespielt haben?
4.2.
Meine Grossmutter väterlicherseits
4.2.
Meine Grossmutter väterlicherseits
4.3.
Mein Grossvater mütterlicherseits
4.3.
Mein Grossvater mütterlicherseits
4.4.
Meine Grossmutter mütterlicherseits
4.4.
Meine Grossmutter mütterlicherseits
5.
Meine robuste Gesundheit
6.
Wohnen in der Jugend
7.
Primarschulzeit in Bühler
7.1.
Primarschule
7.1.
Primarschule
7.1.
Primarschule
7.1.
Primarschule
7.1.
Primarschule
7.1.
Primarschule
8.
Langzeitgymnasium im Internat
9.
Meine Freizeit
9.1.
Lesen
10.
Kyburger als Lebensfreunde
10.1.
Als Altherr bei den Kyburgern
10.2.
Regionalstamm Basel
10.3.
Linde Oberstrass - Verbindungshaus
10.4.
Kurt Venzin v/o Schuss
10.5.
Urs Keller v/o Tirggel
10.6.
Enttäuschungen mit Freunden und Kollegen?
11.
Wie ich nach Indien wollte und in Afrika landete
12.
Studium an ETH Zürich
12.1.
Vorlesungen, Übungen, Prüfungen
12.2.
Prof. Pozzi, Schluss-Diplom, Assistenzjahr
12.3.
Mitstudenten, Diplomtreffen
12.4.
Finanzierung des Studiums
12.5.
Studentenbuden
12.5.
Was war deine Motivation für ein Studium?
12.5.
Erinnerst du dich noch, wie du dich als Student an der Universität eingeschrieben hast?
12.5.
Welche Studienrichtung und welche Fächer hast du ausgewählt?
12.5.
Warst du ein guter und fleissiger Student?
12.5.
Hast du die Universität ein- oder mehrmals gewechselt?
12.5.
Falls ja, wie war das Studentenleben und das Studium an anderen Universitäten bzw. Instituten?
12.5.
Wie lange hast du gebraucht, um das Studium abzuschliessen? Mit welcher Abschlussarbeit und welchen Noten?
12.6.
Nutzen des Studiums
13.
Veronika & Niklaus seit der Heirat
13.1.
Veronika's Jugend
13.1.
Musstet ihr euch zwischen mehreren Partnern/Partnerinnen entscheiden?
13.1.
Wann wurde klar, dass ihr zusammenleben wolltet? Wann, dass ihr heiraten wolltet?
13.1.
Gab es auch Momente des Zweifels?
13.2.
Familienwohnung
13.2.
Wie habt ihr eure Wohnung ausgestattet?
13.2.
Was ist dir vom ersten Ehejahr in Erinnerung geblieben?
13.2.
Wie sah euer finanzielles Arrangement aus?
13.3.
Veronika's Vorfahren
13.4.
Veronika's Bruder Hansjörg Lüscher-Steiner
13.5.
Veronika's Schwester Ruth Bucher-Lüscher
13.6.
Veronika's Gesundheit
13.7.
Veronika an der Arbeit
13.8.
Annus horribilis 2009/10
13.9.
Lebenshaltung
14.
Tiergarten mit Vor- und Nachteilen (Baurecht)
14.1.
Örtlichkeiten Im Tiergarten, Geschichte
14.2.
Veronika's Gartentrauma, Projekt Im Walder
14.3.
Parkettferien in Lindau mit Bemerkungen
14.4.
Aufwändige Suche nach einer Familienwohnung
14.5.
Veronika's Finanzgebaren
14.6.
Versuch einer Beurteilung dieser Belastung
15.
Unsere drei Kinder
15.1.
Unsere älteste Tocher Milena Franziska
15.2.
Unser Sohn Raphael Matthias
15.3.
Unsere jüngste Tochter Isabelle Katharina
16.
Unsere drei Enkel
16.1.
Adrian
16.2.
Gabriel Casimir Lorenz
16.3.
Linus Christopher David
17.
Familienleben
17.1.
Familienalltag
17.2.
Weihnachten im Laufe der Jahre
17.3.
Jahrestage oder Jubiläen
17.4.
Familienferien
17.5.
Mobilität
17.6.
Alltag als Paar im AHV-Alter
18.
Reisen als Ehepaar
19.
Gemeinsame Freunde und Bekannte neben Kyburgern
19.1.
Monique Schaller, Hannes Roose, Urs Bollhalder
19.2.
Beziehung zu Familien von Veronika und Niklaus, insbesondere 2025
19.3.
Nachbarschaft Zollikon und Tiergarten, Bekannte
20.
Meine Beziehungen über die Jahre
20.1.
Aus Angestellte-Umgebung
20.2.
Wanderumfeld
20.3.
Arbeitsumfeld wie Peter Sibold, der rastlose
21.
Lebensfreude
22.
Meine acht Geschwister
22.1.
Abschied vom bäuerlichen Leben, Kurzbiografien
22.2.
Maria Brabetz-Wild, die sprachbegabte
22.3.
Gandolf Wild, der geistliche Bruder
22.4.
Martha Guerra-Wild, die 'Italienerin'
22.5.
Sepp Wild-Stieger, der Maschinist
22.6.
Theres Reich-Wild, Köchin, Psychiatrieschwester, Bäuerin und Familienfrau
22.7.
Tony Wild-Knechtle, der lokal verankerte
22.8.
Catherine Winteler-Wild, die ruhige
22.9.
Monika Bucher-Wild, die die Energien spürt
23.
Treffen der Familien Wild-Büchel
24.
Arbeiten
24.1.
Arbeitskollegen ? Vorgesetzte ? Vorbilder?
24.2.
Unternehmensgründung
25.
Armee
26.
Gutes Leben im Alter
27.
Religiosität
28.
Nachgedanken
29.
Einzelne Tage
29.1.
Ritomsee am 28. August 2024
29.2.
Konstanz am 29. August 2024
29.3.
Heuried am 30. August 2024 und 30. Juni 2026
29.4.
Annus felix 2025
29.5.
Mein 74. Geburtstag in der Heimat
29.6.
Veronika und der Winterblues am 30. Januar 2026
30.
Idee zu Abdankung und Leichenmal
31.
Lebensdaten, Wohn- und Arbeitsorte, Besonderes
32.
Erlebenslauf als Abschluss
33.
Von Tag zu Tag
33.1.
August 2024
Für meine Frau Veronika. Dank ihr konnte ich mich beruflich engagieren und ein gutes Leben leben.
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Einleitung und Buch über Afrikareise
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1.  Einleitung und Buch über Afrikareise
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Über mich zu schreiben, war nie auch nur im Entferntesten ein Thema. Umso mehr staune ich, was ich alles in der Lage bin aufzuschreiben.

In der Pandemie im Dezember 2020 war ich wegen Covid-19 in der Quarantäne. Aus dieser Langeweile heraus habe ich angefangen mit Schreiben. Daraus ist 2025 sogar ein Buch entstanden mit dem Titel 'Afrika, die Erweckung für einen Appenzeller'. Die Einleitung aus diesem Buch schildert die Motivation.

Einleitung (aus Buch)

Schreiben über mich war nie auf meiner Liste. Warum schreibe ich dieses Buch? Es handelt von Lebensmonaten, die ich alleine erlebt habe.

Die übrige Lebenszeit war ich eingebettet in der Grossfamilie, in der Primarschule, im Internat und in der

Wohngemeinschaft. Anschliessend lebte ich in der eigenen Familie mit Frau und Kindern oder war bei der Arbeit. Ich war nie allein.

Es stellen sich bei meinem stromlinienförmigen Lebenslauf Fragen:

Warum habe ich aus dem bäuerlichen Umfeld heraus überhaupt studiert?

Warum wollte ich nach Indien und bin dabei in Afrika gelandet?

Zu Beginn beschreibe ich meine Kindheit und Jugendjahre. Wie sie mich prägten.

Im Hauptteil gehe ich auf meine Erlebnisse in Afrika und in Israel ein. Der Bericht wird ergänzt mit Informationen zu meinem Bruder als Auslöser meiner Reise.

Weitere Kapitel widme ich meiner Asienreise 1976 und der Reise nach Indien 2009.

Die Lebensdaten geben Aufschluss über meine Tätigkeiten, dies zur Entlastung des Textes von Datumsangaben. Zur Abrundung schildere ich am Schluss mein Leben aus Sicht eines 74-Jährigen.

Das Buch schreibe ich vorwiegend für mich. Der Schreibprozess erlaubt mir, Erlebtes einzuordnen. Dies führt zu Klärungen und wirkt beruhigend auf mich.

***


Die Aufzeichnungen im Buch beschreiben meine Jugend- und Ausbildungsjahre. Meine späteren Lebensjahre als Familien- und Berufsmensch habe und werde ich anhand der von der Plattform zur Verfügung gestellten Struktur mit Hilfe von an die 500 Fragen einpflegen. Das Institut für Sozialanthropologie und empirische Kulturwissenschaften (ISEK) der Universität Zürich unterstützt diese Plattform.

Ich schreibe vorwiegend für mich. Es beruhigt mich ungemein. Langsam dämmerte mir, ich schreibe auch für die Wissenschaft. Mein Buch über Afrika wird 2026 dem Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich übergeben.

Wie organisiere ich die Integration des Buches in meine Aufzeichnungen:

Im Buch sind meine ersten 27 Lebensjahre bis zum Ende des Studiums beschreiben. Auf meet-my-life.net sind die Themen in den entsprechenden Kapiteln wie im Buch erschienen einkopiert und als 'aus Buch' bezeichnet. Nach den *** füge ich weitere Erlebnisse hinzu.

Das Kapitel 'Mein Vater stirbt unerwartet' und alle weiteren aus dem Buch sind unter der Afrika- und Indienreise aufgeführt. 

Das Buch habe ich meinem Bruder gewidmet: Für meinen Bruder Albert und späteren Kapuziner Gandolf. Er beeinflusste indirekt mein Leben. Er lebte von 1940 bis 2022 und arbeitete auf den drei Kontinenten Europa, Afrika und Asien.

Falls sich jemand mit meinen Aufzeichnungen auseinandersetzen möchte, so ist es am einfachsten, unter dem Drucker-Bild 'alles drucken' wählen und dies als PDF-Dokument zu speichern. Es ist meines Erachtens so überblickbar und ruhig lesbar. Sollte dies nicht funktionieren, so kann alles als WORD-Datei exportiert und in ein PDF konvertiert werden.

In den Schreibkursen habe ich öfter den Satz gehört: erzählen, nicht aufzählen. Für mich werden die Aufzeichnungen mehr und mehr zu (m)einem Nachschlagewerk. Das führt hin und wieder zu Aufzählungen und Listen. Meine Geschwister, meine Kinder und Enkel oder auch Kollegen finden mit ausgewählten Geschichten den Weg in meine Texte. Im Buch 'Papyros' habe ich 2025 erfahren, dass die Ausbreitung der Schrift in den Anfängen über Aufzählungen für Händler und Besitzende (Inventarlisten) erfolgt ist. Erst später wurden Texte verfasst. Bei mir ist für mich ein Kapitel erst abgeschlossen, wenn all die Daten, Adressen, Beträge, etc. stimmen. Vielleicht kann ich später auf dieser Basis zu erzählen beginnen.


Niklaus Wild, geboren 1951, Aufnahme vom 26. April 2021 im Restaurant auf dem Monte Verità in Ascona

 

Klappentext (aus Buch) über den Autor:

Der Autor beschreibt sich in seiner Jugend als schüchtern und angepasst, aber lernwillig. Diese Eigenschaften verhalfen ihm zu seinem gradlinigen Lebenslauf als Familienmensch, Ingenieur und Immobilienfachmann. Im Buch geht er der Frage nach, was ihn angetrieben hat, als Student 1974 eine abenteuerliche Reise zu unternehmen. Zudem beschreibt er, warum er in Sizilien entschieden hat, zuerst nach Afrika hinüberzusetzen, obwohl er nach Indien wollte. Diese unstrukturierte Abenteuerreise passt so nicht zu seinem bis dahin behüteten und ordentlichen Lebenswandel. Niklaus Wild ist aufgewachsen im Appenzellerland und wohnt in Zürich.


In einem von der Edition-Unik geführten Prozess ist dieses Buch innerhalb von 17 Wochen 2025 entstanden.

 


Inhaltsverzeichnis des Buches, das meine ersten 27 Lebensjahre beschreibt.

Beim Schreiben habe ich auf die korrekte Darstellung und Schreibweise geachtet. Zum Schluss hat eine dritte Person eine Textprüfung vorgenommen. Trotzdem haben sich einige Fehler eingeschlichen. 

Corrigendum zum Buch 'Afrika, die Erweckung.....' UNIK 2025

 

 

Kindheit in Grossfamilie
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2.  Kindheit in Grossfamilie
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Kindheit in Grossfamilie

Meine Geburt fiel in die Nachkriegszeit, sechs Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges. Am Tisch war viel von den Entbehrungen des Krieges die Rede, z.B. wie die Städter zu uns gekommen seien, um Lebensmittelmarken zu tauschen. Oder wie die Amerikaner im Gebiet des Rheinfalls das Haus meines Onkels Johann Anton Wild-Roth bombardiert hatten. Auch hörte ich Geschichten von polnischen Männern, die in der Fabrik in der benachbarten Au interniert waren.

Meine erste Erinnerung hängt mit dem Tod meines Grossvaters (Johann Anton Wild, geboren 4. Juni 1875, gestorben am 11. Mai 1955) zusammen. Ich war damals vier Jahre alt und durfte nicht mit an seine Beerdigung. Zum Trost habe ich ein kleines Spielzeugauto bekommen. Eine Magd hat auf mich aufgepasst. Ich mag mich erinnern, als sich der Leichenzug mit Pferd und der Sarg auf dem Wagen und hinten die schwarzbekleideten Leute Richtung Dorf in Bewegung setzte, sah ich wehmütig aus dem Stubenfenster und bin nachher mit dem Spielzeugauto am Rand des Stubentischs entlang gefahren.

Jeden Morgen und jeden Abend brachten die Bauern der Umgebung die Kuhmilch in die von meinem Vater betriebene Milchsammelstelle. Damals kamen noch etliche Bauern zu Fuss, vielfach begleitet von ihrem Hund. Einmal hob ich vielleicht als 5-jähriger einen Hammer gegen einen Hund, der mich dann in den Arm gebissen hat. Von diesem Ereignis an hatte ich lange Zeit Angst vor Hunden.

 

Niklaus Wild, 5 Jahre alt, 1956. Fotograf: Mein Cousin Carlo Valentin Wild (*24. Februar 1937)

Etwa im gleichen Alter bin ich in der Stube von der Eckbank auf den Boden gefallen, dummerweise mit dem Gesicht flach auf den Boden. Von daher rührt wahrscheinlich meine krumme Nase. Auf der Foto ist sie meiner Beurteilung nach noch gerade.

 

Zur Zeit meiner Geburt war es üblich, ein geborenes Kind am Tage seiner Geburt zu taufen, da es sonst im Falle eines damals nicht unüblichen frühen Todes nicht in den Himmel kommen würde.

Mein Taufpate war Hans Gmünder vom Roggenhalm in Bühler. Er war der Sohn eines Kollegen von meinem Vater. Er arbeitete bei der grössten Firma im Dorf, bei der Teppichfirma Tischhauser (heute TISCA Teppiche) als Personalchef. Er begleitete seinen Chef überall hin. Er starb in der Nacht, bevor er Herrn Tischhauser auf der Jagd begleiten wollte, bei sich zu Hause mit etwa vierzig Jahren. Er hat eine Frau und drei kleine Kinder hinterlassen. Ich mag mich erinnern, wie meine Mutter von unserem kargen Geld der Witwe Geld geliehen hat, damit sie ihre drei Kinder ernähren konnte. Der uneinsichtige Beamte im Dorf hatte alle Konten gesperrt und die Witwe hatte kein Bargeld mehr. Meine Lehre daraus: Sich administrativ für den Fall des eigenen Todes vorbereiten und Regelungen treffen.

Meine Patin hiess Paula Fässler, die beim Schwimmbad in Teufen wohnte. Sie war eine Freundin meiner Mutter. Sie schenkte mir zu Weihnachten meistens Socken.

Gefirmt worden bin ich als zehnjähriger am 4. Juni 1961 in Teufen von Bischof Josephus Hasler (1900-1985). Meinen Firmgötti habe ich anscheinend selber angefragt. Er war ein lediger Bauer vom Graugaden, mit Namen Johann Baptist Neff oder 'Weidseppe Bisch' (11. November 1933-27. Juni 2024). Er hat mich als Jugendlicher jedes Jahr an Neujahr zum Mittagessen eingeladen. Das war für mich einer der wenigen Momente in einem fremden Haushalt und gab mir Einblick in andere Sitten und Gebräuche.

 




Sieben Geschwister warten auf mich
(aus Buch)
Meine Geburt wurde von sieben Geschwistern erwartet. Mutter gebar alle Kinder mit Unterstützung einer Hebamme zu Hause. Damit dies in Ruhe geschehen konnte, nahmen die Grosseltern in Teufen vier ‘Goofen’. Es waren die Geschwister Josef, Theres, Tony und Catherine. Die älteren drei Geschwister, Maria, Albert und Martha, gingen zur Schule und halfen zu Hause.

An Fronleichnam 1951 kam ich auf Welt. Es war eine natürliche Geburt. Mutter war damals 38 und Vater 42 Jahre alt. Sie stillte mich längere Zeit. Mein Kopf war rundlich und gross und ich ähnelte damit dem Vater.

Wir waren eine grosse Familie, meine jüngere Schwester Monika rundete drei Jahre später den Kinderreigen ab. In der Umgebung gab es Clans mit 14 und mehr Kindern.

Mutter hat uns vorgelesen und Geschichten erzählt. Sie ist im Nachbardorf Teufen als Älteste mit den drei Geschwistern Hedwig, Hans und Martha im Schönenbühl aufgewachsen. Ihr Vater Gallus Büchel konnte das Hämetli 1878 kaufen. Anfänglich hatte er nebenbei noch zwei Kühe. Das Wasser zum Kochen und Waschen holten sie am Brunnen. Grossvater war Zimmermann im Dorf. Die Zimmerei lag in Fussdistanz zwischen dem Bahnhof Teufen und dem Hotel Linde. Er war mit Maria Metzger verheiratet. Meine Mutter war nach der Schule mehrere Jahre in Genf. Vor der Heirat arbeitete sie im kaufmännischen Bereich einer Textilfirma. Sie hat gern und viel gelesen, konnte auch Englisch und Französisch schreiben und reden.

Für den arbeitsaufwendigen Haushalt beschäftigte meine Mutter Mägde, meist junge Mädchen aus befreundeten Familien. Die waren auch bei uns am Mittagstisch. Wir waren deshalb viele Personen beim Essen, meistens mehr als zehn. Bei so vielen Menschen unter einem Dach war eine Tagesstruktur nötig. Vor der Schule gab es Frühstück. Mittags um 12 und abends um 6 Uhr war gemeinsames Essen am Tisch. Dazwischen gab es höchstens Obst.

In meinem 6. Altersjahr könnte die Zusammensetzung am Mittagstisch etwa wie folgt ausgesehen haben: Vater 48 unten am langen Tisch, Mutter 44 um die Tischecke auf einem Stuhl, daneben eine oder zwei Mägde und ev. ein Knecht, dann auf der Eckbank Martha 15, Sepp 14, Theres 12, Tony 11, Catherine 9, Niklaus 6 und Monika 3. Maria war mit 18 damals schon in Zürich und Albert/Gandolf mit 17 im Internat in Appenzell. Martha kam am Mittag von der katholischen Mädchenschule Flade mit der Gaiserbahn von St. Gallen heim zum Essen!

Am Freitag assen wir kein Fleisch und an den anderen Tagen wenig. Morgen- und Abendessen bestand aus Brot, Butter, Konfitüre und naturbelassener Milch, direkt von der Kuh. Mein Lieblingsgericht waren Dampfnudeln. Nach meinen Essens-Wünschen wurde ich höchstens an Geburtstagen gefragt.

Schulaufgaben mussten in der Stube nach der Schule erledigt werden. Mutter war anwesend. Meist war sie am Stricken oder flickte Kleider. Nach dem Abendessen gab es Spiele, Geschichten, Basteleien etc.

Auch die Woche war organisiert. Unser Alltag war geprägt vom Rhythmus der Milchsammelstelle, alle Tage ohne Unterbruch. Am Montag und Freitag wurde Wäsche mit einer Hoover-Maschine gewaschen. Am Samstag gegen Abend wurde warmes Wasser hochgebracht und in eine Gelte geschüttet. Wir Kinder wuschen uns darin, eines nach dem anderen. Es gab frische Kleider. Ich habe Hemden oder Leibchen und Hosen mit Hosenträgern getragen, meist das Gleiche die ganze Woche lang. Im Sommer waren wir barfuss unterwegs und konnten uns auf Kieswegen problemlos bewegen.

Der Sonntag war immer arbeitsfrei. Dies war für uns Kinder ein sicherer Wert. Nach dem Gottesdienst gab es das Mittagessen und nach dem Abwasch ging es zu einem Spaziergang oder Ausflug. Nachbarn brachten das Heu auch am Sonntag ein. Vater und unser Pächter haben Wert darauf gelegt und so geplant, dass dies nicht nötig war. Trotzdem hatten sie vielfach als erste alles trocken eingebracht. Das hat mir gezeigt: Pausen bei der Arbeit sind wichtig.



Nach dem Essen haben wir Kinder das viele Geschirr von Hand abgewaschen, nach einem vorgegebenen Schema. Eines musste unten heisses Wasser holen. Ein Anderes hat abgewaschen und wieder Andere abgetrocknet und das Geschirr versorgt. Dabei haben wir vielfach gesungen. Es sind schöne Erinnerungen.

Erzogen worden bin ich meiner Erinnerung nach von meinen Eltern, vor allem von der Mutter. Zusätzlich aber auch von meiner ältesten Schwester Maria Brabetz und von unserem Cousin, Pächter und Nachbarn Hans Inauen senior. Unsere Eltern waren immer präsent und für uns da.

Der Vater war geprägt von zwei Weltkriegen. Er sagte immer: ‘Was du im Kopf hast, kann dir niemand wegnehmen.’ Bildung war ihm wichtig. Er liess uns bei der Berufswahl freie Hand. Alle Kinder konnten eine Ausbildung machen. Diese grosszügige Haltung hatte mit seiner Erfahrung zu tun, den Hof wider Erwarten übernehmen zu müssen. Ihm ist der Wandel des bäuerlichen Lebens nicht verborgen geblieben. Wir müssen ihm für diese Haltung dankbar sein.

Meine Eltern informierten sich über das Weltgeschehen in der Tageszeitung ‘Die Ostschweiz’. Vater hörte die Nachrichten und den Wetterbericht am Telefon. Mein Grossvater hatte als einer der ersten im Dorf einen Telefonanschluss. Radio und Fernsehen hatten wir indessen nicht. Bruder Sepp kaufte aus seinem ersten Lohn ein Transistor-Radio. An diesem hingen wir und lauschten gemeinsam am Stubentisch den Strassenfeger ‘Polizist Wäckerli’. Diese Sendung war anderntags Thema in der Milchsammelstelle und in der Schule.

Im Haus hatten wir wenig Spielsachen, was aber unserer Kreativität keinen Abbruch tat. Zum Spielen hatten wir die Natur. Ich mag mich an eine aufziehbare Blechlokomotive und ein paar Gleis-Stücke erinnern, mit denen ich einen Gleisring bauen konnte. Des Weiteren hatte ich eine Büchse voll Legosteine, mit denen ich ein vorgegebenes Haus erstellen konnte. Dies gelang aber nur, wenn ich die Steine richtig verwendet habe. Am Schluss mussten genau die richtigen für den Kamin übrig sein. Dieses Haus habe ich immer wieder aufgebaut. Wir hatten Holzklötze und natürlich einen Holzstall zum Spielen. Einmal bekam ich einen Meccano (Stockys) geschenkt, mit dem ich ein kleines Auto zusammenschrauben konnte. Vielfach spielte ich im Büro des Vaters, das neben der Stube lag. Der Schreibtisch, die Lexika, die Rechenmaschine und die Schreibmaschine waren für mich sehr interessant. Vater hatte ein Streckenmessrädli, mit dem man die Strecken messen konnte, je nach Massstab. Damit bin ich auf den Landkarten den Wegen nachgefahren. An seinem Pult habe ich viel gesessen.

Mit der Mutter haben wir Eile mit Weile gespielt oder mit den Jasskarten. Gut in Erinnerung habe ich Sonntage mit dem Monopoly-Spiel, wo ich zum ersten Mal ‘Paradeplatz’ gehört habe.

Allein habe ich viel Zeit in unserer Werkstatt verbracht. Mein Vater hatte als ausgebildeter Schreiner einen Schrank voller Werkzeuge zur Holzbearbeitung und eine Hobelbank. Ich sortierte Schrauben oder nagelte Holzstücke zusammen. Später bauten wir Seifenkisten.

Wir spielten vielfach rund um das Haus Versteckis, Völkerball oder mit den Fahrrädern etc. Bei Regenwetter verbrachten wir die Zeit im Mehllager über den Schweinebuchten. Es war uns nie langweilig. An Sonntagen kamen auch Kinder vom Dorf zu uns. Bei uns war immer Betrieb.

Ich kann mich erinnern, wie ich mit dem Nachbarsbuben Werner Roth stundenlang am und im Steigbach mit Wasser und Dreck spielte oder in unserem Wald. Seine und meine Mutter haben jeweils gerufen, wenn das Essen bereit war.

Im Winter schleppte uns Vater auf unseren Schlitten mit dem Jeep den Roggenhalm hinauf. Es war ein Gaudi.

***

Mit meinem Namen haderte ich und gab jeweils auf die übliche Frage ‚wie heisst du?‘ zur Antwort: Peterli. Das war so in der Zeit ab vier Jahren bis zur Schulzeit. In Dokumenten nenne ich mich Niklaus, also ohne das mich störende ‚o‘. Im Dienstbüchlein vom Militär, das in Appenzell ausgestellt worden war, stand Niklaus. Bei meinem Wechsel nach Zürich nahm es ein Beamter ganz genau und korrigiert sichtbar in Nikolaus.

In meinem Umfeld nannte man mich meistens ‚Nik‘ oder ‚Nico‘.

Als in der Schweiz dann mehr und mehr ausländische Namen auftauchten, musste man bei Anmeldungen jeweils die Identitätskarte vorlegen und somit bin ich automatisch nicht nur der ‚Nikolaus‘, sondern sogar der ‚Nikolaus Ignatius‘.  Meine Bank- und Kreditkarten lauten offiziell auf Nikolaus Ignatius, wie auch meine Mobil-Abo-Rechnung. Bei Flugtickets muss ich immer akribisch darauf schauen, dass die offiziellen Taufnamen auf dem Ticket stehen, ansonsten kann es Probleme beim Check-In oder am Zoll geben. 

Als Ergänzung ein Akrostichon zu meinem Namen NIKLAUS:

N       Nie alleine
I        Immer Auf Trab
K       Kontemplation, ein Fremdwort
L        Leben lassen
A       Arbeit über alles
U       Unterwegs in Wald und Feld
S        Suche nach Zufriedenheit und Sinnhaftigkeit

Weil wir zu Hause unter anderem eine Milchsammelstelle mit Käseladen betrieben, nannten die Kinder meinen fünf Jahre älteren Bruder Tony ‚Cheese‘ und mich in der Folge ‚Cheesli‘. Sogar die Lehrer riefen mich manchmal so. An einer Klassenzusammenkunft, so im Alter von 30 Jahren fragte mich ein ehemaliger Mitschüler, wie ich eigentlich richtig heisse. Für ihn und andere war ich immer noch der Cheesli.


 

Unsere Küche war auch Waschraum
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2.  Kindheit in Grossfamilie

Unsere Küche war auch Waschraum
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Unsere Küche - Ein Mehrzweckraum (aus Buch)
Das Bild zeigt Monika und Niklaus beim Abwaschen. Zur Kinderzeit hatten wir nur fliessendes Kaltwasser. Das heisse Wasser zum Abwaschen holten wir mit einem 10-Liter-Kessel vom Dampfkessel in der Milchsammelstelle einen Stock tiefer.

Auf dem Bild sind zwei Wasserhähnen an der Wand. Mein Bruder Tony arbeitete seit August 1961 bei Elektro Büchler in Bühler. Er hatte einen alten Boiler mit nach Hause genommen und im Keller installiert. Ab da gab es Kalt- und Warmwasser. In dieser Küche verrichtete an der Spüle die ganze Familie ihre Morgen-Toilette, tägliches Zähneputzen, Gesichts- und Händewaschen.

Durch die Türe hinter Monika kommt man zur Treppe, die links hinunter ins Erdgeschoss führt. Gerade hinaus geht es zur Toilette in einer Ecke der Werkstatt.

Links war der elektrische Kochherd, die Brennkammer, die mit Bürdeli aus Holz beschickt wurde zum Heizen des Ofens im Wohnraum. Es folgten zwei Kochplatten, die auch von der Ofenwärme profitierten und anschliessend die Türe in die Stube.

In der Küche wurde die Wäsche gewaschen und tropfnass in die Wäscheschleuder gehievt. Von dort ging es zum Aufhängen in die oberen Stockwerke oder nach draussen. Unser Vater montierte die Waschmaschine an der Stelle der zwei Kochplatten, die mit dem Holzofen verbunden waren.

Im Rückblick ist es schwer vorstellbar, dass all die aufgeführten Tätigkeiten im gleichen Raum stattgefunden haben. Das Bild zeigt, dass die Nutzungsphase der Materialien dem Ende entgegengeht. Nachdem Vater im Jahre 1967 die Liegenschaft Dachsböhl verkauft hatte, konnte er im Steigbach in die Milchsammelstelle und in die Wohnung investieren. Die Küche wurde in den Vorratsraum verlegt. Für meine Mutter war es eine Wohltat, sie konnte diese Erleichterungen mehr als zehn Jahre geniessen.

Im alten Vorratsraum hatten wir eine handbetriebene Brotschneidemaschine, damit die Brotstücke regelmässig dick waren. Vater hielt nichts von schräg geschnittenem Brot. Einen Kühlschrank hatten wir im Verkaufsladen unten im Keller. Dort wurde die Butter und die Joghurt für den Verkauf gelagert und auch Speisen für die Familie. Im Vorratsraum hatten wir eine kleines Schränklein mit einem Gitter als Abschluss, wo wir den angefangenen Käse aufbewahrten. Bei uns hatte es immer viele Fliegen. Für die Pfannen gab es ein Gestell neben dem elektrischen Herd. Das viele Geschirr indes versorgten wir in der Stube in einem Wandschrank, das schöne in der Kommode.

Die Küche diente vielen Zwecken: Eingangsraum in die 6-7 Zimmer-Wohnung, Heizraum, Waschküche, einziges Lavabo in der Wohnung zum Zähneputzen und für Morgentoilette, Kochraum mit Elektro- und Holzherd, Raum für die Vorbereitung des Essens und zum Abwaschen des Geschirrs, Durchgang in die oberen Zimmer und zur Toilette im Stalltrakt.

***

Wie auf dem Bild ersichtlich: Auf der linken Seite war ein Fenster, davor ein Tisch und die Spüle, links davon die Türe in die Vorratskammer. Am Ende führte eine Treppe hinauf in das obere Stockwerk und geradeaus ein Durchgang ins Nachbarhaus zu einem Zimmer, dass je nachdem unserer Wohnung oder der Wohnung der Nachbarn zugeteilt werden konnte. Zu meiner Zeit wurde es von unserer Familie genutzt. 


Monika und Niklaus in der Küche beim Abwaschen, Aufnahme 1964


Auf dem Bild sehe ich zwei Wasserhahnen an der Wand. Mein fünf Jahre älterer Bruder meint dazu: 'Ich arbeitete seit August 1961 bei Elektro Büchler in Bühler. Als ich mich fähig fühlte, eine elektrische Installation zu machen, habe ich einen alten, funktionsfähigen Boiler mit nach Hause genommen und im Keller unter der Küche installiert. Es ist also sehr wohl möglich, dass wir ab da Kalt- und Warmwasser hatten! Ich hatte zugleich die Wand und die Leitungen mit dem Plättli-Pavatex verkleidet. Früher war über dem Waschtrog ein Spieglein montiert.'

Haus, Hof, Garten, Ställe
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2.  Kindheit in Grossfamilie

Haus, Hof, Garten, Ställe
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Bäuerliches Umfeld (aus Buch)
Grosszügiges Haus, Bauernhof, Gewerberäume, Wiesen, Bäche, Wald. Das war mein Spielfeld in der Jugend.

Vor dem Haus gibt es ein Wieslein für uns zum Spielen. Hier hat die Mutter jeweils am Montag und Freitag die Wäsche aufgehängt. Bei der Milchsammelstelle und dem Stall bildete der Brunnen den Abschluss. Gespielt haben wir rund um das Haus. Zwischen den Bahngleisen und dem Schweinestall hatten wir einen Garten. Dort durften wir der Mutter helfen. Ich konnte mich allerdings nie für die Gartenarbeit begeistern.

Die Haltestelle wurde in den 70-er-Jahren von der Rose zu uns verlegt, dort wo früher der Garten war. Vor dem Haus war die Böschung bei der Strasse sehr steil bis zum Bach hinunter. In meiner Kindheit wurde dieser Teil so ausgefüllt, dass eine gleichmässig abfallende Fläche zur Bewirtschaftung entstanden ist. Vater wollte, dass die Autos hinter dem Brunnen durchfuhren. Dadurch ist für uns ein Vorplatz entstanden. Wir konnten ungestört die Tiere Wasser trinken lassen oder den Bauern Gelegenheit zum Parkieren der Fahrzeuge geben.

Auf einem Bauernhof spielt das Zimmer nicht so eine Rolle. Ich hatte erst als Gymnasiast in den Ferien ein eigenes, nachdem die meisten der Geschwister ausgezogen waren. In der Kindheit teilten wir uns nicht nur das Zimmer, sondern je nach Situation auch das Bett. Im Haus war die Stube mit einem Kachelofen von der Küche her geheizt. Das Schlafzimmer wurde in der kälteren Jahreszeit nur zum Schlafen benutzt. Sonst hielten wir uns in der Küche, in der Stube oder im Büro des Vaters auf. Meiner Erinnerung nach war ich zwischen den Essenszeiten draussen. Bei Regen konnten wir in der Werkstatt, in der Milchsammelstelle, im Stall oder im Mehllager spielen.

Mein Vater ist mit drei Schwestern und vier Brüdern aufgewachsen. Er lernte in München Schreiner. Diese Ausbildungsstätte hat ihm meiner Vermutung nach sein ältester Bruder Bisch (1903-1967) vermittelt. Dieser war dem Jesuitenorden beigetreten und in Deutschland im Einsatz. 1938 hat mein Vater den Steigbach meinem Grossvater Hasdöni abgekauft, ungefähr 50’000 m² Landwirtschaftsland und Wald. 1956 konnte er den Dachsböhl mit 12’000 m² dazukaufen.

Unsere Familie belegte den mittleren Teil des grossen Hauses (Bild) unter dem Giebel, rechts davon waren Verwandte untergebracht. Für Hans Inauen und Fine Dähler, die am 14. Juli 1955 geheiratet haben, wurde der obere Stock umgebaut. Die Aufnahme zeigt die alte Fenstereinteilung. Links war der Heustock mit Kuhstall. Der gemauerte Teil ist die Milchsammelstelle, darüber die Werkstatt und unser Plumps-Klo. Links zwischen Strassenbahn und Bauernhaus befindet sich der alte 1873 und der neue 1947 erstellte Schweinestall. Die Grosseltern Katharina und Hasdöni Wild-Hersche und Tante Berta Tanner-Wild wohnten im Dachsböhl, erreichbar über den Fussweg hinter dem Haus.

An Grosseltern habe ich nur vage Erinnerungen. Ab vier Jahren bin ich ohne sie aufgewachsen.

***



Bei den Bahngleisen wurde beim Strassen-Übergang Kies zwischen die Schienen geschüttet. Wir belegten manchmal die Schiene mit Steinen, was jeweils einen betäubenden Lärm zur Folge hatte, wenn der Zug mit voller Geschwindigkeit darüber gefahren ist. 




Flugaufnahme Steigbach 20. August 1953, Garten liegt links zwischen Stall und Bahn, Start der Auffüllung zwischen Haus und Steigbach, Wäsche an der Leine, Brunnen, Hinten am Stall Weg zum Dachsböhl (Grossvater, Tante Berta)

 

 

 

Mit Familie Inauen unter dem gleichen Dach
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2.  Kindheit in Grossfamilie

Mit Familie Inauen unter dem gleichen Dach
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Im gleichen Haus Ostflügel wohnte Hans und Fine Inauen, unser Cousin. Zwischen 1956 und 1965 kamen sechs Kinder auf die Welt. Mit diesen spielten wir natürlich auch, vor allem auch meine um drei Jahre jüngere Schwester Monika.

Ca. 1971 Familie Inauen schaut zum Fenster ihrer Stube hinaus. Von links: Hans sen., // Martha, Fine, Hans jun., // Verena, Marianne, Margrit. Regula ist nicht auf der Foto.

Auf der Foto fehlt Regula (*1956). Sie war damals schon nicht mehr zuhause, als 15-jährige.

Jahrgänge:
Hans Inauen sen. 1926-2018, Fine Inauen-Dähler 1932-2024, Regula Schildknecht 1956, Hans jun. 1957, Margrit 1958, Marianne 1959-2012, Verena 1961-2000, Martha 1965. Verena und Marianne sind beide an Krebs gestorben. Marianne hat den gleichen Todestag wie ihre Mutter Fine, nämlich den 8. Oktober.

An der Beerdigung von Fine habe ich erfahren, dass Fine vor der Heirat mit 23 Jahren eine sogenannte 'Täfeli-Medle' in Appenzell war, das sind ledige junge Mädchen, die z.B. an der Fronleichnams in der Tracht mit gehen und eine Tafel tragen.

Hans Inauen sen. hatte 1966 einen Unfall mit seiner Lambretta, mit einer Hirnerschütterung. Er fiel für ca. ein Jahr aus. Böfflis Sepp hat Fine Inauen unterstützt im Hof und meine Mutter hat ihr beim Haushalt geholfen.

Im Bauernhaus und in den Schweineställen hat es keine Tiere mehr und seit 1. Mai 2024 wird auch die Milchsammelstelle nicht mehr gebraucht. Das Landwirtschaftsland ist verpachtet.
 
Abschied vom Bühler und vom Steigbach 2023 und 2024: Im Zusammenhang mit der besonderen Klassenzusammenkunft im Juni 2023, im Rahmen der Feier 300 Jahre Bühler, die mir sehr gefallen hat, scheint mir der Abschied von Bühler gekommen zu sein. Mit dem Tod von Fine fällt eine wichtige Verbindung für mich zu meinem Elternhaus weg, 50 Jahre nach dem Verkauf der Liegenschaft an die Familie Inauen. 

An der Beerdigung vom 24. Oktober 2024 sagte mir Hans Inauen jun., er sei am Aufräumen. Das Haus sei offen, ich könne hineingehen. Die Veränderungen waren sichtbar. Mich erstaunte, als ich von der Milchsammelstelle in den Vorraum vom Hauseingang ging, dass der selber angefertigte Alpaufzug an der Wand hing wie eh und je. Das hat mich gefreut. Als ich in den Laden (Keller) ging, wo ich als Jugendlicher Käse, Butter und Joghurt verkauft habe, und dort immer noch die gleiche Kasse stand, machte ich eine Foto. Mit dieser Kasse habe ich viel gespielt und die Mechanik zum Öffnen studiert. Schon damals musste man einen 'Code' kennen.



 

Ladenkasse im Keller. All die Jahre musste man beim Öffnen die rechten zwei Klappen hochdrücken. Den eingenommenen Betrag für Käse, Butter, etc. hat man auf die Papierrolle geschrieben. Aufnahme 24. Oktober 2024, 50 Jahre nach dem Verkauf der Liegenschaft von uns an die Familie Inauen..

 

Hans Inauen sen. im Eingang zur Milchsammelstelle oder Hütte. Steigbach. Juni 1946. Die Aufnahme stammt von seinem Bruder Sepp Inauen.

 

 

 

 

Spielen rund ums Haus; Jahreszeiten
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2.  Kindheit in Grossfamilie

Spielen rund ums Haus; Jahreszeiten
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Pult von Vater in seinem Büro (Aufnahme von 1974).

Auf dem Bild sieht man auf Grund der Erhöhung unter der Vorderseite, wie schräg der Boden war. Anscheinend wurde die hintere Wand beim Einbau der Milchsammelstelle einfach erhöht. Links oben sind die drei 'Grossen Brockhaus', die ich oft konsultiert habe. Rechts im Karteikasten sind die Landeskarten eingeordnet. Diese benutzte der Vater und ich oft. Im Gestell darunter sieht man seinen Feldstecher, den er auf die Wanderungen oder Spaziergänge meist mitgenommen hat. Gespielt haben wir vor allem draussen. Vielfach war es Fangis, Versteckis oder Ballspiele wie Völkerball. Am Sonntag haben wir noch Kinder vom Dorf zu uns zum Spielen. Bei Regenwetter spielten wir im Dachgeschoss über den Schweinebuchten im trockenen Mehllager. Wir verstopften zum Beispiel alle Öffnungen und jagten dann die Spatzen hin und her, bis diese und wir erschöpft waren. Mit dem Sackkarren haben uns hin und her chauffiert auf imaginären Strassen. Ich mag mich erinnern wie ich stundenlang unten am Bach mit Dreck, Lehm und Ästen das Wasser gestaut habe. Die Mutter hat jeweils gerufen, wenn das Essen bereit war.  Als grössere Kinder gingen wir auch vielfach in unserem Wald etwa zehn Minuten vom Haus entfernt. Auch dort spielten wir am Wasser. Allein habe ich auch viel Zeit in unserer Werkstatt verbracht. Mein Vater hatte einen Schrank voller Werkzeuge zur Holzbearbeitung und auch einen Hobelbank. Ich sortierte Schrauben, nagelte Holzstücke zusammen. Später bauten wir auch Seifenkisten. Mit der Mutter haben wir Eile mit Weile gespielt, manchmal spielte auch Grosstante Emma mit, die eine schlechte Verliererin war. Auch haben wir mit den Jasskarten gespielt. Gut in Erinnerung habe ich Sonntage mit dem Monopoly-Spiel, das jemand mitgebracht hat, wo ich zum ersten mal Paradeplatz gehört habe.

Meine Mutter und mein Vater haben viel gelesen. Auch die älteren Geschwister hatten ihre Vorlieben. Mein erstes Buch ohne Bilder, nur mit Text, habe ich etwa mit elf oder zwölf Jahren gelesen. Es hatte meiner Erinnerung nach etwa 36 Seiten. Ich mag mich erinnern, wie ich über meine drei ältere Schwester Catherine gestaunt habe, die Bücher wie z.B. die dicken Karl-May-Bücher gelesen hatte. Als Gymnasiast hatte ich einmal eines gelesen und dabei ist es das ganze Leben geblieben. Die Mutter holte die Bücher in der Bibliothek oder lehnte sie sich von Freundinnen aus. Zuhause hatten wir keine Büchergestelle mit Büchern, nur im Büro des Vaters die Nachschlagewerke und in einem Schrank einige Bücher.

Meine Mutter hat mir viel erzählt und auch viel vorgelesen. Eines der Märchen war  vom Wolf und dem Rotkäppchen oder vom Schneewittchen und den sieben Zwergen. In unsere Familie wurde viel gesungen, auch beim Abwaschen.

In unserer Familie hatten wir weder Radio noch Fernsehen in meiner Kindheit und Primarschulzeit. Als mein sieben Jahre älterer Bruder Josef Geld verdiente, brachte er einen tragbaren Radio nach Hause. Da war ich aber schon etwa elf oder zwölf Jahre alt. Ich mag mich erinnern, wie wir jeweils in der Stube am Tisch rund um das Radio sassen und Strassenfeger wie Polizist Wäckerli gehört hatten.

In der Stube hatten wir ein schwarzes Telefon an der Wand. In meiner Jugend hatten nicht alle Leute ein solches Telefon zu Hause. Viele Bauern kamen zu uns und hielten ihr Telefongespräch in unsere Stube ab. Sie mussten zum Beispiel mit dem Veterinär oder mit einem Viehhändler abmachen.

Mein Vater sagte immer, unser Grossvater sei einer der ersten gewesen im Dorf, der ein Telefon zu Hause gehabt hätte. Er hatte damals die Tel.-Nr. 9.

Bei uns war immer jemand zu Hause, der auf mich aufpassen konnte als kleines Kind. Der Vater war in der Nähe und die Mutter war eigentlich immer zu Hause, unterstützt von Mädchen aus benachbarten Familien. Die Geschwister waren auch da, meine älteste Schwester zum Beispiel war zwölf Jahre älter als ich.

Am meisten hatte ich Angst, wenn es stark windete. Ich dachte immer, wenn der Wind nur nicht das Dach weg bläst. Oder bei einem Gewitter hatte ich Angst vor Blitzschlag. Der Vater hat mir aber immer gesagt, der Blitz schlage in einen Blitzableiter, die oben auf dem Dach montiert seien. Aber einmal hatten wir Glück: Ein Bauer sagte, bei uns beim Dach käme so eine kleine Rauchfahne heraus. Mein Vater ist sofort auf den Estrich gestiegen und sieh da, unter dem Dach muss ein Glutstücklein von unserem Dampfkessel sich eingenistet haben und bald hätte es lichterloh brennen können. Bei uns war alles aus Holz.

Die Jahreszeiten spielten auf dem Bauernhof eine grosse Rolle. Obwohl der Vater den Landwirtschaftsbetrieb seinem Cousin verpachtet hat, halfen wir ihm mit vor allem beim Heuen und Emden. Als Kind musste ich nach dem Mittagessen helfen, das Heu zu wenden und am Abend 'Mädli' zu machen. Kam ein Gewitter oder Regen unerwartet schnell, musste das Heu auf Heinzen aufgesetzt werden, damit es nicht allzustark durchnässt wird. Alle waren jeweils nervös bei dieser Arbeit. 

Ich mag mich erinnern, wie wir jeweils am Nachmittag auf der Wiese mitten im Heuen eine Pause machten und meine Mutter brachte uns einen Zvieri.

Im Winter half ich jeweils den Vorplatz von Schnee zu befreien. Als älterer Knabe musste ich es jeweils alleine machen. Im Winter mussten wir jeweils dem Vater beim 'Pfaden' helfen. Er hängte eine Pfadschlitten, zwei Bretter, die vorne in einen Spitz mündeten und dazwischen wie eine Bank. Wir sassen auf der Bank, damit der Schlitten schwerer war und auch wirklich den Schnee von den Wegen auf die Seite schieben konnte. Wenn der Schnee nass und schwer war, gelang das nicht immer. So 'pfadeten' wir die Wege in der Umgebung, damit die Bauern die Milch zu uns bringen konnten. In meiner Jugend hatten die wenigsten Bauern ein Fahrzeug.

Wenn der Vater mit den Knechten im Wald Bäume fällte, durften wir nur von sicherer Entfernung zuschauen, war es doch zu gefährlich.

Sonn- und Feiertage, drei Mahlzeiten, Verwandte
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2.  Kindheit in Grossfamilie

Sonn- und Feiertage, drei Mahlzeiten, Verwandte
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Monika und Niklaus vor der Krippe um Weihnachten 1963.

Die Adventszeit und Weihnachten (bis inklusive Dreikönigstag am 6. Januar) war eine schöne Zeit im Jahr. Vater hatte für die Kommode einen Aufbau geschreinert, auf dem er die selber hergestellte Krippe aufstellte. In der Kommode war unser schönes, auch Sonntags-Geschirr genannt, aufbewahrt. Links das Wandtelefon, wo vielfach auch Nachbarn telefonieren kamen und wir am Tisch in der Stube sassen.

Die Feiertage wie St. Nikolaus, Weihnachten und Ostern wurden bei uns gefeiert. Mein Namenstag war aber nicht am 6. Dezember sondern am 25. September. Zum Geburtstag und Namenstag bekam ich jeweils eine Schokolade mit der unausgesprochenen Meinung, diese mit den Geschwistern zu teilen. Ich hatte jeweils Mühe, diese Tafel mit den anderen zu teilen, wie es erwartet worden ist. 

Das gemeinsame Mittag- und Abendessen begann und endete immer mit einem Tischgebet. Unser Alltag war geprägt vom Rhythmus der Milchsammelstelle, sieben Tage die Woche. Mittagessen war um 12 Uhr und Abendessen um 18 Uhr, weil der Vater nachher die Milchsammelstelle betreuen musste.


Kontakte mit Verwandten:

Im Dorf Bühler wohnte meine Tante Marie Benz (1904-1988). Manchmal begleitete ich meine Geschwister zur Schule und sie gaben mich bei Tante Marie ab und holten mich dann auch wieder. Am Familientreffen in Speicher am 17. August 2024 war ihr Grosskind, Bruno Enz-Benz von Adliswil mit dabei.

Tante Berta Rugginenti-Tanner (1914-1997) wohnte oben auf dem Dachsböhl mit dem Grossvater.

Onkel Bisch (1903-1967) war Priester. Er kam oft vorbei und mein Vater half ihm jeweils beim Zügeln seiner Habe. Ich durfte jeweils mit.

Tante Katharina (Trineli) Inauen (1902-1985) war die Mutter unseres Cousins Hans Inauen und wohnte in Immensee. Sie besuchten wir oder sie uns. Sie kam manchmal mit ihrem Sohn Paul, der in Küsnacht wohnte. Er fuhr einen grosses amerikanisches Auto, das mich staunen liess. Meine Geschwister gingen auch zu ihr in die Ferien.

Auch mag ich mich an Onkel Johann Anton Wild-Roth (1903-1983) erinnern, der in Schaffhausen wohnte und dessen Haus im Weltkrieg von den Amerikanern bombardiert worden war.

Von Mutters Seite wohnte ihre Schwester Martha Bischofberger-Büchel in Appenzell und betrieb im Haus Konkordia ein Lebensmittelgeschäft.

Auch mag ich mich an Mutters's Bruder Hans Büchel-Binkert von Stans erinnern. Er ist auch vorbeigekommen oder meine Geschwister sind zu ihm in die Ferien gegangen.

In Schwamendingen Zürich wohnte eine andere Schwester der Mutter, Tante Hedwig Bossart-Büchel. Sie sind auch bei uns vorbeigekommen.

Spielkameraden
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2.  Kindheit in Grossfamilie

Spielkameraden
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Vielfach spielte ich mit meinen Geschwistern, sofern sie überhaupt zu Hause waren oder mit den Kindern unseres Cousins Hans Inauen, vor allem mit Regula (geboren 1956) und Hans (geboren 1957). 

Viele Stunden verbrachte ich auch mit dem gleichaltrigen Werner Roth, der in der Bleiche wohnte. Wir trafen uns jeweils an ‚unserem’ Ort am Bach. Wir kamen natürlich auch mit Würmern, Käfern, Fliegen, Mäusen in Kontakt. Werner Roth ist leider auf meine Einschulung hin mit seiner Mutter weggezogen, was für mich schmerzlich war. Es war meiner Erinnerung nach der erste Verlust einer Beziehung.


Bauernhaus der Familie Breitenmoser in der Au/Bleiche, im Hausteil rechts wohnte mein Spielkamerad Werner Roth.


Weiter oben im Nordosten hinter unserem Haus wohnte Familie Widmer mit einem Sohn und einer Tochter Helen. Sie war etwas älter. Mit ihr spielte ich auch. Sie sehe ich an den Klassenzusammenkünften der Primarschule jeweils wieder, sie wohnt noch im Elternhaus.

Von unserem Haus gut sichtbar, auf der anderen Seite des Steigbachs, wohnte die Familie Höhener mit zwei Mädchen Ursula und Marlies. Diese beiden Mädchen kam zu uns zum Spielen, Ursula war  ein oder zwei Jahre jünger als ich.

An der Strasse Richtung Bühler auf der rechten Seite wohnte eine Familie Zähner mit einem Buben und einem Mädchen. Diese Familie spielte Appenzeller-Musik. Der Vater und der Sohn spielten an unserer Hochzeit im Hotel Säntis in Appenzell Ländler-Musik. Diese beiden Kinder kamen auch zu uns zum Spielen.

All die Bauern, die jeden Tag zwei Mal zu uns die Milch brachten, kannten wir und wussten auch wo sie ihren Hof hatten.
Richtung Dorf Bühler gab es zwei Familien, deren Väter in der Fabrik arbeiteten und nicht den gleichen Rhythmus wie wir hatten. Ab und zu spielten wir auch mit jenen Kindern. Diese hatten aber besorgte Mütter und bei uns auf dem Hof lebte es sich 'gefährlich'. Das nächste Haus Richtung Teufen war das Restaurant Rose mit einer Bäckerei und einer Güggelifarm, die jeweils richtig stank, wenn man dort vorbei musste. Bei der Rose war zu meiner Jugendzeit auch die Haltestelle der Appenzeller-Gais-Appenzell Bahn. Dort brachte der Vater jeden Morgen den in der Milchsammelstelle hergestellten Rahm (ca. 5-6 Kannen) auf die Bahn zur Butterfabrik in Gossau.
Oben auf dem Dachsböhl wohnte mein Grossvater, der von seiner Tochter Bertha betreut worden ist bis zu seinem Tod im Jahre 1955.
Dort in der Nähe wohnte auch die Familie Widmer, deren Vater Imker und Bodenleger war, mit seinen Kindern Helen und Johannes.

Meine Eltern
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3.  Meine Eltern
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Geburts- und Elternhaus Steigbach. Juni 1946. Beim rechten Hausteil ist im oberen Stock die alte Zimmereinteilung sichtbar. © Sepp Inauen.

Meine Eltern wohnten als Ehepaar und Familie immer in diesem Haus. Die Aufnahme stammt aus ihrem achten Ehejahr. Auf dieser Foto sieht man gut, wie beim Teil mit dem Giebel die linke Seite angehoben worden ist, damit unten die Milchsammelstelle (der gemauerte Teil des Stalltraktes) eingebaut werden konnte. 


Sepp, Vater Albert, Gandolf, Maria, Mutter Maria. Auf Couch in Stube. Juni 1946. © Sepp Inauen.

 

Eltern Albert und Maria Wild-Büchel. Aufnahme an Hochzeitstag von Catherine & Joe Winteler-Wild auf der Schwägalp. 7. Juli 1973

 Selber haben sie am 28. April 1938 geheiratet.

Meine Mutter, auch Haushaltsvorsteherin
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3.1.  Meine Eltern – Meine Mutter, auch Haushaltsvorsteherin.
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Maria Wild-Büchel, 1913-1981. Porträt als junge Mutter im Jahre 1946

 

 

Marie Wild-Buechel, 1913-1981, Aussehen zu meiner Kinderzeit

 

 

 

Maria Wild-Büchel, geboren 1913, Aufnahme ca. 1981, kurz vor ihrem Tode

Meine Mutter hat viel gelesen und gestrickt. Sie sass jeweils am Stubentisch und ich spiele in der Nähe. Ich fand es immer so faszinierend, wenn sie mit den Stricknadeln beim Buch die Seite umblätterte.

Während der Wochentage war meine Mutter mit uns Kindern, mit den Mägden, mit dem Waschen, Kochen und Organisieren beschäftigt. 

Sie war nur weg, wenn sie in die Kirche gegangen ist oder eine Sitzung mit dem Mütter- und Frauenverein hatte.

Ein Bild fällt mir ein, wenn ich an meine Mutter denke, wie sie am Stubentisch auf dem Stuhl sass und mir eine Geschichte vorgelesen hat, mich auf ihrem Schoss.


In meiner Jugendzeit führte die Kirche die Möglichkeit ein, dass die Pflicht zum sonntäglichen Gottesdienst auch am Samstag-Abend eingelöst werden konnte. Unsere Mutter ging manchmal am Samstag und Sonntag in die Kirche, damit sie all ihre Kolleginnen sehen konnte. 



 

 

 

 

 

 

Mutter wuchs im Schönenbühl Teufen auf mit drei Geschwistern
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3.1.  Meine Eltern – Meine Mutter, auch Haushaltsvorsteherin.

Mutter wuchs im Schönenbühl Teufen auf mit drei Geschwistern
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Meine Mutter ist im Nachbardorf Teufen AR im Schönbühl aufgewachsen mit drei Geschwistern, dem Bruder Hans und zwei Schwestern, der Martha und der Hedwig.


1941 Flugaufnahme Teufen AR mit Schwimmbad im Vordergrund, Wohnhaus meiner Mutter Schönbühl links.

 

 

Juli 1942, Mutter Marie Wild-Büchel, mein Bruder Albert, meine Schwester Marie, Vater Albert Wild, vor dem Elternhaus meiner Mutter im Schönbühl Teufen AR.

 

 

April/Mai 1951, beim Elternhaus der Mutter im Schönenbühl, im Hintergrund kath. Kirche Teufen oben am Lindenstich. Meine Geschwister Sepp, Catherine (die kleinste), Theres, Tony

An der Beerdigung von Fine Inauen am 24. Oktober 2024 sagte meine Schwester Theres zu dieser Foto. Diese sei entstanden zur Zeit meiner Geburt. Die vier Kinder im Vorschulalter seien zu den Grosseltern gegangen, damit die Mutter zu Hause mehr Ruhe gehabt hätte im Hinblick auf die Geburt. Die älteren drei Geschwister Maria, Albert und Martha seien bereits zur Schule gegangen und hätten im Haushalt mitgeholfen. 

 

 

Meine Mutter, die Organisatorin
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3.1.  Meine Eltern – Meine Mutter, auch Haushaltsvorsteherin.

Meine Mutter, die Organisatorin
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1956, Mutter auf der Wiese vor dem Haus, hinten neben ihr: Tony und Martha; Vordere Reihe: Monika, Niklaus, Catherine

 

 

Meine Mutter war liebenswert, war immer für uns da. Sie hatte vielfach rote Backen. Sie war nie laut. 
Sie hat mit all den Kindern, Mägden und Knechten ein kleines Unternehmen geführt, mit bis zu 15 Personen am Mittagstisch. Sie war eine gute Organisatorin.
In ihrer Jugend war sie schlank, im Alter hatte sie Diabetes.
Sie musste immer das wenige Geld einteilen, damit alle zu essen und etwas anzuziehen hatten.


Mutter Maria Wild-Büchel im Dezember 1970 in Stube im Steigbach. Im Hintergrund sieht man das eingebaute Buffet, wo unser Geschirr zum Teil versorgt war, links daneben die Türe zur Küche.

 

Sarnerschwester oder Marta Häcki mit Mutter Maria Wild-Büchel. Im Kinderwagen Sepp (geb. 1944) und Theres (geb. Juni 1945).

 



 

 

Meine Mutter war für alle da, gönnte sich selber wenig
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3.1.  Meine Eltern – Meine Mutter, auch Haushaltsvorsteherin.

Meine Mutter war für alle da, gönnte sich selber wenig
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Sie war eine gute Organisatorin. Sie hat alle Kinder und Mägde im Haushalt mit altersgerechten Arbeiten eingespannt. Sie legte Wert auf eine gute Umgangssprache. Meines Erachtens war sie gerecht zu allen. Sie nähte unsere Kleider mit vom Hausierer gekauften Stoffen.


1956, Mutter lachend auf Wiesli vor dem Haus

Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1973 hat sie im Dorf in der Schule den Kindern bei den Hausaufgaben geholfen. Zudem hat sie eine ledige Mutter als Tagesmutter unterstützt. Sie hatte Kinder gern.

Die Mutter war immer für andere da, sich selber hat sie nicht viel gegönnt. Sie war ausgleichend. Sie war bescheiden und dankbar.




Weihnachten 1978, Mutter Maria Wild-Büchel (1913-1981) in Maua, im Hintergrund der Kilimanjaro.

Mit der Mutter ging ich einkaufen mit dem Zug in die Stadt St. Gallen für Kleider oder Schuhe. Das war aber eher selten. Sie nahm mich auch mit in Lebensmittelläden oder auf die Post. Sie spendete an viele Organisationen und musste das jeweils einzahlen gehen.

Die Mutter war meist zu Hause und sie war nicht so gut zu Fuss. 

Ich mag mich erinnern, wie wir einmal mit dem Pfarrer Selva in Teufen in einen Schuhladen gegangen sind und ich durfte ein Paar Schuhe auswählen. Der Pfarrer hat die Schuhe bezahlt, was mir komisch vorgekommen ist. Das zeigte, dass meine Mutter mit dem Geld wirklich haushälterisch umgehen musste. Wahrscheinlich ist dem Pfarrer zu Ohren gekommen, dass meine Schuhe Löcher in den Sohlen hatten. Als Ministrant kniete ich vorne am Altar und somit konnten die Gottesdienstbesucher meine Schuhsohlen sehen und sich einen Reim drauf machen. Ich wusste, dass die Schuhe Löcher hatten, hatte ich doch bei Regen immer nasse Socken. Diesen einzigartigen Einkauf kann ich mir nur so erklären.

Meine Mutter ging nach der Schule nach Genf zu einer Madame und lernte dort Französisch. Diese Leute hatten mit einer Metzgerei zu tun.

Vor der Heirat arbeitet sie in einer Textilfirma in ihrem Heimatdorf Teufen AR im kaufmännischen Bereich, wo ihr die Französisch-Kenntnisse zu Gute kamen. 

Sie hat übrigens 1937 einen Oskar Alois Bischof geheiratet und sich im gleichen Jahr wieder scheiden lassen. Dies war in unserem Kinderalltag nie ein Thema. Ich habe es erst erfahren bzw. realisiert beim Studium des Stammbaums, den mein Bruder Tony erstellt hat.

Lesen war eine Leidenschaft meiner Mutter. Sie hat auch viel gestrickt, ob aus Leidenschaft, bleibe dahingestellt, denn sie strickte für uns Kinder.

Sie löste gerne Kreuzworträtsel. Sie hat einfach immer alles gewusst oder sonst im Lexikon nachgeschaut.

Meine Mutter hat immer Röcke getragen. Ich habe sie nie in Hosen gesehen.

Mein Vater, der stille Anwesende
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3.2.  Meine Eltern – Mein Vater, der stille Anwesende.
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Albert Wild, geboren 1909, als junger Familienvater im Jahre 1946.

 

 

Albert Wild, geboren 1909, Aufnahme ca. 1970, drei Jahre vor seinem Tod

 

 

 

Vater in der Stube
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3.2.  Meine Eltern – Mein Vater, der stille Anwesende.

Vater in der Stube
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Wie er nach dem Mittagessen auf dem Diwan in der Stube ein Schläfchen von etwa einer halben Stunde machte und wir nur ganz leise in die Stube durften. Während dieser Zeit haben wir in der Küche das Geschirr abgewaschen.


Vater am Stubentisch mit Kopf auf Zeitung (Aufnahme 1964). Vater ist eingenickt beim Lesen der 'Ostschweiz'

Links im Bild ist der Divan. Hinter dem Vater ist der Anfang der Eckbank zu sehen, auf dem wir Kinder sassen. Der Tisch war meist mit einem plastifizierten Tischtuch bedeckt. An Feiertagen wurde der Tisch mit einem Stofftischtuch bedeckt.

Vater mit dem Willys Jeep, Vater schreibt viel
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3.2.  Meine Eltern – Mein Vater, der stille Anwesende.

Vater mit dem Willys Jeep, Vater schreibt viel
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Ich erinnere mich, wie ich ihm auf den Schoss sitzen und den Jeep steuern konnte. Das habe ich jeweils gerne gemacht, aber natürlich nur auf abgelegenen Hofzufahrten.


21. November 1961, Karte von Vater Albert Wild (Handschrift) an meinen Bruder Gandolf. Vater war auf dem Gäbris AR mit dem Jeep.

 Text der Postkarte an Fr. Gandolf Wild, Kapuzinerkloster, Stans NW: Bühler, 21. November 1961. Lieber Albert! Vorerst gratuliere ich Dir zu Deinem 21. Geburtstag und wünsche alles Gute. Besten Dank für Deine Glückwünsche zum Namenstag. Bisch hat mir auch geschrieben. Heute ist ein herrlicher Tag, ich sitze hier auf dem Gäbris vor dem Haus und sehe Rigi und Pilatus und sogar den Jura. St. Gallen hat Nebel, wir am Morgen -8° C. Es grüsst Dich Dein Vater.

Der Gäbris bei Gais AR war mehr oder weniger der Lieblingshügel von meinem Vater. Er sagte immer, man sähe mehr Gipfel als wenn auf dem Säntis stehe. Die Karte ist adressiert an das Kapuzinerkloster Stans. 2021, ein halbes Jahr vor seinem Tod besuchte ich mit meinem Bruder Gandolf das umgebaute Kapuzinerkloster (seit August 2020 Culinarium Alpinum mit Seminarräumen und Hotelzimmern, jeweils aus je zwei früheren Zellen). Er zeigte mir noch die Zellentüren, hinter denen er 1961 logierte.

Vater hat viele Notizen gemacht, auf Couverts, auf der Rückseite von Fotos, in Büchern. 

Vater mit sieben Geschwistern im Steigbach aufgewachsen
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3.2.  Meine Eltern – Mein Vater, der stille Anwesende.

Vater mit sieben Geschwistern im Steigbach aufgewachsen
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Mein Vater ist in meinem Elternhaus aufgewachsen zusammen mit weiteren Geschwistern. Im Jahre 1905, vier Jahre vor der Geburt meines Vaters, hat der Grossvater die Liegenschaft Steigbach gekauft. Gerade zu Beginn des Ersten Weltkrieges ist der Vater auf die Welt gekommen und später als 30-jähriger nicht in die Armee eingezogen worden im zweiten Weltkrieg.


Aufnahme vor 1932 vom Böhl her, Elternhaus meines Vaters am rechten Bildrand, der Dachsböhl ebenfalls am rechten Bildrand weiter oben. Zur Zeit der Aufnahme war mein Vater Albert 23 Jahre alt. Blick zum Restaurant Rose in Bildmitte und weiter links zur Göbsi AI. Vor dem Rutsch fliesst der Rotbach vorbei.

 

 

 


Die Darstellung vom Datensatz Nr. 4 zeigt, wie er eingebettet war in die Familie mit den Grosseltern, den Geschwistern und seinen eigenen Kindern.

Albert Wild (1909-1973), Familienangaben, Vater, Stand 2021, nachgeführt von Tony Wild (*1946)

 

 


Schwester Martha steht vor unserem Elternhaus. Im Hintergrund der Böhl, unsere Aussicht aus den Stubenfenstern Richtung Osten. Undatierte Aufnahme, wahrscheinlich zwischen 1962 und 1970.

Die obere Foto wurde vom Böhl Richtung Westen aufgenommen, die untere von unserem Haus Richtung Böhl, in Richtung zum Dorf Bühler.

Er war eher ruhig und liess uns Kinder gewähren.

Er war eigentlich wie die Mutter immer präsent, betrieb er doch jeden Morgen und jeden Abend die Milchsammelstelle, wo er jeweils mit der weissen Schürze in Stiefeln dastand. Am Vormittag fütterte er auch die Schweine, zu meiner Kleinkind-Zeit. Als Kind konnten wir ihn bei diesen Tätigkeiten begleiten.


Tante Trineli und Tante Berta, Schwestern meines Vaters. An der Beerdigung der Grossmutter Katharina Wild-Hersche, gestorben am 23. Juni 1946. © Sepp Inauen.

 


Erwin Benz (1934 bis 2006), der Stiefsohn der neben ihm stehenden Marie Benz-Wild (1904 bis 1988). Aufnahme am Tag der Beerdigung der Mutter von Marie Benz-Wild, der Katharina Wild-Hersche, gestorben am 23. Juni 1946. © Sepp Inauen.

 

Vater informierte sich. Am Sonntag war immer 'arbeitsfrei'
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3.2.  Meine Eltern – Mein Vater, der stille Anwesende.

Vater informierte sich. Am Sonntag war immer 'arbeitsfrei'
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Mein Vater war immer gut orientiert über das Geschehen in der Umgebung und im Dorf. Er interessierte sich für Bahn- oder Strassenprojekte im Bau oder in Planung. Er hat einmal einem Bahnangestellten die Projektpläne für die Bahn von Wasserauen zum Säntis für ein halbes Kilo Käse abgekauft und war stolz auf dieses seltene Exemplar. Wenn wir in den Alpstein gingen, hat er mir erklärt, wo die Ingenieure die Bahn durchgeführt hätten.

Er hat sich immer informiert über das Telefon, die Zeitungen oder oft im Austausch mit seinem Bruder Bisch, dem Priester. Dieser hat ihm auch Bücher zum Lesen gegeben.

In den Gesprächen in der Milchsammelstelle am Morgen und am Abend hat mein Vater viel erfahren oder einbringen können.

Er hat sich aktiv informiert und sein Wissen mit uns in der Familie geteilt oder mit den Bauern in der Hütte oder in Gesprächen in den Wirtschaften.

An einen speziellen Vorfall mag ich mich erinnern. In meiner Jugend wurden Autobahnen gebaut, bekanntermassen keinen einzigen Kilometer in den beiden Appenzell. In der Gegend von Sargans ist ein Teilstück eröffnet worden und wie Vater war, er wollte das erkunden. Wir fuhren also mit dem Jeep in jene Gegend, fanden die Autobahn und fuhren nach der Auffahrt immer auf dem Pannenstreifen. Die anderen Autos hupten und machten uns Zeichen. Wir meinten, etwas sei kaputt am Jeep. Der Jeep brachte höchstens 40 km pro Stunde auf die Räder. Auf einmal realisierten wir, dass wir auf die rechte Spur wechseln sollten. Das war meine erste Fahrt auf einer Autobahn.

Der Sonntag war immer arbeitsfrei. Nach dem Gottesdienst gab es das Mittagessen und nach dem Abwasch ging es zu einem Spaziergang oder Ausflug. Restaurantbesuche standen wegen der Kinderschar und den damit verbundenen Kosten nicht im Vordergrund. Ich kann mich erinnern, dass wir auf die Weissegg, die Hohe Buche oder gar auf den Gäbris wanderten. Manchmal ging es zu Fuss auf den Saul oder mit dem Jeep nach Brülisau und dann zu Fuss zum Ruhsitz und weiter zum Kamor oder Hohen Kasten. Als Kind schauten wir wehmütig auf die neu erstellte Luftseilbahn, die alles doch einfacher gemacht hätte. Auch erinnere ich mich an Bergtouren mit dem Vater oder Geschwister bis zu den Stauberen und Sämtisersee. Wir hatten keinen Rucksack dabei, denn Vater pflegte zu sagen, es gäbe ja im Alpstein nach einer Stunde Wanderzeit immer ein Gasthaus. Bei solchen Unternehmungen hat er mir die Berge erläutert und mich in die Geheimnisse der topografischen Karten eingeführt. Er zeigte mir auch, wie man ein Höhenprofil eines Weges von Hand berechnet und darstellt. Das hat mir im Leben in der Ausbildung, im Militär und natürlich auch beim Wandern oder Schneesschuhlaufen geholfen. 


18. August 1965, Karte von Niklaus Wild (Handschrift) und Vater vom Alpstein an meinen Bruder Gandolf. Mutter in Locarno in Ferien mit Tante Emma.

Sujet: Säntis. Blick gegen Oehrli, Schäfler und Bodensee
Foto mit meiner Hand- und Unterschrift als 14-jähriger, damals trat ich mit kleiner Schrift als wild niccolà auf. Vater hat auch einen Satz geschrieben.
An Rev. Pater Gandolf Wild, Palazzo Apostolico, Loreto AN, Italien
Säntis, 18. VIII. 1965
Lieber Gandolf, heute sind Vater und ich auf den Kronberg gefahren und von dort über die Kammhalde zur Schwäglap gelaufen. Von dort mit der Säntisbahn auf den nebligen Säntis. Dort sahen wir die Schwester von Restöi, Berta. Mutter ist jetzt mit Tante Emma in Locarno. Vater hat gesagt, du könntest sie einmal einladen, er schicke das Geld schon. Sie bleibt voraussichtlich 14 Tage dort: Die Adresse lautet: Frl. Moser, Monti della Trinità, Locarno. Katharina macht unseren kleinen Haushalt, und ein Aufenthalt in Italien täte Mutter sehr gut. 1000 Grüsse Vater. wild niccolà
 

Ich mag mich erinnern, wie ich mit Vater und Mutter an einem Sonntag nach St. Gallen ins Kino durfte. Der Film handelte von einem VW-Käfer, der lustige Sachen machte auf der Suche nach einem Schatz, den er letztlich gefunden hatte. Wir lachten die ganze Zeit, sogar nachher noch im Zug auf der Heimfahrt. Für mich als Kind, das ohne Fernsehen aufgewachsen ist, war das ein Highlight, das ich mir gar nicht vorstellen konnte. Es war ein einzelnes Ereignis.

Im Appenzellerland steht das 'zündeln' im Vordergrund, das heisst man stellt ihm Fragen oder macht Unterstellungen, auf die der andere reagieren muss. In diesem Bereich waren wir stark. Die Unterländer hatten jeweils Mühe mit dieser Art 'Humor'. Das war auch in den Wirtschaften üblich.

Ich hänselte die Leute gerne oder band ihnen einen Bären auf wie zum Beispiel: ‚Ich war am Spielen im Bach und suchte Fische hinter den Steinen. Einmal griff ich unter einen Stein unter dem Bachbord und was zog ich heraus? Eine menschliche Hand.‘ 

Vielfach frage ich die Leute auch: Was ist anderthalb Drittel eines Fünfliebers? Ansonsten war ich eher schüchtern gegenüber Fremden, nicht aber gegenüber Bekannten.

Werkzeugschrank meines Vaters
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3.2.  Meine Eltern – Mein Vater, der stille Anwesende.

Werkzeugschrank meines Vaters
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Bei uns zu Hause hat Vater als gelernter Schreiner in der Werkstatt vieles selber gemacht und ich durfte ihm dabei helfen. Er hat auch den Aufbau für einen Anhänger aus Holz angefertigt, mit wir Kälber transportieren konnten. Von ihm lernte ich all die Arbeitsgänge für das Einsetzen einer Schraube oder das Zusammenfügen von zwei Brettern. Bei diesen Tätigkeiten schien der Vater glücklich zu sein. Wir hatten einen Werkzeugschrank, der für mich damals eine Wundertüte war.


Werkzeugschrank des Vaters im Steigbach (aufgenommen am 24. Oktober 2024 im Mehllager) stand früher in der Werkstatt im ersten Stock. Schraubenzieher, Hobel, Stechbeutel, Bohrer in allen Grössen, Schrauben, Nägel in den Schubladen etc.

 


Dieser Werkzeugschrank stand im Jahre 2024 im Mehllager über dem Schweinestall und die Werkzeuge sind weiterhin im Einsatz von Hans Inauen jun. (geboren 1957) und Eigentümer der Liegenschaft. Er ist mein Cou-Cousin. 

In der Werkstatt habe ich als Kind gespielt, vielfach stundenlang alleine mit Schraubenzieher, Hobel, Stechbeutel, Bohrer alle Grössen, Schrauben, Nägel, Holz, Eisen. Manchmal habe ich die Schubladen versucht zu ordnen. Es war kurzweilig. Das waren auch meine 'Spielsachen'.




Arbeitsfelder meines Vaters, vor unseren Augen
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3.2.  Meine Eltern – Mein Vater, der stille Anwesende.

Arbeitsfelder meines Vaters, vor unseren Augen
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Vielfältige Tätigkeiten meines Vaters (aus Buch)
Vater war gelernter Schreiner, Butterproduzent, Schweinemäster, Fuhrhalter, Landwirt und Verpächter. Er war vielseitig interessiert.

Schreinerwerkstatt

Ob mein Vater sich ein Leben als Landwirt und Schweinemäster vorgestellt hatte, bleibe dahingestellt. Er hat in München Schreiner gelernt. Bei uns zu Hause hat er in der Werkstatt Vieles selber gemacht und ich durfte ihm dabei helfen. Er hat auch den Aufbau für einen Anhänger aus Holz angefertigt, mit dem wir Kälber transportieren konnten. Von ihm lernte ich all die Arbeitsgänge für das Einsetzen einer Schraube oder das Zusammenfügen von zwei Brettern. Bei diesen Tätigkeiten schien der Vater glücklich zu sein. Wir hatten einen Werkzeugschrank, der für mich eine Wundertüte war.

Landwirtschaft

In meiner Kindheit betrieb er zusammen mit Knechten den Landwirtschaftsbetrieb und bewirtschaftete etwa 60'000 m² Wiesland. Im Stall standen bis zu 17 Kühe oder Kälber. Er hatte Milchwirtschaft betrieben. Mein Vater war nicht Bauer aus Leidenschaft. Er verpachtete den Landwirtschaftsbetrieb an unseren Cousin Hans Inauen sen., Sohn seiner ältesten Schwester Katharina Inauen-Wild. Dieser hat bei uns als Knecht angefangen. Als Lohnbestandteil hat er sukzessive die Kühe und am Schluss den Hof zur Pacht übernommen. Er war Bauer aus Leidenschaft. Mit ihm verbrachte ich viel Zeit auf dem Feld beim Aufstellen der Zäune, beim Hinausbringen der Tiere auf die Wiese, beim Tränken oder Melken. Wir tranken die Milch seiner Kühe. Er hatte einen Rapid zum Mähen. Das Gras und das Heu holte er mit dem passenden Anhänger vom Feld. Als Familie halfen wir ihm beim Heuen. In der Schule bekamen wir deswegen Heu-Ferien. An solche Tage habe ich gute Erinnerungen; Mutter brachte uns den Zvieri auf das Feld.

Die Familie Inauen wohnte im östlichen Hausteil. Josefine Dähler, die Frau von Hans, war gebürtige Innerrhoderin von Meistersrüti und als junge Ledige ein Täfelimeedle in Appenzell. Zwischen 1956 und 1965 kamen sechs Kinder auf die Welt.

Lebensdaten der Familie Inauen: Hans Inauen sen. 1926-2018, Fine Inauen-Dähler 1932-2024, Regula Schildknecht 1956, Hans jun. 1957, Margrit Baumli-Inauen 1958, Marianne 1959-2012, Verena 1961-2000, Martha Huber-Inauen 1965. Verena und Marianne sind beide an Krebs gestorben.

Bemerkung zur Foto: Regula, die älteste Tochter, ist nicht auf dem Bild. Sie arbeitete schon auswärts.

***


Mein Vater hatte verschiedene Arbeitsplätze: 
  • In meiner Kindheit betrieb er zusammen mit Knechten den Landwirtschaftsbetrieb und bewirtschaftete etwa 60'000 m2 Wiesland. Im Stall standen bis zu 17 Kühe oder Kälber. Er hat Milchwirtschaft betrieben.
    Mein Vater war nicht Bauer aus Leidenschaft. Er verpachtete den Landwirtschaftsbetrieb an unseren Cousin Hans Inauen senior. Dieser hat bei uns als Knecht gearbeitet und dann sukzessive als Lohnbestandteil die Kühe und am Schluss den Hof zur Pacht übernommen. Wir halfen aber mit zum Beispiel beim Heuen.

    Vater mäht mit dem Aecherli. Im Hintergrund der Dachsböhl. Juni 1946. © Sepp Inauen.

     



    Vater beim Vorbereiten einer Bordi. Im Hintergrund das Haus von Bodenleger Widmer. Wahrscheinlich um die Beerdigung seiner Mutter herum, die am 23. Juni 1946 gestorben ist. © Sepp Inauen.

     


    Vater trägt die Bordi zum Heustall im Dachsböhl. Im Hintergrund das Haus von Bodenleger Widmer. Juni 1946. © Sepp Inauen.

     


    Vater macht Pause während dem Heuen auf dem Dachsböhl. Wahrscheinlich 1946, rund die Beerdigung seiner Mutter Katharina Wild-Hersche, die am 23. Juni 1946 gestorben ist. © Sepp Inauen.

     

  • Mein Vater betrieb auch eine Schweinemästerei. Ich mag mich erinnern, wie ich als kleines Kind einen Extrakübel hatte, mit dem ich 'meine' Schweine füttern durfte. Dies war so in meinem Alter von 4 oder 5 Jahren.
    Von Zeit zu Zeit kam ein Störmetzger und hat zusammen mit dem Vater ein Schwein geschlachtet. Ich durfte ihm beim Ausnehmen des Schweins, wenn es an einem Hacken hing, zusehen. Für unsere Familie wurde meist eine halbe Sau in Stücke aufgeteilt und diese in einem bei der Gemeinde oder dem Metzger gemieteten Gefrierfach im Dorf eingelagert. Von Zeit zu Zeit holten wir jeweils mit Handschuhen bestückt einzelne Stücke für unsere Familie zum Essen.


  • Meinem Vater verblieb die Milchsammelstelle,  wo die Bauern der Umgebung ihre Milch brachten. In meinen Kinderjahren hat der Vater die Milch zentrifugiert, wobei Rahm und Magermilch entsteht. In dieser Zentrifuge waren etwa 50 Platten übereinander, die jeden Tag ganz sauber in heissem Wasser geputzt werden mussten. Wie oft habe ich gezählt und war jeweils froh, wenn ich bei 50 angekommen war. Die Magermilch wurde den eigenen Schweinen verfüttert und als wir keine mehr hatten, brachte der Vater die Magermilch nach Mörschwil zu einem Schweinebauern. Auf dieser Fahrt konnte ich den Vater manchmal begleiten. Das war für mich schon hinaus in die weite Welt, ging es doch durch die Stadt St. Gallen Richtung Bodensee mit einem Anhänger voller Magermilch. Aus dem Rahm machte der Vater Butter von Hand, indem wir das Butterfass drehten bis Butter entstand. Als Kind durfte ich ihm helfen, die Buttermödeli einzupacken. Auf dem Model hatte es Edelweiss. Das war jeweils eine schöne Arbeit. Mit der Zeit wurde die Butterherstellung aufgegeben und der Rahm in Kannen zur Bahnstation bei der Rose gebracht, von wo sie in die Butterzentrale Gossau transportiert worden sind. Meist waren es 4-6 Kannen à 40 Liter.

    Nach dem wahrscheinlich von der Bank forcierten Verkauf des Dachsböhls im Jahre 1967 hatte der Vater finanziell etwas Luft und hat in der Milchsammelstelle einen Kühltank eingebaut. Die angelieferte Milch wurde dort gekühlt und die Vollmilch wurde abgeholt. So entfiel das Zentrifugieren und der risikoreiche Rahmtransport.

  • Zum Thema Milchsammelstelle oder Hütte gibt es Geschichten, die Einblick geben in die Produktionsebenen in der Landwirtschaft. Am 5. März 2024 findet die letzte Hüttenversammlung statt. Ab Mai 2024 wird die Milchsammelstelle Steigbach aufgehoben und die Landwirte liefern direkt an das Tankfahrzeug der Molkerei Biedermann Bischofszell. Die Firma gehört seit 2011 zu Emmi. Sammelstelle ist auf dem Parkplatz beim Restaurant Sonne (vorher Rose) in Bühler, ca. 200 m der Strasse vom Steigbach Richtung Teufen.

    Eine Reminiszenz: Am 10. März 1974 verkaufen die Erben von Albert Wild den Steigbach an ihren Cousin Hans Inauen sen. mit Antritt 1. Mai 1974 (die Arbeit nach dem Tod von Albert Wild machte Hans Inauen ganz selbstverständlich ab sofort!) Im Frühling 1974 fanden Verhandlungen über die Beibehaltung der Milchsammelstelle Steigbach und das Recht des privaten Milchkäufers für die Milch statt, Sitzungsort in der Rose im kleinen Sitzungszimmer hinter dem Laden. Verhandlungsteilnehmer Milchverband: Traber Albert H., Direktor 1965 bis 1991 und einem weiteren Vertreter des Milchverbandes, und Wild Tony als Vertreter der Erbengemeinschaft Wild Albert. Thema: Der Milchverband wollte, dass die Milch vom Steigbach direkt von den Bauern an den Milchverband geliefert werde. Sie behaupteten, dass der Milchverband das Recht dazu habe und die Bauern die Milch dann zu individuellen Lieferpunkten bringen müssten. Das garantiere auch, dass alle Landwirte in der Region den gleichen Milchpreis hätten! Tony Wild argumentierte folgendermassen: durch den Verlust der Sammelstelle verliere der Steigbach ein massgebliches Einkommen. Die Bauern hätten mehr zeitliche Freiheiten in der Ablieferung und sommers wie winters gleiche Bedingungen. Zudem stimme das mit dem gleichen Milchpreis überhaupt nicht, denn die Abklärungen von Tony Wild bei den Bauern an den Lieferpunkten (z.B. Abzweiger alte Speicherstrasse in Teufen und weitere) haben ergeben, dass praktisch jeder Bauer einen anderen Milchpreis hat. Die zwei Verbandsherren haben auf diese Argumente den Rückzug angetreten und die Milch konnte genau weitere 50 Jahre im Steigbach an- und abgeliefert werden! Kühlanlagen und –transporter gab es zu jener Zeit noch nicht. Ob es der Milch in Hitze und Kälte beim Warten der Bauern auf den Milchtransporter an diesen Sammelpunkten an der Strasse immer gut bekommen ist, entzieht sich unserer Kenntnis!

  • Als Kind begleitete ich meinen Vater auf seinen Jeep-Fahrten oft. Ich war der jüngste Knabe.

1946, Unser Fahrzeug für allerlei Transporte. Albert *1941, Sepp *1944, Vater Albert Wild, Martha *1942 und Maria *1939 im Jeep vor dem Steigbach.

 

Dachsböhl von vorne. In der Mitte war die Stube und im Zimmer rechts mit geschlossenen Läden war Grossmutter aufgebahrt, bis sie mit Ross und Leichenwagen abgeholt worden ist. Juni 1946.

 


Im Geoinformationssystem habe ich 2023 die drei bewirtschafteten Landparzellen gesucht und bilde sie hier ab, denn die Verhältnisse sind immer noch gleich wie zu meiner Jugend mit folgenden Abweichungen: Die Bahnstation ist von der Rose zu uns verlegt worden verbunden mit einer Ausweichstelle. Der Vater hat der Bahn seinerzeit den Boden gratis abgetreten mit der Auflage, es dürfe nie wegen dem Gestank der Schweine reklamiert oder sein Betrieb eingeschränkt werden. Das hat bis heute funkioniert. Des Weitern hat Hans Inauen junior hinter dem Haus einen hohen Stall neu hingestellt. Zu meiner Kinderzeit waren dort zwei Silos im Boden eingelassen, für uns Kinder immer eher gefährlich wegen der Gefahr, dort zu vertrinken.

Es sind folgende drei Parzellen, die Vater bewirtschaftete, insgesamt mehr als 60'000 m2. Vater hat meist von 17 Jucharten geredet, was 61'200 m2 wären. Insofern kann es stimmen:

  • Parzelle 217, 28'250 m2, Steigbach oberhalb der Strasse, z.T. Wald
  • Parzelle 236, 21'344 m2, Steigbach unterhalb der Strasse
  • Parzelle 216, 12'098 m2, Dachsböhl 

Der Dachsböhl wurde 1967 an den Chef des Küchenbauers ELBAU in Bühler, Herrn Pfister noch durch den Vater verkauft. Die Verhandlungen fanden in der Stube statt und ich hörte alles aus dem benachbarten Büro. Das war ein trauriges Ereignis. Ich war damals 16 Jahre alt und am Gymnasium. Mein Grossvater (1875-1955) hat den Dachsböhl im Jahre 1908 gekauft und verkaufte ihn kurz vor seinem Tode in den 50-er-Jahren an meinen Vater Albert Wild-Büchel (1909-1973).

[Am 30. Juli 2025 war Hans Inauen jun. (Jg. 1957) mit seinem  Velo bei uns im Tiergarten. Er erzählte mir Sachen über den Dachsböhl, die ich noch nie gehört habe.
  • Pfister bereitet sich zusammen mit einem Anwalt so vor, dass er im Falle einer Einzonung der Parzellen für eine Überbauung gute Karten hat.
  • Sofern der Steigbach überbaut wird, hat er ein Vorkaufsrecht auf 1000 m2 am Hang von der Steigbach-Parzelle, eigene Art Begradigung der Grenzlinie.
  • Als beim Doppelspurausbau der Bahn der bis anhin vorgesehene Übergang über die Gleise nicht mehr möglich war, hat er eine Erschliessung entlang der Gleise erzwungen.
  • Als Hans Inauen jun. den Stall bauen wollte (anstelle der Silos) hat Pfister am letzten Tag der Frist Einsprache erhoben. Das sei eine Überbauung und löse das Vorkaufsrechts aus!
  • Beim Dachsböhl interpretierte Pfister eine Dienstbarkeit so, dass die Bewohner vom Haus nördlich des Dachsböhls (zu meiner Zeit Familie Fuchs) wohl das Fahrrecht habe bis zum Dachsböhl, aber nicht weiter zur Grenze von 'Fuchs'. Er stellte auch das Auto in den Weg. Er wollte, dass Hans Inauen jun. als Besitzer der Parzelle 'Fuchs' von der Schlatterlehnstrasse vom Bienenhaus von Widmer her eine Strasse auf dem eigenen Land baut. Hans jun. durfte eine Strasse über das ebene Areal von Pfister bauen, nur dass bei seinem Haus Ruhe herrscht. Diese Verschleuderung von bestem Boden kann ich nicht nachvollziehen.
  • Pfister hat ihm auch schon den Pachtvertrag gekündigt, um Druck aufzusetzen. Rund um den Dachsböhl sei minutiös geregelt, was der Bauer wann machen dürfe.
  • Das ebene Land hat Pfister Hans Inauen nur in Gebrauchsleihe gegeben, damit gemäss landwirtschaftlichem bodenrecht kein Vorkaufsfall eintreten kann bei einem Verkauf.
  • Erkenntnis. Auch auf dem Land richtet sich alles auf den möglichen Profit aus. Solche Verhandlungen zermürben. Beruflich hatte ich öfters mit Dienstbarkeiten zu tun. So genau geregelt waren die Sachverhalte früher nicht. Bei meinen letzten Projekten regelten wir alles minutiös mit Plänen hinterlegt.
  • In meiner Jugendzeit, als alle Parzellen meinem Vater gehörten, wollte die Gemeinde die besonnte Wiese hinter unserem Haus einzonen für eine Wohnüberbauung. Aus raumplanerischer Sicht wäre diese Einzonung für die Gemeinde besser gewesen als die Entwicklung der eher schattigen Trogenerstrasse hinauf, war der Steigbach doch mit der Bahn erschlossen. Im Nachhinein wäre das für meinen Vater das Beste gewesen. Aber damals betrachteten wir alle das 'Ansinnen' der Gemeinde als ablehnungswürdig.]


Die anderen beiden Liegenschaften wurden nach dem Tode meines Vaters an unseren Cousin Hans Inauen-Dähler (senior) verkauft und sind heute im Besitz von seinem Sohn Hans Inauen junior (geboren 1957).

Steigbach oberhalb der Strasse, Parzelle 217

 

 

 

Steigbach unterhalb der Strasse, Parzelle 236

 

 

 

Dachsböhl, Parzelle 216

 

Kauf der Liegenschaft durch meinen Vater:
Am 7. März 1938 kauft unser Vater den Steigbach und am 28. April 1938 vermählt er sich mit Maria Büchel aus Teufen. Unsere Schwester Martha (geboren 1942) meint, der Vater hätte den Steigbach kaufen müssen, sonst hätte der Grossvater Konkurs anmelden müssen. Der Grossvater bekommt vom Vater 5'000 Franken bar, die restlichen 90'000 Franken bestanden aus Schulden. Der Hof gehörte deshalb eher der Bank oder anderen Geldgebern. Der Vater musste diesen Zinsen bezahlen und die Schulden abbauen. Ein Teil seiner Geschwister meinte, mein Vater sei an der Liegenschaft reich geworden, was aber der Realität nicht stand hielt. Dies erklärt, dass mein Vater dies nicht unbedingt gesucht hat, aber sich der Familie verpflichtet gefühlt hat.

 

 

Leidenschaften des Vaters
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3.2.  Meine Eltern – Mein Vater, der stille Anwesende.

Leidenschaften des Vaters
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Mein Vater rechnete gerne, was im Dorf bekannt war. Als ich in der vierten Primarklasse war, gab mir der Lehrer Alfred Nydegger am Mittag ein Couvert mit für den Vater. Ich dachte, es sei eine Mitteilung wegen mir. Nach dem Essen zog sich mein Vater in sein Büro zurück und gab mir das Couvert wieder mit für den Lehrer. In der Schule wurde ein neuer Öltank eingebaut. Die Form war nicht einfach ein Würfel, sondern wegen des Raumes ein Tank mit mehreren Ecken. Der Vater sagte, er hätte nur die Volumenberechnung des Lehrers überprüfen müssen.

Wenn ich mit Vater in einer Runde war, bot er sich an, durch die Kleider den Bauchnabel zu finden. Vater hatte als Schreiner meist einen Meter bei sich. Er rechnete auf Grund der Körpergrösse nach den Regeln des Goldenen Schnittes aus, in welcher Distanz von den Füssen her der Bauchnabel liegt, denn dieser folgt dem Goldenen Schnitt. Das Verhältnis der Strecke (Körpergrösse) zum grösseren Teil (Fuss bis Bauchnabel) ist gleich wie das Verhältnis vom grösseren zur kleineren (Bauchnabel zu Scheitel) Strecke. Auf diese Art hat er die Menschen unterhalten und sich Respekt verschafft.

Mein Vater konnte auch auf Grund des Geburtsdatums den Wochentag der Geburt ausrechnen. Er hat mir beigebracht, wie das geht. Man musste alles rund um die Schaltjahre und Schalttage wissen. Das Jahrhundert gab eine Zahl, dann das Jahr, der Monat und der Tag. Von der Summe musste man den Rest von 7 bestimmen, eine 1 war der Montag u.s.w.

Auf diese Art kam ich an viele Geburtstage, die ich mir zum Teil auch merkte. Von Onkel Bisch habe ich auch ein Büchlein erhalten, eine Art ewiger Kalender, sodass ich auch in anderen Jahrhunderten den Wochentag hätte bestimmen können. 

Dadurch konnte ich immer herleiten und erklären, warum im reformierten Kanton Appenzell Ausserrhoden der alte Silvester in unseren beiden Jahrhunderten immer am 13. Januar gefeiert wird und warum eigentlich am 13.

Am Beispiel meines Geburtsdatums vom 24. Mai 1951 sieht das wie folgt aus:

  • 20. Jahrhundert: Diese Ziffer musste man wissen, nämlich 0
  • Jahr: 1951, Rest von geteilt durch 7: 2
  • Monat: Januar bis April: 31 28 31 30, Rest von geteilt durch sieben: 1
  • Schalttage im Jahrhundert: 51:4=12 Rest von geteilt durch sieben: 5
  • Tag im Monat: 24, Rest von geteilt durch 7: 3
  • Die fetten Ziffern zusammengezählt und Rest von geteilt durch 7: 0 2 1 5 3=11, Rest ist 4, was ein Donnerstag bedeutet (1 Montag, 2 Dienstag, 3 Mittwoch, etc.)


Mein Vater konnte gut Kopfrechnen. Dies war auch nötig in der Milchsammelstelle, wenn ein Bauer mehre Gefässe mit Milch brachte, die je einzeln zu wägen waren und am Schluss die einzelnen Gewichte zusammengezählt werden mussten.


1973, letzte Zeilen von Vater an mich

 

1973, letzte Zeilen von Vater an mich

In diesen letzten Zeilen von Vater an mich geht es um die neue elektrische (nicht elektronische) zum Teil programmierbare Rechenmaschine, die er gekauft hat. Diese löste seine alte mechanische Maschine ab, bei der er zum Multiplizieren auf dem Zahlenblock den Milchpreis mit mehreren Fingern gleichzeitig halten und dann 5 oder 7 mal je nach Menge drücken musste und die Maschine das Resultat lieferte. Es geht darum, wie er beim Ausrechnen des Milchlohnes für die Bauern auf 5 Rappen auf oder abrunden kann. Der Milchpreis betrug damals anscheinend 63.7 Rappen pro Liter. Typisch ist die Verwendung des Couverts vom damaligen Postcheckamt der PTT (heute Postfinance). 

Vater sieben Tage die Woche im Einsatz, zwingend morgens und abends
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3.2.  Meine Eltern – Mein Vater, der stille Anwesende.

Vater sieben Tage die Woche im Einsatz, zwingend morgens und abends
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Milchsammelstelle als Haupteinnahmequelle (aus Buch)
Jeden Morgen und jeden Abend brachten an die 20 Bauern Milch zu uns. Ich mag mich erinnern, wie ich als 5-Jähriger dem Vater half, Buttermödeli einzupacken. Die Milch wurde zentrifugiert, die daraus entstehende Magermilch mit Dampf erhitzt als Nahrung für die Schweine. Der Rahm kam in den ‘Buder’ und wurde zu Butter verarbeitet, die in unserem Laden verkauft wurde.

Mein Vater hat die Milchsammelstelle von 1938 bis zu seinem Tod 35 Jahre lang bedient. Dies bedeutete, jeden Tag in der Woche angebunden zu sein. Am Morgen stand er um halb sechs auf. Er feuerte den Dampfkessel ein, ass etwas zum Frühstück, hörte am Telefon die Nachrichten und das Wetter ab. Ab halb sieben bis halb neun lieferten die Bauern zu Fuss, mit Pferdefuhrwerk, mit Traktoren etc. die Milch an. Am Vormittag stellte Vater die Butter her und reinigte all das zugehörige Geschirr mit heissem Wasser. Ich empfand den Vater als stillen Schaffer.

In späteren Jahren stellte er die Butterherstellung ein und lieferte den Rahm an die Butterzentrale Gossau. Am Morgen um halb neun brachte er die vollen Rahmkannen zur nahe gelegenen Station beim Restaurant Rose. Dort hievte er zusammen mit dem Kondukteur die Kannen von der Strasse in den Gepäckwagen.

In seinen letzten Jahren gab es eine weitere Umstellung. Er baute einen Kühltank ein und die Vollmilch wurde mit einem Lastwagen abgeholt.

Die Lieferung jedes Bauern wurde gewogen und in einem grossen Papierbogen eingetragen. Diese Zahlen wertete Vater monatlich aus und berechnete den Milchertrag für jeden Einlieferer. Damit er das Milchgeld bar auszahlen konnte, holte er auf dem Postscheckamt in St. Gallen das Geld, abgezählt nach Noten bis zu den Räpplern. Nach Verteilung des Geldes in die Tüten durfte nichts mehr übrigbleiben. Vater hatte eine Rechenmaschine mit mehreren Reihen Tasten von 0-9. Wenn der Milchpreis 36.5 Rappen war, so musste er diese Zahl mit drei Fingern auf der Tastatur fassen und je nach Menge und Stelle so viel Mal gleichzeitig runterdrücken. Das Resultat kam auf einem kleinen Zettel heraus, es war das Milchgeld eines einzelnen Bauern. Bei dieser Tätigkeit half ich dem Vater gerne. Kurz vor seinem Tod kaufte er eine elektrische Rechenmaschine. Ich half ihm, diese zu programmieren.

Vater hätte gerne die Alpen erkundet. Aber pro Tag konnte er höchstens von 10-18 Uhr ‘frei’ nehmen. Da reichte es für einen Ausflug mit dem Jeep nach Lech am Arlberg. Mit 40 km/h war das Fahren angenehm. Dieses Angebundensein machte ihm zeitweise zu schaffen. Er hatte Pläne für seine Pension mit der AHV. Drei Monate vorher ist er gestorben. Für mich war die Lehre daraus, Träume und Ziele so schnell als möglich umsetzen.

Die Milchsammelstelle war eine Informationsdrehscheibe. Wir wussten über Vieles Bescheid. Für die Bauern lag immer ein Tratsch drin. Vater wusste Bescheid und berichtete am Esstisch über Neuigkeiten. Es gab Krankheiten, Geburten, Todesfälle, Probleme im Stall, Betreibungen, Neuerungen (Auto, Fernsehen, Kuren etc.). Als Kind konnte ich Charakterstudien anstellen. Die Menschen sah ich über lange Zeit regelmässig und konnte mir zu ihrem Verhalten und über das Gehörte Gedanken machen.

In der Milchsammelstelle hatten wir einen Dampfkessel, der mit Kohle befeuert wurde. Er lieferte das heisse Wasser, damit Vater und die Bauern das Milchgeschirr reinigen konnten. Bei der Zentrifuge mussten unter anderem 50 aufeinanderliegende kegelförmige Platten jeden Tag einzeln sauber gemacht werden.

[Bis am 30. April 2024 war die Milchsammelstelle in Betrieb. Die letzten 50 Jahre war sie von den Familien Inauen betrieben. Am Schluss lieferten noch zehn Bauern Milch.]

Kommentar zum Bild: Die Kleidung von Vater deutet auf einen Sonntag hin. Es muss ein spezieller Anlass gewesen sein. Wahrscheinlich waren auch Gäste mit einem Fotoapparat anwesend. Hinter dem gemauerten Teil des Hauses befindet sich die Milchsammelstelle.

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Am Sonntag legte er für den Gottesdienst schöne Kleider mit Veston an. Übrigens auch wir Kinder hatten unsere Sonntagskleider. Am Sonntag durften wir die Uhr, die wir zur Erstkommunion erhalten haben, anziehen. Das war den Uhren aber nicht so zuträglich, denn die ganze Woche wurden sie nicht aufgezogen. 

Bei uns im Steigbach setzte ein Fabrikant vom Dorf jeweils Fische aus. Für uns Kinder war  erstaunlich, wie dieser am Sonntag keinen Anzug und auch keine Krawatte trug, aber an den Werktagen schon. Mein älterer Bruder hat mich aufgeklärt, dass die Reichen bei der Arbeit schön gekleidet sein müssen und dafür am Sonntag einfach herumlaufen können.


Vater Albert Wild mit Rahmkannen, die täglich 300 m Richtung Teufen bei der Haltestelle Rose auf die Bahn geladen wurden, Foto undatiert, wahrscheinlich an einem Sonntag auf Grund der für diese Arbeit unüblichen Kleidung.

 

Familie mit fünf Mädchen und vier Buben
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3.3.  Meine Eltern – Familie mit fünf Mädchen und vier Buben.
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Familienfoto von Palmsonntag 1959 (aus Buch)
Dieses Familienfoto wurde 1959 am Palmsonntag beim Fotografen Emil Manser in Appenzell aufgenommen.

Für unsere Familie hat sich der Aufwand gelohnt. Dieses Bild ist eines der wenigen, auf dem wir alle in jüngeren Jahren abgebildet sind. Die älteste Schwester Maria ist von Zürich angereist und der älteste Bruder hatte die Erlaubnis vom Kollegium in Appenzell. Die anderen sind mit dem Jeep gekommen, wobei Einzelne sogar mit dem Zug hatten reisen müssen. Am Tag nach dem Fototermin ist Martha abgereist nach Ravenna zur Arbeit für 2 1/2 Jahre bei der Familie Guerra.



Manchmal wurde ich gefragt, wie denn all meine Geschwister heissen würden. Als Kind war dies für mich etwa das Gleiche, wie wenn man die sieben Bundesräte nennen müsste. Ich habe mir mit der Zeit ein Gerüst zurecht gelegt. Weil bei uns immer Mädchen und Buben abgewechselt haben, konnte ich bei der Hand mit den Knöcheln beginnen. Ein Knöchel war ein Mädchen und die Vertiefung ein Knabe. Oder ich teilte die neun Kinder in drei Dreier-Gruppen ein. Die älteste Dreiergruppe waren Maria, Albert und Martha. Sie waren etwas mehr als ein Jahr auseinander. Dann kam die mittlere Dreier-Gruppe mit Josef, Theres und Tony, die hatten Jahrgang 44, 45 und 46. In der letzten Dreier-Gruppe war ich der Mittlere, umrahmt von der älteren Catherine und der jüngsten, Monika. Bei uns war der Abstand jeweils drei Jahre. 

 

Familienfoto, aufgenommen am Palmsonntag 22. März 1959 in Appenzell. Gandolf kam von Kollegium, Maria von Zürich.

Bildlegende: Von links nach rechts

Vordere Reihe: Theres Reich-Wild, Maria Wild-Büchel (Mutter), Monika Bucher-Wild, Niklaus Wild-Lüscher, Catherine Winteler-Wild, Albert Wild-Büchel (Vater)

Hintere Reihe: Martha Guerra-Wild, Albert/Gandolf Wild OFM Cap, Maria Brabetz-Wild, Josef Wild-Stieger, Tony Wild-Knechtle

© Emil Manser, Appenzell.

 ***

Meine drei bzw. vier ältesten Geschwister im Jahre 1946, 5 Jahre vor meiner Geburt.

 

Ende Juni 1946. Martha Guerra 4 Jahre, Albert/Gandolf 6 Jahre, Maria Brabetz 7 Jahre, vor der Hauswand aus Schindeln auf dem Dachsböhl. Die Foto wurde aufgenommen von Josef Inauen (1924-1995) am 23. Juni 1946, dem Tag der Beerdigung von Grossmutter Katharina Wild-Hersche. Martha mag sich erinnern, dass sie Trauerkleider angehabt hätten.

 

 

 


 

 

1946 Josef 2 Jahre und Albert 6 Jahre, vor dem Steigbach mit den Stubenfenstern und den Blumen vor den Fenstern. Zum Schutz vor der Sonne oder Unwetter konnte man die in der Fensterbank versteckten Läden hochziehen.

 

Aus meiner Sicht hat die Mutter die Familie zusammen gehalten. Sie hat die Hauptlast in der Erziehung geleistet. Der Vater war da, aber eher ruhig und im Hintergrund. Er hatte aber letztlich das Sagen.

 

Im Sommer 1947, vier Jahre vor meiner Geburt, wurde die Foto meiner Geschwister in unserem Jeep, der aus Beständen der US-Army stammt, vor unserem Haus im Steigbach 269, 9055 Bühler AR gemacht. 

Die sechs Kinder auf der Foto sind: Vorne am Steuer: Albert Wild, als späterer Ordensbruder bei den Kapuzinern Gandolf. Reihe hinten von links: Martha, Maria, Tony, Theres, Josef.

Catherine, ich selber und Monika kamen erst später auf die Welt. 

1947, Jeep vor dem Haus. Sechs Geschwister Martha, Gandolf/Albert am Steuer, Maria, Tony, Theres, Sepp. Vier Jahre vor meiner Geburt.

Meines Erachtens wurde ich problemlos in die bereits bestehende Grossfamilie aufgenommen. 

 

Mein um fünf Jahre älterer Bruder Tony führt fein säuberlich die Stammbäume nach. Mein Eintrag unter dem Datensatz Nr. 19 ist unter 'Erlebenslauf, Lebensdaten' abgebildet. Aufgeführt sind meine Eltern Albert und Maria Wild, meine acht Geschwister sowie meine Ehepartnerin und meine drei Kinder.

Im Dezember 1951 machten alle einen Ausflug zum Denkmal am Stoss, zwischen Altstätten SG und Gais AR.


Die Foto zeigt uns acht Kinder im Dezember 1951 beim Denkmal beim Stoss zwischen Gais und Altstätten (rechts sind die vier Buben, Albert/Gandolf trägt mich als Baby, ganz rechts steht Sepp und vor ihm mit der weissen Jacke Tony, links oben ist Maria, vor mir Martha, ganz links Theres und vorne Catherine

 


1951, Vater mit acht Kindern auf der Wiese vor dem Haus, Niklaus auf seinem Arm. Die jüngste, Monik kam drei Jahre später auf die Welt.

 

 

 

 

Mutter organisierte den Alltag unserer Grossfamilie mit bescheidenen finanziellen Mitteln
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3.3.  Meine Eltern – Familie mit fünf Mädchen und vier Buben.

Mutter organisierte den Alltag unserer Grossfamilie mit bescheidenen finanziellen Mitteln
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Der Familienalltag war von der Mutter gut organisiert und durch die fixen Essenszeiten all die sieben Tage strukturiert. Gegessen wurde nur am Tisch. Zwischendurch gab es höchstens Obst. Als Kind war man nie allein, immer war jemand da, an den man sich wenden konnte oder der einem geholfen hat. Wir waren lieb zueinander und hatten eigentlich keine tiefgründigen Streitereien. Für mich war klar, ohne Familie würde ich nicht leben wollen. 

Nach dem Tod der Grossmutter Maria Büchel-Metzger im Jahre 1955 wohnten im Elternhaus der Mutter noch die Grosstante Emma Büchel und eine Stiefschwester Grosstante Bertha Stieger (1876-1965). Nach deren Tod im Jahre 1965 hat meine Mutter resp. meine Eltern Grosstante Emma zu uns in den Steigbach genommen zur Betreuung und Pflege. Sie war also immer zugegen, aber nicht mehr gut zu Fuss. Eigentlich ist sie jeden Tag nach dem Mittagessen schlafen gegangen, nur nicht sonntags, wenn wir Kinder gerne Ausflüge mit den Eltern gemacht hätten. Aber immer wollte Tante Emma mitkommen, natürlich mit dem Jeep. Wenn Tante Emma mitkam, gab es für sie nur den Platz vorne auf dem Beifahrersitz und meine Mutter konnte nicht mitkommen, weil der hintere Bereich des Jeeps für sie nicht geeignet war. Die Anwesenheit von Grosstante Emma war für unsere Eltern eine grosse Belastungsprobe. Sie ist Anfang Jahr 1973 gestorben und unser Vater dann Ende 1973. Wir meinten, der Vater sei auch wegen Tante Emma manchmal einfach nicht nach Hause gekommen. 

In dieser Zeit war ich im Internat und nur in meinen Ferien von diesem Umstand betroffen. Für die Eltern wären es schöne Jahre gewesen, nachdem die Kinder eines nach dem anderen ausgezogen sind. Nach dem Verkauf des Dachsböhls im Jahre 1967 hat auch der finanzielle Druck abgenommen. Meine Mutter hat sich einmal geäussert, sie würde es nicht mehr so machen.


29. August 1970 in Stube im Steigbach. Vater. Niklaus, Antonio Guerra, Aldo Traxler (Maturakollege von Bichelsee), Schwester Martha Guerra von Ravenna, Mutter, Grosstante Emma

Unsere Stube war der Raum, in welchem wir uns am meisten aufgehalten haben. Vater und Mutter sitzen auf dem Bild an ihren angestammten Plätzen. Grosstante Emma sass jeweils neben meiner Mutter. Alle anderen auf der Eckbank. Am Mittagessen konnten es zusammen mit den Mägden und Knechten bis zu 15 Personen gewesen sein. In meiner Jugend sah die Stube eigentlich immer so aus. Der Boden war aus Holz. 



Maria Brabetz, Martha Guerra, Tony Wild vor dem Kachelofen in Stube im Steigbach, Aufnahme ca. 1966

Der Kachelofen war unsere einzige Heizung im vierstöckigen Haus. In der Decke über dem Ofen hat es eine Öffnung, die in das Schlafzimmer der Eltern führte, damit die warme Luft hinauf kommen konnte. Die Ofentüre hinter Martha war eine Durchreiche, die von der Küche aus bedient werden konnte. Hier konnte man von der Küche das warme Essen einschieben und von der Stube  herausnehmen und servieren. Oben auf dem Ofen wurden unsere Kissen mit Kernen gewärmt, mit denen wir ins kalte Bett gegangen sind.

Guter Umgang untereinander
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3.3.  Meine Eltern – Familie mit fünf Mädchen und vier Buben.

Guter Umgang untereinander
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Meine Mutter und mein Vater hatten einen guten Umgang miteinander. Als ich in die Primarschule ging, kam mein Vater manchmal nicht zum Abendessen. Er war dann in einer Wirtschaft und hat sich vergessen. Meine Mutter oder einer meiner älteren Brüder musste dann in die Milchsammelstelle. Dies war eine Unstimmigkeit, die mir aufgefallen ist. Aber in meinem Leben haben ich dann ähnliche Moden angewendet, als läge dies im Blut.

Vater und Mutter haben  uns gemeinsam erzogen.


15. Januar 1969, eine von drei Karten von Vater an Gandolf, Handschrift, Inhalt, Inauen Schwarzenegg

Vater hat manchmal statt Briefpapier zu verwenden, die Karten vollgeschrieben. Abgebildet ist die Karte Nr. 3 von 3 an Gandolf. Unterhalb der Mitte schreibt er: 

'In der Familie Inauen geht alles so im gleichen weiter, Hans sagt nichts mehr von Schwarzenegg. '
Mein Bruder Tony Wild (geb. 1946) schreibt mir zu diesem Thema am 14. August 2023 seine Vermutung: Vater hat diese Karte am 15. Januar 1969 geschrieben. Vreni und ich haben am 26. April geheiratet. Ich war also zu dieser Zeit eher wenig zu Hause. Vaters Lebenswandel war zu dieser Zeit schon sehr instabil, d.h. er war schon viele Abende nicht zu Hause, Tony ebenso, und dadurch musste Hans (Inauen senior) viel in der Hütte einspringen. Ihm ist die ganze Situation mit der ausweglosen Situation im Steigbach zum Hals herausgehangen. Vermutlich wollte er unseren Vater unter Druck setzen und hat gedroht, die Liegenschaft Schwarzenegg zu übernehmen. Es dürfte sich um die Liegenschaft Halten 591, Schwarzenegg (heute: Inauen-Jöhl Roman, Schwarzeneggstrasse 22, 9058 Brülisau) handeln, denn dort ist der Grossvater von Hans Inauen aufgewachsen. (Mehr am Familientreffen am 3. September 2023 im Eischen Appenzell!)

Für mich war meine Mutter präsenter und eher für mich da als mein Vater.

Die Eltern haben mit uns geredet oder ermahnt. Sie haben uns weder geschlagen noch eingesperrt.

Mithilfe in Hof und Haus
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3.3.  Meine Eltern – Familie mit fünf Mädchen und vier Buben.

Mithilfe in Hof und Haus
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Manchmal wurde ich gefragt, wie denn all meine Geschwister heissen würden. Es ist etwa das Gleiche, wie wenn man die sieben Bundesräte nennen müsste. Ich habe mir mit der Zeit ein Gerüst zurecht gelegt. Weil bei uns immer Mädchen und Bube abgewechselt haben, konnte ich bei der Hand mit den Knöcheln beginnen. Ein Knöchel war ein Mädchen und die Vertiefung ein Knabe. Oder ich teilte die neun Kinder in drei Dreier-Gruppen ein. Die älteste Dreiergruppe waren Maria, Albert und Martha. Sie waren etwas mehr als ein Jahr auseinander. Dann kam die mittlere Dreier-Gruppe mit Josef, Theres und Tony, die hatten Jahrgang 44,45 und 46. In der letzten Dreier-Gruppe war ich der mittlere, umrahmt von der älteren Catherine und der jüngsten, Monika. Bei uns war der Abstand jeweils drei Jahre.

Meine drei Enkel gehen im Schuljahr 2024/25 alle drei ins gleiche Schulhaus in die Primarschule, der älteste Adrian in die 6., der mittlere Gabriel in die 4. und der jüngste Linus in die 1. Klasse. Ich als mittlerer der dritten Dreiergruppe ging mit Catherine und Monika wohl ins gleiche Schulhaus, aber es traf sich nicht, dass alle drei zusammen im gleichen Jahr waren. Als Monika eingeschult worden war, ging Catherine bereits in die Flade nach St. Gallen. Ich war in der 4. Primarklasse beim Junglehrer Steiner, der in seinem ersten Jahr nach dem Lehrerseminar meine Schwester Catherine in der 5. und 6. Klasse unterrichtete (1959 und 1960).

Wir hatten unsere Aufgaben wie: Geschirr abwaschen, heisses Wasser in der Milchsammelstelle holen zum Abwaschen und zum wöchentlichen Bad in der Gelte, Einkaufen im Dorf, Wischen vor dem Haus, Holztreppe vom Hauseingang zum ersten Stock reinigen und bonern.

 

 Meine Schwester Monika war drei Jahre jünger als ich und besuchte alle möglichen neun Schuljahre in Bühler. Mit ihr war ich am längsten zusammen zu Hause. Catherine ist drei Jahre älter als ich und ging nach der sechsten Primarklasse in die Mädchen-Flade in St. Gallen und nachher ins Lehrerinnen-Seminar in Menzingen ZG. Am Mittag kam sie nur kurz zum Essen nach Hause und Monika und ich machten dann die Küche, allenfalls unterstützt von Bruder Tony, der im Dorf die Lehre als Eltektromonteur machte. Von ihm übernahm ich das Velo und später das Töffli. Ich selber ging mit 13 Jahren ins Internat nach Appenzell, war aber in den Ferien immer zuhause im Steigbach.

Von den Eltern haben wir kein Taschengeld erhalten. Wir machten aber Botengänge für Nachbarn oder verteilten ein Heftli an gewisse Haushalte, die uns dann etwas Geld gegeben haben. Im Dorf leistete ich mir beim Beck jeweils ein Makarönli.

Vater und Mutter waren römisch-katholisch und sie haben uns im christichen Glauben erzogen. Meine Mutter hat uns auch angehalten, eine saubere Sprache zu sprechen ohne Flüche.

Meine Mutter war stark religiös. Sie holte meines Erachtens viel Kraft aus dem Glauben.

In unsere Gemeinde wurde Dorfpolitik betrieben. Es gab keine Parteien. Die Gemeindeversammlung fand in der reformierten Kirche statt. 
Nach der Schule gab mir manchmal der Lehrer eine Zirkular-Mappe mit mit der Bitte, diese doch bei soundso in den Briefkasten zu legen. In dieser Mappe waren Traktate zu politischen Themen. Ich habe dann meinen Vater einmal gefragt, was ein Lesezirkel sei. Dies war bei uns das Mittel, Meinungen zu bilden. Als Katholiken gehörten meine Eltern nicht zum inneren Zirkel der Gemeinde, ich glaube zu behaupten, es hätte damals auch nie ein Katholik Gemeinderat werden können. 

Zuhause hat der Vater die Nachrichten am Telefon abgehört, eine Zeitung  'Die Ostschweiz' hatten wir abonniert wie auch den 'Sonntag', ein katholisches Wochenblatt.


Gewohnheiten, Überlieferungen, Ähnlichkeiten
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3.3.  Meine Eltern – Familie mit fünf Mädchen und vier Buben.

Gewohnheiten, Überlieferungen, Ähnlichkeiten
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Vom Vater habe ich den Landsgemeinde-Säbel und den Barometer. Er hat immer an den Barometer geklopft um sicherzustellen, dass die Quecksilbersäule am richtigen Ort ist, damit er das kommende Wetter abschätzen konnte. Der Landsgemeindesäbel war an der Landsgemeinde der Stimmrechtsausweis, dies bis zur Einführung des Frauenstimmrechtes auf kantonaler Ebene. In Ausserrhoden wurde die Landsgemeinde dann abgeschafft, weil der Platz für alle Stimmberechtigten weder in Trogen (gerade Jahre) noch in Hundwil (ungerade Jahre) gereicht hätte. In Appenzell Innerrhoden blieb die Landsgemeinde erhalten.
Nach dem Tode meiner Mutter im Jahre 1981 fragte unser Bruder Tony von Teufen alle Geschwister, ob sie etwas aus dem Nachlass der Eltern möchten. Ich mit meinen 30 Jahren verzichtete damals. Die zwei Andenken hat mir mein Bruder viel später einmal übergeben und heute behalte ich sie in guter Erinnerung.

 

1989 Hundwil: letzte (Männer-) Landsgemeinde. Foto Windler.

 An dieser Landsgemeinde war ich dabei, als Zuschauer. Damals wohnte ich in Zürich. Mein Bruder Tony war als Stimmberechtigter dabei.

 



Eine Ausschnitt vom Buch 'Landsgemeinde Appenzell Ausserrhoden' über derenAufhebung
Von der Landsgemeinde zur Urnenabstimmung

Die Urnenabstimmung
Damit die Ungewissheit über die Zukunft der Landsgemeinde nicht allzulange dauern würde, entschied sich die Regierung, einen relativ frühen Abstimmungszeitpunkt
zu wählen. Mehrheitlich beantragte der Regierungsrat, den Stimmberechtigten zu
empfehlen, die Landsgemeinde beizubehalten. Obwohl ohne die Landsgemeinde aus
Sicht der Regierung vieles einfacher geworden wäre, war für sie der staatsbürgerliche
Vorteil dieser Institution derart gross, dass sie bereit war, die Nachteile in Kauf zu
nehmen.
An seiner Sitzung vom 16. Juni 1997 beschloss der Kantonsrat, zuhanden der Stimmberechtigten eine Empfehlung abzugeben. Im Stimmenverhältnis 36 zu 19 sprach
sich der Rat dafür aus, auf eine weitere Diskussion der Vor- und Nachteile der Landsgemeinde zu verzichten. Mit 38 Ja, 22 Nein sowie 2 Enthaltungen empfahl das Parlament unter Namensaufruf dem Stimmvolk, die Landsgemeinde beizubehalten.
Im Vorfeld der Abstimmung fand in der hiesigen Lokalpresse ein reger Meinungsaustausch statt. Leserbriefschreiberinnen und -Schreiber füllten über Wochen Seite
um Seite, ohne dass wirklich neue Aspekte auszumachen gewesen wären. Über diesen Abstimmungskampf konnten sich nur die Printmedien freuen, denn auch im Inserateteil kreuzten Befürworterinnen und Befürworter mit Gegnerinnen und Gegnern
fleissig die Klingen. Dabei gingen die Erstgenannten sehr früh in die Offensive, indem
sie Inserate mit Bild und persönlichen Kernaussagen der abgelichteten Person veröffentlichten.
Die Abstimmung am letzten Septemberwochenende lockte nicht nur 61 % der Stimmberechtigten an die Urne, sondern weckte auch das Interesse der Medienschaffenden.
Musste man sich bei Landsgemeinden schon von Zaungästen aus nah und fern beklatschen oder ausbuhen lassen, so fand es das Schweizer Fernsehen angebracht, das
Einwerfen der Stimmzettel in die Wahlurne beispielsweise vor dem Gemeindehaus
Trogen auf Zelluloid zu bannen, um anschliessend ins ganze Land ausstrahlen zu können.
Das mit Spannung erwartete Ergebnis fiel dann zum Glück deutlich aus. Insgesamt
sprachen sich 9911 Stimmberechtige für die Beibehaltung aus, 11623 votierten dagegen. Nur sieben der 20 Gemeinden entschieden sich für den Fortbestand. Wenig Kredit hatte die Institution vor allem im Appenzeller Hinterland. Am deutlichsten
stimmte Urnäsch mit knapp 68% gegen die Landsgemeinde. Als Spitzenreiter auf befürwortender Seite rangierte Reute mit 56% Ja-Stimmenanteil.
Die Reaktionen fielen verständlicherweise unterschiedlich aus. Einhellig aber war
man der Meinung, dass der Volksentscheid für den Kanton einen Einschnitt ins politische Leben bringen würde, dass nun eine neue politische Kultur gefragt sei.
Mit dem Entscheid verschwand 400 Jahre und 20 Tage nach Abfassung des Landteilungsbriefes eine Institution, die stets wieder als die direkteste Form der Demokratie
gepriesen wurde, der man aber ebenso nachhaltig misstraute, allfällige Änderungen
verkraften zu können.
Nach Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen auf eidgenössischer Ebene
verwehrten die Ausserrhoder Männer den Frauen während 17 Jahren erfolgreich,
aber zunehmend unglaubwürdiger die Teilnahme an der Landsgemeinde. Die Tatsache, dass nur gerade fünf Jahre nach Einführung des kantonalen Stimm- und Wahlrechts für Frauen zwei von ihnen auf den Stuhl gewählt wurden, hatte die Landsgemeinde - wie vön vielen befürchtet - nicht zu Fall gebracht; ganz im Gegenteil, dadurch wurde sie farbiger und lebendiger, sie hatte ihre Wandelbarkeit unter Beweis
gestellt. Statt in diesem Stil fortzufahren, hielt man krampfhaft an der starren Form
fest. Für grundlegende Änderungen war man nicht bereit.
Die vermeintliche Kompetenzerweiterung beispielsweise in Form der Wahl des Mitgliedes in den Ständerat war mehr ein Rückschritt als eine Verbesserung. Damit schuf
man ein wichtiges Wahlgeschäft mehr, von dem ein Teil der Stimm- und Wahlberechtigen von vornherein ausgeschlossen wurde.
Die Institution Landsgemeinde musste letztlich auch fallen gelassen werden, weil vielen die Form wichtiger war als deren Inhalt.
Trogen, im Frühjahr 1999 Johannes Schläpfer

Lebensweisheiten:
Meine Mutter hat mir das Lied von Bruder Klaus, meinem Namenspatron, auf den Weg gegeben:

Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hindert zu Dir.

Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich fördert zu Dir.

Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen Dir.

Von meinem Vater hörte ich bei der Arbeit auf dem Feld oder in der Werkstatt immer wieder: Jedes Ding an seinen Ort erspart viel Müh und böse Wort. Auch der Pächter Hans Inauen sen. hat mir diesen Satz des öfteren unter die Nase gerieben, wenn ich z.B. den Hammer nicht ans richtige Ort zurückgelegt habe.

Die Mutter hat empfohlen, keine selbständige Tätigkeit anzustreben, vielmehr als Angestellte zu arbeiten. Erzogen wurden wir eher zum Dienen als zum Regieren, also lieber der zweite Mann als der erste zu sein.

Ähnlichkeiten mit den Eltern:
Dem Vater ähnlich bin ich, wenn es darum geht, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Lieber verdränge ich etwas als dass ich es anspreche.

Mein Selbstbewusstsein ist nicht besonders ausgeprägt. Wir wurden von den Eltern angehalten, uns einzuordnen. Als Katholiken lebten wir in der Diaspora als eine Minderheit unter Reformierten. Wir haben uns angepasst. 

Unsere Eltern waren anständig, nicht forsch und auch nicht aufbrausend. Aber meines Erachtens auch nicht übertrieben selbstbewusst. Die Mutter hielt uns eher an, unser Licht unter den Scheffel zu stellen. Irgendwie hat mich diese Art im Beruf begleitet. Einmal sagte ein Geschäftspartner, der mich längere Zeit begleitete, für das Grobe bräuchte ich immer einen Zuschläger. Dem war so, bei den SBB war es Peter Müller, am Flughafen Robert Keller und beim Kanton Basel-Stadt liess ich mich bei Sitzungen immer von unserem Juristen Dr. Christian Schuster begleiten. Die Erwähnten kannten mit der Zeit ihre Rolle und in diesem Verbund agierten wir erfolgreich. Bei der Erziehung war dies natürlich meine Frau Veronika, die sich ihrer Rolle auch bewusst war.

Ich selber hatte Mühe, mich offen durchzusetzen. Ich versuchte es vielfach auf meine Art, die manchmal hinterhältig ist. Ich fürchtete meist ein Nein vom Gegenüber, wenn ich zuerst offen über meine Absichten geredete hätte. Ich war eher der Macher als der grosse Kommunikator, wenn es um Projekte oder Pläne ging.

Humor:
Im Appenzellerland steht das 'zündeln' im Vordergrund, das heisst man stellt ihm Fragen oder macht Unterstellungen, auf die der andere reagieren muss. In diesem Bereich waren wir stark. Die Unterländer hatten jeweils Mühe mit dieser Art 'Humor'. Das war auch in den Wirtschaften üblich.

Ich hänselte die Leute gerne oder band ihnen einen Bären auf wie zum Beispiel: ‚Ich war am Spielen im Bach und suchte Fische hinter den Steinen. Einmal griff ich unter einen Stein unter dem Bachbord und was zog ich heraus? Eine menschliche Hand.‘ 


Vielfach frage ich die Leute auch: Was ist anderthalb Drittel eines Fünfliebers? Ansonsten war ich eher schüchtern gegenüber Fremden, nicht aber gegenüber Bekannten.

Erotik im Elternhaus:
Zu meiner Jugendzeit bekamen wir zu diesen Themen nicht viel mit. Die Eltern waren wirklich lieb zu uns und man spürte, sie taten alles für uns. Über die Themen Sexualität und Erotik wurde meiner Erinnerung nach nicht gesprochen. Zärtlichkeiten wurden nicht ausgetauscht, weder in der Familie und schon gar nicht in der Öffentlichkeit, was aber damals so oder so nicht üblich war. Meine Eltern habe ich nie nackt gesehen. Ich frage mich im Nachhinein, wie und wann sie sich gewaschen haben, denn wir hatten nur in der Küche einen Wasserhahn, und dort nur Kaltwasser.

 

Mehrheitlich gesunde Familie
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3.4.  Meine Eltern – Mehrheitlich gesunde Familie.
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Meine Jugend und auch mein Leben waren nie von Krankheiten überschattet. Die folgenden Hinweise sind eher gedacht für die Nachwelt als Hinweise bei medizinischen Anamnesen:

Meine Mutter: Nach der Geburt meiner jüngsten Schwester Monika am 8. März 1954 hat meine Mutter viel Blut verloren. Sie wäre fast gestorben. Ein Arzt aus St. Gallen hat dann einen Calcium-Mangel diagnostiziert. Sobald dieser behoben war, erholte sich meine Mutter wieder.
Meine Mutter litt im höheren Alter an Diabetes Mellitus II und Adipositas.
Sie ist an Herzversagen im Jahre 1981 im Alter von 68 Jahren gestorben. wie auch mein ältester Bruder Albert (Gandolf) im Jahr 2022 im Alter von 82 Jahren. Herzprobleme sind familiengehäuft, ausgehend von Mutter's Seite, auch Cousin Peter Büchel (1947-2009) in Stans ist beim Schneeschuhlaufen an Herzversagen gestorben. Herzprobleme, die Stents nötig machten, sind in der Familie bei Brüdern und Schwestern verbreitet.

Die Postkarte aus dem Spital von Mutter nach Hause deutet auf einen Spitalaufenthalt hin. Das war ca. 1.5 Jahre vor dem Tod meines Vaters, ich war damals bereits in Zürich am Studieren.

17. Juli 1972, Karte von Mutter Maria Wild-Büchel *1913 (Handschrift) aus dem Spital (Herisau) nach Hause.

Text der Postkarte vom 17. Juli 1972 an Familie A. Wild, Steigbach, 9055 Bühler: Meine Lieben, Bei der Chefvisite hat der Arzt gesagt, dass wenn die Blutkruste am rechten Bein weg sei, dürfe ich dann nach Hause gehen. Einige Tage wird es doch noch dauern. Hoffentlich ist es keine Seifenblase. Herzliche Grüsse MutterEva kann ja trotzdem kommen. Gehen kann ich allerdings noch nicht gut. Bin ganz schwindlig.

Des Weiteren mag ich mich erinnern, wie ein Bruder von mir (möglicherweise Tony) heisses Wasser aus dem Ofenloch in der Stube in die Küche bringen wollte. Bei der Stubentüre ist ihm meine jüngste Schwester Monika entgegengekommen und das brühend heisse Wasser hat ihr auf der Seite am Hals und am Brustkorb die Haut verbrannt. Am Hals, wo die Haut nie ruht, ist die Brandwunde geblieben, auf den übrigen Teile ist es ausgeheilt. Aber das ohrenbetäubende Geschrei der jüngsten Schwester ist einem immer noch in den Ohren. Wir waren ja alle eigentlich immer entweder in der Küche oder in der Stube. Ich war damals wahrscheinlich so um die zehn Jahre alt.

Beim Holzen im eigenen Wald gab es einmal eine gefährliche Situation, als ein Drahtseil, mit dem die Stämme vom Tobel unten mit einer Seilwinde hinaufgezogen wurden, gerissen ist. Seit jenem Vorfall durften wir als Kinder nicht mehr so nahe zuschauen. Es ist kein Kind verletzt worden, aber meiner Erinnerung nach ein Angestellter.




















Tod der Eltern, Familientreffen
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3.5.  Meine Eltern – Tod der Eltern, Familientreffen.
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Erinnerungen an den Tod der Eltern:
Die Nachbarin, die Frau unseres Cousins, Fine Inauen (1932-2024) wohnte im Ostflügel des Hauses. Ihr war aufgefallen, dass meine Mutter nicht in der Kirche gewesen war wie sonst. Sie ging deshalb zum Küchenfenster und schaute hinein und sah meine Mutter am Boden liegen. Die Herdplatte noch heiss, das Wasser verdampft. Sie wollte für sich einen Tee vorbereiten und muss an Herzversagen gestorben sein.

Mit dem Tod der Mutter fand dann auch der engere Bezug zum Elternhaus weg, obwohl der neue Besitzer, Hans Inauen, uns anbot, er würde die Wohnung ein Jahr leer lassen, damit wir jederzeit 'nach Hause kommen' und übernachten könnten.

Mein Vater hatte manchmal die Angewohnheit, nicht immer zum Abendessen nach Hause zu kommen. Er kam dann irgendwann nach Hause. Als er am Donnerstag, den 5. Dezember 1973 am Abend nicht nach Hause kam, war das nicht besonders auffällig. Als er aber am Morgen vom Freitag, 6. Dezember 1973 nicht zu Hause war, informierte meine Mutter den Nachbarn Hans Inauen. Er erkundete die Umgebung und hat ihn nicht weit von zu Hause entfernt beim Brücklein auf der Strasse von der Steig her zu unserem Haus, an der Grenze zu unserer Liegenschaft, gefunden. Es hatte auf der Strasse eine dicke Schneeschicht und das Brückengeländer nicht mehr so hoch. Er meinte, mein Vater sei über das Geländer in das Bächlein runter gefallen und hätte den Kopf an einem Stein angeschlagen. Es war kalt in jener Nacht.

An jenem Samstag war ich im Rahmen der Studentenverbindung Kyburger von Zürich zusammen mit anderen bei unserem Roman Kölbener v/o Zöll in Appenzell eingeladen. Seine Familie war eigentlich die 'Familie Alpenbitter' in Appenzell. Wir tranken relativ viel von diesem an sich leichten Schnaps. Ich ging dann mit den anderen ziemlich angetrunken wieder nach Zürich zurück, wo ich mich in meiner Kyburger-Wohngemeinschaft am Hirschengraben 70 in Zürich erholte.

Meine Schwester Maria wollte mich so um den Mittag am Freitag, 6. Dezember 1973 vom Tod meines Vater ins Bild setzen. Ich war aber nicht ansprechbar und Bruno Bauer v/o Ovid hat das Telefon entgegengenommen und er wusste auch, worum es sich handelte. Als ich dann Abend mehr oder weniger erholt aus dem Zimmer kam hat er mir gesagt, ich sollte noch meiner Schwester telefonieren, aber besser sitzend als stehend. So habe ich vom Tod erfahren.

Eigentlich hatte ich die Idee, von Appenzell zu meinen Eltern zu fahren mit der Bahn. Zum Glück habe ich sie nicht darüber orientiert, denn in meinem Zustand wäre das keine gute Idee mehr gewesen.

Mein Vater hätte vier Monate nach seinem Tod das erste Mal die AHV-Rente erhalten. Er hat sich auf diesen Moment gefreut - und ihn dann nicht mehr erlebt. Für mich zog ich die Lehre daraus, meine Wünsche so schnell als möglich umzusetzen und nicht auf das Alter zu warten.

Das Grab meiner Eltern ist schon lange wieder ausgehoben. Das Grab besuchten wir jeweils an den Familientreffen.

Nach der Beerdigung der Mutter am 13. Mai 1981

Von links: hintere Reihe: ?, ?, Antonio, Tante Martha Bischofberger-Büchel, Josef und Eveline Wild-Stieger, Tony Wild. Mittlere Reihe: Veronika Wild-Lüscher, Theres Reich-Wild, Martha Guerra, Monika Bucher-Wild, Maria Brabetz-wild, Catherine Winteler-wild, vordere Reihe: Daniela Wild, Esmeralda Guerra, Claudia Brabetz 


Mein Bruder Tony hat den Nachlass und den Haushalt der Mutter aufgelöst und uns den Vorschlag gemacht, statt den Betrag durch neun zu teilen, würde er ein Konto anlegen und wir könnten uns jedes Jahr gemeinsam treffen und mit dem Erbe das Mittagessen bezahlen. So haben wir das dann über die Jahre gehandhabt.

Weil unser Bruder Gandolf immer im Ausland in Afrika, in Rom oder in Abu Dhabi im Einsatz war und jeweils lange voraus seinen Heimaturlaub bekannt gab, konnten wir das Treffen auf seinen Urlaub in der Schweiz legen.

Ein Treffen hatte ich im Jahre 2012 in Zürich organisiert. Die Foto wurde beim Zürihorn bei der Fischstube aufgenommen in der Nähe des Tinguely-Brunnens. Dies ist für mich nicht unbedeutend.

In unserer Familie war Zürich die Grossstadt schlechthin. Meine älteste Schwester Maria Brabetz-Wild arbeitete nach der Schule in Bühler und der Flade in St. Gallen in einem Betrieb als kaufmännische Angestellte und sandte den Eltern von ihrem Lohn jeweils Geld heim. Sie machte nebenbei die Matura an der Abendschule und studierte nachher an der Universität. Sie war intelligent und besonders sprachbegabt.


9. März 1960, Karte von Vater an seine älteste Tochter Maria in Zürich mit einem Dank für die Überweisung, an die Adresse ihres Arbeitgebers.

 

Ein erstes Mal in Zürich (aus Buch)
Für uns Kinder war Zürich die Grossstadt schlechthin.

Meine älteste Schwester Maria Brabetz-Wild besuchte in Bühler die Primarschule und in St. Gallen die katholische Mädchen-Sekundarschule Flade. Anschliessend arbeitete sie in Zürich in einem Betrieb als kaufmännische Angestellte. Sie sandte den Eltern von ihrem Lohn Geld heim. Vater hatte ihr am 9. März 1960 auf einer Postkarte, adressiert an ihre Arbeitsstelle, gedankt für die Überweisung. Sie machte nebenbei die Matura an der Abendschule und studierte nachher an der Universität.

Die zweitälteste Schwester Martha Guerra-Wild hatte die gleiche Grundausbildung. Sie liess sich 1962-1965 im Theodosianum beim Klusplatz in Zürich zur Krankenschwester ausbilden. Vorher war sie in Genf und in Ravenna im Haushalt der Familie Guerra tätig.

Diese beiden Schwestern hatten ihre Eltern nach Zürich eingeladen. Martha kam gerade von ihrem 2 1/2-jährigen Einsatz in Ravenna zurück in die Schweiz.

Damals gab es noch keine Autobahnen. Wir fuhren mit dem Jeep über den Ricken. Von Rapperswil her kamen wir nach Zürich-Tiefenbrunnen. Getroffen haben wir uns auf der Wiese bei der Fischerstube. Der Vater wollte nicht in den Strassen der Stadt umherfahren. Das war meine erste Reise nach Zürich. Auf einer Bank assen wir unser Picknick. Wir nahmen den gleichen Weg wieder zurück. Es ist zu bedenken, Vater fuhr mit dem Jeep höchstens 40 km pro Stunde. Wegen der Milchsammelstelle hatte er nur das Zeitfenster von 10.30 bis 18.00 Uhr. 

Besuch von Maria am Zürichhorn, ca. 1960, Vater, Monika Bucher, Maria Brabetz, Mutter, Niklaus, Martha Guerra

 



Familientreffen in Zürich, 10. Juni 2012 Von links nach rechts: Maria, Gandolf, Martha, Josef, Theres, Tony, Catherine, Niklaus, Monika Diese Aufstellung folgte unserem Alter

 
Meines Wissens konnten meine Eltern nicht von Erbschaften profitieren, sicher nicht der Vater. Höchstens die Mutter, als. sie 1973 ihr Elternhaus Schönbühl in Teufen verkauft haben.

 

Meine Grosseltern
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4.  Meine Grosseltern
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Meine Eltern vom Vater starben 1946 und 1955, jene der Mutter 1952 und 1955. Ich habe deshalb wenige Erinnerungen, war ich doch erst vier Jahre alt, als die letzten starben.


Dachsböhl von vorne. In der Mitte war die Stube und im Zimmer rechts mit geschlossenen Läden war Grossmutter aufgebahrt, bis sie mit Ross und Leichenwagen abgeholt worden ist. Juni 1946.

 




 

Mein Grossvater väterlicherseits
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4.1.  Meine Grosseltern – Mein Grossvater väterlicherseits.
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Johann Anton Wild
4. Juni 1875 bis 11. Mai 1955



Hasdöni, unser Grossvater im Dachsböhl Bühler. Wahrscheinlich am Tag der Beerdigung seiner Frau Katharina im Juni 1946.

 


Familie Wild-Hersche, Familienfoto, Aufnahme ca. 1920




Dachsböhl von vorne. In der Mitte war die Stube und im Zimmer rechts mit geschlossenen Läden war Grossmutter aufgebahrt, bis sie mit Ross und Leichenwagen abgeholt worden ist. Juni 1946.

Die Foto stammt von Sepp Inauen (Jona, Rapperswil). Er machte etliche Fotos an der Beerdigung auch seiner Grossmutter Katharina Wild Hersche, nachdem sie am 23. Juni 1946 gestorben war.


Eine  Erinnerung an diesen Grossvater Hasdöni habe ich: Als er im Dachsböhl im Zimmer neben der Stube aufgebahrt war,  kletterte ich als 4-jähriger auf seinen Bauch und bohrte in seiner Nase. Eine meiner Schwester, wahrscheinlich die drei Jahre ältere Catherine,  hat mich dann gemassregelt. 


Grossvater Hasdöni, Anton Wild und seine Tochter Marie Benz-Wild am Heuen. Wahrscheinlich 1946. © Sepp Inauen.

 

Grossvater Hasdöni, Onkel Karl in Ecuador, Tante Berta
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4.1.  Meine Grosseltern – Mein Grossvater väterlicherseits.

Grossvater Hasdöni, Onkel Karl in Ecuador, Tante Berta
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Mein Grossvater war das achte von zwölf Kindern.


Vater übernimmt den Hof – Die 'Wildebisches' (aus Buch)
Vater hat den Hof seinem Vater 1938 abgekauft, wahrscheinlich nicht ganz freiwillig.

Stammbaum

Mein um fünf Jahre älterer Bruder Tony begann als Pensionierter die Stammbäume zu erforschen. Er wertet all die bei den Kirch- und Einwohner-Gemeinden einsehbaren Bücher aus. Die Führung dieser Register wurde mit der neuen Bundesverfassung vom 29. Mai 1874 obligatorisch. Die relevanten Angaben pflegt er fein säuberlich in sein Programm ein. Die gesammelten Daten zurück bis 1791 will er beim Landesarchiv des Kantons Appenzell Innerrhoden für Interessierte hinterlegen. Bei Familien, die vor 1877 geheiratet haben, hat er Mühe, an die Daten zu kommen. In der Regel benötigt er das Todesdatum.

Wildebisches - Familie von Grossvater Hasdöni

Von unseren Ur-Ur-Grosseltern Wildebisch und Schutzefrenzemaiann gelang ihm dies über den Volksfreund. Über das Todesdatum fand er im Archiv den Totenschein.

Nach Recherchen im Grundbuchamt wohnte Ur-Grossvater Johann Baptist Wild (geboren 23. Oktober 1825) immer in Gonten. Er hatte zwei Frauen. Die erste Maria Magdalena Wetter lebte von 24. September 1832 bis am 13. März 1864. Sie starb nach der Geburt, das Kind überlebte. Die älteste Tochter war bei ihrem Tod 13. Weil die Liegenschaft der Frauenfamilie gehörte, musste unser Urgrossvater mit den Kindern ausziehen. Heute wohnt Bruder Josef und Eveline Wild-Stieger im Zollhüsli, in der Nähe von jenem schönen Bauernhaus.

Nachher heiratete Urgrossvater Maria Johanna Peterer (Schutzefrenzemaiann), eine reiche Frau. Bei der Heirat war sie 19.

Grossvater Johann Anton Wild (Hasdöni)

Der abgebildete Datensatz Nr. 22 listet seine Eltern, Geschwister und Nachkommen auf. Seine Mutter war die zweite Frau seines Vaters. Sie hatte zwölf Geburten. Die ersten drei Kinder lebten nicht lange. Anna Maria, Franz Xaver und Johann Baptist folgten. Als nächstes kommt wieder eine Anna Maria und stirbt nach einem Monat. Bei der achten Geburt erblickt der Grossvater Johann Anton Wild (Hasdöni) das Licht der Welt. Er lebte von 1875 bis 1955. Maria Theresia und Maria Antonia kommen nach, wie auch Josef Anton und Franz Jakob. Franz stirbt als Säugling. Die Kindersterblichkeit war beachtlich.

Von den zwölf Geburten der zweiten Frau überlebten sechs, zwei weitere Kinder sind von der ersten Frau.

Unsere Familie gehörte ursprünglich der Halb-Rhode Stechlenegg an, die westlich von Gonten grenzend an Hundwil liegt. Wir gelten als Bürger von Appenzell Innerrhoden.

Warum hat unser Vater den Hof übernommen?

Bei dieser Frage hat Bruder Tony spekuliert und dies so erklärt: Auf dem Datenblatt 22 sind im unteren Drittel die Geschwister meines Vaters aufgeführt. Die älteren Buben waren Zwillinge. Von denen wurde Johann Baptist (Bisch) dem Herrgott geschenkt, d. h. er wurde Priester. Eigentlich wäre der andere Zwilling, Johann Anton (Hastöni) an der Reihe gewesen, den Hof zu übernehmen. Beide waren sechs Jahre älter als unser Vater. Hastöni ist früh ausgezogen und hat am 23. Juni 1928 Alice Roth, eine Reformierte aus Bühler, geheiratet. Eine Hofübergabe an ihn war unter diesen Umständen für meine Grosseltern nicht vorstellbar. Alice musste konvertieren, denn zu jener Zeit waren gemischte Ehen nicht vorstellbar. Karl ist ausgewandert, wie viele junge Schweizer, nach Südamerika. Frieda Bodenmann erwartete ein Kind von ihm. Sie ist ihm gefolgt. Karl ist am 7. Juli 1936 in Ecuador angekommen, Frieda am 1. Februar 1937. Sie haben in Ecuador Bolivar geheiratet und am 24. Februar ist Karl Junior zur Welt gekommen. Wahrlich ein Wettlauf gegen die Zeit. Später kam Emil dazu. Frieda fuhr mit den beiden Kindern zur Einschulung allein in die Schweiz zurück und ist geblieben. Als nächster war mein Vater Franz Albert an der Reihe. 1937 starb der jüngste Bruder Emil an einer Hirnhautentzündung. Damit kam für die Hofübernahme nur noch mein Vater infrage.

Die drei Mädchen Katharina, Marie und Berta blieben bei diesem Thema aussen vor.

Unser Grossvater Hasdöni kaufte 1904 den Steigbach und zügelte 1905 von der Halten Schwarzenegg dorthin und ist als einer der ersten Katholiken im reformierten Dorf Bühler AR ansässig geworden. 1908 konnte er den Nachbarhof Dachsböhl erwerben.

Carlos Weltreise mit Fahrrad in den 50-er-Jahren

Karl Junior (geboren 24. Februar 1937) hat sich später Carlo Valentin Wild genannt. Er reiste mit dem Fahrrad um die Welt. Seine Heirat mit der Thailänderin Balachandra Chandarambai war der Schweizer Illustrierten eine Story wert mit Bild auf der Titelseite. Dieser Carlo hat mich vor meinem Elternhaus als etwa 6-Jährigen fotografiert. Das Bild stellt eines der wenigen Porträts aus meiner Kindheit dar und ziert das Kapitel der ‘Einleitung’. Er ist am 26. August 2026 in seinem 90. Lebensjahr in Ecuador gestorben.

Auf seiner Fahrradtour lernte er in Thailand Chandarambai Belachandra kennen. Sie heirateten und erschienen auf der Titelseite der SchweizerFamilie. Sie hatten sechs Kinder. Zwei davon, Lalita und Hapiradi (Bibi) wohnen in der Schweiz. Zwei sind bei einem Unfall ums Leben gekommen (Vasini und Erica). Die Mutter hat dies kaum verkraftet. Sie lebte am Schluss in der Schweiz, geschieden von ihrem Mann. Bibi hat einmal einen Artikel in einer Ostschweizer Zeitung über das Thema Heimat veröffentlicht. Sie fragt, wo bin ich zuhause mit Bezug auch zur Mutter – Thailand, Ecuador, Schweiz. 

 





 ***

Hasdöni Wild (1875-1955), Familenangaben, Grossvater väterlicherseits

 

Foto der Familie meines Vaters Albert, der zweite von links. Aufnahme ca. 1922

 

 


Als ich meinen Bruder Tony einmal fragte, warum eigentlich unser Vater als sechstes Kind den Hof übernommen hat, gab er mir folgende Antwort: Er könne auch nur spekulieren.

Die älteren Buben waren Zwillinge. Von denen wurde einer, Johann Baptist (Bisch) dem Herrgott geschenkt, d.h. er wurde Priester. Damals war es üblich dass der Älteste oder die Älteste dem Herrgott resp. der Kirche geschenkt wurde.
Eigentlich wäre der andere Zwilling, Johann Anton (Hastöni) an der Reihe gewesen, den Hof zu übernehmen . Hastöni und Bisch wurden am 19. November 1903 - am 30. Geburtstag ihrer Mutter - in der Halten Steinegg geboren. Sie waren somit 6 Jahre älter als unser Vater. Hastöni ist schon früh ausgezogen und hat am 23. Juni 1928 Alice Roth, eine Reformierte aus Bühler, geheiratet. Diese Bekanntschaft war für unsere Grossmutter ein Graus. Alice musste konvertieren! Ein Grosskind von Alice, Vreni, hat sich gemäss Bruder Tony einmal sehr negativ über unsere Grossmutter geäussert. Sie sei eine Herrscherin gewesen und habe ihre Grossmutter Alice zu diesem Schritt gezwungen! Kann ich Nachvollziehen, denn zu jener Zeit waren gemischte Ehen verboten.

Karl ist ausgewandert. Er hat in Urnäsch bei der Familie in Urnäsch im Holzbetrieb gearbeitet. Er wanderte aus, ohne zu wissen, dass Frieda Bodenmann, die Tochter des Arbeitgebers, schwanger geworden ist.  Sie ist ihm aber gefolgt. Karl ist am 7. Juli 1936 in Ecuador angekommen, Frieda ist ihm nachgereist und am 1. Februar 1937 haben sie in Ecuador Bolivar geheiratet und am 24. Februar 1937 ist Karl junior zur Welt gekommen.Wahrlich ein Wettlauf gegen die Zeit. Später ist noch Emil geboren. Frieda ist mit den beiden Kindern zur Einschulung wieder in die Schweiz gekommen und geblieben. Also, Karl kam für den Steigbach nicht in Frage.

Maria Brabetz-Wild mag sich erinnern (am 22. Dezember 2024), wie ihre Tante Frieda Wild-Bodenmann mit den Buben Carlos und Emilio in die Schweiz gekommen ist. Sie hatte eine kleine Wohnung in Urnäsch. Sie fand, in Ecuador seien die hygienischen Verhältnisse besser gewesen als in Ausserrhoden, sie hätten Duschen gehabt, was weder in Bühler noch in Urnäsch üblich war. Maria meint auch, den Brüdern Bodenmann hätte es gar nicht gepasst, ihre Schwester unterstützen zu müssen, denn sie waren von Anfang an gegen die Beziehung mit unserem Onkel Karl, fühlten sie sich doch besser gestellt als die Wild's vom Steigbach. 

Einen weiteren Einblick in das Familienleben gibt der Anfang eines Brief von Bruder Karl von 1965, der zwischen den beiden Weltkriegen wie viele andere junge Menschen, nach Südamerika gegangen ist, weil es in der Schweiz kein Auskommen für alle gegeben hat. 


Brief aus Ecuador von Onkel Karl an meinen Vater Albert vom 23. Juni 1965 (Seite 1 von insgesamt 4)

 

 

Als nächster war mein Vater Albert an der Reihe und war nach dem Tod von Emil 1937 der letzte Knabe und hat dann den Hof wahrscheinlich nicht ganz freiwillig dem Vater abgekauft. 

Die Notiz unten bei den Familienangaben weist auf einen Streit zwischen meinem Vater und seiner Schwester Berta hin, weil der Grossvater ihr angeblich den Dachsböhl versprochen hat und ihn dann aber in den 50-er Jahren kurz vor seinem Tode dem Vater verkauft hat. Tante Berta hat den Grossvater in seinen letzten Jahren betreut.

Im August 2023 habe ich alte Postkarten gelesen, Sujets im Zusammenhang mit meiner Familie eingescannt und die handgeschriebenen Texte abgeschrieben. Diese Arbeit habe ich meinen Geschwistern gesandt. Von 1956 habe ich eine Karte an meine Tante Berta, damals mit einem Herrn Rugginente verheiratet,  gefunden:

Sujet: Flugaufnahme Bühler
25. Januar 1956
Fam. Rugginente-Wild, Trogen, Kt. App.
Meine Lieben!
War am Sonntag um 1/2 7 Uhr schon daheim. Titus kam später. Schwester Benedikta bekam seit Donnerstag nichts zu essen. Sie hat ein Röhrlein durch die Nase, durch das die Tropfen kommen. Das wird die künstliche Ernährung sein. Ihre Lippen waren ganz trocken und aufgesprungen. Was sie hatte wusste er nicht. Ich glaube, Ihre Zukunft ist schwer. Wir haben sehr viel Arbeit im Geschäft und müssten 10 Std. schaffen im Tag. Wenn man lieber weniger würde, muss man noch mehr. Schaut die Karte gut an. Der Steigbach und Dachsböhl sieht man auch.
Viel Grüsse von Marie u. Familie


Hinweis: Die Karte hat Marie Benz-Wild (verheiratet mit Titus) geschrieben an ihre Schwester Berta, die in Trogen mit einem Herrn Rugginente wohnte. Als wir sie einmal besuchten, war das für mich eine andere Welt, in einem grossen Haus an der Hauptstrasse wohnten sie in einer schönen hellen Wohnung. Auf der Karte sieht man Steigbach und Dachsböhl ganz klein am linken Bildrand. Deshalb habe ich die Karte nicht eingefügt.

Auf diesen Eintrag hat mir mein Bruder dann Hintergrundinformationen zu meiner Tante Berta, zu meinem Grossvater und zu meinem Vater gesandt.




Berta, Datum unbekannt. Grosses Bild: Brautpaar Berta mit Ehemann Roberto Rugginenti, Trauzeugen, sie unbekannt, er vermutlich ein Bruder von Roberto. Unten klein: Roberto Rugginenti Totenbildli, grosses Bild: Trauung Berta mit Jakob Tanner vom 7.12.1962

 

 

Zu meinen Ausführungen hat mir mein Bruder Tony geschrieben:

Liebe Geswchwister,
Niklaus schreibt in seiner Übersetzungsarbeit vom 22.8.23 auf  von unserer Tante Berta. Untenstehend möchte ich euch zusätzlich ein bisschen aus der Geschichte von Tante Berta Tanner-Wild erzählen.

Wenn ich das Bild mit Tracht betrachte, sehe ich in der Mundpartie unseren Grossvater, also ihren Vater. Berta pflegte ihren Vater Hasdöni bis kurz vor seinem Tod am 11. Mai 1955 (Vermutung: um das Wohnrecht im Haus zu erhalten, das sie aber nie bekam). Weil sie einer Arbeit nachgehen musste, durfte der Zweitklässler Toneli (Tony Wild *1946) jeden Nachmittag den Grossvater Hasdöni im Dachsböhl oben hüten. Das war möglich, weil die Erstklässler am Nachmittag und die Zweitklässler am Vormittag beim gleichen Lehrer Schule hatten. Das war keine leichte Aufgabe, denn mit dem Grossvater kam nie ein Gespräch zustande. Wenn er irgendetwas brüllte oder/und er den Stock hob, musste ich die Flasche reichen und ihm beim Brünzle helfen. Er sass die ganze Zeit in seinem Lehnstuhl neben dem Stubentisch. Dafür habe ich einen schönen Teil des Hauses erforscht, inkl. aller Kästen in der Stube!
Kurz nach Vaters Tod heiratete Berta Wild den Schriftsetzer (oder Buchdrucker) Roberto Rugginenti. Sie wohnten in dem von Niklaus erwähnten Haus mit den farbigen Fenstern in Trogen. (Ganz in der Nähe vom Haus, wo jetzt mein Sohn Christian Wild mit seiner Familie wohnt und seine Praxis betreibt!). Roberto Rugginenti war ein Spielertyp und hat scheinbar viel gejasst, nicht die gewohnten harmlosen, vermutlich eher die risikobehafteten Spielarten. Auf jeden Fall hat er einmal ein Chälbli gewonnen, das er dann Hans Inauen (*1926-2018) im Steigbach in die Pflege gab. Hans hat immer gesagt, der Besitzer sei das gleich Kalb wie sein Gewinn, ein unruhiges Tier!
2 Jahre und 23 Tage nach der Hochzeit hat sich Roberto Rugginenti auf der Felsenbrücke in St. Gallen von der Last des Lebens befreit. Weil ja die Harmonie zwischen Dachsböhl und Steigbach nicht die Beste war, weiss ich vom weiteren Werdegang von Berta nichts, bis sie am 7. Dezember 1962 Jakob Tanner in der Steinwichseln, Niederteufen, geheiratet hat. Jakob betrieb ein Futtermittelgeschäft mit Lastwagen und Pferdegespann. Den Chauffeur und den Fuhrmann habe ich noch persönlich gekannt. Jakob (*5. Juli 1896, also 18 Jahre älter als Berta) war verwitwet. Seine Frau starb vermutlich im Jahr 1961 oder 62. Jakob brauchte für sein Geschäft jemanden, der den Haushalt und die Laufkundschaft bediente. Für diese Arbeiten war Berta sicher die Richtige.
Kurz nach der Trauung musste Jakob in das Spital und verstarb am 11. März 1963. Ich habe Jakob nicht persönlich gekannt. Da Jakob Tanner keine Nachkommen hatte, hat Berta den Betrieb wie gewohnt weitergeführt. Als dann der Chauffeur ins Bauamt der Gemeinde Teufen wechselte, fiel der wichtigste Angestellte aus, denn nur mit den Pferden konnte sie die Lieferungen nicht erledigen. Und da kam ihr der Bruder Albert vom Steigbach, der mit dem Jeep, in den Sinn. Und der hat den Auftrag angenommen, vermutlich einmal mehr für ein Trinkgeld!
Das Erbe von Jakob Tanner wäre eigentlich ganz klar Berta zugefallen. Jakob hinterliess kein Testament, aber bald meldete sich ein ihr bis dahin unbekannter Verwandter von Jakob. Scheinbar ein Jurist, denn es gab einen jahrelangen Erbstreit. (Wenn sich die Juristen verstehen, können sie auch um Mücken jahrelang streiten!).
Doch nun weiter zum Jeep: Vater durfte wegen Alkohol einige Monate in die Strafanstalt Gmünden in die Ferien. Er hat einmal so nebenbei gesagt, das wäre seine schönste Zeit gewesen, denn er musste nicht studieren wie er die Arbeit enteilen musste! Als Elektrikerlehrlich durfte ich bei meiner Tante auch eine neue Heizung und eine Waschmaschine installieren. Da hat sie gut geschaut, dass ich arbeite und nicht mit ihrer Angestellten die Zeit verschnörre. Das war 1965, im letzten Lehrjahr von Toneli. Statt Lernen für die bevorstehende Prüfung hat dieser jeden Abend den Jeep zur Steinwichslen gefahren, Aufträge entgegen genommen, die Jeep beladen und ihre Kunden beliefert, natürlich auch für eine Entschädigung zwischen Nichts und Tringeld. Ich konnte aber gratis Krafttrainings absolvieren, denn die Lasten bestanden aus Mehlsäcken, Heu- und Strohballen und anderem (nicht nur 25 kg/Last wie heute)! Berta hat eingesehen, dass sie das Geschäft allein nicht weiterbetreiben konnte. Sie wurde natürlich auch von Bauinteressenten bezirbt und hat die ganze Liegenschaft einem Baukonsortium verkauft. Jetzt ging einer neuer Streit los mit dem Baukonsortium um das Wandbüffet in der Stube. Sie hat behauptet, das Möbel sei freistehend und das Baukosortium bestad darauf, dass es eingebaut sei. Da haben wieder Anwälte um Mücken gestritten (um etwas, das beide Parteien nicht brauchten)! Das Möbel fand schliesslich doch noch eine schöne Heimat: bei unserer Schwester Monika und Werner in Emmenbrücke!
Ab jetzt begann eine Odyssee von Berta mit viel Zügeleien in Häuser, die sie käuflich erworben hatte. In meiner Erinnerung: in der Waldstatt, in Gais, in Grub und am Schluss eine Mietwohnung im Rössli in Bühler. Besitzer war mein ehemaliger Lehrmeister, Elektro Büchler (westlich vom Türmlihaus und das Rössli war östlich vom Türmlihaus)! Ich glaube kaum, dass sie mit allen Häusern Geld verdiente. Aber zum Leben hatte sie trotzdem immer noch genug. Die letzten Lebensjahre verbrachte sie im Rössli und später im Pflegheim in Teufen, betreut, ja von wem: Tony und Vreni! Das war nicht immer angenehm und lustig, aber wir haben von den Charktereigenschaften unserer Verwandtschaft viel mitbekommen, sei es duch Aktenstudium oder mit Miterben. Sie hinterliess ein Testament, in dem sie alle Nichten und Neffen als Erben einsetzte, ein grosses Danke an Tante Berta!
Der Toneli hatte wirklich mehrmals die Hände im Spiel und genoss trotzdem nie eine Sonderstellung! Die grösste Lehre aus solchen Erfahrungen: Verlange immer den gerechten Lohn, aber erwarte ihn nicht!
Es gäbe da noch mehr zu Schreiben: Zum Beispiel über das Versprechen des Grossvaters an Berta, dass sie einmal den Dachsböhl bekomme, sie aber das Nachsehen z.G. ihres Bruders Albert, unseres Vaters, hatte. Da weiss ich aber nichts näheres, vielleicht aber unsere ältesten Schwestern Maria und Martha!?!
Tony Wild, alte Speicherstrasse 1a, 9053 Teufen 23. August 2023 toni.wild@bluewin.ch

Ab 1964 war ich im Gymnasium in Appenzell im Internat. Von all diesen Vorfällen habe ich nicht viel mitbekommen, jedenfalls haben sie sich nicht in mein Gedächtnis eingeprägt. Die Spannungen mit Tante Berta spürten wir nur am Rande. Einmal besuchten wir Tante Berta in Waldstatt. Vater und Mutter war es nicht so wohl, sie in ihrem Häuschen zu besuchen. Sie hatte einen grossen Mercedes von ihrem verstorbenen Mann Jakob Tanner geerbt und versuchte mit ihm zu fahren. Dies machte Eindruck auf mich. 

Mit den anderen Schwestern meines Vaters pflegten wir ein unverkrampftes Verhältnis, Tante Marie Benz in Bühler AR, an meinem Schulweg gelegen, und Tante Trineli (Katharina) Inauen von Küssnacht/Immensee SZ. Diese hatten uns Kinder lieb. Der Enkel von Marie Benz, Bruno Enz wohnt in Adliswil, neben seinem Elternhaus, ist stolzer Herisauer (AR) und nahm an unserem Familientreffen 2024 in Speicher teil. Seine Schwester war eine Zeitlang Kindergärtnerin in unserem Schulkreis. Mit den Inauens aus Küsnacht hatte wir immer wieder Mal Kontakt. Josef Inauen von Rapperswil/Jona war in leitender Stellung bei Geberit. Paul Inauen fuhr grosse Amerikaner-Autos, die mich jeweils unheimlich beeindruckten mit ihren schweren und dicken Türen. Unser Jeep hatte keine Türen. Er betrieb ein Einrichtungs- und Möbelgeschäft in Küsnacht am Rigi. Wir kauften als junges Ehepaar bei ihm einen Teppich. Meine jüngste Schwester Monika trifft die jüngste Tochter von Tante Trineli, die Martha Rickenbacher, eine Nachzüglerin, sowie die Tochter von Hans Inauen, Regula, regelmässig wie auch eine andere Verwandte Silvia Imbach. 

Ecuador:
Karl Wild ist ausgewandert. Seine beiden Söhne Carlo Valentin und Emilio Maurizio haben in Ecuador ihre Familien gegründet. Karl ist ein einziges Mal in die Schweiz zu Besuch gekommen, nämlich 1975. 
Isabelle Wild hat 2017 einen Sozialeinsatz geplant und sich für Ecuador entschieden ohne zu wissen, dass sie dort Verwandte hat. Diese haben ein Treffen organisiert in Quito.


DS81: Carlo Valentin Wild (gestorben in Ecuador am 28. August 2026 im 90. Lebensjahr).

 


Karl Wild ausgewandert nach Ecuardor. Bild mit seiner Schwester Katharina Inauen-Wild (l), seiner Nichte Martha Rickenbacher (-Inauen) und seinem Sohn Carlo Valentin Wild (1937-2026). Das Bild zeigt Karl Wild bei seinem einzigen Aufenthalt in der Schweiz seit seiner Auswanderung. 7. Juni 1975

 

Februar 2017. Isabelle Wild (hinten in Mitte mit Brille) in Ecuador in Sozialeinsatz. Nachkommen von Karl Wild organisierten ein Treffen. Die beiden Männer Carlo Valentin und Emilio Maurizio sind die Söhne von Karl Wild.

 



 

 



 

Meine Grossmutter väterlicherseits
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4.2.  Meine Grosseltern – Meine Grossmutter väterlicherseits.
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Maria Katharina Wild-Hersche 
19. November 1873 bis 23. Juli 1946

Meine älteste Schwester Maria Brabetz-Wild mag sich an die Beerdigung von unserer Grossmutter erinnern. Es war ihre erste Leiche, die sie gesehen hat – sieben Jahre alt. Die Grossmutter war im Dachsböhl, wo sie wohnte, im Zimmer neben der Stube aufgebahrt, mit Blumen geschmückt, etwas gelblich, aber schön.

In Teufen war Jahrmarkt, als sie vom Tod erfahren haben. Es gab dort Äffchen, die sie gerne gesehen hätte, aber daraus wurde nichts.

Der Leichenzug bewegte sich Richtung Dorf, es regnete in Strömen. Beim Bahnübergang erinnert sie sich, wie das Wasser in in einem Bach über die Strasse lief. An den Friedhof aber mag sie sich nicht mehr erinnern. (Mail 10. März 2024). Gemäss Schilderung von Tony (12. April 2026) konnte der Sarg wegen des Unwetteres gar nicht ins Grab gelassen werden.

Sie mag sich auch erinnern, dass die Inauen-Brüder an der Beerdigung anwesend waren. Sepp Inauen (von Rapperswil) hat etliche Fotos gemacht. 

Einen Monat nach dem Tod der Grossmutter ist Tony Wild auf die Welt gekommen.  Eine Sarner-Schwester kümmerte sich um unsere Mutter und dann auch um Tony.


Grab von Grossmutter Katharina Wild-Hersche, gestorben 23. Juni 1946.

 

Todesanzeige von Grossmutter Katharina Wild-Hersche. 23. Juni 1946. Zu beachten ist der Trauergottesdienst am morgen um 6 Uhr in Teufen.

 


Hochwasser am Mittwochnachmittag 26. Juni 1946, dem Tag der Beerdigung von Grossmutter Katharina Wild-Hersche. Unwetter über Bühler AR.

 

 

 


 



 

Ihr Sohn, mein Onkel Bisch, der Priester
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4.2.  Meine Grosseltern – Meine Grossmutter väterlicherseits.

Ihr Sohn, mein Onkel Bisch, der Priester
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Meine Grossmutter kannte ich nicht. Aber ihr ältester Sohn war Zwilling und hiess Johann Baptist Wild (Bisch) (1903-1965). Er besuchte uns oft im Steigbach, insbesondere seinen Bruder Albert. Von Onkel Bisch haben wir Unterlagen, die einen starken Bezug zu seiner Mutter zeigen. Er trat 1923 bei den Jesuiten ein, verliess die Gesellschaft Jesu dann aber 1951.

Da ich als Student den Jesuiten im aki am Hirschengraben 86 die Miete unserer Wohnung am Hirschengraben 70 jeweils monatlich bar bezahlen ging, kannte ich die Jesuiten seit meiner Studienzeit. Als ich das Büro am Rennweg betrieb, konnte ich in einem Verein der Jesuiten anstelle des früh verstorbenen Kyburgers Rolf Brändle v/o Fürli seine Funktion aus Baufachmann einnehmen. Zusammen mit Beat Lanter v/o Primus, der als Jurist Einsitz nahm, lernte ich Pater Josef Bruhin (1934-2024) näher kennen. Ich habe mich bei ihm einmal nach meinem Onkel erkundigt. Er hat mir einige der folgenden Dokumente von oder über ihn beschafft:
  • Eine Porträtfoto vom 10. September 1946 als Jesuit
  • Den Datensatz Nr. 71 aus dem Stammbaum von Tony Wild
  • Die Lebensdaten aus dem Archiv der Jesuiten. Es sind noch zwei weitere Jesuiten aufgeführt.
  • Der Fragebogen zur Aufnahme bei der Gesellschaft Jesu von 1923
  • Das Noviziatsversprechen auf lateinisch vom 30. September 1923
  • Der Brief von Johann Baptist Wild an seine Mutter vom 25. Oktober 1923 
  • Die Stationen in den letzen vier Lebensjahren, 1961-1965


Johann Baptist Wild, Mitglied der Gesellschaft Jesu, Aufnahme 10. September 1946

 


Datensatz Nr. 71 über Joh. Baptist Wild 1903-1965

 

Lebensdaten von Jesuiten, Auswahl von 3 Jesuiten, u.a. Johann Baptist Wild, Mitglied der Gesellschaft Jesu von 1923 bis 1951

 

Fragebogen Gesellschaft Jesu, Seite 1, Joh. Baptist Wild, 30. September 1923

 

Fragebogen Gesellschaft Jesu, Seite 2, Joh. Baptist Wild, 30. September 1923

 

Kommentar von meinem Bruder Tony Wild im Juli 2023:
Die Unterlagen von Achilles Weishaupt sel., Historiker, und die Unterlagen der Jesuiten stimmen nicht in allen Teilen überein. 
In den handgeschriebenen Unterlagen des Eintrittsprotokolls Absatz 9 ist sicher auch ein Fehler: Bisch ist sicher nicht 3 Jahre in die Realschule, dann eher in die Sek. (Vielleicht hat die ganze Oberstufe Realschule geheissen!)

Noviziatsversprechen Johann Baptist Wild, 30. September 1923, in lateinischer Sprache

 


Tony Wild. (Geb. 1946) schickt mir einen Brief von Onkel Bisch an seine Mutter datiert 25. Oktober 1923 von Feldkirch, der als vertraulich in den Familienakten aufbewahrt worden ist. 
Insgesamt umfasst der Brief acht Seiten in altdeutscher Schrift, wovon stellvertretend die erste Seite abgebildet ist. Der Text des ganzen Briefes ist unten in unserer Schrift aufgeführt.



25. Oktober 1923, Brief von Johann Baptist Wild (1903-1965) an seine Mutter, Erste Seite, von Feldkirch

Übertragung des ganzen Briefes in unsere Schrift:

Telegrammadresse
Exerzitienhaus, Feldkirch
(Vorarlberg). Fernruf Nr. 102VIII.

25. Oktober 1923

Liebe Mutter!

Am 19. November wirst Du 50 Jahre alt. An diesem Tage kannst Du dein goldenes Jubiläum feiern mitten in einer Schar gesunder Kinder und als treue überaus fleißige Gattin eines gut katholischen Mannes. Wenn du zurückblickst auf Deine Jugend und besonders auf dein Eheleben, so mußt du sagen, daß Gott dich reichlich gesegnet hat. Er hat dir acht Kinder geschenkt, die in der Schule immer die Ersten waren und sind. Wie viel Grund dich zu freuen, hast du, wenn Du an dieses denkst und um so mehr, weil auch der
Vater für eine christliche Erziehung sorgt. Freue dich auch an diesem Tage, daß dein Mann will, daß am Sonntag alle in die Kirche gehen. Unserm Gebete in der Kirche und zu Hause haben wir es zu verdanken, daß Gott uns auch mit zeitlichen Glücksgütern gesegnet hat. Er hat uns immer in allen Lagen, im Glück und im Unglück, und mochte das Unglück noch so groß sein, geholfen. Deinem Gebete aber haben wir besonders viel zu verdanken. Du hast schon viel gebetet und betest jetzt noch viel. Gott hat aber auch dein Gebet nicht unbelohnt gelassen. Deinem frommen und gläubigen Sinn habe ich zu zuschreiben, was ich jetzt bin. Gott hat dich auserwählt unter vielen andern Frauen, Mutter eines Priesters zu werden, und zwar eines Ordenspriesters. Wenn du auch unterdessen noch das diamantene Jubiläum feiern kannst, bis ich zur Priesterwürde gelange, so darfst du dich dennoch freuen, denn ich befinde mich ja jetzt schon in der besten Vorbereitung zum Priestertum; ich lebe mit lauter Leuten zusammen, die das gleiche hohe Ziel erstreben und unter solchen, die dasselbe schon erlangt haben und jetzt berühmte Prediger sind. Darüber, daß ich in einer solchen Umgebung lebe, kannst du Dich freuen. Jeden Tag bete ich mehrmals für dich, für den Vater, für alle Geschwister und für Hab und Gut. Für dich bete ich immer noch besonders, besonders für Deine Anliegen, daß doch auch aus allen Kindern etwas Rechtes wird, da bete ich immer noch extra für Karl. Schon seit vielen Jahren habe ich die Gewohnheit, für meine Eltern und Geschwister während der Wandlung, beim Kommunizieren, beim Morgen- und Abendgebet zu beten. Für Gesundheit und Glück im Stall bete ich immer auch noch etwas dazu.

Du magst vielleicht manchmal ganz trostlos geworden sein in meinen Ferien, wenn ich so unlenkig und grob war gegen meine Geschwister und ganz besonders gegen dich, gegen das Liebste, was ein Mensch haben kann. Ich habe eben damals auch mit allerlei zu kämpfen gehabt, jetzt aber habe ich gesiegt und bin ganz umgewandelt. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich es schon bereut habe. Als ich von dir Abschied nahm, hast du mir verziehen anstatt daß ich dich zuerst darum gebeten hätte. Ich wollte auch noch vieles sagen, dir danken für alles, was du mir Gutes getan hast; ich hatte es schon einige Tage vorher vorbereitet, aber ich brachte kein Wort hervor, als Du mir die Hand reichtest, gerade wie ich auch jetzt kein Wort sprechen könnte, da ich dieses schreibe. Ich kann es nur bereuen und für Dich beten, was ich an dir nicht recht gemacht habe. Du mußt aber nicht Kummer haben, daß ich immer dem nachsinne, nur wenn die Zeit zum Beten da ist, da kann ich dich nie vergessen. Du darfst versichert sein, kein halber Tag geht vorüber, ohne daß ich für dich und alle vor dem Allerheiligsten bete und zwar mehrmals.

Ich bin froh, daß ich auf dem rechten Weg bin zum Priestertum, wenn es auch noch lang geht, bis ich am Ziele bin, so darfst Du Dich dennoch freuen, daß ich hier bin, und besonders daß ich besser und vor Gott wohlgefälliger lebe als mancher Bischof wünscht daß seine Geistlichen so leben würden. Ihr seid nun vielen Geldsorgen abgekommen und für das danke ich Gott alle Tage, daß er mich zum Ordenstand berufen hat. Bete du hie und dafür, besonders, wenn Du in die hl. Messe gehst, denn um diese Zeit denke ich immer an dich, wie Du einen weiten Weg machen mußt und ich nur einige Treppen hinunter, das wird dir Gott einmal extra lohnen. So nun wünsche ich Dir, meine liebe Mutter, recht viel Glück und Freude zu Deinem goldenen Jubiläum, eine recht gute Gesundheit und daß Gott dich doch so lange erhalten möge, daß Du meiner ersten Hl. Messe beiwohnen kannst. Das ist mein innigster Wunsch. Beten wir für einander, um wieder gut zu machen,
was ich an dir gefehlt habe, will ich jeden Tag während den heiligen Messen in Deiner Meinung beten. Du mußt also nur die Meinung machen
in diesem und jenem Anliegen oder in einer Trostlosigkeit dann schickst du das im Geiste nach Feldkirch hinüber und dort bete ich dann vor dem Allerheiligsten extra für Dein Anliegen, das du an diesem Tage hast. So darfst du es das ganze Jahr machen, überhaupt solange Du lebst. Wenn zum Beispiel Unfriede entsteht in der Familie, so schicke das im Geiste sofort zu mir herüber und ich will jeden Tag besonders in Deiner Meinung beten. Ich habe mir vorgenommen, das besonders am Morgen zu tun in der hl. Messe und beim Empfang der Hl. Kommunion. Mache es nur immer so und dann
wirst du Dein Kreuz und Deinen Kummer sehr erleichtern. Ich kann dir auch auf diese Weise das Kreuz abnehmen, das ich dir verursacht habe. Ich
habe schon oft gewünscht, gut zu machen, was ich an dir gefehlt habe, ich hoffe, so kann ich es am Besten tun. So eine Familienmutter hat ja immer Anliegen, bald ist dieses los bald jenes. Jeden Tag könnte man den Trost verlieren, wenn es dir so wird, dann denke an mich, daß ich für dich extra bete. Wir alle gehen in einem Tage acht mal in die Kappelle, nie gehe ich heraus ohne daß ich für Dich, für den Vater und für Hab und Gut recht ersichtlich gebetet habe. Ich hoffe, Du werdest mich nun verstanden haben und es auch so machen. Das ist der beste Glückwunsch und der beste Dank, den ich für dein goldenes Jubiläum bieten kann. Dieses Schreiben soll auch gelten für
den Brief am 19. November. An diesem Tage werde ich keinen Brief schreiben aber umso inniger für Dich beten für Hastöi und Marie.

Am 26. November beginnen dann die dreißig tägigen Exerzitien bis Weihnachten, das ist eine reiche Gnadenzeit für mich. Von jetzt an werde ich überhaupt das Schreiben etwas sparen, denn es gehört zur Armut, die im Kloster beobachtet werden muss. Auf Weihnacht oder Neujahr schreibe ich dann und dann wieder auf Ostern.

Ich aber habe gern, wenn Er mir schreibt, besonders würde es mich freuen, wenn Du einmal schreiben würdest. Du mußt mir aber jetzt ja nicht nachsinnen wegen dieses Briefes, denn ich bin glücklich und zufrieden.

Hier hört der Brief mit Seite 8 auf ohne Schlussformel. Mein Bruder meint, das sei früher so üblich gewesen.



Kommentar zum Brief und den anderen Unterlagen von meiner Schwester Maria Brabetz-Wild (geb. 1939) am 27. Juli 2023:
Lieber Toni, lieber Niklaus

Vielen Dank für diese Nachrichten. Nun verstehe ich einiges besser. 
Den Brief an die Mutter finde ich ergreifend. Ich glaube, wir wären nicht fähig gewesen, so etwas zu schreiben.

Ich denke, Onkel Bisch war ein sehr unglücklicher und einsamer Mensch. Ich erinnere mich noch daran, wie er im Steigbach war. Unsere Mutter und er mochten sich wohl nicht so gut:
Immer wenn er da war, schloss er sich mit unserem Vater im Büro ein. Was sie besprechen? Weiss ich nicht, vielleicht auch Geldangelegenheiten. Als er in Feldkirch war, nahm er jeweils ein Stück 5-Pfund-Butter mit. Das gefiel unserer Mutter gar nicht, denn sie sagte, es sei nicht recht, dass er das für sich allein mitnehme. Sie hielt ihn wohl für sehr egoistisch.
Wer sich aber am Schluss um ihn kümmerte, war sie.

Bei den Jesuiten hat er wohl keinen guten Ruf. Ob er da am richtigen Ort war? Es scheint doch eher ein Orden für Leute aus einem eher intellektuellen Milieu gewesen zu sein, und für ihn aus einer Bauernfamiliewar es wohl nicht einfach. Aber er war so froh, den Eltern nicht mehr auf der Tasche zu liegen. Auch mit seinen Mitbrüdern hat er sich wohl nicht gut verstanden. 
Wisst Ihr, dass er auf dem Matterhorn war? Das war damals noch recht aussergewöhnlich.
Er hat uns das Buch von Heinrich Harrer über Tibet geschenkt. Das hat mich damals sehr stark beeindruckt (das Buch). Er war auch ein grosser Eisenbahnfan. Einmal kam er zu uns, nachdem er gerade mit der Bahn im Zugführerstand in den Tessin gefahren war. 

Ich weiss nicht, ob er auch der Meinung war, unser Vater habe sich im Steigbach in ein gemachtes Nest gesetzt, wie wohl einige der Geschwister glaubten. Dabei war das alles andere als etwas Positives, voll Schulden. Unser Grossvater war ein schlechter Wirtschafter. Unsere Mutter sagte, ohne seine Frau wären sie wohl alle auf der Strasse gelandet.
Er kümmerte sich lieber um Handel (mit wohl eher mässigem Erfolg, wichtig war ihm wohl eher das Wirtschaftsleben). Tante Hedwig erinnerte, gehört zu haben, dass er einmal aus Uebermut einen Geldschein verbrannt hatte, auf dem Markt. 
Ich glaube, unsere Grossmutter hatte höhere Ansprüche an ihre Schwiegertöchter: Johann in Neuhausen hatte eine Verkäuferin der Metzgerei geheiratet, Trineli einen Schweinehirten. Hingegen war Karl seiner Schwiegerfamilie in Urnäsch zu wenig (Tante Frieda von den Bodenmanns, Sägerei und Holzhandel).

Zum Glück haben wir es nun einfacher. Ich bin erstaunt, wie alt einige geworden sind! Ich dachte immer, sie seien viel jünger gestorben. So bin ich ja gar nicht so alt in dieser Gesellschaft!
Herzliche Grüsse
Maria




Stationen von Johann Baptist Wild April 1961- April 1965, seine letzten vier Lebens- und Arbeitsjahre

Hinweis zu den Stationen von Onkel Bisch in seinen letzten vier Jahren, von Tony Wild am 25. Juli 2023:
Wenn du die Stationen der letzten Lebensjahre studierst, musst sicher auch du sagen: dem ist es schön verschissen gegangen und alle Intelligenz hat ihm nicht geholfen, eher den Weg versperrt!

Eine Episode: Im Sommer 1962 unternahmen die drei Unzertrennlichen Hans Zeller (17), Tony Wild (16) und Bernhard Fürer (15) eine Velotour ins Tessin. Unsere erste Übernachtung genossen wir in der Jugi in Thusis. Vor dem zu Bett gehen unternahmen wir noch einen Spaziergang durchs Dorf. Beim Vorbeigehen an einer Ladentür kam ein Mann heraus der aussah wie ein Pfarrer, und ich ganz unsicher aber spontan: Hoi Onkel Bisch! Jetzt schaute er ein bisschen blöd und wollte wissen wer sind. Wir stellten uns vor und er lud uns spontan ins Pfarrhaus ein. Wir nahmen am Stubentisch Platz und er holte eine Flasche schweren Roten, den er natürlich auch uns Schnöseln einschenkte. Wir tranken mit und ohne Freude alles was er uns Einschank. Um 9 oder 10 Uhr mussten wir ja in der Jugi sein und so verabschiedeten wir uns. Nur das Stehen und Gehen war für uns drei ein Problem, wir schafften es dann aber in die Jugi. Scheinbar waren wir nicht so ruhig wie wir sein sollten, auf jeden Fall kamen bald unwirsche Rufe nach "Ruhe da oben"! Scheinbar hielten wir uns an die Regel, denn wir erwachten erst am Morgen.
Nach dem Frühstück ging es wieder los bis zur Viamala-Schlucht. Dort bekamen wir wieder Hunger, weil das Frühstück aus Sicherheitsgründen eher knapp ausfiel. Ich weiss noch, dass ich eine Büchse Gstampfti öffnete. Durch die Wärme hatte sie ein bisschen Überdruck und mein Magen zur gleichen Zeit auch! Beides in hohem Bogen in die Schlucht hinunter!! Ich vermute, dass der geistliche Segen vom Abend uns nicht weiterhilf!

Nun liebe Grüsse auch an Veronika von Tony und Vreni
Tony Wild, alte Speicherstrasse 1a, 9053 Teufen, 071 333 38 78, 079 745 59 53






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Wenn ich all dies lese, frage ich mich, ob bei mir nicht auch 'wildsche' Charakterseiten zutage treten oder getreten sind. Wie Onkel Bisch bin ich nicht immer gut führbar und eher eigensinnig gewesen, ich führte manchmal Aktionen durch ohne gross zu kommunizieren, sogenannte einsame Entscheide. Ich staune über den Umgang meiner Familie untereinander damals.
Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Brief von Onkel Karl aus Ecuador, den er im Jahre 1965 meinem Vater geschrieben hat (beim Kapitel 3.1 'Mein Grossvater'). Das sind für mich die einzigen zwei Schriftstücke, die Einblick in das Leben meines Vaters geben.

Bei den SBB in der damaligen Kreisdirektion III in Zürich sagte einmal ein Kollege von mir in der Geschäftsleitung, er hiess Rolf Wild, ich sei ein 'frecher Kerl', der einfach mache. In meiner Position hatte ich umfangreiche Kompetenzen und war der Meinung, die gelte es zu nutzen und war mir nicht bewusst, dass ich vielleicht hie und da meine Vorgesetzten trotzdem ins Bild setzen sollte oder könnte. Ich handelte nach dem Motto, lieber etwas machen und nachher Kritik einstecken als lange zu fragen und dann zögerlich oder gar nicht handeln.
In meiner eigenen Familie höre ich oft, ich würde nicht oder ungenügend kommunizieren.
Wie es Onkel Bisch in seiner kirchlichen Laufbahn wirklich ergangen ist, weiss ich nicht. Mein Interesse an meiner Familiengeschichte ist erst spät erwacht und mein Bruder Gandolf (früher Albert) ist 1922 gestorben, er hätte als Kapuziner-Priester und ältester Bruder wahrscheinlich noch am ehesten Hintergrundinformationen gehabt.

Grossvater Gallus Büchel mit Familie
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4.3.  Meine Grosseltern – Mein Grossvater mütterlicherseits.

Grossvater Gallus Büchel mit Familie
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An diesen Grossvater mag ich mich nicht erinnern. Bei seinem Tod war ich erst ein Jahr alt.

Das Familienfoto zeigt die Grosseltern Maria Büchel-Metzger, den Sohn Hans Büchel, meine Mutter als älteste sitzend, links ihre Schwester Hedwig rechts die Schwester Martha. Rechts aussen der Grossvater Gallus Büchel. 


Grossmutter Maria Aloisia Büchel Metzger, Sohn Hans Büchel, Hedwig, Mutter Marie Büchel, Martha, Grossvater Gallus Büchel, Aufnahme ca. 1934

 

 



Marie Wild-Büchel (1913-1981), Eltern, Geschwister, meine Mutter

 

 

Johann Gallus Büchel. 1885 bis 1952.

 


Rückseite des Totenbildes.

 

 

 

Grossmutter Marie Büchel
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4.4.  Meine Grosseltern – Meine Grossmutter mütterlicherseits.

Grossmutter Marie Büchel
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Marie Buechel-Metzger, 1887-1955, Trauerbild

 

An meine Grossmutter von Teufen, die Maria Aloisia Büchel-Metzger (1887-1955) mag ich mich nur vage erinnern. Wir gingen manchmal nach Teufen ins Elternhaus meiner Mutter und trafen dort auf meine Grossmutter. Tante Emma und eine weitere Frau, Tante Berta, waren auch dort. Diese beiden Frauen waren Grosstanten von mir, Stiefschwestern meines Grossvaters. Die Eltern tranken dann Kaffee in deren Stube oder vor dem Haus und wir Kinder mussten artig sein. 

Meine Grussmutter ist im Winter beim Bahnhof Teufen auf Eis ausgerutscht, hingefallen und hat sich etwas gebrochen. Sie ist kurz danach im Alter von 68 Jahren gestorben, ich war 4.5 Jahre alt.

Sie hat am 8. Juni 1913 in Teufen AR meinen Grossvater Johann Gallus Büchel geheiratet. Gestorben ist sie drei Jahre nach ihm. Er ist 1952 im Alter von 67 Jahren gestorben.

Aus unterstehendem Bild (?) ist ersichtlich, dass die vier Kinder, also auch meine Mutter, im Jahre 1973 das Elternhaus verkauft haben. 

Im Jahre 2016 führte ich eine Wandergruppe der Pro Senectute von Teufen am Schönenbühl vorbei in die Göbsi und von dort auf den Leimensteg um Mittagessen. Ich wolle den Unterländern meine Heimat zeigen. Dann sah ich das Elternhaus meiner Mutter, das so schon liegt und dachte, wäre das schöne, wäre das noch in der Familie geblieben.

An der Beerdigung von Isabelle Inauen (Schwiegertochter von Tante Trineli von Immensee, der ältesten Schwester unseres Vaters und auch Mutter von Hans Inauen-Dähler) in Rapperswil am 10. Januar 2023 musste ich dann von meinem Bruder Tony erfahren, dass er sich seinerzeit um das Haus interessiert hätte und der Onkel und die Tanten wie auch unsere Mutter das Haus dann aber ohne seinen Einbezug an einen Dritten verkauft hätten. Treibende Kraft sei die Tante Hedwig Bossart-Büchel (1915-1992) gewesen.

Vor diesem Hintergrund ist es gut zu wissen, dass der Steigbach nun doch schon zwei Generationen im Familien-Clan geblieben ist.

Urgrosseltern und Grosseltern mütterlicherseits, Grosstante Emma Büchel

 


Karte von meiner Grossmutter Marie Büchel-Metzger (Handschrift) an ihre Tochter Martha (-Bischofberger) zum 23. Geburtstag. Datum Karte 10.7.1941. geboren 13.7.1918

 Text der Postkarte vom 10. Juli 1941 an Fräulein Martha Büchel, Ilanz, Graubünden: Liebe Martha! Herzliche Gratulation zu Deinem Geburtstag (13.7.1918). Jetzt ist das Heuen fertig. Wirst Dich auskennen auf dieser Karte. Gruss von Mama.

 

 

 



Meine robuste Gesundheit
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5.  Meine robuste Gesundheit
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Der Begriff Gesundheit ist mir lieber als Unfälle und Krankheit. Unfälle hatte keine und einschneidende Krankheiten auch nicht.

Meine Gesundheit schildere ich anhand von Körperteilen oder Organen:
 


Mein Herz: auch bei mir wurden am 7. Juli 2020 fünf Stents eingesetzt und ein verkalktes Herz festgestellt. Dies wurde festgestellt auf Grund einer Kontrolle, die ich machen liess auf Empfehlung meines Bruders Tony Wild, weil sein sportlicher Sohn Christian mit ca. 40 Jahren fast an Herzversagen gestorben wäre.

Der Kardiologe ist auch Mitglied der Studentenverbindung 'Die Kyburger'. Meine Frau Veronika insistierte auf eine Zweitmeinung, die wir dann bei ihm einholten. Gleichentags machte er auch bei meinem Kollegen Urs Keller am Vormittag einen ähnlichen minimalinvasiven Eingriff. Er behandelte mich, obwohl ich allgemein versichert war. Ich musste für eine Nacht das 'Privatzimmer mit Seesicht' zum Voraus selber bezahlen (ca. Fr. 800.-), da im Bethanien normalerweise nur Privat- oder Halbprivate Patienten behandelt werden.

Die Untersuche machte ich vorher in der Hirslandenklinik bei einem Kardiologen, an den ich vom Hausarzt überwiesen worden bin. Dort ist mir eine Operation am offenen Brustkorb empfohlen worden.

Ich habe zwanzig Jahre vorher bei Wanderungen am Anfang immer ein Stechen in der Brust gespürt, hätte das aber nicht mit meinem (verkalkten) Herzen in Verbindung gebracht. Der Kardiologe meinte, ich hätte überlebt, weil ich keine extremen Belastungen durch sportliche Aktivitäten gehabt hätte.


7. Juli 2020, Urs Keller v/o Tirggel *1950, Kardiologe Gabor Sütsch v/o Puszta, Niklaus Wild v/o Wif *1951, drei Stunden nach meinem Eingriff bei der Arztvisite, im Zimmer vom Spital Bethanien am Zürichberg

 Seit diesem Eingriff muss ich 'lebenslänglich' Blutverdünner Aspirin Cardio 100 und Cholesterinsenker Atozet 40/100 nehmen – zum Glück in geringen Dosen.



Mein Blut: Bei mir wurde eine Thrombozyten-Funktionsstörung festgestellt, die vererbbar ist. Ich habe dünnes Blut, was bei Operationen gut zu wissen ist.

Meine Zunge, mein Gaumen: So zwischen 35 und 60 Jahren litt ich unter Schlafapnoe. Auf CPAP-Geräte oder Zahnspangen kann ich als Pensionierter verzichten, nachdem ich den   Alkoholkonsum und das Gewicht reduziert habe und regelmässige und gleichbleibende Schlafenszeiten einhalte. Als ich bei den SBB und auch am Flughafen arbeitete, war ich jeweils bereits am Vormittag müde und bin an den Sitzungen eingeschlafen. Auch bei Schulbesuchen schämten sich die Kinder wegen des 'schlafenden' Vaters. Erst ca. 1998 erfuhr ich am UNI-Spital Zürich die Diagnose Schlafapnoe, nachdem ich mich auf Grund eines Zeitungsartikels in der NZZ als Proband zur Verfügung gestellt habe. Ab jenem Zeitpunkt hatte ich eine Erklärung für meine Müdigkeit und konnte etwas dagegen unternehmen.



Im Rückblick gesehen musste ich mich wegen der Schlafapnoe intensiv mit dem Schlaf auseinandersetzen. Im Alter habe ich im April 2022 die App '7-Schläfer' von Schlafforscher Albrecht Vorster für Fr. 140.- gekauft. Dort wird Wert gelegt auf Regelmässigkeit im Zusammenhang mit dem Schlaf wie auch die Empfehlung auf Alkohol nach Möglichkeit zu verzichten und auf gesunde Ernährung zu achten. So ab 65 Jahren gab ich mir Mühe, zwischen 22.30-23 Uhr ins Bett zu gehen und immer zwischen 6 und 7 Uhr aufzustehen, ohne Mittagsschlaf. [Die 7Schläfer-App ist ein Angebot von RTL
Deutschland. Mit dem Zusammenschluss von RTL Deutschland und Sky richtet das Unternehmen seinen Fokus künftig auf den Ausbau des Streaming-Geschäfts. Vor diesem Hintergrund wurde entschieden, den Betrieb der 7Schläfer-App auf 30. September 2026 einzustellen. – Schade!]

Je älter ich werde, umso ruhiger verläuft mein Leben bei einem hohen Wohlbefinden. Ich führe vieles zurück auf den geregelten Schlaf. Die Investition in diese Schlaf-App hat sich gelohnt.

Meine Zähne: In der Jugend haben mir die Zahnärzte immer gute Zähne attestiert. Auch Frau Marti, die ich in meiner Basler Zeit und nachher konsultierte, bis ich zu Frau Sabine Kersten am Rennweg wechselte, meinte immer, ich hätte kleine und gute Zähne. Aber einmal beim Essen an der Rosshofgasse hat das Schicksal zugeschlagen. Veronika kaufte am Nadelberg bei der Bäckerei Brötchen ein. Wir assen und auf einmal biss ich auf etwas Hartes. Mein Zahn war gebrochen und ich ging in den Zahn-Notfall am Petersplatz. Die setzten das provisorisch zusammen. Frau Marti fügte den Zahl zusammen und sagte, dieses Provisorium würde einige Jahre halten. So war es. In den Jahren November 23 und August 24 setzte mir Frau Dr. Kersten ein Implantat ein. Der Zahn wurde wie in einem 3-D-Drucker in der Praxis gefertigt. Dieses Implantat kostete an die Fr. 7'000.- Dies war der grösste und teuerste Eingriff bei meinen Zähnen. Die SUVA, bei der ich den 'Unfall' meldete, gab Bescheid, dass sie ohne das Corpus Delikte keine Kosten übernehmen könnten. Den harten Gegenstand hätte ich liefern müssen, den habe ich aber wahrscheinlich damals runter geschluckt. 

Ich gehe regelmässig zur Dentalhygiene und spare bei den Zähnen nicht.



Mein Wohlfühlgewicht. Bis zu meinem 70. Lebensjahr habe ich weder mein Gewicht noch andere Gesundheitswerte erfasst, sondern nach Gefühl gelebt. Meine Frau Veronika hat seit jeher auf gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet. Im Jahre 2025 legte ich mein Augenmerk auf den Zuckerkonsum. Das Gewicht bewegte sich langsam Richtung 73 kg. Bei einer Grösse von 172 cm resultiert ein Body Mass Index (BMI) von 24.7 und liegt damit in der Bandbreite vom Normalgewicht. Mit diesem Gewicht fühle ich mich wohl.

Ich mag mich erinnern, als ich im Dezember 1976 von Indien nach Hause kam, wog ich 69 kg und fühlte mich wohl. So wenig habe ich all die folgenden Jahre nicht mehr gewogen. 

Meine Haut: Meine Mutter hatte Psoriasis, was sich bei mir als Student und junger Familienvater an gewissen Körperstellen (Nase, Brustbein, Kopfhaut, Ellbogen, Fingerkuppen) zeigte, mit dem Älterwerden aber nicht mehr störend auftrat.

Wir sind alles eher hellhäutige Menschen und waren viel draussen an der Sonne. Wir hatten nie irgendwelche Sonnenschutzmittel aufgetragen, wir waren dies nicht gewohnt. Ich hatte deshalb auch als Jugendlicher viel Sonnenbrand, dem man aber keine Bedeutung beigemessen hat. Wir haben höchstens Melkfett eingerieben, mit dem man den Kühen vor dem Melken die Zitzen eingerieben hatte.

Meine Nase: Ich kann mich erinnern, wie ich vom Eckbank in der Stube mit dem Gesicht flach auf den Stubenboden gefallen bin mit so etwas 5 Jahren. Daher rührt wahrscheinlich meine krumme Nase. Auf der Foto von Carlo Wild, als ich fünf Jahre alt war, habe ich noch eine gerade Nase (siehe unter 'Ein Appenzeller sucht die weite Welt). Riechen kann ich aber, in der Jugend vor allem den Geruch der Schweine und der Kühe.

Meine Augen: Als Kind sah ich besser als mein Vater mit dem Feldstecher. In der sechsten Primarklasse mussten wir eines Tages in die Turnhalle und Ärzte untersuchten uns. Bei mir wurde festgestellt, dass die Augen schwächer wurden und ich eine Brille tragen musste. Bei der Aushebung zum Militärdienst hatte ich ca. zwei Dioptrien und wurde deshalb nicht eingezogen. Dies hat mir während des Studiums erlaubt, mehrere Monate nach Afrika und Asien zu reisen, währenddessen meine Kollegen Militärdienst leisten mussten und im Sommer das Sommersemester früher beenden und das Herbstsemester später beginnen mussten. Seit ich zwölf Jahre alt bin, trage ich eine Brille. Ein Versuch mit Linsen ist wegen geröteter Augen gescheitert. Am 24. März 2026 setzte ich mir eine neue Holzbrille von Rolf. aus dem Tirol auf (Fr. 800 pro Glas, Gestell Fr. 1000). Sie hat keine Schrauben. Dank den Fortschritten bei der Optik kann ich grössere Gläser tragen. Meine Kurzsichtigkeit scheint sich bei einer Dioptrie von -4 einzupendeln. Am 23. Februar 2021 kaufte ich bei Alpenglühn eine Hornbrille (Horn & Horn) für insgesamt Fr. 2600.-, wovon die Gläser je Fr. 800.- kosteten. Als Kurzsichtiger hatte etwas über -4 Dioptrien. Das ist das Erfreuliche am Alter, der Augapfel schrumpft und damit auch die Dioptrien, denn früher hatte ich bis -5.75 und benötigte Spezialgläser, die die Auswahl an Fassungen stark einschränkte. Während der Ausbildung und Anfang Berufszeit musste ich immer stärkere Gläser haben. Optiker in Zürich (Koch Optik, Sehfelder 2015 Götti, Alpenglühn 2021, 2026). Bei den letzten Anschaffungen liess ich mich von den Materialien faszinieren. Früher schaute ich auf Gestelle, die wenig auffallen, mit der Horn- und Holzbrille hat sich das geändert.

Meine Knochen: Sind in Ordnung. Dies ist wahrscheinlich zurückzuführen auf meine geringen sportlichen Aktivitäten. Beim Wandern haben wir manchmal sehr sportliche Leute erzählt, welche Gelenke sie schon hätten ersetzen müssen.

Meine Fingernägel: Im Alter habe ich endlich Fingernägel wie andere auch, aber erst etwa seit Eintritt in das AHV-Alter. Ich schreibe es dem Umstand zu, dass ich keinen Stress mehr verspüre, irgendetwas erledigen zu müssen. In meiner Erinnerung habe ich immer an den Nägeln gekaut seit meiner Gymnasialzeit. Bei meiner Mutter und meinem Bruder Gandolf beobachtete ich das Gleiche. 

Mein Körper: Mit meinem Körper haderte ich. Ich zeigte ihn nicht gerne. Eigentlich bin ich erst durch meine eigenen Kinder freier geworden und habe ihn angenommen und lebte gut damit.

Meine Füsse: Diese taten all die Jahre ihren Dienst.

Meine Schilddrüse: Zu meiner Zeit in Basel hat mich die Hausärztin zu einem Spezialisten überwiesen. Seit ca. 2005 nehme ich täglich Euthyrox zu mir. 

Mit über 53 Jahren habe ich mit Pilgern und Wandern angefangen und bin gesund geblieben. Letztlich kann ich mich im Rückblick glücklich schätzen, verfügte ich all die Jahre über eine gesunde körperliche und geistige Konstitution. Meine erste bewusste Wanderung war die einwöchige Pilgerreise mit Start am 25. September 2004 von Aumont Aubrac bis nach Conques in Frankreich. Dies im Sinne: „Wer gehen und sich gehen lassen kann, dem geht es gut.“

Nach Möglichkeit gehe ich nur zum Arzt, wenn etwas Gravierendes vorfällt, z.B. ein hartnäckiger Husten über Wochen  oder viele Flecken im Gesicht. Mir ist bewusst, dass es von gesund zu krank nicht viel braucht. Beim Wandern könnte ich immer viele solcher Geschichten hören, ich entferne mich aber jeweils von solchen Gesprächen. Auch habe ich mir vorgenommen, von mir aus nicht über meine Befunde oder Arztbesuche zu reden.

Wohnen in der Jugend
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6.  Wohnen in der Jugend
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Die Foto zeigt ein gemaltes Bild unseres Elternhauses. Die Beschreibung basiert auf dieser Darstellung, da es alles Wesentliche zeigt. Die anderen zwei Fotos, eine von der Vorder- und die andere von der Hinterseite sind als Ergänzung gedacht.


Steigbach 80 (früher 269) in Bühler AR. Bild hing in Stube von Familie Inauen

 

Meine Familie wohnte unter dem Giebeldach. Im oberen Stock hatte es zwei Zimmer, eines mit dem Dachfenster. Dieses Zimmer war den älteren Kindern vorbehalten, war es doch klein mit nur einem schmalen Bett, hatte aber einen eingebauten Pult zum Arbeiten. Dort war ich als Gymnasiast am liebsten. Ich mag mich erinnern, wie ich als Kind mit meinem älteren Bruder Tony zusammen das oberste Zimmer unter dem Giebel bewohnte. Im Stock darunter hatten die Eltern ihr Zimmer und daneben war auch ein Kinderzimmer, das dann Grosstante Emma bis zu ihrem Tode bewohnte. Im ersten Stock befand sich die Stube und das Büro mit den Lexika, der Rechenmaschine und sonstigen mich immer interessierenden Dinge, wie die Schubladen des Schreibtischs meines Vaters. Gegen die Rückseite des Hauses war die Küche mit dem Holzofen sowie eine Speisekammer. Im Erdgeschoss war der Eingang mit dem Käseladen und dahinter ein grosser Keller mit Naturstein. In der Wohnung  hatten wir nur einen einzigen Kaltwasseranschluss, in der Küche. Eine Holztreppe führte vom Erdgeschoss hinauf. Diese Treppe mussten wir wischen, mit Stahlspäne behandeln und auch bohnern und glänzen.

Rechts neben uns wohnte auf zwei Stockwerken die Familie Hans und Fine Inauen-Dähler. Das gemalte Bild hing in deren Stube.

Links von unserer Wohnung war der Stall. Unten die Hütte (Milchsammelstelle) und daneben der Kuhstall. Über dem Kuhstall war der Heustock und über der Hütte unsere Werkstatt, das Holzlager und die Toilette für uns. Unter dem Giebel der ‚Schloff‘, der Estrich, wo wir alte Schulhefte und Zeugnisse fanden, wenn wir unter der Staubschicht gruben.

Ganz links waren die beiden Schweineställe, der alte vorne und der neue grössere hinten. Links davon hatten wir unseren Blumen- und Gemüsegarten. Meistens am Samstag mussten wir der Mutter im Garten helfen, was mir nicht besonders behagte.

Links daneben verlief die Strassenbahn (St. Gallen - Gais - Appenzell-Bahnen, SGA) und die Landstrasse. Wir hatten auch Land links der Landstrasse. Wenn das Vieh dort graste, musste ich jeweils helfen, die Strasse zu sichern, damit die Kühe in Ruhe über die Strasse konnten. 

Das stattliche dunkelfarbene Haus auf der Anhöhe ist der Dachsböhl, wo die Grosseltern wohnten, nach dem Tod der Grossmutter zu meiner Zeit der Grossvater, betreut von seiner Tochter und der Schwester meines Vaters, Tante Berta Wild.

Ich mag mich erinnern wie mein Vater uns am Mittagstisch erzählte, dass der Gemeinderat beabsichtige, unsere Wiese hinter dem Haus zum Dachsböhl hinauf der Bauzone von der Landwirtschaftszone in eine Bauzone umzuzonen. Für uns war das damals eine Zumutung, waren wir doch Bauern und wir benötigten das Land für unsere Kühe. Der Gemeinderat hat dann diese Idee verworfen.

Elternhaus im Steigbach Bühler AR im Vordergrund, Dachsböhl im Hintergrund, ca. 1980

 

 


Elternhaus im Steigbach, 9055 Bühler AR. Rückseite. Ca. 1980.

Dieses gemalte Bild hatte der Vater an einer Wand aufgehängt. Es zeigt unsere Liegenschaft, rechts der Wald, unten der Steigbach und oben der Dachsböhl und auch das Landstück unter der Strasse. Der Rotbach auf der linken Seite war nicht nur die Grenze unserer Liegenschaft sondern auch die Kantonsgrenze zwischen Appenzell AR Ausserrhoden und AI Innerrhoden. Am Karfreitag war die Grenze zu riechen, denn die katholischen Bauern mussten gerade dann ihre Gülle austragen, wenn auf unserer Seite die Reformierten ihren höchsten Feiertag begingen. 

Steigbach, Dachsböhl, Plan der Liegenschaften, 16. Dezember 1872

In unserer Liegenschaft gingen immer alle aus und ein ohne einen Schlüssel zu besitzen. Der Vater hat wohl am Abend die Haustüre von innen verriegelt, aber man konnte über die Milchsammelstelle trotzdem in unsere Wohnung oder vom Stall her. Das war aber nie ein Problem. Es wurde auch nie eingebrochen oder etwas gestohlen.

Stabiles Wohnumfeld

Das Wohnumfeld in meiner Kindheit und Jugend war stabil. Meine Eltern wohnten bis zu ihrem Tode am gleichen Ort, im Elternhaus meines Vaters.

Den Steigbach, wo ich von 1951 bis 1963 intensiv meine Kindheit verbrachte, habe ich mit zwölf Jahren verlassen, von 1964 bis 1971 lebte ich im Internat in Appenzell, nur zwölf Kilometer Luftlinie vom Elternhaus entfernt. 
Meine ersten zwölf Lebensjahre habe ich nicht nur im Steigbach gewohnt, sondern auch alle Nächte dort verbracht. Ich ging nie zu Verwandten in die Ferien. Das Wort 'Ferien' gab es zu meiner Zeit nicht, niemand im Dorf ist in den Schulferien verreist. Einmal mit etwa 11 oder zwölf Jahren durfte ich meine Eltern zu einer Feier im Zusammenhang mit dem Eintritt meines ältesten Bruders in den Orden nach Solothurn. Dort übernachteten wir in einem Hotel, für mich das erste Mal im Leben. Das war eine Sensation für mich.
Im Kollegium St. Antonius, im Internat in Appenzell, war es das Gleiche. Wir hatten gemeinsamen geregelten Ausgang oder Besuchstage.
In Zürich als Student schränkten meine spärlichen finanziellen Mittel den Bewegungsradius ein.



Appenzeller Brauchtum, ich als Zuschauer einst und jetzt

Meine ersten 20 Lebensjahre im Appenzellerland waren prägend für mich, aber bin ich ein Appenzeller? Letztlich bin ich ein Städter geworden, der die relative Anonymität schätzt, das Flanieren alleine oder in Gesellschaft in der Stadt. Mit der Zeit hatte ich auch in der Stadt meine Rückzugsorte.

Wenn die Rede auf Appenzell kommt, ist man schnell bei den Bräuchen. Ich spürte jeweils, ich weiss nichts genaueres.

Ich mag mich erinnern, wie die Bauern einmal spontan vor unserem Haus zusammen 'Schellen geschüttet' und dabei gezauert haben. Diese Tonalität lässt einem nicht ruhig. Diese drei aufeinander abgestimmten Kuhglocken nennt man Sentum. Die Bänder sind reich verziert mit bäuerlichen Sujets.

Alpaufzug und Alpabzug war immer ein Ereignis, gaben doch auch unsere Bauern einige ihrer Tiere mit auf die Alp. Aber erst später bei Besuchen in Appenzell habe ich von den Gepflogenheiten gehört oder hat es mich interessiert. Was hat es mit den gelben Hosen der Sennen an sich, die sie nur während dem Auf- oder Abzug tragen, denn sitzen können sie damit kaum. Die Reihenfolge beim Alpabzug kannte ich von meiner Jugendzeit, habe ich doch an einem Dorffest 1964 Alpaufzüge selber gemacht. Die Tiere und Menschen habe ich aus Laubsägeliholz ausgesägt, angemalt und mit kleinen Nägeln auf ein grün bemaltes langes Brett genagelt. Als Vorlage diente der Alpaufzug auf Papier von Niggli Teufen. Die Idee dazu hatte mein Schulkamerad Hans Mösli, der später eine Weissküferei betrieben hat.


1964 Alpaufzug Ausschnitt, Laubsäge (Aufnahme Niklaus Wild am 24. Oktober 2024 im Hauseingang Steigbach Bühler)

 

 




Am Silvester kam am Abend immer unser Nachbar Solenthaler mit seiner selbst gemachten Haube auf dem Kopf, jedes Jahr eine andere, bei uns vorbei und tanzte vor uns, dass seine Rollen tönten. Er war jeweils auf dem Heimweg, sein Tag hatte früh begonnen. Als ich mit den Enkeln Adrian und Gabriel am 5. August 2021 im Brauchtum-Museum Urnäsch war, habe ich etliche Hauben von Jakob Solenthaler von Bühler betrachten können. 

Mein Göttibub Markus Wild (*1973) von Teufen und sein Sohn Mirco (*2002) machen je in einer Schuppel mit und sie gehen am 31. Dezember  und auch am alten Silvester 13. Januar chlausen. Es gibt wüeschti, schöni und schön-wüeschti Chläus. Das habe ich erst in späteren Jahren erfahren. Dieses Chlausen, vor allem am alten Silvester, ist ein typisch reformierter Brauch, geht er doch zurück auf die Kalenderreform des Papstes, die reformierte Kantone erst später übernommen haben. Von meinem Vater wusste ich die Hintergründe der Reform und auch, dass der alte Silvester ab 2101, also im nächsten Jahrhundert, am 14. Januar stattfinden wird bzw. sollte. Im Gegensatz zu früher sind im aktuellen Kalender zum Beispiel das Jahr 1900 und das Jahr 2100 keine Schaltjahre mehr.

Bezüglich Brauchtum waren wir Grenzgänger: Für die Bräuche im Innerrhodischen, wie Fronleichnamsprozession  am Donnerstag hatten wir nicht schulfrei und konnten nicht teilnehmen und für die reformierten Bräuche fehlte uns der Bezug. Ich war damals Zuschauer wie heute noch. 

Was mich bei Besuchen im Appenzellerland immer bewegt, ist die Betrachtung der Streusiedlung, die Bauernhöfe (oder heute vielfach Einfamilienhäuser) in Mitten der grünen Wiesen mit Blick auf den Alpstein. Im Buch  Appenzeller Welten, von Mädel Fuchs und Albert Tanner (415,4 km2 im Universum) sind die typischen Stimmungen vom Appenzellerland dokumentiert. Dieses Landschaftsbild verändert sich leider mit der Umnutzung der typisch freistehenden Bauernhäuser zu Wohnhäusern. Geteerte Strassen werde zu den Höfen geführt, der Boden für Parkplätze versiegelt und das Haus mit 'Pflanzen' abgeschirmt wie im Unterland.



Primarschule
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7.1.  Primarschulzeit in Bühler – Primarschule.
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Primarschule mit drei Lehrern in Bühler (aus Buch)

An meinen ersten Schultag kann ich mich nicht explizit erinnern. Einen Kindergarten gab es am anderen Ende des Dorfs. Von unserer Familie hat ihn niemand besucht.

Ich bin gerne in die Schule in unserem Dorf Bühler gegangen und hatte keine Probleme. Dies mag ein Grund sein, dass ich wenig Erinnerungen an diese insgesamt wunderbare Zeit habe. All die sechs Jahre war ich nur eine Woche abwesend. Ich litt unter den Windpocken.

Zu meiner Schulzeit gab es ein Gebäude für die Primarschüler und ein anderes für die Oberstufe. Zum Spielen hatten wir eine grosse Wiese und den Pausenplatz.

In der 5. und 6. Klasse lernten wir bei Rudolf Steiner. Als Lehrer war er tätig von 1959-2002. Zu meiner Zeit kam er vom Lehrerseminar. Zu ihm ging ich am liebsten. Er brachte uns die Natur näher und führte uns oft nach draussen. Gerne erinnere ich mich an die Exkursionen mit ihm. Entlang dem Weissbach in der Nähe des Friedhofs gingen wir auf Entdeckungsreise. Bei ihm machten wir ein Herbarium. An die 100 Pflanzen klebten wir je auf ein Blatt und beschrifteten es mit Namen. Damals kannte ich die Sträucher und Blumen gut. Dies musste ich mir bei meiner Wanderausbildung 2015/2016 als Pensionierter wieder mühsam aneignen.

An eine besondere Episode mag ich mich erinnern: Er liess alle aufstehen und Kopfrechnen war angesagt. Er fing mit der Aufgabe an, was 19 mal 24 ergebe, ich habe sofort die Antwort 456 gerufen. Ich war so schnell, weil ich zuerst 20 mal 24 rechnete und 24 abzog. Lehrer Steiner war es peinlich. Er wusste nicht, ob es korrekt war und schrieb es am Pult auf einen Zettel, um es schriftlich nachzuprüfen. Schulkollege Hansjörg Menzi sagte, das Resultat von mir sei richtig. Mir hat diese Art Kopfrechnen gefallen. In der Rückschau kann ich mir vorstellen, dass dies nicht alle Kameraden so empfunden haben. Mein Vater konnte gut rechnen.

Bei Alfred Nydegger, Lehrer von 1935-1965, übten wir in der 3. und 4. Klasse nahe bei der Textilfabrik Eschler an einem Abhang Skifahren. Das ging so: Lehrer Nydegger stand unten, gekleidet in Weston mit Krawatte. Wir Kinder stampften mit den Skis (ohne Kanten) den Schnee und präparierten unsere Piste. Dann fuhren wir hinunter und stapften wieder hoch. Dieser Schlittel- und Skihang gehörte der Familie Eisenbeiss. Die Tochter Judith betrieb oben im Haus ein Labor. [Nach ihrem Tod 2008 wurde die Wiese eingezont und es wurden Eigentumswohnungen erstellt. Unten am Hang hat die Gemeinde eine Parzelle erworben und die Feuerwehr ist dorthin gezügelt.]

In der 1. und 2. Klasse wurde ich unterrichtet von Lucius Hassler, er war Lehrer von 1945-1972, davon Primarlehrer bis 1961.

Meine Lieblingsfächer waren Rechnen und Realien, in denen es um Natur, Geografie und Geschichte ging. Unser Nachschlagewerk zu Hause war der Grosse Brockhaus mit mehreren Bänden, im Büro des Vaters. Dort übte ich das ABC, denn sonst fand man nichts im grossen Buch.

Die Eltern meiner Mitschüler arbeiteten in ihrem eigenen Geschäft als Bäcker, Maler, Landwirt, Schreiner etc. Andere waren angestellt in einem Betrieb im Dorf. Mein Götti Hans Gmünder z. B. war Assistent von Herrn Tischhauser, dem Teppichfabrikant.

Für den Schulweg konnten wir der Landstrasse entlanglaufen, ohne Trottoir. Die Bahn hatte das gleiche Trasse ohne Abtrennung mit Randsteinen. Damals überholten oder begegneten uns wenige Autos und wenn, dann in gemächlichem Tempo.

Ich mag mich erinnern, wie ich im Winter bei Schnee in die Schule ging. Die Bahn tönte ganz gedämpft, man hörte sie kaum. Die Schneemauern entlang der Landstrasse waren so hoch, dass ich nicht darüber hinwegsehen konnte. Das war eine besondere Stimmung.

Vor dem Dorfeingang kreuzte die Bahn die Strasse. Dieser Übergang bedeutete einen Wechsel der Strassenseite. Velofahrer mussten die Schienen im richtigen Winkel überfahren, ansonsten bestand Sturzgefahr. Im Dorf hatte es ab dem Restaurant Sternen ein Trottoir bis zum Schulhaus.

Wir konnten auch über die Steig auf einer Kiesstrasse gehen bis zur Karton- und Etui-Fabrik Rüdisühli [ 2010 nach 135-jähriger Fabrikation aufgelöst]. Diesen Weg wählten wir zu Fuss, weil nur wenige Autos dort verkehrten. Im Dorf konnte man statt der Strasse entlang zum Teil hinter den Häusern auf schmalen Pfaden gehen oder mit dem Velo bei der Textilfabrik Eschler vorbei.

Der Schulweg war mehr oder weniger flach. Das Velo durften wir ab einem gewissen Alter benutzen, sofern eine bestimmte Entfernung von der Schule gegeben war.



Mutter gab uns Listen mit für Einkäufe. Ein Beispiel:

Frisches Brot vom Beck Suhner in der Steig

Wir wohnten ausserhalb des Dorfes. Unsere Mutter beauftragte uns Kinder jeweils, gewisse Dinge auf dem halbstündigen Schulweg einzukaufen.

Die Gewerbetreibenden achteten untereinander auf gegenseitige Berücksichtigung. Grossverteiler gab es keine im Dorf, sondern Metzgereien, Bäckereien, Kolonialwarenläden, Post, Bahnhof etc.

Meine Aufgabe war es, beim Bäcker Suhner in der Steig einen Fünfpfünder heimzubringen. Die Bäckerei war am Schluss des Schulweges 300 Meter von zu Hause entfernt.

Bäcker Suhner meinte, das Brot sei bald fertig, ich solle etwas warten. Ich konnte ihm zuschauen, wie er mit der langen hölzernen Schaufel die gebackenen Laibe aus dem Ofen holte. Die kleine Bäckerei mit dem Laden befand sich im Erdgeschoss des Restaurants Steig. Es duftete nach Teig und frischem Brot.

Ich trug das frische Brot in der Tasche. Es schmeckte so gut. Ich nahm es aus der Tasche und versuchte, den Anhau oder die Kruste, die Stelle, wo die Brotlaibe im Ofen zusammenklebten, abzulösen und grübelte einen Bissen frisches warmes Brot heraus. Das war so gut, dass ich mir einen zweiten Brocken erlaubte. Der schmeckte fast besser und wiederum klaubte ich mir ein weiteres Stück hervor.

Der Weg führte über eine Senke und zwei kleine Brücken. Kurz vor Ankunft zu Hause stellte ich fest, dass vom Brot eigentlich nur noch die Rinde übriggeblieben war. Den Anhau versuchte ich mit wenig Speichel wieder anzudrücken.

Zu Hause legte ich das Brot an den gewohnten Ort in der Speisekammer.

Beim Abendessen stand ‚mein‘ Brot auf dem Tisch. Meine Mutter pflegte es in Stücke zu schneiden. Beim Versuch, dies zu tun, sackte das Brot in sich zusammen. Es blieb uns nur, die Rindenstücke in die Milch zu tunken.

Zu meiner Überraschung verurteilte die Mutter mein Aushöhlen des Brotes nicht. Sie gab zum Besten, dass ich nicht der Erste sei, der das getan habe. Es war ein heiteres Abendessen.

[Beck Suhner ist in Teufen aufgewachsen auf dem Grundstück, wo mein Bruder Tony wohnt. Nach dem Verkauf des Restaurants und der Bäckerei Steig verbrachte er seine letzten Jahre wieder dort. Die heutigen Häuser hat sein Sohn Max bauen lassen. Tony hat ihm 2005 die Liegenschaft Alte Speicherstrasse 1 A abgekauft. In jenem Haus war die Gemeinde früher mit einem Kindergarten eingemietet.]


***

1963 6. und 4. Klasse, Lehrer Rudolf Steiner ganz rechts, Niklaus Wild oben 2. von links

 Kommentar zum Klassenfoto: Meine Mitschüler sind jene aus der sechsten Klasse. Wegen des Anstiegs der Schülerzahlen waren wir nicht mit den 5., sondern den 4. Klässlern im gleichen Schulzimmer. Deren Namen sind kursiv geschrieben.


Oberste Reihe von links: Steven Holser, Niklaus Wild, Thomas Fürer, Ferrucio Soldati, Hansjörg Menzi, Marina Höhener, Sybille Steinemann, Lisbeth Bär, Annemarie Eisenhut, Lehrer Ruedi Steiner (Jg. 1939). Zweite Reihe von links: Yvonne Beier, Ruth Hagger, Martha Höhener, Heidi Suhner, Annelies Höhener, Regula Frischknecht, …?, ….?, Margrit Tanner, Marianne Holderegger, Lilian Soldati. Vorderste Reihe: Köbi Meier, Kurt Müller, Hansruedi Friedli, Hansueli Bruderer, Christoph Knoblauch, Hanspeter Koller, Hans Mösli, Heinz König, Richard Menzi, Max Waldburger.
Mein Schulweg
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7.1.  Primarschulzeit in Bühler – Primarschule.

Mein Schulweg
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Als achtes Kind ist die Schule in der Familie allgegenwärtig. Alle waren irgendwo am Aufgaben machen, am Schreiben, am Rechnen oder Lesen oder auswendig Lernen. Ich sehnte mich, auch endlich in die Schule zu dürfen, denn wie alle meine Geschwister auch, gingen wir nicht in den Kindergarten. Er war damals nicht obligatorisch und der Schulweg mit um die 1.8 km war zu lange. Zudem lag der Kindergarten am anderen Ende des Dorfes, hinter der reformierten Kirche.


In der Vorschulzeit begleitete ich manchmal auch meine Geschwister zur Schule, mein Bruder hat mich dann bei Tante Maria Benz hinter dem Restaurant Sternen abgegeben und auch wieder geholt. Dort konnte ich mit mir unvertrauten Spielsachen spielen, was ich ausgiebig genoss.



Schulweg beim Schützengarten: Schützenhaus und Sägerei.

 

Im Dorf hatte es ein Trottoir bis zum Schulhaus.


Schulweg beim Sternen, Beginn des eigentlichen Dorfes und auch Anfang vom Trottoir als Schulweg

 


SGA fährt vom Bahnhof Richtung Schulhaus. Zu meiner Schulzeit sah die Lokomotive so aus. Gegenüber ist der Colonialwarenladen, wo ich jeweils Einkäufe für die Mutter zu tätigen hatte

 

 

 






1959, Aufnahme Bühler mit Steig, im Hintergrund Teufen. Meine Schulwege über die Steig auf der Quartierstrasse oder auf der breiteren Landstrasse mit der (Strassen-) Bahn sind ersichtlich.

 

Schulweg mit dem Fahrrad 

Das Bild muss ein Schnappschuss des Nachbarn, einem Cousin, oder eines meiner älteren Geschwister sein. Ich bin mit meinem Fahrrad von der Schule nach Hause gekommen und stellte das Fahrrad an meinem bestimmten Platz ab. Da ich noch keine Brille getragen habe, war es wahrscheinlich in der 5. Klasse so um 1962/63. Das Fahrrad hat nur einen Gang und als Bremse diente der Rücktritt. 

Da das Velo keinen Ständer zum Stützen hatte, fuhr ich jeweilen mit der Nabe des Vorderrades in einen Schlitz in der Mauer, sodass es stabil stand. Die Stelle befindet sich zwischen dem Hauseingang, der auf dem Bild nicht sichtbar ist, und dem Eingang zur Milchsammelstelle (Hütte), die flankiert ist von zwei Fenstern. Dieser Teil wie auch der unmittelbare Vorplatz sind gemauert respektive aus Beton, damit die Belastungen von den Milchlieferungen mit Pferdefuhrwerk, VW-Käfer, Traktoren, Fahrradanhängern, etc. nicht allzuviel Schäden hinterlassen. Der Rest des Hauses war aus Holz.

Auf dem Rücken trage ich den Schultornister aus hartem Leder mit Fell auf der Rückseite. Je nach Länge der Haare hatte ich krauses Haar (wir sagten: Chruseln).  Ich trug Halbschuhe, Socken, lange Hosen, ein Hemd mit Pullover. Damals hatte ich noch keine Brille.


Niklaus Wild mit dem Fahrrad und Schulthek, Aufnahme 1962/63, Steigbach



Ferienlager gab es keine. Schulreisen waren Wanderungen auf den Saul oder Gäbris, also in unsere Nachbargemeinden. Ich mag mich erinnern, wie wir in der  6. Klasse mit Lehrer Steiner in das Schwimmbad in Teufen gingen, zu Fuss hin und zurück. Dort wollte ich ins Wasser tauchen wie die anderen und habe dabei meine Brille verloren, die meine Kollegen dann suchen gingen. Später bin ich dann nie wieder getaucht.

 

 

Meine 12-18 Schulkameraden
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7.1.  Primarschulzeit in Bühler – Primarschule.

Meine 12-18 Schulkameraden
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Ich hatte eine ruhige Primarschulzeit. Unsere Klassengrösse schwankte so zwischen 12 und 18 Schülerinnen und Schüler.

Die Schulkollegen habe ich in der Schule, in der Pause und auf dem Schulweg getroffen. Meine Freizeit verbrachte ich zu Hause rund um das Elternhaus ohne grossen Austausch mit den Schülern vom Dorf.

Als ich als Gymnasiast jeweils in meinen langen Sommerferien die Briefträger ablöste, sah ich manchmal meine ehemaligen Schulkameraden, ich ging aber nicht in den 'Ausgang' mit ihnen. Im Gymnasium waren ich mit den Mitschülern aus dem Gymnasium mehr verbunden und wir trafen uns in den Ferien manchmal.



Folgende Mitschülerinnen und Mitschüler kenne ich noch heute:

An Thomas Fürer, denn er war auch Ministrant in der Kirche. Ihn und seine Eltern sah ich auch in der Kirche und seine Mutter verkehrte mit meiner Mutter. Sein Vater war Schreiner. Er wohnte in der Nähe des Friedhofs. Die Mutter war Witwe, als ich geheiratet habe und sie war an unserer Hochzeit eingeladen.

Hans Mösli kam wie ich von einem Bauernhof. Er hatte einen steilen Schulweg, bis fast auf die Weissegg.

Köbi Meier wohnte an meinem Schulweg, sein Vater war Maler. Bei Klassenzusammenkünften habe ich bei ihm und seiner Frau Liselotte übernachtet.

Kurt Müller war klein gewachsen wie ich und Nachbar von Köbi Meier und auch an meinem Schulweg gelegen.

Hansjörg Menzi ist in der 5. Klasse zu unserer Klasse gestossen. Er war gut im Rechnen wie ich.

Lisbeth Bär kam von einem Bauernhof, nahe der Schule und neben der 1967 neu erstellten ersten katholischen Kirche in Bühler. 

Annemarie Eisenhut hatte auch eine Strecke mit uns auf dem Schulweg zurückzulegen.

Marianne Holderegger wohnte beim Bahnhof auf der Seite zur Textilfabrik Eschler.

Waltraut Signer kam von der Kriegersmühle und hatte einen langen Schulweg. 

Margrit Tanner wohnte im Roggenhalm. Sie hatte einen etwas längeren und steileren Schulweg als ich.

Martha Höhener war eine gute Schülerin, wohnte Richtung Weissegg wie Hans Mösli.

Marina (Höhener) war sehr schlank und zierlich und wohnte bei der reformierten Kirche, gleich neben Thomas Fürer.

Sybille Steinemann war aufgeweckt und hatte meist besondere Frisuren.

Lilian Soldati kam später zu uns mit ihrem Bruder Ferrucio.

An Gertrud Preisig und Yvonne Beier mag ich mich nicht mehr recht erinnern.


1959 1. und 2. Klasse Lehrer Lucius Hassler ganz rechts, Niklaus Wild in vorderster Reihe 4. von links

Oberste Reihe von links nach rechts: ..., Hans Mösli, Jakob/Köbi Graf, ...., Marianne Holderegger, Marina Höhener, ..., ..., Helen Widmer, Irene Kürsteiner. Lehrer Hassler
2.oberste Reihe: Karin Barth, Martha Höhener, ....., Reinhard Müller, ....
3.oberste Reihe: Margrit Ruderer, Sibylle Steinemann, Annemarie Eisenhut, ...., Margrit Tanner, Lisbeth Bär, ..., Waltraud Signer, ....
Vorderste Reihe: Walter Schiess, ...., Kurt Müller, Niklaus Wild, ..., ..., Köbi Meier

 

 

 

1963 6. und 4. Klasse, Lehrer Rudolf Steiner ganz rechts, Niklaus Wild oben 2. von links

 

Die Namen der 4. Klässler sind kursiv geschrieben und jene der 6. Klässler (meine Klasse) normal. Wegen des Anstiegs der Schülerzahlen waren wir nicht mit den 5. Klässern im gleichen Schulzimmer, sondern mit den 4. Klässlern. 

Oberste Reihe von links:
Steven Holser, Niklaus Wild, Thomas Fürer, Ferrucio Soldati, Hansjörg Menzi, Marina Höhener, Sybille Steinemann, Lisbeth Bär, Annemarie Eisenhut, Lehrer Ruedi Steiner (Jg. 1939).

Zweite Reihe von links:
Yvonne Beier, Ruth Hagger, Martha Höhener, Heidi Suhner, Annelies Höhener, Regula Frischknecht, …?, ….?, Margrit Tanner, Marianne Holderegger, Lilian Soldati.

Vorderste Reihe
Köbi Meier, Kurt Müller, Hansruedi Friedli, Hansueli Bruderer, Christoph Knoblauch, Hanspeter Koller, Hans Mösli, Heinz König, Richard Menzi, Max Waldburger.

 

Marina Höhener (krauses Haar), Hansjörg Menzi, Christian Friedli, Annemarie Eisenhut, Köbi Meier, Lisbeth Bär, am 23. Juni 2023 in Bühler AR, 60 Jahre nach der 6. Klasse

 

 

 

 

Heimatdorf Bühler
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7.1.  Primarschulzeit in Bühler – Primarschule.

Heimatdorf Bühler
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D
Das Dorf Bühler 1969. Dorfkern mit Bahnhof, Post, Arzt, Lebensmittelläden, Schule, Kirchen, etc.

 

 
Heimatdorf Bühler (aus Buch)
Dieses landschaftlich beschauliche Appenzellerland ist meine Heimat. 1971 bin ich nach Zürich 'ausgewandert'.

Von der Bildmitte aus führt die Trogenerstrasse nach rechts oben. Die katholische Kirche wurde 1967 eingeweiht. Am unteren Bildrand befinden sich die Schulbauten. Auf der linken Seite ist der Bahnhof Bühler ersichtlich. Zusammen mit der Verbreiterung der Dorfstrasse sind die Gleise auf die Hinterseite des Gebäudes verlegt worden. Der grosse Komplex in der Nähe ist die Teppichfabrik Tischhauser.

Mein Elternhaus befindet sich etwa 1.5 Kilometer westlich vom Bahnhof bei der nächsten Haltestelle der St. Gallen-Gais-Appenzell-Bahn (SGA). Am rechten Bildrand unten liegt der Friedhof. Dort habe ich als Primarschüler bei Beerdigungen von Katholiken dem Pfarrer assistiert. In der Nähe war die Milchsammelstelle für die Bauern im Dorf. Man sieht die reformierte Kirche mit dem markanten Zwiebelturm des berühmten Teufener Zimmermanns Grubenmann.

Ausserhalb des Dorfes überwogen die Landwirtschaftsbetriebe.

1723 wurde die reformierte Kirche erbaut, gleichbedeutend mit der Gründung der eigenständigen Gemeinde. Entlang des Rotbachs siedelte sich Industrie an, die für den Gütertransport den Bau der Bahn forcierte. Die Nachfrage nach Arbeitskräften führte dazu, dass Bühler früh – auf Drängen der Fabrikanten – bereits über eine Sekundarschule verfügte.

Im Dorf Bühler hatten wir grössere Industriebetriebe wie die Textilfabrik Eschler, die Teppichfabrik Tischhauser oder die Etui-Fabrik Rüdisühli. Diese Betriebe benötigten Arbeitskräfte.

Als ich nach der Matura nach Zürich kam, war viel die Rede über Ausländer. In Bühler hatten wir mehr als einen Viertel Nicht-Schweizer gehabt. Wir haben diese gar nicht wahrgenommen. Im Rückblick kann ich mir das erklären. Wir gingen im Dorf zur Schule und sonst hatten wir keinen Grund, dort zu sein. Auf meinem Schulweg sah ich keine ausländischen Arbeitskräfte. Diese jungen Frauen und Männer waren am Arbeiten und wohnten ohne Familie hier.

Zu meiner Geburtszeit im Jahre 1950 hatte Bühler 1222 Einwohner, davon 1174 Schweizer und 48 Ausländer. 1970 lag die Bevölkerung bei 1700. Die Anzahl Schweizer ist gleichgeblieben. Hingegen vergrösserte sich die Zahl der Ausländer auf 507, was 29.8 % ausmacht. [Im Vergleich zur jüngeren Zeit im Jahre 2018: 1806 Einwohner, davon 1350 Schweizer und 456 Ausländer (25 %).]

Bei der religiösen Zugehörigkeit während meiner Schulzeit (1960) gab es 918 Reformierte und 466 Katholische.

Als Gymnasiast war ich im Sommer Briefträger. Dieser interessante Sommerjob von jeweils 9 bis 10 Wochen rundete mein Bild des Dorfes ab. Ich lernte die Bewohner als Jugendlicher kennen, auch sah ich meine Schulkameraden. Speziell waren die Tage, an denen ich die AHV-Rente bar auszahlen durfte. Die Touren absolvierte ich mit dem Töffli, das ich von meinem Bruder übernehmen konnte.

[2011 hat die Christian Eschler AG ihren Betrieb eingestellt. Mein Bruder Tony hatte bis zu seiner Pensionierung im August 2011 als Betriebsleiter dort gearbeitet.]

***



Ich hatte drei Lehrer
  • Lehrer Lucius Hassler in der 1. und 2. Klasse, er war Lehrer von 1945-1972, Primarlehrer bis 1961
  • Lehrer Alfred Nydegger in der 3. und 4. Klasse, er war Lehrer von 1935-1965
  • Lehrer Steiner in der 5. und 6. Klasse, er war Lehrer von 1959-2002. Er war ein 'Junglehrer' direkt ab dem Lehrerseminar.
Der Lehrer, wie auch der Pfarrer und der Arzt waren Respektspersonen im Dorf.


Wir sassen auf EMBRU-Stühlen an EMBRU-Schultischen für jeweils 2 Schüler. Hinten und auf einer Seite waren Fenster. Vorne war der Lehrerpult und an der vorderen Wand die Wandtafel und Kreidestifte.



1960, Flugaufnahme Dorf Bühler mit Primar- und Oberstufenschulhaus, Pausenplatz

 Zur Zeit dieser Flugaufnahme ging ich in die dritte Primarklasse. In Richtung reformierte Kirche hat es einen hellen Platz. Rechts davon steht ein grosses Schulhaus, in dem die sechs Primarklassen in drei Schulzimmern unterrichtet worden sind. Links vom Platz an der Strasse ist das Oberstufenschulhaus. Dort hatten wir Werkunterricht. Die grüne Wiese vor dem hellen Platz war unser großzügig bemessener Schulhausplatz.


Bei uns hat der Lehrer mit dem Lineal auf die flache Hand geschlagen, sofern er es als angezeigt empfunden hat. Viel kam das aber nicht vor. Ich mag mich nicht an eine Bestrafung erinnern.

Wie reagierten deine Eltern auf Zeugnisse?
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7.1.  Primarschulzeit in Bühler – Primarschule.

Wie reagierten deine Eltern auf Zeugnisse?
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Nach dem ersten halben Jahr Schule gab es noch keine Noten, aber eine schriftliche Beurteilung durch Lehrer Lucius Hassler am 4. Oktober 1958:

Werte Eltern! Nikolaus ist eher ein stiller, zurückhaltender Schüler. Er überlegt aber gut. Mit seinen Leistungen im Lesen und Rechnen bin ich zufrieden. Auch das Schreiben ist ordentlich.  Wenn er sich weiterhin mit Fleiss einsetzt, wird der Erfolg nicht ausbleiben. Mit freundlichem Gruss L. Hasler. N.B. Dies statt Zahlennoten. Albert Wild.

Dies ist meine erste schriftlich festgehaltene Beurteilung in meinem Leben.

Niklaus Wild, Beurteilung Lehrer Hasler, 1. Klasse

 






Die Eltern haben die Zeugnisse studiert und uns ermuntert. Schulisch hatte ich keine Probleme.
Zeugnis 6. Primarklasse, Niklaus Wild, April 1964

Wenn ich Hilfe bei den Hausaufgaben brauchte, so war meist die Mutter oder ältere Geschwister da, die helfen konnten.
Am Nachmittag mussten wir nach dem Heimkommen die Hausaufgaben immer sofort machen und diese vor dem Abendessen um 18 Uhr erledigen, was mir eigentlich immer gelungen ist.

Aus jener Zeit habe ich nur noch die Zeugnisse über die sechs Jahre der Primarschule.

300 Jahre Bühler, Spezielles Klassentreffen 2023
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7.1.  Primarschulzeit in Bühler – Primarschule.

300 Jahre Bühler, Spezielles Klassentreffen 2023
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Da ich nach der Primarschule ans Langzeitgymnasium gewechselt habe, hatte ich zu meinen Schulkameraden keinen so intensiven Kontakt wie unter Kollegen. Im Dorf verkehrte unsere Familie nicht. Am meisten Bezug zum Dorf konnte ich aufbauen, als ich jeweils als Gymnasiast, wo ich im Sommer etwas 13 Wochen Ferien hatte, die Pöstler ablöste und gutes Geld verdiente. So lernte ich das ganze Dorf kennen und sah natürlich auch meine Schulkameraden.

Aber Freunde aus der Primarschulklasse habe ich keine.
Klassentreffen wurden bei uns meist von Margrit Tanner, heute Akman, organisiert. Wir haben uns meist im Restaurant Sternen getroffen. Manchmal ist auch Lehrer Rudolf Steiner vorbeigekommen. 

Ich fühlte mich wohl an den Klassentreffen. Die in der Schule angewandten Unterrichtsmethoden habe ich damals nicht hinterfragt. An den Klassentreffen waren sie aber ein Thema, haben doch Mitschülerinnen oder Mitschüler darunter gelitten.

Am 23. Juni 2023 hatten wir eine spezielles Klassentreffen, organisierte die Gemeinde anlässlich der 300 Jahr-Feier zur Gründung der Gemeinde Bühler ein Klassentreffen über alle Jahrgänge. Das war insofern interessant, als auch ältere und jüngere Menschen anwesend waren. Dank diesem Austausch konnte ich auch die Namen auf der Klassenfoto 1963 eruieren, habe ich doch erst zu jenem Zeitpunkt erfahren, dass wir damals mit der 4. Klasse zusammen waren.

Wir lebten eigentlich in einem geschlossenen Kreis. Im Dorf hatten wir grössere Industriebetriebe wie die Textilfabrik Eschler, die Teppichfabrik Tischhauser (TISCA) oder die Etui-Fabrik Rüdisühli. Diese Betriebe benötigten Arbeitskräfte. Als ich nach der Matura nach Zürich kam, war viel die Rede über unsere Ausländer. Ich sagte jeweils, in meinem Geburtsort Bühler hätten wir mehr als einen Viertel Ausländer gehabt, was damals ein sehr hoher Wert war. Wir hätten diese Ausländer aber gar nicht wahrgenommen. Im Rückblick kann ich mir das erklären. Wir gingen ins Dorf nur in die Schule, gewohnt haben wir am Ende des Dorfes Richtung Teufen, wo wir auch in die Kirche gegangen sind. Auf meinen Schulwegen sah ich keine ausländischen Arbeitskräfte, weil diese jungen Frauen und Männer dann ja am arbeiten waren. Ausländische Familien hatten es nicht viele.

Zu meiner Geburtszeit im Jahre 1950 hatte Bühler 1222 Einwohner, davon 1174 Schweizer und 48 Ausländer. 1960 gab es 1385 Ew., davon 1133 Schweizer und 252 Ausländer. 1970 dann schon 1700 Einwohner und eigentlich eine gleichbleibende Anzahl Schweizer von 1193 und 507 Ausländer (29.8 %). Im Vergleich zur jüngeren Zeit im Jahre 2018: 1806 Einwohner, davon 1350 Schweizer und 456 Ausländer (25%).

Bei der religiösen Zugehörigkeit während meiner Schulzeit im Jahre 1960 gab es 918 Reformierte, 466 Katholische und eine Person mit einer anderen Religion. Im Jahre 2000 gab es 678 Reformierte, 563 Katholische, 219 andere Relegionsangehörige und 138 ohne Regligionszugehörigkeit.

Die Aufnahme zeigt Bühler im Jahre 1969. In dieser Zeit war ich jeweils im Sommer Briefträger. So habe ich das Dorf in Erinnerung, bin ich doch dann 1971 nach Zürich 'ausgewandert'. Von der Bildmitte aus führt die Trogenerstrasse nach rechts oben. Die katholische Kirche wurde 1967 eingeweiht. Am linken unteren Bildrand sind Schulbauten nach meiner Primarschulzeit (1958-1964) neu gebaut worden. Auf der linken Seite sieht man den Bahnhof Bühler mit den Gleisen auf der 'hinteren' Seite des Bahnhofs, nachdem die Dorfstrasse verbreitert worden ist. Das grosse Gebäude in der Nähe des Bahnhofs ist die Teppichfabrik Tischhauser AG (TISCA-TIARA Teppiche). Mein Elternhaus ist etwa ein Kilometer westlich vom Bahnhof bei der Haltestelle Steigbach der Appenzellerbahnen. Am rechten Bildrand unten sieht man den Friedhof, wo ich als Primarschüler jeweils bei Beerdigungen dem Pfarrer assistiert habe. Man sieht auch die reformierte Kirche mit dem markanten Zwiebelturm des berühmten Brückenbauers Grubenmann.


1969, Flugaufnahme von Bühler AR

 

 

Wie ein Kapuziner meinen Ausbildungsweg einfädelte
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8.  Langzeitgymnasium im Internat

Wie ein Kapuziner meinen Ausbildungsweg einfädelte
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Schnippische Antwort mit Folgen (aus Buch)
Das Gespräch des Kapuziners mit mir in der Sakristei als Zehnjähriger leitete eine grundlegende Weichenstellung in meinem Leben ein.

In meinem Heimatdorf besuchte man sechs Primarklassen und anschliessend zwei oder drei Jahre die Oberstufe. Nachher stand eine Lehre an oder Arbeit im elterlichen Betrieb. Warum ausgerechnet studieren gehen und erst noch in ein Langzeitgymnasium? Wenn ich zurückdenke, habe ich mir in meiner Kindheit wenig Gedanken zu möglichen Berufen gemacht. Zuerst wollte ich Lastwagenfahrer werden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Weg zur Kirche ins Nachbardorf Teufen oder auch zu unseren in der Nähe wohnenden Grosseltern und Verwandten im Schönbühl beim Transportunternehmer Studach vorbeiführte und ich dort immer die schönen Saurer-Lastwagen bestaunen konnte. Später wechselte mein Berufswunsch zum Lehrer. Wie es im Leben so laufen kann.

Als ich so um die zehn Jahre alt war, ging ich in die Kirche und diente als Ministrant. Nach dem Gottesdienst half ich dem Priester aus dem Messgewand und redete ein paar Worte. Diesmal war es ein Aushilfspriester, ein Kapuziner von Appenzell. Der fragte mich, ob ich gerne in die Schule gehen würde. Er wollte meine Berufswünsche wissen. Nach meinen vagen Antworten hat er nachgehakt, ob ich mich auch als Priester vorstellen könnte. Was antwortet ein schüchterner zehnjähriger Bauernbube einem ihm unbekannten Kapuziner? Ich sagte ‘ja’ oder ‘warum nicht’. Ich habe diesem Gespräch keine grosse Bedeutung zugemessen.

Einige Wochen später kam meine Mutter auf mich zu: Ein Kapuziner-Pater hätte sie angerufen und gesagt, ich wolle Priester werden. Wenn sie einverstanden seien, so würde er mich anmelden im Kollegium Sankt Antonius, wo damals lange Anmeldelisten bestanden. Es war alles offen und wir haben ihm zugesagt. Mein Leben ging trotz Anmeldung gleich weiter, bis sich der Kapuziner Monate später wieder meldete mit dem Angebot, mich in Deutsch und Mathematik auf die Aufnahmeprüfung vorzubereiten. Da wurde ich etwas nervöser. An zwei oder drei freien Mittwoch-Nachmittagen fuhr ich mit dem Zug nach Appenzell ins Kloster. Zuerst musste ich einige Übungen machen, denn er wollte meinen Wissensstand in Erfahrung bringen. Er meinte, es sei noch Nachholbedarf, was für mich nachvollziehbar war. In der sechsten Primarklasse wurden wir nicht auf das Gymnasium vorbereitet. Ein einziger Klassen-Kollege von mir ist nach den acht Schuljahren ins Kurzzeitgymnasium in St. Gallen gegangen. Mir behagte mein Sonderzüglein gar nicht und ich redete nicht gross darüber. Die Katze aus dem Sack lassen musste ich allerdings, als ich zur Aufnahmeprüfung einen freien Tag benötigte. Von da an wussten die Kameraden, dass der Cheesli oder Nik, wie sie mich nannten, einen anderen als den üblichen Weg vorhatte. Man kann sich vorstellen, wie peinlich es mir gewesen wäre, hätte ich die Aufnahmeprüfung nicht bestanden.

Am letzten Schultag in der sechsten Klasse stand Lehrer Steiner wie immer an der Türe. Er gab jedem die Hand, eigentlich eine gewohnte Handlung. Ich reihte mich nicht wie üblich bei den Ersten, sondern als Letzter ein. Als wir uns einander in die Augen schauten, da schossen die Tränen nur so aus mir heraus. Ich bin gerne zu ihm in die Schule gegangen und wusste nicht, wie es mir am Gymnasium ergehen würde.

Meine grosse Sorge war, nicht aufzufallen. Gedanken darüber, was es für meine Eltern finanziell bedeutete, machte ich mir nicht. Der Kapuziner hat aber auch bereits in diesem Punkt vorgesorgt. Er hat für mich ein Stipendium organisiert zur teilweisen Entlastung meiner Eltern. Ein Professor Duft hat jeweils das Schulgeld bezahlt. Mein Bruder Tony meinte, es hätte sich um Johannes Duft (1915-2003) gehandelt, den Leiter der Stiftsbibliothek St. Gallen.

Warum hat dieser Kapuziner gerade mich gefragt? Mein ältester Bruder Albert hat 1960 in Appenzell die Matura mit Bestnoten abgeschlossen. Er hatte sich entschieden, Kapuziner zu werden. Von ihm habe ich die Kleidernummer 77 übernommen. Alle persönlichen Gegenstände, Kleidungsstücke, Besteck etc. waren zu kennzeichnen. Bei 300 nicht immer ordentlichen Jugendlichen ergab das Sinn.

Mit 13 Jahren, am 9. April 1964, trat ich ins Internat ein. Mein älterer Bruder hatte Erfahrungen gesammelt, war er doch eine Zeit lang extern und erst nachher intern. Die Zugverbindung war nicht optimal. Als achtes Kind war ich von der Primarschule her gewohnt, mich an den Geschwistern messen zu lassen. Im Kollegium war der allen Lehrern bekannte Bruder Albert Wild meine Vorgabe.

Mein Vater brachte mich mit dem Jeep zum Kollegium. Zu Hause begegnete uns Hans Inauen sen., der sich von mir verabschieden wollte. Auch bei diesem Abschied flossen bei mir die Tränen ohne Ende. Im Innersten war mir bewusst, dass eine schöne und friedliche Zeit meines Lebens zu Hause ihren Abschluss fand.

Die alte katholische Kirche war für alle unsere Familienmitglieder der Ort für die Taufe, die Erstkommunion, die Firmung. Einzelne haben hier geheiratet oder ihre Primiz gefeiert. Am Sonntag war die Kirche voller Menschen, links die Mädchen und Frauen, rechts die Knaben und Männer.


Katholische Kirche Teufen AR mit Pfarrhaus, erbaut 1896, abgetragen 1975 wegen Umfahrungsstrasse.

 

 ***





SGA St. Gallen-Gais-Appenzell-Bahn zu meiner Zeit als jugendlicher Fahrgast. Im Hintergrund der Alpstein. Aufnahme etwas unterhalb vom Sammelplatz Richtung Appenzell.

 Mit dieser Bahn bin ich vom Steigbach nach Appenzell gefahren. Das waren für mich, der sich eigentlich nur im Bereich Schulhaus Bühler und Kirche Teufen bewegte, schon spezielle Ausflüge.

(Zu meiner Jugend-Zeit gab es Kräfte, die an Stelle der Bahn lieber einen Busbetrieb gehabt hätten. Dies führte dazu, dass weder in das Trassee noch in die Fahrzeuge Geld investiert worden ist. Manchmal schwankte die Bahn vor allem von Niederteufen nach Lustmühle unglaublich im dreckigen Untergrund, dass man Angst hatte, sie kippe bald um. Nachdem dann schweizweit der Personenverkehr zugenommen hat und S-Bahnen entstanden sind, kehrte das Blatt und es wurde an der Bahn fest gehalten. Heute, also 2023, besteht mit der durchgehenden Verbindung von Trogen nach Appenzell eine moderne Verbindung.)

 Am Tag vor meinem Eintritt besuchte ich das Kollegium mit meiner ältesten Schwester und ihrem Freund Sergio Brabetz. Er machte eine Foto von mir, die ich aber nicht mehr finde.

 

 

Das organisierte Internatsleben
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8.  Langzeitgymnasium im Internat

Das organisierte Internatsleben
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Internat in Appenzell (aus Buch)
Sieben Jahre meines Lebens galten der humanistischen Ausbildung. Wir waren eine geschlossene Gesellschaft, die der Bildung verpflichtet war.

Wohnen und Essen

Wir konnten immer an den gedeckten Tisch sitzen und uns nach dem Essen dem Spiel widmen. Für die Schlafkoje mit Bett und Schrank auf einer Fläche von 2 auf 1.80 m waren wir selber verantwortlich. Im Schultrakt hatte jeder ein persönliches Pult im Studiensaal, wo die Schulbücher versorgt waren. Die Schuhe waren im Schuhraum im Untergeschoss und wurden in gemeinsamen Aktionen gereinigt. Das periodische Bad in einem persönlichen Zeitfenster von 30 Minuten (15 davon zum Baden) war durchorganisiert. Es gab sechs Badewannen im Keller. Die persönliche Wäsche schickten wir den Eltern in einem Postsack. Einmal pro Monat hatten wir Urlaub von Samstagmittag bis Sonntagabend, natürlich alle am gleichen Wochenende. Das Schulgelände durften wir ohne Bewilligung nicht verlassen. Kontakt zur Dorfbevölkerung gab es für uns nicht.

Jahres- und Tagesablauf

Die Tage und Jahre waren bestens organisiert. In unserem Gymnasium gab es nur die Möglichkeit für Typus A (mit Altgriechisch und Latein) oder B (Latein). Für den Priesterberuf war ersterer erforderlich, weswegen ich diese Richtung einschlug. Am Gymnasium begann das Schuljahr im Herbst und nicht im Frühling wie damals an der Primarschule. Zur Überbrückung gab es den Vorkurs, in welchem wir zum Beispiel 13 Lektionen Latein pro Woche besuchten. Wir hatten Sommerferien von etwa 3 bis 4 Monaten, Weihnachts- und Frühlingsferien. Damit war das Schuljahr in drei ähnlich lange Trimester aufgeteilt.

In all der Zeit wurde unser Tagesablauf zur Routine. Es fällt schwer, ihn nach 60 Jahren zu rekonstruieren. Ein Versuch sei erlaubt:

5:50 Tagwache, 6:10 Studium, 7:00 Gottesdienst, 7:40 Morgenessen, 8:15 bis 11:30 Schule, 11:35 Mittagessen, 13:00 Studium, 13:30-16:00 Schule, 16:05 Vesper-Brot, 17:00-19:25 Studium, Freifächer, Musik-Unterricht, 19:30 Abendessen, 20:45 Schlafsaal und 21:30 Nachtruhe. Am Morgen rief der Präfekt die Tagwache aus. Es hatte Lavabos mit kaltem und einige mit zusätzlich warmem Wasser, die von den Frühestaufstehern belegt wurden.

Das Studium fand in den drei grossen Studiensälen statt, es herrschte Ruhe, jeder arbeitete für sich an seinem Pult. In so einem Saal waren 100 Studenten. Es gab einen Saal für die Unterstufe, einen für die Externen und einen für die Oberstufe. Erlaubt war einzig, mit Fragen zum anwesenden Präfekten zu gehen. Diese Stunden genügten zur Verarbeitung des Schulstoffs und zur Vorbereitung für die künftigen Lektionen. Bei diesen Tagesstrukturen konnte ein normalbegabter Jugendlicher das Schulpensum in aller Ruhe bewältigen. Wir hatten Mitschüler von Kantonsschulen, die dort mit der Freizeit nicht zurechtkamen. In den Zwischenpausen konnte man reden, auf dem Schulgelände oder im Schulgebäude herumtoben. Vielfach kamen wir nach der Pause schwitzend, aber zurzeit in den Studiensaal.

Sport und Musik

Wenn ich zurückblicke, so habe ich aus dem Fundus, den mir die Schule geboten hat, wenig gemacht. Sportlich war ich nicht gut und habe mich deshalb lieber ferngehalten. Musikalisch hatte ich überhaupt kein Gespür. Meine Tante Martha und Onkel Emil Bischofberger bezahlten mir Klavierstunden. Ich konnte aber keinen Gefallen finden. Sie führten nicht weit vom Kollegium ihren Kolonialwarenbetrieb Concordia. Später lernte ich bei Pater Eckehard auf dem Flügelhorn spielen und war Teil der Harmonie. Wir marschierten durch das Dorf Appenzell und erfreuten die Zuschauer und Zuhörer.

Meine Stärken lagen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern, nicht in den Sprachen. Die Sprachen Griechisch, Latein, Deutsch und Französisch belegten die meisten Stunden. Ich hatte Hemmungen zu reden, es hätte ja falsch sein können. Das war später das Handicap im Ausland, wo ich keinen Satz herausbrachte. Andere haben drauflosgeredet, auch wenn es nicht ganz richtig war. Meine jüngste Schwester Monika Bucher-Wild ging ins Welschland und konnte Französisch sprechen in einer Art, die ich nie konnte. Aber ich habe mehr Stunden gelernt als sie. Das ist wie ein roter Faden, der sich durch mein Leben zieht.

Im Rückblick fällt mir auf, dass ich gar nicht so viele Erinnerungen an diese Ausbildungsphase habe. Es war eine harmonische Zeit, wir waren aufgehoben und gut betreut. Alles war ausgerichtet auf die lateinische Weisheit: mens sana in corpore sano. Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Der Schulalltag nahm seinen Lauf. Fernsehen hatten wir keines. Ich mag mich erinnern, dass die Postleitzahlen eingeführt worden sind, am 26. Juni 1964. Ich war neu im Kollegium. An die Übertragung der ersten Landung auf dem Mond erinnere ich mich auch. Diese verfolgten wir in einem Saal. Wir waren in unserer Blase, wie wir heute sagen würden. Ein Highlight war unsere jährliche Theateraufführung im Theatersaal mit Zuschauern von aussen. Nach der Aufführung 'Die Perser' hat mir ein Professor gesagt, er hätte in der hintersten Reihe jedes Wort von mir gehört. Unser Gesicht war hinter einer Maske. Einmal hat unter anderem auch Bundesrat Kurt Furgler im Theatersaal eine seiner brillanten Reden gehalten, die mich sehr beeindruckt hatte. Sein Sohn Kurt Johannes ging vier Jahre mit mir in die gleiche Klasse.

Das Kollegium Sankt Antonius in Appenzell war eine vom Bund anerkannte Privatschule mit Maturitätsabschluss. Die Schüler, allesamt Knaben, kamen aus der Deutschschweiz, meist aus ländlichen Gegenden, in denen es keine Kantonsschule gab.

Das Verhältnis zu den Lehrern war gut. Der Lehrkörper bestand aus Kapuzinern, die neben dem Kollegium im Kloster lebten. Sie führten uns nicht nur in der Schule, sondern auch in der Freizeit auf den rechten Pfad. Für das Internat war für jede Stufe ein Präfekt zuständig. In der Unterstufe war dies Pater Ferdinand Fuchs, ein Appenzeller und in der Oberstufe Pater Bernward Muff. Diese waren für uns wie ein Eltern-Ersatz. Pater Bernward hatte den Vulgo Kater und war Verbindungs-Papa in unserer Studenten-Verbindung.

Ich habe für die Vereinigung der Sodalen für Pater Klemens-Maria Kriech die Adressdatei nachgeführt. Ich musste bei einer speziellen Schreibmaschine Adress-Karten anfertigen, die auf die Couverts gedruckt worden sind, nach dem Prinzip von Wachsmatrizen.

Wollte ein Lehrer eine Seite aus einem Buch zeigen, so legte er das Buch in ein Gerät. Diese Seite sahen wir vorne an die Wandtafel projiziert.

Für Prüfungen verteilten die Lehrer Abzüge von Wachsmatrizen, die nach einem speziellen Mittel rochen. Pro Vorlage konnte man 25-30 lesbare Blätter abziehen. Eines Nachmittags kam ein Professor und legte jedem die Kopie einer Buchseite auf das Pult. Er sagte, das sei ein neues Verfahren. Wir hatten die erste Kopie in der Hand. Wir konnten damals nicht erahnen, dass dieses Verfahren die Schule und die Geschäftswelt durchdringen würde. Heute verfügt bald jeder Haushalt über einen Drucker oder Kopierer.

Wir konnten auch Freifächer belegen, wenn die Leistungen in den Regelfächern genügend waren. So habe ich Stenografie gelernt und ging voller Stolz an Stenografie-Wettbewerbe. Auch konnte ich ‘blind’ Schreibmaschine schreiben. In höheren Trimestern habe ich Darstellende Geometrie geübt, was Voraussetzung für die Immatrikulation an der ETH war. Einige Semester belegte ich Englisch im Freifach. Spasseshalber liess ich den Spruch fallen, alles, was später zu gebrauchen war, hätte ich in den Freifächern gelernt.

Das Schulgebäude war so angelegt, dass man sich hocharbeiten musste. Der Studiensaal für die Kleinen war unten, darüber jener der Externen und weiter oben jener der Älteren. Ganz zu oberst war das Lyzeum für die sechste und siebte Klasse. Dort hatte jeder ein Einzelzimmer mit Pult und Bett. Im ersten Lyzeum im unteren und im zweiten im obersten Stock. In den vorherigen fünf Jahren verbrachte man die Nacht in Einzelkojen mit Vorhang in grossen Schlafsälen.

Priesterberuf: Mit 16 Jahren habe ich im Rückblick das erste Mal in meinem Leben bewusst etwas Grundlegendes selber entschieden. Meine Absicht, Priester zu werden, geriet ins Wanken.

Für mich stand fest, dass ich nicht Priester werden wollte, auch wenn ich keinen anderen absoluten Berufswunsch spürte. Lange hatte ich Bedenken wegen der Konsequenzen. Denn mir war klar, dass das Stipendium wegfallen würde und meine Eltern den ganzen Internatsbeitrag zahlen müssten. Zu Hause sah ich jeweils, wie meine Mutter für den Haushalt jeden Rappen zusammensuchte. Auch hat Vater aus finanziellen Überlegungen die Liegenschaft Dachsböhl im Jahre 1967 verkauft. Als Jugendlicher habe ich im Nebenzimmer den Preisverhandlungen lauschen können. Der Besitzer der Küchenfabrik ELBAU konnte das Haus samt dem zugehörigen landwirtschaftlichen Boden erwerben.

Ich mag mich erinnern, wie ich damals mit mir gerungen habe. Noch habe ich vor Augen, wie ich nervös auf dem Gang vor dem Rektorat auf und ab ging. Ich wartete, bis das Licht an der Tür zum Rektor auf Grün gewechselt hatte. Beruhigt bin ich heraus gekommen, nachdem Pater Waldemar Gremper meine Botschaft gelassen entgegengenommen hatte, ohne irgendwelche Kritik und ohne irgendwelche Versuche, mich umzustimmen. Das war für mich die grösste Erleichterung. Nachher sagte ich es meinen Eltern, was mir wegen der finanziellen Konsequenzen um einiges schwerer gefallen ist. Was wir damals genau abgemacht haben, weiss ich nicht mehr. Jedenfalls konnte ich das Studium weiterführen, wofür ich meinen Eltern dankbar bin. 1967 betrug das Schuljahr-und Pensionsgeld Fr. 3000.- pro Jahr. Dazu ist anzumerken, dass die 21 Lehrer, allesamt Kapuziner, ohne Entschädigung arbeiteten wie auch die 14 Baldegger-Schwestern, die für uns den ‚Haushalt‘ machten. Während 2/3 des Jahres lebten wir sieben Tage die Woche bei Vollpension. Das Pensionsgeld betrug demnach 12 Franken pro Tag. Unter diesen Aspekten kann die Schule aus heutiger Zeit als preisgünstig angesehen werden. Meinem Sponsor Prof. Duft habe ich das Schulgeld 10 bis 15 Jahre später zurückgezahlt. Meiner Mutter zahlte ich das von den Eltern bezogene ETH-Studiengeld ebenfalls zurück.

Meine Berufswahl folgte eher einem Ausschlussverfahren als einem gezielten Berufswunsch. Ein langes und teures Medizinstudium konnte ich mir nicht leisten. Die Juristerei behagte mir nicht. Im musisch-sprachlichen Bereich war ich offenkundig nicht so gut wie andere. Meine Stärke war mathematisch-technisch, also im Ingenieur-Beruf. Im Lyzeum lagen mehrere Berufswahl-Bücher auf. Ein Bild beeindruckte mich: Ein Ingenieur mit Stiefeln und Helm stand in den Bergen und betrachtete stolz eine Staumauer. Das machte mir Eindruck und das wollte ich werden, ein Bauingenieur draussen in der Natur. Und wahrlich, meine erste Stelle nach dem Studium bei der Swissboring kam diesem Ideal nahe, ich bekam dort solche Stiefel, einen Helm und einen Gummimantel als Ausrüstung. In meiner Funktion begleitete ich Gesteinsbohrungen, sei es im Repischtal, am Titlis oder auf der Panixeralp.



Die meisten Kollegen studierten nach der Matura an der Universität Freiburg im Üechtland Medizin oder Jus. Zu fünft gingen wir nach Zürich, drei an die ETH und zwei an die Uni (Paul Zimmermann ius, Johann Brülisauer phil I). Peter Schmid studierte Maschinenbau wie sein Bruder, Urs Braschler Forstwesen und ich ging zu den Bauingenieuren. Meine Eltern pflegten den Grundsatz, jedes Kind könne seinen Beruf frei wählen und sie würden nach Möglichkeit unterstützen. Ich habe das als Kind nie richtig verstanden. Andere Kinder hatten wie eine Vorgabe der Eltern, was sie werden müssten. Die Grundlage für diese Grosszügigkeit kann in den Erfahrungen meines Vaters liegen. Er hat immer von seiner Schreinerlehre in München erzählt. Er sah glücklich aus, wenn er etwas schreinerte in seiner Werkstatt. Für meine Eltern war Bildung wichtig. Sie selber waren an Vielem interessiert, auch über den Bauernstand hinaus. Sie waren belesen.

Freizeit oder schulfreie Zeit

An den freien Nachmittagen am Mittwoch und Samstag gab es geführte Spaziergänge oder sportliche Aktivitäten. Vielfach galt es Vorgaben gemäss Bundesprogramm zu erfüllen. Skirennen oder 10 km lange Märsche in einer gewissen Zeit führten zu finanziellen Abgeltungen für die Schule.

In Gruppen durften wir mit Erlaubnis auch eigene Touren unternehmen, dies vor allem am Sonntagnachmittag. Am Sonntagvormittag fand um 9 Uhr der gemeinsame Gottesdienst statt.

Im Kollegium war Aldo Traxler mein bester Kollege. Er verfügte über ein absolutes Musikgehör. Wir sassen in der Schule nebeneinander an dem gleichen Pult.

Dieser Schulbetrieb mit definierter Freizeit bildete eine gute Grundlage für schöne Freundschaften. Wir haben viel miteinander erlebt, auch sonntags. Wir konnten Skifahren oder in die Berge oder schwimmen gehen. Sportbegeisterte spielten Handball, Fussball auf dem Rasen, Tischfussball oder liefen ihre Runden. In dieser Zeit wurde musiziert oder Theater gespielt. Es gab eine Harmonie, in der ich Flügelhorn spielte.

Die Ausbeute an Bildern von meiner Zeit am Gymnasium ist gering. Der Besitz eines Fotoapparates war nicht selbstverständlich.

Auf dem Foto von 1968 sind ein Teil meiner Klassenkameraden zu sehen:

Von oben und von links: Niklaus Wild mit Brille und Kapuze, Josef Manser (verdeckt), Josef Haselbach, Josef Habermacher, Otto Husi, Guido Sutter, Aldo Traxler, (ev. Markus der Bierbrauer), Paul Zimmermann (vor Josef Habermacher), Kurt Johannes Furgler, Roland Brogli, Walter Brunner, Roland Sieber, Marco Studer, Markus Frei, Erwin Messmer © Guido Sutter.

Die Foto wurde aufgenommen vor dem Hauptportal zum Kollegium im Innenhof. Über der Türe steht heute noch geschrieben: DEO ET JUVENTUTI (Für Gott und die Jugend).


5. Gymnasialklasse vor dem Kollegium, Aufnahme 1968. Niklaus Wild steht ganz zuoberst (mit Brille und Kapuze). Die Namen der anderen Klassenkameraden sind im Text aufgeführt. © Guido Sutter

 


***



Waschgelegenheit Lavabo mit kaltem Wasser, Einzelkoje mit Schrank, Bett, Vorhang im Schlafsaal à 30 bis 100 Betten

 
Im Jahre 1974 besuchte ich meinen Bruder Gandolf in Tansania. Dort leitete er in Maua am Fusse des Kilimanjaro ein Gymnasium. Dieses Gymnasium versorgte sich selber. Die Studenten hatten wöchentlich einen halben oder ganzen Tag Dienst in der Landwirtschaft, im Garten, in der Küche oder sonstwo und lernten so Fertigkeiten zum Leben. Von diesen auch lebenserhaltenden Teil von Aktivitäten blieben wir in Appenzell verschont, was uns damals nicht störte. Im Rückblick fehlten mir dann später wichtige Fertigkeiten, was ich in der Wohngemeinschaft während des Studiums in Zürich und auch im Familienalltag schon spürte.






Mein ältester Bruder Albert (Gandolf) in Maua am Fusse des Kilimanscharo mit Studenten des Franciscan Seminary auf dem Felde, 1984.

 

1967, Onkel Emil Bischofberger, Concordia Appenzell (*1914), Totenbild.

 

 Bei Martha und Emil Bischofberger konnte ich in den ersten Sommerferien jeweils etwas Geld verdienen, indem ich den Kunden Sachen nach Hause brachte, im Laden die Gestelle auffüllte oder den Hund ausführte. Onkel Emil war in Appenzell ein angesehener Bürger und wohnte in einem stattlichen Haus. Sie führten mich manchmal auch ins Hotel Säntis für ein feines Essen aus. Für mich war das Neuland. Er ist dann bei einem Feuerwehreinsatz unglücklich gestürzt und kurz danach im Spital gestorben. Im Zimmer hatte er das Bild 'Sensenmann' aufgehängt. Meine Mutter meinte, ob dies als Zeichen des baldigen Todes sei. Auf der Nachhausefahrt fragte ich sie dann, was der Sensenmann bedeute. Diese 'hole' die Menschen.



Im Nachhinein drückte bei diesen Freifächern ein Charakterzug durch, der mich durch das Leben begleitete. Entweder beherrsche ich etwas gut, dann bin ich dabei und wenn nicht, dann lasse ich es bleiben. So ist es bei mir mit Kochen, Tanzen, Fussball oder Handball oder auch Schach. Eigentlich wäre ich ein typischer Schachspieler und hätte es auch gerne gespielt. Im Kollegium beherrschte mein Kollege Peter Schmid von Oberegg dieses Spiel bestens, weil er immer mit seinem Vater und seinem Bruder spielte. Ich wollte es lernen, reüssiere aber natürlich am Anfang nicht und gab es wieder auf. Das Gleiche bei den sogenannten Fussball-'Töggeli-'Kästen. Meine Kollegen haben in den Pausen immer an diesen Kästen ihr Vergnügen gefunden. Alle mussten das ja irgendwann mal lernen. Ich habe mich lieber fern gehalten. Eigentlich schade.



Aufführung Die Perser im Theatersaal Kollegium St. Antonius

 


Gut und gerne erinnere ich mich an die jährlich stattfindenden 
Exerzitien in der Osterzeit. Es herrschte absolutes Silentium, nicht einfach für junge Menschen, die wir damals waren. Wir waren alle im Haus, schweigend, drei Tage lang. Wir hatten die Möglichkeit, Vorträge zu Themen zu besuchen. Es ging meistens um die Meisterung des Lebens, um Anleitungen herauszufinden, was wir mit dem Leben anfangen wollen, etc.  Mir haben diese drei Tage immer gefallen, ich habe viel gelesen, auch viele Notizen gemacht. Wenn ich zurückblicke, war das Lebenshilfe. Später in Führungskursen oder sonstigen Ausbildungen habe ich vielfach ähnliches gehört. Bei den SBB hatte ich einmal einen Kurs am Thunersee, wo es um die gleichen Inhalte ging. Damals habe ich das verinnerlicht. Seit dann habe ich auch immer wieder in meinen kleinen Büchlein 'Die Kunst Zeit zu haben' von Carl Hilty oder 'Gelassenheit, was wir gewinnen, wenn wir älter werden' von Wilhelm Schmid gelesen.


Karte an die Eltern am 3. März 1965 aus dem Kollegium, kurz vor Beginn der jährlichen 3-tägigen Exerzitien, Handschrift Niklaus Wild

 Text der Karte vom 3. März 1965 an Familie Wild, Steigbach 269, 9055 Bühler AR: Meine lieben Eltern, Heute fangen die Exerzitien an und bekomme darum keine Post mehr. Könnt ihr dann noch Butter in den Wäschesack tun. Ihr müsst mich dann nicht wieder besuchen kommen am nächsten Sonntag. Viele Grüsse von Niklaus


Die Wirkung des Schweigens wurde mir beim Pilgern jeweils wieder bewusst. Mit 53 Jahren bin ich im Jahre 2004 das erste Mal auf eine Pilgerreise gegangen unter der geistlichen Führung der Jesuiten von aki am Hirschengraben 86 unter dem Titel 'Outdoor Experience'. Meist wurde bei den von mir später besuchten Tagesetappen (Pilgerzentrum St. Jakob Zürich) für eine halbe bis eine Stunden schweigend gepilgert. Dies hat mir immer gut getan und ich freute mich immer auf diese Zeit. Bei den Zürcher Wanderwegen habe ich als Wanderleiter am 23. Juni 2021 im Valle di Muggio beim Abstieg im Wald auf einer Waldstrasse für eine Stunde schweigend wandern empfohlen. Wir waren 66 Personen und keine hat ein Wort gesagt, ich staunte nur. Später wurde ich immer wieder auf diese Episode angesprochen.

Wir schliefen im gleichen Gebäudekomplex, in dem die Klassenzimmer, die Speisesäle und Studiensäle lagen. Wir bewegten uns in den Gängen. Wir gingen höchstens am Mittag oder nach dem Zvieri nach draussen. Unsere Zeit war ohne Ablenkung der Bildung gewidmet.

Meine 28 Maturakollegen
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8.  Langzeitgymnasium im Internat

Meine 28 Maturakollegen
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An der Matura waren wir 28 Absolventen. Aus Datenschutzgründen lege ich nicht die Adressliste bei, sondern führe die Namen in alphabetischer Reihenfolge auf, wie es unsere Ausbildner meist auch taten. Bei den verstorbenen Kollegen ist der Todestag aufgeführt und der Name der Witwe mit Stand Juli 2023. Unter dem Treffen in Luzern habe ich die Adressliste als Foto eingefügt.

Braschler Urs
Brogli Roland ( 12. Juni 2017, Rosmarie Brogli)
Brügger Hans (18. September 1915, Evelyne Brügger-Raemy)
Brülisauer Johann
Brunner Walter
Ebneter Bruno (12. November 1997, Christa Ebneter-Fischer)
Frei Markus Jakob
Furgler Kurt Johannes
Gort Peter
Habermacher Josef
Horber Eugen
Husi Otto
Keller Josef (6. November 2000)
Knechtle Thomas
Kurer Thomas
Manser Josef
Messmer Erwin
Osterwalder Josef
Schmid Peter
Sieber Roland
Sigrist Felix
Studer Marco
Sutter Guido
Traxler Aldo
Wild Niklaus
Wyss Beat
Zimmermann Paul

5. Gymnasialklasse vor dem Kollegium, Aufnahme 1968. Niklaus Wild steht ganz zuoberst (mit Brille und Kapuze). Die Namen der anderen Klassenkameraden sind im Text aufgeführt. © Guido Sutter

 

Auf der Foto von 1968 sind ein Teil meiner Klassenkameraden zu sehen:
5. Gymnasialklasse vor dem Kollegium, Aufnahme 1968
Von oben und von links: Niklaus Wild mit Brille und Kapuze,
Josef Manser (verdeckt), Josef Haselbach, Josef Habermacher, Otto Husi, Guido Sutter, Aldo Traxler,
(ev. Markus der Bierbrauer), Paul Zimmermann (vor Josef Habermacher), Kurt Johannes Furgler, Roland Brogli
Walter Brunner, Roland Sieber, Marco Studer
Markus Frei, Erwin Messmer
© Guido Sutter

In Zürich hatte ich vor allem mit Peter Schmid Kontakt, der auch an der ETH studierte, später dann auch mit Aldo Traxler und Peter Gort, die ihr Medizinstudium nach den ersten Jahren in Freiburg im Üechtland in Zürich zum Abschluss bringen mussten.


20 Jahre Maturi 1971 im Jahre 1991 


Unser Br. Josef Haselbach hat das Treffen organisiert. Die Einladung kam in Papierform. Wir trafen uns am Samstag in der Traube, wo wir auch das Nachtessen eingenommen haben. Ich gönnte mir ein Kalbssteak mit Butternüdeli für 31 Franken.  Am Sonntag nahmen wir um 10 Uhr am Gottesdienst in der Kollegi-Kapelle mit den SchülerInnen des Kollegiums teil. Anschliessend gab es einen Gang durchs Kollegium und ein Mittagessen im Armenseelenstübli. 


9. Juni 1991 20 Jahre nach der Matura. Treffen in Appenzell, vor dem Kollegium St. Antonius. Niklaus Wild ist zuvorderst in der Mitte der Dreiergruppe.

Erwin Messmer hat unser Treffen auf seine Art kommentiert. Er ist Organist, Musiker und Literat. Schon im Gymnasium war er dem Musischen zugewandt.

Tagung der Zwanzigjährigen, 8./9. Juni 1991, im Kollegium St. Antonius in Appenzell

Mein letzter Tagungsbericht vor zehn Jahren war, soweit ich (Erwin Messmer) mich erinnern kann (denn der Text ist bei mir nicht mehr greifbar), ein zusammenhängendes Ganzes im Sinne eines Erlebnisberichts. Diesmal möchte ich versuchen, ein wenig zusammenhangslos zu schreiben - etwas, das wir freilich im Deutschunterricht nie durchgenommen haben - im Sinne von Spotlights, wie sie sich eben einstellen, wenn einem ein solches Wochenende immer wieder in den Sinn kommt, in den zusammenhangslosesten Situationen übrigens, wie etwa beim Zahnarzt, beim Rasenmähen (. . . Aha, das Spiessbürgerliche hat also letztlich doch gesiegt, ha ha!) oder (ich bin wohl gezwungen, noch ein etwas kontrapunktisches Beispiel anzufügen) beim Erwachen am Montagmorgen um halb elf. - Also, es kann losgehen:
Erstaunlich, wie wenig sich die Leute verändert haben in den vergangenen zehn Jahren. Das hatten wir aber bereits vor zehn Jahren festgestellt. Waren die mutmasslichen Veränderungen, die sich seit zwanzig Jahren eingestellt haben mögen, für uns überhaupt wahrnehmbar? Oder sind sie vielleicht eine Summe aus all dem verblüffenden Sichgleichbleiben von Etappe zu Etappe?
Beim Abendessen in der «Traube» tranken wir etwa zu sechst Flasche um Flasche eines sehr guten und teuren Burgunders. Da ich vor dem Salat noch ausser Programm eine Spargelvorspeise genossen hatte, fragte ich am Ende des Abends beim Bezahlen, ob die Spargeln berechnet worden seien. Denn der Betrag von 70 Franken schien mir selbst für ländliche Verhältnisse verdächtig günstig. «Wir zählten einfach alle Konsumationen zusammen und machten geteilt durch», erklärte mir die Serviererin. Diese Bevorteilung wollte ich zuerst nicht auf mir sitzen lassen, schon des teuren Weins wegen nicht, denn andere hatten Bier oder einen offenen Roten konsumiert. Aber rund herum wurde abgewunken. Geld war an diesem Abend offenbar kein Thema. Eigentlich ganz in meinem Sinn und Geist, dachte ich zu meiner Beschwichtigung.
Beim Mittagessen im Armenseelenstübli vermisste ich den stimmungsvollen Gesang der Rotacher vor dem Fenster, wie er während Jahrzehnten bei solchen Tagungen Brauch gewesen war. Eigentlich das einzig wirklich Stimmungsvolle, das ich dem StV abgewinnen könnte.
Spotlight bei der Sonntagsmesse: Einer «unserer» Kapuziner (Stadtzürcher) führte als Hauptzelebrant die heiligen Handlungen der Opferung durch. Der karge Wasserverbrauch bei der Händewaschung und die Art und Weise, wie die Entgegennahme des Handtuchs, das Trocknen der Hände und das Zurückgeben des Tuchs an den Ministranten eigentlich in einer einzigen Geste zusammengefasst wurden, ist mir irgendwie aufgefallen (bei einem Priester, der mit einem zusammen die Schulbank gedrückt hat, guckt man wahrscheinlich genauer hin!). Routine, könnte man sagen, oder Professionalität (was positiver klingt), oder aber: gekonnte Abstraktion der Handlung auf ihren nackten Symbolgehalt. Sicher war das eine banale Beobachtung, die mir aber in «ewiger» Erinnerung bleiben wird.
Nochmals zur Veränderung: Ältere gereifte Herren, viele etwas dicklich; viel graues Haar... Das waren jeweils meine Eindrücke, wenn ich Fotos der Zwanzigjährigen im «Antonius» betrachtete. Also es tut mir leid - diesen Aspekt konnte ich meiner ehemaligen Klasse, trotz einiger angegrauter Strähnen, trotz zweier, dreier Bäuche einfach nicht abgewinnen. - Blindheit gegenüber ehemals Vertrautem?
Es waren erstaunlich viele gekommen, eigentlich fast alle. Die wenigen Fehlenden entschuldigten sich oder liessen sich entschuldigen, und zwar schriftlich. Aus untriftigen Gründen war keiner nicht erschienen.
Über den Golfkrieg wurde, jedenfalls da, wo ich dabei war, kein Wort verloren, auch nicht über das himmelschreiende Kurdendrama. Der Fichenstaat Schweiz wurde nur in der Sonntagspredigt kurz gestreift. Wir haben vielmehr geblödelt und fühlten uns wieder einmal so richtig wohl. Gewisse Mechanismen aus alter Zeit spielten sogleich wieder, sodass einem unvermittelt Löchlis Singsang im Ohr nachklang: «A nun, also ihr seid doch fertige Kindsköpfe, Messmer und Kompanie. .» (Ich möchte in diesem Bericht, im Gegensatz zum letzten, aus Diskretionsgründen auf andere Namen verzichten!).
Nochmals zum Sonntagsgottesdienst: Ein anderer «unserer» Kapuziner, der letztes Mal notgedrungenermassen zum Schweigen verurteilt war (denn er war damals krankheitshalber abwesend), hielt die Predigt. In Kollegizeiten eher als gewiefter Mathematiker beeindruckend, war er mit seiner brüchigen Stimme doch alles andere als ein grosser Rhetoriker. Nun ist er einer geworden (also doch Veränderungen!): Kurze einprägsame Sätze, deutliche, unaufdringliche Aussprache, welche die hallige Kapelle ohne Benützung einer Lautsprecheranlage glasklar durchdrang. Eine reife Leistung, für die sicher auch Pumpe selig anerkennende Worte gefunden hätte (der Leser verzeihe mir: ein weiteres Prinzip dieser Arbeit ist es, alle ehemaligen Lehrer bei ihren Spitznamen zu zitieren). Auch inhaltlich war das Gesagte zumindest anregend (man ertappte sich nicht dabei, plötzlich nicht mehr zuzuhören): Der Christ als selbständig denkender, eigenverantwortlicher, wenn nötig unangepasster mündiger Mensch, oder so ähnlich. - «Aber das ist ein weites Feld», würde hier Fontane dazwischenwerfen, und so lasse ich es gerne bei diesen wenigen Andeutungen bewenden.
Nochmals zu den Gesprächsthemen: Ein leidlich aktuelles Thema wurde doch noch angeschnitten, und das Fazit des Gesprächs mit anschliessender kurzer Umfrage war, dass kein einziger der 27 Mitglieder unserer Klasse eine militärische Karriere absolviert hat. Ganze drei haben es über den Gefreiten hinausgebracht, der Höchste von ihnen ist Hauptmann. [Beim Wieder-Lesen im Jahre 2025 kann ich hier die Anmerkung machen, dass ich selber es bis zum Hauptmann gebracht hatte. Siehe unter Armee.] Es wurde von gewissen Leuten mit Freude und Stolz zur Kenntnis genommen, und ich bin jetzt froh, dass hier für einmal die Spielregel gilt, keine Namen zu nennen, ist es doch noch keineswegs gewiss, ob unser schweizerisches Fichen(un) wesen eine Lernäische Schlange (Hydra) sei. ..
Ein Gang durch Kollegium unter der Leitung des (für uns) neuen Rektors, Pater Ephrems, führte uns etwa in die naturwissenschaftliche Sammlung mit allerlei komischen Vögeln, womit für einmal wirkliches ausgestopftes Federvieh gemeint ist, aber über unsere Lehrer sprachen und lachten wir auf die dem ergötzlichen Rundgang natürlich trotzdem, etwa über Fiff, der sich grosse Verdienste um diese Sammlungen erworben haben soll. So wurde er beispielsweise folgendermassen zitiert: «Ond wie hammers mit em Nachtge-bätt,.... (Geschlechtsname des Schülers)? - Ho, gommer aifach wiene Chue is Bett!?»
Ergötzlicher Rundgang, habe ich geschrieben... Wir landeten dabei auch auf dem Klosterfriedhof. Da lagen sie, ein grosser Teil unserer ehemaligen Lehrer.
Es war eine Begegnung mit der Vergänglichkeit, aber ebenso mit der Beständigkeit des Lebens, und sei es zunächst nur in unserer Erinnerung. So waren denn diese besinnlichen Minuten nicht deprimierend. Eher versöhnlich und, mit Verlaub gesagt, sogar heiter. So mancher Spruch der Verblichenen wurde, im Tonfall imitierend, wieder zum Leben erweckt. Gelächter auf dem Friedhof. Ein grosser Moment der Tagung.
Ob bereits jemand gestorben sei aus unseren Reihen, wollte meine Frau wissen, als ich von Appenzell zurückkam. Nein, warum? war meine Antwort.
Das sei keineswegs selbstverständlich bei Vierzigjährigen, meinte sie (sie ist Krankenschwester im Notfall am Berner Inselspital).
Nochmals zur Veränderung: Einer, der sich vom Bauernsohn über den Gymnasiasten zum Kapuziner und von dort über den Therapeuten wieder zurück zum Bauern entwickelt hat, er hielt vor zehn Jahren noch die Festpredigt, hat das Menschenfischen doch noch nicht ganz über Bord geworfen. Diesmal predigte er von der Empore herunter und plädierte für mehr Offenherzigkeit. Er spielte zu diesem Behuf zwei Einlagen auf dem Monochord.
Hat die Orgel im Gottesdienst geschwiegen? Nein, aber sie pfiff aus dem letzten Loch. Nach der Feier stürmte ich empört auf die Empore, um mich nach dem Grund dieses miesen technischen Zustands zu erkundigen. «Ka Geld, sägets», meinte der diensthabende Student mit einer resignierten Handbewegung. Da sah ich wieder auf den Anschlag am Orgeldeckel, den ich auf Geheiss von Ekke anno 1965 verfasst und mit Klebstreifen festgemacht hatte:
«Nach der Übung/bitte/Schweller auf.» Der geneigte Leser wird sich vielleicht noch erinnern: von diesem Anschlag war schon in meinem letzten Bericht die Rede. Inzwischen sind die Originalklebstreifen dunkelbraun geworden, und das Grün des Filzstifts hat sich in ein mattes Gräulichbraun verwandelt. Vielleicht hätte ich damals noch draufschreiben müssen: «Bitte Orgel jährlich stimmen und warten lassen!» Aber wahrscheinlich hätte ich mir damit einen scharfen Verweis von seiten Ekkes eingefangen. .. Nochmals zur Veränderung: «Irgendwie kurios, dass ein simpler Anschlag ein teures Instrument wohl überleben wird.
Spotlight auf dem Kapuzinerfriedhof: «Scho varuckt, wa i dene Tipe alles gschteckt hät, ohni dass mers gmerkt hend!» sagte ein Kamerad, als wir gerade vor Gräks Grab standen. Ich musste ihm recht geben, zugleich aber anmerken, dass unsere Lehrer auch oft genug unsere Qualitäten nicht erkannt hatten. Gerade Schatulle war es, der mich, als von mir im «Antonius» ein offenbar gelungener Bericht über ein Kollegilager erschienen war, darauf ansprach mit den Worten: «Chaibe guet gsi, din Lagerpricht. War hät der gholfe? Haschen doch nöd älai gmacht. Chumm sägs doch!» - Ich zürne ihm nicht.
Ebenfalls an seinem Grab kam wieder seine Zigarettenmarke zur Sprache.
Dieselbe, wie heute die meine (Française, papier maîs).
Noch weniger ehemalige Lehrer als vor zehn Jahren gaben uns die Ehre. Einige sind wie gesagt gestorben, andere waren lediglich auf Aushilfe. Pater Deicola (über den ich mein Leben lang noch nie ein negatives Urteil hörte; von ihm ist mir übrigens auch kein Spitzname geläufig) entschuldigte sich schriftlich
- sein Gehörleiden verunmöglichte ihm eine Teilnahme. - Es gebürt dem Fedi («E Fläsche Höll, Frölain!») und dem Jimmi («Auf zu Gott, beim Teufel ist kein Trost, o charax!») umso grösserer Dank, dass sie trotz Verpflichtungen immer wieder zu uns stiessen.
Von Pater Ephrem (hat er einen Spitznamen? - Er ist uns nicht bekannt), von den anderen uns zum Teil neuen Kapuzinergesichtern, überhaupt vom Kollegi, wie es zur Zeit ist, hatte ich einen guten Eindruck. Es scheint eine gewisse «Neue Sachlichkeit» in diese Heiligen Hallen eingekehrt zu sein. Möge es so bleiben, denn diese Sachlichkeit hat für mich etwas mit Menschlichkeit zu tun. Leben und leben lassen. Christliche Erziehung mehr durch lebendiges gelebtes Zeugnis als durch Zwangsmassnahmen. Erkennen, «was im anderen steckt», und zwar auf beiden Seiten. So hätten wir's auch gern gehabt.
Es bleibt mir, allen zu danken, denen die uns eingeladen, empfangen und so grosszügig bewirtet haben. Denen, die diese Zusammenkunft organisiert haben. Und denen, die durch ihre Anwesenheit zum Gelingen dieses Treffens beigetragen haben. Eine Klassenzusammenkunft ist für die Betroffenen immer ein herausragendes Ereignis im Leben, ein kurzes Innehalten, bei dem Vergangenheit und Zukunft einen Augenblick lang wie in einem Ringkampf reglos ineinander verkrallt sind. Dann ein Ruck, und einer wird siegen. Ich denke, es ist die Zukunft.
Erwin Messmer


Kollegium St. Antonius in Appenzell, ca. 1990, rechts das uns nicht zugängliche Kloster mit dem Klostergarten

25 Jahre Maturi 1971 in Appenzell 1996

Maturi 1971. Vor dem Kollegium St. Antonius Appenzell. 25 Jahr-Jubiläum. Vorne Pater Ferdinand Fuchs. In der Mitte Pater Bernward Muff. Niklaus Wild mittlere Reihe zweiter von rechts. 1996.

 


40 Jahre Maturi 1971 im Jahre 2011 in Appenzell

Die Treffen mit den Maturakollegen fanden so alle 10 Jahre statt. Ich nahm nicht immer teil. An jenes in Weissbad im Jahre 2011 (40 Jahre Matura) mag ich mich erinnern. Wir trafen uns im Restaurant Schäfli etwas ausserhalb von Appenzell nach dem Schwimmbad. Wir machten einen kleinen Spaziergang in der Gegend. Von jenem Treffen gibt es keine Gruppenfoto, sondern nur Einzelfotos, leider in ungenügender Qualität. Die Fotos zeigen uns auch im Klostergarten. Br. Ferdinand Fuchs war dort dabei.


45 Jahre Maturi 1971 im Jahre 2016 in Gais/Appenzell

Am 4. Juni 2016 (45 Jahre) habe ich ein Treffen organisiert. Wir trafen uns in Gais am Dorfplatz, wanderten nachher über die Ebene beim Sammelplatz hinunter zum Rank. Christa Ebneter hat uns in ihrer Wohnung in der Nähe zu einem reichhaltigen Apéro eingeladen. Anschliessend besichtigten wir das Wetterstudio der MeteoGroup, das ursprünglich 1990 beim Gäbris von Wetterfrosch Jörg Kachelmann gegründet worden ist. Ein Bruder von Thomas Kurer war im Verwaltungsrat. Das Abendessen haben wir im Restaurant Freudenberg eingenommen. Dort habe ich eine 'Befindlichkeitsrunde' organisiert, jeder hatte 3-5 Minuten Zeit aus seinem Leben zu erzählen. Ich habe dies gut gefunden. Es gibt so Anknüpfungspunkte für Gespräche. 




Maturi 1971 am 4. Juni 2016 in der Nähe der Haltestelle Hirschberg oberhalb Appenzell beim Wetterstudio MeteoGroup.
v.l.n.r.: Eugen Horber, Sepp Habermacher, Peter Schmid, Christa Ebneter, Marco Studer, Urs Braschler, Paul Zimmermann, Felix Sigrist, Thomas Kurer, Niklaus Wild, Roland Brogli, Br. Josef Haselbach, Walter Brunner, Erwin Messmer. 

 

 

Paul Zimmermann, Walter Brunner, Eugen Horber. Beim Kaffee in der Krone in Gais AR. 4. Juni 2016.

Paul Zimmermann führe ich hier speziell auf. Er bekam keine Einladungen via E-Mail zu den Treffen. Er ist irgendwie untergegangen. Er wohnte allerdings immer am gleichen Ort. Ich habe ihm die Einladung in seinen Briefkasten gelegt und siehe da, er hat sich angemeldet. Er war nicht der einzige, der digital verloren gegangen ist. Bei Urs Braschler bin ich ähnlich vorgegangen. Jenes Jahr war für uns der Beginn der AHV-Bezüge. Die E-Mail-Adresse vom Geschäft war nicht mehr aktiv und so gingen etliche Kontakte verloren. Ich habe damals die Adressliste aktualisieren können, allerdings mit einigem Aufwand.

Speziell führe ich auch Thomas Kurer v/o Smile auf. Mit ihm konnte man sich gut über Immobilienentwicklung sprechen. Im Jahr 2000 war ich an einem Seminar in Hotel Zürich. Thomas war auch anwesend. Auf einer der dort aufliegenden Periodika war er auf der Titelseite abgebildet. Er ist in Zürich aufgewachsen. Sein Vater war Inhaber der Apotheke beim Central. Er selber war der Sohn eines Apothekers aus Heiden, der durch seinen Geschäftssinn Reichtum und Ansehen erworben hat. Aufgewachsen ist Thomas am Zürichberg. Nach dem Tod seines Vaters hatte er die Villa zu räumen. Thomas studierte Architektur. Beruflich kennen gelernt habe ich ihn während meiner Zeit bei den SBB im Zusammenhang mit einem Gebäude beim Bahnhof Altstetten. Dort staunte ich über seine schnelle Auffassungsgabe bezüglich Immobilienentwicklung. Sein Büro hatte er an der Nordstrasse. Irgendwann realisierte ich, dass er beim von mir nicht sonderlich beliebten Shopping-Center Spreitenbach involviert war. Im Jahre 2010, Thomas war 59 Jahre alt, wurde unter ihm als Verwaltungsratspräsident das Shoppi Tivoli neu eröffnet. Während zehn Jahren wurden ca. 280 Millionen Franken investiert. Täglich besuchen 60'000 Kunden das Gebäude. 
Das Shoppi Tivoli ist neben dem Flughafen und dem Hauptbahnhof Zürich eine der wertvollsten kommerziellen Liegenschaften der Schweiz. Bei ersteren habe ich den Grundstein für den Erfolg gelegt bzw. weiter entwickelt. 
Thomas und mich bezeichnete man neudeutsch als Real Estate Developer. Heute gibt es viele davon, damals war wir noch seltene Wesen, die vieles ausprobieren durften bzw. mussten.
Als wir als Maturi die Firma Meteomedia besuchten, stellte er den Kontakt über seinen Bruder Martin Kurer, Wirtschaftsanwalt und im Verwaltungsrat dieser Firma von Jörg Kachelmann. 
Der andere Bruder, Peter Kurer, war eine Zeit lang Verwaltungspräsident der UBS.
Thomas hat seinen Steuersitz in Engelberg mitten im Zentrum.

 


50 Jahre Maturi 1971 im Jahre 2021 im ehemaligen Kapuzinerkloster Appenzell

Mehr als 50 Jahre nach der Matura präsentieren sich die fast gleichen wie folgt. Dieses Treffen habe ich organisiert während der Covid-19-Pandemie. Am Tag vor der Tagung wurden die Restriktionen gelockert. Bis dahin waren Zusammenkünfte von maximal zehn Personen erlaubt gewesen. Wir organisierten dies so, indem eine Gruppe sich draussen und die andere im Innern des ehemaligen Kapuzinerklosters getroffen hätte. Paul Zimmermann hat sich 2021 mit der fast vorwurfsvollen Bemerkung 'Während Corona nehme ich nicht teil' abgemeldet.

Maturi 1971, Refektorium ehemaliges Kapuzinerkloster Appenzell, Aufnahme 19. Juni 2021. Niklaus Wild hat seinen Kopf unter dem Kreuz und steht hinter der sitzenden Christa Ebeneter. Die Namen der anderen Personen sind im Text aufgeführt. © Marco Studer

Auf der Gruppenfoto von 2021 sind folgende Personen zu sehen:
Maturi 1971, Refektorium ehemaliges Kapuzinerkloster Appenzell, Aufnahme 19. Juni 2021. Von oben und von links:
Otto Husi, Josef Habermacher, Thomas Kurer, Erwin Messer, Peter Schmied, Josef Haselbach, Urs Braschler, Guido Sutter, Eugen Horber, Josef Manser, Niklaus Wild, Johann Brülisauer, Roland Sieber, Marco Studer, Christa Ebneter, Rosmarie Brogli
© Marco Studer

 

Mit Markus Frei, Roland Brogli, Marco Studer, Felix Sigrist, Johann Brülisauer, Josef Haselbach, Thomas Kurer pflegte ich gelegentlich Kontakt.
Marco Studer arbeitet im Kapuzinerkloster Wil, wo mein ältester Bruder seine letzten Monate (2021/2022) verbracht hat.
Im Architekturbüro von Felix Sigrist arbeitete meine Cousine Daniela Mahr-Wild (Tochter von Tony Wild).
Roland Brogli war Finanzdirektor Kanton Aargau und Chef eines Immobilienkollegen von mir. Im Internat bei den Rotachern hiess er Motta, im Leben wurde er seinem Vorbild gerecht. Er war ein Vollblutpolitiker, leider kurz nach seinem Rücktritt gestorben.
Markus Frei war bei den Kapuzinern eingetreten, hat dann Mägi geheiratet und wirkte mit ihr in Frauenfeld im Therapiebereich.
Josef Haselbach ist in leitenden Funktionen bei den Kapuzinern tätig.
Thomas Kurer war als Architekt im Immobilienbereich tätig.
Johann Brülisauer organisiert das Maturatreffen 2023 und suchte den Austausch mit mir.
Mit Aldo Traxler und Peter Gort habe ich leider keinen Kontakt mehr, weil diese aus gesundheitlichen Gründen den Kontakt nicht mehr pflegen.

Bei solchen Treffen ist die Kalkulation des Beitrages immer schwierig. Ich habe von jedem Fr. 50.- verlangt, was Fr. 750.- ergeben hat. Ausgaben hatte ich für den Referenten Josef Küng Fr. 100.-, für das Refektorium Miete Fr. 100.-, für den Hauswart Fr. 25.-. Christa Ebneter und ihr damaliger Erich haben das Caterina gemacht. Christa war Haushaltlehrerin. Für alle Einkäufe (Quittungen) hat sie Fr. 425.-aufgewendet und als Dank habe ich ihr 500.- überwiesen. Da dank ihr der Anlass während der Pandemie gelungen ist habe ich den beiden einen Gutschein gegeben für das Restaurant Gupf in Rehetobel im Betrag von Fr. 250.-. Für mich resultierte damit ein ungedeckter Aufwand von ca. Fr. 250.-. Ich war froh, hat sich Johann Brülisauer für die nächste Tagung als Organisator gemeldet.


Matura-Treffen im Jahre 2023 in Stans im ehemaligen Kapuzinerkloster (heute Culinarium Alpinum)

Am 10. Juni 2023 trafen wir uns in Stans. Unser Maturakollege Johann Brülisauer hatte seinerzeit mit einem kleinen Unterrichtspensum im Kapuziner-Kollegium in Stans mit einer befristeten Anstellung begonnen. Daraus sind dann viele Jahre, nämlich sein ganzes Berufsleben, geworden. 
Der stolze Appenzeller, ehemals aus Haslen, zeigte uns Stans und das Kollegium. Das Mittagessen haben wir im Culinarium Alpinum genossen. Dies ist aus meiner Sicht eine erfolgreiche Umnutzung des ehemaligen Kapuzinerklosters. Dort hat übrigens mein Bruder Gandolf zwei Jahre seiner Ausbildung verbracht.


Gruppenfoto vom Treffen der Maturi 1971 in Stans am 10. Juni 2023 vor der Klosterkirche. Niklaus Wild ist der dritte von links.

 


Das Gruppenfoto zeigt die Teilnehmenden, das erste Mal ein Ehemaligentreffen mit Partnerinnen, auf der Treppe zur Klosterkirche.
Die Namen der Teilnehmenden von links nach rechts:
Vordere Reihen: Erwin Messmer, Niklaus Wild, Rosmarie Brogli (Witwe von Roland Brogli), Josef Manser, Annelies Sieber, Rosmarie Brülisauer, Marco Studer
Hintere Reihen: Peter Schmid, Roland Sieber, Guglielma Schmid, Felix Sigrist, Veronika Wild, Johann Brülisauer, Josef Habermacher, Eugen Horber, Josef Haselbach, Walter Brunner, Guido Sutter. 


54 Jahre Maturi 1971 im Jahre 2025 im Klostergarten des Wesemlin in Luzern

Am Sonntag 22. Juni 2025 trafen sich 21 Personen auf Einladung von Sepp Habermacher und Br. Josef Haselbach im Wesemlin Luzern. 15 Maturi der 24 lebenden waren anwesend, vier davon begleitet von ihren Partnerinnen, wie auch zwei Witwen. 

Dieses Mal habe ich den Organisatoren angeboten, allen eine Fotokarte mit den aktualisierten Adressen zu versenden. Weil Erwin für mich überraschend einen 'Tagungsbericht' verfasst hat, habe ich diesen auch allen versandt, gedruckt und elektronisch. Es gab etliche positive Rückmeldungen auf die Tagung, die bei schönstem Wetter im Klostergarten stattgefunden hat. Beim unten aufgeführten Kaleidoskop hat mich erstaunt, wieviel Erwin Messmer und z.B. auch Johann Brülisauer noch wissen. Es war ein harmonisches Zusammensein. 


Klostergarten Wesemlin, Sonntag 22. Juni 2025, v.l.n.r:

Guido Sutter, Markus Frei, Veronika Wild, Br. Josef Haselbach, Niklaus Wild, Rosmarie Brülisauer, Urs Braschler, Josef Osterwalder, Roland und Annelies Sieber, Peter Schmid, Erwin Messmer, Rosmarie Brogli, Felix Sigrist, Marco Studer, Sepp Habermacher und Margrit Macek, Christa Ebneter, Walter Brunner, Josef Manser, Johann Brülisauer

 

Maturi 1971. Namen der 28 Maturi. Adressen, Todesdaten, Witwen, PartnerIn. Nachgeführt am 10. September 2025. Elektronisch versandt an alle auf der Liste.

 

 

Bibliothek Kapuzinerkloster Wesemlin in Luzern, 22. Juni 2025, v.l.n.r.: Felix Sigrist, Niklaus Wild, Christa Ebneter, Veronika Wild, Rosmarie Brogli, Josef Manser, Guido Sutter, Josef Osterwalder, Sepp Habermacher, Erwin Messmer, Johann Brülisauer, Br. Josef Haselbach, Roland Sieber, Urs Braschler, Walter Brunner, Rosmarie Brülisauer, Annelies Sieber, Markus Frei.


 

Maturi 1971. Treffen am 22. Juni 2025 in Luzern. 

Ein Kaleidoskop von Erwin Messmer

 

Es ist Nico, der mich auf dem Weg vom Kloster Wesemlin hinunter zum Restaurant Helvetia darauf anspricht, nämlich auf meine Notizen im «Antonius» zu unserem 20-jährigen Maturatreffen in Appenzell. Anno Domini 1991. Mein Gott. Dreissig Jahre ist das her. Das ist ja direkt historisch.

Er habe diesen Text wieder gelesen, sagt Nico, und er habe ihm gefallen. Witzig, spritzig, kritisch.

Die Dinge aus mehr als einer einzigen Optik betrachtet. 

Sozusagen dialektisch, habe ich verstanden. Danke fürs Kompliment, Kamerad!

Sepp geht neben uns her. Wir nannten ihn Habakuk, weil sein Nachname auf Habermacher lautet. Ein stiller Bursche, damals wie heute, aber hellwach. Ebenso schweigsam wie aufmerksam hört er uns zu. 

Ich war ohne grosse Erwartungen nach Luzern gefahren, schliesslich hatte man sich vor zwei Jahren in Stans schon getroffen. Immerhin fünfmal weniger Zeit als die früher geltenden zehn Jahre ist seitdem vergangen. 

(Wie man sieht: auch ich habe im Kollegi rechnen gelernt). 

Dennoch: Vorfreude. Besonders, weil ich diesmal ganz unbeschwert, ohne belastendes Ämtchen, antreten konnte. Kein Orgelkonzert wie letztes Mal in der Pfarrkirche Stans. Diesmal hatte ich keine Charge. Wie schön!

Wie man sich täuschen kann!

Nico richtet im unaufdringlichsten Plauderton die doch nicht ganz undringliche Bitte an mich, doch wieder einen solchen Bericht zu schreiben. Er würde sich sehr freuen. Ich ächze und stöhne.

Man trifft sich am späten Vormittag, um 11 Uhr im Café des Kunstmuseums, im 4. Stock des KKL. Ich bin recht pünktlich, mein Zug ist um 11 Uhr im benachbarten Hauptbahnhof angekommen. Das akademische Viertel habe ich «im Fall» eingehalten. Aber mit wenigen Ausnahmen sitzen schon alle da. 

Jeden und jede erkenne ich auf Anhieb. Sogar die richtigen Namen fallen mir im richtigen Moment wieder ein (nicht ganz selbstverständlich in meinem Alter).

Jeden und jede? Ja, auch einige Frauen sind dabei. Witwen von verstorbenen Kollegen. Ehefrauen von immer noch quickfidel lebenden ehemals Reifen.

Die hätten wir im Kollegi auch gern gehabt: Frauen! Pardon, Mädchen natürlich, Nicht bloss Schwester Afra oder Schwester Humilitas.

Sieht man sich alle zehn Jahre einmal, ist das aufregend. trifft man sich nun plötzlich alle zwei Jahre wieder, hält sich die Spannung in Grenzen. Es ist fast wie ein Nachhausekommen nach einem strengen Arbeitstag. 

Im Vergleich zu früheren Treffen hat die Vertrautheit untereinander zugenommen. Es ist fast wieder wie weiland im Kollegi. Und doch gibt es da einen wichtigen Unterschied: Das Einfühlungsvermögen, die gegenseitige Achtung und Wertschätzung ist ebenfalls gewachsen, während das Ego des Einzelnen gelernt hat, sich selbst zu relativieren.

Eigentlich haben die Kameraden sich nur wenig verändert. Ich bin verblüfft, wie jung sie alle – «trotz allem» – noch aussehen. Oder genauer: Sie «wirken» noch wie zur Maturazeit. Wenn auch etwas reifer als damals jene «Reifen». Okay, teils etwas verschrumpfelter, teils mächtig gerundeter und verbreiterter als früher. Aber die sogenannte Aura eines jeden ist immer noch dieselbe. Rätselhaft, diese Balance zwischen Individuum (ungeteilter Persönlichkeit) und Wandel. 

Nochmals: Das akademische Viertel! Im Kollegi war uns dieser Begriff noch unbekannt. Wehe, wenn man um 6.10 Uhr, beim zweiten Schrillen der verhassten Glocke – (zur Tagwach hatte sie uns schon um 5.50 Uhr aus dem Schlaf geklirrt) – im Studiensaal nicht an seinem Pult sass! Fiff pfiff mich an, wenn ich ein paar Sekunden zu spät die bereits geschlossene Tür aufriss, aber das tat er sowieso fast jeden Tag, mehrmals. An eine Strafe erinnere ich mich nicht. Also doch nicht «Wehe wenn...»? 

Immerhin kann ich mich nicht an körperliche Züchtigung erinnern. Die Kapuziner waren schliesslich fast alle Priester. Die Nächstenliebe!

Auch seelische Schmerzen tun weh. Eine Einsicht aus Kollegijahren.

Nachdem die Zeitungsspalten während Jahren voll sind von Berichten über sexuellen Missbrauch in Internaten und im kirchlichen Umfeld überhaupt, fragte ich mich manchmal, ob solches in Appenzell auch vorkam. Ich jedenfalls kann mich an nichts Derartiges erinnern, obwohl gewisse «Braune» im Unterricht dem einen oder andern Knäblein bisweilen auf ironisch verbrämte Weise ein wenig gar nahe kamen. Aber dabei blieb es, darüber sind wir uns einig, als das Thema im kleineren Kreis zur Sprache kommt. 

War halt schon eine verrückte Welt, diese reine Männerwirtschaft.

In der angeregt Kaffee trinkenden und plaudernden Runde zwei ehemalige Kapuziner. Der eine nach wie vor mit anspruchsvollen sozialen Aufgaben unterwegs. Ein Kopf nach alter Kapuzinerart, unverändert: ringsum viel Haar, nicht einmal besonders grau. Ein anderer ist trotz Austritt aus dem Orden Klosterbruder geblieben, aber einer im wörtlichen Sinn: Auf echt brüderliche Weise engagiert er sich in seinem angestammten  Kloster von früh bis spät als Faktotum und Krankenpfleger. Ein Segen, vor allem für die uralten, hinfälligen Brüder. Gibt es überhaupt noch junge? 

Der Kaffee und die Gutis dazu sind bezahlt. Von wem? Der Dank für alles folgt später.

Um 12.15 Uhr Transfer per Bus Nr. 7 zum Kloster Wesemlin. Dieser Name sauste in meinen Ohren damals als Klang nach Grosser weiter Welt (später, zur Maturazeit, erfuhr dieser Klang eine Umwandlung: «Fribourg!». Weiter brachte es mein Welthorizont damals noch nicht). Im Wesemlin lebten zu jener Zeit die «aufgestellten», die jungen Kapuziner, Roger Moser zum Beispiel, oder Franz Rechsteiner. Auch ein junger Mönch namens Claudius, man nannte ihn Claudi. Die waren im Kollegi leider nicht «unser täglich Brot». Aber zwischendurch brachten sie doch frischen Wind ins Haus, sei es durch einen Vortrag, sei es mit einem Konzert Violine/Klavier im Theatersaal, oder mit der Leitung der jährlich stattfindenden Exerzitien. 

Roger Moser, mein wichtigster Mentor in der Pubertätszeit und in meinem jungen Erwachsenenalter, leitete jedes Jahr, zusammen mit dem herzensguten fistelstimmigen Pater Spiritual, das Kollegilager. Über diese Lager könnte man ein ebenso erbauliches wie erheiterndes Buch schreiben, nicht zuletzt dank Roger (der später, wie fast alle andern, dem Kloster entwich, heiratete und Vater wurde).

Einer der wenigen, die blieben und nicht heirateten, ist Bruder Josef.

Heute nennen sie sich Bruder, nicht mehr Pater. Und lassen ihre braunen Kutten mit dem weissen Strick um den Bauch im Schrank. Oder sind diese bereits in der Garderobe des Stadttheaters gelandet?

Unser Zeichnungslehrer, Pater Polykarp. Gott hab’ ihn selig! Ich mischte eifrig die Wasserfarben, um meinem mit Ach und Krach gezeichneten Hohen Kasten die möglichst adäquate Tönung zu verleihen. Schon war ich mit dem Pinsel beinahe durch. In meinem Rücken plötzlich Polys Stimme, vorwurfsvoll: «Mesmer, wa isch daa?» –«Ä Ggmisch» antwortete ich, leicht verunsichert. «Jo än Mischt ischäs», und schon fuhr er mit dem nassen Tafelschwamm über mein Gemälde. Mein Frust spiegelte sich im brutal durchnässten und mehrfach gewellten Zeichnungsblatt. Immerhin, dass ich früh den Reiz von Wortspielereien entdeckte (Ggmisch – Mischt) habe ich diesem pädagogischen Haudegen zu verdanken. 

Ganz anders Maurus, der für einige Wochen aus dem Wesemlin angereist kam, um den erkrankten Pater Polykarp zu vertreten. Wir mussten einen Schuh abzeichnen. Noch heute erinnere ich mich, wie Maurus uns erklärte, die Rundungen des Schuhs müssten optisch eine Spannung erzeugen. Meinen Schuh lobte er sehr. Das war mein einziges Erfolgserlebnis als bildender Künstler. Denn bald waltete Polykarp wieder am Katheder.

In einer länglichen, an beiden Breitseiten offenen Scheune vor dem Klostergebäude lassen wir uns nieder. Fantastischer Blick auf den Pilatus! Sepp Habermacher und seine Frau Margrit haben ein wunderbares marokkanisches Buffet bereitgestellt. An langen Tischen geniessen wir die delikaten Häppchen.

Peppi (Prof. em. Dr. med., ehemaliger Chefarzt Chirurgie im St. Galler Kantonsspital). Eigentlich fällt sein Urteil über die Kollegizeit recht moderat, ja schon fast anerkennend aus. Mit einer Einschränkung: Das grösste Problem war ihm der grässliche Frass Tag für Tag. Fast nicht zum Aushalten! Ohne die regelmässigen Fresspäckli von zu Hause wären er und viele andere wenn nicht physisch, so doch psychisch stark angeschlagen «ins Leben entlassen» worden. 

Psychische Angeschlagenheit als Folge der Kollegijahre liess sich allerdings bei manchen von uns trotz der Fresspäckli nicht ganz vermeiden. Selbst zähle ich mich ohne Scham auch zu dieser illustren Gruppe.

Unser Klassenkamerad Josef Haselbach. «Haaaaselbach?» Mit diesem langen a wurde er jeweils in der Algebrastunde vom leicht sadistischen Pater Kletus aufgerufen. Haselbach zeigte sich ihm in jeder Hinsicht gewachsen, wenn nicht gar überlegen. Er war derart talentiert in Mathematik, dass er es sogar zustande brachte, mir zahlenstutzigem Stümper in privaten Nachhilfestunden die neusten mathematischen Gebiete sozusagen plausibel auf dem Plättchen zu servieren. Heute ist Hasi Provinzial, Vorsteher der Schweizer Kapuzinerprovinz. Wenn auch nicht mehr lange. Im September darf er endlich in den Ruhestand treten. Er ist gespannt, wohin man ihn dann schicken wird. Sein Wunschkloster wäre Wil. Aber nicht einmal ein so hochverdienter Mitbruder wie er darf selbst bestimmen, wo er seinen Lebensabend verbringen wird.

Gesättigt nehmen wir unter Bruder Josefs Führung die Besichtigung des Klosters in Angriff. Zu diesem Zeitpunkt weiss ich noch nicht, dass ich darüber schreiben soll, darum passe ich, wie früher in den Latein- oder Griechischstunden, nicht besonders gut auf. Aber immerhin bekomme ich mit, dass das Kloster heute auch eine Möglichkeit für klosternahes Wohnen im Angebot hat, und dass Teile der Klosterliegenschaft inzwischen vom Ärztezentrum MEDICUM WESEMLIN genutzt wird. 

Im Meditationsraum des Klosters (ehemaliger Andachtsraum der Klosterbrüder während der Messe hinter dem Hochaltar) wartet Pater Provinzial, alias Bruder Josef, zusammen mit einer Gitarristin zu einem kleinen Begrüssungskonzert auf. Pater Provinzial an der Querflöte! 

Die barocken Klänge verzauberten unsere offenen Herzen.

«Häsch du etz Üebigsschtund?» Ich war gerade dabei, einen Sonatensatz von Mozart zu üben, als Ekke (Pater Ekkehard, unser Musik-Kapuziner), die Tür zum Klavierzimmer aufriss. «Nein», stammelte ich. «Dann pack sofort zusammen. Raus mit Dir!» Diese musikalischen Rückzugsorte waren in der Freizeit meist unbesetzt. Trotzdem war es strengstens verboten, ausserhalb der täglichen halben Stunde, für die man eingeschrieben war, sich dort aufzuhalten. Wenn ich dort illegal übte (und selbstverständlich tat ich das weiterhin), dann immer mit der Angst im Rücken, erwischt und rausgeworfen zu werden.

Was für eine prächtige, eindrückliche Bibliothek im Kloster Wesemlin! So viel selten konsultierter Geist, zusammengerafft zwischen monumentalen schweinsledernen Buchdeckeln! Und rundherum hängen die päpstlichen Nuntien, blicken stumm und streng auf diese Welt des Geistes und der Frömmigkeit herab. Gegründet wurde sie 1585 vom Klostergründer Kaspar Pfyffer. Besonders beeindrucken uns die wunderschön gestalteten Bibelübersetzungen, darunter die erste in deutscher Sprache von Johannes Mentelin. Dicke Bücher, Seite für Seite von Hand gesetzt (wir dürfen in den Büchern ohne Handschuhe herumblättern) und mit wunderschönen Illustrationen geschmückt. Ebenfalls ein dickes Buch, in welchem beispielsweise die Stadt Basel porträtiert ist oder der Rückzugsort von Bruder Klaus, dieser legendäre Ranft, erregt unsere besondere Aufmerksamkeit.

An freien Nachmittagen trafen wir uns, einige besonders mutige Kameraden und ich, trotz strengsten Verbots von Seiten unseres Präfekten Pater Nikolaus (Fiff), in der 

Studentenbude eines älteren Kollegen. Dort fand der allwöchentliche «Literarischen Zirkel» statt, ganz oben im sogenannten Lizeums-Stock. Wir lasen gierig H. C. Artmann, Ernst Jandl, Günter Eich, Max Frisch, Martin Walser und viele andere aktuelle zeitgenössische Autoren. Erholung vom verstaubten Deutschunterricht bei Pumpe (Pater Nivard), um Wolfram von Eschenbach, Walter von der Vogelweide, Gotthold Ephraim Lessing und Konsorten zwischenzeitlich zu vergessen. Heute bedauere ich es, von diesem Unterricht ein ganz falsches Bild der älteren deutschen Literatur erhalten zu haben. Wir waren einfach noch viel zu grün hinter den Ohren, um dem monotonen Vortrag des Professors die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Inzwischen hat in meinem Hirn, schon seit Jahrzehnten, ein permanenter Entstaubungsvorgang eingesetzt. Ähnlich der Aktion, wie ihn Johann Brülisauers Stanser Studenten unter seiner Leitung während Wochen durchgezogen hatten: Entstaubung (im Wortsinn) aller Bücher in einer der national bedeutendsten Bibliotheken der Schweiz, dieser Bibliothek des Kapuzinerklosters Wesemlin.

Auf dem Rückweg zu den Tischen in der Klosterscheune auf vielseitigen Wunsch auch noch ein Abstecher zum Friedhof, kapuzinertypisch angelegt in einem kleinen Innenhof. Wie schon vor dreissig Jahren in Appenzell gilt es auch diesmal wieder einige erheiternde Reminiszenzen an die längst Verblichenen neu zu beleben. Aber es herrscht nicht mehr ganz dasselbe Hochgefühl wie damals vor dreissig Jahren, nämlich nun über einigen unserer ehemaligen Lehrer und Erzieher zu stehen, anstatt unter ihnen zu schmachten. Mittlerweile nähern wir uns doch alle selbst mit zunehmender Geschwindigkeit der Schwelle zu jenem Reich, in welchem es weder ein Darüber noch ein Darunter geben wird.

Kaffee und Kuchen in der angenehm luftigen Scheune (wir hatten für unser Treffen einen heissen, sonnigen Sommertag erwischt). Erinnerungen und ergötzliche Episoden machen die Runde. Erstaunlich, wie selektiv Erinnerung beschaffen ist. An manche Geschichte, die zum Besten gegeben wird, kann ich mich nicht mehr erinnern. 

Dafür weiss Urs Braschler zu meinem Erstaunen nichts mehr von unserem gemeinsamen Abenteuer, das ich in geselliger Runde noch immer gern erzähle: Als Pater Klemens Maria Kriech (alias Pater Spiritual) mit Gelbsucht im Spital lag, entwischten Urs und ich eines Nachts aus dem Schuhkeller durch einen Schacht ins Freie und marschierten bei Mondenschein zum Spital. Wir kletterten auf den Balkon im ersten Stock, die Glastür zu Spiris Zimmer stand einen Spalt offen, im Nu waren wir mitten drin und der Schein des Vollmonds wies uns den Weg zum Krankenbett. «Grüezi Pater Schpirituaal, we gohtsänä?» Spiri schoss aus seinem Laken hoch, tastete nach dem Schalter seines Nachttischlämpchens, jäh standen wir wie Erscheinungen aus dem Jenseits an seinem Bett, und Spiri bekam vor Schreck fast eine Herzbaracke. «Was machäd ir doo», fistelte er aufgeregt im Flüsterton, «gönd sofort zrugg is Kolegi. Im Näbätzimmer liit dä Tokter Stäuble, är isch i dä Matuurakommissioon. Wenn dää öppis dävoo mitüberchunnt, chönder p’ Matuura gad vägässä.» Wir verabschiedeten uns artig und entschwanden via Balkon wieder in Richtung Kolegi. Doktor Stäuble schlief ahnungslos weiter, und die Matura haben wir jedenfalls geschafft. Zumindest daran erinnert sich auch Urs noch bestens.

Nach Kaffee und Kuchen in der Scheune werden alle Bänke zu einer Art Rhombus (oder Rhomboid, welches ist der richtige geometrische Fachausdruck, lieber Hasi?) zusammengerückt. Der Reihe nach berichten wir alle über das, was in unserem Leben momentan Sache ist. Viele sind trotz Ruhestand noch immer mit atemberaubenden Projekten unterwegs. So zum Beispiel Beppi mit der Sanierung eines hoffnungslos verrotteten Spitals in Havanna. Besonders gut gefiel mir der Beitrag von Roli Sieber, eines der belesensten Kameraden in unserer Runde. Er erzählte vom täglichen Jass mit seinen Kumpels in Mels. 

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ein Satz, den ich schon oft gelesen habe.

Das Kollegi funktionierte zu unseren Zeiten weitgehend als ausgeklügeltes Kontrollsystem. Aber dieses System immer wieder mal zu unterlaufen, das war während Jahren ein Hauptspass und damit eine unserer Lieblingsbeschäftigungen. 

Am Anschlagsbrett im Flur mit den bedrohlich steifen Kunz-Bildern brachten wir periodisch insgeheim ein Zettelchen an, auf dem stand: «Club Diagonal. Unterredung mit Perrenoud. Mittwoch 15 Uhr. Treffpunkt bekannt». Ein gezackter und mehrfach geknickter Pfeil, diagonal mit rotem Kugelschreiber über das Zettlechen hingezeichnet, illustrierte den obskuren Hinweis. Das Flammenmeer der Pariser 68er-Bewegung hätte jederzeit auch über die Kollegimauern schwappen und in der wohlgeordneten mittelalterlich strukturierten Institution ein Chaos anrichten können. Es dauerte jeweils keine Stunde, bis dieser bedrohliche Aufruf wieder entfernt war. Fiff, der das Anschlagsbrett täglich seinem Kontrollblick unterzog, muss jeweils Blut geschwitzt haben. Er thematisierte die Verschwörung auch mehrmals im Studiensaal. Aber wir sassen immer wie Unschuldslämmer an unseren Pulten und schwiegen. 

Erstaunlich früh schon hatten wir den Reiz von Fake News entdeckt, obwohl dieses Schlagwort noch während Jahrzehnten niemandem bekannt sein sollte. Wir hatten unseren geheimen Spass daran.

Im lauschigen Kastaniengarten des Restaurant Helvetia versammeln wir uns zum Abendessen. Die Kollegikost haben wir längst ins Reich der eher unappetitlichen Erinnerungen verbannt. Jeder bestellt das, wonach er Lust hat. Dazu ein Bier oder einen erlesenen Wein. Am Nachmittag hatte uns Dr. Joseph Osterwalder, unser Beppi, in eindrücklicher Weise einen kurzen Abriss seiner jahrelangen Forschungsarbeit zur heute vielbesungenen gesundheitsschädigenden Wirkung auch nur eines Gläschens Alkohol präsentiert. Alles Propaganda im Dienste der WHO, deren erklärtes Ziel es ist, den Alkoholkonsum weltweit bis im Jahr 2050 auf Null zu senken. Aber wissenschaftlich völlig unhaltbar! Die Kapuziner in ihren dunkelbraunen Refektorien sind mit ihrem täglichen Gläschen Wein zum Mittagessen rehabilitiert. Und wir an diesem lauschigen Abend unter Kastanienlaub desgleichen.

Ein herzerwärmendes, in allen Belangen gelungenes Treffen alter Zöglinge des Kollegiums St. Antonius Appenzell, reif geworden im hervorragenden Weinjahr 1971, neigt sich seinem Ende entgegen. Unser Dank gilt dem Organisationskomitee: Margrit und Sepp Habermacher sowie Bruder Josep Haselbach für ihren grossen Einsatz. Allmählich löst sich die Gruppe tröpfchenweise in Richtung Hauptbahnhof auf. Mit grosser Vorfreude auf die nächste Zusammenkunft in zwei Jahren. In alter Frische werden wir uns dann wieder in den heimischen Gefilden am geliebten Alpstein treffen.

 Erwin Messmer


56 Jahre Maturi 1971 im Jahre 2027 ev. im ehemaligen Kloster Wonnenstein

Das nächste Treffen wird voraussichtlich 2027 stattfinden, und zwar in der Ostschweiz. Josef Osterwalder und Josef Manser werden uns zusammenbringen.

 






 

 

Unsere Lehrer waren Kapuziner
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8.  Langzeitgymnasium im Internat

Unsere Lehrer waren Kapuziner
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1968/1969 Lehrkörper am Kollegium St. Antonius in Appenzell. P in der Legende bedeutet Pater, Priester. In dieser Zeit besuchte Niklaus Wild die 5. Gymnasialklasse.

 


Meine Lehrer auf der Foto von links nach rechts, vordere und dann hintere Reihe, (von jenen in Klammer wurde ich nie unterrichtet) :
P. Deicola, P. Cletus, P. Tutilo, P. Egon, P. Dunstan, (P. Hesso), P. Silvan, P. Orest, P. Nikolaus
P. Bernward, P. Gedeon, P. Getulius, P. Klemens-Maria, (P. Adelrich), P. Waldemar (Rektor), P. Sebald, P. Rainer, P. Synesius, (P. Nivard), P. Gotthard, Bruno Dörig (Turnlehrer)

Meiner Erinnerung nach hatten wir als Präfekten auf folgende Kapuziner. Ein Präfekt hatte sein Büro und Zimmer neben dem Studiensaal und war für uns Ansprechperson: 
Unterstufe: P. Ferdinand Fuchs (1933 bis ). Er war ein Einheimischer
Mittelstufe: P. Nikolaus Fisch
Oberstufe: P. Bernward Muff (1934 - ). Er kam vom Luzernerland. Bei ihm hatte ich unter anderem Altgriechisch. Er war auch der Verbindungspapa zur Studentenverbindung Rotacher, der wir in den zwei letzten Gymnasialjahren beitreten konnten.
Spititual: P. Kajetan Kriech

An folgende Lehrer und Fächer mag ich mich erinnern:
P. Sebald Peterhans (1911 bis 2000). Bei ihm lernte ich die deutsche Sprache. Dies gereichte mir bei meinen Anstellungen zum Vorteil, vor allem bei der Elektrowatt und später im Kanton Basel-Stadt, wo unzählige Protokolle, Berichte, Anträge an den Stadt- oder Regierungsrat zu erstellen waren.
P. Tutilo Krapf (1915 bis 1996). Er bereitete uns zum Theaterspielen vor. Wir lernten die richtige Aussprache, unterstützt mit Atmung. Was mich damals erstaunte, so im 60. Altersjahr ging er in die Missionen, heute kann ich es nachvollziehen. 
P. Dunstan Dias. Bei ihm hatten wir ein Jahr lang, im 5. Gymnasial-Jahr, Geographie und Wirtschaft. Er machte nur eine Prüfung im ganzen Jahr und diese Note zählte für die Matura. Er kam.
P. Vivald Monnerat (1933 bis 2009). Französisch
P. Deicola. Chemie auf gute und verständliche Art. 

 

Das Kollegium Sankt Antonius in Appenzell war eine vom Bund anerkannte Privat- mit Maturitätsschule. Der Schüler und langjährige Lehrer am Gymnasium Josef Küng hat einen Teil der Geschichte dieser Privatschule in einem Buch niedergeschrieben und auch fotografisch festgehalten: Das Internat des Kollegiums St. Antonius Appenzell (1908 - 2020), Appenzell 2021 (184 S.). Die Foto des Schlafsaals und des Lehrkörpers stammen aus diesem Buch. Dort kann nachvollzogen werden, dass ich eigentlich in der Hochblüte der Schule unterrichtet worden bin. Das Verhältnis von Internen zu Externen war optimal, in meinem letzten Schuljahr 1970/71 z.B. 261 interne und 117 externe Schüler, dies auch zur Finanzierung des ganzen Unternehmens. Damals gab es noch nicht überall Kantonsschulen. Appenzell rekrutierte ihre Schüler meist aus eher abgelegenen und mit Kantonsschulen unterversorgten Gebieten. Meine Lehrer gehörten alle dem Kapuzinerorden an. 

Im Schuljahr 1965/1966 wurden im Kollegium über 300 Schüler unterrichtet, 111 Realschüler und 207 Gymnasiasten, wovon ich einer war. Insgesamt gab es 29 sogenannte Professoren, alles Kapuziner.

Die Schweizer Kapuzinerprovinz hatte 1967 800 Brüder. Schon damals wurde ein steigendes Durchschnittsalter festgestellt. Das Kapuzinerkloster erlebte in jenem Jahr mit 36 Patres und 9 Laienbrüdern seinen Höchststand. 

Von unserer Klasse traten nach der Matura drei Kollegen in den Orden ein: Josef Haselbach, Markus Frei und Marco Studer. Marco Studer trat während der Ausbildung zum Priester wieder aus. Er war nachher immer im Umfeld der Kapuziner tätig, am Schluss im Kloster Wil. Markus Frei ist 1982 ausgetreten. Bei seinem Einsatz in Ottenbach lernte er Mägi kennen und gründete mir ihr in seiner Heimatstadt Frauenfeld eine Familie. Josef Haselbach macht bei den Kapuziner Karriere, lange Jahre war er Guardian in verschiedenen Klöstern und bis 2025 war er als Provinzial der oberste Kapuziner in der Schweiz.

Bei meinem Eintritt ins Gymnasium war das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) im Gang. Am 3. Juni 1963 ist Papst Johannes XXIII gestorben. Er hatte Reformen losgetreten, die Hoffnungen aufkommen liessen. Sein Nachfolger, Papst Paul VI wurde am 21. Juni 1963 gewählt und hatte nicht mehr das gleiche Charisma. Am 8. Dezember 1965 war das Konzil beendet. Die für jedermann auffälligste Änderung war, dass der Priester die Messe mit Blick zum Volk – in deutsch – gelesen hat. In den Kirchen wurde meist ein neuer Altar zwischen dem bisherigen Altar (mit eingebautem Tabernakel) und den Kirchenbänken aufgestellt.

Im Jahr unserer Matura, 1971, wurden ab Herbst zum ersten Mal auch (externe) Mädchen unterrichtet.







Als ich 14 Jahre alt war und am 
Gymnasium studierte, hatte mein Bruder Gandolf (früher Albert) seine Primiz in unserer Kirche in Teufen am 11. Juli 1965. Bei der Primiz liest der zum Priester geweihte das erste Mal in seiner Heimat-Pfarrgemeinde die heilige Messe. Er war Kapuziner wie meine Lehrpersonen. Das zeigt die Verflechtung meiner Familie mit meinen Lehrern. Damals war ich noch auf dem gleichen Weg wie mein Bruder Gandolf.



Primiz von Gandolf Wild am 11. Juli 1965 in Teufen AR. Gandolf in der braunen Kapuzinerkutte und Niklaus Wild der dritte von rechts. Die Namen der anderen Personen sind im Text aufgeführt.

Auf dem Gruppenbild von links nach rechts mit den heutigen Namen als Verheirate: Pater Gandolf Wild (in brauner Kapuzinerkutte), Tony Wild, Maria Brabetz-Wild, Catherine Winteler-Wild, Josef Wild, Theres Reich-Wild, Mutter Maria Wild-Büchel, Monika Bucher-Wild (im weissen Kleid), Niklaus Wild, Vater Albert Wild, Martha Guerra-Wild

 

Matura, Berufswahl
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8.  Langzeitgymnasium im Internat

Matura, Berufswahl
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Neu für mich waren natürlich diese Sprachen, Griechisch, Latein und Französisch. Mit der Zeit spürte ich und auch die Lehrer, dass mir die naturwissenschaftlich-mathematischen Fächer näher lagen als die musisch-sprachlichen. Bei der Notengebung hatte das aber grosse Vorteile. In der Mathematik ist etwas richtig oder falsch. Wenn alle Aufgaben richtig sind, gibt es die beste Note sechs. Und wenn alle Aufgaben falsch sind, gibt es die tiefste Note eins. In den mathematischen Fächern hat man in einer Klasse schnell die Bandbreite von 1-6 verteilt auf die Schüler. Bei einem Aufsatz in Deutsch hingegen hatte der Beste vielleicht eine 5.5 und der schlechteste eine 3.5, aber eher selten eine eins aber auch selten eine Sechs. In der Schule bewegte ich mich im Mittelfeld. Für mich gab es herausragende Kollegen, die sehr gut reden und argumentieren konnten. Für mich waren das immer die besten. Ich selber war nie der Debattierer, ich habe zugehört und gab selten meine Meinung ab.

Bezüglich Notengebung war ich selber erstaunt beim Verteilen der Maturazeugnisse am 17. Juni 1971, reihte ich mich zu meinem Erstaunen doch ziemlich vorne ein. An der Matura gibt es nur ganze Noten. In den mathematischen Fächern kam ich so zu mehreren Sechsern, die bei den Hauptfächern sogar noch doppelt zählten. Kollegen, die in den Sprachen gut waren und in den mathematischen Fächern nicht so gut, mussten zum Teil auch eine doppelt zählende Note 3 verkraften. Im fünften Gymnasium hatten wir eine Lektion zum Thema Geographie. Der Professor, Pater Dunstan Diaz,  hat aus 'falscher' Rücksicht während des ganzen Jahres nur eine Prüfung gemacht. Die Fach war bekannt zum Ausruhen. Mir hat dann einmal ein höheres Semester gesagt, bei diesem Fach sei die Jahresnote auch die Maturanote, was ich zuerst gar nicht verstanden hatte. Nachdem ich es aber dann begriffen hatte, bereitete ich mich sehr gut auf die Prüfung vor, zumal mich das Fach auch interessierte. Dort schrieb ich dann eine sechs und diese Note stand auch im Maturazeugnis beim Fach 'Geographie'. 

Die Note 4 bei Deutsch ist erklärungsbedürftig, war ich doch im Deutsch sattelfest. Wir hatten einen guten und strengen Lehrer, Pater Sebald Peterhans. Bei einem Aufsatz habe ich die These vertreten, ein Krieg täte der damals schon gesättigten Schweiz gut, würden die Strukturen doch zerstört und müssten neu aufgebaut werden wie auch würden die Vermögen allenfalls besser auf die Einwohner verteilt. Diese These kam gar nicht gut an und führte zu dieser Note. Fazit: Wenn man einmal seine Meinung klar äussert, erntet das Kritik und gibt Abstriche bei der Beurteilung.

Maturazeugnis, Niklaus Wild, 17. Juni 1971

 


1971 Maturabüchlein, Seite von Niklaus Wild

Im von der Klasse verfassten Maturabüchlein hatte ich den Leitspruch 'Auch die Matura geht vorbei, vorbei geht auch die Matura' in einen Rahmen gesetzt. Kollegen fanden das damals etwas despektierlich. Ich wollte damit andeuten, dass die Matura nicht überhöht betrachtet werden sollte, sondern als Etappe in der Ausbildung. Unten sind noch die Kinderfotos von Josef Haselbach, Peter Gort, Erwin Messmer, Paul Zimmermann und Marco Studer aufgeführt.

Neben dem Maturabüchlein haben unsere beiden herausragenden Musiker Erwin Messmer und Aldo Traxler ein Maturalied aufgesetzt und mit Noten versehen. 

Maturalied von Erwin Messmer und Aldo Traxler, 1971

Nach dem Maturaessen im Allerseelenstübli, dem Esszimmer unserer Professoren, ging es nach Hause. Mein Vater holte mich ab. Ich mag mich erinnern, dass ich zuhause in der Stube auf der Eckbank sass und endlos weinte. Eine grosse Last ist anscheinend von mir gefallen mit dem Bestehen der Matura. Irgendwie war ich das den Eltern schuldig, haben sie doch einige Opfer auf sich genommen.




 

 

 

Freizeit, Briefträger, Reise nach Italien
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8.  Langzeitgymnasium im Internat

Freizeit, Briefträger, Reise nach Italien
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Reise nach Italien (aus Buch)
Mit Maturakollege Aldo Traxler nach Italien, er mit Vespa, ich mit Lambretta. Eine erste selbständige Reise ins Ausland.

In den langen Sommerferien verdiente ich Geld mit verschiedenen Einsätzen. Am ergiebigsten war die Zeit als Briefträger im Dorf. Wenige Wochen setzte ich für andere Aktivitäten ein. Es waren Erkundungen über mein angestammtes Gebiet hinaus, erste Gehversuche sozusagen.

Einmal arbeite ich zusammen mit Kollege Aldo Traxler am Rheinfall. Wir wohnten oben in einem Dachzimmer am Rhein und tagsüber bedienten wir Touristen aus aller Herren Länder am Kiosk im Schlössli Wörth. Das war eine besondere Zeit. Ich konnte meine Sprachkenntnisse üben. Dorthin reiste ich mit dem Töffli.

Ein andermal machte ich mit Schulkollege Felix Sigrist eine Tour mit dem Töffli ins Welschland. Am Treffen der Maturi am 22. Juni 2025 in Luzern hat er mir erzählt, wir seien damals in das Ferienlager des Kollegiums nach Les Breuleux im Jura gefahren. Wir machten Halt bei einer Familie Funk in Gockhausen, an das ich mich erinnern konnte. Er aber sagte, wir hätten noch meine Schwester Maria und Sergio Brabetz besucht. Er hätte ziemlich viel Alkohol getrunken und wisse nicht mehr, wie er wieder nach Gockhausen gekommen sei. 

Kollege Josef Habermacher habe ich im Luzernischen aufgesucht. Sein Vater betrieb ähnlich wie wir eine Milchsammelstelle mit Käserei. Beim Mittagessen durfte während der Nachrichten niemand nur ein Wort reden. Das war eine neue Erfahrung. Wir hatten kein Radio und konnten reden.

Mit Aldo Traxler unternahm ich mit meiner Lambretta, die ich von einem unserer Milchlieferanten abgekauft habe, eine Reise nach Italien. Über Bergamo reisten wir zu meiner Schwester Martha Guerra in Ravenna. Nachher machten wir Halt in Florenz, wo wir in Fiesole uns von Wein und Brot ernährten. Via Pisa ging es wieder nach Hause. Aldo Traxler kam von Bichelsee und hatte eine Vespa.

Das Foto vor meinem Elternhaus im Steigbach zeigt uns vor der Abfahrt. Das war am 29. August 1970. Von links nach rechts: Albert Wild, mein Vater, Maria Wild, meine Mutter, Aldo Traxler auf der Vespa, Niklaus Wild, Martha Inauen (*1965), Hans Inauen jun. (*1957), Regula Inauen (*1956). Die Personen auf der Lambretta sind meine Schwester Martha Guerra und ihr Sohn Antonio (*1968).



Im Vordergrund neben der Haustüre sitzt meine Grosstante Emma Büchel, die ihre letzten acht Lebensjahre (1965-1973) bei uns gewohnt hat. An diesem Platz sass auch mein Vater oft, wenn er auf die Bauern wartete, die ihre Milch zu uns brachten.


29. August 1970. Vespa von Aldo Traxler und Lambretta von Niklaus Wild. Vor der Abfahrt nach Italien (Ravenna, Florenz, Pisa).

 

***

Die geringe Ausbeute an Bildern von meiner Zeit am Gymnasium zeigt, dass der Besitz eines Fotoapparates zu jener Zeit nicht selbstverständlich war.



Am Sonntag hatten wir einmal die Idee, auf den Säntis zu gehen. Wir meldeten uns vom Mittagessen ab und liefen nach dem Gottesdienst los, so wie wir angezogen waren. Geld hatten wir generell wenig, brauchten aber normalerweise auch keines. Als wir auf dem Säntis oben waren, begann es zu schneien. Geld für die Luftseilbahn, Postauto und Bahn hatten wir keines. Die Wirtin im alten Bergrestaurant aus Holz spürte unsere Unsicherheit und kam an unseren Tisch. Sie gab uns dann die nötigen Kleider, Mützen und Handschuhe mit und erklärte, bei welchem Bauernhof wir diese in Wasserauen wieder abgeben sollten. Abends waren wir trotzdem rechtzeitig zum Nachtessen zurück. Für Kenner des Alpsteins war das eine ziemliche Leistung.

Im Winter gingen wir regelmässig skifahren. Das Kollegium hat für uns sogenannte ‚Bundeslättli‘ organisiert, neue Skis mit Kanten, aber einfach in grau gehalten. Damit der Bundesbeitrag floss, mussten wir gewisse Rennen bestehen. Im ersten Jahr nahm ich meine Ski von zu Hause mit, ohne Kanten und mit einer alten Bindung für ‚Wanderschuhe‘. Auf den eisigen Pisten gab es keinen Halt. Ski fahren musste ich lernen, war aber nie ein Könner und schwarze Pisten konnte ich nicht fahren. Ich blieb eher dem Stemmbogen treu, als dass ich elegant ‚gewedelt‘ hätte. Erst später in den Familienferien in der Lenzerheide bekam ich Freude am skifahren. 

Auf dem Bild sieht man den Skilift Sollegg, wo ich das erste Mal im Leben Skilift gefahren bin und dann meine ersten Erfahrungen auf nicht selber präparierten Skipisten machte.


1965 Appenzell im Winter, Skilift Sollegg, Kollegium mit Kapuzinerkloster am linken Bildrand

 

Im Kollegium schon fragte ich gerne andere aus. Ich wusste, wo sie wohnten und auch wann sie Geburtstag hatten. Geburtstage waren eine Spezialität von mir. Onkel Bisch, der Jesuit, hat ein System entwickelt wie man im Kopf den Kalendertag aus dem Datum bestimmen kann. Damals konnte man das noch nicht im Internet abfragen. Mein Vater hat mich in dieses Geheimnis eingeführt und ich bekam mehr und mehr Übung darin. Man musste einige wenige Zahlen im Kopf haben und ansonsten war es ein Zusammenzählen von Resten der Siebner-Reihe. So konnte ich einmal einem Mitstudenten nachweisen, dass ihm seine Eltern nicht den richtigen Kalendertag für seine Geburt mit auf den Weg gegeben haben. Er konnte es kaum glauben, fragte zu Hause aber nach, und gab mir nachher recht. Für mich war diese Übung vielfach ein guter Anknüpfungspunkt für Gespräche. Ich konnte auch erklären, warum die Ausserrhoder den alten Silvester wegen der Kalenderreform erst am 13. Januar feiern. 

Mit dem wenigen Sack Geld, das wir für Bleistifte und Bücher einsetzten, musste ich schon damals haushälterisch umgehen. Ich verbesserte meine finanzielle Situation durch Handel mit Büchern, die ich älteren Semestern abgekauft und jüngeren Semestern dann wieder verkauft habe. Oder ich führte die Bestellungen für einen Bücher-Verlag durch und war dann beteiligt am Umsatz. Auch fiel dem einen oder anderen Studenten sein Lineal aus dem Fenster. Ich sammelte diese Lineale, schlief sie zu Hause in unserer Werkstatt ab und verkaufte dann diese Lineale wieder an den Studenten für wenig Geld. 

In den langen Sommerferien arbeitete ich zuerst bei meiner Tante Martha Bischofberger in Appenzell. Sie führte mit ihrem Mann Emil Bischofberger im Haus Concordia, nicht weit vom Kollegium entfernt, ein Lebensmittelgeschäft. Ich brachte die Bestellungen zu den Kunden, füllte die Gestelle auf oder führte den Hund aus. Gewohnt habe ich bei ihnen im schönen Haus Concordia mit interessanten Inschriften über die Lebensabscnitte unter dem Hausgiebel. Mit dem verdienten Geld konnte ich den Klavierunterricht bezahlen. Der Unterricht fiel aber nicht sonderlich erfolgreich aus, also wegen mir und nicht wegen des Privatlehrers. 

Die langen Sommerferien waren unüblich und neu für mich. Ich bewarb mich wie viele andere auch bei der Post in St.  Gallen für eine Ferienarbeit. Antwort habe ich dann von unserem Posthalter Zimmermann von Bühler erhalten, der sehr interessiert an einer Zusammenarbeit war. Zu meinem Erstaunen durfte ich seine Briefträger in den Ferienzeit ablösen. Meine langen Ferien deckten meist alle Bedürfnisse ab. Alle waren zufrieden. Mit dem Töffli meines Bruders Tony konnte ich die Briefträgertouren elegant erledigen und war meist früh fertig, was mir eine längere Pause zu Hause ermöglichte, endete die Tour meist in meiner Umgebung. So lernte ich mein Dorf von einer ganz anderen Seite kennen. Ich durfte auch die AHV, damals noch in bar, verteilen. Ich war jeweils ganz nervös an diesen Tagen mit so viel Geld in meiner ledrigen Briefträgertasche zu haben. Meist gab es dann auch etwas zu trinken und ich erfuhr dies und jenes. Es gab natürlich auch eingeschriebene Briefe oder sogar Betreibungen zu überbringen. Damals wurden die Karten noch offen geschrieben und dies und das andere hat man dann auch gelesen. Diese Briefträger-Zeit habe ich in sehr guter Erinnerung. Es war der ideale Ferienjob für mich. Ich bin auch gut entlohnt worden. 




Johann Brülisauer führte eine Art Tagebuch. An der Maturatagung 2023 zitierte er daraus:
17. September 1970 Beginn letztes Schuljahr. Urs Braschler schmachtet in italienischem Gefängnis. Bundesrat Kurt Furgler interveniert, u.a.
13. Oktober 1970 Urs Braschler ist frei.
Diese Episode zeigte uns, wie schnell man im Gefängnis landet auf Reisen in anderen Ländern. Die ganze Klasse fieberte mit. Hinweis: Der Sohn von Bundesrat Kurt Furgler war in unserer Klasse.

Ich mag mich erinnern, dass wir wenige Male ins Kino im Hotel Hecht gegangen sind. Es lief der Film eines Mädchens, das von einem mysteriösen Mann vor der Schule entführt worden ist mit dem Titel 'Es geschah am helllichten Tage'. Des Weiteren sahen wir den Film von Pier Paolo Pasolini über das II.Vatikanische Konzil. Meiner Erinnerung schauten wir auch den Film 'Der Schatz am Silbersee'. Für mich war das jeweils faszinierend, bin ich doch ohne Radio und Fernsehen aufgewachsen und musste mich an das bewegte Bild gewöhnen.


Einmal besuchten wir das Stadttheater in St. Gallen als Klasse, wo wir die Carmen von Georges Bizet geniessen konnte. Das war für mich ein unglaubliches Erlebnis.

Bei Diskussionen hielt ich mich immer zurück. Ich hatte Mühe, meine Meinung kundzutun.


Hast du in deiner Jugend und später Sport getrieben? Oder dich zumindest dafür interessiert?
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9.  Meine Freizeit

Hast du in deiner Jugend und später Sport getrieben? Oder dich zumindest dafür interessiert?
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Spielen und den Alltag vergessen (26.2.24)

(Oase des Schreibens von Rosmarie Meier dell' Olive, 26. Februar 2024, Pro Senectute)

Lange meinte ich, eine karge Kindheit gehabt zu haben. Je älter ich werde, umso mehr wird mir klar, wie reich eigentlich meine Kindheit gewesen ist.
Aufgewachsen auf einem Bauernhof, der an einem Ort lag, wo mehrere Wege zusammenkamen und damals immer Menschen vorbeikamen und einen kleinen Schwatz abhielten. Mein Vater hatte als einer der wenigen damals ein Auto, einen US-Willy’s Jeep aus Armee-Beständen vom zweiten Weltkrieg. Wir waren immer informiert über alles, was in der Gegend nennenswertes passiert ist. Die Milchsammelstelle meines Vaters war eine Informationsdrehscheibe (heute könnte man von einer Chatgruppe sprechen).
Spielsachen im üblichen Sinne hatte ich oder meine Familie nur wenige. Meine Legosteine hatten in einer Ovomaltine-Büchse Platz und errichten genau zum Bau eines kleinen Hauses mit Schornstein und Dachlukarne. Auch hatte ich eine Blecheisenbahn mit zwei Wagen sowie Gleisbogen zum Bilden eines Kreises.
Aber eigentlich spielte ich mehrheitlich nicht in der ‚Wohnung‘, sondern draussen auf dem Hof oder in ungeheizten Räumen. Als gelernter Schreiner, ausgebildet in München, hatte mein Vater eine voll ausgerüstete Werkstatt mit Hammer, Stechbeutel, Bohrer, Hobel, Schrauben, Nägel, alles in verschiedenen Grössen, dazu Holz aller Art, Glas, etc. Es war ein Eldorado zum Spielen für mich. Stundenlang durchstöberte ich den Werkzeugschrank mit all seinen Schubladen und probierte alles aus. Dies meist bei Regenwetter. Ich durfte natürlich auch dabei sein, wenn der Vater etwas zusammenbaute oder flickte, z.B. unsere Holzbetten, Stühle, Tische oder wenn er für den Stall etwas reparieren oder einen Aufsatz auf den Anhänger neu machte mit all den Beschlägen und Tricks beim Zusammensetzen des Holzes ohne Nägel.
Wir wohnten am Dorfrand. Der Kindergarten wäre weiter weg gewesen als die Primarschule, mehr als ein 2 km langer Weg. Damals war der Kindergarten freiwillig, meine Geschwister und ich besuchten ihn nicht. Somit hatte ich zwei Jahre länger als heute eine wirkliche freie Kindheit.
Unser etwas mehr als 6 ha grosser Bauernhof war auf drei Seiten mit Bächen begrenzt, dem Föhren-, dem Steig- und dem Rotbach. Ich mag mich erinnern, wie wir jeweils mit ‚Baumaterial‘ bestückt in unseren Wald zogen und dort Nachmittage lang spielten, zuerst waren es Staudämme, später dann Wasserräder. Mit dabei war Helen, Tochter des Bodenlegers Widmer, Werner Roth von der Bleiche, meine Schwestern Catherine und Monika und später auch die im gleichen Hause Wohnende Cou-Cousine Regula Inauen. Einer Karawane gleich gingen wir auf einem kleinen Waldwegen zu unserem ‚Bauplatz‘ am Bach. Als Team waren wir unterwegs und die Staudämme wurden immer höher. Wir spürten schon damals die Kraft des Wassers und dass die Dämme nicht in den Himmel ragen können.
Mit meinem gleichaltrigen Werner Roth, der mit seiner Mutter und seinem Bruder Emil in der in Sichtweite ca. 400 m entfernt in der Bleiche in einer Wohnung wohnte, traf ich mich in der Mitte am Steigbach. Wegen eines Strassendammes verlief der Steigbach in einem kurzen begehbaren Tunnel und fiel dann als Wasserfall hinunter. (Später habe ich gelernt, dass bei Brücken flussabwärts immer eine Mauer gebaut wird, damit das Wasser die Brückenkonstruktion nicht unterspülen kann.) Wir bauten stundenlang unsere Flusslandschaften mit Dörfern, Brücken und Stauseen. Ich mag mich erinnern, dass uns jeweils unsere Mütter zum Mittag- und zum Abendessen riefen. Werner Roth zog dann leider weg ins Nachbardorf Gais und ich musste alleine den weiten Weg in die erste Primarklasse gehen. Das hat mir damals weg getan.

Weder ich noch die Nachbarskinder gingen in die ‚Ferien‘. Wir waren immer zuhause. Wir hatten natürlich auch unsere dem Alter angepassten Ämtli im Haushalt und im Hof.
An diese Freizeitaktivitäten mag ich mich gut erinnern wie auch unsere Spiele bei Regenwetter im Mehllager. Beim Schweinestall hatte es im Erdgeschoss Buchten für jeweils etwa 15-20 Schweine, insgesamt mästete mein Vater jeweils so um die 300 Schweine. Ich durfte mein Füttern helfen. Im Dachgeschoss mit seinen vielen Holzbalken wurde das Mehl für die Schweine gelagert in Jutesäcken, die mit einem Flaschenzug vom Lastwagen hinaufgezogen wurden. Im Mehllager hatte es viele Spatzen. Wir sprangen ihnen nach und machten Wettrennen, wer zuerst erschöpft aufgeben musste, meist waren es wir Kinder. Wir machten auch Versteck-Spielen oder Sackgumpen. Jeweils verging die Zeit immer schnell.
Am Sonntag-Nachmittag mag ich mich erinnern, kamen andere Kinder, auch vom Dorf zu uns zum Spielen. Wir umrundeten mit den Velos den Schweinestall oder spielten Völkerball. Manchmal machten auch die Eltern mit. Versteckis-Spielen auf einem Hof war interessant, gab es doch unzählige Nischen oder Dinge, hinter denen man sich verstecken konnte. Fangis war auch so ein Spiel, bei dem man zum Schwitzen kam. Bei uns war immer etwas los, wir mussten daher nie weg, denn an Langeweile kann ich mich nicht erinnern.
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9.1.  Meine Freizeit – Lesen.
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Zum Thema Lesen habe ich eine kleine Geschichte:

Lesen von Büchern - Blanca Imboden schafft es

Unvorhersehbare Zusammenhänge aus einzelnen Begebenheiten
Vorauszuschicken ist, dass ich der Erinnerung nach mein erstes Buch ohne Bilder mit ca. 12 Jahren gelesen habe, es hatte glaub’ ich 62 Seiten. Damals war ich ein wenig stolz auf mich. Meine Schwestern haben damals dicke Bücher gelesen, an die ich mich nie herangewagt habe.
In meinem Leben habe ich neben der Pflichtlektüre von Literatur am Gymnasium vor allem Berichte und Fachzeitschriften gelesen.
Und jetzt, 60 Jahre nach meiner ersten Leseerfahrung kommt eine Blanca Imboden aus der Innerschweiz und bringt es fertig, dass ich ihr Buch mehr oder weniger in einem Zug lese. Vor einigen Jahren habe ich das mir von einem Architekten (HIT) empfohlene Buch ‚Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand‘ von Jonas Jonasson in einem Zug gelesen.
Im Juni 2023 war ich mit den Kulturfüsslern unterwegs, eine Wandergruppe von kulturell Interessierten. Dort wurde mir das Buch ‚Wandern ist doof‘ von Blanca Imboden empfohlen. Ich kaufte das Buch und siehe da: Innert 48 Stunden hatte ich es gelesen, für mich ein Rekord.
Als ich einer bibliophilen Bekannten diesen meinen persönlich Erfolg mitteilte und ihr das Buch zum Lesen geben wollte, schaute sie das Titelbild an und sagte: ‚So einen Schund lese ich nicht.‘ Nicht einmal die Zusammenfassung wollte sie lesen. Ich nahm das Buch wieder mit und verstand die Welt der Büchernarren nicht mehr. Irgendwann habe ich das Buch dann entsorgt.
Eines Tages redete ein Architekt (LK), mit dem ich an Projekten arbeitete, im Gespräch von einer Innerschweizer Autorin, die ganz lustig schreibe. Seine Frau sei die Lektorin. Er meine Blanca Imboden, er kannte sie persönlich und auch ihre Bücher. Die Bemerkung ‚So einen Schund lese ich nicht‘ war noch in meinen Knochen.
Am 17. November 2023 trank ich einen Kaffe mit einer Teilnehmerin (HE), die ich am Schreibseminar im Januar 2023 in Kappel am Albis kennengelernt habe. Sie besuchte im September 2023 ein einwöchiges Schreibseminar in St. Moritz. Sie erzählte mir, die Leiterin Regula Tanner hätte am ersten Seminartag im Reina Victoria (St. Moritz Bad) gesagt, am Abend seien alle zu einer Lesung, moderiert von Frank Baumann, eingeladen. Dort las Blanca Imboden aus dem neusten Buch ‚Die Löffelliste‘. Diese habe nachher jedem ein Buch mit Widmung geschenkt, sie selber hätte es gleich in St. Moritz gelesen. Sie würde mir es geben zum Lesen. Ich erzählte ihr meine Erlebnisse.
Nach dem Kaffe in Zürich musste ich noch auf den Zollikerberg. Was habe ich gemacht: Im Tram, im Bus, im Zug habe ich im Buch gelesen, zuhause weitergelesen. Abends um halb elf Uhr war ich am Schluss und habe noch die Liste der Menschen, denen die Autorin dankt, durchgesehen. Als erste war die Lektorin aufgeführt und am Schluss mein bekannter Architekt (LK) erwähnt. Sofort habe ich ihm ein Mail gesandt. Am anderen Tag reagierte er und machte mich auf Lesungen von Blanca Imboden aufmerksam und auch den Vorschlag, wir könnten gemeinsam die Lesung in Solothurn besuchen am 24. Januar 2024.
Am Montag, 20. November 2023 um 9 Uhr telefonierte ich mit ihm (LK) und fragte, wofür ihm denn die Autorin zu danken habe. Er hatte jeweils die Örtlichkeiten überprüft, ob die Angaben mit der Realität übereinstimmen.
Um 10 Uhr nahm ich bei der Pro Senectute am Kurs Oase des Schreibens teil. Die Kursleiterin gab uns das Thema: ‚Der schöne 19. November‘. Es war ein trüber, regnerischer Sonntag, sie selber sagte, sie hätte eigentlich nichts gemacht ausser ein Buch von vorne bis hinten gelesen. Den Titel wollte sie nicht im Kurs verraten und verwies uns auf die Pause.
Bei einer allgemeinen Redepause sagte ich zu den 8 Teilnehmenden, dies wäre jetzt die Gelegenheit, den Titel des spannenden Buches zu erfahren. Etwas verschämt sagte die Kursleiterin ‚Matterhorn‘ von einer Innerschweizer Autorin. Es war Blanca Imboden. Ich gab natürlich meine Geschichte zum Besten.
Wir redeten über das Phänomen, warum die Lektüre einem so fessle. Sie meinte, es sei immer eine Handlung im Gang, die einem nicht loslasse. Zudem spiele das Ganze in der Schweiz und es sei eine Schweizer Autorin. Sie selber würde gerne die beschriebenen Orte besuchen gehen. Das ist ja letztlich die Absicht der Macher hinter dem Buch.
Zürich, 23. November 2023 / W

Gelesen habe ich meist Bücher mit geschichtlichem Hintergrund. Als ich in Basel war (2003-2009) habe ich viele Bücher über die Region, über einzelne Häuser, etc. gelesen. Anschliessend hatte ich mein Büro am Rennweg 50 in Zürich und habe gleichermassen Bücher über die Region Zürich, die Reformation, etc. gelesen. Einige Zeit war ich Mitglied der Antiquarischen Gesellschaft, aber so genau wollte ich dann doch wieder nicht wissen. Von dieser Gesellschaft habe ich noch wunderbare Bücher, neu und in Cellophan verpackt.

Für die geführten Wanderungen habe ich Wanderbücher gelesen und viel recherchiert, vor allem bezüglich Geschichte der zu erwandernden Gegend. Das hat mir gefallen und mir entsprochen, konnte ich doch das gesammelte Wissen an Frau und Mann bringen.

In der Pandemie (2020-2023) habe ich für meine Verhältnisse viel gelesen, auch Romane. Die meisten Bücher habe ich geschenkt bekommen und wurden mir von meiner Frau Veronika empfohlen. Einmal hat mir Veronika das gleiche Buch ein Jahr später nochmals geschenkt, in Original-Cellophan verpackt. Ich hatte es nicht einmal geöffnet, aber auch nicht gemerkt, dass es das zweite Mal war. Auch im Zusammenhang mit unserer Reise nach China im Jahre 2018 habe ich einiges gelesen.

Hier die von mir notierten Bücher:
Martin Suter: Almen und Erotik. Lu Wenfu: Der Gourmet. Deborah Feldmann: Unorthodox. Olga Kharitidi: Das weisse Land der Seele. Clemens Array: Der Heilungscode der Natur. Elena Ferranti: Neapel. Jonas Lüscher: Kraft. Jan-Philipp Sendker: Risse in der Grossen Mauer. Eveline Hasler: Der Riese im Baum, Tierfehd. Lukas Bärfuss: Koala. Moritz Heger: Aus der Mitte des Sees. Eveline Hasler: Und werde immer Ihr Freund sein. Hermann Hesse: Emmy Hennings, Hugo Ball. Donna Leon: Geheime Quellen. Ingrid Noll: Kuckuckskind. Eveline Hasler: Tochter des Geldes, Mentona Moser. Ulrich Knellwolf: Ein Protestant im Vatikan. Ulrich Knellwolf: Zwingli. Serhij Zhadan: Internat. Laetitia Colombani: Der Zopf. Ulrich Knellwolf: Tod in Sils Maria. Anthroposophin Gudrun Burkhard: Schlüsselfragen zur Biografie (Jahrsiebt). Hans-Josef Ortheil: Schreiben über mich selbst. Ulrich Kenllwolf: Den Vögeln zum Frass. Blanca Imboden: Wandern ist doof wie auch 'Die Löffelliste'. Martin Sutter: Melody. Robert Seethaler: Der letzte Satz. Jan-Philipp Sendker: Das Herzenhören. Andrej Kurkow: Graue Bienen. Bernhard Schlick: Olga. Renee Iseli-Smits: Ich bin schwerhörig, na und? Eva Lohmann: Das leise Platzen unserer Träume. Rosemarie Meier Dell'Olivo: Die Leichtigkeit des Schreibens. Doris Dörrie: Leben, Schreiben, Atmen. 

Die von mir besuchten Schreibkurse im Jahre 2023 haben mich übrigens zum Lesen animiert, für Bücher im Zusammenhang mit biografischem Schreiben. Ich habe auf der Plattform meet-my-life auch Biografien von anderen Menschen gelesen, eine einmal an einem Sonntag (CS).

Weil ich an eine Lesung von Ulrich Knellwolf wollte, hat mir Veronika aus dem Chramschopf Zollikerberg, wo sie hin und wieder einen Einsatz hatte, Bücher von ihm gebracht. Er war reformierter Pfarrer von Zollikon, als wir dort wohnten.

Zu meinem 73. Geburtstag bekam ich ein ‚Kleines Bücher Tagebuch‘ geschenkt. Dort schreibe ich auf, was ich lese: Titel, Autor, begonnen, beendet, wie ich auf dieses Buch gekommen bin, Bewertung, Gedanken. Nachdem ich mehr Freizeit habe, lese ich auch mehr und dank dem Büchlein konzentrierter, möglichst nur ein Buch zur gleichen Zeit.





Lesen und Medien über die Jahre

Im Elternhaus lasen wir die Ostschweiz. Als Kind oder Jugendlicher interessierte mich die Seite Unglücksfälle und Verbrechen. Vater hat mich gelehrt, dass die Mehrzahl von Unglück Unglücksfälle heisst und nicht Unglücke.
Mutter hatte die Wochen- oder Monatszeitschrift Sonntag abonniert. Sie war auch Mitglied in einem Buchclub. Die Eltern waren aus meiner Sicht belesen. Mutter hat mir oft vorgelesen.
Wir hatten in Bühler kein Radio bis 1960 und nie einen Fernseher.

Im Internat in Appenzell lag der Volksfreund auf, wo damals der kämpferische Verleger Broger politisch aktiv war in Bern und sich pointiert zu Themen geäussert hat.
Wir lebten in einer geschlossenen Welt. Das Radio war das Hauptmedium, wo vor allem Kollege Marco Studer jeweils die politische Sendung Rendez-Vous am Mittag – nach den obligaten Nachrichten um 12.30 Uhr – gehört hat. Sein Vater war tätig beim Beobachter in Glattbrugg. Bei Marco lag diese Zeitung immer auf.
Fernsehen gab es nur zu bestimmten vom Präfekten ausgewählten Sendungen (z.B. Mondlandung 1969, Konzil 1964, Postleitzahlen 1964, spezielle Filme statt im Kino).
In Zürich leistete ich mir als Student die NZZ, damals mit Morgen-, Mittag- und Abendausgabe. Dies war Pflichtlektüre, geprägt durch meine älteste Schwester Maria Brabetz, die auch in Zürich lebte.

Selber war ich als Student Mitglied beim Schweizerischen Aufklärungsdienst (SAD). Ich bekam regelmässig Post in einem Couvert zu politischen Themen, beleuchtet von rechts. Distanziert habe ich mich, als ich an ETH und UNI hätte ‚linke‘ Studenten ausspionieren sollen. Später gab es die Fichenaffäre mit auf solche Art gesammelten Informationen. Ein gewisser Herr Ernst Cincera spielte zu meiner Studentenzeit eine Rolle. Ich besuchte auch Anlässe, wo ich ihn kennen lernte. Ich musste lernen, mich in der Welt zu bewegen. Diese eher extreme Erfahrung habe ich meiner Naivität zu verdanken. Veronika hat immer gestaunt über diese Post.

Als junger Angestellter las ich immer im Tram Nr. 4 auf dem Arbeitsweg (Tiefenbrunnen bis Werdhölzli) die NZZ, die bereits in aller Frühe im Briefkasten lag.

Als die Kinder in der Schule Themen bearbeiten mussten, abonnierten wir zusätzlich für zuhause den Tages-Anzeiger. Der hatte farbige Bilder und mehr lokale Beiträge als die NZZ.
Die NZZ hat für mich an Wert eingebüsst, als sie das eigene Korrespondenten-Netzwerk sparten. Auf einmal stellte ich identische Artikel in Tagi und NZZ fest. Dies war einer der Gründe zur Kündigung der NZZ, nebst der Tatsache, dass ich vielfach im Geschäft auch Zeitungen zur Verfügung hatte.

In meiner Basler Zeit von 2003 bis 2009 war ich eifriger Leser der Basler Zeitung, weil of über unsere Tätigkeit berichtet wurde.

Als Milena so um die vier Jahre alt war, schafften wir einen Fernseher an, einen kleinen B&O. An sich wollte ich die Familie ohne Fernseher aufziehen. Aber Milena und Raphael schauten bei den Nachbarn Ris und Rahn und waren schwerlich von diesem Kasten weg zu bringen.

Mit dem Aufkommen des iPad (ab 2010) begann ich Bücher und vor allem Zeitungen elektronisch zu lesen.

All die Social-Media Kanäle wie Facebook, WhatsApp, Instagram, Twitter, etc. habe ich nicht abonniert. Erreichbar bin ich über SMS, Mail, Telefon und Post. Am Schluss meiner Berufstätigkeit kamen XING und Linkdin auf. Bei XING hatte ich einen Gratisaccount.
Mein Abseits-Stehen hat folgende Gründe:

  • Die Apps wollte Zugriff auf meine Kontakte
  • Andere sahen, ob ich online war oder nicht.

Beides passte mir nicht. Der später festgestellte hohe Zeitaufwand für wenig Information war für mich Grund genug, weiterhin meinen Prinzipien treu zu bleiben. Bei WhatsApp gehöre ich zu einer ganz kleinen Gruppe, die diesen Dienst nicht nutzen.

Ab 2020 habe ich das Schreiben entdeckt, das bei mir zu einer ungeahnten Zufriedenheit geführt hat. All meine selber produzierten Bücher und Broschüren habe ich elektronisch auf der Apple-App ‚Bücher. Sie sind für mich Nachschlagewerke, aber auch Geschaffenes, das mich immer wieder erfreut.

Während meiner Berufszeit habe ich eher wenig Fernsehen konsumiert – aus Mangel an Zeit. Als Pensionierter bin ich abends mehr oder weniger immer zu Hause. Veronika hat abends so ab 18 Uhr gewohnheitsmässig den Fernseher angeschaltet. Als ihr Gehör immer schlechter wurde, hat uns eine Akustikerin geraten, ihr den Fernsehton direkt auf ihr Hörgerät zu leiten. Das war für Veronika eine Komfortsteigerung. Für mich wurde es ruhiger in der Wohnung, musste das Gerät nicht immer in hoher Lautstärke eingestellt sein. Vielmehr konnte ich den Ton für mich sogar abstellen. Wir waren so wohl gemeinsam im Raum, wenn mich aber ein Beitrag nicht interessierte, konnte ich den Ton abstellen und mich anderen Sachen widmen. Ich las meist am iPad in Büchern, scrollte durch die Nachrichten oder korrigierte meine geschriebenen Texte. Ich hoffe, dieser Zustand dauere noch lange an, denn die Installation der Verbindung der Hörgeräte mit dem Fernseher ist anspruchsvoll. Ich musste zweimal zur Akkustikerin, um Instruktionen zu holen.

2025 abonnierte Veronika die NZZ am Sonntag. Es sollte für mich ein Korrektiv zum eher ‚linken‘ Tages-Anzeiger sein und mich wieder etwas auf die ‚rechte‘ Seite bringen.

Zusammenstellung der Printmedien im Laufe der Zeit:

  • 1957 bis 1971 Die Ostschweiz, Der Sonntag,
  • 1964 bis 1971 Der Volksfreund
  • 1971 bis 2009 NZZ
  • 2003 bis 2009 Basler Zeitung
  • 1995 bis         Tages-Anzeiger
  • 2025 bis         NZZ am Sonntag

Daneben hatten wir auch Abos wie Beobachter, Betty Bossi, Landliebe, SIA-Bauzeitung, Zeitschrift für Pflegefachkräfte, etc.

Schlussbemerkung: Die Abos werden immer teurer, nicht nur als Print sondern auch elektronisch. Einmal versuchte ich mich ohne Zeitungslektüre online zu informieren. Dabei war ich immer unsicher, ob ich nun das Wesentliche erfahren habe. Zudem staunte ich über die viele Zeit, die dafür aufgewendet werden muss. Dieses Experiment hat mir gezeigt, dass es sich für mich lohnt, ein Zeitungsabonnement zu haben, auch wenn es bald Fr. 800.- im Jahr ausmacht. Aber nach der Lektüre – als Teil des Tagesrituals – kann ich davon ausgehen, dass ich mich informiert fühlen kann. Und zwar nicht nur über die aktuellen politischen Ereignisse, sondern auch über andere gesellschaftliche Themen.

Zusatzgeschichte zu unseren Geräten: Beim Fernseher sagte ich 1984: Wenn schon, dann ein gestalterisch ansprechendes Gerät. All die 40 Jahre sind wir diesem Hersteller Bang & Olafsen treu geblieben, obwohl die Geräte wie bei den Autos immer grösser werden.  Anfänglich hatten wir auch eine Musikanlage in Form von einem Rack (CD, VHS-Filme, Radio, Plattenspieler) und zwei grosse Lautsprecher. Alles war über eine Fernsteuerung regelbar. Nach vielen Jahren Einsatz funktionierte die Anlage nicht mehr. Der Vater von Julia Bucher brachte die Geräte als Radiotechniker zum Funktionieren und diese sind beim Bruder von Julia in Basel weiter im Betrieb. 

Veronika kaufte im Dezember 2021 ein Radio- und CD Gerät Revox Joy für Fr. 4889.-, das aber selten läuft, weil sie über den Lautsprecher die Töne nicht gut hört. Sie könnte auch über den Fernseher via Bluetooth Radio hören, aber der Fernseher müsste immer laufen. Ich selber spreche nicht unbedingt auf Musik an. Ich benötige beim Arbeiten oder auch Autofahren Ruhe oder besser gesagt Stille. Für mich wäre das Gerät nicht nötig gewesen. 

Geschrieben 17 III 26

Kyburger als Lebensfreunde
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10.  Kyburger als Lebensfreunde
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Freunde in meiner Jugendzeit

In meiner Vorschulzeit mag ich mich an den Nachbarsbuben Werner Roth erinnern, mit dem ich viel Zeit verbracht habe. Sein Wegzug ins Nachbardorf, gerade auf die Einschulung in die erste Klasse hin, hat mir weh getan.

Auch mag ich mich an die ein Jahr ältere Tochter eines Nachbarn, Helen Widmer, erinnern. Mit ihr haben wir viel gespielt. In diesem Rahmen sind auch die Kinder der Familie Inauen, die im gleichen Hause gewohnt haben, sehr wichtig. Mit ihnen haben wir auf dem Feld und auf dem Hof zusammen geholfen, aber auch viel gespielt zusammen.

Während der Primarschulzeit (1. bis 6. Klasse) waren mir die anderen Ministranten relativ nahe. Wir waren notgedrungen viel zusammen und ministrierten zusammen. Damit hingen Vorbereitungen zusammen. Auch unternahmen wir Ausflüge mit dem Pfarrer zusammen.

Im Kollegium war mir Aldo Traxler am nächsten. Er erkrankte kurz vor seinem Staatsexamen als Mediziner an Schizophrenie. Das tat mir leid. Ich besuchte ihn jeweils in den psychiatrischen Kliniken. Es tat mir weh, wie so ein intelligenter Mensch sein ganzes Leben in geschlossenen Institutionen verbringen muss. Die Musik hat ihn immer wieder aufgestellt. 

Freunde, mit denen ich durch dick und dünn gegangen bin und alles ausgetauscht habe, habe ich eigentlich keine. Ich habe mich anderen gegenüber nie vollständig geöffnet.

Mein Leben beeinflusst haben aber die Kyburger, eine katholische Studentenverbindung in Zürich, bei der ich als 21 Jähriger im Jahre 1972 eingetreten bin.

Vorbemerkungen:

Ein Mitstudent an der ETH (UB), den ich öfters treffe, ist Mitglied beim Rotary-Club Brugg. Er hat mir einmal gesagt, im Nachhinein bereue er es, dass er als Student keiner Studentenverbindung beigetreten sei. Der Beitritt zu einer Verbindung ist nur in den unteren Semestern möglich. Dies geschieht unvoreingenommen, ohne geschäftliche oder berufliche Absichten. Bei den Kyburgern waren UNI- und ETH-Studenten vertreten, es gab nie Clans von Fachgebieten wie einen Juristenclan, etc. Dies führt zu einem breiten Fächer von Berufen, was den Austausch interessant machte während und nach dem Studium.

Im Alter sagt meine Frau Veronika jeweils, dass in frühen Ehe- und Familienjahren die Freizeit und die Beziehungen hauptsächlich auf die Kyburger ausgerichtet gewesen sei. Für anderes hätte es keinen Platz mehr gehabt. Ich habe das nicht so empfunden, weil ich ja im Geschäftsleben auch Beziehungen pflegte. Meine Frau hingegen kümmerte sich nach unserem Familienmodell voll um die Kinder und war vernetzt mit der Nachbarschaft.

Studentenverbindungen (aus Buch)

Die Rotacher

Im Gymnasium in Appenzell trat ich im Lyzeum der Pennälerverbindung Rotacher bei, zuerst ein Jahr als Fux und ein weiteres als Bursch. An der Generalversammlung im Sommer 1970 wurde ich in Brig in den Schweizerischen Studentenverband (SchwStV) aufgenommen. Als Bursch amtete ich als Consenior und damit verantwortlich für Finanzen. Die Rotacher haben mir den Namen ‚Gfitzt‘ gegeben. Die akademischen Kommentverbindungen wie z. B. die AKV Kyburger (Zürich) oder AKV Neu-Romania (Fribourg) bemühten sich aktiv um ihren Nachwuchs, indem sie die Gymnasien an studentischen Anlässen besuchten oder Einführungstage an ihren Unis oder an der ETH anboten. So entstanden Kontakte über die Studentengenerationen hinweg.

 

Im Gymnasium, mit seinem geregelten Internatsleben, boten die Rotacher eine willkommene Abwechslung vom geordneten Alltag. Der Präfekt Pater Bernward Muff v/o Kater (1934-2014) war auch Verbindungs-Papa. Wir hatten unser studentisches Leben, unsere Anlässe und unseren Stammtisch im Restaurant Traube. Immer am Sonntagabend trafen wir uns dort zu einer fröhlichen Runde. Wir besuchten auch andere Studentenverbindungen an deren Gymnasium oder an den Hochschulen.

 

Die Kyburger

Als ich in Zürich zu studieren begann, wollte ich mich aufs Studieren konzentrieren. Ich war mir bewusst, mit der A-Matur könnte ich an Grenzen stossen. Das erste Semester habe ich alleine durchgestanden. Ich musste mein Leben meistern, niemand sorgte sich um mich wie vorher. Zum Teil wurde ich gecoacht von meiner ältesten Schwester Maria Brabetz, die mit ihrem Mann Sergio (*1936), der an der ETH Maschineningenieurwesen studiert hatte, in Zürich Oerlikon lebte.

Im zweiten Semester (Sommersemester 1972) war ich an einem Samstag- oder Sonntag-Abend im Niederdorf unterwegs. Meist verpflegte ich mich an einem Wurststand mit Cervelat, Bürli und Senf (beim heutigen Kultur Lokal RANK Niederdorfstrasse 60 in Zürich). Auf dem Nachhauseweg (Richtung Seefeld) sprach mich auf dem Hirschenplatz Urs Lenzi v/o Contra (1946-2021) an. Er war ein engagierter Kyburger und kannte mich von den Rotachern her. Er lud mich an die damalige Dependance im nahe gelegenen Splendid ein. Dort traf ich Gleichgesinnte. Nach weiteren Stammbesuchen im Restaurant Schützengarten beim Hauptbahnhof trat ich bei den Kyburgern ein. Zusammen mit Victor Füglister v/o Anglo waren wir die einzigen zwei Füxe. Ich wurde auf den Namen ‚Wif‘ getauft. 

 

Nach den Studentenunruhen im Jahre 1968 waren die Studentenverbindungen nicht so gefragt. Diese Proteste veränderten auch die Kleidersitten an den Hochschulen. Mein Schwager Sergio trug während seiner Studienzeit wie alle Studenten Krawatte und Veston. Nach 1968 waren Hemd und Pullover angesagt.

 

In der Verbindung war das Tragen von Couleurband und Mütze nur in Kombination mit Veston und Krawatte erlaubt. Vor dem Stammbesuch mussten wir uns deshalb ‚anständig‘ anziehen. Neben den Büchern musste ich deshalb im Gepäck das Veston und die Krawatte mitführen. Irgendwie schaffte ich es und in der neuen Gemeinschaft begann es mir zu gefallen. 

 

Ich hatte mir vorgenommen, in Zürich sesshaft zu werden und auch die Wochenenden hier zu verbringen. Ich spürte, als ausgebildeter Ingenieur hätte ich zu Hause keine grosse Chance für Arbeit, was mir später der Fabrikantensohn Christian Nänny von der Etui-Fabrik in Bühler bestätigte. Er studierte wie ich Bauingenieurwesen und fand eine Anstellung in St. Gallen.

 

Ich genoss den Samstag-Abend-Stamm. Die Altherren Fritz Füglister v/o Schmelz (Zahnarzt, 1902-1985), Peter Schenker v/o Lord (Bankangestellter, 1928-2018), Alfred Büchel v/o Specht (Professor am BWI, 1926-2019), Meinrad Schönbächler v/o Proton (Physiker bei Meteorologischer Anstalt), Josef Schnetzer v/o Trello (1921-1998) etc. kamen von der Messe von der Liebfrauenkirche oder dem von den Jesuiten betreuten Aki (katholische Hochschulgemeinde) am Hirschengraben 86. An diesen Abenden habe ich viel über Zürich und die Verbindung gehört und gelernt. Ich habe alles aufgesogen. AH (Altherr) Schmelz galt in der Verbindung als wandelndes Lexikon und mich nannten sie bald den ‚kleinen Schmelz‘. Diese Runden gaben mir auch Einblick in das Leben von Ärzten, Juristen, Ingenieuren. Von der Familie her hatte ich keinen Bezug zu solchen Lebensentwürfen.

 

Das Verbindungsleben kann man sich in etwa so vorstellen: erwartet wurde von Montag bis Freitag ein kürzerer oder längerer Stammbesuch in der Zeit zwischen 18 und damals 23 Uhr (Polizeistunde) in Farben. Es galt der Komment. Bei Fehlverhalten musste man ein Bier (eine Stange à 3 dl) ex trinken. Das bereitete mir schon damals im Vergleich zu anderen Mühe. Als Fux konnte ich einem AH oder Bursch meine Stange Bier zutrinken. Er quittierte das mit einem Gegentrunk und Bezahlung des Biers. Als Füxe wurden wir vom Fuxmajor in die Sitten und Gebräuche eingeführt, ausgebildet in Gesang und Benehmen. Ich mag mich erinnern, wie wir mit Fuxmajor Thomas Füglister v/o Batze (Botschafter, 1948-2017) ins Cantinetta Antinori an der Augustinergasse 26 zum Essen ausgeführt wurden. Er erklärte uns den Umgang mit der Stoffserviette, dem Besteck auf Seite des Tellers und den verschiedenen Gläsern. Für mich als Bauernjunge eine neue Welt.

 

Es gab eine Fuxenreise, zum Teil ins Ausland. Der Fuxenstall wurde zu AHAH nach Hause eingeladen oder wir besuchten andere Hochschulverbindungen in Freiburg, Bern, St. Gallen oder Gymnasialverbindungen wie die Rotacher in Appenzell. Es war immer etwas los. Auch galt es, an der Beerdigung von einem Alten Herrn irgendwo in der Schweiz zu chargieren, im sogenannten Wichs in der Kirche, auf dem Friedhof und am Trauerkommers. Mit allem Drum und Dran war dies tagesfüllend. Der Wichs musste im Archiv (Estrich vom Restaurant Schützengarten) abgeholt und gereinigt wieder zurückgebracht werden. 

 

Am Weihnachtskommers 1973 wurde ich vor den Altherren der Kyburger burschifiziert. Damit wurde ich Aktiver im Burschensalon und hatte mehr Freiheiten.

 

Im April 1975 bin ich von meiner Afrikareise in die Wohngemeinschaft mit fünf Kyburgern am Hirschengraben 70 zurückgekommen. Im ‚goldenen Buch‘ der Kyburger habe ich diese Zeit wie folgt beschrieben: ‘Diese Reise hat mir Vieles gegeben. Sie regte zum Nachdenken an.’ Nach der Rückkehr aus Afrika erkannte ich klar den Wert der Kyburger. Sofort fühlte ich mich in einem fest gefügten Freundeskreis wieder wohl. Die Verbindung betraute mich gleich mit dem Amt des Schatzmeisters, zuständig für Finanzen und auch des Conseniors, d. h. Stellvertreter des Seniors. In diesem Semester reduzierte die Malaria, ein Reiseandenken, meine Kräfte aufs Ärgste. Das Studium an der ETH betrieb ich so seriös und intensiv wie nie zuvor. Den Stamm und das Verbindungsleben pflegte ich dennoch. Im Dezember 1977 ergänzte ich für das ‚Goldene Buch‘ mit dem Eintrag meinen Lebenslauf. Auch stellte ich das Gesuch auf Übertritt in den Altherrenverband am GV/GC (Generalversammlung/Generalkonvent) im Frühjahr 1978. Diesem AH-Verband gehöre ich heute noch an.

 

Die Foto wurde aufgenommen an der Hochzeit von meinem Biersohn Stefan Dörig v/o Geduld. Er war der Neffe von Altherr Emil Fritsche v/o Zart (1924-2002), einem engagierten Altherrn aus Appenzell. Roland Sieber v/o Frivol ist ein Maturakollege. Roman Kölbener v/o Zoell (1951-1985) war Kyburger und verunglückte in Bäch SZ.

 
***


Roman Koelbener v/o Zoell war ein Rotacher (stud. Arch. ETH, 1951-1985), ein engagierter Kyburger und ein Nachfahre der Appenzeller-Alpenbitter-Familie. Er hat den Fuxenstall nach Appenzell eingeladen am Donnerstag, 5. Dezember 1973. Dort gab es Appenzeller-Alpenbitter zu trinken, irgendwie à discretion. Es ist wie bei Sangria, man merkt zu spät wenn es zuviel ist. Eigentlich plante ich am Abend zu meinen Eltern in das 10 km entfernte Bühler zu fahren und zu übernachten. Ich wollte den Eltern mitteilen, dass ich an der ETH das 2. Vordiplom nicht bestanden habe und es wiederholen müsse. Stattdessen verbrachte ich die Nacht im Hause Koelbener, ziemlich betrunken, und reiste am Freitag-Morgen zurück nach Zürich. Dort gab es für mich nur eines, ins Bett und schlafen

Am Nachmittag wachte ich auf und nahm ein Bad. Bruno Bauer v/o Ovid war auch anwesend. Er sagte mir, meine Schwester Maria Brabetz hätte angerufen am Vormittag. Er habe es besser gefunden, mich schlafen zu lassen. Ich solle ihr zurückrufen. Wir hatten ein Festnetz-Telefon. Er empfahl mir einen Stuhl zu nehmen und abzusitzen. Meine älteste Schwester teilte mir mit, unser Vater sei am Freitag-Morgen gestorben. Er war 64 Jahre alt und hat sich auf die AHV-Rente gefreut. Man bedenke: Ich war in Appenzell ziemlich ausser Gefecht infolge der Alpenbitter und 10 km entfernt stirbt mein Vater, den ich eigentlich besuchen wollte. Es dauerte mehr als 45 Jahre, bis ich je wieder einen Alpenbitter getrunken habe. Roman Koelbener v/o Zoell ist übrigens in Bäch SZ beim unerlaubten Überqueren der Gleise vom Zug erfasst worden und 34 -jährig jung gestorben.


6. Oktober 1984, Vordere Reihe von links nach rechts: Niklaus Wild v/o Wif, Roman Koelbener v/o Zoell (1951-1985), Roland Sieber (aus Maturaklasse) v/o Frivol (Neu Roman Fribourg). Zoell gegenüber sitzt Stefan Dörig v/o Geduld, mein damaliger Biersohn aus Appenzell.

Mein Biersohn Stefan Dörig v/o Geduld studierte wie ich an der ETH Bauingenieurwesen. Er wohnte immer in Appenzell und kam nur zum Studium nach Zürich. Er heiratete Antoinette Moser und wohnt in Steinegg, Bäbelers 30. Sein letztes Werk war für die Ostschweiz ein wichtiger Verkehrsbauwerk, nämlich die Durchmesserline in St. Gallen. Die SGA, die beim Elternhaus vorbeifährt, endete all die Jahre beim Gaiserbahnhof in St. Gallen. Die Trogenerbahn tuckelte durch die Stadt und endete daneben. Die Durchmesserline führte die beiden Bahnen zusammen. Von einer solchen Zusammenführung hat bereits mein Vater schon geredet. Er hat sich immer für solche Projekte interessiert.  Die 1889 eröffnete Steilstrecke – mit der engsten Zahnstangenkurve von 30 m Radius – von St. G allen zum Riethüsli wurde in ein Tunnel verlegt mit weniger Steigung. Heute gehört sie zu den steilsten Adhäsionsstrecken.

  

Dieser Dezember 1973 hat mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert: Unterstützung der Mutter bei der Milchsammelstelle, Unterbruch des Studiums um ein Jahr, Reise mit Lambretta in Europa und Reise durch Afrika zu meinem Bruder. Diese Themen sind behandelt in einem eigenen Kapitel über Afrika und Asien.

Am Weihnachtskommers 1973 wurde ich vor den Altherren der Kyburger burschifiziert.

Am Stammtisch hat es nebst dem Tisch und den Stabellen, eine Tafel für die Anlässe, einen Stammbaum, einen Leuchter, einen kleinen Schrank, alle Möbel in Holz mit Schnitzereien. Es gab auch eine Kasse, die aber gestohlen worden war. Ich habe eine neue kreiert und mit einer Kette am Stamm-Ueli (Aschenbecher mit Aufbau) angemacht. In die Kasse habe ich den Kyburger-Zirkel eingeschnitzt. Auf dem Boden steht mein Name und das Jahr.



Kasse am Kyburgerstamm, geschnitzt Dezember 1973 von Niklaus Wild

Meine Familie entschied sich nach dem Tod des Vaters, den elterlichen Betrieb zu verkaufen. In Zürich reduzierte ich meine Präsenz auf das absolut notwendige zur Erlangung der Testate, damit ich meine Mutter in der Milchsammelstelle unterstützen konnte. Dies dauerte bis Ende April 1974. 


Im Dezember 1977 schrieb ich für das ‚Goldene Buch‘ meinen Lebenslauf und stellte das Gesuch auf Übertritt in den Altherrenverband am GV/GC (Generalversammlung/Generalkonvent) im Frühjahr 1978. Diesem AH-Verband gehöre ich heute noch an.


Goldenes Buch, Niklaus Wild v/o Wif, Seite 1, 1977

 

Goldenes Buch, Niklaus Wild v/o Wif, Seite 2, 1977

In meiner aktiven Verbindungszeit als Fuxe und Bursche hatten folgende der mehr als 300 Kyburger mehr oder weniger Einfluss auf mein Leben, seien es Bauingenieure, Mitglieder der Wohngemeinschaft Hirschengraben oder Kyburger anderer Fachrichtungen:

Es hatte einige Bauingenieure (oder Kulturingenieure) im Studium und im Beruf, von denen ich erfahren habe, an welchen Projekten sie in welcher Art arbeiten, wie:
Anton Huonder v/o Storch, 1921-2009, Büroinhaber in Zürich, seine beiden Söhne studierten mit mir an der ETH
Rolf Brändle v/o Fürli (1934-2010), er holte mich in den Vorstand Kyburghaus
Carlo Galmarini v/o Ushilf (*1952), er war auch im Kollegium in Appenzell
Thomas Kälin v/o Etzel (1921-2005), Büroinhaber, Mandat an Teil der Autobahn von Amsteg nach Göschenen
Tino Kistler v/o Jalon (1926-1985), arbeitet bei Locher am Pelikanplatz
Carlo Bless v/o Sphinx (*1952), zur gleichen Zeit aktiv
Bruno Meyer v/o Trax (*1945). Er hatte einen farbig angemalten Deux-Chevaux und arbeitete damals an der Sihlhochstrasse in der Brunau ZH
Karl Rust v/o Tell, damals von Walchwil, aus einer Bauunternehmung
Peter Bucher v/o Capo (*1945), Luzern, Büroinhaber
Walter Jauch v/o Winkel (*1947), Kulturingenieur, eine damals neue Richtung
Franz Koch v/o Naso (*1938), Geometer
Fredy Lorenz v/o Varia (*1942)
Paul Schmid v/o Job (*1935) von Hägglingen
Hanspeter Schnüriger v/o Würfel (*1947), vom Bodensee
Hans Weber v/o Topo (*1936), umtriebiger Unternehmer

Diese jüngeren und teils gestandenen Menschen haben mir Einblick in den Beruf eines Bauingenieurs gegeben. Niederschwellig konnte ich mich erkundigen. Später konnte ich bei Ihnen auch Rat oder Empfehlungen holen.

In der Kyburger-Wohngemeinschaft am Hirschengraben 70 lebten während meiner Studenten-Jahre unter anderem:
Bruno Bauer v/o Ovid (*1950), Jurist, vom Bodensee
Christoph Hildenbrand v/o Xenon54 (*1954), ‚Chemiker', wohnte im Dorf Appenzell und war seinerzeit Externer im Kollegium. Die Zahl 54 widerspiegelt einerseits seinen Jahrgang 1954 aber auch die Ordnungszahl 54 im Periodensystem für das Chemische Element Xenon.
Urs Jakob Keller v/o Tirggel (*1950), Maching, ein sogenannter Wilder, d.h. er war vorher nicht in einer Pennälerverbindung, von Luzern
Leo Mannhart v/o Pendel (*1956)
Ivo Peduzzi v/o Fluum (*1951), vom Eigental. Nach der Pandemie (2020-2022) stürzte Fluum mehr als einmal. Er lebte alleine im Limmattal. Mit einigen Kyburgern hat er früher jeweils einmal pro Woche Faustball gespielt. Seit 2024 lebt er im Altersheim Bombach in Zürich. 
Kurt Venzin v/o Schuss (*1951), Kulturing., von Andermatt. 
Walter Birchler v/o Lumpazi, Zahnarzt. Er hatte seinerzeit bei dem Jesuitenpater Albert Ziegler im AKI gejammert, für Studenten sei es schwierig eine Wohnung zu finden. Dieser sagt ihm, er hätte eine zwei Häuser weiter an der Nr. 70.
Werner Bamert v/o Mast (1947-2020), Mediziner, von ihm habe ich das grosse Zimmer übernehmen können. 
Sturz und Winkel lebten auch in der Wohnung vor mir. Stift lebte während meines Aufenthalts in Afrika in meinem Zimmer.
Ich selber lebte dort von 1973-1978, die längste Zeit zusammen mit: Ovid, Tirggel, Xenon und Fluum.

Zu meiner Studienzeit war der Stamm im Schützengarten, am Bahnhofplatz Zürich. Etliche Alte Herren übersprangen einen Zug und tranken mit uns ein Bier am Stamm. Der Stamm war rege benutzt, man kann sagen, von 12-23 Uhr (Polizeistunde) war meist jemand da.
Josef Aregger v/o Gimi (*1947), wurde später Diplomat
Karl Appert v/o Peugeot (1930-2002), Jurist
Peter Bamert v/o Schweif (1950-2011), Zahnarzt, gleichzeitig aktiv
Martin Baumann v/o Memuar (*1942), Elektroingenieur
Walter Birchler v/o Lumpazi (*1948), machte gute Produktionen, auch aus dem Stegreif, Zahnarzt
Walter Domeisen v/o Pfadi (*1948), Jurist, ein guter Unterhalter, später Stadtpräsident von Rapperswil/Jona, oft am Stamm
Urs Broder v/o Igel (*1944), Jurist beim Bezirksgericht und Kenner der katholischen Kirche und deren Gebräuche, auch in Rom
Johann Baptist Fritsche v/o Zart (1924-2002), für mich ein Urkyburger, der vor allem die Appenzeller förderte, Zahnarzt in Appenzell
Johann Baptist Fritsche v/o Chlee (1925-2018), Tierarzt in Appenzell
Josef B. Brühwiler (*1943), Architekt
Markus Ganahl v/o Grinsi, Bauingenieur, nach dem Studium nach USA ausgewandert
Oscar Gemsch v/o Tenno (1950), El.-Ing., er arbeitet bei der SKA/CS bei der Einführung des PIN-Codes. Er sagte mir als Insider, er setze die Bank-Karte nicht auf diese Art ein. Das war zur Zeit, als meinem Bruder Tony Wild in Teufen das Bankkonto geleert wurde bis ins Minus
Erich Haag v/o Gral (*1933), Jurist, ruhig und besonnen
Eugen Hälg v/o Chrüüter (*1946), Mediziner, hatte sonore Stimme, war ausgleichend, oft am Stamm
Rolf Haltner v/o Junker (*1951), Jurist, zur gleichen Zeit aktiv
Paul Herzog v/o Form (*1941), Architekt, ruhig
Rudolf Hintermann v/o Dada (1926-2020), Dr. Phil.,
Alfred Hochstrasser v/o Zahn (1934-2013), Zahnarzt zuerst in Zürich im Chris Cheib und später in Schwyz, er lud uns jeweils in den ‚Blutiege Tume‘ nähe Langstrasse ein
August Holenstein v/o Guss (*1946), Jurist
Heinz Keller v/o Buech (1937-2023), Zahnarzt
Paul Kleiner v/o Schuut (*1946), Eling., mein Biervater, er hat seine erste Frau früh verloren
Beat Lanter v/o Primus (1944-2024), Jurist, ruhig
Urs Lenzi v/o Contra (1946-2021), Jurist, Betriebswirtschafter, er hat mich zu den Kyburgern gebracht, sogenannt gekeilt
Armin Meyer v/o Duschter (*1949), Zahnarzt
Armin Müller v/o Chnopf (1925-2012), hatte Immobilien in Zürich, Junker war Mieter von ihm, anständiger Vermieter, hat Portfolio von Vater übernommen
Hansjörg Mullis v/o Heller (1946-1990), Kaufmann, Nach der zivilen Trauung gingen wir zu ihm essen, zur Zeit führte er eine Gaststätte
Giuseppe Nay v/o Marabu (*1942), Bundesrichter, mein Biergrossvater
Franz Neff v/o Possli (*1937), Forsting, war Innerrhoder und hat Dialekt beibehalten
Karl Neff v/o Gipfl (1927-2018), Mediziner, Appenzeller
Claus Perrig v/o Erguss (1943-2024), phil.I
Josef Risi v/o Blöterli (*1950), Tierarzt, immer für einen Spass zu haben
Emil Rusch v/o Schi (1919-2009), Jurist, mich hat er mit seinen geschliffenen Reden beeindruckt, Vater von Norbert Rusch v/o Haltig. Der Vater gab ihm Griechisch-Unterricht zu Hause
Pius Rohner v/o Früntli (*1951), Dr. phil.I, Lehrer in Ingenbohl
Werner Rüttimann v/o Welle (*1941), er schnitzte die Namen im Stammtisch
Lukas Rüst v/o Wenig (1955-2010), Ökonom, hatte Ferienhaus in Engelberg, legte seinen Wohnsitz dahin und seine drei Knaben gingen dort ins Gymnasium, an seiner Beerdigung hat ein Sohn seinen in Ich-Form geschriebenen Lebenslauf verlesen. Meine Frau drängte mich, auch so etwas zu verfassen. Er ist deshalb so etwas wie der Anstoss zu meinen Aufzeichnungen
Pater Notker Strässle v/o Notker (1938-2024), Kloster Maria Stein, Organisator etlicher Familienwanderungen
Gabor Sütsch v/o Puszta (*1956), Mediziner, setzte mir 2020 fünf Stents im Herz ein. Er kam am 2. August 1956 in Ungarn auf die Welt und im Oktober 1956 flüchteten seine jungen Eltern mit ihm und seinem Bruder Laszlo ohne Hab und Gut. Ihr Weg führte über St. Gallen nach Zürich-Höngg und 1966 nach Lugano. In der Schule war er immer der Ausländer, der Flüchtling, obwohl er 1972 eingebürgert wurde. Boden unter die Füsse bekam er im Kollegi Schwyz, von wo er eine Karriere zum Oberstleutnant und zu einem anerkannten Kardiologen am USZ, Hirslanden und Bethanien hinlegte.
Mario Vasalli v/o Woyzeck (1936-2025), Jurist, wortgewaltig. Woyzeck war nicht nur ein überzeugter Kyburger, er war auch ein tüchtiger Katholike mit gutem Draht nach Rom! So wurde er 2001 durch Papst Johannes Paul II auf Lebenszeit zu dessen Edelmann «Gentiluomo di Sua Santità» ernannt und im Jahr 2011 erhob ihn Papst Benedikt XVI zum Komptur des Ritterordens des heiligen Papstes Silvester! Aber schon in jungen Jahren stand Woyzeck für den Papst ein. So schreibt er in seinen Memuaren: «Berüchtigt waren zu meinen Aktivzeiten die Kommerse mit dem Korporationenverband, den es damals in Zürich noch gab. Sie fanden im Weissen Wind im Oberdorf statt. Die Schlagenden reizten uns mit dem Lied: «Der Papst lebt herrlich in der Welt». Es ging nicht lange, bis die Gläser und dann auch Stühle flogen. Der Schaden war beträchtlich. Aber wir StVer hatten die Ehre des Papstes gerettet.»! Mit meiner Frau Veronika nahmen wir einmal in Engelberg an einer Kyburgerwanderung teil. Woyzeck konnte nicht verstehen, dass wir eine Mischehe führen. Veronika hat dies sehr getroffen und verzieh im seine Bemerkungen nie. Als ich beim Kanton Basel Stadt arbeitete und das jeweils von den Schülern benutzte Ferienhaus in Engelberg verkaufen durfte, engagierte ich Woyzeck als Notar. Die Unterschriftenzeremonie fand im Intarsienzimmer des Klosters Engelberg statt.
Bruno Wick v/o Kran (1933-1995), war beim Kyburgerhaus aktiv beteiligt
Peter Wiederkehr v/o Quader (1938), Jurist, Regierungsrat, NOK
Bernhard Zweifel v/o Phag (*1947), ‚Chemiker‘. Als ich als Fux einmal einen Mitstudenten am Nachmittag an den Stamm nahm, weil er Interesse hatte, war Phag auch dort. Er hatte nichts besseres zu tun, als mir ‚Daumen‘ zu befehlen. Das heisst, ich musste beide Daumen auf die Tischkante legen und durfte nichts reden, dies die ganze Zeit. Mein Kollege trat dann bei einer anderen Verbindung bei und ich brachte nie mehr einen Kollegen an den Stamm. Dies erklärt meine Reserviertheit gegenüber Phag über die ganze Lebenszeit.%u2028Beat Zwimpfer v/o Bijou (1928-2013), Jurist, hat die Aktivitas vielfach zu sich eingeladen.



Stammtisch, eingraviert Wild N. im Jahre WS 1973/74, zusammen mit Füglister V. v/o Anglo und Meier Armin v/o Duschter (von Fribourg herkommend)

 

Wenn ein Stammtisch voll von Namen war, wurde eine kleine Plakette davon erstellt und beim nächsten Stammtisch in die Mitte gesetzt. Die alten Stammtische sind im Kyburghaus Linde Oberstrasse im Treppenaufgang zum Saal an der Wand aufgehängt.

Die Kyburger sind 1912 entstanden aus einer Abspaltung von der Mutterverbindung Turicia Zürich. Der Bestand hat sich bei etwas 300 Mitgliedern eingependelt. Schön ist zu sehen, dass jede Generation auf ihre Art für Nachwuchs sorgt, der natürlich auch von den gesellschaftlichen Entwicklungen abhängig ist.

Hier sind meine Eindrücke als Aktiver dargestellt. Die Erlebnisse als Alter Herr wie auch meine 'Lebensfreunde' sind in einem weiteren Teil unter dem Titel 'Dienst an der Gesellschaft' beschrieben.

Wir waren viele Stunden zusammen. In jener Zeit gab es für mich die Kyburger und das Studium. Sportlich betätigte ich mich nicht, ausser dass ich hin und wieder im Konditionstraining des ASVZ mitmachte. Ich traf mich nicht mit Menschen ausserhalb dieser Kreise.

Fotografiert hat man zu meiner aktiven Zeit im Alltag eigentlich nicht, sondern nur an Anlässen. Dies ist kein Vergleich zu heute, wo sogar vor dem Essen der angerichtete und zum Essen bereite Teller fotografiert und auf eine Plattform geladen wird. Diesem Umstand ist geschuldet, dass es wenige Fotos aus dieser Zeit gibt.
Als Altherr bei den Kyburgern
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10.1.  Kyburger als Lebensfreunde – Als Altherr bei den Kyburgern.
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Alt Altherr bei den Kyburgern

Als Altherr bei den Kyburgern verlagern sich nach abgeschlossenem Studium viele Aktivitäten ins Private, zu Unternehmungen mit Partnerinnen und später als Familien.

Die Kyburger haben für mich eine grosse Bedeutung. In meiner Studentenzeit waren sie für ich wie eine Ersatzfamilie. Vor allem der Samstag-Abend-Stamm ist mir als wohltuend in Erinnerung. Das Verbindungsleben war zeitintensiv. Es blieb für andere Hobbys wenig Zeit übrig. Das karge Gled schränkte die Aktivitäten so oder so ein, zumal ich daneben auch mit Jobs Geld verdienen musste. Langweilig war es mir nie. Das Wort 'Lebensfreunde' trifft. zu. Die Intensität der Beziehungen ändern sich.
Als Altherr zeichnete ich mich nicht als grosser Stammbesucher aus, zuerst war es die berufliche und familiäre Belastung, später bewussterer Umgang mit der Gesundheit. Die Schlafapnoe kam ich in den Griff,  d.h. konnte auf das unangenehme CEPAP-Gerät während der Nacht verzichten, indem ich konsequent das Gewicht im Auge behielt. Damit einher geht der Alkoholkonsum, den ich kontinuierlich zurück fuhr. 2023 feierte ich zuhause die erste Weihnacht ohne Alkohol. 
Bei den Kyburgern besteht kein Zwang zur Teilnahme an Veranstaltungen. Die Freundschaften lassen sich auf pflegen ausserhalb, im Privaten. Zum Beruf und zur Familie sind die Kyburger für mich ein wertvolles drittes Standbein.

Auf mein Engagement bei der Linde Oberstrass von 1900 bis 2000 werde ich weiter unten speziell eingehen.



Der Jahreskreis eines Alten Herren (AH) bei den Kyburgern bietet in etwa folgendes:
Januar: Ball
März: GV/GC
Mai: Auffahrtsbummel als Familienanlass
Juni: Kommers der 60-jährigen
August: GV des SchwStV, meist in einem katholisch geprägten Ort, Veteranenehrung, Fackelumzug, Brandrede am Samstag, Umzug (mit eigenen Kindern) am Sonntag
Herbst: Kyburgerfahrt (alle 2-3 Jahre)
Oktober: GV Genossenschaft Kyburgerhaus (Essen mit Damen)
November: Requiem
Dezember: Weihnachtsfeier mit Damen

Als die Kinder in den Kindergarten oder die Primarschule gingen, nahmen wir meist am Auffahrtsbummel teil.

An den Ball sind wir anfänglich gegangen, später nicht mehr. Bis jetzt haben wir noch an keiner Kyburgerfahrt teilgenommen. Hingegen war für mich über Jahre (1990-2000) die Generalversammlung Genossenschaft Kyburgerhaus im Oktober fixer Bestandteil meiner Agenda, war ich doch dort im Vorstand und einige Jahre als Verwaltungsratspräsident aktiv.
An grossen Anlässen nehmen wir immer weniger teil, weil Veronika mit dem Gehör Probleme hat und weil sie mit dem Betonen des ‚katholischen‘ mehr und mehr Mühe hat, ist sie doch reformiert aufgewachsen. Auf einer Wanderung in Engelberg, an der unter anderem Veronika dabei war, konnte doch Mario Vasalli v/o Woyzeck mich vor der Gruppe fragen, was ich gedacht hätte dabei, eine reformierte Frau zu heiraten. Solche Vorkommnisse taten weh. Später habe ich ihn als ‚Gentiluomo di Sua Santità‘ (deutsch: „Edelmann Seiner Heiligkeit“) begrüsst, ein Titel, der ihm der Papst verliehen hat. Im Rahmen der Veranstaltungen zu 500 Jahre Reformation kam klar zum Ausdruck, dass wir uns wahrscheinlich damals alle auf Seite der Reformierten geschlagen hätten. Die katholische Kirche agierte zu jener Zeit nicht unbedingt christlich.

Sporadische Stammbesuche sind weiterhin im Programm. Es gibt auch monatliche AH-Stämme im Zeughauskeller oder am im Kyburgerhaus Linde Oberstrasse. 

Niklaus Wild v/o Wif (2. von links) am AHAH-Stamm am 28. Februar 2019.

 

Wif am AHAH-Stamm am 28. Februar 2019, Rolf Schmid v/o Woo-Doo (*1969), Niklaus Wild v/o Wif, Philipp Marok v/o Souverän (*1999), vorne rechts Richard Kälin v/o Chellä (*1959), Roger Loosli v/o tesla (*1978) mit Frau Michèle und Kind, Kyburger hinten rechts ist Cyrill Hidber v/o Spott (*1996)



Am Stamm findet das Gespräch über (Studenten-) Generationen hinweg statt. Die jüngeren Semester sind einem sporadischen Stammbesucher nicht immer bekannt. Es wird aber erwartet, dass sie zu Lasten des Altherren ihm ein Bier zutrinken. So kommt man unweigerlich ins Gespräch über Studium, Herkunft, etc. Die Aktiven tragen ab 18 Uhr am Stamm die Farben.

Den Stamm am Zeughauskeller besuchte ich in der Zeit, als Lindt, Rar, Quader, Junker, Lord, Igel mehr oder weniger den ‚harten‘ Kern bildeten. 


Es gibt auch Stämme in Stammlanden der Verbindungen wie Luzern, Basel, Bern, etc.. Diese werden nicht nur von Kyburgern besucht, sondern vor allem von Mitgliedern der sechs Blockverbindungen Neu-Romanen und Allemannen von Fribourg, Burgunder aus Bern, Rauracher aus Basel und Bodaner in St. Gallen.

Am 9. April 2024, Talk & Dine im Saal der Linde Oberstrass. Martin Naville über Beziehung Schweiz zu USA. (Arm mit Uhr von Thomas Fritsche v/o Norm (*1964).

 

An diesem Anlass sprach Herr Martin Naville von der amerikanisch-schweizerischen Handelskammer über die Beziehungen unseres Landes zu den USA. Veronika hat mich begleitet. Es war ein interessanter Abend. Sie meinte aber, beim Apéro hätte ich sie stehen lassen.



2012, Festakt 100 Jahre Kyburger, Aula UNI Zürich, Niklaus Wild inmitten von Kyburgern in der zweiten Reihe der vierte/fünfte von links (mit Mütze)

 

Kyburgerrunde im Lindensäli, 2025. Zu sehen unter anderem: April, Sittich, Sphinx, Spruch, Phag, etc.

 

Regionalstamm Basel
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10.2.  Kyburger als Lebensfreunde – Regionalstamm Basel.
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Regionalstamm Basel

Als ich in Basel arbeitete (2003-2009) verkehrte ich am Regionalstamm in Basel und habe dort nette Leute kennen gelernt, mit denen wir jeweils mit Partnerinnen Spargel- und Wildessen geniessen, fast tagesfüllend rentnerkonform zu Mittag in der Nordwestschweiz und angrenzenden Gebieten. Kurz nach meiner Arbeitsaufnahme beim Kanton Basel-Stadt im April 2003 starb Victor Füglister v/o Anglo (1949-2003). Er arbeitete bei der BIZ in Basel. Mit ihm zusammen waren wir die einzigen zwei Füxe im Sommersemester 1972.

Über die Jahre begegnete ich in Basel diesen Personen aus Verbindungen, die den Kyburgern nahestehen. Dieser Stamm existiert vor allem dank Edgar Jungo v/o Moudy, der aus dem Kanton Freiburg kommt und Neu-Romane ist. Er spielt gerne Golf und war bei der Pharma angestellt und wohnt in Dornach SO:

Edgar Jungo v/o Moudy (*1949, Neu Roman) als Stammlader (2002-2024) (mit Bernadette, dement seit 2025)
Franz Koch v/o Naso, Geometer von Laufenburg mit Theres
Rolf Haltner v/o Junker, der in Laufen wohnt im geerbten Haus
Emil E. Bock v/o Gruft (*1944, Eltern kommen aus der Pfalz) mit Christiane (resp. fribourgisch Christianne) von Münchenstein, er war für die Basler Pharma etliche Jahre im Ausland
Urs Keller v/o Tirggel mit Ursula bis 2009 und ab 2012 mit Verena Spahn, vorher mit Ursula Vogt
Marie-Thérèse Füglister-Pellet, von uns genannt Chrugeli, die Witwe des 2003 früh verstorbenen Victor Füglister v/o Anglo, heute zusammen mit dem Bodaner Anton Müller v/o Konstant
Armin Meier v/o Duschter mit Irene
Bruno Gutzwiller v/o Spienzli (Neu-Roman) mit Vreni (MS)
Felix Arjun Kuhn v/o Gandhi, junger Altherr der Kyburger, Stammlader ab 2025, mit Theresa aus München
Hans-Jochen Ruckstuhl v/o Figl, Mediziner mit Elke (2024 an Demenz gestorben), auch Ärztin von Basel
Christof Hildebrand v/o Xenon54 mit Dr. Irene Püttner
Bernhard Zweifel v/o Phag mit Beate
Benno Schubiger v/o Terza mit Letizia
Martin Luggen v/o Graphit (*1975)
Paul Schmid v/o Job mit Antoinette
Claus Perrig v/o Erguss (1943-2024) gestorben
Karl Neff v/o Gipfl (1927-2019)
Kurt Schmid v/o Malz (1918-2018), Chemiker, war lange Zeit der älteste Kyburger
Hans-Rudolf Feigenwinter v/o Walz (Neu-Roman) mit Marie Madeleine (Benedict Ziegler v/o Scusi ist Schwiegersohn)
Vereinzelt waren auch folgende Farbenbrüder anwesend:
Paul Rüttimann v/o Docht, war Chef von Gruft bei Sandoz
Paul Thüring v/o Spezi (Neu Roman)

Der Regionalstamm findet jeweils einmal im Monat am Mittwoch ab 18 Uhr statt im Restaurant Aeschenplatz (Pächter seit einigen Jahren Panorama AG, wie Brune Mutz BS und Walliser Kanne ZH).

Das Wildessen wird meist von Naso und Moudy organisiert, eigentlich waren wir meistens im Restaurant Rebstock in Laufenburg. Der Wirt ist selber Jäger. Moudy wählt den Wein jeweils im Voraus, meist nach einer Degustation. Zuerst fand das Wildessen am Abend statt, später auf vielseitigen Wunsch am Mittag. Seit 2024 essen wir in der Pinte Sisseln, am 27. Novum ber 2025 zum Beispiel Nüsslisalat mit gebratenen Champignons 12.50, Rehschnitzel Pinte 42.- und Nesselrode 10.50. Alles in allem habe ich bei kommunistischer Teilung Fr. 85.- für eine Person. Wir waren 18 Personen in einem separaten Raum.

Das Spargelessen findet so im Monat Mai am Abend statt. Lange Zeit waren wir im Rebstock in Haltingen, dann im Landgasthof Engemühle, Efringen-Kirchen (gut erreichbar mit Auto, vor allem von Zürich aus ohne Stau) und nach der Pandemie im Hotel Restaurant Ott’s Leopoldshöhe in Weil am Rhein. Dieser Ort ist gut erreichbar mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Es sind immer schöne Anlässe in gutem Ambiente. Die Runde zeigt jeweils aber auch, wie ein blühendes Leben schnell welken kann, auch wortgewaltige werden auf einmal stumm. Dies zu sehen, erinnert jedes Mal, das Leben nach Möglichkeit zu geniessen, solange es Körper und Geist zulassen.
Linde Oberstrass - Verbindungshaus
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10.3.  Kyburger als Lebensfreunde – Linde Oberstrass - Verbindungshaus.
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Stammleben in Zürich: Schützengarten und Linde
Quartierrestaurant wird zum Verbindungshaus
Mein Engagement beim Kyburgerhaus 1990 bis 2000

An den Stämmen am Samstagabend hörte ich jeweils die alten Herren (AHAH) schwärmen vom früheren Stamm im St. Peter. Jede Generation hat ihre Erlebnisse und Erinnerungen. Für mich war der Schützengarten (auch ‚SchüGa‘ genannt) gleich beim beim Bahnhofplatz Zürich ‚mein‘ Stamm. Er befand sich gleich neben dem Eingang vom Innenhof, Bahnhofplatz 3, links in einer geschützten Ecke mit Stammtisch, Nebentisch, Biertafel, Stabellen. Das Archiv und auch die ‚Fläuse‘ waren im Dachgeschoss untergebracht. Der Wirt hiess Schuhmacher und war uns wohlgesinnt wie auch eine alteingesessene Serviertochter, die uns manchmal mütterlich betreute.
Ab zwölf Uhr mittags hatte es meist schon Kyburger dort, zu meiner Fuxenzeit der Erinnerung nach Chrüüter, Hörnli, Pfadi, Memuar, Schweif, etc. um einige zu nennen. Ab 18 Uhr war das Tragen der Farben für Aktive angesagt. Der Komment galt immer, mit oder ohne Farben. Als Aktive hatten wir uns jeden Abend für einige Zeit zu zeigen.
Es war für mich eine interessante Erfahrung und ich genoss das Stammleben, auch wenn ich mit dem Bier-Trinken eher Mühe hatte. Ich konnte beim besten Willen nicht soviel und so schnell trinken wie andere. Ich machte manchmal, wie von appenzellischen Landen gewöhnt, spitze, meines Erachtens träfe Bemerkungen. Ging ich gemäss dem Angesprochenen zu weit, so konnte er mir einen Bierjungen anhängen. D.h. ich musste eine Stange (3 dl.) Bier ex trinken. Meinem Körper gefiel das nicht immer. Es war ähnlich wie beim Rauchen, das ich mit 17 Jahren - zum Glück - kaum angefangen schon wieder aufgegeben habe, weil es mir immer schlecht geworden ist. Bei den Kyburgern herrschte offiziell kein Trinkzwang. Einige Jahre nach meiner Fuxenzeit hatten wir einen Kollegen aufgenommen (Caesar), der aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol trinken konnte. Er war eine Ausnahme.

Der Stamm ist das Zentrum für eine Verbindung. Die Studentenunruhen und die daraus entstandenen gesellschaftlichen Lockerungen setzten dem Stammleben der Verbindungen auf dem Platze Zürich zu. Die Wirte trimmten die Lokale auf Rendite, das Jassen wurde eingeschränkt, nur für Mitglieder reservierte Stammtische wurden in Frage gestellt. Etliche Verbindungen verloren ihre Stammbeizen. Dies führte dazu, dass sich einige Verbindungen im Restaurant Strohhof ihren Tisch über die Woche teilten, je nach Wochentag hatte eine andere Verbindung ihren Stamm.

Die Kyburger pflegen ihren täglichen Stamm. Zu meiner aktiven (Studien-) Zeit war von 12-23 (Polizeistunde) Uhr immer jemand anzutreffen. Der Stamm der Kyburger ist nicht nur ein Tisch. Die Foto zeigt das Mobiliar.


Kyburgerstamm in der Linde Oberstrass, Universitätsstrasse 91/93, Zürich. Mobiliar.

 

Foto von Stamm in der Linde ab 1994 bis 2020. Während der Pandemie wurde er auf die andere Seite des Eingangs verlegt in Absprache mit dem Geschäftsführer, Herr Benitez.

Oktober 2024. Geschäftsführer der ersten Stunde Herr Benitez im Kaminzimmer. Foto Boris Müller TAZ. 30 Jahre nach der Eröffnung.


 




Einige AHAH sorgen sich um die Zukunft des Stamms und vier kauften 1970 in einer Blitzaktion das Splendid an der Rosengasse 5 im Niederdorf. Es war ein Hotel mit Bar und Restaurant unter der Leitung von Gretel Steiner. Im Lokal hatte es einen Flügel und zu später Stunde wurde gesungen. Unter den Gästen hatte es Opernsänger. Zur Abgewöhnung hatten wir jeweils unsere Konvente dort. Alle Kyburger konnten sich nicht anfreunden mit der Idee, das Splendid als Verbindungshaus zu betrachten. Da zeitweise bordellähnliche Aktivitäten das Splendid auszeichneten, war das schwerlich mit den christlichen Werten der Verbindung in Einklang zu bringen.
Die Genossenschaft Kyburgerhaus wurde gegründet und das Splendid in diese Genossenschaft eingebracht. Der angesehene Unternehmer Rolf Hafner v/o Tank konnte 1979 dank seiner Beziehungen von der Familie Niedermann die Linde Oberstrass, Taverne und Zunfthaus, für 1.6 Millionen Franken erwerben für die Genossenschaft. Im Gegenzug wurde das Splendid verkauft.
Die Linde bestand aus zwei Häusern, ein Quartierrestaurant mit Saal und Hotelzimmern im Nr. 91 und eine Drogerie, zwei Wohnungen, Lager, Lingerie für das Hotel sowie 3 Parkplätze vor der Drogerie im Nr. 93. Die Kyburger hielten von da an die grossen Anlässe im Zunftsaal wie auch zum Teilunsere Konvente der Verbindung. Der Vorstand der Genossenschaft versuchte den Betrieb zu optimieren mit dem Einbau einer Kegelbahn und einem Pub. Als Kyburger fühlte ich mich verpflichtet, hin und wieder dort einzukehren. Ich fühlte mich nie wohl dort. Mit Gästen ging ich nicht dorthin.

Exkurs: Nach dem Studium trat ich beim Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA) bei und besuchte dessen Anlässe. Der Verein hatte ca. 3000 Mitglieder. Der Vorstand unter Eugen Fischer wollte den Bezug zu jüngeren Fachleuten fördern. Er schaffte im Vorstand zwei ‚Sitze‘ für Vertreter der Jungen. Ich habe mich gemeldet und erhielt den Sitz, zusammen mit Urs Bollhalder (UB). Dort lernte ich einen Vertreter der (reformierten) Studentenverbindung kennen, denen das Restaurant Vorderberg bei der Kirche Fluntern gehörte, mit den gleichen Problemen wie die Linde. Der SIA hatte die Vorstandssitzungen meist in jenem Gebäude. Mir wurde klar, mit der dort angewandten ‚Pflästerli‘-Sanierung kommt man nicht weiter. Ab irgendwann Ende der 80-er-Jahre kam Rolf Brändle v/o Fürli (Bauingenieur) auf mich zu und frage mich, ob ich im Vorstand mitarbeiten möchte. Ich gehörte keinem inneren Zirkel bei den Kyburgern an. Ich sagte zu und nahm an den Sitzungen unter dem Präsidenten Rolf Hafner v/o Tank teil. Fürli wusste wahrscheinlich, dass Tank das Präsidium abgeben möchte, denn er wurde Präsident und konstituierte am 23. November 1990 einen Planungsausschuss mit mir als Vorsitzender, als Mitglieder fungierten Fürli und Paul Herzog v/o Form, seines Zeichens Architekt. Wir drei machten uns Gedanken. Das Gesundheitsinspektorat machte bereits seit 1980 Auflagen, denn in der Küche hielt der Boden nicht mehr. Ich war gegen eine Fortführung der Pflästerlipolitik. Gespräche mit der Brauerei und dem an sich willigen Wirt brachten uns nicht weiter. Die Hotelzimmer waren wohl immer ausgebucht, meist von Dienstleistern oder Monteuren über längere Zeit belegt, billig und in einem schlechten Zustand. Auch mit der Zunft führten wir Gespräche, denn dieser war der Zunftsaal mit all ihren Emblemen sakrosankt.

Bei den SBB war ich seit 1986 für die Liegenschaft zuständig und zu jener Zeit ging das in meiner Verantwortung liegende ShopVille HB-Zürich in Betrieb. Dort operierten wir mit Rohbaumietverträgen zur Aufteilung des Risikos zwischen Eigentümer und Mieter. Der Mieter investierte selber in den Innenausbau. So schlug ich es auch für die Gastronomie vor. Wesentlich war das Schnittstellenpapier zwischen Rohbau und Ausbau. Ein ‚normaler‘ Wirt wollte und konnte das aber nicht. Die damalige Bierlieferanten Brauerei Hürlimann wollte auch nicht und konnte uns niemanden vermitteln. Zu jener Zeit dominierten die Brauereien die Gaststätten. Der Wir sah auch keine Zukunft auf einer solchen Basis.
Bei den SBB gehörten all die Bahnhofsbuffets in meinen Bereich. Dort entflochten wir systematisch die bisherigen Verträge, in dem wir die Einrichtungen den Betreibern verkauften resp. mindestens deren Unterhalt und Ersatz übertrugen.
Ich suchte einen unabhängigen Gastroberater und fand ihn über eine SBB-Veranstaltung. Es war Kurt Walker, Gastrokonzeptor. Er machte uns Vorschläge und die zugehörigen Wirtschaftlichkeitsrechnungen. Zur Schonung unseres Planungsbudgets planten wir zuerst nur Haus Nr. 91 mit Restaurant und Hotelzimmern zu sanieren. Vorgabe war immer die Integration des Stammbetriebes im Restaurant. All die gutmeinenden Empfehlungen gingen dahin, wir sollen doch im ersten Stock mit einem entsprechenden Raum Vorlieb nehmen. Einzelne Verbindungen in Bern oder Freiburg hatten solche Lösungen, waren aber überhaupt nicht zufrieden. Herr Walker sagte immer, die Restaurantfläche sei zu klein für einen wirtschaftlichen Betrieb. Unserer Idee, den Saal als Zusatzfläche zu nutzen, konnte er nicht folgen. Er schlug vor, die Fläche der Drogerie im Haus Nr. 93 als erweiterte Fläche zu beplanen. Dies führte unweigerlich zu einem Gesamtkonzept: Wohnung statt Hotelzimmer, Restaurant auf ganzer Erdgeschossfläche, gemäss Walker benötigt ein moderner Wirt kein separates Büro im ersten Stock, sondern nur eine Nische bei der Servierstation, der Parkplatz für drei Autos wird zu einem Biergarten. Ein Jahr nach Konstituierung des dreiköpfigen Planungsausschusses legte dieser den Genossenschaftern dieses Konzept vor, das allen gefiel. Der nötige Projektkredit zur Planung mit Kostenvoranschlag wurde indessen abgelehnt. Wir arbeiteten alle ehrenamtlich. Es braucht ein Urvertrauen, nach solchen Sitzungen doch noch weiter zu machen. Form stellte sich zur Verfügung, unentgeltlich eine Konzeptstudie über die bauliche und betrieblich Erneuerung zu erarbeiten. Es nahm alles seinen Lauf. Hürde um um Hürde wurde genommen, getragen wurde das Ganze hauptsächlich von Rolf Brändle v/o Fürli, Paul Herzog v/o Form, mir und Bruno Wick v/o Kran. Am 1. Oktober 1994 wurde die Taverne zur Linde eröffnet. Form hat die Phase dieser Geschichte der Linde von 1990-1994 in einer anschaulichen Schrift zusammengefasst.
Der gesamte Umbau kostete Fr. 9.7 Mio. Für die Finanzierung des Kyburgeranteils von Fr. 4.0 Mio. wurde die Linde Oberstrass AG gegründet mit mir als VR-Präsidenten. Die AG war die Generalmieterin des ganzen Hauses gegenüber der Genossenschaft. Es waren zehn intensive Jahre. In dieser Zeit gingen meine drei Kinder in die Primarschule und das Gymnasium. Selber war ich viele lange Abende an Sitzungen. Viel Überzeugungsarbeit war zu leisten: z.B. zur Verlegung des Stammes vom Bahnhofplatz in die Linde.
Der (ab 2023 amtende) AHAH-Präsident Thomas Hess v/o Erker (*1965) sah dies damals als Aktiver eher kritisch. Interessant ist auch die Personalie Rotz, ein engagierter Kyburger, der wortgewaltig darlegte, bei der Linde müsse sich etwas verändern, aber nicht im von uns vorgeschlagenen Sinne.  Er ist später aus welchen Gründen auch immer aus dem Verein ausgetreten. Seine Tochter hingegen, Gabriella Biffiger v/o Ariella, betreut seit 1994 das Liegenschaftenverwaltungsmandat gegen Honorar. Am 25. Oktober 2024 wurde ihr Mann Gregor Biffiger v/o Flach (also der Schwiegersohn von Rotz) zum Genossenschaftspräsidenten gewählt. Er sagte nach der Wahl, für ihn schliesse sich der Kreis, sei er doch früher unter dem Präsidenten Rolf Hafner v/o Tank im Vorstand gewesen und sie hätten sich z.B. um Bügeleisen in der Lingerie kümmern müssen.
Im Jahre 2024 sagte mir am Stamm einmal ein junger engagierter Altherr, dass in der Linde der Stammbetrieb sogar mit einer Dienstbarkeit, im Grundbuch eingetragen, gesichert sei. Das gebe es nur bei den Kyburgern. Er war ganz erstaunt, als ich ihm erklärte, dass diese Idee aus meiner Zusammenarbeit mit dem Berater Dr. Hans Naef (GSP AG) entstanden sei.


Oktober 2024, Husbier, Bagel. Foto Boris Müller TAZ. 30 Jahre nach der Eröffnung (damals als Back & Brau).

 







Der sogenannte Zunftsaal ist wirtschaftlich die Schwachstelle. Damals brachte ich die Idee ein, sowohl die Kyburger als auch die Zunft sollen einen Infrastrukturbeitrag leisten zur Abgeltung des Reservationsrechtes für bestimmte Anlässe. Dieser Begriff war damals bei den SBB üblich in Gesprächen mit den Gemeinden beim Ausbau/Erneuerung von Bahnhöfen. Dieser vereinbarte Betrag wurde jahrelang von beiden Organisationen man die Linde überwiesen.

Letztlich ist die Linde eine Erfolgsgeschichte und die Entwicklung geht nach 30 Jahren Betrieb in eine neue Phase.
Selber bin ich stolz auf das Erreichte. Die heikle Phase war das Abstimmen der Baueingabe mit der Kündigung des Pachtvertrages mit dem Wirt. Hätte der Nachbar wie angedroht, gegen die Baubewilligung rekurriert, hätten wir eine Zeit lang keinen Wirt und auch keine Erträge gehabt. Das Schnittstellenpapier von Paul Herzog v/o Form war wasserdicht und der Kostenvoranschlag von Fr. 4 Mio. konnte eingehalten werden. Auch deren Finanzierung in Form von Aktien ist gelungen. Das Konzept Back & Brau hat im Quartier eingeschlagen. Wir erzielten Mieten über der vereinbarten Mindestmiete, da eine Umsatzmiete vereinbart war. Die Hypothek konnte auf ein erträgliches Mass amortisiert werden. Wohnungen statt Hotelzimmer haben sich bewährt. Gabriela Biffiger, die Frau unseres Gregor Biffiger v/o Flach hat immer nahtlos vermieten können. Im Nachhinein war die Sorge vieler Altherren, die 1970 das Splendid kauften zur Sicherung des Stammes berechtigt. Wo könnten die Kyburger noch einen Stamm abhalten in einer passenden Umgebung, UNI und ETH sind nicht mehr nur im Zentrum präsent, sondern auch auf dem Hönngerberg und dem Irchel. Die Linde ist aus dieser Sicht gut gelegen.

Für mich war nach dem zehn-jährigen Engagement klar, eine solche ehrenamtliche Tätigkeit mit professioneller Leistung nehme ich nicht mehr an. Ich wurde vorsichtiger mit 'Ja-' sagen.
Zur Finanzierung der Linde hat AHAH-Vorstand seinerzeit eine Aktion für lebenslängliche Mitgliedschaft durchgeführt. Es war ein grösserer Betrag einmalig zu zahlen, was ich gemacht habe. Als ich so nach 2010 angefragt wurde, ob ich nicht doch wieder jährlich einen Mitgliederbeitrag zahlen würde, habe ich standhaft abgelehnt. Die Genossenschaft Kyburgerhaus hat nämlich Urs Lenzi v/o Contra, der bei der damaligen Linde Oberstrass AG mein Nachfolger geworden ist, nämlich Fr. 50'000.- Honorar bezahlt mit der Begründung, der Pächterwechsel sei so aufwändig gewesen. Ich dachte, was hätten wohl Fürli, Form und ich sagen können, war unser Aufwand um einiges höher und risikoreicher gewesen.

Mich freut es immer wieder zu sehen, wie das Konzept auch 30 Jahre später immer noch funktioniert. Die Gesamtsanierung 1990-1994 ist vollumfänglich gelungen
 
Ziel war indirekt ein Verbindungshaus, wie es deutsche Studentenverbindungen haben. Wenn Kyburger ihre Anteilscheine dem Altherrenverband überschreiben lassen nach dem Tode, so könnte der Verein nach 100 Jahren Mehrheitseigentümer der Liegenschaft sein und Studenten auch Zimmer oder Wohnungen zur Verfügung stellen. Die Kyburger haben mit Geld aus der Genossenschaft 2019 Eigentumswohnungen (Heureka) an der Winterthurerstrasse 295 gekauft und vermieten diese an acht 'ihrer' aktiven Mitglieder.



Paul Herzog v/o Form, der zuverlässige Architekt  

Er wohnt mit seiner Frau Anita in Müllheim im Kanton Thurgau
Bei der Linde Oberstrasse lernte ich ihn als seriösen Architekten kennen. Er plante dort zuerst für Gottes Lohn, brachte gute Ideen ins Team und verfasste eine ‚wasserdichte‘ Ausschreibung. Wir mussten auf keinen Nachtrag des Unternehmers oder weitere Wünsche des Mieters eingehen.
Er ist eher ein stiller Bürger, er interessiert sich z.B. für Militärgeschichte. Als ich bei der Intershop ganze Gebäude an den Kanton vermieten konnte, holte ich ihn als Unterstützung bei der Definition des Mieterausbaus. Das ist eine Sysiphus-Arbeit zusammen mit den späteren Nutzern, dem Schulamt. Sein genaues Arbeiten führte auch hier zum Erfolg.
Kurt Venzin v/o Schuss
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10.4.  Kyburger als Lebensfreunde – Kurt Venzin v/o Schuss.
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Kurt Venzin v/o Schuss, Götti von Isabelle Wild (*1986)

Als Familie hatten wir Kontakt mit Kurt Venzin v/o Schuss und seiner Renate. Schuss ist Götti von unserer jüngsten Tochter Isabelle. Jedes Jahr bekochte uns Schuss an seinen Gotte- und Götti-Treffen. Als Schuss an der GV 2023 in Sursee Veteran, d.h. 50 Jahre Mitglied des SchwStV, geworden ist, hat er mich gebeten, seine Laudatio zu halten, was ich gerne gemacht habe. So habe ich viel über sein Leben erfahren, obwohl man meint, man kenne seine Kollegen. Mit seiner Frau Renate hat er zwei Söhne, Thomas und Andres. 

Er war auch Teil der Kyburger-WG am Hirschengraben. Er hat einen ähnlichen Hergang wie ich. Im Nachhinein erklärt sich dies damit, dass wir uns wegen übereinstimmender Wertvorstellungen bei den Kyburgern gefunden haben. 
Als ich ihn nach einigen Lebensdaten für die Laudatio fragte, hat er bei einem seiner Camping-Aufenthalte unbewusst nach der Methode 'Schreiben ohne Pause' einige Tage lang intensiv geschrieben. Die Seiten hat er mir als Foto gesandt, 48 an der Zahl. Aus diesem Fundus konnte ich die Laudatio aufbauen, die ich dem Leser in der Form überlasse, wie sie im Jahresbericht der Kyburger in der Fassung vom 2. September 2022 erschienen ist.




Kurt Venzin v/o Schuss, geboren am Sonntag, 9. März 1952

Laudatio zu Ehren seiner 50 Jahre im Schweizerischen Studentenverband, gehalten an der Veteranenehrung der Kyburger im Burger-Saal im Rathaus Sursee am 27. August 2022

Hoher derzeitiger Altherren-Präsident Tenno, liebe Renate, lieber Schuss, liebe Damen, liebe Kyburger, liebe Gäste

50 Jahre ist es her, dass Kurt Venzin v/o Schuss am Zentralfest in Luzern in den Schweizerischen Studentenverband aufgenommen worden ist. Zusammen mit seiner Frau Renate ist er hier. Er möge sich mit seiner stattlichen Postur allen einmal zeigen.

Warum sehen die beiden so blendend aus? Renate ist seit April diesen Jahres pensioniert und wird nun nicht mehr von Schuss mit seinem Elektroauto in die Anwaltskanzlei an die Bahnhofstrasse gefahren. Seit Ostern kurven die beiden mit ihrem Camper durch Frankreich. Geübt haben sie das Kampieren jeweils an verlängerten Wochenenden in den letzen sechs Jahren, nachdem Schuss pensioniert worden ist.

Wenn man das siebzigjährige Leben von Schuss geografisch betrachtet, so verbrachte er 14 Jahre Kindheit und Jugend in Andermatt, dann sechs Jahre im Internat am Kollegium Schwyz und die restlichen 50 Jahre in Zürich.

Warum sitzt jetzt Schuss mit seiner rosa Mütze / rosa Stürmer mitten unter uns. Schuss ging in Andermatt in die Primarschule und auch in die Sekundarschule, die er ohne Probleme bewältigte. Schuss bekam die Gelegenheit bei Landis & Gyr eine Schnupperlehre zu absolvieren, die aber komplett in die Hosen ging. Schuss konnte sich nicht vorstellen, in einer grossen Fabrik zu arbeiten und dies erst noch in einer Stadt wie Zug. Der Sekundarlehrer empfahl dann seinen Eltern: ‚Wenn er nicht arbeiten will, soll er halt ins Gymnasium!‘ So landete er als Interner im Kollegium Schwyz mit Ziel Matura Typus C. Vorher durfte er noch vier Monate intensiv französisch lernen in Estavayer-le-Lac, womit dieses Fach schon gerettet war. Da er schulisch auch in Schwyz keine Probleme hatte, suchte er Aktivitäten, um dem streng geordneten Internatsbetrieb zeitweise entfliehen zu können, wie Singen im Chor oder als Posaunist in der Kollegimusik oder als Mitglied der Studentenverbindung SUITIA. Diese tauften ihn auf den Namen Bloch. Dieser Ausdruck kommt von ‚blochen‘, worin der ski-gewohnte Andermatter Meister war - sehr zum Missfallen eines Mitschülers aus Österreich namens Kneissl. Dessen Vater, Skifabrikant, hat ihm fünf verschiedene ‚Bretter‘ mitgegeben, was aber dem Sohn nicht viel genutzt hat. Auch ein St. Moritzer-Kollege namens Dillier konnte nicht begreifen, dass ein Andermatter und erst noch Bernhard-Russi-Fan zweimal das Kollegirennen gewinnen kann.

Dem Suitianer Schuss gefiel der Stammbetrieb im Locanda und auch die Besuche der Blöckler, allen voran Kyburger und Neuromanen.

Wenn die älteren Semester unter uns an Andermatt denken, so kommen einem Schnee, Kälte, Wind, Militär und stinkende Gotthard-Autokolonnen in den Sinn. In diesem Andermatt kam Schuss im März 1952 zuhause unter Mithilfe einer erfahrenen Hebamme zur Welt, wie drei Jahre vorher und vier Jahre später je seine Brüder. In Andermatt aufwachsen hiess katholisch aufwachsen. Andersgläubige gingen in die separate ‚Ausserschule‘. Sich mit dem Pfarrer anzulegen bedeutete die Ächtung und die namentliche Erwähnung in der Predigt.

Es war auch üblich in den Familien, dass eines der Kinder zum Priesterberuf motiviert wurde. Er hatte in seiner Verwandtschaft eine Familie, bei der vier von fünf Kindern ins Kloster eingetreten sind. Seine Mutter, eine aufgeschlossene und weise Frau, pflegte später zu sagen: ‚Von unseren Kindern haben sie keines erwischt, also haben wir Eltern alles richtig gemacht.‘

1971 wurde Schuss im ‚Chüechlibunker‘ in Schwyz zum Radarsoldat ausgehoben. Schuss mit seiner unsäglichen Kraft landete erstaunlicherweise nicht wie erwartet bei den Füseln oder den Gebirgsgrenadieren, dies weil seine Mutter dank ihren eigenen 1’800 Diensttagen den Aushebungsoffizier gut kannte. Als Radargefreiter schloss Schuss dann sehr zum Missfallen seines Andermatter Umfelds seine militärische Karriere ab.

Nach der bestandenen Matura im Jahre 1973 ging es dann in die Sommer-Rekrutenschule, die jeweils bei Semesterbeginn noch andauerte. Schuss rief als Rekrut am Stamm der Kyburger im Schützengarten an, er möchte bei den Kyburgern anheuern und ob sie ihm für die Anfangszeit ein Zimmer besorgen könnten. Mit Chrüter wohnte er dann an der Voltastrasse 40, später konnte er in die Kyburger-WG an den Hirschengraben zu Ovid, Tirggel, Fluum und Wif umziehen. Diese Wohnung lag zwischen seinem Studienort ETH und dem Stamm am Schützengarten, also alles in Fussdistanz. Die Fuxenzeit hat Schuss als hart, richtig hart in Erinnerung, denn es wurde gerade ein neuer Komment in Kraft gesetzt, den man so richtig ausleben, austoben und austesten wollte. Schuss fühlte sich trotz allem wohl am Stamm. Für Schuss ist das Kyburgersein ein ‚am Stamm sein‘: fünf, sechs Studenten am runden Tisch, ergänzt mit zwei, drei Altherren. Grossanlässe waren nicht sein Ding. Aber familiäre Geselligkeit mit Gleichgesinnten, reichlich Bier, ein Buechmann Bürli mit Maggi, der monströse Aschenbecher bis hinauf zu Ueli’s Burg voll mit abgebrannten Zigarettenstummeln, ein Kantus dazwischen, das war sein Kyburgersein. Oder am Sonntagabend, wenn die Aktiven mit der Bahn einrückten und AH Schmelz selig anhören mussten z.B. mit ‚Jetzt kommt der ungezogene Rüppel aus der Innerschweiz wieder in die Zivilisation‘. Auch AH Lord selig genehmigte sich einen Schlummerbecher und teilte den Jungen mit, sie seien ja alles ‚nume Tübel und die Welt würden sie ohnehin als Nicht-Zürcher niemals verstehen, aber ‚glatte Sieche‘ seien sie‘ und schon kam die nächste Runde. Schuss hat zwei Biersöhne, Christoph Schenker v/o Stock und Jürg Schmidli v/o Musckel. Schuss bekleidete das Amt des Fuxmajoren als seine höchste Charge.

Schuss sagt von sich aus, an der Aushebung hätte er 74 kg gewogen, später dann einmal 130 kg und jetzt läge er unter 100 kg. Schuss ist ein Koloss in der Erscheinung und dank ihm stehe ich überhaupt noch hier. Einmal nach einem Stammbesuch gingen wir über die Bahnhofbrücke nach Hause an den Hirschengraben. Uns kamen jeweils die Besucher vom Niederdorf entgegen und ein Wort gab das andere bis mich einmal drei Kerle fertig machen wollten. Zum Glück kam Schuss dazu und stellte wieder Ordnung her. Lieber Schuss, diese Szene habe ich immer noch im Kopf und bin dir für deinen damaligen Einsatz dankbar.

Schuss wurde als Familienmensch erzogen und gründete auch selber eine Familie. Im Mai 1981 heirateten Renate und Schuss auf Schloss Heidegg. 1985 kam dann ihr Sohn Thomas und 1987 komplettierte Andres das Familienglück. Beide Söhne haben das durchlässige Bildungssystem mit unterschiedlichen Ausbildungen genutzt und sind heute in leitenden Funktionen tätig. Schuss ist ein begnadeter Koch und verwöhnt seine Gäste und die Familie gerne. Dies hat er schon im Hirschengraben gezeigt. Als Pensionierter hat er auch einen Lehrgang im Wursten gemacht und isst seitdem nur noch seine eigenen Würste. Die Familie lebte immer in der Stadt Zürich, lange im Erdgeschoss in Seebach und jetzt im 8. Stock mit Weitblick in Zürich-Affoltern. Von dort umrundet er den Flughafen fast täglich mit seinem Fahrrad. Schuss und Renate sind seit 2006 stolze Bürger der Stadt Zürich. Ihre beiden Söhne allerdings waren der Meinung: Bündner sein ist doch geiler als Zürcher, ist ihr Grossvater doch über den Oberalppass nach Andermatt gekommen.

Schuss kocht und isst gerne und hört auch gerne klassische Musik. Das alles hat mit Kultur zu tun. War das der Grund, dass er Kultur studierte? 1973 hat Schuss an der ETH mit dem Studium als Kulturingenieur begonnen. Ihn beeindruckten die Themenvielfalt dieses Studiums. Er bestritt all die Vorlesungen und Vordiplome wie auch das Schlussdiplom ohne Probleme.

Vielmehr in Erinnerung bleiben seine Spezialarbeiten: Im Sommer 1976 zum Beispiel bestimmte Schuss im Russengraben oberhalb Andermatt in einem Ferienjob für die geodätische Kommission mittels Präzisions-Vermessungsarbeiten gewisse Geländebewegungen im Zusammenhang mit dem damals im Bau befindenden Gotthardstrassentunnel. Sein Fazit: Nur exaktes Schaffen führt zum Ziel. Des Weiteren stellte er zusammen mit fünf weiteren bergerfahrenen Diplomanden eine digitale Karte der Eigernordwand für die Rettungskolonne von Grindelwald her. Fazit: Eine unglaubliche Erfahrung im Berg und eine glatte sechs für das Diplomzeugnis.

Nun haben wir viel über Schuss erfahren, aber was machte er eigentlich beruflich. Alle Zürcher im Saal können Schuss für seinen Einsatz dankbar sein, er hat sich nämlich für unser Trinkwasser eingesetzt. 29 Jahre hat er beim Kanton Zürich das Amt für Gewässerschutz und Wasserbau mitgeprägt, die letzten zwanzig Jahre als Leiter der Abteilung Gewässerschutz mit 60 Mitarbeitenden. Er hat den Regierungsräten Eric Honegger, Hans Hofmann und Markus Kägi gedient. Auch hatte er Freude an der Arbeit im Zivilen Kantonalen Führungsstab.

Aber nun mal von vorne: Nach dem Diplom an der ETH machte er erste Gehversuche als Ingenieur bei Paul Schmid v/o Job in Hägglingen. Ein Kollege lotste ihn dann zurück an die ETH als Assistent zu Prof. Trüb zum Institut für Hydromechanik und Wasserwirtschaft. Dort hat sich Schuss eingehend mit dem Grundwasser beschäftigt. Von 1982-1987 heuerte er bei einem Ingenieurbüro im Seefeld an mit unzähligen Einsätzen im Nahen Osten, Saudi-Arabien und vor allem Algerien. Dort lernte Schuss den Umgang mit vielen Mentalitäten, Sprachen, Nationalitäten. Zu guter letzt unterstützte ihn dann in der Wüste einige Zeit lang auch seine Frau Renate. Als Bonus hatte er eine Sahara-Abenteuer-Reise mit dem Auto zusammen mit Renate zu gut, die ihnen viele unvergessliche Eindrücke vermittelten.

Im Sommer 1987 passierte es dann: Sein ehemaliger Prof. Trüb telefonierte ihm kurz in dem Sinne: ‚Ich habe dir nicht die Grundwasserhydraulik bis ins Detail beigebracht, damit du in der Dürre da unten in Afrika verblödest.‘ Daraufhin wurde Schuss beim Kanton Zürich vom damaligen Amtschef angestellt, obwohl er katholisch sei. Dort kümmerte sich Schuss um Grundwasserschutz, Trinkwasseraufbereitung, Themen wie Nitrat und Pflanzenschutzmittel beschäftigten ihn wie auch die Oberaufsicht über alle Wasserversorgungsanlagen. 2001 übernahm Schuss dann die Abteilung Gewässer und hatte damit zusätzlich noch die Verantwortung für die ganze Siedlungsentwässerung, Abwasserreinigung, Labor, Erdwärme, Atom-Endlagerung der Nagra, Wassergesetz, etc. Sein Credo: Kein Profit mit Trinkwasser. Über das Wassergesetz kann übrigens in Bälde abgestimmt werden.

Eines Morgens konnte Schuss nicht mehr aufstehen und schlief Tag und Nacht. Seine Frau Renate schmiss eines Tages all die Pillen weg und begleitete Schuss mit viel Liebe und Zuneigung durch diese Krise. Schuss hat dabei alle Harry-Potter-Bücher eingesogen. Nach drei Monaten konnte Schuss wieder arbeiten und lernte zu delegieren.

Von den Kapuzinern meinte ich einmal gelernt zu haben, dass im Leben jedes Menschen alle sieben Jahre etwas Entscheidendes geschieht. Bei Schuss sieht dies zum Abschluss und zur Rekapitulation wie folgt aus:
Mit sieben Jahren ging er in die Primarschule, mit 14 Jahren trat er ins Gymnasium in Schwyz als Interner ein, mit 21 Jahren machte er die Matura, die Rekrutenschule und begann das ETH-Studium. Mit 28 verlobte er sich mit Renate und mit 35 Jahren erhielt er das kurze, aber klare Telefon von seinem Prof. Trüeb. Mit 49 wurde er zum Leiter Gewässerschutz mit 60 Mitarbeitenden. Mit 56 hatte Schuss den körperlichen Zusammenbruch und mit 63 entschloss er sich, in Rente zu gehen, weil seine beiden Vorgesetzten, Regierungsrat Kägi und sein Amtschef, auch in Pension gingen.

Und mit seinen 70 Jahren sitzt Schuss mitten unter uns und freut sich mit seiner Renate am Leben. Freuen wir uns mit ihm.

Herzlichen Dank!

Niklaus Wild v/o Wif, Im Tiergarten 50, 8055 Zürich
Mail: n.wild@alumni.ethz.ch

An den Iden des März im letzten Amtsjahr von Corinne Mauch (15.3.2026) feierte Schuss seinen 74. Geburtstag. 
Wir durften seine Schwägerin Monika & Steve kennen lernen. Sie leben in Schluein zwischen Laax und Ilanz. 30 Jahre lang war diese Wohnung ihr Zweitwohnsitz und seit vier Jahren ihr Erstwohnsitz. Eine Dependance in Watt Regensdorf haben sie behalten, das Haus allerdings einem ihrer Kinder überlassen. Monika behandelte bis zu ihrem AHV-Alter Menschen in ihrer Praxis für Polarity und bot auch Yoga an. Sie meint, sie sei noch naturverbundener als Renate, die vor allem homöopathisch unterwegs ist.
Sein Schwager René war auch anwesend.
Desgleichen auch sein Bruder Erich mit Uschi, die gerne Curling spielt. Sie wohnen in Schleinikon. 
Mit dem jüngeren Bruder von Andermatt pflegen beide keinen Kontakt mehr, seit dieser das Elternhaus mit gezinkten Schätzungen unter den Nagel gerissen hat. Die Mutter von Schuss wurde von ihren Brüder seinerzeit auch abgespiesen, selber wurden sie mit Landverkäufen in Andermatt Millionäre.
Sohn Thomas (Fa. Anliker) und seine Frau kamen mit den Zwillingen Aurel und Elias. Die Zwillinge sind im September 2023 gesund auf die Welt gekommen. Die Eltern der Schwiegertochter wohnen in Regensdorf und hüten die Zwillinge auch. Alles in Fussdistanz.
Der andere Sohn Andres (Arbeit in Düsseldorf) weilte mit seiner Frau Juanita (aus Bogota) in den Skiferien auf der Bettmeralp. Schuss und Renate fliegen nicht mehr gerne und haben deshalb den Eltern von Juanita noch nie einen Besuch abgestattet. Jene waren einmal hier und haben gekocht. Aufgeräumt haben Schuss und Renate mangels Hausangestellter wie in Bogota.

Anwesend war auch Wiesel Rey mit Frau Regula aus dem Kanton Schwyz. In den letzten Jahren organisierten sie beide ca. 20 Gruppenanlässe von mehreren Tagen Dauer in den umliegenden Ländern. 

Die Nachbarn von der Seebacherstrasse 75 Monika und Marcel waren da. Mit ihnen freuen sie sich immer an Silvester an ihrem gemeinsam zubereiteten Mal von bis zu acht Gängen.

Wir bekamen zu essen in Form eines Buffets: Chili con carne, Rillettes, Lachsmousse, Tatar (vegetarisch), Hummus. An Süssem Mandelkuchen, Schokokuchen oder Crème-Schnitte von einem benachbarten pensionierten Bäcker.
Dazu gab es zu trinken. Ich genoss in einem Zinnbecher weissen Wein aus der Waadt.

Lebensdaten von Kurt Venzin v/o Schuss:
Geboren 9. März 1952, aufgewachsen in Andermatt
Gymnasium am Kollegium Schwyz
Studium an ETH Zürich, Kulturingenieur
Beruflich tätig hauptsächlich beim Kanton Zürich, beim AWEL.

Nach Pensionierung mit Camper unterwegs. Camper stationiert in Winterthur in Halle der Verkehrsbetriebe für Fr. 200.- pro Monat. Sie sind im Jahre ca. 4 Monate unterwegs. Im Herbst gehen sie gerne nach St. Rémy bei Avignon in Südfrankreich. Er liebt die französische Küche und kauft gerne auf den Märkten ein.

Auto mit Elektroantrieb, Ioniq 5 für Fr. 55'000.- gekauft. Schuss zahlte – statt mit Hyundai zu streiten – Fr. 15'000.- für neues Ersatzauto Kona, da Ioniq5 immer wieder ausgefallen ist und der Kostenvoranschlag auf Fr. 30'000.- gelautet hat. Er würde wieder Ioniq5 kaufen, da dieser dank einer speziellen Batterie-Technik schnell aufladbar ist.   

Schuss fährt mit E-Bike von Rieser-Müller um den Flughafen, was jeweils um die 40 km sind. 

Schuss und Renate liessen sich in der Stadt Zürich einbürgern, die Söhne haben das Bündner-Bürgerrecht behalten.



Renate Winkler:  Sie ist in Baden geboren. Am 26. Juli 2024 hat sie uns ihr Elternhaus Halde 11 gezeigt. Ihre Mutter ging seinerzeit zum Pfarrer und sagte, wir wollen heiraten, sie sei schwanger. Der Pfarrer hat gesagt, das machen wir unter der Bedingung, dass das Kind katholisch erzogen wird. Ihr Vater war gebürtig von Weisslingen und arbeitete in Baugeschäft (Butti?) in Regensdorf. Renate ging zum Vater von Kyburger Sittich in den Religionsunterricht. Sie mochte ihn nicht und in der Folge auch Sittich nicht. Schuss regt sich über Sittich und Phag auf, weil diese am monatlichen Dienstag-Stamm im Zeughauskeller immer über den Altherren-Verein lästern. 
Renate arbeitete in einer Anwaltskanzlei. Sie ist jünger als Schuss. In den letzten Jahren vor der Pension arbeitete sie von Di bis Do, sodass sie mit dem Camper von Fr bis Mo bereits mit dem Camper unterwegs sein konnten. 

Wohnorte:
Hirschengraben 70, 8001 Zürich, Studienzeit
Seebacherstrasse 75, Zürich, Zwei Erdgeschosswohnungen während Familienzeit 
Mühlackerstrasse 89, 8046 Zürich, 5 Stock (eingezogen in Neubau)



Kurt Venzin v/o Schuss (links im Bild) am Kyburger-Stamm in der Linde Oberstrass. 2023.

 

2023, Stamm in der Linde Oberstrass (rechts vom Eingang mit mehr Platz, vorher links vom Eingang), links im Bild: Kurt Venzin v/ Schuss, Rolf Schmid v/o Woo-Doo, Marc Petitjean v/o Scherz (*1970), Florin Monn v/o trofea (*1999), Sebastian Heinekamp v/o Abt (* 1993), Fabian Auf der Maur v/o Schall (*1999), Melina Christellis v/o Vaiana (Frau Souverän). rechts: Kevin Hohmann (*1955) v/o Güetig, Stephan Kaiser v/o Veto (*1965), Moritz Holenstein v/o Schüst (*1968).
Urs Keller v/o Tirggel
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10.5.  Kyburger als Lebensfreunde – Urs Keller v/o Tirggel.
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Urs Keller v/o Tirggel, ein treuer Begleiter

An diesem Mittagessen wäre ich als Veteran auch eingeladen gewesen. Wegen der Pandemie galten strikte Vorgaben: Zertifikat, ohne Begleitung, etc. Am Samstag war ich an der Veteranenehrung der Kyburger und auch am anschliessenden Apéro. Aus Vorsicht meldete ich mich nicht an das sonntägliche Mittagessen an. Mit Roland Sieber v/o Frivol habe ich das Gymnasium in Appenzell besucht.


Veterahnenehrung in Einsiedeln. Roland Sieber v/o Frivol (Maturakollege), Urs Keller v/o Tirggel (Kyburger)

 




Urs Keller v/o Tirggel und seine Familie
Tirggel, der Sportliche

Urs Keller, bekannt als Tirggel, trat als sogenannter „Wilder“ - ohne zuvor Mitglied einer Gymnasialverbindung gewesen zu sein - bei den Kyburgern ein. Unsere Bekanntschaft begann in der Kyburger-WG am Hirschengraben 70 in Zürich. Er bewohnte das grosse Zimmer zur Limmat hin, während ich das andere grosse Zimmer hatte. Als Maschinenbau-Student absolvierte Tirggel mit mir im Herbst zweimal das Vordiplom zur gleichen Zeit. Wir legten viel Wert auf einen geregelten Tagesablauf, der Platz für Studium, Pausen und gesittete Stammbesuche bot. Das waren geregelte und gute Sommerwochen.

Am Wochenende fuhr er regelmässig zu seinen Eltern nach Luzern, wo er seinem Vater über seine Wochen-Ausgaben Rechenschaft ablegen musste. Er besass einen Deux-Chevaux, damals ein Kultauto, das er vor unserem Haus parkierte.
Tirggel engagierte sich auch im Militär und brachte es bis zum Oberstleutnant. Gemeinsam mit Farbenbruder Ovid organisierte er gelegentlich militärische Übungen in der Wohnung. Seine militärischen Verpflichtungen verbanden ihn schliesslich mit Ursula Vogt (*18. Dezember 1951–27. Oktober 2009), Schwester des Dienstkameraden Hans Vogt, die er auf dem Offiziersball begleitete. Ursula, eine Primarlehrerin, war die Tochter des Bankdirektors Paul Vogt und Charlotte Vogt-Kellerhals. Nach ihrer Heirat lebten sie zunächst in Untersiggental, da Urs bei der BBC in Baden an der Optimierung von Turbinen arbeitete. Später zog die Familie nach Uhwiesen, wo sie 1991 ein Einfamilienhaus (ca. Fr. 900’000.-) erwarb und Tirggel bei der SIG in Neuhausen anheuerte.


Umzugsanzeige von Ursula Keller von Untersiggental nach Uhwiesen, 1991.

 






Zusammen hatten sie vier Töchter: Franziska, Susanna, Katharina und Eva. Wir pflegten engen Kontakt zu ihrer Familie und verbrachten gemeinsame Ferien, bei denen uns die unterschiedlichen Erziehungsansätze auffielen, insbesondere als wir im Ferienhaus seines Schwagers ‚Chueche‘ wohnten. Ursula war eine sympathische Frau. Sie hatte ihre Linie. Sie hatte Geschick im Dekorieren, im Umgang mit Geschirr, sie konnte z.B. Tische schön decken oder den Christbaum grandios schmücken. Dies war für uns, vor allem meine Frau Veronika, Ansporn, es ihr gleich zu tun. 
Auch erinnere ich mich gerne an eine 2-tägige-Wanderung im Alpstein. Trotz strömendem Regen am Samstag und einigen Strapazen waren es letztlich unvergessliche zwei Tage. Für Ursula, die bei Regenwetter einmal lautstark ihre Unzufriedenheit äusserte, muss ich im Rückblick Verständnis aufbringen. Am Sonntag schien die Sonne in der Bollenwees, die Kleider waren alle getrocknet und die sieben Kinder hatten ihr Fest im Massenlager.

Berggasthaus Bollenwies im Alpstein, Appenzell Innerrhoden. Am Samstag Regen und am Sonntag Sonnenschein. Tirggel und Wif mit ganzer Familie, insgesamt 11 Personen. 90-er-Jahre.

 




Ursulas plötzlicher Tod im Jahr 2009 war ein schwerer Verlust. Sie starb nur sechs Wochen nach der Diagnose einer aggressiven Krebsart (Mesotheliom). Noch kurz vor der Diagnose hatten wir sie in Uhwiesen besucht. Ihre Beerdigung war bewegend, nicht zuletzt, weil sie im Dorf auch als Lehrerin geschätzt wurde.

Tirggel bewältigte die schwierige Zeit mit bewundernswertem Zusammenhalt mit seinen Töchtern und mit Arbeit bei der Ganahl AG in Volketswil. Ein Bekannter von Tirggel fragte ihn, ob er jemanden kenne, der sich als CEO für die GANAHL AG eignen könnte. Ursula hat ihrem Mann empfohlen, sich selber vorzuschlagen statt andere wie er es früher getan hätte.

 

Neue Wege und Entwicklungen
Im Jahr 2012 begann Tirggel eine Beziehung mit seiner Hausärztin Verena Spahn, deren Mann ebenfalls verstorben war und auf demselben Friedhof wie Ursula begraben liegt. Auf gemeinsamen Joggingrunden begegneten sie sich oft und fanden so zueinander. Seitdem treten sie als Paar auf. Verenas Tochter Katharina trat in ihre Arztpraxis ein und übernahm diese 2023 nach Verenas Pensionierung.



Urs Keller v/o Tirggel mit Verena Spahn in Meersburg, am 65. Geburtstag von Verena. 6. Juli 2023.

 






Die Töchter von Urs und Ursula
Franziska arbeitet seit etwa 2022 bei einer Pharmafirma in Basel und lebt am Elsternweg auf dem Bruderholz. Vorher war sie mehrere Jahre mit ihrem Mann in Südamerika.
Katharina hat 2023 die Arztpraxis in Dachsen von Verena Spahn übernommen und lebt dort mit ihrer eigenen Familie.
Susanna war Flight Attendant (Maitre de Cabine) und Landschaftsarchitektin. Heute arbeitet sie bei der Rettungsflugwacht REGA in Kloster und ist ausgebildete Wanderleiterin. Sie wohnt in Andelfingen.
Eva ist bei My Climate in Zürich tätig, im selben Gebäude wie unser Raphael bei LerNetz. Eva ist urban und lebt mit ihrem Freund beim Schauffhauserplatz.

Weitere Meilensteine
Tirggel widmete sich nach seiner Pensionierung dem Golfsport und blieb durch Immobilienprojekte aus seiner Verwandtschaft aktiv. Dabei tauschen wir uns regelmäßig aus. Seine berufliche Laufbahn hatte ihn nach Positionen bei der BBC und der SIG Neuhausen zur Ganahl AG in Volketswil geführt, wo ich ihn als selbständiger Immobilienberater unterstützen konnte. Ein besonderes Projekt war die Suche nach einem Bauland in Mönchaltorf, das schliesslich erfolgreich realisiert wurde. Tirggel unterstützte die Familie Heinz von Kleintettau in 15. Generation.
Tirggels Familie bleibt uns in vielfältiger Weise verbunden, sei es durch gemeinsame Erinnerungen, Gespräche oder aktuelle Entwicklungen. Diese lange Freundschaft hat meinen Lebensweg auf reiche Weise begleitet und bereichert.

Lebensdaten
Lotti Vogt-Kellerhals, geboren 21. Juli 1925
Ursula Keller-Vogt, *18. Dezember 1951– 27. Oktober 2009 (Krebs Mesotheliom)
Urs Keller v/o Tirggel, geboren 23. Dezember 1950
Verena Spahn, geboren 6. Juli 1958 (zwei Töchter mit Jahrgang 2000 und 2002)
Franziska, verheiratet mit Martin Muñioz (arbeitet bei Johnson & Johnson), Franziska ab Juni 2023 bei Novartis, (Dez. 18 - Juni 23 in Bogota für Roche wie vorher in Basel).
Susanna, REGA Kloten, wohnt in Andelfingen.
Katharina Steiner-Keller, verheiratet mit Pilot, 2 Kinder, eines heisst Kuno, Dachsen
Eva, arbeitet bei my climate und wohnt Nähe Schaffhauserplatz

Aufbereitet am 74. Geburtstag von Tirggel am 23. Dezember 2024
Enttäuschungen mit Freunden und Kollegen?
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10.6.  Kyburger als Lebensfreunde – Enttäuschungen mit Freunden und Kollegen? .
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Lebensfreund LM

PLM
Wie ich nach Indien wollte und in Afrika landete
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11.  Wie ich nach Indien wollte und in Afrika landete
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Vorbemerkung: Diese Geschichte habe ich im Buch 'Afrika, Erweckung für einen Appenzeller' festgehalten. Hier werden die Kapitel über die Landreisen in Afrika (1974, 1975), von Griechenland bis Indien (1976) und die Reise mit Flugmeilen nach Ostindien (2009) aufgeführt. Die einzelnen Kapitel sind unverändert vom Buch übernommen und im Titel hingewiesen (aus Buch), zusätzliche Informationen sind nach den *** aufgeführt. 


Mein Vater stirbt unerwartet (aus Buch)

Der Tod meines Vaters unterbrach mein geordnetes Leben.

Am Donnerstag, 6. Dezember 1973 ist mein Vater unerwartet gestorben. Er leitete die Milchsammelstelle mit Einsätzen an sieben Tagen die Woche, morgens und abends. Die Milch wurde weiterhin angeliefert, und es mussten Ende des Monats die Abrechnungen erstellt und die Milchlieferanten bezahlt werden. Meine Mutter konnte die Arbeit nur teilweise übernehmen. Mein Bruder Tony Wild wohnte in der Nähe, hatte eine Familie und war berufstätig. Ich war der Einzige, der länger einspringen konnte, und übernahm vor allem verlängerte Wochenenden. An den anderen Tagen halfen Tony, meine Mutter und unser Pächter Hans Inauen sen. Bald waren Weihnachtsferien und das Semesterende in Sicht. An der ETH beantragte ich Urlaub, der ganze Jahre gewährt wurde, da dort Jahreskurse angeboten werden.

Dass diese Auszeit meinem 'geordneten' Leben einen solchen Drall verleihen würde, war mir damals nicht bewusst.

Das fünfte Semester schloss ich so ab, dass ich alle Testate erhielt. Die Milchsammelstelle bedingte Einsätze am Morgen und am Abend. In den vorlesungsfreien Monaten März und April 1974 arbeitete ich tagsüber bei der Fensterfabrik in St. Gallen-Winkeln. Mein Bruder Tony hat mir diese Arbeit vermittelt. Der Geschäftsführer Sepp Klarer war sein Schwager. Tony kümmerte sich um den Verkauf der Liegenschaft, da niemand aus der Familie sie übernehmen wollte oder konnte. Unser langjähriger Pächter und Cousin Hans Inauen trat den Betrieb am 1. Mai 1974 an. Er räumte unserer Mutter ein lebenslanges Wohnrecht ein. Ab Mai hatte ich viel freie Zeit. Zu Hause gab es nichts mehr zu tun, weil alles so schnell gegangen war. Das Studium an der ETH wieder aufzunehmen war nicht möglich. Den Anschluss an die Vorlesungen und Übungen hatte ich verloren. Zudem belegte mein Zimmer am Hirschengraben ab März 1974 ein anderer Student, damit ich Kosten sparen konnte. Für den Sommer hatte ich mich bereits vor dem Tod meines Vaters beim Studentenaustauschdienst gemeldet. Mir wurde Paris für Juli 1974 zugeteilt. Dieser Termin war ein Fixpunkt, ebenso die Hochzeit von meinem Maturakollegen Peter Schmid mit Guglielma Ficili am 24. August 1974 auf der Halbinsel Au, an der ich teilnehmen wollte.

***

Arbeit in Paris (aus Buch)

Mit der Lambretta nach Lausanne, Montpellier, Paris, England, Belgien und Luxemburg.

Minibar in SBB-Zügen

Im Mai/Juni 1974 nahm ich ein Zimmer in Lausanne. Von dort aus arbeitete ich bei der Schweizerischen Speisewagengesellschaft (SSG). Eine Mitschülerin von Tony, die bei der SSG eine Leitungsfunktion innehatte, gab mir diesen Tipp. Ab Lausanne konnte sie mir umsatzstarke Züge zuteilen. Auf diese Art konnte ich Geld verdienen und erst noch die Schweiz erkunden. Ich bewegte mich mit 23 Jahren zum ersten Mal in Thun, Brig, Lugano, Genf etc. Ich konnte mit Leuten reden und bedienen. Dies tat ich gerne.

Montpellier, Besuch bei Sepp Habermacher

Von Lausanne fuhr ich am 22. Juni 1974 mit der Lambretta nach Montpellier. Dort traf ich meinen Maturakollegen Sepp Habermacher. Er studierte seit Herbst 1973 in Paris. Im Süden hoffte er, unter Franzosen die Sprache eher lernen zu können. Ende Mai 1974 ist er dorthin gezogen. Er hat seine Notizbüchlein behalten. Darin war vermerkt, dass er mit einem Studienkollegen aus Fribourg, der nebenbei als Fernfahrer arbeitete, in seinem Lastenzug nach Spanien gefahren ist. Ich traf gerade ein, als er zurück gekommen ist.

Nach Paris fuhr ich durch Frankreich auf den lokalen und nationalen Strassen. Meine Lambretta hatte eine gelbe Nummer und die Geschwindigkeit war begrenzt. Es war nicht ungefährlich. Diese gebührenfreien Strassen wurden vielfach von Lastwagen befahren, was die Spurrillen erklärte, die es zu umfahren galt. Einmal kam ich von einer Anhöhe herunter, etwas zu schnell. In einer frisch gesplitteten Kurve schlitterte der Töff auf die Gegenfahrbahn in das Bankett. Glück im Unglück. Kein Fahrzeug ist entgegengekommen und am Töff war nichts Gravierendes kaputt.

Paris, Arbeit bei Gaz de France

In Paris ist mir in der Fondation Suisse von Le Corbusier im Süden der Stadt mein Zimmer zugeteilt worden.



Mit der Lambretta konnte ich gut zur Gaz de France (GDF) im Westen der Stadt fahren, wo ich im Juli 1974 einen ‚stage technique‘ absolvierte. Mein Betreuer Patrik Bonnichon lud mich einmal zu sich nach Hause zu seiner Alice ein. Er hatte mit dem Auto einen Arbeitsweg von mehr als einer Stunde. Dies war für mich damals erstaunlich. Mit ihm kontrollierte ich Gasleitungen, um sicherzustellen, dass niemand sie beschädigt hatte. Am Mittag trafen sich einige der Kontrolleure - wir waren mit seinem Deux-Chevaux unterwegs- in einem Restaurant, wo vom Apéro bis Dessert nichts ausgelassen worden ist. Es war eine friedliche Zeit.

Mein Lohn betrug 34 Franc pro Tag. Am Samstag, 20. Juli 1974 war auch Sepp Habermacher wieder kurz in Paris. Wir hatten mit anderen zusammen einen schönen Tag.



Am 1. August 1974 fuhr ich mit der Lambretta los nach England, von Calais nach Dover. Beim Beladen der Fähre wurde mein Motorrad richtiggehend an der Wand angebunden. Es war auch nötig, denn wir kamen in einen gewaltigen Sturm. Viele Passagiere mussten sich übergeben wegen des Wellengangs. Mir ging es gut und ich konnte das Geschehen in Ruhe beobachten.

Ich besuchte meiner Erinnerung nach Bath, Stonehenge und Stratford-upon-Avon, den Geburtsort von William Shakespeare. Diese Orte waren mir bekannt vom Studium her.

Auf der Rückreise fiel mir in Europa die Nervosität im Strassenverkehr auf, nach der relativen Ruhe in England. Der Grund liegt im Linksvortritt. Man macht sich keine Gedanken über dieses Regime. Bei uns gilt Rechtsverkehr mit Rechtsvortritt und in England Linksverkehr mit gleicher Vortrittsregelung wie bei uns. Bei diesem Regime sind nicht überall 'Vortritt aufgehoben'-Tafeln zu montieren, weil es gar nicht nötig ist. Es kann auch nicht immer jemand von rechts auf die Strasse fahren und die Vorfahrt erzwingen wie bei uns. Auf dem Festland könnte man den Strassentafelwald drastisch reduzieren, indem man statt Rechtsvortritt den Linksvortritt einführen würde.

Die Reise mit der Lambretta führte mich über Belgien, Luxemburg und Frankreich zurück in die Schweiz. Am 21. August 1974 bin ich bei meiner Mutter im Steigbach Bühler angekommen.

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Mai 1974, Minibar der Schweizerischen Speisewagengesellschaft, Trolley, Vorratskisten, Tasche. Meine Gerätschaften im Güterwagen

 




Fondation Suisse von Le Corbusier, Unterkunft von Niklaus Wild im Juli 1975, Lambretta im Vordergrund

 


Paris, Gaz de France, Juli 1974, Lohn 34 Franc pro Tag. Zuteilung vom Studentenaustauschdienst.

 


September 1974, Lambretta mit meinem Gepäck, Reise von Zürich nach Montpellier, weiter nach Paris, von dort über England zurück nach Bühler AR. Ich fuhr nach Ton, denn der Tachometer war defekt.

 

 

Warum wollte ich wohl nach Indien? (Aus Buch)

Gedanken zur Reise  

Das Geld spielte für mich eine bedeutende Rolle, denn ich hatte keines. In der Fensterfabrik habe ich etwas verdient, der Aufenthalt in Paris war mehr oder weniger kostendeckend. In der Familie gingen wir davon aus, dass unser Vater Schulden hinterlassen würde. Im Frühjahr 1974 meldete unser Bruder Tony jedoch, dass jedes der neun Kinder etwa Fr. 10’000.- erhalten würde. Das war für mich viel. Plötzlich hatte ich als 23-Jähriger Geld und Zeit, aber kein Ziel vor Augen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Naheliegend wäre es gewesen, mindestens ein halbes Jahr lang Geld für mein Studium zu verdienen. In meinem Kopf herrschte Chaos. Einerseits wurde erwartet, dass ich in dieser ‚freien‘ Zeit arbeiten und Geld für das Studium erwirtschaften würde. Andererseits sagte ich mir, Geld könnte ich später auch noch verdienen. Mir war klar, dass ein lückenloser, sauberer Lebenslauf für die Berufszeit von Vorteil wäre. Der Umkehrschluss: Alles ‚Verrückte‘ und ‚Abnormale‘ musste während der Studentenzeit realisiert werden. Dies auch, weil die Lebenshaltungskosten und bei mir damals die Fixkosten niedrig waren.

 

Die Reise entstand aus den Umständen heraus. Auf Empfehlung meiner Schwester abonnierte ich in meiner ersten Zeit in Zürich die NZZ. Durch die Lektüre begann mich Indien zu faszinieren. Auch Persien (Iran) interessierte mich, wahrscheinlich ausgelöst durch eine Theateraufführung ‘Die Perser’ im Kollegium. Ich sammelte Zeitungsartikel und Broschüren, um mir ein Bild dieses riesigen Landes zu machen. Eine konkrete Reiseabsicht bestand nicht.

 

Statt der Vernunft zu folgen und die ‚freie’ Zeit zum Geldverdienen zu nutzen, verstärkte sich mein Drang nach Indien. Im Rückblick hat mich ein Buch dazu bewogen. Damals war ‚Trampen‘ in Mode, mit Rucksack und Schlafsack per Autostopp zu reisen. Für diese Reiseart war ich nicht geschaffen; für mich standen Eisenbahn und Bus mit gekauften Tickets im Vordergrund. Auch war für viele junge Menschen Rauschgift oder ein Ashram in Indien das Ziel, für mich weder noch. Bei mir war es eine diffuse Sehnsucht.

 

Der billigste Trip nach Indien

Ein junges Paar eröffnete in Sichtdistanz von meiner Wohnung am Hirschengraben 70 ein Informationszentrum über fremde Länder. Die Inhaberin Gisela Treichler veröffentlichte ein Buch mit dem Titel ‚Der billigste Trip nach Indien‘, in dem sie beschrieb, wie man mit 250 Dollar nach Indien kommt. Damals war ein Dollar noch vier Franken wert. All dies zeigte mir: meine Mittel könnten reichen. Vertiefte Gedanken habe ich mir jedenfalls nicht gemacht.

 

Meine Vorstellung einer Route könnte so ausgesehen haben: Reise nach Indien, Überfahrt mit dem Schiff von Mumbai (Bombay) nach Mombasa (Kenia). Besuch des Bruders in Tansania und Rückreise auf dem Landweg.

 

Das Flugzeug war damals für mich aus Kostengründen keine Option. In der Familie war ein Besuch unseres Bruders immer wieder ein Thema, auch von ihm selbst angestossen. Bis dahin hatte es noch niemand gewagt. Ich sammelte Unterlagen über Iran, Indien und Ostafrika. Konkrete Vorstellungen über eine Reiseroute hatte ich keine. Ich hatte vom funktionierenden Eisenbahnnetz in Indien und Ostafrika gelesen. Deshalb ging ich davon aus, dass es überall Eisenbahnen gab wie in der Schweiz und Italien.

 

Meinem Ansinnen stand niemand und nichts mehr im Wege. Meine Mutter nähte mir sogar einen Schlafsack aus einem Leintuch, also hatte auch sie keine Bedenken. Mein Maturakollege Peter Schmid, der in Zürich Elektroingenieurwesen studierte, lud mich zu seiner Hochzeit mit Guglielma Ficili aus Neuenburg ein. Während des Hochzeitsessens am 24. August 1974 auf der Halbinsel Au am Zürichsee fragte sie mich, wann und wie ich nach Indien reise. Als sie meinen vagen Plänen zuhörte, sagte sie: „Komm doch zu uns nach Donnalucata,” ihrem Heimatort in Sizilien. Sie seien dort in den Flitterwochen, ich könne ja auch von dort nach Indien reisen. Gesagt, getan.

 Entscheid in Sizilien über meine Route

Ich packte meinen Rucksack und reiste am 1. September 1974 zuerst nach Fribourg zu Maturakollegen. Von dort ging es weiter zu meiner Schwester Martha Guerra-Wild (geb. 1942) nach Ravenna. Diese Strecke kannte ich. Auf der Zugfahrt nach Sizilien mit Übernachtung in Neapel hatte ich genügend Zeit, mir Gedanken zur Reise zu machen. Die einfache Vorstellung war, mit dem Schiff Richtung Griechenland/Türkei zu fahren. In Sizilien wohnte ich einige Tage bei Peter, Guglielma und ihren Verwandten. Meine Reise war Thema. Ich musste erfahren, dass es keine von mir skizzierten Verbindungen gab. In Sizilien war es wirklich an der Zeit, mir Gedanken über die Reiseroute zu machen.

 

Mein Plan: Warum eigentlich über Indien nach Ostafrika? Auf einer Übersichtskarte sah ich eine viel schnellere Verbindung zu meinem Bruder. Mit dem Schiff nach Tunis und von dort über Tripolis (Libyen) Richtung Sudan und Ostafrika nach Tansania. Anschliessend würde ich nach Indien übersetzen.

 

Über Afrika hatte ich weder Unterlagen noch Informationen, ausser jenen von meinem Bruder aus seinen Rundbriefen. Dieser Kontinent war ‚Terra incognita‘ für mich. Die Idee bedeutete eine Umkehrung der Reiseroute. In Uganda herrschte damals unter Idi Amin Krieg.

 

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Reiseroute in Afrika 1974 und 1974, auf Luftpostpapier eingezeichnet von Niklaus Wild im Jahre 1975. Seite 11 seines Reiseberichtes

Die Reise führte letztlich durch folgende Länder: Italien, Tunesien, Algerien, Niger, Nigeria, Kamerun, Zentralafrika, Zaire (Congo), Burundi, Ruanda, Tanzania, Kenia, Israel.

 




Tabellarische Reiseroute in Afrika 1974 und 1975: Orte, Transportmittel und Kosten in SFR, Entfernungen, Aufenthaltsdauer. Seite 9 und 10 des Berichtes von Niklaus aus dem Jahre 1975

 

 

 



Sizilien, Ankunft in Donnalucata. Niklaus Wild unten rechts mit seinen langen Haaren und weiten Hosen. September 1974. Foto vom Maturakollegen Peter Schmid.


Tunesien: Der entschleunigende Ramadan (aus Buch)

Eintauchen in Tunesien und Algerien in die arabische muslimische Welt. Der mir unbekannte Ramadan beeinflusste meine Reise. Ein Glück.

Im September 1975 reiste ich nach Trapani und von dort mit einer Art Fähre nach Tunis. Die Passagiere sassen auf dem Boden. Auf dem Boot war eine Familie mit zwei Kindern aus der Schweiz. Der Schweizer, ein Entwicklungshelfer auf dem Weg zum Einsatz, fragte mich, was ich vorhätte. Als ich ihm meine Reiseroute schilderte, lachte er laut. Er sagte, es gäbe wohl vier Routen durch die Sahara. Für Touristen wie mich käme jene via Algerien infrage. Die von mir vorgeschlagene sei für das Militär passierbar. Er empfahl mir, die Visa für Niger, Nigeria und Kamerun in Tunis zu beschaffen.

Dies war Aufklärung in letzter Minute. Ich war ihm dankbar.

In Tunis tauchte ich zum ersten Mal in meinem Leben in die arabische muslimische Welt ein. Basars, enge Gassen, Gedränge, die Ansagen der Muezzin, das Beten Richtung Mekka, die fremden Düfte, alles prasselte auf mich ein.

Eines Tages lag tagsüber Stille in der Stadt, wenige waren unterwegs, die Händler hatten sich zurückgezogen. Der Ramadan hatte begonnen, am Dienstag, 17. September 1974. Für alle war das klar, für mich eine völlig neue Erfahrung. Tagsüber wird weder gegessen noch getrunken und bei der Hitze nicht streng gearbeitet. Als Tourist durfte ich Flüssigkeit zu mir nehmen, aber nicht unbedingt in der Öffentlichkeit. Kaum war die Sonne weg, so um halb sieben, gab es wieder Leben. Alle waren auf den Beinen, es wurde gegessen und getrunken, theoretisch war dies bis Sonnenaufgang erlaubt. Der junge Appenzeller hörte das erste Mal von diesem religiösen Ritual.

Die Visabeschaffung stellte sich zeitaufwendig dar: Ausfindigmachen der Botschaft, Vorsprechen, Antrag ausfüllen, Pass abgeben und - warten. Am 20. September erhielt ich das Visum für Kamerun und am 23. für Nigeria. Die Reise konnte weitergehen Richtung Algerien. Laut Passeinträgen habe ich in Brüssel das Visum für Niger geholt und in Paris jenes für den Iran. Dies zeugt davon, dass ich im Innersten die Reise antreten wollte. Das Visum für Niger war ursprünglich für die Rückreise auf dem Landweg bestimmt. Wahrscheinlich habe ich zufällig das Konsulat gesehen in Brüssel und die Gelegenheit am Schopf gepackt.

Mit der Eisenbahn fuhr ich über Sousse nach Gabes und von dort weiter mit dem Bus. Es waren Fahrzeuge, wie ich sie von Studach-Transporte aus meinem Nachbardorf Teufen kannte. In Tunesien hatten die Reisenden viel Gepäck. Der Fahrer nahm mir den Rucksack auf meiner ersten Busstrecke von Gabes über Gafsa und Tozeur nach Nefta weg und hievte ihn auf das Busdach. Für mich ungewohnt, im Bus zu sitzen ohne meine Sachen. In der Eisenbahn ab Tunis hatte ich das Gepäck immer bei mir. Bei jeder Busstation war meine Sorge, ob der Rucksack wohl auf dem Dach sei.

Bei der Ankunft in Nefta stand ich mit meinem ‚stabigen‘ Gestell beim Dorfplatz. Damals hatten die Tramper Rucksäcke ein Rack, damit unten das Mätteli und oben der Schlafsack montiert werden konnten. Sofort war ich umringt von einigen Jungs, die mir Zimmer anboten; ich war von weitem als Tourist erkennbar. Ich ging mit dreien mit und konnte bei dem einen am Rande des Dorfes privat übernachten. Es war Abdelaziz Béchir Zabac (Hedi), Av. Habib Bourguiba, Nefta. Es hatte Wasser und Palmen in der Nähe. Ich war in der Wüste. Der Bus über die Grenze nach Algerien fuhr nur einmal pro Woche. Dies führte dazu, dass ich nicht sofort weiterfahren konnte. Dies ermöglichte mir, das ‚Wüstenleben‘ im Dorf zu erkunden. Gerne trank ich auf dem Markt Tee, unterhielt mich und spazierte umher. Es war ein ähnlicher Tagesrhythmus wie in Tunis, nur überschaubarer.

Es gab Touristengruppen, denen Vorführungen geboten wurden. Ich habe vorher die Vorbereitungen beobachten können. Einmal traf ich eine Schweizerin, die immer wieder nach Nefta kam, es war bereits das 6. Mal. Bald merkte ich, sie war nicht primär wegen der Landschaft hier. Mein allwissender Gastgeber klärte mich auf, dass etliche Europäerinnen wegen der Männer kämen. Meiner Beobachtung nach war auch Homosexualität verbreitet. In Tunis jedenfalls wurde ich immer wieder von Jungen und Männern angesprochen.

In Nefta machte ich mir nach den ersten Reiseerfahrungen und dem dauernd warmen Wetter Gedanken über mein Gepäck. Ich trennte mich von dem ‚stabigen‘ Rucksack, dem Schlafsack und dem Mätteli. Ich reduzierte so weit, dass alles in einem plastifizierten Reissack, den ich über die Schulter tragen konnte, Platz hatte. Diesen Sack konnte ich im Bus unter den Sitz stellen und hatte immer alles, besser gesagt, das Wenige griffbereit. Das einheimisch anmutende Gepäck liess nicht sofort auf einen Touristen schliessen. Ich mag mich erinnern, wie ich die gesammelten Informationen über Persien (Iran) und Indien schweren Herzens entsorgte. 'Reduce to the max' war meine Devise, ja nicht auffallen mit zu viel Gepäck.

Als Kind habe ich im Kassenschrank gesehen, dass der Vater ein Bündel Banknoten hatte, es waren Reichsmark. Für die Reise hatte ich die Idee, solche wertlosen Noten mitzunehmen. Und prompt: Der Gastgeber in Nefta hatte während meiner Abwesenheit oder in der Nacht einige der Scheine aus dem Rucksack zu sich genommen. Ich hatte es bereits vor meiner Weiterreise festgestellt, aber nichts gesagt.

Vor meiner Abreise hat mir meine Mutter aus einem Leintuch einen Schlafsack genäht mit einer Innentasche mit Reissverschluss. Ich schlief immer in diesem Leinen-Schlafsack, mein Geld und den Pass in dieser Innentasche versorgt. Bei einem Diebstahlversuch wäre ich aufgewacht. Als Geld hatte ich Traveller-Checks in SFR wie auch US-Dollar und SFR bei mir. Diese konnte ich bei der Post oder Bank in lokale Währung tauschen. Auf der ganzen Reise ist mir kein Geld und kein Dokument abhandengekommen. Traveller-Checks in SFR waren damals ganz neu, was ich beim Einlösen zu spüren bekam. Hätte ich mehr Erfahrung gehabt, hätte ich nur solche in US-Dollar genommen.

Von Nefta ging es über die Grenze nach Algerien. Solche grenzüberschreitenden Verbindungen gab es nicht so oft. Auch musste ich an einer Stange mit Busschild umgeben von Sand warten. Für mich fremd, denn ich war gewohnt, an einer Station in die Eisenbahn einzusteigen. Es braucht schon Urvertrauen, dort einfach auf den wöchentlichen Bus zu warten; dies gemäss Hinweisen von Ortsansässigen. Ein älterer Mann kam auf mich zu. Er fragte, ob ich ein Päckchen mitnehmen und es in Algerien an der Endstation des Busses abgeben würde. Ich dachte mir nicht viel dabei und nahm es mit. Erst später ist mir bewusst geworden, wie gefährlich das hätte werden können für mich.

Ich wollte so schnell als möglich durch die Wüste weiter in den Süden. Über Toggourt kam ich nach Al Ghardaia, einer schönen Oase auf einem Hügel, wo ich übernachtete. Am anderen Tag bestieg ich einen nigelnagelneuen Mercedes-Bus. Die Fahrt ging Richtung Tamanrasset, auf einer Teerstrasse bis nach In Salah, einer Oase. Hier strandete ich, wegen des Ramadans. Es gab nur alle zwei Wochen einen fahrplanmässigen Bus. Alternativ nahmen Lastwagenchauffeure Reisende mit für gutes Geld. Wegen des Ramadans fuhren aber keine Lastwagen.

Zusammen mit Amerikanern (Lloyd Pilcher, Canada, Jim West und Malcolm Armstrong aus den USA) logierten wir in der Nähe der einzigen Tankstelle, denn hier kamen alle zum Auftanken vorbei. Ich sagte immer: Ich bin von zu Hause allein abgereist und auch alleine nach Hause gekommen. Unterwegs war ich selten ganz allein. Mit einem dieser Amerikaner bin ich bis Lagos zusammen gereist.

Weiter ging es nach einer Woche mit dem Personenbus auf einem Teerband, bei Gegenverkehr fuhr der Bus in den Sand zum Kreuzen, wobei ein Vorder- und ein Hinterrad weiter auf dem Teer blieben. Der entgegenkommende Fahrer tat das Gleiche, aber vielfach erst kurz vor dem möglichen Zusammenstoss. Es war gewöhnungsbedürftig. Im Bus kam der Fahrer bei den kurzen Pausen mit einer Parfum-Flasche und sprühte einem davon in die Hand. Die Dekoration der Frontscheibe erinnerte mich an unsere Rosenkränze und Heiligenbildchen, einfach islamisch.

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Leben in der Oase – Fahrt durch die Wüste (aus Buch)

Tamanrasset war die südlichste Oase in Algerien. In einem Zelt konnte ich mein Lager aufschlagen. Für die nächste Strecke gab es keine fahrplanmässigen Angebote, ich war auf Lastwagenfahrer angewiesen, die mich mitnahmen. Es hiess, am besten würden wir bei der Tankstelle einen finden, denn alle müssten auftanken. Wir folgten dem Rat, aber weder am ersten noch am zweiten Tag kam ein Lastwagen vorbei. Irgendwann sagte der Tankwart, während des Ramadans fahre keiner durch die Wüste. Wir steckten fest und es hiess - warten - auf das berühmte Fastenbrechen. Und siehe da, danach war Leben an der Tankstelle. Ich verbrachte zehn Tage in Tamanrasset, kannte mit der Zeit jeden Winkel, aber auch die Tücken der Wüste.

Es gab Sonnenschein, kalte Nächte und fürchterliche Sandstürme. Zum Schutz kaufte ich einen ‚Schesch‘, ein 10 m langes Stoffband, das man luftig um Kopf und Hals bindet. Es kühlt und schützt vor Sonne und Sand. Nur noch die Augen sind sichtbar. Dieser Kauf hatte sich nachträglich als goldrichtig erwiesen bei meiner empfindlichen Haut. Es gab auch Touristen in Tamanrasset, vor allem französische. Ich sah Tragödien. Menschen, die mit dem Auto in die Wüste fuhren, sich verirrten und mangels genügend Wasservorräten verdursteten. In der Wüstenlandschaft gab es keine Teerstrassen, nur Sandpisten, wenn überhaupt. Die Räder drehten beim Verlassen der Sandpiste schnell durch und an ein Weiterkommen war nicht mehr zu denken. Hilfe zu organisieren war fast unmöglich ohne GPS oder Smartphone. Mit einem französischen jungen Paar (Marie Claude (geboren 1948) und Michel Guenzi, 10, Av. des Pivoines, F-93220 Gangy) kam ich ins Gespräch, sie berichteten mir von zwei Reisenden, die tot aufgefunden worden waren. All diese Erlebnisse stimmten einen darauf ein, vorsichtig zu sein. Die Dünen geben immer ein schönes Bild und lenken von den Gefahren ab.

Eines Morgens war ein Fahrer gewillt, uns mitzunehmen. Der Preis musste ausgehandelt werden für die dreitägige Fahrt inklusive Verpflegung morgens und abends. Jeder musste ein Bidon mit 20 Litern Wasser mitnehmen. Bei der Abfahrt waren wir 18 junge Menschen, die sich oben auf der Ladung einrichteten. Es war um den 18. Oktober 1974 herum, drei Tage nach dem Fastenbrechen. Wir waren etwa vier Touristen. Die Ladung bestand aus Teigwaren in Jutesäcken.

Die Fahrt führte uns in die Wüste, wie man es von Filmen und Bildern her kennt. Sand, soweit das Auge reicht, Dünen in allen Farben. Der Lastwagen bewegte sich auf sanften Wegen, wie von unsichtbarer Hand geführt durch die Landschaft. Für mich war kein Pfad zu erkennen. Unser Platz war voll der Sonne ausgesetzt, den ganzen Tag. Zum Glück gab mir der Schesch Schutz vor Wind, Sonne und Sandstaub. Ich hatte mir vorher nie überlegt, wie der Transport vonstattengehen würde, weil ich keine solchen Lastwagen gesehen hatte. Ich stellte mir vor, ich sei eine Ausnahme und könne auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Die grosse Anzahl von Passagieren hat mich erstaunt.

Am Abend hielten wir kurz vor Sonnenuntergang und richteten das Nachtlager ein. Es wurde vor Salamandern gewarnt, die gerne in die Schuhe schlüpfen würden, des Nachts. Der Fahrer bereitete Couscous vor, den wir zum Teil mit Sand vermengt, mit Genuss assen. In der Nacht war der Himmel voller Sterne, es war unglaublich. Seit jener Zeit weiss ich, in unseren Breitengraden ist wegen der verschmutzten Luft nur ein Teil des Sternenmeers sichtbar. In der Nacht wird es kühl in der Wüste. Ich schlief trotzdem gut. Das Klima war trocken. Damals litt ich unter Schuppenflechte (Psoriasis), wie meine Mutter. Die ganze Zeit in der Wüste ging es meiner Haut gut. Es war angenehmer als in einer feucht-schweren Umgebung. Dann kam der zweite Tag von morgens bis abends oben auf der Ladung beim gleichmässigen Brummen. Mit der Zeit war es fast wie ein Summen des Motors. Die Landschaft war fantastisch. Wir befanden uns wirklich mitten in der Wüste. Den ‚Poste Frontalier Assamaka‘, die Grenze zwischen Algerien und Niger, habe ich am 21. Oktober 1974 überschritten.

Das Visum für Niger hatte ich in Bruxelles auf meiner Rückreise von Paris geholt. Was hatte ich dabei gedacht? Ich kann es mir nicht erklären. Es könnte sein, dass ich dies für die Rückreise von Tansania vorsorglich besorgt hatte.

Am dritten Tag sahen wir vereinzelt Sträucher mit grünen Blättern. Für mich galt es aufzuatmen nach mehr als einem Monat in der Wüste. Auf der Fahrt sahen wir aber auch des Öfteren Skelette von Kamelen. Er herrschte damals eine ziemliche Dürre. Es gab mehr und mehr Leben, Pflanzen, Tiere, Menschen und Autos. Autowracks am Strassenrand erinnerten an die Skelette der Kamele. Die Reise mit dem Lastwagen ging bis nach Agadez in Niger. Dort lud der Fahrer uns bei einer Art Restaurant ab.

Ich war in Afrika angekommen. Es fühlte sich alles natürlich an, die Menschen bewegten und tummelten sich, Kinder, Männer, Frauen, alle unverhüllt, vielfach nur mit kurzen Hosen oder einem Tuch um die Hüfte.

Ich mag mich erinnern, wie ich den Festungsturm besuchte und ein Kreuz von Agadez als Anhänger beschaffte. Diese Stadt im Niger war für mich das Eintrittstor nach Afrika. Hier sammelten sich all die Tramper in den Hostels. Am Abend sassen wir zusammen. Einmal wurde ein Joint herumgereicht. Da ich zu jener Zeit nicht mehr rauchte, gab ich ihn weiter an den Nächsten. Der selbst ernannte Chef kommentierte dies mit Missmut. Es war das einzige Mal in meinem Leben, bei dem ich mit Rauschgift direkt in Berührung kam.


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Lastwagen beladen mit Teigwaren brachte 18 junge Menschen in drei Tagen durch die Wüste von Tamanrasset über die Grenze bis Agadez in Niger, Oktober 1974


Nigeria: Lagos, Ölfelder, Biafra, Kaffee (aus Buch)

Das nächste Ziel war der damaligen Kommunikation geschuldet. Zur Erinnerung: Zuhause war ich von meinem Elternhaus mit der Idee abgereist, über die Türkei nach Indien zu reisen. In Sizilien entschied ich mich für eine direktere Route, die aber nicht möglich war.

Ich konnte Nachrichten schreiben, was ich regelmässig tat, vor allem meiner Mutter, aber keine empfangen. Da ich nicht wusste, wo meine Route entlangführen würde, gab ich meinen Bekannten an, sie könnten mir postlagernd nach ‘Lagos, Main Post Office, poste restante’ Briefe senden. Lagos wählte ich wider besseren Wissens, denn ich kannte keine andere Stadt südlich der Sahara. In dieser Metropole hoffte ich, Botschaften für meine weiteren Visa wie Zentralafrika, Kongo/Zaire und Tansania zu finden. Meines Wissens hatte ich auch die Post der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui angegeben.

Also musste ich nach Lagos. Ab jetzt war die Reiseroute wählbar. Von Zürich bis Agadez gab es mehr oder weniger nur eine vorgegebene Route. Ich musste mich schlaumachen. Bis Kano fuhr ich auf einem Lastwagen auf der Ladefläche, zusammen mit zehn anderen Touristen. Wir mussten uns irgendwo festhalten, es war überhaupt nicht angenehm. Ein deutscher Rucksacktourist hatte Durchfall und bat den Fahrer immer wieder anzuhalten, damit er sich erleichtern konnte. Der Chauffeur weigerte sich mit der Zeit und fuhr weiter. Aus Spargründen hat sich der Deutsche ernährt wie die Einheimischen und wurde fürchterlich krank. Er hatte sogar die Reiseversicherung gespart und deshalb kein Geld für den Rückflug. In einer solchen Situation will man helfen. Aber es blieb uns nichts anderes übrig, als ihn seinem selbst gewählten Schicksal zu überlassen. Mir war es eine Lehre: Nur gekochte oder frisch gepflückte Nahrungsmittel essen. Als Getränk dazu Bier oder Cola aus Flaschen, auch wenn es etwas kostete.

In Kano kamen der Amerikaner, den ich in In Salah getroffen hatte, und ich mit zwei Deutschen in Kontakt, die mit einem Range Rover unterwegs waren. Diese offerierten uns, mitzufahren. Ich dachte, das sei günstiger als mit dem Bus. Irgendwann ging es um die Kostenbeteiligung. Es kam mich ziemlich teuer zu stehen, denn das Auto verbrauchte viel Sprit.

Ich spürte, als Passagier in einem Range Rover wurde man von den Einheimischen anders wahrgenommen als in einem Bus. Es gab eine ziemliche Distanz. Ich aber wollte Afrika spüren. Auf dem langen, eher langweiligen Weg auf einer verkehrsreichen Strasse fuhren wir durch Kaffeeplantagen. Ich äusserte den Wunsch, mal einen richtigen Kaffee zu trinken. Also bewegten wir uns in die Plantage. Dort offerierten sie uns einen Kaffee, und zwar den uns bekannten Nescafé Gold: Pulver in heissem Wasser. Ich war schön enttäuscht. Mir war damals nicht klar, dass die Kaffeebohnen noch mehrere Verarbeitungsschritte vor sich haben, bis sie geniessbar sind.

In Lagos trennten wir uns und ich schlug mich selbst durch, suchte das Postamt in der heiss-schwülen Stadt. Nach etlichen Wochen der Reise brachten die Briefe Klärungen. Bruder Gandolf würde über den Jahreswechsel in der Schweiz und erst gegen Ende Februar 1975 wieder in Tansania sein. Er schrieb, so wie er Afrika kenne, würde ich es nicht schaffen, vor seiner Abreise bei ihm zu sein. Das Gute an der Situation war, ich hatte nun alle Zeit der Welt. Heute würde man von Entschleunigung reden. Klar wurde auch, dass ich aus zeitlichen Gründen nicht nach Indien konnte. Das Studium an der ETH startete im Frühjahr 1975. Damit blieb Afrika Schwerpunkt, im Rückblick eine gute Wende.

Damals meinte ich, meine Reise künstlich verzögern zu müssen. Spärlich vorhandene Transportmöglichkeiten trugen zu einer natürlichen Verlangsamung bei.

So schnell wie möglich wollte ich von Lagos weg und bewegte mich Richtung Osten, dem Äquator entlang. Die Route führte durch Ölfelder mit zugehörigen unwirtlichen und verbauten Gegenden. Zu guter Letzt galt es, das vom Krieg zerstörte Biafra zu durchqueren, damals jeweils präsent in den Nachrichten. Auf dem Weg leistete ich mir in Enugu als ausnahmsweise mögliche Zusatzleistung ein heisses Bad. Damals wusste ich nicht, dass ich eine solche Annehmlichkeit erst wieder bei meinem Bruder geniessen konnte. Ich schämte mich fast ein wenig nach dem Bad, denn ich hinterliess eine schmutzige Badewanne mit einem sichtbaren Fettrand. In den letzten Wochen hatte sich einiges angesammelt. Von da an liess ich mir den Bart wachsen, da ich nicht immer Gelegenheit hatte, mich zu rasieren.

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Kamerun – angekommen und wohlgefühlt (aus Buch)

Mein Weg führte mich über Mamfe nach Bamenda. In Kamerun hatte es mir so gut gefallen, dass ich mich längere Zeit in verschiedenen Dörfern (Kumbo, Foumban, Kribi, Bertoua) aufhielt, mich neu ausrüstete und einkleidete. Ich liess mir Hosen und Hemden schneidern. Meine bisherige Kleidung verschenkte ich. Nur von den Unterhosen hatte ich je zwei Exemplare. Ich ersetzte meinen Reise-Reissack und kaufte eine geflochtene Umhängetasche, eine Spezialität der Gegend. Mit dieser Reisetasche bin ich später in Zürich gelandet. Auf der Indienreise hat sie mir nochmals gute Dienste geleistet. Später musste ich sie entsorgen, da sie von kleinen Tieren zerfressen wurde.

In Bamenda hatte ich das Gefühl, in Afrika angekommen zu sein. Es gab damals einen Berner Filmemacher, René Gardi. Der drehte in Kamerun über das Leben dort und über die Missionare. Solche Filme wurden in der Schweiz in den Dörfern, in Kirchgemeindesälen gezeigt. Vielleicht hat sich damit bei mir ein Bild von diesem Afrika eingeprägt.

In Kamerun lernte ich das Reisen mit den Buschtaxis kennen. Das waren Peugeot-Familienautos, die in der Schweiz für 7-9 Sitzplätze zugelassen sind. In Kamerun fuhren wir erst ab, wenn 12-15 Personen ihr Ticket gekauft hatten. Auf dem Dach war alles voll Gepäck, oft auch Waren von Händlern oder Hühner. So fuhren wir auf ungeteerten Strassen. Das Auto war voller menschlicher und tierischer Gerüche sowie dem Duft von transportierten Lebensmitteln. Es waren angenehme Reisen mit engem Kontakt zur Bevölkerung. Die Leute sprachen französisch. Für mich bedeutete es W-A-R-T-E-N auf den Marktplätzen, die Start- und Zielpunkte für die Buschtaxis waren. Ich erinnere mich an eine Fahrt, bei der der Peugeot im Morast stecken blieb. Der Fahrer bat uns Männer, auszusteigen und das Auto zu schieben. Verdreckt stiegen wir wieder ein. Statt eines Minderpreises wegen der Mithilfe mussten alle einen ‚Schmutz‘-Zuschlag zahlen und die Kleider selbst waschen. Anscheinend war das Standard.

Wenn ich mehrere Tage an einem Ort blieb, tauchte ich in den Tages- oder Wochenrhythmus des Ortes ein. Ich suchte Verpflegungsstände, sah in die Töpfe und bestellte das mir Passende. Das Essen wurde in Pflanzenblätter eingewickelt, nicht in Papier. Anfangs konnte ich das überall präsente Maniok kaum essen, am Ende in Tansania vermisste ich es; dort gab es vermehrt Reis.

In Bamenda führten mich Jugendliche zu einem alten Mann, der mit mir Deutsch sprach. Kamerun war bis 1919 teilweise eine deutsche Kolonie. So wurde ich in die Geschichte eingeführt. Mir wurde Schnaps angeboten, den ich eigentlich nicht hätte trinken sollen, denn er kann gesundheitliche Probleme verursachen, wenn der Herstellungsprozess nicht korrekt abläuft.

Bamenda war ein Ort der Flechter, Foumban einer der Schreiner. Dort gefiel mir ein Set aus vier Stühlen und einem Tisch für umgerechnet 30 Franken. Ich wollte dies in die Schweiz schicken lassen, aber die Frachtkosten hätten das Siebenfache betragen. Ich stornierte alles. Es war mir eine Lehre. Nachträglich erfuhr ich, dass die 30 Franken überteuert waren, obwohl ich den Preis auf ein Drittel heruntergehandelt hatte. Von Foumban aus habe ich am 11. November 1974 einen Flugpostbrief an meine Kyburger-Wohngemeinschaft, namentlich Urs Keller v/o Tirggel an den Hirschengraben in Zürich gesandt.

Ich reiste in die Hafenstadt und Wirtschaftsmetropole Douala und weiter zur Hauptstadt Yaoundé. Diese grossen Orte behagten mir nicht; ich fühlte mich in kleineren Ortschaften wohler. Personen, mit denen ich ins Gespräch kam, konnten mir regional für das Weiterkommen Empfehlungen abgeben. Deren Ratschläge für meine weitere Reise im Inland waren nützlich, grenzüberschreitend gab es keine Informationen. Ich hatte meinen Weg allein zu finden.

In Kribi bin ich laut meinem Adressbuch mit einem ganzen Team vom Spital in Kontakt gekommen. Ich blieb dort etwa zehn Tage.

Nach fast vier Wochen in Kamerun fühlte ich mich ausgeruht und war neu gekleidet im afrikanischen Look. Ausgerüstet mit leichtem Gepäck war ich bereit für weitere Etappen ins mir unbekannte Afrika. Mein Ziel lag im Osten, der Äquator war meine Leitlinie. Die wenigen Reisenden, die ich traf, hatten vielfach Südafrika als Zielort, die damals typische Nord-Süd-Route.

[Bemerkung zu René Gardi: Erst später habe ich bei meinen Besuchen im Rietberg-Museum in Zürich erfahren, wie inszeniert die Filme von Gardi waren und wie Mischa Hedinger dies erläutert: „Der Schweizer Reiseschriftsteller René Gardi (1909–2000) erklärte uns über Jahrzehnte hinweg den afrikanischen Kontinent und seine Bewohner. In Büchern, Fernsehsendungen und Filmen schwärmte er von den schönen nackten Wilden. Die angeblich heile Welt wurde zu Gardis Paradies und Afrika zur Projektionsfläche für die Sehnsüchte der Zuhausegebliebenen. Der Film African Mirror erzählt die Geschichte unseres problematischen Afrikabildes anhand Gardis Archiv, in dessen ambivalenten Bildern sich unser europäisches Selbstverständnis vielfach spiegelt. Der Film entlarvt das Bildermachen als eine Form des Kolonialismus und zeigt, wie wir uns bis heute einem Blick in diesen Spiegel verweigern.“]

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Foumban, Couvert mit Briefmarken, 11. November 1974


Foumban, Brief an Kollegen in Zürich wegen des Holztischs und den vier Stühlen, 11. November 1974








Map of Transport in the Republic of the Congo (2000). Gereist auf den Flüssen Ubangui, Congo, Lualaba während insgesamt 14 Tagen



Beruhigende Flussfahrten in Zaire (aus Buch) 

Wasserwege

Kartenmaterial konnte ich in Afrika zur Zeit meiner Reise nicht auftreiben. Es hätte mir geholfen. Ich bewegte mich im wahrsten Sinne des Wortes im Vertrauen auf andere vorwärts.

Die Karte über die Transportwege in der Demokratischen Republik Kongo (1971-1997 Zaire) stammt aus dem Jahre 2000.

Den Lesenden kann die Karte helfen, meinem Weg zu folgen. Meine Reise führte von Bangui (oben links) auf dem Frachter nach Mbandaka und weiter auf dem Kongo flussaufwärts bis Kisangani, von dort mit der Eisenbahn oder Schiff nach Ubundu (Ubulu), Kindu, Kabalo, Kalemie am Tanganikasee, und auf dem See über Kigoma nach Bujumbura.

Insgesamt war ich 14 Tage auf Flüssen und zwei Tage auf dem Tanganjikasee (Kigoma) rechts im Bild unterwegs.


In der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui wäre meine Reise fast zu Ende gewesen, es gab keine Strasse mehr. Am 15. Dezember 1974 habe ich das Visum für Zaire erhalten. So hiess das immens grosse Nachbarland seit 1971.

Eines Abends spazierte ich in Bangui dem Fluss entlang und entdeckte eine „Reisegruppe“. Es waren etwa 15 Reisende, alles Amerikaner auf einem wüsten- und dschungelerprobten Lastwagen. Eine Teilnehmerin hatte den „Koller“ und wollte nicht mehr mit der Gruppe weiter. Der Reiseleiter konnte sie beruhigen. Er orientierte mich über die Schwierigkeiten, im Kongo, neu Zaire mit Mobutu Sese Seko als Präsident, sich fortzubewegen. Er machte mich aufmerksam auf die einzige Möglichkeit weiterzukommen, nämlich auf einem mit Bananen beladenen Schiff.

Am nächsten Tag erkundigte ich mich am Hafen. Sie nahmen mich mit, wie auch ca. 50 andere Passagiere.

Ich bestieg das Schiff, ohne den Weg nach Tansania zu kennen. Zudem hatte ich auch noch kein Visum für dieses nächste Land. Ich war der einzige Weisse unter Einheimischen. Ich liess mich auf das Abenteuer ein.

Jeder Passagier hatte eine Art Koje in einem grossen Raum. An den Wänden gab es auf drei Ebenen offene Boxen als Schlafplatz. Nur der Kapitän hatte neben dem Steuerraum eine Art Kabine. Dort bei ihm durfte ich mich ab und zu duschen. Sanitäre Einrichtungen für Passagiere waren nicht üppig ausgestattet, es war ein Frachtschiff.

Das war eine gemächliche Reise ins tiefste Afrika hinein. Rechts und links gab es Wald, Urwald. Auf einmal wurde mir gewahr, dass das nicht nur ein Transportschiff war, sondern auch ein Versorgungsschiff. Immer wieder hörte man „Lärm“ im Wald. Auf einmal ruderten Menschen in Einbäumen auf unser Schiff zu und legten an. Sie boten Nahrungsmittel oder Handwerkserzeugnisse feil. Selber kauften sie Sachen von den Händlern auf dem Schiff, die ihre wenigen Waren auf einem Tuch ausbreiteten. Diese Marktfahrer verkauften kleine Spiegel, Zahnpasta, Zahnbürsten oder Kleidungsstücke. Irgendwann gingen die Menschen wieder von Bord und verschwanden auf dem mit Inseln versetzten Fluss, sei es zuerst der Ubangui als Grenzfluss und später der Kongo als inländische Versorgungsachse zwischen der Hauptstadt Kongo-Brazzaville und Mbandaka, unserem Ziel.

Die Reise nahm ihren Lauf und es spielte sich ein Tagesrhythmus ein. Eines Abends setzte sich ein Afrikaner zu mir. Er fragte mich, wie viel mir mein Staat bezahle, damit ich bei ihnen umherreisen könne. Er konnte fast gar nicht glauben, dass ich aus freien Stücken und mit dem eigenen Geld die Reise unternehme. Es stellte sich heraus, dass er von der Schule angestellt war und den Lehrern im „Busch“ den Lohn brachte. Dieses Gespräch hat mir gezeigt, wie privilegiert ich war, ohne Auflagen umherzureisen. Auf meiner Reise wurden mir immer wieder Jobs in der Tourismus- oder Bergbaubranche angeboten. Aufgrund meiner damaligen Übersättigung von Schulstoff an der ETH wäre ich empfänglich gewesen für solche Angebote.

Auf diesem Schiff habe ich mich entschieden, wieder zurück in die Schweiz zu gehen und das Studium abzuschliessen. Die Reise hatte mir gezeigt, dass ein Diplom oder ein Titel gut sein kann. Nach Abschluss der Ausbildung stehen viele Wege offen.

Auf diesem Schiff gab es zu essen. Wer schon einmal auf einem Markt in gewissen Ländern Fleisch kaufen wollte, musste feststellen, dass dies voller Maden war. Auf dem Schiff war es auch so. Anfänglich hungerte ich, denn ich wusste nicht, wie lange die Schifffahrt insgesamt dauern würde. Mit der Zeit sagte ich mir, auch Maden seien Fleisch und es würde stundenlang gekocht. Ich hatte es überlebt.

Auf dem Schiff hatte ich immer wieder Gespräche auf der Bananenladung sitzend. Es war wirklich entschleunigend und immerfort schönes Wetter. Der Ubangui-Fluss war weniger wild und auch schmaler als der Kongo. Das Schiff lief dann und wann auf eine Sandbank auf, hierauf hiess es warten, bis es sich wieder löste.

Diese erste Schiffsreise dauerte etwa fünf Tage. Ich lernte einen Geschäftsmann kennen, der mich zu sich nach Mbandaka eingeladen hatte. Auf dem Schiff verschwand er manchmal. Eines Nachmittags war ich in meiner Koje am Dösen. Auf einmal kam er mit einer Frau. Sie nahm ihr Kleid, ein Tuch, das sie um den Körper getragen hatte. Dieses spannte sie bei ihrer Koje ein wie einen Vorhang als Sichtschutz. Nach einigen Minuten hörte ich ein Stöhnen von ihr und ein Grunzen von ihm und der Liebesakt war vorüber. Ähnliche Geräusche vernahm ich auch abends und in der Nacht. Das Schiff war voller Leben. Diese Schiffsreise war ein Erlebnis für sich, das ich nicht missen möchte. Ich, mitten im Urwald und auch im Herzen vom unverfälschten Afrika.

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Bei einheimischer Familie und bei den Pygmäen (aus Buch)

In Mbandaka begleitete ich den Geschäftsmann zu seinem Wohnort, wo seine drei Frauen das Haus pflegten. Am Abend sassen alle Bewohner der näheren Umgebung am Feuer. Es war wie ein Ritual. Das Feuer schwelte immer. Sie legten an die fünf Baumstämme so hin, dass diese an den Stirnseiten brannten. Zur Regulierung verschoben sie die Stämme näher oder weiter zueinander. Wir sassen auf Holzstämmen. Bei Feuerschein wurde mässig getrunken, viel geredet, geschmust und geknutscht. Mit dem Geschäftsmann konnte ich mich auf Französisch unterhalten, die anderen sprachen ihren Dialekt. Damit auch ich mit jemandem reden konnte, holten sie ein 17-jähriges Mädchen (Jahrgang 1958). Sie besuchte eine protestantische Schule und war interessiert an der Welt. Mit ihr unterhielt ich mich auf Französisch. Weil ich ihr resp. der Citoyenne Amba Matuli, Lycée Protestant, BP. 178, Mbandaka, einen Brief geschrieben hatte und mein restliches „Kongo“-Geld in das Couvert steckte, wurde sie von der Schule verwiesen. Sie hatte mir das später mitgeteilt. Das hat mir leidgetan. Sie hat mir eines ihrer dort üblichen Doppel-Passfotos gegeben.

Von einer anderen Nachbarsfamilie kam Marie Thérèse, Jahrgang 1954, die für mein leibliches Wohl sorgte. Sie ass mit mir, zeigte mir die nähere Gegend und führte mich in den Alltag ein. Ihr und der ersten Frau des Haushalts, Maman Isabelle, kaufte ich am Schluss des Aufenthalts auf Anraten des Gastgebers Geschenke auf dem Markt. In Mbandaka führte mich der Geschäftsmann Citoyen Yoga Mongu Mpenge herum, einmal sogar in ein „Lager“ von Leprakranken. Ich gab denen in Unkenntnis der gesundheitlichen Folgen die Hand und auf Wunsch meines Bekannten einige Münzen. Ich galt als der „reiche“ Weisse.

Er schlug mir vor, in den Busch zu den Pygmäen und weiter in sein Heimatdorf zu gehen. Wir fuhren einige Stunden mit einem Pick-up und übernachteten in einem abgelegenen Restaurant. Es war die Weihnachtsnacht 1974. Ich lag alleine in einem Raum am Boden auf eigens hergebrachten Matratzen. Bei der Vorstellung, wie schön es zu Hause wäre, weinte ich vor mich hin. Meine erste Weihnacht in meinem Leben ohne Familie. Am nächsten Tag wanderten wir durch den Wald. Einmal zeigten mir Bauern einen Haufen Kaffeebohnen und fragten mich, ob ich die erwerben könne. Seit die Belgier gegangen seien, würde ihnen niemand etwas abkaufen.

Am Nachmittag kamen wir bei den Pygmäen an. Ich war vorbereitet, dass wir in jeder Hütte zu Gast und zum Essen eingeladen sein würden. Zuerst waren wir beim Dorfchef. Auf dem Teller hatten wir einen kleinen Knochen mit Fleisch eines Huhns und etwas Wasser. So ging es weiter, 6 bis 7 Mal. Nachher gab es den üblichen Abendschwatz am Feuer. Der Dorfchef wollte mir ein Mädchen anbieten, Gäste hätten Anrecht darauf. Der Geschäftsmann klärte mich auf. Ich sollte die Annahme dieses Gastgeschenkes gut überlegen. Es würde von mir erwartet, dieses Mädchen zu heiraten und mit nach Europa zu nehmen. Ich legte mich alleine zum Schlafen. Wir blieben einen Tag und nahmen am Leben teil.

Nachher ging es den gleichen Weg zurück. „Zu Hause“ angekommen, gab es eine heftige Auseinandersetzung. Die dritte Frau hatte sich nicht so verhalten wie von ihrem Mann erwartet. Ich erlebte eine Scheidung à l’africaine. Die Formalitäten habe ich nicht ganz verstanden. Im Gedächtnis geblieben ist mir, dass sie ein Foto aus einem Dokument abtrennen und ihm zurückgeben musste. Auf meine Nachfrage gab man mir Bescheid. Es würde ein schlechtes Omen auf ihn werfen, wenn sie ein Foto von ihm bei sich hätte. Sie erhielt ein kleines Geschenk in Form eines Kopftuches, wurde fortgeschickt und sich selbst überlassen. Sie hat mir angedeutet, sie gehe zurück zu ihrer Familie. Die anderen beiden Frauen machten keinen Mucks während dieser Scheidung. Ich dachte für mich: wenn die wüssten, was er sich auf dem Schiff jeweils geleistet hat.

Für mich galt es, weiter zu reisen, zumal das Visum nur für eine befristete Zeit ausgestellt war.

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Passfoto von Amba Matuli, Jahrgang 1958, französisch sprechendes Mädchen einer Nachbarsfamilie vom Geschäftsmann, der mich eingeladen hatte. Mbandaka 1974.


Kisangani – Lernen beim Warten (aus Buch)

Nach Mbandaka stand eine viertägige Schiffsreise auf dem Fluss Kongo an. Zu dieser Fahrt habe ich keine Erinnerungen oder Aufzeichnungen. Ab Kisangani war der Kongo flussaufwärts nicht mehr schiffbar. Weiter in Richtung Tanganjikasee, der teilweise zu Tansania gehört, gab es eine Eisenbahn. Diese wurde gebaut zur Umgehung der Stromschnellen, die Livingstone früher dokumentiert hatte.

Hoffnungsfroh bewegte ich mich mit meiner geflochtenen Umhängetasche in Richtung Bahnhof. Dieser war mit einer Fähre über den Kongo zu erreichen. Am Bahnhof angekommen, stand zu meiner Freude der Zug bereit, mit Lokführer und Kondukteur. Man wies mich zum Billettschalter. Dort wurde mir jedoch gesagt, der Zug fahre nicht, denn sie hätten keine Billette. Diese Logik musste ich erst verstehen: Sie hatten keine physischen Tickets. Ich schlug vor, sie könnten das Ganze auf ein Blatt Papier schreiben.

‚Nein, wir haben keine Tickets und der Zug fährt erst, wenn wir solche an die Passagiere verkaufen können. Sie seien unterwegs.‘

Ich war nicht der Einzige, der diese Botschaft verkraften musste. Die Einheimischen gingen in ihre Häuser zurück.

Ich genoss die neue ‚Freiheit‘. Gast zu sein, wie die vergangenen zwei Wochen in Mbandaka, war anstrengend. Ein japanischer Tramper, unterwegs wie ich, stand auch dort. Sein Name war Yoshikazu Nakamura, 1170b Kita Edogawa, Tokyo, Japan. Wir beide beschlossen, mit der Fähre zurückzugehen. In der Stadt fanden wir Unterkunft in einem ehemaligen unbewohnten Kolonialgebäude. Vom 31. Dezember 1974 bis 18. Januar 1975 waren wir zusammen. Wir warteten mehr als zehn Tage auf die Abfahrt des Zuges in Kisangani.

Die Einheimischen wohnten in ihren angestammten Behausungen. Meiner Erinnerung nach mussten wir für die Unterkunft nichts oder nur wenig bezahlen. Das Gebäude gehörte einer Transportunternehmung. Wir schliefen am Boden. An den Tagen, an denen der Zug fahrplanmässig fahren sollte, packten wir unsere Sachen. Wir setzten mit der Fähre hinüber zum Bahnhof ans andere Ufer. Wieder das gleiche Spiel: Der Zug fährt nicht, keine Tickets, vielleicht das nächste Mal. So ging das mehr als zehn Tage lang. Unterdessen erfuhren wir, die Billette seien mit einem Kleinflugzeug von Lubumbashi her unterwegs. Wegen eines Schadens hätte es zwischenlanden müssen. Es könne dauern.

Das Ganze gab uns eine Tagesstruktur vor und wir mussten das Wenige reisefertig haben. Tagsüber erkundeten wir die Stadt. Ich fand in einem Laden ein Heft zum Erlernen von Suaheli, der Sprache in Ostafrika. Meines Erachtens ist diese mathematisch aufgebaut. Ich erarbeitete mir das Grundwissen. Im Vergleich zu Deutsch hatte es nur wenige Ausnahmen von Regeln. Plural, weiblich oder männlich werden als Silben vor den Wortstamm gestellt, nicht hinten wie im Deutschen. ‚Mimi ni mswissi‘ hiess ‚ich bin Schweizer‘, das m vor swissi bedeutet männlich. Ich lernte Vokabeln und hatte so eine sinnvolle Beschäftigung. Später in Kenia oder Tansania fragten mich Einheimische, wo ihr Bus stehe. Mit meinen neu erworbenen Sprachkenntnissen konnte ich Auskunft geben. Zeitweise spürte ich, es ging gar nicht um die Sprache Suaheli, sondern um das Lesen der Schrift als solche.

In Kisangani machte ich Passfotos von mir, denn in Afrika tauschten die Menschen vielfach solche aus. Auch für die Visa-Anträge benötigte ich Fotos.

Eines Nachmittags machte ich einen längeren Spaziergang, der mich vor die Stadt Kisangani führte. Von weitem sah ich ein alleinstehendes grösseres Anwesen. Eine besonders gut unterhaltene Strasse führte dorthin. Gemächlichen Schrittes ging ich auf das Anwesen zu, in meinen Sandalen, den afrikanischen Hosen und dem farbigen Hemd. Auf einmal war ich umringt von bewaffneten Soldaten. Ich dachte mir Schreckliches aus. Ich wurde ausgefragt. Zum Glück hatte ich den Pass in meinem Bauchgurt dabei. Sie erklärten mir, das sei ein Landgut des Staatspräsidenten und es gelte, Distanz zu wahren. Sie liessen mich wieder gehen. Die Kolonialmacht Belgien hatte das Land seinerzeit schnell verlassen. Zu meiner Reisezeit herrschte Mobutu Sese Seko, der Mann mit der Leopardenmütze.

Vom japanischen Mitreisenden lernte ich, wie man noch sparsamer als ich reisen konnte. Am Abend gingen wir ausser Haus für ein Bier und etwas Nahrung im Magen. Bei meinen bisherigen Aufenthalten in den Dörfern wählte ich jeweils ein mir passendes Lokal und bezahlte den Preis. Der Japaner suchte immer das günstigste Bier, nicht abgekochtes Wasser war für uns aus gesundheitlichen Erwägungen tabu. Ich mag mich vage erinnern, dass wir in unserer Gegend in guter Atmosphäre eines hätten trinken können. Er lief lange, bis wir eines für 35 Einheiten fanden statt 45 wie am ersten Ort. Das Lokal war dafür weit weg und nicht so angenehm. Er leistete sich nur das absolut Notwendigste. Den Flüssigkeitsbedarf deckten wir mit Tee, Bier und Cola, das immer und überall an kleinen Ständen abgegeben wurde.

Eines Morgens spürten wir eine Veränderung, schon als wir auf die Fähre zugingen. Es waren mehr Menschen als sonst unterwegs. Und siehe da, wir konnten ein Kartonticket (wie früher in der Schweiz) erwerben und Platz nehmen im Zug. Es war eine Schmalspurbahn, wie im Appenzellerland mit Diesel-Lok und etwa 6-10 kurzen Personenwagen. Alle Passagiere hatten einen Sitzplatz, es gab keine Menschentrauben an den Wagen oder auf dem Dach. Der Zug fuhr durch den Urwald und an Zuckerrohr-Plantagen vorbei, in gemächlichem Tempo, so 10-20 km pro Stunde. Das Trassee war vielfach voll von Erde, wie zu meiner Jugendzeit die Bahnstrecke nach St. Gallen. Bei den Appenzellerbahnen wurde damals nicht mehr investiert, weil von den Trägergemeinden eine Umstellung auf Busbetrieb angedacht war. Manchmal hielt der Zug, einige Leute stiegen aus und verrichteten ihre Notdurft. Die Frauen mit ihren grossen Röcken gingen in die Hocke. Wenn sie sich wieder aufrichteten, sah man ein dampfendes Häufchen. Unterwäsche wurde nicht getragen. Die Männer hatten es nicht so gut. Ich mag mich erinnern, dass mir ein Einheimischer ein kleines Gebäude auf dem Gelände zeigte. Es war eine Toilette, eine mit einem Loch am Boden. Aber alles war so verschmutzt, dass ich wie die Einheimischen mein Geschäft im nahen Wald verrichtete.

Einmal hielt der Zug inmitten eines Zuckerrohrfeldes. Die Männer stapften heraus und kamen mit Zuckerrohr zurück, das sie genüsslich im Abteil assen und auch mir anboten. Die Zugfahrt war für mich viel zu schnell wieder zu Ende, nämlich in Ubundu. Die Bahn diente nur zur Umfahrung der Stromschnellen. In Ubundu kamen wir in der Missionsstation unter.

Bald ging es wieder für drei Tage auf einem Schiff auf dem Lualaba bis Kindu und von dort weiter mit der Eisenbahn über Kabalo nach Kalemie am Tanganjikasee. Insgesamt war ich in Zaire zwei Wochen gemächlich auf Flüssen unterwegs, in drei Etappen. Der Japaner nahm in Kabalo die Route Richtung Süden nach Südafrika und ich reiste allein weiter.

Auf dem Weg zwischen Kisangani und Kalemie mag ich mich erinnern, dass wir einen Fussmarsch von ca. 2-3 Stunden einlegen mussten, weil die Strecke unterbrochen war. Alle Reisenden nahmen ihre Sachen mit. Die Afrikanerinnen trugen ihre Babys am Rücken und das Gepäck in ein Tuch eingewickelt auf dem Kopf. Zum Glück hatte ich nur meine geflochtene Tasche dabei. Meine afrikanischen Sandalen, mein einziges Schuhwerk, war dafür nicht gerade passend.

Mich plagte eine Sorge. Mein Visum für Zaire war wie üblich für einen Monat ausgestellt. In Kisangani beim langen Warten auf den Zug war es abgelaufen. Ich wusste, dass die Grenzbeamten ziemlich streng und genau sein konnten und für ihre Grosszügigkeit entschädigt werden wollten. Ich dachte immer, wie mache ich das? Meine Beobachtung an anderen Orten zeigte mir, dass viele ein Nötchen in den Pass oder den Ausweis legten. Es wurde nie etwas offen in die Hand gedrückt. Im Pass habe ich bei der Dauer mit einem blauen Kugelschreiber aus der 1 eine 2 gemacht. Somit lag das Ausreisedatum knapp in der Frist. Mein Nötchen im Pass liess den Beamten mein Schummeln übersehen und ich konnte ausreisen.

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Eintrag des Japaners Nakamura in mein Adressbuch. Von 31. Dezember 1974 bis 18. Januar 1975 waren wir zusammen, wir warteten mehr als zehn Tage auf die Abfahrt des Zuges in Kisangani.

 



Niklaus Wild in Kisangani, Januar 1975



Missionsstation Ubundu, unsere Unterkunft in Zaire für zwei Nächte. Mitte Januar 1975, Niklaus Wild.



Visum von Zaire, ausgestellt in Bangui am 5. Dezember 1974. Die Frist wurde von mir verlängert, indem ich aus einer 1 mit Kugelschreiber eine 2 machte. Januar 1975


36 Stunden Hunger und Durst (aus Buch)

Weil ich kein Visum für Tansania hatte, durfte ich in Kigoma das Schiff nicht verlassen. Einen ganzen langen heissen Tag ohne Nahrung und Getränke allein auf einem Kahn auf dem Tanganjikasee.

 

Kalemie (Zaire) war eine Hafenstadt am Tanganjikasee. Ich fand eine Passage nach Bujumbura, der Hauptstadt von Burundi. Das Schiff würde den See überqueren und in Kigoma (Tansania) einen Zwischenhalt einlegen.

 

Das Schiff fuhr die ganze Nacht durch. In Kigoma auf der tansanischen Seite verliessen alle den Kahn und gingen ihren Geschäften nach. Ich wollte aussteigen, aber mir wurde dies ohne Visum für Tansania nicht gestattet. Damit hatte ich nicht gerechnet. Zudem fuhren wir nicht weiter, sondern lagen den ganzen ‚heissen‘ Tag vor Anker. Erst am Abend kamen wieder Passagiere und wir glitten in die Nacht hinaus. Ich hatte nichts zu trinken und nichts zu essen. Kaufen konnte ich nirgendwo etwas. Es galt zu hungern und zu dursten. Verrückte Stunden. Dem emsigen Treiben im Hafen konnte ich zusehen. Ich war im Prinzip alleine auf dem Schiff. Die Arbeiter, die ich anzusprechen versuchte, verstanden mich nicht. Das waren fürchterliche 36 Stunden während zwei Nächten Fahrt und einem Tag Nichtstun bei ungewohnter Hitze. Nach Ankunft in Bujumbura am nächsten Morgen galt es zuerst, meinen Durst und Hunger zu stillen.

 

In dieser Stadt holte ich am 31. Januar 1975 die Einreiseerlaubnis für Ruanda. Für Tansania bekam ich eine Art Einreisegenehmigung für zwei Tage. Ich müsse mich in der nächst grösseren Stadt von Tansania, in Mwanza, melden und ein Visum beantragen, was ich nach meiner Reise durch Burundi und Ruanda tat und am 7. Februar 1975 für drei Monate erhalten hatte.

 

In Burundi sah ich keine Gelegenheit, wo ich länger bleiben mochte. Also ging es weiter nach Ruanda, in die Hauptstadt Kigali. In diesem Land sind mir die vielen Fahrzeuge internationaler Organisationen aufgefallen, vor allem die schönen, grossen Autos ohne Beulen. Ich war solche Anblicke gar nicht gewohnt. Mein Bruder hatte mir später erzählt, dass diese ‚Entsandten‘ auf gutem Fuss leben würden. Die Einheimischen klopfen jeweils bei deren Familien an, bis alle Jobs besetzt seien. Sieben Angestellte fanden ihr Auskommen: Fahrer, Koch, Gärtner, Putzhilfe, Wächter etc. Für mich war es neu, dass ‚Helfer‘ nicht bescheiden auftraten, sondern verglichen mit dem Standard im Land komfortabel lebten. Solche Beobachtungen vor Ort liessen mich später zu Hause kritisch auf Entwicklungsorganisationen, UNO-Hilfsorganisationen oder jede Art von Entwicklungshilfe achten. Ich sah die abgehobene Lebensweise und fragte mich, ob solche Einsätze dem Land letztlich etwas brächten.

 

In Uganda herrschte Krieg unter Idi Amin. Eine Reise in dieses Land war nicht möglich. Ich setzte meinen Weg fort und kam gegen Abend an einen Grenzposten zwischen Ruanda und Tansania. Es war nichts da als eine Hütte mit einem Beamten. Normalerweise waren die Grenzposten beider Länder beieinander durch einen Schlagbaum getrennt. Hier war nichts mehr. Ich fragte den Beamten, wo es nach Tansania gehe und mit welchem Transportmittel. Er sagte, es gäbe keinen Verkehr, ich müsste zu Fuss gehen, ca. 1-2 Stunden. Die Sonne schien gerade noch. An ein Bleiben mangels Unterkunft war nicht zu denken. Nach Erhalt des Ausreisestempels marschierte ich mit meinem Handgepäck los. Bald wurde es dunkel. In der Nähe des Äquators geht das schnell, in 5 bis 10 Minuten von hell zu finster. Ich war im Wald auf einer Strasse, ähnlich einer Forststrasse bei uns.

 

Im Urwald ist es nie ruhig, er war voller Leben und es herrschte ein Gewirr an Tierlauten. Meine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit. Mir wurde gewahr, ich wurde begleitet von vielen Affen, die mir sehr nahekamen.

 

Von zu Hause aus als Aushilfs-Briefträger wusste ich im Umgang mit Hunden, ruhig bleiben, keine fuchtelnden Bewegungen. Ich hatte Angst, schaute geradeaus und hielt meinen Schritt bei. Nach gefühlt einer Stunde sah ich etwas Licht, was mich beruhigte. Bald kam ich unversehrt zum tansanischen Grenzposten, umgeben von ein paar weiteren Gebäuden. Ich füllte die Formulare aus, wobei ich auch nach dem Namen meines Vaters gefragt wurde. Ich sagte ihm, er sei tot. Ich musste das Feld ausfüllen. Nachher fragte ich ihn, was er mit den Formularen mache. Er führte mich in den Nebenraum, wo er diese jeweils gebündelt in Ballen ablegte und stapelte. Es sei noch nie jemand gekommen, sie anzuschauen oder zu holen. Eine lustige Erfahrung. Ich konnte in einem Raum der Grenzstation übernachten. Es gab hier keine Unterkünfte und erst am nächsten Tag eine Fahrgelegenheit. Diese Geschichte mit der Affenbegleitung war mir eingefahren.

 

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Kenia und Tansania (aus Buch)

Ich musste nach Mwanza zum Immigration Office, wo mir das Visum für Tansania ausgestellt wurde. Von Mwanza aus habe ich am 7. Februar 1975 einen Brief an meine Wohngemeinschaftskollegen in die Schweiz gesandt, in dem ich ihnen meine Rückkehr für Mitte März 1975 ankündigte. Ich würde über London oder Paris reisen. Zu jener Zeit wusste ich selber anscheinend nicht, dass ich über Israel nach Hause fliegen würde.

 

In den Unterkünften konnte ich mich kalt waschen, es gab in meiner Unterkunftskategorie keine Duschen oder Badewannen. Einmal machte ich es wie die Einheimischen. Ich entledigte mich der Kleider und ging mit Seife in den Victoriasee, um mich zu reinigen. [Erst später in der Schweiz wurde mir bewusst, wie gefährlich das gewesen war. Sogar Einheimische wurden auf diese Art mit Bilharziose befallen, einer im schlimmsten Fall tödlichen Krankheit.]

 

In Mwanza benötigte ich drei Tage für das Visum. Nach meinen Notizen lernte ich Kay kennen (Miss Kijakazi Maulidi, P. O. Box 17800, Mwanza, Tansania, geboren 15. November 1951), die mich in ihrer Stadt herumführte. Die Zeit bis zur Rückkehr meines Bruders Anfang März wollte ich nutzen, um Kenia zu sehen.

 

Die Fahrt nach Nairobi war in einem gut besetzten Bus während der Nacht. Meine Sitznachbarin war eine Mutter mit Kind, die aber kein Englisch konnte. Es entstand kein Gespräch. Ich erinnere mich noch, wie sie eingeschlafen ist und sich an mich anlehnte. Die Strasse war holprig und es war nicht einfach, die Position zu halten.

 

Wie ich später merkte, befanden sich in dieser Gegend die bekannten Nationalparks. Auf der nächtlichen Busfahrt habe ich diese durchquert. In Nairobi suchte ich eine Unterkunft, in der Absicht, länger zu bleiben. Es war eine Grossstadt mit europäisch anmutenden Gebäuden. Auf meiner Reise hatte ich solche Bauten schon lange nicht mehr gesehen. Es behagte mir nicht. Ich vermisste das afrikanische Leben, wie ich es in den letzten Monaten erlebt und lieben gelernt hatte. Anfangs meiner Reise hatte ich Mühe mit dem Geruch der Menschen. Ich gewöhnte mich daran und empfand ihn mit der Zeit als angenehm. In den Transportmitteln ging es nicht ohne Hautkontakt, so eng waren die Verhältnisse.

 

Bald brach ich Richtung Mombasa auf. Mein Wunsch war es, mit der Bahn zu fahren, die die Engländer gebaut hatten. Aber es gab keine Gelegenheit, der Bus hatte sich auf dieser Strecke etabliert. Irgendwo stieg sogar ein stolzer Massai in voller ‚Tracht‘ ein, für mich eine unbekannte Erscheinung. [Eigentlich lieferte mir erst der spätere Film 'Die weisse Massai' Hintergrundinformationen zu dieser damaligen Begegnung.]

 

In Mombasa traf ich erstmals auf den Gegensatz zwischen Touristen und Einheimischen. Die Hotelanlagen am Strand waren den zahlenden Fremden vorbehalten, die Afrikaner hatten keinen Zutritt. In dieser Stadt wurde ich auch mit dem Elend der Prostituierten konfrontiert. Es war ein unschöner Anblick, die ‚ausgelaugten‘ Mädchen auf der Suche nach Männern zu sehen. Sie bettelten auf ihre Art und hingen an den Bartheken herum. In die Touristenanlagen durften sie nicht. Wenn nicht gerade ein Schiff anlegte, waren sie arbeitslos. Sie befanden sich in einer ausweglosen Situation. Ein Mädchen, das den Familienclan ohne Mann verlassen hat, wurde nicht mehr in die Familie zurückgenommen. Die Suche nach einem anderen Leben konnte in einer ausweglosen Situation enden, vor allem mit Krankheit.

 

Auf meiner Suche nach einer Unterkunft wurde ich immer auf die Hotels am Strand verwiesen. Das wollte ich aber nicht. Es hätte nicht zu mir gepasst und mein Budget wollte ich nicht unnötig strapazieren. Während meines Aufenthalts kam ein grösseres Schiff an. Es herrschte richtig Betrieb und man sah nur noch jene Prostituierten, die keinen Kunden angeln konnten. Mir behagte die Situation nicht mehr. Es wurde mir empfohlen, nach Lamu zu gehen.

 

Mit dem Bus ging es über Malindi der Küste entlang bis fast an die somalische Grenze. Lamu war ein beschaulicher Ort auf einer kleinen Insel. Dort hat es mir gefallen und ich bin eine Weile geblieben. Es waren schöne Ferien am Meer. Damals hatte es dort keine Hotelanlagen.

 

Dieses Reisen, eher ein Sich-treiben-lassen, hat mir gefallen. Ich wusste nie, was auf mich zukommt. Der Kontakt zu den Einheimischen war da. Gegessen habe ich von den Angeboten an den Strassen, von den Ständen in den kleinen Restaurants, Bars, Unterkünften etc. Ich suchte das Gespräch, vor allem bei längeren Aufenthalten. Es waren jeweils echte Ferientage, denn immer nur Reisen/Fahren macht müde.

 

Langsam wurde es Zeit, nach Tansania zu gehen, dem Land, wo mein ältester Bruder Gandolf tätig war. Für mich selber musste ich an meine Rückreise denken, um zu Semesterbeginn wieder in Zürich zu sein. Ich entschied mich, Kenia und Tansania auf eigene Faust zu entdecken, um nicht meinen Bruder zu stark zu belasten. Er kam von seinem mehrwöchigen Heimaturlaub zurück und musste sich prioritär seinen Aufgaben – und nicht mir – widmen.

 

Über Malindi und Mombasa fuhr ich der Küste entlang nach Tanga. Das Reisen in Tansania war ähnlich wie in Kamerun. Dort galt es, stundenlang zu warten, bis das Buschtaxi zu 150 % belegt war. Geduld war hier angesagt, bis der Bus voll war. Das war aber keineswegs langweilig, irgendwie bildete sich eine wartende Reisegesellschaft. Die Abfahrt war üblicherweise beim Marktplatz, wo ein emsiges Treiben herrschte und das tägliche Leben stattfand. Mir hat das gefallen. Ich habe mir nach diesen Erfahrungen vorgenommen, auf keinen Bus oder kein Tram zu springen. In Zürich kommt nach wenigen ‚Warte‘-Minuten wieder das nächste Transportmittel.

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Bei meinem Bruder in Maua (aus Buch)

Die Zeit war reif, zu meinem Bruder Gandolf nach Maua in Tansania zu reisen. Ich weiss nicht mehr, ob wir auf irgendeine Art kommuniziert haben. Ich glaube eher, ich reiste nach Moshi, wo ich übernachtete. Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Bus nach Maua. Die letzte Meile zu ihm bewältigte ich in gewohnter Manier mit leichtem Gepäck zu Fuss. Dank meiner in Kisangani erworbenen Grundkenntnissen in Suaheli konnte ich mich durchfragen. Ich glaube, ich überraschte meinen Bruder mit meiner unangemeldeten Ankunft, obwohl er über das Buschtelefon mögliche Hinweise bekommen hatte. Er sagte mir, es sei eher selten, dass die Einheimischen zwei weisse Menschen sähen, die zum Verwechseln gleich aussehen. Er brauchte auf unseren Vorstellungsrunden oft die Worte „Mama moja, Papa moja“ (gleiche Mutter, gleicher Vater), was in Afrika nicht die Regel war. So war ich am Ziel meiner Reise angekommen.

Der Lehrkörper des Gymnasiums, dem mein Bruder vorstand, lebte in Gemeinschaft. Jeder hatte seine eigene Klause. Es gab geregelte Essenszeiten. Ich fühlte mich wohl. Ich konnte mich mit warmem Wasser duschen. Es war gefühlt das zweite Mal auf dieser Reise in Afrika. Das letzte warme Bad genoss ich in der Gegend von Biafra im Niemandsland.

Die Schule wurde von den Kapuzinern betrieben, einem Orden, der auf Franz von Assisi zurückgeht. [Die Kapuziner, eigentlich Orden der Minderen Brüder Kapuziner, lateinisch Ordo Fratrum Minorum Capucinorum (OFM Cap), sind ein franziskanischer Bettelorden in der römisch-katholischen Kirche. Der Name leitet sich von der markanten Kapuze des Franziskanerhabits ab.] Es waren auch andere Kapuziner aus der Schweiz dort tätig.

Das Maua Seminary wurde 1970 ins Leben gerufen. Der Schulbetrieb für 170 Schüler war etwas anders als bei uns. Die Studenten hatten einen Tag pro Woche Dienst für die Gemeinschaft, sei es Feldarbeit, Gartenarbeit, Küchen- oder Hausdienst. Sie waren Selbstversorger. Im Rückblick hätte mir das auch gutgetan. Ich hätte einen anderen Bezug zu den Lebensmitteln und deren Zubereitung bekommen. Im Gymnasium in Appenzell konnte ich sieben Jahre lang an den gedeckten Tisch sitzen und essen.


1984, Tansania. Bruder Gandolf mit den Studenten des Franciscan Seminary Maua, die bei der Landarbeit sind.

 

 

 



Mein Bruder hatte immer irgendetwas zu erledigen. Ich konnte ihn in seinem Auto nach Arusha begleiten. Es war eine Schotterpiste. Er liess sich davon nicht beeindrucken. Er sagte, die Europäer wüssten gar nicht, was die Autos alles aushalten könnten.

Auf einmal sah ich am Strassenrand einen zuckenden menschlichen Körper. Ich staunte, mein Bruder fuhr vorbei. Ich sprach ihn darauf an. Unsere Hilfe wäre nicht im Sinne seines Clans gewesen. Er meinte, die Familie habe ihn bewusst zum Sterben an die Strasse gelegt. Sie würden ihn holen und auf ihre Art würdig beerdigen. Damals konnte ich über eine solche Sichtweise eines Priesters nur staunen. Heute ist mir bewusster, dass wir in der Schweiz als Gesellschaft das Sterben wieder lernen müssen. Ein Mediziner von 58 Jahren hat geschrieben, unser Gesundheitswesen könne den Tod hinauszögern, aber nicht das Leben verlängern. Dieses Erlebnis an der Strasse ist mir damals richtig eingefahren.

Mit meinem Bruder Gandolf besuchte ich kleine Weiler mit den typischen Rundhäusern mit Lehmwänden und Strohdach.

Die Schule von Gandolf befand sich oberhalb von Maua im Vorland des Kilimandscharo, dem höchsten Berg Afrikas. Eines Tages fragten mich einige Schüler, ob ich mitkommen wolle, sie gingen dort hinauf. Irgendwie war ich müde und sagte nein. Das Ausruhen bei meinem Bruder tat mir gut. Mir war damals nicht bewusst, welchen Anstrengungen und welcher Kälte ich ausgesetzt gewesen wäre. Ich hatte keine Ausrüstung.

Auf dem Weg nach Maua gab es eine von den bei Luzern beheimateten Gerlisberger Klosterfrauen geführte Mädchenschule. Diese haben uns eingeladen und Tänze und kleine Theaterstücke aufgeführt. Immer wieder waren unsere ‚behaarte‘ Haut und das fast identische Aussehen und der ähnliche Habitus ein Thema.

Einmal ging ich mit meinem Bruder nach Moshi einkaufen. Er suchte Ersatzteile für eine Maschine. Wir waren in einer Art Magazin, das viele Artikel hatte, aber vom Gesuchten gar nichts. Gandolf hat mir versucht zu erklären, wie die Afrikaner denken. Der Unterhalt der Anlagen sei ein grosses Problem. Darum würde die Eisenbahn nicht mehr funktionieren, da für den Personentransport keine Verlässlichkeit geboten werden könne.

In diesem Zusammenhang zweifelte er auch an der Vorgabe von Präsident Nyerere, in fünf Jahren müssten alle Managementstellen im Land von Einheimischen wahrgenommen werden. Gandolf unterstützte die Idee. Er war aber bei seinem Job der Meinung, dass der Aufbau und das Heranziehen von fähigen Leuten länger dauere.

Die Gegend in Maua erinnerte mich an meine Jugendzeit im Appenzellerland. Es war ähnlich, vor allem auch das Klima. Auf mehr als 1'500 m über Meer war es nicht so heiss wie an der Küste oder in Dar-es-Salaam. Mit diesem Argument konnten wir unserer damals 62-jährigen Mutter (1913-1981) einen Aufenthalt bei ihrem Sohn schmackhaft machen.


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März 1975, Olivia in Maua, Bekannte von meinem Bruder Gandolf.

 

Ich konnte meiner Mutter und meinen Geschwistern unbeschwert eine Reise zu ihm empfehlen, was die meisten dann auch gemacht haben. Schwester Catherine und Joe Winteler noch im gleichen Jahr.


7. Juli 1975, Maua, Gandolf, damals 35 Jahre alt, auf Besuch in den Siedlungen. So machte er auch mit mir die Runde. Meine Schwester Catherine (von hinten) zu Besuch vier Monate nach mir. Afrikanerin als Hausherrin.

Dieses Foto wurde am Nationalfeiertag von Tansania, am ‚shaba shaba‘ (7.7.), aufgenommen.

Unsere Familie zu Besuch in Tansania (aus Buch)

Bruder Gandolf hat uns in seinen Rundbriefen oder während seines jährlichen Heimaturlaubs immer ermuntert, ihn zu besuchen. Er betonte, das Klima in Maua sei vergleichbar mit jenem im Appenzellerland. Es liege auf 1’500 m ü. M. im Vorland des Kilimandscharos. Die moderaten Temperaturen seien nicht zu vergleichen mit der Hitze von Dar-es-Salaam.

Tansania war in unserer westlichen Welt wegen dem unter Präsident Nyerere eingeschlagenen sozialistischen Entwicklungspfad nicht unbedingt auf der Liste angesagter Ziele für Touristen, im Gegensatz zu Kenia, das einen kapitalistischen Kurs mit finanzieller Unterstützung anderer Staaten verfolgte.

Im Februar 1975 war ich der Erste der Familie, der ihn besuchte. Ich blieb auch der Einzige, der dies auf dem Landweg machte. Für mich waren die Tage bei ihm dem Ausruhen gewidmet. Ich genoss das Zimmer und die sanitären Anlagen, konnte ich mich doch seit Monaten mit warmem Wasser waschen. Mir gefiel es auch, mit meinem Bruder Menschen in ihren Häusern oder Krals zu besuchen. Er rief jeweils ‘hodi, hodi’ und die Frauen, Männer und Kinder kamen nach draussen. Er unterhielt sich in Suaheli mit den Menschen, meist brachte er etwas mit. Gandolf sagte, in den Lehmhütten mit Strohdach sei es so sauber wie in einer Wohnung in der Schweiz. Man spürte heraus, mein Bruder liebte sein Afrika. Die Leute hatten ihn gern. Er ist in seiner Aufgabe aufgegangen. Nach seinem Studium in Dar es Salaam konnte er sich als Leiter des Maua Seminary entfalten. Ich habe ihn in seinem sechsten Jahr im Afrika-Einsatz erlebt.

Kurz nach mir reisten Schwester Catherine und ihr Mann Joe Winteler zu ihm. Sie feierten ihren zweiten Hochzeitstag am 7. Juli. Dieser Tag ist auch der Nationalfeiertag in Tansania, benannt in Suaheli ‘Shaba Shaba’, sieben-sieben (7. 7.). Sie flogen von Basel via Genf und Nairobi nach Arusha, weiter mit dem Taxi nach Maua, wo sie von Pater Diego am 28. Juni abgeholt worden waren, weil Gandolf noch unterwegs war. Sie wohnten im ‘Elsässerhaus’. Nach einer Woche reisten sie mit Gandolf über Ngorongoro NP (National Park), Lake Manyara NP, Mto wa Mbu, Dodoma, Mahenge nach Ifakara. Hier musste er Prüfungen abnehmen. Auf dem Rückweg besuchten sie den Mikumi und Morogoro NP. Weiter ging es über Dar es Salaam nach Maua zurück, das sie am 22. Juli Richtung Kenia verliessen, wo sie bis am 9. August unterwegs waren.

Theres Reich-Wild und Monika Bucher-Wild waren im Dezember 1976 bei Gandolf und sogar auf dem Kilimandscharo. Die Sonne hatte ihnen einmal arg zugesetzt und litten an Sonnenbrand. An Silvester waren sie wieder in der Schweiz. Eigentlich war geplant, dass sie zusammen mit der Mutter die Reise unternehmen. Kurz vor der Buchung war diese abgesprungen, und zwar fürchtete sie sich vor der afrikanischen Hitze. Monika und Theres reisten trotzdem und konnten im Nachhinein ihre Mutter bezüglich des Klimas beruhigen.

Unsere Mutter Maria Wild-Büchel war über den Jahreswechsel 1978/79 bei ihrem Sohn Gandolf. Er hat mit den Jesuiten vom aki (Akademikerhaus am Hirschengraben 86) in Zürich eingefädelt, dass sie sich einer von P. Albert Ziegler geführten Reisegruppe für den Hin- und Rückflug anschliessen konnte. Dies war für sie eine unglaubliche Erfahrung. Sie bemerkte dazu, jetzt hätte sie die Wirkungsstätten aller ihrer Kinder gesehen und könne nun ‘gehen’. Nach dem Besuch hätte sie sich sogar ihr weiteres Leben dort vorstellen können. Es tat ihr gut zu sehen, wie ihr Sohn in Tansania zufrieden war und ein ‘Daheim’ gefunden hat.

Nach ihrer Rückkehr hat sie unserem Bruder Tony gezeigt, wo ihre Sachen sind. Das schwarze Büchlein beim Telefon und das Testament im Kassenschrank. Zwei Jahre später ist sie bei der Zubereitung ihres Tees in der Küche am Muttertag 1981 an Herzversagen gestorben.

Mein Bruder Tony und seine Frau Vreni sind 1995 nach Tansania gereist. Gandolf hat mit ihnen eine unglaubliche Reise unternommen. Am 2. Februar 1995 schreibt Gandolf seinem Bruder Tony von Morogoro aus, wo sie überall gewesen seien und wen sie getroffen hätten. Dies, damit er sich erinnern und in seinen Aufzeichnungen die Ortschaften und Namen richtig wiedergeben konnte. Er führte auf: Mtimbira, Itete, Iragua, Igota, Kasita, Kwiro, Fähre über den Kilombero Fluss, Ifakra, Mahenge, Mchombe, Mbingu, Kisawasawa, Kiberege, Arusha, Moshi, Himo, Kijenge, Burka, Makuyuni Mto wa Mbu, Endamariek, Ngorongoro Krater, Dar es Salaam, Kilomeni, Lembeni, Kilomeni, Mwenge, Oysterbay, Temeke, Mabibo. Sie sahen Missionsstationen mit zum Teil Schweizer Personal, aber auch die Barabaig Nomaden. Bruder Tony hatte ausführliche Reiseberichte geschrieben.

Es waren neben der Mutter die jüngeren fünf Geschwister Theres, Tony, Catherine, Monika und ich, die Gandolf an seiner Wirkungsstätte in Tansania besuchten.



Weihnachten 1978, Mutter Maria Wild-Büchel (1913-1981) in Maua, im Hintergrund der Kilimanjaro.

 



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Abschied von Afrika (aus Buch)

Nach zwei bis drei Wochen in Maua, die wie Ferien waren, hiess es Abschied nehmen. Ich wollte das Studium nach einem Jahr Unterbruch wieder aufnehmen und zu Beginn des 6. Semesters in Zürich sein. Wer nun glaubt, ich sei direkt geflogen, rechnet nicht mit meinen Kapriolen. Ich hatte kein Retourticket im Gepäck. Der nächste internationale Flughafen war Nairobi. Ich machte mich auf.

In Nairobi kaufte ich ein Flugticket, und zwar mit Zwischenstopp in Israel. Ich kann mir vorstellen, dass ich auf der Suche nach einem günstigen Ticket bei der Fluggesellschaft EL AL landete. Damals wollte niemand mit deren Flugzeugen unterwegs sein. Im Notizbüchlein habe ich eine Notiz vom Oktober 1974, dass man mit EL AL preiswert fliegen könne. Dies war ein Tipp eines Mitreisenden.

Im Jahre 1968 wurde eine Maschine der EL AL entführt. Danach war rund um deren Flugzeuge die Sicherheit erhöht. In Nairobi stand die Maschine weit weg vom Flughafengebäude am Rand des Flugfeldes. Ich hätte auch mit Umsteigen in Tel Aviv nach Hause fliegen können, ohne den Zwischenstopp von fast zwei Wochen.

Damals war es in meiner Altersgruppe verbreitet, einige Zeit freiwillig in einem Kibbuz in Israel zu arbeiten. Ich dachte, ein Augenschein könne mir zeigen, woran der Reiz eines solchen Einsatzes lag.

Bis zum Abflug musste ich noch einige Tage warten. Diese Zeit wollte ich nicht in der Grossstadt Nairobi verbringen, sondern lieber ausserhalb in einem Dorf (Machakos und Thika). Vom Busbahnhof nahm ich einen Bus und schaute, wo es mir gefallen könnte. Etwa nach 30 km stieg ich aus und gönnte mir ein Bier. Ich hatte immer nur mein kleines Gepäck dabei und am Körper ein afrikanisches Hemd, Hose und Sandalen. Dort erkundigte ich mich bei der Bardame nach passenden Unterkünften. Sie sagte, ich könnte allenfalls bei der Familie ihrer Schwester wohnen, sie würde noch vorbeikommen. Dies klappte. Dort hatte ich im Haus eine Liegestätte gefunden, wie ich es gerne hatte. Diese Schwester sprach ein wenig Deutsch. Sie zeigte mir Fotos und Dokumente eines Deutschen. Dieser kam anscheinend jedes Jahr zu ihr und sendete ihr auch regelmässig Geld. Er sei ihr Freund und sie würden später heiraten. Für mich waren das die letzten schönen Tage in Afrika in afrikanischer Gesellschaft.

Afrika mit Reisestationen und Transportkosten

Die ganze Reise hatte mich inklusive der Vorbereitungsarbeiten Fr. 7’000.- gekostet. In der Schweiz waren keine Kosten angefallen, ausser der Krankenkasse. Deren Prämien fielen damals für Studierende nicht ins Gewicht. Lesende mögen 50 Jahre später denken, das sei nichts. Für mich war es das einzige Geld, das ich besessen hatte. Kaufkraftbereinigt sind das 50 Jahre später (2024) Fr. 17’000.-. Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) stand 1975 bei 353, bei der Basis 100 1966. Im Vergleich betrug die maximale AHV-Rente für eine Einzelperson 1975 Fr. 1000.- und 2024 Fr. 2450.-. Demnach hatte ich pro Monat auf der Reise den Betrag einer maximalen AHV-Rente ausgegeben.

Im Nachhinein denke ich: Was hätte ich gemacht, wenn mir auf einmal das Geld ausgegangen wäre? Ich hatte keine Ahnung von den Kosten auf der Reise, geschweige denn von der Reiseroute. Letztlich habe ich im ganzen späteren Leben kein solches Abenteuer mehr angetreten. Jede Wanderung bei den Zürcher Wanderwegen oder der Pro Senectute war besser vorbereitet als diese Reise.

Der ganze Einsatz von Geld und Leben hat sich gelohnt.

Mein Bruder Gandolf sagte mir im Herbst 2021, ein halbes Jahr vor seinem Tod, etwas Erstaunliches. Ich hatte ihm wahrscheinlich von Tunis aus geschrieben, welche Reiseroute ich plane. Da hätte er gedacht, dass ich bei ihm nicht lebend ankommen würde. Er kannte Afrika und die Gefahren meiner gewählten Transportart und Route.

Ganz unrecht hatte er nicht, es gab Situationen, die nicht ungefährlich waren: Fahrt im Buschtaxi auf schlammigem abschüssigem Weg, Transport auf leerer Ladefläche eines Lastwagens ohne Haltemöglichkeiten zwischen Agadez und Kano auf holpriger Strasse und mit ruppiger Fahrweise; Beinahe-Zusammenstösse in Nigeria oder in der Wüste auf den schmalen geraden Teerstrassen; Fussmarsch über die Grenze, begleitet von Affen im dunklen Wald; Keime in den Nahrungsmitteln. Ich hatte ein Urvertrauen, verbunden mit einer Disziplin bei der Nahrungsaufnahme im Sinne von „verschlossen oder gekocht“. Die Bemerkung von meinem Bruder hat klar gemacht, was für eine verrückte Expedition ich unternommen habe.

Für mich war die Reise eine wichtige Erfahrung. Lebensprobleme wurden kalibriert im Sinne von: Unsere schweizerischen Probleme sind weltweit gesehen unbedeutend. Ich habe einen Kontinent „zu Fuss“ vermessen können, gegenüber dem die Schweiz winzig ist.

Fast 50 Jahre später habe ich aus meinen Erinnerungen die Reise zu rekonstruieren versucht. Ich staunte, dass gewisse Erlebnisse noch so präsent waren, als ob ich erst kürzlich in Afrika gewesen wäre. Beim Schreiben über die Reisephase in Nigeria fiel mir auf, wie wenig hängen geblieben ist. Die Erinnerungen waren am stärksten, wenn ich Sachen zusammen mit anderen Menschen erlebt hatte. Eine weitere Erfahrung: Bei meiner Unterkunftskategorie war es nicht einfach, mich zu rasieren. Irgendwann in Nigeria liess ich es. Mein Bart war unglaublich schnell gewachsen. Bald ähnelte ich Albert Schweizer, nur war meine Haartracht rot. Er begann auch zu beissen. Bart braucht Pflege. Ich ging zu einem Barber-Shop und liess mich kahl rasieren.

Wichtig an der Reise war: Meine Sehnsucht nach fernen Ländern ist gestillt worden. Ich habe die „Bubble“ Schweiz für einige Zeit verlassen. Dabei habe ich die sozialen und technischen Errungenschaften des eigenen Landes schätzen gelernt. Auf die Frage, wohin ich wieder gehen wolle, war die Antwort: Kamerun und Tansania.

Im Nachhinein ist diese siebenmonatige Reise für meine Persönlichkeitsentwicklung etwas Entscheidendes und Einmaliges gewesen. Sie war nicht planbar für mich, sie hat sich von Tag zu Tag entwickelt.

Und ganz wichtig: Ich kam hoch motiviert zurück. Mein Ziel war, das Studium an der ETH als aktiver und interessierter Student zum Abschluss zu bringen. Der erteilte Urlaub war beendet.

Zurück von der Reise nahm ich mein Studium wieder auf. Meine Motivation zum Abschluss war hoch. Studienkollegen schrieben die von mir gelösten Übungen im 6., 7. und 8. Semester zum Teil ab. Vor meiner Reise war es umgekehrt, ich habe von Kollegen abgeschrieben. Der Lerneffekt ist beim Abschreiben nicht hoch, Ziel ist lediglich, das Testat zu erhalten.

1976 bestand ich das zweite Vordiplom und schloss 1977 das Studium als Dipl. Bauingenieur ETH ab.

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Nach meinem ersten Flug: Aufenthalt in Israel (aus Buch)

Als 24-Jähriger flog ich von Nairobi nach Tel Aviv. Das erste Mal in einem Flugzeug, einer Maschine der EL AL.

In Tel Aviv musste ich mich an andere Gegebenheiten gewöhnen: dicht bebaut, viele Autos, hohe Häuser. Ich fand eine Unterkunft und genoss als erstes die heisse Dusche. Auf einmal hörte ich es klopfen. Splitternackt öffnete ich die Tür einen Spalt und sah mich konfrontiert mit drei Maschinengewehren. Die Soldaten/Polizisten fragten mich aus, durchsuchten mein Zimmer und kontrollierten meine Ausweise. Mir hat das einen fürchterlichen Schreck eingejagt: Willkommen in Israel.

Der Besuch dieses Landes war eine Blitzentscheidung beim Ticketkauf gewesen. Ich kramte das im Religionsunterricht Gehörte aus meinem Gedächtnis. Auf meiner Liste standen Jerusalem, das Tote Meer und Beerscheba, nach heutiger Erinnerung.

Die Reise führte von Tel Aviv nach Jerusalem, ans Tote Meer und ins südliche Beerscheba. Von dort der Küste entlang nach Haifa und weiter nach Tiberias, See Genezareth, Nazareth und zurück nach Tel Aviv.

Das Tote Meer wollte ich sehen. Meine Mutter hat mir Psoriasis vererbt, eine Art Schuppenflechte, bei mir am Ellbogen, an den Fingerknöcheln, an der Nasenwurzel und auf dem Haarboden. Aus Berichten wusste ich, dass Psoriasis-Patienten zur Linderung ans Tote Meer reisen und dort im salzhaltigen Wasser baden. Es war eine heilreiche Erfahrung. Diese Kuren, die von deutschen Krankenkassen vergütet wurden, waren für Patienten gedacht, deren Haut grossmehrheitlich mit Psoriasis befallen war. Solche Menschen habe ich gesehen und ich kam mir fast deplatziert vor. Mir taten das Wasser und die Erfahrung trotzdem gut. In der Sahara war es mir, bezogen auf die Haut, sehr wohl, trotz der trockenen Hitze. In Lagos (Nigeria) war es heiss und schwül, was mir viel mehr Mühe machte.

In Jerusalem wohnte ich mitten in der Stadt, ganz nahe bei der Klagemauer. Mir fielen die orthodoxen Juden auf. Es war ein unglaubliches Menschengemisch und immer wieder gab es Kontrollposten und Polizeipräsenz. Mir war es nicht so wohl. Von hier besuchte ich Bethlehem und Hebron, wie auch Jericho und das Tote Meer.

Weiter ging ich nach Beerscheba, ein mir vom Religionsunterricht bekannter Name. Statt in Tel Aviv zu übernachten, stellte ich mir vor, es wäre dort besser, da ein kleinerer Ort. Ich suchte eine Unterkunft. Am nächsten Morgen die grosse Ernüchterung: Es war Sabbat, und wirklich nichts bewegte sich. Es gab nichts zu sehen, buchstäblich alles war geschlossen, keine Transportmöglichkeit. Eine Zwangspause war angesagt und auch eine zweite Nacht. Das war wieder so eine Reiseerfahrung, die einem ein Leben lang bleibt. Ich fuhr von dort in die Hafenstadt Haifa und machte Tagesreisen zum See Genezareth.

Der Rückflug von Tel Aviv nach Zürich mit der EL AL klappte anscheinend gut, denn ich habe keinerlei Erinnerung mehr daran. Ich war froh, den Zwischenstopp genutzt zu haben, um erste Eindrücke von Israel zu erhalten. Für mich war klar: Hierhin möchte ich so schnell nicht wieder. Das kann man nur sagen, wenn man es einmal erlebt hat. Ohne merklichen Mehraufwand ist mir das gelungen.

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Reiseroute Israel gezeichnet auf Luftpostpapier im Februar 1975. Seite 12 des Reiseberichtes von 1975.


Der Bericht des Tropeninstituts ist positiv ausgefallen, trotz meiner Malaria als einzige Krankheit auf der ganzen Reise, die aber die Aktivitäten nicht eingeschränkt hat.


29. April 1975. Bericht der Tropenmedizin zu Untersuchungen von Niklaus Wild, der mit Malaria nach Hause gekommen ist.


 

Urlauber Niklaus Wild an der ETH im 5. Semester, Wintersemester 1974/75








Ereignisse Jahre nach dieser Afrikareise, aber in deren Zusammenhang, eine Art Nachtrag:

Spätere Reise nach Afrika – Bei den Beduinen
(aus Buch)

Da ich des Öfteren von meiner Afrikareise erzählte, wünschte meine Frau Veronika, ihr etwas aus meinem Erlebten zu zeigen. Im Februar 1978 fuhren wir mit unserem roten Renault R4 von Genua mit der Fähre nach Algier und besuchten unter anderem Al Ghardaia in Algerien und auch Nefta in Tunesien. Wir trafen zufällig meinen ehemaligen Gastgeber Hedi (Abdelaziz Béchir Zabac). Er lud uns wieder zu sich ein. Er brachte das Thema Reichsmark von sich aus auf. Er sagte, beim Wechseln auf der Bank sei er dumm dagestanden. Sein grösster Wunsch war, dass wir seiner Schwester hohe Stiefel senden könnten. Meine Frau hat ihr ihre Gebrauchten zugeschickt.

Wir reisten von Nefta Richtung Höhlenstadt Matmata. Auf der Landkarte war ein direkter Weg eingetragen. Diesen wählte ich. Es hätte auch einen anderen gegeben. Anfangs ging es flott auf guter Strasse voran, aber auf einmal blieben wir im Sand stecken. Das merkte ich erst, als es zu spät zum Umkehren war. Beduinen-Frauen, die in Sichtweite in Zelten lebten, halfen uns. Dadurch verloren wir Zeit und abends um halb sieben, beim Eindunkeln, standen wir vor einem Wadi.

Beduinen luden uns zu sich ein, wo wir einen hohen Feiertag feiern konnten mit Couscous und Schaffleisch. Die Männer assen unter sich und die Frauen im Nebenzelt. Während der Nacht war es auch so, sogar einzelne Tiere waren im gleichen Zelt. Es war eine besondere Erfahrung. Die Beduininnen zeigten meiner Frau die Küche und die Vorratshaltung, Kühlschränke gab es nicht.

In der Wüste war beim Renault ein wichtiger Träger gebrochen. Beim Bremsen spürte ich, dass immer etwas am Boden schleifte. Ein Garagist hatte den Schaden mit Schweissen repariert. Dies wurde später in der Schweiz bei einer Motorfahrzeugkontrolle bemängelt. Der Renault R4 war in Tunesien ein verbreitetes Fahrzeug.

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Besuch eines Ehepaares in Bordeaux: In Algerien kam ich in den Oasen In Salah und Tamanrasset in Kontakt mit dem Ehepaar Michel und Marie Claude Guenzi. Wir schrieben uns immer wieder.  Sie hatten uns die Geburtsanzeige ihrer Tochter Milena gesandt. Dieser Name hat uns so gefallen, dass wir unsere erste Tochter gleich benannten. Mit meiner Frau besuchte ich sie später (es muss in den Jahren 1977-1980 gewesen sein) in Bordeaux, mit dem R4. Wir wollten damals Spanien erkunden, kapitulierten aber vor den weiten Strecken.

Luftpost als einziges Kommunikationsmittel (aus Buch)

Auf der Reise schrieb ich Briefe, und zwar auf Luftpostpapier. Um Gewicht und damit Porto zu sparen, beschrieb ich beide Seiten. Meinen Eltern und meinem Bruder gab ich Städte wie Lagos oder Bangui an, damit sie mir allenfalls postlagernd Briefe schicken konnten.

Am 7. Dezember 2023 gingen meine Frau und ich zum jährlichen Wildessen des Basler Regional-Stamms der Kyburger nach Laufenberg. Urs Keller v/o Tirggel sass links neben mir und sagte beiläufig, er sei am Aufräumen und hätte drei Briefe gefunden, die ich ihm aus Afrika geschrieben habe. Diese drei Mitteilungen auf Luftpostpapier sind rare Zeichen aus jener Zeit.

Drei meiner Briefe von Afrika an die Kyburger-Wohngemeinschaft am Hirschengraben 70 in 8001 Zürich. Die Briefe sind im Original erhalten und erinnern mich 50 Jahre später an diese meine spezielle Lebensphase.

Foumban (Kamerun), 11. November 1974: Ankündigung der Sendung mit einem Tisch und vier Stühlen, alles aus Holz.

Bangui (Rep. Centrafricaine), 4. Dezember 1974 an Keller, Bauer, Peduzzi, Birchler: Mitteilung über die Stornierung der Sendung wegen Frachtkosten vom dreifachen Wert der Ware.

Die Empfänger waren allesamt Kyburger: Urs Keller v/o Tirggel, Bruno Bauer v/o Ovid, Ivo Peduzzi v/o Fluum, Walter Birchler v/o Lumpazi.

Mwanza (Tansania, near lake victoria), 7. Februar 1975: Ankündigung meiner Rückkehr auf Mitte März 1975 und Wiederaufnahme des Studiums.

Luftpost-Brief von Bangui an die Kyburger-Wohngemeinschaft, 4. Dezember 1974.

 



Foumban Kamerun, Couvert mit Briefmarken, 11. November 1974

 

 


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Sos del Rey catolico, Parador in Spanien, in der unendlichen Weite: Im März 2024 fuhren wir mit unserem BMW über Bordeaux nach Porto zur Familie meiner ältesten Schwester Maria Brabetz (*1939). Auf dem Rückweg wollten wir von Salamanca her Richtung Barcelona fahren. Bei der Suche nach dem Parador von Saragossa landeten wir in der Pampas, in einer Gegend mit vielen Schweineställen. Irgendwoher muss der Jamon ja kommen. Einige Monate später fand ich im Fotoalbum eine Foto von Sos del Rey catolico von unserer ersten Reise im Jahre (1977-1980), wo wir im gleichen Parador übernachtet hatten wie im Jahre 2024. Auf der Reise ist uns das nicht aufgefallen, vielmehr kam mir das Gefühl der unendlichen Weite und Einöde in den Sinn, die uns vor 40 Jahren die Rückreise antreten liess, eigentlich wie dieses Mal auch.



Agadez in Niger – Eingangstor (aus Buch)

50 Jahre nach meiner Afrikareise habe ich im Tages-Anzeiger ein Foto von jungen Afrikanern auf einem Pick-up gesehen. Für mich war Agadez das Tor zu Afrika. Für sie bedeutet Agadez das Tor zu Europa.

Auf unbequeme Art durchqueren sie die Wüste gegen teures Geld, das sie Schleppern zahlen. Die vergangene Nacht haben sie im Haus eines Supermarktbesitzers in Agadez verbracht. So läuft das. Es gibt keine Lager oder Haltestellen für Migranten. „Zuerst werden sie in ein Privathaus in Agadez eingeladen. Wir nennen diese Häuser ‚Ghetto'. Der Patron verlangt 150.000 CFA-Francs (230 Euro) von jedem Besucher", erzählt Ihiya. Die Flüchtenden berichten allerdings von teilweise doppelt so hohen Summen.

„Welche Wahl haben wir?", fragt einer der Fluchtbereiten. Mit anderen steht er an diesem Abend vor den Landcruisern und wartet auf das Signal zum Einsteigen. „Wir tun, was die Fahrer uns sagen. Ich kenne mich in der Wüste nicht aus. Ich bin Fischer aus dem Senegal." Jeder der Männer bekommt einen Stock, den er aufrecht unter dem Gepäck auf der Ladefläche einklemmt. Dadurch bietet der obere Teil der Haltestange halbwegs stabilen Halt für die Reisenden. Ansonsten würden sie schutzlos auf den Seitenrändern der Pick-ups sitzen.

Die Flucht-Route führt durch die Wüste nordwärts nach Tripolis, Tunis oder Algier.

Für die Strecke in umgekehrter Richtung – von Tunis südwärts bis Agadez – habe ich vor 50 Jahren 200 Franken bezahlt. Die Wüste durchquerte ich bequem liegend oder sitzend auf Säcken voll Teigwaren. Agadez war mein Tor zu Afrika. Zum Vergleich: Von Zürich, Fribourg und Ravenna bis Tunis zahlte ich 165 Franken, hauptsächlich für Eisenbahnstrecken.

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Pickup mit Reisenden in Agadez, bereit für Wüstendurchquerung, 2024.



 


Rundbrief aus Tansania (aus Buch)

Bruder Gandolf sandte periodisch Rundbriefe. Mit diesem Instrument kommunizierte er für damalige Verhältnisse effizient. Einen hatte ich aufbewahrt. Wahrscheinlich einen seiner ersten, geschrieben am 28. November 1969 als Student an der Universität Dar-es-Salaam in Tansania. Er sandte ihn mir ins Gymnasium nach Appenzell mit der Bitte, ihn fehlerfrei abzuschreiben. Zudem sollte ich mithilfe von Matrizen die nötigen Exemplare herstellen und den Empfängern vor Weihnachten zustellen. Diese Rundbriefe beeinflussten mein Bild von Afrika und schürten meine Sehnsüchte nach anderen Weltgegenden.

Diesen Brief schrieb Gandolf vier Jahre nach der Primiz. Auf der Foto vom 11. Juli 1965 sind zu sehen: Gandolf, Tony, Maria Brabetz, Catherine Winteler, Josef, Theres Reich, Mutter Maria (mit Hut), Monika Bucher (weisses Kleid), Niklaus, Vater Albert, Martha Guerra.


11. Juli 1965 Primiz von Bruder Gandolf, Kapuziner. Familie Wild vor der Kirche in Teufen oben am Lindenstich.

 



Der Brief schildert die Zustände zu Land und Leuten in Tansania. Nach seinem Theologiestudium in Solothurn und als junger Kapuziner durfte mein Bruder in Dar-es-Salaam ein weiteres Studium absolvieren. So lernte er das Funktionieren des Landes unter Präsident Nyerere und seinem Naturell entsprechend viele Menschen kennen, die später wie er die Entwicklung vorantrieben. Er sagte immer, dieses Studium sei etwas Gutes gewesen für seinen Einsatz.

Kenia war damals für Ferien die Destination, mit seinen Nationalparks und Stränden am Meer. Es war ein Land der Wirtschaft, von der Politik so gewollt.

Tansania versuchte unter Präsident Nyerere einen anderen sozialistischen Weg. Nyerere war kritisch gegenüber Entwicklungshilfe und Krediten, da dies abhängig mache. Im Nachhinein wissen wir, dass damit vielfach die Eliten, korrupt oder nicht, eher profitierten als das Volk. Der Entwicklungsweg von Tansania war mir sympathischer, aus eigener Kraft wollten sie vorwärtskommen. Das Land erlebte ich auf meinen langen Busfahrten so, wie ich Afrika lieben gelernt habe: urtümlich, naturnah und einfach. Zu meiner Zeit wurde die Gegend mit ihren bekannten geschnitzten Haushaltsartikeln wie Krügen, Schalen, Besteck, Gefässen, Spielen etc. von Plastik verdrängt. Die Chinesen bauten die Eisenbahnlinie neu zum Transport von Rohstoffen. Im Gegenzug mussten die Tansanier Waren importieren wie zum Beispiel die billigen Plastikartikel.

Dies ist eine vollständige und wortgetreue Abschrift des Rundbriefes von Gandolf Wild in der Rohfassung, mit einer englischen Schreibmaschine geschrieben, daher die ae oder ue anstelle ä und ü.


RUNDBRIEF VON PATER GANDOLF WILD, TANSANIA

Dezember 1969

Liebe Verwandte, Freunde und Bekannte,

ich waehle die Form eines Rundbriefes, um moeglichst viele zu erreichen und ausfuehrlicher berichten zu koennen, was ich in den letzten 18 Monaten in Afrika erlebt habe.
Vorerst moechte ich jedem persoenlich ein segensreiches Weihnachtsfest wuenschen. Ich werde fuer die Festtage in der Stadt sein (die ersten Ferien, die ich in der Stadt verbringe) und etwas in der Seelsorge mithelfen. Von grossem Nutzen bin ich noch nicht, da mein Swahill immer noch unbefriedigend ist, weil an der Uni alles Englisch ist und mir wenig Zeit bleibt zum Selbststudium.
In diesen Brief will ich kurz berichten ueber Land und Leute von Tanzania, mein Studium an der Uni, meine bescheidenen Mithilfe in der Seelsorge und meine Reisen in verschiedene Teile des Landes (Studenten haben es ja immer schoener als andere Leute! ).
Es ist schwer, Land und Leute zu beschreiben. ich erinnere mich, wie ich selber manches ganz anders vorfand als ich es mir vorgestellt hatte.
Ein paar erste Eindruecke: viele Leute auf den Strassen (Haeuser sind zum Schlafen), die meisten Frauen tragen ein Kleinkind auf dem Ruecken, die Mehrzahl der Geschaeftsleute in der Stadt sind Inder; neben Kirchen fuer verschiedene Konfessionen gibt es Moscheen und Hindutempel; (die Strassen sind nur zum Teil geteert und meistens in schlechtem Zustand; die Mehrzahl der Haeuser sind einstoeckig, aus Bausteinen oder Lehm, mit Wellblech gedeckt; in der Stadt herrscht ein reger Verkehr, nicht zu verwundern bei etwa 20 000 Fahrzeugen. Lichtsignale gibt es nur etwa ein halbes Dutzend und Verkehrspolizisten sieht man hoechst selten. Die oeffentlichen Busbetriebe haben einige hundert Fahrzeuge, sind sehr billig und meistens ueberfuellt, haben einen Fahrplan, halten sich aber nicht daran.
Die Kleidung ist einfach, Kittel und Krawatten sind selten (im Gegensatz zu andern afrikanischen Laendern, die in diesem Punkt irmer noch den Westen nachahmen); die meisten Frauen und Maedchen in der Stadt tragen Roecke in europaeischem Schnitt, aber in leuchtenderen Farben; viele tragen darueber noch die traditionellen Tuecher. Da sich scheinbar nur wenige aufs Kleiderflicken verstehen, tragen manche zerrissene Kleider oder zwei paar zerfetzte Hosen uebereinander. Mit der Hitze ist es nicht halb so schlimm wie ich mir vorgestellt habe. Ich trage zB nie eine Sonnenbrille oder einen Hut. Den Schnee vermisse ich nicht, aber die langen Sommerabende. Hier ist der Tag jahrein jahraus mehr oder weniger gleich lang, 12 Stunden. 18.30 muss man das Licht anzuenden und eine halbe Stunde spaeter ist es Nacht. (NB Elektrisch gibt es nur in Staedten und groesseren Orten, und auch dort noch lange nicht in jedem Haus. Das gleiche gilt fuer Wasserversorgung.) Wir sind hier auch in einem andern politischen Milieu. Wenn man Zeitungen liest und Radio hoert, findet man haeufig Ausdruecke wie: Kapitalisten, Ausbeutung, Imperialisten, Neokolonialismus, Bourgeoisie usw. Das sind die Feinde.
Wir stehen ganz hinter Biafra und verurteilen die Britischen Waffenlieferungen an Nigeria; wir verurteilen den amerikanischen Angriffskrieg in Vietnam; im Arab-Israeli Konflikt sind unsere Sympathien mit den Arabern; die faschistischen Regierungen von Suedafrika und Rhodesien werden bedingungslos verurteilt; wir unterstuetzen nach Kraeften die Freiheitskaepfer, die sich einsetzen fuer die totale Befreiung von Mozambique, Angola und das ganze suedliche Afrika von Fremdherrschaft und Rassenpolitik. Es ist eine heilsame Erfahrung, zu sehen wie andere Leute anders denken und auch ihre Gruende haben, so zu tun. Es lernt einen, bescheiden zu sein im Urteil und gewisse europaeische Vorurteile

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abzubauen. Leider betrachten die meisten Journalisten Eurer Zeitungen afrikanische Probleme von ihrem engen europaeischen Gesichtspunkt aus. Das Ergebnis ihrer Artikel und Buecher ist dann gewoehnlich ein Zerrbild der Wirklichkeit.
Tanzania ist flaechenmaessig zwanzigmal so gross wie die Schweiz (d.h. groesser als Frankreich, Italien und die Schweiz zusammen), hat aber nur zweimal so viele Einwohner wie die Schweiz. 95% der Leute leben auf dem Land.
Neben Dar es Salaam mit 350 000 Einwohnern zaehlt keine Stadt mehr als 40 000 Einwohner. Von den 120 Staemmen hat fast jeder seine eigene Sprache, die aber gewoehnlich nur lokal gebraucht werden und nur in wenigen Faellen auch geschrieben werden. Swahili ist die Landessprache, in der in den Primarschulen unterrichtet wird, (bald auch in den Sekundarschulen, wo vorlaeufig noch Englisch gebracht wird.
NB Sekundarschule in unserem System bedeutet 8. bis 13. Schuljahr - Kantonsschule, Gymnasium bei Euch). Englisch ist die zweite Umgangssprache, wird aber nur von verhaeltnismaessig wenig Leuten verstanden.
Wie Ihr wisst, bin ich noch nicht im Einsatz. Ich habe jetzt gerade die Haelfte meines dreijaehrigen Unistudiums hinter mir. Ich studiere Geschichte, Soziologie und Paedagogik und werde an Ostern 1971 abschliessen mit einen Lizenziat und einem Diploma als Sekundarlehrer und dann vermutlich eingesetzt werden an unserer Sekunderschule in Maua/Moshi an Abhang des Kilimanjaro, des hoechsten Berges Afrikas.
Die Uni Dar ist seit ihrer Eroeffnung in 1961 sehr schnell gewachsen und zaehlt heute etwa 1800 Studenten in den folgenden Fakultaeten: Rechtswissenschaften, Geistes- und Sozialwiss., Naturwiss., Medizin , Agronomie. Eine technische Fakultaet wird demnaechst hinzugefuegt werden. Die meisten Studenten kommen von Tanzania, etwa 200 von Kenya und 100 von Uganda, etwa zwei Dutzend von andern Laendern. Europaer sind wir nur etwa zwei oder drei. Vorlaeufig sind die Maedchen( nur 250) noch in der Minderheit. Die zahlreichen Gebaeude fuer Unterricht und Unterkunft (fast alle Studenten leben an der Uni; ich auch) sind in den letzten 5 Jahren errichtet worden, 12 km von der Stadt in leicht huegeligem Gelaende. Ringsum ist noch Busch. Die Anlage ist grosszuegig (keine Platzproblem), die Gebaeude sind modern und doch einfach. Die Studenten leben in Zweierzimmern (letztes Jahr teilte ich ein kleines Zimmer mit Kajuetenbetten mit einen flotten 23 jaehrigen Rechtsstudenten, dieses Jahr bin ich mit einem Priester zusammen in einem geraeumigeren Zimmer). Das Essen ist in allgemeinen gut (Reis ist die Hauptnahrung, obwohl fuer manche Studenten zu Hause Mais oder Banana die Hauptnahrung ist), aber die Kantine ist schlecht organisiert; oft muss man lange warten oder bekommt nur die Haelfte.
Die Vorlesungen sind teils interessant, teils langweilig, wie wohl an den meisten Orten. Die Dozenten sind etwa ein Drittel Afrikaner, der Rest kommt von England, Amerika, Skandinavien, West- und Osteuropa (einschliesslich eine Schweizerin fuer Zoologie), Russland und Australien (keine Chinesen and Japaner). Manche haben Sprachschwierigkeiten, einige haben eine einseitige westliche oder oestliche Mentalitaet und Weltanschauung. Die Studenten arbeiten fleissig, besuchen die Vorlesungen treu und lesen eifrig in der Bibliothek, benutzen aber die Gelegenheit zu wenig, ausserhalb der Vorlesungen Probleme weiter zu diskutieren.
Wir haben eine Parteisektion, eine Revolutionaere Front, eine Theatergruppe usw., auch eine aktive Gruppe ‚Junge christliche Studenten‘ und einen 15-koepfigen 'Kirchenrat'. Das religioese Leben ist nicht besonders aktiv (1/4 bis 1/3 sind Katholiken und etwa die gleiche Anzahl Protestanten). Kuerzlich hatten wir eine offene Besinnungswoche fuer alle mit Vortraegen von einem Protestantischen Pastor von Uganda. Er war ein guter Redner und Theologe, die Themen waren aktuell, aber nur etwa 200 Studenten besuchten die Vortraege. Wie gesagt, die meisten Studenten konzentrieren auf ihre Faecher und Examen und haben wenig ausserschulische Interessen (Politik, Sport, Religion, Unterhaltung usw., der letzte Punkt ist auch ein finanzielles Problem).
Fast allen Studenten wird das Schulgeld und die Unterkunft von der Regierung bezahlt. Als Gegenleistung müssen sie nach Abschluss der Studien 5 Jahre zum halben Lohn arbeiten an einer Stelle, die ihnen von der Regierung zugewiesen wird. Wer ausgebildet wird, muss seine Kenntnisse in den Dienst des Landes stellen. Bildung um der Bildung willen ist ein Luxus, den sich ein Entwicklungsland nicht leisten kann.

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Das Studium ist sehr interessant, besonders Geschichte. Wir studieren hauptsaechlich afrikanische Geschichte, die viel reichhaltiger ist als man sich allgemein vorstellt. Ungluecklicherweise ist fuer die meisten Europaer Afrika nur ein grosser Fleck auf der Landkarte. Die wenigsten wissen etwas ueber Geographie und Geschichte des Kontinentes oder haben ganz falsche Vorstellungen. Es ist fuer mich ein grosser Vorteil, dass ich ein Student unter Studenten bin und nicht ein Missionar in einer Autoritaetsstellung als Pfarrer oder Lehrer. Ich habe Zeit zu lernen, zu hoeren und zu sehen, neue Ideen aufzunehmen, mich an eine an neue Denk- und Lebensveise zu gewoehnen. Es ist wohltuend, einmal auszubrechen aus der westlichen Welt, die mir wie eine wohl funktionierende, aeusserst komplizierte Maschine vorkommt, an der dauernd herumgeflickt wird, um sie einigermassen der neuen Zeit anzupassen.
Nehmt als Beispiel die biederen Schweizer mit ihrem komplizierten System fuer Bundesratswahlen, oder den Leerlauf im Gespraech um das Frauenstimmrecht. Hier leben wir in einer ganz andern Atmosphaere, es geht um entscheidende Lebensfragen.
Leben ist frisch, in die Zukunft blickend. Wir arbeiten auf eine bessere Welt hin, jeder hat Hoffnung und strengt sich an.
Wir versuchen Sozialismus zu verwirklichen. Wir muessen unten anfangen im Kampf gegen Armut, Unwissenheit und Krankheit. Fortschritt wird langsam vor sich gehen, aber alle werden daran teilhaben, nicht nur eine kleine Oberschicht. Man kann der Entwicklung nicht einfach freien Lauf lassen, das wuerde zu groesstem Durcheinander fuehren. Die Aufgaben sind so gross und so zahlreich, dass sorgfaeltige Planung noetig ist. Nehmt zum Beispiel das Schulproblem. Waehrend der Kolonialzeit gab es keine Universitaet und nur sehr wenige Sekundarschulen. Waehrend der letzten fuenf Jahre sind die Uni und das Sekundarschulwesen stark ausgedehnt worden, um geschulte Kraefte heranzubilden, die in Regierung und Verwaltung eingesetzt werden koennen. Das hoehere Bildungswesen steht nun auf festen Fuessen. Im neuen Fuenfjahres Plan wird nun mehr Geld fuer den Ausbau des Primarschulwesens eingesetzt. Heute noch gehen die Haelfte der Kinder ueberhaupt nie in die Schule. 1980 werden 95% der Kinder volle Primarschulbildung erhalten. Solch sorgfaeltige Planung auf allen Gebieten ist der einzige Weg zum Fortschritt, der allen zugute kommen muss.
Tanzania ist unabhaengig, es teilt die Welt nicht in Bloecke ein, sondern nimmt Hilfe von allen Seiten an, solange keine Bedingungen damit verknuepft sind. In naechster Zeit wird mit chinesischer Hilfe eine 2000 km lange Eisenbahn nach Zambia gebaut. Ich weiss nicht, wie viele Chinesen im Land sind, aber gewiss sind sie nicht so zahlreich wie die Amerikaner oder Europaeer und geben sicher ein besseres Beispiel einfacher Lebensweise und vollen Arbeitseinsatzes. Ich weiss, es ist schwierig, Euch Kapitalisten im Westen zum Sozialismus zu bekehren. Ich hoffe, Tanzanias Anstrengungen werden mit Erfolg gekroent sein. Solange Nyerere unser Praesident ist, haben wir einen klarsehenden, mutigen und zielstrebigen Fuehrer, der die Leute mitreissen kann.
Damit Ihr nicht denkt, ich sei ganz verweltlicht und ein politischer Propagandist, will ich kurz schildern, was ich als Priester tue. Am Werktag feiere ich gewoehnlich an Abend mit dem Studentenseelsorger (in seiner Wohnung, wir haben noch keine Kirche) Messe fuer die Studenten. Am Sonntag gehe ich mit einem afrikanischen Studenten (auch Priester) auf einen Aussenposten (oder zwei) 40 km (der andere 60 km) von hier, wo wir fuer einige hundert Christen Gottesdienst feiern, Beichte hoeren, Kinder taufen und alle moeglichen Probleme besprechen. Die Distanzen sollten Euch nicht verwundern. Das Kuestengebiet ist stark islamisch. Die Christen sind praktisch alle zugewandert vom Innern, in Dar allein etwa 100 000. Von Dar landeinwaerts sind es 110 km bis zur naechsten Pfarrei. Auf den Weg sind einige Aussenposten, die aber wegen Personalmangel nur ungenuegend besucht werden. An andern Orten ist die Situation wieder ganz anders. Das Kilimanjarogebiet zum Beispiel ist sehr dicht bevoelkert und fast 10 % christlich Unsere dortige Pfarrei Mau z.B. hat 8000 Katholiken. Die beiden Nachbarpfarreien Kilema (12 000 Katholiken) und Marangu (18 000 Kath.)

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sind nur je eine Wegstunde entfernt (zu Fuss). Jede Pfarrei hat zwei Priester. Zum Glueck gibt es viele aktive Laien in der kirchlichen Arbeit.
Tanzania zaehlt zweieinhalb Millionen Katholiken (von 13 Mill. Einw.) in 24 Dioezesen. 13 Bischoefe sind Afrikaner, 3 Dioezesen sind gegenwaertig ohne Bischof. Seit 1963 sind nur noch afrikanische Bischoefe ernannt worden. Von den 1200 Priestern sind etwa 450 Afrikaner; ihre Verteilung ist jedoch sehr ungleichmaessig. Die Kirche von Tanzania ist mehr afrikanisch als die Kirche in den Nachbarlaendern, aber verglichen mit dem staatlichen Sektor ist die Kirche auch hier noch stark auslaendisch. Gegenwertig wird im ganzen Land eine Untersuchung durchgefuehrt ueber die Finanz- und Personalsituation der Pfarreien. Wir muessen zielbewusst hinarbeiten auf die Selbstaendigkeit der Kirche von Tanzania in finanziellen und personellen Belangen. Andere Probleme der Kirche sind die schnell anwachsende Zahl der Glaeubigen, die grosse religioese Unwissenheit, die Wanderbewegung in die Staedte, besonders nach Dar es Salaam. Die Einwohnerzahl von Dar steigt gegenwertig um etwa 35000 pro Jahr, das trifft auf jeden Tag 100 neue Einwohner. Es braucht ungeheure Anstrengungen, um mit einer solchen Entwicklung Schritt zu halten. Nehmt als Beispiel das staatliche Wohnbauprojekt. Sie haben eine Liste von etwa 15 000 Namen von Leuten, die ein Haus moechten, koennen aber jaehrlich nur etwa 1000 Hauser bauen. In der Stadt sollten in den naechsten 20 Jahren jedes Jahr 4 neue kath. Kirchen errichtet werden, um mit dem Bevoelkerungszuwachs Schritt zu halten. Gegenwaertig gibt es etwa 10 kath. Kirchen. Auch wenn ein solches Bauprogramm moeglich waere (was es nicht ist, auch wenn nur einfache Mehrzweckbauten aufgestellt werden), das Personal waere unmoeglich aufzutreiben. Die Kirche wird grosse Veraenderungen erleben in den kommenden Jahrzehnten.
Wie bereits erwaehnt, bin ich schon ausgiebig im Land gereist. Ich verstand es jeweils, das Nuetzliche mit dem Angenehmen zu verbinden, im Landrover und Volkswagen, im Autobus und mit der Bahn. Bahnlinien gibt es nur zwei (von den deutschen Kolonialherren gebaut). Meine Reise im letzten September im dieselelektrischen Zug von Dar an den Viktoriasee (1250 km) dauerte 41 Stunden (Preis 2. Klasse 60 Franken). Wenn man pressant hat und nicht viel auf Komfort gibt, geht man besser mit dem Bus (Zug geht nur dreimal woechentlich, Bus taeglich).
Der Bus braucht fuer die gleiche Strecke 27 Stunden und kostet nur 24 Franken. 1000 km sind Kiesstrasse. Man sitzt eng zusammen und muss auch mit Pannen rechnen, die einen Stunden oder einen ganzen Tag verspaeten koennen. Einmal erreichten wir Dar nachts 1 Uhr statt abends 7 Uhr, ein andermal verbrachten wir eine Nacht im Freien etwa 170 km von Dar, waehrend der Chauffeur per Autostop nach Dar zurueckging, uu ein Ersatzteil zu holen. Tankstellen gibt es schon auf der Strecke, aber keine Mecheniker oder Ersatzteillager. Ein anderes Mal mussten wir in gluehender Nachmittagssonne auf einen Ersatzbus warten. In diesem Fall ging die Zeit schnell herum, denn ein anderer Passagier bat mich, ihm bei der Loesung von Mathematikaufgaben zu helfen. Es war ein Lehrer, der einen Fernkurs macht und spaeter an die Uni kommen moechte. -- Meine erste Reise machte ich in die Dioezese Mahenge (500 km suedlich von hier, ein Gebiet so gross wie die Schweiz), wo die meisten unserer Missionare arbeiten. An Weihnachten und an Ostern ging ich nach Maua/Moshi an Abhang des Kilimanjaro (600 km nordwestlich von hier, alles geteert), wo wir eine Pfarrei, eine afrikanische Bruedergemeinschaft und eine Sekundarschule haben (die Kapuzinerinnen von Gerlisberg, Luzern haben auch eine Klostergruendung dort). Ich gab etwas Schule und machte auch zwei Bergtouren auf den Kilimanjaro. Unsere Niederlassung ist etwa 1700 m ue. M., unmittelbar unter dem Waldguertel, der den riesigen Berg umgibt. Der Berg hat zwei Gipfel, den zerkluefteten Mawenzi und den flachen schneebedeckten Kibo (fast 6000 m hoch), dazwischen ist eine grosse 'Ebene' auf 4500 m Hoehe, etwa 3 Wegstunden lang.
Ich war leider noch nicht ganz auf dem Gipfel. Auf etwa 5300 m mussten wir morgens 4 Uhr umkehren (wir waren morgens um 2 Uhr von der Hütte am Fuss des Kibo aufgebrochen), weil mein Begleiter erschoepft war und fror. Wir waren die einzigen Bergsteiger unterwegs an jenem Tag und ich konnte natuerlich nicht allein weitergehen. Wir kehrten am jenem Tag in einem Gewaltsmarsch nach Maua zurueck. Es war ein herrliches Erlebnis, auch wenn wir nicht ganz zum Ziel kamen.

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Wegen Platzmangel kann ich nicht mehr von meinen Reisen berichten.
Reisen zeigen deutlich, wie das Land von Region zu Region verschieden ist, klimatisch, kulturell, entwicklungsmaessig usw. Die Leute sind ueberall aeusserst freundlich und gluecklich. Sie haben nicht viel, aber sie wissen, sie sind freie Buerger eines freien Landes, und sie setzen grosse Hoffnung in die Zukunft.
Ich hoffe, ein wenig beitragen zu koennen, dass diese Hoffnung Wirklichkeit wird. Die wichtigsten Voraussetzungen fuer unser Wirken hier sind Dienstbereitschaft, Bescheidenheit und Einfachheit. Wir sind da zu helfen, nicht zu entscheiden, was getan werden muss. Das ist Sache der Afrikaner.
Ich schaue mit Dankbarkeit zurueck auf die kurze Zeit, die ich in diesem interessanten Land verbracht habe. Mein Leben ist reicher geworden. Ich bin gluecklich und blicke mit Zuversicht in die Zukunft. Wir sind hier, um zu helfen, solange man uns braucht. Wir muessen bereit sein zu gehen, wenn unsere Gegenwart nicht mehr laenger erfordert ist oder mehr Nachteile als Vorteile mit sich bringt. Ich erfreue mich bester Cesundheit und hoffe, dasselbe gelte von euch.
Ich haette noch vieles zu berichten, kann aber nur mehr sagen: Kommt und seht Euch diese faszinierende Welt selber an.
Mit den besten Wuenschen fuer das kommende Jahr 1970 gruesst Euch alle
Fr. Gandolf Wild

Meine Adressen:
Fr. Gandolf Wild, Msimbazi Parish, P.O.Box 25086, Dar es Salaam (immer gueltig) Fr. G.A. Wild, The University College, P.O. Box 35086 Dar es Salaam (von Juli bis März) Druck und Versand dieses Briefes wurden besorgt von Niklaus Wild, Kollegium Appenzell.
Datum vom Dezember 1969.




28. Nov. 1969
Lieber Niklaus, das ist der Brief, den ich Dir zum Versand uebergeben moechte. Euer Papier hat ein etwas groesseres Format. Du musst den Brief unbedingt auf 4 Seiten bringen (noetigenfalls lasse etwas aus, zB die Beschreibung der Pannen auf Reisen). Schoene Anordnung wird nicht gut moeglich sein, da der Raum bis zum letzten ausgenuetzt ist.
Ich gebe Dir natuerlich die Freiheit, sprachliche Verbesserungen einzubringen. Es wird gut sein, wenn Du den Rundbrief als Brief
und nicht bloss als Drucksache verschickst. Es gibt ihm eine mehr persoenliche Note. Die Finanzierung des Unternehmens. Ich denke, es wird etwa auf 30 bis 40 Franken kommen. Ich hoffe, die Eltern werden das uebernehmen. Ich werde ihnen schreiben.
Ich lege Dir zwei Kopien der 'Namen- und Adressenliste' bei.
Du wirst einzelne Adressen von Mutter, von einem Kapuziner und andern Leuten erfragen muessen. Ich weiss nicht, ob Du Zugang zu Matritzen und der Vervielfaeltigungsmaschine hast oder nicht. Wende Dich an P. Egon in meinem Namen. Er ist der rechte Mann dafuer. Er war unser Drucker in Solothurn.
Es ist gut, wenn Du einige zusaetzliche Kopien druckst und einige
den Eltern und vielleicht Vikar Heule gibst, damit sie diese an weitere Leute verteilen koennen, die nicht auf der Liste sind. Sende mir bitte zwei Kopien.
Ich hoffe, es ist Dir moeglich, diese Arbeit moeglichst bald zu erledigen, damit der Brief die Empfaenger noch vor Weihnachten erreicht.
Du musst ja nicht alle mit der Post schicken. Familie Keller zB wird sich freuen, wenn Du sie besuchst.
Herzlichen Dank fuer Deinen Flugpostbrief zum Geburtstag. Ich warte
geduldig auf den andern Brief. Ich danke Dir fuer die Arbeit und wuensche Dir alles
Gute, Gandolf

 

 

Seite 5, Am Schluss die Anweisung an mich zur Weiterbearbeitung und zum Versand des Rundbriefes.

 





Auszeit im zweiten Halbjahr 1976, vor dem ETH-Diplom



Auf dem Landweg nach Indien (aus Buch)

Vorbereitung

Meine Afrika-Reise hat mir gezeigt, dass nicht alles planbar ist. Vielfach sollte man das Beste aus der Situation machen. Mein ursprünglicher Traum, Indien kennenzulernen, schlummerte weiterhin in mir. Für den beruflichen Erfolg waren damals ‚lupenreine‘ Lebensläufe von Vorteil, d. h. keine Unterbrechungen mit Erklärungsnotstand, keine artfremden Tätigkeiten. Mir wurde immer klarer: wenn eine Reise nach Indien, dann während des Studiums. Als Student konnte man auch exotische Dinge tun, ohne dies dokumentieren zu müssen. In mir reifte die Idee, nach dem achten Semester (Sommersemester 1976) eine Auszeit zu nehmen. Das Diplomsemester würde dadurch um ein halbes Jahr hinausgeschoben. Meine Studienkollegen konnten meinen Überlegungen nicht folgen und meinten, ich spinne. Sie bereiteten sich im Sommer 1976 auf die Diplomprüfungen vor, die im Herbst 1976 stattfanden. Anschliessend machten sie die Diplomarbeit, für die wir sechs Wochen Zeit hatten. Ich hingegen meldete mich beim Studenten-Austauschdienst und interessierte mich für eine mehrwöchige Tätigkeit in Griechenland. Dummerweise musste man drei Länder angeben und erhielt irgendwann Bescheid. Bei mir war die Rechnung aufgegangen.

Hinreise

Im Jahre 1975 lernte ich Veronika Lüscher kennen. Wir planten, die Ferienzeit bis zu meinem Arbeitsantritt in Athen gemeinsam zu verbringen. Wir entschieden uns für eine Schiffspassage von Ancona nach Patras. Anfang Juli 1976 reisten wir mit dem Zug zu meiner Schwester Martha Guerra in Ravenna. Von dort ging es nach Ancona auf das Schiff. Weil wir nicht verheiratet waren, wurden uns nach Geschlechtern getrennte Mehrpersonen-Kabinen angeboten.

Griechenland

Für folgende Geschichte gilt es vorauszuschicken, dass Griechenland sich so ab 1974 als Touristendestination anzupreisen begann. In den Schweizer Zeitungen erschienen Artikel von überbuchten Hotels, Touristen seien gleich nach Ankunft wieder nach Hause geflogen. Ich war zuversichtlich, gestärkt durch meine Afrika-Erfahrungen, trotz allem eine Unterkunft zu finden. Wir hatten die Reise nicht im Detail geplant, für mich standen Olympia und evtl. Delphi im Vordergrund. Wichtig war der Ankunftstermin in Athen. Nach der Schiffspassage waren wir zwei am 19. Juli 1976 in Patras, so um die Mittagszeit. Ich lief etwas umher und sah, dass bald ein Schiff/eine Fähre nach Zakynthos auslaufen würde. Diese Insel war uns unbekannt. Wir nahmen das Schiff.

Bei der Ankunft standen – wie von mir erwartet – Menschen an der Anlegestelle mit Zimmerangeboten. Zuerst kommen erfahrungsgemäss die aggressiven Anbieter mit den nicht immer besten Angeboten. Wir gingen gelassen weiter. Wir wurden wirklich mit Angeboten bedrängt. Auf einmal sahen wir ein älteres Mütterchen, das ein Zimmer anbot. Mir war das sympathisch und ich begann das Gespräch. Wir gingen mit ihr zu ihrem Haus in der unmittelbaren Umgebung. Veronika zeigte sich zufrieden und wir blieben gleich einige Tage und hatten eine schöne Zeit. Sie sass am Abend mit den Frauen zusammen und ich mit den Männern vor dem Haus an der Strasse. Es war eine friedliche griechische Welt.

Damals sahen wir auf unseren Spaziergängen ausserhalb des Ortes kleinere Hotels. [50 Jahre später ist es eine typische Feriendestination mit unzähligen Hotels.]

Nach diesem schönen Einstieg ins griechische Leben ging es weiter Richtung Olympia. Wir haben Zeitungsberichte gesehen in Griechenland, dort seien Hotels überbucht. Wir hatten ein mulmiges Gefühl. Ich entwickelte gegenüber Veronika die Theorie, dass dies wohl eher bei den 5- oder 4-Sterne-Hotels der Fall sei. Kleine Pensionen, denen wir den Vorrang gegeben haben, stünden nicht im Fokus der Reiseveranstalter. Wir kamen mit dem Bus in Olympia an und konnten gleich bei zwei Herbergen ein für uns passendes Zimmer auswählen. Keine Anzeichen von Überbuchung. Meine Theorie stimmte.

Nach weiteren Stationen kamen wir im Studentenheim in Athen an. Begleitpersonen waren nicht erlaubt, Veronika übernachtete trotzdem bis zu ihrer Abreise in meinem Zimmer. Während des Semesters lebten dort griechische Studenten. In den Semesterferien waren wir ein internationales Völkchen von Austauschstudenten, die bei verschiedenen Unternehmungen arbeiteten.

Arbeit bei Elektrizitätsgesellschaft

Ich hatte einen Vertrag für Athen beim staatlichen Elektrizitätswerk (Dimosia Epichirisi Ilektrismou (DEI) (griechisch Δημuσια Επιχερηση Ηλεκτρισμοu (ΔΕΗ)). Wir erhielten Unterkunft, Verpflegung und Arbeit sowie eine kleine Entschädigung. Mit Geld musste ich nach wie vor haushälterisch umgehen, aber so war wenigstens meine Zeit in Griechenland finanziert.

Bei meinem Aufenthalt staunte ich am meisten über unsere Arbeitszeit. Um neun mussten wir im Büro sein. Um halb zwei Uhr war für uns in der Ingenieurabteilung bereits Arbeitsende. Zeit für die übliche Siesta. Am ersten Tag war ich perplex und ging mit dem Bus zurück in die Unterkunft. Andere staunten auch. Für uns war das ungewohnt. Wir vertrieben uns die Zeit und gingen am Abend aus. Es wurde spät gegessen und das Leben pulsierte bis Mitternacht. Für den nächsten Tag planten wir, gleich nach der Arbeit ans Meer zu fahren. Im Büro erkundigte ich mich vorsichtig, ob wieder früh Arbeitsschluss sei. Mir wurde bestätigt, dass dies immer so sei. Es hatte andere Studenten beim DEI. Wir trafen uns mitten in der Stadt und fuhren ans Meer.

Von meinen Aufenthalten in Ravenna bei meiner Schwester war ich an Sandstrände gewohnt, hier aber war die Küste felsig. Den anderen hatte das gefallen, sie konnten hineinspringen. Ich aber konnte nicht tauchen und meine Schwimmkünste waren eher bescheiden. Zudem hatte ich empfindliche Haut und noch keine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50. Mit der Zeit fand ich aber mein Plätzchen. Vielfach war ausruhen wichtiger als baden. Wir erkundeten für weitere Tage gute Plätze am Strand. Dieser Rhythmus pendelte sich ein. Für das Wochenende ging es auf weiter entfernte Inseln. Es war eine schöne, unbeschwerte Arbeits- und Ferienzeit. Im Studentenheim erfuhren wir, dass jene beim Militär nach der Siesta wieder im Büro sein mussten für drei Stunden. Diese stiessen am Abend zu uns, zum späten Essen und Ouzo-Trinken. Es war herrlich und schön warm in Athen.



Beim DEI arbeitete ich mit gestandenen Ingenieuren zusammen, die Kraftwerksanlagen und die Stromverteilung planten. Es sah aus wie bei uns an der ETH. Grosse Zeichentische waren mit dem typischen durchsichtigen Papier bespannt, auf dem die Pläne entstanden.

Die anderen im Mehrpersonenbüro konnten nicht glauben, dass ich anschliessend auf dem Landweg nach Indien reisen werde. Ich wurde mit Fragen konfrontiert, deren Sinn ich damals nicht verstand. Diese Ingenieure hätten für einen Besuch in der Schweiz einen ‚Sponsor‘ gebraucht. Dieser musste für den Aufenthalt im Ausland bürgen. Zudem mussten sie ein Rückfahrticket vorweisen beim Beantragen des Visums. Fazit: Diese Ingenieure waren noch nie im Ausland.

Als 25-jähriger Bauernbub aus dem Appenzellerland fühlte ich mich ziemlich privilegiert. Ich begann meinen roten Reisepass zu schätzen, der mir so viel ermöglichte und das erst noch unkompliziert.

Mit der Zeit wurde es im Büro eintönig. Wir fragten, ob wir nicht einmal die Kraftwerke, für die wir Pläne zeichneten, sehen könnten. Wir staunten nicht schlecht. Wir reisten zu dritt in einem feudalen Auto in die Berge. Besichtigt haben wir zwei Kraftwerksanlagen mit all den zugehörigen Einrichtungen wie Wasserfassungen, Staudämme, Stollen, Turbinenanlagen, Übertragungsleitungen etc. Wir waren eine Woche mit Chauffeur unterwegs und übernachteten in Unterkünften, die ich mir nicht hätte leisten können. Es war ein eindrückliches Erlebnis, auch landschaftlich.

Heiliger Berg Athos

Irgendwann schrieb mir Veronika, dass sie eine Woche Ferien beziehen könnte. Da sie im Spital arbeitete, kannte sie auch die Daten. Wir machten ab, uns in Istanbul zu treffen. Für mich bedeutete dies: Planen. Vom Gymnasium her waren mir die Klöster in den Bergen bekannt, wie zum Beispiel das Meteora-Kloster.

Meine Idee war, den Heiligen Berg Athos zu besuchen. Dort sind nur Männer erlaubt, sofern sie christlich getauft sind. Ein Besuch vom Berg Athos dürfte später schwierig werden, da ich nicht plante, weiter alleine unterwegs zu sein. Ich habe meinen Taufschein schon früh eingesandt und nach einer Bewilligung gefragt.

Ich erhielt die Zusage für vier Tage. Die Übernachtung hatte immer in einem anderen Kloster stattzufinden, wie für Pilger üblich. Man war zu Fuss unterwegs. Beim DEI kürzte ich meinen Aufenthalt um fast eine Woche, damit ich zur rechten Zeit in Istanbul sein und vorher den Berg Athos besuchen konnte.

Der Berg Athos ist eine besondere Welt, nur schon bis man dort ist. Die Klostergemeinschaften gehören zur orthodoxen Kirche. In den Klöstern wurden stundenlange Gottesdienste mit Gesang und Ritualen abgehalten. Ich konzentrierte mich auf die Wanderungen dazwischen mit jeweils bester Aussicht auf das Meer. In den Herbergen gab es für ‚Pilger‘ Unterkunft und Verpflegung. Es waren typische Männerhaushalte. Mein Denken war damals von der katholischen Kirche geprägt. Für das Leben auf dem Berg Athos hatte ich trotzdem nur begrenzt Verständnis.

Diamonitirion für Zutritt zum Berg Athos

Um den Berg Athos mit seinen Klöstern zu besuchen, ist ein Diamonitirion nötig. Dieses wird den Pilgern in Ouranoupolis in der dort ansässigen Polizei nach Vorlage des Ausweises und Zahlung von 35 € (Betrag 2006) nur persönlich übergeben. Voraussetzung dafür ist für Nicht-Orthodoxe der schriftliche Antrag im Büro für Einreisegenehmigung der Mönchsrepublik Athos in Thessaloniki. Die Genehmigung ist für vier Tage Aufenthalt gültig. Täglich dürfen nur 12 Personen nicht orthodoxen Glaubens die Mönchsrepublik besuchen!

[In Griechenland, also in Athen, war ich später mit der Baukommission des Flughafens Zürich.]


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Arbeit beim Elektrizitätswerk in Athen

 



Beim DEI arbeitete ich mit gestandenen Ingenieuren zusammen, die Kraftwerksanlagen und die Stromverteilung planten. Es sah aus wie bei uns an der ETH, große Zeichentische mit dem typischen durchsichtigen Papier, wo die Pläne entstanden. Die anderen konnten kaum glauben, dass ich anschliessend auf dem Landweg nach Indien reisen werde. Ich wurde mit Fragen konfrontiert, deren Sinn ich damals nicht verstand. Hätten diese Ingenieure zum Beispiel in die Schweiz kommen wollen, hätten sie einen ‚Sponsor‘ gebraucht, der für ihren Aufenthalt in der Schweiz bürgt. Zudem mussten sie ein Rückfahrtticket vorweisen beim Beantragen des Visums. Fazit: Diese Ingenieure waren noch nie im Ausland. Als 25-jähriger Bauernbub aus dem Appenzellerland fühlte ich mich ziemlich privilegiert. Ich begann meinen roten Reisepass zu schätzen, der mir so viel ermöglichte und das erst noch unkompliziert.

Mit der Zeit wurde es im Büro eintönig und wir fragten, ob wir nicht einmal die Kraftwerke, für die wir Pläne zeichnen, sehen könnten. Wir staunten nicht schlecht: Wir reisten zu dritt in einem feudalen Auto in die Berge und besuchten zwei Kraftwerksanlagen mit all den zugehörigen Einrichtungen wie Wasserfassungen, Staudämme, Stollen, Turbinenanlagen, Übertragungsleitungen, etc. Wir waren eine Woche mit Chauffeur unterwegs und übernachteten in Unterkünften, die ich mir nicht hätte leisten können. Es war ein eindrückliches Erlebnis, auch landschaftlich.

Heiliger Berg Athos

Irgendwann schrieb mir Veronika, dass sie noch eine Woche Ferien beziehen könnte. Da sie im Spital arbeitete, kannte sie auch die Daten. Wir machten ab, dass wir uns in Istanbul treffen könnten. Für mich bedeutete dies: Planen. Vom Gymnasium her waren mir die Klöster in den Bergen bekannt, wie z.B. das Meteora-Kloster. Meine Idee war aber, den Heiligen Berg Athos zu besuchen. Dort sind nur Männer erlaubt, sofern sie christlich getauft sind. Meine Überlegung war, dass ein Besuch vom Berg Athos später schwierig werden würde, da ich kaum noch einmal alleine unterwegs sein würde. Ich habe meinen Taufschein schon früh eingesandt und nach einer Bewilligung gefragt. Ich erhielt die Zusage für vier Tage mit Übernachtung, immer in einem anderen Kloster, wie es für Pilger üblich ist. Man war zu Fuss unterwegs. Beim DEI kürzte ich meinen Aufenthalt um fast eine Woche, damit ich zur rechten Zeit in Istanbul sein und vorher aber doch Berg Athos besuchen konnte. Den Besuch der anderen Klöster verschob ich auf später, da man diese ohne Einschränkung besuchen konnte. Fazit: Bis heute habe ich diese Klöster nicht besucht. In Griechenland, also in Athen, war ich später nur noch einmal im Zusammenhang mit einer Reise der Baukommission des Flughafens Zürich.

Der Berg Athos ist eine besondere Welt, nur schon bis man dort ist. Die Klostergemeinschaften gehören zur orthodoxen Kirche. In den Klöstern wurden stundenlange Gottesdienste mit Gesang und Ritualen abgehalten. Ich konzentrierte mich auf die Wanderungen zwischen den Klöstern mit jeweils bester Aussicht auf das Meer. In den Klöstern gab es für ‚Pilger‘ immer Unterkunft und Verpflegung. Es waren typische Männerhaushalte. Mein Leben war damals von der katholischen Kirche geprägt, für das Leben auf Berg Athos hatte ich aber schon damals nur begrenzt Verständnis. 


Diamonitirion für Zutritt zum Berg Athos

 





Klöster auf Berg Athos

 


Niklaus Wild in einem Kloster auf Berg Athos Mitte September 1976, mit Reisetasche von Bamenda (Kamerun) als einzigem Reisegepäck

Diese Foto muss ein Mitreisender gemacht haben, wahrscheinlich als Polaroid-Foto.


Türkei, Iran, Pakistan (aus Buch)

Türkei

Vom Berg Athos reiste ich mit der Bahn über Korinth und Alexandropolis nach Istanbul. Ich kam zügig voran, jedenfalls schneller als gedacht. In der Nähe der Hagia Sophia fand ich eine richtige Tramper-Unterkunft mit Mehrbettzimmern.

Ich war wie in Afrika mit leichtem Gepäck unterwegs. Ich wollte meine Wäsche waschen und fand bei den wenigen Sachen, die ich hatte, mein Waschpulver nicht. Auf einmal ging mir ein Licht auf. Das Pulver hatte ich nicht in der Originalverpackung, sondern in einem Plastiksäcklein, um Volumen zu sparen. Irgendjemand hatte geglaubt, es sei Rauschgift. Ich schmunzelte beim Gedanken und hoffte, es habe ihm gutgetan.

Die Entdeckung von Istanbul war zusammen mit Veronika geplant. Die Tage bis zu ihrer Ankunft nutzte ich, um nach Izmir und Antalya zu reisen. Ich war mit modernen Bussen unterwegs. Der Süden der Türkei hinterliess bei mir einen positiven Eindruck. Nochmals dorthin zu gehen, konnte ich mir vorstellen.

Ich holte Veronika am Flughafen ab und wir lebten in einer für meine Verhältnisse gehobeneren Unterkunftsklasse. Als erstes hat sie meinen Pullover gewaschen, weil er so fürchterlich gerochen hat. Ich habe gar nicht gewusst, dass man auch wollene Sachen reinigen sollte. Später habe ich es selber gemacht und solchen Dingen etwas mehr Beachtung geschenkt. Mit Veronika nahmen wir an einer Stadtrundfahrt teil. Der Bosporus mit den vielen Schiffen und den schönen Häusern am Ufer faszinierte uns. Der lebendige Markt freute Veronika. Ich sah die Dinge auf einmal mit anderen Augen. In der Stadt herrschte ein reges Leben. Die Zeit ging schnell vorüber.

In Afrika musste ich den Weg suchen. Die Route nach Indien hingegen war vorgegeben, es gab wenig Variationen. In jener Zeit erregte das Buch von Gisela Treichler, wie man mit 250 Dollar von Europa nach Asien kommt, meine Aufmerksamkeit. 1973 erschien der erste Lonely Planet, ein Reiseführer für Tramper mit angeblichen ‚Geheim‘-Tipps. Dort traf man vielfach die versifften Typen. Für mich waren die Adressen nützlich, um sie zu meiden. Es war wie ein Ameisenpfad. Weil in Afghanistan zu meiner Reisezeit gerade Krieg herrschte, war die klassische Route über Kabul für Touristen nicht ratsam.

Die Alternativroute führte über Pakistan. Kaum war Veronika abgeflogen nach Basel zur Arbeit im Claraspital, bestieg ich den Zug Richtung iranische Grenze. Ich war zwei Tage ununterbrochen unterwegs in der Bahn, dank meiner Studenten-Legitimationskarte für weniger als 20 Franken. Die Strecke betrug über 1000 km. Im Zug hatte es wenige Leute. Mit der Zeit gewann man das Vertrauen unter den Mitreisenden. Ich bekam von überall her zu essen. Ich musste nur immer die Grundsätze beachten, entweder aus der Flasche oder gekocht. Das war für mich als eher schüchterne Person anspruchsvoll, auch wegen der Wahrung des Anstands. In Erzurum, der letzten Stadt in der Türkei, hiess es, der Bus Richtung Teheran fahre am anderen Morgen. Zu meinem Erstaunen war es Mitte Oktober 1976 bitterkalt. Im Kopf hatte ich gespeichert, wenn ich in südliche Länder reise, sei es immer warm. Ich bekam einige Wolldecken, aber zum wohligen Schlafen reichte es nicht.

Von der Türkei trug ich das Bild eines modernen Staates nach Hause. Vom Gymnasium her wusste ich, dass Atatürk unser schweizerisches Rechtssystem eins zu eins übernommen hat. Dies zu wissen, gab mir Sicherheit.

Iran im Bus statt Zug

Wie freute ich mich, am Morgen im geheizten Bus nach Iran/Persien weiterfahren zu können. Mein Plan war, in Iran z. B. Isfahan zu besuchen. Im Vorfeld machte ich mich schlau und hatte Unterlagen über besuchenswerte Orte dabei. Ich freute mich auch auf die Eisenbahn, die mich nach Teheran bringen sollte. Ich hatte mir ein Ticket für den Zug gekauft und wollte ihn besteigen. Bahn zu fahren bedeutet für mich Sicherheit. Aufgewachsen war ich an der Appenzeller-Bahn, die mein erstes und lange Jahre einziges Transportmittel war neben unserem Willys Jeep. Aber wie wurde ich enttäuscht. Auf einmal kamen Soldaten. Diese bestiegen vor unseren Augen den Zug und weg war er, ohne mich. Wir Zivilisten wurden auf den Bus verwiesen, alles top modern, aber eben nicht die Eisenbahn. Damals stand die Schweiz mit Iran im regen Austausch. Die Zeitungen hatten ein positives Bild vermittelt. Dieser Vorfall und die ständige Militärpräsenz haben mich abgeschreckt und ich wollte so schnell als möglich weiter. Gesehen habe ich von Iran nur, was entlang der etwa 4000 km langen Strasse zu sehen war. Die Unterlagen über dieses Land habe ich entsorgt.

Abenteuerliche Fahrt über die Grenze nach Pakistan

Irgendwann war ich in der Grenzstadt Zahedan angekommen, wo mich die Eisenbahn nach Quetta erwartete. Dieser Zug fuhr einmal pro Woche. Deshalb verbrachte ich von den neun Tagen in Iran die meiste Zeit hier. Ich fand Unterkunft in einem Camp in der Nähe der Bahnstation. Dort nahm mich ein etwa 40-jähriger Deutsche unter die Fittiche. Er war ein Haudegen. Er arbeitete als Monteur beim Auf- und Abbau von Infrastruktur für Ausstellungen und Messen. Meiner Erinnerung nach war er unterwegs nach Karachi, der Hafenstadt von Pakistan. Er bewegte sich in einem Jahresplan von einem Messestandort zum anderen. Ohne ihn wäre ich heute noch in Zahedan! Wir gingen gemeinsam essen und vertrieben uns die Zeit. Am Bahnhof wollte ich wie von der Schweiz gewohnt die Billette kaufen. Am Schalter hiess es, die könnten wir erst am Tag der Abfahrt beschaffen. So machten wir es. Mit Tickets im Sack bewegten wir uns zum Zug. Es herrschte unglaublicher Betrieb rund um die Wagen. Aber oho. Die Wagentüren waren mit Brettern zugenagelt, kein Einstieg möglich. Mir wurde gewahr, mein deutscher Begleiter kannte das Spiel, hatte mich aber nicht vorgewarnt. Er sagte: ‘Wir steigen durch das offene Fenster ein.’ Ich und er hatten zum Glück leichtes Gepäck. Er hievte mich hoch und drinnen war ich. Ich half ihm dann hinaufzukommen. Wir standen im Wagen, aber nicht auf dem Boden, sondern auf Stoffballen, Schachteln und Kisten. Wir waren die einzigen zwei Touristen. Die anderen Passagiere waren vorwiegend junge bärtige Männer mit dunklen Haaren und gegerbten Gesichtern. Wir bemerkten rasch, dass im Wagen ein älterer ‘Chef’ das Sagen hatte. Er hatte keine Freude an uns. Er wies uns Plätze auf einer freien Bank zu, unsere Beine lagen auf Transportgut. Der Zug setzte sich in Bewegung, die Situation beruhigte sich. Irgendwann kamen junge Männer und demontierten die oberen Abdeckungen des Wagens. Auf Geheiss des älteren ‘Chefs’ versteckten sie Ware im Zwischenraum und schraubten die Deckenelemente wieder an. Der Schaffner machte Billett-Kontrolle. Der Deutsche meinte, wir seien die einzigen, die ein Ticket hätten. Die anderen Fahrgäste steckten dem Schaffner etwas zu. Der Zug fuhr gemächlich durch die Wüste. Die Müdigkeit nahm überhand. Der ältere ‚Boss‘ erlaubte mir, auf der Gepäckablage über den Sitzen ein Powernap zu machen. Auch andere erhielten nach und nach die Erlaubnis. Für die Strecke nach Quetta hatte ich die Reisezeit ausgerechnet für die ungefähr 700 km. Dies zur Berechnung der Getränke und des Proviants. Aber alles konnte ich nicht wissen. Nach einer stundenlangen Fahrt dunkelte es, der Schlaf übermannte einen. Es war idyllisch. Alles nahm seinen Lauf. Der Zug fuhr merklich langsamer. Der Deutsche deutete hinaus und sagte, wir würden begleitet. Ich sah Lichter in der Wüste. Es waren Pick-ups und Motorräder, die gleich schnell fuhren wie der Zug. War vorher alles ruhig und die meisten am Dösen, kam Betrieb auf. Junge Burschen öffneten die Fenster und warfen all das Gepäck hinaus, dort wurde es auf die Pick-ups verladen. Auf einmal sassen wir allein im Eisenbahnwagen. Wir konnten richtig sitzen, mit den Füssen auf dem Boden, oder uns auf einer Bank ausstrecken. Irgendwann hielt der Zug. Es war die Grenze Iran zu Pakistan mitten in der Wüste.

Alle verbleibenden Passagiere mussten aussteigen und die Grenzkontrolle passieren. Unterdessen wurde der Zug kontrolliert. Ich mag mich noch erinnern, wie wir im Sand lagen und auf die Weiterfahrt warteten. Zu kaufen oder zu essen gab es nichts. Meine Vorräte gingen zur Neige.

Nach meiner Berechnung hätten wir in Quetta sein müssen, stattdessen warteten wir bis vier Uhr morgens. Nach Abfahrt ging es nicht lange und der Zug fuhr ganz langsam. Ich traute meinen Augen nicht. Unser Wagen füllte sich wieder. All die Waren, die vor ein paar Stunden in die Wüste hinausgeworfen worden waren, fanden ihren Weg zurück. Langsam dämmerte es mir: ich sass in einem Zug voll von Schmugglerware. Eisenbahn und Zoll spielten beim Ganzen mit. Während wir für die Grenzkontrolle im Sand lagen, hatten die Burschen alles auf ihren Pfaden über die Grenze gebracht. Am Gymnasium wurden wir belehrt ‚Gebt dem Staat, was ihm gehört, zum Wohle der Gemeinschaft’. Ich lernte auf dieser Reise, dass man gut nach anderen Philosophien leben und handeln konnte.

In Quetta angekommen, standen Träger und Karren bereit, um die Waren an ihren Bestimmungsort zu bringen. Ich konnte endlich meinen Durst so löschen, dass es für meinen Körper erträglich war. Quetta ist mir als grau-schwarze Stadt in Erinnerung, viel Betrieb auf Strassen und Plätzen. Zum ersten Mal im Leben habe ich Frauen, ganz in Schwarz gehüllt, gesehen. Vor dem Gesicht eine gitterartige Öffnung aus Stoff. Der Deutsche kannte die Region und empfahl mir, über Lahore weiter zu reisen. Zwischen Pakistan und Indien gebe es nur wenige Übergänge für Touristen. Er ging nach Süden und ich nach Norden. Ich weiss nicht, was ich auf dem Bahnhof in Zahedan gemacht hätte ohne das Durchsetzungsvermögen des Deutschen. Zum Glück ging es dann bis Lahore auch mit der Eisenbahn weiter, aber unter normalen Verhältnissen. Irgendwie war es mir in Pakistan nicht so wohl. Ich konnte mich nicht anfreunden mit der Mentalität der Menschen. Dort hat sich bei mir eingeprägt, mir gut zu überlegen, ob ich später in ein vom Islam geprägtes Land reise.

In Lahore wählte ich ein Hostel aus dem Lonely-Planet, dem low-budget-Reiseführer. Es war geführt von einem Deutschen. Die Gäste waren vorwiegend Europäer oder Amerikaner. Aber just in diesem Hostel wurde mir das Geld, das ich jeweils für Diebe im Gepäck hatte, gestohlen. Meine These ‚lieber bei Einheimischen einkehren als in diesen Touristen-Hostel‘ wurde damit bestätigt. Zur Beruhigung: Mein Reisegeld trug ich immer im Bauchgürtel, direkt auf meiner Haut, vielfach unter dem Bund der Unterhose. Nachts lag ich im Seidenschlafsack mit auf meinen Wunsch von der Mutter extra eingenähter Tasche mit Reissverschluss. Ich spürte mein Geld und meinen Pass.

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1974-1976: Reiseroute in Afrika und Asien

 



Die Farbenpracht von Indien (aus Buch)

Von Lahore ging es mit dem Bus an die Grenze, die ich zu Fuss überqueren musste. Ich erinnere mich noch heute, welche Erleichterung ich spürte, als ich die Farbenpracht von Indien sah. Aufgefallen sind mir Frauen als Zollbeamtinnen. Sie waren unverschleiert mit dem roten Punkt auf der Stirne, in einem farbigen Sari. Nach kurzem Fussweg ein ganz anderes Gefühl.

Es war der 3. November 1976. Ich fühlte mich angekommen in Indien. Mein seit längerer Zeit schlummernder Traum wurde Wirklichkeit.

Die nächste grosse Stadt war Amritsar, wo ich mich zuerst einmal erholte und an das neue Leben gewöhnen konnte. Im Monat Oktober 1976 war ich insgesamt ca. 10’000 km in Bus und Zug unterwegs gewesen. Ich mag mich erinnern, wie ich in einem typischen Guesthouse für ‚Tramper‘ untergekommen war. In Indien war ich nicht der einzige Europäer, es hatte etliche. Das Land war Ziel meiner Generation, auch weil es ein kostengünstiges Leben versprach. Goa wurde als der Ort der ‚Aussteiger‘ aus dem ‚gesättigten‘ Europa und Nordamerika entdeckt.

In Amritsar ging ich täglich zum Goldenen Tempel. Ich fand Gefallen am emsigen Treiben, an den Ritualen und an den Menschen, die Gaben brachten. Diese Lebensmittel wurden von den Tempeldienern an die Gläubigen verteilt. Die dort ansässigen Sikhs gelten als geschäftstüchtig und lassen die Haare wachsen, was die voluminösen Kopfbedeckungen erklärt. In Indien gibt es die Strassen- oder Gassenküchen. Ich gewöhnte mich an den süsslichen Chai und die indischen Snacks, sass gerne dort und schaute den Leuten zu. Rundum hatte man Einblick in Handwerksbetriebe wie Schneiderei, Schlosserei, Schuhmacher, Goldschmiede etc. In Amritsar musste ich lernen, mit dem Umstand umzugehen, auf der einen Seite bittere sichtbare Armut und gleich daneben masslosen Reichtum. Wie die Inder diese Kluft akzeptierten, musste auch ich mich daran gewöhnen. Im Rückblick staune ich, dass ich mich auf meiner Reise weiterhin in diesen Strassen-Küchen verpflegte. Denn ich habe gesehen, dass das ‚Blech‘-Geschirr im Strassengraben gewaschen wurde. Mein Grundsatz war: Aus der Flasche oder gekocht. Der Tee war heiss, allerdings nicht gerade in einem absolut sauberen Gefäss.

Aus der NZZ wusste ich, dass in Kaschmir Auseinandersetzungen im Gang waren. Diese Gegend war mir vom Zeitungslesen bekannt und diese wollte ich sehen, wenn ich schon so nahe war. Mit dem Bus ging es in die Berge, in Srinagar übernachtete ich auf einem Hausboot. Die für Touristen zugängliche Region war für meine Verhältnisse zu touristisch.

Ich wollte Indien sehen. Von anderen Reisenden hatte ich erfahren, dass der Dalai Lama, geflüchtet aus Tibet, in Dharamsala im Exil lebte. Das war mein nächstes Ziel. Es war ein wunderschöner, ruhiger Ort, eingebettet in die Natur. Ich blieb mehrere Tage und tauchte ein in den Rhythmus des Dorfes.

Meine Sandalen waren kaputt gegangen und ich wollte sie flicken lassen. Der Schuhmacher verlangte meines Erachtens einen Wucherpreis. Ich fragte ihn, ob ich ihm die Instrumente abkaufen könne, um jeweils selber zu flicken. Das erstand ich günstig und konnte so die Schuhe immer einsatzbereit halten. Zeit zum Reparieren hatte ich genügend. Von Dharamsala fuhr ich nach Delhi. Diese Stadt war zu viel für mich, zu dicht, zu lärmig, zu unübersichtlich. Ich wollte so schnell wie möglich auf das Land.

Ich fragte mich durch nach Agra, wo das Highlight jeder Indienreise steht, das Taj Mahal. Das Gebäude war wunderschön. Meiner Erinnerung nach konnte ich das Areal frei betreten. Aber schon damals hatte es viele Touristen, gehörte es doch zu den ‚Must-Sees‘.

In der nächsten Stadt Jaipur gefiel es mir gut. Ich lebte in einem Guesthouse, in einem Schlafsaal mit Matten auf dem Boden und mit gefühlt 60 anderen Reisenden. Es war alles sauber und funktionierte. Gegen Aufpreis konnte ich heiss duschen. Eines Abends kam ich mit einem Österreicher ins Gespräch. Er schwärmte von unserem Schweizer Radio und zwar, weil es keine Werbung hatte. Ich selber war damals eher ein Ö3-Hörer, also von einem österreichischen Sender. Diese angesprochene Werbefreiheit war mit gar nicht bewusst, aber später lernte ich es auch zu schätzen. Weder zu Hause noch im Internat stand Radio-Hören im Vordergrund. Er erklärte mir, er hätte jetzt seine richtige Religion gefunden, den Buddhismus. Ihn hätte so beeindruckt, wie die Inder beim Goldenen Tempel die Schuhe ausgezogen und nachher andächtig gebetet hätten. Hier wirkten meine katholische Erziehung und Reiseerfahrung von Afrika. Ich argumentierte, die christliche Religion mit ihren Ritualen und Grundsätzen sei dem Buddhismus und dem Islam ebenbürtig. Zudem hätten alle grossen Religionen eine ähnliche Entstehungsgeschichte. Meist sei ein Knabe auf wundersame Weise zum ‚Messias‘ erkoren worden. Hunderte Jahre später würden alle Glaubensgemeinschaften noch von jenen Geschichten leben. Ich würde zu Hause meine christlichen Werte pflegen und mir nicht eine neue Religion aneignen. Beim Frühstück hatte eine andere Reisende, die unser Gespräch mitverfolgt hatte, meiner Argumentation zugestimmt.

In Jaipur beeindruckte mich der Palast der Winde. Die Räume waren ‚klimatisiert‘, was in dieser heissen Gegend wohltuend war. Die Erbauer des Palastes nutzten den Wind, den sie über ein Kanalsystem leiteten, zur spürbaren Kühlung. Dies alles ohne Elektrogeräte. [Exkurs: Mein ältester Bruder Gandolf lebte mehr als zehn Jahre (bis 2021) in Abu Dhabi. Dort wollte man Mazdar City bauen, basierend auf uralten Erkenntnissen von früheren Städten in der Wüste, in denen der Wind richtig geführt für Kühlung sorgte. Der Elite ging es aber zu langsam und das Projekt wurde verwässert. Anlässlich unseres Besuches bei ihm 2019 besichtigten wir erste Teile dieser neuen Stadt.]

In Jaipur machte ich lange Spaziergänge und tauchte in das indische Leben ein. Auf diesen Erkundigungen kam ich an Palästen vorbei, die zu 5-Stern-Hotels hergerichtet worden waren. Bei einer geführten Reise wäre man dort abgestiegen. Der Aufenthalt fand in dieser abgeschotteten Welt des Luxus statt, die Ausflüge im klimatisierten Bus mit getönten Scheiben. Solche Beobachtungen liessen mich später immer Abstand nehmen von organisierten Gruppenreisen an exotische Orte. Abgeschreckt hat mich jeweils nicht nur der Preis. Schwerer wog die Erkenntnis, in einer ‚Bubble‘ zu reisen ohne grossen Bezug zum Land. Bei einer solch organisierten Reise bekommt man in kurzer Zeit all die Must-See-Plätze zu Gesicht. In meiner Studentenzeit sind jeweils in Zürich die japanischen Reisegruppen aufgefallen, die durch die Gassen geschleust wurden. Mir hat später gefallen, wenn japanische Pärchen unser Land auf eigene Faust entdeckt haben.

[Im Jahre 2018 haben wir China besucht, dies gezwungenermassen in einer Reisegruppe mit Studiosus. Es waren wenige Tage und der Reiseführer war ein Chinese mit Studium in Deutschland. Wir haben viel erfahren.]

Wenn man sich treiben lässt in einem unbekannten Land, werden Begriffe oder Bräuche wichtig, von denen man gehört hat. Für mich waren das Benares und Schwester Theresa. Eigentlich stellte ich mir vor, durch Indien bis nach Kalkutta am Indischen Ozean zur reisen. In Varanasi (Benares) angekommen, fand ich in der Nähe des Ganges ein wunderschönes Guesthouse. Ich konnte zu Fuss dorthin, wo ich die Wasch- und Totenrituale stundenlang verfolgen konnte. Ich sah, wie sie die Holzstapel errichteten. Sie wuschen sich und ‚ihren‘ Leichnam im Ganges. Danach verbrannten sie die Körper bei entsetzlichem Gestank. Es war ein Kommen und Gehen und immer wiederholte sich das Gleiche. Von der Stadt Varanasi ist mir auch ein anderes Bild im Kopf hängen geblieben. Eine breite Strasse voll von Velofahrern, dazwischen heilige Kühe, die geschickt umfahren wurden. Es war eine angenehme, fast lautlose Stimmung, obwohl Hunderte von Menschen präsent waren. Ein oder zwei Autos bewegten sich verloren in der radelnden Masse. In der Stadt hatte es neben Kühen auch viele Affen, vor allem am Fluss trieben sie ihr Unwesen. In Varanasi hat es mir gut gefallen und ich bin länger geblieben. Unterdessen hatte ich etliche Kilometer zurückgelegt. Ich fragte mich, ob ich die lange Strecke nach Kalkutta in Angriff nehmen wollte. Die Stadt Mumbai hatte sich von den ersten Reiseplänen in meinem Kopf eingeprägt. Ich wollte von dort zurück in die Schweiz fliegen.

Das Leben in Indien hat mir gefallen. Mit der Eisenbahn zu reisen war angenehm. Ein Ticket zu kaufen bedeutete anstehen und warten. Für lange Strecken wählte ich einen Sleeper. In diesen Wagen sind alle Plätze reserviert, am Tag hatte man einen Sitzplatz und in der Nacht eine Liege. Solche Betten musste man frühzeitig kaufen und dann hiess es warten. Wenn am Reisetag der Zug bereitstand, war ein Blatt am Wagen angeklebt und bei der Sitznummer mein Name handschriftlich aufgeführt. Das hatte immer geklappt. Manchmal konnte man sich auch auf die Warteliste setzen lassen. Damals musste ich immer wieder am Bahnhof fragen gehen, wie weit ich auf der Liste nachgerutscht sei. Dies war aufwendig. Lieber habe ich ein Ticket gekauft und in den Tagen bis zur Reise weitere Orte in der Umgebung erkundet. Zuerst galt es auch, Vertrauen in das funktionierende System zu gewinnen. In diesen reservierten Wagen war das Reisen ähnlich wie bei uns. Als Jugendlicher reiste ich auf Holzbänken bei offenem Fenster mit ca. 50-60 km/h. Das Überfahren der Schienenstösse erfolgte mit einer Regelmässigkeit, dass es wie ein Wiegenlied empfunden werden konnte. Mein Gepäck habe ich in einen Sack gehüllt und mit dünnen Drahtseilen angebunden. Diese Seile konnte ich auch als Wäscheleinen einsetzen.

Von Varanasi fuhr ich nach Mumbai. Von dort flog ich mit einer DC-8 der Swissair am 8. Dezember 1976 nach Hause.

Die Nahrung in Indien war bekömmlich, ich habe gesund gelebt und ich fühlte mich wohl in meinem Körper. Bei Ankunft zu Hause wog ich 69 kg bei einer Grösse von 172 cm.



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Legende aus Indien: Ein Elefant und die fünf blinden Gelehrten

 

Nachdem. er die Berichte angehört hatte, lächelte der König weise: 'Ich danke Euch, denn ich weiss nun, was ein Elefant ist: Ein Elefant ist ein Tier mit einem Rüssel, der wie ein langer Arm ist, mit Ohren, die wie Fächer sind, mit Beinen, die wie starke Säulen sind, mit einem Schwanzz, der einer kleinen Strippe mit ein paar Haaren daran gleicht und mit einem Rumpf, der wie eine grosse Masse mit Rundungen und ein paar Borsten ist.'  Diese Legende beschreibt das Empfinden der Menschen bezüglich 'ihrer' eigenen Religion auf spielerische Art.


Indien an der Ostküste (aus Buch)

Flugmeilen eingelöst, Jahreswechsel 2009/2010

Im Zusammenhang mit der Afrika- und Asienreise als Student berichte ich über meine zweite Indienreise. 33 Jahre später verbringe ich allein Zeit in Indien und will Erinnerungen aufleben lassen. Kurz nach meiner Geschäftsgründung im Herbst 2009 bot sich die Gelegenheit, Flugmeilen einzulösen. Diese haben sich während meiner Berufszeit auf meinem Miles & More-Konto angesammelt und drohten zu verfallen. Das Einlösen gestaltete sich schwierig. Bei den Traumdestinationen war in meinem Wunschzeitraum kein Sitz verfügbar. Zu guter Letzt fand ich für den Samstag, 19. Dezember 2009, einen Hinflug nach Hyderabad (Shamshabad), Ankunft kurz nach Mitternacht. Ich wollte mit kleinem Gepäck reisen und packte alles in einen wasserabstossenden verschliessbaren Seesack. Am besagten Tag schneite es in Europa, Ankunft in Frankfurt mit Verspätung. Auf dem Flug nach Indien wurden die Passagiere von Zürich orientiert, ihr Gepäck sei nicht auf dem Flugzeug. Ich hatte Pullover und Hemd an.

In Hyderabad mitten in der Nacht – ohne Gepäck

Bei Ankunft musste ich die Formalitäten wegen des nachzusendenden Gepäcks erledigen. Ich stand mitten in der Nacht mit wenig Habseligkeiten im südlichen Indien, 58 Jahre alt.

Statt auf dem Flughafen herumzulungern, nahm ich um 2.45 Uhr einen Expressbus nach Segurabad. Ich wollte möglichst lange fahren. Eine Stunde später hielt der Bus an einer Busstation. Ich konnte kaum glauben, dass dies Endstation war. Tagsüber muss es ein Knotenpunkt sein. Es hatte einige Rikschas dort, mit schlafenden Fahrern, eingewickelt ins übliche Tuch wie Mumien. Mit leichtestem Handgepäck begann ich, die Gegend zu erkunden. Die streunenden Hunde machten mir Angst. Bald traf ich auf die ersten (heiligen) Kühe. Nirgends war ein Zentrum auszumachen. Auf einmal erblickte ich ein repräsentatives Gebäude mit dem Hinweis ‚Railway‘. Im Vergleich zur Umgebung war alles sauber. Ich glaubte, in der Nähe eines Bahnhofs zu sein, fand ihn aber nicht. Beim Weiterwandern sah ich Leute, die die Strassenränder reinigten, Frauen mit einem Handbesen bestückt. Ich hörte immer wieder das Signal einer Lokomotive und richtete meine Schritte in jene Richtung. Nach einer Stunde kam ich an eine grosse Bahnstation, wo Leben spürbar war. An der Anzeige sah ich, dass um 4.55 Uhr ein Zug nach Hyderabad fuhr. Secunderabad ist die von den Briten gegründete Schwesterstadt. Der Zug fuhr ein, viele Leute stiegen aus. Mir wurde wohler. Ich setzte mich in einen fast leeren Sleeper und fuhr durch die Nacht. Um halb sechs Uhr kam ich an. Nach einem Tee und etwas Biskuit setzte ich meine Erkundung fort.

Leider hatte ich beide Reiseführer und dummerweise auch mein Smartphone im Seesack und hatte deshalb keinerlei Orientierung.

Nach einer schier endlosen und ermüdenden Wanderung nahm ich in der Nähe eines Busbahnhofs ein Zimmer. Ich musste telefonisch erreichbar sein; es war ein Eckzimmer im obersten 5. Stock mit Aussicht. Der unglaubliche Lärm (Hupen der Autos, der Busse, der Lastwagen und Motorräder) drang bis zu mir hinauf. Ich hatte für 350 Rupien (Fr. 12.-) WC und Dusche mit warmem Wasser im Zimmer. Der Lufthansa konnte ich telefonisch die Adresse Hotel Nannini angeben.

Mit einer Motor-Rikscha fuhr ich zum Golcando Fort (16. Jh.). Dort beobachtete ich an einem ruhigen Ort das indische Leben. Ich wurde öfters gefragt, ob ich mit auf ein Foto käme. Hier sah ich im Gegensatz zur Stadt auch Pärchen Hand in Hand. Ich bekam den Eindruck, es sei ein Ausflugsort für Inder. Ich war wegen des fehlenden Gepäcks an mein Hotelzimmer gebunden. Es tat auf eine Art gut. Ich war gezwungen, zu verlangsamen und konnte mich auf das indische Leben einstimmen. Besuchte Sehenswürdigkeiten: Chowmahalla Palace (ab 1750), Charminar (4-Säulen-Bogen), Banjara Hills, Salat Jung Museum, Hussain Sagar Lake, eine Parkanlage mit einer 17.5 m hohen Buddha-Statue.

Am Montag habe ich in einer winzigen Agentur nahe dem Hotel den Nachtzug zur Küstenstadt Madras (Chennai) gebucht. Es kostete 372 Rupien (ca. Fr. 13.-). Für die Platzzuteilung musste ich digital nachschauen.

Am Folgetag ist das Gepäck angekommen und ich konnte für den Nachtzug packen. Abfahrt 16.55 Uhr Sleeper Non AC (Air Condition), Liege 008 in Coach S6, 715 km, 13 Stunden problemlose Fahrt. Wagen wie vor 33 Jahren mit Platz für 72 Personen. In Sleeper mit AC hätte es weniger Lärm und weniger Durchzug gegeben.

In Madras/Chennai mit Rikscha zum Busbahnhof. Ich wollte nicht in dieser grossen Stadt Weihnachten verbringen, sondern in einem Dorf. Als erste mögliche Destination habe ich Mamallapuram ausgesucht. Im Bus wurde mir erklärt, Frauen würden links, Männer rechts sitzen. Es war eine schöne Fahrt.

Weihnachten in indischer Gesellschaft

Nach der Ankunft machte ich einen Spaziergang (von Afrika gewohnt und erprobt) durch die Hauptstrasse, für einen ersten Tee. Ein Inder spricht mich an und führt mich zu einem guten Tee- und Kaffeestand. Ich wünschte mir nach Hyderabad ein ruhiges Zimmer. Dieser Inder führte mich zu Silva Raj. M. Kokkilamedu Village Nr. 64, wo ich ein solches mit Blick auf eine Wiese und weiter auf das Meer für vorerst zwei Tage buchte für 900 Rupien pro Nacht mit Frühstück. Gleich daneben hatte es einen Shop für Internet und Massage im Sea Breeze Hotel. Der bereits erwähnte Inder heisst John Basha. Er wird mich begleiten, beharrlich, aber anständig. Wir haben am Abend zusammen gegessen. Am Donnerstag besichtigte ich mit ihm und seinem Kollegen als Driver Tiger’s Cave, Krokodilfarm, Eagle Temple (1 Stunde Fahrt), Five Rahms, Mandapas (Felsen, Höhlen), Arjuna’s Penanze, Shore Temple (600 AD). Mamallapuram ist das Dorf der Steinmetze. Jeder verkauft Figuren, Black Stone, Granite, Soft Soap Stone, Grey Soap Stone etc. Es war ein eindrücklicher Tag. John Basha führte mich. Bei Bedarf hatten wir einen Driver, dessen Auto-Rikscha uns durchrüttelte. Am Mittag assen wir in einem schönen indischen Restaurant. In dieser Stimmung kaufte ich auch solche Steinmetz-Produkte ein.

Nach dem Abendessen fuhr mich der Driver vom Tag zur katholischen Kirche. Nach einem Rosenkranz (23.20-23.45) fand um 23.45 Uhr die 1.5-stündige Mitternachtsmesse statt. Der Kirchenraum gab nur wenigen Leuten Platz. Die meisten sassen draussen auf Stühlen. Der Pullover schützte genügend. Es war gut, Weihnachten in Gemeinschaft zu verbringen. Um zwei Uhr war ich im Hotel im Bett. Am Freitag ging ich um elf zum von John empfohlenen Masseur aus Kerala. 1.5 Stunden mit warmer Dusche zum Abschluss (800 Rupien). Nachher gönnte ich mir Schlaf. Um 17 Uhr ging ich mit John etwas essen und später zum Indian Dance Festival. Im Hotel gefiel es mir und ich konnte verlängern. Am Samstag habe ich mir einen Ruhetag gegönnt, so wie ich es von meinem früheren Reisen gewohnt war. Ich spazierte im Dorf. Ich liess die Eindrücke auf mich wirken, die ich am Weihnachtstag mit den anderen erlebt hatte.

Am Sonntag dann kam das Unvermeidliche – für mich nicht überraschend – nach einer solch intensiven Reisebetreuung. Der Koch vom Sun Rise, wo wir immer gegessen haben, arbeitete schon 25 Jahre dort, verheiratet, 46 und Vater von drei Kindern. Er war mit einem alten Velo unterwegs. John machte mir den Vorschlag, ihm ein Motorrad zu kaufen für 30’000 Rupien. Er zeigte mir sein Wunschobjekt. Wir beschafften mit meiner Geschäftskreditkarte das nötige Bargeld. Andere Touristen zahlen für eine Nacht 8000 Rupien, ich nie über 900. Am Abend treffe ich am Rande des Dance Festivals (es ist ein Dorf) John Basha, per Zufall! Wir kommen mit Siri, einer koreanischen Touristin, ins Gespräch. Wir laden sie zum Essen ein. Als Dank bietet sie uns eine Massage an, da sie dieses Talent auf natürliche Weise in sich habe. Sie hat wirklich jeden Knochen behandelt mit Gel und zum Teil mit Eukalyptus. Jede Massage ist anders, aber jede tut auf ihre Art gut. John Basha hat mir einmal von seiner Tochter erzählt und welche Krankheit sie durchmache. Ich fragte ihn dann ganz beiläufig nach Alter und Dingen, die mit Zahlen zu tun haben. Auch wollte ich ein Foto von ihr sehen. Für mich schien die Geschichte nicht zu stimmen. Es ging um Geld. Ich sagte ihm, er müsse mir keine Geschichten auftischen, ich könne ihm auch direkt etwas geben. Er hat mich mit unaufdringlicher Art am indischen Leben teilhaben lassen. Ich wollte weitere Teile Indiens sehen. Mein Retourticket war ab Chennai/Madras, also in der Nähe. Ich konnte bei ihm Sachen deponieren und vor der Rückreise abholen.

Pondicherry

Am Montag brachten mich John und sein Driver zum Busbahnhof, wo sie mich zum in Tamil beschrifteten Bus nach Pondicherry an der Ostküste führten. Nach zwei Stunden Fahrt komme ich am quirligen Bus-Stand an. Mit leichtem Gepäck schlendere ich zu meinem Wunschhotel, dem Park-Guest-House direkt am Meer. Es ist leider ausgebucht. Um die Ecke finde ich Nr. 2 auf meiner Liste, das Dumas-Guest-House. Ich bekomme ein schäbiges Einzelzimmer mit einer Blache vor dem Fenster gegen Regen. Dusche und Toilette sind ausserhalb des Zimmers für 600 Rupien. Als Ausgleich gab es ein wunderbares Dachgeschoss für alle Gäste der sechs Räume im Haus. Ich konnte nicht gut schlafen. Am Morgen erkundigte ich mich im Park Guest-House. Ich erhielt für 450 Rupien ein Doppelzimmer, Balkon, Meersicht, europäische Toilette, Dusche, Moskitonetz, alles so, wie man es sich vorstellt. Allerdings bekomme ich das Zimmer nur für zwei Nächte, da es Mitgliedern ihrer Gemeinschaft vorbehalten sei. Vor dem Guesthouse liegt ein gepflegter Garten am Meer. Sogar barfuss kann ich dort umhergehen, offen nur für Gäste. Es hatte eine Kantine mit Morgen-, Mittag- und Abendessen, organisiert wie in einem Kloster. Zurück in der Unterkunft der vergangenen Nacht treffe ich den Besitzer Sadia. Er empfiehlt mir Santhigiri für Massagen. Er ist in vielen Geschäftszweigen engagiert.

Die Franzosen siedelten in Pondi 1674. Vorher haben schon die Portugiesen (1521) und die Dänen hier Handel getrieben. 1761 eroberten die Briten das französische Pondicherry und haben es dem Erdboden gleichgemacht. Im Vertrag von Paris wurde es den Franzosen zugesprochen, die um 1768 alles neu aufgebaut haben. Ein Kanal teilt das französische Quartier vom Tamil-Quartier. Das Tamilquartier hat Muslim-, Christen- und Hindu-Sektoren. Die Architekturen unterscheiden sich grundsätzlich. Die französischen Häuser haben hohe Gartenmauern und wirken geschlossen nach aussen. Der Innenhof ist zu den eher offen gehaltenen Fassaden mit gut durchlüftbaren Räumen transparent gehalten. Im Tamil-Quartier sind die ‚talking streets‘ im Vordergrund. Das Haus ist zur Strasse hin offen, Randsteine und Bänke zum Sitzen. Strassen sind eng, aber mit Leben. Im Innern des Hauses hat es verschiedene Höfe mit entsprechendem Intimitätsgrad. Die Strassen sind für Fussgänger gedacht. Jetzt sind überall Autos, Motorräder, sogar Busse. Über die Weiterentwicklung kann man gespannt sein. Im französischen Quartier kostete 2010 ein Quadratfuss 20’000 Rupien, das sind Fr. 600 pro square foot. Auf einen m² umgerechnet führt das zu einem Grundstückpreis von Fr. 6000/m². Die 1.5 km lange Promenade entlang der Küste ist der Anziehungspunkt. Es war aber kein Badestrand.

Angetan war ich in Pondicherry vom Sri Aurobindo Ashram. Er kam 1910 als politischer Flüchtling nach Pondi. Die Französin Mira Alfassa hat in seiner Geisteshaltung ihre Vision gefunden. Sie hat den Ashram zu einem bedeutenden Zentrum ausgebaut, zuletzt noch mit Auroville. Im Fernsehen hatte ich früher eine Sendung dazu mit Interesse verfolgt und bin auf dieser Reise ungeplant darauf gestossen. Um ins Innere zu gelangen, muss man sich vorher anmelden. Ich habe es an Silvester 2009 geschafft.

Am 3. Januar 2010 besuchte ich den Manatula Vinayagar Tempel. Vor dem Eingang steht ein Elefant, der mit dem Rüssel die Leute ‚segnet‘. Die Kinder betrachten ihn ehrfürchtig. Im Innern hat es an den Wänden viele Relief-Darstellungen wie Bilderrahmen. Es gibt verschiedene ‚Altäre’, wo die Hindus mit der Hand etwas berühren. Vor dem ‚Hauptaltar‘ stehen die Leute Schlange. Wer 10 Rupien bezahlt, kann sich bei der ‚Express‘-Schlange einreihen. Ich habe beobachtet, dass die Gruppen von 15 Leuten jeweils etwas 5 Minuten im Innern verweilen. Dort hat es Hindupriester, die die Gläubigen mit ‚Pulver‘ segnen. An Neujahr standen die Hindus um den Häuserblock herum Schlange.

In Pondi hatte ich ein ruhiges Leben. Wie vom Besitzer des ersten Guesthouses, Mr. Satia empfohlen, gönnte ich mir mehrere Massagen im Santhigiri-Ayurveda & Sidda Hospital. Ich fuhr jeweils mit dem Fahrrad dorthin. Nachher ging ich zum Ausruhen zurück ins Park-Hotel ins Zimmer oder in den Park.

Pondicherry hat mir gefallen. Aber ich wollte nochmals richtig eintauchen in indische Gepflogenheiten auf Bahnreisen. Ich dachte an eine kurze Reise nach Konchipuram. Am Samstag wollte ich am Bahnschalter die Tickets kaufen. Mir wurde aber beschieden, ich solle am Montag wieder kommen, reservieren könne ich nichts.

Am Sonntag las ich im Guest-House folgenden Spruch: ‚Der gute Reisende weiss nicht, wohin die Reise geht, der perfekte Reisende weiss nicht, woher er kommt.‘ Am gleichen Tag entschied ich mich, nach Kerala zu reisen und wollte für einen Express-Zug buchen. Der Schalter war geschlossen. Ich wusste aber auch: Am 10. Januar 2020 ist mein Rückflug ab Chennai.

13 Stunden Fahrt im Wagen mit ‘unreserved seats’

Am Montag, 4. Januar 2020 habe ich in Pondicherry um 7.45 Uhr den Zug zur nächsten grösseren Station Villuparam genommen. Dort hatte ich die Wahl, in den Osten, Westen, Süden oder Norden zu fahren. Die Destination Kerala Trivandrum war ausgebucht. Ich nahm ein Ticket für unreserved seats (129 Rupien, ca. 4-5 Franken, 639 km) nach Trivandrum.

Bei Ankunft des Zuges war ‚mein‘ Wagen voll besetzt. Ich konnte auf dem Trittbrett Platz nehmen, die Füsse sogar auf dem untersten Brett abstellen. Es war schönes warmes Wetter. Ich konnte die Landschaft und den Fahrtwind geniessen.

Aufgefallen ist mir entlang der ganzen Strecke ein ca. 20-30 m breiter Streifen voller Abfall, Karton, Papier, PET-Flaschen. Die Inder werfen alles aus dem Fenster. Da wartet künftig viel Arbeit. Für mich unverständlich, für die Einheimischen selbstverständlich. Nach einiger Zeit, vielleicht eine halbe Stunde, hat mir ein Inder, 30 Jahre alt, TATA-Angestellter, seinen Platz angeboten. Dort war auch eine muslimische Familie mit vier Kindern. Wasim, 9-jährig, konnte englisch. Er wollte alles von mir wissen. Sie kamen von Hyderabad und reisten zum Grossvater nach Madurai. Wasim wünschte sich einen Laptop. Seine Mutter meinte, der koste etwa 2500 Rupien. Ich habe ihm die Hälfte davon gegeben. Er will Computer-Ingenieur werden. Er hat mir beim Bahnhof Madurai eine Decke geschenkt. In reservierbaren Wagen finden in einem Abteil acht Menschen Platz. Bei uns drängten sich zeitweise bis zu 25 Personen. Wenn bei einem Bahnhof neue Leute zustiegen, bewegte sich keiner. Die neuen mussten stehen und wurden beäugt. Auf einmal hatte man diesem und jenem Platz gemacht. Schlafende hat man geweckt und Leute auf der Bank sitzen lassen. Immer kamen Verkäufer mit Wasser, Tee, Kaffee, Süssem, Essen etc. Es war Dauerbetrieb während der 13-stündigen Zugfahrt, aber ein besonderes Erlebnis. Die Landschaft grün mit vielen Reisfeldern, Flussbetten, Hügeln, Landwirtschaft. Die Zugtickets mussten wir nie vorweisen. In Trivandrum hat mich zum Glück einer geweckt. Es war halb eins in der Nacht. Ich war todmüde und habe mich in einem Wartsaal in die geschenkte Decke eingewickelt und bis fünf Uhr geschlafen. Das Gepäck habe ich angekettet an einem Rohr. Die Ansagen für die Züge liessen keinen Schlaf mehr zu.

Um sechs Uhr nahm ich den Bus nach Kovalam und bin dort bei Sonnenaufgang dem sogenannt schönsten Strand entlanggelaufen. Das Dorf besteht aus Hotels, Restaurants und Läden. Zum Glück war das Allermeiste zu. Ich spürte, das war nicht meine Destination. In einem schönen Hotel hätte ich für 200 Rupien ein Zimmer mit Balkon haben können. Ich entschied mich, mit einer Auto-Rikscha vier Resorts mit Ayurveda-Treatments zu besichtigen, die im Lonely Planet aufgeführt waren. Beim ersten bin ich gleich hängen geblieben: Bethsaida Hermitage, Pulinkudi. Hier habe ich mich ausgeruht, gewaschen, Ayurveda-Massagen erhalten und an Yoga-Stunden (6.45 und 17 Uhr) teilgenommen. In der Nacht habe ich schlecht geschlafen. Ich fragte mich, ob Wohnen nahe dem Meeresrauschen erstrebenswert sei, wenn einem das Schwimmen im Meer sowieso nicht behagt. Die Anlage war ein Retreat ohne Anschluss an das Dorf, was ich etwas vermisste. Die Gegend von Kerala hat mir gefallen, auch die grüne Landschaft.

Ich musste immer die Rückreise im Auge behalten. Am 4. Januar hatte ich bereits in Villuparam mein Zugticket von Trivandrum im Süden bis Chengalpattu (nähe Chennai) gekauft, mit Reservation, die aber erst noch bestätigt werden musste. Im Internet konnte ich jeweils den Status abfragen.

Anantapuri Express: Trivandrum bis Chengalpattu

Am Freitag, 8. Januar 14.30 Uhr sah ich auf dem Bildschirm meinen Wagen und die Platznummer. Alles hatte geklappt. Um 16 Uhr fuhr der Anantapuri-Express ab. Vornehme, selbstbewusste Inder waren meine Reisegefährten für die 742 km. In Chengalpattu hatte John Basha am Samstag auf mich gewartet. Er war um 4.30 Uhr aufgestanden. Mein Zug kam 1.5 Stunden später an als erwartet. Ich fühlte mich ausgeruht. Mit dem Bus kamen wir nach einstündiger Fahrt in Mamallapuram an. Am Abend genoss ich den für mich letzten Sonnenuntergang in Indien am Meer. Nachher hiess es Abschied nehmen. Weiter ging es zum Flughafen Chennai mit Abflug nach Mitternacht um 1.50 Uhr via Frankfurt nach Zürich. Ankunft 9.50 am Sonntag, 10. Januar 2010.


2009/2010: Reise an Ostküste von Indien.

 


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Nachgedanken zu den Asienreisen (aus Buch)

Asienreise 1976 - Mein Traum ging in Erfüllung

Indien habe ich als ein Land mit einer beachtenswerten Kultur erlebt. Das friedliche Zusammenleben so vieler Menschen auf engem Raum hat mich erstaunt. Heute weiss ich, Buddhismus ist eine Lebenshaltung und keine Religion. Das Transportwesen in Indien beeindruckte mich. Ich benutzte alle Klassen. Das Beieinander von Reich und Arm war für mich nicht nachvollziehbar, geschweige denn verstehbar. Mein Traum, Indien zu sehen und zu riechen, war erfüllt. Dieses unfassbar grosse Land ist mir in guter Erinnerung geblieben. Damals dachte ich: hierhin möchte ich später wieder einmal.

Aufwand für die Reise

Auf dieser Asien-Reise habe ich handschriftlich eine Statistik geführt. Sie listet die verwendeten Mittel in den sechs bereisten Ländern nach Unterkunft, Nahrung, Ferntransport und Diverses auf. Den Transport habe ich aufgelistet nach Kilometern unter Eisenbahn, Bus oder Tourist (gratis), beim Schiff nach Stunden. Auch habe ich die Hotelnächte und Preise pro Nacht aufgeführt. Erwähnenswert sind die 64 Briefe und 103 Karten mit Portokosten von Fr. 94.-. Die Reise hat mich über die fünf Monate Fr. 4’000.- gekostet. Kaufkraftbereinigt wären das 50 Jahre später gegen Fr. 10’000.- gewesen.

Sehnsucht nach der weiten Welt

Trotz der Reisen in Afrika und Asien war meine Sehnsucht nach der weiten Welt noch nicht gestillt. Im Dezember 1977 schrieb ich im ‚Goldenen Buch‘ der Studentenverbindung beim Lebenslauf: ‚... Hoffnung, weitere Abschnitte meines Lebens werden auch mit ausländischen Namen überschrieben sein und nicht nur mit appenzellischen oder zürcherischen‘.

Afrika war für mich völlig neu. Vor allem in Kamerun, Zaire und Ostafrika sah ich das friedliche Zusammenleben mit ihren eigenen, mir nicht vertrauten Regeln. Ich habe gespürt, dass es funktionierte mit der Selbstversorgung, dem genügsamen und menschlichen Leben in den Clans. Diese Eindrücke haben bei mir zu Vorbehalten gegenüber unserer Entwicklungshilfe geführt. Mein Bruder war hauptsächlich in der Ausbildung tätig.

Beruflich konnte ich später Europa, Asien und Amerika wie auch Australien vertiefter kennenlernen. Meine ersten Stellen nach dem ETH-Diplom wählte ich wegen der Möglichkeit für einen Auslandeinsatz. Meine älteste Schwester Maria Brabetz begleitete ihren Mann Sergio ins Ausland, nach Oman, Muskat und letztlich nach Porto.

Mir hat sie geraten, in der Schweiz zu arbeiten. In den Ferien könne ich ins Ausland an Orte gehen, die mir gefallen würden. Ihrem Rat bin ich gefolgt.

Mit der Familie kamen so weitere Eindrücke zu fremden Ländern hinzu. Zweimal reisten wir in den USA umher. Die jüngste Tochter Isabelle begleiteten wir nach Australien. Vor der Pandemie besuchten wir China und meinen Bruder Gandolf in Abu Dhabi.

Im Hinterkopf schlummerte bei mir der Wunsch, Indien noch einmal zu besuchen. Am liebsten wäre ich nach Jaipur zum Palast der Winde gegangen. Dort hat es mir als Student gut gefallen.

Fazit zur zweiten Reise nach Indien

Die An- und Abflugorte ergaben sich aus der Verfügbarkeit von Angeboten zur Einlösung der angesammelten Flugmeilen. Dieser Umstand führte mich an die Ostküste.

Das Klima in Pondicherry und in Mamallapuram war über den Jahreswechsel angenehm warm. Drei Wochen Sommer im europäischen Winter taten mir gut.

Der Lärm, das Gehupe, der Schmutz und Abfall entlang der Strassen und Gleise machten mir zu schaffen. Auf den Strassen ist das Spazieren wegen der Fahrzeuge und der offenen Löcher am Strassenrand zum Teil gefährlich.

Bei dieser Reise 2009/2010 hatte ich mehr Geld zur Verfügung als bei meinem ersten Aufenthalt. Ich liess mich aber auf gleiche Art wie früher treiben und hatte keine Pläne zum Voraus.

Diese Reise hat mein liebliches Bild von Indien, das bei mir 30 Jahre Bestand hatte, durcheinandergebracht. Ich muss zur Kenntnis nehmen, nicht nur die Schweiz verändert sich, sondern auch das Ausland.

Mein Onkel Karl Wild ist zwischen den zwei Weltkriege wie viele Andere nach Ecuador ausgewandert. Seine beiden Söhne Carlo Valentin und Emilio Maurizio kamen jeweils zu Besuch in die Schweiz. Bei der Frage, warum sie ihren Vater nicht mitnehmen würden, antworteten sie, sie würden ihm das Bild 'seiner' Schweiz nicht zerstören wollen. Damals begriff ich die Antwort nicht, heute aber wohl. Mir ist es beim Land Indien so ergangen. In der Stadt Varanasi (früher Benares) hatte sich bei mir ein Bild von einem grossen Platz eingeprägt. Dieser war voll von Menschen, zu Fuss oder auf dem Fahrrad. Dazwischen bewegten sich heilige Kühe und ein einzelnes Fahrzeug. Auf der zweiten Reise waren die Plätze gefüllt mit Motorrädern, Autos, Rikschas und Lastwagen, meist hupend.

[Am 24. Mai 2025 machten wir eine Wanderung mit den Kindern und Enkeln vom Steigbach auf den Gäbris. Zu diesem Anlass orientierte ich all die Verwandten im Appenzellerland, sie könnten uns begleiten. Beat Inauen (*25. August 1961), Sohn von Josef (*1924) und Isabella Inauen Bucher kündigte an, er würde in den Steigbach kommen und uns Bilder von unserem Vater zeigen. Das war eine Überraschung: 45 Bilder vom Steigbach, mein Vater an der Arbeit, Grossvater und Tanten im Dachsböhl, vielfach im Zusammenhang mit der Beerdigung der Grossmutter Katharina Hersche, die im Juni 1946 gestorben ist. Er sandte mir später noch Fotos seines Vaters zu, auf denen mein Onkel Karl 1975 zu Besuch in der Schweiz war. Von diesem Besuch habe ich 50 Jahre später erfahren, just einige Tage nach dem Druck des Buches. Dies als Bemerkung zu meiner Schilderung oben.]




Gedanken für weitere Reisen

Eine weitere Fernreise will gut überlegt sein. Dieser von Menschen verursachte Lärm und Dreck zu erleben, ist nicht erstrebenswert. Ich wollte die Länder erfassen mit allen Sinnen. In einem klimatisierten Touristenbus die Gegenden zu erkunden, ist die gängige Alternative, entspricht aber nicht meinen Vorstellungen.

Der Appenzeller hat die weite Welt auf seine Art gesehen und kann zufrieden sein.

Als Richtschnur zum Thema Reisen habe ich folgende Gedanken:

Eher die Schweiz entdecken und sich an der Natur erfreuen. Warum Strapazen auf sich nehmen, um mit anderen Menschenmassen die sogenannten Hot-Spots zu sehen?

Enthusiastische Reiseberichte hinterfragen. Wäre dies auch bei mir so?

Beziehungspflege ist wichtiger als Reisen. Jassen, Wandern, Kurse, Familie, Vereine stehen im Vordergrund. Wenige Beziehungen vertiefen und diese geniessen. Meine Wander- und Pilgerzeit in meinen Sechziger-Jahren in der Schweiz habe ich als vielfältig und befriedigend empfunden. Die Zeit als Wanderleiter war intensiv und fordernd. In diesem Umfeld habe ich Menschen gefunden für vertieften Austausch.

Meine frühere Sehnsucht nach Reisen ins weitere Ausland, in andere Kontinente kann als gestillt betrachtet werden. Beruflich durfte ich Australien, Japan, Hongkong, Los Angeles, Caracas, Dubai, Schweden, Norwegen, Deutschland kennenlernen. Mit der Familie ging es in den Westen und den Osten von Amerika. In Europa besuchten wir Prag sowie die umliegenden Länder Frankreich, Deutschland, Österreich und vor allem Italien. Einzig Bhutan möchte ich noch erleben. Dies hat sich speziell aufgestellt im Vergleich zu all den anderen Ländern.


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Aufstellung der Kosten für die Asienreise 1976

 
Irgendwann auf meiner Asienreise war ich trotz allem unvorsichtig und meine Grundsätze verletzt, denn ich habe einem Einheimischen meine Adresse gegeben. Im Mai 1977 wurde ich von der Kantonspolizei vorgeladen, weil diese meine Adresse in den Unterlagen eines ihrer Klienten gefunden haben.


Vorladung der Kantonspolizei Zürich am 10. Mai 1977

 

 

Wie ist dieses Buch entstanden (aus Buch)

Meine Frau Veronika hat mich angehalten, meinen Lebenslauf zu verfassen. Sie wünschte diesen in Ich-Form. In Engelberg war sie so beeindruckt, als der Sohn den von meinem Kollegen Lukas Rüst v/o Wenig vorbereiteten Lebenslauf in der Stiftskirche vorgetragen hat. Wenig ist 2010 mit 55 Jahren an Krebs gestorben.

 

Während der Pandemie lag ich wegen Covid-19 tagelang in Quarantäne. Die Langeweile brachte mich dazu, den gewünschten Lebenslauf in Angriff zu nehmen. Ich blieb beim Aufzeichnen in der Jugendzeit hängen und war mit dem Resultat nicht zufrieden.

 

Anfang 2023 besuchte ich einen Schreibkurs in Kappel am Albis, wo ich das ‘Schreiben ohne Pause’ lernte.

 

Die Aufzeichnungen über meine Afrika- und Asienreise habe ich vor allem für mich aus dem Gedächtnis rekonstruiert und niedergeschrieben. Für mein Leben waren das wichtige Monate. Im Rückblick waren das unstrukturierte Lebensmonate, auf mich gestellt und frei von Verpflichtungen. Im Kopf kam alles wieder hoch und ich erzählte davon.

 

Ich zog mich stundenlang in die Zentralbibliothek zurück oder schrieb konzentriert während längerer Zugfahrten. So entstand meine Geschichte handschriftlich in gebundenen Notiz-Büchern. Anschliessend übertrug ich alles auf mein MacBook, was im Mai 2024 abgeschlossen war. Als nächstes wollte ich den Text überarbeiten und korrigieren. Als Bildmaterial stellte ich mir Google-Maps-Karten mit eingezeichneter Route vor. Ich dachte, ich hätte keine Fotos oder Aufzeichnungen der Reise. Mein Pass mit den Stempeln der Afrikareise fehlte, was mich ärgerte. Ich erinnerte mich, dass ich meine Ausgaben der späteren Asienreise detailliert auf einem A4-Blatt festgehalten hatte. Die ähnliche Art der Aufzeichnung von der Afrikareise fand ich bei allem Suchen zu meinem Leidwesen nicht.

 

Mitte 2024 kamen mir aus einer guten Fügung Ordner mit Familienfotos und mit Fotos aus meiner Studentenzeit zu Gesicht. Diese standen die lange Zeit – von mir vergessen und ohne Beschriftung am Ordnerrücken – hinten in einem Schrank. Zu meinem Erstaunen entdeckte ich einen maschinengeschriebenen Bericht über meine Reise. Auch der Pass, die lange gesuchte Reisekostenaufstellung und einen Plan meiner Route auf Luftpostpapier war dabei. Mein kleines Notizbuch mit Adressen und Anmerkungen fand ich hinter anderen Dokumenten. An die Existenz eines solchen Ordners konnte ich mich nicht erinnern. Ich staunte aber, dass er mir genau zur richtigen Zeit in die Hände gefallen war. Im Rückblick fällt mir auf, wie viel Bedeutung ich dem Gepäck beigemessen habe. Für meinen Charakter, eher schüchtern, ermöglichte mir die leichte Reisetasche ein unauffälliges Umhergehen. Die Einheimischen konnten mich nicht einordnen. Sie konnten nicht abschätzen, ob ich ein Tourist oder einer, der die Verhältnisse etwas kennt, sei. 

 

Der Abgleich meiner Erinnerung mit den akribischen Aufzeichnungen zeigte einzelne Unterschiede. Ich hatte anscheinend einen Fotoapparat dabei, aber nur wenige brauchbare Fotos gemacht. Es muss eine Miniatur-Kamera gewesen sein, die bei einem Sandsturm in Algerien kaputt ging. Ich war zu schüchtern, um Leute mit einer grossen Kamera zu fotografieren. Die Notizen halfen mir, in Kamerun und Zaire alle besuchten Orte zu rekonstruieren. Den Reiseverlauf ab Kigali in Ruanda konnte ich aus dem Gedächtnis nicht genau nachvollziehen. Erstaunlich war, dass ich sogar Fotos von der Reise hatte. Die mussten mir später zugeschickt worden sein oder es waren Polaroidfotos des Japaners, der mich einige Zeit begleitete. In Afrika wurden damals Passbilder ausgetauscht. Trotz allem kann ich auf mein Erinnerungsvermögen stolz sein, nach 50 Jahren. Die Aufzeichnungen von 1975 bilden die Grundlage. Die Tabelle ist nüchtern gehalten und dokumentiert – meiner Art entsprechend – die Fakten. Verkehrsmittel, Übernachtungskosten, Reisegepäck, Abrechnung, Route, Aufenthaltsdauer, Transportkosten und zurückgelegte Kilometer, so wie mein Vater es immer gemacht hatte. Damals war mir nicht bewusst, welche Bedeutung diese Reise für mein Leben haben würde.

 

Zuerst wollte ich den Text mit Apple-Pages in Buchform erstellen. Ich kapitulierte an den Möglichkeiten bei der Formatierung und der Struktur. Über die bibliophile Wanderkollegin stiess ich über Prof. em. Dr. Alfred Messerli auf die Plattform meet-my-life.net. Damit verbunden ist ein UNI-Institut und dem Interessierten steht ein strukturierter Katalog von 500 Fragen zur Verfügung. Dies war die Lösung für mich. Ich konnte mich auf das Schreiben konzentrieren, Speicherung und Formatierung waren automatisiert. Die Fragen regten zum Nachdenken an. Die Kollegin meinte, aus der Afrika-Geschichte könnte ein Buch entstehen. Ich stiess auf die Edition-Unik. Dies ist kein Verlag, sondern eine Plattform, die enge Rahmenbedingungen setzt und einem damit Entscheidungen abnimmt. Die Schrift, das Format, die Gliederung, der Buchdruck, die Erscheinung, alles ist definiert. Fotos sind beschränkt, was mir entgegenkommt, da nur wenige vorhanden sind. Die Entstehung des Buches zeigt, es war nicht das Ziel, es hat sich ergeben. Das Schreiben über meine Jugend hat mir gutgetan. Für mich bedeutet es aufräumen, sortieren, loslassen, wegwerfen.

 

Für Enkel Adrian habe ich ein Buch mit 74 Seiten zu seinen ersten Jahren sowie über seine Vorfahren erstellt. Dort hatte ich viele Optionen und war als Anfänger fast überfordert. Beim vorliegenden Buch konnte ich mich auf den Inhalt konzentrieren.

 

Zum Bild der drei Maskentragenden

2020, 7. Juli: Prof. Dr. med. Gabor Sütsch v/o Puszta setzt invasiv fünf Stents in mein verkalktes Herz. Das Bild zeigt uns vier Stunden nach dem Eingriff in der Klinik Bethanien in Zürich.

Dies ist in meinem Leben bisher der einzige bedeutende medizinische Eingriff geblieben. Vor mir war Kollege Urs Keller v/o Tirggel an der Reihe. Die Voruntersuchung fand auf Empfehlung des Kardiologen meines Neffen Christian Wild-Heuschkel, Jahrgang 1976, aus Trogen statt. Herzversagen wie bei meiner Mutter oder ihm treten familiengehäuft auf. Gemäss Bruder Tony Wild starb auch unsere Grossmutter Maria Aloisia Büchel-Metzger (1887-1955) bereits an Herzversagen. Deshalb wäre für Angehörige des Wilden-Stamms eine vorsorgliche Untersuchung ihrer Herzfunktionen angezeigt. Ohne diesen Hinweis hätte bei mir allenfalls bei einer Schneeschuhwanderung das letzte Stündlein geschlagen. Cousin Peter Büchel in Stans ist dies in seinem 62. Altersjahr so passiert.

***

7. Juli 2020, Urs Keller v/o Tirggel *1950, Kardiologe Gabor Sütsch v/o Puszta, Niklaus Wild v/o Wif *1951, drei Stunden nach meinem Eingriff bei der Arztvisite, im Zimmer vom Spital Bethanien am Zürichberg

 
Dank an meine Eltern (aus Buch) 

Das Bild zeigt Vater und Mutter am 7. Juli 1973 auf der Schwägalp unterhalb vom Säntis. Die Eltern waren 64 respektive 60 Jahre alt. Wir feierten die Hochzeit meiner Schwester Catherine mit Joe Winteler.

Vater ist fünf Monate später unerwartet gestorben.

Meinen Eltern habe ich nicht nur als achtes Kind mein Leben zu verdanken. Sie trugen dank ihrer Offenheit viel zu meinem Lebensweg bei. Sie liessen allen ihren neun Kindern bei der Berufswahl freie Hand und unterstützten sie dabei. Sie waren belesen und gebildet. Selber holten sie ihr Wissen in der Jugend ausserhalb der appenzellischen Täler, Mutter im internationalen Genf, Vater in Pullach bei München.


Vater und Mutter auf der Schwägalp. 7. Juli 1973. Hochzeit von Schwester Catherine mit Joe Winteler.

 

 

 



Anmerkungen (aus Buch)

Copyright © 2025 by

Nikolaus Ignatius Wild, Im Tiergarten 50, 8055 Zürich

Design und Satz: Edition Unik, Warnock Pro, 12 Punkte

Druck und Verarbeitung: Bookfactory Mönchaltorf,

ungestrichenes Papier (Typ Munken Pure 1.1, 120 gr/m²)

Textprüfung: Textbistro, Frau Dominique Zimmermann

Erste Auflage: 2 Exemplare Hardcover

Zweite Auflage: 20 Exemplare Hardcover

[Texte in eckigen Klammern enthalten Informationen aus der Rückschau.] Zur Strukturierung des Textes standen einzig Kapitel zur Verfügung. Pro Kapitel konnte eine Foto eingefügt werden.

Weitere Texte des Autors über sein Leben:

www.meet-my-life.net unter dem Namen des Autors


Vorlesungen, Übungen, Prüfungen
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12.1.  Studium an ETH Zürich – Vorlesungen, Übungen, Prüfungen.
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Studium an der ETH Zürich (Aus Buch)

Baustelle Parkhaus Urania in Zürich 1971

Bei meinem Wechsel vom Appenzellerland nach Zürich beabsichtigte ich, selbstbewusster und eigenständiger zu werden. Ich wollte mich dem Studium an der als streng geltenden ETH widmen. Ein Student mit Matura Typus A (Griechisch und Latein) musste auf Stolpersteine gefasst sein. Ich musste meinen Weg selber suchen, ich hatte keine Vorbilder.

Die ETH verlangte den Nachweis eines Praktikums. Das konnte ich über den Sommer 1971 bei Heinrich-Hatt-Haller (HHH) absolvieren und zuerst wohnte ich bei meiner ältesten Schwester Maria Brabetz und ihrem Mann Sergio an der Allenmoosstrasse 140. Sie hatten die 4-jährige Tochter Claudia.

Die Firma HHH hatte ihren Sitz und ihre Werkstatt an der Bühlstrasse, nicht weit von dort, wo wir seit 1989 wohnen. Heute ist der ehemalige Werkhof ein Wohngebiet an der Binzallee. Ein Herr Sachs war damals für mich zuständig. Er durfte nicht Autofahren und leistete sich immer ein Taxi für die Baustellenbesuche, was mir ziemlich luxuriös schien. Mir wurde eine interessante Baustelle zugewiesen, nämlich das Parkhaus Urania. Der auf dem Foto gut sichtbare Bunker spielte während der Jugendunruhen eine wichtige Rolle.

Ich war zurzeit der Jugendkrawalle dort und unsere Baustelle erreichte gerade das unterste Niveau des Aushubs. Vom Lindenhof war eine 30 m hohe Wand sichtbar. Eines Tages füllte sich in kurzer Zeit die ganze Baugrube mit Wasser. Dies war ein Grundbruch. Später lernte ich dieses Phänomen an den Vorlesungen kennen. Ich war einer der wenigen, der so etwas schon erlebt hatte. Es ist nicht ungefährlich. Auch die teuren Baumaschinen waren unter Wasser, das ging so schnell. Meine Haupttätigkeit war die Überwachung des Grundwasserspiegels. Rund um die Baustelle in der Altstadt von Zürich waren Piezometer gesetzt worden. Ich musste den Schachtdeckel heben und mit einem Messband und einem Blei im Rohr den Wasserpegel messen. Die Höhen führte ich in Tabellen nach. Das war wichtig für allfällige Schadenmeldungen von Hausbesitzern, wenn der Keller oder die Wand feucht wurde. So lernte ich die schönen Gassen kennen und hatte mitten in Zürich meinen Arbeitsplatz in einer Baracke. Für mich war das alles eine fremde Welt, an die ich mich langsam gewöhnen konnte.

Während ich in Zürich das Praktikum absolvierte, besuchten viele meiner Kollegen die Rekrutenschule. Als kurzsichtiger Brillenträger mit zwei Dioptrien wurde ich nicht eingezogen, sondern dem damaligen Hilfsdienst zugewiesen, aber nicht aufgeboten. Dies war für mich gut. So konnte ich mich dem Studium widmen, mich auf die Prüfungen vorbereiten und nebenbei Geld verdienen.

Vorlesungen, Übungen, Vordiplome

Zur definitiven Aufnahme an die ETH musste ich einen Kurs in Darstellender Geometrie belegen und bestehen. Am Kollegium besuchte ich dieses Fach als Freifach. Wir waren nur wenige Schüler, wahrscheinlich diejenigen, die an die ETH wollten. Die Maturanden Typus C hatten an ihren Gymnasien in diesem Fach so viele Vorlesungen wie wir in Latein. Und nun sollte ich mit dieser einen Stunde pro Woche über die Runden kommen. Ich hatte etwas den Bammel, diese Anforderung überhaupt zu erfüllen. Ein normaler Mensch geht nicht mit der A-Matura an die ETH. Im Semester fragte ich einen Kollegen mit C-Matura, was sie in diesen vielen Stunden gelernt hätten. Er zeigte mir sein Heft mit wunderschönen ausgemalten geometrischen Figuren. Sie hätten jeweils die Flächen mit Farben kennzeichnen müssen, zum Teil mit Wasserfarben und dazu Stunden lang gemalt. In meinem Freifach mussten wir auch Farben für die Ebenen vergeben, aber ein X hat genügt zum Andeuten. Daran merkte ich, dass wir uns im Kollegium auf das absolut Wesentliche konzentriert hatten. Am Schluss ist alles gut gegangen, ich habe die Prüfung bestanden und war definitiv an die ETH zugelassen. Nun begann die Arbeit.

Zu Studienbeginn waren wir viele Studenten, über 150 an der Zahl. Mit der Zeit bekam ich einen Überblick, vor allem beim gemeinsamen Lösen der Aufgabenstellungen, die Voraussetzung für das Testat waren.

Die Professoren legten ein unglaubliches Tempo vor. Ab Weihnachten mussten sogar jene von den mathematischen Gymnasien in die Übungen kommen. Der Stoff war auch für sie neu. Mit der Gemächlichkeit des Gymnasiums war es endgültig vorbei. Im Sommer stand schon das erste Vordiplom an, bei dem bis zu 30 % der Prüflinge regelrecht ausgesiebt wurden. An der ETH war es unmöglich, ewiger Student zu sein. In jedem Fach musste man Übungen abgeben und sie mit dem Assistenten besprechen. Am Schluss des Semesters war das Testat einzuholen, wozu genügend Leistung Voraussetzung war. Sowohl am Gymnasium wie auch an der ETH hatten wir am Samstagvormittag Vorlesungen. Es gab noch keine Skripte, die schriftliche Version der Vorlesung. Jeder Student machte Notizen von dem, was der Professor an die Wandtafel kritzelte oder sagte. So lernte man die Sprache des Fachgebiets oder das Herangehen an Problemlösungen. Es war nicht mehr nur eine vorgegebene Rechnung zu lösen. Vielmehr war zuerst die Formel aufzustellen oder zu merken, welcher Ansatz zur Anwendung kommen sollte.

Jeder Student hatte einen Schrank, wo wir unsere Bücher stapeln konnten und einen Platz zum Lernen im Zeichensaal. Das war unser Treffpunkt. Dort verbrachten wir die Pausen oder assen Sandwiches, studierten oder machten die Übungen. Der Tagesablauf eines ETH-Studenten ist organisiert wie der eines Arbeiters. Es war wie in der Schule.

Das erste Jahr an der ETH war gut verlaufen. Die vorlesungsfreie Zeit im Sommer 1972 nutzte ich, mich auf das 1. Vordiplom vorzubereiten. Die Prüfungen fanden verteilt auf vier Wochen im September/Oktober statt. Es galt, in der Zeit davor den ganzen Stoff anzueignen, denn während der Prüfungszeit konnte ich nur noch repetieren. Zum Glück hatte ich ein Buch mit dem Titel 'Lernen lernen' gekauft und die Ratschläge befolgt. Ausgeschlafen an die Prüfung, am Abend davor den Lernprozess abschliessen, einen Lernplan aufstellen und sich daran halten. Ich ging jeweils in die Zentralbibliothek wie ein Angestellter ins Büro und gewöhnte mich an fixe Arbeitszeiten. Im Lesesaal war es mucks-mäuschen-still. Mein Hirn wusste, jetzt ist lernen angesagt. So schaffte ich das Vordiplom, allerdings nicht mit Bestnoten: Analysis 4, Mechanik 3.25, Lineare Algebra 4.5, Geologie und Petrographie 5, Rechtslehre und Baurecht 4, d. h. im Schnitt knapp über der erforderlichen 4. Die ersten zwei Fächer zählten doppelt.

Im 3. und 4. Semester wurden die Fächer anspruchsvoller, waren aber für mich relativ weit vom Bauwesen entfernt. Die Motivation zum Studieren litt darunter. Leicht liess ich mich von Kollegen verführen und ass statt im Zeichensaal etwas im Niederdorf, z. B. in der Bodega Espanol, wo die Jasskarten den Mittag verlängerten und ich Vorlesungen 'verpasste'.

An der ETH war alles durchstrukturiert. Die Vorlesungen waren in einem Buch aufgelistet nach Fachrichtung, die unsere war II. Wir mussten noch ein frei wählbares Fach aus der Abteilung XII belegen. Das andere war vorgegeben. Auch gab es während der Woche keine Kollisionen von Vorlesungen oder Übungen. Dies hatten die ETH-Studienplaner bereits austariert.

Die Freizeit, vor allem abends, verbrachte ich bei den Kyburgern, deren Gesellschaft mir guttat. Auch an den Wochenenden besuchte ich am Samstag-Abend den Stamm. Der dauerte so 2-3 Stunden, was mir in Zürich eine Art Struktur gab.

Den Sommer 1973 verbrachte ich wiederum lernend von 8-12 und von 13.30-17.30, dann Stamm bis 22 Uhr im Restaurant Schützengarten am Bahnhofplatz 3. Neu lernte ich zusammen mit Kollegen, was mir Wissensücken aufzeigte, die es fast nicht zu schliessen gab.

An der ETH hatte ich eine Krise. Meine Vorstellung, als Ingenieur in den Alpen tätig sein zu können, war in die Ferne gerückt. Die Vorlesungen in den ersten Semestern drehten sich um Mathematik, Physik etc., aber um wenig Bautechnisches. Im 5. Semester (Herbst 1973) sagte mir ein Altherr (v/o Schmelz) der Studentenverbindung, als wir uns zufällig auf der Bahnhofbrücke begegneten: ‚Wif (mein Vulgo), ich habe das Gefühl, du willst das Studium aufgeben.‘ Er kannte mich vom Stamm her am Samstagabend im Restaurant Schützengarten beim Bahnhof. Ich verneinte. Im Innersten dachte ich: Kann der Gedanken lesen? Mit niemandem habe ich über meine Zweifel gesprochen. Ich hatte wirklich den Verleider. In den Vorlesungen waren Aufgaben nicht nur mit einem Integralzeichen, auch nicht mit zwei, sondern mit drei zu lösen. Da war für mich das Ende der Fahnenstange erreicht. Im Oktober 1973 habe ich erfahren, dass ich das zweite Vordiplom an der ETH nicht bestanden hatte. Ich war am überlegen, wie und wann ich es meinen Eltern beibringen wollte. Sie opferten sich für mich auf. Den ganzen Sommer hatte ich darauf gelernt. Nun hatte ich nur noch eine Chance. Sollte ich diese vertun, konnte ich nichts mehr an der ETH studieren.

Der sechste Dezember 1973 war die Zäsur in meinem Leben und meinem Studium. Mein Vater ist im 64. Altersjahr unerwartet gestorben. Er lebte mit meiner Mutter im Steigbach und betrieb eine Milchsammelstelle, für die er sieben Tage die Woche immer am Morgen und am Abend anwesend sein musste. Diese Präsenz musste sichergestellt werden. Jedenfalls übernahm ich einige Einsätze und vollendete formell das 5. Semester an der ETH. Mein Urlaubsgesuch wurde genehmigt. Allerdings musste ich ein ganzes Jahr aussetzen, weil die Ausbildung in Jahreskursen organisiert war.

In diesem Urlaubsjahr habe ich eine abenteuerliche Reise durch Afrika unternommen. Diese Geschichte gab den Anstoss für dieses Buch. In Afrika wurde ich meiner Privilegien bewusst und habe das Studium motiviert mit Erfolg abgeschlossen.

Unser Studium dauerte acht Semester mit Vorlesungen und Übungen, bei denen Testate vergeben wurden. Das neunte war dem Schlussdiplom und der Diplomarbeit gewidmet. Mein Studium dauerte von Mitte 1971 bis im Sommer 1977.

Im Nachhinein haben sich die Studien-Unterbrüche als wertvoll erwiesen. Später wären diese Erlebnisse nicht mehr so günstig nachzuholen gewesen. Meine Fixkosten waren gering und keine Verpflichtungen vorhanden. Nach dem Studium hatte ich bis zur Pensionierung immer nahtlos eine Anstellung.







Stadt Zürich, Baustelle Parkhaus Urania, 1971

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Arbeit in Paris



Paris, Gaz de France, Juli 1974, Lohn 34 Franc pro Tag. Zuteilung vom Studentenaustauschdienst.

Von der Afrika-Reise bin ich im Frühjahr 1976 voller Motivation nach Hause gekommen, habe das Zimmer am Hirschengraben 70 bezogen und ab dem 6. Semester jede Vorlesung besucht und die dazugehörigen Übungen selber gelöst. Dies führte dazu, dass mir auf einmal Kollegen abgeschrieben haben wie ich früher. Im Sommer bereitete ich mich ein zweites Mal auf das 2. Vordiplom vor, das ich am 30. Oktober 1975 bestanden habe mit einem nicht unbedingt berauschenden aber genügenden Durchschnitt von 4.35. Hätte ich dieses Diplom ein zweites Mal nicht bestanden, hätte ich an der ETH kein Studium mehr absolvieren können.

(Mit mir studierten zwei Söhne  eines Bauingenieurs, auf Wunsch oder Geheiss des Vaters. Einer reüssierte problemlos und übernahm später das Geschäft. Der andere hingegen bestand die ersten beiden Vordiplome das zweite Mal und dann beim Schlussdiplom scheitere er zweimal. Das hiess, er hatte acht Diplomprüfungen durchgemacht und letzen Endes kein Diplom in der Hand. Dem sagt man worst-case.) Das Studium begann mir zu gefallen, vor allem wegen Prof. Pozzi uns seinem neu gegründeten Institut für Bauplanung und Baubetrieb (IB-ETH). Das 7. und 8. Semester nahmen ihren Lauf. Eigentlich wäre im Herbst 1976 das Schlussdiplom und anschliessend die Diplomarbeit angestanden. Weil ich Indien noch nicht gesehen habe, entschied ich mich, das Schlussdiplom erst im Frühjahr 1977 zu machen, mit jenen zusammen, die es im Herbst nicht geschafft haben. Mit dem Studentenaustauschdienst ging ich nach Griechenland und anschliessend auf dem Landweg nach Indien (Siehe Kapitel über Afrika und Asien).



Prof. Pozzi, Schluss-Diplom, Assistenzjahr
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12.2.  Studium an ETH Zürich – Prof. Pozzi, Schluss-Diplom, Assistenzjahr.
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Hier ein Brief an meinen Lieblingsprofessor, der mir indirekt sehr geholfen hat. Am 21. August 2025 hat mir am Treffen in Salgesch Marco Rossi gesagt, Prof. Pozzi sehe er manchmal in Samedan. Er sei immer um 9 Uhr dort im Café Lager. 

Lieber Herr Prof. Dr. Angelo Pozzi

Nach dem humanistischen Gymnasium mit all den interessanten Facetten habe ich mich für das Bauingeneurstudium an der ETH-Zürich entschieden.

Die ersten Semester waren geprägt von Mathematik, Physik, Analysis z.B. bis zum dritten Integral. Mir kam diese Zeit an der ETH vor wie eine geistige Wüste - im Gegensatz zum eher ‚blumigen‘ Gymnasium.

Im 5. Semester hatte ich den Verleider und keine Motivation mehr, denn ich spürte nichts vom Bauen in der Natur, in den Bergen, in der Welt.

Sie waren dann mein Lichtblick, gleisten Sie doch eine neue Vertiefungsrichtung für das 6., 7. und 8. Semester auf, bei der es nicht nur um Formeln wie man die Kräfte bemass, sondern auch um Mannstunden, Geld, Zeit und Arbeitsmethoden handelte.

Ein Spruch von Ihnen ist mir in Erinnerung geblieben: ‚Wenn man sich schnell rasieren will, nützen auch drei Rasierapparate nichts, weil die Arbeitsfläche zu klein ist.‘

Ich kann mich erinnern, wie ich mir bei Ihnen früh einen Platz in dieser Vertiefungsrichtung sicherte, in der meine Neigung zum wirtschaftlichen Denken eher zum Einsatz kam. Kurz nach meiner Rückkehr von meiner Afrikareise ging ich an ihr Institut an der Fliederstrasse 23 und meldete mich an. Wir waren von den ca. 100 Studenten nur zwölf, die diese Richtung wählten. Wir mussten uns immer rechtfertigen. Wir wurden verächtlich ‚Pozzianer‘ (nach ihnen als Initianten) benannt, denn die gewählte Richtung war auch im Professorenkollegium nicht - wie meist das Neue - unumstritten.

Dank Ihnen konnte ich mein Studium motiviert zum Abschluss bringen.

Bei Diplomzusammenkünften darf ich dann von den ‚richtigen‚ Ingenieuren hören, dass ich eigentlich damals die bessere Wahl getroffen hätte und sie des öftern froh um die bei Ihnen erlernten Fähigkeiten gewesen wären.

Beim Studienabschluss 1977 herrschte nach dem zweiten Weltkrieg - eigentlich das erste Mal - eine Rezession mit Arbeitslosigkeit, unter der auch Kollegen gelitten hatten. Ich selber durfte bei Ihnen als Assistent arbeiten, was mir eine gute Grundlage für den Berufseintritt gab. Für Ihre Gespür für die neue Studienrichtung, der ich dann eifrig folgte und für die Möglichkeit, am Institut zu arbeiten, danke ich Ihnen im Nachhinein ganz herzlich.

Nach meinem Einsatz bei der Spezialtiefbauunternehmung Swissboring wechselte ich zur Elektrowatt, eigentlich immer mit der Absicht, im Ausland arbeiten zu können. Sie haben mir später eine Tätigkeit auf der damaligen Grossbaustelle der Kläranlage Werdhölzli im Westen der Stadt Zürich vermittelt, wo ich das Rüstzeug für komplexe Projektleitungen erlernen konnte, das mich befähigte, die späteren Führungspositionen im Immobilienbereich bei den SBB, dem Flughafen oder dem Kanton Basel-Stadt zu übernehmen.

Sie haben mir drei Mal im Leben einen guten ‚Schupf‘ gegeben, wofür ich Ihnen dankbar bin.

Mit lieben Grüssen 

Niklaus Wild

Zürich, 8. Januar 2023


Am 5. Juli 1977 wurde mir das Diplom als Bauingenieur ETH erteilt, übrigens mit einer für mich fast nicht vorstellbaren Durchschnittsnote von 5.6. Meiner Afrika-Reise sei Dank. Im Innersten von Afrika habe ich mir vorgenommen, das Studium mit dem Diplom abzuschliessen. In der Diplomarbeit behandelte ich das Problem der Anwendbarkeit eines am Institut entwickelten Planungs- und Budgetierungssystems für Grossbaustellen. Das Studium an der ETH galt schon damals als verschult. An der Universität wählte der Student vielfach seine Fächer aus und studierte solange bis er die erforderlichen Unterlagen für das Lizenziat hatte.


ETH-Diplom, Bescheinigung für Niklaus Wild, 5. Juli 1977



Assistent an der ETH (1. August 1977 bis 31. Juli 1978)
Übergang vom Studium ins Berufsleben, Stellensuche
Märklin Eisenbahn

Mit Primarschule, Gymnasium und ETH hatte ich so an die 20 Jahre Ausbildung hinter mir. All das Wissen wollte ich einsetzen, aber wo und wie. Ich hatte alle Freiheiten und viele Optionen.
Mein geradliniges Leben hat 1973 mit dem unerwarteten Tod meines Vaters eine erste Delle oder Schlag erhalten. 1973 löste der Krieg zwischen und arabischen Ländern den Öl-Schock aus, der die Leute in unseren Breitengraden aus der Komfortzone holte. 1977 war für Bauingenieure kein gutes Jahr. Vorher machte der Spruch die Runde, als Bauingenieur benötigst du zur Gründung eines Büros einen (Küchen-) Tisch, ein Blatt Papier und einen Bleistift. Die Aufträge kommen von selber. Im Jahre 1977 war dem nicht so. Die Stellensuche gestaltete sich schwierig. Etliche Kollegen fanden keine adäquate Stelle. Einige arbeiteten gratis, wieder andere starteten in anderen Branchen wie der damals aufkommenden IT (Informationstechnologie). Ich hatte das Glück, dass mich Prof. Pozzi schon früh angefragt hatte, ob ich bei ihm als Assistent arbeiten möchte. Mein ‚Ja‘ war selbstverständlich. Dies erlaubte mir, mich voll auf das Diplom und die acht-wöchige Diplomarbeit im ersten Halbjahr 1977 zu konzentrieren ohne den ‚Frust‘ der Absagen zu haben.
Im Hönggerberg (ETH-HIL-Gebäude) bildeten Max Schneider, Stahlbauersohn aus Jona und Kaspar Fierz als unser Oberassistent ein Team, ich als Teil genau ein Jahr (zwei Semester) lang vom 1. August 1977 bis 31. Juli 1978. Wir waren in der Lehre (Vorlesungen, Übungen) tätig und an Forschungsarbeiten beteiligt. Es war meine erste feste Anstellung mit Lohn, AHV-Abzug, Pensionskasse, etc. Eine der Sekretärinnen von Prof. Pozzi war Ursula Bollhalder, die Frau von Urs Bollhalder, mit dem ich all die Jahre Kontakt pflegte. Mit ihm zusammen waren wir die ersten Vertreter der Jungen im SIA-Vorstand. Mit dem ersten Lohn kaufte ich mir eine Märklin-Lok RE 4/4 sowie einige Personen- und Güterwagen wie auch Gleise. Im Zimmer im Hirschengraben 70 stellte ich ‚meine‘ lang erträumte Eisenbahnanlage auf, auf einer Holzplatte, die auf Holzblöcken lag. Dort spielte ich vergnügt. Mein Bürokollege Max war aus begütertem Hause und brachte einmal einen Aktenkoffer mit und drin war eine Bahnanlage mit Mini-Spur. Er fuhr auch schon damals ein Auto mit Automatikgetriebe und Tempomat entlang der Route 66 in Amerika von Calgary her, alles für mich unbekannte und meiner Meinung nach unerreichbare Ziele. Er war einer der Mitstudenten, die 1975 glücklich waren über den Umzug der Abteilung II Bauingenieurwesen vom ETH-Zentrum auf den Hönggerberg, weil er dort sein Auto problemlos abstellen konnte. Er reiste von Jona an. Der Traum einer Märklin-Eisenbahn war in mir verankert wie etwa Indien als meine Traumdestination. Träume sind da, um wahr zu werden.
Zu meiner Zeit wurden die Mediziner bewundert wegen ihres langen Studiums. Vom Stammleben der Kyburger wusste ich aber, dass ein Studium an der ETH fast noch intensiver war. Ich gab jeweils zum Besten, dass ein Mediziner in weniger Zeit seinen Doktortitel erreicht als ein biederer Ingenieur.
Zu jener Zeit studierte mein bester Kollege aus der Gymnasialzeit, Aldo Traxler (*27. Mai 1951) Medizin an der UNI. Er nahm mich mit, als er bei seinem Professor das Thema für seine Doktorarbeit in Empfang nahm. Er musste ca. zwei Dutzend Krankheitsfälle darstellen und statistisch etwas nachweisen. Der Professor sagte, mit zwei Wochen Arbeit sei es zu schaffen. Nach dem Lizenziat hätte er gleich den Doktortitel erhalten. Aldo ereilte dann während seines Studienabschlusses ein tragisches Schicksal: Bei ihm wurde eine Schizophrenie festgestellt. Seit jener Zeit verbringt er sein Leben in geschlossenen Anstalten in Embrach, an der PUK, in kleineren Institutionen und im Alter in der Klinik bei der Insel Rheinau. Die Musik hat ihn vielfach gerettet. Er wünscht keine Besuche. Anfänglich habe ich ihn besucht mit Unterstützung meiner Frau Veronika, die in der Psychiatrie arbeitete und den Umgang mit diesen Patienten kannte.
Hätte ich doktoriert, so wäre ich über mehrere Jahre beschäftigt gewesen an der ETH mit reduziertem Lohn eines Assistenten. Ich habe Kollegen erlebt, die nach fünf Jahren Forschung den Titel nicht bekommen haben. Der Erfolg war also nicht garantiert. Als mein Professor sagte, ein Doktorat enge das Berufsspektrum ein, entschied ich mich für die Praxis und nicht für eine akademische Laufbahn.

Mitstudenten, Diplomtreffen
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12.3.  Studium an ETH Zürich – Mitstudenten, Diplomtreffen.
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Weil ich das Studium nach dem Tod meines Vaters unterbrochen hatte und vor dem Schlussdiplom noch ein halbes Jahr nach Asien reiste, habe ich mit mehr als einem Studentenjahrgang Kontakt. Jene Mitstudenten, mit denen ich die ersten fünf Semester absolvierte, machten 1975 das Diplom.

16. September 1995: 20-jähriges ETH-Diplomtreffen im Wallis. Vordere Reihe: Koni Moser, Urs Bollhalder, Max Klingler, Fredy Häfliger, Corrado Peter. Im Hintergrund lachend Röbi Arnold und von hinten Andreas Zachmann.

 

Urs Bollhalder von Zollikon trafen wir früher an der Zolliker Chilbi und in den letzten Jahren treffen wir uns zu einem Glas Wein. Mit ihm hatte ich über die Jahre immer wieder Kontakt. Nach dem Studium waren wir beim SIA-Zürich die ersten zwei Vertreter der Jungen. Seine Frau hiess Ursula. Neben ihm kannte ich noch zwei weitere Ehepaare mit der Kombination Urs und Ursula, nämlich Urs Meier (Planpartner) und Urs Keller (Kyburger v/o Tirggel). Als AHV-Bezüger habe ich ihm wichtige Inputs gegeben für die ihm übertragene Arealentwicklung in Brugg/Windisch. Er hat sein Haus in Zollikon so umgebaut, dass seine beiden Söhne mit ihren Familien dort wohnen können. Er hat sich bei einem Verwandten in der Nähe eingemietet. Er hat unterdessen drei Enkelinnen. Seit 2017 studiert er an der UNI Applied Histories und ist 2025 an der Masterarbeit über langjährige Arbeitgeberin Kabelwerke Brugg.
Mit ihm zusammen war ich Assistent bei Prof. Pozzi. Als Assistenten durften wir bei den Lebensmittelingenieuren die Weinbauvorlesung besuchen, die je aus Vorlesungen und Exkursionen bestand.

Mit Bruno de Vries hatte ich guten Kontakt. Er ist im Jahre 2019 unverhofft nach einer Reise mit seinen Tenniskollegen nach Südamerika gestorben.

Materne Guth sahen wir vielfach in der Stadt beim Einkaufen. Er besuchte viele Jahre seinen dementen Vater im Heim, von dem er zuletzt nicht mehr erkannt wurde. Er durfte dann ca. 2015 sterben.

Hansjörg Epple holte ich am Flughafen zur professionellen Begleitung beim Ersatz des berühmten Pirellibodens, den wir zu meiner Zeit ersetzt haben mit einem Steinbelag. 

Mit Marco Piatti, Rodolfo Lardi und Max Rudin hatte ich in meiner Zeit in Basel beruflichen Kontakt. Als ich Leiter der Immobilien beim Kanton war, leitete Marco Piatti das Tiefbauamt, Rodolfo war sein Stellvertreter und Max ein Mitarbeiter. Max Rudin erzählte am 21. August 2025 in Salgesch seinen Abgang und jenen von Marco Piatti beim Tiefbauamt. 

Marco Piatti zieht sich zurück, nachdem ein Sohn ca. 2023 mit dem Velo unverschuldet verunglückt ist und invalid ist.

Theo Weber war im SIA-Vorstand der Sektion Zürich, wie ich früher. Er ist ca. 2024 gestorben.

Heinz Marti war GL bei der TBF, nebenbei spielt er Jazz in einer ehemaligen kleinen Fabrik im Seefeld. Er projektierte seinerzeit die SZU-Station vor unserer Wohnung, die ich 1990 mit Einsprachen verhindert habe.

Markus Hool war nach Firmenübergabe bis zur Pensionierung Gemeindepräsident von Kriens.

Albert Böni hatte beim Bahnhof Aarau einige Zeit die Koordination inne. Später hat er zehn Jahre bei Hilti gearbeitet.

Mit Andreas Zachmann hatte ich in Basel beruflich zu tun. Im Paul Klee Museum hat er mit erzählt, wie er bei der geplanten Brücke in Basel, die eigentlich unser Kollege Santiago Calatrava hätte bauen können, als Berater des Regierungsrates involviert war. Er hätte die Oberbauleitung erhalten. Calatrava hätte es letztlich selber verbockt.

Nicolas Zingg war 18 Jahre im Ausland tätig im Auftrag des DEZA. Unter anderem hat er meinen Bruder einmal in Mahenge in Tanzania getroffen an einem Anlass. Die Ähnlichkeit mit mir habe ihn auf ihn aufmerksam werden lassen.

Marco Rossi war 2025 das erste Mal dabei. Er war nie auf der Liste. Auch er war im diplomatischen Dienst, nachdem er als Assistent bei Prof. Thürlemann gearbeitet hat. Er sieht Professor Pozzi manchmal in Samedan.

Edoardo Frei hat lange bei den SBB gearbeitet. Er ist Mitglied der Semper Fidelis.


Weitere Mitstudenten vom Diplomjahrgang 1975 sind:  Stefan Berchtold vom Wallis, Hans Bodenmann, Walter Bolzli, Albert Böni, René Bregenzer, Heinz Dicht, Hansjörg Epple, Markus Fahrni, Walter Fellmann, Edoardo Frei, Luzi Gruber, Materne Guth, Rudolf Heim, Arnold Hinteregger, Armin Huber, Paul Hugentobler, Willi Immer, Hugo Inglin, Max Keller, Max Klingler, Alex Kreuzer, Luciano Lardi, Rodolfo Lardi, Patrick Lindt, Josef Mannhart, Heinz Marti, Gérard Mohler, Konrad Moser, Markus Muheim, Ulrich Nydegger, Andreas Peter, Marco Piatti, Max Rudin, Andres Rürfenacht, Heinz Schmid, Max Schneider, Christian Scholer, Peter Schürmann, Beat Sigrist, Urlich Spring, Felix Steiger, Andrea Vital, Erich von Kännel, Theo Weber, Dieter Willi, Andreas Zachmann.

Vom Diplomjahrgang 1976 und 1977 kenne ich einige, mit denen ich die letzten drei Semester bewältigte. Damals gab ich mich mehr ein ins Studium. Ich lernte auch viel öfters mit anderen zusammen oder wir fragten uns ab. Es war ein intensiver Austausch.

Robert Rähm heiratete Monique Schaller, die wir bis zu ihrem Tod am 7. Dezember 2023 begleiteten. Er starb im Militärdienst am 1. November 1993, sein Sohn war damals einige Monate alt. Mit ihm und Max Winkler arbeitete ich zur gleichen Zeit bei Swissboring und Solexperts in Volketswil. Carlo Galmarini treffe ich bei den Kyburgern, beruflich hatte ich zu tun mit ihm bei der Überbauung Röntgenareal der SBB in den 80-er Jahren und dann wieder bei der statisch anspruchsvollen Markthalle Basel in meiner Basler-Zeit als Leiter der Immobilien 2003/04.

Weitere Mitstudenten vom Dipomjahrgang 1976/77 sind Urs Kenel, Cleto Muttoni vom Tessin, Richard Attinger, André Bachmann, Stefan Ballmer, Max Bosshard, Hanspeter Brasser, Hubert Breitenmoser (kurze Zeit Vermieter der Wohnung meiner Tochter Milena in Knonau), Philippe Capeder, Heinz Dudli, Rudolf Fürst, Carlo Galmarini (Kyburger, Kollegium Appenzell), Marcel Giger (SBB Kreisdirektion III), Willi Hager, Thomas Huonder (Kyburger Verkehrsgast), Max Keller, Felix Koessler, Urs Kost, Erwin Kummer, Patrick Lindt, Jürg Matter, Alfred Müller, Christoph Munz, Heinz Naef, Toni Negri, Gerhard Schärer, Roger Siegrist, Josef Steiger, Xavier Studerus, Richard Weber (Dr. Von Moos AG), Elmar Weilenmann, Hans Peter Willi, Max Winkler, Armin Ziegler, Peter Zumbühl, Hans-Peter Frei, Rudolf Heim.

Xavier Studerus hat auf der Plattform d76.planet-switzerland.ch unsere Treffen dokumentiert
6. Diplomtreffen 2026 50-Jahr-Jubiläum (10. September 2026 Wasserversorgung Zürich Hardhof 9)
5. Diplomtreffen 2022 (7. September 2022 St. Gallen / Neubau OLMA-Halle 1)
4. Diplomtreffen 2015 (9. Mai 2015 Bad Ragaz / Brücke Pfäfers-Valens)
3. Diplomtreffen 2010 (13. März 2010 Zürich / Prime Tower)
2. Diplomtreffen 2005 (19. November 2010 Bern Brünnen)
1. Diplomtreffen 2001 (03. November 2001 Zürich / Verkehrsdreieck in der Allmend Brunau)

Von diesen habe ich mit einigen heute noch losen Kontakt. So alle fünf Jahre gab es ein Diplomtreffen, an denen ich aber während der Familienzeit nicht immer teilgenommen habe.

20 Jahre Bauingenieur ETH (Diplom 1975)
2 Tage im Wallis im Jahre 1995

Am 16./17. September 1995 waren wir zwei Tage im Wallis, von Stefan Bechthold organisiert, unterstützt von Ueli Nydegger und Alex Kreuzer. Die Foto wurde vor dem Weinbaumuseum in Salgesch aufgenommen. Damals genossen wir die Wein-Degustation bei André Mathieu. Am Abend hatten wir ein Raclette-Essen in Stalden im Hotel Ackersand, wo wir auch übernachtet haben. Am Sonntag fuhren wir hinauf auf den Alalin-Gletscher und besuchten den Eispavillon. Das Mittagessen hatten wir im Drehrestaurant auf 3450 m ü. M. Für die Veranstaltung bezahlte jeder Fr. 350.- Ueli Nydegger ein.





20 Jahre ETH-Diplom Jahrgang 1975/76. Kollege Stefan Berchtold hat Jubiläumstreffen organisiert in seinem Heimatkanton am 16. und 17. September 1995

 

 

Oberste sieben: Walter Fellmann, Gerard Mohler, Heinz Schmid, .., Luzi Gruber (gestreiftes Gilet), Ruedi Arnold, Corrado Peter

Vierergruppe links daneben: Konrad Moser, Jürg Schaffner, Kurt Wiederkehr, ..

Hinterste Reihe der vorderen Gruppe: Heinz Marti, Ueli Reber, Edoardo Frei, Andreas Rüfenacht

Mittlere Reihe der vorderen Gruppe: Peter Schürmann, Max Klingler, Markus Fahrni, Rodolfo Lardi, Andreas Zachmann, Markus Hool, Andy Vital, Ueli Nydegger, Jakob Obrecht

Vordere Reihe, vorne am Randstein: Robert Arnold, Alex Kreuzer, Albert Böni, Ernst Fuchs, Marco Piatti, Ueli Spring, Niklaus Wild, Max Rudin, Materne Guth, Pierre Gilliot, Urs Bollhalder, Corrado Peter 


30 Jahre später versuchte ich, den Gesichtern Namen zu geben, bei zwei Kollegen gelang es mir auch mit Hilfe von anderen nicht. Das kommt daher, dass wir als Kommilitonen immer in unserer 'Blase' verkehrten. Wir waren 42 Teilnehmende am Jubiläumsausflug 16. / 17. September 1995 im Wallis, 20 Jahre ETH-Ingenieur.  
Der Diplomjahrgang 1975 hatte Studienbeginn 1971. Da war ich dabei, habe das Diplom aber erst am 5. Juli 1977 erhalten.

36 Teilnehmende sind auf der Foto. Von den sechs Kollegen, die nicht auf Foto sind, habe ich im Jahre 2024 drei bezeichnen können: Felix Steiger, Stefan Berchtold, Ruedi Heim. Zusätzlich kann ich folgende Namen nicht zuordnen: Othmar Baumann, Hans Rudolf Frei, Fredy Häfliger, Gion Sonder, Felix Steiger, Rainer Wirth. 

Namenliste der am 16. und 17. September 1975 anwesenden ETH-Kollegen, mit denen ich die ersten 5 Semester absolviert habe.



16. September 1995: Organisiert hatte das rundum gelungene Jubiläumstreffen Stefan Berchtold. Von links: Heinz Marti, Peter Corrado, Stefan Berchtold.




D76/77: Urs Kost zeigte uns als Kantonsingenieur St. Gallen am 9. Mai 2015 die Brücke während der Bauzeit bei Vättis Richtung Valens. Er ist am 13. Januar 1951 in St. Gallen geboren mit Heimatort Buchrain (LU). Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und vier Enkelkinder. Eine Tochter wohnt mit zwei Kindern in Sydney. Urs Kost und Frau bereisten jenen Kontinent mit Motorhome. Er war seit 2000 Kantonsingenieur Kanton SG mit 340 Mitarbeitenden. Im Quartier St. Otmar spielte er zeitweise in der 1. Mannschaft Handball unter Coach Kurt Furgler. Auf die Pension hin kaufte er eine Wohnung im Gebiet Steinwichseln in Niederteufen (Dort hatte Tante Berta Tanner-Wild grösseren Besitz, nachdem ihr Mann kurz nach der Heirat gestorben ist. Nach dem Studium wohnte er in Zürich-Höngg, später im Riethüsli St. Gallen.

2015 organisierte Ueli Nydegger zusammen mit unserer einzigen Studentin Hortensia von Roten eine Besichtigung des Landesmuseums (Diplom 75/76).

Am 7. September 2022 zeigte uns (Diplom 76/77) Alfred Müller als VR-Präsident der Firma Stutz AG die baustatisch anspruchsvolle OLMA-Halle über der Autobahn in St. Gallen.



D75/76: Ueli Nydegger lud einmal nach Biel ein zu der Drei-Seen-Fahrt. Dort traf ich auf dem Schiff den Verwaltungsrat des EW Urnäsch, wo der spätere Regierungsrat Dölf Biasotto (auch Bauingenieur) und seine Frau dabei waren.  Das könnte im Jahre 2018 gewesen sein. Dieses Treffen hat mich damals Fr. 160.- gekostet mit Hin- und Rückreise im Speisewagen u.a. mit Max Schneider.

Oder einmal hat Carlo Galmarini mit seiner Walt Galmarini AG in Arosa seine Baustelle der Gemeinde Arosa gezeigt mit Parkhaus und weiteren Nutzungen.

D75/76: Am 11. Juni 2024 organisierte Ueli Nydegger eine Besichtigung im Klee Museum mit Führung zum Bau und zu den Bildern. Dort habe ich erfahren, dass der Architekt Renzo Piano die Gebäude nicht nur in Wellenform, sondern in Kreisform angeordnet hat. Der Mittelpunkt ist in der Stadt Bern.

50 Jahre Bauingenieur ETH für Diplom 75/76
Zwei Tage im Wallis, am 21. und 22. August 2025
in Salgesch und Brig

Koni Moser und Ueli Nydegger machten den Vorschlag und organisierten für uns eine Weindegustation beim Bio-Weinbauer im Cave du Rhodan in Salgesch kombiniert mit einem Rebenspaziergang bei passendem Wetter. Anschliessend hatten wir dort ein Raclette-Essen. Wir degustierten zehn der 22 Weine im Angebot. Auf dem Spaziergang sagte mir Stefan Berchtold, vor diesem Haus hätten wir vor 30 Jahren die Gruppenfoto gemacht – es war das Weinbaumuseum.

Übernachtet hat jeder individuell, ich mit anderen im Hotel Victoria beim Bahnhof Brig, denn anderntags hatten wir eine Führung im UNESCO World Nature Forum in Naters, gleich hinter dem Bahnhof Brig.

Zum Abschluss assen wir zu Mittag im Restaurant Wallisersstuba an der Bahnhofstrasse in Brig. Dort sind die zwei Fotos entstanden, auf denen 27 Kollegen abgebildet sind. Am Samstag im Weinkeller waren 38 unserer Kollegen anwesend, 20 weitere haben sich abgemeldet. Ernst Fuchs war angemeldet, ist aber zwei Wochen vor dem Anlass beim Gleitschirmfliegen in der Nähe tödlich verunglückt. 

Mir ist aufgefallen, dass die Gespräche und Tischgruppen eigentlich mehr oder weniger in den gleichen Gruppen stattfinden wie seinerzeit die Zusammenarbeit an der ETH im Zeichensaal bei den Übungen. Es war ein gemütliches und ruhiges Treffen mit genügend Gesprächsmöglichkeiten. Mehrheitlich wurde mit der Bahn gereist. Ich jedenfalls war von Zürich bis Brig mehrheitlich im Speisewagen. 

Beim Mittagessen regte ich eine Art Gruppenfoto an, je von einer Seite im Restaurant. Die Namen gebe ich an jeweils von links nach rechts und von vorne nach hinten.

Am 22. August 2025 im Restaurant Walliserstuba in Brig. 50 Jahre Bauingenieur ETH (Diplom 1975/76): Diese sassen gegenüber meiner Reihe: Eduardo Frei, Walter Fellmann, Albert Böni, Markus Hool, Stefan Berchtold

1. Reihe: Eduardo Frei, Walter Fellmann, Albert Böni, Markus Hool, Stefan Berchtold.
2. Reihe: Moreno Giudicetti, ....., Gion Sonder, Peter Stocker, Luzi Gruber.
3. Reihe: Max Klingler, ...., Koni Moser, Max Rudin.


22. Juni 2025 in Brig.
Niklaus Wild hinten links neben Urs Bollhalter

1. Reihe: Heinz Marti, Andreas Sachmann, Nicolas Zingg, Materne Guth.
2. Reihe: Ueli Nydegger, Alex Kreuzer, Jakob Obrecht, ...., Urs Egloff.
3. Reihe: Niklaus Wild, Urs Bollhalder, Gerard Mohler (stehend), René Bregenzer.

Hier führe ich die Namen der 38 am Samstag im Cave anwesenden an:

Hier führe ich die 58 Kollegen auf. Hervorgehobene Personen waren am ersten Tag in Salgesch dabei, unterstrichene sind auf den drei Fotos ersichtlich.

Arnold Robert, Berchtold Stefan, Berger Joseph, Bleile Urs, Bodenmann Hans, Bollhalder Urs, Bolzli Walter, Böni Albert, Bösiger Mark, Bregenzer René, Brönnimann Heinz, Brumann Othmar, Egloff Urs, Fellmann Walter, Frei Hansruedi, Frei-Rossi Edoardo, Fuchs Ernst, Ghielmetti Marco, Giudicetti Moreno, Gruber Luzi, Guth Materne, Häfliger Fredy, Hinteregger Arnold, Hool Markus, Huber Armin, Huber Christian Ary, Hugentobler Paul, Hunziker Rolf, Klingler Max, Knabenhans Walter, Kreuzer Alex, Kuster Ludwig, Lindt Patrick, Marti Heinz, Mohler Gérard, Moser Konrad, Nydegger Ueli, Obrecht Jakob, Peter Andreas, Peter Corrado, Reber Ueli, Rinderknecht Werner, Rossi Marco, Rudin Max, Schaffner Juerg, Schmid Heinz, Schneider Max, Sonder Gion, Stähli Hanspeter, Stocker Peter, Vital Andrea, von Roten Hortensia, Wälti Andreas, Wiederkehr Kurt, Wild Niklaus, Wirth Rainer, Zachmann Andreas, Zingg Nicolas



Im Uhrzeigersinn, Kollegen an meinem Tisch am 21. August 2025 in Salgesch: Heinz Brönnimann, Alex Kreuzer, Urs Bollhalder, Stefan Berchtold, Moreno Giudicetti, Peter Stocker, Marco Rossi, Max Rudin. 

 

Gelernt habe ich am Treffen: Auf im iPhone gibt es eine App RPN CALCULATOR, die Rechner wie früher der HP Rechner darstellt und auch so rechnet. Diese Rechner hätten wir als Studenten damals für ca. Fr. 2000.- kaufen können.

Der zwei-tägige Anlass hat mich insgesamt Fr. 420.- gekostet. 

Im Jahr 2024 wurde das Dorf Blatten von einem Felssturz verschüttet. Mit den Walliser-Kollegen haben wir uns ausgetauscht. Wir haben unserem Erstaunen Ausdruck gegeben, dass so kurz vorher konsequent evakuiert worden ist. Wir mussten erfahren, dass ein erfahrener Geologe dies durchgesetzt und der Krisenstab nachher die Führung übernommen hat. Am 10. September 2026 hat mir Kollege Hanspeter Willi (lange Leiter des BAFU) erklärt, wie wichtig eine eingespielte Notfall-Organisation ist. Er selber hatte solche Organisationen geleitete oder aufgebaut. 

Etwas weiteres war auch interessant: Nachdem die Weinproduktion im Wallis in Verruf geraten war, wird vom Kanton vorgegeben und kontrolliert, wieviel auf einer Parzelle geerntet werden dar. Das sichert die Qualität. 
Cave Rhodan hat selber 10 ha und 5 ha zugemietet. René Mathier war der erste Weinbauer auf Bio-Basis. 2025 hat es 6 zertifizierte Bio-Betriebe in Salgesch. Heute 10 % Bio-Anbau im Wallis. Zuckergehalt (Öchsli-Grade) ist wichtig, bildet er doch die Basis für die Bezahlung. Dies wird gesteuert mit der Entfernung der Blätter. Salgesch war früher die Rotwein-Metropole, heute 40 % Weiss- und 60%-Rotwein. Cave Rhodan füllt bewusst selber ab, damit keine terminlichen Abhängigkeiten entstehen. Jede Flasche wird gewaschen und mit Stickstoff gefüllt, dies führt zu weniger Oxidation. Kronenverschlüsse sind dem Korkverschluss ebenbürtig. Schweizer wollen Kork, Mehrkosten 50 Rappen pro Kork gegenüber 2 Rp für Krone. Das Barrique-Eichenfass wird in Frankreich für Fr. 900.- gekauft und nach 4 Jahren Gebrauch für Fr. 150.- an Kunden verkauft. Mehltau ist das grosse Thema. Frankreich und Spanien drängt in die Gastronomie in der Schweiz. Die Österreicher erhalten für verkauften Wein ausserhalb der EU (also in der Schweiz) Subventionen. Das Marketing verschlingt ca. 30 % des Ertrages. Sie pflegen ihre Kunden, arbeiten nicht mit Grossverteilern zusammen.




Treffen Diplomjahrgang 1976/77 im September 2026: Kaum zu Hause angekommen, kamen schon die Vorab-Information und Kontrolle der Adressliste für einen Anlass im nächsten Jahr. Ich freue mich schon. Richard Weber organisiert den Anlass.
Am 12. Dezember 2025 sass ich im Alten Krematorium neben ihn bei der Abdankung von Andres Wildhaber, unserem Nachbarn seit Einzug in den Tiergarten. Richi Weber arbeitete mit ihm bei Dr. Von Moos AG, einem Geologie-Büro. 

Marcel Giger erzählte mir im November 2025, dass er gerade die Dissertation dem Professor abgegeben habe. Er hat als Pensionierter das Jus-Studium absolviert mit Doktorarbeit. Er habe sich bei den SBB vielfach mit Verträgen auseinandersetzen müssen und Freude daran bekommen. Von Steffi ist er sich so um 2010 einvernehmlich geschieden und hat ihr die Wohnung in Witikon überlassen. Er lebt in der Stadt, geht oft nach Biel Enkel hüten und steht dafür um 4 Uhr auf, damit er rechtzeitig dort ist.
 




Finanzierung des Studiums
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12.4.  Studium an ETH Zürich – Finanzierung des Studiums.
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Finanzierung des Studiums

Als Primarschüler habe ich den Nachbarn vom Dorf Sachen nach Hause gebracht und etwas Sackgeld bekommen. Ebenso beim Verteilung der Zeitschrift 'Der Sonntag'. Als Gymnasiast arbeitete ich im Sommer bei meiner Tante Martha Bischofberger im Lebensmittelladen Concordia und mein Onkel Emil Bischofberger bezahlte mir dafür die Klavierstunden. Im Gymnasium kaufte ich ausscheidenden Studenten ihre Schulbücher ab resp. übernahm sie und verkaufte sie den Neulingen wieder. Später arbeitete ich im Sommer als Briefträger in meinem Geburtsort Bühler und konnte die anderen drei festangestellten Briefträger ablösen. Das war eine schöne Tätigkeit.

In Zürich als Student an der ETH war ich auf Nebenverdienste angewiesen. Der Vater bezahlte mir monatlich einen festgelegten Betrag, ich erinnere mich an Fr. 400.-. Den Rest musste ich selber erarbeiten. Zu jener Zeit, z.B. im Jahre 1975 betrug die maximale AHV-Rente für eine Einzelperson Fr. 1000.-, was in etwa meinem monatlichen Bedarf entsprochen hat.

Als Student fand ich ein Zimmer an der Geranienstrasse 8 im Seefeld. Vom Treppenhaus hatte ich eine direkte Türe in mein Zimmer und am Morgen ein Zeitfenster von 15 Minuten zum Duschen bei der Vermieterin in der Wohnung. Die Vermieterin machte mein Zimmer in meiner Abwesenheit. Damals hatte ich die NZZ abonniert, es gab drei Ausgaben pro Tag, zugestellt in den Briefkasten.

In jener Zeit gab es eine Firma Holiday Magic, die nach dem System von Tupperware Kosmetika verkaufte und grossen Reichtum versprach. Ich fiel auf diese Schallmeienklänge hinein und kaufte mir ein Lager von Kosmetika. Ich habe auch Verkaufsevents organisiert, Leute eingeladen, die mir Mascara Roll-ons, Handcrèmes oder Lippenstifte abkauften. Bald merkte ich, dass ich für einen einzigen Verkauften Lippenstift selber zwölf kaufen musste und natürlich keine Garantie hatte, dass ich die anderen elf auch verkaufen konnte. Mit der Zeit hatte ich ein grosses Lager bei mir im kleinen Zimmer. Ich war wirklich nicht der begnadete Kosmetik-Verkäufer. Das Studium im zweiten Semester begann zu leiden. Nachdem ich das System durchschaut hatte, einige wurden ziemlich reich, aber ganz sicher nicht die Endverkäufer, fand ich einen noch begeisterten und gutgläubigen Teilnehmer in Talwil, der mir das ganze Lager gegen Bezahlung abgenommen hatte. Ich bin mit einem blauen Auge davon gekommen, ohne finanziellen Verlust, aber um eine Lebenserfahrung reicher. Allerdings habe ich dann später festgestellt, dass mir die AHV-Beiträge des Arbeitgebers auf meinem AHV-Konto nicht gutgeschrieben worden sind. In der Euphorie habe ich meinen Bruder Tony Wild (*1946) und seinen Freund Bernhard Fürer (von Schreinerei Bühler) hineingezogen, was mir später nicht recht war. Aber immerhin, Bernhard Fürer hat auch seine Bekannten als Kundinnen aktiviert und so seine Frau gefunden, was mich natürlich freute.

Der Vermieterin gefiel mein Kosmetikhandel gar nicht, sah sie doch die Kisten in meinem Zimmer, wenn sie es reinigte. Das war für meine damaligen Verhältnisse etwas zu viel Einmischung. Ich suchte ein unabhängiges Zimmer, dass ich zu hinderst an der Clausiusstrasse gefunden habe. Gegenüber war gerade das neu erstellte Rechenzentrum der ETH. Zum Rechnen musste man Formeln auf Lochkarten stanzen und diese in der richtigen Reihenfolge dem Computer füttern und dann kam ein grosses Blatt Papier mit der Lösung heraus. Es war eine sinnvolle Übung im logischen Denken. Während des Tages gab es lange Schlangen, aber am Abend konnte ich es eingeben und sofort korrigieren, es war fast niemand da. Das nutzte ich aus und lernte so die damals bekannte Programmiersprache FORTRAN, wie auch das von ETH-Professor Niklaus Wirth erfundene PASCAL. Heute kann jedes Smartphone mehr als jenes 30 Millionen teure Rechenzentrum. Aber für uns war es damals ein Fortschritt.

Die neue Vermieterin vermietete das ganze Gebäude, d.h. die einzelnen Zimmer an Studenten. Sie schrieb immer Post-it-Zettel, wenn man die Milch auf den Fenstersims gestellt oder im Zimmer nasse Wäsche aufgehängt oder in der Gemeinschaftsküche etwas liegen gelassen hatte. Sie hörte anscheinend einmal von mir so eine appenzellisch gewürzte Bemerkung, was dann für mich die Kündigung des schönen und gut gelegenen Zimmers bedeutete. Nachher fand ich ein Mansardenzimmer in der Nähe von der Kaserne, in dem es unglaublich heiss wurde, fast nicht zum aushalten. Das war meine schlimmste Zeit in Zürich in diesem Zimmer.

Im ersten Semester widmete ich mich intensiv dem Studium, wollte ich doch den Anschluss nicht verpassen. Ich habe mir zur Gewohnheit gemacht jeden Monat einmal nach Hause zu gehen vom Samstag auf den Sonntag. An den anderen Wochenenden lernte ich Zürich kennen, machte Spaziergänge oder ruhte einfach aus. Geld hatte ich wohl zum Studieren, aber nicht für Vergnügen oder Zugfahrten. Mit dem Vater habe ich abgemacht, dass er mir jeden Monat den gleichen Betrag zukommen lässt auf mein Postscheckkonto, für den Rest musste ich selber schauen, denn der Betrag vom Vater deckte den Studienaufwand nicht ganz. Meiner Erinnerung nach waren es Fr. 400.-.

Über die Temporärarbeitsvermittlungsfirma MANPOWER arbeitet ich 1972 bei einer Firma Rediffusion in der roten Fabrik in Wollishofen. Dieser Gebäudekomplex wurde später von der Stadt erworben und im Rahmen der Jugendunruhen zu einem Kulturzentrum umfunktioniert, das es heute noch ist. Wenn ich vorbeifahre, schaue ich zum Fenster hinauf, hinter dem ich Büroarbeit geleistet habe. Auch erinnere ich mich, dass ich Personen aus jenem Umfeld für die Mitarbeit bei Holiday Magic anwerben wollte, was mir aber nicht gelungen ist.

Ich heuerte zum Beispiel bei der Öl- und Kohlenfirma Buerke AG an. Dort konnte ich schon morgen früh mit dem Lastwagen auf die Tour und zusammen mit dem Chauffeur Ölkannen von 10 Liter in die Wohnungen hoch schleppen. Manchmal musste ich auch Kohlesäcke in den Keller tragen oder Brennholz verteilen. Das war schwere Arbeit, was ich mir von zu Hause gewohnt war. Dort waren es Mehlsäcke oder Milchkannen gewesen. Die Regelung mit dem Vater bewog mich auch, überall aktiv nach günstigen Konditionen zu suchen oder Reglemente zu durchforsten, die zeigten, dass ich auf irgendetwas Anspruch hätte. Als zum Beispiel für uns nicht mehr alle Vorlesungen im Zentrum stattgefunden haben, sondern auch auf dem neu erstellten Hönggerberg, konnten die betroffenen Studenten in einer Übergangsphase diese Transport-Mehrkosten bei der ETH zurückfordern. Für mich spielte das eine Rolle. Ich hatte aber auch Mit-Studenten, die lieber auf dem Hönggerberg waren, denn dort konnten sie ihr Auto oder jenes vom Vater gratis parkieren. So gibt es an einer Hochschule verschiedene Sichtweisen. Ein Kollege musste dem Vater jeweils, wenn er zu Hause war, eine Liste seiner Ausgaben vorlegen und aufgrund dieser Ausgaben bekam er wieder neues Geld für die nächste Zeit. Um Stipendien habe ich mich auch bemüht, aber der Kanton Appenzell Ausserrhoden hatte noch kein Stipendienreglement wie der Kanton Zürich. Und die ETH zahlte immer nur subsidiär Stipendien, d.h. nur wenn der Kanton Stipendien gegeben hat, gab auch die ETH. Ich habe immer Jobs über Anschlagbretter an der ETH oder UNI gefunden, auch wenn es manchmal nur das Eintippen von Forschungsresultaten in den PC war. Für mich war wichtig, dass ich die Arbeit in den Randstunden machen konnte.

Als ich nach dem Tode meines Vaters meine Mutter in der Milchsammelstelle unterstützte und das Studium unterbrochen hatte, arbeitete ich von zuhause auch bei Mettler Fenster AG in St. Gallen. Der Geschäftsführer war der Schwager von Vreni, der Frau Vreni meines Bruders Tony in Teufen.

Irgend einmal kam mir die Idee, ich könnte bei der schweizerischen Speisewagen Gesellschaft anfragen. Dort war zum Glück eine Frau zuständig, die im Bühler mit meinem Bruder Tony zur Schule gegangen war. Sie hat mir geholfen, den Job zu bekommen. Geld verdient man dort nur in den umsatzstarken Zügen auf der Ost-West-Linie. In Zürich gab es  alt eingesessene Mitarbeitende mit Vorrechten. Als Student bekam ich die Züge, in denen wenig konsumiert wurde. Im Zug nach Brig gab mir einmal ein Fahrgast fünf Franken Trinkgeld ohne etwas zu kaufen, einfach so. Dies war letztlich das einzige Geld, das ich im Portmonnaie hatte nach dieser langen Fahrt. Niemand wollte etwas trinken oder essen. Dann nützt es auch nichts, wenn man 17 % vom Umsatz als Lohn erhalten würde. Die Frau von Bühler hat mir gesagt, wenn ich in Lausanne stationiert wäre, hätte ich bessere Chancen für gute Züge. Dies machte ich im Mai-Juni 1974, nachdem unsere Cousin Hans Inauen unseren Betrieb und die Liegenschaft Steigbach übernommen hatte auf 1. Mai 1974. Sie vermittelte mir ein günstiges Zimmer in der Nähe des Bahnhofs. Dort habe ich gut verdient z. B. in den Pilgerzügen. Das ging so: der Zug fuhr von Genf bis Brig und in dieser Zeit musste allen 400 Passagieren ein Frühstück wie im Flugzeug serviert werden. Ich wurde aber unterstützt von einer bei der Speisewagen Gesellschaft fest angestellten Person. 17 % des doch grossen Umsatzes wurden mir aber mir allein gut geschrieben. Auch gab es Züge von Soldaten, die vom Wallis nach Zürich reisten. Einmal hatte ich bei der Ankunft keine Reserven mehr und einen total leer gekauften Wagen. Das schenkte ein. Noch besser war ein anderes Angebot: amerikanische Touristen landeten am Flughafen Genf und stiegen in einen Sonderzug ein mit Speisewagen. Der Zug fuhr gemächlich Richtung Ostschweiz. Die Reisenden gingen schichtweise in den Speisewagen essen. Meine Aufgabe war es, die Reisenden in der anderen Zeit mit Getränken oder Sandwiches zu bedienen. Anfänglich lief überhaupt nichts. Aber nach dem Mittagessen jeweils, da war kein Halten mehr, der ganze Kaffee ging weg und auch all die Schnäpse. Das waren schöne Fahrten, gab es doch Kommentare zur Gegend, die wir passierten und ich konnte den Leuten auch Informationen übermitteln, was ich gar nicht ungern machte. So lernte ich die Schweiz mindestens aus dem Zug kennen, ohne dass ich ein Billett hätte kaufen müssen.

Nach meiner Rückkehr von der Afrikareise im Frühjahr 1975 bewarb ich mich um Stipendien beim Kanton Appenzell Ausserrhoden. Als Halbweise bekam ich im Gegensatz zu einer früheren Anfrage einen kleinen Betrag zugesprochen. Das Gute daran war, dass ich nun auch bei der ETH anfragen konnte, die mir dann gemäss Reglement einen stattlichen Betrag geben konnte, sodass ich nicht immer auf Jobs angewiesen war. Ich konnte keine grossen Sprünge machen, aber als Student leben.

 

Studentenbuden
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12.5.  Studium an ETH Zürich – Studentenbuden.
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Wo habe ich gewohnt in Zürich? Studenten-Buden?

Altstadt von Zürich, das erste Mal
In Appenzell hatte ich eine behütete Kindheit und anschliessend verbrachte ich sieben Jahre im Internat. Meine ersten zwölf Lebensjahre lebte ich die ganze Zeit zu Hause auf dem Bauernhof, nie bei Verwandten oder in den Ferien.
Im Gymnasium entschied ich mich, den Bauingenieurberuf zu erlernen, was ein Studium an der ETH-Zürich bedingte.Vor dem Studium musste ich ein Praktikum absolvieren, das ich beim damaligen Bau des Parkhauses Urania machte konnte, nach den Jugendunruhen.
Meine um 12 Jahre ältere älteste Schwester wohnte in Zürich und ich konnte zuerst bei ihr an der Allenmoosstrasse wohnen. Sie sagte, sie würde mir Zürich zeigen. Weder meine Eltern noch unsere Nachbarn waren je in Zürich. Das höchste der Gefühle war ein Ausflug zum Flughafen Kloten. Die Stadt Zürich war eine ‚Huren‘-Stadt und zu kompliziert, um sich zurecht zu finden. Mit diesem Vorurteil im Kopf ging ich mit meiner Schwester in die Stadt, als 20-jähriges Land-Ei.
Ich mag mich heute noch erinnern, wie wir, wahrscheinlich von der ETH herunter vom Neumarkt durch den Rindermarkt gelaufen sind. Ich habe alle Leute begrüsst mit ‚Grüezi‘ wie es im Appenzellerland Brauch war.
Meine Schwester hat mir gesagt, das mache man in Zürich nicht. Ich konnte mir nicht vorstellen und hatte anfangs Mühe, einfach ohne Gruss an den Leuten vorbei zu gehen.
Auch mag ich mich erinnern, wie ich von der Fraumünsterkirche her über den damals bestehenden Fussgängerstreifen zum Denkmal von Hans Waldmann gelaufen bin. Auf der anderen Strassenseite stand ein Mann in Anzug und Krawatte, der mir sage und schreibe sagte: ‚Junger Mann, können Sie nicht schneller laufen, damit die Autos wieder fahren können.‘
Heute schätze ich die relative Anonymität in der Stadt und auch die Rechte der Fussgänger.



Hirschengraben 70 in Zürich, eine Wohngemeinschaft der Kyburger
Mit 20 Jahren bin ich nach meiner behüteten Zeit im Appenzellerland nach Zürich gekommen, in eine mir damals fremde Stadt. Ich wollte mich alleine behaupten lernen, für mich war klar, ich will hier bleiben und nicht mehr zurück nach Appenzell. 
Als Student hatte ich zuerst ein Zimmer bei einer Schlummermutter mit einem Zeitfenster von 15 Minuten für die Morgentoilette, dann ein anderes nahe der ETH und noch ein drittes neben der Kaserne im Dachgeschoss. Dort war es jeweils so heiss, dass ich mich dort wirklich nur zum Schlafen aufgehalten habe. Das war für mich die schrecklichste Zeit in Zürich.
Bei einer Studentenverbindung fand ich Anschluss. Das war für mich wie eine Ersatzfamilie. Ich konnte dann von einem Mediziner sein WG-Zimmer am Hirschengraben 70 übernehmen. Es war die Stube, das grösste und hellste Zimmer, sogar mit einem kleinen Balkon. Endlich war ich angekommen in Zürich, günstig und in Fussdistanz zur ETH. Sogar das Tramabonnement konnte ich sparen.
In diesem Zimmer liess es sich leben, studieren und auch die Freizeit verbringen. Wir waren fünf Studenten verschiedenster Fachrichtungen, aber alle von der gleichen Studentenverbindung. Wir assen, putzten, redeten und hatten ein schönes fast familiäres Zusammenleben.
Einmal an einem Sonntag kam ich von meinem Besuch der Mutter zurück. Es war bitter kalt im Zimmer. Jedes Zimmer hatte einen Ölofen. Ich liess das Bad einlaufen mit Gaserhitzer und zündete im Zimmer den Ölofen an. Im Bad liess ich es mir gemütlich sein und genoss die Wärme.
Zurück ins Zimmer traf mich der Schreck. Der Ölofen war glühend rot und ziemlich bauchig, fast vor dem Zerplatzen. Sofort stellte ich die Ölzufuhr ab, was bei dieser Hitze nicht einfach war. Auch brachte ich alles Brennbare auf den Balkon, auch die Ölkanne. Der Schreck war mir in die Knochen gefahren.
Ich war alleine in der Wohnung, die anderen trudelten erst später ein. Der Ofen kühlte sich langsam ab, ich hatte genügend warm, wenn nicht heiss vor Aufregung.
‚Unser‘ Haus war eigentlich in den 70-er Jahren zum Abbruch geweiht. In der Planung der SBB war dort der Angriffsschacht für den Hirschengrabentunnel (vom Hauptbahnhof nach Stadelhofen) geplant, der dann aber in den 80-er Jahren hundert Meter Richtung Osten realisiert worden ist. Jahre später habe ich als Eisenbahn-Offizier im Militär Dienst in diesem Angriffsschacht, wurde doch dort statt das Loch aufzufüllen eine Kommandozentrale mit Zugang zum S-Bahn-Tunnel eigebaut. Erinnern mag ich mich an die Zutrittskontrolle, die über die Augen, die Iris erfolgte. Damals in den 90-er Jahren etwas erstaunlich Neues, heute Standard beim Smartphone.
Zusammen mit meinen Kollegen, die ich privat, an Anlässen der Studentenverbindung oder bei Beerdigungen gemeinsamer Bekannter sehe, erinnern wir uns gerne an unsere Hirschengraben-Zeit.
Zürich, 4. Dezember 2023 / W

Die anderen Wohnadressen zur Studentenzeit waren: Sommer 1971 bei Schwester Maria Brabetz mit Sergio Brabetz an der Allenmoosstrasse 140 im Parterre in Zürich-Oerlikon (sie wohnte ab Januar 1967 dort), dann im 1. Semester an der Geraniastrasse 8 in 8008 Zürich, im 2. Semester an der Clausiusstrasse 66 in 8006 Zürich. Von dort ging es zur SADA in eine Zimmer unter dem Dach bei der Kaserne. Dann die Erlösung mit dem schönen grossen Zimmer in der Kyburger-Wohngemeinschaft am Hirschengraben 70 in 8001 Zürich. Von dort zügelte ich zusammen mit Veronika Lüscher im Sommer 1978 an die Dahliastrasse 3 in 8008 Zürich. Weitere mehrwöchige Aufenthalte in einem Zimmer in Lausanne (Mai 1974), in der Fondation Suisse von Le Corbusier in Paris  (Juli 1974) und im Studentenwohnheim Athen (Juli, August 1976).
Nutzen des Studiums
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12.6.  Studium an ETH Zürich – Nutzen des Studiums.
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Was hat mir das Studium gebracht?

Mein Besuch des Gymnasiums wurde aufgegleist von einem Kapuzinerpater aus Appenzell. Ziel war die Ausbildung zum Priester. Für diese Laufbahn hatte ich in der Familie Onkel Bisch und meinen Bruder Gandolf (Albert) als Vorbild. Auch der Pfarrer im Dorf wäre behilflich gewesen. 

Mit sechzehn Jahren habe ich mich entschieden, nicht Priester zu werden, ohne aber einen anderen konkreten Berufswunsch zu haben. Tendenziell interessierte ich mich eher für Technik. Dies konkretisierte sich vor der Matura, wo ich mich entschied, an der ETH Bauingenieurwesen zu studieren. Ich hatte aber keinen Mentor, weder in der Familie noch in der Verwandtschaft. Niemand hatte je diesen Weg gewählt. In der Studentenverbindung Die Kyburger lernte ich Alte Herren kenne, die in diesem Beruf gearbeitet haben, als Büroinhaber oder als Angestellte. Zum Glück musste ich ein Praktikum machen als Bedingung zur Aufnahme an die ETH. Dort sah ich Ingenieure und konnte mich in einer solchen Rolle vorstellen. 

Im fünften Semester hatte ich eine Krise und fragte mich, ob es richtig sei. Meine Reise durch Afrika zeigte mir, dass ein Diplom von Vorteil ist, um sich in der Arbeitswelt einordnen zu können und eingeordnet zu werden. Hochmotiviert kam ich nach Zürich und schloss mein Studium erfolgreich ab. 

Im Studium und besonders später im Berufsleben merkte ich, dass ich besser schreiben konnte als meine Mitbewerber. Die vielen Aufsätze bei Pater Sebald im Gymnasium zahlten sich aus. Ich beherrschte auch die Rechtschreibung mit hoher Sicherheit. In diesem Bereich war ich im Vorteil, galt es doch, die 'Rechenresultate' in Berichten darzulegen und dem Auftraggeber zu erklären mit den nötigen Schlüssen dazu. Das fiel mir leicht.

Zu meiner Berufszeit in jüngeren Jahren wurde noch ein grosser Unterschied gemacht zwischen ETH- und HTL-Absolventen. Man sagte, auf einen ETH-Ingenieur kämen bis zu zehn HTL-Ingenieure in den Betrieben. Die HTL-Ingenieure hatten alle einen Beruf erlernt, waren also in der Praxis und hatten gegenüber den eher theoretisch ausgebildeten ETH-Ingenieuren ein gewaltigen Vorteil. Es zeigte sich im Alltag aber, dass sie gut waren im Abwickeln von vorgegebenen Abläufen  oder Berechnungsroutinen. In meinen jungen Berufsjahren war der Computer noch kein Alltagsgerät, alles musste von Hand oder mit Rechenmaschinen gemacht werden. Abschätzungen waren damals sehr wichtig. Die Vorgesetzten kontrollierten die Arbeiten, indem sie selber überschlagsmässig das Ganze durchdachten und schnell 'grobe Böcke' feststellen konnten.

Meine Beobachtung ging dahin, dass ich als ETH-Ingenieur gegenüber neuen Methoden und Arbeitsweisen aufgeschlossener war. Im Studium wurden wir trainiert, selber Lösungen zu suchen und diese zu vertreten. Vor diesem Hintergrund hat mir das Studium wirklich etwas gebracht.

Meine Laufbahn allerdings musste ich selber forwärts treiben. Manchmal war ich neidisch auf die Söhne von Unternehmern, die zuhause in das väterliche Geschäft eintreten konnte. Einer hat mir aber einmal gesagt, meinst du wirklich, dass sei immer einfach gewesen. Ich hätte immer frei entscheiden können, welches mein nächster Schritt sei. Im Nachhinein muss ich ihm recht geben.

Für die Laufbahn haben mir die Kontakte bei der Studentenverbindung Einblick in die Berufswelt gegeben. Alle Mitglieder waren ja akademisch tätig, in allen Fachbereichen von Medizin über die Juristerei bis zu den Ingenieuren. Sofort nach dem Studium bin ich beim Berufsverband SIA eingetreten und war als Vertreter der Jungen im Vorstand der Sektion SIA Zürich mit 3000 Mitgliedern. Jene Kontakte haben mir bei der weiteren Entwicklung geholfen.

Als Pensionierter gehe ich so alle zwei Monate mit fünf anderen aus dem Immobilienfach essen. Einer (PG, feierte 2024 seinen 70. Geburtstag) hat sich beschwert, die Architekten hätten beim Wettbewerb das falsche Projekt ausgewählt. Ich sagte ihm, wieso er denn sich nicht als Jurypräsident hätte einsetzen lassen von der Bauherrschaft. Ich selber sei eigentlich immer Jurypräsident gewesen und hätte den Ablauf so gestaltet, dass am Schluss die Architekten und ich zufrieden gewesen seien. Er lachte nur und sagte, meinst du, die hätten mich akzeptiert, er hätte nur die Notariatsausbildung gemacht, ich hingegen als ETH-Ingenieur würde akzeptiert von den Architekten. Damit hatte er recht. Der Titel hat auch gesellschaftliche Relevanz. Beruflich bin ich meist aufgetreten als Niklaus I. Wild, dipl. Ing. ETH/SIA. Auffallend ist, dass ich die Initiale meines zweiten Vornamens aufführe, das 'Bau-' vom Bauingenieur weglasse, um mich nicht einzuschränken. Die Mitgliedschaft beim SIA führe ich auf, weil die Aufnahmebedingungen so gestaltet sind, dass einige Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Zudem war ich viele Jahre aktiv als Delegierter und im Vorstand und auch tätig im Normenwesen. Dieser Titel genügte mir das ganze Berufsleben. Ich machte keine Weiterbildungen, die zu einem Zusatztitel oder einer Ergänzung geführt haben. Am ehesten wäre dies ein Nachdiplomstudium  CUREM gewesen, zu dem ich einigen meiner Angestellten verholfen habe mit Zeitgutschriften und finanzieller Unterstützung des Betriebes. Einer darf z.B. folgenden Titel führen: Dr. iur., MSc in Real Estate (CUREM), Immobilienbewerter CAS FH. Dieses Studium hätte ich mir in meiner Funktion selber verordnen können. Mir war aber die Präsenz in meiner Leitungsfunktion wichtiger, schaute aber, dass die Mitarbeiter gut ausgebildet waren.

Professor Pozzi hat mir in meinem Assistenzjahr an der ETH (1977/78) einmal zu Bedenken gegeben, dass der Aufstieg im Beruf sich über Generationen gestalte. Als forscher junger Ingenieur habe ich das damals nicht begriffen, aus heutiger Sicht verstehe ich es, habe ich es doch am eigenen Leibe erfahren. Ich hatte keinen Mentor, am allerbesten waren das meine Schwester Maria mit ihrem Mann Sergio Brabetz, der an der ETH als Maschineningenieur abgeschlossen hat. Die Stellen, die ich bei den SBB, am Flughafen oder beim Kanton Basel-Stadt innehatte, hätte ich ohne ETH-Abschluss kaum bekommen.

Aufgewachsen bin ich in einer bäuerlich geprägten Gegend. Mein Vater liess sich zum Schreiner ausbilden, musste dann aber trotzdem den Hof übernehmen. Er liess uns in der Berufswahl freie Hand. Die bäuerliche Lebensweise hat sich in den Nachkriegsjahren bis heute grundlegend verändert. Von unseren neun Kindern ist niemand in diesem Bereich tätig. 50 Jahre nach dem Verkauf des Bauernhofs an unseren Cousin Hans Inauen betreibt dessen Sohn ab 1. Mai 2024 noch die Schweinemästerei. Das Landwirtschaftsland ist an andere Bauern verpachtet. Die Milch wird aktuell direkt von den letzten zehn milchliefernden Bauern an definierten Sammelpunkten vom Milchverband abgeholt. Das heisst: Nur die zwei auf meinen Vater folgenden Generationen haben den Bauernbetrieb noch weiter betrieben. Was bedeutet das für mich: ich bin nicht aufgestiegen, aber umgestiegen. Zwei von meinen drei Kindern leben überzeugt urban, die älteste Tochter mit ihrer Familie in einem Einfamilienhaus auf dem Land. Meine acht Geschwister haben alle ein Auskommen ausserhalb des bäuerlich geprägten Bereiches gefunden.

Veronika & Niklaus seit der Heirat
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13.  Veronika & Niklaus seit der Heirat
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Brief an Veronika auf ihren 73. Geburtstag 

Diesen Brief habe ich verfasst, um Veronika für all ihren Einsatz zu danken. Die verschiedenen Stationen habe ich beleuchtet – die erfreulichen wie auch die belastenden. Daraus ist ersichtlich, dass wir zufrieden sein können. Die sechs Seiten des Briefes sind unten als Fotos aufgeführt, habe ich mir für die Gestaltung doch ziemlich Mühe gegeben. Den Text gebe ich hier wieder: 

Zürich, 3. Januar 2024

Liebe Veronika,

bald ist es ein halbes Jahrhundert her, dass wir uns kennen. Diese Zeit findet ihren Anfang im Seefeld mit deiner Zweitausbildung und danach in Zollikon mit der Familiengründung. Der Wechsel nach Zürich in den Tiergarten markiert einen Wendepunkt in unserer Beziehung und auch in deinem Lebensweg. Die Jahre waren geprägt von den Kindern, die ihre Ausbildung von zu Hause aus absolvierten. Dann kam die Zeit mit der Wohnung an der Rosshofgasse 1, gefolgt von einer wunderschönen gemeinsamen Enkelzeit. Nun stellt sich die Frage, wie wir das Älterwerden meistern.

In all den Jahren bist du dir treu geblieben, deiner Linie gefolgt. Du betonst immer wieder, dass dies dem Wesen der "Steinböcke" entspricht.

Zu Beginn unserer Beziehung war uns beiden klar, wir wollen eine Familie. Allerdings stand zuerst dein Wunsch nach einer weiteren Ausbildung im Vordergrund. Diese drei Jahre an der Dahliastrasse 3 in Zürich waren wunderbar. Du im Burghölzli und ich bei der Elektrowatt gerade um die Ecke. Wir lebten unbeschwert, hatten gute Nachbarn und liebe Freunde. Du warst kreativ, gastfreundlich, kommunikativ und hast das (Studenten-) Leben in vollen Zügen genossen. Zusammen mit deiner Mutter und ihrem Hund 'Bärli' haben wir die Zimmer, mit Stuckaturen an der Decke, neu tapeziert und gestrichen.

Kaum hattest du die Diplomarbeit abgegeben, war unser erstes Kind, Milena, unterwegs. Du hast, wie damals üblich, die Stelle gekündigt und dich auf das Familienleben vorbereitet. ‚Unser‘ Haus im Seefeld stand zum Verkauf, und wir fanden eine neue Bleibe in Zollikon am Blumenrain 29, umgeben von jungen Familien. Du warst glücklich und schienst angekommen zu sein. Du hast die Arbeit zu Hause übernommen, und ich bin einer Erwerbsarbeit nachgegangen. Wir hatten nur ein Portemonnaie, also Errungenschaftsbeteiligung.

Bald kam Raphael zur Welt. Du bist in deiner Mutterrolle aufgegangen. Wir führten ein schönes Familienleben, obwohl die Wohnung mit der Geburt unseres dritten Kindes, Isabelle, langsam zu klein wurde. Alle drei Kinder teilten sich ein Zimmer.

In dieser Zeit zog es niemanden in die Stadt, eher aufs Land. Finanzierbare Häuser wären für uns ab Stäfa, Hinwil oder Mutschellen möglich gewesen. Von den SBB brachte ich die Verkaufsdokumentationen Gehrenholz und Tiergarten nach Hause. Wir besichtigten diese beiden Siedlungen mit den Kindern. Bei "unserer heutigen" Wohnung meintest du, sie sei schön. Dank des Baurechts war sie erschwinglich. Vergleichbare Wohnungen im benachbarten Gehrenholz hätten das Doppelte (1.5 bis 1.7 Mio. Franken) gekostet. In meiner appenzellischen Art kaufte ich diese Wohnung. Zu jener Zeit traf ich viele Entscheidungen alleine: Wir heirateten katholisch, die Kinder wurden katholisch getauft, ich kaufte ein Segelboot im Zürcher Seebecken ohne Rücksprache am Telefon, etc.

Wäre mir bewusst gewesen, wie mein einsamer Entscheid unsere Beziehung  bis heute nachhaltig belastet, wären wir besser in Zollikon in der engen  Wohnung geblieben. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass du dieses  dein Trauma nicht in irgendeiner Form ansprichst. In der Folge wolltest du dich immer einbringen, und weitere einsame Entscheide von mir wurden nicht toleriert.

Du hast im Alltag für eine gesunde Ernährung gesorgt, und der Haushalt war immer in bester Ordnung. Du hast uns ein Zuhause geboten, die Kinder erzogen, während ich oft abwesend oder zu nachsichtig war. Du hast die Kinder unglaublich gefördert, was mir auffiel, wenn ich wieder ein Musikinstrument kaufte oder Nachhilfe organisierte. Erst später wurde mir klar, wie sehr du selbst darunter gelitten hast, dass weder Mutter noch Lehrer dich gefördert oder nach deinen Wünschen gefragt hatten. Deine Erstausbildung bei den Diakonissen in Riehen hast du dir selbst erkämpft und wurdest dort von strengen Lehrmeisterinnen geprägt.

Mit unglaublichem Aufwand bereitest du die Familienfeste wie Weihnachten, Geburtstage usw. vor. Du testest das Essen im Voraus, dekorierst die Wohnung liebevoll und schmückst die Balkone, Wohnräume und sogar den Hauseingang.

Kleidung ist dir wichtig. Du schaust, dass alle ordentlich und dem Anlass entsprechend aus dem Haus gehen. Du scheust keinen Aufwand, uns beim Kauf passender Kleidung zu unterstützen.

Letztlich konnte ich mich dank dir voll und ganz der Arbeit widmen. Du begannst über unsere Rollenteilung nachzudenken, als du sahst, wie sich dein Schwiegersohn David im Haushalt und bei der Kindererziehung engagiert. Als Familie können wir dir dankbar sein für deine Gradlinigkeit und Einsatzfreude. Dass du mich trotz meines Verhaltens in meinem "Annus horribilis" im Jahr 2010 zurück in geordnete Verhältnisse wolltest, verdient höchste Anerkennung.

In unseren mehr als 45 gemeinsamen Jahren haben wir beachtliche Resultate erzielt: 

Wir sind beide gesund und können selbstbestimmt leben.

Unsere drei Kinder sind selbständig und bestreiten ihr Leben unabhängig von uns.

Unsere älteste Tochter Milena hat uns drei gesunde Enkel zur richtigen Zeit geschenkt. Wir durften sie nach unseren Vorstellungen betreuen.

Seit über dreissig Jahren leben wir in einer hellen, sonnendurchfluteten Familienwohnung, altersgerecht auf einer Ebene, erschlossen mit Lift, an einem autofreien Ort, bestens angebunden für den privaten und öffentlichen Verkehr.

Ich möchte dir auf diese Weise danken, dass wir dank dir eine Familie haben. Zudem sind die Voraussetzungen für ein zufriedenes Älterwerden gegeben, hoffentlich möglichst lange selbstbestimmt.

Mit lieben Dank,
Niklaus

Hier eingefügt sind die sechs Seiten mit Text und Fotos. Auf der ersten Seite habe ich ein Elfchen eingefügt. Diese Art von 'Gedicht' habe ich im hohen Alter im Schreibkurs gelernt. Umsau erstaunter war ich, als ich an der Beerdigung meines Kyburger-Lebensfreundes Beat Lanter v/o Primus erfahren habe, dass er mit der Pfarrerin seiner Kirchgemeinde Effretikon, wo er im Kirchgemeinderat eine Funktion inne hatte,  Elfchen ausgetauscht hat.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Brief im Umfang von sechs Seiten an Veronika zu ihrem 73. Geburtstag.

 



Den Brief wollte ich kurz halten und die wesentlichen Punkte hervorheben. Als Ergänzung dazu hier noch einige zusätzliche Aspekte, geschrieben Ende 2023:

Liebe Veronika

Schon der griechische Philosoph Platon hat in seinem Buch ‚Der Staat‘ die Idee der Kugelmenschen beschrieben.
In dieser Erzählung beschreibt Platon, wie Menschen ursprünglich als Kugelmenschen existierten, die aus einer runden Kugel bestanden, die aus einem Mann und einer Frau zusammengesetzt war. Diese Kugelmenschen waren jedoch zu groß und zu mächtig, um in ihrer Welt zu existieren, so dass die Götter sie halbierten und sie auf die Erde schickten, um als menschliche Wesen zu leben. Platon argumentierte, dass jeder Mensch eine bessere Hälfte hat und dass unser Ziel im Leben darin besteht, diese Hälfte zu finden und mit ihr zu verschmelzen.

Wir haben uns gefunden und können uns nun eher auf unsere Gemeinsamkeiten konzentrieren, oder aber man könnte auch argumentieren, dass die Unterschiede zwischen uns dazu beitragen, eine starke Beziehung aufzubauen.

Wie auch immer, wir haben uns gefunden und leben nun mehr als 45 Jahre zusammen. Du hattest immer die Familie im Fokus und hast alles andere dem untergeordnet.

Ich mag mich erinnern, wie wir im Allschwiler Wald auf deine Initiative hin Sport treiben wollten und mir die Hose gerissen ist. Du hast dann sukzessive geschaut, dass ich sportlichere Kleider kaufe und auch mehr Sport treibe. Ich erinnere mich auch, wie ich mich gegen funktionale Kleidung gesträubt habe und sie heute nicht mehr hergeben würde. Du hast mich in diese Geheimnisse der Bekleidung eingeführt. Herzlichen Dank.

Meine erste Stelle bei der Swissboring machte ein Auto nötig, das weder du noch ich besassen. Ich hatte kein Geld, eins zu kaufen, du hast mir dann einen Renault R4 gekauft, mit dem ich nach Volketswil zur Arbeit oder auf die Baustellen ging und mittags nach Hause zum gemeinsamen Mittagessen gekommen bin.

Du hattest dann den Mut, nach der Heirat noch eine Ausbildung an der Universitätsklinik anzufangen und hast sie abgeschlossen, bereits schwanger mit unserer ersten Tochter Milena. Das waren schöne Jahre, die wir im Seefeld mit guten Hausbewohnern verbringen konnten. Du warst gastfreundlich, kreativ und kommunikativ und hast das (Studenten-) Leben richtig genossen.

Die Familie gründeten wir in Zollikon am Blumenrain 29, wo wir mit den Nachbarn wiederum ein auf die Kinder bezogenes gutes Verhältnis hatten. Es waren schöne gemeinsame Jahre. Wir haben einander unterstützt, wobei die Hauptarbeit mit den Kindern bei dir gelegen hat. Milena, Raphael und Isabelle schliefen alle im gleichen Zimmer, das dann bald etwas zu klein war, als sie immer grösser geworden sind.

Wir suchten, wie andere junge Familien auch, ein Haus mit Garten. 1985 stiessen wir auf die Genossenschaft im Walder, die 12 Häuser gleich in der Nachbarschaft auf dem Gebiet der Stadt Zürich bauen wollte. Wir wurden Mitglied und planten aktiv mit. Es wäre der Traum gewesen.

Die Planung verzögerte sich, Milena wurde eingeschult in Zollikon, in der Wohnung wurde es enger. Die Häuserpreise stiegen immer, die Baukosten ‚im Walder‘ leider auch, vor allem wegen Auflagen der Stadt Zürich. Ich glaubte an den Walder bis kurz vor Bezug im Jahre 1992, als die Baukosten auf über Fr. 1.6 Mio. kletterten und erst noch ein Hypothekenzins von über 7 % hätte gezahlt werden müssen. Das war wahrlich zuviel für uns, aus der Traum, ohne finanziellen Schaden konnten wir das Haus verkaufen.

Unsere Idee war, eine Wohnung in der Stadt zu suchen, damit die Kinder beim Umzug in den Walder die Gemeinde nicht mehr hätten wechseln müssen. Dazu kam es aber nicht. Die Wohnung im Tiergarten habe ich nach einer gemeinsamen Besichtigung, an der du die Wohnung schön gefunden hattest, gekauft, da sie mit Fr. 735’000.- finanzierbar war. Eine gleich grosse Wohnung im Gehrenholz hatte damals mehr als das Doppelte gekostet und man hätte auf vier Ebenen gelebt. Den Tiergarten haben wir als Übergangslösung betrachtet.

Es ist anders gekommen als geplant. Dieser auf meine appenzellische Art gekaufte Familienwohnung belastet unsere Beziehung schon dreissig Jahre. Die Geschichte liegt wie ein Trauma über uns.
Was mich wundert, warum du beim Haus Am Schüracher in Küsnacht weder ja noch nein sagtest, sondern einfach nichts. Das Haus wäre finanzierbar gewesen, für jedes Kind ein Zimmer und alle einen Garten. Es wäre perfekt und sogar am richtigen Ort gewesen. Wenn ich wie früher für die Familie hätte entscheiden können, ich hätte es gekauft und wäre gezügelt. Aber ich selber wollte nach der Erfahrung Tiergarten nicht noch eine zweite Erfahrung Schüracher machen. Aber sonst hat in der Familie niemand entschieden.

Mir ist erst im Pensionsalter bei den gemeinsamen Einkäufen aufgefallen, wie du manchmal in Gebieten, in den du Expertin bist, zum Beispiel beim Suchen nach einem passenden Mantel für dich, dich einfach unter all den Möglichkeiten nicht entscheiden konntest. Wie ist das erst bei einem Haus.

Wir wohnen jetzt immer noch im Tiergarten, weil Alternativen dazu einiges erfüllen müssen. Unsere Wohnung ist hell, hat Morgen-, Mittags- und Abendsonne. Die Wohnung ist auf einem Stock, die Wohnung ist rollstuhlgängig, wie auch der Lift. Die Wohnung hat zwei Nasszellen und viele Wandschränke wie auch zwei Balkone. Die Wohnung ist erreichbar mit fünf verschiedenen Linien des öffentlichen Verkehrs. Zum Hauptbahnhof wäre es zu Fuss 30 Minuten, mit der Uetlibergbahn 6 Minuten. Heute wollen alle in Zürich wohnen, wir sind schon da und zahlen pro Monat Fr. 2’000.- insgesamt für 135 m2 Wohnfläche inkl. Abstellplatz in Tiefgarage mit Elektroanschluss. Ab 2014 hast du Wert darauf gelegt, dass sukzessive saniert wird. Angefangen haben wir mit Küche und Dusche/WC, dann kam das Bad und neulich ein neuer geölter Parkettboden. Du pflegst all die Flächen mit Inbrunst und einer Ausdauer, wofür ich dir danke.

Du schmückst die Wohnung der Jahreszeit entsprechend mit schönen und frischen Blumen. Es ist eine Freude.


Veronika und Niklaus Wild am 25. Dezember 2024 beim Singen an der Familien-Weihnacht im Tiergarten 50. © Raphael Wild.

 


Die drei Enkel schauen ins Smartphone S22 ihrer Grossmutter. Familienweichnacht 25. Dezember 2023 im Tiergarten 50. Linus, Veronika, Adrian, Gabriel.

 




Nachtrag zu Wohnorten, Muhen, 7. Juli 2024

Am 7. Juli 2024 sind wir am Sonntag-Morgen durch Muhen AG gefahren, weil wir zu früh dran waren für den Termin bei Simon Lüscher wegen des Pachtvertrages. Veronika meinte, hier könnte sie trotz allen Träumen vom ‚auf dem Land wohnen‘ nicht mehr leben, es sei in Zürich noch besser und ordentlicher.
Bei einer von früher her bekannten Gaststätte Bären stieg Veronika aus, um alte Erinnerungen aufzufrischen. Ich fuhr um die Liegenschaft herum. Mitten im Dorf an bester Lage stand ein Auto am anderen - ohne Nummernschild - auch alte Camper. Was für ein Anblick für die Anwohner und die Besucher.
Auch die Umgebung ihres Elternhauses hat ihr nicht mehr gefallen. Jeder ist wahrlich seines Glückes Schmied. Seine Leidenschaften sind ablesbar an all den Gegenständen, die rund um die Häuser abgelegt sind.

Beim Spaziergang am Abend rund um den Tiergarten sagte sie, wir hätten vieles verpasst. Als wir hier zugezogen seien, wären die Hauspreise noch tiefer gewesen. In der Tat. Zwischen unserer Wohnung und dem Schulhaus hat es viele kleine Häuser mit Garten (z.B. Im Wyl). Seinerzeit waren solche Häuser auf dem Markt, aber Veronika hat damals das Quartier nicht gefallen. Es zog sie immer woanders hin. Deshalb haben wir uns gar nie für diese Häuser interessiert.


Und im Jahre 2025 meint Veronika einmal zum Thema Haus Schüracher in Küsnacht: Es sei Ostern gewesen und sie hätte nicht gedacht, dass es so schnell verkauft werde. Die Geschichte dazu ist zu finden unter 'Aufwändige Suche nach einer Familienwohnung'.

Diese Aufzeichnungen zeigen, das Wohnthema und wahrlich zu unserem Wohntrauma geworden. Unter dem Kapitel 'Tiergarten mit Vor- und Nachteilen' gehe ich vertiefter auf das Thema ein.



 
Veronika's Jugend
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13.1.  Veronika & Niklaus seit der Heirat – Veronika's Jugend.
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Der Brief an Veronika zu ihrem 73. Geburtstag geht auf ihre Verdienste ein. Hier einige weiteren Angaben zu ihrem Leben  vor unserer Heirat, mit Hinweisen zu ihrer Verwandtschaft.

Veronika ist am 3. Januar 1951 in Muhen AG zuhause auf die Welt gekommen und hatte eine schöne Kindheit auf dem Bauernhof am Kolpenweg mit zwei älteren Geschwistern. Bruder Hansjörg war 15 Jahre älter, Schwester Ruth acht Jahre. 
Alfred Müller-Lüscher haben ihre Eltern als Pflegesohn aufgenommen. Er studierte Theologie in Deutschland. Veronika mag sich erinnern, wenn er Weihnachten mit ihnen feierte. Er war der Götti von Veronika.
Alle drei Kinder mussten mithelfen auf dem Bauernhof. Es gab aber auch Zeiten, da konnten sie 'Versteckis' und andere Spiele mit den Nachbarskindern spielen rund um ihr Haus. Veronika betreute sogar einen eigenen kleinen Garten mit einem Froschbecken. Darauf war sie stolz.



Der Schulweg von Veronika führte vom Kolpenweg 1 über Wiesen und Felder zum Schulhaus in Muhen, zum Teil dem Flüsschen Suhre entlang. Sie verlor sich manchmal im Blumen pflücken und machte ein Sträusschen für Lehrerin der 1. und 2. Klasse. Später hat sie erfahren, dass die Lehrerin dachte, ich kann die kleine Veronika doch nicht schelten, wenn sie zu spät in die Schule kam, hat sie mir doch immer Freude strahlend ein Sträusschen hingestreckt. Die Schulaufgaben machte sie manchmal auf dem Feld, wo Mutter am Arbeiten war, bauten sie doch auch Kartoffeln und Rüben an. Die Primarschule besuchte sie von 1958 bis 1966.


Veronika im Blumengarten ihrer Mutter am Kolpenweg 1 in Muhen. Bei Besuchen pflückte sie sich ihren Strauss für zuhause. In den Achziger-Jahren.

 


Im Dorf ist Veronika wegen ihrer roten Haare von den Schulkameraden gehänselt worden.
Veronika musste jeweils mit dem Fahrrad und Anhänger die Milch ihrer Kühe in die Käserei bringen. Dort war sie angewiesen auf die Hilfe von anderen Bauern, die Milchkanne die Treppe hinauf zu hieven.
Ihre Mutter machte noch Heimarbeit für die auf Arbeitskleider spezialisierte Firma Lutteur in Schöftland. Am Mittwoch-Nachmittag brachte Veronika mit ihrem Velo die fertigen Arbeiten ins 5 km entfernte Schöftland und holte neue Ware. Der Mutter wurde der Lohn in einem braunen Couvert in bar bezahlt. Weil Veronika wegen dieser Velofahrt nicht wie andere Kinder die Freizeit verbringen konnte mit Spielen oder Baden im Schwimmbad Kölliken durfte sie sich jeweils ein Micky-Mouse Heft kaufen.
Veronika mag sich erinnern, wenn zuhause gegen Ende des Monats das Geld jeweils knapp wurde, kratzte Mutter Ida in der Küche in einer Schublade das Münz zusammen.

Margrit Lüscher ist eine gute Nachbarin und Schulfreundin von Veronika. Sie wanderte nach ihrem Agronomie-Studium nach Australien aus, wo sie in Leeton wohnt. Auf unserer Australienreise zusammen mit Isabelle im Jahre 2008 haben wir sie besucht. Ihre schulischen Wege trennten sich, als 'Mage' in die BEZ (Bezirksschule) ging und Veronika die Grundschule fertig machte, ohne dass je jemand mit ihr über weitergehende Ausbildungsmöglichkeiten geredet hätte. Veronika litt in der Schule, aus der Rückschau gesehen, an Legasthenie und Diskalkulie, worüber aber damals kein Aufhebens gemacht wurde.
Nach ihrer Schulzeit machte Veronika, wie damals üblich, ein Haushalt-Lehrjahr bei einer Familie (Häfliger?) in Oberentfeldenen. Sie wäre gerne nach Genf gegangen, um französisch zu lernen. Ihre Mutter wollte sie aber nicht in die 'Hurenstadt' gehen lassen. Sie entdeckte in ihrer Zeitschrift 'Glauben und Leben' ein Inserat vom Kinderspital Wildermeth in Biel. Sie bewarb sich und Mutter begleitete sie ans Vorstellungsgespräch. Veronika machte dort ein Praktikum von April 1967 bis August 1968, französisch lernte sie wenig, wohnte sie mit Margrit Dick im Zimmer, die von Freiburg kam und bilingue war. Diese hat jeweils für Veronika übersetzt.

Veronikas Vater bewirtschaftete den Bauernhof mit dem Halbblut-Pferd Bella. Ihr Vater hatte Pferde gern und frönte in seiner Jugend dem Reitsport, wo er etliche Preise gewonnen hatte. In den Militärdienst ist er zusammen mit seinem Pferd eingerückt. Für zuhause hätte er gerne auch ein Vollblut-Pferd gehabt, das sich aber nicht gut für die Feldarbeit geeignet hätte.

Ihr Vater litt schon längere Zeit unter Asthma. Er verbrannte Holz und goss am Schluss Benzin über die Asche. Im Holzhaufen musste es noch Glut gehabt haben. Er verbrannte sich an der Stichflamme den Arm. Er wurde verarztet, starb aber kurze Zeit später im September 1968 an einer Pneumonie. Er hatte Wasser in der Brust und ist daran gestorben. Veronika war 17 Jahre alt. 
Veronika unterstützte in der Folge ihre Mutter. In jener Zeit arbeitete sie nebenbei bei einem Bekannten vier Monate in seiner Pferdemetzgerei in Zürich.
Da sie eigentlich die Hotelfachschule machen wollte, ging sie nach St. Moritz, wo sie zwei Praktika im Hotelwesen absolvierte, z.B. in der Laudinella. Sie merkte bald, dass dies nicht der richtige Weg war. Die Ausbildung im Gesundheitswesen konnte sie erst mit 19 Jahren beginnen.
Vom Mai 1970 bis im November 1971 machte sie im Pflegeheim Moosrain in Riehen Basel eine Ausbildung zur Krankenpflegerin FA SRK. Hier wurde Veronika auf Hygiene und Disziplin getrimmt, was ihr Leben prägte. 
Nach der Ausbildung arbeitete sie ein Jahr lang im damaligen Diakonissenspital auf der geriatrischen Abteilung in Riehen weiter. 
Um ihre beruflichen Kenntnisse zu erweitern, arbeitete sie vom 1972-1977 im Claraspital Basel auf der medizinischen und nach dem mehrmonatigen England-Aufenthalt 1972 auf der chirurgischen Abteilung. Da sie immer davon träumte, bei Albert Schweizer in Afrika in Lambarene zu arbeiten, verbesserte sie ihr Englisch in Cambridge England. Später besuchte sie einen zweimonatigen Tropenkurs im schweizerischen Tropeninstitut in Basel, was sie aber später nicht mehr verfolgte.
Ihre Vorgesetzte am Claraspital auf der chirurgischen Abteilung war Sr. Nadja Künzle. Diese hat später als Heidi den Peter Heinzer geheiratet. Veronika pflegt heute noch den Kontakt. Im Stadtspital Triemli sind sie sich beruflich wieder begegnet.  Ruth Schwager arbeitete auch am Claraspital. Sie hat den Hausarzt Oswald geheiratet.

Im Jahre 1975 lernten wir uns kennen. Meine Studienkollege Bruno de Vries hat mir seine Mehrfahrtenkarte Basel-Zürich gegeben, damit ich sie besuchen konnte an der Altkircherstrasse 9 in der Nähe vom Schützenmattpark in Basel.
Da sie der Beruf als Krankenpflegerin nie besonders befriedigte, ging sie im Mai 1975 nach Florenz. Sie besuchte dort einen dreimonatigen Sprachkurs. Im Sommer begleite ich meine Mutter nach Rom. Auf der Rückreise besuchte ich Veronika in Florenz und wir machten Ferien.

Im Sommer 1976 begleitet sie mich über Ancona nach Patras auf dem Schiff. Nach einer Reise durch Griechenland absolvierte ich ein Praktikum in Athen. Veronika ging zurück an die Arbeit und besuchte mich in Istanbul wieder.
Sie arbeitete im Spital Thalwil. 

An Weihnachten 1977 verlobten wir uns im Steigbach.
In jener Zeit überlegte sich Veronika, ob sie Hebamme werden sollte. Sie sah davon ab.
Im April 1978 fing sie in der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli mit der Ausbildung zur Psychiatrie-Pflegefachfrau an. In jener Zeit wohnte sie im Personalhaus beim Balgrist.
Am 28. Juni 1978 heirateten wir zivil im Stadthaus in Zürich und feierten mit Kollegen, insbesondere mit den Trauzeugen Edith Aeberhard (mit Aschi) und Mage Lüscher. Meiner Erinnerung nach waren auch einzelne Kyburger dabei. Das zivile Hochzeitsessen nahmen wir in Oberrieden ein. Der Kyburger Mullis v/o Heller   hat das Restaurant damals betrieben.
Am 1. Juli 1978 heirateten wir in der Kapuzinerkirche von Appenzell, getraut von meinem Bruder Gandolf Wild und ihrem Götti Alfred Müller. Das Essen fand im Hotel Säntis am Landsgemeindeplatz statt. Die Gäste übernachteten im Hotel. 
Im Juli 1978 bezogen wir die erste gemeinsame Wohnung an der Dahliastrasse 8 in Zürich.

Lebensdaten von Veronika
Geburt: Mittwoch, 3. Januar 1951, 2.30 Uhr am Kolpenweg 1 in Muhen AG (Geburtsregister Band IV Seite 286 Nr. 1
Taufe: 
Patin/Gotte: Anna Bolliger-Suttermeister.
Pate/Götti: Alfred Müller 
Konfirmation: 
Ziviltrauung: 28. Juni 1978 im Stadthaus Zürich, mit Ve-
ronika Lüscher, Trauzeugen Edith Schürch und .
Kirchliche Trauung: 1. Juli 1978 in der Klosterkirche Ap-
penzell, getraut von Bruder Gandolf Wild, Kapuziner-
priester und dem Götti von Veronika, Alfred Müller, re-
formierter Pfarrer
Geburt Milena Franziska Wild, 2. September 1981 im
Rotkreuz-Spital Zürich (heute Careum)
Geburt Raphael Matthias Wild, 23. Oktober 1982 in der
Klinik Hirslanden Zürich
Geburt Isabelle Katharina Wild, 25. September 1986 in
der Klinik Hirslanden Zürich
Geburt von Enkel Adrian Cedric Oliver Wild, 20. Dezem-
ber 2012, Maternité Triemli (Eltern in Bonstetten)
Geburt von Enkel Gabriel Casimir Lorenz Wild, 17. Okto-
ber 2014, Spital Affoltern am Albis (Eltern in Bonstetten)
Geburt von Enkel Linus Christoph David Wild, 23. Mai
2018, Spital Affoltern am Albis (Eltern in Knonau)

Ausbildung und Arbeitsstellen:

April 1958 bis März 1966 Primar- und Oberschule in  Muhen, acht Schuljahre, ohne Kindergarten
April 1966 bis März 1967 Haushaltsjahr bei Familie Häfliger ? in Oberentfelden
April 1967 bis August 1968 Praktikum am Kinderspital Wildermeth in Biel, 
September 1968 Tod von Vater Erwin
September 1968 bis Dezember 1968 Mitarbeit in einer Pferdemetzgerei eines Bekannten in Zürich. Veronika konnte mit ihm zur Arbeit fahren 
Januar 1969 bis April 1969  Bahnhofsbuffet St. Moritz....
März 1969 bis April 1970 St. Moritz, zwei Praktika im Hotelwesen, z.B. Hotel Laudinella
Mai 1970 bis November 1971 Ausbildung zur Krankenpflegerin FA SRK im Pflegeheim Moosrain in Riehen
1972 Geriatrische Abteilung im Diakonissenspital in Riehen
1972? bis 1977 Claraspital Basel, medizinische Abteilung und chirurgische Abteilung
(Unterbrochen mit Sprachaufenthalt in Cambrigde England,  
22. April 1974 bis 28. Juni 1974 Davies's School of Englisch, und Ende 1976 mit einem zweimonatigen Kurs am Tropeninstitut Basel)
Mai bis Juli 1975 Sprachaufenthalt in Florenz
10. August 1977 bis 28. Februar 1978 Krankenpflegerin FA SRK Spital Thalwil
8. Mai 1978 bis 13. April 1981 Ausbildung zur Psychiatrie-Pflegefachfrau an der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli Zürich (PUK)
4. April bis 23. Oktober 2001 Höhere Fachausbildung Stufe I am SBK Bildungszentrum Zürich
23. Januar 1988 bis 31. Juli 2000 dipl Psychiatrie-Schwester PUK Zürich
September 2000 bis Mai 2012 dipl. Pflegefachfrau HF Stadtspital Triemli (60-100 % in allen Schichten). Heidi Heinzer-Künzle, ihrer frühere Vorgesetzte am Claraspital, hat ihr diese Stelle empfohlen. Selber arbeitete sie auch am Triemli. 
7. Dezember 2012 bis Juli 2019 Spitex MediTana Urdorf 
2012 und 2013 MS Lager Walchwil und Magliaso Tessin sowie
INSIEME Lager Lenzerheide (Erkältet wegen Lüftung im Postauto)
2011 bis 2020 Chramschopf Zollikerberg 
2009 bis 2020 Predigerkirche bei Pfr. Renate von Ballmoos (2006-Juni 2020), Freiwillige im Präsenzdienst 


Wohnorte von Veronika Wild bis zur Heirat 

Januar 1951 bis März 1967 Kolpenweg 1, Muhen
April 1967 bis August 1968 Wildermeth Biel
September 1968 bis Dezember 1968 Kolpenweg 1, Muhen
... 1969 bis April 1970 St. Moritz
Mai 1970 bis November 1971 Moosrain, Riehen
Dezember 1971? bis März 1974 ? Basel
31. Oktober 1974 bis 25. März 1977 Basel, Altkircherstrasse 9
März 1977 bis März 1978 Thalwil
April 1978 bis Juni 1978 Personalhaus PUK beim Balgrist an der Witellikerstrasse 22
Ab Juli 1978 Gemeinsame Wohnung mit Niklaus Wild an der Dahliastrasse 3 in 8008 Zürich.

Ausbildungsteam an der PUK Kurs F78 (1978 bis 1981):

Ackermann Silvia
Aeppli Ursula
Bertschi Maja
Denzler Verena
Dietrich Dö1f
Eichenberger Gabriel
Gerritsen Mirjam
Hitz Adrian
Köppel Beatrice
Lüscher Veronika, Wild-Lüscher Veronika
Meier Renato
Müller Marianne, Lutz-Müller Marianne
Peter Hansruedi
Roesch Arlette, Roy-Roesch Arlette
Scheifele Daniel
Sgier Antonia
Studer Gabriele
Tavaretti Roberto
Vogel Amina
Wernli Kurt
Zahnd Claudia
Zumbach Christa

Doris Werz von St. Gallen bzw. der Vögelinsegg (Speicher AR) kennt Veronika aus dieser Zeit als Arbeitskollegin auf der Abteilung.
Anna Mäder machte auch dort die Ausbildung, aber nicht im gleichen Kurs wie Veronika.

Namen der Klassenkameraden und Konfirmanden Muhen

* Bachmann Andreas, Mitteldorfstrasse 3, 5034 Suhr
* Bartholdi-Müller Marlise, Zelgwasserweg 25, 4660 Gelterkinden
* Baumgartner Werner, Brunaustrasse 165, 8951 Fahrweid
* Bolliger Adolf, Hubelweg 5, 5037 Muhen
* Bosshard Yvonne
* Bürgin Urs
* Casey-Lehmann Susanne, Talackerstrasse 8, 5037 Muhen
* Daxelhofer Jean-Marc, Heilsarmee, 3072 Ostermundigen
* Derungs-Wullschleger Sonja, A l’En 700, 7503 Samedan
* Dräyer-Geissmann Doris, Grenzweg 8, 5037 Muhen
* Erismann Heinz, Waagmattenweg 21, 5612 Villmergen
* Sautschi-Bähni Edith, Gibel 28, 5037 Muhen
* Gentsch-Hunziker Irene, Funkenstrasse, 8501 Oberneunform
* Guenat-Lüscher Doris, Mattenstrasse 1, 2558 Aegerten
* Guggisberg Jürg, Aussere Mattenstrasse 27, 5036 Oberentfelden
* Haberstich Heidi, c/o S. Brun, Spinnereiweg 17, 88313 Oberkempthal
* Haller-Wälty Silvia, Aarauerstrasse 15, 5015 Niedererlinsbach
* Hangartner Jakob
* Heusser-Stiner Karin, Haldenweg 15, 4800 Zofingen
* Huber Kurt, Quellmattstrasse 72, 5035 Unterentfelden
* Hunziker Hans, Leinstrasse 24, 5037 Muhen
* Hunziker Peter, Luterbächlistrasse 871, 5745 Safenwil
* Imhof-Lüscher Esther, Jurastrasse 9, 3294 Büren a.A.
* Imhof Heinz, Lyssacherstrasse 24, 3400 Burgdorf
* Jauch-Tschanz Annarös, Kammermattstrasse 10, 4107 Ettingen
* Kläy-Kunz Esther, Oberdorfstrasse 124, 5606 Dintikon
* Krenn Urs, Gotthelfstrasse 9, 4800 Zofingen
* Kummer-Moser Rita, Rue Beau séjour 24, 1003 Lausanne
* Leemann-Senn Esther, Albisriederstrasse 146, 8003 Zürich
* Lerch Adrian, Zweigstrasse 204, 5043 Holziken
* Leu Bruno, Elfenaustrasse 8, 5037 Muhen
* Lüscher Andreas, Kirchfeldstrasse 10, 5014 Gretzenbach
* Lüscher Bernhard, Gehrenstrasse 27, 5037 Muhen
* Lüscher Bruno, Suhrenhübel 285, 5044 Schlossrued
* Lüscher Doris, Gärschtenacherstrasse 514, 4813 Uerkheim
* Lüscher Hugo, Buchenweg 10, 5036 Oberentfelden
* Lüscher Jean-Pierre, Flurweg 2, 5040 Schöftland
* Lüscher-Mosimann Marcel, Wallenmatt 13, 5742 Kölliken
* Lüscher Peter, Talstrasse 17, 5037 Muhen
* Lüthy Hansueli, Rütmattstrasse 14, 5004 Aarau
* Lüthy Heinz, Seerose, 6553 Weggis
* Martin-Lüscher Margrit, 17, Seville St., Leeton, NSW 2705/Australien
* Matter Max, Oltnerstrasse 33, 5013 Niedergösgen (Beerdigung am 10. Februar 2013)
* Maurer-Lüscher Ruth, Stöcklimatt 13, 5037 Muhen
* Müller Bernhard, Postfach, 5036 Oberentfelden
* Netzhammer-Frey Vreni, Obere Ebenestrasse 19, 5620 Bremgarten
* Rey Hansrudolf
* Romang-Jost Christine, Schweizermatte 496, 4813 Uerkheim
* Schaffner Hansjörg, Hauptstrasse 79, 5042 Hirschthal
* Schell-Baumann Marlis, Rest. Post, 5040 Schöftland
* Senn-Diggelmann Ursula, Schwabistalstrasse 33, 5037 Muhen
* Suter-Müller Sonja, Bettwilerstrasse 34, 5615 Fahrwangen
* Sutter Bernhard, Delfterstrasse 27, 5004 Aarau
* Strähl-Lüscher Therese, Eichhaldering 10, 5037 Muhen
* Stirnemann Ulrich, Sagimattstrasse 15, 5036 Oberentfelden
* Thalmann Urs, Birmensdorferstrasse 2, 8953 Dietikon
* Wehrli-Imhof Therese, Belchenweg 25, 5033 Buchs
* Widmer Fritz, Postweg, 5043 Holziken
* Wild-Lüscher Veronika, Im Tiergarten 50, 8055 Zürich
* Zehnder-Hunziker Monika, Wöschnauerstrasse 32, 5012 Schönenwerd

Im Januar 1984 verfasste Veronika Wild-Lüscher einen Lebenslauf in Ich-Form über die Zeit bis zu ihrer Heirat:

Am 3. Januar 1951 wurde ich in Muhen, Kanton Aargau, als drittes und letztes Kind geboren. Acht Jahre lang besuchte ich im selben Ort die Schule (1958-1966). Nach dem üblichen Haushaltlehrjahr, das ich im Nachbardorf Oberentfelden absolvierte, ging ich ins Kinderspital Wildermeth in Biel, wo ich von April 1967 bis August 1968 arbeitete. Anfang September 1968 starb mein Vater unerwartet an einer Pneumonie.
Bis in den Sommer 1969 half ich meiner Mutter im elterlichen
Landwirtschaftsbetrieb und arbeitete nebenbei vier Monate als Verkäuferin in der Metzgerei eines Bekannten meiner Familie in Zürich.
Die Zeit, bis ich das erforderliche Alter von 19 Jahren für die Ausbildung in Krankenpflege erreicht habe, überbrückte ich mit einem Aufenthalt in der Laudinella in St. Moritz als Hotelhilfe.
Von Mai 1970 bis 26. November 1971 machte ich im Pflegeheim Moosrain in Riehen die Ausbildung zur Krankenpflegerin FA SRK. Nach der Lehre arbeitete ich noch ein Jahr auf der geriatrischen Abteilung im Diakonissenspital in Riehen.
Um meine beruflichen Kenntnisse zu erweitern, wechselte ich vom 1. November 1972 bis 31. März 1974 auf eine medizinischen Abteilung im Claraspital Basel. Anfangs April bis Ende September 1974 verbesserte ich mein Englisch in Cambridge und Brighton in England. Im Oktober 1974 kehrte ich ins Claraspital zurück und arbeitete auf einer chirurgischen Abteilung. Vom 15. Oktober bis 10. Dezember 1976 besuchte ich den Tropenkurs im Schweizerischen Tropeninstitut in Basel. Ende März 1977 beendetet ich meine Arbeit im Claraspital Basel.
Nach einem vier Monate langen Sprachaufenthalt in Florenz arbeitete ich im Spital Thalwil, bis ich im April 1978 in der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli mit der Ausbildung zu Psychiatrie-Schwester beginnen konnte. Während der Lehrzeit heiratete ich am 1. Juli 1978 Niklaus Wild, mit dem ich im Seefeldquartier von Zürich wohnte. Die Lehre schloss ich im Mai 1981 mit dem Diplom ab.
Wir zügelten nach Zollikon, wo wir im September 1981 mit unserer Tochter Milena zur Familie wurden. In der Folge ging ich keiner bezahlten Tätigkeit mehr nach. Bereits im Oktober 1982 vergrösserte sich die Familie mit der Geburt von Raphael.



Familienwohnung
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13.2.  Veronika & Niklaus seit der Heirat – Familienwohnung.
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Wo wohnten wir im Laufe des Lebens, als Kind, als Ehepaar in den ersten Ehejahren?
Ich wohnte die ersten 20 Jahre im Appenzellerland, im Steigbach 269 in 9055 Bühler. Während der Gymnasialzeit war ich als interner Schüler in Appenzell (1964-1971). Im Jahre 1971 kam der studienbedingte Wechsel in die Stadt Zürich, wo ich die ersten Semester in den Kreisen 11, 8, 6, 4 und ab dem vierten am Hirschengraben 70, 8001 Zürich, in der Kyburger-WG wohnte.

Unsere erste gemeinsame Wohnung bezogen wir im Juli 1978 an der Dahliastrasse 3 in 8008 Zürich. Es war eine 4-Zimmer-Altbauwohnung mit Stuckaturen an der Decke. Geheizt wurde mit Kohle. Die Nebenkosten waren deshalb in etwa so hoch wie die Miete. Wir hatten mit Margrit und Peter Hiller (lange Jahre in einem Haus in Wettingen an der Tödistrasse 8 mit den beiden Töchtern Charlotte und Yvonne, ab 2024 in einer neu erstellten Wohnung in Wettingen. Das Haus hat die Tochter übernommen) sowie Eveline und Beat Schenk-Kreis (Reihenhaus am Buchenweg 7 in Benglen) gute Nachbaren. 
Im Haus wohnte auch die Besitzerin. Nach ihrem Tode wurde die Erben ausfindig gemacht, das zum Glück dauerte. Letztlich wurde das Haus versteigert und wir mussten zügeln.

Fotos Niklaus auf Balkon, Mutter mit Hund beim Malen der Zimmer.


Familienwohnung in Zollikon - Nachbarschaft 

Veronika hat im Zolliker-Boten ein Wohnungs-Inserat gesehen. Wir bekamen den Zuschlag. Angeblich hat meine Anstellung bei der Elektrowatt geholfen. In Zollikon am Blumenrain 29 fanden wir 1981 unsere Familienwohnung. Diese hatte drei Zimmer, einen Balkon, eine Waschküche mit peinlich einzuhaltendem Waschtag alle vierzehn Tage. Dies war speziell. Meine Idee, für unsere im September 1981 geborene Milena Stoffwindeln anzuschaffen, erwies sich vor diesem Hintergrund als nicht gerade ideal und schnell wechselten wir auf Wegwerfwindeln. Wir wohnten im zweiten Stock, ohne Lift. Für das Auto hatten wir ca. 100 m vom Haus entfernt am Blumenrain einen Parkplatz, wo wir im Winter den Schnee abkratzen oder am Schulsilvester das Auto von Rasierschaum oder Toilettenpapier freilegen durften.
Unter uns wohnte Anne Maria Thalmann mit ihrem Mann. Sie ging mit 41 Jahren zum Arzt und meinte, sie hätte einen Blinddarm. Er sagte ihr, sie sei schwanger und bald gebar sie ihren Martin. 
Im Parterre wohnte Frau Reinhard. Sie wachte über die Hausordnung. 
Als Familie hatten wir es hier gut. In der Nachbarschaft wohnten die Familien Rahn, Ris, Redli und Bär. Damals traf ich nach der Arbeit oder an den Wochenenden sogar die Väter und Mütter auf dem grossen Spielplatz der Gemeinde nicht weit weg von uns. Mit diesen Kindern ging Milena oder Raphael in den Kindergarten. 

Ich mag mich erinnern, wie ich einmal mit meinen drei Kindern und Gian Ris die Höllgrotten bei Baar besuchte. Gian fiel dort in einen Tümpel und war durchnässt. Ich packte ihn im Auto ohne die nassen Kleider in eine Wolldecke und gab ihn so seiner Mutter zurück. Diese war gar nicht erbaut. Ein andermal ging ich mit ihm und Raphael ganz in unserer Nähe den Fohrbach hinauf. In der Nähe vom Schwimmbad führte unter dem Weg ein Rohr für ein Rinnsal durch. Die beiden Buben krochen durch das Rohr und kamen natürlich wie Kaminfeger auf der anderen Seite hinaus. Ich dachte mir nichts dabei, die Buben waren zufrieden und hatten Freude. Seine Mutter Monika aber schimpfte mit mir, denn Gian hatte sogenannt schöne Kleider an. Ich sagte ihr, nächstes Mal solle sie ihm die ältesten anlegen lassen. 
Diese ersten Jahre in Zollikon als Familie waren friedlich und schön. Wir fühlten uns eingebettet. 
Von diesen Familien sind alle weggezogen: Bär nach Männedorf, Ris nach Küsnacht, Rahn auf den Zollikerberg.



Milena und Raphael mit Nachbarskindern auf dem Weg zur Schule (Tornister) oder in den Kindergarten (Täschli) in Zollikon, 1988.

Kinder auf dem Zaun von links nach rechts: ..., Milena Wild, Lara Bär, Matthias Bär, Raphael Wild, Eric Rahn, ....

Markus Redli?

Angaben zu den Nachbarn:
Madelaine und Max Rahn, Eric und Michele. Sie sind weitergezogen in Mietwohnung auf den Zollikerberg.
Madelaine ist mit Tom zusammen. Max ist zurück in die USA gegangen und Michele folgte ihm. Eric wohnt in Kolumbien
Redli Markus?
Monika und Thomas Ris, Flavia und Gian (Haus an Schüracherstrasse 9 in Küsnacht)
Rita (Finnländerin) und Walter Bär, Matthias und Lara (Hausteil in Männedorf und heute in Eigentumswohnung)
Anna Maria Thalmann, Martin (Vater arbeitete in Basel als Jurist beim SBV Schweiz. Bankverein)
Frau Reinhard
Frau Kruse (ehemals aus Deutschland), ihr Sohn Matthias Kruse studierte Bauingenieur an der ETH und arbeitete bei Basler & Partner und heuerte mich seinerzeit beim Tourenclub Zollikon als Mitglied an, als er Präsident des TCZ war)

Vom Schlafzimmer sah ich hinüber auf den Gartensitzplatz der Familie Hirzel, mit der wir keinen grossen Kontakt hatten. Für mich war etwas speziell, denn sie kauften das Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen und bezogen jene im Erdgeschoss. Im Nachhinein muss ich feststellen, sie haben langfristig das richtige getan. Damals dachte ich, warum kaufen sie nicht ein Einfamilienhaus mit diesem Geld. Damals waren Mehrfamilienhäuser noch nicht im Fokus von Anlegern und dementsprechend günstig zu haben, günstiger als die gleiche Wohnfläche in einem Einfamilienhaus. Zudem finanzierten die anderen Mieter mehrheitlich die eigene Wohnung.

Es war eine schöne und friedliche Familienzeit.
Die Wohnung war knapp bemessen, vor allem nach der Geburt unseres dritten Kindes Isabelle im Jahre 1986. Veronika sagte immer am Abend am gemeinsamen Abendessen, es gehe nicht mehr mit dem Platz, alle drei Kinder in einem Zimmer. Auch die Küche war klein.
Ich staunte immer über Veronika, was sie als Mutter alles zustande brachte, zuerst mit zwei, dann mit drei Kindern, in einem Haus ohne Lift. Mit Raphael auf dem Arm und Milena kriechend die Treppe hinunter, ging sie aus dem Haus oder in die Waschküche im Erdgeschoss.


Isabelle und Martin Thalmann bei unserer Wohnung am Blumenrain 29 in Zollikon. Martin wohnte mit seinen Eltern unter uns. ca. 1989

 

Ida Lüscher-Bolliger auf dem Balkon am Blumenrain 29 in Zollikon. In den 80-er Jahren.

 



Unsere Familienwohnung im Tiergarten 50, 8055 Zürich

Im August 1989 zügelten wir in den Tiergarten in Zürich Wiedikon, am Fusse des Üetlibergs. Hier hatten wir Platz, jedes Kind ein eigenes Zimmer, eine grosses helles Wohnzimmer, eine grosse Küche, zwei Balkone, viele Wandschränke, im Kellergeschoss zwei Waschmaschinen und zwei Tumbler sowie einen grossen Trockenraum, alles ohne Waschplan. Man konnte sich jederzeit einschreiben. Das Auto in der Tiefgarage, mit Lift zu erreichen. Zudem hatten wir einen 33 m2 gossen Bastelraum. Endlich waren wir angekommen. In der Wohnung hatten wir für alles genügend Platz und Raum, uns zu bewegen. Die beiden Nasszellen vereinfachten den Familienalltag, wenn die beiden älteren Kinder zu Schule gingen und ich zur Arbeit.
Milena ging unaufgeregt gerne in die zweite Klasse und Raphael wurde eingeschult. Das Schulhaus war in der Nähe.

Und für mich als Vater ganz wichtig: Meine Kinder konnten ihre Jugend und Ausbildung von dieser Familienwohnung aus bis zum Abschluss bringen. Niemand konnte uns kündigen. Wir hatten den Wohnsitz in eigenen Händen.

Alles war neu, die ganze Siedlung, auch jene im Gehrenholz, auf der anderen Seite der Üetlibergbahn. Über die Schule lernten wir etliche Nachbarn kennen, mit denen wir Kontakt pflegten. Aber wie üblich im Leben, die Beziehungen verliefen mit der Zeit im Sand, vor allem wenn die Nachbarn weggezogen sind.
Francine und Andy Keller, mit Raphael, Seraina und Chantal im Gehrenholz 2g.
Susanne und Beat Vontobel mit (Vom Chlösterli beim Zoo ins Gehrenholz gezogen und heute wieder am Zürichberg in einer Eigentumswohnung)
Esther und Ueli Büchi mit Philipp und Ralph (vom Tiergarten ins Geherenholz 8a gezogen in Miete bei Martin & Bea Lanz)
Uschi und Robi Zoller mit Martin (vom Tiergarten 51 nach Würenlos im Limmattal gezogen in EFH und 2000 in Eigentumswohnung Schlotterbeckareal beim Letzigrund an der Badenerstrasse 415)
Maria Theresa und Hans Dieter Wiedemann mit Sebastian (Sohn Giren 2017 und Sohn Rion 2000) an Sieberstrasse 12. 
Marianne Bachmann von Meiliweg 11 an Zentralstrasse im Kreis 3 gezogen.
Veronika's Vorfahren
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13.3.  Veronika & Niklaus seit der Heirat – Veronika's Vorfahren.
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Vorfahren vom Lüscherhof – väterlicherseits

Der Lüscherhof in Muhen AG spielt für Veronika's Verwandten auf Vaters Seite eine wichtige Rolle. Hier lebten die Grosseltern von Veronika Adolf Lüscher und Rosa Humm. Adolf war auch Gemeindeammann von Muhen. Veronika besuchte jeweils ihre Grossmutter. Diese hatte eine chronische Bronchitis und einen Spucknapf in Gebrauch. Diesen hat Vreni Curty-Lüscher erben können. Veronika hat ihrer Grossmutter jeweils Kaffee gemalen. Sie durfte die Mühle aus Holz erben. Diese stand jahrelang bei uns im Tiergarten in der Küche. Die Abdeckung war nicht immer trocken, so hat die Mühle Wasser gezogen und das Holz verbog sich. Darum ist sie nun im Keller in Sicherheit.

Der älteste Sohn Fritz (1909-1980) übernahm den Lüscherhof. Er war mit Margrit (1909-1990) verheiratet. An seiner Beerdigung sah ich zum ersten Mal diesen Zweig ihrer Familie. Seine drei Kinder sind Robert Lüscher (* 5. April 1941), Heidi Lüscher (* 5. Februar 1941) und Walter Lüscher (* 18. April 1947). Achtung Walter hat eine Heidi geheiratet, nicht zu verwechseln mit seiner Schwester.

Dem zweitältesten Sohn Erwin, Vater von Veronika, kaufte Vater Adolf den benachbarten Bauernhof Kolpenweg 1/3, das Elternhaus von Veronika.

Der dritte Sohn Max baute zwischen den beiden Bauernhöfen sein Haus. Er arbeitete in der Fabrik. Verheiratet war er mit Ida Neuenschwander, sie hatten zwei Kinder Peter und Vreni (*1949). Max ist früh gestorben. Seine Frau Ida heiratete einen Herrn Sauser. Mit Vreni Curty-Lüscher, die mit Paul in Küttigen, Alte Stockstrasse 12 wohnt, pflegt deine Grossmutter Kontakt. Sie haben zwei Kinder, Philipp und Corinne. (Foto weiter unten)

Der vierte Sohn Adolf blieb ledig, wohnte bei der Grossmutter Rosa Lüscher und arbeitete in der Fabrik, ist früh mit seinem Motorrad tödlich verunglückt. Damals war die Suhrentalbahn eine Strassenbahn ohne von der Strasse abgetrenntes Trassee. 

Die zwei Töchter haben je einen Bauern geheiratet, Hedi heiratet einen Hans Baumann und bewirtschaftete den Hof in der Nähe des Bahnhofs Kölliken. Sie haben zwei Töchter Rosmarie und Esther sowie den Sohn Hans, der wiederum eine Margrit heiratete, den Hof weiter führte und heute in einem Mehrfamilienhaus beim Bahnhof Kölliken wohnt.

Die weitere Tochter Alice Lüscher  heiratet Ernst Müller und sie bewirtschafteten einem Hof an der Bahnlinie zwischen Kölliken und Suhr. Ihre Kinder heissen Ester (*ca.1949) und Gerold. Gerold seinerseits hat einen Sohn Manfred (*1974). Dieser ist ein guter Freund von Simon Lüscher vom Lüscherhof. Gerold heisst der zweite Sohn.


Aufnahme der Familie Lüscher-Humm vor dem Lüscherhof in Muhen AG. Von links nach rechts: Alice Müller-Lüscher, Adolf Lüscher-Humm (Grossvater von Veronika), Fritz Lüscher-Suter, Erwin Lüscher-Bolliger (Vater von Veronika), Hedi Baumann-Lüscher, Adolf Lüscher, rosa Lüscher-Humm (Grossmutter von Veronika), Max Lüscher-Neuenschwander.

 



Landwirtschaftsland im Eichli Kölliken AG
Nach dem zweiten Weltkrieg plante die Schweiz mit den Autobahnen ein völlig neues Strassennetz. Die A1 (heute N1) führte zwischen Kölliken und Muhen über die Ebene. Dies bedingte eine Landumlegung. Dem Lüscherhof wurde Land rund um den Bauernhof zugeteilt und hat dadurch aus Sicht der Bewirtschaftung eine Verbesserung erfahren, allerdings ist der Autobahnlärm dauernd präsent.

Der Bauernhof von Erwin, dem Vater von Veronika, indessen wurde aufgeteilt. Nebst dem Bauernhof am Kolpenweg 1/3 verblieb ein 20’948 m2 grosses ebenes Landstück im Eichli (Parzelle 2736). Dieses Landstück verpachtete Ida Lüscher nach dem Tod ihres Mannes Erwin im Jahre 1968 an Schwager Fritz und Schwägerin Margrit vom Lüscherhof. Seit jener Zeit bewirtschaftet Fritz, später sein Sohn Walter (*18. April 1947) mit seiner Frau Heidi (* 8. März 1947) und ab 1. Januar 2013 dessen Sohn Simon (*23. Mai 1976) das Land.
Veronika hat zusammen mit ihren fünf Miterben am 7. Juli 2024 mit Simon Lüscher einen schriftlichen Pachtvertrag unterzeichnet. Das Pachtverhältnis war wahrscheinlich mündlich vereinbart worden, denn es liess sich kein Vertrag finden, die Pacht wurde immer pünktlich bezahlt.

Am 27. Januar 2011 unterzeichneten die Nachkommen von Erwin & Ida Lüscher einen Dienstbarkeitsvertrag mit der Firma Hochuli zum Abbau von Kies. Im Jahre 2022 begann der Abbau der geschätzten 160’000 m3 Kies, in eine Tiefe bis oberhalb des Grundwasserspiegels. Für die Zeit des Kiesabbaus von mindestens zehn Jahren steht dem Pächter Ersatzland zur Verfügung in der Nähe der Badanstalt (Ganze Parzelle 2766 und ein Teil der Parzelle 2765).

Der Kiesabbau ist geregelt wie auch die Auffüllung der Kiesgrube und deren Rekultivierung. Früher haben Gewerbetreibende Landwirtschaftsland für Fr. 30-40.-/m2 gekauft im Hinblick auf den Kiesabbau. Ein Landwirt konnte solche Preise nicht bezahlen. Der Kanton hat daher für Landwirtschaftsland maximale Preise von Fr. 13.50/m2 für Land vor dem Kiesabbau und Fr. 8.50/m2 für Land nach Kiesabbau festgelegt.
Beim Autobahnbau in den sechziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts waren solche Dinge nicht geregelt. Der Bruder Hansjörg von Veronika hatte ein Baugeschäft und musste das Kies kaufen. Der Staat hat aber beim für den Autobahnbau enteigneten ehemaligen Land seiner Eltern Kies entnommen. Auch mit Unterstützung eines Anwalts konnten sie nicht auf das Kies unter ihrem vormaligen Land zugreifen.


Muhen AG in der Mitte. Links zeigt der Pfeil auf das Landwirtschaftsland Eichli in Kölliken. Rechts zeigt der Pfeil zum Waldstück der Erbengemeinschaft. In der Mitte das Schulhaus. Der rote Punkt zeigt das Elternhaus. Im Eichli ist der Installationsplatz bereit für den Kiesabbau. Ca. 2022

 



Lüscherhof
Simon Lüscher, der Cou-Cousin von Veronika, hat den Hof von ca. 10.5 ha von seinem Vater Walter 2013 als 37-jähriger übernehmen können. Er baut Getreide und Obst an. Er machte nebst der Ausbildung als Landwirt noch eine andere als Polymechaniker. In einem Schopf baute er eine hochstehende Werkstatt mit mehreren CNC-Fräs- und Bohrmaschinen auf. Er stellt Kleinserien für Industriebetriebe her. Das technische Verständnis hat er von seiner Grossmutter Margrit Lüscher-Suter (1909-1990), die Schneiderin war. Er baut auch spezielle Fahrzeuge, mit denen seine beiden Söhne Ruven und Tom zusammen mit dem Schwiegervater an Rennen teilnehmen. Mit dem jüngsten Sohn Tom baute er 2024 eine Rapid-Zugmaschine so um, dass Tom damit an Einachser-Rennen teilnehmen kann.


Lüscherhof mit Solardach. 2024

 


Simon Lüscher mit Familie. Julia (17.10.2006), Simon (23.5.1976), Nicole Zuber
(11.3.1979), Ruven (27.11.2008), Tom (7.4.2012). Simon bewirtschaftet seit 2013 den Lüscherhof. Aufnahme 2024.

 

Lebensdaten
Simon Lüscher, 23. Mai 1976
Nicole Lüscher-Zubler, 11. März 1979
Tom Lüscher, 3. April 2012
Ruven Lüscher, 27. November 2008
Julia Lüscher, 17. Oktober 2006
Simons Schwester Susanne Lüscher, 16. April 1978


Julia Lüscher schliess die Fachmatur mit Note 5.7 ab im Juni 2026, hier flankiert von Vater Simon und Mutter Nicole Lüscher.

 

Paul Curty, Veronika Wild-Lüscher, Vreny Curty-Lüscher, geb. 7. April 1949. Gnadenthal an der Reuss am 7. Juli 2026. An der Alten Stockstrasse 12 in Rombach abgeholt und gebracht.

 







Wald auf Rossrügg in Muhen

Im Jahre 2025 wollte die Erbengemeinschaft Bucher Lüscher Wild das Waldstück Rossrücken (Parzelle 243 im Umfang von 1920 m2) an den Verwandten Simon Lüscher verkaufen. Der Kaufvertrag war ausgehandelt im Mai 2025. Es ging um die Unterschriften. Peter Lüscher teilte Veronika im Oktober 2025 mit, der Wald könne nicht verkauft werden. [Unsere Vermutung: Die Schwägerin Sylvia Lüscher-Steiner ist seit ca. 2020 dement und im Altersheim Sonnmatt Kölliken. Sie ist Vormündin ihres Sohnes Urs, der mit Sauerstoffmangel auf die Welt gekommen ist. Peter Lüscher schrieb auf WhatsApp, sie hätten schlechte Erfahrungen mit der KESB gemacht. Mehr weiss Veronika nicht.]

Veronika hätte früher den Wald gerne für eines ihrer Kinder gekauft. Dummerweise hat sie diesen Wunsch erst geäussert, als ihr Bruder Hansjörg schon tot war. Weder sie noch ich haben den Wald jemals gefunden, geschweige denn betreten. Damals sagte Sylvia, das gehe sie nichts an, das müssten die Buben dann einmal entscheiden. Ein Waldnachbar hätte anscheinend einmal Interesse an der Parzelle gehabt. Damals hat Veronika nicht Hand geboten. Aktuell im 2025 scheitert der Verkauf an den Cou-Cousin wiederum an Sylvia.



Grosseltern und Eltern von Veronika

Eltern und Grosseltern von Veronika.

 







Familie Bolliger aus Ürkheim AG – mütterlicherseits

Ida Lüscher-Bolliger, die Mutter von Veronika, hatte Freude an ihrem grossen Blumen- und Gemüsegarten, den sie mit Leidenschaft gepflegt hat. Zusammen mit ihrem Mann
Erwin bewirtschaftete sie den Bauernhof und die Felder.
Zusätzlich nähte sie in Heimarbeit Arbeitskleider.

Ida Lüscher-Bolliger ging nicht viel fort. Sie lebte in ihrem Haus am Kolpenweg 3 in Muhen. Die letzten vier Tage vor ihrem Tode verbrachte sie im Spital Zofingen, wo sie letztlich an einer Blutvergiftung, ausgelöst durch Divertikulitis, gestorben ist. 

Veronika wuchs am Kolpenweg (1) auf. Durch Wiesenfelder erreichte sie die Schule (2). Vielfach brachte sie mit dem Velo und Anhänger die Milch in die Chaesi (3). Am Mittwoch-Nachmittag holte sie Heimarbeit für Mutter Ida mit dem
Velo bei Lutteur in Schöftland (4). Die Autobahn reduzierte
den Bauernhof auf das Eichli (5). Erwin Lüscher wuchs im
Lüscherhof (6) auf und Ida Bolliger im Tannacker Hinterwil (7).

 

Prägende Orte für Veronika in ihrer Jugend in Muhen und Umgebung.

 



Arnold und Bertha Bolliger hatten drei Kinder in Hinterwil.
Albert war das älteste Kind. Dessen Frau Anna Bolliger-Suttermeister war die Gotte von Grossmutter Veronika. Sie hatten die vier Kinder Anni, Heinz, Peter und Silvia und
wohnten in Uerkheim.

Die Schwester von Veronika's Mutter  Ida hiess Bertha (13.11.1912 bis 22.2.2000). Sie heiratete Ernst Hadorn (1913. bis 1983). Sie wohnten in Hinterwil mit ihren drei Kindern
Ernst, Christian und Martha.

Ida Bolliger und Erwin Lüscher
heirateten 1935. Neben ihren drei Kindern Hansjörg, Ruth und
Veronika hatten Ida und Erwin Lüscher den Pflegsohn Alfred Müller-Lüscher (22.8.1927 bis 24.7.2020). Er war Götti von Grossmutter Veronika. Er studierte Theologie in Deutschland.
Mit Vreni zusammen hatte er die drei Kinder Jonathan, Annemarie und Alfred.


Ida Lüscher-Bolliger ist das Mädchen ganz links, ca. 10 Jahre alt. Bertha Hadorn-Bolliger (1912-2000). Bertha Bolliger-Ehrismann. Arnold Bolliger. Albert Bolliger-Suttermeister. Aufnahme ca. aus dem Jahre 1924.

 


Veronika Wild-Lüscher mit ihrer Mutter Ida Lüscher-Bolliger vor dem Elternhaus in Muhen am Kolpenweg 1. Ida's Hund Bärli vor dem Hauseingang.

 


Ida Lüscher-Bolliger, Niklaus Wild, Hund Bärli. Auf Spaziergang im Winter rund ums Haus am Kolpenweg 1. Achtziger-Jahre.

 

Lüscherhof und Kolpenweg 1/3 im Hard in Muhen AG. Der Bauernhof in der Mitte mit einem L-förmigen und einem länglichen Gebäude ist der Hof von Erwin und Ida Lüscher-Bolliger, den Eltern von Veronika Wild-Lüscher. 2024

 


 

 

 

Veronika's Bruder Hansjörg Lüscher-Steiner
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13.4.  Veronika & Niklaus seit der Heirat – Veronika's Bruder Hansjörg Lüscher-Steiner.
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Er lebte mit seiner Frau Sylvia am Kolpenweg 3. Sein Haus war angebaut an das Elternhaus von Veronika.
Er hat ein Baugeschäft lange als Einmann-Betrieb geführt. Manchmal holte er sich Unterstützung. Er war arbeitsam und immer auf Achse.
Er baute den Stall zu seinem Werkhof mit darüber liegender Wohnung um. Bei der Bauabnahme war die Küche nicht eingebaut. Das hat er später gemacht. 
 
Ihre drei Söhne heissen Jürg (*15.2.1961), Peter (*21.2.1963) und Urs (*22.7.1964). Hansjörg war arbeitsam und war umgänglich. Mit seiner Familie kam er meistens an Weihnachten zu uns am 25. oder 26. Dezember. Er nahm seine Mutter Ida nach Hause, die Weihnachten als einzige Grossmutter meist mit uns verbrachte.

Die Eltern von Sylvia Lüscher-Steiner wohnten im gleichen Weiler. Sie hatte eine Schwester Martgrit(h) und einen Bruder Herbert (Herbi). Wenn wir bei Mutter Ida besuchten, war im Garten von Hansjörg meist die ganze Steiner-Sippe versammelt.
Sylvia sieht auf dem linken Auge wenig bis gar nichts. Im Altersheim ist es vielfach entzündt, was ihre Lebensqualität gegenüber früher auf das Auge bezogen nicht einschränkt. 


Sylvia (*1. März 1940) mit Hansjörg (2.2.1936 - 5.2..2007) und Sohn Jürg Lüscher. Strengelbach. März 2000. 60. Geburtstag von Sylvia.

 

Besonderes mit Hansjörg's Erben:
Im Jahre 2024 hatte Veronika mit ihrem Cousin den Pachtvertrag verschriftlicht im Zusammenhang mit dem Ersatzland wegen der Kiesentnahme. Bei einem Gespräch erwähnte Simon, er hätte gerne das Haus von Frau Wetter, die ich noch gekannt hatte, gekauft. Ein Ernst Schmid hat es damals gekauft und umgebaut. Seine Witwe benötigte Geld für ihre neue Eigentumswohnung. Simon konnte nicht mitbieten. Er sagte, wie er von Jürg und Peter höre, hätte ihr Vater Hansjörg den Hof für teures Geld übernommen. Veronika zeigte ihm den Preis aus dem Kaufvertrag. Er meinte, das sei eher ein Schnäppchen gewesen. Hansjörg hat seinerzeit bei einem ihm bekannten Architekten eine Schätzung machen lassen. Veronika hat nie etwas am Preis gemäkelt. Zu jenem Schätzpreis hat Mutter Ida Lüscher ihm das Haus verkauft. Hansjörg hat die Liegenschaft mit seinem gestalterisch fragwürdigen Anbau an das Elternhaus entwertet. Im 2025 ist es von den Erben Lüscher-Steiner an eine Gartenbaufirma zonenkonform vermietet. Einzig Jürg Lüscher wohnt noch in seiner elterlichen Wohnung. 
 




 

 

Veronika's Schwester Ruth Bucher-Lüscher
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13.5.  Veronika & Niklaus seit der Heirat – Veronika's Schwester Ruth Bucher-Lüscher.
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Ruth (*11. März 1943) und Hans Bucher-Lüscher (15.1.1943 bis 28.7.2015) wohnten in Birmensdorf ZH (vorher in Nussbaumen bei Baden und Berikon) und zogen nach der
Pensionierung in die Innerschweiz (Engelberg, Emmetten, Ennetbürgen, Buochs). Ruth – Gotte von Milena –
arbeitete viele Jahre bei der Migros Löwenstrasse in der
Käseabteilung. Ihr Auto parkierte sie im Tiergarten.

Ehemann Hans betrieb einige Jahre einen Veloladen in Nussbaumen. Er unterstützte Veloteams und in dieser Rolle kam er viel umher. Im damaligen Ostdeutschland hatte er eine Tochter, dessen Mutter er finanziell unterstützte. Diese Tochter Margitta (verheiratet mit Pascal Schürrer) lernten wir an seiner Beerdigung kennen. Als Erbin hat sie all den Geschwistern von ihrem Vater Hans empfohlen, die Erbschaft auszuschlagen, da nur Schulden zu übernehmen wären.  Ruth aber meinte vorher, Margitte könne erben und sie hätte ihm immer Rechnungen bezahlt. Bis zu seinem Tode war Hans Spezialist bei Förderanlangen wie z.B. die Briefpostanlage Mülligen. Sein Arbeitgeber hat die Beerdigung auf dem Friedhof Birmensdorf unterstützt. Diese Firma war öfters als Unterakkordant von Siemens tätig und Hans war an vielen Orten auf der Welt gefragt, die Inbetriebnahme solcher Förderanlagen zu unterstützen. Sie haben Hans als loyalen und einsatzfreudigen Mitarbeiter geschätzt. 
Hans ist in einer katholisch geprägten Grossfamilie aufgewachsen. Er wetterte vielfach über den Reichtum der Kirche besonders jenen vermeintlichen von Rom. Raphael hat uns jeweils gefragt, warum braucht Hans so 'schlimme' Wörter. 



Hans Bucher hatte Mühe im Umgang mit Geld und Ruth versuchte, all die Rechnungen zu bezahlen. So um 2010 herum trennte sie sich formell von ihm, sie lebten aber weiterhin zusammen. Diese Trennung erfolgte auf Empfehlung der Schuldenberatung zum Schutz von Ruth Bucher-Lüscher.


Ruth arbeitete viele Jahre bei der Migros Löwenstrasse in der Käseabteilung. Ihr Auto parkierte sie vielfach bei uns im Tiergarten – wie andere PendlerInnen auch –  hatten wir doch genügend Besucherparkplätze. Sie ist aber nie vorbeigekommen, den Geburtstagskuchen für Milena hat sie in das Milchfach gestellt, obwohl wir zuhause waren. 

Ruth wollte bei Milena unbedingt Gotte werden. Sie kam aber nie vorbei, denn sie hatte angeblich keine Zeit. Einmal ist Veronika mit den Kindern extra - mit Ruth vereinbart - in die Badi nach Birmensdorf gegangen, wo sie Ruth hätten treffen sollen. Ruth wohnte in Fussdistanz vom Bad, aber ist nicht gekommen, eine grosse Enttäuschung.

Ruth zog nach ihrer Pensionierung in die Innerschweiz. Wir besuchten sie, auch begleitet von unseren Enkeln oder Kindern. Ich habe diese Begegnungen als harmonisch und schön empfunden. Zu jener Zeit sah ich meine Geschwister eigentlich nur am jährlichen Familientreffen, die Schwägerin Ruth jedoch so um die sechs Mal im Jahr. Als Pensionierte arbeitete Ruth im Restaurant Ristis oberhalb Engelberg. Dort hinauf wanderten Veronika und ich, manchmal auch begleitete von Enkeln, in den 2010-er-Jahren etliche Male, 600 Höhenmeter hinauf. Das war jeweils befriedigend.

Veronika meinte immer, Ruth sei etwas neidisch auf sie. Ich konnte das nicht bestätigen, jedenfalls nicht, solange ihr Mann Hans lebte (bis 2015). 

2018 machten wir eine Chinareise und 2019 besuchten wir meinen Bruder Gandolf in Abu Dhabi. Während dieser zwei Wochen im April schaute Ruth zu den Pflanzen von Veronika, und zwar zur Zufriedenheit von Veronika. Veronika lud sie zum Dank ein, mit uns am 21. Juni 2019 auf die Insel Mainau zu gehen. Beide haben so gerne Blumen. Ruth war in besonderem Zustand, sie klapperte immer mit den Zähnen, Freude an den Blumen zeigte sie nicht. Am Abend ging sie sofort nach Hause.

Wohnorte von Ruth Bucher-Lüscher (nicht vollständig, aus der Erinnerung)
Ab März 1943: Geburts- und Elternhaus am Kolpenweg 1, Muhen AG
...
Landstrasse 136, 5415 Obersiggental AG, Fahrradgeschäft (früher Nussbaumen)
Berikon AG
bis 2008 (Pensionierung): Breitestrasse 12, Birmensdorf AG
2008 bis (2013): Neuschwändlistrasse 40, Engelberg (4 oder 5-Zimmer-Wohnung auf einer Etage, Zugang über Aussentreppe
(2013) bis 2015 Schöneckstrasse 4, Emmetten, 5-Zimmer-Wohnung mit Blick auf Vierwaldstättersee. Hans konnte von der Garage mit Lift in Wohnung. Er hatte Mühe mit Treppensteigen. Zu dieser Zeit waren sie eherechtlich getrennt, lebten aber weiterhin zusammen mit getrennten Kassen.
2015 bis März 2020: Schöneckstrasse 8, Emmetten, 3-Zimmer-Gartenwohnung (Ruth alleine).
April 2020 bis September 2024: Oberboden 17, 6373 Ennetbürgen
Ab September 2024: Bürgerheimstrasse 14, 6374 Buochs. Neu erstellte 3-Zimmer-Wohnung mit Terrasse und Blick Richtung Stanserhorn und Rigi

Langjährige Arbeitsorte von Ruth Bucher:
Migros Löwenstrasse, Zürich: Käsereiabteilung
ca. 2010 bis ca. 2019: Restaurant Ristis (Bergstation der Luftseilbahn), Engelberg, im Service

 




Ruth Bucher und Isabelle Wild. Ristis Engelberg. 30. Dezember 2013.

 


Ruth und Hans Bucher. Im Garten vor dem Haus am Kolpenweg 1 in Muhen.

 


Hans Bucher

 

Am 26. Dezember 2013 haben wir alle zusammen mit Ruth und ihrem Mann Hans im Restaurant Seeblick in Emmetten gegessen. Ruth und Hans wohnten an der Schöneckstr. 4 in Emmetten. Raphael, Ruth Bucher-Lüscher, Niklaus.

 


Ruth Bucher in Emmetten hoch über dem Vierwaldstättersee, an ihrer zweiten Adresse. ca. 2018

 



 

Gabriel, Ruth Bucher mit Hund Lilly, Adrian. Ennetbürgen. 2. August 2021

 



Besondere Vorkommnisse mit Ruth:

Irgendwie kühlte der Kontakt nach unserem Besuch auf der Insel Mainau 2019 ab. Ruth reagierte nicht auf Anrufe und Veronika fuhr einmal alleine hinauf nach Emmetten. Ruth öffnete nicht, Veronika sah durch das Fenster, dass Zügelvorbereitungen im Gange sind, was ihr komisch vorkam. Ruth kam zum Glück nach Hause und es hätte sich vor dem Hauseingang ein Redeschwall mit lauter Vorwürfen ergeben. Ich kann das Verhalten von Veronika nicht immer zu 100 % verteidigen, aber in diesem Fall schon. Die Vorwürfe waren abstrus. Ruth verdreht Sachverhalte. [Ruth sagte Veronika einmal, sie verdrehe Sachen wie jeweils Hans es auch getan hätte!]

Die Besuche nach der Pandemie fanden mehr und mehr in einer gespannten Atomsphäre statt. Veronika meinte, wahrscheinlich hätte früher Ehemann Hans für Ausgleich gesorgt und sie sehe im Nachhinein Hans in einem – besseren – Licht. Veronika erinnert sich, dass früher immer Hans all die Briefe und Karten geschrieben hat und nie ihre Schwester Ruth. 

[Im Jahre 2025 musste Veronika aus dem Verhalten von Schwester Ruth ihr gegenüber schliessen, dass es Hans nicht einfach hatte im Zusammenleben mit Ruth. Sie sähe seine Rolle im Nachhinein als ausgleichend. Hans hätte Veronika auch einmal gesagt, Ruth sei ihr nicht gewachsen.]

Schwägerin Ruth Bucher-Lüscher machte ihrer Schwester in Emmetten im Frühjahr 2020 haltlose und nicht gerechtfertigte Vorwürfe (z.B. Geburtstagsstrauss in Migros Löwenstrasse ohne Karte übergeben; Veronika hätte mit Ruth nie einen Kaffee getrunken (V hat mit drei Kindern in Badi Birmensdorf z.B. vergebens auf Ruth gewartet), Ruth hätte im Tg50 nicht vorbeikommen dürfen (wir hätten Ruth gerne gesehen, aber sie hat sogar Geburtstagsgeschenke für Milena ins Milchfach gelegt, denn Auto hat sie als Pendlerin bei uns parkiert). Das hat das Verhältnis getrübt. Ende 2024 kamen die Vorwürfe bei einem unserer Besuche in ihrer neuen Wohnung in Buochs wieder hoch. Ruth meint sie hätte wohl eine Schwester, aber letztlich doch keine Schwester und Veronika rede immer so laut [als Hörgeschädigte]. Veronika liess sich das nicht gefallen, knallte zuerst ihre Hörgeräte auf den Tisch und verliess den Raum. Ich in der Folge auch. Seit diesem Tag gab es kein Gespräch mehr, wieder von Angesicht zu Angesicht noch über Telefon, das ganze Jahr 2025 hindurch. Im Mai 2026 erreichte Veronika ihre Schwester am Telefon. Ruth aber sagte – drei Mal – sie würde auflegen und wolle nicht reden.

Am 20. Juli 2026 holten wir Linus im Bergli 7 ab und fuhren mit ihm in die Glasi Hergiswil, seinen Hunger stillten wir in der Migros Stans. Anschliessend wollten wir Ruth Bucher besuchen. Beim Kreisel in Buochs sahen wir sie – schön angezogen mit Lilly unterwegs. Veronika wollte sie nicht ansprechen. Ich parkierte beim Mehrfamilienhaus von Ruth. Veronika deponierte die Salbe und ein Sträusschen beim Briefkasten. Ich läutete zur Sicherheit, niemand öffnete. Abends um 10 Uhr schrieb Ruth 'Es wäre schön gewesen - war zu Hause'. Wir tranken unseren Kaffee auf der Villa Honegg bei schönstem Wetter. Von Ruth kam weder ein Telefon noch sonst ein Lebenszeichen. Veronika hat am 25. Juli 2026 telefoniert, niemand hat abgenommen.


Ein späteres Beispiel, bei dem ich beteiligt war. Ruth zügelte Amfang Pandemie im April 2020 hinunter nach Ennetbürgen. Ca. im Mai 2024 kündigte Ruth uns an, sie würde von Ennetbürgen nach Buochs zügeln im September 2024. Veronika fragte, ob wir helfen könnten. Ruth verneinte, ich habe es gehört und war froh. Im August telefonierte Veronika  ihrer Schwester Ruth, resp. versuchte es. Ruth nahm nicht ab. Veronika wollte fragen, ob wir helfen können. Ich weigerte mich, wie früher ohne Absprache zu Ruth zu fahren. So etwa im Oktober kam es zu einem Telefongespräch, in welchem Ruth Veronika vorwarf, sie hätte wohl eine Schwester und doch keine Schwester. Bruder Hansjörg hätte sein Auto mit Anhänger genommen und wäre ihr helfen gekommen. Veronika verjagte es – mit Recht – am Telefon.

Am 28. Dezember 2024 besuchten Veronika und ich Ruth Bucher in der neuen Wohnung in Buochs. Veronika und Ruth haben sich via WhatsApp abgesprochen. Die Spannung war spürbar. Veronika als Gehörgeschädigte redet manchmal etwas laut, was Ruth stört. Ruth konnte es nicht lassen und kam wieder mit den gleichen Vorwürfen. Veronika hat gesagt, das habe sie nicht nötig und hat die Wohnung verlassen, ich kurz darauf auch. Seit jenem Zeitpunkt ist Funkstille. Ruth hat Veronika auf WhatsApp gesperrt [bewusst oder unbewusst sei dahingestellt. Auf Bitten von Veronika im Februar 2026 hat sie sie wieder entsperrt]. Das Telefon nimmt nicht ab, sie sei ihr nicht gewachsen.

Für Veronika war das aufreibend, wollten die Erben doch in dieser Zeit den Wald am Geburtsort verkaufen und Veronika war mit dem Notariat in Kontakt und hätte sich gerne mit Ruth Bucher als Miterbin ausgetauscht. Gegen Ende Oktober 2025 hat Veronika mit ihrer Cousine Martha telefoniert. Von ihr hat sie erfahren, dass es Ruth gut geht. Sie komme mit dem Auto manchmal in die Gegend Kölliken/Schöftland und sie würden auswärts essen gehen.
Veronika hat das beruhigt. Sie hat ihr das in einer Karte mitgeteilt und sie nach Zürich eingeladen. 
Am 13. November 2025 schickte Ruth einen Brief an Veronika. Diesen öffnete Veronika erst am Abend des 22. November 2025, weil sie nicht wieder all die Vorwürfe lesen wollte. Ruth hat gutes Papier verwendet und handschriftlich Positives von sich und Veronika geschrieben. Sie hat sich entschuldigt, aber im gleichen Abschnitt geschrieben, Mutter hätte damals nicht gleich reagiert wie Veronika Ende Dezember 2024. Veronika meinte aber, sie hätte auch so reagiert. Die Kinder Milena, Raphael und Isabelle haben Ruth je eine Karte geschrieben. Statt Milena (ihrem Gottenkind) direkt zu antworten, hat sie Veronika geschrieben, sie danke Milena für die Karte, was befremdlich wirkte.
Im Jahr 2025 haben sich die Schwestern nie getroffen oder Gespräche geführt.

Im Zusammenhang mit dem Land in Eichli Kölliken muss sich Veronika auch unhaltbare Vorwürfe von Ruth gefallen lassen. Das Land ist verpachtet. Der Pachtzins in Höhe von ca. Fr. 2'500.- wurde all die Jahre auf ein Sparkonto einbezahlt in Muhen, wo Bruder Hansjörg oder Schwester Ruth das Geld jeweils in bar abhob und verteilte. Nachdem die Firma Hochuli im Jahre 2022 mit dem Kiesaushub begann und den vereinbarten Betrag überweisen wollte, legten sie Wert auf ein auf alle Erben lautendes Bankkonto. Dieses Konto musste zuerst eröffnet werden, wozu die Unterschriften aller sechs Erben nötig waren. Die Cousins Peter und Jürg wünschten, dass Veronika die eingegangenen Beträge auf die sechs Erben verteilt nach dem Schlüssel der Erbteilung. Peter Lüscher hätte das Ganze einfach erledigen können, hatte er doch bereits privat einen E-Banking-Vertrag mit der Valiant-Bank. Ruth behauptete, Veronika hätte ihr etwas weggenommen. Dies stimmte hinten und vorne nicht, vielmehr übernimmt sie eine nicht einfache Rolle. Sie muss die Beträge so verteilen, dass am Schluss Beträge von 1/18 der Verteilsumme ohne Rundung möglich sind. Für Veronika ist diese Verteilung immer ein Kraftakt, den sie gar nicht gerne macht.

Lange hat Ruth Bucher immer behauptet, sie bezahle die Steuerrechnung für alle Erben, obwohl auf ihrem Steuerausweis ihr Anteil von 1/3 aufgeführt war. In Zürich haben wir die Steuer-Rechnung jeweils viel später erhalten, weil ich die Erklärung meist erst gegen Ende Jahr einreichte.

[Ich habe mir im Alter vorgenommen, toxische Beziehungen nicht zu pflegen. Für mich hat sich diese Beziehung zu einer toxischen entwickelt. Begegnungen erfolgen unter Spannung und machen gar keine Freude. Mir ist es recht, wenn beide ihre Wege gehen. Ich habe letztlich genügend Geschwister, die wir besuchen können, was wir früher nie gemacht haben. Wir haben erst angefangen meine Geschwister einzuladen oder zu besuchen, als Ruth die erste Beziehungspause einleitete nach dem Besuch der Insel Mainau.]

Anfang 2026 drängte mich Veronika, Ruth zu telefonieren. Ihr sei nicht wohl, sie leide, sie wisse nicht wie es Ruth gehe. Am 27. Januar 2026 (13-13.22 Uhr) habe ich das gemacht und zwar im Hauptbahnhof Zürich ohne Anwesenheit von Veronika. Ruth klagte über Rückenprobleme, wirkte aber aufgestellt. Sie meinte, wir könnten gemeinsam essen gehen, ergänzt mit jemandem aus der Familie wie z.B. Isabelle oder Raphael. Ich ergänzte dann, allenfalls wäre Martha oder Vreni Curty auch eine gute Ergänzung. Veronika konnte damit überhaupt nichts anfangen. Sie will reden mit Ruth, am Telefon oder Angesicht zu Angesicht.

Ruth wünschte, dass wir am 8. März 2026 zu ihr kämen, am 11. März wird Ruth 83 Jahre alt. Veronika schrieb ihr, sie käme, wenn sie vorher am Telefon die Differenzen besprechen könnten.  Dies verweigerte Ruth. Sie schrieb Veronika, sie sei ihr nicht gewachsen. Veronika hat ihr eine liebliche Geburtstagskarte geschrieben. Veronika wollte ihre Kinder nicht in den Konflikt hineinziehen.

Zur Einladung für den 8. März 2016 legte Ruth dummerweise eine Veronika verletzende Beilage bei, sie möchte ihren Anteil des Pachtzinses überwiesen erhalten. Das hat Veronika schwer getroffen. Sie hat Ruth anscheinend geschrieben, sie könne die Verteilung des Geldes ohne weiteres übernehmen und sie solle ihr nicht mehr schreiben.

Von Cousine Vreni Curty haben wir erfahren, dass Ruth wöchentlich mit Margrith, der Schwester von Schwägerin Sylvia Lüscher, telefoniere und auch mit ihr selber regelmässig Kontakt pflege. Veronika hat auf diese Art erfahren, dass es dem Hund Lilly schlecht gehe und unter Inkontinenz leide. Vreni Curty hat Veronika im März extra einmal ein langes Telefongespräch geführt und wollte von Veronika genau wissen, was mit dem Wald und dem Kies im Eichli es auf sich hat, um 'Unwahrheiten' von Ruth Bucher aufdecken zu können. 
Mich betrübt es, wenn Ruth Bucher in der Verwandtschaft ihre 'verdrehten' Geschichten erzählt. 

Stand 11. März 2026. Veronika und ich besuchen die Giardina in Zürich. Veronika meinte noch beim Morgenkaffee, bei normalen Verhältnissen hätte man Ruth einladen können. 

Im Hinblick auf Auffahrt mit vier freien Tagen für uns, telefonierte Veronika Ruth etliche Male. Diese hat das Telefon nie abgenommen. Am Dienstag 19. Mai 2026 hat sie es am Morgen versucht und Ruth hat abgenommen. Veronika meinte, schön, hat es geklappt. Ruth aber entgegnete, sie hätte nicht auf den Display geschaut und sie würde den Hörer ablegen. Nach einigem hin und her, wobei Ruth betonte, sie hätte einen Schlussstrich machen wollen und zum Essen eingeladen – ohne über das Vorgefallene zu reden – sei Veronika nicht eingegangen. Sie hänge jetzt auf und habe das Gespräch wirklich beendet. Eigentlich ist es traurig, dass die beiden Schwestern sich nicht mehr finden. Ich wäre bereit gewesen, über die Auffahrtstage ohne Vereinbarung nach Buochs zu fahren und bei Ruth zu läuten. Bei geschlossener Türe hätten wir uns in Stans oder am See vergnügen können. Aber Veronika wollte doch nicht. Es scheint nun, dass für Ruth die Beziehung abgebrochen ist.

Am 20. Juli 2026 holten wir Linus in Knonau ab und fuhren nach Hergiswil in die Glasi. Den Hunger stillten wir in der Migros Stans. Anschliessend fuhren wir zu Ruth Bucher nach Buochs. Beim Kreisel sahen wir Ruth, gut angezogen, und ihren Hund Lilly. Unter normalen Verhältnissen hätten wir angehalten und uns bemerkbar gemacht. Für uns machte Ruth und ihre Lilly einen guten Eindruck. Unser Ziel war damit eigentlich erreicht, denn Veronika wollte lediglich sehen, in welchem Zustand Ruth und ihr Lilly sind.
Wir fuhren zu ihrem neuen Wohnort und deponierten – nach zweimaligem Läuten zwischen 13.15 und 13.30 Uhr, im Wissen, dass Ruth am Spazieren war – unsere Mitbringsel (Voltaren und ein schönes Sträusschen in einer Sprüngli-Tasche) auf der Briefkastenanlage.
Den Kaffee nahmen wir – ohne Ruth – auf der Honegg ein. 
Ruth schrieb abends um 22.15: Es wäre schöne gewesen, war den ganzen Tag zu Hause. (Kein Dank)
Am Tag darauf telefonierte Ruth ihrer Cousine Vreni Curty, Veronika hätte ihr eine Tasche auf die Treppe gestellt und sei nicht herauf gekommen. Es hätte zweimal geläutet, aber niemand sei heraufgekommen. [Die Tasche muss ein Mitbewohner auf die Treppe gestellt und allenfalls geläutet haben].
Ich möchte hier den Reigen abschliessen und erst wieder etwas anmerken, wenn sich die beiden Schwestern unter guten Umständen getroffen haben.

Beim letzten spontanen Besuch am Sonntag, 23. August 2026 redeten die beiden Schwestern vorwiegend über die (Schmerz-) Medikamente, die Ruth Bucher (geb. 1943) einnimmt. Für den kommenden Montag, 24. August 2026 hat Ruth einen Brief an den Arzt geschrieben, sie möchte nicht mehr zwölf (!) Medikamente nehmen und auch nicht mehr zum Psychologen, weil das nichts bringe. Ruth hat den Medi-Plan vom 24. August 2026 erläutert.
Unmittelbar nach unserer Wegfahrt schrieb Ruth an Cousin Paul Curty zuhanden seiner Frau Vreni, künftig müsse sie sich gut überlegen, was sie Vreni am Telefon erzähle. Vreni hat am Montag ziemlich aufgeladen angerufen. Veronika und ich haben aber nie etwas von Paul und Vreni erzählt gehabt in den 3 Stunden mit Ruth.
Ruth hat nach dem Arztbesuch ein WhatsApp an an Veronika geschrieben, sie hätte alles im Griff. Das hat mich persönlich beruhigt.
Veronika war noch unzufrieden. Sie will Ruth eine Schwester sein. Deshalb hatte sie die Idee, nochmals spontan vorbeizugehen – das Telefon nahm Ruth nicht ab und telefonierte auch nicht zurück. Veronika brachte ihr einen Blumenstrauss und eine Karte (für Ruth und Lilly), worauf sie schreibt, sie sei für sie da – telefonisch – nicht aber via Brief und auch nicht via WhatsApp.
Lilly lebt mit Ruth seit 2012, dem Jahr der Geburt von Adrian. Hans erlebte Lilly noch drei Jahre. Jetzt hat sie immer Durst.
Der Besuch verlief friedlich. Ruht war im Gottesdienst und war gerade dabei, zu ihren Kolleginnen vom Gottesdienst an den See zu gehen mit Lilly. Sie hat ihnen zwar gesagt, sie müsse unbedingt heim. Mir hat sie gesagt, sie hätte Medikamente genommen, damit sie alles aushalte. Sie nahm uns 11.15 Uhr mit in die Wohnung. Die Schwester unterhielten sich und wir assen den von mir am Morgen gebackenen Quarkkuchen mit Kaffee. Um 12.30 Uhr verschwanden wir wieder – zum Erstaunen von Ruth. Aber Veronika hatte mir das schon vor dem Besuch gesagt, sie möchte es kurz halten.
Auf dem Heimweg meinte sie, sie hätte nun auf friedliche Abschied von Ruth nehmen können. Jetzt sei es an Ruth, sich zu melden.
Abschluss des unerfreulichen Berichts am 30. August 2026


Das Tröstliche: Am 20. Mai 2026 machte ich mit bei einer kurzen Wanderung am Greifensee beim Angebot 'Zäme go Laufe'. Eine Rita erzählte mir, sie hätte zwei Schwestern. Die eine wohne nicht weit von ihr entfernt. Als sie mit Beckenbruch im Spital gelegen sei, hätte sie sie nur besucht, weil deren Tochter sie besuchen kam und ihre Mutter mitgenommen hat. Als sie wieder zu Hause gewesen sei nach der Rehabilitation, hätte sie gerne Unterstützung angenommen. Ihre Schwester sei aber nie vorbeigekommen oder hätte ihr Hilfe angeboten. Für sie sei klar geworden, dass das Interesse der Schwester an ihr eher gering sei und sie das Verhältnis abkühlen lasse.

Es kommt also auch in anderen Familien vor. 

Lehre daraus: Kontakte nicht nur auf Familie konzentrieren, sondern diversifizieren.
Veronika's Gesundheit
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13.6.  Veronika & Niklaus seit der Heirat – Veronika's Gesundheit.
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Veronika hatte während unserer Familienzeit viel Bauchweh. Weder sie noch ihr Arzt hatten eine Erklärung. Irgendwann las sie etwas über Zölliakie und wollte eine Abklärung. Ihr Dr. Herold hat sie dem Spezialisten Dr. Meyer überwiesen. Dieser schrieb dann in etwa 'Lieber Herr Kollege, Frau Wild leidet nicht an einem Colon irritabile (Reizdarmsyndrom), sondern an Zöliakie'. Wenigstens kannte Veronika die Ursache. Was hiess dies aber im Alltag: keine Teigwaren, kein Brot, spezieller Teig, einfach keine glutenhaltigen Lebensmittel. Ich mag mich erinnern, als wir einmal in Rom waren, in der Nähe des Vatikans, mit Hunger, hat Veronika bei all den Restaurants zuerst das Menü studiert und natürlich immer wieder gesagt, da können wir nicht hinein. Ich habe es irgendwie nicht verstanden bis sie klar gesagt hat, überall gibt es Pasta. Das sollte ich nicht essen, sie suche Speisen auf Basis Reis oder Mais, was in Rom damals eher schwierig war. Eine Pizzeria war auch nicht die richtige Adresse. Zum Glück hat Veronika eine leichtere Form von Zöliakie. Nach Brotgenuss hat sie Bauchweh.

2008 waren wir in Australien mit Isabelle. In den Geschäften gab es dort ganze Gestelle voll von glutenfreien Nahrungsmitteln.

Im Oktober 2025 waren wir in Paris. Milena hat mir Zugang zur App 'Find me Glutenfree' gegeben. Dort sind für überall auf der Welt glutenfreie Bäckereien oder Restaurants aufgeführt.

Veronika und ihr Gehör
Bei der Arbeit im Spital spürte sie mehr und mehr, dass sie den Konversationen nicht mehr gut folgen konnte. Im Jahre 2012 kaufte sie ihr erstes Hörgerät. Sie haderte damit und trug es nicht immer. Irgendwie wollte sie es nicht akzeptieren.
Als es sich abzeichnete, dass sie ein neues Hörgerät anschaffen müsste, ging sie systematisch vor. Sie testete verschiede Hörgeräte und auch verschiedene Anbieter. Am 23. Mai 2019 kaufte sie ein Phonak-Hörgerät mit Batterien bei Fielmann. Sie trug es konsequent wie ein Brillenträger die Brille. 
Sie liess es sich einstellen, machte sich mit der zugehörigen Phonak-App vertraut. Sie hört besser.

Auch für das Fernsehen kauften wir ein Gerät, das ihr den Ton direkt auf das Hörgerät bringt. Dies hat für mich den Vorteil, dass ich den Ton für mich abstellen kann, wenn mich eine Sendung nicht interessiert.

Im Dezember 2021 hörte Veronika bei einem Essen in Gesellschaft wirklich nicht gut. Sie liess sich bei Dr. Schnieper einen Hörtest machen. Und siehe, bei einem Ohr sank das Hörvermögen auf 30 %. Ein solcher Hörverlust ist irreversibel. 

Sie wurde 2023 auf Empfehlung unseres Nachbarn Walter Lüthi Mitglied bei Pro Audito und besucht dort Kurse im 'Lippenlesen', in denen aber auch Hirntraining geübt wird. 

Dieser Hörverlust lässt Veronika vielfach Abstand von Anlässen nehmen, bei denen viele Leute im Raum sind. Deshalb gehen wir nicht mehr an die Weihnachtsfeier der Kyburger, sondern an das Spargel- und Wildessen mit dem Regionalstamm in Basel, wo so um die 20 Leute im Raum sind.

Sie will auch nicht mehr in Gruppen wie Pro Senectute oder Zürcher Wanderwege wandern gehen, sondern nur noch zu viert mit Freunden wie Heidi & Peter Heinzer, Oswald & Ruth Schwager, Doris Werz & Roberto Caluori, Schuss & Renate Venzin, Markus & Mägi Frei, etc. 

Veronika und ihre Lunge
Sie hat öfters Lungenentzündungen: Am 14. März 2014 bei Dr. Niedermann. Im August 2015 bei Dr. Stenger in der Permanence. Im Jahr 2016 eine Bronchopneumonie. Im Oktober 2017 eine Pneumokokken- und Grippeimpfung. Am 15. Oktober 2017 wurde in der Permanence ein CRP von 166 gemessen und erneut eine Lungenentzündung festgestellt.
Am 3. Mai 2022 wurde ein Infiltrat in der Lunge festgestellt.

Veronika und ihr Halux
Den sicht- und spürbaren Halux kaschiert Veronika mit weichem Schuhwerk. Sie kauft vorwiegend ON-Schuhe oder solche von PaulGreen.

Veronika und ihr Knie 
Seit 2023 spürt Veronika ihre Knie. Vom Arzt wurde ihr Physiotherapiestunden nach dem System GLAD verschrieben.

Gymnastik bei Lotti Weber in der Palaestrina
Seit den 90-er-Jahren besucht Veronika bei Lotti pro Woche (ohne Schulferien) eine Gymnastikstunde. Lotti war eine Nachbarin in Zollikon an der Rotfluhstrasse 4. Im Jahre 2025 kostete das Jahresabonnement Fr. 960.-






Die Gymnastikgruppe vom Palaestrina (Lotti Weber-Arter, Rotfluhstrasse 4, 8702 Zollikon) am 1. Juni 2023 am jährlichen Essen, diesmal in Küsnacht beim Bahnhof.



In der Pandemie führte Lotti Weber-Arter die Gymnastik online durch. Im Januar 2021 übten bei ihr die Kundinnen (Gruppe von Veronika in Bold):
Adriana Borsari
Barbara Almasi
Barbara Naumann
Claudia Schuh
Doris Schmid
Dorina Kramer
Elisabeth Gerster
Erika Jörg
Esther Winterstein
Franziska Matzinger
Marianne Decurtins
Marianne Steiner
Margrit Ledermann
Monika (wohnt im Zürichberg und teilweise in Florida)
Regula Suter
Silvia Loretan
Silvia Maria Lagler
Susi Strasser
Susi Schmid
Susanne Bernasconi
Susanne Schmidli
Ursula Hofstetter
Ursi Camenzind
Ulli Ziegler
Veronika Wild


Das Fitness-Abo von September 2024 bis August 2025 bei ActivFitness (Migros) befriedigte Veronika nicht, obwohl sie zu Fuss hingehen konnte. 

Veronika und ihre Schritte
Seit etwa 2022 hat sie das Schrittzähler mit ihrem Samsung-Smartphone entdeckt. Sie schafft so um die 8-10'000 Schritte pro Tag. Abends geht sie nochmals um die Häuserblocks, um ihr Tages-Ziel von 8000 zu erreichen. 

Die Rottanne als Baum für Veronika

Am 14. Juni 2026 spazierten wir im Gnadenthal umher, als Vorbereitung für das geplante Mittagessen mit Cousine Vreny Curty. Auf einmal sahen wir das Bild der Rottanne, passend für Veronika (geb. 3.1.51). Sie freute sich am Text 'ihres' Baumes.


Am 14. Juni 2026 im Gnadenthal entdeckt. Die Rottanne für Veronika. 2. bis 11. Januar und 5. bis 14. Juli.

Tannen-Geborene sind genauso intuitiv, emotional und sensibel wie robust und kraftvoll. Sie verfügen über ein hohes Mass an geistigen Fähigkeiten. Menschen, die im Zeichen der Rottanne geboren wurden, entwickeln in schwierigen, stressigen Situationen eine geradezu bewundernswerte Resilienz. Auch wenn mal etwas nicht so läuft wie gewünscht, schöpfen sie immer wieder neuen Mut und Kraft für einen, Neuanfang. Dank ihrer Erdung und Stabilität spenden sie ihren Mitmenschen Trost und zeichnen sich durch ihre Treue aus.
Das, was auf manche Menschen unnahbar oder leicht arrogant wirken kann, ist lediglich der Schutzmechanismus der Tannen-Geborenen, den sie brauchen, um ihre Verletzlichkeit zu schützen. Sie öffnen sich erst, wenn sie sich absolut geborgen fühlen. Wenn sie ihre Schutzmaske ablegen, gehören sie zu den verlässlichsten Partnern, auch in der Liebe.
Holzeigenschaft
Das weiche und helle Holz der Rottanne ist leicht und witterungsbeständig. Die Rottanne verfügt über einen angenehmen, harzigen Geruch.

 

Veronika an der Arbeit
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13.7.  Veronika & Niklaus seit der Heirat – Veronika an der Arbeit.
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Wildermeth
Laudinella St. Moritz
Riehen: Ausbildung
Claraspital. Heidi Heinzer als Schwester Nadja Künzle.
Thalwil
PUK: Doris Werz, Marianne Lutz, Anna Mäder. Eine Schicht Nachtwache dauerte jeweils 14 Tage. Tagsüber kein Schlafmittel eber eine halbe Tablette Seresta. Höchstens bis Alter 55.
Triemli: Laura, Gret Amsler, Christoph Allensbach, Heidi Heinzer. Veronika wollte Nachtwache höchstens an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Brigitte Müller (Brisbaine Anfang 2026, Ausstralien Neuseeland, WhatsApp), Sopna Tiergarten (aus D), 
Spitex MediTana: Frau an Lärchenstrasse in Urdorf mit Liebe gepflegt, zuhause vorgekocht. War ehemalige Musiklehrerin. Keine Nachtwache mehr.
Annus horribilis 2009/10
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13.8.  Veronika & Niklaus seit der Heirat – Annus horribilis 2009/10.
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Annus horribilis, Kündigung Basel mit Pensionierung,
Firmengründung, Geschäftspartner, Gesellschaftervertrag, Anstellung SB, Sitzverlegung

Hochzeit Milena, Besinnung auf Familie, Rückkehr mit angezogener Handbremse, Gütertrennung, Freiheiten

30 Jahre + 10 Jahre, Im Jahre 2018: 40 Jahre wegwerfen, Lösungen suchen, Abgrenzungen finden, neue Ausrichtung (andere Menschen kann man nicht ändern, nur sich selber)

Text
Lebenshaltung
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13.9.  Veronika & Niklaus seit der Heirat – Lebenshaltung.
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Wir haben von der Heirat an Errungenschaftsbeteiligung. Im Ehevertrag haben wir wegen der Eigentumswohnung uns gegenseitig begünstigt. Veronika hat mit ihrer Anstellung am Stadtspital Triemli ein eigenes Konto eröffnet. Das bisherige Ehepaarkonto wurde von den Banken nicht mehr empfohlen. Auf ihrem Konto spart sie für das Alter. Ich bestreite aus meinen Einkünften unsere Mobilität, die Wohnung mit allem drum herum, die Steuern, Versicherungen, etc.. Bei den gemeinsamen Einkäufen zahle grundsätzlich immer ich. Für 2024/2025 habe ich einzelne Posten zusammen gestellt:

Steuern 2024: 
  • Fr.    145'900.-   steuerbares Einkommen
  • Fr. 1'070'000.-   steuerbares Vermögen
  • Fr.     12'798.90 Gemeinde Zürich
  • Fr.     10'077.35 Kanton Zürich
  • Fr.       8'287.-   Bundessteuern
  • Fr.      4'485.50 Kölliken (Kiesentnahme)
  • Fr.    27'300.-   Total im Jahre 2024


Für die Wohnung zahlten wir 
  • Fr. 20'569. betrugen die (bei den Steuern noch bis 2027 abzugsfähigen) Unterhalts und Verwaltungskosten für die Wohnung und die Hülle (davon entfällt auf den Baurechtszins Fr. 11'450.- und  Fr. 3'798.- Einzahlung in Erneuerungsfond)
  • Fr. 6'055.- Schuldzinsen für die Saron-Hypothek (früher, von Anbeginn Libor-) von Fr. 267'000.-. Relativ hoch gegenüber anderen Jahren wegen der Verwerfungen am Markt
  • Fr. 21'400.- beträgt der Eigenmietwert,  der noch bis 2027 als Einkommen zu versteuern ist
  • Fr. 785.- für 3200 kWh Energiekosten an ewz [Im Vergleich 2001 8'263 kWh, 2011 4'864 kWh]
  • Fr. 743.- für Hausrat- und Haftpflichtversicherung
  • Fr. 28'000.- insgesamt für die Wohnung im Jahre 2025

Mobilität 2025:
  • Öffentlicher Verkehr.
    Fr. 1700.- für Niklaus mit Halbtax-Plus, davon Fr. 30.- für Enkelkarte und Fr. 170.- für Halbtax
    Fr. 770.- für Veronika, davon 170.- Halbtax
    [TGV nach Paris und retour im Oktober bei den Reisen aufgeführt]
  • Auto BMW
    Km-Stand an Silvester 2025: 242'310 km, am 12. Januar 2025: 221'792. Gefahrene Kilometer im 2025: 20'518 km. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 6 l pro 100 km führt dies zu einem Dieselkonsum von Fr. 2'216.- bei Fr. 1.80 pro Liter Diesel
    Fr. 338.- für das Strassenverkehrsamt
    Fr. 2069.30 für die Versicherung (Vollkasko) bei der Zürich
    Fr. 2900.- für Service, Schäden, Radwechsel 
  • Velo und E-Bike
  • Keine Flüge im 2025
  • Insgesamt fielen Kosten von Fr. 8'300.- im Jahre 2025
 
Gesundheitskosten 2024

  • Fr. 7'483.20 Prämien von Veronika für Krankenkasse Concordia für Grundversicherung und Zusatzversicherung 
  • Fr. 6'313.80 Prämien von Niklaus für Krankenkasse Groupe Mutuel  für Grundversicherung und Sanitas Zusatzversicherung (weltweite Deckung, Spital Schweiz)
  • Fr. 4'500.- Ungedeckte Gesundheitskosten (Zähne, Selbstbehalt, Franchise, etc. im Betrag von ca.  für Veronika und Niklaus
  • Gesamtausgaben um die Fr. 14'200.- für 2024

Zusammenfassung:
Fr. 97'900.- für die Hauptposten, aufgeteilt für

  • Fr. 27'300.- für Steuern
  • Fr. 28'000.- für die Wohnung
  • Fr. 14'300.- für die Gesundheit
  • Fr.   8'300.- für die Mobilität
  • Fr. 20'000.- für das Freitagsritual mit Therme, Essen und Einkauf oder für 50 Mal ein Tag Ferien pro Woche

Einkäufe 

Im Hinblick auf die AHV-Zeit hatte ich Bedenken, ob das Geld reichen würde. Wir lebten all die Berufsjahre grosszügig, es reichte immer. Wir machten kein Budget, sondern gaben das Geld aus.

Wir gewöhnten uns an, alle Belege zu sammeln. Monat für Monat steckte ich seit 2010 die Belege in ein Couvert und bewahrte diese im Keller auf für spätere Analysen.

Für 2025 habe ich Auswertungen gemacht. Die Belege werde ich auf Garantiescheine durchsehen und dann alles entsorgen, loslassen. 

Im 2025 habe ich meist mit Karten bezahlt. Ich habe bei Raiffeisen ein klassisches Privat- und Spar-Konto, allerdings ohne physische Karten, aber mit dem Museumspass. Auf dem Privatkonto gehen die drei Rentenzahlungen (AHV, PBKS, Helvetia) ein und über dieses Konto bezahle all die Rechnungen auf meinem iPad. Für den Alltag lasse ich mir hin und wieder Bargeld in CHF und € nach Hause senden. Für den Alltag habe ich ein digitales Konto bei yuh (einer Tochtergesellschaft von Postfinance und Swissquote Bank). All die kleineren Besorgungen bezahle ich mit diesem digitalen Konto, das mit monatlicher Überweisung vom Raiffeisenkonto gespiesen wird. Eigentlich hat dieses Konto bei mir die Bedeutung des Portemonnaies. Die Kreditkartenrechnungen werden auch vom Raiffeisenkonto bezahlt.

Für 2025 habe ich alle Transaktionen mit yuh (80 Seiten), Raiffeisen (9 Seiten), der Kreditkarte Certo der Cembra MoneyBank (4 Seiten) und die ca. 320 Transaktionen von Veronika auf dem Postfinance Konto gesammelt zum Aufbewahren. 

Insgesamt habe ich Fr. 125'000.- ausgegeben. Ich finde das für ein Rentnerehepaar viel Geld. Diese Zahl hat mich erschreckt und ich werde Veronika vermehrt darauf hinweisen.

Veronika will immer frische Ware und macht nicht grosse Wocheneinkäufe sondern viele einzelne mit wenig Artikeln. Bei Migros gibt es 2025 106 Bons mit Käufen im Betrag von Fr. 4'282.92, die über mein digitales Konto gelaufen sind. Veronika hat als Genossenschafterin ein eigenes Cumulus Konto. Dort kann ich nicht die gleichen Daten nachschauen wie bei mir.
Bei Migros habe ich alle Kassabons herunterladen können wie auch eine Liste aller gekauften Artikel mit Datum, Uhrzeit,  Filiale, Artikelbezeichnung und Migros-Nr. sowie den Preis. 

Bei Coop haben wir beide die gleiche Supercard. Über die haben wir 130 Einkäufe getätigt. Die einzelnen Kassenbons kann ich auf dem Bildschirm ansehen, aber nicht ausdrucken  als Liste. 8 Bons sind über Fr. 100.- und belaufen sich auf insgesamt Fr. 1000.- .  

Über die Kreditkarte werden automatisch die Migros und Coop Einkäufe abgebucht und es erfolgt eine Rückvergütutung von 1%. Auf diese Art ist die Kreditkarte nicht nur kostenlos, sondern wirft kleine Beiträge ab. Über die Kreditkarte wurden Fr. 23'000.- gebucht, meist Hotelübernachtungen Käufe die mein yuh-Portemonnaie strapazieren würden.


Ab 2026 werde ich vermehrt wieder bar bezahlen im Ausland, obwohl ich beim Wechseln pro 1000 € ca. Fr. 15.- höhere Gebühren habe als wenn ich bei yuh digital € kaufe.

Aufwand für Freitagsritual oder 50 Einzeltage Ferienfeeling

Einmal pro Woche gehen wir seit 2012 in die Therme Konstanz, sind jahrelang meist im Hotel Insel-Glück (Eröffnet April 2014) auf der Insel Reichenau Mittagessen gegangen bis sie im Restaurant am Mittag nur noch Gruppen bedient haben. Das Jahr 2023 war das 1300 Jahr-Jubiläum mit vielen Gruppen.
Neuerdings essen wir bei der Therme oder im Wessensberg beim Münster in Konstanz. Kaffee gibt es im herzlichen Hinterhof-Kaffee Arome vor der Rückreise, damit ich genügend Kraft habe für die Autofahrt.

Unsere Einkäufe in Freiburg im Breisgau sind seltener geworden, seit das Modegeschäft Kaiser geschlossen hat und ich beruflich nicht mehr auf Business-Kleider angewiesen bin. Auch Waldshut ist nicht mehr so im Focus, weil wir keine Möbel mehr von Seipp benötigen. Im Vordergrund steht das Vergnügen in Konstanz, verbunden mit bestimmten Einkäufen. Diese habe ich dokumentiert in einer Tabelle, seit Bundesrätin Karin Keller Sutter ab Januar 2025 die Freigrenze für Einkäufe von 300 auf 150 CHF pro Person gesenkt hat. Ich konnte mit der Tabelle jeweils nachprüfen, ob wir die Freigrenze überschreiten und ich die Schweizer-Mehrwert-Steuer mit Quick-Zoll elektronisch bezahlen müsse. Ab 2026 höre ich mit dieser Statistik und den Sammeln der Belege auf. Anfänglich zahlte ich in Deutschland immer bar. Relativ oft musste ich Geld wechseln, meines Erachtens etwas zu oft. Mich interessierte, wo all dies Geld versickerte. Die Tage waren wirklich Einkaufstage, obwohl ich anfänglich hoffte, vielleicht könnte man auch die Umgebung zu Fuss erkunden. Einmal haben wir die Fahrräder mitgenommen auf dem eigens für ca. Fr. 2'200.- angeschafften Veloständer für den BMW 2. 

Die Auswertung aus dem Jahre 2025 bringt folgendes zu Tage:
  • Insgesamt waren wir 46 mal in der Therme resp. auf der Insel Reichenau oder in Konstanz
  • Des Weiteren waren wir 4 mal in Waldshut. Zusammen gibt dies die 50 Ferientage, von denen ich jeweils rede. In Waldshut steht die Aufpolsterung unsere Sitzgruppe für 928€ an sowie Decken und Gläser von Seipp.
  • In Freiburg in Breisgau waren wir nur einmal und zwar auf der Rückfahrt von unseren Hamburg-Ferien im Oktober 2025
Einkäufe, bei der die Freigrenze von 150 CHF ab Januar 2025 zu beachten sind [Die Mindestgrenze 50 CHF wurde eingeführt ab 2020 wegen der starken Aufwertung des Schweizerfrankens 2015]:
  • Zu unterscheiden sind wegen der vom Bundesrat auf 1. Januar 2025 eingeführten Freigrenze von Fr. 150.- pro Person Güter, die darunter fallen wie Kleider, Nahrungsmittel, Bücher, etc. und solchen wie Treibstoff, Essen im Restaurant, Parkgebühren, Thermenbesuche
  • Für die Auswertung betrachte ich nur die 46 Tage in Konstanz. Im 2025 haben wir insgesamt Güter die Freigrenze betreffend im Betrag von 10'200€ gekauft, was in etwas 220€ pro Besuch macht. Die Freigrenze überschritten haben wir zweimal und über die easy-tax-App die Mehrwertsteuer bezahlt. Auf dieser App kann man die relevanten Quittungen eingeben und erfährt so, wieviel Steuer anfällt.
  • Die Hauptausgaben machen die Kleidergeschäfte mit 1750€ aus, wobei zu dieser Rubrik auch Galeria mit 1600€ dazu zu zählen ist, kauft Veronika dort vorwiegend Kleider z.B. auch für die Enkel.
  • Bei der Alnatura kauften wir für 1000€ ein und bei der Metzgerei Otto Müller für 770€. 
  • Bei Edeka, Müller und dm betrugen die Einkäufe 1340€.
  • Apotheken schlugen mit 600€ zu Buche.
  • Frisches Gemüse kauften wir im Gemüserondell Blum auf der Insel Reichenau ein für 600€ und im schweizerischen Tägermoos in Kreuzlingen für 800SFr. Dieser Hofladen hat immer im ersten Quartal geschlossen.
  • In den Gartencenter Raiffeisen Reichenau und Spiegel Konstanz kauften wir für 700€ ein. 
  • Für Blumen gab Veronika bei Haselberger Blumen auf der Insel Reichenau 350€ aus.
  • Unter Diverse sind Koffer, Uhr, Bild zu erwähnen.
Ausgaben, die die Freigrenze nicht betreffen:
  • Mittag-Essen, Kaffee, Kuchen: 2800€. Das sind unsere Essen auswärts. 
  • Parkieren: 450€ 
  • Thermenbesuch: 1150€
  • Nicht übersehen werden darf der Aufwand für die Fahrt, im Schnitt so um die 137 km für Hin- und Rückfahrt. Als der BMW noch über das Geschäft abgerechnet wurde, konnte ich anhand der echten Kosten Unterhalt und Amortisation berechnen und kam auf 60 Rappen pro gefahrenen Kilometer. Bei den mindestens 5520 km im Jahre 2025 für unsere Thermentage bedeutet dies Fr. 3300.- für die 46 Fahrten.

Was geben wir pro Ferientag mit Thermenbesuch und Einkäufen aus?
  • Wann man all die Beträge zusammenzählt, kommt man auf Fr/€ 20'000.- im Jahre 2025.
  • Bei 46 Fahrten sind das gut und gern ca. Fr. 400.- pro Tag
  • Inbegriffen ist die Fahrt mit dem BMW 2er zum Tarif von 60 Rp. pro km
  • Summe mit Relevanz zum Zollfreibetrag: 10'200€
  • Summen ohne Relevanz zum Zoll: 6500€, aufgeteilt in in Therme 1150€, Verspflegung inkl. Kaffee & Kuchen 2800€, Parkhaus 450€
  • 46 Fahrten à 137 km gibt 5520 km à Fr. 0.60 = Fr. 3'300.- 
Das sind unsere sieben Wochen Ferien. Veronika will noch mehr, im Frühling und im Herbst und neu allenfalls über Weihnachten/Neujahr möchte sie weg von Zürich.

Für uns ist der Tag ein Ritual im Alter geworden, der beiden gut tut. Von daher kann dieser ökologische und volkswirtschaftliche Unsinn als akzeptierbar erscheinen. Kollege Kurt Venzin v/o Schuss sagte jeweils, er verhalte sich wie ein Grosskonzern, er kaufe dort ein, wo es am günstigsten sei. Er ist viel mit dem Wohnmobil unterwegs. 

Wenn wir schon beim Einkaufen sind, so sind die Geschäfte in der Schweiz, in denen wir über die Zeit am meisten regelmässig einkaufen: Migros an der Birmensdorferstrasse und bei der Brunau, Coop an der Birmensdorferstrasse und St. Annahof. Globus, PKZ, Max Mara, Panta Rei und weitere Boutiquen haben es Veronika angetan. Auch Schuhläden findet sie interessant und auch bei Schals kann sie nicht vorübergehen. 

Während sie jeweils in den Läden die Auslagen berührt, warte ich vielfach vor dem Laden und beobachte die Leute.

Geschrieben am 3. Januar 2026

Auszüge aus den Belegen 2025 als Beispiel


Über das Raiffeisenkonto werden all die Einnahmen und Ausgaben bestritten, letztlich auch jene über die Kreditkarte oder yuh. Auszug Seite 7 von 9 für das Jahr 2025

 



Kontoauszug Digitalkonto yuh aus dem Jahre 2025 (ohne IBAN) in SFR. Seite 17 von 80.

 

Auszug Digitalkonto yuh in € (ohne IBAN) im Jahre 2025, Seite 45 von 80.

 


 



 

Bei der Migros ist jeder Artikelkauf mit Datum, Uhrzeit, Filiale und Preis vermerkt. Auszug Seite 1 von 22 im Jahre 2025

 


Niklaus Wild tätigt grössere Käufe, die jeweils das 'yuh-Portemonnaie' strapazieren würden, über die Kreditkarte Certo der Cembra Money Bank, vielfach sind es auch online-Buchungen wie Hotels, etc. Die Einkäufe bei Migros und Coop werden automatisch der Kreditkarte belastet, wenn Niklaus an der Kasse bezahlt. Auszug Seite 2 von 4 im Jahre 2025.

 


Veronika Wild hat ein Privatkonto bei der Postfinance, über das bei ihr 2025 in etwa 320 Transaktionen gelaufen sind. Auszug Seite 4 von 40. 2025

 


Bei Coop können die Käufe nicht exportiert werden. Abgebildet sind von den 130 Einkäufen im Jahre 2025 die acht mit über Fr. 100.- Umsatz, alle zusammen um die Fr. 1'000.-, 2025

 

Tiergarten mit Vor- und Nachteilen (Baurecht)
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14.  Tiergarten mit Vor- und Nachteilen (Baurecht)
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Familienwohnung wegen Baurecht erschwinglich, 

Die Wohnung Im Tiergarten 50 war wegen des Baurechts für uns erschwinglich. Ohne Baurecht hätte eine gleichwertige Wohnung damals über das Doppelte, so Fr. 1.5 bis 1.7 Mio. gekostet wie z.B. im Gehrenholz die gleiche Fläche über sieben Halbetagen, ohne Lift. Diese Häuser wurden in den achtziger-Jahren beworben mit dem Slogan 'Wohnen in der Stadt wie auf dem Lande'. Dies hat mich beeindruckt und ich muss sagen, es stimmt irgendwie. Es ist ruhiger als vielfach auf dem Lande, weil wir in der Stadt keinen  Fluglärm und bei unserer Wohnung auch keinen Autolärm haben. Die Üetlibergbahn empfinden wir nicht als Lärm, bringt sie uns doch Bewegungsfreiheit und das Gehirn filtert die sich wiederkehrenden Geräusche aus.  
Die Erholungszonen wie das Naturschutzgebiet hinter dem Gleis, die Allmend mit der Sihl, der Friedhof Sihlfeld, der Panoramaweg oder der Üetliberg mit seinen Trampelpfaden sind zu Fuss gut erreichbar. Der Ort ist optimal erschlossen.

Die Wohnung erfüllt all die gängigen Kriterien: optimale Erschliessung, alters- und behindertengerecht auf einer Ebene und mit grossem Lift, gut isoliert, genügend Platz, zwei Balkone, hell und sonnig, ruhig, Aussicht ins Grüne, viele Spielplätze. Einzig der Garten fehlt.

Unsere Tochter Milena, Mutter von drei Buben, sagt, sie sei im Tiergarten selbständiger aufgewachsen als ihre drei Kinder im Einfamilienquartier im bäuerlich geprägten Dorf Knonau. Dort sei der grosse Spielplatz im Dorf z.B. nur nutzbar ausserhalb der Schulzeiten. Im Tiergarten hätte es mehrere Spielplätze gegeben und auf der anderen Seite der Üetlibergbahn ein Naturschutzgebiet und Brachflächen. In der Kindheit wurde im Tiergarten noch gebaut von 1988 bis 1991. Für die Kinder waren die Baustellen an den Wochenenden ein Eldorado. Sie hätten mehrheitlich ohne Aufsicht von Erwachsenen spielen können, was für die Entwicklung eines Kindes wichtig sei. In Knonau seien die Kinder entweder zu Hause oder bei Kollegen, wo auch wieder eine Aufsichtsperson sei. Wenig überwachte Freiflächen gäbe es eigentlich keine.

Für mich war damals als junger Familienvater ganz wichtig: Als Eigentümer konnte mir niemand mehr kündigen. Ich war sicher, die Kinder können ihre Ausbildung in ihrer gewohnten Umgebung machen.

Der Kaufpreis für unsere 5.5-Zimmer-Wohnung betrug 1989 Fr. 690’000.-, zusätzlich Baurechtszins Fr. 9’630.- pro Jahr: Grösse 145.5 m2, zwei gedeckte Balkone, Einstellplatz in Tiefgarage, genügend Besucherparkplätze. Das Haus Nr. 50 ist am Siedlungsrand und zeichnet sich dadurch aus, dass die Wohnung Sonne hat am Morgen, Mittag und Abend. Zudem ist sie ruhig, weil rundherum verkehrsfrei.

Jährliche Betriebskosten der Eigentumswohnung:
  • Fr. 4 bis 6'000.- Hypothekarzins pro Jahr. Die Hypothek hat 2024 eine Höhe von Fr. 250’000.- mit geplanter Amortisation von Fr. 8’000.- alle 3 Jahre. 
  • Fr. 6 bis 8'000.- für Betriebskosten pro Jahr  für die Wohnung und den gedeckten Garagenplatz.
  • Fr. 10’000.-  für Baurechtszins pro Jahr
  • Fr. 20 bis 24'000.- Betriebskosten pro Jahr

Investitionen in die Wohnung:
  • Fr. 40'000.- in den Jahren 2003 bis 2008 von uns
  • Fr. 180’000.- in den Jahren  2014/15 und 2022 (Küche, Bad, Dusche, Parkett). Pro Jahr sind das im etwas über Fr. 6’000.- im Zeitraum 1989 bis 2024.
  • Fr. 5'000.-im 2025 im mittleren Zimmer für Eichenparkett und Malerei 
  • Fr. 6'000.- pro Jahr im Zeitraum 1989 bis 2025
Der Erneuerungsfonds wird jährlich alimentiert, damit der Werterhalt der Hülle finanziert werden kann.

Der Eigenmietwert ist vom Steueramt auf Fr. 21'400.- festgelegt worden in den letzten 20 Jahren.

Unsere Wohnung kostet uns pro Monat damit Fr. 2000.- bis Fr. 2'400.- pro Monat. In der Zeitung wird 2025 berichtet, dass in unserem Quartier bald die teuersten Wohnungen angeboten werden. Eine Wohnung wie die unsere wird z.B. bei der Station Binz für Fr. 5'000.- vermietet. 

Eine kleinere Mietwohnung würde mehr kosten. Die grosse Wohnfläche für zwei Personen lässt sich vertreten im Hinblick auf das Alter, wenn auf einmal jedes ein Schlafzimmer möchte oder eine Pflegekraft auch in der Wohnung übernachten müsste. Am 30. Dezember 2025 fragte Veronika ihre Bekannte Heidi Heinzer, ob sie sich schon für das Altersheim angemeldet hätte, worauf sie früher immer so Wert drauf gelegt habe. Diese antwortet lapidar, wir haben eine grosse alters- und behindertengerechte Wohnung mit Zimmer für allfällige PflegerIn. Die gleiche Argumentation wie ich.

Mir gefällt die relative Anonymität in der Stadt. Wenn ich 200 m vom Tiergarten entfernt bin, interessiert sich kein Mensch mehr, wer ich bin und was ich unternehme. Ich bin auch niemandem Rechenschaft schuldig. Ich muss nirgends mitmachen, wenn ich nicht will. Es gibt keinen gesellschaftlichen Druck.

Dank unserer zentralen Lage kommen einzelne Familienmitglieder regelmässig vorbei, wenn auch manchmal nur kurz. 

In den 35 Jahren in der Stadt Zürich ist meines Erachtens die Lebensqualität für die Bewohner gestiegen. Wir haben Freiflächen und allgemein zugängliche Räume und Anlagen. Wir können uns gefahrlos zu Fuss bewegen, was wir als Pensionierte öfters tun. Meist gehen wir zu Fuss in die Stadt und auch zurück, wenn es nicht allzuviel zu tragen gibt.

Foto Sanierung Küche vorher und nachher

Wir kauften 1989 den grossen Bastelraum von 33 m2 Grösse für Fr. 46’000.- (damals ohne zusätzlichen Baurechtszins) im benachbarten Haus Nr. 49, weil die beiden Bastelräume im Nr. 50 bereits verkauft waren (Familien Muggler und Lüthi). Diesen Bastelraum verkauften wir nach zwölf Jahren Ende Juni 2001 zu Fr. 52’000.- an Familie Wildhaber-Fischer und wir kauften von Familie Muggler den 30 m2 grossen Bastelraum im Nr. 50 für Fr. 50’000.- und Fr. 7’000.- Inventar. Herr Muggler hatte dank Wasseranschluss eine Waschmaschine im Bastelraum eingebaut, was uns mit der vielen Wäsche der Kinder entgegenkam. 1989 hatte dieser Bastelraum noch Fr. 43’000.- gekostet. Diesen Raum verkauften wir am 3. Juni 2010 für Fr. 56’000.- an Familie Graf (Tg49). Das war der Beginn von einer Art Loslassen. Im Bastelraum lagerten wir viele Utensilien der Kinder und von uns ältere Möbel und Geräte. Das Auf- und Ausräumen tat gut. Ich mochte es der Familie Graf mit ihren 3 Kindern gönnen. Sie halten sich öfters im Raum auf. Mit den Bastelräumen haben wir einen kleinen Gewinn erwirtschaftet, immerhin so um die 12 % innert zehn Jahren Haltedauer. Später wurde wegen eines Revisors auch bei den Bastelräumen ein Baurechtszins verlangt. Für mich schienen die Bastelräume eigentlich immer schon relativ teuer. Ich und andere, z.B. Frau Puister, waren gegen die Reglementsänderung.



Fotos: 
Luftaufnahme Tiergarten in der Erscheinung 1989 bis 2025.
Küchensanierung vorher und nachher



Im Dezember 2023 habe ich von Urs Räbsamen, der ein Immobilienportfolio zusammengekauft hat und im Gehrenholz wohnt, erfahren, dass beim Weiher neben Alt-Stadtpräsident Ledergeber ein Haus für 3.6 Millionen Franken verkauft worden sei, d.h. mehr als das Doppelte wie es 1989 gekostet hat.

Unsere Nachbarwohnung auf dem gleichen Stock links hat 1989 neu  Fr. 442’000.- gekostet, 3.5 Zimmer mit Balkon, 87 m2 gross. Baurechtszins Fr. 6130.-. Im Dezember 2023, 35 Jahre später wurde sie für Fr. 1’160’000.- an Peter Müller-Locher verkauft, das 2.6 fache des ursprünglichen Kaufpreises von 1989. Eigentümer Samuel Hagman und Maren Wolf haben alles saniert mit Ausnahme des Parkettbodens (siehe Bilder aus Verkaufsauftritt).

Familien wie wir zog es 1989 eher auf das Land als in die Stadt. Wir mussten uns damals rechtfertigen für unseren Standort. Gewisse Leute sagten, wir wechselten in die 'Slums of Zurich'. Die Stadt hatte keinen guten Ruf, im Gegensatz zu heute, wo viele gerne in der Stadt wohnen würden.

Mein Fazit hierzu: Das Glück liegt in unserer gemeinsamen Gestaltung des Lebens, nicht in der Hülle, die uns umgibt. Wir haben eine gepflegte Wohnung, gesunde Kinder und Enkel. Dies sollte genügen. Ein Rezept zur Zufriedenheit ist: Konzentriere dich auf das, was du hast und was funktioniert und nicht auf das, das nicht mehr funktioniert oder was du nicht hast. Die Kinder haben jeweils gesagt, Mama, andere Kinder wären froh, sie hätten eine solche Wohnung wie wir. Veronika sagte immer, die Wohnung ist schön, aber leider am falschen Ort.

Wir wohnen heute noch in dieser 5.5-Zimmer-Eigentumswohnung. Von den 10 anderen Partien im Haus haben bis auf Eveline Reinhard alle Erstbesitzer ihre Wohnung verkauft.

Veronika hat meines Erachtens zum ersten Mal realisiert, was bei unserer Wohnung alles stimmt, als wir auf der Rückfahrt waren von der Wohnung Fluhbergstrasse 5 in Männedorf im August 2023. Veronika kam mit in der Absicht, diese Wohnung ihrer Freundin Monique Schaller Rähm abzukaufen. Sie kam zum Schluss: Küche klein, 35 Treppenstufen, Garage erreichbar über verwinkelten Abgang, kein Lift und auch keine Möglichkeit für Einbau. Beeindruckt bei Besuchen hat uns die unterbaute Seesicht, die schöne Stube, der Garten auf gleicher Ebene. Monique musste ausziehen, weil sie diese Treppe nicht mehr meisterte, war sie doch auf einen Rollstuhl angewiesen. Der Sohn von Monique sagte mir, er möchte nicht, dass seine Kinder in Männedorf in die Schule gingen. Er war nicht interessiert an der Familienwohnung.
Örtlichkeiten Im Tiergarten, Geschichte
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14.1.  Tiergarten mit Vor- und Nachteilen (Baurecht) – Örtlichkeiten Im Tiergarten, Geschichte.
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S-Bahn-Station der Üetlibergbahn

Vor unser Haus sollte um 1990 herum die Station Friesenberg der Üetlibergbahn verschoben werden im Zusammenhang mit einer unterirdischen Entlastungsstrasse von der Brunau bis zur Talwiesenstrasse, wo beim Coop (Talwiesenstrasse) bereits genügend Fläche ausgeschieden ist für die Tunnelaus- und einfahrt. Mit meinen Kenntnissen von den Auflageverfahren für Bahnausbauten machten wir unter meiner Initiative Einsprache zusammen mit vielen Eigentümern von unseres Siedlung (Stockwerkeigentümer Im Tiergarten 44-50, Einfamilienhäuser Gehrenholz). Ich holte die Unterschriften jeweils persönlich ab und lernte so viele Menschen kennen.
Die geplante neue Haltestelle Friesenberg sollte nach unseren Vorstellungen besser zwischen den Gehrenholzhäusern und dem Altersheim Sieberstrasse angeordnet werden. 'Unsere' Station ist eine der letzten nicht auf ebenen Einstieg umgebaute Station seit der S-Bahn-Eröffnung im Jahre 1989. Die neue Station auf der anderen Seite der Friesenbergstrasse ist für 2027 geplant. Die Üetlibergbahn mit dem engen Taktfahrplan ist ein wesentlicher Standortvorteil für unsere Wohnung, haben wir doch alle 10 oder 20 Minuten eine direkte und zuverlässige Verbindung zum Hauptbahnhof Zürich, die Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs für die Schweiz und Europa. An der Attraktivitätssteigerung dieses Verkehrsknotens – dem HB Zürich – habe ich zehn Jahre aktiv mitgearbeitet.

Das Nachbarhaus Sieberstrasse 12-16 hat Gewerbenutzung im Erdgeschoss und darunter eine frei zugängliche Einstellhalle für die Autos der Kunden. Zuerst gab es ein Restaurant Sale e Pepe, eine Apotheke, einen Bodenleger und einen Coop. Nach und nach wurden diese Geschäfte ersetzt. 2025 sieht die Nutzung in der gleichen Reihenfolge so aus: Städtischer Kindergarten, Kinderhort, Bogenschiessverein, Pizza- Lieferdienst. Daneben ist das Altersheim Sieberstrasse mit angegliederten Alterswohnungen. Nur schon von unserem Haus haben Partien dort hinüber gewechselt (Antony Mann 2024 und Ivancevic 2015?.  Beat Stähli (beruflich auch bei SBB. Zu meiner Zeit war er Leiter der Sektion 5 der Betriebsabteilung) ist nach dem von seiner Frau ausgelösten Brand seiner Wohnung in eine Alterswohnung gezügelt. Die Frau ist einige Zeit nach dem Brand gestorben.

Sanierung der 466 Mietwohnungen Im Tiergarten 2025-2026
Nach 36 Jahren werden Im Tiergarten bei den 466 Mietwohnungen die Sanitärleitungen, Küchen und Bäder, Fenster und weitere Bauteile bei den 466 Mietwohnungen erneuert. Auch die Umgebung wird aufgewertet: Spielgeräte werden erneuert, versiegelte Flächen aufgebrochen und durch Grünflächen ersetzt. Die Mieter können in den Wohnungen bleiben. 

Bei den Eigentumswohnungen (Im Tiergarten 44-50) werden die Eigentümer in Bälde über die Sanierung der allgemeinen Teile (Fassade, Fenster, Umgebung, Velounterstände, etc.) befinden und wahrscheinlich gelungene Lösungen bei den Mietwohnungen kopieren.

Der Lift wurde 2024 erneuert und führt zur Vorahnung, dass die Eigentümer bei der Erneuerung sparen. Unser Nachbar sagte, seine Tochter hätte bei der Mietwohnung jetzt den besseren Lift als wir Eigentümer! Man darf sich keiner Illusion hingeben, Totalsanierungen sind bei Stockwerkeigentum schwierig zu bewerkstelligen, weil einigen Besitzern schlicht das nötige Geld fehlt. Vorerst geht es auch darum, ob uns die Modernisierung der Mietwohnungen überhaupt gefällt. Anfänglich sah unsere Überbauung gut aus und zog viele architekturaffine Menschen hierher.


Geschichte der Gegend Im Tiergarten / Ziegelei-Areal / Binz
Veronika's Gartentrauma, Projekt Im Walder
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14.2.  Tiergarten mit Vor- und Nachteilen (Baurecht) – Veronika's Gartentrauma, Projekt Im Walder.
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Gartentrauma als Belastung für unsere Beziehung 

Wir zügelten 1989 von Zollikon in die Stadt Zürich, damit die Kinder schon im städtischen Schulsystem eingeschult werden. Geplant war der Umzug in das in Planung befindliche Einfamilienhaus Im Walder 12, etwa 300 m weiter seewärts in Zollikon, aber auf Stadtgebiet. 1992 hätten wir einziehen können. Wir schafften das aber finanziell nicht. Die Kosten des Hauses mit 300 m2 Wohnfläche betrugen 1.7 Mio Franken und einen jährlichen Baurechtszins von ca. Fr. 10'000.-. Die Hypozinsen lagen bei Fertigstellung 1992 bei 7-8 %. 
Mit meinem heutigen Immobilienwissen hätte ich für uns als Familie nicht mit 300 m2 Wohnfläche gerechnet, sondern zwei Wohnungen bauen lassen und die obere vermietet. So wäre das ganze tragbarer geworden. Aber ich war noch jung, erst 34 Jahre alt.


Entwicklung des Hypothekarzinses in Zürich von 1985 bis 2025. Im Jahre 1992 hätten wir für das EFH Im Walder 12 die Hypothek begründen müssen. Von der Zürcher Kantonalbank hatten wir eine Offerte mit 7.5 % Hypothekarzins. 1989 haben wir die Wohnung im Tiergarten gekauft. Anfänglich hatten wir eine Fix-Hypothek und später die Wohnung mit einer Geldmarkthypothek (Libor, Saron) finanziert und sind damit gut gefahren.

 


Und damit beginnt eine Leidensgeschichte, die unsere Beziehung nachhaltig belastet. Veronika hat ihren starken Wunsch nach einem eigenen Garten nicht verwirklichen können. In all den Jahren hat sich ein Trauma entwickelt, das schwer wirkt und sich auf alle Lebensbereiche niederschlägt.

Ursprung allen Übels bin ich selber. Wir besichtigten dannzumal wie öfters die Wohnungen im Tiergarten zusammen mit den Kindern. Veronika sagte: 'Die Wohnung ist schön'. Eine solche Aussage aus ihrem Munde war eher selten bei Wohnungs- oder Häuserbesichtigungen. Für mich stand im Vordergrund, dass die Wohnung unserem Bedarf entsprach und finanzierbar war. Ich machte auf meine appenzellische Art alleine die Anzahlung für die Wohnung, denn als Familienoberhaupt fühlte ich mich dazu berechtigt, zumal die Platzverhältnisse in Zollikon wirklich zu eng wurden, Milena ging in die erste Klasse und alle drei Kinder lebten im gleichen Zimmer.
Für mich war es eine Übergangslösung bis zum Umzug in das Haus im Walder, bei dem sich der Planungsprozess in die Länge zog, hat doch die Stadt das erste Baugesuch nicht bewilligt.
Im Hintergrund hatte ich aber den Gedanken, die Übergangslösung könnte im Notfall auch die Dauer-Lösung sein für unser Wohnproblem. 
Nach der Anzahlung für die Wohnung war später die Restkaufzahlung fällig, die wir gemäss Notar gemeinsam unterzeichnen mussten. Veronika hat dabei geweint. Wir versuchten die Wohnung zu verkaufen. Ich erteilte der Fides ein Verkaufsmandat. Eine heutige Nachbarin, Frau Fischer-Wildhaber, hätte unsere Wohnung zu unserem Kaufpreis übernommen, ich wollte aber auch das Maklerhonorar  von ca. Fr. 30'000.- abgegolten haben. Wenn ich heute zurückdenke, an all die wenig fruchtenden Diskussionen, wäre es das wert gewesen. Bei der Kündigung unserer Wohnung in Zollikon sagte mir der Liegenschaftenverwalter, in seiner Planung hätte er uns an der gleichen Strasse eine grössere Gartenwohnung (in Miete) anbieten wollen, sobald jene frei geworden wäre. Das haben wir zu spät erfahren. In Miete hätten wir uns auch in der Nähe der Epileptischen Anstalt bewerben können und wahrscheinlich gute Chancen gehabt, denn ein uns vom Hausbau Im Walder bekannter Börsenhändler wohnte dort und hätte uns empfohlen. Etwa ein Jahr vor unserem Umzug nach Zürich hat Markus Frei gefragt, ob wir allenfalls Interesse am Eltern-Haus seiner Frau Magrit Schäppi in Zollikon hätten, sie seien am Evaluieren. Die Miete schien uns hoch, Margrit sagte aber, es hätte zwei Zimmer, die man vermieten könne und dann sei der Mietzins erträglich. Kaum waren wir einige Monate in Zürich, telefonierte Markus Frei, das Haus wäre nun frei zum Mieten. Ich dachte, wir würden es einmal besichtigen, aber Veronika ging im Zusammenhang ihrer wöchentlichen Gymnastik-Stunde in Zollikon meist dort auch einkaufen. Sie hörte, dass die Hortleiterin Lucy Mandach dringend eine Wohnung benötige und gab ihr die Adresse. Diese hat sofort zugepackt, mietete das Haus und unterdessen konnten sie es auch kaufen. Wir haben das Haus bis heute noch nie von innen gesehen, obwohl Lucy Mandach immer an der Zolliker-Chilbi gesagt hat, sie lade uns einmal ein. Veronika meint dazu, ein so rascher Umzug nach einander hätte sie Milena und Raphael nicht zumuten können, deshalb habe sie die Adresse weitergegeben ohne zu ahnen, welche Chance sie vertan habe. Im Nachhinein wäre das wahrscheinlich das kleinere Übel gewesen, wenn ich denke, wie oft damals auch SBB-Bahnangestellte mit ihren Familien zügelten. Im Nachhinein ist man immer schlauer.
Unsere Tochter Milena ist mit der Familie nach dem dritten Umzug im Einfamilienhaus angekommen. 

Veronika sagte, anfänglich seien Leute von Zollikon sie besuchen kommen, wie zum Beispiel Frau ...., hätten aber wie die Nase gerümpft, dass man so wohnen könne. Auch eine Verwandte Doris Lüscher aus Uerkheim verhielt sich gleich. Andere kamen nicht zu Besuch, weil sie die Stadt scheuten, obwohl wir mit der Bahn bestens und sogar einfach erreichbar sind. Solche Begegnungen waren natürlich nicht aufbauend für jemanden, der zweifelt.

Die Entwicklung des Traumas von Veronika und die verheerenden Auswirkungen schildere ich (im nächsten Unterkapitel) mit einer Geschichte aus dem Jahre 2022, also mehr als 30 Jahre nach dem 'Sündenfall'. Nachher gehe ich auf unsere Anstrengungen zur Suche eines Eigenheims ein und streife die Geschichte der zwölf Häuser 'Im Walder'.

Die Mutter von Veronika wie auch ihre Schwester Ruth Bucher-Lüscher finden ihre Erfüllung beim Gärtnern. Dies wäre für Veronika im Walder erfüllt gewesen.
Parkettferien in Lindau mit Bemerkungen
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14.3.  Tiergarten mit Vor- und Nachteilen (Baurecht) – Parkettferien in Lindau mit Bemerkungen.
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Ferien bei Lindau während Parkettersatz in Wohnung im Tiergarten 50, 8055 Zürich. 2022. Trauma allgegenwärtig.

Eckdaten der Reise:
Zeitraum: 21. März 2022 bis 6. April 2022, 17 Tage
Ort: Weissensberg bei Lindau, Bodensee-Region
Unterkunft: Neue Ferienwohnung, Gesamtpreis 1.500 €
Gesamtkosten: 3.557 € für Wohnung, Fahrten, Essen, Ausflüge, Einkäufe. Pro Tag und Person ca. 100 €.
Fortbewegung: meistens zu Fuss, mit dem Auto und Zug
Höhepunkt: Viele ausgedehnte Spaziergänge, z. B. nach Lindau durch zwei Golfplätze und nach Langenargen am Bodensee
Thermen-Besuche: Konstanz und Lindau

Reiseverlauf und Highlights

Ankunft und erster Eindruck
Am 21. März begann unsere Reise mit einem Zwischenstopp in der Therme Konstanz und einem Einkauf in Weissensberg. Die Ferienwohnung war neu und gut ausgestattet, was Veronika gefiel. Jedoch hinterliess das Zurücklassen ihres Wintermantels in Zürich gleich zu Beginn eine kleine Wolke über der Stimmung.

Erkundungen zu Fuss 
Am zweiten Tag erkundeten wir die Stadt Lindau zu Fuss – trotz der Kälte ein schöner Spaziergang. Die geplanten Fahrradtouren wurden nicht umgesetzt, da Veronika auf die Mitnahme der eigenen Räder verzichtete. Stattdessen waren wir viel zu Fuss unterwegs, was sich positiv auf die Gesundheit auswirkte. Höhepunkt war ein 40'000-Schritte-Tag, an dem wir durch Felder, Wälder und Dörfer wanderten und schließlich erschöpft in Langenargen den Rückweg per Zug antraten.

Thermen und Städte
Die Therme Lindau beeindruckte mit ihrem Angebot, insbesondere der Saunalandschaft. Besuche in Städten wie Friedrichshafen, Ulm und Wangen brachten Abwechslung, obwohl nicht alle Unternehmungen Veronikas Erwartungen erfüllten. Besonders in Ulm und Friedrichshafen war die Stimmung gedrückt.

Familienbesuch und Spieleabende
Ein Höhepunkt war der Besuch von Isabelle. Gemeinsame Spiele und Gespräche brachten Leichtigkeit in die Ferien. An jenem Besuchswochenende fiel Schnee am Bodensee. In Lindau konnte Isabelle eine SBB-Komposition besteigen, die sie bis St. Gallen brachte.

Trauma Wohnen – Ein Schatten über den Ferien
Ein wiederkehrendes Thema, das die Reise aus meiner Sicht belastete, war Veronikas Vergleich unserer Wohnsituation mit anderen. Oft äusserte sie Sätze wie: „Diese haben es geschafft, was wir nicht geschafft haben.“ „Alle können etwas auf ihrem Grundstück tun, während wir im Block „eingesperrt“ sind.“ "Bekannte von uns wie Tirggel, Tenno, Ursula Hofstetter und weitere wohnen in ihren Häusern auf der Forch, auf dem Mutschellen oder im Säuliamt."
Diese Bemerkungen kamen immer wieder, besonders bei Spaziergängen durch Einfamilienhaus-Gegenden oder schön gestaltete Gärten. Für mich waren diese Worte schwer zu ertragen, da sie alte Themen und unerfüllte Träume aufwühlen, ohne dass eine konstruktive Diskussion möglich war. Ich zog mich mental zurück, liess mich beim Spazieren zurückfallen, um den Frust nicht direkt spüren zu müssen. Mir tat es jeweils leid, dass unsere gemeinsame Zeit immer wieder mit diesem Thema belegt war damit aus meiner Sicht andere für das Zusammenleben wichtigen Themen auf der Strecke blieben.

Fazit der Reise
Die Ferien waren ruhig und boten Erholung, auch wenn die ständigen Vergleiche von Veronika meine Stimmung oft trübten und bei mir zum inneren Rückzug führten. Der Bodensee bietet viele schöne Orte und Möglichkeiten für Spaziergänge, kulturelle Entdeckungen und entspannende Stunden. Zukünftige Reisen werde ich jedoch so planen, um belastende Themen zu vermeiden. Vielleicht wäre eine Gruppenreise oder Wanderwoche mit Gleichgesinnten eine bessere Wahl für mich. Mit solchen Vorschlägen finde ich bei Veronika keine offenen Türen. 

Einen Tag vor der Rückreise telefonierte mir mein Bruder Tony von Teufen AR und übermittelte mir die Botschaft vom schnellen Tod unseres Bruders Gandolf Wild am 5. April 2022 in Wil SG.

Thema Haus mit Garten oder Wohnung mit Terrasse: In den Parkett-Ferien in ländlicher Gegend ist das Thema Haus mit Garten dauernd präsent gewesen und hat mich traurig gestimmt.
Diese Ferien habe ich als ein Beispiel aufgeführt. Es gilt festzuhalten, dass dieses Thema des öftern, auch bei Besuchen oder beim Wandern oder an Familientreffen von Veronika aufgegriffen wird.
Ich versuche darzustellen, wie es zu diesem Trauma ihrerseits gekommen ist. Ich gehe ein auf unseren Aufwand zur Wohnungssuche, einen Hausbau, Suche nach Ferienhäusern/-Wohnungen.
Für Veronika ist Eigentum wichtig, seit wir verheiratet sind. Unsere Familienwohnung ist aus Sicht Veronika nicht in der richtigen Gegend, zudem ohne Garten oder grosser Terrasse. 

Veronika kann sich bei grösseren Anschaffungen nicht entscheiden, sie braucht sehr lange, will es noch den Kindern zeigen oder mit ihnen besprechen, oder nochmals anschauen, am Schluss sagt sie: ‚Ich bin nicht sicher‘. Früher in unseren ersten Ehejahren hatte ich dann jeweils entschieden. Das mache ich nicht mehr. Sie hätte nämlich Chancen gehabt, ihren Traum zu verwirklichen.



Und 30 Jahre später muss ich mir in den Parkett-Ferien (als Bespiel) die immer gleichen und bereits vielfach gemachten Bemerkungen anhören. Ich habe dieses Beispiel geschildert. All die 30 Jahre ist es so gelaufen. Als Pensionierte sind wir mehr zusammen und es kommt vermehrt zur Sprache. An solchen Tagen frage ich mich manchmal, warum ich das alles mitmache. Das Thema belastet mich und es ist schwierig, die Tage als schön zu empfinden. Bei mir führt das zu einer Distanzierung. Da hätte man Zeit für einander und könnte es schön haben, stattdessen wird die Zeit mit solch belastenden Äusserungen verbracht und damit bei mir die Kommunikation abgewürgt. Manchmal gehen mir auch Gedanken durch den Kopf in der Richtung: It’s time to go. Ich habe mein Leben gelebt, eine schöne Kindheit, eine privilegierte Ausbildung, viel Freiheit bei der Arbeit, verbunden natürlich mit viel Verantwortung, eine ruhige und friedliche Zeit seit meiner Pension mit 58 Jahren im Jahre 2009, erlebt.
Aufwändige Suche nach einer Familienwohnung
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14.4.  Tiergarten mit Vor- und Nachteilen (Baurecht) – Aufwändige Suche nach einer Familienwohnung.
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Die Mutter von Veronika, Ida Lüscher-Bolliger verkaufte am 22. Januar 1986 ihr Haus am Kolpenweg 1/3 in Muhen mit 4110 m2 Grundstückfläche ihrem Sohn Hansjörg, einem 'Lüscher' für Fr. 356'000.- auf Grund einer Schätzung, die Hansjörg bei einem Bekannten eingeholt hat. Im Jahre 2024 hatten wir wegen des Pachtvertrages zu tun mit ihrem Cousin Simon Lüscher. Dieser meinte, die Söhne von Hansjörg meinen, sie hätten zuviel bezahlt für das Haus. Simon bewarb sich um das Nachbarhaus (ehemals Strohhaus von Frau Wetter, das Familie Schmid umbaute), das über eine Million gekostet hätte. Veronika war wichtig, dass Simon den wirklichen Verkaufspreis erfährt. Dieser meinte auch, das sei günstig gewesen.  Die Mutter hat jedem Kind Fr. 150'000.- als Erbvorbezug übermittelt. Dieses Geld war für uns der Grundstein für eine Bausparkonto.

Im September 1985 stiessen wir auf die Genossenschaft im Walder und wurden als Mitglied aufgenommen. Das von der Stadt Zürich im Baurecht abzugebende Grundstück lag 300 m von unseren Wohnung entfernt. Wir waren 12 Partien. 

In jener Zeit erfuhren die Immobilien einen unglaublichen Preisschub bis 1991 die Blase platzte. Für das Haus im Walder 12 hätten wir 1992 7-8 % Hypothekarzins zahlen müssen. 

Der Mann André von Monika Kudelski baute 1985 in Wädenswil ein Haus auf Boden von 400.- pro m2. Wir hätten auch eine Parzelle haben können, aber dies war mir zu weit weg. Rolf Haltner v/o Junker meinte damals, es wäre eine gute Anlage. Es wäre es wirklich gewesen.

Haus in Küsnacht

Unsere ehemalige Nachbarin von Zollikon, Monika Ris, ist mit ihrer Familie nach Küsnacht an die Schüracherstrasse 9 gezügelt. Ihre dortige Nachbarin wollte das Haus verkaufen. Wir durften es exklusiv besichtigen und waren mit der ganzen 5-köpfigen Familie dort. Ich habe gedacht und es auch gesagt, dieses Haus können wir finanzieren (Fr. 1'100'000.-) und es passt für uns, jedes Kind hat ein Zimmer, Garten ist vorhanden, Busverbindung nach Küsnacht oder Zumikon ist vorhanden. Auch die Gegend hat gestimmt. Unsere drei Kinder gingen in die Pfadi Vennes, die von dort in Fussdistanz ihr Pfadiheim hat. Ich wollte auf Grund der Erfahrung mit dem Tiergarten 50 nicht jener sein, der entscheidet. Deshalb war die Abmachung, dass Veronika der Verkäuferin telefoniert und unseren positiven Bescheid gibt. Es war ein Wochenende und Veronika wollte die Verkäuferin nicht stören. Ich sagte, in solchen Fällen spiele weder die Zeit noch der Tag eine Rolle. Veronika hat nicht telefoniert, auch am Dienstag nicht (ich ging zur Arbeit). Sie hat nicht einmal Monika Ris Bescheid gegeben. Später haben wir erfahren, dass es verkauft sei, Veronika hat nie reagiert. Monika Ris wunderte sich. Veronika meinte später, sie hätte Hemmungen gehabt, neben Monika Ris, eine kommunikative Person mit vielen Bekannten, zu leben. Wer so mit Empfehlungen und exklusivem Zugang umgeht, erhält keine weiteren Tipps mehr. Im Jahre 2023 haben uns Monika und Thomas Ris gesagt, eines der Häuser sei für 4 Millionen Franken verkauft worden. Wenn ich damals gewusst hätte, wieviel Energie Veronika's Trauma absorbiert, hätte ich für die Familie entscheiden und zuschlagen sollen. [Später sagt Veronika, es sei Ostern gewesen und sie hätte das Paar nicht stören wollen! Am Dienstag und Mittwoch war nicht mehr Ostern. Sie hat gar nie telefoniert.]


In meinem Geschäfts- und Bekanntenkreis habe ich anfänglich immer gestreut, wir würden ein Reihen- oder Einfamilienhaus suchen. Ich bekam von einem Berater (DHN) Hinweise und Gelegenheit für eine Besichtigung im Kreis 6. Es war dasselbe. Veronika konnte sich weder dafür noch dagegen entscheiden. Ich selber wollte nicht entscheiden, also verlief das Ganze im Sande. Weitere Tipps habe ich in der Folge, aus verständlichen Gründen, nicht mehr erhalten. Mit der Zeit sagte ich auch nichts mehr, denn für mich stimmte die Wohnsituation und für die drei Kinder auch.

Auch Rolf Brändli v/o Fürli hat uns in Küsnacht seine früheres Haus gezeigt, bevor er nach Uitikon-Waldegg gezügelt ist. Aber Veronika konnte sich nicht entscheiden. So sind all die gut gemeinten Tipps entschwunden. 

Veronika sagt immer, ich hätte die von ihr angeforderten Immobilienangebote jeweils zurückgesandt. Damals ging alles über die Post und es waren teure Dossiers mit farbigen Plänen. Wenn der Preis zu hoch war, habe ich es zurückgesandt, weil wir es uns nicht leisten konnten.

Veronika mag recht haben. Nachdem wir in der Genossenschaft im Walder aufgenommen waren, war ich so begeistert vom neuen Projekt, dass ich all die Angebote mit dem Walder verglichen habe und natürlich anfänglich keine Alternativen sah.
In dieser Zeit kauften Urs Keller v/o Tirggel ihr Haus in Uhwiesen in etwa zum Preis wie wir unsere Wohnung in Zürich. Oskar Gemsch v/o Tenno suchte auf der Karte den günstigen Bodenpreis und baute auf dem Islisberg an sonniger und unverbaubarer Lage sein Haus. Peter Bamert v/o Schweif hat auf dem Mutschellen gebaut, wie auch Wick v/o Kran, sein Sohn Raphael Wick v/o IQ und auch Merz v/o April.
All die guten Optionen entschwanden, die Zeit lief davon. Im Immobilienbereich war bis 1991 eine unglaubliche Preissteigerung im Gang. Urs Bollhalder z.B. kaufte in Glattbrugg ein Haus und verkaufte es 1.5 Jahre später mit Gewinn. Ob ich auf der Forch oder auf dem Mutschellen glücklich geworden wäre, bleibe dahingestellt.



Veronika entwickelte mit der Zeit die Idee, zur Verwirklichung ihres Traumes könnten wir ja ein Ferienhaus oder -Wohnung erwerben. In der Landlust haben wir einmal inseriert. Ein Ferienhaus in Graubünden war die Ausbeute. Bei der Besichtigung mussten wir feststellen, dass es inmitten einer Steinwüste steht, was nicht unseren Vorstellungen entsprach.
Einen weiteren Tipp erhielt Veronika von ihrer langjährigen Coiffeuse, die nach Jenaz gezogen ist nach dem Verkauf ihres Geschäftes. Das Walserhaus für Fr. 300’000.- in Jenaz wollte Veronika noch den Kindern zeigen, die aber kein Interesse hatten, es auch nur anzuschauen. Es war am Hang ohne Zufahrt und ohne Parkplatz. Veronika selber konnte sich wie andere Male auch nicht entscheiden, weder zu einem Ja noch zu einem nein. Ich durfte dann den Verkäufer orientieren, denn diese wollte ja einen Bescheid hören.


Als Alternative zu unserer Wohnung sieht Veronika immer eine Wohnung mit grosser Terrasse in einer Gemeinde: Gemeinden sind aus meiner Sicht geschichts- und mehr und mehr gesichtslos. Ich frage mich, ob ich dort glücklicher wäre als in der Stadtwohnung. Veronika hat den Vergleich mit Männedorf, Fluhbergstrasse 5 (von Freundin Monique Schaller) gemacht und wollte jene 5.5-Zimmer-Wohnung auch nicht, wegen der 35 Treppenstufen. 

Eine Zeit lang gingen wir nach Rifferswil für unseren Sonntagsspaziergang. Veronika gefiel es dort gut und schwärmte von einer Wohnung dort. Ich löste ein Suchabo. Es gab freie Wohnungen und auch ein passendes Neubauprojekt. Ich war der erste Interessent und ich kannte den Promotor. Wir hätten Chancen gehabt. Veronika wollte nicht einmal, dass ich die Wohnung reserviere. Warum mache ich mir all die viele Mühe. Veronika träumt und meint, ihre Traum-Wohnung fliege ihr irgendwann zu.

Als wir wegen der Therme ab 2012 vermehrt den Thurgau besuchten und es uns dort gefallen hat, wollte ich den mir bekannten Makler Fleischmann engagieren, uns etwas zu suchen. Veronika wollte aber nicht, mit der Begründung, wir wären zu weit von Enkeln weg. Sie drängte auf Sanierung der Küche und der Bäder in einer Wohnung, die sie innerlich ablehnt, aber trotzdem täglich pflegt. Damals wäre aus strategischer Sicht ein Wohnortswechsel zeitlich richtig gewesen. Die Wohnung hätten wir auch damals für einen guten Preis verkaufen können, noch vor unserer Renovation. 

Auf Spaziergängen darf ich von Veronika immer wieder hören, was wir alles verpasst hätten. Z.B. hätten wir nach ihr uns mit 60 Jahren für etwas anderes umsehen und entscheiden müssen. Siehe oben: Ich wollte im Thurgau den Makler Fleischmann engagieren, sie aber nicht. 

Am 24. Januar 2026 besuchten wir Sohn Raphael und seine Julia in Basel. Auf der Hinfahrt in Basel nähe Spalentor konnte Veronika doch sagen, es sei schade hätten wir uns zu meiner Basler Zeit nicht mehr eingesetzt ein Haus oder eine Wohnung zu finden. Ich muss mich jeweils beherrschen, nicht laut zu werden.  Ich habe mir 2020 vorgenommen, keine Kommentare mehr zu diesem Thema abzugeben. Veronika wollte in Basel damals nichts, weil es zu Nahe an der Grenze liegt. Die Wohnungen wären damals mit Fr. 5000.- pro m2 Wohnfläche gegenüber Zürich relativ günstig gewesen.

Am 5. September 2024 spazierten in Uitikon-Waldegg wie schon so oft. Veronika sagte, sie möchte gerne auf dem Lande neu anfangen in einer neuen Wohnung mit neuen Leuten und sich aktiv einbringen. Ich kann ihren Sprüchen bald keinen Glauben mehr schenken.
Ich erzählte ihr von der Siedlung Burkwil in Meilen. Eine Erbin der (SIKA-) Familie Burkhard bringt sich dort ein, die Gemeinde hat ein Grundstück der Stiftung überlassen, gebaut wird mit Mondholz, die Siedlung ist organisiert ähnlich einer Genossenschaft mit einer Charta. Ziel ist eine durchmischte Bewohnerschaft, also auch ältere Menschen sind willkommen. Veronika ist immerhin drei Mal dorthin gegangen und hat sich die Gegend angeschaut. Aber ganz warm geworden ist sie nicht. Sonnige Lage, Meilen als regionaler Hauptort mit aller Art von Anbietern bei Lebensmitteln und Medizin. Goldküste, am See. Als wir die Absage bekamen, war Veronika froh. Sie störte sich an den Gemeinschaftsgärten, am genossenschaftlichen Geist. Was will Veronika eigentlich, kann man sich fragen.

Ein halbes Jahr später erhielten wir im Juli 2025 die Chance für eine 3.5-Zimmer-Wohnung mit ca. 106 m2 Wohnfläche für Fr. 3'600.- Monatsmiete im Erdgeschoss. Veronika wollte nicht, weil in Miete in einer eher linksorientierten Siedlung (genossenschaftlich-orientierte Burkwil-Charta). Diese Wohnung wollte ich auch nicht, weil sie meines Erachtens im Vergleich zu den anderen zu teuer war.

Am 22. November 2025 konnten wir in der Trift-Siedlung in Horgen vier Muster-Wohnungen besichtigen, Bezug 2026. Nachdem der Architekt erklärt hat, dass der Ausbau der Zimmer mit Betondecke, weiss gestrichenen Backsteinwänden, braunes Holz bei der Garderobe endgültig sei, damit die Mieten tief gehalten werden können, stürmte Veronika hinaus. Sie fand die Siedlung aussen lieblich mit Backsteinen, aber innen überhaupt nicht. Zudem konnte sie sich nicht anfreunden, dass die Terrasse mit Seesicht gemeinschaftlich von drei Partien benutzt würde. Das war nicht ihr Ding. Mietzins-Beispiel 22. November 2025: Bergstrasse 91-99, Horgen, Wohnung E101, Minergie, Netto Fr. 2204, Brutto Fr. 2'434.- pro Monat, 3.5-Zimmer, 79 m2, Seesicht.

Für mich persönlich war dies ein letzter Versuch, Veronika eine fast fertige Wohnung zu zeigen. Es wird immer klarer, dass unsere Familienwohnung unsere letzte gemeinsame Wohnung ist. Die vielen Zimmer können wir begründen, dass wir diese allenfalls einmal für Pflegekräfte brauchen könnten. Alle Alternativen in der Stadt und auf dem Lande wären teurer und kleiner als die aktuelle Wohnung.

Am 24. Januar 2026 haben wir nach langer Diskussion, ob wir zu ihrer Schwester Ruth Bucher nach Buochs fahren sollten entschieden, stattdessen nach Basel zu fahren. Veronika wollte den neu eröffneten Globus erkunden. Als wir beim Spalentor vorbeifuhren, konnte sie doch sagen, sie bedaure es, dass wir uns zu meiner Basler Zeit nicht mehr bemüht hätten, ein Haus zu finden. Basel gefalle ihr besser als Zürich. Auf der Rückfahrt in Zürich Uitikon kam die Bemerkung 'Wann werden wir wohl ein Haus haben?' 
Ich muss mich jeweils beherrschen, um ruhig bleiben zu können. Damals in Basel verkaufte ich ein Einfamilienhaus, am Rhein hatten wir ein Projekt verkauft mit schönen und erschwinglichen Eigentumswohnungen, René Wolf wollte uns schöne Anwesen zur Miete zeigen. Veronika sagte damals, die Kinder sind noch in Ausbildung, wir können jetzt nicht zügeln oder 'Basel und Riehen sind zu nahe an der Grenze'. Wir hätten Gelegenheit gehabt, haben aber die Chancen – aus meiner Sicht zum Glück – nicht genutzt. Mir gefällt die Lebensart der Zürcher besser. Hier muss man nirgendwo dazu gehören. Man kann einfach leben wie es einem gefällt. Allerdings muss man sich selber anstrengen, es fällt einem nicht in die Arme.

Fazit: Viel Zeit aufgewendet für wenig Zufriedenheit. Manchmal habe ich das Gefühl, Veronika suhlt sich lieber in ihren Gartentrauma statt konkret nach ihrem Traumobjekt zu suchen. 
Sie schwelgt im Landlust- und Ding-Dong-Dunst ohne sich zu überlegen was sie konkret will. In Zürich versteht kaum jemand ihre Sorgen, denn hier pachtet man einen Schrebergarten und freut sich dort am Gedeihen der Natur und der Geselligkeit.

Bei all diesen Schilderungen ist anzumerken, dass die Wohnung im Tiergarten für die Familie stimmte. Es war zwar als Übergangslösung gedacht, aber hat sich objektiv gesehen für eine längere Zeit bewährt – allerdings ohne Garten. Wir hatten wegen all der Geschichten nicht schlecht gelebt.

Veronika's Finanzgebaren
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14.5.  Tiergarten mit Vor- und Nachteilen (Baurecht) – Veronika's Finanzgebaren.
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Weil ich die Wohnung im Tiergarten alleine gekauft habe, notabene mit ihrem Frauengut, hat Veronika ein eigenes Bankkonto bei der ZKB eröffnet, nachdem sie im Jahre 2000 im Stadtspital Triemli angefangen hat zu arbeiten. Auf dieses Konto hat nur sie Zugriff. Nachdem sie mit der Verwaltung dieses Kontos nach dem Ausscheiden von ihrem Berater nicht mehr einverstanden war, hat sie 2018 das meiste Geld zum VZ-Vermögenszentrum transferiert, wo es in ETF angelegt wird bei tiefen Gebühren.

Da ich wie von Veronika gewünscht all die laufenden Auslagen bezahle, kann Veronika ihre Einkünfte auf die Konten, zu denen nur sie Zugriff hat, legen und sparen. Sie hat immer gerne, wenn ich bezahle. Sie sagt, so erhalte sie etwas zurück an ihre im Haushalt für mich und die Familie erbrachten Leistungen. Es kompensiere ihre kleine Pension. 

Da wir Errungenschaftsbeteiligung haben, ist alles unser Geld, einzig Fr. 150’000.- sind in die Ehe eingebrachtes Frauengut. Darum spielt es eigentlich keine Rolle, wer was bezahlt.

Finanzideen von Veronika seit 2000
Veronika unternimmt selber wenig, diesen Zustand zu ändern und ihren Traum eines Gartens oder einer grösseren Terrasse zu verwirklichen. Sie bietet auch nicht Hand, die Rahmenbedingungen für einen Wohnungskauf zu verbessern. 
Einmal war eine Tranche von Fr. 100’000.- für die Amortisation unserer Hypothek fällig. Veronika hat es nicht geschafft, ihre abgemachten Fr. 50’000.- rechtzeitig zu überweisen. Wir mussten das Ganze um ein Jahr verschieben.
Für mich war dies doppelt erniedrigend. Mit den Verantwortlichen des Hypothekenzentrums, z.B. Adrian Wenger (auch ein Klosterschüler, aber von Brig im Wallis), hatte ich beruflich Kontakt, indem ich ihm Kunden zuführte. Er wusste deshalb, dass ich beruflich mit Liegenschaftenkäufen zu tun hatte.
Mit einer solchen Erfahrung im Kopf verspreche ich keinem Verkäufer, bis zu einem gewissen Zeitpunkt die An- oder die Restkaufzahlung zu leisten. Aber Veronika beharrt stur darauf, dass ich keinen Zugriff auf das (gemeinsame) Geld habe. Das Vermögenszentrum hat ihr dies nämlich einmal geraten und ihr 2021 alles vorbereitet. Ich darf jetzt wenigstens seit April 2021 über das VZ-Finanzportal elektronisch nachsehen, wie sich das Vermögens-Depot entwickelt und kann somit auch den Steuerbeleg herunterladen.  
Unter diesen wenig Erfolg versprechenden Rahmenbedingungen bin ich nicht sonderlich interessiert, einen Kauf mit ihr zusammen abzuwickeln, denn Veronika betrachtet dieses Geld auch noch als das ihrige, obwohl wir Errungenschaftsbeteiligung haben. Ihr Frauengut ist gemäss ihr offiziell in der Eigentums-Wohnung.
Versuch einer Beurteilung dieser Belastung
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14.6.  Tiergarten mit Vor- und Nachteilen (Baurecht) – Versuch einer Beurteilung dieser Belastung.
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Eigentlich wäre der Wunsch von Veronika realisierbar. In unserem Haus ist neben uns Ende 2025 nur noch Eveline Reinhard, die von Anfang (1989) immer noch hier wohnt. Andere sind in eigene Häuser, ins Ausland oder ins Altersheim gezogen.

Es ist traurig mit ansehen zu müssen, wie Veronika selber vor ihrem Glück steht. Sie kann sich nicht entscheiden. Sie weiss nicht, was sie will. Sie träumt lieber. Sie unternimmt wenig, den Zustand zu ändern. Sie bewirtschaftet lieber ihr Trauma bei Bekannten und immer auch noch am Familientisch. Es mag es bald niemand mehr hören. In Zürich versteht es sowieso niemand. Hier pachtet man einen Schrebergarten, für Veronika aus der Jugend leider mit 'Strebergarten' verbunden.

All diese Wiederholungen ihrer Enttäuschung belastet unsere Beziehung ungemein. Es durchdringt alle Lebensbereiche.

Wenn ich als Pensionierter Veronika beobachte, wie sie lieblich mit den Pflanzen umgeht, wäre ein Garten für sie wahrscheinlich schon die Erfüllung gewesen. Sie hätte dort gelebt wie ihre Mutter Ida oder ihre Schwester Ruth. Ich muss jetzt aus der Situation das beste machen. Dass dieses Thema mich einmal so bedrücken würde, konnte ich damals nicht ahnen.

Paradox ist, dass ich beruflich mit Leidenschaft und Erfolg Liegenschaften kaufte und verkaufte. Veronika hatte aber privat kein Vertrauen in mich und selber konnte sie ihr Traumobjekt nie identifizieren. Das wird die grösste Narbe in unserer Beziehung bleiben. Ich kann nur mich ändern und mir das Leben einigermassen erträglich einrichten.




Was mich immer wieder erstaunt, Veronika pflegt unsere Familien-Wohnung mit Herzblut und schmückt sie mit viel Aufwand. Von daher bin ich gerne zuhause und habe mich an den hohen Sauberkeitslevel gewöhnt.

Was mich allerdings aus dem Haus treibt: Es gibt in einem solchen Haushalt immer etwas zu tun. Bei uns herrscht keine Musse. Ich kann kaum eine halbe Stunde am Stück in meinem Büro lesen oder schreiben, ohne für irgendeine Hausarbeit eingespannt zu werden. Am iMac schreibe ich manchmal in meinen ‚Haushalts-Arbeits-Pausen‘, was aber fehleranfällig ist. Am effizientesten arbeite ich in der Zentralbibliothek oder in den Zügen der SBB.

Die Ferien in Lindau habe ich so ausführlich beschrieben, um herüber zu bringen, was diese ewig-gleichen Stiche mit mir machen. Manchmal legt sie noch drauf und sagt, wir hätten es zu nichts gebracht. Da löscht es mir jeweils ab. Ich habe alles, was wir haben, selber erarbeitet. Die Auswirkungen bei mir sind:
  • Sie führen zu einer Distanz zu Veronika
  • Sie nehmen mir Lebenslust
  • Sie nehmen mir die Kraft, mit Veronika zusammen etwas Grösseres in Angriff zu nehmen
  • In meinem 'annus horibilis' 2009-2010 wollte sie mich nicht gehen lassen. 2024 bemerkte sie einmal, es wäre wahrscheinlich besser gewesen, damals einen Neuanfang zu wagen. – Eine späte Erkenntnis.
  • 2018 ist mir wieder einmal alles über den Kopf gewachsen und ich holte Rat bei einer Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie. Mit ihr wollte ich klären wie ich mich anständig von Veronika trennen könnte. Sie ermunterte mich, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen. Sie meinte, ich dürfe getrost etwas alleine unternehmen, z.B. auch eine Reise nach Burma oder Bhutan, oder eine Wanderwoche mit Gleichgesinnten. [So wie ich es beim Pilgern oder Wandern von Teilnehmenden immer wieder gehört habe. Z.B. Paul Lütolf von Witikon, der mit andere Pilgerinnen 2 und 3 Nächte in den Bergen verbrachte oder alleine in einer Gruppe ferne Länder bereiste. Seine Frau besuchte während dieser Zeit Museen mit anderen Leuten. Oder Fredy Duft von Lichtensteig, der eigentlich meist alleine unterwegs war und auch Pilgerstrecken organisierte. Am Abend telefonierte er ausgiebig mit seiner Frau, als ich einmal das Zimmer mit ihm teilte.]
  • Für mich resultiert daraus mein striktes Festhalten an 'meinen' Tagen Montag, Dienstag und Mittwoch – für mich der Deal nach meiner Rückkehr in die Familienwohnung im Frühjahr 2010. An diesen Tagen gehe ich aus dem Haus und gehe meinen Neigungen und Geschäften nach. Am besten funktioniert es, wenn ich meine Unternehmungen für mich behalte. Veronika erwartet mich um 18 Uhr zu Hause, was ich meistens schaffe.
  • Die Psychologin sandte mir Rechnungen. Einmal fragte sie, ob ich diese der Krankenkasse eingereicht hätte. Ich meinte, das wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Da ich das Hausartztmodell habe, musste ich vom Hausarzt eine Überweisung haben. Auf ihre Empfehlung hin habe ich ihm gesagt, ich spüre einen 'Lebensdruck'. Es klappte. Für mich aber erstaunen die Anstiege bei den Prämien nicht mehr, wenn alle Sorgen über die Kasse abgerechnet werden können.
  • Im April 2020 habe ich mich nach allen Erwägungen entschieden, auch unter den unerfreulichen Rahmenbedingungen mit Veronika zusammen zu bleiben. Der Familiengedanke hat einen wichtigen Ausschlag gegeben en. Damals war eine intensive Hüte-Zeit mit den drei Enkeln.
  • Die Psychologin hat mir aus meiner Sicht eine brutale Methode mit auf den Weg gegeben: Die Klopfmethode, die sogenannte EFT-Technik. Meine Bedürfnisse sind so wichtig wie die der anderen. Wenn Veronika mit ihrer Litanei beginnt, werde ich ruhig, ziehe mich zurück in meine Welt und klopfe meinen Körper 'geistig' nach der Methode ab. Ich sage nichts und reagiere nicht, gehe gar nicht auf ihre immer gleiche Litanei ein. Ich warte einfach. Seit mir dies eine Fachfrau empfohlen hat, kann ich gut leben und das Schicksal ertragen.
  • Veronika meint es mit ihrem Umfeld im Grunde genommen gut. Sie engagiert sich unglaublich für die Familie und um diese zusammen zu halten, mehr als ich. Sie pflegt die von ihr so gehasste Familienwohnung bis in den letzten Winkel, alles muss perfekt sein, keine Provisorien werden geduldet. Das Haus wird erst verlassen, wenn alles perfekt ihre Ordnung hat. Darum geht sie lieber mit dem Auto als mit dem Zug. Das Auto wartet, der Zug nicht.
  • Irgendwie stellte mich das ganze Setting doch nicht zufrieden. Unter dem Titel 'Hades' plante ich einen forcierten Abgang. Bei der Vorbereitung staunte ich über all die verfügbaren Informationen im Netz. Für mich war immer klar, dass es im November passieren sollte, in meinem geliebten Üetlibergwald, mit zweifacher Sicherheit. Als Datum peilte ich den Mittwoch 23. November 2022 an. Dummerweise wäre das der 82. Geburtstag meines verstorbenen Bruders gewesen. Ich glaube, letztlich war es diese Übereinstimmung, die mich das Ganze abblasen liess und ich auch kein anderes Datum wählte. Ich nahm mir vor, ruhiger zu werden.  All die Utensilien habe ich übrigens drei Jahre später entsorgt und mir vorgenommen, ähnliches nicht mehr zu planen.
  • Im Hinblick auf das Projekt Hades habe ich die von Pro Senectute empfohlenen Anordnungen für den Todesfall in stundenlanger Arbeit vorbereitet, um meinen Angehörigen die Arbeit zu erleichtern. 
  • Auf den 47. Hochzeitstag am 28. Juni 2025 schenkte ich Veronika mein Buch 'Afrika, die Erweckung für einen Appenzeller'. Für sie war es eine totale Überraschung, hat sie doch von allem nicht bemerkt. Sie macht mir allerdings den Vorwurf, ich sei zu viel am PC. Beim Buch stört sie, dass ich meinem verstorbenen Bruder gewidmet habe und nicht meiner Familie.
  • Das Schreiben ist mein neues 'Wandern'. So beschäftige ich mich meinen Enkeln, meiner Familie, meiner Vergangenheit und meinen Sorgen. Ich mache es für mich – und allenfalls für die Wissenschaft.
  • Von der Psychologin habe ich gelernt, andere kann ich nicht ändern, nur mich selbst – wenn überhaupt. Dem Gegenüber versuche ich gut gesinnt zu sein.
  • Die Aussichten sind auch 2026 nicht gut. Bei Veronika wird voraussichtlich erst der Tod das Trauma lösen. 
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Unsere drei Kinder
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15.  Unsere drei Kinder
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Unsere drei Kinder

Für Veronika und mich war klar, wir wollten eine Familie mit Kindern. Wir lebten dafür. In jener Zeit wurden die Männer mehr und mehr einbezogen. Ich ging mit an den Vorbereitungskurs für die Geburt. Ich durfte jeweils sogar im Kreissaal mit dabei sein und das Kind in die Arme nehmen und waschen. Das war damals Neuland in der Gesellschaft. 

Veronika kündigte ihre Stelle bei der PUK (Psychiatrische Universitätsklinik) schon während der Schwangerschaft. Das war für uns wie selbstverständlich.

Wir haben uns gefreut. Alle drei Kinder sind mit natürlicher Geburt auf die Welt gekommen. Alle wurden gestillt und wir haben Stillgeld bekommen. Wir führten ein Büchlein über jeden Schritt und übergaben dies später dem Kind. Es gab eine Bewegung, die das Stillen förderte. So wuchsen die Kinder auf.

Alle drei Kinder wurden katholisch getauft – für mich gab es nichts anderes. Damals war Pfr. Giosch Albrecht (1936 bis 2025) in der katholischen Kirche Zollikon tätig. Er verlegte seine Tätigkeit später nach Graubünden, wo er im Institut Logotherapie und Existenzanalysen arbeitete.

Veronika übernahm die Erziehungsarbeit und ich ging arbeiten.

Der grösste Einschnitt im Leben der Kinder war unser Wechsel des Wohnortes von Zollikon, wo wir an der Grenze zu Zürich wohnten, in den Tiergarten. Veronika wünschte in diesem Zusammenhang, dass die Kinder zur reformierten Kirche übertreten, war doch Zürich damals mehrheitlich reformiert. Veronika wollte den Kindern die schönen Gottesdienste, die in der reformierten Kirche Zollikon damals abgehalten worden sind, nicht vorenthalten.

Milena wurde in Zollikon eingeschult, mit ihrer Lehrerin kam sie nicht zurecht. In Zürich spielte sich alles unaufgeregt ein und Milena ging gerne zur Schule. Raphael kam in Zürich in die erste Klasse. Das Bühl-Schulhaus war nahe und zu Fuss gut zu erreichen.

Auf dem Weg von oder zur Schule: Isabelle. Raphael, Isabelle, Niklaus, Milena. 1993. Im Tiergarten.

 

Im Frühjahr 1990 gab es auf der Kollerwiese ein Quartierfest. Dort warb die Pfadi um die Kinder. Wir meldeten Milena und Raphael an. Später zogen diese Isabelle nach. Das war eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung am Samstag. Ich musste sie meist nur an den Goldbrunnenplatz hinunterbringen, wo  meist eine erste Vorhut wartete.

Christine Blattmann war Führerin und wohnte an der Haldenstrasse wie die Familie Lachenmeier. Sie holte Milena manchmal sogar ab. Im Dezember 2025 kam Christine Hämmerli mit Ihrem Sohn und Ehemann in der Sendung Puls. Ihr Sohn hat Trisomie 21. Der Vater hat ihm das Tanzen beigebracht. Sie führen eine Tanzschule. Im Hauptbahnhof beim von der Alzheimerstiftung 2024 organisiertem offenen Tanzen haben wir sie gesehen.


Retten Sie den Schnee von morgen.
Im Jahre 1993 kam ein Paar auf uns zu. Diese hatten einen Auftrag für WWF zum Thema 'Retten Sie den Schnee von Morgen'. Unsere drei Kinder wurden in voller Winterausrüstung zusammen mit einem Bernhardinerhund auf einer Sommerwiese abgelichtet und gaben das Sujet für die Kampagne. Der WWF kam wegen einer anderen Sache just zu jenem Zeitpunkt in die Kritik und die Kampagne kam gar nicht zum Zuge, aber die Foto haben wir.


Kampagne des WWF 1993. Unsere drei Kinder mit Hund in Winterausrüstung auf Sommerwiese. Wegen des Hundes mussten sie lange ausharren.

Drogenszene, Needle Park beim Landesmuseum
In der Zeit um 1988 bis 1992 wütete in Zürich die Drogenszene. Bis in die Quartiere hinaus lagen Drogensüchtige in den Hauseingängen, im Gleis der Üetlibergbahn lagen Spritzen. Unsere Kinder haben das Elend gesehen. Ich sagte jeweils, so endet der Drogenkonsum. Meines Erachtens waren diese Anblicke für unsere Kinder der Ansporn, den Konsum kritisch zu hinterfragen. 

Die Pfadi hatte An- und Abtreten bei Lagern meist beim Landesmuseum. Während des Drogenelends mussten sie andere Plätze suchen.




Alle drei Pfadi, Minou, Tschikay, Zora. Beim Teich im Tiergarten 50, Zürich.

 



Pfadi Vennes, Korps Hans Waldmann
Für die Übungen am Samstag trafen sie sich immer an einer Endstation von Tram oder Bus statt: Rehalp, Albisgüetli, Bucheggplatz, Albisrieden, Wollishofen, etc. Sie erreichten diese Orte selbständig. Mit der Zeit haben alle drei Leitungsfunktionenübernommen.
Ihr Pfadiheim steht in  Küsnacht-Itschnach am
Geissbühlweg 41. Es wurde neu erstellt und im September
2022 eingeweiht. Milena und Isabelle engagierten sich in diesem Projekt.


Einweihung neues Pfadiheim in Itschnach. Raphael, Isabelle, Milena, Julia Bucher, Veronika Wild. September 2022

 




Pfadigemeinschaft am 15. Juli 2024, mehr als 30 Jahre nach der aktiven Zeit.

Bildlegende:
Die Pfadis nach dem Essen im Gül Restoran, Tellstrasse in Zürich.
Milena (Minou), Isabelle (Zora), Gotte von Linus Estecy Winkler (Balu), Claudia Siebenhaar (Sepia), Julia Bucher, Daria Tamagni (Smart), Markus Rohr (Kadlu), Raphael (Tschikay).
15. Juli 2024

Veronika wurde seinerzeit zu Hause nicht gefördert. Sie litt darunter. Ihre Kinder hat sie gefördert. Alle lernten ein Musikinstrument, Milena Querflöte, Raphael Saxophon und Isabelle Violine, die sie später mit einer Gitarre tauschte.

Sonst spielten sie im kinderfreundlichen und grossenteils autofreien Tiergarten mit den anderen Kindern. Als sie klein waren, liess ich sie raus, öffnete die Fenster, damit ich sie rufen oder schreien hörte. Unten richtete ich die Haustüre so ein, dass sie jederzeit in die Wohnung kommen konnten, um zu trinken oder etwas zu holen. 


Milena, Isabelle und Raphael in Stube im Tiergarten 50. Mit Katze Pippo.

 


Ferien mit der Bahn in Venlo Holland. Raphael, Isabelle, Milena. Sommer 1991

 



Alle drei Kinder machen ihren Weg selbständig und stehen auf eigenen Füssen. Alle sind im Bildungsbereich tätig, aber in verschiedenen Bereichen.







 




 

 

Unsere älteste Tocher Milena Franziska
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15.1.  Unsere drei Kinder – Unsere älteste Tocher Milena Franziska.
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Die ersten Lebensjahre verbrachte sie in Zollikon, eingebettet in Nachbarsfamilien. Sie besuchte dort die Spielgruppe, den Kindergarten und die 1. Klasse. Im August 1989 zügelte die
Familie nach Zürich in den Tiergarten. Von hier aus besuchte sie alle Schulen bis zum Abschluss an der ETH, die Pfadiübungen, den Musikunterricht, etc. – in der Regel ohne Begleitung der Eltern.

Milena war ruhig und dachte nach bevor sie handelte. Sie bastelte, kochte, malte, nähte, las Bücher und beschäftigte sich selbst. Sie spielte draussen. Im Vergleich zu Raphael z.B. hat Milena bei Legos zuerst studiert und dann mit zusammenstellen angefangen, Raphael hat alles ausgepackt und ausgelegt.
Milena sagt zum Leidwesen ihrer Mutter, sie hätte bei mir als Vater kochen gelernt. Für mich erstaunlich. Aber das ist so zu verstehen: Veronika arbeitete einige Tage im Monat, meist am Wochenende. An üblichen Sonntagen schauten wir um 11 Uhr die damals eher neue 'Sendung mit der Maus'. Jemand musst kochen. Ich gab den Kindern das Unicef-Kinder-Kochbuch. Milena fragte z.B. was heisst EL (Esslöffel) oder Prise Salz oder 1 L (Liter). Ich liess sie machen, auch wenn die Küche allenfalls voller Mehl war. Wir verspeisten ihre Pfannkuchen mit Wonne. Ich selber konnte nicht kochen und war froh, konnten wir den Mittag so überbrücken. Vielfach bewegten wir uns an Nachmittag an die Sihl und die Kinder spielten stundenlang im Wasser in der Nähe vom heuten Sihlbogen. 

Später interessierte sich Milena für Aikido und las Fantasy.


In der Kantonsschule Wiedikon hat Milena die Probezeit (vor allem wegen des Französisch) für das Langzeit-Gymnasium nicht bestanden. Sie wäre an die Sekundarschule im Rebhügel-Schulhaus gekommen zu einer Lehrerin, zu der sie aber nicht unbedingt wollte. Diese gehörte einer Bewegung mit einem erhöhten Reinlichkeitsbedürfnis an. 

Sie schaute sich die Katholische Sekundarschule in Wiedikon und beim Stadelhofen an wie auch jene der evangelischen Schule an der Rämistrasse. Sie entschied sich für die Kath.-Sek. beim Stadelhofen und besuchte dort alle drei Klassen. Sie schaffte es anschliessend problemlos an das Kurzzeitgymnasium in Wiedikon und besuchte dort das Lehramt mit Matura L. Mit diesem Abschluss hätte sie in Zürich und in den Konkordatskantonen Schule geben können. Die Maturitätsreform eröffnete ihr weitere Wege, sogar den Übertritt an die ETH. Sie wählte Chemie, zu meinem Erstaunen. Chemie habe ich selber nie begriffen und sagte ihr, ich könnte ihr nicht gross helfen. Sie schaffte es.

An ein Ereignis kann ich mich erinnern: In der Zeit des Übertritts von der Oberstufe ins Gymnasium machte Milena im Lernstudio eine Testserie zur Abklärung der Eignung für das Gymnasium. Der Prüfer sagte, in seiner Zeit hätte er noch ein solches Resultat gesehen: in den mathematischen Fächer extrem gut und in den sprachlichen Fächern das Gegenteil.  Das erinnerte mich an meine Schulzeit.

Die Kantonsschule Wiedikon schloss sie 2002 mit der Matura Typus L (Lehramt) ab und im Jahr 2008 das Studium an der ETH mit einem Master of Science ETH in Bio-Chemie-Ingenieurwissenschaften. Auf Milena (*1981) bin ich stolz, hat sie als Legasthenikerin das Gymnasium und nachher das Chemiestudium an der ETH geschafft. Eine unglaubliche Leistung.

Milena bewarb sich während des Masterstudiums bei Industriebetrieben und Gymnasien. Sie bewarb sich zum Beispiel im März 2009 bei Bühler Uzwil. Sie bekam Bescheid, dass bei dieser Firma wegen der Wirtschaftslage eher von Abbau die Rede war als von Neuanstellungen. Wie bei vielen stellte die erste Stelle bei Milena die Weichen. Sie fand Anstellungen bei Schulen. Voraussetzung zum Unterrichten waren spezifische Vorlesungen zum Thema Pädagogik. Auch machte sie Praktika in Biel und Örlikon. Anfänglich unterrichtete sie an den zwei Orten Baden und Zug. Mit der Zeit konnte sie in Zug ihr Pensum erweitern.

Milena hat als Fachlehrerin 16 Jahre, von 2009 bis 2025, in Zug im historischen Schulhaus Athene unterrichtet. Aus ihrem Chemie-Schulzimmer hatte sie Blick auf den Zugersee. Sie unterrichtete als Fachlehrerin für Chemie und Informatik an der Fachmittelschule Zug. 

2010 heiratete Milena ihren Bekannten aus der Pfadi, David Hitz. Zivil getraut worden sind sie im Pavillion Werd, damals das Provisorium während der Sanierung des Stadthauses. Das Eheversprechen gaben sie sich in der reformierten Kirche Bühl, wo Milena auch konfirmiert worden war. Die Hochzeitsgesellschaft vergnügte sich später in Risch. [Das Hotel gab den Betrieb dauerhaft auf]. 

Sie wohnten als Paar in Zürich Altstetten nahe beim Hallenbad. Sie zügelten nach Bonstetten (-Wettswil) in eine Gartenwohnung. Kurz vor Weihnachten 2012 kam Adrian in der Maternité Triemli zur Welt. Gabriel erweiterte die Familie und sie zogen in eine Maisonette-Wohnung. Nach einiger Zeit zügelten sie nach Knonau, wo eine Arbeitskollegin, die mit einem Studienkollegen von mir verheiratet ist, ihnen eine Gartenwohnung zuhielten. Auf 1. April 2020 zügelten sie in das Einfamilienhaus Bergli 7 in Knonau mit viel Platz und Umschwung, ideal für eine Familie.


Im Sommer 2025 wechselte Milena ihren Arbeitsort und ihre Funktion, aber nicht den Arbeitgeber. Sie unterrichtet Chemie an der neu gebildeten Kantonsschule Zug beim Bahnhof Rotkreuz. Ihre Räume für den Chemieunterricht sind im 6. und obersten Stock mit hohen lichtdurchfluteten Räumen. Sie konnte den Lehrplan mitgestalten. Sie ist nun Gymnasiallehrerin in Chemie und fühlt ich wie ein Junglehrerin, die ihren Stoff zusammenstellen und neu aufbauen muss. Sie arbeitet gerne in einem Team, wie sie es bei der FMS und auch an der Kantonsschule hat. Sie fühlt sich nicht als Einzelkämpferin.

Am 12. August 2025 zeigte uns Milena ihren neuen Arbeitsort, sie war am Einrichten. Wir hatten ein entspanntes Mittagessen mit ihr wie schon lange nicht mehr. Sie war glücklich.

Der Kanton ist an der Planung einer neuen Kantonsschule auf der anderen Seite der Bahngleise bei den Sportanlagen. Die nötigen Projektarbeiten sind im Gange.


Lebensdaten und Berufliches:

  • Geburt am 2. September 1981
  • 1985 bis 1986 Kinderkrippe in Zollikon
  • August 1986 bis Juli 1988 Kindergarten Hinter Zünen, Zollikon
  • August 1988 bis Juli 1989 Primarschule, 1. Klasse in Zollikon
  • August 1989 bis Juli 1994 Primarschule, 2. bis 6. Klasse im Schulhaus Bühl Zürich
  • Seit 1990 Mitglied der Pfadi Vennes (die verschiedenen Chargen sind unter Pfadi aufgeführt)
  • August 1994 bis Juli 1997 Katholische Sekundarschule Stadelhofen, 1. bis 3. Sek.
  • August 1997 bis Januar 2002: Lehramt an der Kantonsschule Wiedikon mit Matura L im Januar 2002
  • Französisch-Kurs vom 8. Juli bis 7. August 1999 in St. Malo (F)
  • Einbürgerung in Zürich im Jahre 2000: Milena erhält neben dem Bürgerrecht von Appenzell-Innerhoden jenes der Stadt Zürich
  • Oktober 2002 bis April 2007: Bachelor of Sciene ETH in Chemieingenieurwissenschaften
  • April 2007 bis Juli 2007: Masterarbeit am Sicherheitsinstitut Schweiz, Basel „Characterisation of Propagating Brush Discharges- Occurence in Industrial Practice“. Während dieser Zeit wohnte sie zeitweise bei mir in Basel an der Rosshofgasse 1 in Basel
  • April 2007 bis September 2008 Master-Studium an der ETH: Abschluss am 1. November 2008 mit Master of Science ETH in Bio-Chemie-Ingenieurwissenschaften.
  • April 2004 bis zum Januar 2009: Aushilfe im Generalsekretariat der Internationalen Vereinigung für Brückenbau und Hochbau (IVBH) an der ETH
  • Zivile Heirat am 29. Juni 2010 im Pavillon Werd (Provisorium) mit David Hitz.
    David Philipp nimmt den Namen Wild an.
  • Kirchliche Trauung am 17. Juli 2010 in der reformierten Kirche Bühl Zürich
  • 20. Dezember 2012: Geburt von Adrian Cedric Oliver Wild in der Maternité Triemli Spital Zürich
  • 17. Oktober 2014: Geburt von Gabriel Casimir Lorenz Wild  im Spital Affoltern am Albis
  • 23. Mai 2018: Geburt von Linus Christoph David Wild im Spital Affoltern am Albis 
  • Fachlehrerin für Chemie von 1. August 2009 bis 31. Juli 2025 an der Fachmittelschule des Kantons Zug als Fachlehrerin für Chemie (und Informatik ab Schuljahr 2019/20)
  • Ab August 2025 Fachlehrerin für Chemie an der neuen Kantonsschule Rotkreuz, Suurstoffi 6, im obersten Stock.


Milena v/o Minou hatte mit Bezug auf die Pfadi einige Chargen inne:

  • 2004-2007 Werbeverantwortliche, Pfadi Vennes, Korps Hans Waldmann. Verantwortlich für Werbematerialien und Werbeanlässe.
  • 2001-2003  Abteilungsleiterin, Pfadi Vennes, Korps Hans Waldmann.
  • 1993-2001 Leiterin, Pfadi Vennes, Korps Hans Waldmann.
  • 2000 bis ....: Leiterin Zürcher Schülerferienlagers auf dem Schwäbrig in Gais AR. [Ich selber bin im Nachbardorf Bühler AR aufgewachsen und mit der Familie waren wir öfters auf dem nahen Gäbris.]
  • Mai 1999 J&S-Lagerleiterin. Sportfach: Lagersport/Trekking Sicherheitsmodul: Bergtrekking

Ihre drei Kinder gehen seit ca. 2023 in die Pfadi (Affoltern). Gabriel wurde Yeti und Adrian Cumuli getauft. Linus war 2024 das erste Mal im Herbstlager, getauft wurde er im UFLA 2025 auf den Namen Scoskie (Seestern).



Wohnorte:

  • 2. September 1981, Geburt im Rotkreuzspital Zürich (heute Careum). 
  • September 1981 bis Juli 1989: Blumenrain 29, 8702 Zollikon
  • August 1989 bis März 2008: Im Tiergarten 50, 8055 Zürich
  • April 2008 bis März 2011: Erste gemeinsame Wohnung mit David Hitz an der Glättlistrasse 6 in Zürich-Altstetten
  • März 2011 bis September 2012: Isenbach 12, 8906 Bonstetten-Wettswil (Erdgeschosswohnung mit Garten/Tomaten, Hochzeitsreise in die USA)
  • Oktober 2012 bis März 2017 Büelmatt 6, 8906 Bonstetten-Wettswil, 5.5-Zimmer-Maisonette-Dachwohnung (hochschwanger mit Adrian eingezogen)
  • April 2017-bis März 2020: Schmiedgasse 3, Knonau, Erdgeschosswohnung
  • Ab April 2020: Bergli 7, Knonau (Einfamilienhaus), Bezug während Pandemie Covid-19. Jeder hatte ein eigenes Zimmer und Vater und Mutter je eigene Arbeitsräume für Home-Office bzw. Home-Schooling.  
  • Unsere älteste Tochter Milena hat mit dieser Zügelei bereits mit 39 Jahren alles erreicht, wovon ihre Mutter Veronika träumt: ein eigenes Familien-Haus mit Garten in Knonau sowie ein Ferienhaus mit Garten in Amden. 

 
Geschichten von und über Milena:

Milena und ihre Zöliakie – geerbt von der Mutter
:

Milena leidet unter Zöliakie wie ihre Mutter, nur noch empfindlicher. Damals galt diese Unverträglichkeit eher als Life-Style-Krankheit. Milena hat mich an einen Zölliakie-Kongress nach Basel mitgenommen – zum Glück. Dort habe ich erfahren, es gäbe heute mehr Zölliakie-Betroffene als früher, weil die Industrie in viele Lebensmittel glutenhaltige Stoffe mische. Dort habe ich auch gesehen, wie die Industrie an glutenfreien Produkten wie Teigwaren, Brote etc. am Pröbeln ist. Das hat bei mir das Verständnis für meine Frau Veronika verstärkt.

Milena und Wettbewerbe:

Milena nahm öfters an Wettbewerben teil und gewann etliche Preise. Einmal fragte sie mich, ob das Angebot seriös sei. Auf Grund einer Einsendung bei Nestlé wurde sie von London kontaktiert. Zuerst konnte ich es kaum glauben. Die Bedingungen lauteten in etwa so: Familie, Kinder zwischen so und so vielen Jahren, Reise nach China inkl. Flug, Bahn, Hotel, Privatchauffeur. Für mich war der Zusammenhang mit dem Wettbewerb nicht ersichtlich. Auf der Homepage fand ich Informationen, die mich beruhigten. Grössere Unternehmen delegieren die Umsetzung der Wettbewerbspreise an diese Firma in London. Und in der Tat, Milena bekam ein auf ihre Familie angepasstes Programm mit allen Tickets, Vouchers, da sie all die Bedingungen erfüllte.
Sie reisten also im April 2017 mit Adrian (4 Jahre) und Gabriel (2 Jahre). Sie besuchten Städte, wohnten in besten Hotels, fuhren mit dem Hochgeschwindigkeitszug, bsuchten den Panda-Tierpark und andere Sehenswürdigkeiten.

Als ich später mit Adrian auf die Rigi schlitteln ging, hatte es viele Chinesen. Oben auf Rigi Kulm wollten die Chinesen ein Foto mit ihm auf dem Schlitten, was ihm gar nicht gefallen hat. David hat mir einmal gesagt, für die Chinesen sei eine Foto mit einem Einheimischen das höchste der Gefühle. Am Mittag wurde das Wetter neblig und wir beschlossen, nach Vitznau hinunter zu fahren. Adrian sagte, Grosspapi, in diesen Chinesenzug komme ich nicht. Wir warteten, bis ein weniger belegter Zug kam.

Milena und die Namen in ihrer Familie: 

Wir gaben den Kindern zwei Vornamen. Milena war damals eher selten. Uns inpirierte ein Paar, das ich auf meiner Afrikareise 1974 in Tamanrasset kennen gelernt habe. Sie tauften ihre Tochter auf den Namen Milena. Der zweite Name Franziska lehnte sich an die älteste Tochter von meinem Kyburgerkollegen Urs Keller v/o Tirggel an. 
Milena versandte die Verlobungsanzeige und die Hochzeitsanzeige separat. Meine Schwester Maria Brabetz von Portugal wies mich auf eine Besonderheit hin. Sie sagte, stimmt es, dass David Philipp den Namen Wild tragen wird. Mir war nichts bekannt, aber ich kam beim genauen Studium der Anzeigen zum gleichen Schluss. Bei der Ziviltrauung mahnte die Zivilstandsbeamtin David, beim Unterzeichnen genau zu überlegen. Später hat uns Milena die Begründunge geschildert: Sie selber sei im Schulumfeld als 'Frau Wild' bekannt, David hingegen in seinem Umfeld als David. Sie wollte nicht überall den Namen wechseln.
Die Kinder, unsere Enkel, tragen auch den Namen Wild. Sie haben jeweils drei Vornamen, der letzte ist jeweils jener des Göttis. 

Milena und ihre neue Kantonsschule in Rotkreuz:

Am 14. August 2025 zeigte uns eine zufriedene Milena ihre neuen Schulräumlichkeiten in der Surstoffi in Rotkreuz im obersten überhöhten Stock. Wir assen zu Mittag in einem Restaurant. Es war ein schöner Tag zu Dritt. Wir haben über den Aufenthalt in Paris gesprochen. Milena kommt am 2. Abend und geht am 3. Tag mit Adrian ins Disneyland. Für Milena beginnt ein neues Schuljahr an der Kantonsschule Rotkreuz in einem Schulprovisorium für mindestens 7 Jahre. Die Räume sind lichtdurchflutet und hoch. 

Milena mit ihrer Grossmutter Ida Lüscher-Bolliger (1914-1993), an Weihnachten 1982 in Zollikon.

 

Milena und Raphael mit Nachbarskindern auf dem Weg zur Schule (Tornister) oder in den Kindergarten (Täschli) in Zollikon, 1988.

 

Milena Wild-Hitz, 2005

 


Milena in Freiburg im Breisgau. 23. August 2014. Wenige Wochen vor der Geburt von Gabriel.

 

Familie Wild-Hitz in China. 17. April 2017. Milena mit Adrian, David mit Gabriel.

 


Milena in Beetlis am Familientreffen. 15. Juni 2019.

 


Linus und Milena im Golzernsee, vor dem Aufstieg auf die Windgällenhütte. 9. September 2023

 


Isabelle und Milena im Gül Restoran, 15. Juli 2024

 


Milena mit Familie: Adrian, David, Linus, Milena, Gabriel. 18. Dezember 2023. Foto-Optik Grau. Dezember 2023

 


Porträt von Milena, ca. 15. Mai 2023

 

Adrian hängt seiner Mutter Milena an. Weihnachten 2025. Im Tiergarten 50.

 

Milena ist mit den Kindern und ihrer Freundin Marisa in Gruyère. Gabriel, Linus, Milena, Adrian. April 2024.

 


Am 18. April 2025 in Boda Borg in Rümlang. Gabriel, David, Adrian, Linus, Milena.

 



 


Familie Wild-Hitz. Milena, Gabriel, Linus, Adrian, David. Dezember 2025. Foto-Optik Grau.

 


 



 



 






Besondere Ereignisse mit Milena

Zum Thema Tochter-Eltern-Beziehung

  • In den nächsten Abschnitten berichte eher über etwas schmerzliches, was aber anscheinend in Familien vorkommt.  Die jüngste Tochter Isabelle wollte im Rahmen des Studiums ihre Kenntnisse in Englisch nachweisen. Sie entschied sich für einen Englischkurs in Byron Bay in Australien.
    Meine Frau Veronika hatte die Idee, sie zu begleiten auf dem Hinweg.
    Nach unserer Rückkehr im April 2008 ging ich wieder nach Basel an die Arbeit. Mit einem Berater (KTh) war ich in seinem Auto in Baselland unterwegs nach Hölstein. Auf einmal zeigte er auf ein Haus und bemerkte, dort wohne sein behinderter erwachsener Sohn. Mir kam meine gesunde Tochter Milena in den Sinn und sagte ihm, ich würde mich gerne bei meiner ältesten Tochter zurückmelden.
    Ich telefonierte ihr im Auto auf dem Beifahrersitz, sie nahm ab. Ich wollte mir ihr plaudern, sie aber sagte, jetzt hätte sie Ruhe gehabt vor uns und sie möchte es lieber so belassen. Dann war das Telefon beendet.
    Für mich war das ein Schock. Künftig habe ich mich gehütet, ihr zu telefonieren oder mit ihr Kontakt aufzunehmen. Anfänglich hatte ich Mühe mit diesem distanzierten Verhältnis, konnte mich aber arrangieren, nachdem ich von Fachpersonen gelesen habe, dass Eltern das vorerst einfach akzeptieren sollen. Auch anderen Eltern geht es so und auf die Frage, was können Eltern tun, um den Kontakt wieder herzustellen, gibt Claudia Haarmanns (Autorin von ‚Der Schmerz verlassener Eltern‘) zur Antwort: ‚Gar nichts.

  • In einer Langzeitstudie 'Pairfam' kommt zum Schluss, dass von einer Entfremdung etwa 9 % der Eltern/Mutter-Kind-Beziehungen betroffen sind. Die Entfremdung beginnt zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr. Die totale Entfremdung, also Funkstille über eine Zeit von mehr als 12 Monaten, komme in etwas 2 % der Beziehungen vor. Auch Eltern, die meinen alles richtig gemacht zu haben, können die Ursache nicht festmachen.

  • Im Nachhinein hat ein Ereignis, das sich mir nicht besonders eingeprägt hat, eine andere Bedeutung bekommen. Veronika hat es mir erzählt und dann kam vage die Erinnerung. Es war eine Diplomfeier von Milena an der ETH, wahrscheinlich der Bachelor im April 2007. Wir tranken Apéro und ich sagte ihr, dass wir gerne mit ihr und David essen gehen würden. Ich war mich nicht gewohnt, zu reservieren. Wir hatten vorher nichts vereinbart, da ich es als selbstverständlich ansah. Milena sagte, die Schwiegereltern (allenfalls auch ihre Schwieger-Grosseltern) hätten sie eingeladen und bereits reserviert. Ich erinnere mich wieder, wie ich wie ein mit Wasser begossener Pudel dastand. Ich nahm es allerdings nicht so tragisch, fand es aber doch komisch. Im Nachhinein denke ich, Milena muss bereits damals auf Distanz gegangen sein.

  • Am 11. November 2025 besuchten wir einen Vortrag von Frau Dr. Ugolini über Familienbeziehungen im Alter. Sie sagte, wenn die Beziehung eines Kindes zu einem Elternteil schwierig gewesen sei, so würde es im Alter schwierig. Manchmal sei in einem solchen Fall eine Distanzierung die beste Empfehlung. Unsere Tochter Milena muss während ihres ETH-Studiums zum Schluss gekommen sein, dass für ihr Überleben diese Strategie die beste sei.
Beziehung zu den drei Enkeln als Grosseltern:
  • Später, als Milena eigene Kinder hatte, sagte sie, ihr liege daran, dass wir eine gute Beziehung zu den Enkeln aufbauen. Wir durften alle drei Kinder bei uns zu Hause regelmässig hüten von Geburt an bis mehr oder weniger zur Einschulung, das waren schöne zehn Jahre von 2013 bis 2024 mit wöchentlichen Kontakten. Dafür bin ich ihr dankbar, ist dies doch ein grosses Geschenk.

  • Vor der Geburt von Adrian sagte mir eine Bekannte, bereits Grossmutter, im Bus von Zollikon vielsagend: ‚Niklaus, bedenke immer, die Grosskinder sind nicht deine Kinder, sondern die deiner Kinder. Diese bestimmen, wem sie die Kinder in Obhut geben.’ Zu jenem Zeitpunkt begriff ich die Aussage überhaupt nicht, erst später, auch in Gesprächen beim Wandern, wurde mir bewusst, welch Glück ich habe. Meine Schwester Theres hat mir im November 2023 gesagt, sie hätte ihre Enkel von Julian Reich nie allein gesehen. Ihre Schwiegertochter Melanie sei jeweils mit den Enkeln für einige Stunden zu ihr zu Besuch gekommen. So habe sie kaum eine Beziehung aufbauen können.
Finanzielle Unterstützung für das Eigenheim von Milena und David 2019
  •  Milena ist eine gute Organisatorin. Als Familie zügelte sie in Bonstetten vom Isenbach 12 an die Büelmatt 6 und in Knonau von der Schmiedgasse 3 zum Bergli 7 hinauf. Knonau passte für die Familie gut, mit der Nachbarschaft, der Kinderbetreuung und der Schule.
    Eines Abends telefonierte Milena, sie hätten ein Einfamilienhaus in der Gemeinde in Aussicht und als Familie gute Chancen auf den Zuschlag. Sie fragte nach finanzieller Unterstützung. Sie schickte mir alle Unterlagen. Mein Befund: Das Grundstück ist relativ gross, das Haus für die 5-köpfige Familie eigentlich auch. Aber der Preis von 1.7 Mio. Franken sei realistisch und nicht überrissen. Für mich war klar, dass wir helfen, allenfalls auch mit einem Erbvorbezug.
    Ich wollte aus Rücksicht auf die beiden anderen Kinder das Ganze schriftlich regeln oder einen Darlehensvertrag aufsetzen. Wir meldeten uns bei unserem Notariat an und liessen uns beraten. Sie empfahlen uns einen Erbvertrag, sagten aber dummerweise auch, wir seien nicht verpflichtet Unterstützung zu leisten und sollten alle drei Kinder gleich behandeln. Am 2. August 2019 um 9 Uhr liefen wir nach dieser Sitzung vom Notariat Richtung Schmiede Wiedikon. Meiner Frau kam nichts anderes in den Sinn – im Gehen – der Tochter via WhatsApp mitzuteilen, dass wir keine Unterstützung geben würden gemäss Empfehlung vom Notar. Wir beide hatten das Gespräch vom Notariat nicht einmal in Ruhe nachbesprochen. Meine Frau war so versessen auf diese rasche Mitteilung, weil es der Geburtstag von unserem Schwiegersohn David war und sie allenfalls ihren eingeladenen Bekannten nicht sagen, wir würden unterstützen.

  • Ich selber dachte, ich könnte sie mit dem Geld aus meiner Firma, über das ich alleine verfügen kann, unterstützen. Einige Zeit später, am gleichen Vormittag, telefonierte mir Milena auf mein Handy und eröffnete das Gespräch mit den Worten: ‚Was für einen Stuss schreibt denn Mama.‘ Sie war sehr erbost und das Gespräch war eher unangenehm, sodass ich auf ihre Frage nach Unterstützung, mehr wegen aus meiner Sicht unangepassten Gesprächsführung sagte: ‚Eher nein‘. Von Milena hörten wir in der Folge nichts mehr.
  • Ich machte allerdings den Blödsinn und sandte ihr den bei uns deponierten Hausschlüssel ihrer Wohnung an der Schmiedgasse 3 auf ihren Geburtstag am 2. September 2019 per eingeschriebenem Brief zurück.
  • Wir wurden im Oktober 2019 zum Geburtstag von Gabriel eingeladen und bekamen dort mit, dass sie sie das Haus kaufen konnten mit Bezug am 1. April 2020. Insgeheim war ich stolz auf meine Tochter. Wenn sie etwas beginnt, so zieht sie es durch. Das Haus konnten sie zur rechten Zeit beziehen. Sie hatten während der Pandemie genügend Platz für Home Office der Eltern und Homeschooling der Kinder.

  • Vom Notariat haben wir den Vorschlag für einen Erbvertrag erhalten. Alle drei Kinder hätten bei Bedarf einen Erbvorbezug von Fr. 50'000.- auslösen können. Der Erbvertrag wäre für die Kinder von Vorteil gewesen. Aber die Stimmung für einen Familientreffen zur Besprechung und Unterzeichnung des Vertrages beim Notariat war nicht gegeben. Ganz unnütz war die Übung nicht, ein Kollege (PS) von mir hat ihn mit seiner Familie umgesetzt.:

  • Schlechtes Vorbild des arbeitswütigen Vaters: Bei Milena denke ich manchmal, sie hat gesehen, wie ich im Beruf aufgegangen bin und er bei mir oberste Priorität hatte. Ich war in der Familienphase an den Abenden öfters an Anlässen oder sogar tageweise weg an Seminaren, Weiterbildungen, Anlässen mit Regierungsräten, anderen Bahngesellschaften, Vorträgen, Abendessen, Apéros, etc. Der Ehepartner von Milena, David, ist neben seiner Tätigkeit im IT-Bereich versiert im Einkaufen, Kochen, Haushalten, etc. Sie teilen die Arbeit wirklich auf und organisieren sich so, dass immer jemand für die Kinder zuhause ist.

  • Milena schlägt irgendwie mir nach. Sie ist allerdings offener und emphatischer. Ich tauge nicht als Vorbild, komme ich doch für Mitmenschen 'kurlig' vor oder handle in meinem Sinne, nicht unbedingt nach allen Seiten abgesprochen.
  • Der Zufall wollte es, dass wir am Dienstag 21. Oktober 2025, dem zweiten Schultag nach den Herbstferien, in Knonau die Kinder hüten durften. Es begann um 6.30 und endete um 22 Uhr, mit Unterbruch von 9 bis 15 Uhr. Am Abend hat uns Adrian gesagt, sein Vater sei die ganze Woche mit seinen beiden Brüdern am Wandern. Milena hatte eine besondere Veranstaltung an der Schule. Der Dienstag war organisatorisch der anspruchsvollste Tag. Diesen Tag habe bei den Enkeln ausführlich beschrieben. Ich war nicht immer mit Veronika zusammen, da ich Transporte zu tätigen hatte. Veronika sagte mir später, ihr sei langweilig gewesen. Die Kinder hätten kaum gesprochen mit ihr. Linus sei doch die letzte Woche so zugänglich gewesen und er hätte bei sich zuhause nichts von ihr gewollt. Gabriel hätte sich zurückgezogen in sein Zimmer. Sie sei darum spazieren gegangen ins nahe gelegene Blumenfeld. In Haus und Garten rührt sie nichts mehr an, obwohl es ihr in den Fingern zuckt. Sie möchte Milena so gerne unterstützen, aber die Hilfe ist nicht erwünscht. Sie fasste es so zusammen: Wir haben im Bergli 7 nichts zu suchen. Ich erkläre das so, im Bergli sind die Kinder zu Hause und haben ihren Rhythmus. Das sind wir Caterer und Taxifahrer und nicht Grosseltern. Für Veronika muss es frustrierend gewesen sein. Sie hofft immer wieder, dass ihre Unterstützung ankommt. Mir tut vor allem Veronika leid. Ihr Hörverlust macht ihr zu schaffen und ihre Energie ist am Schwinden.
  • Veronika meinte im Februar 2026, in letzter Zeit hätte sie die Enkel kurz an Weihnachten gesehen – im Rummel – und weil sie am Geburtstag mit geplantem Zusammensein krank war, würde es wahrscheinlich erst in den Osterferien ein Wiedersehen geben. So verliere sie auf eine Art den Kontakt zu den Enkeln. Da muss ich ihr beipflichten. Ich selber habe die Erwartung schon länger ganz tief angesetzt und konzentriere mich auf anderes. 
    Veronika und ich sind Mitglied der Zürcher Seniorinnen und Senioren (ZSS), präsidiert von Cäcilia Hänny (Gehrenholz, Gemeinderätin FDP Stadt Zürich, wohnen nach Übergabe des Hauses in Uitikon). Wir erhalten Vorschläge für Vorträge mit Themen zum Alter, eine Zeitschrift, eine Weihnachtsfeier, einen Newsletter. Die unten aufgeführte Tipps haben wir aus diesen Quellen erhalten und sehen, dass es anderen gleich geht. Die Einschulung von Linus hat bei uns den wöchentlichen Kontakt abrupt abgebrochen – zu allen drei Enkeln.

 

Tipps an Grosseltern für die Phase, in der sich die Enkelkinder ablösen.

 

  • Begebenheit mit David und seinem Vater Samuel Hitz-Sibler:
    Am 28. Januar 2024 ist der Vater von David, Samuel Hitz-Sibler, Jahrgang 1935, im Stadtspital Triemli gestorben, kurz nach seiner Einlieferung.
    Zur gleichen Zeit war auch David im Triemli. Er war am Abschluss eines CAS, klagte über hohes Fieber und auch sonstigem Unwohlsein. Milena hat gedrängt, dass er in den Notfall ins Triemlispital geht. Er musste 8 Tage im Spital bleiben. David hatte ein Erysipel oder Wundrose. Die Wundrose wird in der Regel mit Antibiotika behandelt – bei schweren Verläufen oder im Gesicht intravenös im Krankenhaus. Wird das Erysipel nicht rechtzeitig therapiert, können sich die Erreger in tiefere Gewebeschichten ausbreiten (Phlegmone) oder eine lebensgefährliche Blutvergiftung (Sepsis) verursachen.
    David hatte Glück und wurde gesund entlassen.
    Vater und Sohn im gleichen Gebäude zur gleichen Zeit und der Vater stirbt mit 89 Jahren.

 


 
Unser Sohn Raphael Matthias
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15.2.  Unsere drei Kinder – Unser Sohn Raphael Matthias.
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Raphael, der Mobilitätsveränderer

Raphael besuchte sechs Primarklassen (1989-1994) im Schulhaus Bühl in Wiedikon. Damals herrschte in Ex-Jugoslawien Krieg. Die Schulen in der Stadt Zürich waren hoffnungslos überfordert mit dem Ansturm von Flüchtlingen. Raphael hatte in der Unterstufe einen anderen Knaben (Martin Zoller) aus dem Tiergarten 51, der Schweizer-Dialekt sprach. Diese beiden Buben wurden für die Mittelstufe zwei getrennten Klassen zugeteilt, was mich bewog, bei der Schulpflege vorzusprechen – ohne Erfolg. Raphael war unterfordert und trödelte. Er ging auch nicht gerne in die Schule. In der Pause wurde er manchmal geschlagen.

Das Freie Gymnasium Zürich (FGZ) im Seefeld bot eine Primarklasse 6-plus an. Wir meldeten ihn an und er konnte diese Klasse besuchen. Es gefiel ihm und er bekam Freude am Stoff, sogar am Latein.

Unsere Idee war, dass er nach dieser Klasse zurück an unsere öffentlichen Schulen in Wiedikon kommt. In der Klasse war der Sohn von Vera Hotz. Sie war Unternehmerin und SIA-Präsidentin des Vorstandes, in dem ich Mitglied war. Raphael und er verstanden sich. Wir liessen ihn im FGZ und zahlten das Schulgeld von an die 20-25'000 Franken im Jahr. In den ersten Jahren konnten wir einen Teil als 'Spende' abziehen bei den Steuern bis der Kanton dieses Schlupfloch stopfte. Nils Wikström und Philipp Jakobs sind weitere Kollegen, mit denen er zeitweise Dinge unternommen hat.

Die ersten Gymnasialjahre verliefen gut, auf einmal liessen die Leistungen und auch die Motivation nach. Die Schulleitung meinte, er würde die Matura nicht bestehen, wenn er so weitermacht und sie baten uns, ihn von der Schule zu nehmen. Wir suchten eine Anschlusslösung, z.B. auch im Internat vom Kollegium St. Antonius in Appenzell. Das wollte ich aber nicht. Fündig geworden sind wir in der Evangelischen Mittelschule Schiers, wo er 2003 mit der Matura abgeschlossen hat.

Nach der Matura (Schwerpunkt Bildnerisches Gestalten) vom 14. Juni 2003 in Schiers besuchte er die pädagogische Hochschule in Zürich und schloss am 22. Februar 2008 mit dem Primar-Lehrer-Diplom ab. Nach einigen Jahren in der Begabtenförderung und einem MBA (6.9.2013) der Hochschule Luzern arbeitet er seit September 2013 bei LerNetz AG an Bildungsplattformen. Daneben macht er Filme mit seiner privaten Firma Wild & Cie.


Raphael setzt sich für eine lebenswerte Stadt ein – statt stehende und fahrende Autos mehr Raum für Fussgänger, Velos und Begegnungen. Mit Freundin Julia Bucher wohnt er so ab 2015 in Basel an der Rosshofgasse 1.

Er engagiert sich (meiner Erinnerung nach 2020 bis 2026) bei Critical Mass, einer Bewegung 'Wir fahren Velo' – wie andere mit dem Auto – jeweils am letzten Freitag im Monat. Er stellt sein E-Bike mit Anhänger mit eigenem Antrieb zur Verfügung. Auf dem Anhänger legt ein Disk-Jokey Musik auf. Die Velofahrenden halten sich an die Verkehrsregeln, sind einfach ziemlich viele zusammen (bis zu 1000 Menschen) unterwegs auf Zürichs Strassen – ohne vorher bekannte Route.

Sein Lebensstil ist beeinflusst von FIRE. Die Idee des extrem frühen Ruhestands basiert auf der sogenannten FIRE-Bewegung – Financial Independence, Retire Early. Rigoroses Sparen, diszipliniertes Anlegen und ein extrem reduzierter Lebensstil sollen eine Pensionierung mit 40 möglich machen. Raphael ist auf gutem Wege dazu. 

Seine Einsätze verlagerten sich mehr und mehr aufs Filmen. Er schaffte Equipment an über seine eigene Firma und über seinen Arbeitgeber LerNetz. Er ist vernetzt und schafft es an Auftraggeber und Aufträge zu kommen. Manchmal frage ich mich, woher er diese Kreativität hat, von mir nicht.

Seit 2024 belegt er Zeichnen- und Modellierkurse. Vor allem hat es ihm die Kunstakademie in Florenz angetan, die er 2025 und 2026 besucht, jeweils während eines ganzen Monats. 





Lebensdaten mit Ausbildung und beruflichen Stationen
  • 23. Oktober 1982: Geburt in der Klinik Hirslanden Zürich
  • 1986-1987: Kinderkrippe in Zollikon
  • 1987 bis 1989: Kindergarten Hinter Zünen, Zollikon
  • August 1989 bis Juli 1995: Primarschule Schulhaus Bühl, Zürich
  • Ab 1990 Mitglied bei der Pfadi Vennes als Tschikay. In den Lagern schauten Milena und Raphael aufeinander.
  • August 1996 bis Juli 1997: Klasse 6+ am Freien Gymnasium Zürich (FGZ)
  • August 1997 bis Juli 2002: Langzeit-Gymnasium am FGZ
  • 2000: Raphael erhält neben dem Bürgerrecht von Appenzell-Innerhoden jenes der Stadt Zürich
  • 20. August 2001 bis 14. Juni 2003: Evangelische Mittelschule Schiers GR mit Abschluss Matura mit Schwerpunkt Bildnerisches Gestalten am 14. Juni 2003
  • Oktober 2003 bis Mai 2004: Universität Fribourg FR Studium Medienwissenschaften (Abbruch nach Vortrag von Roger Köppel)
  • 1. Juni 2004 bis 27. August 2004: Migros Genossenschaft Aare in Bern an der Kasse. [Ich habe ihn dort einmal besucht. Selber arbeitete ich damals bei den SBB]
  • September 2004 bis Februar 2008: Pädagogische Hochschule Zürich (Plattenstrasse) mit Abschluss Bachelor of Arts PHZH in Primary Education am 22. Februar 2008, bzw. Lehrdiplom für die Primarklassen 1 bis 6.
  • Am 5. November 2008 kauft Raphael sein erstes Apple iPhone 3G (8GB) für Fr. 239.- [Er hat mir als Ericson-Fan ebenfalls das iPhone empfohlen mit den Worten 'es kann mehr als ich mir vorstellen konnte'. Ich selber musste ihm Anfang August 2009 aus einer Telefonkabine anfragen, wie ich mit dem iPhone (erstmals ein Touch-Screen) telefonieren kann!!]
  • 18. Dezember 2008: Seminararbeit von Raphael Wild an der Universität Zürich. Formen und Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens. 'Leistungslohn an Zürcher Primarschulen. Eine Untersuchung des Bewertungssystems für eine leistungsorientierte Belohnung der Zürcher Primarlehrpersonen'.

  • Vom 16. August 2007 bis 31. Juli 2013: Als Primarlehrer in der Primarschulgemeinde Regensdorf erteilt Raphael Begabtenförderungsunterricht in vier verschiedenen Schulhäusern, zeitweise mit einem Pensum von 17 Wochenlektionen (60.71%).
  • 4. Oktober 2012: Gründung der Wild & Cie GmbH: Die Gesellschaft bezweckt die Herstellung und Entwicklung von computergestützten Technologieprogrammen, Produkten, Kommunikationslösungen und Anwendungen. 
  • Master of Science Hochschule Luzern/FHZ in Business Administration mit Major in Business Development and Promotion. Abschluss am 6. September 2013
  • Ab September 2013: LerNetz Bern, meist in Filiale Zürich Kulturpark tätig.  
  • Februar bis März 2020: Filmkurs in Berlin. Fällt wegen Pandemie Covid-19 aus. Raphael lebt in seinem AirBnB, Freundin Julia Bucher ist ebenfalls längere Zeit dort.
  • 2021 ?: Filmkurs in Berlin
  • 2022 ?: Filmkurs in Berlin 
  • Oktober 2024 bis Juli 2025: CAS Sound Design für Filme (Kurskosten Fr. 7'500.-) an der ZHdK in Zürich. [Meist übernachtete er von Mittwoch-Abend spät bis am Donnerstag früh bei uns im Tiergarten. Am Morgen gab es kurz Gelegenheit für Gespräche. Dies gab uns regelmässig Einblick in sein Leben.]
  • Juli 2025: Zeichnungskurs in Florenz
  • 2025 Zeichenkurs in Basel (jeweils am Samstag-Vormittag)
  • April 2026: Zeichnungskurs in Florenz mit Schwergewicht auf Skulpturen
Wohnorte
  • Geburt in der Klinik Hirslanden in Zürich
  • Oktober 1982 bis Juli 1989: Blumenrain 29, 8702 Zollikon
  • August 1989 bis Dezember 2000: Im Tiergarten 50, 8055 Zürich
  • Januar 2001 bis Juni 2003: Evangelische Mittelschule Schiers GR (Internat)
  • Sommer 2003: Schweizer-Armee, Rekrutenschule in Losone TI als Sanitätssoldat
  • Oktober 2003 bis Mai 2004: Fribourg (Studium Medienwissenschaften)
  • Juni 2004 bis ....: Im Tiergarten 50, 8055 Zürich
  • um 2008 bis ???: Markusstrasse 14, 8006 Zürich (mit Pfadikollege Markus Rohr v/o Kadlu)
  • ???  bis Dezember 2016: Markusstrasse 9, 8006 Zürich (mit Pfadikollege Kadlu)
  • ??? bis ???? Rosshofgasse 1, 4051 Basel
  • [Ab 1. Juli 2016 Rosshofgasse 1 an Untermieterin Frau Manja Deforth von Kreuzlingen vermietet]
  • ab ? 2015: Rosshofgasse 1, 4051 Basel ('Wochenend-Aufenthalter' bei Julia Bucher)
  • [Ab April 2004 waren Isabelle und Niklaus Mieter der 2.5-Zimmer-Wohnung Rosshofgasse 1. Im Mai 2009 geht das Mietverhältnis auf Isabelle Wild über, was all die Jahre so geblieben ist. Raphael hat beim Auszug von Isabelle die Verwaltung der Wohnung mit UntermieterInnen übernommen. Seit ?? wohnt er selber dort mit Julia Bucher].
  • Januar 2016 Schiffbaustrasse 9a, 8005 Zürich, Raphael als Hauptmieter der WG. Am 3. Januar 2016 waren am Türschild folgende Namen aufgeführt: I. Wild / R. Frei /
    A. Rebord / M. Quiblier 
  • Garage Nr. 1 (von 3) an der Rosshofgasse 1 ab 16. Dezember 2023 dazu gemietet. In den drei Garagen ist kein Auto mehr parkiert, nur noch das Motorrad von Schuhmacher Meister).
  • ab Januar 2025: Steuerwohnsitz Im Tiergarten 50, 8055 Zürich. Raphael hat all seine Einkünfte privat und von der Firma all die Jahre in der Stadt Zürich versteuert. Auch die Krankenkassenbeiträge hat er in der Stadt geleistet. 



Geschichten von Raphael:


Am Freien Gymnasium Zürich (FGZ) wählte Raphael Latein als Schwerpunktfacgh, nicht aus innerem Antrieb, sondern weil seine damalige Kollegin Selina und Freund Nils auch Latein gewählt hatten. Die Matura machte er an der Evangelischen Mittelschule Schiers mit Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten. Dies entsprach mehr seiner Leidenschaft, wie sich später zeigte mit all seinen Zeichenkursen in Basel und Florenz.

Die Wohnung Rosshofgasse 1 ist dank Raphael noch in den Händen der Familie Wild. Als ich mich im September 2009 in Basel pensionieren liess und nach Zürich zurückkehrte, wollte ich die Wohnung kündigen. Raphael sagte, die Wohnung sollten wir nicht aufgeben, er würde sie untervermieten und das ganze Handling übernehmen. Die Verwaltung setzte den Mietvertrag neu auf Isabelle Wild auf. Am Briefkasten steht einfach WILD. Raphael vermietete die Wohnung zuerst an eine österreichische Ärztin, die bei der Pharma arbeitete, dann an einen jungen Mann, den Raphael von Zeit zu Zeit besuchte. Irgendwann kam eine Bekannte von Raphael, die von Zürich nach Basel wechseln musste. Nachdem Raphael mit dem Studium in Luzern fertig war, konnte er die Wohnung einmal nicht vermieten und er zog selber ein, meldete sich aber nie an. Er konnte von dort nach Bern oder Zürich zu LerNetz arbeiten gehen, wobei er auch im Home Office arbeiten konnte. Seine Mutter Veronika hat ihm geraten, in einen Chor singen zu gehen. Das Prospekt hatte sie in der Buchhandlung am Petersgraben gefunden. Dort hat Raphael Julia Bucher kennen gelernt, wahrscheinlich im Jahre 2015. Juli Bucher hat mir am 25. Dezember 2025 gesagt, sie sei 2016 in der Rosshofgasse 1 eingezogen und hatte damals eine Mitmieterin. 
Raphael hat auf Januar 2016 in Zürich als Hauptmieter eine 5-Zimmer-Wohnung gemietet. Er bekam Kontakt mit der Verwaltung, weil sein Chef Räume für eine Filiale LerNetz in Zürich suchte und im Kulturpark fündig geworden ist. 
Raphael motivierte seine Schwester und ihre zwei Bewohnerinnen Aurelie Rebord und Rahel Frei, in seine neue Wohnung zu ziehen.
Er hielt lange an dieser Wohnung fest, die er selber lange als seine Familienwohnung sah. Julia Bucher indes zog es überhaupt nicht nach Zürich und auch gar nicht in jene Gegend.
Raphael zügelte zu Julia nach Basel, als die Mitbewohnerin ausgezogen ist. Er bezahlte in Zürich und in Basel Miete für ein Zimmer, bis er jenes in Zürich auch untervermietete. 
Die Wohnung an der Schiffbaustrasse 9a mutierte langsam zu einer günstigen Unterkunft ohne Wohngemeinschafts-Leben. Dies behagte Isabelle nicht mehr und sie zog an die Badenerstrasse 552.
Raphael hat seine Funktion als Hauptmieter auf Anfang 2025 einem Mietmieter abgegeben. Damit ist diese Wohnung Geschichte.
Wann Raphael in den neun Jahren gewohnt hat, ist schwer nachvollziehbar, zumal der Steuersitz für ihn und seine Firma immer in der Stadt Zürich war.

Herausgabe eines Lehrmittels zur Gymi-Vorbereitung:

Am 25. Oktober 2013 wird ein von Raphael gestaltetes Lehrmittel herausgegeben zur Gymi-Vorbereitung für den Übertritt ab der 6. Primarklasse im Verlag Zürcher Kantonale Mittelschul-Konferenz. Dort wird er wie folgt vorgestellt (Foto mit Krawatte): Nach der Matura und dem Abschluss an der Pädagogischen Hochschule Zürich unterrichtete er während sechs Jahren Begabungs- und Begabtenförderung in einer grösseren Schulgemeinde [Regensdorf] des Kantons Zürich. Neben den Kernfächern Deutsch und Mathematik lag der Schwerpunkt des Unterrichts auf Naturwissenschaft und Technik, dem Umgang mit neuen Medien anhand von Tablet-PCs und Laptops, der Projektarbeit sowie der Internetrecherche. Diesen Herbst [2013] hat er an der Hochschule Luzern – Wirtschaft den Master in Business Administration, Major in Business Development and Promotion abgeschlossen. Er arbeitet bei LernNetz als Projektleiter an der Umsetzung von Apps und interaktiven Lehrmitteln. Neben dem Hobby als «Gymi-Prüfungsautor» ist er als begeisterter Ruderer beim Polytechniker Ruderclub oft auf dem Zürichsee anzutreffen.

Julia Christina Bucher (geb. 7. Oktober 1992)

2015 lernte Raphael im Chor in Basel Julia Bucher kennen. Sie ist in Wohlhusen aufgewachsen, besuchte dort den Hort, den Kindergarten und auch die Primarschule. In Willisau (alternativ hätte sie auch nach Sursee gehen können) besuchte sie das Langzeit-Gymnasium, wo sie mit der Matura mit Schwerpunkt Biologie und Chemie abgeschlossen hat.
Weiterführende Optionen für Julia waren ein Biologie- oder Medizinstudium. Letzteres unterlag dem Numerus Clausus. Sie musste dort von ihr favorisierte Studienorte angeben. Für sie stand Basel an oberster Stelle. Dort studierte sie Medizin mit Abschluss am 11. November 2018. Nach dem Studium arbeitete sie an der REHA Rheinfelden, wechselte nach 1- 2 Jahren an das Bruderholzspital als Codiererin. 2025 war sie Co-Projektleiterin für die Einführung des neuen Tar-Doc-Spitaltarifs. 

[Am 8. März 2026 sagte mir Julia, aus Sicht ihres Vaters hätte sie bereits einen Knick in der Karriere, weil sie wohl am Spital arbeite, aber nicht als Ärztin bei den Patienten.]

Sie wohnt an der Rosshofgasse 1, formell als Untermieterin von meiner Tochter Isabelle Wild. Wir wohnten zu zweit von 2004 bis 2009 in dieser Wohnung, die Raphael ab 2009 bewirtschaftet.

Sie fährt ein Schindelhauer Bike, auch an die Arbeit.

Ihre Mutter Antonia Pellizari ist in Rheinfelden aufgewachsen. Sie hat fünf Geschwister, 3 Schwestern und zwei Brüder. Mit einer Schwester fährt sie jedes Jahr zu ihren Verwandten in der Region Treviso, wo ihr Vater herkommt. Sie arbeitete eine Zeit lang für den Immobilieneigentümer Flury – als Verdingkind hat ihm ein Einwohner ein Haus vermacht. Sie machte eine Ausbildung in Zürich. Sie hat Jahrgang 1955.

Ihr Vater Hans Peter (Taufname) Bucher hat in einem Elektrogeschäft gearbeitet, vor allem im Bereich Fernsehen und elektronische Geräte. Er stellt immer noch Leiterplatten her  – auf Basis eines 30-jährigen Computerprogramms. Er hat unsere B&O-Anlage (Radio- und CD-Rack) repariert. Diese ist bei seinem Sohn in Betrieb. Er sammelt Eisenbahnloks- und Wagen mit Spur HO und hat sie zuhause in einer Vitrine ausgestellt. Er baut aber keine Eisenbahnanlage. Er hat Jahrgang 1953 (Geburtstag am Morgestraich 2020). Als Raphael Julia kennen gelernt hat, war ihr Vater arbeitslos, das hat sie sehr beschäftigt. 2017 wurde er pensioniert. Er hatte eine Freundin in Binningen und als Soldat im WK musste er beim St. Jakobpark auf den Einsatz bei einem Defilee warten. Für seine beiden Kinder hat er keine Stipendien erhalten, weil das Haus hoch eingeschätzt war. Zusammen mit seinem Bruder hatte er das Elternhaus (44 a?) besessen. Er hat einen Doppelgänger an der Spitalstrasse 23, wohnt selber an der Spitalmatte 2. Er hat eine Solaranlage. Eine KWh kostet ihn 8 Rappen. Er hat einen Citroen C3 Elektro gekauft und kann ihn mit der Anlage laden. Bei Migros müsste er 48 Rappen bezahlen.

Julia und Raphael haben uns die beiden am Muttertag 2026 (10. Mai) in den Meriangärten Basel im Restaurant IRIS vorgestellt. Es war ein aufgestelltes Treffen. Sie sind von Wohlhusen mit dem Zug angereist. Sie machen Car-Reisen, früher mit einem Reiseunternehmen in der Nachbarschaft (Imbach), neuerdings auch mit Twerenbold in der Königsklasse (Sizilien, Cornwall, Hamburg, etc.) 

Im März 2026 besucht sie einen Akupunkteur. In der Folge achtet sie auf den Zuckerkonsum. Das finde ich gut, hatte ich doch meines Erachtens ein gutes Körpergefühl im 2025 – nach einer bewussten Einschränkung des Zuckerkonsums auf Grund eines Dokumentarfilms auf ARTE. 


Raphael zur Ausbildung in Florenz 2025 und 2026:

Raphael war im Juli 2025 in Florenz. Die Unterkunft kostete 2500 €, der Kurs kam auf 3000 €. Er kaufte einen Aluminium-Koffer von Rimova 1800 €. Das ist für ihn eine Investition über Jahre. Er fand, die Lebensmittel in Florenz seien nicht ganz billig gewesen, etwa so wie in der Schweiz.
Julia hat ihn begleitet auf dem Hinweg und blieb eine Woche. Raphael wohnte im Komplex der Schule.
Mit dem Fahrrad hat er 15 Minuten zum Ponte Rialto. Mit dem Bus theoretisch 20 Minuten, sofern dieser kam und Platz hatte. Seine Kolleginnen hatten 40 Minuten im Normalfall.
Im Kurs zeichneten sie drei Stunden pro Tag (Halbtageskurs) und fünf Tage die Woche ohne Foto als Vorlage. Er fand die Lehrer als gut, weil sie sehr streng waren und nicht einfach immer alles als gut bezeichneten. Die Schule heisst The Florence Academy of Art. 
Ich finde diese Auszeiten, die er sich gönnt, gut. Er hatte die Idee, den Aufenthalt mit Digital Detox zu verbinden. Das ist ihm aber nicht gelungen. Er hat sogar ein lokales Daten-Abonnement gelöst in Florenz. Sein mit drei GPS-Trackern gesichertes Fahrrad wurde ihm entwendet. Er konnte es orten und die Polizei gab es ihm nach einigen administrativen Aufgaben zurück. 

2026 geht er wieder nach Florenz. Der AirBnB-Vermieter hatte so eine Freude an Raphael und Julia im Sommer 2025, weil sie das Appartement so sauber abgegeben haben. Für 2026 hatte er Mühe mit den Schweizern. Raphael meint, in Italien sei eine richtige Kampagne gegen die Schweiz gefahren worden im Nachgang zu der Brandkatastrophe von Crans Montana von Silvester 2025:

  • Ganz-Tages-Kurs vom 22. März bis 3. April 2026
  • Kurs Écorché Sculpture vom 29. Juni bis 24. Juli 2026, Mo-Fr 9-16 Uhr, Via Aretina 293, Florence, Italy, € 2.950
    [Am Freitag 26. Juni 2026 fuhr Raphael mit dem Hochvelo an der Critcal Mass in Zürich mit, übernachtete im Tiergarten und traf am Samstag um 11.30 Uhr Julia Bucher am HB Zürich. Zusammen reisten sie mit dem Euro-City nach Mailand und mit dem Freccarossa nach Florenz. Zurück gekommen ist er am Sonntag, 26. Juli 2026]. Er hat ein (bräunliches) Skelett mit Oil Based Clay erschafft in vier Wochen intensiver Arbeit, ganztags, vielfach auch an Wochenenden. Der Ton ist gut bearbeitbar, muss aber vor Staub geschützt werden. Den weisse Frauentorso hat er seiner Assistenzlehrerin abgekauft, dieser ist aus stabilem Gipsverbund.  


Skelett (links) von Raphael in Florenz innert vier Wochen erschaffen. Ecorché. Öl-basierter Ton, gut bearbeitbar, bedarf des Schutzes vor Staub. Weissen Frauen-Torso hat Raphael von Assistenzlehrerin abgekauft, besteht aus stabilem Gipsverbund. Foto vom 27. Juli 2026 in Basel, nach Transport mit EC.

 



Bewerbung für MFI Kamera 2026

Anfang 2026 hat er für seine Bewerbung – bei der er sich keine grossen Chancen einräumt, müsste er doch bei LerNetz überstürzt künden – sein Portfolio neu gestaltet mit Fotos seiner vor allem filmischen und fotografischen Werke in den letzten zehn Jahren, abrufbar auf raphaelwild.com. Auch hat er in zwei mehrseitigen Dokumenten seine Arbeitsbiografie und sein Portfolio dargestellt (20260131). Zudem hat er seinen filmischen Lebenslauf formuliert (seihe Abbildung).  Dort formuliert er seine Ausbildung so:
Ausbildung: MSc Business Administration, Pädagogische Hochschule Zürich
Weiterbildungen: CAS Sound Design ZHdK, CAS Design Thinking ZHdK, MET Filmschool Berlin Cinematography & Editing, Schule für Gestaltung Basel (Workshops: Portrait & Figure Drawing), Florence Academy of Art (Workshops: Academic Drawing, Sculpture), Mitaufbau MakerSpace


Die Fotostrecke von Raphael verläuft nach den Schwerpunkten

  • Beruf
  • Zeichnen als Leidenschaft
  • Jugend
  • Julia Bucher
  • Diplome, Dokumente



Kopenhagen Mitte Juni 2026. Team vlnr und vvnh: Jana Laux (LerNetz), Mikael Colville-Andersen (Urbanist), Raphael Wild (LerNetz) Kamera,
Frau Denali (Moderatorin französisch), Clement (Fotograf und Kameramann), Lukas Bühler v/o Aramis Pfadi Vennes, Moderator deutsch.

Mitte Juni 2026 war Raphael in Kopenhagen im Auftrag seiner Firma LerNetz. Sein Arbeitgeber hat eine Kooperation mit VeloLab.org. Das Projekt wurde finanziert vom Fonds für Verkehrssicherheit. Es ging um die Darstellung der Rush-Hour in Kopenhagen. Raphael meint, in der Innenstadt seien alle Menschen mental auf das Velo eingestellt. Alle würden das Velo benutzen und die wenigen Autofahrer verhalten sich achtsam, mindestens in der Innenstadt. Beim Fahren haben sich klare Regeln durchgesetzt mit Handzeichen zum Halten, Abbiegen, geradeaus, etc. Diese Mentalität mache den Unterschied, denn die Veloinfrastruktur sei in Holland besser.

Das fünf-köpfige Team reisten individuell mit dem Zug an. Auf der Rückreise hatte er ein Ticket 17.15 Uhr Abfahrt. Als er zum Glück wegen des Gepäcks früh auf den Bahnhof kam, sah er 16.54 angeschrieben. In wenigen Minuten mussten sie all das Gepäck in den Zug hieven, einfach dort wo sie standen und nicht im reservierten 2. Klass-Wagen. Sie befanden sich in der Nähe der 1. Klasse. Er holte sich dort einen Tee, der für die 1. Klass-Passgiere gratis ist. Der Kondukteur hat ihm dann um die Fr. 2.50 in Rechnung gestellt. Raphael meint, die Abfahrt sei früher angesetzt worden, weil auf der deutschen Strecke meist Verspätungen eingefahren würden. So konnte er den Schlafwagen 1. Klasse in Hamburg gut erreichen. Er war begeistert vom Reisekomfort. Er sei ausgeruht und geduscht in Basel angekommen.

Das Team hat Mikael Colville-Andersen interviewt. Er ist ein bekannter dänisch-kanadischer Urbanist, Autor und Fernsehmoderator. Er ist vor allem für seinen menschenzentrierten Planungsansatz und als Schöpfer der Dokumentarserie The Life-Sized City bekannt.

Raphael Wild am Filmen in Kopenhagen am 19. Juni 2026 im Auftrag LerNetz.

 


Raphael mit Kamera. 2025.

 


Raphael filmt in Biel. 2025. Elektrovelo und Anhängr haben je einen eigenen Antrieb. Kombination kostet um die Fr. 20'000.-

 



 


 



Raphael benötigt einen neuen Pass. Für die Foto zieht er sich elegant an. Foto in Filiale LerNetz im Kulturpark Zürich. 22. Oktober 2025, ein Tag vor seinem 43. Geburtstag

 

CV Raphael Wild, Seite 1, 18. Januar 2026. Auf raphaelwild.com hat er sein Portfolio dargestellt.

 

 

CV Raphael Wild, Seite 2, 18. Januar 2026

 

Raphael Wild mit Filmcrew für velolab.org im Puls5 beim Turbinenplatz in Zürich. V.l.n.r.: Manuel (Moderation), Katharina (DEFI Velo Kundin), Andi (Sound), Raphael Wild, Jana (Ton, Foto), Benoit (DEFI Velo), Clement (Kamera). Im Jahre 2000 war ich für die Vermarktung des Gebäudes mit 100 Eigentumswohnungen, Büros und der Halle zuständig.

 

Raphael unterrichtet in Regensdorf Begabtenförderung vom 16. August 2007 bis 31. Juli 2013.

 


So präsentiert die Firma LerNetz Raphael Wild als Mitarbeiter auf ihrer Homepage. 30. Januar 2025. Die Mitarbeiterfotos hat alle Raphael gemacht.

 



 


Raphael Wild und Julia Bucher am Iron Man in Thun. 10. Juli 2022. Raphael hatte den Auftrag Start und Ziel mit seiner Kamera einzufangen. Dazwischen sass er hinten auf einem Motorrad, was ihm mehr und mehr als riskant erschien.

 


Zeichnung von Raphael in der ersten Klasse an der Primarschule Bühl in Zürich. 1989/1990

 


Zeichnung vom 18. Oktober 2025 von Raphael Wild, Zeichnungskurs in Basel

 



 


Am 25. Dezember 2024 hat Raphael seine Weihnachtspakete mit solchen selber gemalten Anhängern versehen.

 


Raphael Wild im Dezember 1983 in der Wohnung am Blumenrain 29 in 8702 Zollikon. Das Kinderbett stamm aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts und darin haben schon Vorfahren von seiner Grossmutter mütterlicherseits (Bolliger) geschlafen.

 

Raphael lachend an seinem zehnten Geburtstag inmitten seiner SchulkollegInnen. Im Tiergarten 50, Zürich, Oktober 1992.

 


Raphael hat einen Wettbewerb gewonnen: Reise für zwei Personen von Singapur nach Bangkok. Seine Mutter Veronika hat ihn begleitet. 1998?

 


Raphael in seinem Zimmer an der evangelischen Mittelschule in Schiers GR. 2002

 


 

Raphael am Familientreffen bei Monika Bucher 2013 in Emmenbrücke. Raphael machte Dienst als Sanitätssoldat in Losone Tessin. Später wechselte er ins Filmteam.

 



 


Raphael pflegt seine Pflanzen auf dem Balkon an der Markusstrasse 14 in 8006 Zürich. Er wohnt zusammen mit dem Pfadikollegen Markus Rohr v/o Kadlu. ca. 2014?

 


Am 20. Mai 2013 in der 24 Jahre alten Küche im Tiergarten 50. Raphael mit Adrian Wild

 



 


Raphael fährt seinen Neffen Adrian Wild (*20. Dezember 2012) auf unserer Wiese vor dem Tiergarten mit seinem Carvelo aus. 28. Juli 2018.

 



 



Raphael am Golzernsee im Urnerland. 13. September 2023. Vor dem Aufstieg auf die Wingällenhütte mit der Familie Wild-Lüscher (zehn Personen)

 


Meriangärten am 1. September 2024. Veronika, Niklaus, Julia Bucher, Raphael Wild. Das Essen war zu Ehren von Monique Schaller Rähm (Gotte von Isabelle Wild), die am 7. Dezember 2023 mit einer unheilbaren Krankheit aus dem Leben geschieden ist.

 

 

Am 2. Juli 2023 schauen Raphael und Julia aus den Küchenfenstern auf die Gallerie. Rosshofgasse 1, 4051 Basel.

 


Julia Bucher liest am 15. Mai 2022 im Botanischen Garten in Basel. Die Wohnung Rosshofgassse 1 ist nicht weit davon entfernt.

 


Julia Bucher nimmt am 11. November 2018 das Abschlussdokument ihrer Ausbildung in Medizin an der Universität Basel in Empfang. Julia hadert mit dem Bild wegen ihrer Frisur und dem T-Shirt.

 


Raphael und Julia am 30. Oktober 2021 im Wald.

 


Julia Bucher am 7. Oktober 2020, an ihrem 28. Geburtstag, vor dem Geburtstagskuchen mit acht Kerzen.

 


Am 22. Februar 2026 stehen Raphael und Julia vor einer mit Kacheln belegten Wand in Lissabon. In der kurzfristig gebuchten Ferienwoche geht in Basel die Fasnacht bei herrlichem Wetter über die Bühne.

 


 

 

Hinweise für Fotostrecke Raphael

Zollikon Kindergarten Zaun (bei allen drei Kinder)
Pfadiuniform (bei allen drei Kinder)

Suchen
Schule mit Martin Zoller
Markusstrasse 9 mit Aussicht 
Fribourg Foto suchen
Uni Luzern Apéro 2013










Besondere Ereignisse mit Raphael

  • Raphael Matthias Wild wurde am 3. Juli 1983 in der katholischen Kirche Zollikon von Pfarrer Giosch Fidel ALBRECHT (1936 bis 2025) getauft. Sein späteres Lebenswerk war das Institut für Logotherapie und Existenzanalyse in Chur. Meiner Schwester Theres Reich von Cazis war er bekannt.
    Raphael und seine Geschwister traten 1990 der reformierten Kirche Wiedikon bei (ab 2020 Kirchenkreis 3). 
  • Matura in Schiers: Wir wurden an die Maturafeier eingeladen. Die Eltern holten ihre Kinder ab. Raphael schien überhaupt nicht gepackt zu haben wie die anderen Schüler. Als wir auf sein Zimmer kamen, war alles noch im Zimmer. Am Schluss fand er die Tassen unseres schönen Services nicht mehr. Es war etwas frustrierend,  einen solchen Unterschied zu den anderen Kindern zu sehen. Wir halfen ihm dann. Ich interpretierte es so, dass es ihm dort so gut gefallen, dass er nicht weg wollte. 
  • Für sein Studium in Fribourg suchte er selber ein Zimmer. Ich half ihm zügeln. Nach dem Vortrag von Roger Köppel rief er mich am gleichen Abend ganz verstört an und sagte, er höre mit dem Studium auf, weil sein damaliges Idol Roger Köppel keine Studienabgänger anstellen würde, sondern eher Fachleute anderer Richtung, die auch schreiben können. Irgendwann bekam ich ein Telefon von meinem Bruder Gandolf in Rom, Raphael sei hier und ganz durcheinander. Dieses Ereignis konnte ich mir nie erklären. Für ihn muss eine Welt zusammengefallen sein, allein in einem Zimmer in einer fremden Stadt und die Erkenntnis, dass Köppel  ihn nicht anstellen würde. Es ist anzufügen, Raphael hat damals bei Wikipedia am Eintrag über Roger Köppel gearbeitet und war mit ihm via Mail in Kontakt. Zum Glück ist er wieder nach Zürich gekommen und an der Pädagogischen Hochschule Plattenstrasse sein Studium aufgenommen.

Maturazeugnis von Raphael Wild vom 14. Juni 2003. Er studierte die letzten zwei Jahre des Gymnasiums in Schiers.

 


Am 5. November 2008 kauft Raphael ein neues Smartphone. Es ist sein erstes iPhone 3G für 229 Franken. Er sagte mir, es könne mehr als er sich vorgestellt habe – das hiess etwas bei Raphael.

 




Lehrdiplom für die Primarstufe vom 22. Februar 2008. Pädagogische Hochschule Zürich, damals noch an der Plattenstrasse beim Kunsthaus.

 

Master of Science an der Hochschule Luzern. 6. September 2013.

 


 

Unsere jüngste Tochter Isabelle Katharina
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15.3.  Unsere drei Kinder – Unsere jüngste Tochter Isabelle Katharina.
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Isabelle, die naturverbundene
Berufliches von Isabelle im Zeitraffer

Zur Zeit ihrer Geburt kamen die Personalcomputer auf. Sie wollte aber nicht immer nur am Bildschirm sitzen. Seit 2024 unterrichtet sie im Schulhaus Dachslern Zürich TTG (Technisches und textiles Gestalten) und DAZ (Deutsch als Zweitsprache). Im Januar 2024 hat sie ihre 3-jährige Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich abgeschlossen.
Vorher arbeitete sie als Landschaftsarchitektin in Zürich und Wettingen auf der Basis ihres Studiums an der HSR (2011 bis 2014) in Rapperswil. Nach ihren zehn Schuljahren im Bühl und Rebhügel lernte sie in Genf französisch. Die Lehre (2004 bis 2007) zur Kauffrau machte sie in Basel. In Zürich arbeitete sie beim NordSüd-Verlag AG und erlangte 2008 bis 2010 berufsbegleitend die gestalterische Matura.

Isabelle's Haare

"Oh, che bei capelli rossi.“ Oh, welch schöne rote Haare! Reminiszenz um die rötlichen Haare in unserer Familie

Der Titel lässt es erahnen, es geht um rote Haare. Dies lag in der Familie. Ihr Vater hatte rötlich braune und ihre Mutter wirklich rote Haare. Bei der Geburt am 25. September 1986 um die Mittagszeit ging dem Vater durch den Kopf, muss das sein. Er erinnerte sich an Hänseleien aus seiner Schulzeit. Und erst die Mutter, im bäuerlich geprägten Aargau aufgewachsen, musste Sprüche anhören von Stumpen rauchenden Männern wie ‚hatte dein Vater einen rostigen Lauf‘, die sie als Kind gar nicht verstanden hatte. Die Worte Hexe, rote Zora oder Feuerbusch waren harmlos dagegen. Wie sich doch die Zeiten ändern. Waren die älteren zwei Geschwister im Pfadilager, fuhr sie mit den Eltern mal im Schlafwagen nach Rom, der Vater arbeitete zu jener Zeit bei den SBB. In Rom mitten unter den samt und sonders schwarzhaarigen Einheimischen fiel die kleine Isabelle auf. Passanten und Verkaufspersonal konnten sich kaum erholen vor Freude und sagten: "Oh, che bei capelli rossi“ und versuchten ihr über das Haar zu streichen, was Isabelle aber gar nicht mochte. Als Teenager wurde sie im Laden an der Kasse einmal gefragt, welche Nummer ihr Haar hätte. Sie hat die Frage zuerst gar nicht verstanden. Es ging um die Nummer des käuflich erwerbbaren Färbemittels. Die Leute glaubten gar nicht, dass eine solche Farbe auch natürlichen Ursprung haben kann. Innerhalb einer Geratnion hat die Gesellschaft aus einem anscheinenden Makel eine Auszeichnung gemacht.
In der Pfadi hat sie den Namen ‚Zora‘ erhalten und ihn gut gefunden.

Am 10. Januar 2026 zog Isabelle Tod's Schuhe ihrer Mutter Veronika an und sie passten ihr. Diese Schuhe kaufte ihre Mutter in Rom, als Isabelle noch klein war. Diese Schuhe müssen 30 bis 35 Jahre alt sein und immer noch im Einsatz. Es kommt öfters vor, dass Veronika Sachen eingekauft hat und sie 20 Jahre und länger noch im Einsatz hat.


Ausbildung von Isabelle

Vater-Tochter-Wohngemeinschaft an der Rosshofgasse Basel

Nach der obligatorischen Schulzeit besuchte sie das freiwillige zehnte Schuljahr am Schulhaus Rebhügel und ging anschliessend ein Jahr als au pair nach Genf in eine Familie mit zwei Kindern. Am Nachmittag hatte sie immer Schule und in Genf gute Kolleginnen gefunden.
Sie wollte nicht studieren, d.h. ins Gymnasium, weil sie gesehen hat, wieviel ihre älteren Geschwister lernen mussten. Sie entschied sich, kaufmännische Fachfrau zu werden. Da ihr Vater damals in Basel arbeitete und die ganze Familie am besten nach Basel gezügelt wäre, suchte sie eine Stelle in Basel. Diese fand sie beim Finanzdepartement des Kantons Basel-Stadt. Die Personalverantwortliche sagte, für sie sei jeweils wichtig, dass die Lernenden selber die Stellensuche an die Hand nähmen. Zudem habe Isabelle den Eintrittstest gut abgeschlossen.
Zusammen mit dem Vater lebte sie in einer Vater-Tochter-Wohngemeinschaft an der Rosshofgasse 1 mitten in der Altstadt. Isabelle bereitete ihre Mittags- und Zwischenverpflegungen selber vor zuhause und nahm es Tupperware-Gefässen mit. So konnte sie gutes Geld sparen. Bald fand sie Nachahmerinnen bei den Mitschülerinnen. Manchmal gab sie dem Vater Anweisungen, wo er übernachten soll, wenn sie das grössere der zwei Zimmer für sich und ihre Gäste benötigte. Der Vater kam vielfach spät von seinen Anlässen heim, er übernachtete in der Regel dreimal pro Woche dort.

Die Mutter konnte oder wollte sich nicht entscheiden zu zügeln. Isabelle suchte nach dem erfolgreichen Lehrabschluss Arbeit in Zürich, die sie beim NordSüd-Verlag AG gefunden hat. Beim Steueramt in Basel hätte sie auch Arbeit gefunden, aber sie konnte sich nicht vorstellen, ihr Leben hinter zwei Computer-Bildschirmen zu verbringen.

Wohnen als junge Frau

Nachdem sie mit ca. 24 Jahren zuhause ausgezogen ist, wohnte sie als erstes an der Hildastrasse 5 zusammen mit Aurelie Rebord und Rahel Frei. Letzter arbeitete als Konditorin bei der Konfiserie Honold. Sie durfte jeweils abends gewisse Kreationen mit nach Hause nehmen. Von daher weiss ich, dass Honold viel in Handarbeit anfertigt und daher teurer ist als Sprüngli. Nachdem ich das Büro gegenüber Honold bezogen habe, wurde ich zeitweise fast Stammgast in diesem eher altmodischen Kaffee.

Raphael mietete im Schiffbau eine 5-Zimmer-Wohnung und motivierte Isabelle und ihre Mitmieterinnen, in jene Wohnung umzuziehen, was sie machten.  Beim alten Vermieter wurde sie dann Opfer von Immobilientricks. Der Vermieter passte die Formalitäten wegen des Mietzinsdepots nie an. Sie bekamen diese Fr. 6'000.- dann nie zurück, weil das Depot nicht auf ihre Namen lautete. Zudem zog er ihnen Reparaturkosten ab, obwohl er ihrem Bruder Raphael damals gesagt hatte, er saniere die Wohnung. Der Vermieter war ein Secondo, der Jus studiert hatte.

Ausflüge und Auszeiten

Im Jahr 2000 wechselte ich vom Flughafen zur Maag Holding. Im Operation Center, wo die Crews der Fluggesellschaften jeweils ihre Arbeit aufnahmen, sah ich am Anschlagbrett 'Last Minute' Angebote für Flughafenangestellte. Eines war nach Sri Lanka und das andere auf die Malediven. Ich entschied mich für Malediven. Ich wählte die Variante 'ohne Frühstück', denn ich wollte nicht immer am gleichen Ort essen. Veronika konnte nicht mit kommen wegen ihrer Arbeit am Triemlispital. Isabelle konnte es richten. Sie sagte mir später, ich hätte sie im Pfadilager abgeholt. 

Meine Idee 'ohne Frühstück' war meinen mangelnden Kenntnissen über Malediven geschuldet. Auf unserer Insel hatte es nur ein Hotel und keine Einkaufsmöglichkeiten. Das Abendessen mussten wir separat bezahlen und jeweils je 50 Dollar bezahlen statt 10 mit Aufpreis für Vollpension. Ein Coca Cola kostete 10 Dollar.

Die Insel hatte man in 15 Minuten umschritten. Es war uns langweilig. Wir buchten einen Tauchkurs und machten das Brevet. Wir konnten zu den Korallen tauchen, ein besonderes Erlebnis, diese Farbenpracht zu erleben.

Die Angestellten auf der Insel waren alle männlich. So am dritten Tage sagte ich einem Gärtner, meine Tochter hätte gerne eine Kokosnuss. Ab diesem Moment wurde Isabelle speziell umsorgt: Ihre Betthälfte war mit Blumen übersäht, im Restaurant wurde ihre Seite des Tisches mit Blumen geschmückt. Die Jungen glaubten anfänglich, Isabelle sei meine Freundin. Erst als mit meinem Satz klar wurde, sie ist die Tochter, hat sich alles geändert.



Isabelle wollte englisch lernen und suchte sich eine Schule mit den nötigen Abschlussmöglichkeiten. Sie entschied sich für Byron Bay in Australien. Meine Frau Veronika hatte die Idee, sie zu begleiten. Im Frühjahr 2008 reisten wir via Bangkok nach Sydney. In Bangkok machten wir einen Zwischenstopp mit einer Übernachtung. Der Weiterflug in Bangkok verzögerte sich so, dass uns die Fluggesellschaft für eine weitere Nacht in einem 5*-Hotel unterbrachte. Isabelle war das erste Mal in einem solch luxuriösen Hotel.
Wir mieteten ein Auto und bereisten die Südküste und fuhren hoch nach Sydney, wo wir Margrit Owen-Lüscher, die Jugendfreundin von Veronika in Leeton besuchten. Die Fahrt dauerte etwa 3 Stunden hinein ins Outback. Magrit war Witwe und Mutter von vier Kindern. Sie war Lebensmittelingenieuse und beschäftigte sich in Australien mit der Reispflanze und deren Pflanzung.
Wir brachten Isabelle nach Bayron Bay. Zu meiner Verwunderung hatte sie in ihrer Schulklasse leider vorwiegend Schweizer, obwohl tausende Kilometer von der Schweiz entfernt. Der Grund: Die Ausbildungsstätten in der Schweiz haben höhere Anforderungen beim Prüfungslevel als andere Länger. Für die Schule ist es deshalb einfach, all diese Schüler in der gleichen Klasse zu haben. 

Am ihrem 30. Geburtstag (25. September 2016) hat sie die Familie eingeladen zu einem Stadt-Orientierungslauf. Es war interessant. Veronika konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein. Von den Kindern kam nur Gabriel mit, Adrian blieb bei seiner Grossmutter Veronika zuhause.


Im Oktober 2025 sagte Isabelle ihrer Mutter: "langsam erahne ich, woher ich mein Problem habe, mich für etwas zu entscheiden“. Isabelle zeigte ihr am 7. Oktober 2025 diverse Cafés auf dem Weg von unserem Belloy-Hotel bis zur Eglise Notre Dame. Veronika begutachtete einige, bis sie sich für ein französisch wirkendes entscheiden konnte.

Isabelle und Südostasien: Isabelle gibt TTG (Textiles und technisches Gestalten) und DAZ (Deutsch als Zweitsprache) bis Ende 2025. Im Januar 2026 ist sie 100 % bei vollem Lohn an der PH an der Kompakt-Weiterbildung für Jung-Lehrperonen, die ab 2.-5. Jahr nach Diplom zusteht. An diesen Veranstaltungen nimmt sie teil und spürt, welchem Druck sie im Alltag in den letzten 5 Jahren gestanden hat. Sie meint, der Kanton Zürich sei der einzige Kanton, der seinen Jung-Lehrpersonen bei vollem Lohn einen solchen Monat des Austausches biete.

Vor den Sportferien 9. bis 20. Februar 2026 gibt sie 3 Tage Schule. Für TTG und DAZ musste sie eine Stellvertretung organisieren. Von Beginn Sportferien 9.2.26 bis Beginn der Frühlingsferien am 20. 4. 2026 hat sie ca. 9 Wochen unbezahlten Urlaub

Am Montag 9. Februar 2026 fliegt sie ab nach Bangkok.
Sie plante eine solche Reise bereits vor 5 Jahren, musste aber wegen der Pandemie Covid-19 (Corona) davon absehen.

Thailand: Bangkok, Nationalpark Khao Sok, Takua Pa, Insel Ko Phayan, Chiang Mai, Chiang Rai und zu Grenze zu Laos nach Chiang Khong. In Thailand immer Bus als Transportmittel.
Laos: Zwei Tage auf (private) Slow Boat auf dem Mekong bis Luang Prabang. Dort macht sie Pause und bereitet sich auf die weiteren Etappen, vor allem jene von Japan vor. Mit der von den Chinesen erstellen Bahn reist sie in 4 Stunden nach Vientiane, wo Katja dazustösst. 
Vietnam: Hoi An am Meer hat Isabelle gut gefallen. Sie geniesst einige Tage, geht u.a. zu einer Schneiderei. Sie reisen über Hué nach Hanoi (Katja fliegt zurück in die Schweiz). Isabelle ruht aus, macht Ausflüge nach Ninh Binh und Sa Pa (Reisfelder, Homestay).
Ende März fliegt sie nach Fukuoka im Westen von Japan. Von dort reist sie auf dem Landweg, mit Bus und Bahn (Shinkansen) über Hiroshima, Osaka, Kyoto Richtung Tokio. Von dort fliegt sie mit Cathay Pacific über Hongkong nach Zürich, wo sie am 22. April 2026 morgens ankommt.

Ihr Traum war, die Kirschblüten in Japan zu sehen. Sie hat gesagt, sie hätte von Fukuoka im Westen Japans bis Kyoto in den ersten zwei eher kühlen Wochen im April immer blühende Bäume gesehen in allen Stadien. In Hakone war sie nahe beim Fuji. Sie hat Japan vom Westen her erkundet. Sie meint, die schönsten Begegnungen mit Menschen hätte sie in den überschaubaren Ortschaften gehabt. Künftig würde sie Japan eher in einer wärmeren Jahreszeit besuchen. 

Das Essen hat ihr am besten in Vietnam gemundet, mit viel Gemüse.
Die Präsenz der Chinesen in Laos ist ihr aufgefallen.  Für die Laoten ist das Zug-Ticket von 12 Franken teuer. Der Bus brauchte bzw. benötigt für die Strecke 14 Stunden.

Es hat ihr gut gefallen und es hat glaub‘ ich gut getan. Die drei Jahre Ausbildung zur Lehrerin waren streng.
Auf my Maps habe ich ihren Reiseverlauf festgehalten und einige Fotos hinterlegt. Einige Bilder und die Stationen sind hinten in der Fotostrecke hinterlegt.

Die ersten zwei Wochen wird sie von 'Jenny' (Gemeinschaftszentrum Höngg) begleitet. Am 10. März 2026 kommt Katja (WG einen Stock über WG von Isabelle) nach Vientiane und bereist mit Isabelle bis am 25. März 2026 Laos und Vietnam.

Als Isabelle beim Schulleiter um einem Monat Urlaub nachsuchte, sagte dieser, sie solle länger Urlaub nehmen, damit sich der Aufwand lohne. Isabelle muss selber für Stellvertretungen sorgen. 

Isabelle will im Herbst 2026 mit einem berufsbegleitenden zwei-jährigen CAS in DAZ beginnen und könnte dann keinen Urlaub nehmen. Ich schreibe das so genau, damit man nachvollziehen kann, wieviel Organisation so eine Auszeit nötig ist. 

Im Sommer 2026 stieg sie mit anderen zu SAC-Hütten hinauf wie Murgsee, Cadlimo und Vermigel. Es war in der Hitzeperiode Ende Juli und Anfang August. 


Interessen und Aktivitäten von Isabelle:

  • Reisen: Städtereisen, Fahrradferien, eigene Stadt auskundschaften
  • Natur: Wandern, Gärtnern, Entdecken, Mitglied des SAC (Schweizerischer Alpenclub)
  • Sport: Fahrrad, Schwimmen, Rennen, Langlauf
  • Pfadi Vennes: verschiedenen Chargen, so 2000 herum war sie verantwortlich für das CrowFunding für das neue Pfadiheim in Itschnach.
  • Isabelle ist vernetzt. Sie trifft auch ihre Gspänli vom Tiergarten aus der Kindheit wie Philip und Ralph Büchi oder Benjamin und Sebastian Wolf (Mutter Brigitte Stirnemann lebt mit Partner M. Putz ab 2025 wieder im Tiergarten 34). 
  • Isabelle war an 10. Oktober 2025 an Töpferkurs in Frankreich mit Personen von Sursee, in einem Anwesen eines Schwingerkönigs aus Sursee. Ihre Vase konnte sie im Januar 2026 in Sursee abholen. Im Juli 2026 ist sie im Piemont am Töpfern.



Lebensdaten mit Ausbildung und Beruf

  • 25. September 1986: Geburt in Klinik Hirslanden Zürich, Eltern wohnten in Zollikon
  • August 1990 bis Juli 1991: Spielgruppe in Zürich am Höfliweg 3 bei Christine Stalder (Heute ist ein Bambi-Kinderhort im Nachbarhaus)
  • August 1991 bis Juli 1993: Kindergarten. Zuerst am Höfliweg (alt) und im 2. Jahr Im Tiergarten 13 (ganz neu). Die Stadt war überrascht über all die vielen zugezogenen Kinder im für Wiedikon hochpreisigen Tiergarten. 
  • 1993: Eintritt in die Pfadi als Zora – unter der Obhut ihrer beiden älteren Geschwister
  • August 1993 bis Juli 1999: Primarschule in Schulhaus Bühl
  • August 1999 bis Juli 2002: 3 Jahre Sekundarschule im Schulhaus Rebhügel, Gitarrenunterricht
  • August 2002 bis Juli 2003: Freiwilliges 10. Schuljahr im Rebhügel
  • 2000: Neben dem Bürgerrecht von Appenzell-Innerrhoden erhält sie jenes der Stadt Zürich
  • 2003 bis 2004: Au Pair in Genf, Sprachaufenthalt,  Französisch-Unterricht Ecole Didac
  • August 2004 bis April 2008: Ausbildung zur Kauffrau beim Finanzdepartement des Kantons Basel-Stadt [Die Familie plante einen Umzug nach Basel wegen meiner Anstellung. Veronika zögerte dies wegen der Ausbildungen von Milena und Raphael hinaus. Isabelle und ich wohnten zusammen an der Rosshofgasse 1 in Basel]
  • November 2007 bis April 2008: Steueramt der Stadt Zürich, Sachbearbeiterin Logistik-Dienst (zur Finanzierung des geplanten Sprachaufenthaltes in Australien)
  • März 2008 bis August 2008: Sprachkurs in Bayron Bay English Language Schoolin Australien 
  • 2009 bis 2010: Anstellung beim NordSüd-Verlag AG in Zürich als Verlagssekretärin
  • 19. August 2008 bis 2010: Berufsbegleitend Besuch der Gestalterischen Berufsmaturitätsschule GBMS in Zürich: Abschluss mit Matura am ...... Dieser Abschluss ermöglichte ihr den Eintritt in Fachhochschulen, nicht aber ETH oder UNI.
  • 2010 bis 2011: Praktikum bei Tanner Gartenbau AG in Zürich
  • 2011 bis 2014: Buchhaltung für Wild Immobilien GmbH am Rennweg 50 in Zürich
  • 2011 bis 2014: studentische Hilfskraft an der Hochschule für Technik in Rapperswil
  • 2011 bis September 2014: Studium an der Fachhochschule Rapperswil, Abschluss Bachelor of Science in Landschaftsarchitektur, Hochschule für Technik, Rapperswil
  • 2014 bis Dezember 2016: Projektleiterin bei Andreas Geser Landschaftsarchitekten AG in Zürich
  • Januar 2017 bis März 2017: Volontärin bei Fundacion Sembrar Esperanza, Pomasqui, Equador [Hier hat sie die Nachkommen meines vor dem 2. Weltkrieg nach Equador ausgewanderten Gross-Onkel Karl kennengelernt)
  • August 2017: Pilgerweg von Porto nach Santiago de Compostela. Zuerst Besuch bei ihrer Tante Maria Brabetz in Arcozelo. Dann alleine auf den Jakobsweg, den ihre Cousine Claudia auch gemacht hat. Auf dem Weg hat sie Menschen kennen gelernt, die sie auch zehn Jahre später noch trifft, wie die Militär-Ärztin, mit der sie 2025 in Teneriffa den Teide erklommen hat)
  • September 2017 bis Dezember 2020: SKK Landschaftsarchitekten Wettingen.
  • Januar 2021 bis 6. März 2024: Ausbildung zur Primarlehrerin als Quereinsteigerin (Voraussetzung: Berufsausbildung mit Praxiserfahrung, über 30 Jahre alt)
  • ab August 2024 bis Ende Dezember 2025: Primarlehrerin am Schulhaus Dachslern in Zürich Altstetten in den Fächern TTG (textiles und technisches Gestalten) für alle Primarklassen und DAZ (Deutsch als Zweitsprache) für zwei Schüler
  • Januar bis Februar 2026: Kompaktweiterbildung für Junglehrpersonen an der Pädagogischen Schule Zürich
  • Februar bis April 2026: Reise nach Südostasien, unter anderem Japan, 9 Wochen unbezahlter Urlaub
  • Ab 20. April 2026: Schulhaus Dachslern TTG und DAZ
  • Ab September 2026: berufsbegleitend CAS für DAZ an der Pädagogischen Schule in Zürich
Wohnorte von Isabelle
  • 25. September 1986: Geburt in Klinik Hirslanden Zürich
  • September 1986 bis Juli 1989: Blumenrain 29, 8702 Zollikon
  • August 1989 bis 2011: Im Tiergarten 50, 8055 Zürich
  • Genf
  • April 2004 bis 2007: Rosshofgasse 1, 4051 Basel
  • Im Tiergarten 50, 8055 Zürich
  • ab ca. 2011 bis Ende 2015: Hildastrasse 21, 8004 Zürich. Wohngemeinschaft mit Aurelie Rebord (Oreli) und Rahel Frei
  • Januar 2016 bis April 2019: Schiffbaustrasse 9a, 8005 Zürich (WG mit Bruder Raphael Wild als Hauptmieter, Mitmieterinnen Rahel Frei, Aurelie Rebord, M. Quiblier Stand Januar 2016)
  • Mai 2019 bis März 2025: Badenerstrasse 552, 8048 Zürich (Kündigung wegen Totalsanierung)
  • ab April 2025: Zum Kronberg, Sonneggstrasse 82,  8006 Zürich (WG zusammen mit Barbara Lienhard, Mona Martin, Nadja Togni, Isabelle rückte für S. Hummler nach





Isabelle in Zollikon

Isabelle als Zweijährige in ihrem Bett am Blumenrain 29 in Zollikon. 12. November 1988.

 


Isabelel und Martin Thalmann bei unserer Wohnung am Blumenrain 29 in Zollikon. Martin wohnte mit seinen Eltern unter uns. ca. 1989

 


 


 



Im Tiergarten 50 und Umgebung in Zürich. Isabelle war drei Jahre alt beim Wohnungswechsel 1989



 

Isabelle spielt Geige zu Hause im Tiergarten am Stubentisch mit Pendelleuchte (diese tat jahrelang ihren Dienst). ca. 2000

 

 


Isabelle mit Pippo in ihrem Zimmer im Tiergarten 50 in Zürich. Isabelle liebte die Katzen, zuerst Ginger und dann Pippo. Aufnahme wahrscheinlich ca. 2012 kurz vor dem Ableben von Pipo im Tierspital Zürich.

 

 

 

 

Isabelle Wild auf dem Velo, das seinerzeit von Hans Bucher für ihre Mutter zusammengestellt worden ist. Mutter Veronika fuhr mit diesem Velo an den Helvetiamarkt, Isabelle auf einem Sitz mit Blick nach vorne und Hände am Lenkrad. 26. Mai 2017, Im Tiergarten, Zürich.

 


 


 

 

 

1. bis 3. Sekundarschule und das freiwillige 10. Schuljahr im Schulhaus Rebhügel in Zürich


1. bis 3. Sekundarschule am Rebhügel Zürich (1999-2002).

 


Von Isabelle Wild handschriftlich gefertigte Legende zu Ihrer Sekundarschulklasse am Rebhügel (1999-2002)

 


Arbeitseinsatz im Wallis. 10. freiwilliges Schuljahr (2002-2003) am Rebhügel Zürich. Isabelle ist ganz rechts neben Miriam Caluori.

 


Arbeitseinsatz im Wallis oder in Davos im Rahmen des 10. freiwilligen Schuljahres (2002-2003). Isabelle Wild neben Miriam Caluori.

 

 

 

 

 
Ausbildung zur Kauffrau in Basel 2004 bis 2007 und anschliessend Berufsmatur 2008 bis 2010 in Zürich

 

Isabelle Wild und Claudia Heger aus Möhlin. Mit ihr war sie in der Ausbildung zur Kauffrau beim Kanton Basel-Stadt.

 


Gelage in der Küche an der Rosshofgasse 1 in Basel (Vater-Tocher-WG). Isabelle rechts (2004-2007)

 


Isabelle auf der Galerie bei der Wohnung an der Rosshofgasse 1 in Basel. Ich höre die Bienen summen. Ausbildung zur Kauffrau (2004-2007)

 


Isabelle geniesst ihre Zeit in Basel mit ihren Kolleginnen. Rechts von ihr ist Claudia Heger von Möhlin, die im Baudepartement ihre Lehre machte und Isabelle beim Finanzdepartement. 2004-2007.

 

 

 



Sprachaufenthalt in Bayron Bay in Australien 2008


Isabelle Wild vor der Oper von Sydney. Ihre Eltern begleiteten sie zum mehrmonatigen Sprachaufenthalt in Bayron Bay. März 2008

Auf dem Hinweg haben wir Isabelle begleitet mit geplantem Zwischenstop in Bangkok. Die Fluggesellschaft hatte Probleme mit dem Weiterflug nach Sydney und wir durften in einem 5*-Hotel eine weitere Nacht verbringen. 

Isabelle genoss ihren Australienaufenthalt mit Schule und Reise. Für die Rückfahrt wählte sie einen mehrtägigen Zwischenhalt in Singapur. Vor ihrer Rückreise schaute ich die Situation der Hotelbuchungen in Singapur an und stellte eine hohe Belegung fest. Ich fragte sie via Mail, ob sie etwas gebucht hätte. Ich empfahl ihr 'Sleepy Sam', wo noch nicht alles belegt war. Es muss eine Veranstaltung gewesen sein, damit alle Hotel ausgebucht waren. Isabelle kam um 23 Uhr an und sah am Flughafen etliche Menschen am Boden liegen präpariert für die Nacht. Sie suchte Sleepy Sam, wo aber die Türe geschlossen war. Meiner Erinnerung nach telefonierte sie mir dann. Ich sagte sie solle mit der Kreditkarte im Raffles versuchen. Sie ging dorthin, sah die Preise und erschrak. Es war ausgebucht. Sie setzte sich vor dem Hotel auf den Randstein mit ihrem Rucksack und dem Didgeriedoo. Ein Angestellter kam und wünschte, dass sie sich entferne. Sie weinte, fühlte sich aber immer sicher. Sie fand ein Spital, wo sie unter dem Vorwand, sie warte auf ihre Bekannte, an der Rezeption auf einem Stuhl wartete. Sie erspähte ein Zimmer mit Liegebetten und legte sich in ihrer Müdigkeit aufs eine Pritsche. Später wurde sie von Angestellten weggewiesen, denn dieser Raum war für Pausen der Angestellten gedacht. Sie lief umher und fand um 4 Uhr einen MacDonalds, wo sie sich wie andere auch bis am Morgen aufhielt. Nachher ging sie nochmals zu Sleepy Sam und fand Unterkunft. Sie fand es nach der ruhigen Australienreise mit problemlosen Übernachtungen nicht nötig, in Singapur etwas zu reservieren. Das Internet war damals noch nicht so verbreitet wie später.


Auszug aus ihrer Maturaarbeit 'Dynamik'. Isabelle 2010. Gestalterische Berufsmaturitätsschule GBMS Zürich. Isabelle stellte im Bastelraum im Tiergarten 50 einen 3 minütigen Film her.

 

 



Ausbildung zur Landschaftsarchitektin an der HSR in Rapperswil 2011 bis 2014


Für die Diplomfeier haben sich die Frauen speziell frisiert. Isabelle ist die Treppe hinuntergekommen und ich habe sie nicht erkannt. Rapperswil 26. September 2024

 


Diplomfeier an der HSR Rapperswil. Isabelle extra frisiert mit ihrer Mutter Veronika Wild. 26. September 2014

 


Für die Diplomarbeit an der HSR hatte sie ein Thema im Landschaftspark Neckartal, der vom Stimmvolk abgelehnt worden ist. Ich begleitete sie in die Region. Mit ihrem Onkel Tony stiegen wir ins Ofenloch hinunter, das lokale Kenntnisse voraussetzt. Es war gerade Alpaufzug. 17. Mai 2014

 


An der Diplomfeier kam Isabelle die Treppe hinunter und ich erkannte sie nicht. Alle Frauen haben sich extra herausgeputzt für den Anlass. 26. September 2014

 
In Rapperswil an der HSR waren sie im Herbst-Semester 2011/12 ca. 68 Studenten Im Modul Garten- und Landschaftsbau:
Akermann Manuel, Bartels Niklas, Bethke Melanie, Böninger Ferreira Tom Rui, Bösiger Markus, Brodbeck Marius, Bruhin Diego, Crameri Daniele, Decker Manuel, Differding Isabelle, Eberhart Jonas, Eiermann Tamara, Esteves Flores Carolina, Eugster Philipp, Genini Dania, Gloor Dominik, Gozzoli Alessandro, Graner Anja, Gutmann Mike, HEINVIRTA Elina Viena, Hellwig Thomas, ITA Deborah, Jäggli Roger, Jud Lukas, Jung Steven, Jungo Jonas, Käppeli Bettina, Keller Marina, Keller Oskar, Kölbener Flavia, Koller Richard Charles, Kuster Lukas, Leutert Basil, Linder Oliver, Löhrer Pascal, LONGSANG Nanthiya, Lüssi Roman, Müller Eva, Müller Katharina, Murbach Dimitri, Peeters Angelika, Polli Delizia, Rees Fabienne, Reinhard Corinne, Reisenauer Tobias, Rickenbacher Sara, Saborowski Lukas, Sarasin Meret, Schrepfer Ariane, Schubert Paul, Schwalm Rahel, Schweizer Lukas, Schwendimann Karin, Spirig Philipp, Spörri Nicole, Sprissler Karolin, Stampfli Vanessa, Steffen Kevin, Steiner Julia, Stöppelmann Julia, Svoboda Sebastian, Tanner Emil Werner, Wicky Andreas, Wiedersheim Nicole, Wild Isabelle, Würsch Tobias, Wütschert Deborah, Zdravic Sanja.


Arbeitsplatz 2014 bis 2016 von Isabelle bei Geser Landschaftsarchitekten AG Freyastrasse 20 inZürich bei der Zweierstrasse. Sie konnte sich nicht vorstellen, immer am Bildschirm zu sitzen.

 


Isabelle in Ecuador auf 1696 m ü. M. am Kartenspiel mit Kollegen. 13. Februar 2017

 


Isabelle unterrichtet in Quito während ihres freiwilligen Sozialeinsatzes. 14. März 2017 in Equador.

 

 

 

 
 


Zwischenjahr 2017 mit Sozialeinsatz in Ecuador und Pilgerweg von Porto (Familie Brabetz) bis Santiago di Compostela



Isabelle mit Alexandra auf am Teide in Teneriffa über 2000 m ü. M. am 18. Februar 2025. Alexandra ist Ärztin im französischen Militär. Sie haben sich auf der Pilgerstrecke kennen gelernt.

 


Isabelle kommt von ihrem Sozialeinsatz in Ecuador heim. Adrian und und Gabriel flankieren sie im BMW 2 am Flughafen. Am 3. Mai 2017

 


 

Ausbildung zur Primarlehrerin 2021 bis 2024

 

Isabelle während Ausbildung zur Primarlehrerin im Bullinger-Schulhaus beim Hardplatz im Einsatz. Es geht um die Abwasserreinigung. 9. Juni 2022

 


Isabelle mit ihren Eltern und ihrem Bruder Raphael an der Diplomfeier vom 6. März 2024.

 

Diplomfeier am 6. März 2024 an der PH Zürich. Lehrpersonen Quereinsteiger Primarschule. Isabelle ist die 5. von links.

 

 

 

Familie, Freizeit



Isabelle mit Patenkind Adrian, Vater Niklaus und Mutter Veronika Wild. Paris beim Eiffelturm. Isabelle sagte, sie sei schon sechs Mal in Paris gewesen und noch nie auf dem Eiffelturm. Adrian hat sich das gewünscht. 7. Oktober 2025

 


Isabelle kam mit nach Paris. Ein Ziel war Uniqlo und alle sind fündig geworden. 7. Oktober 2025 bei Opera in Paris. Isabelle, Veronika, Adrian Wild

 


Niklaus Wild mit Tochter Isabelle im botanischen Garten Basel.

 

Isabelle an der Wohnungsbesichtigung für die oberste rechte Wohnung. Im Treppenhaus ging die Menschenschlange weiter. Isabelle war mit einer Freundin dort, sie wollte umkehren. Letztlich hat sie den Zuschlag erhalten. März 2019, Badenerstrasse 552, 8048 Zürich.

 


Sommer 2019. Isabelle v/o Zora mit Estacy Winkler v/o Balu (Zeigefinger) und Claudia Siebenhaar v/o Sepia auf dem Balkon in der obersten Wohnung an der Badenerstrasse 552 in Zürich. Das war die erste eigene Wohnung nach all den Wohngemeinschaften (Rosshofgasse, Hildastrasse, Kulturpark).

 


Isabelle mit ihrem Vater auf den Spuren seiner Jugend, hier auf dem früheren Sonntagsspaziergang vom Steigbach auf die Hohe Buche und den Gäbris, Alpstein im Hintergrund. Am 74. Geburtstag von Niklaus Wild, Bühler AR, 24. Mai 2025.

 


Spaziergang am 25. Dezember 2024 zur Auflockerung der Weihnachtsfeier. Isabelle Wild oben beim Staffelhof in Zürich.

 


Isabelle mit ihrem Enkel Gabriel im Beetlis am Walensee anlässlich eines Familientreffens am 15. Juni 2019

 


In den Ferien, vermutlich Venlo in Holland ca. 1994?

 



 

Isabelle am Rudern auf dem Zürichsee. Nach ihrem anstrengenden Studium an der Pädagosischen Hochschule geniesst sie ihre Festanstellung und  Freizeit. Sommer 2025

 

Isabelle in Thailand, Laos, Vietnam und Japan (1. Q. 2026)


Isabelle in Thailand, Laos und Vietnam vom 9. Februar bis 31. März 2026. Ihre Stationen.

 

 

Isabelle mit Kollegin Jenny am Wandern in Thailand. Februar 2026

 


Isabelle in Japan vom 31. März bis am 22. April 2026. Ihre Stationen von Fukuoka im Westen bis Tokio.

 


Der Traum von Isabelle geht in Erfüllung. In Fukuoka kommt sie in Berührung mit Kirschblüten. Anfang April 2026.

 



 


Isabelle am Essen in Japan im April 2026. Ryokan in Beppu.

 


Isabelle besteigt am 7. April 2026 in Beppu einen Shinkansen, Abfahrt 11.19 Uhr.

 

Isabelle auf der Museums-Insel Naoshima am 11. April 2026.

 


Isabelle fährt mit dem Velo auf der Museums-Insel Naoshima am 11. April 2026.

 


Isabelle am Essen mit Fuji im Hintergrund. April 2026.

 


Isabelle mit einer japanischen Frau in Japan, in Kyoto am Fluss. April 2026

 

 

 

 

 


 
Besondere Ereignisse mit Isabelle im Laufe der Zeit:
  • Isabelle Katharina Wild wurde am 5. Juli 1987 in der katholischen Kirche Zollikon getauft von P.  Robert  Camenzind. 1990 trat sie zusammen mit ihren Geschwistern zur reformierten Kirche Wiedikon (ab 2020 Kirchenkreis 3) über.
  • Das erste Mal bangte ich als Vater um Isabelle auf der Lenzerheide. Sie ging in die Ski-Schule. Als ich sie so gegen fünf Uhr abholte, klagte sie über Schmerzen im Gesicht. Ihre Haut war wie 1-2 cm überhöht. Ich fragte sofort nach einem Arzt. Zum Glück hatte der die Praxis gleich in der Nähe. Dieser klärte mich auf, dass die Haut auch im Winter gegen Sonneneinstrahlung geschützt werden muss. Das war für mich neu, ich dachte das sei nur im Sommer nötig. Isabelle hatte eine Sonnenallergie entwickelt. 
  • In Australien machte sie nach ihrem Sprachkurs in Bayron Bay eine Reise mit einer Kollegin in einem gemieteten Auto. Die Kollegin wurde krank und Isabelle hätte fahren müssen. Sie schaffte es. Insgeheim war ich froh, habe ich sie fast genötigt zum Führerausweis. Isabelle gehörte zu den urbanen Menschen, für die das Auto eine von vielen Transportmöglichkeiten war. Isabelle hat es geschafft.
  • Als Isabelle 2011 in die WG an der Hildastrasse zog, zügelten wir ihre Sachen soweit wie möglich mit dem BMW5. Einzig das Bettgestell trugen wir durch den Friedhof Sihlfeld zu ihrer neuen Wohnung.
  • Beim Sozialeinsatz in Ecuador hat sie vor Ort eine andere Situation angetroffen als sie auf Grund der Beschreibungen erwarte konnte. Sie boten ihr an, Englisch zu unterrichten. Sie hörte früher auf und wollte Südamerika bereisen. Es gab aber Regenfälle mit Erdrutschen und Überschwemmungen. Sie kam sich als Touristin am falschen Ort vor. Ihre Hostelbetten wurden für die Freiwilligen Katastrophenhelfer benötigt. Die Internetverbindungen waren vielfach unterbrochen. Raphael hat ihr ein Rückfahrtticket gekauft, während Isabelle auf einer mehrstündigen Busfahrt zum Flughafen unterwegs war. 
    Sie hat ihr Zimmer an der Schiffbaustrasse untervermietet und wohnte bei uns zu Hause, bis sie dort wieder einziehen konnte.
  • Während ihrer Ausbildung zur Primarlehrerin als Quereinsteigerin wurde sie krank, sie hatte Nesselfieber und war total geschwächt. Sie wohnte allein in der Wohnung an der Badenerstrasse 552. Wir holten sie zu uns und brachten ihre Wohnung auf Vordermann. Ich begleitete sie zum der Uniklinik, die ihr zum Glück helfen konnten. Isabelle nahm das Studium mit zugehörigen Praktika mit Recht ernst und wollte durchhalten. Sie sagte, das Studium sei angepriesen worden als berufsbegleitend, was aber gar nicht funktionieren würde. Sie hat alles überstanden und das Studium mit Erfolg abgeschlossen. Die Zeit nach dem Diplom hat sie richtig zu geniessen begonnen und hat in der Freizeit viel unternommen (Langlauf, Velo, Rudern, Klettern, Wandern und übernachten in SAC-Hütten, Triathlon, etc.).
  • Am 29. Dezember 2025 kam Isabelle mit uns nach Konstanz, nicht in die Therme, sondern zum Einkauf. Um 9:30 Uhr habe ich sie in der Nähe vom Bahnhof Konstanz abgeladen und wir trafen sie zum Mittagessen um 13 Uhr im Wessensberg beim Münster. Nach dem Mittagessen spazierten wir mit Isabelle. Sie hat Augen für ganz andere Läden als ihre Mutter. Isabelle will einkaufen für ihre Südostasien-Reise. Sie benötigt passende Turnschuhe, Sonnenschutzmittel, Mückenschutz, Hosen, etc. Sie möchte auch einen Mehrtages-Rucksack einkaufen. Am Vormittag hat sie sich umgeschaut. Wir schauten im Maas-Laden  und nachher probierte sie Rucksäcke VAUDE. Veronika und Isabelle beraten über hell und Dunkelgrün. Isabelle hat am Vormittag im Sportscheck (Lago) eigentlich schon einen Deuter Rucksack 30 l angeschaut und wollte ihn vor dem nach Hause gehen kaufen. Wir gehen danach in die Alnatura, in zwei Schuhläden (Haug und Werdich), zu Müller, zum Gmeiner. Dann merkten sie, dass die Zeit knapp wird. Veronika und ich gehen einen Kaffee neben der Metzgerei Otto Müller trinken und kaufen nachher bei der Metzgerei Otto Müller ein. Unterdessen schaut sich Isabelle bei Sport Gruner Turnschuhe an. Es lief eigentlich gut bis Veronika anfing zu reklamieren, Isabelle könne sich nicht entscheiden und sie hätte jetzt schon 3 Stunden  für Schuhe gebraucht und bis jetzt habe sie immer noch nichts gefunden. Das hat Isabelle dazu gebracht zu sagen, Mama ich hab jetzt zwei passende Schuhe gesehen. Ich kann die auch in Zürich – alleine – kaufen und ist abmarschiert. Dann gingen wir zum Lago wegen des Rucksacks. Dort hat Isabelle ihren am Vormittag ausgewählten Rucksack genommen und wollte ihn bezahlen. Veronika kam mit einem aus meiner Sicht unmöglichen Rucksack und meinte, dieser sei doch schöner. Und jener von Vaude sei von der Farbe schöner gewesen. Dann legte Isabelle den Rucksack auf ein Gestell und sagte, ich brauche den Rucksack eigentlich erst im Mai und nicht heute und marschierte davon. Im Auto erzählte Isabelle eine lustige Geschichte von früher als Kind. Bei einem Schuhkauf hätte ihr der erste Schuh gut gefallen. Mutter hätte gesagt, du kannst nicht den ersten nehmen. Schau diesen an und diesen und diesen. Und wir schauen noch in 2-3 anderen Geschäften, was sie auch gemacht haben. Am Ende des Tages sagte Veronika, jetzt schlafen wir noch eine Nacht darüber. Eigentlich sei es heute ähnlich gewesen wie früher: ihre Entscheidung wurde gar nicht respektiert. Irgendwoher hätte sie diese Schwierigkeit sich nicht entscheiden zu können. Sie meinte aber auch, ihre Mutter hätte es ihr schwer gemacht sich zu entscheiden. Selber hätte die Mutter ja auch Mühe.
    [Für mich zeigen solche Ereignisse wie ich fest ich mich schon angepasst oder verbogen habe. An unseren ritualisierten Tagen habe ich gemerkt, am zufriedensten kommt Veronika zurück, wenn es nach ihr läuft. So habe ich mich angepasst. Was soll ich immer streiten, wenn es auch anders geht. Ich habe aufgegeben, andere Routen vorzuschlagen oder die Idee zu äussern, eigentlich gäbe es noch andere interessante Stadt-Quartiere oder allenfalls auch Führungen zu bestimmten Themen. Wandervorschläge oder z.B. über Höri zurück zu fahren mache ich gar nicht mehr, weil dann stimmt es für Veronika nicht mehr und ich höre das wiederholt. Auch gäbe es in Radolfzell eine interessante Sauna Bora mit Seeanstoss. 
    Beim Einkaufen ist Veronika wie in einem Flow und möchte nicht gestört werden. Ich gebe keine Kommentare ab und gebe auch keine Hinweise, sondern zahle am Schluss.
    Isabelle hat sich der Mutter entzogen und macht das Spiel nicht mit. Milena ist noch härter, sie käme gar nicht mit oder würde klipp und klar sagen, wir gehen getrennte Wege.]

 

 

Unsere drei Enkel
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16.  Unsere drei Enkel
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Milena schenkte uns die drei Enkel Adrian, Gabriel und Linus

Das ist ein schönes Geschenk. Ich konnte die Welt nochmals durch die Kinderaugen sehen. Die Auseinandersetzung mit den Enkeln belebten das Denken neu, ich konnte Abstand nehmen zur Berufstätigkeit und mich eher zum Menschlichen hinwenden. Mir tat die Hütezeit jedenfalls gut. Aber es ging schnell vorbei. 

Unsere Enkelzeit von 2013 bis 2024

Mit Adrian lernten wir, was Grosseltern sein bedeuten kann. Die Enkel zu beobachten zeigte mir, wie die Entwicklung einem innern Programm folgt. Bei den eigenen Kindern ist mir das nicht aufgefallen. Im Rückblick gesehen merke ich, dass das ganze Leben sehr von der Natur geprägt ist und die Erziehung Leitplanken geben kann. Übrigens, auch das älter werden verläuft in Phasen, die der Mensch nicht beeinflussen, sondern nur hinnehmen und akzeptieren kann. 

Die ersten zehn Jahre haben wir die Kinder mehr oder weniger regelmässig von Mittwoch Nachmittag bis Donnerstag Abend gehütet. Das ergab einen Wochenrhythmus mit regelmässigem Austausch. Uns tat dies gut und wir freuten und auf diese Tage.

In den Ferien ergab sich die Möglichkeit für weitere Aktivitäten. Mit Adrian und Gabriel machten wir auf einem Bauernhof in Bezau (A) vom 28. April bis 1. Mai 2018 Ferien. Für Veronika war das zu streng und sie wollte dies nicht wiederholen. Am liebsten waren ihr Einzelbetreuungen. Anfänglich unternahmen wir in den Ferien Wanderungen (Fränkmüntegg, Ristis, Üetliberg, Zürichberg, Zugerberg, etc.). Ab 2022 hatte Veronika Mühe, nur schon auf den Üetliberg zu kommen. Die Aktivitäten verlagerten sich zu Ausflügen (Glasi Hergiswil, Affenberg bei Meersburg/Salem, Thermenbesuche, Freiburg im Breisgau, Besuche von Ruth Bucher im Emmetten und Ennetbürgen, etc.). In der Regel hüteten wir die Enkel bei uns zu Hause im Tiergarten ohne irgendwelche Vorgaben ihrer Eltern.

Im Oktober 2023 machten wir vier Tage Ferien im Casa Emaus bei Ascona im Tessin, mit Wanderungen und Kletterpark. Milena war auch dabei. Sie kannte das Haus von ihrer Recherche für Klassenabschluss-Reisen. Diese Kombination war eine Ausnahme, waren wir doch sonst immer alleine mit den Enkeln ohne Anwesenheit eines Elternteils.



Respekt vor dem Schulalltag, Bericht vom 21. Oktober 2025

Einblick in den Alltag und in den Schulbetrieb hatten wir, wenn die Eltern zeitlich nicht alles bewältigen konnten.

Einen speziellen Einsatz hatten wir am Dienstag, 21. Oktober 2025, wo wir Einblick erhielten, was Eltern alles zu leisten und zu organisieren haben.

Milena hatte für diesen Dienstag einen Engpass gesehen. Sie musste früh in der Kantonsschule Rotkreuz sein, wo sie seit Herbst 2025 unterrichtet. Am Abend hatte sie ein Nachtessen mit dem Team, das den Schulbetrieb der neu eröffneten Schule im Surstoffi-Aral vorbereitet hatte, gecoacht von Lehrpersonen der Kantonsschule Solothurn. David war die ganze Woche abwesend. Wir sagten ihr die Unterstützung zu.
Mein Einsatz begann umn 6.30 Uhr im Bergli 7 Knonau. Milena verliess umgehend das Haus und um 7 Uhr entschwindet Adrian mit dem Fahrrad in die Nacht hinein nach Mettmenstetten in die 1. Sekundarklasse mit Schulbeginn 7.30 Uhr.

Gabriel und Linus stehen auf und frühstücken. Um 7.55 Uhr verlassen wir alle das Haus. Auf dem Schulweg scheint uns die Sonne entgegen, als wir die Landstrasse auf dem Trottoir Richtung Kirche unterwegs waren. Linus erklärt mir, wie die Sonne jeweils hinter den Bergen hervorkommt. Spätestens beim Dorfbrunnen kommen von überall her Gspänli. Gabriel geht mit diesen. Linus hat Luca gefunden und macht Spässe mit ihm. 8.20 Uhr ist Schulbeginn in der Primarschule auf dem Hügel.

Ich bewege mich zu Fuss zum Bergli 7 und mit dem Auto nach Obfelden auf dem Stehli-Seiden-Areal.

Am Nachmittag fahren wir zu zweit ins Bergli 7. Linus hat bis 15 Uhr Schule mit Mittagsverpflegung im Hause. Er kommt allein nach Hause. Veronika isst mit ihm Zvieri und schaut zu den Hausaufgaben. Ich werde ihn mit dem Auto auf 17 Uhr nach Affoltern in die Stigeli-Halle zum Handballtraining fahren. 

Gabriel hat Schule bis 15.50 Uhr. Dann macht er Pause im Raum mit Aufsicht. Er hat um 16.30 Uhr Gitarrenunterricht und wünschte, dass ich ihm die Gitarre in die Schule bringe. Nach der Gitarrenstunde geht Gabriel zu Fuss nach Hause, wo er gegen 18 Uhr ankommen wird. Er wird Hausaufgaben machen.

Adrian kommt gegen 16.45 Uhr nach Hause und benötigt Verpflegung, bevor er 17.30 Uhr zu Fuss mit seinem Kollegen Gregory Breu abmarschiert und mit der S-Bahn nach Affoltern fährt, damit er um 18.30 Uhr mit seinem Handballtraining (HVS Handballverein Säuliamt) beginnen kann. Zurück im Bergli 7 wird er gegen 21 Uhr sein.

Während des Trainings von Linus warte ich wie andere Eltern in der Turnhalle auf einer Empore. Linus ist in der Garderobe bei den wirklich allerletzten, wie mir Adrian bestätigen konnte. Nach 19 Uhr kommen wir nach Hause und essen mit Veronika und Gabriel z'Nacht.

Um 20 Uhr geht es für die Kleinen Richtung Bett bzw. in die Ruhephase-/Zone.

Milena kommt gegen 22 Uhr nach Hause und damit endet unsere Mission.

Zusammenfassung:

  • Milena meint, der Dienstag sei organisatorisch der anspruchsvollste Schultag.
  • Adrian war 45 Minuten zu Hause für Hausaufgaben und Verpflegung (Z'Vieri und Z'Nacht zusammen).
  • Mit den Kindern war der Schulweg am ergiebigsten für mich für Gespräche. Ansonsten gab es nicht viel Gelegenheit.
  • Als ich Adrian am Morgen früh in die Dunkelheit fahren sah, erinnerte mich das an meine Jugend. Als Messdiener musste ich manchmal um 6.30 Uhr im Nachbardorf Teufen präsent sein und mit dem Velo durch den dunklen Hasenrank fahren. Es hat mir nicht geschadet.
  • Dieser Tag hat mir Respekt eingeflösst, was eine Familie heute alles zu leisten hat.
Geschrieben am 5. Januar 2026 in der ZB.










Sommer 2025 mit den drei Enkeln: 

Unsere Enkel sind im Schuljahr 2024/2025 alle drei in die Primarschule in Knonau gegangen, Adrian in der 6., Gabriel in der 4. und Linus in der 1. Klasse. Sie haben fünf Wochen Sommerferien.

Anfang der Sommerferien haben sie kundgetan, wann sie zu uns kommen möchten. Sie kamen bereits tageweise in der ersten Woche. Die zweite und dritte Wochen verbrachten sie mit den Eltern in England, das sie mit dem TGV und dem Eurostar erreichten. Sie waren mit einem Hausboot auf der Themse unterwegs, wohnten in einem Apartment in Oxford und London. Mit dabei waren die Cousins Silvan und Laurin Hitz von Thun.

Hier geht es um die vierte Ferienwoche. Die Enkel hatten folgende Wünsche: Zuerst kommt Gabriel, alleine, für Montag und Dienstag, dann kommt Linus dazu bis Freitag. Am Mittwoch Abend wird Gabriel von Adrian abgelöst. Er will das Wochenende mit den Grosseltern allein verbringen. So der Plan.

Am Mittwoch, nach dem Termin von Adrian beim Augenarzt im Triemli brachte Vater David ca. um drei Uhr Adrian und Linus zu uns und holte Gabriel ab. Am Küchentisch konnten wir uns noch austauschen über weitere Pläne: In der 5. Ferienwoche will David mit den drei Buben einen Hühnerstall im Garten bauen.

Für Donnerstag war ein Besuch der Therme in Konstanz angesagt. Am Morgen sagte Adrian, er würde seinen rezeptpflichtigen und mit einem AirTag versehenen Asthma-Spray benötigen, habe ihn aber nicht mitgenommen. Niklaus holte ihn beim Vater in Knonau. Unterdessen begann Veronika die Bettwäsche zu waschen, damit sie eher frei von Milben sind – aus Rücksicht auf Adrian, der darauf reagiert. 

Aus zeitlichen Gründen mussten wir den Thermenbesuch aufgeben. Nach langem Hin und Her fuhren wir nach Uitikon, wo wir bei einem Bauernhof mit Hühnern vorbei spazierten und weiter einem Bächlein entlang Richtung Urdorf. Bei einem schattigen Grillplatz neben dem Bächlein versuchten Grossvater Niklaus und Linus ein Feuer zu entfachen, was diesen aber nicht gelang. Adrian hat eine eher tiefe Frustrations-Grenze  und schmollte. Auf einmal kam Leben in ihn und er wollte uns als Pfadfinder Cumuli zeigen wie das geht. Wir mussten die Feuerstelle frei machen und er begann mit kleinen Holzteilen nochmals. Und siehe da: Er schaffte es und wir konnten unsere vier bei Künzli gekauften Servelats nach unserem Geschmack bräteln. Wir assen gemütlich am Tisch. Es war friedlich. Adrian und Linus zogen die Badehose an und spielten im Bächlein. Linus staute das Wasser mit Steinen. 


Adrian hat in der Pfadi als Cumuli gelernt, wie man ein Feuer anmacht. 8. August 2025. Feuerstelle bei Urdorf an einem Bächlein. Linus und ich haben es nicht geschafft.

 

 

 

 

Eine Gruppe von etwa zwölf Kindern kam mit zwei Erwachsenen ‚Naturtalenten‘. Diese spürten Geheimnissen im Boden und der Luft nach. Einzelne hätten lieber mit Linus im Wasser gespielt. Des Weitern kamen noch zwei Männer, einer ausgestattet mit Hund ‚Amelie‘ und einem Beil. Er verkleinerte die Holzscheite und im Nu loderte ein ansehnliches Feuer. 

Wir dachten, wir würden dort zu Mittag essen, aber weit gefehlt. Um fünf Uhr kam langsam der Wunsch auf, den Platz zu verlassen.  Es war ein herrlicher Nachmittag, trotz des anfänglich unglücklich dreinschauenden Adrian. 

Am Freitag gingen wir ins Mythenquai baden. Die letzte Stunde gesellte sich Isabelle, Gotte von Adrian, dazu. Ein weiterer friedlicher Tag.



Am Donnerstag 25. Juni 2026 hatten Milena und David einen Engpass. Wir konnten die Enkel am Mittag verpflegen und den Nachmittag im Bergli 7 verbringen. Es ist immer interessant, den Alltag zu erleben. Milena hat alles aufgeschrieben:
Mittagspause  Kinder ab 11.45
zu Hause        Adrian ca. 12.15
                      Gabriel ca. 12.15
                      Linus ab 12.30
Gabriel geht um 13 Uhr zu Schule
Adrian um 13.15
Linus am Nachmittag frei.

Gabriel kommt ca. 15.15 bis 15.30 wieder nach Hause. Nach einer Pause hat er Hausaufgaben zu erledigen.
Adrian hat bis 17.10 Unterricht.

Gabriel hat wahrscheinlich um 18 Uhr (Fussball-) Grümpi-Training in Knonau.
Adrian hat 18.30 Uhr Training Handball im Stiegeli Affoltern.

Adrian hat mir erzählt, dass er allein ins Training fahren muss, weil sein sonstiger Begleiter den Arm gebrochen hätte. Er kommt heim und muss nach einer ganz kurzen Zvieri-Pause zum Bahnhof Knonau auf 17.45 und nach Affoltern fahren. Dort muss er spätestens um 18.15 in der Sporthalle oben sein. 

Als Adrian am Abend heimgekommen ist, sagte er das Handball-Training ab, denn er habe am Freitag noch drei Prüfungen in der Schule. Es war drückend heiss, vielfach über 30° C. 


Am Donnerstag 25. Juni 2026 hat Adrian um 17.10 Uhr seinen Schultag in Mettmenstetten beendet und fährt mit dem Velo heim. Dort kommt er müde an.

 



Gabriel fragte mich am Nachmittag, ob das Grümpi-Training wirklich stattfinde, ein Kollege habe ihm nämlich gesagt, es finde nicht statt. Am Mittag hat mir Milena telefoniert und angedeutet, dass David gesagt hätte, das Training finde nicht statt. Angesichts der Hitze habe ich ihm einfach gesagt, es finde nicht statt. Er sagte nach dem Zvieri, er ziehe sich ins Zimmer zurück, er hätte einige Aufgaben zu erledigen, auch die vereinbarten Ämtli warn noch zu erledigen.

Es läuft immer viel an solchen Tagen. Es ist nicht vergleichbar mit der Zeit, die sie sonst bei uns im Tiergarten verbringen.

Grosselternzeit und deren Bedeutung

Selber bin ich ohne Grosseltern aufgewachsen. Bei uns lebten zwei Familien unter einem Dach. Unsere Familie beschäftigte zudem Knechte und Mägde. Es war immer Betrieb und einfach jemanden zum Spielen zu finden. Vater und Mutter arbeiteten bei uns zuhause.

Meine eigenen drei Kinder hatten eine Grossmutter. Diese Ida Lüscher starb, als Milena 12, Raphael 10 und Isabelle 7 Jahre alt war. Wir besuchten sie oft an den Sonntagen und verweilten in ihrem Garten, der ihr alles bedeutete. Schwager Hansjörg mit Familie wohnte im von ihm ans Elternhaus angebauten Haus.

Meine Frau Veronika sprach manchmal von ihrer Grussmutter Rosa Lüscher-Humm im Lüscherhof, meist aber nur von ihrem Spucknapf, den ihre Cousine Vreni Curty erben konnte. Veronika malte ihr jeweils den Kaffee. Nach ihrem Tode durfte sie die Kaffeemühle aus Holz an sich nehmen als Andenken an ihre Grossmutter. An ihren Grossvater Adolf Lüscher mag sie sich nicht erinnern.

Meine drei Enkel hatten anfänglich neben allen vier Grosseltern auch noch die Urgrosseltern väterlicherseits.

Unser Einsatz von 2013 bis 2024 war nicht Teil des Versorgungs- bzw. Betreuungssystems. Während unserer Hütezeit war Milena zuhause. Für uns, ganz sicher für mich, war der Einsatz sinnstiftender als für die Enkel. Mir und meiner Beziehung zu Veronika hat das Hüten gut getan.

Mit der Einschulung von Linus, unserem jüngsten Enkel, entfiel der wöchentliche Kontakt und Austausch.  Die Enkel gehen in den Schwimmkurs, am Samstag in die Pfadi und spielen auch Handball mit Matches zum Teil auswärts. Mich freut es, dass sie auf diese Art draussen, in Bewegung und auch in Gemeinschaft sind.

Wir sahen die Enkel ab 2024 nur sporadisch, in den Ferien tageweise. Ich begleitete die Enkel einige Male in den Schwimmunterricht im Lättich in Baar oder wir brachten sie an einen Handballmatch nach Stein (-Säckingen). Wir sahen die Enkel sporadisch und sonst vor allem an gewissen Tagen in den Ferien. 

Milena war in Zug an der Schule auch IT-Verantwortliche. Privat versandte sie keine Fotos von den Kindern wie andere Familien. Ich mahnte auch Veronika, nicht immer Kinderfotos über WhatsApp zu teilen. Ich unterstützte die Haltung von Milena. Stattdessen gingen sie mit der Familie zum Fotografen und verteilten diese Aufnahmen gezielt.

Mir ist dies aufgefallen, als ich die Fotos auswählte für die Bücher, die ich den Enkeln auf ihren zehnten Geburtstag schenke. Ich hatte nur Fotos von uns zur Verfügung, die in unserer gemeinsam verbrachten Zeit entstanden sind. Sie Enkel sagten auch vielfach ‚Stop‘, wenn man sie fotografieren wollte oder machten Faxen. Dies bewog mich zurückhaltender zu werden. Ich beabsichtige, die nicht für die Bücher ausgewählten Fotos zu löschen und vor allem keine neuen mehr zu machen. Die Fotoauswahl war ziemlich aufwändig, so gut verwendbar waren viele Aufnahmen nicht.

Im Jahre 2025 spürte ich, wie die Distanz zu den Enkeln grösser wurde, sie verschwanden auch aus den Gedanken und Gesprächen. Der Kontakt zu Milena konzentriert sich auf Organisatorisches. Grosseltern-Enkel-Beziehungen gedeihen auf Grund meiner geschilderten Erfahrung nachhaltiger bei regelmässigen Kontakten. Das gegenseitige Sich-Freuen oder Projekte verfolgen würde sich so in einem natürlichen Fluss entwickeln.

In den Herbstferien 2025 durfte ich in kurzer Zeit zwei verschiedene Begegnungen erleben. Linus war eine Woche bei uns und wir hatten es wunderbar miteinander. Mit Adrian besuchten wir Paris. Bei den Vorbereitungen freute ich mich darauf, meine Familie einige Stunden zusammen zu haben mit der zeitweisen Anwesenheit von Isabelle und Milena. Der Anfang war erfreulich und so wie ich mir den Aufenthalt – für mich lag der letzte Besuch etliche Jahre zurück – vorgestellt habe. Der letzte Tag mit Milena lief etwas aus dem Ruder, zum Teil wegen Veronika, die das auch zugibt. Sie hielt im Nachhinein fest, das sei wahrscheinlich der letzte gemeinsame Ausflug mit Milena gewesen. Meines Erachtens liegt sie mit dieser Aussage richtig. Anstelle einer Annäherung hat eine Distanzierung stattgefunden, auch mit Adrian. Mein Trost: wir durften 12 Jahre die Enkel bei uns hüten ohne Vorgaben der Eltern.

Für die Enkel bleibt bezüglich Mehrgenerationen-Thema alles wie gehabt, denn am Mittwoch ist Grossmutter Monica Hitz im Bergli 7 und kocht allen zu Mittag. David hat an diesem Wochentag Home Office.

Grosselternsein muss geübt werden. Als Milena im vierten Monat schwanger war mit Adrian fragte Milena, an welchem Wochentag wir den Enkel hüten möchten. Meine Frau antwortete, dafür warten wir erst einmal die Geburt ab. Ihr war nicht bewusst, dass die uns nachfolgende Doppel-Verdiener-Generation die Betreuung frühzeitig planen muss. Die andere Grossmutter, Monica Hitz, hatte mit ihren zwei älteren Enkelinnen mehr Erfahrung in dieser Sache und hat sich mit ihrem Sohn David auf den Dienstag geeinigt. Veronika wollte später wegen ihres Arbeitsplans auch den Dienstag. Sie musste sich umorganisieren auf den Donnerstag.

Veronika hätte ihren Enkeln auf den Schulbeginn hin gerne den Tornister gekauft. Dies war ‚traditionell‘ Monica Hitz vorbehalten. Mir war es recht, aber Veronika hatte Mühe.
Einmal kaufte Veronika Nuschis für ihre Enkel. Adrian konnte ohne sein Nuschi nicht einschlafen. Später haben wir erfahren, dass Nuschis Sache von Gotte und Götti seien. Wir hatten wirklich keine Ahnung vom Grosselternsein. Aber nun ist diese schon vorbei.

Im Sommer 2025 ging es mir blendend wie noch nie. Ich fragte mich, warum wohl. In Gesprächen mit Bekannten von mir führten wir dies darauf zurück, dass ich keinerlei Verpflichtungen mehr hatte und jeden Tag nehmen konnte wie es mir passte. Manchmal dachte ich allerdings wehmütig an die schöne Enkelzeit.


Affenberg bei Salem am Bodensee
Eine Attraktion für Alt und Jung, auch für unsere drei Enkel.

Mit allen unseren drei Enkeln besuchten wir den Affenberg. Ich mag mich erinnern, wie meine Frau Veronika einmal den Inhaber von SEIPP in Waldshut nach Freizeit-Möglichkeiten für unsere eigenen Kinder gefragt hat. Er nannte den Affenberg. Wir wussten nichts davon und fanden ihn damals auch nicht. Die Bodensee-Region war für uns junge Eltern damals noch unbekanntes Terrain und Internet zum Nachschlagen gab es noch nicht.

In der Folge habe ich einige Informationen zum Affenberg zusammengestellt:

Der Affenberg bei Salem ist Deutschlands grösstes Affenfreigehege und liegt westlich von Salem im Bodenseekreis. Auf einem über 20 Hektar grossen Waldstück leben hier rund 200 Berberaffen frei und ungehindert. Gegründet wurde der Park 1976 auf Pachtland des Schlosses Salem, um die stark gefährdeten Berberaffen zu schützen und zu erhalten. Neben den Affen beherbergt der Affenberg auch eine der grössten freifliegenden Storchenkolonien Süddeutschlands mit etwa 50 Brutpaaren sowie eine Damwildherde. Besucher können die Tiere auf einem 1,5 Kilometer langen Rundweg und einem 250 Meter langen Treewalk durch die Baumwipfel hautnah erleben. Der Park ist barrierefrei und bietet zahlreiche Attraktionen wie moderierte Fütterungen, einen Abenteuerspielplatz und ein Affenberg-Kino.

Schwerpunkt unserer Besuche sind die Berberaffen

Die Berberaffen stammen ursprünglich aus den Felsregionen Nordafrikas (Marokko, Algerien, Gibraltar) und sind die einzige in Europa frei lebende Affenart. Auf dem Affenberg Salem leben sie seit 1976 in einem naturnahen Freigehege, das ihrem ursprünglichen Lebensraum nachempfunden ist. Die Tiere wurden im Rahmen von Artenschutzprojekten angesiedelt, um eine stabile Population außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets zu schaffen.

Die Berberaffen sind in Nordafrika durch Lebensraumverlust und Bejagung bedroht. Der Affenberg trägt zur Erhaltung der Art bei.

Die Population auf dem Affenberg ist stabil und wächst langsam – ein Zeichen für gelungene Haltung und Zucht.
Seit 1976 wurden hier über 500 Jungtiere geboren.
Die Affen überleben auch harte Winter (im Gegensatz zu ihrem natürlichen Habitat), was ihre Anpassungsfähigkeit zeigt.

Gut zu wissen:

Berberaffen haben keinen Schwanz – anders als viele andere Affen!
Sie leben in Grossfamilien mit einer klaren Rangordnung – der Chef ist meist ein starkes Männchen.
Die Affen waschen sich gegenseitig das Fell – das nennt man "Social Grooming" und stärkt die Freundschaft.
Sie können bis zu 20 Jahre alt werden! Eine Äffin wurde 31 Jahre alt.
Gibraltar ist der einzige Ort in Europa, wo Berberaffen wild leben – dort gibt es etwa 300 Tiere!

Wenn du auf dem Affenberg bist, achte mal darauf, wie die Affen mit Steinen oder Stöcken umgehen – manchmal benutzen sie sie als Werkzeug! Die Jungtiere toben gerne und klettern am schnellsten!

Die Pandemie Covid-19 hat etwas Wesentliches verändert: Die Berberaffen durften nach der Pandemie nicht mehr gefüttert werden. Unser ältester Enkel Adrian konnte dies noch. Beim Eintritt ins Gehege bekam man einen Sack Popkorn. Diese legte man in die ausgestreckte Hand und die Affen assen diese. So gab es gute Fotosujets. Den Filmraum mit einem interessanten Einführungsfilm entdeckten wir erst bei weiteren Besuchen. 

Im Juli 2026 fokussierte sich Linus auf die Berberaffen, weil es diese sonst nirgends zu sehen gab. Störche seien eher zu sehen. Mich interessierten die Störche aber zusehends. Denn ihre Flugleistung und ihr Orientierungssinn ist enorm. 



 

Adrian
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16.1.  Unsere drei Enkel – Adrian.
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An seinem elften Geburtstag habe ich ihm ein Buch über unsere Zeit seit seiner Geburt geschenkt. Dort habe ich auch über seine Vorfahren mütterlicherseits geschrieben. Es war mein erstes Buch und ich habe viel gelernt. Das Exemplar (2. September 2013) für Milena habe ich mit einer Widmung versehen und auch Korrekturen vorgenommen. 


Positiver Eindruck vom Schulbesuch bei Adrian
 

Am Donnerstag, 14. November 2025, hat uns Adrian zum Schulbesuchstag in seine 1. Sek Ab eingeladen. Seit Herbst 2025 fährt Adrian mit dem Velo ca. 20 Minuten ins Nachbardorf Mettmenstetten, mit anderen Schülern aus Knonau. Schulbeginn ist 7.30, Mittag 11.55 bis 13.35 und Schulschluss 16.20 bzw. 17.10 Uhr.

Veronika und ich besuchten bei Frau Oggenfuss zwei Stunden. Eine war die Geometriestunde, in der es um Spiegelung am Punkt oder einer Gerade ging. Im Schulzimmer beobachtete ich 20 konzentriert arbeitende Schülerinnen und Schüler. Frau Oggenfuss beherrschte die Szene, liess sich die Lösungen jeweils von allen, aber einzeln, zeigen. Die Stunde wurde mit einem Spiel unterbrochen. Ich trug einen positiven Eindruck mit nach Hause.
Milena war auch dort während einer Stunde. Wir gingen nachher ins Bergli 7 zum Mittagessen.
Am Nachmittag besuchte David die Schule. Veronika zog es zu Pfister in Affoltern und nachher ungeplant nach Waldshut, wo wir eigentlich nichts kaufen mussten. Sie hätte gerne mit mir Tische angeschaut, wie sie mir später darlegte. Für mich besteht aber kein Bedarf, haben wir doch in der Stube zwei qualitativ gute.

Es war neblig und man sah den vorderen Wagen kaum. Autofahren war anstrengend und risikoreich. Ich war müde und den Sinn der Fahrt nicht ein. Ich wäre lieber am Nachmittag nochmal zu Adrian in die Schule gegangen. Aber so sind die Präferenzen von Veronika. 

Über den Frühlingsanfang 2026 (Am Freitagabend 20.3. hat ihn Vater David gebracht. Am Sonntag-Abend 22.3.26 musste ihn auf 17.30 nach Maschwanden bringen zum Gottesdienst, wo ihn David abholte) kam Adrian zu uns. Er hatte einiges an Schulaufgaben zu erledigen:
Ein Vortrag von 4-6 Minuten über sein Pultbuch. Er bekam im Herbst 2025 die Aufgabe ein Buch zu lesen und im Frühling darüber zu berichten. Mutter Milena brachte ihm von der Bibliothek von Cham das Buch 'Die gestohlene Zeit' heim. Er hat es in den Weihnachtsferien im Ferienhaus in Amden gelesen, alle 320 Seiten. Es hatte keinen Schnee und Adrian viel Zeit. Das Buch hatte er nicht mehr. Wir stützten uns auf wenige Informationen von Milena, die das Buch auch gelesen hat. Adrian hat mir erzählt, was für ihn wesentlich war. So entstanden an die zehn Folien.
Ein zweiter Vortrag stand noch an: ABBA, die schwedische Band.
Des weiteren hatte er Wörter in Französisch und Englisch zu übern. 
Adrian war arbeitsam. Die Eltern haben mir auch vorgegeben, den Einsatz der elektronischen Geräte zu überwachen.



Adrian an der Basler Fasnacht am 20. Februar 2018. Im grünen Sack trägt er gesammelte Süssigkeiten.

 


Adrian im Kostüm an der Basler Fasnacht am 20. Februar 2018.

 


Adrian hat in der Pfadi als Cumuli gelernt, wie man ein Feuer anmacht. 8. August 2025. Feuerstelle bei Urdorf an einem Bächlein. Linus und ich haben es nicht geschafft.

 

Gabriel Casimir Lorenz
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16.2.  Unsere drei Enkel – Gabriel Casimir Lorenz.
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Gabriel Wild mit seinen 5 Jahren löscht die Wachskerzen am Weihnachtsbaum im Tiergarten 50. 25. Dezember 2019.

Auf seinen elften Geburtstag habe ich ihm ein Buch über seine ersten Lebensjahre mit uns Grosseltern geschenkt. Auch bin ich auf seine Vorfahren mütterlicherseits eingeganben.
Korrigendum im Buch Gabriel von Oktober 2025:
Seite 61: Der Ausflug fand unter Freundinnen statt, ohne Mutter Ida Lüscher. Die Freundin rechts aussen hiess Trudi Zehnder. Der Name der Freundin (2. von links) müsste bei Ruth Bucher-Lüscher nachgefragt werden.
Seite 63: Auf der Foto vom 60. Geburtstag von Sylvia (Taufname) Lüscher-Steiner ist Sohn Jürg (nicht Peter).

Das letzte Wochenende im März 2026 wollte er bei uns verbringen. Kaum war er in unserer Wohnung, sass er mit einem Zeichenblock auf dem Sofa und zeichnete freihändig eine Schildkröte. Mich hat das gefreut. Er musste für die Schule noch Umrechnungen von Tagen, Stunden, Minuten und Sekunden machen. Am Abend war er müde. Er sagte, am anderen Morgen würde er sein Medikament Ritalin nehmen (30 mg, im Vergleich Adrian 30 mg, Linus 10 mg) zur Verbesserung seiner Konzentration. Und siehe da, die Aufgaben waren im Nu gelöst und glaube auch verstanden. Am Nachmittag brachte ich ihn nach Knonau, wo er im Schützenhaus ein Gespräch hatte. Er sucht neben der Pfadi eine neue Sportart zur Ablösung vom Handball. Soweit ich verstanden habe, wollen Vater und Kinder vom Handball weg. Pfadi ist Gabriel wichtig. Das hat mich gefreut. Gabriel hat viel erzählt von seinen Streichen in der Schule mit Kollegen. Er ist immer in Bewegung. Am Sonntag hat es mich gefreut, dass er mit mir Aufgaben aus einem Rätselbuch von Veronika für Senioren Aufgaben gelöst hat wie: Kater+Maus+Maus=Tiger, wobei jeder Buchstabe eine Ziffer darstellt. Er hat gute logische Überlegungen angestellt (ohne Ritalin). Es waren befriedigende zwei Tage mit Gabriel.


Freihandzeichnung von Gabriel spontan auf dem Sofa. Zürich, Im Tiergarten 50, 27. März 2026.

 

 

Gabriel auf der Chinareise im Jahre 2017. Milena hat bei einem Wettbewerb eine Reise für die ganze Familie nach China gewonnen.

 


Lieber Grosspapi, ich wünsche dir lustige und fröhliche Weihnachten. Können wir wieder eine Familienwanderung machen. Liebe Grüsse Gabriel, 25. Dezember 2025

 


Gabriel ist mit Familie in England. Die Karte an Veronika vom 4. August 2025: Liebe Veronika, wir sind im Tower gewesen. Dort haben wir die Kronjuwelen angesehen. Sie waren sehr wertvoll. Dann gibt es noch Wachen, die heissen Human Brothers. Die müssen zuerst 20 Jahre beim Militär sein. Dann hat das Schloss Raben. Liebe Grüsse Gabriel.

 




Linus Christopher David
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16.3.  Unsere drei Enkel – Linus Christopher David.
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Deine ersten Lebensjahre mit deinen Grosseltern Veronika und Niklaus

Du – Linus – bist im Spital Affoltern am Albis zur Welt gekommen und wuchst zuerst in Knonau in der Erdgeschoss-Wohnung neben der Bäckerei/Konditorei an der Schmiedgasse 3 auf. Im April 2020 zügeltest du ins Einfamilienhaus am Bergli 7 in Knonau.

Anfänglich holten wir Linus jeweils am Mittwoch-Nachmittag ab und er verbrachte eine Nacht und den Donnerstag mit und bei uns im Tiergarten. Am Donnerstag-Abend brachte ich ihn zu Monica Hitz, der Mutter seines Vaters David.

Dieses wöchentliche Wiedersehen genossen wir sehr.

Im Sommer 2022 kam er als 4-Jähriger in den Kindergarten. Von da an sahen wir ihn jeweils einige Tage in den Ferien oder manchmal auch an Wochenenden – aber nicht mehr regelmässig.













Linus Wild am 25. Dezember 2024 mit seinem gewünschten Geschenk vor dem Christbaum.


Nach Paris mit Adrian (6. bis 9. Oktober 2025) hatten wir die andere Herbstferien-Woche den jüngsten Enkel Linus fünf Tage bei uns. Wir alle genossen die Zeit. Wir hatten es schön miteinander. Linus unterrichtete uns.




Linus an der Primarschule Knonau

Am 16. Juni 2026 ist David für einige Tage mit seinen Brüdern am Wandern. Milena hat am Dienstag morgen früh eine Lektion an der Kantonsschule Rotkreuz. Ich werde um 6.30 Uhr erwartet im Bergli 7 in Knonau. Linus schläft noch, ist langsam am Aufwachen. So gegen 7 kommt er selbständig nach vorne. Er frühstückt, Brot, Butter und Konfitüre. Es ist ein besonderer Tag. Er hat seinen Ausflug mit der Klasse, in den Tierpark Goldau.
Milena meinte, ihm wäre vielleicht das Pfadi-Büchlein noch hilfreich, habe es dort doch Tierspuren abgebildet. Wir schauen dieses Büchlein durch und füllen vorne die Angaben aus. Linus ist getauft worden. Linus blüht richtig auf und erzählt mir.

Ich begleite ihn zum Bahnhof. Er erzählt von seiner Freundin Alicia (spanischen Ursprungs). Auf dem Bahnhof durfte ich ein Foto von ihr und ihm machen. Auch habe ich eine Foto von zehn 1. und 2. Klässlern beim Warten auf die S-Bahn auf dem Bahnhof Knonau.


Linus Wild auf dem Weg zum Bahnhof Knonau. Schulausflug in den Tierpark Goldau. 16. Juni 2026. Baumgartenweg.

 


Linus Wild (2. Klasse) mit Alicia Waldeck (1. Klasse) warten auf dem Bahnhof Knonau auf die Abfahrt des Zuges nach Arth-Goldau, wo der Schulausflug in den Tierpark führt. 16. Juni 2026.

 


Schülerinnen und Schüler aus der 1./2. Klasse C vom Schuljahr 2025/26. 16. Juni 2026. Vlnr: Alexandra Komijn, Yascha Peter, Joana Henke*, Sarina Huchuli*, Laura Jegge*, Levi Alexander, Linus Wild*, Tariq Dzanic, Elio Carballo*, Neo Meienberg*, Frau Julia Fassbind, Fachlehrerin. *Zweitklässler.



Linus in der 2. Primarklasse in Knonau
(18. August 25 bis 10. Juli 2026):

Mit zehn Mitschülerinnen und Mitschülern besuchte Linus die Unterstufe bei der Klassenlehrerin Lilly von der Heyde. Diese wurde unterstützt von der Heilpädagogin Anna-Lea Marti und den drei Fachlehrpersonen Julia Fassbind, Christine Meyer und Eva Wey. Im Klassenzimmer waren zur gleichen Zeit auch zehn 1. Klässler.

Linus war der Jüngste in der 2. Klasse, wie die Namen- und Geburtstagsliste zeigt:

Jara Birbaumer – 04.11.2017. Samira Brun – 20.08.2017. Elio Carballo – 30.03.2018. Joana Henke – 30.10.2017. Sarina Hochuli – 11.09.2017. Laura Jegge – 11.08.2017. Neo Meienberg – 30.01.2018. Henrik Trüssel – 09.03.2018. Luca van Zundert – 11.01.2018. Linus Wild – 23.05.2018. Anina Zanella – 28.03.2018.

Dein erstes Schuljahr dauerte vom 19. August 2024 bis zum 11. Juli 2025. Die Primarschule befand sich oben auf dem Hügel. Der Schulweg führte dich durch den Baumgartenweg hinunter zur Kirche und beim Dorfbrunnen vorbei den Stich hinauf zur Schule mit Turnhalle. Schwimmunterricht hattest du in Mettmenstetten.




Pfandfinder - Pfadi Säuliamt

Im UFLA (Auffahrtslager) wurde Linus in der Pfadi Säuliamt getauft auf den Namen Scoskie (Seestern).

Der Pfadiname Scoskie (Seestern) symbolisiert Ausgeglichenheit, Ruhe und Standhaftigkeit. Seesterne bewegen sich langsam und bedacht, was für ein ausgeglichenes und gelassenes Wesen steht. In der Pfadi wird damit ein Charakter beschrieben, der harmonisch, zuverlässig und besonnen ist – jemand, der in der Gruppe Ruhe ausstrahlt und dennoch fest im Leben verankert ist.

Das frühere Pfila mutierte zum Ufla, weil der Bund nur noch Lager finanziell unterstützt, die vier Tage dauern. Pfila dauerte drei Tage (Sa, So, Mo), Ufla vier Tage von Do-So

Meute Chuchundra der Buben-Pfadi Säuliamt. 2026. V.l.n.r. vordere Reihe: Linus Wild v/o Scoskie, Tornado, Yanis v/o Asterix (Bruder von Knorr), Chino v/o M-Riss, Rocket, …, 2. Reihe: Gabriel Wild v/o Yeti (Bruder von Scoskie), Finn v/o Strobo, Mael, …, …., 3. Reihe: Jorin Huber v/o Squirell, Phu

 

Sommerferien 2026 (erste zwei Wochen)

Deine zwei Brüder Cumuli und Yeti waren zwei Wochen im Sommerlager in Sarouf in der Gemeinde Surses GR. Du besuchtest diese mit deinen Eltern am Wochenende. Die ganze erste Woche warst du mit uns zusammen. Wir besuchten in Absprache mit dir das Seebad Mythenquai, den Affenberg bei Salem, die Therme mit dem Sportbad in Konstanz, die Glasi Hergiswil und den Üetliberg. Nach einem Tag mit Aktivitäten schalteten wir einen Ruhetag mit Spielen zu Hause ein. Du warst sehr zufrieden. In der Therme hast du dich mit Taucherbrille und Schnorchel bestückt die ganze Zeit im Wasser bewegt.

Am 19. Juli 2026 haben dir deine Eltern eine Huawai-Armbanduhr geschenkt, u.a. mit einem Schrittzähler. Das hatte den Vorteil, dass du ohne weiteres von der Therme zur Pizzeria beim Casino dem See entlang gelaufen bist oder vom Üetliberg zur Fallätsche, hinunter zur Manegg und vorbei am Albisgüetli nach Hause (22’000 Schritte).

Für uns alle waren es schöne acht Tage, friedlich und harmonisch. Auch dein Bedürfnis nach bewegten Bildern konnte gestillt werden, indem du mit uns Filme geschaut hast oder Beiträge auf deinem geliebten Kinderkanal.
Wir haben das 319 Seiten dicke Buch von Räuber Grapsch fertig gelesen (begonnen vor einem Jahr). Sogar ein Puzzle mit 500 Teilen haben wir komplett zusammengestellt – innerhalb einer Woche.

Das Wetter zeigte sich immer von der sonnigen Seite. Inder ersten Ferienwoche hatten wir eine Hitzewelle mit einer Maximaltemperatur von über 30° C an mehreren Tagen nacheinander. Die Abkühlung im Wasser tat gut. Die Wohnung war abgedunkelt und angenehm kühl.

Linus wiegt am 21. Juli 2026 32 kg. Ich kann ihn nicht mehr tragen.


50 Jahre Affenberg. Die Berberaffen faszinieren Linus. Er stellte Fragen an die Aufseher. Die letzte Aussiedlung nach Marokko/Algerien fand 1986 statt. Diese Foto wünschte Linus ausdrücklich. Er kennt sein Recht auf das eigene Bild und geht mit diesem Recht sparsam um. Affenberg bei Salem am 14. Juli 2026.

 


Unter Platanen im Oberhof Birnau geniesst Linus einen Schluck alkoholfreien Bodensee-Seco (Boseco) nach dem Besuch der Berberaffen auf dem Affenberg. 14. Juli 2026

 


Zum Frühstück liest Grossvater Niklaus seinem Enkel Linus aus dem Buch 'Räuber Grapsch' interessante Geschichten vor. Balkon Wohnung Im Tiergarten 50, 15. Juli 2026

 


Linus will alles wissen über das Auto – einen 11-jährigen BMW 2. Er drückt alle Knöpfe und präsentiert sich stolz. Tiefgaragenparkplatz Im Tiergarten 50, 16. Juli 2026

 


Ferienfeeling am Gnadensee, beim Strandbad auf der Insel Reichenau. Ein kühles Plätzchen für einen Coupe beim Hitzetag. 16. Juli 2026

 


Linus in der Glasi Hergiswil. Optische Wirkung des Glases. Linus wollte eine Foto seines 'angeschwollenen' Bizeps. 20. Juli 2026

 


Veronika und Linus auf der Honegg, ob Ennetbürgen. Nach Besuch von Glasi Hergiswil und Grosstante Ruth Bucher-Lüscher in Buochs. 20. Juli 2026

 


In der Pizzeria La Fortuna am Bodensee zeigt Linus sein am Vortag von seinen Eltern geschenkte Huawai-Armbanduhr. Nach Thermenbesuch und Spaziergang dem Bodensee entlang. Ein Tag mit mehr als 10'000 Schritten. 21. Juli 2026

 


Zum Start der Wanderung klettert Linus den Abhang hoch und will eine Foto. Üetliberg zwischen Bergstation und 'Sonne' vom Planetenweg. 22. Juli 2026

 


Stolz zeigt Linus seiner Grossmutter Veronika die Anzeige '10'000 Schritte mit goldenem Schuh' auf seiner Huawei-Armbanduhr, die er vor zwei Tagen von seinen Eltern erhalten hat. Teehaus Fallätschen. Wanderung resp. Schritte machen vom Üetliberg her. 22. Juli 2026.

 


Bei der Manegg zeigt sich Linus als Bandit. Veronika und Niklaus sekundieren ihn. 22. Juli 2026

 




Familienleben
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17.  Familienleben
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Familienalltag
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17.1.  Familienleben – Familienalltag.
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Veronika hat den Familienalltag bestritten.

Wenn auf dem Esstisch ausnahmsweise kein Blumenschmuck stand, fiel das wegen ungewohnten Leere auf. Eine gepflegte Wohnung und saubere Kleidung waren Veronika wichtig. Sie hatte ein Auge für Unstimmigkeiten. Sie scheute keinen Aufwand, sei es beim Einkauf von Möbelstücken, Pflanzen, Kleidern, Nahrungsmitteln. Auch bei der Verarbeitung von Lebensmitteln war ihr nichts Zuviel, bei hohem hygienischen Niveau oder auch bei den Kleidern, z.B. Stoffnastücher gehören gebügelt.

Die Familie stand an erster Stelle, vor allem bei Veronika. Sie war es, die die Kinder betreute im Alltag. Weil sie in ihrer Jugend nicht gefördert worden war, legte sie Wert, dass die Kinder neben der Schule ein Musikinstrument lernen konnten oder dass sie in der Freizeit in die Pfadi gingen. Sport stand weder bei ihr noch bei mir im Vordergrund. Von unserer eigenen Jugend kannten wir das nicht und übten selber keine spezifische Sportart aus.
Weihnachten im Laufe der Jahre
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17.2.  Familienleben – Weihnachten im Laufe der Jahre.
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Zuhause im Steigbach waren Weihnachten für uns ein Höhepunkt im Jahreskreis. Vater hatte in der Milchsammelstelle zu tun bis ca. 20 Uhr. Sobald er in der Stube war, begann das Fest mit Singen, Essen und Geschenken. Die Mitternachtsmesse, damals noch um 24 Uhr in Teufen, war fester Bestandteil des Rituals. Bis zu meiner Heirat war ich nur an der Weihnacht 1974 nicht dabei, weil ich auf meiner Reise in Zaire auf dem Weg zu den Pygmäen war.

In den Anfängen unserer Ehe haben wir die Mutter von Veronika, Ida Lüscher-Bolliger, zu uns nach Zollikon geholt und mit ihr an Heiligabend gefeiert. 

Viele Jahre kamen tags darauf, am 25. Dezember, jeweils Veronika's Bruder Hansjörg mit seiner Frau Sylvia und seinen Söhnen Peter, Jürg und Urs Lüscher, auch nach Zollikon. Sie nahmen am Abend die Mutter wieder zurück nach Muhen. In Zollikon hatten wir bereits den runden Eichentisch mit den Metallfüssen.

Milena war etwa elf Jahre alt, als ihre Grossmutter Ida 1992 gestorben ist. Hansjörg war Götti von Raphael und er kam weiterhin mit seiner Familie zu uns. Nach seinem Tod im im Februar 2007 bestand von Seiten der Witwe Sylvia Lüscher-Steiner kein Interesse mehr am Kontakt. 

In den Tagen bis Neujahr besuchten wir meist Veronika's Schwester Ruth, damals wohnhaft in Berikon und später in Birmensdorf und als Pensionierte in Engelberg, Emmeten, Ennetbürgen, Buochs. Als die Kinder grösser waren, so ab 1990, reisten wir mit dem Familienclub Zollikon nach Lenzerheide in die Skiferien.

Mit den Jahren waren zeitweise auch Veronika's Schwester Ruth und ihr Mann Hans Bucher dabei bei uns im Tiergarten. Meines Erachtens funktionierte dies erst in unserer Wohnung im Tiergarten, wo wir den Tisch mit Zusatzplatten für zehn Personen herrichten konnten. 

Milena hat Broschüren erstellt mit Weihnachtsliedern. Ihr Freund David Hitz hatte einen grossen Drucker, mit dem er auch für die Pfadi Vennes ihre Zeitschrift druckten. Diese Liedersammlung hat uns im Tiergarten seit den 2000-er-Jahren gute Dienste geleistet.

Als Milena in Bonstetten an der Büelmatt 6 in der Maisonnette-Wohnung wohnte, lud sie uns – Veronika, Niklaus, Raphael und Isabelle –, ihre Schwiegermutter Monica Hitz und die Grossmutter Hitz (von der Seite von David's Vater Hitz) ein. Adrian ass viele Physalis, Veronika mahnte ihn an die Folgen. Monica verging darauf der Appetit, weil Veronika ein ihr unpassendes Wort gebrauchte. Diese Weihnachten 2013 waren das erste und einzige Mal in dieser an sich passenden Formation. Milena beabsichtigte die Übernahme der Weihnachtsorganisation für ihre ganze Familie mit allen Vorfahren. In der Folge waren die nächsten Jahre unser Teil der Familie im Tiergarten, aber nicht mehr alle an Heiligabend. Die Familienerweiterung, wie vielfach beobachtbar, fand bei uns nicht statt. 

Je nach Angebot nahmen wir an einem Familiengottesdienst in der Prediger- oder der Bühlkirche oder in einer beiden Kirchen in Zollikon teil. Vom Besuch der Mitternachtsmesse nahm ich aus praktischen Gründen Abstand. Einmal besuchten wir in 'meiner' katholischen Kirche St. Peter und Paul einen solchen und waren erstaunt über die voll besetzte Kirche und den grossen Kirchenchor, der uns sage und schreibe von Mitternacht an zwei Stunden besungen hat. Dort trafen wir Hans und Ruth Bucher-Lüscher, die damals in Birmensdorf wohnten. Dieses Erlebnis war für mich eine grosse Ausnahme und etwas zu viel des Guten.

Die Zeit um Weihnachten/Neujahr stand im Zeichen der Familie Lüscher. Meine eigenen Geschwister besuchten wir um diese Zeit nie. Wir trafen uns stattdessen seit dem Tod der Mutter Maria Wild-Büchel im 1981 eigentlich jedes Jahr am Familientreffen mit anfänglich 20 Personen und später mit 50 bis 60 Teilnehmenden irgendwann in den Sommermonaten. 

Mein Vater hat als Schreiner selber eine Krippe gebaut, die alle Jahre aufgestellt war. Für mich gehörte dies dazu. Für meine Familie beschafften wir im Heimatwerk eine mit in Brienz geschnitzten Figuren. Jedes Jahr kaufte Veronika wieder eine dazu: Stall aus Holz mit Strohdach, Josef, Maria und Jesus in Krippe, Hirte mit Stock, Hirte mit Flöte, Esel, Schaf, Könige Caspar, Melchior, Balthasar mit Gold, Myrrhe und Weihrauch.
 
Von meinen Eltern war ich gewohnt, dass die Krippe am Drei-Königs-Tag mit den drei Königen ergänzt wurde und erst danach abgebaut wurde und der Alltag Einzug gehalten hat. In meiner Familie war die Weihnachtsdekoration so bis Ende Jahr präsent. Am 3. Januar hatte meine Frau Veronika Geburtstag und diesen wollte sie nicht in Weihnachtsdekoration feiern. Weil die Leute gesättigt waren, feierten wir den Geburtstag meist zuhause im Kreise der Familie mit einem (zur Hauptsachte von Veronika vorbereiteten) Essen. Ein Restaurant zu finden an diesem Tag – in Zürich vielfach der erste Arbeitstag – stellte sich immer als schwierig heraus.

Als AHV-Bezüger zog mich Veronika mehr und mehr in die Weihnachtsvorbereitungen mit ein. Das war gut so, denn nur so erfuhr ich, welch enormen Aufwand sie all die Jahre alleine getrieben hat. Sie hat alles im Kopf und erbringt die sogenannte 'Mental Load'. Im November will sie alle Geschenke beschafft und eingepackt haben. Seit 2025 werden grundsätzlich nur die Enkel beschenkt.

Im Dezember 2025 begannen die Weihnachtsvorbereitungen. Veronika studiert Menüs für den 24. und 25. Dezember und blickt zurück auf Gelungenes und weniger Gelungenes. Dieses Jahr ist das zweite Mal Fondue Chinoise angesagt, mehr aus Rücksicht auf Milena und ihre Kinder, die das so wünschen, als aus einem eigenen Bedürfnis heraus. Im Rückblick sagt Veronika, es sei trotz allem eine aufwendige Vorbereitung mit all den Saucen und dem Gemüse. Für 1.2 kg Fleisch (Rind, Kalb, Lamm) zahlte ich beim Metzger Künzli Fr. 143.-, für 1.2 kg Schwein und Rind tiefgefroren bei Migros Fr. 60.-, gegessen wurden insgesamt 1.8 kg. In der Weihnachtswoche kauften wir bei Edeka für 70€, bei Künzli für Fr. 60.-, bei Migros für Fr. 197.- (im Laden merkt Veronika an, jetzt hätte sie bald das 2-fache, wenn nicht 3-fache eingekauft! Zuhause beklagt sie unseren kleinen Kühlschrank mit zu kleinem Gefrierfach. Auf dem Balkon haben wir mit zwei Sagex-Kisten das Kühlvolumen erweitert.), Fr. 130.- für Gemüse und Fleisch. All das reichte gut und gern bis am 5. Januar 2026. Manchmal habe ich das Gefühl, auswärts essen könnte eine Option werden, wenn die Kräfte nachlassen, damit wir den Advent wieder geniessen könnten mit mehr Musse und kontemplativen Anlässen. Die Idee zum Mieten einer Wohnung in den Bergen über die Festtage ist überlegenswert. Vielleicht gäbe es dann eher Schritte in der Natur statt in den Einkaufsläden.

Am 2. Adventssonntag legte mir Veronika in ca. drei Stunden am Tisch all ihre Überlegungen dar: Christbaum, Anordnung der Tische. Wir machten einen Testlauf mit Einbezug aller drei Tische, der zugehörigen Moltons und Tischtücher. Neu haben wir im Dezember 2025 nach langen Jahren über dem Eichentisch im Wohnzimmer eine Pendelleuchte ph5 montieren lassen. Das nahm uns etwas Flexibilität, weil Veronika wollte kein Caquelon unter dieser heiklen Lampe. Veronika meinte, ich sei mir gar nicht bewusst, wie viele Arbeiten anfallen.  Meine Aufgabe war: Tischdecken an Weihnachten und die zwei Bouillons für die zwei Caquelons vorbereiten. Aber immer war ich der willfährige Helfer in Küche, Wohnung und Geschäften, auch wenn es bei letzteren ums Zahlen und Tragen ging. 

Sie wollte auch alle ihre an die 15 Weihnachtskarten bis Mitte Dezember versandt oder mindestens vorbereitet haben. 

Die Woche drauf machten wir jeden Tag oder Abend eine Sorte Guetzli, Brunsli, Zimtsterne, Makarönli, Blätterteigsterne (in Tiefkühlfach bis Weihnachten) sowie ein spanischer Traum. 

Für mich stellte sie dazu alle Zutaten bereit für diese 'Zauberhafte Leckerei Dos Almendrados. Sie sagte, ich solle dies im Laufe des Tages machen. Während sie abends vor dem Fernseher war, begann ich mit dem Teig, machte die Guetzli und drückte die Mandel darauf, schob das Ganze in den Backofen. Als ich die 20 Stück aus dem Ofen nahm, roch dies Veronika. Sie kam und war leider gar nicht erfreut, denn sie wollte von mir nur den Teig, die Guetzli wollte sie selber machen. Meine gefielen ihr nicht. An Weihnachten sagte sie aber, sie seien sehr gut. Veronika servierte erst am Heiligabend die ersten Guetzli. Dieses Beispiel zeigt, Veronika hat Mühe loszulassen oder Unterstützung anzunehmen. Sie akzeptiert nur Unterstützung für bestimmte Handlungen und erst noch zum ihr passenden Zeitpunkt, im Sinne von Handlangertätigkeiten. Ich habe mich daran gewöhnt, obwohl sie sich immer danach sehnt, dass ich selbständig kochen würde wie z.B. Kurt Venzin v/o Schuss.  

Diese Eigenheit von Veronika hat dazu geführt, dass Milena 2025 den Dessert mitbringen durfte und Isabelle zwei Saucen. Veronika will die Kinder nicht belasten, haben diese doch beruflich oder familiär schon genug um die Ohren. Im Laden kauft Veronika aber doch noch Glacé für die Enkel ein, obwohl sie vielfach über das zu kleine Gefrierfach klagt. Dieses Verhalten ist widersprüchlich.

Für den Weihnachtsabend mit Isabelle hat sie drei Möglichkeiten: 1. Beim Metzger hat sie 1.2 kg Rinderroulade wegen eines Rezeptes in einem deutschen Heftli gekauft. 2. Bei Metzger Künzli am 22.  noch einen Fleischkäse gekauft, weil Isabelle am Telefon gesagt habe, das würde ihr auch gefallen. 3. Bei Migros am 23. 12. noch 3 Kotelettes gekauft und am gleichen Tag 1 kg Rotkraut vorbereitet.

Raphael bekam keine Aufgabe, weil sie nicht wollte, dass er am 25. Dezember auch noch in ihrer Küche hantiert. Julia Bucher und Raphael übernachteten an Weihnachten 2025 deshalb nicht bei uns wie andere Jahre. Er hatte einen Tesla gemietet und fuhr am 24. zu den Eltern von Julia und am 25. zu uns, wobei sie zuhause in Basel übernachtet haben.

Einen Unterschied zum Jahre 2024 ist spürbar. 2024 stand das vierte Quartal im Zeichen von 'Einkaufen, speziell der Geschenke'. Raphael hat sich Mühe gemacht mit Zeichnungen zu den Geschenkpäckli. Letztlich gab es am 25. Dezember 2024 abends um 5 Uhr trotz allem Tränen bei Adrian. Er hat zweimal das gleiche Puzzle bekommen, aber nicht sein insgeheim erhofftes iPhone. Das hat er auf seine Sekundarschule im Sommer 2025 erhalten. Es wurde beschlossen, künftig nur die Kinder zu beschenken und das Weihnachtsessen einfacher zu gestalten. Das war allerdings früher schon beschlossen worden. 2024 wurde Fondue Chinoise an zwei Tischen mit zwei neuen Caquelons serviert. 

Im 2025 ist alles entspannter. Die Krippe haben wir Milena am 5. Oktober 2025 nach Knonau gebracht. Ich wollte sie auf Ricardo versteigern. Diese hat uns all die Kinderjahre begleitet. 

Seit 2023 sagt Veronika während der Vorbereitungen immer, sie möchte einmal über die Festtage eine Wohnung mieten in den Bergen und sagen: Jedermann kann vorbeikommen. Dann würde sie diesen etwas anbieten. Am liebsten wäre ihr, wenn immer nur zwei bis drei Gäste zur gleichen Zeit kämen.

Zufriedenheit an Weihnachten war generell immer gut. Der ganze Aufwand scheint sich zu lohnen. Man muss diesen Aufwand von dieser Seite aus sehen und dankbar sein, dass wir mit bald 75 Jahren dies immer noch hinbringen. Für all die Arbeit im Advent während unseren mehr als 45 Jahren zusammen möchte ich Veronika hier auf diese Art ganz herzlich danken. 

In der Familie trinken wir fast keinen Alkohol mehr. Ich offerierte Prosecco, Weiss- und Rotwein und stellte auch Portwein und Cognac in geschlossenen Flaschen auf. Drei Personen tranken Porto. Veronika sagte mir nachher, diese Spirituosen benötige sie beim Kochen, vor allem für Desserts. Ich müsse die nicht trinken. 

Bei den Wilden-Treffen ist es immer eher laut, alle reden miteinander. Wir waren es so gewohnt von der Grossfamilie her. Milena sagte, so mit 20 hätte sie bei der Familie Hitz verkehrt und auf einmal gespürt, wie ruhig es zu und her gehe. Man redete miteinander und nicht durcheinander. Ich (als Vielredner) habe mich mit Veronika an Weihnachten 2025 an den alkoholfreien Kindertisch platziert, damit die Berufstätigen unter sich am anderen Tisch reden konnten. Selber habe ich mich vorwiegend mit den Enkeln unterhalten. Diese Tischordnung mit den Tischkärtchen hat sich bewährt.

2025 schienen alle zufrieden zu sein: Beim Verteilen der Geschenke verteilt jene Person, die eines bekommen hat, eines, aber nicht sein eigenes. Es wird nur ein Geschenk auf einmal geöffnet, damit Aufmerksamkeit darauf gerichtet ist. Wir haben aus der von Milena vor Jahren gedruckten Liederbroschüre gesungen. Die Kinder haben immer wieder Vorschläge gemacht und angestimmt.  Ich las keine Weihnachtsgeschichte mehr seit 2024. In früheren Jahren hatte ich von meinem Optiker Sehfelder jeweils ein Büchlein mit Geschichten bekommen oder Veronika hat in früheren Jahren eigens Büchlein gekauft.  Wir waren von 13 bis 19 Uhr zu zehnt in unserer Wohnung.

Wenn wir über Weihnachten 2026 nicht in die Berge gehen wie von Veronika immer erwähnt, hat sie bereits folgende Menü-Idee:
Diverse Salate zur Vorspeise (Randen, Gurken, gemischter, Kartoffel). Ev. Sushi.
Fleischkäse und Schinkli. Dörrbohnen. Lachs mit Toast-Brot. Fleischpasteten.
Die Tischordnung bleibt gleich mit zwei fünfer-Tischen.
Die Platten sind auf dem Eichentisch zum selber Schöpfen, wie es sich die Familie von Milena gewöhnt ist. 

Bei Veronika stelle ich manchmal Widersprüche fest. Sie redet immer schlecht über Zürich und schwärmt vom Landleben. Dies wahrscheinlich beeinfluss von Ihrer Lektüre von Landliebe und Landlust. Im Advent 2025 meldete ich meinen Wunsch an, einmal dem Nebel zu entfliehen. Wir schafften es nie in den fünf Wochen vom 1. Advent bis Dreikönig. Stattdessen zog es Veronika immer in die Stadt, sogar einmal an einem Samstag. Sie will ihre Schritte machen. Meine Hinweise auf den Üetliberg fruchten nichts. An einem Sonntag habe ich das Glarnerland vorgeschlagen. Heidi und Peter Heinzer waren an jenem Tag in Braunwald gewesen und haben an der Sonne 18'000 Schritte gemacht, wie wir später erfahren haben.






Monika und Niklaus vor der Krippe um Weihnachten 1963.

 


Weihnachten 25. Dezember 1987. Milena, Hansjörg, sein Göttibube Raphael, Ida Lüscher, Isabelle. Am Blumenrain 29 in Zollikon.

 

Die zehn in Brienz geschnitzten Krippenfiguren, die nach und nach im Heimatwerk gekauft haben. Milena hat die Krippe mit dem Stall im Jahre 2025 übernommen.

 



 

Weihnachten im Tiergarten 50. Jürg oder Peter Lüscher, Hansjörg Lüscher, Ruth Bucher-Lüscher. Sylvia Lüscher -Steiner, Urs Lüscher, Milena Wild, Niklaus und Veronika Wild-Lüscher, ca. 1995

 

 

Adrian gännt sich ein Weihnachtsguetzli am 25. Dezember 2017 im Tiergarten 50. Gabriel steht neben ihm.

 

Isabelle bereitet den Guetzli-Teller vor, einen mit und einen ohne glutenhaltige Süssigkeiten. Küche im Tiergarten 50 an Weihnachten 2025.

 


Isabelle hat ihren Neffen ein Flachwitzkreuzworträtsel in die Hand gedrück und sie so auf gute Art beschäftigt. Gabriel, Adrian, Linus, Isabelle Wild.

 

Beim Apéro an Weihnachten 25. Dezember 2025: Julia Bucher, Raphael, Veronika verdeckt Niklaus. Milena, Linus und Gabriel, Isabelle Wild. Im Tiergarten 50.

 

 


Familie am Tisch beim von Milena mitgebrachten Dessert. Linus, Julia Bucher mit Guetzli in Hand, Milena, Veronika (von hinten), Isabelle, David, Adrian mit Kuchen vor dem Munde. 25. Dezember 2025 gegen Abend. Adrian und Veronika haben die Stühle vom Eichentisch dazu genommen, nebst den Spaghettistühlen vom Esstisch. An der Wand sieht man die Weihnachtskarten, die Veronika aufhängt. In früheren Jahren waren es jeweils zwei Reihen.

 


Raphael spiet mit seinen drei Neffen im Gang, damit sich die Erwachsenen am 25. Dezember 2025 besser unterhalen können. Gabriel hat sich ein ferngesteuertes Auto gewünscht (auf Bild). Raphael hat allen drei eines von ihm zusammengesetztes gegeben, das er für einen Film gebraucht hat. Sie machen Wettrennen. Gabriel, Adrian, Linus, Raphael Wild. Der Eichenparkett wurde im März 2022 neu verlegt von Alexander Hess Zuzwil.

 


Apéro an Weihnachten 25. Dezember 2025. Christbaum (erstmals ohne Krippe wie all die Jahre davor). Gabriel, Adrian, Isabelle, Linus auf Polstergruppe. Veronika hat für alles und jedes Detail gesorgt.

 


Weihnachten 2021 im Tiergarten. Raphael, Julia Bucher, Veronika, Isabelle. (Linus liegend), Niklaus, Milena, Adrian, David Wild. 25. Dezember 2021.

 


Weihnachten 2025 (25.12): Zwei Tische (Esstisch und Balkontisch) à 5 Personen, ein Eichentisch mit Salaten, Gläsern und Getränken. Christbaum mit Lichterkette. Küchenablage mit vorbereiteten Saucen- und Gemüseschalen.

 


Blätterteigsterne, Tischkarten, Gemüse, Serviette, 12-teiliges Silberbesteck von Martha und Gianni Guerra-Wild zur Hochzeit 1978 zu einem Spezialpreis erworben.

 


Weihnachtsstern von Veronika in Liebe hergestellt, zum Voraus, dann tiefgekühlt und aufgetaut. 25. Dezember 2025, Im Tiergarten 50.

 


Tisch der Berufstätigen während des Apéros am 25. Dezember 2025 im Tiergarten 50. © Raphael Wild.

 


Pilze mit Körbchen zum köcherlen. Fleisch auf Teller. 25. Dezember 2025.

 

Kühlschrank am 24. Dezember 2025. Man sieht die Fleischplatte vom Metzger und darauf die Salate für Heiligabend mit Isabelle zusammen. Auf dem Balkon stehen zwei Sagex-Kisten als Aufbewahrungsmöglichkeit für Salate, Getränke, etc.

 


Einkaufsliste von Veronika am Dienstag 23. Dezember 2025

 


Aktivitätenliste von Veronika. Veronika erledigt jeden Tag gewisse Dinge. Sie hat das im Blut. So kann sie ihren Energiehaushalt steuern. Am Abend ruht sie und in der Nacht schläft sie lange. Weihnachtsvorbereitung 2025.

 

Gedeckter Tisch für Familienweihnacht am 25. Dezember 2021 im Tiergarten 50. Eichentisch, Silberbesteck, Platzteller. Christbaum mit silbrigem Schmuck

 

Fünf Sorten von Weihnachtsguetzli hat Veronika gebacken: Brunsli, Zimtsterne, Makarönlein, Spanische Süssigkeit, Dateln mit Marzipan. Vorrat am 26. Dezember 2025. In diesem Jahr habe ich gefühlt mehr Teig als Guetzli gegessen.

 


Nach 40 Jahren das letzte Mal im Einsatz bei Veronika und Niklaus. Raphael hat die Pakete mit selber gezeichneten Pinguinen angeschrieben. 25. Dezember 2024.

 


Meine Geschenke an Weihnachten 2024, z. B. Sitzkissen und Feueranzündemittel von den Enkeln. Dies war das letzte Mal, das man alle Anwesenden beschenkte.

 


Dekoration am Fenster Richtung Piazza. Advent 2025.

 


Dekoration vor der Wohnungstüre nach dem Samichlaus. Im Tiergarten 50. Advent 2025.

 

Advent und Weihnachten an Wohnungstüre im Tiergarten 50.

 


Advent 2025. Amaryllis auf dem Stubentisch. Pendelleuchte ph5 gekauft bei Seipp im Dezember 2024, montiert ein Jahr später vom Elektriker. Repetieruhr.

 


Adventsdekoration vor dem Hauseingang. Veronika passt diesen jeweils der Saison an. Advent 2025, im Tiergarten 50.

 


Wintermantel für Pflanze von Nachbar Markus und Irene Schwärzler im Tiergarten 49. Veronika pflegt diesen, weil die Bewohner viel in Griechenland oder Spiez weilen. Winter 2025/26.

 


Dekoration auf den Samichlaus hin vor der Wohnungstüre im ersten Stock.

 


Alltagsdekoration. Meist ist auf jedem Tisch ein Sträusschen. Im Vordergrund das Präsent der Liegenschaftenverwaltung PLAZZA AG, erstmal Guetzli statt einen Grittibänz wie all die 36 Jahre davor.

 

Neujahresdekoration vor der Wohnungstüre. Damit ist Weihnachten und Advent abgeschlossen, denn am 3. Januar, an ihrem Geburtstag will Veronika eine 'neutrale' 'Wohnung. 1. Januar 2026

 

 

Jahrestage oder Jubiläen
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17.3.  Familienleben – Jahrestage oder Jubiläen.
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Wiederkehrende Tage im Laufe des Jahres (Hinweise, Ideen)
Geburtstag von Veronika am 3. Januar: 40. im Sale e Pepe und Delle in der Decke in Wohnung. 70. Rosshofgasse 1. Überraschung Kulturpark, Frau Gerolds Garten. Überraschung Libanesisches Essen. 
Dreikönigstag am 6. Januar
Valentinstag am 14. Februar 
Fastenzeit ab Aschermittwoch
Ostern
Pfingsten 
Muttertag. Schützenhaus, Schützenmattpark. Park am Rhein. Kannenfeldpark.
Geburtstag von Niklaus am 24. Mai, 50. Zoo, Linde. 70 Lihn, 74 Steigbach Gäbris.
Hochzeitstag am 28. Juni und am 1. Juli. 45. Uitikon

Unsere Nationalfeiertage im Laufe der Jahre und speziell der 1. August 2024

Unsere Nationalfeiertage waren schon immer von einem besonderen Zauber geprägt. Als Kind erinnere ich mich lebhaft daran, wie wir im Appenzellerland kleine Schweizerfähnchen in die Geranienkästen vor dem Stubenfenster steckten und Lampions aufhängten. Eine grössere Schweizerfahne zierte den First des Hauses, gut sichtbar für alle. Am Abend entzündeten wir einige Sonnen und Vulkane, während Raketen wegen der Gefahr von den Eltern nicht erwünscht waren. Meine älteren Brüder liessen es sich dennoch nicht nehmen, Raketen in leere Flaschen zu stecken und anzuzünden.

Diese Traditionen hielten wir auch als Familie bei, zunächst zu Hause im Steigbach, später am Blumenrain 29 und Im Tiergarten 50, zusammen mit unseren Kindern. Nachdem diese ausgezogen waren, suchten wir neue Formen der Feier. Einmal besuchten wir einen Bauernbrunch bei Theres und Jakob auf ihrem Hof in Cazis, namens Frankriech.

In den 2010er-Jahren entdeckten wir das Rütli für uns. Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) organisierte 2008 eine besondere Feier, die wegen politischer Kontroversen besondere Aufmerksamkeit erregte. Die Anreise erfolgte per Schiff ab Luzern, wo wir mit einem köstlichen kalten Plättli bewirtet wurden. Das erste Mal war ich allein dort, da Veronika arbeiten musste. Trotz des Regens war es eine würdevolle Feier. Später fuhren wir ab Brunnen zum Rütli, und die Erlebnisse dort reichten von Begegnungen mit Notabeln wie Bundesrätin Calmy-Rey bis hin zu spannenden Begebenheiten wie dem Vorfall mit einer vergrabenen Bombe, die glücklicherweise nicht zündete. Solche Veranstaltungen verbanden wir häufig mit Besuchen bei Veronikas Schwester Ruth in Engelberg / Emmetten oder Wanderungen in der Region.

Im Jahr 2024 wollten wir etwas Neues ausprobieren. Veronika wünschte sich, die urige Schweiz auf einem Bauernhof im Appenzellerland zu erleben. Trotz unserer Pläne verzögerte sich die Anmeldung, und so beschlossen wir spontan, am 1. August nach Heiden zu fahren. Der Tag begann mit meinem regulären Thermenbesuch in Konstanz, doch das nahende Gewitter sorgte für Einschränkungen. Anschliessend führte Veronikas Spontaneität uns zu einem grossen Einkauf bei EDEKA und zu Kaffee und Kuchen im schönen Löchnerhaus auf der Insel Reichenau. Obwohl ich für die Wanderung in Heiden im Ausserrhodischen vorbereitet war, ergab sich durch den Feiertagsverkehr und ungeplante Besorgungen keine Gelegenheit mehr.

Wir holten das an einem anderen Tag nach. Ich habe eine schöne Rundwanderung von Heiden über die Hängebrücke zwischen Heiden und Grub auf den Fünf-Länder-Blick und weiter zum Restaurant Bären und zurück nach Heiden vorbereitet. Veronika hingegen stellte sich einen Spaziergang im kleinen Dorf Heiden vor und kleidete sich entsprechend. Nach dem Mittagessen beim Fünf-Länder-Blick wollte sie wieder zurück nach Heiden, wo wir die schönen Häuser, die Kirche und den Abschluss in einem gut gestalteten Kaffee neben dem ältesten Wohnhaus genossen. Heiden wurde vor ca. 200 Jahren von einem Brand heimgesucht und neu aufgebaut mit schachbrettartigem Strassenmuster.
Trotzdem waren diese Tage eine wertvolle Erinnerung. Veronika’s Hingabe, die Familie zu umsorgen, zeigte sich in ihrer Sorgfalt für frische Lebensmittel, Kleidung und ein harmonisches Zuhause. Sie geniesst diese Aufgaben und erledigt sie mit Leidenschaft – selbst an einem Tag wie dem 1. August. Diese Liebe zur Familie und zur Schweiz machte auch diesen Nationalfeiertag zu etwas Besonderem.

Geschrieben im August 2024 zu Hause im Tiergarten.





Geburtstag von Milena am 2. September 
Geburtstag von Isabelle am 25. September. 30 Stadt-OL
Geburtstag von Raphael am 23. Oktober. 40 Erpel Türlersee
Allerheiligen und Allerseelen
Advent
Weihnachten
Silvester

Jubiläen, Jahrestage bei Familien Wild-Büchel und Wild-Lüscher
Bei meinen Eltern und bei meiner eigenen Familie
Feiern im Laufe der Zeit, Taufen, Firmung, Konfirmation, Diplome, Geburtstage, Jahrestage

In meiner Jugend standen Feiern und Jubiläen vielfach im Zusammenhang mit der Kirche. Damals wurden beim Pfarrer Jahrzehnten gekauft und an den Todesdaten machte meine Mutter mit dem Pfarrer ab, an welchem Tag er unserer Toten gedenken würde. Damit waren vor allem meine Grosseltern-Teile sowie Onkel und Tanten gemeint.
An Geburtstagen bekam das Geburtstagskind vom Vater eine ganze Schokolade (damals war die 100 Gramm-Grösse üblich). Es war klar, dass diese Tafel mit den Geschwistern geteilt wurde. Süssigkeiten waren für uns eine Seltenheit.
Was gefeiert wurde, waren Erstkommunion und Firmung. Das Festmahl gab es zuhause. Ein Restaurantbesuch war nicht üblich,
Getauft wurden wir alle am Tag der Geburt. Die Taufe in der Kirche mit Pate und Patin stand im Mittelpunkt. Es gab keine spezielle Feier.
In meiner eigenen Familie fanden die Taufen in der katholischen Kirche Zollikon statt. Wir luden Gotte, Götti und Familienmitglieder ein und gingen essen z.B. im Restaurant Rumensee (heute eine Wohnüberbauung). Alle drei Kinder wurden in Zürich in der reformierten Kirche Bühl konfirmiert. Dazu luden wir auch Familienmitglieder, Gotte und Götti ein. Zum Essen gingen wir anschliessend z.B. zum Restaurant Muggenbühl.
Die Kindergeburtstage feierte Veronika in Zollikon jeweils zuhause oder in einem von der Gemeinde mietbaren Raum neben dem Spielplatz Blumenrain in Zollikon.
Bei den Diplomfeiern organisierte meistens die Schule einen Anlass und die Kinder unternahmen unter sich etwas oder gingen mit den anderen essen.
Erinnern mag ich mich an die Matura von Milena, die wir auf ihren Wunsch in der Commihalle zusammen mit der David und dessen Mutter Monica feierten. Ihr ETH-Diplom feierten wir an der ETH und essen ging sie mit Familie Hitz. Veronika und ich gingen allein nach Hause. Damals war es für mich nicht üblich, ein Restaurant zu reservieren. Familie Hitz hat das getan.
Bei Raphael gab es in Schiers einen Apéro riche. Zusammen mit seinem Kollegen Nils …. gingen wir in Malans essen.
Beim Abschluss seines Studiums in Luzern gab es in einem Hotel am See einen schönen Apéro riche mit all den Absolventen und deren Eltern.
Seinen 40. Geburtstag feierten wir im Restaurant Erpel am Türlersee (Adrian 10, Thea 20, Julia 30, Raphael 40)
Bei Isabelle gab es in Basel einen Apéro und die Verteilung der Diplome, an ihrer Matura an der GBMZ besichtigten wir und die anderen Eltern die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude in Altstetten.
Das Diplom an der Fachhochschule Rapperswil wurde feierlich übergeben. Die Frauen haben ihre Haare speziell hergerichtet. Nach dem offiziellen Teil gingen wir mit Isabelle im ‚I Dieci‘ in Rapperswil essen.
Zu ihrem 30. Geburtstag lud uns Isabelle zu einem Stadt-OL in Zürich ein.
Die Pädagogische Hochschule übergab das Diplom an einer würdigen Feier am 6. März 2024 im Hörsaal der PHZH. Anschliessend gab es einen üppigen Apéro und Fotografien. Isabelle ging nachher mit anderen Absolventen essen.
Unsere eigenen Geburtstage feierten wir zuhause. Ich mag mich erinner, dass Veronika ihren 40. Geburtstag im damaligen Sale e Pepe (Sieberstrasse 12, heute ein städtischer Kindergarten) gegenüber unserer Wohnung im Tiergarten gefeiert haben. Den Apéro nahmen wir bei uns ein. Eine Delle an der Decke zeugte über Jahre von einem Korken einer Champagnerflasche, der mir abging. Heute weiss ich, dass man den Zapfen in der Hand hält bis der Überdruck abgebaut ist.
An meinem 50. Geburtstag luden wir 50 Personen ein: Apéro im Zoo beim Bärenkäfig, Abendessen im Saal des Kyburgerhauses Linde Oberstrass. Mir ist letzthin beim Aufräumen von Dateien eine Liste möglicher Teilnehmer für diesen Anlass unter die Augen gekommen. Daraus ersieht man, wie sich Beziehungen über die Jahre ändern.
Bezüglich Jubiläen war Veronika meist vorsichtig, abwartend, überlegend, sodass meist nichts mehr organisiert werden konnte.
Ich selber hatte lange Zeit das Bedürfnis mich mit anderen auszutauschen, zu reden und auch Blödsinn anzustellen. Als Pensionierter mache ich das vielfach nur noch im Zweier-Gespräch. Veronika hat mir abgewöhnt, gross anzurichten. Dies liegt eher eher im Trend. Auch reduziere ich ab 2025 den Alkohol- und Zuckerkonsum.
Zum 70. Geburtstag luden Raphael und Julia ein an die Rosshofgasse. Es war 2021 während der Pandemie.
Für meinen 70. Geburtstag wollte ich – in meiner Vorstellung – 70 Personen einladen. Die Pandemie erlaubte das Zusammensein von höchstens zehn Personen, aber nur in einem Restaurant. Wir übernachteten im Hotel Lihn auf dem Kerenzerberg. Beim Abendessen durften höchstens vier Personen am Tisch sitzen. Linus feierte seinen 3. Geburtstag am Tag vor mir. Die Pandemie hat mich davor bewahrt gross anzurichten. Mir ist so wohler.
Meinen 74. Geburtstag feierte ich mit einer Familienwanderung auf dem Gäbris. Darüber habe ich einen eigenen Bericht verfasst.
Veronika überraschte ich zu ihrem 68. Geburtstag: Ich lud Gäste ein zum Apéro in der Wohnung von Isabelle und Raphael an der Schiffbaustrasse 9a. Zum Essen spazierten wir zu Frau Gerolds Garten, wo wir uns bei einem Fondue unterhielten. Weil ich damals gemäss Veronika die ‚falschen‘ Leute eingeladen hätte – vorwiegend meine Bekannten – wiederholte ich das Ganze an ihrem 72. Geburtstag mit Bekannten von ihr. Unsere Kinder und Enkel bereiteten bei uns zu Hause einen Apéro vor, währenddem wir im Konzert in der Tonhalle waren. Nachher gingen wir in der Kalkbreite ins Bebek libanesisch essen. Veronika hatte irgendwie an diesen Formaten keine Freude. Ab da überlasse ich ihr die Gestaltung ihres Geburtstages.
Nach meinem 74. Geburtstag habe ich für mich beschlossen, keine Aktivitäten mehr zu planen. Veronika hat für meinen 75. Geburtstag die Initiative ergriffen und lädt ins Albisgüetli ein. Sie wird mit den Gutscheinen, die ich ihr geschenkt habe, bezahlen und den Rest aus ihrem ‚Kiesgeld‘.
Mein 75. Geburtstag fand bei meteorologisch gesehen an einem der heissesten 24. Mai statt bei annähernd 26° C. Mit Alkohol habe ich mich zurückgehalten. Am Abend zu Hause hat Veronika noch japanischen Sake offeriert. Dies war mein erster Tropfen Alkohol. Ich konnte meine Familie beobachten. Ich setzte mich unten an den Tisch und hatte zur linken Linus (Jahre alt geworden am Vortag) und zur rechten Adrian, wie ich es mir gewünscht habe. Am anderen Tischende sass Julie flankiert von Isabelle und Raphael. Dort habe ich intensive Gespräche gehört, auch unter Teilnahme von Milena, die neben Raphael sass. Schwiegersohn David sass seiner Natur entsprechend eher ruhig da, meines Erachtens brachte er sich nicht ein in die Gespräche. Das Albisgüetli hat den Vorteil, dass wir zu Fuss gehen können. Zuhause assen wir Kuchen und andere Sachen. Milena und ihre Familie verabschiedeten sich nach dem Auspacken der Geschenke für Linus (Bienenhotel von Isabelle, Kleider von Veronika). Die Kinder diskutierten intensiv über die Gleichberechtigung. Julia und Raphael übernachteten im Tiergarten mit der Begründung, sie möchten wieder einmal in Zürich etwas unternehmen, da sie in Basel schon vieles kennen.
Thema Drohnen: Auf Weihnachten 2025 wünschten sich Adrian und Gabriel eine Drohne. Ich machte mich zusammen mit Raphael schlau. Wir kamen zum Schluss, dass es zu früh ist. Der TCS führt Kurse durch für Teilnehmende ab 16 Jahren. Dort lernt man auch die Vorschriften und Vorsichtsmassnahmen kennen und nicht nur das Fliegen der Drohnen. Zu meiner Überraschung haben Julia und Raphael mir eine Drohne DJI Neo geschenkt. Während des Essens haben wir die Drohne ausgepackt, die Batterien geladen und ich die zugehörige App installiert. Nach dem Essen gingen die männlichen Teilnehmenden unten am Schiessstand bei einer von mir erkundeten Wiese und unternahmen dort unsere Flugversuche. Ich staunte, wie einfach die Drohne zu bedienen war. Es machte Freude. Einzig David hielt sich zurück.
Fazit: Als Zuschauer lebt es sich gut. Warum nicht den anderen die Führung überlassen und sich selber zurücknehmen.
Veronika begann auf einmal, unseren Hochzeitstag (zivil 28. Juni, kirchlich 1. Juli) zu feiern. Für sie war es gleichzeitig auch ihr und mein Geburtstag – im Sommer zur Jahresmitte. Ich mag mich erinnern an die Restaurants Albisgüetli, Berikon, Erpel, Epi-Klinik, Schützenhaus Basel. Unseren 43. Hochzeitstag feierten wir 2025 im Restaurant Dörfli in Uitikon. Raphael hat uns fotografisch dokumentiert, die Enkel auf seinem Lastenvelo, einmal mit Raphael, dafür ohne Linus und einmal mit Linus dafür ohne Raphael.


Mögliche Fotostrecke: 2001 50. Geburtstag N. Zoo Bärengehege , 70. GT V Rosshof, 70. GT N Lihn, 68. GT Frau Gerolds Garten, Foto 30.GT OL, Foto 40.GT R Erpel. 75.GT Drohnenfoto Enkel, Raphael, David.
Gästeliste 50. GT N mit Fotos vergleichen, bei Gelegenheit.
Familienferien
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17.4.  Familienleben – Familienferien.
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Lenzerheide, Mailand, Rom, USA, Holland, Wien/Prag am 1.5., etc.
Ferien mit Familien Club Zollikon
2024 Treffen mit Aschi und Markus, 2009 do. früher do. Negative in Kiste im Keller, ev. auswerten, Namen der Familien eruieren

Nach der Kündigung im 2012 im Stadtspital Triemli machte Veronika im Chramschopf im Zollikerberg mit. Dort kannte sie mehrere Personen aus dem Familienclub, die an gewissen Samstagen von 10-16 Uhr auch freiwillig dort arbeiteten oder einkauften. (Lisi Huber, Markus Keinath, Madelaine Rahn mit Tom, Silvia und Markus Fischli, Rosmarie Epper, Iris und Anton Kuster, etc. .
Ihr Galerie-Team setzte sich gegen Ende ihres Einsatzes am 2. März 2024 wie folgt zusammen: Dominique Bühler (079 795 18 61), Rafaela Eberle (077 408 78 06), Rosmarie Epper (044 391 62 42), Therese Früh (044 391 25 09), Katharina Grau (044 391 60 36), Katharina Hegglin (041 750 69 46), Christa Huber (044 391 94 31), Vreni Imfeld (078 876 47 05), Marianne Isenring (044 391 73 26), Andrea Kaelin (079 342 92 21), Iris Kuster (044 391 95 57), Bea Lanz (044 273 40 40), Jeanette Maag (076 377 99 73), Ursula Rast (076 522 40 32), Lisa Rellstab (043 931 78 87), Giovanna Rimoldi (044 422 51 11), Marion Schatzmann (078 806 05 46), Vreni Tschannen (044 391 62 76), Veronika Wild (044 450 73 30). Für SOS-Fälle: Heidi Gresser (044 391 21 21).
Mobilität
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17.5.  Familienleben – Mobilität.
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Ein Auto zu haben, war vor und in meiner Kindheit nicht üblich. In meiner Jugend sah ich bei den Bauern, wie einer nach dem andern nebst dem Pferd oder dem Traktor einem Personenwagen, meist VW-Käfer später einen Subaru zugetan hat. Im Winter brachten die Bauern die Milch zum Teil mit dem Hornschlitten. Mein Vater brachte die Magermilch auch mit einem solchen Schlitten in den Stall unterhalb der Strasse.

Für meine Generation war das Auto ein Symbol des Fortschritts, der Freiheit und des sozialen Aufstiegs. Bereits meine Kinder haben ein anderes Verhältnis zum Auto. Sie spüren die Verminderung der Lebensqualität – vor allem in der Stadt.

[Die Entwicklung des Autobestandes ist beängstigend: 2025 waren in der Schweiz 6,6 Millionen motorisierte Strassenfahrzeuge immatrikuliert. Verglichen mit dem Jahr 2000 entspricht dies einer Zunahme von 43%. Unter den 6,6 Millionen Fahrzeugen befanden sich 4,8 Millionen Personenwagen und 0,8 Millionen Motorräder.

Am 7. September 1946, dem Tag der Einweihung der Sustenpass-Strasse, überquerten 15'000 Autos den Pass – ein Achtel des damaligen Fahrzeugbestands der Schweiz.]

In meiner Jugendzeit war ich eher stationär, zuerst im Steigbach und dann im Internat in Appenzell.

Zuerst war ich zu Fuss unterwegs. Eine schöne Erinnerung ist der gemeinsame Fuss-Weg zur Landsgemeinde, sei es nach Hundwil oder nach Trogen.

Mit der Mutter gingen wir manchmal nach St. Galen einkaufen mit der SGA, St. Gallen-Gais-Appenzell-Bahn.

In der fünften Primarklasse konnte ich von Bruder Tony unser einziges Herrenvelo  – mit Rücktritt – übernehmen. Mit diesem fuhr ich in die Schule oder frühmorgens zur Kirche in Teufen, wenn ich als Ministrant einen Einsatz hatte.

Für meine Einsätze als Briefträger so ab 15/16 Jahren konnte ich das 30-er-Töffli von Tony ausborgen. Mit diesem Töffli brachte ich es zusammen mit Maturakollegen Felix Sigrist bis ins Kollegi-Lager in den Jura nach Les Breuleux (Saigne-Legier) und mit Aldo Traxler an den Rheinfall.

Vor der Matura, so mit 19/20 Jahren, kaufte ich von einem Bauern seine Lambretta ab. Mit dieser unternahm ich zusammen mit Maturakollegen Aldo Traxler eine Reisen nach Florenz/Pisa und später besuchte ich Kollegen Sepp Habermacher in Montpellier und fuhr weiter nach Paris und England. Diese Lambretta hatte ich als Student an der ETH bis mir die Reparatur bei Fontana zu teuer geworden ist.

Bei meiner Afrika- und Asienreise nahm ich für den Rückweg das Flugzeug. Auf der Hinreise benutzte ich Bahn, Bus, Lastwagen, Schiff oder meine Füsse.

Der Vater hatte einen ersten Willy’s Jeep (aus militärischen Beständen mit US-Army Stern auf der Motorhaube) mit niederer Motorhaube und einen zweiten mit höherer Haube. Ganz zuletzt fuhr er einen Simca, der aber in Bühler auf einem Parkplatz stehend von einem anderen Gefährt zu Schrott gerammt worden war. Das Autokennzeichen war immer AR 1968.


Familie und Beruf

Als Student mietete ich einmal einen R5. Ich wollte die Gegend um Zürich erkunden und mir etwas Fahrpraxis aneignen. Dummerweise hat es geregnet. Im Rückblick war es ein gefährliches Experiment. Alles war neu für mich, die Strassen, die Signale, das Auto, die schlechte Sicht, die Orientierung. Ich habe das Ereignis nicht vergessen.


Für meine erste Stelle bei der Swissboring in Volketswil habe ich mit dem Geld von Veronika einen roten Renault R4 mit Stangenschaltung gekauft. Mit diesem bereisten wir Algerien und Tunesien. Dort ist ein tragender Teil gebrochen und in Tunesien geschweisst worden. Diese Reparatur wurde vom Strassenverkehrsamt nicht akzeptiert und ich verkaufte dieses Auto an einen Garagisten.

Als beim R4 ein Teil des Auspuffs durchgerostet war, musste ich die ganze Auspuffanlage ersetzen, was mir damals nicht in den Kopf ging. Wegen dieser bereits damals für einen Kunden nicht nachvollziehbaren Ersatzteilstrategie wollte ich nichts mehr von Renault wissen.

Wir kauften einen Opel Caravan, meiner Erinnerung nach eine Occasion, und später einen VW-Passat. Diese beiden Autos waren unsere Familienautos. Mit diesen reisten wir im Winter nach Lenzerheide. Von diesen Autos habe ich keine Aufzeichnungen mehr. Sie waren während unserer Familienzeit von 1982 bis 2000 im Einsatz. 

Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel ca. 1982

Ein Schreckensmoment liess mich auf den ÖV umsteigen.
Als junger Familienvater war ich wie damals üblich gewohnt, als Fortbewegungsmittel das Auto zu nehmen. Als ich ab 1982 in der Kläranlage Werdhölzli am anderen Stadtrand arbeitete, durchquerte ich von Zollikon her zweimal am Tag die Stadt Zürich mit dem Auto.
Eines Morgens im Winter waren die Scheiben zum Teil mit Eis bedeckt. Am Hegibachplatz hätte ich fast einen jungen Mann angefahren. Ich hatte so einen Schock, dass ich gesagt habe, ich fahre nicht mehr mit dem Auto in die Stadt. Ich löste ein VBZ-Abo für die Stadt und suchte einen passenden Weg. Dieser führte mich zu Fuss durch die Epileptische Anstalt zum Bahnhof Tiefenbrunnen. Dort bestieg ich das Tram Nr. 4, nahm auf dem vordersten Sitz links Platz, las die NZZ. Nach 40 Minuten stieg ich an der anderen Endstation aus. Am Abend, meist um 16.45 Uhr, ging es den gleichen Weg retour. Auf dieser Strecke las ich Fachzeitschriften oder in einem Buch. Abends konnte ich vor dem Essen noch auf den Spielplatz mit den Kindern, wo ich andere Väter traf.
Bei diesem Tagesablauf lernte ich die ‚Pause‘ im Tram schätzen als Übergang von der Arbeit ins turbulente Familienleben. Von daher rührt wahrscheinlich meine Zufriedenheit im Zug, weil ich es mit Pausengefühlen, Erholung, Meditation in Verbindung bringe.

Feudal reisen zur Zeit bei den SBB und am Flughafen

Bei den SBB hatte ich dank meiner Kaderposition nicht nur ein Generalabonnement 1. Klasse, sondern eine rote ‚VÖV-Karte‘ (Verband öffentlicher Verkehr), mit der ich auf allen öffentlichen Verkehrsmitteln, Bergbahnen (z.B. Jungfraubahn), Schiffen fahren konnte, die mich begleitenden Kinder ebenfalls. Ich machte verrückte Reisen, z.B. Basel-Paris mit TGV, Paris-Madrid, Madrid-Sevilla, Sevilla-Madrid (beide Strecken mit dem damals neuen AVE mit 300 km/h), Madrid Lissabon oder Bern-Barcelona mit dem Talgo Pendular über nacht hin und am abend nach Zürich zurück. 

Veronika war damals eher autoaffin. Man konnte sie höchstens mit einer Schlafwagenreise nach Rom begeistern. Dies praktizierten wir einige Male mit Isabelle zusammen. Mit der Familie fuhren wir nach Wien und Prag oder nach Sizilien.

In meinem Berufsalltag spielte das Auto für mich überhaupt keine Rolle. Vielmehr machte ich einen Spass daraus, überall hin mit dem ÖV zu reisen bei der Arbeit, mit Sitzungsvorbereitung in den damals wenig besetzten 1. Klass-Abteilen.

Ich mag mich erinnern, wie wir so um 1987/88 gerade kein Auto mehr hatten und ich von der Idee des Auto-Teilet oder Sharecom (heute Mobility) begeistert war. In den Anfängen gab es in der ganzen Stadt 12 Standplätze mit Reservations-Eintragsmöglichkeit vor Ort. Veronika war nicht begeistert. Darauf haben wir einen VW-Passat gekauft.

Bei den SBB lernte ich die schönen Seiten des Reisens kennen. Im ersten Jahre am Flughafen (1996) leistete ich mir ein 1. Klass-Generalabo. Ich schlug es natürlich überhaupt nicht heraus. Was bei den SBB der Einheitswagen IV, war beim Flughafen das Flugzeug, meist Businessclass und bei Verfügbarkeit auch ein Upgrade auf Erstklass (z.B. San Francisco Zürich, oder Bangkok-Zürich).

Ab 2000 Zeit des BMW und Beginn mit Pilgern/Wandern

Als ich im Jahr 2000 bei Maag im Industriequartier anheuerte, hatte ich vor dem Büroeingang den Parkplatz. Die Chefs fuhren BMW oder Porsche. Ich meinte dann, mir einen silbernen BMW der fünfer-Reihe leisten zu müssen. Diesen kaufte ich als Vorführwagen mit einem Preisabschlag. 

Von der Firma erhielt ich eine Car-Allowance von Fr. 1000.- pro Monat zusätzlich zum Gehalt. Quintessenz: Ich nahm zu, weil ich weniger zu Fuss unterwegs war. Beim ÖV summieren sich all die Fusswege pro Tag doch und tun dem Körper gut.

Nach 15 Jahren Einsatz und immer höher werdenden Unterhalts-, Service-, Radwechsel- und Versicherungskosten war es mit 281’620 km Fahrleistung Schluss mit BMW-5-PS auf der Strasse. Wir blieben BMW treu, wechselten am 15. Oktober 2015 auf das Grosseltern-Auto BMW 220d. Als Fortschritt war ein Navigationsgerät und eine Vorrichtung zum Fixieren der Kindersitze eingebaut, was vorteilhaft war für Enkel Adrian. Übrigens, das Navigationsgerät ist zehn Jahre später bereits überholt. Ein Update würde hunderte von Franken kosten. Google-Maps und die Karten-App von Apple sind einfacher zu bedienen und aktuell.
Im Frühjahr 2026, also nach 10.5 Jahren im Einsatz, zeigt der Tacho auch dieses BMW2 bereits 250'000 km.

Fahrräder für die Familie

In Basel kaufte ich 2004 bei Cenci ein City Bike, das aber von mir nur sporadisch benutzt wurde. Die Departementssekretärin, eine leidenschaftliche Velofahrerin, gab mir Empfehlungen, worauf ich achten solle, z.B Schmauchpneus. Dieser Begriff war damals neu für mich. Isabelle machte mit diesem Velo Touren mit Velotaschen und weiterem Gepäck. Einmal fuhr sie mit einer Kollegin glaub’ ich über den Sustenpass und der Rhone entlang in die Waadt. Ein anderes Mal radelte sie mit Kolleginnen von Kroatien der Küste entlang bei Piran (Slovenien) bis nach Venedig. Von diesem Velo werde ich mich am 20. März 2026 trennen im Sinne von Loslassen. Isabelle hat mir die Organisation Velafrika empfohlen. 

Veronika kaufte von ihrem Schwager Hans Bucher so um 1989 herum ein gutes leichtes Damenvelo mit dünnen Pneus. Es war ausgerüstet mit einem Kindersitz aus Blech an der Lenkstange. Das Kind mit Blick in Fahrtrichtung. Dieses Velo nahm Raphael 2025 in den Kulturpark zu LerNetz, damit sie zum Mittagessen flexibler unterwegs sein konnten.

Bei Vonaesch Zollikon kaufte Veronika später ein behäbiges Damen-City-Bike mit breiteres Pneus.

Angedacht war, mit diesen Velos Touren zu unternehmen wie rund um den Bodensee. Für den BMW 220d installierten wir extra für Fr. 2’220.- einen Veloständer für zwei Fahrräder. Er war zweimal im Einsatz (Insel Reichenau und Rifferswil).

In der Elektrovelo-Boom-Phase kaufte Veronika bei Coop/Jumbo am 5. August 2023 in einer Aktion ein E-Bike für Fr. 1799.-. Bei voller Batterie ist die Reichweite 57 km. Sie wollte mich auch motivieren. Ich wusste, das ist nicht mein Ding. Für mich stand Wanderung (ohne Stöcke) im Vordergrund. Reduce to the max. Ich mag mich erinnern, wie Julia Bucher mit Veronika redete und versuchte herauszubringen, warum Veronika ein E-Bike will. Resultat: Nach zwei Jahren, nach Ablauf der Garantie, zeigte der Zähler 181 km.

Isabelle hat am 19. September 2022 bei Migros ein E-Bike für Fr. 1600.- gekauft, damit sie von der Badenerstrasse aus das Schulhaus Höngg bequemer erreichen konnte. Sie brachte es in einem Jahr mit Arbeitsweg Sonneggstrasse nach Altstetten auf 7000 km.

Flugzeug für Privatreisen wurde für Reisen ausserhalb Europa eingesetzt: 
Als Familie reisten wir zweimal nach den USA für ca. 3 Wochen.
2001 verbrachten wir zu unserem 50. Geburtstag Neujahr in Thailand.
Raphael und seine Mutter Veronika lösten den Wettbewerbspreis ein und flogen ca. 1996 nach Singapur.
Isabelle begleiteten wir 2008 nach Australien zu ihrem Sprachaufenthalt.
Als Ehepaar reisten wir 2018 mit Studiosus für zehn Tage nach China. 
Im 2019 besuchten wir meinen Bruder Gandolf in Abu Dhabi.

Movement is Medicine

Nach diesem Motto bewegten wir uns ab 2010, nachdem ich mein Büro am Rennweg 50 bezogen hatte. Ich konte das Leben ruhiger angehen und den 'Sport' vermehrt in den Alltag einbinden. Ich ging manchmal zu Fuss ins Büro oder an Sitzungen im Seefeld oder beim Rieterpark. Ich mag mich erinnern, wie ich mit einem Tracker von Sohn Raphael heraus fand, welche Strecke ich in etwa für die berühmten 10'000 Schritte benötige. Ich merkte, das ist problemlos zu erreichen, wenn man im Alltag bewusst zu Fuss unterwegs ist, Treppen statt den Lift  oder die Rolltreppen nimmt. 

Veronika animierte mich mehr und mehr, mit ihr in die Stadt zu laufen und mit einer Einkaufstasche über die Schulter getragen wieder nach Hause. Langsam bekam ich Freude daran. Wir gingen auch zu Fuss in die Kirche oder ins Konzert. 

Mit dem Smartphone Samsung Galaxy S22 konnte Veronika ihre Schrittzahl messen und nachschauen. Am Abend sagte sie manches Mal nach dem Essen, sie müsse noch Schritte machen und spazierte mit mir oder alleine noch im Quartier herum. So lernte sie in späten Jahren all die verschlungenen Wege im Quartier kennen. Sie hatte sich meist 8000 Schritte pro Tag zum Ziel gesetzt.

Ich ging bis zur Pandemie öfters auf Tageswanderungen in Gruppen (Pro Senectute, Pilgerzentrum St. Jakob, Zürcher Wanderwege). Ohne grosse Anstrengung kam ich meist im Durchschnitt so auf 12'000 Schritte pro Tag.  

Im Alter sind wir bewusst zu Fuss unterwegs und versuchen immer, einen Fussmarsch einzubauen.



Willy's Jeep mit niederer Motorhaube. Vater mit vier Kindern Gandolf, Sepp, Martha, Maria. Allenfalls Aufnahme von 1946 vor dem Elternhaus.

 


Letztes Auto von Vater, ein Simca. Nummer AR 1968. Das Auto stand in Bühler parkiert an der Strasse auf Parkplatz und wurde von einem anderen gerammt.

 


Herrenvelo mit Rücktritt. Stand im Einsatz für die Brüder für den Schulweg nach Bühler und den Weg in die Kirche nach Teufen Aufnahme Niklaus (noch ohne Brille) ca. in der 5. Primarklasse, vor der Milchsammelstelle Steigbach.

 



Damenvelo für Veronika Wild-Lüscher. Von ihrem Schwager Hans Bucher Anfangs 90-er-Jahre zusammengestellt, als er in Nussbaumen ein Velogeschäft betrieben hat.

 

Tour de Suisse. Cenci Basel. City-Bike von Niklaus, gekauft ca. 2004 in Basel. Am 20. März 2026 an Velafrika übergeben.

 


Cresta. Von Aesch Zollikon. City-Bike mit Korb von Veronika Wild.

 


E-Bike von Veronika im Veloraum am 8. Februar 2026, Km-Stand liegt bei 181 km.

 


Erstes Auto für die erste Stelle von Niklaus (bei Swissboring), finanziert aus dem Ersparten von Veronika. Renault R4 in Bühler AR mit Blick zum Steigbach hinunter. Ca. 1978 bis 1981.

 


BMW 5 steht am 25. Mai 2014 beim Friedhof in Muhen AG. In Betrieb von 2000 bis Oktober 2014. Gekauft als Vorführwagen mit wenigen Kilometern. Am Schluss stand Zähler bei ca. 280'000 km.

 


Tiefgarage 2. Untergeschoss Im Tiergarten 44-50. BMW 220d vor dem blauen Pneu-Schrank. Installation für Elektro-Anschluss bereits installiert.

 

Fahrzeugausweis am 8. März 2022 nach der periodischen Vorführung. BMW 220d wurde am 6. Oktober 2015 als Vorführwagen mit wenigen gefahrenen Kilometern gekauft.

 

 


BMW 220d ZH 274 693 beladen im Hinterhof des Hotels Bremen in Lüneburg. Herbst 2025.

 


BMW 2 von vorne vor dem Bahnhof Bled in Slowenien. März 2025.

 


28. November 2019. Linus im Kindersitz im BMW 220d.

 


Am 19. Februar 2018 steht Gabriel hinter dem Citroen ZH 154 997 seiner Eltern. Im Tiergarten. Auto erfüllte Kriterien: 3 Kindersitze nebeneinander, Auto hat Platz in Garage in Knonau.

 

Alltag als Paar im AHV-Alter
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17.6.  Familienleben – Alltag als Paar im AHV-Alter.
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Die selbstgewählte Pensionierung mit 58 Jahren und meine Beratungstätigkeit als Selbständiger in Zürich hatte auch Auswirkungen auf unser Zusammenleben als Ehepaar. Vor allem die zusätzliche Grosselterntätigkeit mit Hüten der Enkel brachte eine neue Qualität in unsere Beziehung.
Wir mussten lernen, miteinander umzugehen. Ich war vermehrt zuhause und wir begannen, an Werktagen gemeinsam etwas zu unternehmen. Das Enkel-Hüten war eine gemeinsame Angelegenheit. 


Unser Freitagsritual


Irgendwann in den 10-er-Jahren (ab 2010) wünschte Veronika, einen Wochentag gemeinsam zu verbringen. Sie fuhr gern zu Hofläden und erinnerte sich an frühere Ausflüge nach Meersburg, zur Insel Mainau oder generell in das Gebiet hinter dem Bodensee. 
Bei diesen Erkundungen besuchten wir einmal die Therme Konstanz, weil wir auf dem Weg zur Fähre das Schild gesehen haben. Später besuchten wir auch einmal die Therme in Meersburg. Es gab noch eine dritte, die aber vor allem bekannt ist wegen der Sauna am See. Veronika zieht es nicht in Sauna wegen ihrer Krampfadern.

Es spielte sich mehr und mehr der Thermenbesuch in Konstanz ein. Diese Besuche wurden meist ergänzt mit Essen in Salem, Meersburg, Birnau, Insel Mainau, Insel Reichenau oder Konstanz.

Nachdem ich mein Büro im Jahre 2014 vom Rennweg 50 in die Wohnung gezügelt hatte, reduzierte ich nach und nach das Pensum. Ich konzentrierte meine Aktivitäten auf Montag, Dienstag und Mittwoch. Wir hüteten von 2013 bis 2024 regelmässig die Enkel, meist jeweils am Mittwoch-Nachmittag bis am Donnerstag-Abend.

Als Gemeinsamkeit hat sich herausgestellt, dass wir beide gerne in Thermen gehen. So ergab es sich, dass wir freitags am Morgen mit dem Auto Richtung Konstanz fuhren. Zuerst kauften wir im Gemüseladen Tägermoos auf Schweizer Seite frisches Gemüse ohne Plastikverpackung ein.
Dann ging es in die Therme Konstanz für mindestens 90 Minuten, manchmal mit Aquafit kombiniert. Der Eintritt kostete anfänglich 4 € pro Person, nach der Pandemie 2023 dann 13 €.
Zu Mittag gegessen haben wir meist im damals neu eröffneten Hotel ‚mein inselglück‘ auf der Insel Reichenau mit Sicht über den Gnadensee nach Allensbach.
Vor dem Mittagessen besuchten wir den Gemüsepavillon Blum, den Raiffeisenmarkt sowie den Blumenladen Haselberger. Von hier kamen meist die Blumen auf den Tischen in unserer Wohnung. Nach dem Mittagessen ging es nach Konstanz, manchmal noch vorbei beim dm Drogeriemarkt am Wollmatinger Ried. Diese Autofahrt bot Gelegenheit für Gespräche. Zuhause ist Veronika vielfach abgelenkt.

In Konstanz parkierten wir im Altstadt Parkhaus. Von dort kann man sich einen Rundgang mit Besuch folgender Geschäfte vorstellen: Maas Kinderkleider beim Münster, Tiergarten Apotheke, Marc‘o Polo, Galleria, Damenkleider N27, Männerkleider Stricker, Metzgerei Otto Müller, Alnatura, Café Aroma und zurück zum Auto, über den Zoll zum Abstempeln der Mehrwertsteuerbelege und nach Hause.
Es gab natürlich Variationen wie zu Fuss von der Therme nach Konstanz und zurück (je 4 km pro Weg oder je eine Stunde). Manchmal kamen auch andere mit. Mit diesen besuchten wir das Inselhotel (ehemaliges Dominikanerkloster) mit schönem Blick auf den Bodensee.
Anfänglich hatte ich Mühe, einen ganzen Tag so zu verbringen. Aber als ich gesehen habe wie glücklich jeweils meine Frau Veronika war, gewöhnte ich mich daran, auch an das viele Geldausgeben jedes Mal.

Überblick über mögliche Thermen, die wir kennen gelernt haben:

In Konstanz ist die Therme hell, lichtdurchflutet mit einem Innen- und Ausstecken sowie je einem Hot-Pot mit 26° warmem Wasser. Aussen liebt Veronika den Tretkanal und gemeinsam den Zugang zum Bodensee.
Wir kaufen mit 1.5 Stunden Therme genau das, was wir suchen. Veronika geht nicht gerne in die Sauna. Einige Male haben wir mit Sauna gebucht, dazu sollte man aber mehr als drei Stunden Zeit haben. Mit unserem Ticket haben wir die Option ins Freibad zu gehen oder in den Bodensee. Veronika machte auch schon ihre Längen im Sportschwimmbad.
Preisvergleich im Jahre 2024 während der Woche:
€ 13.50 für 1.5 Stunde Therme Konstanz, mit Sauna kosten 3.5 Stunden € 28.50.
Das Sole Uno in Rheinfelden oder 47° in Baden hat nur eine Ticketkategorie, bei der Sauna, Therme, Schwimmbad dabei ist. 47° Sommeraktion Fr. 31.- für 3 Stunden, Sole Uno Fr. 35.50 für 3 Stunden oder Fr. 31.- für 2 Stunden.
Bis 30. November 2025 waren beim Sole Uno ein Bade- und ein Saunatuch im Preis inbegriffen. Bei 47° in Baden kostete die Miete je eines Tuches Fr. 5.-
Lindau hat eine Differenzierung: Therme kostet für 2 Stunden € 25, der Aufpreis für die Sauna ist € 5.

Die Wasserwerke von Konstanz geben das s'Kärtle heraus, eine Rabattkarte für die Thermen und die Fähre Konstanz-Meersburg. Seit 2018 laden wir Guthaben darauf und erhielten anfänglich 20 % Rabatt, seit 2025 noch 10 %. Am 20. Juli 2018 zahlte eine Person für 90 Minuten Therme € 4.05 und sieben Jahre später € 12.15 nach Abzug des Rabattes bedeutet dies eine Verdreifachung. Die stetigen Preiserhöhungen haben seit Pandemie angezogen, aber nicht nur bei der Therme Konstanz. Die Eintrittspreise werden mehr und mehr dynamisch und damit nicht genau vergleichbar.



Altstadt von Konstanz. Nach dem Besuch der Therme und der Insel Reichenau gibt es meistens noch Kaffee (und Kuchen) im Arome (nähe 6). Auto geparkt nähe 6. Unser Promeniergebiet sind die kolorierten Altstadtgassen.

 

Unser Thermen-Ritual-Tag findet in dieser Gegend statt. Die hellen Flächen im Vordergrund sind die Wasserbecken der Therme. Die Insel im See oben im Bild ist die Reichenau, wo wir meist im Insel-Glück gegessen haben. Die Fahrt auf dem Damm ist meist sinnblidlich für mich, wir gehen in die Ferien. Auf diesem Bild ist auch der See-Rhein gut sichtbar, die Strecke zwischen den beiden 'Seen'. Aufnahme ca. 2023.

 

Luftaufnahme der Therme Konstanz 2025 Vorne sieht man das Thermal-Aussenbecken mit dem Tretkanal und separat der Hotpot, in dem ich gerne verweile. Das mittlere Becken ist das Schwimmbecken, in dem Veronika im Sommer ihre Längen schwimmt. Das hintere Becken ist das Kinderbecken mit Rutschbahnen, wo sich unsere Enkel wohlfühlten. Am rechten Rand sieht man die Passerele über den Strandweg zum Floss im Bodensee.

 


Unser Ritual am Thermentag. Zuerst Gemüse vom Hofladen Tägermoos mit Barzahlung in SFR. Nach der Therme Rundfahrt vorbei an der Insel Mainau zur Insel Reichenau. Am Schluss Fahrt ins Parkhaus Altstadt in Konstanz. Vielfach ca. ab 2013 bis sicher 2025.

 


Unser Jagdrevier in Konstanz. Eingezeichnet ist eine mögliche Route. Die Buchstaben A-J geben die Geschäfte an, die Veronika anpeilt und die Waren anschaut und meist, aber nicht immer, etwas kauft. 2024

Es waren die Jubiläumsjahre des Konzils (1414 bis 1418) und der Reformation, die uns Konstanz mit Führungen der Antiquarischen Gesellschaft oder der Predigerkirche (mit Barbara Hutzl Ronge) näher brachten. 
Veronika redete immer davon, einmal auch zu übernachten oder weiter in die Kultur der Gegend einzutauchen. Es ergab sich aber nie. 

2024 war auf der Insel Reichenau das 1300-Jahr-Jubiläum der Klostergründung durch den hl. Pirmin (724). Bekannte von uns besuchten deswegen die Insel und liessen sich die kulturellen Schätze erklären, so Ruth und Oswald Schwager-Knüsel (Breitenbach SO) oder Rosmarie und Johann Brülisauer (Stans). Wir selber schafften das nie, obwohl wir fast wöchentlich auf der Insel waren. 
Selber war ich einmal an einer interessanten Führung in Reichenau im Rahmen einer Investorentagung des Tertianums. Im St. Jakob-Park war ich von 2003 bis 2009 verantwortlich für das Investment der Pensionkasse in das Tertianum. Fritz Künzli war Betreiber des Tertianums und operierte von Ermatingen aus, das auf der Schweizerseite gegenüber der Insel liegt. Wir fuhren mit dem Schiff zur Insel. Wir besichtigten meiner Erinnerung 2004 die Martinskirche in Mittelzell und auch den Klostergarten, wo ich das erste Mal den Namen 'Hildegard von Bingen' hörte. Damals hatte ich keine Ahnung, wo wir uns befanden.
Mich interessierte die Geschichte. 2025 meldete ich mich – ohne Rücksprache mit Veronika, weil ich wenig Resonanz erwartete – bei einer Führung an. Wir besuchten am 18. August in Mittelzell das Münster St. Maria und Markus und in Oberzell St. Georg. Von Timo John hatte ich die Broschüre 'Die Klosterinsel Reichenau im Bodensee' (3. Auflage 2017). Zusammen mit der Führung kann ich die mir wichtig erschienen Dinge erwähnen:

  • Man spricht vom goldenen Zeitalter auf der Insel und meint damit die Hochblüte vom 8. bis zum 12. Jahrhundert.
  • Die Klosterinsel war damals religiöses und kulturelles Zentrum Europas.
  • Die Aebte fungierten zum Teil als Räte und Beamte, Prinzenerzieher, Diplomaten und als Gesandschaftreisende der karolingischen Kaiser.
  • Auf der Insel wurde eine Klosterschule betrieben, die den Angehörigen des Adels vorbehalten war. Es war eine Eliteschule, Rekrutierungspool für Könige und Bischöfe oder Päpste, damals die einzige.
  • Es gab eine Bibliothek, ein Skripotrium und eine Malschule.
  • Von der seinerzeit 20 Klöstern sind heute noch drei Kirchen vorhanden (Münster Mittelzell, Hl. Georg Oberzell, St. Peter & Paul in Niederzell).
  • 950 überfielen die Hunnen St. Gallen. Die hl. Wiboroda warnte davor. Die Bücher der Stiftsbibliothek wurden auf die Reichenau in Sicherheit gebracht. Dadurch hatten die dortigen Mönche Vorlagen und Anschauungsmaterial.
  • Das silberne Zeitalter löste im 12. Jahrhundert das Goldene ab. Auslöser war die Öffnung der Klosterschule für alle Schichten und das Aufkommen anderer Schulen. Das Kloster St. Gallen erreichte mehr Einfluss.
Ich bin so froh, habe ich diese Führung erleben dürfen. Mir ist nun bewusst, dass die kulturelle Hochblüte schon 1000 Jahre her ist. Heute ist die Insel eine Gemüseinsel mit vielen Gewächshäusern. Ich suchte in all den Jahren schöne Fotos der Insel, die nicht mit einem Gewächshaus verunstaltet ist. Berufsfotografen beschränken sich auf Bilder der Kirchen vom See her.

Seit wir nicht mehr im Insel-Glück unser Mittagessen einnehmen können, reduzierte sich das Interesse von Veronika auf die Haselberger Schnittblumen. Blumen sind für sie Lebenselixier. Darum mache ich die doch lange Fahrt von ca. 20 km hin und zurück.

 

Freizeitkarte der Insel Reichenau. Die von den 20 ehemaligen Klöstern erhaltenen drei Kirchen in Nieder-, Mittel- und Oberzell sind ersichtlich. 2025

 

 




Veronika – die unermüdliche Beschafferin und Planerin

Veronika ist in vielerlei Hinsicht einzigartig – nicht nur als meine Lebenspartnerin, sondern auch als Organisationswunder. Mit beeindruckender Präzision plant sie das Leben unserer Familie und sorgt dafür, dass es an nichts fehlt. Doch vor allem ihre Einkaufsleidenschaft ist eine Eigenschaft, die unser Zusammenleben prägt – und manchmal auch herausfordert.
Veronikas Einkaufsmarathons beginnen oft unscheinbar, doch sie entwickeln eine Eigendynamik, die ihresgleichen sucht. Alles startet mit einem Anlass: ein Besuch der Enkel, ein Feiertag oder einfach die Überzeugung, dass „etwas Neues“ gebraucht wird. Sie besitzt eine fast schon magische Fähigkeit, die Bedürfnisse aller Beteiligten vorauszusehen. Ob es um die richtige Schuhgrösse für Adrian, eine farblich passende Hose für Linus oder einen spezifischen Hoodie für Gabriel geht – Veronika hat die Details im Kopf und findet meist eine Lösung.
Doch diese Suche ist selten einfach.
Bei den Lebensmitteln scheut sie keinen Aufwand, um an frische Nahrungsmittel heranzukommen. Das eine holen wir in der Migros, anderes im Coop und ganz gewisse Dinge sogar im Lidl in der Binz. Alle diese Geschäfte sind zu Fuss erreichbar. Sogar zum Metzger Künzli bei der Kirche St. Konrad gehen wir zu Fuss. All diese Einkäufe werden zuhause mit unglaublicher Sorgfalt gerüstet.
Daheim dominiert tagsüber die Hausarbeit, es gibt immer etwas zu tun. Für Musse ist selten Gelegenheit.

Ein Beispiel aus den Herbstferien 2024. Unsere Enkel wollten einen Teil der Herbstferien mit uns verbringen. Adrian und Linus kamen vom 9. bis 11. Oktober 24 zu uns, Gabriel vom 16. bis 19. Oktober. Sein 10. Geburtstag, am Donnerstag, dem 17. Oktober, wollte er allein mit uns feiern: Nachdem Veronika für Linus einen Pullover und eine Hose besorgt hatte, stand ein spezieller roter Hoodie für Gabriel auf ihrer Liste. Auf unserer Hinreise nach Baden-Baden hat sie diesen bei Breuninger in Freiburg gesehen, aber nicht gekauft. Sie wollte von Milena wissen, ob er Freude machen würde. Dies wurde bejaht. Auf der Rückfahrt war er nicht mehr im Geschäft zu kaufen, wohl aber noch online. Dies machte ich dann auf der Schweizer-Plattform, natürlich etwas teurer, für 79 Franken inklusive Porto statt 57 €. Veronika wäre nochmals nach Freiburg gefahren, was mir aber zu viel des Guten gewesen wäre. Ihre Hartnäckigkeit zahlte sich aus, denn Gabriels Freude über das Kleidungsstück war unübersehbar. Adrian bekam eine neue Hose, allerdings erst nach einer aufwändigen Suche durch verschiedene Geschäfte.

Auch die Vorlieben der Familie bei Essen berücksichtigt Veronika genau: Sie erledigte für das Zusammensein mit den Enkeln Einkäufe für 120 CHF in den Migros-Filialen Wiedikon und Brunaupark. Dabei besteht sie manchmal darauf, diese Ausgaben von mir in bar erstattet zu bekommen – trotz gemeinsamer Finanzen. Hintergrund ist, dass mir so spontane Grossanschaffungen wie ein Boot nicht mehr möglich ist, wie in den achtziger Jahren vorgekommen. Auf unser Erspartes hat nur Veronika Zugriff und will dies auch nicht ändern.

Das Einkaufen selbst ist für Veronika keine Last, sondern eine Herausforderung – fast wie ein sportlicher Wettkampf, bei dem sie sich selbst übertreffen will. Dennoch gibt es Momente, in denen ihre Pläne alles andere zu überschatten drohen. So fand ein entspannter Freitag 24. Oktober 2024 am Bodensee die Fortsetzung am Samstag, mit einer Extra-Fahrt nach Konstanz, um eigens einen Max-Mara-Mantel zu kaufen für 579 € – ein ähnliches Stück, das sie zuvor schon in Zürich bei Jelmoli (759 Franken) reserviert hatte. Warum wollte sie nach Konstanz fahren? Weil sie frustriert wäre, wenn bei Jelmoli wegen der Geschäftsschliessung die Mäntel kurz nach ihrem Kauf 30 % heruntergesetzt würden.

Die finanziellen Aspekte sind jedoch nur ein Teil des Ganzen. Veronikas Einkaufsleidenschaft hat auch eine soziale Komponente. Sie liebt es, für die Familie zu sorgen und jedem eine Freude zu machen. Wenn sie ein Kleidungsstück kauft, denkt sie nicht nur an den Nutzen, sondern auch an die symbolische Geste dahinter. Trotz aller Hektik und gelegentlichen Missverständnisse bewundere ich Veronikas unermüdliche Energie. Sie hat ein Auge für Qualität und Nachhaltigkeit, das mir oft fehlt. Viele ihrer Einkäufe begleiten uns über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Aber inmitten dieser Perfektion wünsche ich mir manchmal mehr Leichtigkeit und Variationen. Am liebsten sind mir die Tage, wenn wir nach dem Thermen-Besuch zu Fuss dem See entlang nach Konstanz und zurück gehen. Dabei bewegen wir uns in gesunder Umgebung und der Einkauf ist auf zwei tragbare Einkaufstaschen limitiert. Doch vielleicht ist es gerade diese Mischung aus ihrer Organisation und meiner Sehnsucht nach Freiheit, die uns als Paar so einzigartig macht.

Im September und Oktober stehen bei den Kindern und Enkeln vier Geburtstage an. Dann kommt Weihnachten.
Im Herbst 2024 wurde es mir langsam etwas viel, vor allem auch, weil Veronika extra nach Freiburg wollte, wegen der mint-farbenen Toolbox für Isabelle und dem Schäfchen für sie selber. Einmal fuhren wir am Freitag und am Samstag nach Konstanz, extra wegen ihres Max-Mara-Mantels, von dem sie schon einen ähnlichen im Schrank hatte. Dann fuhren wir eigens ins Vitra-Design-Museum nach Weil am Rhein, um für Milena eine blaue Toolbox zu erstehen. Solche Eskapaden kann ich fast nicht begreifen, benötigen diese Ausflüge doch Zeit, Nerven und auch Diesel. Bei meinen bis Ende 2025 jeweils geführten Liste unserer Ausgaben führe ich immer den Weg mit 60 Rappen pro Kilometer (Diesel und Amortisation) auf.

Weitere Einkaufstouren und Einkaufsorte:
Am Samstag, 16. November 2024 waren Veronika und ich einkaufen, unter anderem beim Lebensmittelgeschäft EDEKA in Lauchringen, wo wir für 84 € eingekauft haben. Veronika merkte an, dass wir für zwei Personen recht viel kaufen – ein guter Hinweis, dass man besser nicht hungrig einkaufen gehen sollte. Sie wollte nach der neu eingeführten Dubai-Schokolade schauen, die allerdings noch nicht erhältlich war.
Anstoss zur Fahrt nach Waldshut war der mögliche Kauf einer PH5-Lampe. Der Preis lag bei 959 €, verglichen mit 1050 CHF bei Pfister in Zürich. Ausserdem wollten wir in Lauchringen eine Offerte für das Auffrischen unserer Polstergruppe einholen. Die Lampe haben wir nicht bestellt (erst später am 4. Dezember 2024 und geliefert wurde sie am 23. Dezember 2024) und der Polsterer hat am Samstag geschlossen. Dies erledigten wir am 4. Dezember 2024)
Unser Bezug zu Waldshut entstand durch Cornelius Stöckenius, einen Arbeitskollegen bei IBB Fides, den ich 1984 auf der Kläranlage Werdhölzli traf. Er erzählte uns, dass sie ihre Möbel bei SEIPP in Tiengen kauften. Wir machten es ihm gleich und kauften z.B. die Spaghettistühle, einen Esstisch, ein Boxspringbett und eine Polstergruppe. Unsere Möbel bezogen wir vorher von Zingg-Lamprecht in Zürich: ausziehbare Tische, sechs Thonet-Stühle und ein Bücherregal aus Buchenholz, das später weiss gestrichen wurde. Einige Möbel, wie der Kleiderschrank mit Schiebetüren, wurden im Laufe der Jahre durch andere (Pfister) ersetzt.
Warum gingen wir früher öfters nach Freiburg i. Breisgau: Freiburg war schon im Jahr 2000 ein interessanter Ort für uns. Damals empfahl im Geschäft Jost Goebel, Mitglied der Geschäftsleitung von Intershop (Puls 5), die Markthalle in Freiburg zu besuchen. Das taten wir Männer damals an einem Samstag, und ich erfuhr, dass einige Basler dort regelmässig einkaufen. Veronika wollte dies auf Grund meiner Schilderungen ebenfalls erleben. Neben der Markthalle sahen wir auch Geschäfte wie Kaiser Damen und Herren, Breuninger und Schuh Lükke. Seit damals fuhren wir periodisch nach Freiburg. Es war immer ein schöner Ausflugsort, vor allem mit einem oder zwei Kindern. Als Kaiser, ein Modegeschäft ähnlich Feinkaller in Zürich, seine Türen schloss, verlor Freiburg für uns etwas an Reiz. Mittlerweile hat Veronika in Konstanz Alternativen für ihre Kleidungseinkäufe gefunden.

In den letzten Jahren war immer die Region Kreuzlingen/Konstanz und Insel Reichenau in unserem Fokus, vor allem wegen der Therme und dem frischen, nicht in Plastik verpacktem, Gemüse. Konstanzertage entwickelten sich für mich zu Ferientagen, somit 50 Tage Ferien im Jahr, das sind sieben Wochen. Veronika meint in der Therme immer, nirgends würde ich so gähnen, das sei ein Zeichen meiner Entspannung. Wie recht sie hat. Am Konstanzertag habe ich sonst keine Pläne, keine Telefonate, keine Termine, nur Konstanz. Der periodische Spaziergang von der Therme in die Altstadt, je eine Stunde hin und zurück für die 4 km. Es ist ein schöner beruhigender Weg dem See entlang, von der Sonne beschienen. Solche Tage sind ein Geschenk für mich.
Mir wurde es mit dem Beschaffen der Geschenke im Herbst 2024 zu viel und Veronika an sich auch.
An Weihnachten 2024 haben Veronika und die Kinder sich für weitere Jahre zum Wichteln entschlossen. Bin gespannt, denn dies war schon vor Jahren ein Thema wie auch der Grundsatz, in der Familie schenken wir Erwachsene uns nichts mehr zum Geburtstag. Wer hat sich jeweils nicht dran halten wollen? Veronika.

Am 3. Januar 2025 geschrieben zu Hause Im Tiergarten 50.



Stolz des Grossvaters über Adrians Selbständigkeit und die Ansprüche von Veronika

Am Samstag 9. August 2025 feierte David seinen 42. Geburtstag (2. August) mit seinen Freunden zuhause im Garten, an dem Adrian teilnehmen wollte. Ich brachte Linus und Gabriel auf 11 Uhr nach Knonau. Adrian bestätigte, dass er am Abend unbedingt wieder zu uns kommen wolle. Wegen der Street Parade machten wir ab, dass ich ihn im Hauptbahnhof abholen würde. Er reiste mit seinem Götti und Onkel Oliver und dessen Familie an. Wir spazierten bis zum Paradeplatz im Gewirr von geschminkten und verkleideten Menschen. Veronika sprach jeweils von der Fasnacht im Sommer.

Mit dem Tram fuhren wir nach Hause. Es gab einen Filmabend. Julia und Raphael kamen auch über Nacht. Wir bereiteten alles für die Therme vor und planten die Abfahrt auf 8.15 Uhr, was klappte.

Im Auto hat Adrian in seinem Buch gelesen. Bei der Therme gibt es neu an Wochenenden nur 3h-Tickets mit Zuschlag von 2.50 €. Für uns passte das von 9.30-12.30 Uhr. Adrian wollte mit mir in eine Familienkabine, was Veronika nicht freute. Wir badeten zuerst im Innen- und dann im Aussenbecken. Adrian wollte in den See, was wir machten. Veronika hatte sich vorsorglich im kalten Becken vorbereitet und stiess auch zu uns. Nachher wollte Adrian auf die Rutschbahn, ich machte mit. Zudem rutschte ich das erste Mal in meinem Leben über eine gewellte Blechrutsche hinunter. Nach an die 15 Rutschfahrten von Adrian schlug ich Veronika und ihm vor, einen Rundgang zu machen und die Spielgeräte zu erkunden. Veronika kam nicht mit. Adrian kletterte auf alle Geräte. Auf dem Weg zum Thermenbecken wünschte er, nochmals im See baden zu gehen. Ich sagte ihm, das müssen wir Veronika mitteilen. Wir sahen sie im Tretkanal. Adrian ging zu ihr und sagte es ihr.

Nach dem Schwumm im See kamen wir zurück und steuerten auf den HotPot zu. Veronika sah uns und machte Gesten. Sie kam aber nicht zu uns. Nach dem Hot Pot schwamm Adrian im Tretkanal. Ich sah, wie Veronika ihr Badetuch auf der Holzpritsche holte zusammen mit dem Hut von Adrian. Sie lief an uns vorbei und warf mir den Hut zu. Sie redete kein Wort. Ich ahnte Ungemach. Es war Zeit. Wir bewegten uns in die Umkleide. Beim Föhnen kam Veronika auch – wortlos. Wir verliessen über das Drehkreuz die Therme und warteten auf Veronika, die kam, aber sofort wortlos auf die Toilette ging.

Nachher lief sie wortlos an uns vorbei zum Auto. Adrian und ich werweisten, was los sein könnte. Adrian meinte, wir seien wohl zu spät aus der Therme gegangen, weil Veronika befürchtet, das Restaurant Villagio wäre am Sonntag gut belegt. Veronika suchte etwas im Gepäckraum des Autos, wir kamen dazu. Sie enteilte uns aber. Wir waren konsterniert.

Ich sagte Adrian, sie würde uns in das Restaurant vorausgehen um zu reservieren. Auf einmal blieb sie stehen und fragte, wo denn die Liegematte sei, wir hätten das doch besprochen. Sie erwähnte auch, ich hätte sie nicht gefragt, ob wir nochmals in den See schwimmen gehen sollten. Langsam dämmerte es mir.
Bei dieser Stimmungslage wollte Adrian nach Hause. Das sagte ich Veronika. Sie liess mich die Matte holen, Adrian wartete für sich und Veronika 50 m weiter entfernt.

Nachher spazierten wir dem See entlang, Veronika voraus und wir hinten nach. Veronika machte mal eine Pause auf einer Bank. Ich sah den Moment gekommen, mich wie gewohnt in solchen Situationen, in aller Form zu entschuldigen. Das löste bei Veronika die Blockade. Ich wiederholte meine Entschuldigung, bis Adrian sagte, es genüge. Veronika liess ihrem Frust freien Lauf. Das Problem aus ihrer Sicht: Sie wollte nicht mit uns auf den Rundgang im Freibad. Sie ging in das warme Aussenbecken in den Tretkanal. Dort habe ihr Adrian zugerufen, wir würden in den See gehen. Aus Sicht Veronika hätten wir beide zu ihr ins Wasser steigen und dies besprechen sollen. Anscheinend war sie im Hot Pot in der Zeit, als wir im See draussen waren. Sie meinte, wir hätten das gewusst. Wir haben sie nicht gesehen.

Wir gingen zum Restaurant Villagio, wo wir Adrian eine Pizza versprochen hatten. Auf dem Weg nahm Adrian manchmal meine Hand. Wir bekamen einen guten Tisch.

Veronika hatte Adrian gesagt, er solle am Samstag mit Mama die Reise nach Mailand besprechen. Ich wusste nach einem wirklich kurzen Gespräch auf dem Trottoir vor ihrem Einfamilienhaus beim Bringen von Adrian, dass Adrian gerne nach Paris gehen würde, nachdem er zweimal dort umgestiegen ist und den Eiffelturm nicht gesehen hat. Milena hat mir auch gesagt, sie würde allenfalls mit Adrian nach Paris ins Disneyland gehen, Ich habe Adrian gesagt, am Mittagessen soll er gegenüber seiner Grossmutter sitzen und das Thema anschneiden. Er hat das gemacht. Veronika hat aber nicht erfreut reagiert und wir sprachen nicht mehr darüber.

Während des Essens sagte Veronika auf einmal, den Kaffee würde sie lieber im Riva (in Sichtdistanz zum Villagio) zu sich nehmen. Auf dem Hinweg sahen wir dort Leute draussen essen und ich sagte Adrian dummerweise, dort würden wir nie essen gehen, weil es viel zu teuer sei.

Auf dem Weg dahin breiteten wir die Matte aus und legten uns drauf, wie andere Leute dort auch. Aber Veronika behagte dies nicht. Sie steuerte auf das Riva zu, das man durch den Hoteleingang betreten muss. Im Gang hat es schöne grosse Bilder und auch ein Fenster mit grossen Weinflaschen (bis 15 Liter). Adrian sagte, ihm sei nicht wohl. Das sei viel zu teuer. Veronika fand einen schönen Tisch. Wir bestellten. Adrian ein Glacé und einen Drink, ich etwas Spezielles und Veronika einen Eiskaffee. Mir hat es gefallen, aber es wäre wirklich nicht nötig gewesen, nochmals 38 € auszugeben neben den 100 € im Villagio und den 53 € in der Therme.

Adrian sagte zu meinem Erstaunen – nach all dem Vorgefallenen, er möchte die Nacht bei uns verbringen. Er würde seinem Papa anrufen auf der Heimfahrt. Er hätte abgemacht, dass er anrufe. Das hat mich gefreut wie auch seine Aussage in der Umkleide-Familien-Kabine, die Therme hätte ihm gefallen, besonders der See und dass wir lange geblieben seien. Ich sagte ihm das müsste er seiner Grossmutter auch sagen. Es ergab sich leider keine passende Gelegenheit wegen der miesen Stimmung.

Veronika hingegen hatte keine Freude, dass er länger bleiben wollte. Ihr war die Sorge, weil Raphael sich gemeldet hat, er würde etwa auf 9 Uhr kommen und nochmals übernachten.
Veronika wiederholte ihre Geschichte. Sie sagte, bis zu Mitte sei es schön gewesen und nachher hätten wir sie aussen vor gelassen. Adrian hat es allerdings anders empfunden. Er hat mir in der Familienumkleide gesagt, Grossmutter hätte nichts mit ihm gemacht in der Therme.

Kaum im Auto hörte ich Adrian mit seinem Vater reden mit den Schlussworten, er würde es mit den Grosseltern besprechen und in einer Stunde wieder telefonieren. Er stellte den Timer auf eine Stunde bei seinem iPhone 13, das er anfangs Ferien erhalten hat auf seine Zeit als Sekschüler.%u2028%u2028

[Ich habe dieses Episode ausführlich beschrieben in einem Kapitel über uns als Ehepaar. Es zeigt das Verhalten von Veronika, das vielfach zu unnötigen Problemen führt und auf die Stimmung drückt. Ich finde es schade, dass sie sich jeweils nicht einbringen kann. Immer will sie gefragt und eingeladen werden. Adrian hat sich erwachsener verhalten als seine Grossmutter]%u2028%u2028

Am Sonntag-Abend zu Hause: Ich stellte einen von mir gespeicherten Film über Leonardo da Vinci von Arte ein. Bald merkten wir, dass dies für einen Zwölf-Jährigen nicht das passende ist. Adrian schaute seine Serien und war glücklich. Er wünschte, dass ich ihm die Zehen massiere. Das gefiel Veronika gar nicht. Sie liess es mir anmerken und sagte später, das gehe Richtung Pädophilie, was nicht meine Meinung ist.
Adrian ging ins Bett und ich nutzte die relative Ruhe, die Nachrichten am iPad zu checken. Veronika kam und rekapitulierte ihre Vorwürfe. Als ich ins Bett ging, redete sie weiter, sie schüttelte aus Verrücktheit sogar die Decke, an ein Einschlafen war nicht zu denken. Im Bauch zog es mir alles zusammen. Nach einer Stunde war es mehr oder weniger ruhig. Es wurde eine kurze Nacht.

Veronika stand um 6 Uhr auf und trank ihren Kaffee, ich zehn Minuten später auch. Adrian wünschte um 6.30 Uhr geweckt zu werden. Veronika eröffnete mir ihren Plan. Sie bringe Adrian mit dem Auto nach Knonau und ich müsse ihn nicht wecken. Ich sagte, Adrian hätte mit seinem Vater David eine Abmachung, nicht mit mir. Es stünde in ihrer Verantwortung. Um 6.50 Uhr ging sie zu Adrian und eröffnete ihm die Wendung. Er sagte trocken, für den Zug reiche es immer noch. Veronika fragte ihn, was er wolle. Er meint, Papa holt mich ab am Bahnhof Knonau, er möchte um 7.19 Uhr mit dem Zug fahren. Veronika wurde ruhig und akzeptierte das. Sie fragte ihn, hast du Angst vor deinem Papa. Adrian empfand diese Frage daneben, wie er mir im Zug sagte. Er habe Respekt vor dem Vater. Ich gratulierte ihm zu seiner Selbständigkeit.

Ich Zürich-HB liess ich Adrian den Weg suchen. Er hat eine gute Orientierung. Ich begleitete ihn eine Station und bat ihn, dem Vater mitzuteilen, er sei im Zug. Er aber meinte, wenn ich mit Papa etwas abgemacht habe, dann klappe es. Er hat sein Buch genommen und mir das Lesezeichen gezeigt und gesagt, das Buch sei spannend.

Meine Sicht und Nachlese:
  • Adrian war unser Gast. Veronika hat mit ihm den Thermenbesuch vereinbart. Adrian hat mir in der Umkleide gesagt, Grossmutter hätte gar nichts mit ihm unternommen in der Therme.
  • Das Verhalten von Veronika, wie eine Prinzessin behandelt zu werden, fand ich daneben. Sie kann sich aktiv einbringen und Vorschläge machen. Veronika indes hätte erwartet, dass Adrian und ich zu ihr zum Tretkanal gekommen und diskutiert hätten, was wir als nächstes unternehmen könnten.
  • Solche Vorkommnisse legen die Kommunikation, bei mir meist auf längere Zeit, lahm.
  • Eigentlich wären die Voraussetzungen ideal gewesen, um über unser Geschenk zu seinem 12. Geburtstag, etwas miteinander zu unternehmen, zu reden.
  • Veronika ist zuhause meist beschäftigt. Sie will es allen recht machen und auch immer sauber haben. Es wird Wäsche gewaschen, Geschirr eingeräumt, etc. Dafür hat sie wenig Zeit für die Enkel.
  • Im Auto hingegen wäre Gelegenheit zum Reden. Sie sitzt aber immer auf dem Beifahrersitz und versteht das Gesprochene von der Rückbank nicht. Die Enkel wiederholen nicht gerne und ziehen sich zurück. Veronika könnte auf der Rückbank Angesicht zu Angesicht reden und würde es allenfalls besser verstehen.
  • Ich finde es schade und traurig, dass es immer wieder zu solchen Szenen kommt. Adrian hat meines Erachtens erwachsener reagiert als sein Grossmutter.
  • Veronika nimmt sich vielfach selber aus dem Spiel. Statt sich aktiv einzubringen, wartet sie.

Geschrieben am 11. August 2025


Niklaus und seine Apéros – zusammen mit Veronika

Wie sich die Ansichten zu diesem Thema diametral entgegenstehen. Alumni-Anlass vom 2. Mai 2025: Fr. 30.- pro Person. Die Alumni der ETH haben ein umfangreiches Veranstaltungs-programm, vorwiegend für die beruflich aktiven Mitglieder. Manchmal hat es Events auch für ältere Semester, die aber meist schnell ausgebucht sind. Als ich sah, dass es in der Tonhalle einen Apéro mit anschliessendem Konzert gab habe ich es gebucht für Veronika und mich. Bei früheren Veranstaltungen traf ich vielfach andere Alumni.


Am Freitag morgen beim Kaffee sagte ich Veronika, wir könnten so um 5 Uhr gemütlich zu Fuss gehen und den schönen Tag in der Stadt geniessen. Wir hüteten seit 25. April 2025 Enkel. Am Tag des Konzerts brachte ich Gabriel und Linus nach Knonau.

Veronika klagte, bei Apéros würde ich sie meist links stehen lassen und mich auf die Leute und meine Gesprächspartner konzentrieren. Sie wollte deshalb nicht bereits um 18 Uhr dort sein. Zuhause gingen wir um halb fünf Uhr zu Fuss unseren Weg in die Stadt. Ich musste für die schönen Schuhe von Veronika den Rucksack mitnehmen. Da sie Schmerzen am Schienbein hatte, gingen wir langsam, machten Pause beim Aegerten-Schulhaus und am Hallwylplatz.  Wir waren gut unterwegs und hätten auf den Apéro in der Tonhalle sein können. Ich hielt mich zurück mit Kommentaren. Am Schanzengraben fand Veronika ein leeres Bänklein, auf dem wir sage und schreibe mehr als eine halbe Stunde sitzen blieben. Es war ein warmer Tag, über 25°C im Frühling.
Innerlich begann es zu kochen in mir. Meine Erfahrung war, bei einem Apéro ist es das Beste, wenn man am Anfang dabei ist. Alle suchen noch Gesprächspartner und die Chance auf gute Gespräch ist am grössten.
Um Viertel vor sieben ging es weiter. Einige Zeit später kam der Zeitpunkt für Veronika, die Schuhe zu wechseln. Sie zog die ON-Schuhe ab. Ein Paar kam gerade vorbei und kommentierte, jetzt hätte sie aber bessere Schuhe an als vorher. Er entpuppte sich als ein Schuhmacher. Veronika unterhielt sich mit ihnen.
In der Tonhalle angekommen, ging Veronika auf die Toilette. Meinen Rucksack musste ich an der Garderobe abgeben. Veronika wollte nicht begreifen, dass sie auch ihren neuen Schopper abgeben muss. Es sind nur noch A5-grosse Taschen erlaubt im Saal.
Um 19.08 Uhr standen wir bei den anderen, an der Wand, niemand wartete auf uns. Die ersten zogen schon ihre Konzerttickets aus den Taschen. Wir tranken und assen etwas , aber ohne Interaktion mit anderen Menschen. Während des Apéros hätte es vom Dirigenten ein Einführung in das Konzert des akademischen Kammerchors gegeben.
Unsere Gruppe waren ca. 40 Teilnehmende, abgegrenzt im Foyer. Ich hatte wohl Tickets gekauft, sie aber nicht ausgedruckt. Am Tag darauf habe zuhause die Platznummern gefunden. Wir schmuggelten uns in den Konzertsaal. Der Organisator wies uns auf leere Plätze hin. Wir hatten so in der vierten Reihe am Gang super Plätze und gute Sicht auf den Dirigenten und den Solisten Lionel Meier auf dem Violoncello (lionel-martin.com). Meine gekauften Plätze wären in der ersten Reihe gewesen, an einem Konzert gar nicht so gut.
Veronika war hingerissen vom Cellisten, erst 22 Jahre alt. Sie nahm ein Filmchen auf und stellte es bei WhatsApp auf den Status.
In der Pause traf ich Amigo, Alfred Müller, VR-Präsident der Stutz AG aus dem Thurgau. Er war mit seiner Frau anwesend. Sie haben vier Kinder. Er war zusammen mit Jürg Weber, auch einem ETH-Studien-Kollegen, mit seiner Frau Wilma. Sie hatten ihren Apéro privat.
Am Konzertende traf ich noch Gabriella und Heinz Ehrbar. Sein Bruder (Reiden bei Uznach, aufgewachsen in Teufen) war mit Frau und Kindern anwesend. Eine Schwiegertochter Luzia Ehrbar spielte im Orchester Englischhorn.
Wir gingen zu Fuss nach Hause, wo wir zufrieden um 11 Uhr angekommen sind. Veronika meint immer, ich ginge mit ihr nicht gerne in den Ausgang. Das stimmt zum Teil. Ich liebe Apéros und den zugehörigen Small Talk. Veronika kann damit überhaupt nichts anfangen. Ich gehe wirklich lieber alleine an Apéros.

In der Predigerkirche wurden jeweils zeitweise Apéros nach den Gottesdiensten Apéros angeboten oder Mushafen organisiert. Veronika legte immer Wert darauf, sofort nach den Gottesdiensten (ohne Apéro) nach Hause zu gehen. Ich habe mit der Zeit mein Interessen an solchen Veranstaltungen mit ihr verloren. Ich traf meine Leute alleine in der Stadt.

Geschrieben am 7. Juli 2025 IR37.
Reisen als Ehepaar
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18.  Reisen als Ehepaar
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Wie kommen unsere Ferien zustande?

Teil 1: Ferien-Ideen und Ferienvorbereitung – bis zur Abfahrt


(Am Beispiel Baden-Baden 2024)

Solchen Kurzferien geht im Pensionsalter meist eine langwierige Planung voraus. Aufgrund der Pflanzen auf unseren beiden Balkonen verreisen wir in der Regel entweder im Frühling oder im Herbst. Im März 2024 waren wir vierzehn Tage unterwegs und besuchten unsere Verwandten Brabetz in der Gegend von Porto. Für mich war das vollkommen ausreichend.
Im Juni brachte Veronika jedoch die Idee auf, im Herbst erneut Ferien zu machen. Auf unserer Liste vom 21. Juni 2024 standen mehrere Optionen: Hamburg mit einem Konzert in der Elbphilharmonie, Baden-Baden mit Übernachtung im Waldcafé, Abano-Terme für maximal vier Nächte, Slowenien (inspiriert von einer Reise Isabelles mit ihrer Kollegin), Meran (was für mich wegen der üppigen und späten Nachtessen nicht ideal ist), Bhutan mit seinem Happy Index, Island und eine Ferienwoche in Frankreich mit Therme und Wandern, z. B. in Vichy.
Mein persönlicher Favorit war Bhutan, was jedoch nicht Veronikas Wunsch entsprach. Island, das zuvor nie ein Thema war, erschien plötzlich auf ihrer Liste. Meine Präferenz für eine Schnupperwoche in Abano-Terme mit Car Stöckli-Reisen wurde ebenfalls nicht aufgegriffen. Frühere Ideen wie Wanderwochen mit PSZH, zw, Baumeler oder Imbach lasse ich inzwischen aussen vor, da Veronika wenig Interesse daran zeigt.
Erste Entscheidungen und neue Pläne: Die Idee, Hamburg zu besuchen, war inspiriert von Peter und Heidi Heinzer, die alles selber organisiert haben und mit dem Zug gereist sind und die Elbphilharmonie besuchten. Obwohl ich das früher in Kombination mit dem Theaterclub vorgeschlagen hatte, schien es Veronika jeweils zu teuer.
Veronika dachte auch an Ferien in Südfrankreich, was bei mir die Sorge auslöste, eine geeignete Ferienwohnung suchen zu müssen. Slowenien behalte ich als Idee für den Frühling 2025 im Hinterkopf, da wir bei unserer Portugalreise positive Erfahrungen gemacht haben mit längeren Autofahrten und uns abwechselten am Steuer. Für Island legte ich Veronika Reisevorschläge von Studiosus vor, erhielt jedoch keine konkrete Rückmeldung.

Die Entscheidung für Baden-Baden:
Am 29. August legte Veronika einen Zettel auf den Küchentisch mit der Notiz „Ferien Baden-Baden?“. Ich verstand das als Auftrag und buchte telefonisch im Waldcafé ein schönes Balkonzimmer vom 15. bis 19. September. Doch Veronika war enttäuscht, hätte sie lieber eine Woche später gebucht, da dann wegen der Rad-Weltmeisterschaft in Zürich ihre Gymnastikstunde ausgefallen wäre. Eine Umbuchung erwies sich aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit im Hotel als schwierig, aber schliesslich stellte sie sich auf die geplanten Tage ein, insbesondere weil Raphael in jener Woche wegen Filmaufnahmen gerne in unserer Wohnung gewohnt hätte.
Vorbereitungen und Abfahrt. Am Sonntag, dem 15. September, packten wir die Koffer. Veronika war unsicher, ob wir eine Nacht länger bleiben sollten, da die Wettervorhersage kühlere Temperaturen ankündigte. Ich entschied, unsere Kaffeemaschine mitzunehmen, um Veronikas morgendliche Routine zu erleichtern.
Am Montag, dem 16. September, begann unser Tag früh. Nach einigen letzten Handgriffen in der Wohnung, wie der Pflege der Pflanzen und dem Schliessen der Fenster, starteten wir um 8:05 Uhr gut vorbereitet in unsere Ferien.

Teil 2: Ferien in Baden-Baden 
Zum dritten Mal: 24.-26. Mai 2023 und 12. bis 15. Juni 2023 sowie jetzt September 2024

Vom 16. bis 20. September 2024 verbrachten wir fünf schöne Tage in Baden-Baden. Es war bereits unser dritter Aufenthalt in dieser schönen Stadt, und wir genossen die Zeit intensiv. Besonders die ausgedehnten Wanderungen in den Wäldern rund um den Merkurhügel waren ein Highlight – mit täglichen Schrittzahlen zwischen 20'000 und 30'000 an den mittleren Tagen. Die Stadt lag auf etwa 200 m ü. M., unser höchster erwanderter Punkt war Binsenwasen auf 510 Metern über Meer – nur 130 Meter unterhalb der Merkurspitze.
Das Waldcafé, idyllisch gelegen im Grünen, ist ein idealer Ort zum Übernachten. Wir durchquerten die umliegenden Weinberge und Naturschutzgebiete, insbesondere in der Gegend von Lichtenau. Dort fand Veronika im Klosterladen ein Buch für mich: Elf Geschwister – Abschied vom bäuerlichen Leben, das ich mir für 13 Euro kaufte und auch las. Leider war das Café Lumen im Klosterhof an diesem Tag überfüllt.
Ein Spaziergang entlang der Lichtentaler Allee bis zur Gönneranlage war ebenfalls Teil unseres Programms. Das Bellevue mit seinem schönen Parkcafé beeindruckte uns mit gepflegten Anlagen. Veronika hatte gehofft, im Luxushotel Brenners wie bei unserem ersten Besuch im Jahr 2023 den prachtvollen Blumenstrauss im Eingangsbereich zu fotografieren. Doch das Hotel wurde renoviert, und der Eingang befand sich provisorisch in einem Nebengebäude. Wir freuten uns dennoch am angrenzenden Park.
Am Abend spazierten wir über den Augustaplatz bis zum Festspielhaus und zurück über die Trinkhalle und das Kurhaus. Unsere Abendessen nahmen wir meist früh, gegen 17 Uhr, ein – im Hotel, im Amadeus Hausbräu am Leopoldplatz oder im Löwenbräu.
Veronika durchstöberte die beiden mehrstöckigen Geschäfte Wagener in der Lange Straße, wir kauften jedoch nichts. Geplante Einkäufe wollten wir in Freiburg erledigen, da es sich wegen der Mehrwertsteuer-Rückerstattung eher lohnt.
Einmal besuchten wir die Caracalla-Therme, allerdings nur für zwei Stunden, da Veronika begann zu husten. Auf das römisch-irische Ritual im historischen Bad mussten wir deshalb während dieser Ferien verzichten. Wir kauften stattdessen Echinacea in der alten Hofapotheke.
Die Umgebung von Baden-Baden bietet ein unglaublich dichtes Netz an Spazier- und Wanderwegen. Mittwoch und Donnerstag nutzten wir für Rundwege: vom Hotel zum Kloster Lichtental, entlang des Flüsschens Oos zurück nach Baden-Baden und schliesslich wieder zum Hotel. Am Donnerstag erweiterten wir die Strecke Richtung Merkur und Teufelsschlucht.
Besondere Momente und kleine Stolpersteine:
Ein Erlebnis bleibt mir besonders im Gedächtnis: Am Dienstag schlug Veronika vor, mit der Bahn auf den Merkur zu fahren und dort zu essen. Am Nachmittag schien die Sonne und wir waren früh im Hotel. Ich freute mich, da die Bahn bis 22 Uhr fährt und das Wetter ideal war. Doch als ich vorschlug, früh aufzubrechen, um die Aussicht vor Sonnenuntergang zu geniessen, fühlte sich Veronika unter Druck gesetzt. Sie entschied, in der Stadt zu essen, und so spazierten wir los. Mein Eindruck war, dass wir den Merkur wohl wieder nicht schaffen würden – trotz bester Bedingungen. Solche Situationen machen mich manchmal traurig, weil sie Chancen auf gemeinsame Erlebnisse schmälern.

Veronika ist der Ansicht, ich hätte früher alles bestimmt und sie hätte mitgemacht. Jetzt im Alter möchte sie auch bestimmen. Daher lasse ich ihr die Führung. Ich bereite auch nicht mehr alles im Detail vor, lasse mich eher treiben. Für mich ist Bewegung im Vordergrund.


Freiburg und Einkäufe
Auf der Hinreise machten wir Halt in Freiburg im Breisgau, wo wir Geschenke suchten: Für Gabriel (10 Jahre) einen roten Jourdan-Hoodie (leider später ausverkauft) und für Isabelle (38 Jahre) eine mintfarbene Toolbox von Vitra. Veronika fand ein kleines weisses Schäfchen für 60 Euro, entschied sich aber im Moment dagegen – plante jedoch, später extra noch einmal nach Freiburg zu fahren, um es zu kaufen. Solche ‚Nicht-Entscheide‘ behagten mir gar nicht, musste doch später eigens ein Tag dafür ‚geopfert‘ werden.

Heimkehr und Alltag
Nach einem Einkauf bei Hieber in Binzen fuhren wir nach Hause, wo wir um 19:30 Uhr ankamen. Wir erledigten vier Trommeln Wäsche und nahmen am nächsten Morgen gemeinsam einen gemütlichen Brunch mit Raphael ein.
Am Samstag, 21. September 2024 wog ich 75 kg, was für mich ein guter Wert ist nach einer Woche Hotelferien. Es zeigt, dass es mir doch gelingt, bewusst zu essen. Km-Stand beim Auto: 215’661 km.
Ausgaben: 1760 €/Fr, dies macht ca. 175 Fr. pro Tag und Person. Aufteilung: 730 Fr für Kleider, Essen, Geschenke, Nahrung, 600 Fr. für Hotel Waldcafé mit Frühstück, 330 Fr. für Amortisation und Diesel für 550 km.

Teil 3: Einkaufsgewohnheiten von Veronika

Während unserer Aufenthalte im Herbst 2024 in Baden-Baden und Freiburg zeigte sich wieder einmal Veronikas besondere Art des Einkaufens. Sie legt grossen Wert auf Qualität und Individualität, was sich in ihrer Auswahl bemerkbar macht. Ein kleines weisses Schaf für 60 € oder eine handgefertigte Tasche für 265 € weckten ihr Interesse, während ich manchmal nur staunen konnte, wie viel Begeisterung sie für solche Dinge aufbrachte. Sie durchstöbert Geschäfte mit einer Hingabe, die ich fast als Kunstform beschreiben würde. Sie suchte Geschenke für Tochter Isabelles 38. und Enkel Gabriels 10. Geburtstag.
Entscheidungen zu treffen fällt ihr jedoch nicht leicht. Es kommt vor, dass wir mehrfach in denselben Laden zurückkehren, um ein Objekt der Begierde noch einmal zu betrachten. Ein Beispiel dafür war das weisse Schaf, das sie in Freiburg kaufen wollte, sich jedoch unsicher war, ob es wirklich notwendig ist. Wir fuhren deswegen extra noch einmal nach Freiburg, obwohl wir in unseren Kurzferien Baden-Baden auf der Hin- und Rückreise dort in den Geschäften uns umschauten. Auch das Kleidergeschäft Kaiser war ein Thema, das sie nicht losliess. Obwohl es nicht mehr existiert, trauerte sie der einst hervorragenden Beratung dort nach, ähnlich wie wir auch FeinKaller an der Zürcher Bahnhofstrassee in Zürich vermissen. Veronika thematisiert dies immer wieder.
Veronika ist eine meisterhafte Sucherin, besonders wenn es um Geschenke für unsere Kinder und Enkel geht. Ob in Baden-Baden, Freiburg, Konstanz oder Zürich, sie entdeckt immer wieder kleine Besonderheiten, die anderen eine Freude machen könnten. In Freiburg fanden wir eine Toolbox für Isabelle, während sie weiterhin zwischen einem Schaf, einer Tasche und anderen schönen Dingen schwankte.
Ihre Leidenschaft für Mode und Accessoires zeigt sich auch in ihren Käufen. Manchmal, wie bei dem Oberteil von Ina Kess, kauft sie etwas unter der Annahme, es sei ein Schnäppchen, nur um später zu entdecken, dass der Preis weit über ihrer Vorstellung lag. Trotz dieser Überraschungen trägt sie solche Stücke mit Stolz und Eleganz.
Was mich betrifft, bin ich weniger enthusiastisch, wenn es um Einkäufe geht. Ich erinnere mich noch an die Tage der Kindheit, als Kleidung eine Woche lang getragen wurde und ich damit vollkommen zufrieden war. Doch Veronika brachte mir bei, mehr Wert auf gepflegte Kleidung zu legen. Heute sehe ich Einkaufen eher als Pflicht denn als Vergnügen. Vielleicht macht gerade dieser Kontrast unsere gemeinsame Zeit in den Geschäften so interessant: Während ich nach dem Notwendigsten suche, erkundet Veronika mit Hingabe die Welt der schönen Dinge.

Teil 4: Ferienphilosophie
Solange wir uns selber bewegen können, sollten wir dies meines Erachtens auch tun. Für mich ist wichtig, dass wir jeweils an einer Destination mindestens zwei Nächte bleiben. So haben wir genügend Zeit, den Ort und die Umgebung zu erkunden. Das Aus- und Einchecken am gleichen Tag benötigt immer Zeit. Zwischen den Destinationen sollten 5 bis 7 Stunden Fahrzeit liegen mit früher Abfahrt am Morgen, damit grössere Strecken ohne Unterbruch zurückgelegt werden können.

Zuhause trinken wir am Morgen nur einen Kaffee und ein Glas Wasser. Warum sollen wir daran in den Ferien etwas ändern. Mit dem Auto können wir als Reserve die alte Nespresso-Maschine mitnehmen. Auf diese Art halte ich es bis zu zwei Wochen aus. Danach sehne ich mich wieder auf meinen Wochenrhythmus.

Flugreisen sollten wir nur in ferne Länder unternehmen. In Europa müsste Auto und Zug eigentlich genügen. Am 7. August 2026 habe ich von Bruno Bauer v/o Ovid den Hinweis gehört, ab 75 Jahren sei das Mieten eines Autos schwieriger, wenn gar unmöglich. Dies hat mich aufgeschreckt, weil damit die Gruppenreisen mit Car bald auch für uns in den Focus rücken werden.

Ferienreisen mit dem Auto
Wegen meiner Schlafapnoe haben wir früher auf lange Autofahrten verzichtet. Die ersten längeren Fahrten führten uns einige Male nach Dresden. Die Strecke von 600 km unterteilten wir in zwei Etappen und haben immer irgendwo übernachtet.
Als Pensionierter gelang es mir, das Gewicht und auch den Alkoholkonsum zu reduzieren. Dies führte zu einem gesünderen Schlaf. Ich ermüdete nicht mehr so schnell wie früher. Als Pensionierte fahren wir mehr Autokilometer als während der Berufsphase. 2024 wagten wir einen Versuch und reisten in vier Tagen nach Porto zu meiner Schwester Maria Brabetz. Allerdings wechselten wir neuerdings ab am Steuer – mindestens auf den angenehmen Autobahnen in Frankreich und Portugal.






Weitere Reisen

Hamburg mit Elbphilharmonie im September 2025

Diese Destination war eigentlich seit der Eröffnung des Bauwerks im Hinterkopf. Wir waren Mitglied im Theaterclub, der immer wieder Vorschläge unterbreitete. Veronika waren diese Reisen zu teuer. Unsere Nachbarn Lilian und Anton Rey gingen mit dem Theaterclub – nicht nur nach Hamburg sondern auch an andere Konzertorte. 2023 waren Peter und Heidi Heinzer auf eigene Faust in Hamburg – mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das war eine Vorlage für mich – leider mit dem Unterschied, dass Veronika mit dem Auto fahren wollte. Veronika und ich hatten das gleiche Ziel, also machte ich mich an die Arbeit. Für mich standen daneben noch zwei Sehenswürdigkeiten schon längere Zeit auf meiner Liste, nämlich Liliental bei Freiburg und die Wasserspiele in Kassel. Auf diese wurde ich aufmerksam im Newsletter von Seniorweb, zu dem wir als Mitglied der Zürcher Senioren (ZSS) Zugang haben. Als Organisator und Fahrer konnte ich mich bei Veronika durchsetzen. Des Weiteren liess ich mich zum ersten Mal von ChatGPT beraten bezüglich Etappen und der Etappenorte. Das erleichterte mir die Recherche in dem Sinne, als ich gute Inputs geliefert bekam, die ich vertiefen konnte.

Für das Pflanzengiessen haben Isabelle und Raphael zugesagt für die Zeit 31. August bis 11. September 2025.

Knackpunkt für die Organisation war die Elphilharmonie, die zum Teil saisonale Pause hatte, gewisse Konzerte bereits ausgebucht waren. Ich buchte eine der wenigen freien Plätze am Sonntag, 7. September 2025 um 11 Uhr. 

Ein weiterer unumstösslicher Pflock für mich waren die Wasserspiele in Kassel, die nur sonntags und mittwochs stattfinden und zu denen man mit Vorteil am Vortag anreist. Es stellte sich die Frage, ob wir diese auf der Hin- oder Rückfahrt besuchen.

Von Veronika bekam ich die Vorgaben: Während den Ferien bitte keine E-Mails und Telephone! Keine Arbeit, nur Ferien zu zweit!

Veronika überlegt sich bei solchen Reisen jeweils schon Tage im Voraus, welche Kleider wohl wann und wo passen könnten. Sie fragt nach der Wetterprognose. Auch ist ihr die Kaffeemaschine wichtig, benötigt sie doch am Morgen zuerst etwas Koffein.
Über Ortschaften und Sehenswürdigkeiten mach sie sich erst während der Fahrt kundig. Sie nimmt jeweils wenig Rücksicht auf die Wünsche des Partners, der vielleicht schon vorher recherchiert hat. Sie lässt sich leiten aus schon vor längerer Zeit abgesicherten Informationen. Zum Beispiel will sie auf einmal nach Lüneburg – leider hat das Hotel nur eine Nacht für uns. Erst später stellen wir fest, dass dieses schöne Städtchen auch von Hamburg her (1 Stunde Fahrzeit) hätte angefahren werden können – als Tagesausflug. Bei ‚Lüneburger Heide‘ klingelte es ihr im Ohr, sie sei mit einer Kollegin und deren Freund schon dort gewesen. Oder auf der Heimreise will sie unbedingt in Münster übernachten – auch nur eine Nacht. Für mich als Haupt-Fahrer fehlen mir so die Ruhepausen, wenn ich jeden Tag im Auto bin. Veronika übernimmt das Steuer – seit unserer Portugalreise 2025 – nur auf gut ausgebauten Autobahnen, wenn lange keine Ausfahrt bevorsteht.

Die Hamburg-Reise habe ich als gut in Erinnerung. Die Etappierung ist – mit Ausnahme Lüneburg und Münster – gut aufgegangen. Einige meiner Hauptwünsche konnte ich ausleben, nämlich die Wasserspiele in Kassel, das Waldlabor Liliental bei Freiburg, die Elbe-Schifffahrt, Hamburg mit dem öV statt mit dem Auto. Ich hätte gerne einmal das Wattenmeer durchwatet, so wie es Peter und Heidi Heinzer gemacht haben. Aber Veronika hatte kein Interesse.

Stationen mit Kommentar:

  • Tag 1: Liliental mit dem Restaurant zur Lilie. Im Waldlabor testen sie Baumarten, die den steigenden Temperaturen in Europa besser standhalten können. Absolute Ruhe. Keine Handy-Empfang, daher Barzahlung im Restaurant. Angenehme Spaziergänge.
  • Tag 2: Rundwanderung in Baden-Baden vom Waldcafé durch den Wald nach Lichtentlal und dort der Allee entlang zum Hotel Brenners mit dem wunderschönen Blumenarrangement, in die Innenstadt und wieder hinauf ins Hotel. Auch zum wiederholten Male immer wieder schöne.
  • Tag 3: Fulda hat eine schöne Innenstadt. Dies wäre mein Wunsch gewesen, dort einen Mittagshalt zu machen statt an der tröden Autobahnraststätte. Meine Begleitung sah das anders. Mir tun solche Momente leid und ich finde es schade, wenn solch einfach zu gestaltende Gelegenheiten nicht genutzt werden, kurz einen Augenschein zu nehmen. So schnell lässt sich das nicht wiederholen.%u2028Kassel: Abendessen an der Bombengrenze. Bahnhofdach habe ich zu meiner SBB-Zeit bei einem Extra-Stop von einer Stunde einmal angesehen. Ich hatte es viel grösser in Erinnerung.
  • Tag 4: Am Mittwoch, 3. September 2026 erkundeten wir die grosse Anlage und gingen am Mittag zu Fuss zu den Wasserspielen (14.30 bis ca. 16.30 Uhr) mit den Kaskaden, dem Steinhöfer Wasserfall, der Teufelsbrücke, dem Aquädukt und der grossen Fontäne am See. Alles mit Schwerkraft – ohne Elektrizität. Mich hat es beeindruckt und auch gefallen – im Unterschied zu Veronika, die den Ort wegen der vielen Leute schnell verlassen und unbedingt nochmals einen bereits am Vorabend besuchten Laden besuchen wollte.
  • Wasserspiele am Herkules. Ich war begeistert von der Technik der Schwerkraft – ohne Elektrizität. Mit vielen anderen Leuten folgte ich den fünf Stationen. Veronika war nicht ganz wohl. Kassel hätte noch mehr zu bieten, aber wir verbrachten den Morgen im Hotel mit Tee-Trinken.
  • Tag 5: Lüneburg ist ein wunderschöner Ort in wohltuenden Lüneburger Heide.
  • Tag 6 bis 9: Bergedorf, Hamburg: Die Elbphilharmonie habe ich auch zehn Jahre nach der Eröffnung als tadellos im Schuss erleben können. Es ist ein Erlebnis, auch ohne Konzertbesuch. Die Anlage ist offen für alle Menschen, die auch einfach die lange Rolltreppe hochfahren und einen Umgang machen können. Wunderbare Aussicht auf Hafen und Stadt. Der Speicher bekam ein Hotel und Konzertsäle aufgesetzt von Herzog de Meuron. Im Fuss sind all die technischen Anlagen wie Parking, Proberäume, Garderoben, Lüftung, Anlieferung, Entsorgung, etc. untergebracht. Der Publikumsmagnet war eindrücklich. Die Hafenpromenade ist grosszügig angelegt und beeindruckt Festlandbewohner.
  • In Bergedorf konnten wir zur Ortsmitte resp. zum S-Bahnhof mit dem Bus oder zu Fuss einem Bächlein entlang im Grünen gehen. Es war wohltuend. Das Hotel war stark besucht und das gastronomische Angebot gut.
  • Tagesausflug nach Lübeck war nicht so befriedigend – im Vergleich zu Lüneburg.
  • Die S-Bahnen und Busse verkehrten pünktlich. Mit der entsprechenden App konnten wir uns wie zu Hause bewegen.
  • Das – eher gehobene – Quartier Blankenese erinnert mich an Ascona im Tessin mit den Villen hinter blickdichtem Grün und schweren Metalltoren. Eher abschreckend. Der Spaziergang entlang der Elbe war entspannend. Die Uferzone ist grosszügig bemessen und war frei von jeglichen Gebäuden. Die Villen lagen verdeckt oben am Hang.
  • Tag 10: Bremen war eine aufgeräumte Stadt. Wir besuchten sie am späten Vormittag im Rahmen eines Zwischenstops.
  • Münster: Viele Kirchen, spitze Dächer fallen auf, alle Häuser in der Stadt aneinander gereiht. Interessante Stadt, gut gegessen. Peter Heinzer hat hier z. T. Theologie studiert.
  • Tag 11-12: Heidelberg: auf der rechten Seite des Flusses eher ‚normal‘, auf der linken sehr touristisch. Die Freude der Amerikaner in Heidelberg nach dem Krieg ist nachvollziehbar.
  • Tag 13: Freiburg, Zürich

Statistik:

  • Im Schnitt ca. 17’000 Schritte pro Tag gegangen.
  • Datenvolumen 4 GB verbraucht, Ubigi e-SIM (10 GB) hat gut funktioniert. Vorwiegend für die Navigation benötigt, aber auch für das Surfen von Veronika.
  • Temperatur: 15-24°C, meist trocken.
  • Fahrten: Problemlos 2236 km gefahren mit BMW 2 (Betrieb und Amortisation von Fr. 1300.- in Reisekosten eingerechnet). Km-Stand am Schluss der Reise: 237’097
  • Unterkünfte: Fr. 1600 für 12 Nächte.
  • Restaurant, Verpflegung: Fr. 1100.-
  • Einkäufe: Fr. 460.- für T-Shirt Lüneburg 80, Schal in Münster 130, Kette in Freiburg 160€.
  • Hotels: Waldcafé in Baden-Baden, Hotel am Herkules in Kassel, Bremer Hof in Lüneburg, Alt Lohbrügger Hof in Hamburg, Jellentrup in Münster, Rafaela in Heidelberg.
  • Familienkonzert im Kleinen Saal in der Elbphilharmonie besucht am Sonntag, 7. September 2025 um 11 Uhr. Tickets für 14€ pro Person.

Vergleiche mit Car-Tour-Angebot für Fr. 799.- pro Person zur gleichen Jahreszeit:
4 Reisetage im Bus, 3 Übernachtungen in 4*-Hotel, 2 Nachtessen in Hamburg, Joh. Strauss Gala, Kategorie 5-Plätze am Samstag 6. September 2025.



Alltagsausgaben in Euro € über die Neo-Bank yuh (Postfinance, SwissQuote) während der Reise 1.-15. September 2026. In der Gemeinde Habichtwald habe ich auf der Autobahn eine Busse eingefangen in Höhe von 20€.

 


Reise nach Hamburg: Kreditkarten-Belastungen während der Reisezeit1. Septemberbis 15. September 2025. Hotels meist über Booking.com gebucht.

 


 



 









Gruppenreisen mit Car
Apulien in Italien vom 17. bis 24. April 2026

Kurzfassung als Mail an meine Schwester in Ravenna:

Liebe Martha

Unsere Reise in deiner Wahlheimat Italien ist schon zu Ende. Gerne berichte ich dir über unsere Erfahrungen.

Aber zuerst habe ich eine Frage: von früher her habe ich die italienischen Autobahnen so in Erinnerungen, dass immer grosse Werbeplakate aufgestellt waren rechts und links der Strasse. Mir ist nun aufgefallen, dass die Strassenränder und die Wiesen daneben schön aufgeräumt und gut gepflegt sind. Hat es diesbezüglich eine Gesetzesänderung gegeben in den letzten 20 Jahren. Wir staunten bei den Autofahrten, wieviel Landwirtschaft in Italien betrieben wird, alles ist über weite Strecken grün rechts und links entlang der Autobahn bis in die Hügel hinauf.

Es war unsere erste solche Gruppenreise mit dem Car. Aber viele Pensionierte in der Schweiz erkunden so Europa. In Apulien habe ich erfahren, dass solche Bustouren im April und Mai erst in den letzten 20 Jahren entwickelt wurden und so die ehemalige Vorsaison in eine Hochsaison für Gruppenreisen verwandelt hat.

Apulien war mir bis anhin nur bekannt wegen des hl. Nikolaus aus Bari. Jetzt lernten wir, dass Nikolaus und Nicolini in der Gegend eine wichtige Rolle spielen.

Unser Hotel hatten wir in Savelletri (Fasano) am Meer – es war Vorsaison, kein Badewetter, resp. keine angenehme Wassertemperatur.

Wir besuchten Naturwunder wie die Grotten von Castellano. Wirklich eindrücklich, diese 60 m hohen Räume, erst 1938 entdeckt, aber in Millionen von Jahren entstanden, eigentlich schon zur Zeit, als Apulien noch unter Wasser lag.

Die 60 Millionen gesunden und die 25 Millionen absterbenden (seit 2013 wegen eines aus Costa-Rica importierten Bakteriums) Olivenbäume prägen die Landschaft.

Wir besuchten Matera. Hier wohnten die Menschen in Höhlen oder sogenannten Sassis. Es gab sogar drei Felsenkirchen. Es soll die älteste Stadt Italiens sein. Heute wohnen die Menschen oben auf einer Ebene.

Des Weiteren besuchten wir Alberobello mit seinen 1400 Trullis (einfache Häuser für die Bauern und die Tiere, trocken gebaut, damit sie schnell wieder abgebaut werden konnten und so keine Steuern zahlen mussten).

In Locorotondo sahen wir die Cummerse-Häuser mit ihren spitzen Giebeln. Die Städte Gallipoli, Lecce, Trani, Monopoli durften nicht fehlen, wobei Lecce als Florenz des Südens uns um diese Jahreszeit am lebendigsten in Erinnerung bleiben wird.

Wir haben in einer Masseria (Bauernhof) gegessen und viel über die lokalen Spezialitäten erfahren.

Das Stauferschloss Castel del Monte bildete den Abschluss.

Was mich persönlich beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass in Apulien über Jahrhunderte Juden, Moslem und Christen friedlich miteinander lebten. Erst die Spanier setzten ab dem 16. Jahrhundert Druck auf, zum Katholizismus zu konvertieren oder auszuwandern.


Bei einer nächsten Reise werde ich darauf schauen, nach Alternativen für die lange Anfahrt zu suchen, wobei mir bewusst ist, dass dafür nur Bahn oder Flugzeug in Frage kommen. Diese je zwei Tage für die Hinfahrt und Rückfahrt empfand ich als anstrengend. Aber mit dem eigenen Auto hätten wir das nicht geschafft.

Mir haben die lokalen Reiseführer vor Ort gefallen. Diese haben uns viel über den Landstrich erzählt.

Mit lieben Grüssen
Niklaus
_____________________
Niklaus Wild
niklaus.wild@gmail.com

Tel.: +41 44 210 10 15
Mobil: +41 79 617 48 35


Das Mail an Meine Schwester Martha von Ravenna kann als Zusammenfassung betrachtet werden. Mich trieben weitere Themen um im Zusammenhang mit dieser Reise.

Unsere zweite Ferienreise in einer Gruppe ist von der Gruppen- und unserer Paardynamik her gelungen.

Wie kam es zur Buchung dieser Reise? Die Weihnachtsvorbereitungen und die Mahlzeiten am 24. und 25. Dezember 2025 nahmen Veronika ziemlich in Anspruch, was zum Teil an ihrem Anspruch nach Perfektion liegt. Auf ihren Geburtstag (3.1.26) hin wurde sie noch krank. Geplant war, dass ihre Kinder bei uns im Tiergarten das Geburtstagsessen zubereitet hätten. Das Wetter war seit Oktober vielfach bedrückend und neblig – im Unterland. Es stellte sich ein Winterblues ein. Für einige Tage in die Berge war es Veronika zu spät, weil sie im Winter sich immer jungfräulichen Schnee vorstellt. Sie sah in der Migros-Zeitung diese Reise nach Apulien. Sie wollte gleich nach Ostern fahren, da war aber nur noch ein Platz frei. Sie drängte auf eine frühe Fahrt, obwohl Schulferien in Knonau waren. Am 2. Januar 2026 buchte ich APULIEN 8 TAGE 17.4.-24.4.26. Für unsere Verhältnisse erfolgte diese Buchung eher spontan ohne grosse Reflexion. Veronika wollte die Ferien fixiert haben, damit wir keine Überschneidung mit dem Geschwistertreffen resp. Gedächtnis von Gandolf (5. April 2026) haben würden. Für Ferien standen eigentlich zur Diskussion: Japan, Cuba, Bhutan, Vietnam, Polen, Marokko. Ich unterstützte die Buchung aus zwei Aspekten: Die Diskussion um die Ferien wären beendet und wir wären in einer Gruppe unterwegs – nicht wie immer im Ehepaar-Cocon wie zuhause.

Zu erwähnen ist, dass am 29. Dezember 2025 Peter und Heidi Heinzer bei uns zu Besuch waren. Sie gehen am 21. Januar 2026 mit Tochter und Schwiegersohn mit Servrail nach Lappland. Peter sagte mir, mit Car-Tour hätten sie die Schiffsreise unternommen im Mittelmeer auf einem der grösseren Kreuzfahrtschiffe. Auf dem Rückweg hätten sie in Luzern Gäste ausgeladen und vor MyStop hätte der Chauffeur gesagt, er müsse jetzt eine Stunde Pause einlegen. Sie hätten sage und schreibe einfach auf der Raststätte eine Stunde Pause gehabt, 20 Minuten von zu Hause entfernt. Peter hat das gar nicht gefreut.


Wie kalkuliert die Car-Unternehmung?
Ein Car für 50 Personen, ein Chauffeur Roger Gaspoz, ein Reiseleiter Dominique Dietrich, fünf lokale Tour-Guide Ekaterina, Vanessa, Sascha, Angelica, Sabine.
Auf der Hinreise machten wir in den zwei Tagen Halt in Sargans und vier Autobahnraststätten in Italien. Abendessen war immer im Hotel gemeinsam. Einziges gemeinsames Mittagessen war im Zusammenhang mit einer Olivenöl-Degustation in einer Masseria, einem Bauernhof, wo wir an einem langen Tisch lokale Spezialisten serviert bekamen. Die beiden ersten Hotel lagen am Strand und waren meines Erachtens in der Vorsaison günstig. Andere Hotels im Ort hatten noch geschlossen. Aufgefallen ist mir ein Car aus Deutschland. Seine Kunden haben im Hotel neben uns in Milano-Marittima bei Ravenna übernachtet. Wir sind zur gleichen Zeit abgefahren, beide mit Ziel Apulien. Auf der ersten Raststätte waren sie vor uns da und auf der zweiten ebenfalls. Aber beide Unternehmen haben von den vielen Raststätten auf der 650 km langen Strecke genau die gleichen ausgewählt. Meines Erachtens hängt das mit dem Pausen-Management der Chauffeure zusammen und allenfalls mit dem Anbieter, der die Konsumation des Chauffeurs und des Reiseleiters übernimmt. Wie meine Schwester schrieb, wurden die Werbeplakate entlang der Autobahnen vor Jahren verboten – aus Sicherheitsüberlegungen. Generell wurde in die Sicherheit investiert, meine Schwester Martha fährt seitdem viel lieber auf der Autobahn.
Vom Hotel La Sorgente in Savelletri machten wir die Ausflüge. Das Hotel Sorgente hat einfache Zimmer und einen Speisesaal. Es keine Aufenthaltsqualität. Die Räume waren nicht geeingnet, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Draussen war alles kahl und kalt (windig). Man nur schlafen, essen und der Car steht vor dem Hoteleingang. Ein Hotel in Bari, Brindisi oder Lecce wäre teurer, hätte aber einen Zusatzwert in der Freizeit. Im Küstenort Savelletri möchte ich nicht einen Tag 'Freizeit' verbringen. Veronika und Manuela (aus der Modebranche) haben in Lecce das Lädele vermisst.
Meist waren wir von 8.30 bis 18 Uhr unterwegs. Die vier Besichtigungstage empfand ich informativ und interessant, aber auch anstrengend (Frühstück 7.30 und Abendessen 19.30 bis 22 Uhr. Im Hotel assen wir am Morgen und am Abend am gleichen 8-er-Tisch und mussten jeweils für den anderen Tag aus zwei Menüs auswählen. Die vier Reisetage auf der Autobahn und deren wenig einladende Raststätten waren anstrengend. In der Nähe von Neapel machten wir eine Stunde Pause auf einer Raststätte ohne Tische draussen. Es gab keine Grünflächen. Die Lastwagen-Plätze waren alle besetzt. Es ist ein Leben auf der Strasse. Im Bus hatten wir den Platz in der dritten Reihe rechts. Ich konnte immer ins Grüne schauen und kam vom Verkehr nichts mit.  

Besuchte Orte und deren Geschichte: Wir lernten viel über Land und Leute, Einflüsse, Geschichten, Legenden. In die iPhone-App 'Journal' habe ich meine Notizen übertragen und jeweils auch einige Bilder.

Mir sind folgende Zusammenhänge geblieben:

  • Über die Jahrhunderte haben Christen, Muslime und Juden friedlich mit- und nebeneinander gelebt. Erst die Spanier haben ab dem 15./16. Jahrhundert angefangen Druck auszuüben zum Katholizismus zu konvertieren oder das Land zu verlassen.
  • Apulien heisst ohne Wasser. Die Bauern lebten in Trullis aus Trockenstein. Diese Häuser galten als temporär, da sie schnell abgebaut werden konnten. Damit entfiel die Steuer wie gemauerten Häusern. In Trullis wohnten die Armen mit ihren Tieren. Die Dächer sammelten das karge Regenwasser in Zisternen. 
  • In diesem Jahrhundert erfahren die Trullis eine Renaissance als Ferienhäuser, Hotels, etc. Was vor 25 Jahren noch 7000 € kostete, wird heute für mehr als eine halbe Million € gehandelt.
  • Apulien grenzt an zwei Meere, das adriatische und das ionische bei Gallipoli. 
  • Die Adria ist eher steinig an der Küste. Im Sommer lebten die von Norden eher im Landesinnern über Wochen, denn am Meer hatte es Mücken und es war heiss. Heute sind den Italienern die Ferienwohnung zu teuer geworden.
  • Die Via Appia führte von Rom nach Brindisi, dem Tor nach Osten, 700 km lang. 

Positives Fazit zum Erholungs- und Bildungswert:
Mir haben die Führungen in den vier Tagen vor Ort in Deutsch gefallen. 
Zudem gab es interessante Begegnungen mit anderen Menschen, auch wenn keine Bekannte daraus geworden sind. Die anderen Teilnehmenden gehören zur Altersgruppe Ü60. Wir waren quasi unter uns. 
Die Ferien waren eine Abwechslung zum Alltag.

Zur Erinnerung habe ich bei Bookfactory auf die Schnelle über die neu lancierte Collab-App die Fotos von Veronika und mir zusammengeführt und auf die schnelle ein 12x12 cm grosses und 30 Seiten umfassendes Booklet für Fr. 10.- drucken lassen. Der Sinn hinter diesem neuen Format ist ein Fotobuch auf die Schnelle, unterstützt mit künstlicher Intelligenz. Auf my.maps habe ich die Stationen nachgeführt und als Print Screen ins Fotobüchlein integriert. Nachbearbeitet habe ich die ganze Reise jeweils auf der Journal-App von Apple mit Fotos und Gedanken zum Tag.
 
Gruppendynamik:
Damit Veronika zufrieden ist, habe ich beim Car, bei den Essen immer ihr den Vortritt gelassen und mich dann neben sie gesetzt. Im Car hatte ich einen guten Platz, in der dritten Reihe rechts am Fenster – ohne Ablenkung von Verkehr und businternen Bewegungen. Beim Abendessen im Hotel am Meer gab es Achtertische. Auf der Rückfahrt übernachteten wir in Chianciano Terme bei Siena, auch dort gab es Achtertische. Und siehe da, alle sassen wieder gleich wie die fünf Tage vorher. Lehre daraus: Wo du zuerst sitzt, bleibst du sitzen. Man kommt fast nicht in die anderen Gruppen hinein.
An unserem Tisch: Anita und Tony Lehner aus Wettswil, Silvia und Peter (Nestor) Zingg aus Adliswil, Heidi Aigeldinger und Markus Häseli aus Gipf-Oberfrick. Am Mittagessen auf der Masseria am langen Tisch sassen wir gegenüber Graziella und Edi Kaufmann. Diese wohnen seit 5 Jahren in Muhen am Baumgartenweg 9. Sie kamen von Windisch her, weil ihre Tochter in Unterentfelden wohnt mit ihrer Familie. Graziella besucht seit 25 Jahren einen Italienisch-Kurs. Der Vater war Italiener, ist früh verstorben. Sie sassen im Bus vor uns.
Neben mir sass eine Theres und Rita aus Uster und gegenüber eine Susi. Es ergab sich keine Gelegenheit, die Gespräche zu vertiefen, da sich diese drei in einer anderen Achtergruppe bewegten. Das war für mich eher eine befremdliche und traurige Erfahrung. Menschen lernt man keine kennen auf solchen Reisen. Eine erfahrene Reisende hat mir gesagt, auf Reisen mit Hotelwechseln sei dies anders und auch bei Reisen mit Wanderungen. Da komme man eher mit allen in Kontakt.
Von den anderen Reisenden wissen wir wenig bis gar nichts. Folgende Namen sind mir geblieben: Manuela und Rolf aus Beinwil, Othmar (Büchel) und Margrit von Stansstaad, Chaba und Susanne (ehem. Ungarn) aus Basel, Christina und Giuliano (kleine Statur), Imre und Ulla (an Stöcken). Franz (Bündner) mit Anwaltskanzlei am Römerhof. Maurus von Baden, macht Führungen im Linth-Limmern Kraftwerk, seine Frau war drei Wochen vorher auf einer Kulturreise in Sizilien.

Reisekosten:
Die Basisbuchung gemäss Ausschreibung von Car-tour (Kunden-Nummer 190380) belief sich auf Fr. 2580.-, bereits mit Saisonzuschlag Fr. 90.- pro Person, aber Zimmer ohne Meerblick und ohne reservierten Platz (beides Fr. 250.- zusätzlich für uns zwei). Die Reiseversicherung schliessen wir jeweils ab für ein ganzes Jahr. Die Reise kostete uns insgesamt Fr. 3100.-. Es fielen Fr. 75 an Trinkgeldern an. Die Mittagessen, die Getränke bezahlten jeder selber. Alles in allem Fr. 188.- pro Tag und Person. [Im Vergleich dazu kostete die 13-tägige Reise mit Ziel Hamburg im September 2025 175€ pro Person und Tag, wobei das Auto mit 60 Rp/km eingesetzt worden ist.
Insgesamt machten wir mit dem Car 4000 km und verbrauchten 1000 Liter Diesel. Davon schlagen für die Hin- und Rückfahrt je 1300 km zu Buche. 
Trotz diesen beachtlichen Zahlen gab es genügend Gelegenheit für Bewegung. Wir kamen im Durchschnitt auf ca. 8-10'000 Schritte pro Tag. Die Besichtigungen bedingten vielfach längere Fussmärsche.

Alternative Anbieter:
Auf der zweitägigen Heimreise habe ich  die Angebote von Studiosus und Twerenbold studiert. Twerenbold wäre nach Brindisi geflogen (Abflug in Zürich um 06.50 Uhr!) und Heimflug nach 6 Tagen am Nachmittag. Somit stehen 1.5 Tage mehr Zeit vor Ort zur Verfügung. Übernachtung wäre im gleichen Hotel La Sorgente wie bei Car-tour gewesen. Auch das Mittagessen auf dem Bauernhof wäre in gleicher Art und Weise von statten gegangen. Werbung mit einer Foto des Cars auf dem Bauernhof. Die Ausflüge waren notgedrungen die gleichen wie bei uns, ergänzt mit Ostuni, Brindisi und Bari. Für uns als in Zürich wohnhafte hätte es klappen können. Basispreis: Fr. 1480.- pP. Twerenbold ködert mit dem dick-gedruckten Preis 1320, verlangt aber für die drei Ausflüge, die meines Erachtens auf keinem Programm fehlen dürfen (Castellana Grotten, Materia, Trulli) je Fr. 65.- zusätzlich.
Studiosus wäre mit dem Zug angereist, nach Programm aus München, an einem Tag nach Bari mit Ankunft um 22.30 Uhr. Die Reise erstreckt sich über 11 Tage, davon zwei für An- und Rückreise. Unterkunft wäre an den drei Orten Fasano, Otranto und Brindisi gewesen, und zwar in den Städten, einmal in einem ehemaligen Kloster. Jeden Tag war eine kleine Wanderung angesagt, auf denen die Gegend näher gebracht worden wäre. Für mich hätte das besser gepasst und Veronika hätte am Abend Gelegenheit für eine Tour durch die Geschäfte gehabt. Der Basis-Preis lag bei Fr. 2262.-, pro Ferientag günstiger als bei Twerenbold, aber teurer als bei Car-Tour. Die Reise im Zug hätte mich gereizt wie auch die Wanderungen an diesen drei Orten. Es wäre für mich eher Slow-Travel.

Kriterien für künftige Gruppenreisen:
Führungen in Deutsch
Hotel-Standorte in pulsierenden Orten, um den Alltag der Bevölkerung zu erleben ('tote' Ferienorte mit geschlossenen Restaurants und Hotels und Läden sind nur gut für den Veranstalter, nicht für die Teilnehmenden)
Anfahrten mit der Bahn oder höchstens ein Tag mit dem Bus.
Die Ausschreibungen genau lesen und versuchen, sie richtig zu interpretieren. [In Cordoba buchte ich einmal ein Hotel, das damals auch von Kuoni angeboten wurde, das keine Fenster nach draussen hatte. In der Beschreibung stand: Fenster in den Innenhof. In Wirklichkeit liefen die anderen Hotelgäste vor unserem einzigen Fenster durch. Eine bleibende Erfahrung. Das von mir avisierte Hotel in einem ehemaligen Kloster war leider ausgebucht. Die Beschreibung war korrekt, wurde von mir falsch interpretiert, weil ich so etwas noch nie erlebt hatte und mir auch nicht vorstellen konnte.]

Ein Gedanken zum Schluss: In Alberobello bei den Trullis und in Gallipolli auf der kleinen Insel fühlte ich mich als Reisender nicht wohl. Ich spürte, ich bin ein Teil des Overtourism. Mit unseren 47 Teilnehmenden waren wir eine grosse Gruppe. Die Reiseführerin Katherina hat dies immer wieder gesagt im Gespräch mit mir. Wir hatten immer Kopfhörer an. Am 15. Juli 2026 habe ich gelesen: Es gibt Orte in Italien wie Vernazza, Riomaggiore, etc. die Touristengruppen auf 25 Personen beschränken, ab 10 Touristen müssen Kopfhörer für Erklärungen abgegeben werden, es werden Selfie-Verbotszonen oder Haltezonen für Gruppen definiert. Die Leiterin Katherina sagte immer, ihr seid eine grosse Gruppe! Neun weiss ich warum. Mir war nicht wohl und ich schäme mich ein wenig.

Warum müssen wir überhaupt an diese Orte, wo bereits so viele Leute sind. Ich muss mich vermehrt wieder auf das Wandern oder Pilgern in der Schweiz konzentrieren. Dort trifft man selten andere Menschen auf unseren bestens unterhaltenen Wegen.

Ferienreisen ins Ausland werden seit der Pension von Veronika forciert. Sie meint, sie könne so ihr ihrer Ansicht nach verpasstes Leben nachholen. 

Wie ist dein Verhältnis zu deinen Enkelkindern?
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18.  Reisen als Ehepaar

Wie ist dein Verhältnis zu deinen Enkelkindern?
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Monique Schaller, Hannes Roose, Urs Bollhalder
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19.1.  Gemeinsame Freunde und Bekannte neben Kyburgern – Monique Schaller, Hannes Roose, Urs Bollhalder.
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Monique Schaller Rähm (1948 bis 2023)
Rückblick auf ein bewegtes Leben

Monique Schaller Rähm auf ihrer grossen Terrasse an der Fluhbergstrasse 5 in Männedorf. Pfingsten 2019.

 



 

 

Monique Schaller Rähm wurde über ihren Mann Röbi Rähm, der wie ich bei Swissboring arbeitete, zu einer langjährigen Bekannten und Freundin unserer Familie. Röbi und ich, beides ETH-Studenten, pflegten den Kontakt bei Swissboring / Solexperts. Über die Jahre entwickelte sich eine Freundschaft zwischen Monique und meiner Frau Veronika. Die beiden Frauen verbrachten viel Zeit miteinander, besuchten beispielsweise das Schauspielhaus Zürich (mit Abonnement) und teilten eine Vorliebe für gepflegte Lebensart.  

Monique und Veronika am Chlaus-Apéro im Baur au Lac Zürich. Ca. 2011 bis 2013.

 


Auf dem Weg zur Petersinsel im Bielersee. Monique Schaller Rähm, Claude Block, Veronika Wild. 2016.

 

Monique Schaller Rähm in ihrer Eigentumswohnung (Haus) in Männedorf. Wahrscheinlich wurde die Foto am Geburtstag von Claude Block am 25. November 2002 aufgenommen. Auf der Foto ist der 3. Dezember 2002 angegeben, ev. das Entwicklungsdatum.

 

 



Schicksalsschlag: Röbis Militärunfall und die Folgen
Im Jahr 1983 kam es zu einer Tragödie: Röbi Rähm verunglückte tödlich im Militärdienst, was die Familie nachhaltig veränderte. Monique, damals Mutter der kleinen Kinder Thomas und Isabelle, musste fortan allein für ihre Kinder sorgen. Neben unserer Unterstützung traten andere Menschen, darunter Danielle Fretz und Gabriele Winiger, als Begleiter und Vormünder für die Kinder in Moniques Leben. Die Beziehung zu Röbis Eltern zerbrach jedoch, was Monique zum Bruch mit seiner Familie veranlasste und 1994 vor ihrer Amerikareise vorsorglich Vormünder für ihre Kinder bestimmte.

Neuanfang und der Einfluss von Freundschaften

In den darauffolgenden Jahren baute Monique ihr Leben in Männedorf neu auf. Nach einigen Jahren in der Rothuswies erwarb sie eine Eigentumswohnung, die aufgrund der Seesicht und des Gartens bei Veronika für ein wenig Neid sorgte. Monique pflegte enge Kontakte und genoss das Leben, etwa bei Besuchen in der Kronenhalle oder luxuriösen Aufenthalten, wenn sie auf Reisen war. Ihre Freundschaften blieben konstant wichtig. Mit ihrem Lebenspartner Claude Block (ab ca. 1998) erlebten wir schöne Anlässe, wie gemeinsame Ausflüge zur Petersinsel, Murten oder Konstanz und Festlichkeiten, darunter Moniques 60. Geburtstag im Chalet Edelweiss in Arbaz oder den 70. Geburtstag von Claude im Klösterli beim Zoo am 25. November 2019.

Zu Claude Block: Er ist 1948 in Biel geboren. Seine Vater war jüdisch erzogen worden, heiratete aber eine reformierte Frau. Daher ist Claude reformiert und nicht beschnitten, wie er uns am 26. Dezember 2025 anlässlich eines Besuches bei ihm an der Bertastrasse 28 in Fussdistanz zu uns erzählte. 

Sein Grossvater und jene Generationen zuvor waren jüdisch. Sie betrieben an der Marktgasse 5 in Biel einen Tuchladen, der gegründet worden ist von Léon Nordmann, aber später von der Familie Levy-Nordmann betrieben worden sei. In der Geschichte zu Biel hat es auf Seite 671 einen Hinweis auf dieses Ladengeschäft. Léon Nordmann arbeitete später zusammen mit den Brüdern Henri und Ernst Maus, die das Kaufhaus Manor betrieben.

Claude Block ist krankheitshalber seit 2022 ziemlich an seine Wohnung am Idaplatz gebunden. Sein Sohn Emanuel, dessen Mutter eine Japanerin ist und der auch eine Japanerin geheiratet hat und mit ihr eine Tochter Cloé (geb. 2017) hat, führt in manchmal zu Einladungen oder zu seinem Ferienhaus in Evian oder zu seinem Mehrfamilienhaus in Biel. Claude ist seit langem geschieden und sein Sohn lebt getrennt, teilen sich aber die Obhut über die Tochter sinnvoll und harmonisch auf.

Den 70. Geburtstag von Claude Block feierten wir im Alten Klösterli beim Zoo.


An 7. August 2018 waren wir mit Claude Block Monique Schaller Rähm in der Therme und anschliessend im Inselhotel zum Essen. Niklaus, Veronika, Claude Block. © Monique Schaller Rähm.

 







Verlauf der Krankheit und die Entscheidung zum Abschied

Im Jahr 2023 änderte sich Moniques Lebenssituation dramatisch: Sie erhielt die Diagnose Parkinson MAS, eine aggressive und unheilbare Form der Krankheit. Sie zog ins Tertianum Zollikerberg, nachdem die Wohnung in Männedorf für sie zunehmend unzugänglich wurde. Während der Phase ihrer Krankheit bat sie um unsere Unterstützung bei der Organisation des Verkaufs ihrer Wohnung und anderer Vermögensfragen. Monique entschied sich, ihren Lebensweg mit EXIT zu beenden, was sie uns einige Wochen vor ihrem gewählten Termin mitteilte.
Das Liegenschaftengeschäft erhielt mit dieser Vorgabe eine spezielle Dynamik. Am 6. Dezember 2023 ging der Verkauf der Wohnung über die Bühne. Am darauffolgenden Tag hatte Monique ihren Tag so geplant, dass sie in Anwesenheit ihrer Tochter und der Freundin Gabriele wie seit Monaten geplant, mit EXIT sich verabschiedet hat. Für uns war es eine besondere Erfahrung, sie auf diesem Weg zu begleiten und dabei ihre Entschlossenheit zu erleben. Monique hatte für uns in den vergangenen Monaten viele Zeichen ihrer Entschlossenheit und ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung hinterlassen. Sie wollte ihren Kindern die grossen Brocken von der Seite schieben. Ihre Wohnung hat sie räumen lassen, so auch ihr Ferienhaus. Ihre beiden Kinder Thomas und Isabelle zeigten kein Interesse. Thomas sagte mir bei der Familienwohnung: 'Ich möchte nicht, dass meine Kinder in Männedorf zu Schule gehen.' Das sagt viel aus.


Isabelle Rähm mit Familie. 3. Januar 2024

Abschied ohne Ritual
Für Veronika und mich war es schwer zu tragen, dass Moniques Kinder keine Abdankung organisierten. Obwohl wir das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Abschiedsritual verspürten, entschieden sich die Kinder, den letzten Wunsch ihrer Mutter zu respektieren, die ihre Asche im Rhein verstreut wissen wollte. Wir erfuhren im Mai 2024 von Claudes Cousine Danielle, dass sich die engsten Angehörigen und Gabriele in Basel für ein stilles Gedenken versammelt hatten.

Wir wählten unseren eigenen Weg, Monique zu ehren, und lösten den Fine to dine Gutschein, den uns Moniques Kinder geschenkt hatten, am 1. September 2024 ein, bei einem Abschiedsessen in den Merian Gärten.

Erinnerungen und eine Lektion fürs Leben

Die letzten Monate mit Monique haben uns auf intensive Weise gezeigt, wie Abschiedsrituale für viele Menschen Trost spenden und es ihnen ermöglichen, eine Zeit des Übergangs bewusst zu erleben. Moniques Entscheidung, sich ohne eine formale Abschiedszeremonie zu verabschieden, entsprach meines Erachtens nicht ihrem Leben und ihren Überzeugungen, wohl aber jenen einer kranken Frau. Dennoch bleiben die Erfahrungen mit ihr und der gemeinsame Abschied ein wertvoller Teil unserer Erinnerungen. Moniques Stärke und ihre Entschlossenheit, unabhängig zu bleiben, werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.


Meriangärten am 1. September 2024. Veronika, Niklaus, Julia Bucher, Raphael Wild. Das Essen war zu Ehren von Monuque Schaller Rähm (Gotte von Isabelle Wild), die am 7. Dezember 2023 mit einer unheilbaren Krankheit aus dem Leben geschieden ist.

 

 
Mein persönlicher Abschluss, mit Aussortieren der Akten, am 7. Dezember 2024, ein Jahr nach dem Tod von Monique Schaller Rähm.

Dies war wohl mein letzter, aber intensivster Einsatz für einen Mitmenschen ausserhalb der engeren Familie. Ich nahm mir vor, bewusster ja oder nein zu sagen bei Anfragen oder Bedingungen zu stellen. Ich staunte selber, dass die mandatsmässige Abrechnung des Zeitaufwandes sich auf Fr. 16'000.- belaufen hätte. Mein 'Entgelt' haben wir in den Merian-Gärten eingesetzt an einem schönen Tag bei guter Stimmung.

Am 28. Juli 2026 von Claude Bock erfahren:
Er selber muss seine Wohnung an der Bertastrasse bis Ende März 2028 räumen wie alle Mieter im Haus auch. Er hat in seinem Mehrfamilienhaus in Biel im ersten Geschoss ohne Lift schon seit Jahren eine 100 m2-Wohnung für sich reserviert.
Isabelle Rähm lebt mit ihren beiden Kindern getrennt von Carsten. 


Lebensdaten:
  • Monique Antoinette Schaller Rähm, Fluhbergstrasse 5, 8708 Männedorf, von Küsnacht ZH und Eggiwil BE, 1. August 1949 bis 7. Dezember 2023
  • Robert Rähm, gestorben/verunfallt am 1. November 1983
  • Claude Block, Bertastrasse 28, 8003 Zürich, 076 338 03 36, 25. November 1949. Biel, Maxilly F, Bertastrasse 28, 8003 Zürich
  • Thomas Alexander Rähm, Zukunftstrasse 9, 8600 Dübendorf, 079 707 34 64, von Eggiwil BE, mit Amanda Zangerl sowie Senta Mara 11. Dezember 2019 und Vito Juno 29. Juni 2022
  • Isabelle Simone Rähm, Gellertstrasse 52, 5052 Basel, von Eggiwil BE, 20. September 1983, 079 658 83 10, mit Karsten Murray sowie Nora Elice 8. Dezember 2019 und Helena Lilly 3. August 2022.
  • Gabriele Winiger, Pruntruterstrasse 33, 4053 Basel zusammen mit Herrn Andrea Weber, Lagerweg 4, 4900 Langenthal (Adressen am 5. Oktober 1994)
  • Frau Danielle (*1942, 1994 in Singapore) Fretz mit Werner,, Strassacker 18, 3065 Bolligen, 031 921 42 63, 079 475 77 12. Danielle ist Cousine von Claude Block.
  • Terrassenhaus am 6. Dezember 2023 für Fr. 1’250’000.- verkauft. ( Schätzung HEV fr. 1’110’000.-, Sanierungsbedarf ca. Fr. 150’000.-, Ferienhaus in Arbaz VS für Fr. 577500.- verkauft.)


Kinder von Isabelle Rähm, Thomas Rähm und Sohn von Claude Block am 16. August 2026.

 






Hannes Roose, 
Anthroposoph und seriöser Baufachmann 

Ihn lernten wir kennen beim Projekt zum Bau eines eigenen Hauses im Walder an der Stadtgrenze zu Zollikon (Enzenried 12 wäre unser Haus gewesen) zusammen mit elf anderen Genossenschaftern auf Baurechtsland der Stadt Zürich.
Mit Hannes besuchte ich an der ETH/UNI das Konditionstraining. Er war nebenberuflich als Dozent bei der ZHAW in Winterthur tätig. Er arbeitete im Immobilienbereich der UBS in Altstädten und fuhr immer mit seinem Mercedes von Pfaffhausen durch die Stadt zur Arbeit. Mit ihm zusammen bildeten wir die Baukommission für die 12 Einfamilienhäuser. Das Projekt handle ich ab unter dem Thema ‚Wohnen‘.
Hannes war lange Jahre mit der Pferdefreundin Claudia zusammen, bis er 1993 in das neue Haus Enzenried 8 zügelte. Dort zog er Birgit Roose-Trabandt, seiner neuen Partnerin ein, die er bei einem REHA-Aufenthalt im Tessin kennen gelernt hatte. Er erkrankte an Krebs und liess sich in der Lukas-Klinik in Arlesheim behandeln und begleiten bis zum Tod mit 67 Jahren. Er wollte uns früher einmal in seine anthroposophischen Kreise einführen. Damals war ich nicht reif dafür, auch nicht für seine Vorliebe für die (teuren) Studiosus-Reisen. Wir selber waren dann aber auf unserer Reise nach China im Jahre 2018 angetan von Studiosus.

Hannes Roose, 2. Juli 1940 bis 5. Oktober 2007
Birgit Roose-Trabandt
Claudia, langjährige Freundin, Pferdeliebhaberin
Carolina Fardo-Roose (Tochter)





Urs und Ursula Bollhalder-Hiestand von Zollikon


Ihn lernte ich an der ETH kennen, studierte er doch auch Bauingenieur, war ‚Pozzianer‘, d.h. der Betriebswirtschaft zugetan. Seine Freundin/Frau Ursula Bollhalder-Hiestand arbeitet am Institut von Prof. Pozzi, wo ich ein Jahr lang als Assistent arbeitete.
Beim SIA waren wir zwei die ersten Vertreter der Jungen (unter 30 Jahre alt). Wir reisten zusammen and Delegiertenversammlung des SIA, meist nach Bern.
Er kaufte in Glattbrugg ein Haus so um 1985, verkaufe es 3-4 Jahre später mit seinem stattlichen Gewinn, konnte er doch die ansehnliche Preissteigerung für sich buchen. 1990 platze die Immobilienblase. Verwandte seiner Frau hatten eine Liegenschaft in Zollikon im Kleindorf 15, wo er heute noch wohnt, Wand an Wand mit seinen zwei verheirateten Söhnen Thomas und Christoph, die in den 20-er-Jahren Eltern geworden sind. Seine Frau Ursula ist mit 63 Jahren eines Morgens unerwartet ca. 3 Stunden nach Einlieferung ins Spital gestorben.
Urs arbeitete bei der HG (Handelsgenossenschaft) und später bei den Kabelwerken Brugg, wo er nach seinem Eintritt ins AHV-Alter vom VR-Präsidenten mit Immobilienprojekten betraut worden ist. Zur gleichen Zeit studierte er an der UNI ‚Applied Histories‘, verbunden mit interessanten Reisen mit dem Professor zu den im Studium behandelten Themen, z.B. nach USA oder China.
Zur Familienzeit trafen wir uns meist an der Zolliker Chili, als wir selber dort wohnten und später auch noch. Seine beiden Buben betrieben an der Chilbi eine Bar.
Mit Urs hatte ich regelmässig Kontakt in der Stadt oder im Rahmen des SIA, sicher bei den periodischen Treffen der Diplomjahrgänge.
Lebensdaten
Urs Bollhalder, geboren 4. Mai 1951
Ursula Bollhalder 29. Mai 1951 bis 17. Juli 2014
Thomas Bollhalder
Christoph Bollhalder
Ein Sohn hat die Bauzeichner-Lehre gemacht bei Marc Freihofer beim Schulhaus Rebhügel. Beide Söhne sind verheiratet und haben Kinder. Beide wohnen im Kleindorf in Zollikon, dort wo Urs und Ursula gewohnt haben. Ich habe ihm als Architekten für den Umbau Lucius Keller empfohlen. Urs hat seit ca. 2023 eine Wohnung gleich daneben in einem Haus seines Onkels.
Beziehung zu Familien von Veronika und Niklaus, insbesondere 2025
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19.2.  Gemeinsame Freunde und Bekannte neben Kyburgern – Beziehung zu Familien von Veronika und Niklaus, insbesondere 2025.
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Unsere Familienkontakte, insbesondere im 2025


Die Mutter von Veronika (Ida Lüscher-Bolliger) war an Weihnachten meist bei uns, ich holte sie ab in Muhen. Am 25. oder 26. Dezember kamen jeweils ihre Schwester Ruth mit Hans sowie ihr Bruder Hansjörg mit Sylvia und seinen drei Buben zu uns. An Muttertag waren wir meist zusammen mit ihrer Mutter Ida Lüscher.
In früheren Jahren besuchten wir regelmässig ihre um 8 Jahre ältere Schwester Ruth, auch mit unseren Kindern oder Enkeln zusammen. Ich habe die Begegnungen immer als schön empfunden. Wir sahen uns sicher 6 bis 8 Mal im Jahr. Als Pensionierte besuchten wir sie in Engelberg, an ihrer Arbeitsstelle im Ristis oben, in Emmetten oder in Ennetbürgen.


Als Familie haben Lüschers immer noch eine unverteilte Erbschaft Erwin Lüscher. Seit 2022 wird Kies abgebaut, was über Gespräche einfacher abzuwickeln wäre. Die Erben entschieden 2023, mit ihrem Cousin Simon Lüscher den langjährigen mündlichen Pachtvertrag zu verschriftlichen. Veronika als federführende Person hätte jeweils gerne mit Ruth darüber gesprochen. Im Juli 2024 hat sie diese Arbeit abgeschlossen mit sechs Unterschriften auf dem Vertrag.
Sie entschieden sich des Weiteren, das kleine steile Waldstück in Muhen ihrem Cousin Simon Lüscher zu verkaufen für Fr. 8’000.- . Die Kommunikation lief meist über WhatsApp mit ihrem Cousin Peter Lüscher. Eine Begegnung unter der Familie fand nie statt. Der Kaufvertrag war ausgehandelt, die Nachkommen von Hansjörg Lüscher konnten aber die Unterschriften nicht beibringen. Die Übung wird abgebrochen. Eine eher unbefriedigende Situation. So hat Veronika die Chance, den Wald eventuell später einem ihrer Kinder zu übertragen. Auf Seite Lüscher besuchen wir ihre demente Schwägerin Sylvia Lüscher in Kölliken. Sonst gab es keine Begegnungen mit der Familie von Veronika.

Besuche von und bei Niklaus Familie:
In den Herbstferien waren wir mit Gabriel in der Glasi Hergiswil. Als klar war, dass wir fertig seien, telefonierte ich meiner Schwester Monika, ob wir in Emmenbrücke vorbeikommen könnten. Ich hätte ihr gerne mein Buch persönlich vorbei gebracht. Am Vortag haben wir besprochen ob wir versuchen sollten, ihre Schwester Ruth in ihrer neuen Wohnung in Buochs zu besuchen. Ich hielt dagegen und sagte, wir könnten ja meine Schwester besuchen. Veronika sagte, ich könne mit meiner Schwester ja an ‚meinen‘ Tagen abmachen. Ich traf sie am 5. November 2025 in Luzern. Des Gleichen habe ich Bruder Sepp und Bruder Tony im Juli 2025 alleine besucht.
Mit meinen Geschwistern hatten wir das Gedächtnis unseres Bruders Gandolf am 5. April 2025 und am 22. Juni 25 das von meiner Schwester Theres organisierte Familientreffen in Cazis.

Mir fehlt das Wandern, vor allem der Austausch mit anderen Gleichgesinnten. Als ich meine Wanderleitertätigkeit aufgegeben habe, starteten wir das von Veronika gewünschte Programm ‚Wandern mit Freunden‘. Im ersten Jahr hat das gut geklappt. Aber wenn die anderen Terminvorschläge machten, war es Veronika noch früh oder der Vorschlag passte ihr nicht. 2025 kam so nur eine Wanderung mit ihrer früheren Kollegin aus der Psychiatrie zustande. Eine traurige Bilanz. Veronika wollte immer meine Kollegen kennen lernen.

An meinem 70. Geburtstag war ich wegen der Pandemie eingeschränkt, Gäste einzuladen. Wir haben dann Ehepaare einzeln in Restaurants eingeladen und zu viert gegessen. Dies war für Veronika von der Verständigung besser. Für mich dachte ich, es ist weniger mit Stress verbunden und meines Erachtens letztlich auch nicht teurer als eine Einladung zu Hause, denn Veronika schafft unglaublich viele Lebensmittel heim und treibt auch zeitlich einen ziemlichen Aufwand – und ich als ihr Assistent.
Eine Bekannte, die gerne schön wohnt und sich mit gediegenen Sachen umgibt, hat mir bestätigt, dass auf ihre Einladungen mit schön gedecktem Tisch und selber gekochten Menüs selten Gegeneinladungen erfolgt seien. Sie hätte es aufgegeben, obwohl die Leute immer gerne gekommen seien.
Bei uns mutieren die Einladungen mehr und mehr zu Kaffee- & Kuchen-Veranstaltungen oder Brunch, verbunden mit einem kleinen Spaziergang.

Nachbarschaft Zollikon und Tiergarten, Bekannte
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19.3.  Gemeinsame Freunde und Bekannte neben Kyburgern – Nachbarschaft Zollikon und Tiergarten, Bekannte.
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Mit Tony Wacher machte eine kleine Wanderung mit unseren Frauen ab, ab Oktober 2025. Als es soweit war, passte es Veronika nicht. So stehe ich bei meinen Kollegen, mit denen ich unkompliziert Treffen zu zweit abmache, auf einmal komisch da. Künftig werde ich sie wieder ohne Veronika treffen.
Mit den Kyburgern gehen Veronika und ich mit Personen vom Basler Stamm Spargel- und Wildessen. Veronika meinte 2025, in der Pinte in Sisseln hätte sie 2024 beim letzten Wildessen mit ihrem Gehör Schwierigkeiten gehabt. Wir verzichteten deshalb gehörbedingt, was ich bei der Abmeldung angegeben habe. Christiane, die Frau von Gruft telefonierte Veronika und motivierte sie doch zu kommen. Sie würde neben ihr sitzen. Mit dieser Unterstützung hat es geklappt. Bei der Gesellschaft haben übrigens die meisten Männer ein Hörgerät.
Bei all den anderen Anlässen der Kyburger muss ich gar nicht mehr fragen, sie kommt aus den gleichen Gründen nicht mit, lässt mich aber auch nicht allein teilnehmen, womit sie bei mir und meinen Kollegen keine Punkte sammeln kann.
Einzig beim ZSS (Zürcher Seniorinnen und Seniorenverein) gehen wir an Anlässe wie die Weihnachtsfeier, aber meist nicht an die anschliessenden Apéros, weil ich mich zu viel mit anderen Menschen unterhalten würde. Aus diesem Grund geht sie alleine an die Alterskonferenz ins Volkshaus. Mir soll es recht sein.
Wir begeben uns auf diese Art in eine selbstgewählte Isolation. Für mich wird dadurch immer klarer. Ich muss an ‚meinen frei verfügbaren’ Tagen (8-18 Uhr) MI DI MI festhalten, sonst ist es für mich nicht mehr lustig. Zudem habe ich mir angewöhnt, zuhause von meinen Unternehmungen nichts zu erzählen. Sonst beginnt sie meine ‚freien Tage‘ wieder für sich/uns zu belegen mit nie enden wollenden Haushaltsarbeiten oder Beschaffungen, aber sicher nicht mit Wanderungen oder geschichtlich interessanten Anlässen. Ich muss mir meine Welt erkämpfen und will sie bewahren so lange wie möglich.
Veronika legt mir immer wieder Artikel hin, in denen auf die Wichtigkeit von Beziehungspflege hingewiesen wird. Mir ist das bewusst und ich pflege dies.
Mit Veronika zusammen wird diese Pflege aufwändig und harzig. Sie hat gerne, wenn die Begegnungen nach ihrer Vorstellung verlaufen.

Ein weiteres Beispiel: Seit ca. 2012 gehen wir wöchentlich in die Therme und dabei pro Monat anschliessend ein bis zwei Mal auf die Insel Reichenau. Im Jubiläumsjahr (1300 Jahre seit Ankunft der Mönche 724) waren ein Maturakollege (Johann Brülisauer) von mir und eine Arbeitskollegin (Ruth Schwager) von Veronika je mit ihren Partnern an geführten Rundgängen. Ich habe diesen Wunsch schön öfters geäussert gegenüber Veronika. Sie sprach aber nicht darauf an. So buchte ich alleine eine Veranstaltung an einem Montag und hatte gute Gespräche. Dabei lernte ich einiges über die kulturelle Bedeutung der Klöster auf der Insel.

Veronika hat im Tiergarten anfänglich den Kontakt aktiv gesucht. Sie organisierte Kaffeetreffen für Frauen bei sich zuhause. An folgende Namen kann ich mich erinnern:
Francine Keller, Andi mit Kindern Raphael, Seraina (+), Chantal
Marianne Bachmann mit Kindern Lea, %u2028Ester Büchi, Ueli mit Kindern Philipp und Ralph
Susanne Vontobel, Beat mit Kindern Julia, Anna, …
Uschi Zoller, Robert mit Sohn Martin
Brigitte Lachenmeier, Georg mit Kindern Lorenz und Kevin
Ina Krähenmann, Martin mit Kindern Helena und Benjamin
Maria Hafner mit Kevi, Linda Wagner (Bäckerei Alt-Wiedikon), mit Mann Edwin?
Veronika meinte, zurück gekommen sei eigentlich nichts. Vielmehr hätte sich Francine intensiv auf Esther Büchi gestürzt und sie links liegen gelassen. Nach Serainas plötzlichen Tod (Herzklappe) hatte sich Francine gänzlich zurück gezogen.
Susanne Vontobel ist auf den Zürichberg in eine Eigentumswohnung gezogen und liess nichts mehr von sich hören.
Uschi ist ins Limmattal gezogen nach Würenlingen in ein Einfamilienhaus. Seit 2020 wohnen sie wieder in Zürich im Schlotterbeckareal. Begegnungen gibt es nur, wenn Veronika aktiv wird, was mit der Zeit mühsam ist.
Brigitte ist in den Tiergarten 60 gezogen, hat im August 2022 eine Einladung ausgesprochen, nachdem sie bei uns gewesen waren, aber nie umgesetzt. Ihr Sohn Kevin hat mit Familie eine Zeit lang sogar als Mieter im Tiergarten 48 gewohnt, ab Februar 2026 im der neu renovierten Wohnung im Tiergarten 9.
Ina und Veronika sind nie warm geworden. Milena ging zu ihrem Mann in dessen Hausarzt-Praxis. Er ist 2022 gestorben.
Linda ist in den alten Dorfkern von Wiedikon gezogen. Mit ihr redet sie hin und wieder, wenn sie auf dem Weg in die Stadt bei ihr vorbei geht.
Esther und Ueli Büchi haben sich zurück gezogen.
Marianne Bachmann wohnte früher am Meiliweg 11, musste wegen Unterbelegung ausziehen und wohnt neu an der Zentralstrasse. Von ihr hört man nichts mehr, ausser dass sie schreibt und den Autor Bernhard Schlink verehrt.
In der Stadt sind die Kontakte flüchtig. Aus all den Aktivitäten resultierten Gegeneinladungen viele Jahre bei Lachenmeiers und Kellers. Georg traf ich regelmässig in der Stadt zum Mittagessen oder einen Apéro. Andi und Francine Keller haben uns vielfach zum Geburtstag eingeladen.
Andreas Blatter. Anita Blatter von Latsch bei Bergün. Sie wohnte im Quartier. Sie giesst die Pflanzen bei Monika Steiner. Ihr Sohn Andreas ist mit Milena in die Schule gegangen bei Frau Duss und bei Frau Flaschberger. Wir haben ihn getroffen am 5. Juli 2026 am Gottesdienst im Zoo, als er zusammen mit seiner Freundin seine Mutter abgeholt hatte.
Im Haus selber pflegen wir anständigen, aber distanzierten Kontakt. An den Tiergarten-Siedlungs-Festen nimmt Veronika meist – wenn überhaupt – nur kurz teil. Mir macht sie Vorhaltungen, wenn ich zu lange bleibe.
Im Quartier ist Veronika in keinem Verein aktiv. Kontakt pflegt sie mit der Gymnastik-Gruppe bei Lotti Weber in Zollikon seit den 80-er-Jahren. Einzige Aktivität ausserhalb der Gymnastikstunde war ein jährliches Abendessen. Dies bei Erika, die ein Hotel betrieben hat in Wallisellen.
Am liebevollsten ist der Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern des Familien-Clubs Zollikon, mit denen wir als Familie jeweils nach Weihnachten bis über Neujahr oder in den Skiferien in Sanaspans weilten.
Im Mai 2026 wurde Monika Ris aktiv und gründete auf WhatsApp eine Gruppe ‚Zolliker Frauen‘. Am 23. Juni 2026 treffen sie sich im EPI-Restaurant: Monika Ris, Madelaine Rahn, Irma Crandall, Lisi Huber, Veronika Wild. Das finde ich schön.
Viele dieser Mitglieder engagierten oder engagieren sich im Chramschopf wie Veronika auch bis 2020. Es war an diesem Tag etwas warm. Monika hat darum vorgeschlagen, dieses Treffen auf den Herbst zu vertagen. Veronika ist am besagten Tag alleine in die EPI essen gegangen und hat Monika eine Foto gesandt.
Adressliste des Teams



Im Alter wurde Veronika gelassener mit Einladungen. Früher hat sie einen unglaublichen Aufwand getrieben. Ich erinnere mich an die Aussage von Stefanie, der Frau meines Studienkollegen Marcel Giger. Sie sagte mir, sie könne uns nicht einladen, sie hätten nur Blechteller und kein Silberbesteck. Dies zeigte mir, dass diese Perfektion andere abschreckt, uns einzuladen.
Als ich noch berufstätig war, habe ich meine Kollegen vielfach zu einem Apéro oder Essen getroffen. Ich habe sie nie nach Hause eingeladen. Veronika hatte Mühe mit spontanen Einladungen. Für Veronika gab es entweder nichts oder perfekt gestaltete Einladungen, die einen ungeheuren Aufwand bedeuteten – neben der Rolle als Mutter von drei Kindern. Im Rückblick war es besser so, wenn man bedenkt, wie klein die Nachwirkungen sind.
Meine Beziehungen über die Jahre
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20.  Meine Beziehungen über die Jahre
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In meiner Jugend fand mein Leben zuhause auf dem Bauernhof statt. Wir waren so um 10 bis 20 Menschen. In der Milchsammelstelle trafen sich die Bauern, die Milch brachten und Nachbarn, die Milch holten. Es gab immer einen kleinen Schwatz.
In den sieben jähren im Internat war das Leben fokussiert auf die Lehrer, allesamt dem Kapuzinerorden zughörig. Sie lebten ein franziskanisches Leben als Bettelmönche. Bezüglich Kollegen war der Klassenverband im Vordergrund.
Die Studentenzeit war geprägt durch die Studentenverbindung Die Kyburger. An der ETH beschränkte sich der Kontakt zu einem Teil des Studiengangs. Es bildeten sich Gruppen, die zusammen die Übungen machten im Zeichensaal, vielleicht auch zwischendurch einen Jass klopften. Zeitweise ging man auch mit Kollegen aus dieser Gruppe ins Konditionstraining (Angebot für Studenten vom ASVZ). Diese Gruppe bestand aus 10 bis 15 Studenten von ca. 100 in unserem Jahrgang.
Nach dem Studium heiratet ich und wir pflegten den Kontakt zu Kyburgern und Kyburgerfamilien. Am Blumenrain in Zollikon hatten wir als junge Familie guten Kontakt zu den Nachbarsfamilien.
Betreffend Verwandten pflegten wir damals eher die Familie Lüscher mit Schwiegermutter, Schwager und Schwägerin.
Im Beruf hatte ich bei der ersten Stelle, der Swissboring, einen Schlüsselmoment. Am 6. Dezember 1979 kündigte der junge Inhaber – ca. 35 Jahre alt – einem grossen Teil der Belegschaft. Dies erschütterte meine Idealvorstellung von Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber. Ich lernte, auch meinen Interessen Beachtung zu schenken. Ich kündigte selber und merkte, dass ‚Berufskollegen‘ schnell aus dem Gesichtsfeld verschwinden. Von all den Berufsjahren haben wenige Beziehungen überdauert. 2026 pflege ich Kontakt zu Peter Sibold, Lucius Keller, Urs Meier, Franz Haudenschild, Urs Küng, Claudio Rudolf, Peter Gallmann. Dies sind alles Menschen, mit denen ich mich öfters traf, als ich mein Büro am Rennweg hatte. Uns verband die Immobilienwelt und unsere Altersgruppe, die von der Arbeit in die Pension wechselte.
Im Tiergarten (Zürich) hat sich Veronika anfänglich um Kontakte bemüht wie sie es von Zollikon her gewohnt war. Als die Kinder noch in die Schule gingen, haben diese Kontakte gehalten. Nachher sind die meisten eingeschlafen.
Mir fällt auf, dass mit den Nachbarn der Kontakt loser wurde, sobald Enkel zu betreuen waren. Auch bei uns fokussierte sich das Leben mehr und mehr auf die eigene Familie. Ich selber begann auch meine Geschwister eher zu treffen oder Kontakt zu halten. Dies auch wegen meiner biografischen Aufzeichnungen.
Erstaunlicherweise habe ich beim Pilgern (ab 2004) und Wandern bei den Zürcher Wanderwegen oder der Pro Senectute (2014 bis 2021) tiefergehende Beziehungen knüpfen können. Etwa drei Mal bin ich in Tagesetappen mit dem Pilgerzentrum St. Jakob auf verschiedenen Wegen vom Bodensee zum Genfersee gepilgert.
Auf einzelne Beziehungen, die ich alleine gepflegt habe, werde ich speziell in weiteren Unterkapiteln eingehen.

 




 











Aus Angestellte-Umgebung
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20.1.  Meine Beziehungen über die Jahre – Aus Angestellte-Umgebung.
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MW, mein Coach
Am Flughafen bewarb sich MW auf eine Stelle. Die Stelle konnte ich ihr nicht geben, aber irgendwann trafen wir uns – wie und wo weiss ich nicht mehr. Mit ihr tauschte ich mich über all die Jahre immer wieder aus. Sie kam aus einer Wirtefamilie. Sie hatte drei Brüder, zwei mit Trisomie21. Der Bruder führte das Restaurant, MW wollte ihn unterstützen. Sie hatte eine Ausbildung im Hotelfach gemacht und z.B. bei Julen im Hotel ONMIA in Zermatt gearbeitet. Mit dem Bruder hat es nicht geklappt. Enttäuscht zügelte sie nach Basel und beriet Kunden gestützt auf ihre Ausbildung beim IAP (Institut für Angewandte Psychologie). Über Jahre pflegte sie eine Beziehung zu einem Mann rheinaufwärts. Sie führte lange Telefongespräche mit ihm. Ich war neidisch auf sie.
Als ich 2003 in Basel beim Kanton die Arbeit aufgenommen habe, traf ich sie. Sie sagte, Geld verdienen würde sie als Coci-Trax in einem Bistro. Wir kamen ins Gespräch und ich stellte sie als Sekretärin an. Sie war meine Beraterin in vielen Sachen. Sie wusste schon vieles über mich und in dieser Funktion noch ehr. Es tat mir gut. Sie war loyal. Sie organisierte all die Anlässe und Essen mit Geschäftspartner und Kunden. Sie instruierte die Gastgeber immer in allen Details.
Eine Geschichte dazu: Hinter dem Rathaus hatten wir eine Immobilie, in der früher ein Gewerbebetrieb tätig war und die letzen 50 Jahre Mitarbeiter der Stadt ihre Büros hatten. Dieses Objekt bauten wir zu Eigentumswohnungen um. Nach dem Verkauf der 12 Wohnungen luden wir die neuen Eigentümer in den Rohbau ein. MW organisierte alles. Der Tisch war schön dekoriert, all die Stühle in Hussen gekleidet. Es war zum Staunen. Den Apéro nahmen wir oben im türm des Rathauses ein. Dort kam ich ins Gespräch mit einer Angestellten vom Globus-Catering. Diese sagte mir, MW hätte verlangt, zum Servieren und Wein einschenken müssten sie ein Tüchlein über das Handgelenk tragen. %u2028Von diesem gelungenen Anlass redeten die Leute noch lange.%u2028Die Parkplätze bei diesem Gebäude sind mit einem Autolift erreichbar. Die Denkmalpflege verlangte die Pflästerung des Liftbodens, um die ehemalige Karrendurchfahrt in den Hof von Martinsgasse her erleben zu können.
MW hat mir immer alles ausgedruckt. Meinen PC konnte ich nur im Büro bedienen, es gäbe aus Sicherheitsgründen noch keine Erlaubnis für einen Zugang ausserhalb des Geschäfts. So konnte ich im Zug auf der Heimfahrt die ‚elektronische‘ Post auf Papier lesen und bearbeiten. Jeden Tag haben wir uns für ca. eine Stunde Zeit in meinen Büro reserviert zur Besprechung der Termine, der Post und all den anstehenden Problemen. Es war eine gute Zeit.
MW kannte auch Veronika. Wir haben auch über meine Familie und mich gesprochen.
Sie wusste so ziemlich alles von mir und konnte mir so gute Ratschläge geben. Seit meinem Wegzug aus Basel treffen wir uns meist ein bis zweimal im Jahr. 2025 hat sie von ihrer Reise nach Indien Fotos gezeigt. Sie war sehr beeindruckt vom Land. Ihre Begeisterung hat mir gefallen.
Als ich ihr von einer meiner Bekannten (KS) geschrieben habe, in welch kurzer Zeit diese dement geworden ist und sich entschieden hat, von uns zu verabschieden, hat sie mir tröstende Worte übermittelt und auf Klippen in meinem eigenen Lebenslauf hingewiesen. Mich hat ihr Reflektieren über mein Leben erstaunt.
Geboren am 7. Januar 1968, gebürtig von Oberkirch und Horw (LU).
Vom 1. Juni 2003 bis 31. Mai 2010 als Assistentin in Immobilien Administration Immobilien Basel-Stadt
Wohnt in Kleinbasel.
Geschrieben am 16 III 2026



SB, die Gradlinige
Eine weitere tiefe Beziehung geht auch auf meine Basler-Zeit zurück. SB wurde 2005 von einem Kollegen eingestellt. Bei Projekten hatten wir immer miteinander zu tun, was auch Fahrten mit dem Zug zu Verhandlungen beinhaltete. SB entpuppte sich als schnelle, zuverlässige, genaue Mitarbeiterin. Sie war auch belesen.
Bei mir zeichnete sich ab, dass ich mich mit 58 Jahren pensionieren lassen könnte. Den Lebensabend wollte ich in der Region Zürich verbringen. Zum Nichtstun war es etwas zu früh. Langsam entwickelte sich die Idee, ein Büro in Zürich zu eröffnen. Wir haben dies zu Dritt besprochen. An der Rosshofgasse 1 hielten wir unsere konspirativen Sitzungen ab. Klar war, ich würde den Anfang machen. SB zeichnete sich auch bei diesem Thema als Kennerin aus, arbeitete sie doch früher in einem Treuhandbüro, wo Firmengründungen zum Geschäft gehörten. Ich ging das Projekt wie immer euphorisch an.
Sie half mir bei der Geschäftsgründung. Sie war z.B. von Anfang skeptisch mit der Idee, mit meinem Kyburgerkollegen RM eine Bürogemeinschaft zu bilden. Dank dem Gesellschaftervertrag von SB konnte ich mich nach ersten Differenzen mit RM herauslösen. Dafür bin ich SB ewig dankbar.
Der Start für mein Büro verlief gut. Nach einem halben Jahr wurde SB Mitarbeiterin und absolvierte das Nachdiplomstudium CUREM im Immobilienbereich. Es war geplant, dass sie nach Abschluss als Gesellschafterin in die Firma eintreten würde. Wir merkten mit der Zeit, dass SB wohl gute Arbeit leistet, aber nicht akquirieren kann. Ich konnte aber eine Juristin finanziell nicht aushalten. Sie wechselte zur städtischen Steuerverwaltung, wo sie meines Erachtens bei den Grundsteuern am richtigen Ort war.
Dies war für mich eine spezielle Erfahrung. Ich war auch froh, klappte unsere ursprüngliche Idee nicht, zu Dritt (zusammen mit CS, auch einem Juristen) dieses Abenteuer anzugehen. Für meine letzte Berufsphase war nachher das Ausklingen als Einzelperson ideal. Ich begann mich frei zu fühlen und der Druck, zu akquirieren und zu arbeiten – um ihr den Lohn zu zahlen – nahm ab.

In Zürich machten wir, SB und ich, viel zusammen, alle Projekte, Mittagessen, Apéros, etc. Sie war eine gute Unterhalterin. Sie half mir beim Aufbau des Büros, der der Buchhaltung, beim Ablagesystem. Die von ihr aufgebaute Buchhaltung habe ich 15 Jahre lang im Einsatz. Anpassen musste ich nur einmal etwas – nämlich den vom Bund geänderten Mehrwertsteuersatz.
Auch bei der Aufwand-Rapportierung gab sie beste Inputs. Ich weiss nicht, ob ich ohne sie so gut gefahren wäre. Sie fand auch schnell das für uns ideale Büro oben beim Metzger Bär am Rennweg 50, das wir am 15. April 2010 beziehen konnten (40 m2 für Fr. 2000.- Miete pro Monat). Sie hielt mich immer zum Sparen an, auch bei den Spesen. Wenn ich mehr auf sie gehört hätte, wäre das Büro wirtschaftlicher gewesen. Ich war grosszügig bei Einladungen und ich bezahlte alle bezogenen Leistungen. Auch CS bezahlte ich Fr. 6000.- für ein von ihm entworfenes Bewertungstool zur Berechnung des Discounter Cash Flows (DCF), obwohl wir es nachher nie brauchten.
SB erzählte mit der Zeit ihre Geschichte, die mir Einblick in mir unbekannte Familienverhältnisse gab. Irgendwie bekam ich Mitleid mir ihr, ich mochte sie auf ihre Art.
Geboren wurde sie in Südkorea. Sie vermutet, sie sei von ihren Eltern weggenommen worden, weil diese nicht als regierungstreu eingestuft worden waren. Aufgewachsen ist sie in einem Kinderheim und wurde mit vier Jahren von einem kinderlosen Ehepaar in Baselland adoptiert. Diese Ehe ging auseinander. Ihr Stiefvater heiratete eine andere Frau. Diese zweite Stiefmutter kam aus Villach und ist wie SB auch im 1969 in die Schweiz eingereist. Aus dieser Verbindung ist eine Tochter entstanden. SB erlebte die neuzeitliche Rolle des Aschenputtels. Als sie alt genug war, zog sie aus und ging nach Zürich, wo sie arbeitete und sich Die Matura und das Jus-Studium selber finanzierte. Ihre Stiefschwester hat eine Eigentumswohnung im Wert von ca. einer Million Franken zugesprochen erhalten vom Vater und musste selber nur etwa die Hälfte finanzieren. An Bargeld haben beide Töchter 2011 in etwas gleich viel erhalten. Als sie sich 2005 in Basel um die Stelle bewarb, schwebte SB ein später Familienanschluss vor, was aber nicht gelingen wollte. Einer unserer Berater (KTH) kannte ihren Stiefvater von der Fasnachtsclique. Laut ihm hatte SB keine schöne Kindheit. Ich lernte die Familie 2009 mit SB zusammen kennen.
SB wollte ihre Herkunft klären und reiste mit einer anderen Koreanerin, die sie im Korea-Club kennen gelernt hatte, nach Südkorea. Die Kollegin wurde fündig, aber SB nicht. In Seoul hat sich ein Koreaner bei ihr auf einem Platz spontan entschuldigt, dass der Staat damals mit ihrer Adoption Geld verdient hat. SB sah wohl aus wie eine Koreanerin, aber kann die Landessprache nicht sprechen.
Mit ihrem asiatischen Körperbau hatte sie beim Kleider kaufen in der Schweiz Mühe. Mit ihrer Grösse lag sie zwischen der grossen Kinder- und der kleinen Erwachsenengrösse. Sie wog so zwischen 45 und 47 kg. Sie war gut in der Recherche. Sie sagte, in Spreitenbach gäbe es Hosen, die ihr passen könnten. Ich bot ihr an, sie zu begleiten. Wir fanden das Geschäft und nach fünf Minuten hatte sie zwei Paar gekauft. Bei den Schuhen hatte sie mehr Mühe. Einmal ging sie mit einer Kollegin nach Thailand in die Ferien. Dort hat sie sich eingedeckt mit Schuhen, Hosen, Vestons. Sie kam immer adrett gekleidet an unsere Geschäftsmeetings. Wir hatten 2009/2010 eine intensive Zeit miteinander. Sie hatte eine spezielle Fragetechnik. Ich habe ihr viel von mir erzählt.
Auf der Fahrt in den Wenkenhof Riehen an einen Anlass sagte sie mir im Bus, die ewig gleichen Sticheleien in einer Beziehung können einen Mann impotent werden lassen. Diese Aussage traf mich wie ein Blitz und erhellte mein Malaise. Ihr ist es gelungen, mich aus der Reserve zu locken und mir mit Fragen Aussagen zu entlocken, die ich selten mit jemandem teilte. Ich redete wohl viel, aber wenig über persönliches. SB schaffte es, meinen Panzer zu knacken. Ihre Analysen waren für mich nicht immer schmeichelhaft, manches Mal musste ich leer schlucken.
Für mich war die Situation im Büro in dem Sinne neu, als ich seit 1986 immer ein Einzelbüro hatte und nun mit offener Bürotür arbeitete, was auch telefonieren hiess. Wir teilten alles. Sie hörte alles, was allerdings den Vorteil hatte, dass sie mir Ratschläge erteilen konnte, die ich auch dringend brauchte. All die Jahre war ich Eigentümer-Vertreter mit einem ziemlichen Hebel zur Durchsetzung der Ideen. Im eigenen Büro war ich Berater von Immobilienbesitzern mit deren eigenen Vorstellungen. Ich war Zudiener und musste die Informationen für mich behalten, wie auch die Akten unter Verschluss halten. Verliess ich früher z. B. In Basel das Büro mit allen Unterlagen offen, musste ich am Rennweg – für mich gewöhnungsbedürftig – immer aufräumen und den Aktenschrank abschliessen. SB hat – zum Glück – Wert darauf gelegt, die geleisteten Stunden am Ende des Tages festzuhalten. Sie hat mich erzogen. Von ihr lernte ich sparen, z.B. doppelseitig drucken, Entwürfe auf die Hinterseite bereits bedruckter Seiten drucken, Bankgebühren so weit als möglich aktiv auf ein Minimum reduzieren, günstige Verpflegung in asiatischen Restaurants oder im nahen Manor, Büromaterial online bestellen, obwohl Papeterie Zumstein auch am Rennweg domiziliert war, etc.
SB hat mir öfters geklagt, wer alles keinen Kontakt mehr mit ihr pflege. Ich habe sie bedauert. Bei unserer letzten Begegnung hat sie mir von ihrer neuen Stelle – noch vor Antritt – geschwärmt. Nachher habe ich nichts mehr von ihr gehört. Sie war nicht mehr auffindbar. Dass sie im Internet keine Spuren hinterlässt, war mir bekannt. Das Einzige, was ich herausgefunden habe, dass sie ihre Abschlussarbeit beim CUREM als Buch herausgegeben hat (Triple Net Verträge). Das Thema habe ich ihr seinerzeit empfohlen. Auch die Bär-Brüder waren enttäuscht, dass sie sich auf diese Art zurückgezogen hat. Unsere gemeinsamen Jassabende und Gespräche waren immer interessant.
Letztlich bin nun auch ich einer, der keinen Kontakt mehr mit ihr hat. In Zürich wohnte sie an der Badenerstrasse (während Zeit beim Basler Finanzdepartement hatte sie ein Zimmer in Binningen), dann in Adliswil und für mich bekannt zuletzt in Schlieren. Beim Zügeln war ich meist irgendwie involviert. Nach meinen Demenz-Studien-Tests im Wagi-Areal wollte ich ihr im Dezember 2024 eine Nachricht in den Briefkasten bei ihrem Haus in Schlieren legen. Ich traf gerade den Hauswart. Er sagte, SB sei schon länger ausgezogen, aber er wisse nicht wohin. Darauf habe ich es aufgegeben, nach ihr zu suchen. Auch intensive Beziehungen können ein solches Ende erleben. Ich habe ihr viel zu verdanken.

Einige Hinweise zu ihrem Leben:
Geboren am 27. September 1965 in Südkorea
Adoptiert 1969 von Ehepaar in Baselland und
abgeholt in Lausanne als Anastazia

Ausbildung:
Grundschule in Therwil Baselland
1984 Eidgenössisches Handelsdiplom
1996 Eidgenössische Wirtschaftsmatur
2003 lic iur an UNI Zürich
2011 (14. Oktober) Master of Science in Real Estate, CUREM UNI Zürich
2014 (17. November) Master-Thesis: Triple-Net-Mietverträge, Akademiker Verlag, 88 Seiten, Taschenbuch, Fr. 55.90

Berufliche Stationen:
Arthur Andersen, Genf und Zürich
Goldman, Sachs & Co., Zürich
Rechspraktikantin beim Bezirksamt Baden
a.o. Gerichtsschreiberin am Bezirksgericht Baden
ENRC Marketing AG, Kloten
Finanzdepartement Kanton Basel-Stadt, Immobilien BS (2005-2009)
[Über Weihnachten/Neujahr 2009/2010 war sie 2 bis 3 Wochen in Südafrika. Zur gleichen Zeit habe ich meine Flugmeilen mit der Reise nach Indien eingelöst (siehe Buch ‚Afrika …‘ 2025)]
Wild Immobilien GmbH 2010 bis April 2012
[Vom 2. bis 30. März 2012 machte sie eine Reise nach Neuseeland via Singapur.]
Stadt Zürich Grundsteuern 1. Mai 2012 bis 2015?
Asylorganisation Zürich AOZ 2015? bis November 2016
Baugenossenschaft Waidmatt Zürich, Geschäftsführerin ab Dezember 2016 bis März 2017
[ungesicherte Internet-Recherche IV26: Ehrat Immo AG, Buchhaltung, 044 746 43 45, sb@ehrat-immo.ch, vermutlich ab 2017]
Mein letzter persönlicher Kontakt: Mittagessen an ihrem 51. Geburtstag am 27. September 2016
Später Kontakt von ihr aus abgebrochen (Jasstermin mit Bären-Brüdern wegen Zahnbehandlung abgesagt, Telefonate und SMS blieben unbeantwortet).

Geschrieben im Treno Gottardo IR46 am 24 III 2026


Sandra Bürgi auf der Dachterasse vom Rennweg 50 anlässlich einer Einladung von Thomas und Felix Bär zum Jassen in der Wohnung von Thomas.

 

Wanderumfeld
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20.2.  Meine Beziehungen über die Jahre – Wanderumfeld.
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Jazz (YT), die Sportliche mit klaren Zielen
In meinem Leben war ich nicht sonderlich sportlich unterwegs. Als Student versuchte ich mich in Langlauf. Ich erinner mich an Kurse in Einsiedeln mit dem ASVZ.
Als ich in meinen 50-er-Jahren mit Pilgern und Wandern (Zürcher Wanderwege ZW) begann, kam das Schneeschuhwandern auf. Ich besuchte eine Schnuppertour in Einsiedeln mit Edi Bühler, kaufte Schuhe für Fr. 400.-. Diese brachte ich übrigens im Juni 2026 in einen Recyclinghof der Stadt Zürich. Ein Teil war gebrochen, aber reparierbar.
Edi Bühler machte Werbung für seine Schneeschuh-Woche in Nauders im Januar 2009. Ich meldete mich an, da ich diese Sportart passend für mich fand. Es war eher Sportlehrer, damals 74 Jahre alt, als ein Organisator. Die Woche war Überbucht. In Nauders kam wir – sechs Männer – in einer Dependance unter, ca. 20 Minuten zu Fuss vom schönen Sporthotel entfernt.
Wir hatten jeden Tag Neuschnee. Das hiess, es gab keine vorgespurten Trails. Düse mussten vielmehr gestampft werden. Es war offensichtlich, ich hatte nicht die nötige Kondition dazu. Zum Glück hatte der Wanderleiter Edi Bühler und seine Co-Leiterin Marianne Heusser die nötige Kraft, ca. 40 cm Neuschnee zu stampfen. Sie wurden unterstützt von YT, einer drahtigen Sportlerin. Das machte mir Eindruck. Es hatte noch aus der Gruppe, die jeweils die vier an der Spitze nach zehn Minuten ablösten. Von hinten sahen wir, wie sie vorne stampften und dampften wie früher die Brauereirosse.
Die Tagestouren endeten meist im Hotel, kurz vor dem Nachtessen. Meist holte uns der Hotelier mit seinem Bus ab. Die Zeit war zu knapp, um in die Dependance duschen zu gehen. So fragte ich YT, ob ich bei ihr im Zimmer duschen und meine Kleider wechseln könne. Sie erlaubte mir dies. So mussten wir jeden Tag uns absprechen und kamen so ins Gespräch. Gruppendynamisch hatten wir eine gute Woche mit Unterhaltung im Hotel, vom Betreiber organisiert.
YT arbeitet beim Blindenverband, bei mir in der Binz. So war es naheliegend, dass wir uns manchmal trafen. YT hatte einen erwachsenen Sohn, den sie manchmal unterstützen musste. Von ihrem langjährigen Partner hat sie sich getrennt, weil er sich anders orientiert hatte. Mit ihm hat sie an vielen Marathons in Europa teilgenommen. Da diese meist auf Teerstrassen stattfanden, hatte sie bereits Hüften und Knie operativ ersetzt.
YT suchte auf einer Dating-Plattform nach einem neuen Partner. Sie gab mir Einblick in das Geschehen und die Profile der Männer. Sie fragte mich um Rat. Für mich war das lange hin- und herschreiben wenig erfolgversprechend. Ich drängte sie meist, ein Date abzumachen. Dies kürzte den Prozess merklich ab, spürte sie jeweils schnell, ob es ein zweites Treffen gäbe oder nicht. Nach einem Jahr ging es darum, ob sie das Abo verlängern soll. Sie war durch die Erfahrung schon geübt im Urteil, war aber doch enttäuscht, dass es nach so viel Investition an Zeit nicht klappen wollte. Ich ermunterte sie weiter zu machen. Und siehe da: Sie hat ihren Emil gefunden.
Sie machte dann Nägel mit Knöpfen und suchte in der Nähe von ihm, aber unabhängig von ihm, eine Wohnung. Ich durfte sie beraten und 2011 auch ihre Wohnung in Uitikon mit meinem neu eröffneten Büro am Rennweg verkaufen.
Es war eine kurze, aber interessante Zeit von Januar 2009 bis August 2010. Sie zügelte 2012 nach Muhen AG und konzentrierte sich auf ihre drei Geschwister, ihren Sohn und neu auf den neuen Partner und seine Verwandten. Beide waren sportlich mit dem Velo unterwegs. Emil hatte eine Tochter und einen Sohn.
Bis 2025 tauschten wir uns jedes Jahr zu den Geburtstagen aus.
Am 30. Mai 2026 ist ihr Partner Emil Meier gestorben. Sie hat mir eine Todesanzeige gesandt. Ich wäre eingeladen an die Beerdigung und das Leichenmal, habe ihr geschrieben, dass ich nicht komme. Stattdessen habe ich ihr vorgeschlagen, uns später zu einem Essen oder zu einem Spaziergang zu treffen, so sie dazu bereit ist.

YT, geboren 8. Juni 1948, Jan. 2009 bis August 2010.

Diese Schneeschuhwoche in Nauders hat mir gesundheitlich gut getan. Es war in meiner beruflichen Phase in Basel. Ich meldete mich beim gleichen Wanderleiterteam für eine Sommerwanderung in Zweisimmen an. Neben YT waren auch andere Teilnehmende von Nauders dabei. Es war eine unbeschwerte Zeit. Wir hatten es gut miteinander.



Eine Bekannte YT von Wanderwochen der Zürcher Wanderwege liebte Frösche.

 












LS, die früh verstorbene
LS schilderte mir ihre schwere Last. Einerseits als Mutter dreier Kinder und als Ehefrau eines ‚Künstlers‘. Sie brachte die Familie durch und erzog ihre Kinder. Diese machten ihr Freude, jedes auf ihre Art. Nach der Scheidung lebte sie in einer Art Wohngemeinschaft mit ihrer Tochter, die bei einer Grossbank arbeitete. Ein Sohn schaute in einer Goldküsten-Gemeinde bei Bauwesen zum rechten. Der andere Sohn lebte ein völlig anderes Leben, aufgehoben in einer umsichtigen Gemeinschaft von Homosexuellen – mit Drogenerfahrung. Er starb vor der Mutter. Unsere Gespräche führten wir bei Spaziergängen in der Gegend von Höngg oder Rheinau. Sie war eine leidgeprüfte starke Frau, gestorben im 74. Altersjahr. Ich mag mich erinnern, wie ich ihr auch beim PC helfen durfte. Sie hatte einen wirklich alten, der jeweils eine lange Startzeit hatte. Sie brauchte ihn zum Glück nicht oft.
Zum ersten Mal begegnet sind wir uns in einer Wanderwoche unter Leitung Edi Bühler und Marianne Heusser in Zweisimmen (VI 2009). Wir waren eine gute Gruppe, die auch bei Regen nicht zu Hause blieb. Zufällig trafen wir uns wieder in der Schneeschuhwoche Wiesen, unter der gleichen Leitung. Wir haben uns im Zug getroffen. Für mich waren jene Monate eine eher schwierige Zeit – mit Abschluss meiner Arbeit in Basel und dem Aufbau des Büros in Zürich. Nach Wiesen bis zu ihrem Tod trafen wir uns sporadisch, manchmal auch im St. Annahof zu Kaffee & Kuchen. LS war für mich eine starke Frau. Sie arbeitete in einem jüdischen Altersheim und wurde nach ihrer Pensionierung wieder angefragt Teilzeit zu arbeiten, was ihr finanziell entgegen kam. Sie musste mit dem Geld haushalten. Zudem besuchte sie regelmässig ihre betagte Mutter in der Innerschweiz, was sie jeweils emotional stark belastete.
Geboren am 21. November 1946 und gestorben während der Pandemie am 10. März 2020. Gelebt hat sie am Schluss ihres Lebens an der Regensdorferstrasse 171, 8049 Zürich-Höngg.
Geschrieben im IR nach Basel am 15 IV 2026


Gesabi, die kurz angebundene
Die SGG (Schweizerische Gesellschaft für das Gemeinnützige) verwaltet das Rütli. Bruno Bauer v/o Ovid war einmal im Vorstand. Die SGG organisiert jeweils die 1.August-Feier, meist mit RednerInnen aus dem Bundesrat. Wegen angekündigter Inanspruchnahme der Wiese von rechtsextremen Gruppen musste man sich anmelden und sich in Luzern beim Besteigen des extra gecharterten Schiffs ausweisen.
Veronika arbeitete im Triemlispital und ich meldete mich alleine an. Auf dem Schiff lernte ich eine Frau aus Winterthur kennen, deren Tochter aber mit Mann und zwei Buben in Brunnen lebte. Gesabi wollte diese 1.August-Feier einmal erleben. Es war der 1. August 2008. Während der Feier begann es zu regnen. Ich hatte zum Glück einen Schirm. Die Menschen bewegten sich langsam zum Schiff, wir unterm Schirm. Zusammen fuhren wir nach Zürich.
Nachher trafen wir uns sporadisch. Sie war meist kurz angebunden und kam gleich zur Sache, zu ihren aktuellen Problemen. Sie hatte ein Ferienhaus im Jura und eines in Spanien. Sie hätte gerne gehabt, wenn ich ihr beides verkauft hätte. Mäkelei ist eine lokale Angelegenheit. Ich hatte auch kein Interesse, als ich ein Jahr später das eigene Büro am Rennweg in Zürich eröffnete. Bei ihr spürte ich, dass so Häuser mit der Zeit mehr als Last als Freude bedeuten. Manchmal musste sie wegen Sanierungsarbeiten nach Spanien fliegen. Dort hatte sie ein altes Auto eingelöst, damit sie mobil ist. Mit den Arbeiten rund um das Schwimmbecken war sie gar nicht zufrieden. Sie fühlte sich von ihren ‚Bediensteten‘ resp. Ihren ‚Vertrauten‘ vor Ort erpresst und dauern mit Rechnungen konfrontiert.
Gesabi gehörte zu einem Clan, dem auch bekannte Politiker angehörten. Sie war erstaunt, aber erfreut, dass ich die Arbeit ihres Schwagers kannte. Als Ingenieur hatte ich seinerzeit Interesse an seinen Studien, die für das Schweizer Verkehrsnetz wichtig waren.
Sie telefonierte manchmal aus heiterem Himmel. Sie reiste viel, meist waren es Kulturreisen in der Gruppe.
Wir haben uns in Zürich zu einem Kaffee getroffen oder in Winterthur. Es war immer unterhaltsam. Telefonate waren meist ganz kurz und dienten zur zum Abmachen, nicht für Austausch. Sie war pragmatisch. Engagiert hat sie sich in der Familie und in der Kirche bei ihrem Wohnort.
Nach ihrer Operation hat sie sich etwas zurück gezogen, u.a. auch das Autofahren und das Auto aufgegeben. Unser Kontakt ist in den Hintergrund gerückt, als es bei mir im Büro am Rennweg 2010/11 mit Aufträgen ziemlich angezogen hat.
Geboren am 26. Januar 1936
Wohnhaft 8408 Winterthur, Euelstrasse 45 (Bus Hardau)
Geschrieben im IR 55 am 15 IV 2026

KS, die vernetzte und sportliche Controllerin
Eine weitere Begegnung geht zurück in die Zeit, als mein Enkel Adrian auf die Welt gekommen ist. Mit den Zürcher Wanderwegen (ZW) waren wir unterwegs von Elgg auf die Schauenburg. Beim Aufstieg war die mir unbekannte KS zufällig neben mir, deutet auf ein mir unbekanntes Restaurant – mir waren damals eigentlich noch alle angesagten Lokale bekannt – und sagte, mit dem Sohn hätte sie letzthin dort gegessen. Es handelt sich um die Wirtschaft zur Guhwilmühle. Mich erstaunte das.
Auf der Heimfahrt von Zell fuhren wir im gleichen Abteil. Ein Bekannter von Sergio Brabetz und mir aus Elektrowatt-Zeiten, Ruedi Walder aus Küsnacht, war auch im Abteil. KS wollte nach Hause und in Stettbach aussteigen. Sie kam dann doch mit an den gerade eröffneten Weihnachtsmarkt im HB-Zürich. Ruedi Walder wollte uns alle vier nochmals treffen und wir tauschten die E-Mail-Adressen aus. KS wollte als aktive Sportlerin neu Schneeschuhwandern gehen. Sie nahm mein Angebot, sie beim Kauf der Schuhe zu beraten, vorsichtig an.
Ich mag mich erinnern, wie wir mit den ZW zum Chli Aubrig 900 Höhenmeter hinauf stapften. Ich schaffte es kaum, sie aber ging hoch als ob nichts wäre. Beim Heruntergehen versagten ihr ihre Knie, die beide bereits ersetzt waren. Die Wanderleiter Walti Baumann und Walti Breitenmoser (beide unterdessen gestorben) stützten sie auf der letzten Strecke vor Innerthal (SZ). Damit war für sie das Thema Schneeschuhe abgeschlossen. Erstaunt hat mich bei ihr auch, als sie ihr Fahrrad einer Nachbarin weggab. KS war eine aktive Velofahrerin. Damals erstaunte mich ihre Entschlossenheit, etwas zum Abschluss zu bringen. Selber spürte ich die damit zusammenhängenden Empfindungen Jahre später, im März 2026, als ich mich entschlossen hatte, mein 2004 in Basel erworbenes City-Bike Velafrika (Hinweis von Tochter Isabelle) zu spenden.
KS hat mir Einblick gegeben in eine Biografie, die mir beim Wandern öfters begegnete.
KS ist am 28. August 1942 in Maribor geboren und in Slowenien aufgewachsen. Ihr Vater hatte eine mechanische Werkstätte und eine Vertretung von NSU-Motorrädern. Für die Kommunisten war er ein Kapitalist. Mit 55 Jahren machten sie ihm den Garaus und er fand Arbeit in München, dank seinen Beziehungen zu NSU. Als KS lernte mit dem Velo zu fahren, wollte sie es ihrem Papi zeigen. Dieser war von den Kommunisten unter einem Vorwand für kurze Zeit ins Gefängnis gesperrt. KS führ auf der Strasse vor dem Gefängnis mit ihrem Kinderrad hin und her und hoffte, ihr Vater würde sie sehen.
Ihr Vater ass zuhause in der der Stube, die Mutter mit Tochter und Sohn in der Küche. Am Sonntag pflegte Vater den Frühschoppen und nahm die Tochter mit zu seinen Kollegen. Sie meint, von daher hätte sie ihr Interesse am Zusammensein mit anderen Leuten.
KS ist katholisch aufgewachsen, aber nur geduldet von der Obrigkeit. Sie durften auf keinen Fall auffallen.
KS machte eine Art Handelsschule. Daneben trieb sie viel Sport, vor allem Rudern. Für die Wettkämpfe fuhren sie mit Pickups zu den Wettkampforten, wo sie einfache Unterkünfte hatten.
Mit ca. 20 Jahren kam eine Freundin mit einem Inserat, ein Schweizer Spital suche Personal, ob sie sich melden wolle. Ihr Mutter meinte, mach es, wenn du willst. In der Schweiz wurde sie vom Betriebsleiter am Bahnhof abgeholt und zum Personalhaus gebracht. Sie waren zwei schwarzhaarige Schönheiten.
Sie hat gute Erinnerung an diese Anfangszeit – ohne ein Wort deutsch sprechen zu können. Nach einem Jahr ging sie zurück. Ihr damaliger Freund machte Militärdienst. Er war eifersüchtig auf sie. Sie trennte sich von ihm und reiste wieder in die Schweiz –was eigentlich nicht geplant war.
Sie heiratete einen gemütlichen Bayer, von dem sie auch den Namen übernommen hat. Sie haben ein Kind. Dieser Bayer pflegte bald eine Beziehung zu einer Lehrtochter im Betrieb, was KS nicht tolerierte. An einem Sonntag-Morgen fuhr sie zur Familie dieser Lehrtochter und redete ihr ins Gewissen, was sie ihrer Familie antue. Diese junge Frau gab zur Antwort, was sie auch habe, sie hätte den Mann ja die ganze Woche, er sei mit ihr nur am Wochenende zusammen. Ihr Mann wollte sie Beziehung nicht aufgeben. Sie schlug sich mit dem Sohn durch, arbeitete im Spital und daneben noch als Reinigungskraft. Sie machte eine Ausbildung im Finanzwesen. Dies ermöglichte ihr, zur Migros-Tochter Jowa zu wechseln, wo sie bis zur Pensionierung arbeitete.
KS lebte all die 65 Jahre im gleichen Ort, integrierte sich im Turnverein, im Frauenverein, machte Fahrdienst und war vernetzt. Sie war eine gute Organisatorin.
Sie meinte, sie müsse unbedingt ein Haus haben. Zusammen mit einem Mann ist ihr das gelungen. Er entpuppte sich bald als Alkoholiker. Mit der Beziehung klappte es nicht, zum Glück waren sie nicht verheiratet. Sie weiss nun, Eigentum heisst nicht gleich glücklich sein. Sie heiratete später nochmals, wiederum einen Deutschen. Sie hatte zusammen eine Ferienwohnung im Wallis und auch dort gute Bekannte. Sie liess sich nach 20 Ehejahren mit 68 Jahren scheiden und bereute es nie. Sie konnte im gleichen Treppenhaus eine zu ihrem Budget passende Wohnung mieten. Ihr Therapeut riet ihr, unter die Leute zu gehen, was sie auf die Wanderung zur Schauenburg brachte.
Mit ihr habe ich des öfteren über all die Beziehungen gesprochen. Ich tauschte mich gerne mit ihr aus. Sie war offen und zugänglich. Sie hat viel gelacht.
Sie ging öfters in die Ferien und war kulturell interessierter als ich. Obwohl alleinstehend fand sie immer eine Bekannte als Begleiterin. Ins Staunen brachte sie mich, wie sie z. B. an einem Sonntag-Nachmittag mit einer Kollegin eine Reise mit Twerenbold buchte und gleich die Anzahlung überwiesen hat. Sie leistete sich diesen ‚Luxus‘ auch bei kleinem Budget. Sie lebte ansonsten bescheiden. Das Auto war ihr immer wichtig. Ebenso das beste Sport/Wellness-Abonnement, das sie als Pensionierte der Migros günstiger bekam.
Sie hat mich u.a. ermutigt, Exit beizutreten. Bei ihr ging die Motivation auf ihre Mutter zurück, die an Demenz erkrankte und jeweils mit ihrem leeren Blick dasass. KS sagte immer, so will ich nicht enden.
Ich empfahl ihr, am Demenz-Forschungsprojekt der UNI-Zürich teilzunehmen, was sie auch tat.
Als wir uns im November 2025 getroffen haben, sagte sie sibyllinisch zu mir, irgendwann wird es fertig sein. Ich spürte das auch, fragte sie mich doch Dinge, die wir kurz vorher besprochen haben.
Nun komme ich zu einem traurigen Ende: Am 11. Dezember 2025 hat sie sich selber ins Spital eingeliefert, wegen Schwindel. Ab Januar 2026 lebt sie im Heim. Dies war der Beginn ihrer 4. Lebensphase, jene in Abhängigkeit. So schnell ist es gegangen. Für KS ein Schock, war sie doch immer stolz auf ihre Selbständigkeit, die ihr vieles erlaubte: Ferien mit Kolleginnen, Gespräche, Ausflüge, Besuch von Freundinnen in Ferienhäusern, etc.
Auf Ende März 2026 hat ihr einziger Sohn die Wohnung gekündigt und einer Frau vermietet, die die Möbel von KS zum Teil übernommen hat. Das Auto nutzen die beiden Enkelinnen, die damit den Pferdestall einfacher besuchen und die Pferde bewegen können.
Im Rückblick hat die Merkfähigkeit meines Erachtens gelitten nach einer Knieoperation im Herbst 2024, die eine Vollnarkose nötig machte.
Im Heim war bei KS Exit immer ein Thema. Sie drängte auf ein Gespräch. Einmal bat sie mich, mit ihrem iPhone Exit anzurufen. Das tat ich. Sie gaben mir Bescheid, sie seien in Kontakt mit ihrem Sohn und es müssten noch ärztliche Unterlagen beigebracht werden. Zudem sei es besser, wenn die Kommunikation innerhalb der Familie geführt werde und Aussenstehende eher Abstand halten sollten. KS muss vergessen haben, dass sie und ihr Sohn am 21. Januar 2026 ein Gespräch über das Vorgehen mit Exit gehabt haben. In der Tat, der Arzt hat am 23. März 2026 seinen Bericht über die Urteilsfähigkeit überwiesen. Anscheinend ein wichtiges Dokument. Daraufhin gab es am 10. April 26 ein Gespräch mit der Betreuerin und ihrem Sohn. Es ging um das weitere Vorgehen. Am 14. April besuchte ich KS und ich erlebte sie fröhlich und entspannt. Für sie hat sich der Knopf gelöst und sie spürt, dass sie das Leben wieder – wie früher – im Griff hat.
Am 8. Mai 2026 hatte KS ein Gespräch mit Exit, vertreten durch eine Betreuerin und dem Exit-Psychiater, begleitet von ihrem Sohn. KS werden 30 Tage Zeit eingeräumt, den Abschiedstermin zu bestimmen. Am Muttertag wird der Sohn das mit seiner Mutter besprechen. Der Psychiater meinte, KS sollte nicht mehr zuwarten, da der Abbau ziemlich fortgeschritten sei und sie in Bälde die nötige Urteilsfähigkeit verlieren könnte.
Im Mai 2026 hat KS das Musical Mamma Mia in der MaagHalle zusammen mit ihrer Familie besucht. Wahrscheinlich hat eine Enkelin die Szene aufgenommen, als KS inmitten der Leute winkt und von uns Abschied nimmt.
Am 20. Mai 2026 habe ich sie besucht. Wie meistens, begann sie über Exit zu sprechen. Das hat sie vielfach schon zu guten Zeiten getan. Sie bat mich, mit ihr die Termine in ihrem iPhone durch zu gehen. Am 29. Mai 13.30 Uhr fanden wir den Eintrag Exit, sie wusste aber nicht was es war. Ich sagte ihr, das sei womöglich ihr Abschiedstermin. Sie wollte gleich ihrem Sohn, einen bekannten Geschäftsmann in der Kulturszene, telefonisch anfragen, was dieser Termin bedeute. Ich sagte ihr, ich würde ihm schreiben, was wir besprochen haben. Er hat mir den Abschiedstermin bestätigt, wie auch am 30. Juni 2026 die Abdankung in der Forsthütte Mühleholz und den Ruheplatz bei einem Ahorn im Waldfriedhof, bezeichnet mit KS268. Die Abdankung wurde von Meret Schindler, hallo@wandelundwunder.ch gestaltet. In der Todesanzeige war die Adresse des Sohnes angegeben mit Möglichkeit zur Anmeldung für die Abdankung. Eine Woche vorher kam ein Mail mit Angaben. Dresscode: Alles nur nicht schwarz, KS sei ein fröhlicher Mensch gewesen. Man könnte eine Blume mitbringen (ohne Gefäss). Nach der Abdankung gäbe es Gelegenheit, zum Baum zu spazieren (15’ ein Weg) und diese dort niederzulegen. Diese Blumen konnten zu Beginn in eine bereitgestellte Vase mit Wasser gestellt werden. Diese umrahmten ihre Foto. Zu Beginn der Zeremonie zündete eine Enkelin eine Kerze an. Die Urne wurde am Vortag im engsten Familienkreis beim Baum eingesetzt. Nach einigen Sätzen las Enkelin Moana aus ihrem Interview vor, das sie als Handelsschülerin mit ihrer Babica geführt hatte. Nachher berichtete DS aus seiner Sicht als Sohn. Er musste seine Notizen der Ritualbegleiterin übergeben, weil seine Stimme versagte. Zum Schluss schilderte auch Dieter, ein Arbeitskollege (Zellweger Uster) ihres ersten Mannes Werner KS. Er kannte sie fast seit Beginn ihrer Zeit. Am Auffahrtstag trafen sich fünf Arbeitskollegen all die Jahre. Für KS war diese ‚letzte‘ Einladung wichtig, denn es waren vorwiegend die Witfrauen, die diesen Anlass weiter pflegten. Es war eine würdige Abdankung mit KS im Mittelpunkt. Ab 10 Uhr traf man sich und konnte ein Getränk nehmen und ins Gespräch kommen. Nach dem Baumbesuch gab es von ‚Best-Catering‘ aus Winterthur ein Mittagessen an mit weissen Tischtüchern und Stoffservietten gedeckten Tischen unter Sonnenschirmen. Ich sass bei Dieter und seiner neuen Partnerin Regula (aus Grüt) und Therese Geisenberger. Ihr Mann ist vor drei Jahren gestorben und war auch bei der Auffahrtsrunde dabei. Ich lernte sie auf der Apulienreise kennen, an der sie mit Rita Suter im April 2026 teilgenommen hat. Zufälle gibt es im Leben. Auf dem Weg zurück kam ich ins Gespräch mit einer Frau, die sich am Schluss als Sandra Schmidberger entpuppte, eine gute Bekannte von KS. Auf dem Hinweg traf ich die Nachbarn, Herr und Frau D’Aujourdoui und das Paar im Erdgeschoss und Esther von Nr. 2.
Ein halbes Jahr nach ihrer Einlieferung ins Spital hat sie sich von uns verabschiedet. KS ist die zweite Person (neben Monique Schaller Rähm), die ich hautnah erlebte in dieser Abschlussphase. Exit ist professionell vorgegangen, KS ist immer im Mittelpunkt gestanden und ihr Sohn hat ihre Wünsche umgesetzt. Ich war beeindruckt von der Seriosität der Organisation und Rücksichtnahme auf die Sterbewillige. Auf der Todesanzeige stand, Selbstbestimmt und positiv hast Du gelebt. Selbstbestimmt und mit einem Lächeln bist Du gegangen.
KS ist für mich ein Beispiel einer gelungenen Integration. Sie lebt an ihrem Ort vernetzter als manche Einheimische. Aktuell wird viel über die Migration gesprochen, auch unter dem Titel die 10-Millionen-Schweiz. In Tat und Wahrheit ist es unsere Wirtschaft, die fremde Leute in unser Land holt, wie z.B. KS und ihre Freundin schon in den 1960-er-Jahren.
Kennengelernt haben wir uns auf der Wanderung zur Schauenburg am 26. November 2011 und das letzte Mal Kaffee getrunken in ihrer Wohnung am 25. November 2025. Unseren Austausch pflegten wir ganze 14 Jahre. Und quasi sechs Monate später ist ihr Leben erloschen. Ich werde sie gut in Erinnerung behalten. Es ist auch ein Beispiel, wie schnell eine Beziehung aus gesundheitlichen Gründen sich drastisch verändern kann. Bei dieser Begegnung ist mir immer unser erstes Treffen zu zweit in Erinnerung geblieben. Irgendwann gegen Ende Jahr 2011 haben wir im Tibits am Stadelhofen abgemacht, sind dem See entlang zum LacSide gelaufen. Dort an der Bar hat sie mir – ohne dass ich eine Frage gestellt hätte – ihr Leben erzählt, vor allem auch ihre Beziehungen. Ich war damals erstaunt und immer wieder. Ich habe ihr das einmal erzählt. Sie meinte, ich sei ihr vertrauenswürdig erschienen. Das kann sein, aber gerade bei einer ersten Begegnung, bei der es eigentlich um die Schneeschuhe gegangen wäre.

Geschrieben zur Hauptsache im Treno Gottardo IR46 am 24III26.

Allfällige Ideen für Veronika:
Empfang mit einem Getränk, Blumenvasen, Grosse Kerze (keine Urne), Ritualbegleiterin, Veronika und ihre Blumen (Abfolge von Fotos mit Blumenarrangements aus der Wohnung, vom Balkon, Blumenstrauss in Mutter’s Garten, Empfang mit Getränk vor der Zeremonie zur Auflockerung, Anmeldung für alle möglich, Beiträge sammeln). Mir hat das Ambiente letztlich gefallen. Bei allem ging es um KS. Tod hat nichts mit Religion zu tun.




Die Frau im Mond

Eine weitere Migrationsgeschichte habe ich von Nga erfahren. Kennen gelernt haben wir uns oberhalb Hergiswil auf der ZW-Wanderung über den Renggpass, die ich organisiert habe. Sie kam mit 20 Jahren von Vietnam in die Schweiz im Kreise ihrer Familie, Mutter, Vater und fünf Geschwister. Ihr Vater hat entschieden, dass die Zeit reif ist für die Flucht. Sie ist aufgewachsen in Can Tho (ca. 60 km südlich von Saigon, heute Ho Chi Minh Stadt). Die Kommunisten vom Norden drängten in den Süden und ihr Vater wollte sich diesen nicht beugen. Im Süden war eher kapitalistisch ausgerichtet. Nga wollte studieren und war auf bestem Weg dazu. In der Schweiz wurde ihr Putzarbeit zugewiesen. Sie hatte den Mut, sich zu wehren und konnte eine Lehre machen.
Sie heiratete den Bruder eines Maturakollegen von mir. Die Schwiegermutter pflegte ein gutes Verhältnis zu ihr und ihrem Sohn, auch nach der Trennung. Nga arbeitete lange Jahre als Laborantin am Spital am Ort. In einer Neuüberbauung nahe dem Spital erwarb sie mit finanzieller Unterstützung ihres Bruders eine Eigentumswohnung. Zuhause hat sie wie in Vietnam üblich einen Tisch zu Ehren von Buddha eingerichtet. Sie sagte mir immer, Buddhismus ist eine Lebenshaltung und nicht eine Religion. Sie hat sich assimiliert. Wir unternahmen Wanderungen oder besuchten Veranstaltungen. Sie spürte jeweils den Blick von anderen Leuten – vor allem weissen Frauen – und litt unter dem Cliché ‚Asiatin mit altem weissen Mann‘. Mir ist dies übrigens auch aufgefallen.
Mit Nga tauschte ich mich aus während der Pandemie und vor allem in der Zeit meiner Abklärungen zum Herz. Als Spitalangestellte interessierte sie das. Sie setzte sich mit der Politik auseinander, hatte gute Bekannte in der katholisch geprägten Gegend. Sie war selbstbewusst. Ihre Eltern und Geschwister lebten auch in der Schweiz. Sie pflegen die Familie intensiv und helfen einander. Mit ihr zu reden war immer eine Freude. Aus meiner Sicht hat sie sich gut integriert. Sie litt unter der Flucht, vor allem weil ihr gut aufgegleistes Leben abrupt in eine andere Richtung gegangen ist. Sie freut sich auf die Pension im 2025. Wir sehen uns manchmal bei Wanderungen. Sie regte sich auf, weil sie mit mir nicht spontan abmachen konnte, wie sie es gerne gehabt hätte. Von ihr habe ich gelernt, dass in der Innerschweiz die Kartoffeln ‚Gümmele‘ heissen.
Nga ist am 11. Juni 1961 in Vietnam geboren. Flucht mit 17-20 Jahren. Reger Austausch von Januar 2020 bis April 2022, während Pandemie. Ab 2026 keinen Austausch mehr.
Geschrieben im IR37 von Liestal nach Zürich am 18. Mai 2026.
Am 2. September 2026 habe ich im Rietbergmuseum eine Ausstellung besucht. Ein Künstler suchte nach Familienfotos und wurde in Ho Chi Min fündig. Er machte eine Installation von Fotos und Texten aus privaten Familienalben, die die Flucht vor allem der Südvietnamesen 1978 dokumentierten.



Die gelben Hosen der Appenzeller Sennen (LM)

Die Beziehung mit LM zeigt, auf welchen Umwegen manchmal eine Beziehung zustande kommt. Wenn ich heute zurückblicke, erscheinen mir weniger die einzelnen Ereignisse bemerkenswert als die Entwicklung zweier sehr unterschiedlicher Menschen, die sich über mehr als zehn Jahre immer wieder begegneten, voneinander entfernten und erneut zueinander fanden.
Eine Begegnung beim Wandern
Am Anfang stand eine Wanderung mit den Zürcher Wanderwegen nach Ardez. Auf der Heimfahrt mit der Rhätischen Bahn nach Landquart sass LM mir gegenüber im Abteil. Sie sagte ohne Umschweife ihre Meinung. Vermutlich war sie damals frisch pensioniert, jedenfalls wirkte sie voller Tatendrang. Ich hatte meine Freude daran, sie mit meinen Fragen etwas zu «zeukeln». Gelassenheit gehörte damals nicht unbedingt zu ihren hervorstechenden Eigenschaften.
Später begegneten wir uns wieder auf einer Wanderung von Braunwald auf den Urnerboden. Im Zug in Linthal machte ich eine unbedachte Bemerkung, mit der ich sie offensichtlich verletzte. Erst danach wurde mir bewusst, dass ich einen empfindlichen Punkt getroffen hatte. Ich wollte die Sache nicht so stehen lassen und schlug spontan vor, sie in Zürich zu einem Kaffee einzuladen.
Damals hatte ich mein Büro am Rennweg 50. Wir trafen uns in der Bar im Modissa-Haus. LM erschien adrett gekleidet, und ich war verblüfft: Vor mir stand eine ganz andere Erscheinung als jene, die ich vom Wandern kannte.

Sie erzählte mir, dass Wandern für sie eine Art «Lebensschule» sei. Dabei begegne sie Menschen aus anderen sozialen Milieus. Als selbständige Berufsfrau hatte sie ihr Leben in einer anderen Welt verbracht. Sie vermittelte unter anderem Bankangestellte und hatte sich in einer stark von Männern geprägten Berufswelt behauptet.

Die gelben Hosen
Bei einer weiteren Wanderung über den Homberg kamen wir wieder ins Gespräch. Zu meinem Erstaunen waren meine früheren Ausrutscher kein Thema. Stattdessen interessierte sich LM für das Appenzeller Brauchtum.
Sie wollte beispielsweise wissen, wie die gelben Hosen der Appenzeller Sennen hergestellt werden.
Ich hatte keine Ahnung.
Das beschäftigte mich. Ich war im Appenzellerland aufgewachsen, die Bräuche waren während meiner Jugend rund um mich lebendig gewesen – und trotzdem wusste ich erstaunlich wenig darüber. Meine Recherchen im Internet befriedigten LM ebenfalls nicht.

So kam es am 28. Oktober 2015 zu einem gemeinsamen Besuch im Haus Appenzell in Zürich. Das Interesse einer Frau, die nicht aus dem Appenzellerland stammte, brachte mich dazu, meine eigene Herkunft genauer anzuschauen.
Noch 2026 war das Thema nicht erledigt. LM entdeckte bei Orell Füssli ein Buch über Schweizer Trachten. Mit Druck, Gestaltung und Bildern war sie nicht zufrieden und nahm kurzerhand Kontakt mit der Autorin auf. Diese schickte ihr weiteres Material über die gelben Hosen.
Das ist typisch LM: Wenn sie etwas wissen will, gibt sie nicht so schnell auf.
Zwei unterschiedliche Lebensgeschichten
Nach unserem Besuch im Haus Appenzell lud ich LM zu einem Glas Wein in mein Büro ein. Dort erfuhr ich mehr über ihre Kindheit und ihren beruflichen Weg.
Sie hatte früh schwierige Erfahrungen gemacht und musste schon als junge Frau lernen, selbständig zu leben. Später arbeitete sie mit grossem Einsatz und baute sich eine berufliche Existenz auf. In unserer Generation brauchte es für eine Frau Mut und Kraft, sich in einer männerdominierten Geschäftswelt so zu behaupten.
Mein eigenes Leben war völlig anders verlaufen. Familie, Kinder, Beruf, Vereine und ein starkes soziales Umfeld hatten mich geprägt. LM machte mich später mehrfach darauf aufmerksam, dass mir gar nicht bewusst sei, wie behütet meine eigene Kindheit und Jugend im Vergleich zu anderen Lebenswegen gewesen war.
Damit hatte sie recht.

Aus den Gesprächen und Begegnungen entwickelte sich eine persönliche Beziehung. Sie verlief allerdings keineswegs geradlinig. Es gab Nähe und Distanz, gemeinsame Unternehmungen und längere Unterbrüche. Während Jahren war es eine eigentliche On-Off-Beziehung.
Wir unternahmen dennoch erstaunlich viel miteinander: Wanderungen und Ausflüge, Besuche in Luzern, Graubünden, Konstanz, Basel, Einsiedeln und später viele kleinere Reisen mit der Bahn. Im August 2017 begleitete sie mich sogar auf einen Ausflug mit meinen Enkeln Adrian und Gabriel auf dem Vierwaldstättersee auf das damals neue Schiff Diamant.
Dann gab es wiederum lange Zeiten, in denen wir kaum Kontakt hatten.

Ein Wendepunkt
Im Oktober 2020 erlitt LM einen schweren medizinischen Zwischenfall und musste ins Spital. Sie bat mich telefonisch, ihr Kleider aus ihrer Wohnung zu bringen. Später holte ich sie bei der Entlassung ab und brachte sie nach Hause.
Diese einschneidende Erfahrung veränderte sie.
Ich erlebte sie danach als gelassener und zugänglicher. Manche Auseinandersetzungen, die unsere Beziehung früher geprägt hatten, verloren ihre Bedeutung. Auch sie selber empfindet dieses Ereignis rückblickend als einen Wendepunkt.
Von da an wurde unser Umgang miteinander zunehmend entspannt.

Bücher und Gespräche
Mit der Zeit wurde der geistige Austausch zu einem wichtigen Bestandteil unserer Beziehung.
LM ist bibliophil, belesen und gut über das Weltgeschehen informiert. Eine Zeit lang reiste sie Bibliotheken in der Schweiz nach. Zu meiner Freude konnte ausgerechnet ich ihr einmal einen Zugang zur Calatrava-Bibliothek verschaffen, die sie noch nicht kannte.
Sie gibt mir immer wieder Buchtipps. Ein schönes Beispiel ist «Papyrus». Nachdem sie das Buch gelesen hatte, gab sie es mir, weil sie gelesene Bücher normalerweise nicht aufbewahrt. Ein Jahr später entdeckte ich bei ihr wieder ein Exemplar von «Papyrus» mit einem Lesezeichen ungefähr in der Mitte. Das Buch hatte ihr so gut gefallen, dass sie es nochmals gekauft hatte.
Ich wiederum machte sie auf Casa TheoPhil aufmerksam. Seit 2025 besucht sie dort monatliche Veranstaltungen zu Themen aus Religion, Philosophie, Mythologie und Gesellschaft und ist von dieser geistigen Herausforderung begeistert.

Was LM bei mir ausgelöst hat
LM hat mich nicht nur mit Büchern und Gesprächen beeinflusst.
Sie hat meine persönliche Situation wohl genauer erfasst als fast jeder andere Mensch. Sie versuchte mir Verhaltensweisen innerhalb meiner Familie zu erklären und hielt mir gelegentlich einen Spiegel vor.
2026 sagte sie einmal scherzhaft, eigentlich sei sie zehn Jahre lang meine Therapeutin gewesen.
Ganz falsch ist das nicht.
Besonders wichtig war ihr Rat, meine Lebensgeschichte aufzuschreiben. Sie gab mir letztlich auch den Anstoss, daraus ein Buch zu machen.
Diese Tätigkeit wurde für mich zu einer Form des therapeutischen Schreibens. Im Rückblick kann ich meine Jugend heute als ausgewogen und eingebettet in viel Zuwendung betrachten. Ich lese meine eigenen Aufzeichnungen gerne. Ich zwinge sie niemandem auf; zunächst schreibe ich für mich und vielleicht eines Tages für Menschen, die sich dafür interessieren, wie jemand meiner Generation sein Leben erlebt hat.
Dafür bin ich LM dankbar.

Zehn Jahre (2015 bis 2025) und es geht weiter
Im Oktober 2025 blickten wir auf zehn Jahre unserer besonderen Beziehung zurück. Etwa die Hälfte davon war allerdings durch Unterbrüche und Distanz geprägt.
Heute treffen wir uns ohne die früheren Erwartungen und Forderungen. Manchmal verbringen wir einen halben Tag miteinander, manchmal reden wir nur, manchmal unternehmen wir einen Ausflug mit der Bahn – nach Luzern, Bellinzona, Freiburg im Breisgau, Aarau oder irgendwo in der Region Zürich. Im Sommer pflegt sie bei ihrem 'Plätzchen' ein Bad im Zürichsee zu nehmen. Sie lädt mich jeweils ein, obwohl sie viel besser schwimmen kann als ich.
Wir nehmen es, wie es kommt.
LM und ich sind im Grunde völlig unterschiedliche Menschen. Sie kann sich lange mit einem Buch zurückziehen und braucht wenig Zerstreuung. Ich suche eher Aktivitäten und Begegnungen. Sie ist direkt und analytisch, ich gehe manches anders an.
Vielleicht liegt gerade darin ein Teil der Erklärung dafür, weshalb unsere Verbindung trotz aller Brüche Bestand hatte.
Ich lerne von ihr.
Und noch immer sind die gelben Hosen der Appenzeller Sennen nicht ganz aus unserer Geschichte verschwunden.

Geschrieben VIII2026
Arbeitsumfeld wie Peter Sibold, der rastlose
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20.3.  Meine Beziehungen über die Jahre – Arbeitsumfeld wie Peter Sibold, der rastlose.
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Peter, der rastlose

Peter Sibold lernte ich kenne, als ich um die Jahrtausendwende bei Maag Holding ein Liegenschaftenportfolio von nahezu einer Milliarde Franken betreute. Zusammen mit dem Kanton Zürich war Maag beteiligt am World Trade Center in Zürich-Örlikon. Ein Bekannter vom SIA, Christoph Ackeret, war seinerzeit (1991-1995) der Promotor zusammen mit dem von sich überzeugten Architekten Ernst Gisel. Die Maag wollte sich von ihrem Anteil trennen und der Kanton war interessiert. Bei diesem Geschäft lernte ich Peter Sibold als fairen Partner kennen. Er wollte den Anteil partout nicht mit der zugehörigen Hypothek übernehmen, was bei Maag eine Vorfälligkeitsentschädigung auslöste, die immer schmerzt.
Nach meinem Wechsel zur Intershop-Holding im Jahr 2002 hatte ich als erstes ein Geschäft auf dem Tisch, bei dem auch Peter Sibold den Kanton vertrat. Die Liegenschaftenverwalterin Esther Kernen hatte ihm für den Pionierpark in Winterthur einen Mietvertrag über das ganze Gebäude gesandt mit einem Begleitbrief er möge den Vertrag unterzeichnen. Peter Sibold hatte in der Folge gar nicht reagiert. Für die Intershop wäre das der ideale Mieter gewesen, hätte er doch die Berufsbildungsschule dort angesiedelt, in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Für solche verzwickten, wenn nicht verfahrenen Situationen hatte ich bei den SBB ein Gespür entwickelt: keine Briefe, keine Telefonate, nur die persönliche Begegnung bringt etwas, und zwar ohne dass der andere viel Aufwand hat. Wir trafen uns bei ihm im Büro. Das gab mir Einblick in die Arbeitsverhältnisse, allenfalls auch in die Abhängigkeiten des Verhandlungspartners. Resultat: Er hat mir seinen Unmut dargelegt, sich aber bereit erklärt, den Mietvertrag, einen sogenannten vermieterfreundlichen ‚Röhrli‘-Vertrag (Dr. Beat Rohrer) von etwa 30 Seiten Umfang, anzuschauen und mit seinen Bemerkungen zu versehen. Er erklärte mir, dass viele Bestimmungen daraus für ihn nicht in Frage kommen. Wir machten ab, dass ich den überarbeiteten Vertrag persönlich bei ihm abhole, was ich auch tat. Einen Vertrag mit soviel Streichungen habe ich später nie mehr gesehen. Der Vertrag schrumpfte auf ca. 20 Seiten. Bei der Miete, dem wichtigsten, hatte er klare Vorstellungen. Er wusste, dass er in Winterthur keine grosse Konkurrenz hatte, was natürlich auch uns bewusst war. Ich nahm seine Vorschläge mit nach Winterthur, wo Intershop damals in unmittelbarer Nachbarschaft zum Pionierpark den Hauptsitz hatte. Solche Verträge werden auf zehn Jahre fest abgeschlossen mit der Option auf Verlängerung um weitere zehn Jahre. Die Mietvorstellungen von Peter Sibold entsprachen natürlich überhaupt nicht den Vorstellungen der Geschäftsleitung (CEO-CC, CFO-CS, COO-JG). Der CFO wollte die Investition auf 10 Jahre abgeschrieben wissen, was zu einem höheren Mietzins geführt hätte, den niemand zu zahlen gewillt ist. Die Vorstellungen des Kantons gingen auf, wenn die Abschreibung auf 20 und mehr Jahre verteilt würde, was der CEO guthiess und mir das OK für weitere Verhandlungen gab. Später (ca. 2006) wurde besagter CFO zum CEO und sagte, es wäre gut, sie hätten noch mehr solcher Verträge wie jenem beim Pionierpark. Er war 17 Jahre seiner 25 Jahre als Angestellter der Firma CEO und wurde 2023 auf klägliche Art verabschiedet, obwohl er immer den Aktien-Kurs und die Dividende bestens im Interesse des Eigentümers (ME) pflegte. Dies zeigt mir, dass wir letztlich Sklaven des Kapitals sind. Ich habe dies auch zu spät gemerkt. 
Mit Peter Sibold verhandelte ich kurz darauf  über Räume im Puls 5 am Turbinenplatz. Er sagte mir, die Business-School sei zwar bereits in einem benachbarten Gebäude fündig geworden und die Vertragsverhandlungen seien im Gang. Allerdings suchte die Vermieterschaft, in Unkenntnis der Abläufe, den Weg über den Regierungsrat, was Menschen wie Peter Sibold - und übrigens auch mich später in Basel-Stadt - jeweils anstachelte, diesen etwas auszuwischen. In diesem Umstand sah ich eine Chance und entfachte bei mir den Ehrgeiz, die Business-School in ‚mein‘ Gebäude zu holen, kannte ich doch die Arbeitsweise des Mitbewerbers (UK). Dank meinen weiterhin gepflegten persönlichen Verhandlungsführung erfuhr ich im Gespräch, dass die Lehrerschaft Mühe bekundete, ob die Räume bei 'meinem' Gebäude für den Unterricht tauglich seien. Gewisse Bestimmungen verhandelte ich in der Folge direkt mit dem Geschäftsführer der Schule. In Adliswil habe ich im Quartier Sood ein unvermietetes Bürogebäude ausfindig machen können und richtete dort ein Musterschulzimmer ein, das in Höhe und Breite wie auch bezüglich Lichteinfall den im Bau befindlichen Mieträumlichkeiten entsprachen. Der Einladung zur Besichtigung dieses Schulzimmers leisteten in der Folge zu meinem Erstaunen ca. 30 Lehrer, fast der gesamte Lehrkörper Folge. Wir verdunkelten den Raum mit den vom Architekten vorgeschlagenen Paneelen und zeigte, dass aufgelegte Folien auf von der hintersten Sitzreihe noch lesbar waren. Peter Sibold bekam in der Folge von den Nutzern grünes Licht für den Vertragsabschluss. Unser Aufwand hat den Nutzern imponiert. Beide Verträge sind heute (2025) noch in Kraft, resp. verlängert worden.
Peter Sibold wohnt in Walenstadt, hatte ein Zimmer Zürich. Wir tranken lange Bier im Central oder im Hauptbahnhof. Als Büroinhaber durfte ich im Auftrag des Kantons bei einigen Projekten, vor allem in Winterthur, mitwirken im Zusammenhang mit den Ausführungen zu Mietvertrag, den Beilagen zum Grundausbau, dem Mieterausbau 1 und 2 sowie dem Spezialausbau.
Der Kanton mietete weitere Flächen von Intershop, Peter Sibold als Mietervertreter wurde von Intershop gut betreut, insbesondere vom VR-Präsidenten (ME) und vom jeweiligen CEO wie auch von involvierten Generalunternehmer für den Grundausbau und meist auch dem Mieterausbau.
Mit Peter Sibold ging ich eine Zeit lang sporadisch auf Wanderungen. Er hat seine Linie und immer interessante Geschichten zu erzählen. Zur Wandergruppe zählten Willy Gmür (Hotel Römerturm, Kerenzerberg), Peter Blaser (früher IBB Werdhölzli, Mieterausbaubetreuer bei Intershop), Hans Wilhelm Im Thurn (Stv. Kantonsbaumeister), Lucius Keller Architekt, Cyrill Schneuwly, Ruedi Graf (Verwalter bei Intershop). Wir erklommen jeweils die Flanke über Walenstadt und besuchten das Bergrestaurant Tschingla auf 1590 m ü. M., wo wir bei Rolf ein Steak mit Pommes Fries und zum Abschluss ein ‚Bireli‘ genossen. Ziemlich alkoholisiert ging’s wieder hinunter. Manchmal brachte uns Willy Gmür mit seinem Auto zum Wildenberg (1490 m ü. M.) in den Flumserbergen, von wo aus wir zu Fuss über den Chapfensee ins Restaurant Fischerstübli im Weisstannental zu Martin Gmür und seiner Frau zum Essen gingen. Martin war der Bruder von Willy und betrieb eine Fischzucht. Diese wurde zweimal überschwemmt und Martin ist früh gestorben.
Peter Sibold ist mit Yumi verheiratet, einer Japanerin. Er war früher im Diplomatischen Dienst und unter anderem einige Jahre in Neu Delhi. Aus jener Zeit hatte er immer interessante Geschichten zu erzählen, auch von seinen Stationen wie Mailand, New York, Paris oder London. Sie heirateten am 1. Dezember 1984 in Sapporo. Sie haben zwei Söhne, Ken und Steven, beide verheiratet und seit ca. 2000 mit Enkeln. Im Restaurant Frieden in Zürich dekoriert der Wirt Didi für Bekannte auf Wunsch den Dessertteller wie jener zum 40. Hochzeitstag zeigt.

Peter Sibold wählte beim Kanton die damals mögliche 'Lebensarbeitszeit'. Wenn er in Zürich übernachtete, war er früh im Büro und blieb bis spät. All diese Stunden summierten sich. Er konnte dadurch früher aufhören zu arbeiten bei vollem Lohn und den Privilegien wie Parkplatz und Essensgutscheine. Die Überstunden verfielen nicht im Folgejahr.
Peter ist ein guter Unterhalter. Er pflegte den Kontakt mit Exponenten von Generalunternehmungen (Roger Herzog), Küchenbauern (Herbert Caprez) oder auch Investoren, die ihre Büroflächen dem Kanton vermieteten. Neben dem VR-Präsident der Intershop (Martin Ebner) und seinem früheren Compagnon der BZ-Bank (Kurt Schildknecht) oder dem Self-Made-Milliardär und Staranwalt Urs Mühlebach war er  in Kontakt oder vermittelte zwischen ihnen. Diesem gehörte das Bürogebäude an der Brauerstrasse neben der Kaserne, in welchem die Kantonspolizei ihre Büros hatte. Der Kanton lässt es ca. 1.5 Jahre leer stehen, weil sie mit ihrer Büroraumplanunt noch nicht so weit sind. So konnte er  interessierende Geschichten aus diesen Sphären erzählen. Von Urs Mühlebach wurde er mit anderen 60 Männern an das Männerdinner in Luzern eingeladen, wo eine Flasche Wein ohne Weiteres um die Fr. 500.- kosten konnte. Urs Mühlebach wurde schweizweit als Stiftungspräsident der Bucherer-Stiftung bekannt, wo er sich und seine Kanzlei fürstlich honorieren liess. Am 12. Dezember 2025 gab er mit einem Knall aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt aus der Stiftung mit 5 Milliarden Kapital bekannt. Es wurde u.a. bekannt, dass seine Kanzlei der Stiftung ein Honorar von Fr. 1'200.- pro Stunde verrechnen durfte. Urs Mühlebach war zugleich der Willensvollstrecker von Herrn Bucherer, dem bekannten kinderlosen Uhrenhändler von Luzern. 
Peter beobachtete letztlich das Leben der Milliardäre aus gesunder Distanz.


Peter Sibold mit Yumi. Hochzeit am 1. Dezember 1984.

 


Peter Sibold und Yumi in japanischen Kleidern. Hochzeit am 1. Dezember 1984 in Sapporo, Japan.

 


Am 13. November 2012 zeigte ich Peter Sibold und Willy Gmür (Besitzer Hotel Römerturm auf dem Kerenzerberg) den Campus Novartis in Basel.

 


Am 29. Mai 2015 sitzt Peter Sibold mit seiner Zigarre vor der Alphütte Tschingla. (Ab 2024 hat er seine Gewohnheit einmal pro Woche eine Zigarre zu geniessen, abgelegt)

 


Peter Blaser und Peter Sibold auf dem Weg von Walenstadt nach Quinten. 17. Juli 2018 © Niklaus Wild

 


Aufstieg zur Gulmenhütte. 17. September 2018. Lucius Keller im Vordergrund. Hawi Im Thurm war auch dabei.

 


Start seiner Pilgerstrecke in Porto am Douro. Zusammen mit Marcel Meier unternimmt er die 14 Tage dauernde Strecke.

 


Peter Sibold und Marcel Meier in Santiago de Compostela. Nach ihrem 14-tägigen Pilgern von Porto her (mehrheitlich bei Regen).

 


Yumi am 40. Hochzeitstag im Frieden. Dezember 2024.

 


Didi hat für Yumi & Peter für ihren 40. Hochzeitstag den Dessertteller verziert. Dezember 2024.

 

Lebensfreude
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21.  Lebensfreude
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Was macht dir Freude?
(Nach Macha Keleko: Sozusagen grundlos vergnügt)

(geschrieben in Oase des Schreibens, Rosemarie Dell’ Olive
Pro Senectute am 11. Dezember 2023 in der letzten Lektion von deren sechs)

Mir macht Freude, von der Schipfe der Limmat entlang zu gehen, den Schwänen im Wasser zuzuschauen, die Fassaden auf der anderen Seite zu betrachten, das Ziel vor Augen: Einen Kaffee zu trinken. Ich schlendere entweder zum Gran Café, von Tilla Theus gestaltet, oder zum Hotel Storchen zur Bar im Erdgeschoss direkt an der Limmat unter den Bögen.
Mir gefällt die Ruhe an der Schipfe, dies dank dem verkehrsfreien Limmatquai. In meinem Leben hat dieses Gebiet immer eine Bedeutung gehabt. Als 20-jähriger führte mich meine Arbeit als Praktikant bei der damaligen Hatt-Haller (aufgegangen in Implenia) mehrere Male am Tag dort durch, musste ich doch den Wasserstand rund um das im Bau befindliche Parkhaus Urania protokollieren.
Später führten Einkaufsbummel mit meiner Frau in jene Gegend, sei es wegen des Heimatwerks oder der kleinen Läden an der Schipfe. Als die Kinder klein waren, ging es jeweils in den Holz-Spielzeugladen Pastorin am Weinplatz oder zum Haushaltwarengeschäft Sibler am Münsterhof.
Ein weiterer Glücksfall war mein Büro am Rennweg, das ich im April 2010 bezogen hatte. Meine Pausen, meine Wege zu Besprechungen oder der Hunger am Mittag führten mich auch in diese Gegend.
Auch traf ich dort Kollegen, Geschäftspartner, Bekannte. Peter Sibold z.B. kam jeweils von seinem kantonalen Arbeitsplatz je nach Sonnenstand in den Storchen oder zur Zunft zur Zimmerleuten auf ein Glas Wein, zuvor kaufte er jeweils im Tabaklädeli an der Storchengasse seine Zigarre. Wir trafen uns auf die berühmte Zigarrenlänge.
Vom Storchen wenige Schritte Richtung See gibt es ein Kaffee, das auch an der Mauer zur Limmat Tische und Stühle hat. Liess ich mich dort nieder, so bediente mich meist Chandra, eine Frau, die mich bereits in den 1980-er Jahren im Hauptbahnhof bediente, als ich unter anderem auch dort für die Immobilien zuständig war.
Als Pensionierter treffe ich mich auch mit ehemaligen Bauherren oder Architekten an diesen Orten. Mir gefällt es einfach.

Mich erstaunte im Nachhinein, dass ich dieses kleine Vergnügen spontan beschrieben habe. Mir ist bewusst, das kann nur einer schreiben, der sonst keine Sorgen hat. Bei mir ist es so. Die Renten und die AHV finden ihren Weg Monat für Monat auf mein Konto. Ich habe eine geheizte Wohnung, die vor allem von meiner Frau in Schuss gehalten und geschmückt wird, fast auf jedem Tisch immer frische Blumen oder Pflanzen. Ich werde gesund ernährt und habe eine gesunde Familie. Was will man mehr. Selber komme ich aus einer grösseren Familie, wo wir unter den Geschwistern nicht intensiven Kontakt haben aber auch keinen Streit. Ich bin gesund und beschäftige mich mit Dingen, die mir Freude machen und treffe Menschen, die mir gut tun. 

Von klein auf, Schreiben mit Tinte

(geschrieben in der Oase des Schreibens von Rosemarie Meier dell' Olivo am 20. November 2023, Pro Senectute)

Vor etwa fünf Jahren (2018) waren ich bei einer wenig jüngeren Frau zu Besuch. Diese belegte an der Volkshochschule einen Kurs in Autobiografischem Schreiben bei Prof. Messerli. In der zweiten Lektion hat sie ein Bild beschrieben und sagte, das nächste Mal würde sie den Text vor der Gruppe lesen, ob wir ihn einmal hören wollten. Ich war erstaunt, wie viel persönliches sie von sich gab. Für mich dachte ich, das wäre nichts für mich, und dann noch vorlesen.
Im Rückblick merke ich, dass mir Schreiben eigentlich keine Mühe macht. Im Leben habe ich viel geschrieben, aber selten über mich oder etwas Persönliches. Ich schrieb und schreibe auch keine Tagebücher, es könnte ja zu Persönlich werden oder in die falschen Hände geraten. Ich habe auch keine Gegenstände von früher gehortet.
Und jetzt bin ich bei Rosemarie Meier in der Oase des Schreibens und just ging es um die Beschreibung eines Gegenstandes. Ich telefonierte meiner Bekannten und sagte ihr, ich hätte keinen Gegenstand, ich entsorge alles, nicht einmal aus dem Nachlass meiner Eltern wollte ich etwas bis mir mein Bruder einmal den Landsgemeindesäbel meines Vaters und den Barometer mit Quecksilber brachte.
Nach langem Nachdenken habe ich meinen Füllfederhalter als Gegenstand gewählt, begleitet er mich doch im übertragenen Sinn ab meiner Kindheit. Aktuell ist es mein Füllfederhalter mit Tintentank, Tintenfass und Tintenlumpen.
Alle meine Geburtstags-, Glückwunsch, Neujahrskarten oder Kondolenzbriefe schreibe ich mit Tinte. Auch Geschenke an die Enkel, die Kinder oder andere Personen beschrifte ich mit Tinte und meiner besonderen Schrift ‚Unziale‘. Diese Schrift habe ich als Primarschüler meinen älteren Schwestern abgeschaut, die sie jeweils für Titel oder Heftbezeichnungen verwendeten.

UNZIALE, eine Schrift aus dem 5./6. Jahrhundert. In etwa diese Schrift benutzte ich, abeschaut von meinen Schwestern, die diese in der Mädchenflade in St. Gallen gelernt haben.

 


In meinen Berufsjahren hatte ich immer viele Briefe und Verträge zu unterschreiben. Ich nahm immer meinen Fülli, auch wenn mir der Geschäftspartner seinen Kugelschreiber entgegenstreckte. 

Es war fast ein Tick von mir, sogar auf das Notariat nahm ich meinen Fülli mit, auch wenn dort schon seit langem der Kugelschreiber Einzug gehalten hat. Von Berufs wegen hatte ich viele Grundbuchgeschäfte zu erledigen. Originale sollte man immer mit blau unterzeichnen, damit sie sich von den meist in schwarz/weiss daher kommenden Kopien unterscheiden. Meine Tinte ist darum blau.
Letzthin suchte ich in Zürich nach gutem Schreibpapier mit Fliesspapier. Bei Zumstein am Rennweg wurde ich fündig, nachdem mein öfters gern frequentiertes Geschäft Landolt-Arbenz an der Bahnhofstrasse geschlossen worden ist.
Im Hinblick auf meine Pensionierung machte ich eine mehrwöchige Wanderleiterausbildung im Bündnerland. Einige Tage waren wir mit einer Biologin unterwegs. Unter anderem wurde bei mir das Interesse an Pflanzen und Pilzen geweckt. Einen bestimmten Pilz konnte ich mir besonders gut merken, den Schopftintling. Dies ist ein schöner weisser Pilz, der mit der Zeit tranig wird und eine Art Tinte absondert. Es gibt wirklich Schilderungen und Versuchsanordnungen für Primarschüler, um mit dieser Tinte zu schreiben. Der Schopftintling ist übrigens ein Speisepilz.

Woher kommt meine Affinität zum Schreiben mit Tinte. Ich kann es nur erahnen und mir so erklären.
In unserem Dorf im Appenzellerland gab es wohl einen Kindergarten. Wir wohnten ausserhalb des Dorfes und es wäre für uns Kinder zu weit gewesen, sodass von uns niemand in den Kindergarten gegangen ist. In dieser (Kindergarten-) Zeit, so mag ich mich erinnern, spielte ich viel im Büro meines Vaters, das neben der Stube lag. Er hatte eine grosse Rechenmaschine und auch einen Rechnenschieber. Auch hatte er Schreibfedern und ein Tintenfass. Ich kritzelte mit diesen Tintenfedern aufs Papier oder fabrizierte Figuren mit Tolggen, die ich mit dem Fliessblatt aufsaugte. So verging die Zeit. In der dritten Klasse schrieben wir dann auch wieder mit Tinte. Das Tintenfass war in der Schulbank integriert. (Diesen Abschnitt in Meet-my-Life Kap. 4 Kindergarten eingefügt am 18.11.23)
Im Gymnasium war damals Schreiben mit Tinte Standard, erschwingliche Kugelschreiber kamen in jener Zeit zwar auf den Markt, hatten aber nicht immer einen kontinuierlichen Tintenfluss.
Mit meinem Tick gehöre ich zu einer aussterbenden Spezies. Die Veränderungen drehen sich heute nicht mehr nur um das Schreibwerkzeug. Neuerdings lasse ich mir von Chat GPT, der angesagten künstlichen Intelligenz, Briefe und Glückwunschkarten entwerfen, die ich dann überarbeitet von Hand mit Tinte zu Papier bringe.
Abschied vom bäuerlichen Leben, Kurzbiografien
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22.1.  Meine acht Geschwister – Abschied vom bäuerlichen Leben, Kurzbiografien.
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Der Abschied vom bäuerlichen Leben

Unsere Familie erlebte den Abschied vom bäuerlichen Leben. Keiner von unserer Familie konnte nach dem unerwarteten Tod des Vaters im Jahre 1973 den Betrieb übernehmen und die anderen acht Geschwister auszahlen. 50 Jahre nach der damaligen Übergabe an Cousin Hans Inauen wird Wohnhaus und der Steigbach von unseren Nachfolgern nicht mehr für landwirtschaftliche Tätigkeiten eingesetzt: keine Schweine, keine Kühe, keine Milchsammelstelle. Der Eigentümer Hans Inauen jun. (*1957) vermietet die Räume und verpachtet das Land.

Berufe meiner Geschwister

Im Rückblick staune ich, wie unseren Eltern die Bildung wichtig war. Als ob sie die Veränderungen erahnten. Wir Kinder sind umgestiegen und alle haben ihren Platz gefunden.

Im Buch für meinen Enkel Adrian zu seinem 11. Geburtstag  habe ich die Berufe von uns neun Kindern in etwa wie folgt aufgeführt:

Maria Brabetz-Wild, 1939, lic. phil I, Universität Zürich (Sekundarlehramt) 

Gandolf Wild, 1940, Theologie in Solothurn, Bachelor of Arts in Dar es Salaam, Tanzania

Martha Wild-Guerra, 1942, Krankenschwester, Juwelierin 

Josef Wild-Stieger, 1944, Lastwagenfahrer, Baggerfahrer, Betonwerker 

Theres Reich-Wild, 1945, Krankenschwester, Köchin, Bäuerin 

Tony Wild-Knechtle, 1946, eidg. dipl. Elektro-Installateur, Gemeinderat und -präsident Teufen AR, Kantonsrat AR, Betriebstechniker Eschler AG

Catherine Winteler-Wild, 1948, Primarlehrerin

Niklaus Wild-Lüscher, 1951, dipl. Bauingenieur ETH, Projektentwicklungen bei umfangreichen Immobilienportfolios SBB, Flughafen, Kanton Basel-Stadt 

Monika Bucher-Wild, 1954, Krankenpflegerin FH, Zonenreflex-Massage

Kurzbiografien meiner acht Geschwister

Im Buch für meinen Enkel Gabriel Wild auf seinen 11. Geburtstag (17. Oktober 2025) habe ich meine acht Geschwister in Kurzform beschrieben.


 

 

Dieser Text ist in den ausführlicheren Lebensläufe in weiteren Unterkapiteln auch enthalten.



Zur Komplettierung der Familie füge ich in ähnlicher Art mein Leben in Kurzform ein:

Niklaus, der umtriebige

Niklaus besuchte in Bühler sechs Jahre die Primarschule und anschliessend in Appenzell als Interner sieben Jahre das Gymnasium. Dann wechselte er nach Zürich an die ETH, wo er am  5. Juli 1977 als dipl. Bauingenieur ETH abgeschlossen hat. 

Im Nachhinein fällt auf, dass er während der ganzen Berufszeit keine offiziellen Weiterbildungen mehr besucht hat. Dies war damals nicht so verbreitet. Er hat die Ausbildung ohne Umwege gemacht und sich später ‚on the job‘ weiter vertieft in andere Gebiete, arbeitete er doch ab 1986 vorwiegend im Immobilienbereich bei grösseren Projekten der SBB, des Flughafens Zürich oder des Kantons Basel-Stadt.

Während des Studiums starb unerwartet sein Vater im Dezember 1973.   Nach dem Verkauf der elterlichen Liegenschaft unter Führung von Bruder Tony besuchte Niklaus mit dem geerbten Geld seinen Bruder Gandolf in Tansania. Er reiste mehrere Monate auf dem Landweg, u.a. durch die Sahara. Später zog es ihn nach Indien. Über diese Reisen hat er 2025 für seine Familie und Geschwister ein Buch geschrieben unter dem Titel ‚Afrika, die Erweckung für einen Appenzeller‘.

Am 28. Juni 1978 heiratete er Veronika Lüscher. Sie zogen drei Kinder, Milena, Raphael und Isabelle auf, zuerst in Zollikon und ab 1989 im Tiergarten in Zürich. 

Im 58. Altersjahr liess er sich in Basel-Stadt pensionieren und betrieb in Zürich seine eigene Wild Immobilien GmbH. 

Daneben liess er sich zum Wanderleiter ausbilden und führte Wanderungen bei der Pro Senectute und den Zürcher Wanderwegen. 

In jener Zeit betreute er tageweise zusammen mit Veronika ihre drei Enkel Adrian, Gabriel und Linus.

Er schreibt auf der für alle Interessierten zur Einsicht freien Plattform ‚meet-my-life.net'. Das Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaften (ISEK) der Universität Zürich (ISEK) empfiehlt diese Plattform.]

 

 

Maria Brabetz-Wild, die sprachbegabte
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22.2.  Meine acht Geschwister – Maria Brabetz-Wild, die sprachbegabte.
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Maria Brabetz-Wild ging nach der Primarschule in Bühler und der Flade in St. Gallen nach Zürich. Sie hatte keine sorglose Jugend. Sie musste zuhause viel im Haushalt mithelfen. Meiner Erinnerung nach hat sie neben meiner Mutter und dem Pächter Hans Inauen viel zu meiner Erziehung beigetragen.

In Zürich arbeitete sie im kaufmännischen Bereich. Daneben machte sie die eidgenössische Matura. Vom kargen Lohn sandte sie den Eltern Geld nach Hause. Sie studierte an der Universität und schloss als lic. phil.I ab (Sekundarlehramt). Sie heiratete Sergio Brabetz am 31. Mai 1966. Mit ihm hatte sie die Kinder Claudia und Giulio. Nebenbei machte sie Schreibarbeiten für ein Ingenieurbüro. Die Familie begleitete Sergio nach Oman und Saudi-Arabien. 

Maria war in Zürich gut eingebettet mit ihren beiden Kindern, im Quartier und in der Kirche und sie selber in der Firma Basler & Hofmann. Sie konnte zuhause arbeiten oder auch im Büro, es war ideal für sie. Die ersten Aufenthalte in Oman und später in Saudi-Arabien haben sie von Zürich abgeschnitten.

Ich mag mich erinnern. In meiner Studentenzeit ging Maria mit ihren Kindern nach Oman. Es war geplant für die Sommerferien. Auf einmal schrieb sie mir, ich sollte Dinge aus ihrer Wohnung an der Freiestrasse 152 zu einer Frau bei der Elektrowatt, der Arbeitgeberin von Sergio, bringen. Es waren Kleider und Schulbücher. Die Elektrowatt spedierte alles nach Oman. Maria schrieb, sie würde in Oman bleiben und die Kinder selber unterrichten. Aus den Sommerferien wurden meiner Erinnerung nach zwei Jahre.

Im 50. Altersjahr kaufte Sergio 1986 in Serzedo (Portugal nähe Porto) die Papierfabrik 'Papel Fontes' mit 70 Mitarbeitenden mit seinem Pensionskassen-Geld der damaligen Sulzer. Für Maria fiel es schwer, auszuwandern. Sie kam jeweils nach Zürich und besuchte ihre Freundinnen. Auch wenn sie bis 2015/2018 jeweils an die Familientreffen kam und bei uns im Tiergarten übernachtete, standen meist solche Besuche an.

Eine Zeit lang arbeitete die ganze Familie für die Papierfabrik. Nach und nach übernahmen Claudia und Giulio Funktionen im Betrieb. Giulio war quasi der Geschäftsführer und konnte den Betrieb im Oktober 2023 vollständig übernehmen. Nachdem die Situation für ihn stabil war, begann er zu investieren, um von der Handarbeit unabhängiger zu werden. Sein Ziel ist es, bis zu seiner eigenen Pensionierung die Mitarbeiterzahl ziemlich zu reduzieren, indem er keine neuen Menschen mehr anstellt. Entlassungen sind kaum umzusetzen.

Sergio hat sich wegen seiner Gicht in die Berge nach Vide zurückgezogen. Das sind zwei Stunden Autobahnfahrt von der Küste, ihrem Wohnort Arcozelo, her. 2025 lebte Sergio seit 17 Jahren dort. Solange am gleichen Ort war er sein Leben lang nie.


Lebensdaten, Weitere Ereignisse, Wohnorte und Arbeitsstellen von Maria Brabetz-Wild:

Geburt: 9. Februar 1939, im Steigbach 80, 9055 Bühler
Taufe: Am Tag der Geburt
Patin/Gotte:
Pate/Götti:
Firmung:  durch Bischof 
Ziviltrauung: Heirat am 31. Mai 1966
Kirchliche Trauung:
Geburt Claudia Brabetz, 14. Januar 1967 in Udine. Am 23. Dezember 1966 Bahnreise schwanger von Zürich nach Udine.
Geburt Giulio Brabetz in Zürich am 7. Januar 1973

Geburt von vier Enkelinnen in Portugal (Eltern Giulio und Paloma in Arcozelo)
Thea Flavia, 18. Dezember 2002 (ab September 2020 in Schweiz für Studium, Zollikon, August 2023 Winterthur)
Stella Thalia, 15. Dezember 2005 (ab August 2024 in Schweiz für Studium, Zollikon, Mai 2025 Zürich, 16. Nov. 2025 Regensdorf)
Helia Serena, 14. Oktober 2010
Flora Helena, 19. April 2012

Ausbildung:
April 1946 bis März 1952 Primarschule Bühler, sechs Klassen
April 1952 bis März 1955 Mädchen-Sekundarschule Flade in St. Gallen
September 1959 bis März 1963 Abend-Gymnasium Juventus Zürich. Abschluss mit Fremdmatura B in Bern und Zürich am 20. März 1963
1963 bis 1976 Universität Zürich, Abschluss lic. Phil. I (Fähigkeitsausweis Sekundarlehramt) am 22. November 1967
Juli 1965 bis 1966 obligatorischer Sprachaufenthalt in Paris (vormittag bei Familie, Nachmittag Kurse)

Wohnorte:
1939 bis Februar 1956: Steigbach 80, 9055 Bühler, Eltern- und Geburtshaus
Februar 1956 bis März 1957: Place des Eaux-Vives, Genf, Zimmer bei Familie Burri (arbeiten im Haus und wohnen)

April 1957 bis Juni 1965:
  • Zypressenstrasse, Zürich 3, bei Friedhof Sihlfeld. Zimmer bei älterem Ehepaarohne Kinder. Zimmer wurde für Verwandte gebraucht.
  • Hadlaubstrasse 29, 8007 Zürich. 5 Dienstbotenzimmer im Untergeschoss. Nur WC mit kaltem Wasser. Maria mietete ein Kästchen im Hallenbad City und war oft dort über Mittag. (Damals noch 2 Stunden Mittagszeit, am Anfang noch Samstagsarbeit). Zimmer wurde gebraucht als Eigenbedarf für den Sohn.
  • Landoltstrasse 17, 8006 Zürich. Zimmer in grosser Etagenwohnung, Mitbewohner waren unter anderem Griechen. Es war keine Wohngemeinschaft.

Juli 1965 bis Februar 1966: Rue Cognaq-Jay 1, Paris 7ième. Dienstbotenzimmer im 7. Stock. Kaltes Wasser, türkische Toilette im Gang für alle. Separater Hauseingang für 7. Stock und Lieferanten.
März 1966 bis April 1966: Kurfürstenstrasse, Zürich 2. Nach 2 Monaten brauchte Vermieter das Zimmer selbst.
Mai 1966: Narzissenstrasse, Zürich 6. Nur einen Monat. Kündigung weil verheiratet.
Schwierige Wohnungssuche wegen Ausländer-Initiative von James Schwarzenbach.
Juni 1966 bis Dezember 1966: Scheuchzerstrasse 70, 8006 Zürich. Zimmer in grosser Wohnung, mit Studenten. Maria nahm nicht am Wohngemeinschafts-Leben teil, da sie 100 % arbeitete. Sergio wohnte auch dort.
Januar 1967 bis März 1974: Allenmoosstrasse 140, Zürich Oerlikon. 3 Zimmer im Parterre.
[Von Juli 1971 bis September 1971 wohnte auch ihr Bruder Niklaus bei ihr, während seines Praktikums am Urania-Parkhaus]
Ferienhaus in Maiensäss in Valzeina (Schwester Martha Guerra-Wild war einmal dort)
April 1974 bis Oktober 1983: Freiestrasse 152, 8032 Zürich. Grosse 5-Zimmer-AltbauWohnung, hohe Räume. Unten wohnte Hausbesitzer, der keinen Lärm wollte, aber die Holzböden knarrten! 1983 Möbel einlagern bis 1989.
Von ??? Bis 1991: Häuschen in Bänikon. 1991 zu hohem Preis verkauft. Erlös trug zur Rettung von Papel Fontes bei!
Ab 1975 bis 1978: Oman. Wohnung der Regierung in einem der ersten Wohnblocks des Landes, in Ruwi, nähe Muscat, wo heute die riesige Moschee steht. Oman war bis 1970 ein verschlossenes Land.
1983 – 1988 Saudiarabien, Riad: Zuerst Einzelhaus an kleiner Strasse hinter dem Hyatt Hotel. Schwimmbad, hohe Mauern. Haus schlecht gebaut, immer Stromausfälle. Miete umgerechnet 10.000 Fr./Monat.~ Schwache Klimaanlage. Grosse Dachterrasse. Damals gab es nicht viele Mietobjekte für Ausländer.
Dann in Alkariya-Viertel in Compound von SNAM-Projetti. Sieben aneinander gebaute grosse Häuser. Grosses Schwimmbad (mit Unterhalt) und hohe Mauern. Italienische Familien mit ein bis zwei Kindern, die die italienische Schule besuchten. Gute Klima-Anlage.
1989 bis 1990 Strickerstrasse, Winterthur. 5-Zimmer-Wohnung oben auf Einkaufszentrum beim Bahnhof. Grosse Terrasse neben Dachgarten.
1991 bis 1995 Rua 22, Espinho, möblierte 3-Zimmer-Wohnung
1995 bis 2007 Haus direkt am Meer, Praceta Sacaduro Cabal, Aguda-Arcozelo, neben Golfplatz Miramar. Schlecht gebaut. Hohe Strom- und Wasserrechnungen. Viel Platz für Hunde. Sehr ruhig. Direkt am Sand.
Ab 2008: 6360-200 Vide-entre-Vinhas (Celorico da Beira). Strasse Corouja beim Friedhof, Casa da Serra (Haus am Berg), 14’000 m2 felsiges, steiles Land, Granithaus. Sergio wohnt immer hier und Maria besucht ihn.
Wohnsitz ab 2008: Travessa José Camarinha Barrote 103, 2Tr, Arcozelo, 3-Zimmer-Wohnung mit Sicht aufs Meer. (Vorher wohnte Tochter Claudia Brabetz in dieser Wohnung, bis sie in ihr Haus in Aguda (Arcozelo) zog)
An diesen Standorten ab 2008 wohnten Sergio und Maria am längsten, sie sind sesshaft geworden.


Arbeitsorte (Aufstellung von Maria Brabetz vom 12. Januar 2020)

Herbst 1955 bis 16. Februar 1956: Enderlin Bühler, halbtags
Februar 1956 – 16. März 1957: Familie Burri, Charcuterie, Genf, als Volontaire (Vollzeit, wenig Lohn) 2 Kinder Jean-Pierre und Daniel
April 1957 bis 3. Juli 1959 Kapp & Co., Autozubehör, Konradstrasse 32, Zürich als Angelernte, tiefer Lohn
(An der Konradstrasse führte Cousine Alice (Matter?) den Konsum. Sie wohnte in Schlieren.)
Gleichzeitig Abendhandelsschule Juventus. Nach Diplom (mit sehr guten Noten) verlangte Maria mehr Lohn. Da nur sehr wenig mehr, kündigte sie.
Bei Kapp kaufte Maria ein Velo. In den Ferien fuhr sie von Zürich-Genf-Wallis-Chur in den Steigbach.
September 1959 bis Oktober 1963 Leimgruber & Co., Bleicherweg 18, Zürich Blick auf See. Handel mit Wollstoffen. Kein Detailverkauf. Familienfirma.

In Zürich während UNI-Studium verschiedene Arbeiten:
Rosenfeld Textilagentur, ganz Klein, einen Abend pro Woche
Gewerbeschule der Stadt Zürich, Abt. Fremdsprachen
Handelsschule Räber
Diverse kurzfristige Arbeiten
Juli 1966 bis 23. Dezember 1966 Basler & Hofmann, Ingenieurbüro, Forchstrasse, Zürich. Eigentlich als Vertretung für drei Monate. Da diese Sekretärin in USA blieb, verlängerte sich dies bis Ende Jahr. Damals war Basler & Hofmann (gegründet 1963) noch klein, ca. 20 Personen. Heute mehr als 200. Irgendwann kam die Abspaltung von Ernst Basler & Partner (Zollikon), die heute auch sehr gross sind.
1967 – 1975, 1978 – 1982 Heimarbeit für Basler & Hofmann. Schreiben grosser Berichte und Bücher mit Vorbereitung bis Druck, Deutsch und Englisch
1976 – 1978 in Oman, 1975 und 1978 zeitweise Oman
1984 – 1988 Riad Saudiarabien
Januar 1989 bis 8. Dezember 1990 Basler & Hofmann, Assistentin von Konrad Basler, 90 % im Büro
Ab 10. Dezember 1990 Papel Fontes in Portugal. 
Engagements im Schweizer Club 


Albert (Gandolf) Wild (1940-2022) in der Mitte. Links seine Schwester Martha Guerra-Wild und rechts die älteste Schwester Maria Brabetz-Wild. Die Foto wurde aufgenommen von Josef Inauen (1924-1995) am 23. Juni 1946, dem Tag der Beerdigung von Grossmutter Katharina Wild-Hersche. Dachsböhl, Bühler AR. Martha mag sich erinnern, dass sie Trauerkleider angehabt hätten.

 



Maria Brabetz-Wild

 

 

 

 

Maria Brabetz am 24. Oktober 2025 beim Essen bei Paloma und Giulio in Arcozelo (bei Porto in Portugal). Sie wohnen 12 Minuten zu Fuss auseinander.

 

Sergio Brabetz und Maria Wild. Hochzeit am 7. Juli ? 1966 (31. Mai 1966?)

 


Claudia an Allenmoosstrasse in Oerlikon.

 


Maria mit Giulio und Claudia. Erster Geburtstag von Giulio am 7. Januar 1974.

 


Giulio und Claudia Brabetz. Erster Geburtstag von Giulio.

 


Giulio Brabetz im Sommer 1977 in Oman.

 


Sergio Brabetz, Theres Reich-Wild, Maria Brabetz-Wild, Claudia Brabetz, Niklaus Wild. Wahrscheinlich an Freiestrasse 152 in Zürich.

 

Paloma Brabetz (geboren 6. Februar 1973) mit ihrer Mutter Doris Sauter-Haas, ca. 1973

 

Die vier Mädchen von Giulio und Paloma in Brunnen am 13. August 2016. Flora, Helia, Stella, Thea.

 


Am 21. August 2017 Giulio mit seinen vier Töchtern. Helia, Thea, Flora, Stella, Giulio Brabetz.

 

 

Maria Brabetz-Wild im Rollstuhl, sekundiert von ihren beiden Kindern Claudia und Giulio. Am 59. Geburtstag von Claudia am Meer bei Arcozelo.

 

Am 2. August 2026 feiert Sergio Brabetz seinen 90. Geburtstag. Von vlnr: Thomas Schuler (Maturakollege von Giulio in Brunnen), Claudia, Maria, Sergio, Flora, Giulio, Paloma, Raphael mit Mutter Daniela Schuler. Bei Giulio & Paloma.

 


Sergio Brabetz am Meer in Portugal bei Arcozelo. Er ist 90 Jahre alt geworden am 2. August 2026. Aufnahme im August 2026.

 


Maria Brabetz in Portugal. Das Pflaster an der Stirne rührt von einem Sturz her. Juli 2026

 


Stella Brabetz mit ihrer Grossmutter Doris Sautter. 6. August 2026 im Zimmer von Doris. Altersheim Bannau Weinfelden.

 

Gandolf Wild, der geistliche Bruder
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22.3.  Meine acht Geschwister – Gandolf Wild, der geistliche Bruder.
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(aus Buch)

Meinen zehn Jahre älteren Bruder lernte ich erst mit der Zeit kennen. Er wurde als zweites Kind geboren und gleichentags auf Josef Albert getauft. Seine Kindheit war geprägt vom Weltkrieg. Er besuchte sechs Primarklassen in Bühler und galt bei den Lehrern als guter Schüler.

Als ich zwei war, begann Gandolf im Frühjahr 1953 mit dem Langzeitgymnasium und lebte dort im Internat. Dieses dauerte sieben Jahre. Die Schule war privat und der Lehrkörper bestand aus lauter Kapuzinern. Er schloss die Matura als Klassenbester ab. In den langen Sommerferien war er zu Hause oder bei Verwandten, z. B. bei Tante Trineli in Immensee. Während der Internat-Zeit hatte er einmal im Monat an einem Sonntag frei und ass bei uns im Steigbach Zmittag.

Nach der Matura 1960 trat er unmittelbar in den Orden der Kapuziner ein. Ich war damals neun Jahre alt. Das Noviziat verbrachte er im Kapuzinerkloster Stans. Dort erhielt er den Ordensnamen Bruder Gandolf. Die weitere Ausbildung erfolgte im Kapuzinerkloster Solothurn.

Eine Erinnerung daran ist mir geblieben. So in etwa als 11-Jähriger durfte ich meine Eltern nach Solothurn begleiten. Wir übernachteten in einem Hotel. Für mich war dies die erste Nacht ausserhalb des Elternhauses. Ich erlebte warmes und kaltes Wasser, eine Toilette mit Wasserspülung und nicht ein Plumps-Klo wie zu Hause. Auch das Frühstück faszinierte mich. Es ist anzumerken, dass ich während meinen ersten elf Lebensjahren immer zu Hause war. Ich ging nie zu Verwandten in die Ferien. Dies Übernachtung war etwas Besonderes für mich. Interessant ist, an den eigentlichen Anlass erinnere ich mich überhaupt nicht. Meinen Eltern merkte ich an, es muss ein spezielles Ereignis sein. Es könnte die Profess von Gandolf gewesen sein, der definitive Eintritt in den Orden. [Ewige Profess am 13. September 1964 in Solothurn, Ich war 13 Jahre alt.]

Mit 25 Jahren feierte er 1965 seine Primiz in unserer Kirche in Teufen AR. Unsere Tante Martha Bischofberger-Büchel (1918-2003) war seine geistliche Mutter.

Nachher durfte er nach Irland/London [Gemäss Provinzarchivarin nach England], um sich in die englische Sprache zu vertiefen. Seine Oberen sahen ihn als Leiter des geplanten ordenseigenen Seminars in Maua Tansania. Sie bereiteten den jungen Ordensbruder entsprechend vor. Er hatte das Privileg, in Dar-es-Salaam mit den Einheimischen Geschichte, Soziologie und Pädagogik zu studieren. Später sagte er, das sei ein kluger Schachzug gewesen. Er hätte in Ruhe Sitten und Gebräuche erfahren und vor allem auch die spätere Elite kennenlernen können.

Bis zu meinem Besuch 1975 habe ich ihn nicht viel gesehen, geschweige denn gekannt, im Vergleich zu meinen anderen zwei Brüdern Sepp (geb. 1944) und Tony (geb. 1946). Diese assen mit uns am Tisch und erzählten von ihren Erlebnissen. Tony führte an einem Militärspital die Elektroarbeiten aus, durfte uns aber nicht sagen, wo sich die Anlage befindet. Auf mich machte das damals tief Eindruck. Beim Eingang musste er sich mit einer Nummernmarke aus Aluminium ausweisen. Heute meint er, er fragte sich damals, warum es in jedem Zimmer eine Telefonsteckdose brauche. Letztlich handelte es sich um eine Kommando-Bunker-Anlage und diese befand sich in Haslen.

Josef war begeistert von Baumaschinen. Früh durfte er einen Trax fahren bei der Firma Köppel. Damals waren die Sitze nicht gefedert und er hatte deshalb bald Rückenprobleme. Josef wollte Geld verdienen und machte keine Lehre.

Am Sonntag ging es gemeinsam in die Kirche, wir spielten zu Hause zusammen. Diese beiden Brüder waren für uns präsent und greifbar, Gandolf kannte ich vom Hören-Sagen. Vielleicht war dieser Umstand auch Teil meiner Motivation, ihn besuchen zu gehen. Gandolf hatte in der Kirchgemeinde und in unserer Familie eine Art Sonderstellung.

Das Seminar in Maua baute er zu einer erfolgreichen Schule aus. Er war sprachbegabt und redete die Landessprache Suaheli. Mich beeindruckte, wie er den Kontakt zur Bevölkerung pflegte. Man spürte, sie hatten ihn gern. Einige Jahre war er nebst Leiter dieser Schule auch Provinzial der Kapuziner von Ostafrika.

Afrika wäre seine zweite Heimat geworden, wenn sein Herz mitgemacht hätte. Gandolf erlitt einen Herzinfarkt. Es war die Zeit der Maturaprüfungen, er war dazu auch in anderen afrikanischen Ländern unterwegs. Dank guter Fügung bekam er in nützlicher Frist die nötige gesundheitliche Behandlung. Sonst wäre er schon in jüngeren Jahren gestorben. Diese Warnung des Körpers blieb nicht ungehört. Er musste kürzertreten, Tempo aus seinem Leben nehmen. In der Position als Seminarleiter in der gewohnten Umgebung gelang das aber nicht. Die Oberen wollten ihn in Afrika stationiert lassen und versetzten ihn nach Nairobi. Dort wirkte er von 1991-1994 als Rektor des Internationalen Ausbildungshauses der Kapuziner. Als er damals auf Heimaturlaub war, spürte man, dass das nicht seine Welt war. Er verwelkte wie eine Blume. Das blieb nicht unbemerkt. Er durfte 1995 für kurze Zeit zurück nach Tansania als Verantwortlicher für die Kapuziner-Junioren. [Im Rückblick kann Herzversagen in unserer Familie als genetisch bedingt betrachtet werden. Entsprechende Fälle gehen zurück zur Grossmutter Büchel-Metzger, Mutter Maria Wild-Büchel und Bruder Gandolf.]

 

Mein Bruder Tony und seine Frau Vreni besuchten ihn Anfang 1995, kurz vor seiner Versetzung nach Rom. Er machte mit ihnen eine Reise mit Besuchen von Orten, Missionsstationen und Personen. Gandolf hatte ihm am 2. Februar 1995 einen zweiseitigen Brief geschrieben, wo sie waren und wen sie getroffen hatten. Dieser zeigt einen Teil seines weitverzweigten Beziehungsnetzes, das er in 27 Jahren aufgebaut hatte. Dieser Brief war typisch Gandolf. Darin ist auch P. Meinhard Inauen erwähnt. Als junger Appenzeller Missionar hat dieser uns Ministranten in seinem Heimaturlaub von seiner Tätigkeit in Afrika erzählt. Solche Geschichten beeindruckten mich als Jugendlicher. Wahrscheinlich löste das später gewisse Sehnsüchte aus, die auf einmal zu konkreten Reiseplänen wurden, wie bei mir.

 

Nach einem Viertel-Jahrhundert in seinem geliebten Ostafrika ernannten sie ihn zum Generalsekretär an der weltweiten Zentrale der Kapuziner in Rom, nicht zu verwechseln mit dem Vatikan. Dort kamen ihm sein Organisations- und Sprachtalent zugute. Er organisierte weltweit Zusammenkünfte. In jenen 13 Jahren reiste er viel umher in der Welt. Wir besuchten ihn in Rom. Die Abmachung mit den Verantwortlichen war, sobald es ihm zu viel würde, durfte er kürzertreten und Aufgaben abtreten. Die Gesundheitsversorgung in Rom gab ihm Sicherheit. Er stellte die Ernährung um und achtete auf eine gesunde Lebensweise.

 

Paul Hinder, ein Kollege aus der Gymnasialzeit und Mitbruder, meinte: ‚Gandolf hätte ein geradezu beängstigendes Gedächtnis‘. Er motivierte ihn, nach Abu Dhabi zu kommen als sein Sekretär. Er war Bischof von Arabien, umfassend sieben arabische Staaten und eines der grösseren Bistümer. Dort hatte es viele katholische Arbeitskräfte, nicht Einheimische, für die die Kirche eine zweite Heimat bot. Es gab z. B. italienische, deutsche, spanische ‚Gemeinden‘, weiter auch indische, philippinische etc. Gandolf hielt Bischof Paul Hinder den Rücken frei. In Abu Dhabi war er 2019 massgeblich an der Organisation des Papstbesuchs beteiligt.

 

Gandolf war bei seinem Wechsel nach Arabien bereits AHV-Bezüger. Die Bauweise der Stadt Abu Dhabi ist amerikanisch geprägt und nicht unbedingt wüstentauglich. In den Häuserschluchten können Temperaturen über 50 °C herrschen. Gandolf hatte sich erstaunlich gut angepasst.

Kurz nach dem Papstbesuch waren wir bei ihm [Richtig ist: Der Papstbesuch fand im Februar 2019 statt und wir haben ihn im Januar 2018 besucht.] Er führte uns in der Stadt umher und wir durften ihn an einen Anlass der italienisch-österreichischen Gemeinde begleiten. Für mich ein Ereignis, denn er erschien ausnahmsweise in seinem weissen Habit. Auch zeigte er uns den nahen Park, für dessen Besuch Eintritt zu bezahlen war. Dort sahen wir Einheimische auf Matten am Boden sitzend miteinander reden und essen. Gandolf sagte, das sei hier üblich. Er umrundete jeweils morgens bei ‚kühlen’ Temperaturen den Park. Die Einheimischen machen etwa 10-15 % der Bevölkerung aus.

Wir besuchten die Oase Al Ain und den dortigen Königspalast. An einer Wand war ein Stammbaum eingraviert. Gandolf fragte uns, ob wir irgendwo einen Frauennamen entdecken würden. Wir mussten verneinen, und er meinte, in diesem Land hätten die Frauen nichts zu sagen.

 

Für die Fahrt in die Oase hat er Regina Sepnio engagiert. Sie hatte gerade die Kündigung erhalten. Gemäss geltendem Recht hatte sie 30 Tage, um eine neue Stelle zu finden oder auszureisen. Ohne Arbeitsvertrag gibt es kein Bleiberecht, wie bei uns zu Zeiten des Saisonniers-Status. Er unterstützte sie bei der Suche einer neuen Arbeit.

 

Gandolf lobte das Taxi-Gewerbe; alle Fahrer müssten eine Prüfung ablegen und eine Uniform tragen. Die Grundgebühr sei leider gerade verdoppelt worden auf 12 Dirham und er müsse regelmässig ins Amerikanische Spital zum Arzt. Im Ausland versuche ich, mich in das Funktionieren des öffentlichen Verkehrs einzulesen und in die Angebote einzuloggen. So auch in Abu Dhabi. Wir nahmen den Bus und ich konnte das Ticket mit meinem Smartphone lösen. Bei der Vorbereitung habe ich gelesen, dass Bewohner über 65 Jahre gratis fahren können. Gandolf habe ich das gesagt. Er hat sich den Ausweis nach zehn Jahren Aufenthalt geholt – angeblich innert 5 Minuten. Von da an fuhr er mit dem Bus zum Arzt.

 

Wenn er jeweils auf Heimaturlaub war, hat er bei den SBB ein Rundreisebillett mit ‚seinen‘ Stationen ausstellen lassen. Das sah aus wie ein Kassenzettel nach einem umfangreichen Einkauf. Hinter der Reise war ein ausgeklügelter Plan mit Besuchen, Übernachtungen, Essen, Ausflügen. Erst später ist mir ein Licht aufgegangen. Er reiste zu seinen Unterstützern und Geldgebern. Die Kapuziner sind ein Bettelorden. Er bedankte sich, berichtete und bekam wieder neue Mittel. Er war immer auf Trab. Erst im Alter wurde er ruhiger, aus Rücksicht auf seine Gesundheit. Als ich nicht mehr berufstätig war, holte ich ihn bei Heimaturlauben vom Flughafen ab. Nach einem ausgedehnten Frühstück bei uns zu Hause in Zürich war sein erstes Ziel die Missionsprokura in Olten. Dort hatte er sein Depot an Kleidern und Utensilien.

 

In den letzten Jahren führte sein Weg zuerst zu Frau Annemarie Haderer (geboren 1929), die Kapuziner unterstützte und die für Gandolf jeweils das SBB-Halbtax und Billette besorgte, war sie doch früher tätig beim SBB-Reisedienst. Im Dezember 1986 habe ich bei den SBB in der Sihlpost zu arbeiten begonnen. Eines Tages schaute eine mir unbekannte Frau während einer Sitzung in mein Büro. Sie sagte: ‚Ja, er ist es. Er gleicht ihm.’ Gandolf hatte ihr geschrieben, ich würde dort arbeiten, was sie fast nicht glauben konnte. Ich lernte sie aber erst später kennen.

 

Je älter er wurde, sprach er auch vom Tode. Er sagte, in die Schweiz würde er zum Sterben kommen. In Abu Dhabi gelte er als Methusalem, das Durchschnittsalter sei sehr tief, auch die Erneuerung seiner Aufenthaltsbewilligung sei teuer. Als er zurückkommen wollte, kam die Pandemie, dann gab es Verzögerung wegen seiner zeitweise eingeschränkten Reisefähigkeit. Am 11. September 2021 war es so weit. Bruder Tony mit Vreni, meine Tochter Isabelle und die Cou-Cousine Thea Brabetz nahmen ihn am Flughafen Kloten im Empfang. Er sah mitgenommen aus.

 

Am 11. Oktober 2021 habe ich Gandolf in Wil besucht. Ich schlug ihm vor, auf den Pelagiberg zu fahren. Meine Mutter hatte immer davon gesprochen und ich konnte mir nichts darunter vorstellen. Nach einer längeren Fahrt durch die Dörfer waren wir dort angekommen. Es war kein Leben sichtbar und keine Einkehrmöglichkeit, bis wir uns wagten, es in einer 'Pension' zu versuchen. Bei einem Kaffee hat mir Gandolf erzählt, diesen Ort würden konservative Katholiken aufsuchen oder die Jahre im Alter da verbringen. Unsere Mutter muss eine Freundin gehabt haben, die ihre letzte Zeit dort verbrachte. Ich installierte auf seinem Smartphone die Postfinance-App. Gandolf wollte frei sein und, ohne immer fragen zu müssen, mit der SBB-App Tickets kaufen.

 

Bei jenem Zusammensein hatte mir Gandolf gesagt, er hätte 1974 nicht geglaubt, dass ich lebendig bei ihm ankäme. Von Tunis aus habe ich ihm geschrieben, für welche Route ich mich entschieden habe. Das hat mir klar gemacht, welch Abenteuer ich eingegangen bin, ohne es zu wissen und zu merken. Manchmal hat eine gewisse Naivität auch sein Gutes.  [Veronika meint, er hätte dies bereits im Januar 2018 bei unserem Besuch in Abu Dhabi gesagt.]

 

Ich dachte mir, ich würde ihn öfters treffen und von ihm dies und jenes erfahren. Er wusste Vieles und war sich gewohnt, zu dokumentieren. Dieses Treffen war einer der wenigen Austausche von Bruder zu Bruder. Als Geschwister trafen wir uns am 28. November 2021 zu seinem 81. Geburtstag im Pilgerhaus Dreibrunnen bei Wil.

 

In meiner beruflichen Laufbahn war ich oft in Umnutzungen von Gebäuden involviert. Auch interessierte mich der Umgang mit den immer spärlicher genutzten Kirchen und Klöstern. Als gelungene Umnutzung wollte ich ihm jene von 'seinem' Kapuzinerkloster Stans zeigen. Ich lud ihn am 16. Februar 2022 ins Culinarium Alpinum ein, zusammen mit meinem Maturakollegen Johann Brülisauer. Dieser Appenzeller aus Haslen wohnt in Stans und unterrichtete Jahrzehnte am dortigen Kollegium Latein und Deutsch. Gandolf zeigte mir die Klosterzelle, die er als junger Mensch 1960 nach dem Eintritt in den Orden belegt hatte. Zum Kaffee waren wir bei Cousin Hans Büchel mit Celmira eingeladen.

 

Stark in Erinnerung geblieben ist mir unsere Abfahrt in Zürich. Gandolf übernachtete bei uns im Tiergarten. Wir gingen zu Fuss zur Bahnstation Friesenberg und hatten meines Erachtens Reservezeit für den Weg eingeplant. Wir waren noch nicht ganz dort und der Zug kam schon. Für mich war es ein Leichtes, etwas schneller zu gehen, aber für Gandolf nicht. Der Lokführer hatte Geduld, wir schafften es. Im Hauptbahnhof sagte mir Gandolf, das dürfe ich nicht mehr machen. Er konnte erst nach 10 Minuten wieder reden. Zum Glück hat sein Herz diese Anstrengung gemeistert. Sonst hätte ich mir Vorwürfe machen müssen, den Tod meines Bruders verursacht zu haben.

 

Sieben Wochen danach, am 5. April 2022 morgens um 9 Uhr auf dem Weg zum Refektorium im Kloster Wil ist er umgefallen. In den Armen einer anwesenden Spitex-Mitarbeiterin hat er seine letzten Atemzüge gemacht. Diese wusste, dass er keine lebensverlängernden Massnahmen wollte und liess den von einem Mitbruder angeforderten Krankenwagen zurückfahren. Eine Lehre daraus: Unsere letzten Wünsche nicht nur in einer Patientenverfügung festhalten, sondern auch kommunizieren.

 

Seine Beerdigung folgte einem Ritual der Kapuziner. Im Besuchszimmer in Wil wurde er bekleidet in seiner Kutte aufgebahrt, ohne Klimatisierung, 6 Tage lang. Eine Woche nach dem Tod fand der Auferstehungsgottesdienst statt, Gandolf vor dem Altar im offenen Sarg. Daraufhin wurde er kremiert und am 30. Todestag die Urne beigesetzt. Diese Beerdigung haben die Kapuziner – seine Familie – organisiert.

 

Als ich mit ihm in Stans im Culinarium Alpinum war, hat er mir erklärt, seit wann und warum die Kapuziner Kremationen zulassen. Ein Mitbruder wollte auf dem kleinen Klosterfriedhof beerdigt werden, für eine Erdbestattung gab es zu wenig Platz, deshalb haben sie ihn als ersten Kapuziner kremiert.

 

Im April 2019 gab Gandolf der Missionszeitschrift ite ein Interview mit dem Titel ‚Vom Schweizer im Ausland zum Weltbürger‘. Er sagt: ‚Der Tansania-Einsatz erfüllte meinen Jugendwunsch, nach Italien ging ich aus Gehorsam, den Ruf in die arabische Welt nahm ich an im Vertrauen auf die gute ärztliche Versorgung in Abu Dhabi.‘ Drei Kontinente und drei völlig verschiedene Lebenswelten haben ihn geprägt. Am Schluss geht er auf die Schweiz ein. Sie sei ihm in manchem fremd geworden, eng im Denken, in Gefahr zu einer einsamen Insel zu werden.’ In seinem Rundbrief vom 18. Dezember 2019 geht er auf diese zu kurz geratene Darstellung im ite ein und legt Wert auf seine Äusserung: ‚Die Schweiz bleibt Heimat - die Fremde ist nie ganz fremd.‘

 

Rundbriefe waren ein Markenzeichen von Gandolf. Ich könnte mir vorstellen, dass seine Schilderungen bei mir eine Sehnsucht ausgelöst haben, Afrika kennenzulernen.

 

Wir dürfen ihn als einen Bruder in Erinnerung behalten, der die Sorgen der Bevölkerung in manchen Erdteilen erlebt und zu helfen versucht hat, so wie es der Ordensgründer, Franz von Assisi, vorgelebt hat.

 

Eine wichtige Weiche für mein Leben wurde gestellt, als ich zehn Jahre alt war. Wahrscheinlich ohne es zu wissen, war mein Bruder Gandolf indirekt der Auslöser. Bei mir wurde von Kapuzinern subtil alles so eingeleitet, ihm zu folgen und auch Priester zu werden. Mir wurden die Zusammenhänge erst später bewusst. Der mir wenig bekannte Bruder wusste kaum etwas davon.

*****





Nach diesen eher auf mich selber bezogenen Begegnungen mit meinem Bruder Gandolf habe ich nach einem Besuch des Provinzarchivs der Kapuziner auf dem Wesemlin sowie dem Studium einiger Bücher, die mir Annemarie Haderer zuhanden des Alt-Bischofs Paul Hinder Anfang 2026 übergeben hat, eine Darstellung seines Schaffens verfasst, das ich in From eines kleinen Fotobuches meinen Geschwistern im Mai 2026 zugestellt habe. Die unten wiedergegebenen Texte sind umfangreicher als in der Broschüre. 



Bruder Gandolf Wild, OFM Cap.
1940 bis 2022

Vom Schweizer im Ausland zum Weltbürger

Kurzer Blick über sein Leben

Die Kapuziner waren seine Familie. Bruder Gandolf Wild bewegte sich in verschiedenen Kulturen. Der Tansania-Einsatz erfüllte seinen eigenen Wunsch, nach Italien ging er im Gehorsam, den Ruf in die arabische Welt nahm er an im Vertrauen auf die gute ärztliche Versorgung in Abu Dhabi.

21 Jahre Ausbildung, von 1947 bis 1968

Die Grundausbildung holte er sich in der Primarschule im Geburtsort Bühler, das Gymnasium besuchte er im Heimatkanton Appenzell Innerrhoden, die Priesterausbildung erfolgte in verschiedenen Kapuzinerklöstern in der Schweiz.
Auf die Mission vorbereitet hat er sich in sich mit einem Sprachaufenthalt in England und einem Zweitstudium an der Universität Dar-es-Salaam. Er war der einzige Europäer unter den 1000 Studenten aus Tansania, Kenia und Uganda.

53 Jahre Berufstätigkeit, von 1968 bis 2021, auf drei Kontinenten

Missionar in Ostafrika von 1968 bis 1994: In Tansania baute Bruder Gandolf während 13 Jahren das Franciscan Seminary Maua zu einem erfolgreichen Gymnasium auf. Anschliessend leitete er die Kapuzinerprovinz während zwei Amtsdauern von je drei Jahren. Er erlitt einen Herzinfarkt. Zur Schonung seiner Kräfte wurde er bis Ende 1984 Verantwortlicher für die Theologiestudenten des Ordens in Nairobi und Tansania. In Tansania hat er wohl ei-ne neue Heimat gefunden, aber keine Bleibe.

Weitere 13 Jahre lebte Bruder Gandolf in der Altstadt von Rom. 1995 wurde er zum Generalsekretär des Kapuzinerordens berufen. Die weltweite Vernetzung des Or-dens und der Kirche lehrte ihn, viele Probleme anders zu beurteilen, vorsichtig und abwägend zu sein im Urteil.

Nochmals 13 weitere Jahre verbrachte Gandolf – bereits im Pensionsalter – in Abu Dhabi. Paul Hinder war seit 2003 Bischof von Arabien. Er motivierte Gandolf, den er vom Gymnasium und der Priesterausbildung kannte, ihn als Sekretär zu unterstützen.

Beschreibung seiner Lebensstationen

Appenzellerland: von Geburt bis 1960
Bruder Gandolf kam am 23. November 1940 als zweites Kind zuhause im Steigbach Bühler AR auf die Welt. Seine Mutter wurde unterstützt von einer Hebamme.

Die Eltern Albert und Maria Wild-Büchel führten einen landwirtschaftlichen Betrieb, eine Milchsammelstelle, eine Schweinemästerei und eine Fuhrhalterei. Sie hatten Angestellte, meist junge Menschen von Verwandten und Be-kannten. Die Eltern vom Vater lebten in Fussdistanz oben auf dem Dachsböhl und die Eltern der Mutter in Velodistanz entfernt im Nachbardorf Teufen.

Im Geburtsort Bühler besuchte Gandolf sechs Jahre die Primarschule, die er ohne Probleme bewältigte. Die Schule besuchte er zusammen mit Christian Bruderer Marlies Dörig-Roth, Ernst Enzler, Sepp Gmünder-Manser, Hanni Graf-Graf, Robert Knellwolf, Max Matti, Marianne Nabulon-Fürer, Erna Oconner-Meier, Elisabeth Schäfer-Holderegger, Doris Schmid, Hans Schmid, Margrit Simionato-Koller, Albert Weibel.

Die Wohngemeinde war mehrheitlich reformiert. Die Familie besuchte die katholische Kirche im benachbarten Teufen. Gandolf war Ministrant. Ansonsten fand das Leben zu Hause, in der Schule oder in der Kirche statt.

Als 13-Jähriger wechselte er ins Internat nach Appenzell. Nach 7 Jahren Langzeit-Gymnasium erreichte er mit Bestnoten die Matura A (mit Griechisch und Latein). Die Ausbildner waren Kapuziner. Diese Jahre hatten einen geregelten Ablauf und konzentrierten sich auf Bildung und Sport. Einmal im Monat konnte er seine Eltern und Geschwister an einem Wochenende besuchen.

Auf seinen späteren Heimaturlauben pflegte er vielfach den Kontakt zu seinen Maturakollegen: Niklaus Brunner, Rolf Buschor, Ernst Büsser, Sepp Dietrich, Flavian Has-ler, Karl Hobi, Otto Ineichen, Hanspeter Kaiser, Egon Keller, Erwin Koller, Guido Kümin, Guido Lenherr, Marcel Platz, Franz Raggenbass, Peter Regli, Edgar Schai, Heimo Schirmer, Niklaus Städler, Peter Theler, Andreas Villiger, Felix Wolz.


Ausbildung zum Priester von 1960 bis 1967

Diese Ausbildung erfolgte ordensintern in verschiedenen Kapuzinerklöstern der Schweiz wie Luzern, Stans, Sitten, Solothurn, Sursee. Das Kloster Solothurn bildete das Zentrum der Ausbildung, die anderen Orte waren eher Stationen der Ausbildung.

Die sechs Neupriester der schweizerischen Kapuzinerprovinz wurden 1965 vom Bischof von Basel, Mgr. Franziskus von Streng, zu Priestern geweiht:
• P. Egon Keller, Eschlikon
• P. Wilhelm Germann, Bischofszell
• P. Haimo Schirmer, Goldingen
• P. Nikodem Röösli, Schüpfheim
• P. Gandolf Wild, Teufen
• P. Sighard Studhalter, St. Gallen

Die Primiz, sein erster Gottesdienst, feierte er 1965 in der Pfarrkirche Teufen AR.

Nach der Primiz vollendete er sein Theologiestudium. Anschliessend weilte er in Cambridge zur Vertiefung seiner Kenntnisse der englischen Sprache.

Missionar in Ostafrika, 1968 bis 1994

Als erstes durfte Gandolf drei Jahre als Student an der einzigen Universität von Tansania ein Zweitstudium ab-solvieren. Dieses hat er am 7. Juli 1971 mit einem Bachelor of Arts abgeschlossen. Die Urkunde wurde ihm von Präsident Julius Nyerere überreicht. Er betrachtete diese Zeit als grosses Privileg, half es ihm doch bei der Integration – ohne jegliche Führungsverantwortung – in die neue Welt des aufstrebenden afrikanischen Landes, wenige Jahre nach der erlangten Unabhängigkeit. Die Unterrichts- und Umgangssprache war englisch.

Aufbau der Schule in Maua bei Moshi 1971 bis 1984

Mit Engagement hat Gandolf das 1970 eröffnete Franciscan Seminary Maua weiterentwickelt. In der Missionszeitschrift ite hat Gandolf das Schulmodell seiner Schule von Maua erläutert. Im Gegensatz zum Gymnasium von Appenzell, wo sich die Studenten vorwiegend der Bildung und dem Sport widmen konnten, werden die afrikanischen Studenten be-wusst für die Versorgung und den Betrieb eingesetzt und können so wertvolle Erfahrungen sammeln.



Provinzoberer von 1984 bis 1990, Sitz in Dar-es-Salaam
Als Provinzoberer hat er die Vizeprovinz nicht nur verwaltet, sondern wagte auch Neuerungen einzuführen. In Europa trugen die Kapuziner die braune Kutte, in den Missionen üblicherweise den weissen Habit. In Tansania führte er eine gräuliche Bekleidung ein. Diese war leichter zu pflegen und passte besser zum Klima.
Während der beiden Amtsdauern von je drei Jahren war er verantwortlich für die ganze Provinz, die sich über weite Teile Tansanias erstreckte. Die Arbeit führte zu Besuchen und Reisen im ganzen Land.







Zur damaligen Politik aus der Schweizerischen Kirchenzeitung SKZ 1996:
'Die meisten Kapuzinermissionare begrüssten die politische Linie von Staatspräsident Julius Nyerere. In seinem afri-kanischen Sozialismus «Ujamaa» sahen sie wichtige franziskanische Werte wie Brüderlichkeit und Solidarität verwirklicht.
Oft verteidigten sie seine Politik in der Schweizer Presse (z.B. im «Vaterland»), welcher der Unterschied zwischen der afrikanischen Spielart des Sozialismus und dem sowje-tischen Staatskapitalismus völlig fremd war.'

1996 wurde die General-Vizeprovinz Kapuziner Tansania zur eigenständigen Provinz Kapuziner Tansania erhoben mit P. Isidor Peterhans als Provinzialminister.



Rektor Bildungshaus in Nairobi von 1991 bis 1994

Auf einer seiner Reisen als Provinzoberer erlitt Bruder Gandolf einen Herzinfarkt. Dank einem schnellen Transport nach Rom konnte ihm geholfen werden. Den Oberen war bewusst, dass Gandolf in Afrika eine neue Heimat gefunden hat. Sie wollten ihn aus dem täglichen Geschehen und den Verpflichtungen her-aushalten, ihn aber in seinem geliebten Afrika stationiert lassen.
Sie setzten ihn ein für die Ausbildung von Priestern im 1990 neu eröffneten Ausbildungsstätte Lang’ata in Nairobi, im Nachbarland Kenia. In Kenia sind die Kapuziner seit 1974 präsent. In Lang’ata unterrichtet Gandolf drei Jahre.

In seinem letzten Jahr als Missionar in Afrika, 1994, war Gandolf in Ifakara (Morogoro) mitten in Tansania ebenfalls in der Priesterausbildung tätig.
1991 kündigt er im Brief an die Verantwortlichen an, wie er sich den Sommer seine Rückkehr im Sommer nach Afrika – neu nach Nairobi (Lang'ata) Kenia – vorstellt.
Er weist auch auf das Familientreffen vom 2. Juni 1991 in seiner Heimatgemeinde Bühler hin. Dort entstand ein eher seltenes Bild – mit zwei seiner drei Brüder. Diese Zeit bildet für Bruder Gandolf einen Übergang. Die Rückreise nach Afrika war anders als all die vorherigen 23 Jahre. Aus Rücksicht auf seine Gesundheit.







Generalkurie der Kapuziner in Rom von 1995 bis 2008
Von 1995 bis 2002 war Gandolf Generalsekretär in der Ge-neralkurie des Kapuzinerordens. Diese Stelle gehört zu den höheren Ämtern im Orden der Kapuziner.

Aus gesundheitlichen Erwägungen ist er 2002 als Generalsekretär zurückgetreten und hat sich weiterhin in der Kurie eingesetzt. Unter anderem war er 2002 bis 2008 Responsible of the current archives of the Capuchin Order in Rome und Coordinator of the Lexicon Capuccinum Project.

Im Jahre 2008 verabschieden sie Fr. Gandolf Wild in Rom mit folgenden Worten:

Der Orden dankt Br. Gandolf Wild für die 13 Jahre, in denen er an der Generalkurie wertvollste Dienste geleistet hat. Der Generalminister hat ihm offiziell seinen Dank ausgesprochen. Bald wird Br. Gandolf in die Vereinigten Arabischen Emirate reisen, um dem dortigen Apostolischen Vikar, Bischof Paul Hinder, zur Seite zu stehen. Auch wir, die wir an der Kurie mit ihm gearbeitet und gelebt haben, möchten ihm mit diesen wenigen Zeilen unseren herzlichen Dank sagen. Während der langen Zeit seines Wirkens in Rom hat er unermüdlich und mit bewundernswerter Akribie eine vielfältige Tätigkeit entfaltet. Viele Provinzialminister und andere Brüder, die an der Generalkurie vorbeikamen, haben bei dieser Gelegenheit seinen Arbeitseinsatz erfahren, auf den man sich verlassen konnte: Er war immer bereit, aus der umfassenden Kenntnis der Probleme klare Auskünfte und präzise Informationen zur Verfügung zu stellen. Br. Gandolf hat entscheidend dazu beigetragen, dass das Gene-ralsekretariat zu einer effizienten, präzisen und in der Sache engagierten Stelle wurde. Dafür sind ihm auch seine beiden Nachfolger von Herzen dankbar.
Auch als er aus Rücksicht auf seine Gesundheit als General-sekretär [2002] zurücktreten musste, hat er sich weiterhin engagiert und in höchster Qualität für die Generalkurie ein-gesetzt. Wir weisen da besonders hin auf seine Tätigkeit als Mitglied verschiedener Kommissionen, Arbeitsgruppen, Bü-ros und anderer Arbeitsbereiche, nicht zuletzt auf seine Tä-tigkeit als Verantwortlicher für das Protokoll und das lau-fende Archiv. Unsere Worte können dem kaum gerecht werden, was er als zuverlässiger und qualifizierter Arbeiter und Ordensmann geleistet hat. Die angemessene Anerkennung kommt ihm zu vom Glauben und von der Liebe, mit der er für unseren Orden und für die Kirche gearbeitet hat. So möchten wir ihm vor dem ganzen Orden ein freudiges, brüderliches Dankeschön sagen! Wir bitten den Geber alles Guten, dass er Br. Gandolf in seinem neuen Tätigkeitsbe-reich begleite.



Sekretär beim Bischof von Arabien von 2008 bis 2021
Bischof Paul Hinder, ein Thurgauer, kennt Gandolf seit der Zeit im Kollegium Appenzell und aus der Priesterausbildung. Er motivierte Gandolf, nach Abu Dhabi als sein Sekretär zu kommen. Gandolf war damals 68 Jahre alt. Er hat die Gelegenheit wahrgenommen im Wissen um eine gute gesundheitliche Betreuung. Das Apostolic Vicariate of Southern Arabia ist ein grosses Bistum, umfassend mehrere arabische Länder. Paul Hinder war seit 2003 Bischof. Seine Aufgabe ist mit Reisen verbunden, was zu Abwesenheiten in Abu Dhabi führt. Gandolf als Sekretär konnte ihn unter-stützen.

In einem nahen Park machte er seine Spaziergänge zu Ta-geszeiten mit erträglichen Temperaturen. Am Bischofssitz haben sie in Gemeinschaft gelebt und auch gemeinsam die Mahlzeiten eingenommen.

In seinem Weihnachtsbrief aus dem Jahre 2016 umschreibt Gandolf seine Funktion.

"Hier in Abu Dhabi gefällt es mir gut. Meine Arbeit gliedert sich in drei Hauptbereiche:

1. Vize-Sekretär und Archivarbeit

Ich bin als Vize-Sekretär tätig, wobei ich eigentlich mehr Zeit für das Sammeln und Ordnen historischer Dokumente im Archiv aufwenden sollte. Leider sind wir räumlich sehr eingeschränkt, was diese Arbeit erschwert

2. Pastorale Mitarbeit in der Pfarrei
Die pastorale Arbeit ist hier eine sehr dankbare Aufgabe, da wir alle Pilger und Fremdlinge sind. Neben einigen Gottes-diensten, der wöchentlichen Predigt, persönlichen Ausspra-chen und weiteren Diensten bin ich vor allem für die zahl-reichen Afrikanerinnen und Afrikaner aus vielen verschie-denen Ländern zuständig.

3. Unterstützung gestrandeter Wanderarbeiterinnen und -arbeiter
Ich arbeite zudem mit einer Gruppe für hoffnungslose oder gescheiterte Fälle von Wanderarbeiterinnen und -arbeitern (ca. 1–2 %). Da viele Länder keine Arbeitskräfte und Haus-angestellten mehr in unsere Region entsenden, werden immer mehr Menschen aus afrikanischen Ländern angewor-ben, die im Fernsehen unser «Paradies» sehen. Über zweifelhafte Vermittlungsagenturen kommen sie mit falschen Vorstellungen ins Land und erleben bald Enttäuschung, Ausbeutung und Unrecht.

Wir unterstützen sie bei Polizeiverfahren sowie der Rückführung in ihre Heimatländer. Dazu gehören Aussprachen, das Erstellen von Dokumentationen, der Kontakt mit Bot-schaften, Gefängnissen und Agenturen. Leider führt diese Situation auch dazu, dass Prostitution zunimmt.

Trotz dieser «Fass-ohne-Boden»-Erfahrung wird der Einsatz der Kirchen, gemeinsam mit internationalen Organisationen und Kontakten in den Herkunftsländern, anerkannt und von den Betroffenen geschätzt. Langweilig wird es mir hier also nie."


Im Februar 2019 kam Papst Franziskus nach Abu Dhabi auf Besuch. Die Organisation dazu verlangte Gandolf einiges ab.


Annemarie Haderer wohnt in Lenzburg. Sie unterstützte Gandolf in seinen Bemühungen, den Menschen zu helfen. Die Afrikanerin auf dem Foto wurde von Einheimischen von Abu Dhabi angeheuert als Haushalthilfe. Sie wollte nach einem Jahr nach Hause und Gandolf half ihr beim Beschaffen der Papiere und für die Rückreise. Annemarie Haderer hat ihn dabei unterstützt. Sie besuchte ihn in Abu Dhabi.







Und ein Auszug aus dem Historischen Lexikon der Schweiz (HLS):
Autorin/Autor: Marc Perrenoud | Übersetzung: Christoph Neuenschwander
Ab 1921 ersetzten Schweizer Kapuziner und Benediktiner die deutschen Missio-nare in den britischen Kolonien Tanganjika (bis 1919 Teil von Deutsch-Ostafrika) und Sansibar und vervielfachten die religiösen, schulischen und me-dizinischen Tätigkeiten. Der Bündner Edgar Maranta war ab 1930 Bischof und 1953-1969 Erzbischof von Dar Es-Salaam. Unter den in der Region niedergelassenen Schweizern waren bis in die 1950er Jahren die Missionare die grösste Gruppe,
gefolgt von den Kaffee-, Baumwoll-, Getreide- und Sisalpflanzern, den Bauern und den Händlern.

Die Zahl niedergelassener Schweizer betrug 1928 175, 1964 677, 1981 404 und 2010 340 (davon 93 Doppelbürger). 2010 lebten 186 Tansanier in der Schweiz. Der Bundesrat anerkannte 1961 die Unabhängigkeit von Tanganjika und 1963 jene von Sansibar. Aus dem Zusammenschluss der beiden Länder
ging 1964 die Vereinigte Republik Tansania hervor, die sowohl Sympathien von Dritte-Welt-Aktivisten als auch von Industriellen genoss. Tansania ist eines der Schwerpunktländer der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, die 1981 ein Büro in Dar Es-Salaam einrichtete.





Zum Schulwesen Informationen, die Br. Gandolf Wild für die Missionszeitschrift ite geschrieben hat:

1972 ite Missionszeitschrift

Im Jahre 1961 wurde Tansania unabhängig. Kaum in einem Sektor wurde so viel und so planmässig gearbeitet wie im Erziehungswesen.

In direkten Gegensatz zur Schweiz ist das Schulwesen in Tansania straff zentral organisiert. Wenn der Erziehungsminister in Dar es Salaam hüstelt, hört das der Dorfschullehrer im äussersten Winkel (ob er dann danach handelt, ist eine andere Frage). Lehrprogramme und Examen für alle Schul-stufen (ausgenommen die Universität) werden vom Ministerium ausgearbeitet. Das Ministerium überwacht die Ausbil-dung der Lehrer, weist ihnen Posten zu und zahlt monatlich die Löhne aus, das Ministerium besorgt die Auswahl der Sekundarschüler aufgrund der Empfehlungen regionaler Komitees und verteilt sie auf die ca. 100 Sekundarschulen im Land. Später ist es wieder das Ministerium, das entscheidet, wer für ein Weiterstudium qualifiziert ist. Diese zentrale Steuerung hat grosse Vorteile. Es wird ganzheitlich geplant für das ganze Land, Neuerungen können rasch durchgeführt, regionale Ungleichheiten ausgemerzt werden durch Verschiebung von Lehrpersonal und Schülern. Das Ministerium ist dafür verantwortlich, dass die knappen Gelder möglichst nutzbringend verwendet werden und dass das Schulwesen Leute produziert, die das Land braucht. Das bedeutet in vielen Fällen eine Beschneidung der persönlichen Freiheit, z. B. statt Jurist zu werden, wird einer «gezwungen», Lehrer zu werden. Nebenbei gesagt, Afrikaner schicken sich mit Gleichmut in solchen «Zwang»: Unterordnung persönlicher Wünsche unter das Gemeinwohl fällt ihnen leichter als den individualistischen Europäern.

Man stelle sich vor, dass in Tansania jährlich eine halbe Million Kinder geboren werden. Woher nimmt der Staat das Geld zum Ausbau des Schulwesens? In der Primarschule zahlt jedes Kind ein kleines Schulgeld (etwa 10% des tat-sächlichen Aufwandes), Sekundarschulen und Universität sind frei (die Schüler werden von der Regierung ausgewählt und werden später im Dienst des Landes arbeiten).

Das meistgefürchtete Examen ist das nach Klasse VII am Ende der Primarschule. Die 15 Prozent, die es schaffen, dürfen später auf eine recht bezahlte Anstellung hoffen. Von den 85 Prozent, die das Rennen verlieren, werden die meisten von der Scholle leben müssen. Eine ungesicherte Existenz ist ihr Los. Einige werden eine Primarlehrerausbildung erhalten, andere können sich vielleicht eine Lohnarbeit sichern in der Industrie, sie sind jedoch eine Minderheit. Bei der Auswahl für die Sekundarschule spielt Korruption eine gewisse Rolle, wenn auch nicht in erschreckendem Aus-mass. Die andern Ausscheidungsexamen sind weniger furchterregend, da auch jene, die nicht geradlinig weitergehen, gut wegkommen: Arbeit in einem Büro, Lehrerseminar, Technische Schule usw.


1978 ite Missionszeitschrift (Auszug)

Die 25 Diözesen von Tansania führen 18 Kleinseminare (Gymnasien), die staatlich anerkannt, aber finanziell von der Kirche und den Eltern getragen werden. Nach der staatli-chen Abschlussprüfung haben die jungen Leute die Mög-lichkeit, an höheren Regierungsschulen weiter zu studieren oder ins Priesterseminar einzutreten. Maua will vor allem der Heranbildung von Ordensleuten dienen, und erfreuli-cherweise bitten jedes Jahr mehr als die Hälfte der jährlich etwa 25 Absolventen um Aufnahme bei den Kapuzinern, Benediktinern, Heiliggeist-Vätern und Jesuiten. Ordenser-ziehung und Priesterausbildung nehmen 8-10 Jahre in An-spruch. Viele sind auf dem Weg: die 80-er Jahre werden zei-gen, wie viele zum Ziel kommen.
Der Schuldienst ist eine schöne, aber auch anstrengende Aufgabe. Die 120 jungen Leute müssen nicht nur täglich Essen und Unterkunft haben, sie wollen auch gut unterrich-tet werden in Swahili, Englisch, Französisch, Geschichte, Geografie, Mathematik, Biologie, Religion und Bibelkunde. Auch die Arbeit im Stall, im Garten und auf dem
Feld muss organisiert werden und noch vieles mehr. So wachsen und reifen diese jungen Leute zwischen 15 und 25, entwickeln sich zu Persönlichkeiten und bereiten sich auf den kirchlichen Dienst vor. Die einfache Lebensweise des Franz von Assisi, der sich zum Diener aller machte, ist uns dabei Leitbild.





Kurzer Rückblick zur Geschichte der Kapuziner in Tansania
Aus Helvetia Franciscana, Vol. 49 (2020):
Die Schweizer Kapuziner kamen zum Missionsgebiet in Tansania damals unter zwei Aspekten. Der eine Aspekt ist der Machtwechsel politischer Art." Das wilhelminische Deutsche Kaiserreich (1871-1918) verlor den Ersten Weltkrieg und damit in Afrika auch seine Kolonien wie jene «Deutsch Ostafrika» - so hiess früher das Gebiet des heutigen Staates Tansania. Die Kolonie ging 1919 als Völkerbundmandat ans British Empire. Die Folge davon war, dass im nun eng-lisch geprägten «Tanganjika Territory» die Tage der deutschstämmigen Mission der Benediktinermönche von der oberbayerischen Erzabtei St. Ottilien zusam-men mit den Missionsbenediktinerinnen von Tutzing gezählt waren. Aus der deutschen Kolonie wurde gewissermassen eine britische Kolonie. Das bisherige Missionswerk für die Zukunft war in ihrer Existenz gefährdet. Denn die deut-schen Missionare wurden ausgewiesen und die Schwestern von Tutzing waren zuerst interniert und mussten dann heimkehren. Papst Benedikt XV. rief um Hil-fe für die Rettung der Missionen. Der Übergang wurde von Rom aus vorerst mit den holländischen Weissen Vätern und den italienischen Consolata-Vätern ge-regelt. Doch das eigentliche Missionsgebiet der Benediktiner, das Apostolische Vikariat Dar es Salaam, wurde dann schliesslich zum Missionsgebiet der Kapu-ziner mit den beiden Distrikten Mahenge und Kilwa. So waren Kapuziner die Erben der Benediktiner."
Der andere Aspekt ist intern beim Kapuzinerorden, konkret ganz bei der Schweizer Kapuzinerprovinz zu finden. Noch 1887 und im nachfolgenden Jahrzehnt war die Ordensprovinz keineswegs reif für eine Übernahme eines Missionsgebietes, denn sie litt noch unter den Folgen des Kulturkampfes und besonders der haus-gemachten Krise innerhalb des Ordens. Die Erholungs- und Erneuerungsphase waren erst am Anfang. Mutige Zuwendung, Förderung und Ausweitung eigener, vom Staat unabhängig geführten Gymnasien bezweckten, personell das eigene Haus - sprich Provinz - sorgfältig zu bestellen. Herausragendes Beispiel ist 1877 Stans mit dem Konvikt und nachmaligem Kollegium St. Fidelis, hinzu 1880 mit dem Scholastikat in St-Maurice sowie 1908 mit dem Kollegium St. An-ton in Appenzell.! Offenbar hat es sich zur Erwirkung vermehrten Nachwuchses ins 20. Jahrhundert hinein ausbezahlt, dass zuerst den Schulen die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wurde, um dann nachher sich wirklich den Missionen zu widmen. Während und nach dem Ersten Weltkrieg war das Haus personell bestellt, und zwar nachhaltig im Hinblick auf Übernahme von Missionsgebieten.

Ein weiterer Beitrag:

1921 sind die ersten Schweizer Kapuziner und Baldegger Schwestern nach Tansania in Afrika gelangt.

Von Beginn weg engagierten sich Kapuziner und Baldegger Schwestern in ihrem Missionsgebiet (im damaligen Tanganjika) neben der Seelsorge und der Ausbil-dung insbesondere auch im Gesundheitsbereich. Sie gründeten Schulen und Landspitäler, sogenannte Dispensaries, zum Beispiel in Sofi oder Ifakara. Sie kümmerten sich um die Professionalisierung der dort arbeitenden «Dressers», eine Art Barfussärzte und der Krankenschwestern und sie versuchten mit ihren medizinischen Einrichtungen das schwache, koloniale Gesundheitssystem mit einer «modernen Medizin» zu übertreffen.

Beim Aufbau des Gesundheitssystems im ländlichen Tansania spielten denn auch die Schweizer Kapuziner und ihre Missionsärzte eine entscheidende Rolle.

Seit der ersten Aussendungsfeier am 6. Mai 1921 in der Klosterkirche Wesemlin in Luzern sind 202 Brüder und 126 Schwestern von der Schweiz nach Tansania in die Mission gegangen.

Bis 1970 hatten die Kapuziner 36 Stationen im ganzen Land aufgebaut und die Zahl der Katholiken war von etwa 2000 (1921) auf rund 150’000 angewachsen. Dann folgte eine Etappe der Ablösung, Afrikanisierung und der Zunahme des einheimischen Klerus, die am 2. Februar 1996 mit der Gründung einer eigen-ständigen Kapuzinerprovinz erfolgte.

Vor ein paar Jahren schien es, als ob die Kapuzinergemeinschaft in Tansania kleiner würde, doch in letzter Zeit hat das Interesse auch junger Tansanier am Leben als Kapuziner wieder zugenommen und die Mitgliederzahlen wachsen. Sicher steckt dahinter ein echtes Interesse an den spirituellen Werten der Kapu-ziner.

In all den Jahren leisteten Schweizer Missionare und einheimische Brüder einen enormen Einsatz für die arme Landbevölkerung, welcher auch heute noch not-wendig ist. Sozial schwächere Menschen leiden besonders. Mangels Ausbildung, Arbeit und ohne Einkommen bilden sie das schwächste Glied der Bevölkerung.


Schulwesen in Tansania, 13 Jahre nach der Unabhängigkeit (ite 1974):

Rein zahlenmässig ist das Schulwesen stark ausgebaut worden.
Bis 1989 möchte die Regierung 95% der Kinder den Schulbesuch ermöglichen. Gegenwärtig gehen etwa 65% der Kinder in die Schule, vor sieben Jahren waren es etwa 50%. Das will etwas heissen, wenn man bedenkt, dass das rasche Bevölkerungswachstum allein Jahr für Jahr die Schaffung von Tausenden von neuen Plätzen erfordert.
Im Sekundarschulsektor sind viele neue Klassen naturwissenschaftlicher und technischer Richtung eröffnet worden. Die bestehenden Sekundarschulen muss-ten sich alle auf eine der folgenden vier Richtungen spezialisieren: landwirt-schaftliche, technische, hauswirtschaftliche oder kommerzielle Richtung.
An der Universität (der einzigen des Landes) ist die Schülerzahl von 700 auf über 2000 angestiegen. Zu den drei Fakultäten aus dem Jahre 1967 (Rechtswissenschaft, Philosophie und Naturwissenschaften) sind drei neue hinzugekommen: Medizin, Agronomie und Technik.

Modell Seminar Maua

90 Schüler im Alter von 13 bis 25 Jahren leben im Internat in einer idyllischen Landschaft am Abhang des Kilimandscharo, 1700 m über Meer. Die Schule umfasst vier Klassen der Sekundarstufe und schliesst mit dem staatlichen Exa-men ab, das zum Eintritt ins Priesterseminar oder in andere höhere Schulen er-forderlich ist. Der Lehrkörper besteht aus fünf Schweizer Kapuzinern, zwei Schwestern von England und einem Tanzanier (Laie). Schüler und Lehrer bilden eine Arbeits- und Lerngemeinschaft.
Der Schultag beginnt um 6.30 Uhr mit der Eucharistiefeier und endet um 10 Uhr nachts mit dem Lichterlöschen. Es ist ein langer Tag, aber er ist reichlich ausgefüllt mit verschiedensten Tätigkeiten:
* Unterricht im Klassenzimmer: 6-8 Stunden zu 40 Minuten;
* Studium: 2½ Stunden am Abend;
* Sport: eine Stunde am Spätnachmittag
* Arbeit in Feld, Garten usw: 1-2 Stunden am Nachmittag;
* * Hausarbeiten: ¼ Stunde am Morgen;
* * Zeit zur Erholung und zur freien Beschäftigung (Musik, Kunst, Basteln, Schreibmaschinenschreiben).
Das Bildungsprogramm unserer Schule hat die ganzheitliche Formung des Jun-gen Menschen im Auge, seine Erziehung zu Selbständigkeit wie auch zur Einordnung in die Gemeinschaft und zur Zusammenarbeit. Als Grundlage der Erziehung dient das Gruppensystem, das den Schülern weitgehende Selbstverwal-tung und frühe Übernahme von Verantwortung in einem angemessenen Rahmen gewährt. Die 90 Schüler sind in vier Häuser aufgeteilt, jedes Haus besteht aus zwei Unterabteilungen von etwa 12 Buben, gemischt nach Klassen. Jede Gruppe bildet eine Wohngemeinschaft und ist verantwortlich für Ordnung, Reinlichkeit und gute Disziplin in ihrem Haus. Jedes Haus verfügt über eigene Felder, Gemüsebeete sowie eine Bananenpflanzung. Ein Punktesystem und eine genaue Buchführung über die Gartenerträge fördern den Wettbewerbsgeist zwischen den Gruppen. Jeden Monat trifft sich die Baraza, der Schulrat, bestehend aus Lehrerschaft und Schülern, und hält Abrechnung, bespricht auftauchende Prob-leme uns sucht gemeinsam nach und Suche nach Lösungen. So tragen Lehrer und Schüler die Sorge für das Wohl und den Fortschritt der Schule gemeinsam. Dieses System erweist sich als gut. Gute Organisation, Verteilung von Verantwortung, voller Einsatz, gegenseitiges Vertrauen und regelmässige Rechenschaftsablage bilden die Grundlage, gediegener Unterricht, sinnvolle Arbeit und eine rhythmische Lebensweise mit ausgewogener Abwechslung zwischen geistiger und körperlicher Arbeit einerseits und Erholung in Spiel und Beschäftigung anderseits sind die Lebensgebiete, die dieses System durchdringen muss.



Der Lehrplan lehnt sich eng an das Schulprogramm der Regierung an und schliesst folgende Fächer ein: Politische Schulung, Kiswahili, Englisch, Franzö-sisch, Mathematik, Geschichte, Geographie, Physik, Chemie und Biologie. Eine gediegene Lesebibliothek und tägliches Abendstudium sind bedeutende Hilfen zur Bewältigung des umfangreichen Stoffes. Die Abschlussexamina sind staatlich kontrolliert und werden für das ganze Land zentral aufgesetzt und korrigiert.
Theater- und Tanzgruppen, ein Debattierklub und andere freie Vereinigungen tragen bei zur geistigen Reife und zur Erhaltung des kulturellen Erbes.

Wie schon gesagt, kommt der Arbeit im Tagesplan wie im Erziehungsprogramm grosse Bedeutung zu. Jeden Tag wird eine Stunde intensiv gearbeitet am Dienstag und Donners-tag je zwei Stunden. Da bieten sich ungeahnte Möglichkeiten für die Entwicklung des jungen Menschen, die Entfaltung seiner Anlagen und Fähigkeiten, und offenbaren sich auch Führungs- und Organisationstalent sowie Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn. Unter Arbeit darf man sich aber nicht vorstellen, dass an einem Tag die ganze Schule einen Acker umgräbt, am folgenden Tag den Gemüsegarten jätet und am dritten Tag einen Bewässerungskanal gräbt. Die Schüler arbeiten Gruppen oder auch einzeln, je nach Aufgabe. Auf den Feldern werden Mais und Kartoffeln angepflanzt, im Garten verschiedenste Gemüse, Salat und Bohnen; daneben gibt es auch Obst- und Fruchtbäume zu besorgen (Pflaumen, Pfirsiche, Birnen, sogar Apfel und Trauben); die Bananen bedürfen auch regelmässiger Pflege. Fast sämtliche Gartenprodukte sind für den Selbstverbrauch von Schülern und Lehrern bestimmt. Sie bedeuten eine willkommene Bereicherung des sonst einfachen Speisezet-tels. Die Tatsache, dass die Schüler selbst die Nutzniesser ihrer Arbeit sind, ist der beste Ansporn zu gediegener Ar-beit, auch ohne stete Beaufsichtigung durch die Lehrer. Auf der Seite der Landwirtschaft müssen auch noch unsere Schweine, Hühner und Kaninchen erwähnt werden. Da hel-fen die Schüler mit, tragen aber nicht selbst die Verantwor-tung. Für die Schüler kommen eben nur Arbeiten in Frage, die nicht mit dem übrigen Stundenplan in Konflikt geraten.

Für grössere Aufgaben sind Schüler «vollamtlich» angestellt (während der täglichen Arbeitszeit), andere Aufgaben sind Teilbeschäftigungen, die nach Bedarf ausgeführt werden. Die Verteilung von Aufgaben und Verantwortung unter den Schülern wirkt sich sehr gut aus. Jeder weiss sich als Mit-verantwortlicher im Betrieb, ist stolz auf seine Schule und schafft sich damit eine gute Grundlage für das spätere Leben.

Der Erfolg der Politik des Sozialismus (Ujamaa) lässt sich nicht an der Anzahl der Gemeinschaftsdörfer und der Grösse des Sozialproduktes messen.
Die Qualität der vom Erziehungssystem hervorgebrachten Menschen ist ein besserer Gradmesser. Das Beispiel des Schulbetriebes von Maua gibt Hoffnung für die Zukunft Tansanias.

Gandolf Wild


In unserem katholisch geprägten Umfeld war es nicht nicht unüblich, dass die älteste Tochter oder der älteste Sohn eine Aufgabe in der Kirche übernahm. In der Familie unseres Vaters war es Onkel Johann Baptist (Bisch) Wild (1903-1967), der sich als junger Mensch für den Jesuitenorden entschieden hat. Alternativ wäre auch eine Laufbahn bei den Kapuzinern vorstellbar gewesen, wie Bisch selber schreibt.

Am schönen Herbsttag, den 5. November 2025, sichteten Monika Bucher-Wild und ich im Wesemlin in Luzern im Provinzarchiv den Nachlass von unserem verstorbenen Bruder. Aus all den Unterlagen habe ich die Lebensdaten zusammengetragen.  



Lebensdaten Albert resp. P./Fr./Br. Gandolf Wild
Schweiz und England

23. November 1940 geboren im Elternhaus im Steigbach 80, 9055 Bühler AR
getauft am gleichen Tage auf Josef Albert in Teufen
April 1947 bis März 1953 Primarschule in Bühler AR
16. April 1953 bis 30. Juni 1960 Langzeit-Gymnasium am Kapuziner-Kollegium St. Antonius in Appenzell AI
5. Juli 1960 Matura Typus A (Griechisch und Latein) als Klassenbester (Durchschnittsnote 5.93) in Appenzell AI

6. September 1960 Eintritt in den Kapuzinerorden mit No-viziat in Stans
7. September 1961 Einfache Profess in Luzern
Ab September 1961 Theologie- und Philosophiestudium in Stans (stud. Phil. 1961), Sitten (stud. theol. 1962) und Solo-thurn (stud. theol. 1963), Sursee (CC., curs. pastoral 1966)
13. September 1964 Ewige Profess in Solothurn.
4. Juli 1965 Priesterweihe in Solothurn.
11. Juli 1965 Primiz in seiner Heimatgemeinde resp. Heimatkirche Teufen AR. Geistliche Mutter war seine Tante Martha Bischofberger-Büchel von der Concordia Appenzell.
7. März 1967: Abschluss des Theologiestudiums.

1967 bis Mai 1968 Sprachaufenthalt (9 Monate) in England,
3. Juli 1967 bis 28. Oktober 1967 DAVIES'S School, Certifi-cate in Englisch,
Dezember 1967 Certificate of Proficency in Englisch, Uni-versity of Cambridge,
Abschluss mit Higher Proficency in Englisch

Ostafrika

Missionsaussendung 2. Juli 1968 mit Ankunft am 8. Juli 1968 in Tansania, 1968 bis 1995 Missionar in Afrika

1968 bis 1971 (Zweit-) Studium in Geschichte, Soziologie und Erziehungswissenschaften an der Universität Dar-es-Salaam (Tansania), Abschluss mit Bachelor of Arts (BA) am 7. Juli 1971, Urkunde übergeben von Präsident Julius Nyerere.

1971 bis 1984 Rektor (und auch Lehrer) des ordenseigenen Seminars in Maua (Franciscan Seminay). Diese Mittelschule entwickelte sich zu einer der renommiertesten in Tansania
1984 bis 1984 Councillor (Guardian) der Kapuziner in Tan-sania
1984 bis 1991 Kapuziner-Oberer der Vize-Provinz Tansania mit Sitz in Dar es Salaam für 2 Amtsperioden à 3 je Jahre
[1991 Herzinfarkt in Tansania, kommt gehäuft in seiner Familie vor]
1991 bis 1994 Rektor des internationalen Ausbildungshau-ses der Kapuziner in Nairobi (Kenia)
1994 Einsatz in Ifakara/Morogoro (Tansania) als Verant-wortlicher für die Kapuziner-Junioren
[1995 zweiter Herzinfarkt]

Italien

1995 bis 2002 Generalsekretär des Kapuzinerordens in der Generalkurie des Ordens in Roms und gesundheitsbedingter Rücktritt 2002
2002 bis 2008 Responsible of the current archives of the Ca-puchin Order in Rome und Coordinator of the Lexicon Ca-puccinum Project (Verantwortlich für das aktuelle Archiv des Ordens und das Lexikon der Kapuziner).
Arabien

2008 bis 2021 persönlicher Sekretär von Paul Hinder, Bischof von Arabien

Schweiz

11. September 2021 Rückkehr in die Schweiz ins Kapuzi-nerkloster Wil SG
5. April 2022 gestorben in Wil SG an Herzversagen
11. April 2022 (Montag) Auferstehungsgottesdienst in Wil SG
5. Mai 2022 (Donnerstag) Urnenbeisetzung auf dem Kapuzinerfriedhof in Wil SG



Wohnorte von Albert resp. Br. Gandolf Wild

1940 bis 1960: Eltern- und Geburtshaus im Steigbach 80 (früher 269), 9055 Bühler
1953 bis 1960: Kollegium St. Antonius, Appenzell 1960 bis 1967: Kapuzinerkloster Solothurn sowie verschiedenen Kapuzinerklöster in der Schweiz, wie Stans, Luzern, Solothurn, Sion, Sursee, Solothurn
1967 bis 1968: Cambridge, England
1968 bis 1971: University on the hill, Dar es Salaam, Tansa-nia
1971 bis 1984: Franciscan Seminary Maua (Moshi), Tansa-nia
1984 bis 1990: Provincialate, Capuchin Brothers Msimbazi, P.O.Box 9174, Dar es Salaam, Tansania
1991 bis 1994: Lang'ata Capuchin Friary, Lang'ata Formation House, Bogani Road, P.O.Box 24882, Nairobi-Karen 005002, Kenia
1994: Ifakara, Tansania
1995 bis 2008: Curia Generale O.F.M.Cap.,
Via Piemonte 70, I-00187 Roma
2008 bis 2021: Apostolic Vicariate of Southern Arabia,
Abu Dhabi, VAE United Arab Emirates. Bishop's House, P.O. Box 54.
2021 bis 2022: Kapuzinerkloster, Konstanzerstrasse 45, 9500 Wil SG, Schweiz
ab 2022: Grabstätte auf Klosterfriedhof in Wil SG






Nekrolog der Kapuzinerprovinz (Transskription)

GANDOLF [ALBERT] WILD

Nat.          23.11.1940           Bühler, AR (CH)
Dioec.                                  St. Gallen
Prov                                     Helvetica
Vest.         06.09.1960          Schwyz, SZ (CH)
Prof. T.     07.09.1961
Prof. P.     13.09.1964
Ord.         04.07.1965
Mort.       05.04.2022
Sep.        11.04.2022.            Wil, SG



Darum geht zu allen Völkern ... Seid gewiss:
Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
Mt 28,19f

Er sprach davon und war vorbereitet, unser Mitbruder, Gandolf Wild, Kapuzinerpriester, und ist jetzt in die ewige Herrlichkeit Gottes eingegangen.

In Bühler/AR wurde Gandolf seinen Eltern Albert und Maria Wild-Büchel geboren. Zusammen mit einer grossen Geschwisterschar aufgewachsen in Bühler machte er später die Matura im Kapuzinergymnasium von Appenzell.

Am 6. September 1960 trat er ins Noviziat der Kapuziner in Luzern ein und nach den üblichen Studien der Philosophie und Theologie wurde er am 4. Juli 1965 in Solothurn zum Priester geweiht.

Schon früh mit dem Gedanken der Mission befasst begab er sich zur Vorbereitung auf seine künftige Aufgabe in Afrika nach England, um dann 1968 nach Tansania zu reisen. Dort studierte er erst an der Universität von Dar es Salaam und nach Abschluss der Studien wurde er Lehrer und Leiter des ordenseigenen Seminars in Maua. Unter seiner Leitung entwickelte sich diese Mittelschule zu einer der renommier-testen in Tansania.

1984 wählten die Brüder von Tansania Gandolf zu ihrem Oberen. Dank seinem Einsatz erstarkte die Kapuzinerge-meinschaft. Doch nicht nur für die Brüder, auch für die Menschen vor Ort, die von ihm Rat und Hilfe erbaten, hatte er ein offenes Ohr und Herz.

Von 1991 - 1994 wirkte er in Kenia, als Rektor des interna-tionalen Ausbildungshauses der Kapuziner in Nairobi.

Zurück in Tansania wurde er 1995 in die Generalkurie nach Rom als Generalsekretär des Ordens berufen. Hier fiel er auf durch sein administratives Organisationstalent und durch sein «geradezu beängstigendes Gedächtnis» (Zitat Br. Paul Hinder, damals Generalrat der Kapuziner in Rom). Sein Einsatz für die grundlegende Überarbeitung des "Lexicon capuccinum" ist hier auch zu erwähnen.

2008 kam Gandolf auf Wunsch des Kapuzinerbischofs Paul Hinder als sein Sekretär nach Abu Dhabi und wurde so die rechte Hand des Bischofs eines geografisch riesigen Gebietes (arabische Emirate und Saudi-Arabien). Bei aller Arbeit war und blieb er aber ein Seelsorger, der sich um die Menschen, vor allem um die Bedürftigen kümmerte und ihnen diskret, direkt und indirekt, geholfen hat. Er war unterdessen nicht mehr jung, gesundheitlich kein Riese und die Arbeit wurde nicht weniger: «ich bin sehr glücklich hier, ich bin alt, ich habe sehr viel zu tun, aber das macht mir nichts aus. Die Leute schätzen es und sind sehr dankbar."

2021 kam er nach Wil ins Kapuzinerkloster, wo für seine Gesundheit gut gesorgt werden konnte. Schon 1991 erlitt er einen Herzinfarkt in Afrika und einen zweiten schweren In-farkt in Rom, 1995. Über seine Gesundheit konnte er scher-zen, wusste aber auch, wie gefährdet sein Leben war.

Gandolf war ein hochintelligenter Mensch und doch nicht abgehoben. Er war im besten Sinn neugierig und gab auch gern weiter, was ihn selbst bereicherte. Bildung war ihm wichtig, aber er suchte und fand auch den Zugang zu Men-schen ohne universitäres Wissen. Als Provinzoberer ver-schanzte er sich nicht im Büro, sondern besuchte auch die entlegensten Stationen, wo die Kapuziner in Tansania wirk-ten.

Wir verlieren mit Br. Gandolf einen interessanten, interes-sierten und liebenswürdigen Mitbruder.

Analecta • OFM Cap • 2022 • 576 



Quellen und weitere Hinweise

Provinzarchiv der Schweizer Kapuziner, Wesemlinstrasse 42, 6004 Luzern: Persönliche Unterlagen von Gandolf im Zusammenhang mit seiner Grund- und Priesterausbildung

Missionszeitschrift ite: Periodische Berichte und Hinweise auf die Tätigkeiten von Gandolf Wild. Besondere Beiträge sind:

Informationen zum Schulwesen in Tansania von Br. Gandolf Wild, ite 1972

Schulwesen in Tansania, 13 Jahre nach der Unabhängigkeit, ite 1974 

Interview mit Bruder Gandolf Wild mit dem Titel ‘Vom Schweizer im Ausland zum Weltbürger’, ite Oktober 2019

Nachruf Gandolf Wild, ite Juli 2022 

‘Afrika, die Erweckung für einen Appenzeller’ von Niklaus Wild, Edition Unik, 2025 als Auflage für die Familie. Persönliche Begebenheiten im Zusammenhang mit seinem Bruder Gandolf. Das Buch wird im Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich aufbewahrt.

Widmung des Buches an Gandolf, Seiten 6 – 7
Bei meinem Bruder in Maua, Seiten 180 – 185
Unsere Familie zu Besuch in Tansania, Seiten 200 - 206
Gandolf, der geistliche Bruder, Seiten 206 – 219
Rundbrief aus Tansania, Seiten 220 – 236
Vater übernimmt den Hof – Die ‘Wildebisches’, Seiten 302 – 308 (Vorfahren u.a. von Gandolf)

Stammbaum: Bruder Tony Wild begann als Pensionierter die Stammbäume zu erforschen. Die relevanten Angaben pflegt er fein säuberlich in sein Programm ein. Die gesammelten Daten zurück bis 1791 will er beim Landesarchiv des Kantons Appenzell Innerrhoden für Interessierte hinterlegen.

Bishop Paul Hinder, 10 th Anniversary of Episcopal Ordination, 30th January, 2014

Helvetia Franciscana, Vol 49 (2020), Luzern, Provinzialat Schweizer Kapuziner

Gelebte Armut, Kapuziner in Appenzell 1586- bis 2011, Vol 50, Luzern, Provinzialat Schweizer Kapuziner 2011 
Anstoss zur Broschüre


Als elf Jahre jüngerer Bruder hatte ich zu Gandolf wenig persönlichen Kontakt. Während seiner Schulzeit im Internat und später im Kloster besuchte er das Elternhaus selten. Während seiner langjährigen Auslandsaufenthalte kehrte er periodisch zum Heimaturlaub zurück.

Anfangs organisierte Bruder Tony Wild die Familientreffen, später übernahmen weitere Geschwister diese Aufgabe. Im Jahr 1981 schlug Tony vor, einen Teil des Erbes von Mutter Maria Wild-Büchel für die Finanzierung zukünftiger Fami-lientreffen zu reservieren. Diese Treffen wurden auf die Anwesenheit von Gandolf abgestimmt.

Auch im Ruhestand war Gandolf noch 13 Jahre in Abu Dhabi tätig. Er äusserte den Wunsch, zum Sterben in die Schweiz zurückzukehren. Ein halbes Jahr verbrachte er im Kapuzinerkloster Wil SG, wo er am 5. April 2022 an Herz-versagen verstarb.

Die Nachrufe betonten seine Arbeitskraft, die uns nicht so umfassend bekannt war. Zusammen mit meiner jüngsten Schwester, Monika Bucher-Wild, besuchte ich das Pro-vinzarchiv auf dem Wesemlin in Luzern, um Einsicht in Dokumente seiner Tätigkeit zu erhalten.

Frau Annemarie Haderer, eine langjährige Unterstützerin, hatte im Laufe der Jahre Bücher von Gandolf erhalten, die sie mir im Januar 2026 zur Rückgabe an Bruder Paul Hinder übergab. Diese Bücher enthielten interessante Hinweise auf die Regionen, in denen Gandolf tätig war, darunter Ostafrika, Italien und Arabien.

Erst all diese Hinweise haben mir die Gesamtheit seiner Einsätze erschlossen. Die Broschüre dokumentiert seine Einsatzgebiete, ohne auf persönliche Erlebnisse einzugehen.


Impressum
Fotobuch Booklet, A5 Querformat
Schrift: Giorgia, 12 und 10 Punkte
Papier: Magno Satin, glatte Oberfläche, leichter Glanz
Druck: 56 Seiten, Bookfactory, Mönchaltorf
1. Auflage: 1 Probeexemplar, März 2026
2. Auflage Mai 2026: 15 Exemplare (Geschwister, Verwandte, Provinzarchiv, Br. Paul Hinder, Annemarie Haderer)
3. Auflage Juni 2026: 10 Exemplare (Gandolf nahestehende Menschen und Institutionen)
Verfasser: Niklaus Wild, n.wild@alumni.ethz.ch 
Zürich, Mai 2026

Die Druckkosten liegen für ein Exemplar bei 32 Franken. Mengenrabatte liegen bei 10-20%. 2. Auflage Fr. 356.-, 3. Auflage Fr. 270.-.

Bei den Geschwistern waren die Rückmeldungen herzlich und dankbar. Von der Familie Brabetz habe ich nie etwas gehört, obwohl ich dort jede Generation bedient hatte (Maria, Giulio, Thea). Die Provinzarchivarin fragte (als Einzige) nach dem e-Book. Von Cellmira Büchel aus Stans habe ich eine ganz schöne Reaktion erhalten. Als mir Annemarie Haderer sagte, sie hätte das Büchlein schon zweimal gelesen und sie würde ihr einziges Exemplar ins Ausland senden und ein frankiertes Retourcouvert beilegen, liess ich für sie nochmals 10 Exemplare drucken, damit sie das Gandolf nahe gestandenen Menschen übergeben kann. Sie kennt diese besser als ich. Sie sorgte sich auch, ob Bischof Paul Hinder sein Exemplar erhalten hätte. Ein Exemplar geht nach Basel zu einer Esther Herzog, die jetzt in einem Altersheim lebt. Diese sei bei der Feier anwesend gewesen, als Gandolf von Präsident Nyerere sein Abschlussdokument nach dem 3-jährigen Studium erhalten hat. Annemarie pflegt auch Kontakt zu den Baldegger-Schwestern und kennt all die Kapuziner und deren Geschichten. Aus dieser Rückmeldung spürte ich, Annemarie Haderer kennt Gandolf und seine Beziehungen am besten. Ich konnte nur staunen. Sie wollte mir die Büchlein bezahlen. Sie meinte, von einem anderen Kapuziner gäbe es auch so ein Büchlein, das aber Fr. 45.- gekostet hätte. Für mich ist das nachvollziehbar. Sie hat mich und Veronika zum Mittagessen eingeladen auf 18. Juni 2026 in Lenzburg. 

Frau Annemarie Haderer, Mühleweg 12, Obere Mühle, 5600 Lenzburg, geb. 3. Mai 1929, Telefon 062 530 13 95. Sie hat weder E-Mail noch Mobiltelefon.









Die Fotostrecke rollt das Leben von Gandolf von hinten auf.

Aufnahmen aus der Zeit von 2008 bis 2021 in Abu Dhabi:




Father Gandolf Wild, OFM Cap, November 2020, 80 Jahre. Im Garten des Apostolic Vicariate of Southern Arabia in Abu Dhabi. © Vivi Studio.

 

Father Gandolf und Bischof Paul Hinder. Firmung am 19. November 2020. Abu Dhabi.

 

 

 

 Br. Gandolf Wild und Bischof von Arabien, Br. Paul Hinder, Abu Dhabi, 2008 bis 2021

 

 

Bischof von Arabien Fr. Paul Hinder, Fr. Lennie Connully, Fr. Gandolf Wild. Abu Dhabi, 2008-2013

 

 

 

 


Papst Franzikus gibt Father Gandolf die Hand. Besuch des Papstes in Abu Dhabi. Februar 2019.

 

Gandolf am Altar mit Schwestern. Abu Dhabi. Wahrscheinlich um 2020.

 

 


Father Gandolf an seinem 80. Geburtstag im November 2020. Apostolic Vicariate Abu Dhabi.

 

Gandolf Wild mit Annemarie Haderer und einer Afrikanerin von Tansania. Abu Dhabi, 2019.

Annemarie wohnt in Lenzburg, früher in ihrem Haus nahe am Bahnhof, heute am Mühleweg 12 in einer Alterswohnung. Sie arbeitete beim SBB-Reisedienst in Zürich. Sie unterstützte Gandolf in seinen Bemühungen, den Menschen zu helfen. Die Afrikanerin auf der Foto wurde von Einheimischen von Abu Dhabi angeheuert als Haushalthilfe. Ihr wurde der Pass abgenommen und sie wurde für allerlei vertragswidriger Verrichtungen missbraucht. Sie wollte nach einem Jahr nach Hause und Gandolf half ihr beim Beschaffen der Papiere und für die Rückreise. Annemarie Haderer hat ihn dabei unterstützt. Sie besuchte ihn in Abu Dhabi.



Gandolf und Niklaus Wild. Abu Dhabi. Louvre. 18. Januar 2018.

 

 

Die Stationen und Wohnorte von Gandolf. Sechs Länder auf drei Kontinenten.

 


Im Oktober 2019 ist in der Missionszeitschrift ite ein Interview von Gandolf Wild wiedergegeben.

 

 

Zweite Seite des Interviews von Gandolf Wild, Oktober 2019.



Seine Zeit in Rom 1995 bis 2008
.

Von 1995 bis 2002 war Gandolf Generalsekretär in der Generalkurie des Kapuzinerordens. Diese Stelle gehört zu den höheren Ämtern im Orden der Kapuziner. In dieser Zeit hatte er eine Audienz beim Papst im Jahre 2000 im Rahmen des Kapitels. 

Aus gesundheitlichen Erwägungen ist er 2002 als Generalsekretär zurückgetreten und hat sich weiterhin in der Kurie eingesetzt, z.B.: 2002-2008 Responsible of the current archives of the Capuchin Order in Rome und Coordinator of the Lexicon Capuccinum Project.


Im Jahre 2008 verabschieden sie Fr. Gandolf Wild in Rom mit folgenden Worten:


 

 

Br. Gandolf Wild, OFM Cap., ca. 2000 in Rom








 







Capitolo Generale 2000, Sixtinische Kapelle, Papst Johannes Paul II., Im Heiligen Jahr 2000, Gandolf vorderste Reihe ganzrechts.

 


Audienz beim Papst Johannes Paul II. Im Rahmen des Capitolo Generale der Kapuziner in der Sixtinischen Kapelle.

 

 

Gandolf Wild (rechts) in der Generalaudienz von Papst Johannes Paul II. am 11. Februar 2004, vorgestellt von Bischof Paul Hinder (© Photographic Service L'Osservatore Romano/PAL)

 


Rom, September 2006. Gandolf Wild, Bischof Paul Hinder, Thomas Egger, Titus Bärtsch

 

Nd. Ambrose Mosha, Gandolf Wild, Margaret Musyana, Vreni Wild, Teufen, Eggli 373, Juli 1998

 

 

Fr. Gandolf Wild, am Arbeiten. Wahrscheinlich zur Zeit als Oberer der Vizeprovinz, 1984 bis 1990, oder in seiner Zeit in Rom 1995 bis 2008.

 

    


 

 

 

Bilder aus der Zeit in Afrika 1968 bis 1995:




Präsident Julius Nyerere sitzend im Gespräch mit Fr. Gandolf Wild,  (Tansania), wahrscheinlich in Dar es Salaam in der Zeit als Provinz-Oberer 1984 bis 1991.

 


 

Ifakara Jangwani 1985 (Juli 1985). Gandolf Wild receives renewal of final vows of Melchiades Rugatangia

 

Kapuziner-Vize-Provinz Tansania. 1990, im letzten Jahr unter der Leitung von Gandolf als Provizoberer.

 


Nach meiner Interpretation sind das die letzten Gelübde, die erneuert werden, meines Erachtens zu Beginn seiner neuen Funktion als Provinzoberer der Kapuziner in Tanzania.




Brief von Gandolf Wild vom 17. Februar 1991 Br. Pelagio. Es geht um die Planung seiner Zeit im Jahre 1991 bis zum Start des Studienjahres am 20. August 1991. Seine Aufgabe: Director of Students in Lang'ata.

 

Gandolf Wild, OFM Cap, mit Massai, Datum?

In Kenia sind die Kapuziner seit 1974 präsent. Im April 1990 wurde in Lang'ate in Nairobi ein Bildungshaus eröffnet. Im Februar 1994 wurden zwei Mitbrüder von Banditen angegriffen. Br. Joe Alessandro, the Regular Superior, wurde angeschossen und gin in Pflege nach Malta. 

Geschichte Kapuziner in Tansania
Brüder Kapuziner und Schwestern von Baldegg in den Missionen. Helvetia Franciscana, Vol. 49 (2020) 

Das Missionsgebiet Tansania wird nach dem ersten Weltkrieg von deutsch-benediktinisch zu helveto-franziskanisch.
Die Schweizer Kapuziner kamen zum Missionsgebiet in Tansania damals unter zwei Aspekten. Der eine Aspekt ist der Machtwechsel politischer Art." Das wilhelminische Deutsche Kaiserreich (1871-1918) verlor den Ersten Weltkrieg und damit in Afrika auch seine Kolonien wie jene «Deutsch Ostafrika» - so hiess früher das Gebiet des heutigen Staates Tansania. Die Kolonie ging 1919 als Völkerbundmandat ans British Empire. Die Folge davon war, dass im nun englisch geprägten «Tanganjika Territory» die Tage der deutschstämmigen Mission der Benediktinermönche von der oberbayerischen Erzabtei St. Ottilien zusammen mit den Missionsbenediktinerinnen von Tutzing gezählt waren. Aus der deutschen Kolonie wurde quasi gewissermassen eine britische Kolonie. Das bisherige Missionswerk für die Zukunft war in ihrer Existenz gefährdet. Denn die deutschen Missionare wurden ausgewiesen und die Schwestern von Tutzing waren zuerst interniert und mussten dann heimkehren. Papst Benedikt XV. rief um Hilfe für die Rettung der Missionen. Der Übergang wurde von Rom aus vorerst mit den holländischen Weissen Vätern und den italienischen Consolata-Vätern geregelt. Doch das eigentliche Missionsgebiet der Benediktiner, das Apostolische Vikariat Dar es Salaam, wurde dann schliesslich zum Missionsgebiet der Kapuziner mit den beiden Distrikten Mahenge und Kilwa. So waren Kapuziner die Erben der Benediktiner."
Der andere Aspekt ist intern beim Kapuzinerorden, konkret ganz bei der Schweizer Kapuzinerprovinz zu finden. Noch 1887 und im nachfolgenden Jahrzehnt war die Ordensprovinz keineswegs reif für eine Übernahme eines Missionsgebietes, denn sie litt noch unter den Folgen des Kulturkampfes und besonders der hausgemachten Krise innerhalb des Ordens. Die Erholungs- und Erneuerungsphase waren erst am Anfang.
Mutige Zuwendung, Förderung und Ausweitung eigener, vom Staat unabhängig geführten Gymnasien bezweckten, personell das eigene Haus - sprich Provinz - sorgfältig zu bestellen. Herausragendes Beispiel ist 1877 Stans mit dem Konvikt und nachmaligem Kollegium St. Fidelis, hinzu 1880 mit dem Scholastikat in St-Maurice sowie 1908 mit dem Kollegium St.
Anton in Appenzell.! Offenbar hat es sich zur Erwirkung vermehrten Nachwuchses ins 20. Jahrhundert hinein ausbezahlt, dass zuerst den Schulen die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wurde, um dann nachher sich wirklich den Missionen zu widmen. Während und nach dem Ersten Weltkrieg war das Haus personell bestellt, und zwar nachhaltig im Hinblick auf Übernahme von Missionsgebieten.

Zu Tansania zwei weitere Rückblicke in die Geschichte.


Kapuziner
in Tanzania, aus der Provinzprokura der Schweizer Kapuziner:


1921 sind die ersten Schweizer Kapuziner und Baldegger Schwestern nach Tansania in Afrika gelangt.

Von Beginn weg engagierten sich Kapuziner und Baldegger Schwestern in ihrem Missionsgebiet (im damaligen Tanganjika) neben der Seelsorge und der Ausbildung insbesondere auch im Gesundheitsbereich. Sie gründeten Schulen und Landspitäler, sogenannte Dispensaries, zum Beispiel in Sofi oder Ifakara. Sie kümmerten sich um die Professionalisierung der dort arbeitenden «Dressers», eine Art Barfussärzte und der Krankenschwestern und sie versuchten mit ihren medizinischen Einrichtungen das schwache, koloniale Gesundheitssystem mit einer «modernen Medizin» zu übertreffen.

Beim Aufbau des Gesundheitssystems im ländlichen Tansania spielten denn auch die Schweizer Kapuziner und ihre Missionsärzte eine entscheidende Rolle.

Seit der ersten Aussendungsfeier am 6. Mai 1921 in der Klosterkirche Wesemlin in Luzern sind 202 Brüder und 126 Schwestern von der Schweiz nach Tansania in die Mission gegangen.

Bis 1970 hatten die Kapuziner 36 Stationen im ganzen Land aufgebaut und die Zahl der Katholiken war von etwa 2000 (1921) auf rund 150’000 angewachsen. Dann folgte eine Etappe der Ablösung, Afrikanisierung und der Zunahme des einheimischen Klerus, die am 2. Februar 1996 mit der Gründung einer eigenständigen Kapuzinerprovinz erfolgte.

Vor ein paar Jahren schien es, als ob die Kapuzinergemeinschaft in Tansania kleiner würde, doch in letzter Zeit hat das Interesse auch junger Tansanier am Leben als Kapuziner wieder zugenommen und die Mitgliederzahlen wachsen. Sicher steckt dahinter ein echtes Interesse an den spirituellen Werten der Kapuziner.

In all den Jahren leisteten Schweizer Missionare und einheimische Brüder einen enormen Einsatz für die arme Landbevölkerung, welcher auch heute noch notwendig ist. Sozial schwächere Menschen leiden besonders. Mangels Ausbildung, Arbeit und ohne Einkommen bilden sie das schwächste Glied der Bevölkerung.

Und ein Auszug aus dem Historischen Lexikon der Schweiz (HLS):
Autorin/Autor: Marc Perrenoud | Übersetzung: Christoph Neuenschwander
Ab 1921 ersetzten Schweizer Kapuziner und Benediktiner die deutschen Missionare in den britischen Kolonien Tanganjika (bis 1919 Teil von Deutsch-Ostafrika) und Sansibar und vervielfachten die religiösen, schulischen und medizinischen Tätigkeiten. Der Bündner Edgar Maranta war ab 1930 Bischof und 1953-1969 Erzbischof von Dar Es-Salaam. Unter den in der Region niedergelassenen Schweizern waren bis in die 1950er Jahren die Missionare die grösste Gruppe,
gefolgt von den Kaffee-, Baumwoll-, Getreide- und Sisalpflanzern, den Bauern und den Händlern.  

Die Zahl niedergelassener Schweizer betrug 1928 175, 1964 677,
 1981 404 und 2010 340 (davon 93 Doppelbürger). 2010 lebten 186 Tansanier in der Schweiz. Der Bundesrat anerkannte 1961 die Unabhängigkeit von Tanganjika und 1963 jene von Sansibar. Aus dem Zusammenschluss der beiden Länder
ging 1964 die Vereinigte Republik Tansania hervor, die sowohl Sympathien von Dritte-Welt-Aktivisten als auch von Industriellen genoss. Tansania ist eines der Schwerpunktländer der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, die 1981 ein Büro in Dar Es-Salaam einrichtete. 

Zu Gandolf Wild, von 1968 bis 1995 tätig in Ostafrika

In der Chronik über die Kapuziner aus dem Appenzellerland wird im Kapitel 'Appenzellische Kapuziner in höheren Diensten'über Gandolf folgendes berichtet:

Unter den 84 appenzellischen Kapuzinern ist eine stattliche Anzahl mit diversen leitenden Aufgaben betraut oder in der äusseren Mission zu finden.
z.B. Im Dienst der Weltkirche und des Weltordens:
Acht appenzellische Kapuziner sind in den Diensten der Weltkirche und des Weltordens zu finden: Tansania, Kenia, Indonesien, Rom und Abu Dhabi.
1921 ist Tansania von den Schweizer Kapuzinern als Missionsgebiet übernommen worden. 1981 wird es zur General-Vizeprovinz des Kapuzinerordens errichtet und im gleichen Jahr sind aus der Schweizer Provinz alle tansanischen Kapuziner und 33 Schweizer Kapuzinermissionare in diese neue Vizeprovinz übergetreten. Zu ihnen gehört auch Gandolf Wild, Missionar in Tansania ab 1968. Seine Wirkungsorte sind 1968-
1971 Dar-es-Salaam, Msimbazi und 1971-1984 Maua, wo er Rektor der Ordensschule ist und 1983-1984 als Guardian fungiert. Er wird 1984 der Minister dieser Vizeordensprovinz bis 1990 und ist somit der einzige Appenzeller als Provinzialminister. 1991-1994 ist er Verantwortlicher für die Theologiestudenten des Ordens in Nairobi, 1994 für das Juniorat in Morogoro. 1994 beruft die Generalkurie des Kapuzinerordens ihn nach Rom für das Amt des Generalsekretärs, welches er am 15. Januar 1995 antritt. Seit 2008 ist er in Abu Dhabi der persönliche Sekretär von Bischof Paul Hinder in Arabien und gehört in dieser Stellung wieder der schweizerischen Kapuzi-nerprovinz an.
Gandolf Wild wechselt 2008 von der Kapuzinerprovinz Tansania in die Kapuzinerprovinz Schweiz unter Beibehaltung des Missionarstatus. Der Thurgauer Kapuziner Paul Hinder, Bischof seit 2003 in Arabien, ist ein ehemaliger Schüler des Kollegiums St. Antonius in Appenzell.

 

7. Juli 1984 Nationalfeiertag in Tansania. Father Gandolf mit Angestellten des Franciscan Seminary Maua.

 

Gandolf inmitten seiner Gemeinschaft, bestehend aus tanzanischen und schweizerischen Kapuzinern. Tanzania. Gandolf (mit Brille) als 6. von rechts in der hinteren Reihe.

 

 
Porträt von Gandolf Wild, OFM Cap. Maua ca. 1984.





Schule von Maua, Tansania, Franciscan Seminary. Aufnahme mit roten Dächern (von Homepage 2026)

 

Franciscan Seminary Maua in Tansania. Lehrkörper im August 1977. Von links nach rechts: Fr. Marc Verdon, Sr. Aquinas Botting, Fr. Gandolf Wild, Gabriel Mahedi, Fr. Ladislaus Siegwart, Nicolaus Umbella, Fr. Anastas Brantschen, Fr. Egfrid Toenz.

 


Franciscan Seminary in Maua. Luftaufnahme. Wahrscheinlich 1984.

 

Franciscan Seminary Maua. Studenten unterhalten ihre Wohnpavillions selber.

 


Franciscan Seminary Maua. (FRASE) Schulklasse. Von Homepage.

 


Franciscan Seminary in Maua. Lehrköper 1984.

 


Maua. Einzug zur Heiligen Messe. Fr. Gandolf am Schluss. Wahrscheinlich 1984.

 


Am Nationalfeiertag in Tansania, am 7. Juli 1975. Catherine Winteler-Wild, Fr. Gandolf Wild, Olivia. Maua.

 


Juli 1975: Gandolf Wild und seine Schwester Catherine Winteler-Wild mit drei Massai.

 


Juli 1975: Schwester Catherine Winteler-Wild und Gandolf Wild

 


Besuch seiner Mutter Maria Wild-Büchel (1913-1981) im Dezember 1978. Maua.

 


Fr. Gandolf Wild als Rektor des Francisco Seminary in Maua, bei Moshi in Tansania. 1971 bis 1984.

 


Fr. Gandolf Wild in Maua (Moshi) in Tanzania. Im Hintergrund der Kilimandscharo.

 

Gandolf beim Aufstieg auf den Kilimandscharo. Auf einer Höhe von 4'000 m ü. M. beim Horombohuette-Sattel. 8. April 1984.

 


Besteigung des Kilimandscharo am 15. Dezember 1976.

 


Fr. Gandolf. Abschluss des Studiums an der Universität Dar-es-Salaam als Bachelor of Arts (BA) 1971.

 


Präsident Julius Nyerere übergibt Gandolf Wild sein Zertifikat Bachelor of Arts (BA) am 7. Juli 1971 an der Universität (University on the Hill) Dar Es Salaam.

 


Bachelor af Arts (BA) vom 7. Juli 1971 der Universität von Dar es Salaam für Fr. Gandolf Albert Wild



Sprachaufenthalt in England, neun Monate, 1967 bis 1968. Missionsrat in Dulliken SO im Mai/Juni 1968.

Gandolf schloss im Frühjahr 1968 in Cambridge mit dem Higher Proficency ab. Abgebildet ist ein Zertifikat vom Herbst 1967.


DAVIES'S School of English. Cambridge. 3. Juli 1967 bis 28. Oktoberfest 1967. Gandolf Wild, Sprachaufenthalt in England.

 

Die zwei folgenden Darstellungen ordne ich als Veranstaltung des Missionsrates ein. In diesem Rahmen wurden die Menschen auf ihre Aufgabe in den Missionen vorbereitet. Meines Erachtens kam Gandolf im Frühjahr von Cambridge zurück in die Schweiz. In jenen Monaten muss diese Veranstaltung stattgefunden haben. 

Dulliken Solothurn. Versammlung. 1968? Bei seinen Aufzeichnungen hat er das genaue Datum nicht aufgeführt.

Gandolf ist auf dem Bild in der hintersten Reihe der vierte von rechts.


Bildlegende zur Versammlung in Dulliken ? 1968?. Handschriftlich hat Gandolf Wild die Teilnehmenden aufgeführt auf der Rückseite der Foto, so wie er es bei seinem Vater immer gesehen hat.

 

Entsendung von Gandolf Wild in die Missionen am 2. Juli 1968. Flughafen Kloten Terminal A. v.l.n.r.: Claudia Brabetz, Maria Brabetz-Wild (Schwester), Albert Wild (Vater), P. Gandolf Wild, Maria Wild-Büchel (leibliche Mutter), Martha Bischofberger-Büchel (geistliche Mutter)

 

Ausbildung zum Priester 1960 bis 1967:




Hochwald am 7. September 1961. Eintritt von Albert Wild in den Kapuzinerorden.
Mutter Maria Wild-Büchel, Maria Brabetz-Wild, Martha Guerra-Wild, Albert Wild, Vater Albert Wild.

 


Verzichterklärung von Albert Wild am 8. September 1964

 


Hochwald bei Kriens. Fr. Gandolf Wild am Tage seiner Einkleidung oder Eintritts in den Orden. 7. September 1961

 


Priesterweihe in Solothurn am 4. Juli 1965. Fr. Gandolf zweiter von links.

 

Auf dem Bild sind in der vordersten Reihe seine Mutter Maria Wild-Büchel, seine Schwester Monika Bucher-Wild und sein Vater Albert Wild zu sehen.

Die sechs Neupriester der schweizerischen Kapuzinerprovinz wurden 1965 vom Bischof von Basel, Mgr. Franziskus von Streng, zu Priestern geweiht :

  • P. Egon Keller, Eschlikon
  • P. Wilhelm Germann, Bischofszell
  • P. Haimo Schirmer, Goldingen
  • P. Nikodem Röösli, Schüpfheim
  • P. Gandolf Wild, Teufen
  • P. Sighard Studhalter, St. Gallen



Certificat über das Theologiestudium in der Schweiz (September 1963 bis Juli 1966) mit Abschluss am 7. März 1967.

 


Primiz von Fr. Gandolf Wild in Teufen AR. 11. Juli 1965. Fr. Gandolf, Pfarrer Selva, Primizprediger, Ministranten. Vor dem Pfarrhaus in Teufen AR.

 


Am 11. Juli 1965 feiert Fr. Gandolf seine Primiz. Er liest seine erste Heilige Messe in seiner Pfarrgemeinde Teufen AR. Fr. Gandolf als Zelebrant in der Mitte, rechts Pfarrer Selva.

 


Primiz von Gandolf Wild, OFM Cap in Teufen AR. Familie vor der Kirche. 11. Juli 1965. Auf der Foto vom 11. Juli 1965 sind zu sehen: Gandolf,
Tony, Maria Brabetz, Catherine Winteler, Josef, Theres
Reich, Mutter Maria (mit Hut), Monika Bucher (weisses
Kleid), Niklaus, Vater Albert, Martha Guerra.

 


Primiz. Festessen im Lindensaal Teufen AR. Fr. Gandolf, geistliche Mutter Martha Bischofberger-Büchel (Schwester seiner Mutter), Mutter Maria Wild-Büchel, Vater Albert Wild. Teufen AR am 11. Juni 1965.

 

Gandolf während seiner Ausbildung zum Priester, 1961-1967.

 



Gandolf im Rahmen seiner Familie 1940 bis 2022
 


Bruder Gandolf auf der Hohen Buche zwischen seinen Brüdern Niklaus (links) und Tony (rechts). Familientreffen am 2. Juni 1991 in Bühler AR.

Diese Zeit bildet für unseren Bruder Gandolf ein Übergang. Die Rückreise nach Afrika war anders als all die vorherigen 23 Jahre. Aus Rücksicht auf seine Gesundheit, hatte er doch 1991  einen schweren Herzinfarkt erlitten, wurde ihm eine Aufgabe im benachbarten Kenia zugewiesen. Im Brief schildert er seine mögliche Ankunft und weist auch auf das Familientreffen am 2. Juni 1991 hin.


Christian Reich, Gandolf Wild, Christian Winteler, Fine Inauen-Dähler. Ca. 1982 oder 1983.

 

In dieser Lebensphase hatte Gandolf sein Studium in Dar es Salaam abgeschlossen und wurde Rektor des Franciscan Seminary in Maua bei Moshi.

 

Ostermontag 1978 anlässlich des 65. Geburtstages von Mutter Maria Wild-Büchel (1913-1981). Gandolf, Mutter Maria, Veronika Wild-Lüscher (*1951). Von hinten Sepp Wild (*1944) und Gianni Guerra (*1936).

 Zu dieser Zeit war Gandolf 38 Jahre alt. In Maua war er daran, die Schule zu einem angesehenen Gymnasium aufzubauen.


Fr. Gandolf mit seiner Schwester Theres Reich-Wild (*1945) auf der Widderalp im Alpstein.

Grundausbildung: 6 Jahre Primarschule in Bühler AR, 7 Jahre Gymnasium in Appenzell

 

 

Maturi 1960. Gandolf Wild zweiter von links in der hintersten Reihe. 28. Mai 2000 vor dem Kollegium.

 

 


Gandolf hat mir die Liste seiner Kollegen von von der Matura 1960 gegeben.  Otto Ineichen war mit ihm im Internat, jener, der später die Billigkette 'Otto's' betrieb.

 
Maturi 1960. Adressliste aus dem Jahre 1961.

 


Maturazeugnis von Albert Wild. 5. Juli 1960

 

Geburts- und Wohnort von Gandolf in seiner Kindheit und Primarschulzeit. Aufnahme ca. 1960. Rechts oben von Bildmitte: Schulhausplatz mit Primarschulhaus und Oberstufen-Schulhaus. Reformierte Kirche mit Zwiebeltrum. Rechts im Bild der Friedhof.

 


Primarschulzeugnis von Albert Wild in der 6. Klasse in Bühler AR bei Lehrer Schaffert. 1953

 


Albert Wild, August 1950, 10 Jahre alt.

 


Albert Wild (3. Primarklasse), oberste Reihe neben Lehrer Nydegger. Maria Brabetz-Wild (5. Primarklasse) Reihe davor dritte von links. Bühler AR. Im Hintergrund Altersheim.

 Gandolf war an die Klassentreffen der Primarschule Bühler eingeladen. Von der Zusammenkunft 2017, an der er nicht teilgenommen hat, gab er mir die Namenliste der 16 Schülerinnen und Schüler, die ich hier aufführe: Christian Bruderer (gestorben 28. Februar 2016), Marlies Dörig-Roth in Appenzell, Ernst Enzler in Teufen, Sepp Gmünder-Manser in Appenzell, Hanni Graf-Graf in Heiden, Robert Knellwolf in Züberwangen, Max Matti in Appenzell, Marianne Nabulon-Fürer in Winterthur, Erna Oconner-Meier in Tueffeley Gloucester, Elisabeth Schäfer-Holderegger in Seuzach, Doris Schmid (gestorben 4. August 2013), Hans Schmid (gestorben 20. Juni 2016), Margrit Simionato-Koller in Ronchis Udine, Albert Weibel in Bühler.

Albert (Gandolf) Wild (1940-2022) in der Mitte. Links seine Schwester Martha Guerra und rechts die älteste Schwester Maria Brabetz. Die Foto wurde aufgenommen von Josef Inauen (1924-1995) am 23. Juni 1946, dem Tag der Beerdigung von Grossmutter Katharina Wild-Hersche. Dachsböhl, Bühler AR. Martha mag sich erinnern, dass sie Trauerkleider angehabt hätten.

 

Vater Albert Wild (*1909) mit seinen drei ältesten Kindern: Maria Brabetz-Wild sitzend, Martha Guerra-Wild stehend, Albert (Gandolf) sitzend. 1946?

 

Albert/Gandolf mit Senne-Chäpi. Wahrscheinlich im Juni 1946. © Sepp Inauen.

 


Gandolf, Sepp, Grossvater Hasdöni, Hans Inauen. Juni 1946. © Sepp Inauen

 

20. August 1953. Steigbach Bühler AR. Geburts- und Elternhaus von Gandolf. Zum Zeitpunkt der Luftaufnahme war Gandolf fast 13 Jahre alt.

 

Stammbaum seines Vaters Albert Wild (Datensatz Nr. 4). Josef Albert Gandolf ist Kind 2. Sein Bruder Tony Wild-Knechtle (*1946) führt für die Familie den Stammbaum nach. Er plant die Unterlagen dem Landesarchiv Appenzell-Innerrhoden zu übergeben.

 

Gandolf Wild ist am 5. April 2022 im Kapuzinerkloster umsorgt von seiner 'Familie' an Herzversagen gestorben. Er ist auf der Strecke von seiner Klause zum Refektorium hörbar umgefallen. 

 

Nachruf von Fr. Gandolf Wild in der Missionszeitschrift ite im Juli 2022.

 

Nekrolog von Gandolf (Albert) Wild. Analecta OFMCap 2022. Provinzarchiv Wesemlinstrasse 42, 6006 Luzern.

 

Grab von Gandolf im Kapuzinerfriedhof beim Kloster in Wil SG. 5. Mai 2022

 







Martha Guerra-Wild, die 'Italienerin'
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22.4.  Meine acht Geschwister – Martha Guerra-Wild, die 'Italienerin'.
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Martha in Ravenna, die 'Italienerin' und Spezialistin für Perlenketten

Martha ist 1942 als letzte der ersten Dreier-Gruppe geboren worden. Sie besuchte sechs Jahre die Primarschule in Bühler, bis 1955. Es folgen drei Jahre in der katholischen Mädchen-Sekundarschule 'Flade' in St. Gallen.  In der 3. Klasse hat sie eine Arbeit über die Mosaike in Ravenna geschrieben und vorgetragen. Sie muss schon damals unbewusst eine Beziehung zu Ravenna aufgebaut haben.

Dann ging sie als 16-Jährige zur einer Familie nach Genf als Au-Pair-Mädchen. Martha arbeitete für  Carmen Guerra, der Schwester von Gianni Guerra. Diese lud sie ein und besuchte ihre Mutter Signora Guerra 14 Tage in Ravenna. Es hat ihr gut gefallen. Die Mutter von Carmen und Gianni sagte zu Martha, warum kommst du nicht länger. Nach dem Aufenthalt in Genf ging sie deshalb 2.5 Jahre zur Familie Guerra nach Ravenna, von Anfang 1959 bis Herbst 1961.

Martha hat bei der Arbeit einmal Ferien verlangt und bekommen. Sie reiste nach Assisi, ohne dies jemandem zu sagen. Dort hat sie ein ortsansässiger Junge umhergeführt. Eine Bekannte von Signora Guerra hat dies gesehen und gleich berichtet. Für Signora Guerra war Martha darum eine Hure. Martha liess sich dies nicht gefallen und hat daraufhin gekündigt. Sie reiste in die Schweiz zurück und nahm an der kleinen Profess von Gandolf im 1961 teil.

Im Herbst 1961 kam sie zurück. Die Foto am Zürichhorn muss um diese Zeit entstanden sein. Die ersten drei Monate zurück in der Schweiz arbeitete sie im Restaurant Sternen in Amden. Nachher begann sie im Theodosianum Zürich als Angestellte zu arbeiten bis zum Schulbeginn. Der erste für sie mögliche Kurs zur Ausbildung war ausgebucht.

Am 19. März 1962 begann sie die Ausbildung am Theodosianum als Krankenschwester und schloss mit dem Diplom im Jahre 1965 ab. Zur Ausbildung gehörte auch ein Einsatz in der Psychiatrischen Klinik Burghölzli, in der sie zwei Monate arbeitete, meist auf der geschlossenen Abteilung. Sie konnte sich mit dem Direktor Herrn Bleuler unterhalten. 

Gemäss Abmachung mit der Schule hätte sie zwei Jahre in einem der zum Orden gehörenden Spitäler arbeiten sollen. Mit ihrer Freundin Madeleine Ebi (-Wyrsch) erhielt sie eine Ausnahme und durften ins ländliche Spital Wattwil. Dort blieben sie sechs Monate, Madeleine gefiel es nicht. Dann arbeitete sie ein Jahr in St.Gallen am Spital auf der Notfall-Abteilung und anschliessend 1.5 Jahre am UNI-Spital in Zürich. Zu dieser Zeit wohnte sie im Schwesternhochhaus Platte. (allenfalls ist die genaue Reihenfolge der Arbeitsstellen anders)

1967 plante sie eine Italienrundreise. Sie reiste zusammen mit Madeleine Ebi im Oktober 1967 zuerst nach Ravenna und besuchte die Familie Guerra. Dort traf sie deren Sohn Gianni. Gianni hatte in Biel die Uhrmacherlehre gemacht. Er sprach Schweizerdeutsch. Sie kannte ihn von ihrem 2.5-jährigen Aufenthalt. Am 4. Oktober 1967 wurde Martha schwanger. Madeleine hatte Heimweh und die Rundreise wurde kürzer als gedacht.

Gianni kam im Herbst 1967 nach Zürich zu Besuch. Maria Brabetz hatte Claudia geboren und wohnte mit Sergio an der Allenmoosstrasse in Zürich-Örlikon. Unsere Mutter kam nach Zürich und Martha konnte ihr Gianni Guerra vorstellen.

(Von diesem Treffen gibt es Fotos. Es könnte sogar sein, dass ich dabei war.)

Am 29. Januar 1968 heiratete Martha ihren Gianni in Zürich. Sie feierten mit Kolleginnen von Martha. Tony und Vreni Wild-Knechtle waren auch dabei. Das Essen hatten sie in einem Zunfthaus. 

Mit Gianni wohnte Martha in Ravenna an der Via San Agata 5, am gleichen Ort wie ihre Schwiegermutter und Schwägerin Christina. Martha hat drei Kinder geboren, am 18. Juli 1968 Antonio, 1972 Esmeralda und 1973 Consuelo. Beim Namen Consuelo gingen wir im Steigbach von einem Buben aus und gratulierten zum gesunden Jungen. Damals lernte ich, dass in Italien auch Mädchen Namen mit einem 'o' am Schluss haben können.
 
Martha hat im Juweliergeschäft im Zentrum von Ravenna ihren Mann unterstützt, aber nie Lohn erhalten. Sie hat Perlenketten zusammengesetzt und war Meisterin darin.

Als der Schwiegervater (wann?) gestorben ist, hat die Schwiegermutter das Geschäft auf sich umschreiben lassen. Es hiess damals, wenn Christina, die Schwester von Gianni, 18 Jahre alt sei, würde das Geschäft auf Gianni übertragen. Gianni hatte 1974 seinen ersten Herzinfarkt. Von einer Übertragung war nicht mehr die Rede, obwohl Christina damals über 18 Jahre war. 

Als ich das erste Mal, noch als Gymnasiast, nach Ravenna reiste, sagte Martha, ich solle mich im Geschäft melden. Das machte ich. Christina war hinter der Theke. Sie verstand schnell, wer ich war. Nach zwei Minuten 'Small talk' fragte mich Christina, ob ich im Sternzeichen ein Zwilling sei. Dies erstaunte mich, aber anscheinend war ich ein typischer Vertreter. Damals kannte ich die Sternzeichen gar nicht.

Gemäss Martha hätte die Schwiegermutter das Geschäft Gianni übergeben müssen laut Abmachung und Versprechen, nachdem Christina 18 Jahre alt geworden ist. Gianni hatte um jene Zeit einen Herzinfarkt. Und die beiden Frauen haben sich gedacht: wenn jetzt das Geschäft Gianni übertragen wird und er stirbt später, dann erbt Martha das Geschäft. Das ging natürlich nicht gemäss ihren Vorstellungen. Sie haben das so gedreht, dass das Geschäft an Christina geht. Christina ging davon aus, dass Martha weiterhin das Dienstmädchen und Angestellte ohne Lohn spielen würde. 

Vor diesem Hintergrund haben Martha und Gianni gesagt, wir gründen unser eigenes Geschäft. Gianni ist in der Folge enterbt worden von der Familie. Und damit natürlich auch Martha und vor allem die drei Kinder. Alles zusammen mit Anwälten, die mit der Familie, sprich Mutter von Gianni, bekannt waren.

Martha wurde von der Schwiegermutter aus dem Clan gedrängt. Zusammen mit ihren drei Kindern pflegt Martha eine gute Gemeinschaft. Sie sagte Esmeralda, Antonio und Consuelo, ihr könnt ohne weiteres den Kontakt mit der Grossmutter Guerra pflegen, einfach ohne sie. Die Kinder trafen ihre Grossmutter anfänglich, wollten nachher nicht mehr zu ihr, weil sie Martha, ihre Mutter, schlecht darstellte. Sie kannten ihre Mutter und wussten, dass das alles nicht stimmt. Martha hat mit Schwägerin Christina gebrochen, als diese anfing, ihre drei Kinder von der Grossmutter fern zu halten.  

Das neue eigene Geschäft ist soweit gut gelaufen. Gianni machte aber Schulden und Martha hat gegenüber den Banken auch ihre Unterschriften gegeben und war solidarisch haftbar. Eines Tages sagte sie Gianni, ich unterzeichne nicht mehr für neue Kredite und hat ihm empfohlen, das Geschäft zu verkaufen. Das haben sie gemacht. Martha hat vorher immer geschaut, dass die Rechnungen der Lieferanten pünktlich bezahlt wurden. Am Schluss hatten sie nur noch Schulden gegenüber den Banken. Der Chef von Tochter Esmeralda, ein Treuhänder, hat Ihnen geholfen das Geschäft aufzulösen. All die Schulden wurden abbezahlt und Martha verdiente als Krankenschwester Geld. Martha hatte noch Edelmetall vom Geschäft gehortet. 

Martha will keine Abdankung und kein Grab, so jedenfalls sagte sie am Gedächtnis von Gandolf im Jahre 2025. 

Antonio betreibt eine IT-Firma und lebt mit seiner Freundin Sonja in Cesenatico in einem Haus. 

Consuelo und ihr Partner Luca leben im gleichen Haus wie Martha.

Esmeralda und Giorgio haben drei KinderVirginia, Giulio, Lucrezia. Esmeralda ist Treuhänderin (Revisorin). Ihr Mann Giorgio Papale ist Zahnarzt.

Die Schwester von Gianni, die Carmen, hat einen Mann geheiratet, der ebenfalls Schulden gemacht hat. Ihr Mann war ein Freund von Gianni, den er in Biel zur Zeit seiner Uhrmacherlehre kennengelernt hat.
Carmen ist ca. 20 Jahre älter als Christina. 40 Jahre nach der Vertreibung aus dem Clan hat Carmen Martha angefragt, ob man nicht die Geschichte vergessen könnte. Martha sagte, nach 40 Jahren sei es ihr zu spät. Sie lebe friedlich. Carmen meinte, Martha solle mit Christina den Kontakt wieder aufzunehmen. Christina ist verheiratet und hat drei Kinder. Eines arbeitet neu in der gleichen Treuhandfirma wie Esmeralda, die Tochter von Martha. Esmeralda war bei dieser Firma von Anfang an dabei und ist sehr angesehen.

Martha meint, nach ihrem Wegzug aus der Via San Agata sei ihr Leben einfacher und besser geworden. Sie hätte die Verwandten nicht mehr jeden Tag sehen müssen, wohnte doch die Schwiegermutter und Schwägerin im gleichen Haus. 

Martha hatte 2004 einen Einsatz mit dem Roten Kreuz im Irak unter italienischer Flagge. Das hat ihr gefallen.

Martha sagte am 4. April 2025, Gianni sei mit Kollegen nach Maribor (Slowenien) auf die Jagd gegangen. Während des Krieges seien die Italiener wie eingeschlossen gewesen im eigenen Land und wollten nach dem Krieg hinaus in die Welt. Veronika und ich kamen gerade von einer Ferienreise aus Slowenien Zürich. 

In Zürich pflegte Martha den Kontakt zu diesen Kolleginnen:

  • Madelaine Ebi, Buenstrasse 20, 8600 Dübendorf, Mobil 079 346 46 45 (EFH) 
  • Hildegard Wigger Lombardi, EGTW Knonau (vorher REH Langnau), Mobil 079 397 29 06


Wohn- und Arbeitsorte von Martha Guerra-Wild

Ab 1. August 1942: Geburts- und Elternhaus, Steigbach 80 (früher 269 Assekuranz-Nummer), 9055 Bühler
1958 bis 1959: Carmen Guerra (Schwester von Gianni Guerra), Genf
1959 bis Herbst 1961: Familie Guerra, Via San Agata 5, 48121 Ravenna (Vater, Mutter und Christina (Schwester von Gianni), Gianni. Juwelier-Geschäft an ....
Herbst 1961 bis Ende 1961: Restaurant Sternen, Amden
Anfang 1962 bis März 1965: Zürich, Theodosianum, Zürich, Ausbildungsbeginn 19. März 1962 (Diplom am 
Sommer 1965: Wattwil (sechs Monate)
Herbst 1965 bis Herbst 1966: Kantonsspital, Notfallstation, St. Gallen
Herbst 1966 bis Anfang 1968: Universitätsspital Zürich USZ, Zürich
Januar 1968 bis ......: Via San Agata 5, 48121 Ravenna (An gleicher Adresse wie Schwiegermutter und Schwägerin Christina)
..... bis ...... : Via Faentina .., 48121 Ravenna, 
ab 200?: Via F. Anastagi 26, 48121 Ravenna (gleiche Adresse wie Tochter Consuelo Guerra)




Martha Guerra-Wild. Wahrscheinlich Juni 1946, am Tag der Beerdigung ihrer Grossmutter Katharina Wild-Hersche, gestorben 23. Juni 1946. © Sepp Inauen

 



Martha Guerra-Wild, wahrscheinlich während Ausbildung am Theodosianum in Zürich.

 


Theres und Martha mit Gandolf, in Assisi Wann?

 


Ravenna. 1. August 2023. 81. Geburtstag von Martha Guerra. Giulio, Freund von Virginia, Virginia, Lucrezia, Consuelo, Esmeralda (stehend), Antonio, Martha. Wohnung von Esmeralda Papale-Guerra. © Giorgio Papale.

 

Am Hochzeitstag von Manuel mit Karin Leopold-Wild (*1992) auf dem Eischen AI. Martha mit Bruder Sepp (*1944), Grossvater von Karin. 16. Juni 2018.

 

 

 

Nach dem Familientreffen in Teufen AR wünschte Martha, ein letztes Mal den Seealpsee zu sehen. 7. August 2016. Giorgio Papale, Virginia, Esmeralda, Lucrezia, Consuelo, Martha.

 

Martha Guerra in ihrer Wohnung an der Via Anastagi 26 in Ravenna. Thea Brabetz hat sie zusammen mit ihrem Thorbjörn. Juli 2026

 

 


Antonio (geb. 8. Juli 1968) am Geburtstag seiner Grossmutter Maria Wild-Büchel am 19. März 1970 im Steigbach Bühler.

 

Am 1. Geburtstag von Antonio am 8. Juli 1969. Catherine Winteler-Wild, Antonio, Martha, Signora Guerra. Wohnung von Martha an der Via San Agata 5 in Ravenna.

 

Christina Guerra mit Antonio, 1968?

 

Martha mit ihren Kindern beim Fischerhaus? bei Ravenna. ca 1977. Antonio, Esmeralda, Martha, Consuelo.

 

Ravenna, ca. 1977, Consuelo, Martha, Esmeralda, Mutter Maria Wild-Büchel.



Andreas Wild, Gianni Guerra, Sepp Wild, Theres Reich, Martha Guerra. 65. Geburtstag von Maria Wild-Büchel. Ostermontag 1978 in Bühler AR.

 

 

 

Ravenna, ca. 1980. Antonio, Consuelo, Esmeralda.

 

In Albarella zwischen Venedig und Ravenna. Elektrowatt, Arbeitgeberin von Niklaus war in Projekt involviert. Veronika, Niklaus, Martha, Antonio. Ca. 1982?

 

 

Schwiegervater Guerra zu Besuch beim Papst zusammen mit Mitgliedern des Ordens (wie Bruno Enz-Benz). ca. 195?

 

 

 

 

 

 

Sepp Wild-Stieger, der Maschinist
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22.5.  Meine acht Geschwister – Sepp Wild-Stieger, der Maschinist.
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Mein Bruder Sepp, der Maschinist

Foto von Josef Inauen 1946 konnte ich nicht im Juli 2025 nicht hochladen. Später nochmals probieren und sonst mit Support schauen.
Foto Mutter mit Sarner Schwester und Doppelkinderwagen

Sepp ist der älteste der mittleren Dreier-Gruppe.

Aus Erzählungen weiss ich, dass er beim alten Schweinestall vom Mehl-/Holzlager aus der Türe auf die Strasse gefallen ist. Ein weiteres Mal ist er den Mehlschacht hinunter gefallen. Oben im Lager öffnete man den Mehlsack und leerte das Mehl lose in den Schacht. Unten war meist ein Fass oder ähnliches. Sepp fiel auf den Steinboden. Am 5. Juli 2025 hat mir sein Sohn Andreas erzählt, dass er mit Martha Inauen (Unser Nachbarskind) gespielt hätte im Mehllager und dabei auch dort hinunter gefallen sei. Wenn ein Kind jeweils wieder aufgestanden ist, machte man nicht viel Aufhebens von solchen Stürzen. Als Sepp älter war, wurde eine Leitung neu verlegt in der Nähe unseres Gadens unterhalb der Landstrasse. Ein Betonrohr fing an zu rollen und Sepp wollte es bremsen. Als dies geschah, stand ich nicht weit davon entfernt. Erst beim Abendessen habe ich erfahren, was passiert ist. Sepp hat sich den Rücken verletzt. Dies begleitet ihn das ganze Leben.

Sepp besuchte wie alle die Primar- und Oberschule in Bühler. Er wollte Geld verdienen und begann nach der obligatorischen Schulzeit beim Baugeschäft Köppel. Er kannte sich mit Motoren aus. Er konnte all die Baumaschinen bedienen. Er nahm mich manchmal mit auf die Baustelle. Damals hatten die Maschinen noch keine gefederten Sitze. Dies belastete den Körper von Sepp. Er konnte natürlich auch mit Lastwagen umherfahren. Hier kann ich anfügen, dass ich als Primarschüler Lastwagenfahrer werden wollte. Auf dem Weg zur Kirche in Teufen am Lindenstich hatte STUDACH sein Transportgeschäft. Ich bestaunte die Saurer-Lastwagen. Wahrscheinlich hat mich auch mein Bruder Sepp beeinflusst. 

Ich mag erinnern, wie Sepp einen tragbaren Philipps-Radio nach Hause brachte. Das war für uns alle etwas Neues. Mein Bruder Sepp war sieben Jahre älter als ich. Selber war ich wohl so um die zehn Jahre alt. Ich mag mich erinnern, wie wir um den Stubentisch sassen, das Radio in der Mitte und der Sendung 'Polizist Wäckerli' lauschten. Solche Sendungen waren am anderen Tag Thema in der Milchsammelstelle oder auf dem Pausenplatz.  

Sepp heiratete Eveline Stieger. Sie wohnte in Bühler neben dem Schulhaus in einem der kleinen Häuschen am Rand des Pausenplatzes. Während der Pause sah ich ihn manchmal. Bald kam Andreas (1963) auf die Welt und drei Jahre später Alexandra. Sie zügelten in die Gegend von Biel und Sepp arbeitete bei Bangerter Lyss in einem Kies- und Betonwerk. 1970? hatte er einen schweren Unfall, er geriet bei einer Maschine zwischen die Bänder. Er konnte zum Glück bei der Firma weiter arbeiten, in angepassten Funktionen.

Mit Veronika nahm ich als Firmgötti an der Firmung von Andreas teil. Zu jener Zeit wohnten sie in Nidau. Andreas machte in Tschugg die Lehre als Koch. In der Gegend von Biel arbeitete er noch an zwei Stellen. Nachher wechselte er nach Gonten in den weit herum bekannten Bären. Zuerst wohnte er in einem Studio, dann fand er das Zollhüsli, wo er mit seiner Frau Hildegard und seiner Tochter Karin (*1992) wohnt.

Eveline vertrug das neblige Klima am Bielersee nicht gut. Sie suchten ein höher gelegenes Zuhause. In der Gegend von Biel lagen die höheren Lagen schon auf französischem Gebiet. Sie zügelten zum Sohn in das Zwei-Familien-Zollhüsli in Gonten, das ihr Sohn gefunden hat. Sepp meinte allerdings 2024, in Gonten nähmen die Nebeltage wieder zu. Sepp wollte damals nicht nur nach Gonten zügeln, sondern auch beim Baugeschäft Koch in Appenzell arbeiten. Seine Firma in Lyss wollte ihn behalten. 22 Jahre arbeitete Sepp bei dieser Firma. Mein motoren-verrückter Bruder hatte zu meinem Erstaunen ein GA und ich arbeitete zu jener Zeit bei den SBB. Manchmal trafen wir uns im Hauptbahnhof Zürich, wo er Halt machte auf seinem Weg von Lyss nach Gonten oder umgekehrt. 

Sein Enkelkind Karin war viel mit den Grosseltern Sepp und Eveline zusammen. 
2014 wurde Sepp im September auf der Intensivstation in Herisau und St. Gallen wegen Problemen mit dem Darm behandelt. Sein Zustand war kritisch. Tony schreibt darum vom Steh-Auf-Männchen Sepp, der sich ich einer Blutvergiftung und Atemproblemen wieder erholt hat. Ich habe ihn in der REHA Walenstadterberg im Oktober 2014 besucht und war nach all den alarmierenden Berichten erstaunt über den guten Zustand von meinem Bruder Sepp.

Seine Schwiegertochter Hildegard hatte zur selben Zeit eine Operation am Rücken, mit Komplikationen.
Ein Jahr später feierte Andreas in einem Zelt vor seinem Haus seinen 50. Geburtstag. Er war lange Zeit Koch im Bären Gonten. Zu seiner Zeit war der Schwager von Vreni Wild-Knechtle Betreiber des bekannten Bären, ein Patron alter Schule, der seinen Mitarbeitenden wenig Entwicklungsspielraum gab. Der Bären wurde verkauft und Andreas arbeitet seitdem im Verteilzentrum Coop in Gossau.
Am 14. Oktober 2024 besuchte ich Sepp und Eveline in ihrem Zuhause. Sie leben genügsam, tatkräftig unterstützt von ihrer Enkelin Karin, die in ihrer Wohngegend Wuppenau TG als Spitex-Mitarbeiterin im Einsatz ist. Zuhause besorgen sie alles selber, einkaufen tut meist ihr Sohn Andreas, der so seinen Teil der Hypothek finanziert. Sepp sagt, sobald er sich bewege, müsse er relativ rasch auf die Toilette. Darum sei er mehr oder weniger ans Haus gebunden.

Sie haben schöne Sicht auf den Alpstein und den (Übungs-) Golfplatz. Der Schwiegervater von Andreas ist in den 2005 eröffneten Golfplatz involviert. Das Zollhüsli war früher eine Poststation, bei der die Pferde gewechselt wurden. Zehn Jahre waren sie in Miete im Zollhüsli bis sie es kaufen konnten. Alle vier bilden die Eigentümerschaft.

Enkelin Karin hat 2018 Manuel Leopold geheiratet. Emilia (2022) und Simona (2025) sind ihre Töchter.

Im Jahre 2023 und 2024 hat Karin Leopold-Wild zusammen mit meiner Tochter Milena je ein Familientreffen in Appenzell/Eischen und in Stein/Speicher organisiert. Sepp, Eveline, Andreas, Hildegard und Karin leben quasi unter einem Dach, in zwei Wohnungen. Karin hat darum einen engen Bezug zu Eveline und Sepp.






Weihnachten 2025 bei Sepp im Zollhüsli Gonten. Emilia Leopold, Eveline Wild, Sepp Wild, Simona Leopold. Urgrosseltern oder Urenkel je nach Sichtweise.

 




An der Taufe von Ur-Grosskind Emilia am 23. Oktober 2022. Andreas Wild, Eveline, Hildegard, Emilia Leopold, Manuel Leopold, Sepp Wild (*1944), Karin (*1992).

 

Hochzeit von Karin und Manuel Leopold am 16. Juni 2018 auf dem Eischen in Appenzell AI. Joe und Catherine Winteler, Martha Guerra, Fr. Gandolf, Eveline, Sepp, Karin und Manuel Leopold, Niklaus und Veronika Wild, Werner Bucher, Theres Reich, Monika Bucher, Vreni Wild, Jakob Reich, Tony Wild. (Hinweis: Von den 9 Kindern der Familie Wild-Büchel fehlt Maria Brabetz. Ihr war es anstrengend, denn am darauffolgenden Tag trafen sich die Geschwister in Appenzell. Dort war sie anwesend, Bruder Sepp aber aus gesundheitlichen Gründen nicht.)

 

 


Am Tag vor dem Auferstehungsgottesdienst traf sich die Gruppe und besuchte Gandolf, aufgebahrt ohne Klima-Anlage im Besucher-Zimmer des Klosters Wild. Julia Bucher, Karin und Manuel Leopold, Niklaus Wild, Thea Brabetz, Giulio Brabetz (war zufällig auf Geschäftsreise). Sonntag 10. April 2022 auf dem Nollen.

 

Manuel Leopold und Karin Wild auf dem Nollen. Nach der Urnenbeisetzung von Gandolf Wild in Wil am 5. Mai 2022.

 



Andreas Wild feiert seinen 50. Geburtstag bei seinem Zollhüsli in Gonten. 15. August 2015. Sein Schwager Manuel Leopold (blaues Leibchen) schaut ihm bei der Zubereitung einer Paella zu.

 

 

 

An der Hochzeit von Catherine und Joe Winteler am 7. Juli 1973 auf der Schwägalp. Mutter Maria Wild-Büchel mit weisser Handtasche, ???, Sepp Wild mit Tochter Alexandra, Eveline mit Sohn Andreas, Monika Bucher Wild. Bruder und Vater von Joe Winteler?.

 

Andreas Wild am 7. Juli 1973 an der Hochzeit von Joe und Catherine Winteler-Wild.

 

Alexandra Binggeli-Wild am 7. Juli 1973 an der Hochzeit von Joe und Catherine Winteler-Wild auf der Schwägalp.

 

 

 


Auf dem Diwan in der Stube im Steigbach: Gandolf (Albert), Maria Brabetz, Mutter Maria Wild-Büchel, Sepp. 1946?

 

Die vier Brüder vor dem Eltern- und Geburtshaus: Niklaus, Tony, Sepp, Gandolf (Albert) Wild. 1972

 

Sepp und Albert (Gandolf) Wild vor dem Elternhaus im Steigbach 80, 9055 Bühler. ca. 1946, Bild von Josef Inauen Jona.

 


Albert/Gandolf trägt Sepp auf seinen Schultern. Sie stehen vor der Milchsammelstelle im Steigbach Bühler. ca. 1946 (Foto Josef Inauen)

 

Zu Eveline Stieger haben Maria Brabetz-Wild und Tony Wild Informationen, die einen Bezug zu unserer Geschichte haben. (Mailverkehr 10. und 20. Februar 2024): Ihre Pflegemutter Stieger-Stieger (1892 bis 1959) von Freienbach war eine Cousine von unserer Grosstante Bertha Stieger (1876 bis 1965), die zusammen mit Grosstante Emma Büchel im Schönenbühl Teufen gewohnt hat. Der Pflegevater Karl Stieger ist nicht verwandt und lebte von 1884 bis 1847. Bertha Stieger war unehelich geboren, Eveline wurde aus einer Familie, die in Biel wohnte, gerissen. Christina Stieger, unsere Urgrossmutter, diente in Steinach am Bodensee und wurde wahrscheinlich dort schwanger. Zur Geburt von Bertha war sie in Bütschwil im Toggenburg in der Nähe eines Onkels und seiner Frau. Getauft wurde Bertha Stieger in Kobelwald, der Heimat von Christina Steiger. Den weiteren Weg von Bertha kennt auch Tony nicht, sie dürfte aber gemäss einem Hinweis von Onkel Hans Büchel in Stans gewesen sein. Eveline und Bertha Stieger hatten das gleiche Schicksal. Recherchen zum Früsorgewesen bis 1945 haben ergeben, dass bis dann für Pflegeeltern ein Kind gesucht wurde und ab dann für ein Kind die Pflegeeltern. Es gab Kinder, denen ging es gut, es aber viel mehr Kinder, die als Sklaven zum Arbeiten gebraucht wurden. Evelin egheörte zu diesen, bei Bertha weiss es Tony noch nicht.
Eveline kennt resp. kannte ihre Eltern. Weder mein Bruder Sepp noch Eveline reden nicht gut von ihnen. Der Vater sei Alkoholiker gewesen. Eveline hatte während ihrer Bieler-Zeit Kontakt zu den Eltern, Geschwistern und Kindern. Aber wie es ist mit einer schlechten Jugend: das Verpasste kann nicht mehr nachgeholt werden. 
Tony Wild las die wissenschaftliche Arbeit über 'Fürsorge und Zwang im Adoptions- und Pflegekinderwesen' von der Berner Fachhochschule Sozial Arbeit vom 27. Oktober 2020. 
Diese Aufzeichnungen von Tony Wild haben bei Maria Brabetz-Wild ein Rätsel aus der Kindheit gelöst. Sie weiss jetzt, dass die Ausfahrten mit den Eltern nach Freienbach und in die dortige Kristallhöhle mit der Grosstante Bertha Stieger im Zusammenhang standen. Eveline selber hatte aus ihrer ersten Ehe drei Kinder, die auch zu Pflegefamilien kamen. Sie hat Kontakt zu ihnen.

 

 

 

 

 

 

 




 

 

 

 



Theres Reich-Wild, Köchin, Psychiatrieschwester, Bäuerin und Familienfrau
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22.6.  Meine acht Geschwister – Theres Reich-Wild, Köchin, Psychiatrieschwester, Bäuerin und Familienfrau.
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Theres wird 81 Jahre alt - Stationen in ihrem Leben

Liebe (7) Geschwister

Diese Broschüre war nie geplant. Sie hat sich auf Umwegen entwickelt.

Für meinen zweiten Enkel Gabriel habe ich zu seinem 11. Geburtstag ein Buch über seine ersten Jahre mit seinen Grosseltern zusammengestellt. Dort habe ich meine acht Geschwister beschrieben und stellte dabei fest, dass ich wenig Gesichertes über sie weiss. Bei Theres waren drei Berufe und drei Arbeitswelten zu beschreiben. Auf Fragen hat mir Theres lange Antworten gegeben und alles mit Fotos unterlegt. So ist die Broschüre entstanden.

Fasziniert hat mich die Drei-Stufen-Wirtschaft, vor allem die Bewirtschaftung und die zeitaufwendige Verschiebung der Tiere – vier Mal vom Tal auf das Maiensäss und vier Mal hinunter, jeweils einen ganzen Tag lang.

Am Maiensäss Pro Cresta wird zudem der Druck aus dem Unterland spürbar wie auch die Zerstückelung und Umnutzung des Eigentums. Der erste ‚Eindringling‘ war ein Herr Rau aus Niederteufen.

Wer die Unterlagen digital als PDF oder e-Book (EPUB) möchte kann den Link bei mir anfordern. Dieser Brief geht an meine Geschwister und die beiden Söhne von Theres, Christian und Julian.

Nun wünschen wir Theres einen schönen Geburtstag.

Mit lieben Grüssen Niklaus
Abgeschickt am 6. Juni 2026.


Der folgende Text entspricht mehr oder weniger dem Inhalt der Broschüre, kann aber Abweichungen im Text oder in der Abfolge haben und nicht alle Fotos enthalten.

A. Lebenslauf 

Theres hat sich während ihren ersten 33 Lebensjahren an verschiedenen Orten – vorwiegend in der Schweiz – aufgehalten. Zuerst lebte sie in Bühler, St. Gallen und Sion, dann in Zürich und Chur, kurz in Schaffhausen und länger in Dänemark, anschliessend wieder in Zürich, bis sie ab 1978 in Cazis sesshaft wurde.

Theres kam am 13. Juni 1945 zu Hause im Steigbach auf die Welt. Getauft wurde sie auf den Namen Theresia. Die Mutter wurde unterstützt von einer Hebamme. Vier ältere Geschwister warteten auf sie. Nachdem die Familie komplett war, nahm Theres die mittlere Stellung von neun gesunden Kindern ein. 

Theres verbrachte ihre ersten Jahre im Steigbach. Einen Kindergarten gab es am anderen Dorfende, er war freiwillig. Kein Kind der Familie besuchte ihn.

Theres Reich-Wild besuchte nach den sechs Primarklassen in Bühler die Flade in St. Gallen wie bereits ihre älteren zwei Schwestern Maria und Martha – aber nur zwei Jahre.

Theres wusste nicht so recht, was sie lernen möchte. Zuerst absolvierte sie das damals für Mädchen übliche Haushaltlehrjahr bei einer Familie in St. Gallen. Anschliessend ging sie in eine andere Familie, die drei Kinder hatten, nach Sion, um Französisch zu lernen.

Danach lernte Theres Köchin. Die Pflegerinnen-Schule an der Carmenstrasse 40 in Zürich war der Lehrbetrieb und die einzige  'Kochschule' für Frauen dazu war in Chur. Diese besuchte sie in Blockkursen, z.B. zum Abschluss zwei Monate. Sie lebte in einer Art Internat unter der Aufsicht von Frau Eberle. Diese Schule für die 1 1/2-jährige Ausbildung gab es damals nur in Chur.  

Nach dem Lehrabschluss 1965 arbeitete Theres im Café Restaurant Park in Neuhausen am Rheinfall. Das Milieu und der Umgang untereinander behagten ihr nicht. Sie blieb eine Saison.

Über eine Kollegin kam sie nach Dänemark auf einen grösseren Bauernhof in Lejre in Nähe von Roskilde. Dort lernte sie Englisch und Dänisch und betreute vor allem die fünf Kinder. Sie half im Haushalt und im Garten.  

Nach einem Jahr kam sie zurück. Als erstes – bevor sie in den Steigbach fuhr – stellte sie sich bei der Paulus-Akademie in Zürich-Witikon vor. Sie wurde dort Alleinköchin. Es war alles neu, Theres konnte sogar mitreden bei der Einrichtung der Küche. 

Theres besuchte 1965 die Diplomfeier ihrer Schwester Martha (Guerra-Wild) im Theodosianum beim Klusplatz in Zürich. Ein Arzt dort meinte, das würde für Theres auch passen. Das ging aber nicht. Die Voraussetzung für Krankenschwester waren drei Jahre Sekundarschule.

Bald zog Theres nach Graubünden, wo sie sich in der Klinik Beverin zur Psychiatrieschwester ausbilden liess (Diplom im Jahre 1970) und danach dort ein Jahr arbeitete. 

Anschliessend wechselte sie als Psychiatrieschwester an eine neue Abteilung am Spital Triemli, einer Krebsabteilung (Nuklearmedizin). Sie wurde als Abteilungsschwester vorgeschlagen. Theres wollte aber nicht. Sie ging nach Schaffhausen in die Psychiatrische Klinik Breitenau, kündigte dort in der Probezeit.

Nach einiger Zeit liess sie sich von Stadträtin Lieberherr als Gemeindeschwester in Zürich-Wiedikon anstellen. Sie wohnte damals in einem neu erstellten Haus an der Kalkbreitestrasse 115. 

Theres suchte nach zwei Jahren als Einzelkämpferin wieder eine Arbeit im Team, die sie im Schlössli Oetwil am See in einer neuartigen Therapiegemeinschaft gefunden hat.

Theres fühlte sich in der Psychiatrie mit den vielen Einzelgesprächen in der Akutabteilung überfordert.
Theres wünschte einen Wechsel in die Pflegeabteilung, wo es ihr gefiel. Sie bekam das Angebot, die vorgesehene neue Tagesklinik in Wetzikon zu leiten. Die Annahme des Angebots hätte ein längeres Engagement bedeutet.  Sie zog es vor, der Liebe wegen zurück ins Bündnerland in die Klinik Beverin zu wechseln.

Am 15. November 1979 hat Theres Jakob Reich geheiratet und die zwei Söhne Christian und Julian aufgezogen. 

Nach der Heirat wohnten sie in der Nähe vom Bahnhof Cazis an der Italienischen Strasse 36 im Gebiet Cafluri, zügelten nach der Geburt von Christian auf die obere Seite der Kantonsstrasse, an den Kirchenstutz 5. 

Jakob und Theres übernahmen am 1. Januar 1980 den Bauernhof mit Stall im Oberdorf 27 von der Familie Reich und konnten später am Caloiweg 5 (Hof Frankriech) in Summaprada 1987/88 neu siedeln mit Stall und Wohnhaus.

Sie betrieben Milchwirtschaft im Dreistufenbetrieb mit einem Stall zuerst im Oberdorf 27 und nachher am Caloiweg 5 (660 m ü. M.), der Maiensäss Pro Cresta (600 m ü. M.) und der Alp Tambo (2100 m ü. M.) bei Splügen.

Zwei Jahre nach der Übergabe des Hofes an Sohn Christian im Jahre 2015 nahmen Jakob und Theres die Gelegenheit wahr, in Cazis zwischen dem Bahnübergang und der schön gelegenen Kirche St. Martin 2017 eine neu erstellte Alterswohnung zu beziehen. 






B. Wohn- und Arbeitsorte von Theres Reich-Wild, geboren am 13. Juni 1945 im Steigbach Bühler AR

Ab 13. Juni 1945 bis 1962: Geburts- und Elternhaus, Steigbach 80 (früher 269), 9055 Bühler AR. Im Stammbaum von Bruder Tony Wild in Teufen wird Theres als Datensatz-Nr. 17 geführt.

Grundausbildung 1951 bis 1962 (vom Steigbach aus):
Frühjahr 1952: Einschulung in 1. Klasse der Primarschule, Besuch der insgesamt sechs Primarklassen in Bühler
Frühjahr 1958 bis Frühjahr 1960: Katholische Mädchen-Realschule in St. Gallen (Flade), zwei Jahre 
Frühjahr (4. April) 1960: 1 1/2 Jahre Haushaltlehre an der Frauenarbeitsschule (bis 5. Oktober 1961, Abschlussprüfung am 18. September 1961), Praktische Arbeit und Unterkunft bei Familie Schmid-Germann an der Paradiesstrasse 28 in St. Gallen gegenüber dem Güterbahnhof
Herbst 1961 bis Frühjahr 1962: 1/2 Jahre als Angestellte bei Familie Schmid-Germann in St. Gallen
Frühjahr 1962: bei Familie Bayard, Avenue de France in Sion, mit drei Kindern, zum Französisch lernen

Berufszeit als Köchin 1963 bis 1967:
1963 bis 1965: Köchinnenlehre. Ausbildungsbetrieb war die Pflegerinnen-Schule, Carmenstrasse 40, Zürich, für die praktische Arbeit als Köchin. Für die Schulwochen wohnte sie im 'Internat' in Chur und besuchte dort die Berufsschule.
1965, 15. Februar bis 20. September: Sommersaison im Café Restaurant Park in Neuhausen am Rheinfall
20. Oktober 1965 bis 1. Oktober 1966: in Dänemark auf dem Bauernhof der Familie Jørgensen, Bispegården, 4320 Lejre (bei Roskilde).
15. Oktober 1966 bis 15. September 1967: Alleinköchin in der neu eröffneten Paulusakademie, Zürich-Witikon.

Berufszeit als (Psychiatrie-) Schwester 1967 bis 1980:
Oktober 1967 bis Oktober 1970: Psychiatrische Klinik Beverin, Cazis GR, Ausbildung zu Psychiatrie-Schwester
November 1970 bis September 1971: Arbeit als diplomierte Psychiatrieschwester in der Klinik Beverin
Oktober 1971 bis Dezember 1972: Triemlispital Zürich, Nuklearmedizin
16. März 1973 bis Juni 1973: Klinik Breitenau, Schaffhausen
Juli 1973 bis September 1975: Gemeindeschwester in Zürich-Wiedikon, wohnhaft an der Kalkbreitestrasse 115, 8003 Zürich
15. Oktober 1975 bis April 1978: Schlössli, Oetwil am See, Therapeutische Gemeinschaft
Oktober 1978 bis September 1980: Klinik Beverin, Cazis, Männerabteilung 

Familienzeit als Ehefrau, Mutter, Hausfrau , Bäuerin, Buchhalterin von 1980 bis 2015:
15. November 1979: Heirat mit Jakob Reich, zuerst wohnhaft 1-2 Jahre an der Italienische Strasse 36 in Cazis (Kündigung erhalten im Spital zur Geburt von Christian)
31. Dezember 1980: Geburt von Christian
1981 bis 1988: wohnhaft Kirchenstutz 5 (Gebäude-Nr. 70),  7408 Cazis
18. November 1982: Geburt von Julian
1988 bis 2017: wohnhaft Hof Frankriech 81, Caloiweg 5, 7421
Summaprada GR, neu erstelltes freistehendes Haus neben Stall
ab 2017: St. Martin 5, 7408 Cazis, Alterswohnung

Landwirtschaftsbetrieb in Cazis von 1980 bis 2015
Januar 1980: Übernahme Bauernhof mit Stall im Oberdorf 27, Cazis.
1988 bis 2015 Bewirtschaftung vom eigenen Bauernhof aus. 
1980 bis 2015: Maiensäss Pro Cresta 6, Scharans (Juni, September/Oktober), Alp Tambo bei Splügen: Juli/August
2015: Übergabe des Hofes an Sohn Christian Reich 

Teilzeit-Anstellungen von 1992 bis 2010:
August 1992 bis Oktober 1998: Nachtwache Wohnheim Arche auf dem Klinikgelände Beverin, bis zum Ende des Angebotes 
November 1998 bis Oktober 2005: Psychiatrieschwester Diplom-Niveau 2, Beverin, Nacht- und Tageinsätze
November 2005 bis Oktober 2010: Alters- und Pflegeheim St. Martin, 50%-Anstellung als Nachtwache

Nebenberufliche Tätigkeiten 1992 bis 2020:
1992 bis 2000: Leiterin Katholischer Frauenverein Cazis
1980 bis 2009: Buchhalterin für den Landwirtschaftsbetrieb, mit selbständigem Abschluss und Steuererklärung, ab 1995 digital auf Computer
2009 bis 2015: Generationen-Gemeinschaft Reich. Führen der Buchhaltung, ohne Abschluss und Steuern.
2015: Übergabe des Hofes an Sohn Christian Reich
2008 bis 2020: Bürgergemeinde Cazis, Aktuarin


C. Dreistufenwirtschaft

Allgemeine Beschreibung

Maiensässe sind besonders in den schweizerischen Kantonen Graubünden und Wallis, in Liechtenstein, im westlichen Tirol und in Vorarlberg verbreitet. Sie gehen auf die Dreistufenwirtschaft zurück, bei der die Bauern in den alpinen Regionen dem Futter nachzogen: vom Heimgut im Tal, zum Maiensäss oder Vorsäss, wo es auch im Mai/Juni noch gutes Futter gab zur Hochalp (1600 – 2000 Meter).
Maiensässe sind eine Art Alp mit mindestens einem Stall oder Haus, welches noch unter der Baumgrenze auf ca. 1200 bis 1600 Meter Höhe liegt. Noch heute werden einige Maiensässe von den ansässigen Landwirten wie seit Jahrhunderten bewirtschaftet. Meist zog die gesamte Hofwirtschaft auf den Maiensäss.

Verhältnisse bei der Familie Reich

Theres und Jakob haben 1980 den Hof von seinen Eltern übernommen. Der Stall war im Oberdorf 27 [Später wurde dort ein Mehrfamilienhaus gebaut]. Das heisse Wasser zum Waschen des Milchgeschirrs brachten sie von der Wohnung zum Stall.

Theres hat die Buchhaltung des Betriebes geführt. Dies gereichte ihnen zum Vorteil, konnten sie damit gegenüber den Subventionsbehörden all die nötigen Nachweise für den 1988 bezogenen Neubau belegen. 

Sie betrieben Milchwirtschaft im Dreistufenbetrieb mit einem Stall zuerst im Oberdorf 27 und nachher am Caloiweg 5 (660 m ü. M.), der Maiensäss Pro Cresta (600 m ü. M.) und der Alp Tambo (2100 m ü. M.) bei Splügen.

Ab 2009 bis 2015 betrieben Jakob und Theres zusammen mit ihrem Sohn Christian eine Generationen-Gemeinschaft zur schrittweisen Übergabe des Hofes. Dies ist möglich bis zum 70. Altersjahr.


Im Juni brachte Jakob das Vieh auf die Maiensäss Pro Cresta in Scharans. Theres und Jakob führten ihr Vieh vier Mal im Jahr zu Fuss auf die Maiensäss. Diese Überführung dauerte 6 bis 8 Stunden. Neuerdings wird das Vieh verladen und nur noch zweimal hinaufgebracht – im Juni sowie im September bis Oktober. 

Ende Juni brachte Jakob die Tiere mit entsprechenden Transportern zum Weiden im Juli und August auf die Alp Tambo bei Splügen. 

Im Herbst/Winter waren die Tiere früher auch im Winter auf der Maiensäss zum Ausfuttern (bis das im Sommer geerntete Heu aufgebraucht war). In späteren Jahren holten sie das Heu hinunter ins Dorf und das Vieh blieb im Winter im Dorf. 

Maiensäss Pro Cresta in der Gemeinde Scharans

Pro Cresta war Mitte 20. Jahrhundert eine Ansiedlung von vier Bauernbetrieblein mit je einer Hütte und einem Stall. Pro Cresta liegt auf 1600 m über Meer in der Gemeinde Scharans am Nordhang vom Piz Scalotta. Im Sommer trieben diese Bauern das Vieh auf die höher gelegene Alp im gleichen Gebiet. 

Vor 50 Jahren hatten Jakob und Theres noch Zutritt zu zwei Hütten zum Schlafen und Essen. Später reduzierte sich dies auf eine Hütte. Seit einigen Jahren haben sie keine Schlafstätte mehr. Die Bewirtschaftung hat sich geändert. Es gibt weniger Heu als früher. Die Ställe sind den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht. Darum wird das Heu in das Tal transportiert. Die Tiere sind zum Weidegang oben im Juni wie auch September und Oktober. Theres und Jakob hatten früher auch die Heimkühe oben, insgesamt etwa 24 Tiere. Die ganze Familie war auf dem Maiensäss. Wenn nicht der ganze Viehbestand auf der Maiensäss war, musste Jakob jeweils hinunter ins Tal und zu den daheim gebliebenen Tieren schauen. 

Der Vater von Jakob Reich hat die Tiere auf die Tambo Alp bei Splügen gebracht in den Sommermonaten Juli und August. Bei Pro Cresta waren die höher gelegenen Alpen bereits belegt von anderen Bauern. Die Alpgenossenschaft Danatz besitzt mit Parzelle 649 mehr als eine Million m2 Weideland.

Sohn Christian Reich führt die Dreistufenwirtschaft weiter.

D. Eigentum auf Maiensäss Pro Cresta (Stand Februar 2026)

2025 konnte Christian Reich das Grundstück Nr.  1536 (Weideland) im Umfang von 6959 m2 für Fr. 10'000.- (Fr. 1.40 pro m2) käuflich erwerben. Verkäufer war der bekannte Künstler Conrad Jon Godly (Jahrgang 1962). Dieser hat das Maiensäss seines Grossvaters mütterlichseits von seinen Eltern als Erbvorbezug erhalten. Er hatte Christian fast etwas zum Kauf gedrängt. Gemäss bäuerlichem Bodenrecht steht dem Pächter das Vorkaufsrecht zu.

Die zugehörige Hütte Pro Cresta 6 (Gebäude Nr. 244 und der angebaute Stall 244-A auf Parzelle 1699 im Umfang von 1000 m2 ist im Alleineigentum von Claudia von Sprecher, Städtli 2, 7304 Maienfeld. Diese hätten gerne auch das zugehörige Weideland gekauft. Das war ihr wegen des bäuerlichen Bodenrechts verwehrt. Sie konnten die ausgesiedelte Hütte mit angebautem Stall kaufen, auch vom Künstler Conrad Godly.  

An das Grundstück von Christian grenzt Pro Cresta 2 und 4 (Parzelle 1533 im Umfang von 1820 m2) an. Diese Parzelle mit Hütte und Stall (Gebäude-Nr. 421) ist im Besitz der einfachen Gesellschaft Geschwister Patzen Staubli. Cornelia Patzen in Lachen, Karin Staubli in Andeer und Gian-Marc Patzen in Lachen. Laut Theres könnten sie in dieser Hütte noch kochen, was sie aber wegen des damit verbunden Aufwandes nicht macht. Die Hütten sind meist umgebaut und nicht mehr im früheren pflegeleichteren Standard.

Die Parzellen 1704 und 1534 mit Gebäudenummern 246/246A hat in den 50-er-Jahren laut Theres der Fabrikant Rau aus Niederteufen erworben. Er versetzte die Hütte und den Stall und baute beide Gebäude aus. Er pflanzte Föhren an, die aber nicht alle gediehen sind. 

Heute sind die Besitzverhältnisse wie folgt:
Pro Cresta 8  Parzelle 1704 im Umfang von 3802 m2 mit Gebäude 246 ist im Miteigentum von Remy und Patric Bänziger, sowie Simone und Dominic Rau, alle mit verschiedenen Adressen in Brütten und Zürich. Diese Parzelle grenzt an jene von Christian an. 

Pro Cresta 10 Parzelle 1534 mit Gebäude 246-A ist stark bewaldet. Die Parzelle umfasst 3033 m2 und ist im Besitz (2025) zu je 1/3 im Miteigentum von Sabina Marti, Linthal, Tilo Rau, Goldach und Wanda Rau, O'Connor.


 




E. Bemerkungen zu einzelnen Stationen von Theres:

Zwei statt drei Jahre Flade in St. Gallen:

Unsere Mutter meinte, es kämen noch jüngere nach, die auch eine Ausbildung benötigen. Theres konnte die 3. Sek. nicht mehr besuchen, obwohl die Nonnen in St. Gallen ihr das Schulgeld erlassen hätten. Mutter meinte, das Bahn-Abo und die Nahrung würden weiterhin anfallen. 

Die Aussagen von Mutter zur 3. Sek. von Theres erstaunen. Mit Jahrgang 1945 musste dies im Jahre 1959 gewesen sein, als 14-Jährige. Der ein Jahr jüngere Tony ging nicht gerne zur Schule und war froh, als er mit der Lehre beginnen konnte, und Sepp ging nach der Schule arbeiten. Catherine mit Jahrgang 1948 war damals 11 Jahre alt. Sie ging nach der 6. Primar auch in die Flade. Das Seminar in Menzingen haben ihr Martha und Theres bezahlt. Schwester Martha Guerra meint, es sei einmal etwas mit einem Hotel in Einsiedeln gewesen. Dort hätte die ganze Familie mithelfen müssen. 

Haushaltlehrjahr in St. Gallen:

Theres war von April 1960 bis Oktober 1961 im Haushaltlehrjahr und anschliessend ein halbes Jahr Angestellte bei der Familie German in St. Gallen.
Während der Ausbildung besuchte sie jeweils an einem Nachmittag pro Woche die Frauenarbeitsschule.
Sie hatte Fächer (Stunden) wie: Handarbeit (80 Std.), Hauswirtschaft (80), Kochen (80), Muttersprache (50), Vaterlandskunde (30), häusliche Buchführung (10), häusliche Hygiene (10). 
Am 18. September 1961 hat sie die Abschlussprüfung bestanden mit folgenden Auszeichnungen: Kochen praktisch 1.2, Kochkunde 1.5, Hausarbeit praktisch 1, Haushaltkunde 1, Glätten 1.3, Strümpfe flicken 2.3 (Theres meint, sie hätte eigentlich gut flicken können, aber an der Prüfung ist etwas schief gegangen)



Theres auf dem Bauernhof in Dänemark:

Die Chefin und der Schweineknecht besuchten einmal pro Woche einen Englischkurs. Theres wollte auch englisch lernen und sie nahmen sie mit. Nach dem Kurs sassen alle zusammen, tranken, redeten. Theres meint, sie sei schüchtern gewesen und alle um sie herum hätten dänisch gesprochen. Manchmal machten sie auch Volkstänze. Die Chefin sagte, nach sechs Wochen könne sie besser Dänisch als ihre Vorgängerinnen nach einem halben Jahr. Theres ist von Herbst bis Herbst geblieben. Üblicherweise sind die Schweizerinnen nur im Sommer geblieben.

Theres in der Paulusakademie Zürich-Witikon:

Der Bau von Architekt Justus Dahinden an der Carl-Spitteler-Strasse 36 war zur Zeit der Bewerbung von Theres in der Fertigstellung.

Theres und die Hausbeamtin hatten das Heu nicht auf der gleichen Bühne, so kündigte Theres beim Generalvikar. Dieser wollte ihr mehr Lohn geben, Theres gefiel aber das Klima nicht. Ein Jahr dauerte der Einsatz. 


Theres nimmt 1992 Teilzeitarbeit auf:

Jakob und Theres beschäftigten auf dem Bauernhof einen Knecht. Er kam aus Jugoslawien. Nach Ausbruch des Krieges in Ex-Jugoslawien konnte er nicht mehr nach Hause. Sie beschäftigten ihn aus Menschlichkeit weiter – über das ganze Jahr – was nicht vorgesehen war. Dies belastete das Budget, sodass Theres eine Teilzeitarbeit annahm, vorzugsweise während der Nacht.

Ehemann Jakob Reich, geboren 6. September 1944, gebürtig von Schleusi GR:

Jakob wuchs in Cazis mit Geschwistern auf. Er hat den Landwirtschaftsbetrieb auf- und ausgebaut.
Wegen einem Pferd hat er das rechte Auge verloren und war deshalb von der Militärpflicht befreit – allerdings zu seinem Bedauern.
Er war Präsident der Milchgenossenschaft bis ca. 1993, als auf Hofabfuhr umgestellt worden ist.
Er unterstützt seinen Sohn Christian auf dem Hof.

Älterer Sohn Christian Reich, geboren 30. Dezember 1980:

Christian besuchte den Kindergarten und die obligatorischen Schuljahre in Cazis.
Anschliessend machte er die Lehre als Zimmermann bei der Flütsch AG in Thusis. Er arbeitete im Prättigau, in Luzern, in Basel, etc.
Mit Kollegen bereiste er Australien.
Die Rekrutenschule absolvierte er in Genf bei den Rettungstruppen.
Ab 2008 machte er eine berufsbegleitende Ausbildung zum Landwirt, während er bei Hans Battaglia in 7426 Flerden GR als Zimmermann arbeitete.
2015 übernahm Christian den Landwirtschaftsbetrieb von seinen 70-jährigen Eltern. Nebenbei arbeitete er zuerst bei Hans Battaglia (altershalber aufgehört) und später bei der Landschaftsgärtnerei in Cazis.

Jüngerer Sohn Julian Reich, geboren 18. November 1982:

Julian Reich ist in Cazis GR geboren und zur Schule gegangen. Das Gymnasium besuchte er in Disentis und anschliessend die Universität in Basel. Seit Abbruch seines Germanistikstudiums arbeitet er als Journalist bei Somedia in Graubünden. Ab 2007 hatte er das Kulturressort des Bündner Tagblatts inne. Ab September 2014 übernahm er die Fachstelle für kulturelle Angebote. Er ist Ko-Autor eines Kulturführers über die Region Viamala (Passland Viamala, Rotpunktverlag, 2021) und hat das Wanderhörspiel ‘Ein Stein über den Splügen' verfasst. Seit 2018 ist er Redaktionsleiter des Magazins Terra Grischuna. Julian machte eine Weiterbildung im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Sporadisch sind seine Erläuterungen in den Südostschweiz-Medien zu lesen.











G. Fotos vom Familien- und Hofleben  


Theres Reich, ein Jahr alt, auf den Armen einer Schwester. Mutter wurde rund um die Geburt von einer Sarner Schwester unterstützt. Vom 'Model' her könnte es auch Theres Neff sein. Theres Neff wohnte oben an der Rothalde (Tochter von Weidseppe Sepp), 1946 vor der Haustüre Steigbach 80, Bühler.

 Bruder Tony kam einen Monat später, am 22. Juli 1946, zur Welt.



Theres im Laufgitter. 1946 vor dem Elternhaus. Foto Josef Inauen (Jona), wahrscheinlich am Tag der Beerdigung von Theres' Grossmutter im Dachsböhl.

 Grossmutter ist am 23. Juni 1946 gestorben. 


Theres Reich-Wild hinten in der Mitte. Links Sepp, rechts Tony, vorne Catherine. Mai 1951. Die vier Kinder gehen zu den Grosseltern im Schönbühl Teufen. Aufnahme auf dem Weg beim Haus. Im Hintergrund der Kirchturm der alten Kirche Teufen oben am Lindenstich. Am 24. Mai 1951 kommt ihr Bruder Niklaus auf die Welt. Zur Schonung der im Elternhaus gebärenden Mutter Maria Wild-Büchel sind die noch nicht schulpflichtigen Kinder bei den Grosseltern mütterlicherseits.

 

Am 15. November 1979 heiraten Theres Wild und Jakob Reich. Die Treuzeugen Irene Reich und Joe Schuler (Coiffeur) stehen hinter ihnen.

 


Hochzeit von Theres und Jakob Reich-Wild am 15. November 1979. Veronika und Niklaus Wild-Lüscher. Irene Reich und Joe Schuler. Jano Felice Pajarola 5.5.1975, Andreas Wild, Giulio und Maria Brabetz-Wild.

Zur Hochzeitsfoto: Jano Felice Pajarola, geboren 5. Mai 1975, ist der Sohn von Anna Rosa Pajarola-Reich, der Schwester von Jakob Reich. Beruflich ist er (Stand 2025) Journalist bei Somedia. 


Taufe von Julian Reich, geboren am 18. November 1982. Cousin Jano, Cousine Andrea, Nana/Grossmutter Anna Reich-Rizzi mit Julian auf dem Arm, Christian Reich. Januar 1983.

 


Am 12. Mai 1981 auf dem Balkon Kirchenstutz 5 in Cazis. Zweite Familienwohnung im Dorf. Auf dem Rückweg von der Beerdigung der Mutter Maria Wild-Büchel. Consuelo, Martha Guerra-Wild, Antonio, Esmeralda. Jakob Reich, Christian, Theres Reich. Die beiden Schwestern mit ihren Kindern.

 

Gandolf Wild mit Christian Reich am 15. Mai 1982. Bei Tony Wild im Eggli 373 in Teufen AR.

 


Christian (geboren am 31. Dezember 1980) mit seinem Vater Jakob Reich im März 1982. Sonntagsspaziergang in Cazis.

 

Christian Reich, Gandolf Wild, Christian Winteler, Fine Inauen-Dähler. Erstes Familientreffen nach Mutters Tod. Restaurant Bahnhof, Bühler, 1982.

 


Theres Reich-Wild hantiert mit dem Melkgeschirr. Cazis im April 1981. Das heisse Wasser zum Reinigen des Milchgeschirrs musste von der Wohnung Kirchenstutz 5 zum Stall im Oberdorf 27 getragen werden.

 


Stall im Oberdorf 27 in Cazis (heute ein Mehrfamilienhaus), obere Einfahrt. Dezember 1987

 

Jakob Reich mit dem Rapid am Mähen. Maiensäss Pro Cresta 6, Scharans, im August 1983

 

Theres Reich-Wild schnürt das Bordi. Maiensäss Pro Cresta 6, Scharans. Bergheuet 1980

Damals mussten sie das Heu auf diese Art holen. Es gab keinen Zugang von der Strasse her für ein Gefährt.  


Jakob Reich auf der Maiensäss Pro Cresta 6 nimmt das Heu auf. 1980

 


Jakob Reicht trägt das Heu. Pro Cresta 6, 1980.

 

Im März 1987 steht das Baugespann für den neuen Hof Frankriech in Summaprada.

 


Christian Reich vor dem Stall Frankriech, damals im Bau. ca. 1988. Ab 2015 besitzt und betreibt er den Bauernhof.

 


Stallbau für den Hof Frankriech in Summaprada. Faredin, Jakob, Julian und Theres Reich-Wild. 1988

 


Hof Frankriech 1988. Neues Wohnhaus und Stall.

 


Brunch am 1. August 1995 auf dem Hof Frankriech.

 


Geschwister Monika Bucher-Wild, Theres Reich-Wild, Niklaus Wild-Lüscher. Hof Frankriech Summaprada. Juli 1998

 



 


Sonntagsausflug im August 1989. Alp Flix beim Marmorea Stausee. Jakob mit seinen beiden Söhnen Julian und Christian sowie seinen Cousinen Andrea und Alexandra.

 Theres war auch dabei und machte das Foto.


Burgruine Obertagstein auf 1150 m ü. M. oberhalb Thusis GR. Julian, Theres, Christian Reich. ca. 1992

 


Am 8. September 2009 häckselt Christian Reich schönen und hohen Mais. Hof Frankriech Summaprada bei Cazis, Thusis.

 



 



 


 




 



 


Theres Reich inmitten ihrer vier Schwestern Monika Bucher, Catherine Winteler, Maria Brabetz, Martha Guerra. Kapelle Betlis, 15. Juni 2019. Familientreffen Betlis/Amden.

 



 

Theres Reich-Wild. Nollen. 5. Mai 2022 (Beisetzung Gandolf)

 

Theres und Martha mit Gandolf, in Assisi. September 1998. Monika und Werner Bucher (50. Altersjahr) waren auch dort. Gandolf war dort an einem Kongress. 

 




H. Kurzgeschichtlicher Überblick zu Cazis
(aus dem Historischen Lexikon der Schweiz):

Im Raum Cazis sind jungsteinzeitliche Siedlungen durch zahlreiche Funde nachgewiesen.
Zur Römerzeit führte der Transitweg vermutlich dem Heinzenberg entlang in die Viamala.
Um 840 wurde der Heinzenberg erstmals erwähnt als Teil des Ministeriums Tumiliasca.
Im 12. Jahrhundert war das Kanonissenstift Cazis mit seinen fünf Grosshöfen der wichtigste Grundbesitzer der Region. Im 14. Jahrhundert erfolgte die Besiedelung von Tschappina durch deutschsprachige Walser. Die Burg Heinzenberg bei Präz, welche der linken Talseite
des Hinterrheins den Namen gab, wurde Sitz der Freiherren von Vaz. 1338 folgten ihnen die Grafen von Werdenberg-Sargans und wenige Jahre später die Freiherren von Rhäzuns. Die Herrschaft Heinzenberg kam 1475 an den Bischof von Chur. Die Gerichtsbarkeit von Flerden, Portein, Präz, Sarn, Urmein, Thusis und Tschappina wurde durch den vom Bischof ernannten Ammann ausgeführt. In Portein lag die niedere Gerichtsbarkeit bei freien Bauern. Im 18. Jahrhundert lag im Grauen Bund die Gerichtsbarkeit bei Thusis.
Ab 1525 schlossen sich ausser Cazis und einer Minderheit von Tartar die Bewohner der Region Heinzenberg der Reformation an.


Das Gebiet rund um Cazis. In der Gemeinde Scharans (2) befindet sich das Maiensäss Pro Cresta am Nordhang vom Piz Scalotta, in Summaprada liegt der Hof mit dem 1988 erstellten Stall und Wohnhaus (7). In der Klinik Beverin (19) hat Theres gearbeitet und in Cazis (17) hat ihre Familie Wohnsitz.

 

 Informationen zur Maiensäss Pro Cresta


Pro Cresta 6 ist Hütte mit dunklem Dach. Das Land von Christian Reich liegt zwischen den Hütten mit hellem und dunklem Dach. Stand 2026.

 


Pro Cresta in der Gemeinde Scharans. In Bildmitte liegt Grundstück von Christian Reich. Maiensäss Pro Cresta.

 


Parzelle von Christian reich rot umrahmt. Weideland mit einer Fläche von 6959 m2 in der Gemeinde Scharans. Pro Cresta 6 ist die Hütte auf Parzelle 1699.

 


Parzelle 1536 im Eigentum von Christian Reich. 6959 m2. Scharans.

 

Waldweideregelung von der Gemeinde Scharans für Pro Cresta-Sura. Die rot umrandete Fläche wird von Christian Reich und wurde früher von Theres und Jakob bewirtschaftet. 2022.

 

Aussicht von Pro Cresta 6 ins Domleschg. Juli 2010. Annabelle.

 


Pro Cresta 6 im Sommer 2010. Umgebaute Hütte und Stall. Foto Annabelle.

 


Pro Cresta 6, 2010 umgebaut von damaligem Besitzer Conrad Godly, 2025 verkauft an Claudia von Sprecher mit 1000 m2 Land.

 


Pro Cresta 6, Esstisch. Boden ist 20 cm abgesenkt gegenüber vorherigem Zustand. Aufnahme Juli 2010. Annabelle schreibt über Godly.

 

Anmerkungen zur Broschüre:
Auslöser für diese Broschüre: Der um sechs Jahre jüngere Bruder von Theres schenkte seinem zweiten Enkel Gabriel zu seinem 11. Geburtstag ein Buch über die Grosselternphase. Dort beschrieb er seine acht Geschwister und stellte dabei fest, dass er wenig Gesichertes über sie weiss. Bei Theres waren drei Berufe und drei Arbeitswelten zu beschreiben. Fasziniert hat ihn die Drei-Stufen-Wirtschaft, vor allem die Bewirtschaftung und die zeitaufwendige Verschiebung der Tiere – vier Mal vom Tal auf das Maiensäss und vier Mal hinunter, jeweils einen ganzen Tag lang. Am Maiensäss Pro Cresta wird zudem der Druck aus dem Unterland spürbar wie auch die Zerstückelung und Umnutzung des Eigentums.
Weitere Informationen zu den ‘Wilden’ sind auf der Plattform ‘meet-my-life.net’ unter Niklaus Wild zu finden oder in seinem Buch ‘Afrika, die Erweckung für einen Appenzeller’, Edition Unik, 2025, aufbewahrt im Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich.

Fotos sind aus dem Besitz von Theres und wurden digitalisiert. Text und Fotolegenden besprochen am 3. Februar 2026 im Café Maron in Chur mit Theres.

1. Auflage: 1 Probeexemplar bei Copyprint Zürich HB im März 2026
2. Auflage: 10 Exemplare für Geschwister und Familie Theres, Druck Bookfactory Mönchaltorf, Papier Magno Satin 200 gr. / m2, Bindung Wiro

Verfasser: Niklaus Wild, n.wild@alumni.ethz.ch

Zürich, Juni 2026


Zur Entstehung der Broschüre:
Die Broschüre war die erste dieser Art, nämlich PDF to Book. Den Text hatte ich auf der Plattform meet-my-life geschrieben. Zuerst stand für mich nur der Text im Vordergrund. Deshalb war kein Fotobuch geplant. Ich wollte es für Theres auf einfache Art drucken, z.B. mit einem PDF als Grundlage. Bei meet-my-life kann ich nur entweder ein PDF erstellen oder eine WORD-Datei exportieren. Seit 2009 arbeite ich mit Apple Produkten. Ich musste extra ein Abonnement bei Microsoft kaufen (Fr. 99.- pro Jahr), damit ich den auf der Plattform geschriebenen Text und die Fotos und deren Legenden in ein WORD-Dokument verschieben konnte. Das hat geklappt. Ich konnte das Dokument weiter bearbeiten, wenn auch mühsam für mich, weil ich keine Übung hatte. Mein Ziel war eine A5-Broschüre. Bei Bookfactory kam immer die Meldung, die A4-Vorlage eigne sich nicht für einen A5-Druck. Also lud ich das Dokument bei Copy-Print hoch und liess ein erstes Exemplar drucken. Ich konnte es bereits zwei Stunden später an einem Sonntag im Hauptbahnhof abholen. Die 43 Seiten kosteten Fr. 69.60.  Ich war froh um dieses Probeexemplar. Die Klebebindung fand ich unpraktisch wie auch die klare harte Folie zuvorderst. Der Preis war auch respektabel. Ich wechselte auf das Produkt PDF to Book bei Bookfactory. Beim Hochladen meldete das System bei einzelnen Fotos eine zu tiefe Auflösung. Diese musste ich verkleinern oder weglassen. Ich wählte starkes Papier, Format A4 und Wiro-Bindung. So kann man Seiten aufgeschlagen lassen. Die zehn Exemplare kamen mich mit 20% Geburtstagsrabatt auf Fr. 212.- zu stehen. Ein Exemplar über alles kostete mich demnach um die Fr. 27.-. Mit dem Resultat bin ich zufrieden. 

Mich erstaunt immer wieder, wie klein die Resonanz jeweils auf solche Booklets ist. Die Broschüre im Umfang von 44 Seiten habe ich am 3./4. Juni 2026 der Post übergeben. Mir war wichtig, dass sie vor dem 81. Geburtstag von Theres am 13. Juni 2026 ankommt. Die erste Reaktion habe ich von Bruder Tony am 12. Juni 26 erhalten in einer Antwort auf eine Anfrage zu einer früheren Bewohnerin von Bühler im Alter von Martha Guerra. Als ich Theres am 13. Juni zu ihrem Geburtstag gratulierte, meinte sie, ich mache für jedes Geschwister so eine Broschüre. Sie leitete dies davon ab, weil ich im Mai 26 die Broschüre über Gandolf versandte und im Juni 26 die ihrige. Mich motivierte ihr vielfältiger Lebenslauf und vor allem auch ihr Einsatz als Bäuerin bei der Dreistufen-Wirtschaft. Für mich ist dies der Abschluss der Geschwisterbiografien. Am 14.6.26 bekam ich ein Mail von Catherine und am 24. Juni 2026 eines von meinem Neffen Julian, dem jüngeren Sohn von Theres. Sonst war Funkstille und niemand hat die elektronische Version verlangt, die meines Erachtens besser zum Aufbewahren wäre. 


Taufname, Rufname:

Einen ersten Entwurf der Broschüre habe ich meinem Bruder Tony zum Lesen gegeben. Er sagte, auf der Gemeinde sei im Familienbüchlein nur der Name Theresia aufgeführt. Theres hingegen hat in meinem ersten Text bemerkt, sie sei auf den Namen Maria Theresia (vom Kinde Jesu) getauft. Als Beleg sandte sie mir eine Foto von der Etikette auf dem Behältnis für die Taufkerze, die unser Vater immer von Hand beschriftet hat. Tony meinte, es könne Unterschiede geben zwischen den Kirchenbüchern und den Zivilstandsbüchern. Er würde dem nachgehen.

Auf der Etikette ist zudem aufgeführt, dass Theres um 2.20 Uhr in der Nacht geboren und am Nachmittag um 13.45 Uhr in Teufen getauft worden ist von einem Priester E. Bächtiger.


Taufkerze von Theresia Wild, geboren am 13. Juni 1945 um 2.20 Uhr, getauft am gleichen Tag um 13.45 Uhr in Teufen von E. Bächtiger auf den Namen MARIA THERESIA.

 





Weitere Fotos von Theres und Julians Familie

Am 4. Oktober 1981 im Steigbach Bühler. Denise Bucher und Christian Reich im speziellen Kinderwagen.

 


Die vier Kinder von Julian und Melanie Reich-Gross. Jonas, Lia, Runa, Damian Reich. September 2013. Julian wünscht keine Veröffentlichung (Febr. 2026)

 


Jonas Reich, Sohn von Julian und Melanie Reich-Gross. 2019. Kroatien. Julian wünscht keine Veröffentlichung (Febr. 2026)

 


(Damian im Wagen?), Julian, Runa, Jonas, Melanie, Lia Reich-Gross. Auf ihrer mehrmonatigen Reise. 2013, Andalusien Spanien. Mit Bus mehrere Monate unterwegs. Julian wünscht keine Veröffentlichung.

 


Geschwistertreffen in Appenzell, am Tag nach der Heirat von Karin Leopold-Wild im Eischen. 17. Juni 2018. Maria Brabetz, Tony Wild, Monika Bucher, Gandolf Wild, Schwester vom Kloster Maria der Engel, Theres Reich, Werner Bucher. Für Maria Brabetz war dies der letzte Aufenthalt in der Schweiz.

 


 
























 







Tony Wild-Knechtle, der lokal verankerte
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22.7.  Meine acht Geschwister – Tony Wild-Knechtle, der lokal verankerte.
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Tony, der lokal verankerte

Tony absolvierte nach seinen Schuljahren in Bühler bei Elektro Büchler (neben dem Türmlihaus) eine vierjährige Lehre als Elektromonteur. Er hatte etliche Aufträge bei den beiden Grossbetrieben, der Teppichfabrik Tischhauser AG (TISCA TIARA) und der Textilfirma Eschler AG. Einmal erzählte er auch von einem ‚geheimen‘ Einsatz in einer unterirdischen Anlage in Haslen. Es wurde von einem Spital geredet, war aber eine Kommandozentrale. 

Er heiratete am 26. April 1969 und besuchte die Ausbildung zum eidg. dipl. Elektrikoinstallateur. Die Prüfung bestand er am Freitag, den 7. Dezember 1973,in Luzern. Um das Wissen vom Tod seines Vaters am Vortag wurde er verschont und erhielt erst unmittelbar nach Abschluss der Prüfung während des Mittagessens Bescheid. Zusammen mit Vreni Knechtle, die er am 26. April 1969 geheiratet hatte, gaben sie ihren drei Kindern Daniela, Markus und Christian eine Heimat im Eggli in Teufen. Sie wohnten ab 1973 dort und konnten das Haus 1978 erwerben. Seit 2005 bewohnen sie an der alten Speicherstrasse 1A in einem vorher als Kindergarten genutzten Haus. 

Tony engagierte sich in der Politik. 1988 wurde er als parteiloser in den Gemeinderat gewählt, den er 1996 bis 2000 präsidierte. 1997 wurde er in den Kantonsrat gewählt und hatte dieses Amt von 1998 bis 2003 inne. Tony war von 1977 bis 2011 Betriebstechniker bei der Textilfabrik Eschler AG in Bühler. Als Pensionierter setzt sich Tony unter anderem mit der Familiengeschichte auseinander. 

Am Familientreffen in Cazis am 5. Juli 2025 sagte Tony, im hinteren Keller im Steigbach hätte es jeweils Benzin im Kanister gegeben. Dort hätten sie die Dämpfe eingeatmet bis zum Umfallen. Das Gleiche machten sie bei der Mähmaschine Aecherli. Dort sind sie so auf die Maschine gelegen, dass sie bei Ohnmachtsanfällen hinuntergefallen wären. Ähnliches machte ich mit Schwester Catherine mit dem Rapid von Hans Inauen, meist auf dem Dachsböhl und sind dann angetörnt den Hang hinuntergerollt. 

Tony und Vreni haben einmal mit dem Auto eine Reise unternommen. Sie fuhren mit dem Auto über Basel ins Elsass und machten an einem abgelegenen Ort Pause. Sie liessen alles im Auto. Nach der Rückkehr war alles weg, das Auto aber sauber wie sonst nie. Unter anderem wurde auch ihre Bankkarte gestohlen. Den Dieben ist es gelungen, in kurzer Zeit sein Konto zu leeren und ins Minus gleiten zu lassen. Selber hätte er als Kunde das gar nicht geschafft. Die Diebe konnten die Sicherheitslimiten übersteuern. Die meisten Beträge wurden jeweils in der ersten Viertelstunde nach Mitternacht abgehoben. Damals gab es noch keine Online-Einsicht in das Konto. Der Schreck holte ihn Ende Monat mit der Abrechnung ein. Die damalige Kantonalbank AR hat ihm nur einen Teilbetrag zurückerstattet. Später wurde die AR-KB von der UBS übernommen.

Dieser Vorfall hat mich bestärkt, vom Plastikgeld Abstand zu nehmen. Mit der Familie fuhr ich mit dem Zug nach Venlo in Holland. Mit viel Bargeld bewegten wir uns mit den Velos zur Autovermietung, wo ich ein Auto reserviert hatte. Ich konnte das Auto trotz ca. 6000 Euro Bargeld nicht mieten. Voraussetzung war eine Kreditkarte. Nach jenen Ferien habe ich mir eine Kreditkarte besorgt. Meine Abneigung gegen Plastikgeld wurde von einem Kyburgerkollegen Oskar Gemsch v/o Tenno bestärkt, der bei der Credit-Suisse an der Entwicklung des PIN-Codes beteiligt war. Er selber fand die ganze Sache aber zu unsicher und hatte auch keine Bankkarte zum Abheben von Geld am Automaten mittels Eingabe des PIN-Codes.

Nach der Pensionierung hat Tony zuerst den Stammbaum seiner Familie und jener von seiner Frau Vreni aufgebaut und nachgeführt. Er hat mehr als 1000 Datensätze erfasst. Dies ist ein reichhaltiger Fundus. Später hat er über Kirchenbücher und auch Grundbuchakten die Wohnorte der Vorfahren erkundet. Dank seinen Forschungen kann ich über Dinge berichten, die ich sonst nicht wüsste.

Am 16. Oktober 2025 schreibt er mir zu diesem Thema: 'Da unsere Familien, ausser der Grossmutter Metzger, St. Galler und Innerrhoder sind, war das relativ einfach: Die St. Galler (und Ausserrhoder) kann man bis 1876 im Internet direkt einsehen. In Innerrhoden nicht, aber da hab' ich alle Bücher bis 1876 fotografiert. Im Zivilstandsamt Appenzell kann ich die Familienbücher selbst anschauen und habe alle relevanten Blätter fotografiert. Ich habe jetzt etwa 2500 Familienblätter bei mir, schön alphabetisch sortiert. Zudem knapp 10'000 Seiten mit je etwa 30 Datensätzen zu Geburten, Ehen und toten. Verrückt, aber es ist so!' 

Er hatte auch die Idee, nach dem Tod unserer Mutter im Jahre 1981 einen Teil des Erbes nicht zu verteilen, sondern für die Verköstigung des jährlichen Familientreffens einzusetzen. Somit hat er die Grundlage gelegt für unsere Treffen zu Lebzeiten und nicht erst an den Beerdigungen. Ihm gelingt es dank seinen vielen Informationen undatierte und unkommentierte Fotos einzuordnen und mit Namen und Daten zu versehen.

Seine Frau Vreni Knechtle ist in Teufen mit vielen Geschwistern aufgewachsen. Ihre Schwester Klärli Klarer-Knechtle ist am 7. Oktober 2025 mit 93 Jahren gestorben. Sie und ihr Mann Sepp waren eine Art Ersatzeltern von Vreni. Sie waren auch ihre Trauzeugen. Weitere Schwestern (ca. Jahrgang): Theres 1925, Maria 1930, Klärli 1932, Milli 1936, Vreni 1947.

Josef Heule war ihr Traupriester. Er ist am 31. Juli 1935 geboren und wohnt (2025) im Altersheim in Kirchberg SG. Als ich in Teufen Ministrant war, war Josef Heule ein 'moderner' Priester, der uns umsichtig betreute. Ich hatte seine Gottesdienste und Ausflüge gerne.

2025 hat er im Auftrag einer Familie 50 Exemplare eines Stammbaums in einer Druckerei herstellen lassen. Das Ausgangspaar ist 1900 geboren und hat bis 2025 300 Nachkommen in vier Generationen. Die älteste noch lebende Person wird im Februar 2026 100 Jahre alt und das jüngste steht kurz vor der Geburt. Bis anhin hat Tony die Stammbäume jeweils auf A3-Papier ausgedruckt und die Blätter zusammengeklebt. Bei diesem Auftrag ist er mit dem geklebten Musterexemplar in die Druckerei des Appenzeller Volksfreundes nach Herisau gefahren. Das Dokument wird etwa 6 m lang und A4-hoch. Es wie ein Leporello gefaltet. Auf Fotos in den Stammbäumen hat er bewusst verzichtet, denn es ist wie der Denkmalpflege, soll es von der Jugend oder vom Alter sein. Fotos sind separat je nach Qualität für die Nachwelt aufzubewahren.

Tony und Vreni sind gut vernetzt. Ihre drei Kinder wohnen in der Nähe, Markus in Teufen, Christian in Trogen, Daniela in Waldkirch. Von der Jugend her hat er seine Kollegen Vroni und Hans Zeller sowie Regina und Bernhard Fürer (sein Vater hatte eine Schreinerei in Bühler beim Friedhof).



Vreni, Daniela und Tony Wild-Knechtle. In der Schwägalp am 7. Juli 1973 an der Hochzeit von Catherine & Joe Winteler-Wild.

 


65. Geburtstag von Maria Wild-Büchel im Schützengarten Bühler. Markus, Vreni, Tony, Gandolf, Mutter Maria Wild, Veronika Lüscher (Verlobte von Niklaus). Pfingstmontag 1978.

 


Taufe von Christian Wild, geboren 9. März 1976. Markus, Vreni, Mutter Maria Wild-Büchel, Tony mit Daniela. Christian hat am gleichen Tag Geburtstag wie seine Grossmutter.

 


Familientreffen 1991, Restaurant Hohe Buche Bühler. Niklaus, Gandolf, Tony Wild.

 

Michel Mahr und Daniela Wild mit Jean Luc. 2005

 


Tony und Vreni Wild-Knechtle mit Jean-Luc Mahr. 2005

 




Juni 2012. Familie von Tony und Vreni Wild. Gandolf ca in der Mitte zwischen zwei Stangen, hinter Vreni. Taufe im Clan.

 

Ausflug der Kernfamilie an den Bodensee. Markus, Daniela, Christian, Vreni, Tony Wild-Knechtle. 18. Mai 2019, Gegend von Hagnau - Meersburg.

 

Vreni Wild-Knechtle, Vroni und Hans Zeller, seine Gotte Käthi die im Februar 2026 100 Jahre alt wird, Tony Wild und Josef Heule, unser Traupriester am 26. April 1969. Er feierte am 31. Juli 25 den 90. Geburtstag! Aufnahme 22.5.2025. Käthi und Josef wohnen im gleichen Altersheim in Kirchberg SG.

 

Geschichten zu Tony:
In einem Text schrieb ich bei Theres: sie wurde getauft auf den Namen Theresia. So steht es im Datensatz 17 des von Bruder Tony erstellten Stammbaums. Theres schrieb, sie sei auf Theresia Maria getauft und belegte dies mit den Notizen des Vaters auf der Taufkerze. Darauf schrieb Tony: Bevor die Grossmutter im Dachsböhl starb [23. Juni 1946], war unsere Mutter mit dem noch unbekannten Toneli hochschwanger. Die Grossmutter wünschte sich, dass das Kindli ihren Namen, also Katharina Josefa, bekommen soll. Am 22. Juli 1946 kam dann aber ein Büebli zum Vorschein, aber kein Name. Dann hätten sie mir eben den Namen des Dachsböhl-Grossvaters Johann Anton gegeben (amtlich), wollten aber den anderen Grossvater Johann Gallus auch berücksichtigen. Ich heisse also Johann Anton Gallus (kirchlich). Das könnte ja bei Theres auch so gewesen sein?! Die Grossmutter hiess ja Maria Aloisia.
Wenn ich einmal im Kirchenarchiv bin, dann schaue ich nach unseren kirchlichen Vornamen! [Geschrieben im April 2026]

 

Catherine Winteler-Wild, die ruhige
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22.8.  Meine acht Geschwister – Catherine Winteler-Wild, die ruhige.
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Catherine, die ruhige

Catherine Winteler-Wild wurde 1955 eingeschult bei Lehrer Hassler, hatte in der 3. und 4. Klasse Lehrer Nydegger und dann in der 5. und 6. Klasse den neuen Lehrer Steiner direkt ab dem Lehrerseminar. Den freiwilligen Kindergarten besuchte sie nicht. Nach der Primar ging sie 1964 bis 1986 wie ihre Schwestern in die Mädchensekundarschule Flade in St. Gallen. Anschliessend liess sie sich zur Lehrerin ausbilden am Lehrerinnen-Seminar Menzingen, finanziell unterstützt von ihren Schwestern Maria und Martha. Zuerst gab sie in Ettingen BL Schule, später an ihrem Wohnort Kaiseraugst AG bis zu ihrer Pensionierung. Am 7. Juli 1973 heirate sie Joe Winteler in der Kapelle auf der Schwägalp mit Hochzeitsfest im Lindensaal in Teufen. Es war der Tag der Einweihung der Umfahrungsstrasse von Teufen, die unten an der  Steinwichseln, wo Tante Bertha Tanner-Wild wohnte, vorbeiführte. Catherine und Joe haben in Kaiseraugst in der Siedlung Liebrüti die beide Kinder Nicole und Christian aufgezogen, die mit ihren Familien auch im Raum Basel wohnen.

Die Siedlung Liebrüti war damals eine Vorreiterin für grössere Überbauungen. Es hatte Kinderhort, Kindergarten, Schule, Einkaufsmöglichkeiten, Anschluss ans Busnetz, etc. Es war ein Dorf im Dorf.

Catherine war für mich eine Leseratte. Es ist anzumerken, dass ich bis zu meinem 12. Lebensjahr gefühlt nur ein Buch ohne Bilder gelesen habe. Nachher habe ich einmal ein Karl-May-Buch gelesen, weil in der Familie andere diese verschlungen haben und etliche Bände umherlagen. 

Catherine ist eine ruhige überlegte Person. Für Ihre Advents- und Festtagsgrüsse hat sie Jahr für Jahr etwas gebastelt. Ich staunte immer, wieviele Ideen ein Mensch haben kann. Im Jahr 2023 hat sie etwas Grösseres gemacht. Joe und Catherine mussten es als Paket versenden. Joe hat mir gesagt, sie hätten 37 solche Päckchen versandt. 

 

 

Catherine Winteler-Wild umarmt ihre Geschwister Monika Bucher-Wild und Niklaus Wild. Steigbach 80, ca. 1963.

 

April 1970, meine Schwester Catherine Winteler-Wild, geb. 1948

 


Vor der Kapelle auf der Schwägalp. Hochzeit von Catherine und Joe Winteler. v.l.n.r.: ?, Mutter Maria Wild-Büchel, Catherine und Joe. Alexandra Binggeli-Wild und Andreas Wild-Rusch. 7. Juli 1973

 


Hochzeit von Catherine und Joe Winteler. Schwägalp unterhalb vom Säntis. Catherine, Joe, Alexandra, Andreas, Trauzeugen Vreni und Tony Wild-Knechtle. 7. Juli 1973.

 


Christian Wild und Catherine Winteler-Wild. 1978, am 65. Geburtstag von Mutter Maria Wild-Büchel in Bühler (Schützengarten)

 

 

Juli 1975: Gandolf Wild und seine Schwester Catherine Winteler-Wild mit drei Massai.

 


Juli 1975: Schwester Catherine Winteler-Wild und Gandolf Wild

 

Taufe von Nicole Winteler. Gandolf Wild, Götti, Gotte mit Nicole, Gross-Mutter Maria Wild-Büchel, Mutter Catherine Winteler-Wild, Vater Joe Winteler. 1978

 


Gandolf Wild mit seiner Nichte Nicole Winteler nach der Taufe. 1978.

 


Catherine und Joe Winteler im Tiergarten 50 in Zürich am 30. Dezember 2021 beim Dessert.

 


50. Hochzeitstag von Catherine und Joe Winteler mit Familie und Trauzeugen. Sohn Christian, Nicole, Catherine mit Elif, Joe mit Naim, Taskin Akyüz, Tony und Vreni Wild-Knechntle, Helena Grüter. Juli 2023. Waldhaus beider Basel, In der Hard, Birsfelden BL.

 


Niklaus Wild und Catherine Winteler beim Wandern in der Gegend von Maria Stein. August 2022.

 



Besonderes von Catherine und Joe:
An der Wanderung im August 2022 erkundeten wir Jugendstationen von Joe Winteler. Er ist in Metzerlen aufgewachsen. Wir trafen dort eine Frau, in dessen Bauernhaushalt seine Familie gelebt hat, als Joe ein Bube war. Später musste Joe erleben, wie sein Bruder von den Eltern bevorzugt worden ist. Als junger Berufsmann koppelte er sich vor allem vom Vater ab und später von der Familie. Er jedenfalls schätzte das Zusammensein mit unserer Familie. Er hat kaum ein Familientreffen der Wilden ausgelassen. Am Treffen in Teufen, wo wir auch übernachtet haben, hat Joe in grösserer Runde von seiner Jugend erzählt. Es war ergreifend. Vor diesem Hintergrund habe ich schon damals meine Jugend in einem anderen Licht gesehen.

Am 5. April 2026, am Ostersonntag, kamen wir auf dem Nollen zum Gedächtnis von Gandolf zusammen. Mir ist aufgefallen, wie zurückhaltend sich Joe verhalten hat. Am 15. April 2026 ging er geplant um 5.30 Uhr mit dem Taxi ins Spital zu einem Untersuch. Er leidet unter chronischer Sinusitis. Um 13 Uhr Hatte er eine akute respirtorische Generalinsuffizienz, was ein lebensbedrohlicher Notfall ist. Zum Glück ist es im Spital passiert.

Monika Bucher-Wild, die die Energien spürt
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22.9.  Meine acht Geschwister – Monika Bucher-Wild, die die Energien spürt.
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Monika, die die Energien spürt

Monika Bucher-Wild absolvierte alle Schulklassen in Bühler. Sie wurde 1961 eingeschult, ohne vorgängigen Besuch des freiwilligen Kindergartens. In der 1. und 2. Klasse hatte sie die junge Ursula Schmid als Lehrerin. Sie und Ruedi Steiner wurden später ein Paar. Zu ihrer Zeit unterrichtete Ruedi Steiner die 7. und 8. Real-Klasse. Monika ging zu anderen Lehrern in die Sekundarschule in Bühler, eher zu den Herren Gerster und Hassler. Sie war das einzige Mädchen in der Familie, das nicht in die Flade nach St. Gallen ging.  

Nach der 3. Sekundar absolvierte sie bei einer Familie in Kirchberg das Haushalt-Lehrjahr. Sie konnte nicht viel nach Hause. 

Monika wollte Krankenschwester werden. Zur Überbrückung bis zu ihrem 18. Altersjahr arbeitete sie in Sion als Schwesternhilfe im Spital, u.a. auch auf dem Notfall.

Sobald sie 18 Jahre alt war, liess sie sich in Luzern 1972-1975 zur Krankenschwester ausbilden. Während ihrer Ausbildung wurde das heutige alte Spital neu erstellt. 

Sie heiratete Werner Bucher am 10. Juni 1977. Sie wohnen in Emmenbrücke und haben die Kinder Peter und Denise grossgezogen. 

Monika hat 30 Jahre in Teilzeit im Alters- und Pflegeheim Emmenbrücke gearbeitet. 

[Ich mag mich erinnern, dass wir einmal in Teufen oder Bühler bei einem Fest an einem Tisch sassen und Monika mit Leuten auf Französisch sprach. Ich brachte kein Wort heraus, obwohl ich schon einige Jahre Französisch am Gymnasium hatte. Kyburger Kurt Venzin v/o Schuss überbrückte die Zeit von der Primarschule ins Gymnasium mit einem Aufenthalt in Estavayer-Le-Lac. Er sagte, so hätte er in Französisch bereits eine gute Note auf sicher gehabt.]

[Ein Beispiel zum Thema Energie spüren im Emma-Kunz-Zentrum Würenlos. Wer das grosse Tor durchschreitet, kommt augenblicklich zur Ruhe. Es ist still und es herrscht eine besondere Atmosphäre. Im Gebiet der Grotte hört man nur noch den Wind und Vogelgezwitscher. In der Grotte selbst wurden zwischen 8000 und 22000 Bovis-Einheiten gemessen. In Bovis-Einheiten wird in der Radiästhesie die Stärke der Lebens- oder feinstofflichen Energie angegeben. Emma Kunz selbst kam regelmässig nach Würenlos, um in der Grotte ihre Batterien wieder aufzuladen, wie sie selbst sagte. Meine Schwester Monika spürt diese Energien stark. Sie sagt, sie hätte nicht an der hinteren Wand stehen können. Mit einer Kundin besuchte ich auf ihren Wunsch diese Grotte. Ihr ging es ähnlich wie Monika, ich hingegen konnte problemlos an der Wand stehen. Vor diesem Hintergrund kam ich zum Schluss, dass wir Menschen wirklich unterschiedliche Fähigkeiten haben. Ich bewunderte meine Schwester immer und erzählte anderen Leuen von ihren Fähigkeiten, was ihr nicht immer gefiel.]


Monika in der Haustüre ihres Geburts- und Elternhauses Steigbach 80 in Bühler AR. ca. 1978

 



 

Mai 1969, meine Schwester Monika Bucher-Wild, geb. 1954

 


Monika Bucher-Wild, ca. 1980?

 


An der Landsgemeinde 1980 trägt Monika Bucher-Wild (rechts) ihre Appenzeller-Tracht. Sie ist in Luzern Mitglied des Appenzeller-Vereins.

 


Am 10. Juni 1977 heiraten Monika Wild und Werner Bucher.

 


Hochzeit am 10. Juni 1977. Catherine Winteler, Wild, Maria Wild-Büchel, Monika Bucher-Wild (Braut), Sepp Wild, Werner Bucher, Theres Reich-Wild, Niklaus Wild, Martha Guerra-Wild, Tony Wild

 


Kolleginnen während der Ausbildung am Kantonsspital Luzern. Monika Wild hinterste Reihe in der Mitte. 1975.

 


Monika Wild in Ausbildung am Kantonsspital Luzern. 1972 bis 1975.

 


Monika und Werner Bucher beim Wandern auf der Rigi (mit Mutter Maria Wild-Büchel), In der Zeit 1977 bis 1981.

 


Monika Bucher-Wild mit ihrer Mutter Maria Wild-Büchel auf der Rigi. In der Zeit 1977 bis 1981.

 


4. März 1917 bis 18. März 1980. Schwiegervater Hans Bucher, Mosshüsli 5, Emmen.

 


Am 14. Juni 2014 auf dem Schiff in Luzern. Monika und Werner Bucher haben die Familien Wild-Büchel auf die Rundfahrt eingeladen. Tochter Denise Bucher, Monika Bucher, Yara und Alessia Bucher, Töchter von Sohn Peter Bucher.

 

Monika Bucher-Wild, Emmenbrücke, Datum?

 


Werner Bucher trägt die Appenzeller-Tracht bei Tony Wild in Teufen. Datum?

 

 Monika Bucher-Wild am See in Luzern. 5. November 2025. Am Vormittag sichtete sie im Provinzarchiv der Kapuziner Dokumente ihres verstorbenen Bruders Gandolf.

 

Treffen der Familien Wild-Büchel
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23.  Treffen der Familien Wild-Büchel
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Familientreffen 2024 in der Fischerhütte am Zürihorn

[Oase des Schreibens, RMO PSZH, 25. März 2024]

Dieses Kapitel ist nicht stringent, es hat Wiederholungen und es fehlen Informationen zu: Ravenna 2013, Monika 2014, 2015 Cazis, fotobüchlein, 2016 Tony, 2017 Wil, etc. Doku 20250714 sind formulierte Textteile vorhanden

Meine Mutter ist in meinem 30. Lebensjahr unerwartet gestorben, acht Jahre nach dem Vater.
Mein fünf Jahre älterer Bruder hatte noch einen Kredit offen bei ihr und schlug vor, wir könnten uns jedes Jahr als Familie treffen und er würde das finanzieren bis der Kredit abbezahlt sei. So würden wir uns lebend sehen und nicht erst an den Beerdigungen. Bei neun Geschwistern war das ein guter Vorschlag, war die Familie doch zeitweise auf mehrere Länder wie Tanzania, Oman, Italien, Portugal und die Schweiz verteilt.
Letztes Jahr hat meine Tochter und eine Grossnichte den Anlass organisiert, also die zweite und dritte Generation. Die mehr als 40 Jahre vorher hat zuerst mein Bruder den Anlass organisiert und nachher immer jemand anderer aus der Verwandtschaft, meist jeweils in seiner jeweiligen Umgebung.
Mein ältester Bruder war lange in Afrika, später in Rom und am Schluss in Abu Dhabi. Er wusste immer früh, wann er in den Urlaub in die Schweiz kommt. In diesem Zeitfenster hatte das Familientreffen statt zu finden. Diese frühe fixe Vorgabe hat meines Erachtens dazu geführt, dass das Treffen immer stattgefunden hat.

Im Jahre 2012 habe ich das Treffen in Zürich organisiert, am 12. Juni. Da ich berufstätig war, habe ich mit der Organisation zugewartet in der Meinung, in Zürich sei es ein leichtes, am Sonntag ein passendes Lokal für etwa 40 Leute zu finden. Aber oho. Als ich angefangen habe meinen bevorzugten Lokalen anzurufen, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es war das Wochenende der Konfirmation und Firmung. Überall erhielt ich abschlägige Antworten. Sogar für Waldhütten begann ich mich zu interessieren, aber auch dort das Gleiche.
Mir kam letztlich zu Gute, dass die Fischerstube am Zürichhorn hätte saniert werden müssen. Das Projekt war zum Glück noch nicht baubewilligt, so haben die Betreiber von der Stadt eine Verlängerung für eine weitere Saison erhalten. Ich hätte gerne die Fischerhütte mit dem Strohdach reserviert, aber dort kam eine relativ hohe Konsumationspauschale zur Anwendung, die ich meinen Verwandten nicht aufbrummen wollte. So fand ich Platz Restaurant, zusammen mit den anderen Gästen. Es passte mir eigentlich nicht, aber es blieb mir nichts anderes übrig. Am Freitag vor unserem Treffen musste ich die definitive Zahl der Gäste bekannt geben und in diesem Zusammenhang haben sie mir die strohbedeckte Fischerhütte gegeben, wo alle gerade Platz gefunden haben.
Nach einem Apéro in meinem Büro am Rennweg, einem Stadtrundgang unter meiner Führung und einem Gottesdienst in der Predigerkirche pilgerten wir am See entlang zur Fischerstube. An diesem Rundgang legte am Beispiel der Marktgasse dar, wie sich die Nutzung eines Strassenzuges über die Jahrzehnte grundlegend ändern kann. Ich recherchierte die Veränderungen dieser aus heutiger Sicht 'kurzen' Strasse, die aber in Zürich bedeutend war.

Nach dem Essen machten wir ein Gruppenfoto mit dem See im Hintergrund. Dies hatte für mich eine spezielle Bedeutung.

Auf jener Wiese - neben der heutigen Tinguely-Maschine, die damals noch nicht dort war - betrat ich als Primarschüler das erste Mal Boden der Stadt Zürich. Meine zwölf Jahr ältere Schwester wohnte und arbeitete in Zürich und lud meine Eltern nach Zürich ein. Da mein Vater Respekt hatte vor den vielen Strassen, wollte er von Rapperswil her kommen mit unserem Willys-Jeep mit offenem Verdeck, über die Wasserfluh und den Rickenpass. Rapperswil kannte er von anderen Verwandtenbesuchen her. Eine Autobahn gab es damals noch nicht. Wir picknickten auf der Wiese am Zürihorn, an einem wirklich auch heute noch schönen Ort. Immer wenn ich dort draussen bin, was des öfteren passiert, kommt mir diese Geschichte bildlich vor Augen. Auch meine Schwester, 2012 von Portugal angereist, erinnerte sich an jene Geschichte.



An der Erbteilung vom 11. September 1981 nach Mutter's plötzlichem Tod haben wir als Erbengemeinschaft beschlossen, dass mein Bruder Tony das Darlehen von der Mutter übernehme, seinem Bruder Gandolf Fr. 3'155.50 und jedem der sieben anderen Geschwister Fr. 879.40 und dazu noch jedem der acht Geschwister je Fr. 1'000 für den den Wild-Büchel Fonds schulde. Tony schlug vor, wir könnten uns jedes Jahr als Familie treffen und er würde das finanzieren bis der Kredit abbezahlt sei. So würden wir uns lebend sehen und nicht erst an den Beerdigungen. Bei neun Geschwistern war das ein guter Vorschlag, war die Familie doch zeitweise auf mehrere Länder wie Tansania, Oman, Italien, Portugal und die Schweiz verteilt.

2023 und 2024 hat meine älteste Tochter Milena und die Grossnichte Karin den Anlass organisiert, also die zweite und dritte Generation. Die mehr als 40 Jahre vorher hat zuerst mein Bruder den Anlass jahrelang organisiert und nachher immer jemand anderer aus der Verwandtschaft, meist jeweils in seiner Wohngegend.

Das erste Treffen fand in Bühler am Waldrand vom Böhl statt mit grillieren, trinken, schwatzen und Freude haben.

Vielfach trafen wir uns zu einem Gottesdienst mit Bruder Gandolf als Priester und Prediger, dann ein Apéro und anschliessend ein Mittagessen in einem Restaurant. Vreni und Tony haben zum Abschied meist zu Kaffee und Kuchen zu sich eingeladen in Teufen an der Hauptstrasse 38, wo er einen windgeschützten Unterstand gebaut hat. Das war immer schön.

1988 hat Tante Martha Bischofberger-Büchel von Appenzell uns zu ihrem 70. Geburtstag in die Hohe Buche eingeladen.

Tony hat ein weiteres Treffen auf der Hohen Buche, nämlich jenes vom 2. Juni 1991 mit einer Foto aller Teilnehmenden dokumentiert. Hier waren alle Stämme der Familien Wild-Büchel anwesend. 

Die Foto Niklaus-Gandolf-Tony entstand anlässlich des Familientreffens am 2. Juni 1991 im Restaurant der Hohen Buche.


Das alte Restaurant auf der Hohen Buche (Bühler, höchster Punkt) ist am 27. Februar 1990 während eines Föhnsturms abgebrannt.

Tony organisierte am 8. Juni 2008 in St. Gallen ein Mittagessen mit vorgängiger Stadtführung. Ich mag mich erinnern, wie dieser Anlass bei mir das geschichtliche Interesse an dieser Stadt geweckt hat und ich viel erfahren konnte über Gallus, Schwester Wiboroda, den Umgang mit der Reformation. 

Die 'Stanser' haben uns am 9. Juni 2009 nach Stans eingeladen, die Nachfahren unseres Onkels Hans Büchel mit seiner Madelaine.

Am 12. Juni 2011 feierten Vreni und Tony Wild-Knechtle 2 Mal 65 Jahre Tony und Vreni auf der Waldegg in Teufen.


Mein ältester Bruder war lange in Afrika, später in Rom und am Schluss in Abu Dhabi. Er wusste immer früh, wann er in den Urlaub in die Schweiz kommt. In diesem Zeitfenster hatte das Familientreffen statt zu finden. Diese frühe fixe Vorgabe hat meines Erachtens dazu geführt, dass das Treffen immer stattgefunden hat. Als Beispiel diene das Mail von Gandolf am Tag vor seinem 70. Geburtstag (2010), Text kursiv:


Geburtstag
Gandolf Wild <gandolfwild@gmail.com> 22. November 2010 03:17
Liebe Geschwister,
morgen ist mein 70. Geburtstag, ich bin aber nicht zu Hause, sondern in der Pfarrei Sharjah noerdlich von Dubai.
Am Mittwoch, 24. November, habe ich den regelmaessigen halbjaehrlichen Termin beim Kardiologen.
Ich habe eben 11 herrliche Tage in Oman verbracht und es richtig genossen. Die Mitbrueder meinten es sehr gut mit mir und haben mir allerlei gezeigt in Sohar, Salalah, Ghala-Muscat und Ruwi-Muscat.
Gesundheitlich geht es mir gut.
Ich bin wahrscheinlich von Mitte Mai bis Mitte Juni
2011 in Europa. Wann ist das traditionelle Familientreffen? Der zweite Sonntag im Juni faellt auf Pfingsten und das ist vielleicht nicht guenstig. Wenn Ihr am 19. Juni
zusammenkommt, lasst es mich bald wissen, dann kann ich mich einrichten, spaeter ist kaum moeglich, da wir Ende Juni eine wichtige Versammlung haben, an deren Vorbereitung ich beteiligt bin.
Nach dem Fruehstueck nehme ich den Bus, der mich in 2 Stunden nach dem 165 km entfernten Sharjah bringt.
Liebe Gruesse,
Gandolf
--
P.O. Box 54, Abu Dhabi, UAE
97124461895

Im Jahre 2013 hatten wir einen speziellen 1. August, nämlich in Ravenna, organisiert von 'Guerras' mit ausgedehntem Apéro im Pinienwald in der Nähe vom Meer (Bezug zur Familie Papale, dem Schwiegersohn von Martha Guerra-Wild). Das Abendessen wurde von einem Caterer auf einer Anlage mit Pool serviert. Alle Wild-Büchel übernachteten in der Stadt und am nächsten Tag gab es nach dem Gottesdienst eine Stadtführung und ein Mittagessen in der Stadt. Er waren drei schöne Tage. Auf der Rückreise bestieg ich zusammen mit Isabelle den Mailänder Dom.

Im Jahr 2014 haben uns Monika und Werner am 15. Juni ins Wesemlin eingeladen, an den Schweizer Hauptsitz der Kapuziner, dem Orden der Franziskaner, dem unser Bruder angehört. Unsere Familie gehörte damals nicht zur Sorte, die alles festhalten mit Fotos oder gar Filmen. Aber nachdem die Smartphones das Fotografieren massentauglich gemacht haben, wurde der Wunsch nach 'guten' Fotos geäussert. Helena Grüter, die Schwiegertochter von Catherine Winteler-Wild hatte eine gute Kamera und machte den Vorschlag, sie würde jeden Teilnehmenden einzeln fotografieren. Sie hat etwa 500 Fotos gemacht, die ich alle durchforstet habe.

Mit all dem bis dahin gesammelten Fotomaterial stellte ich Jahre 2015 ein kleines Büchlein, ergäntzt mit den Wohnadressen und Geburtstagen, zusammen. Das war mein erstes Fotoalbum mit dem Programm von Bookfactory. Ich konnt damals noch keine Bilder beschrifte und kaum Texte einfügen. Meine Arbeit wurde wohl anerkannt, aber dieses Manko bemängelt.  Wie recht sie hatten. Zehn Jahre später hätte ich es gekonnt. Meine Bücher für die Enkel Adrian und Gabriel zwangen mich zu einer Vertiefung im Fotoprogramm.

Den 70. Geburtstag von Theres feierten wir auf 'ihrem'  Bauernhof 'Frankriech' in Summaprada (Cazis). An jenem Treffen entstand die letzte Gruppenfoto aller neun Geschwister. Diese Tatsache habe ich erst 2024 festgestellt, denn ich war der Meinung, an der Hochzeit von Karin Leopold-Wild im jahre 2018 seien alle anwesend gewesen. Nein: Maria Brabetz-Wild war wohl in der Schweiz und am anderen Tag auch in Appenzell zum Geschwistertreffen. Sie nahm aber nicht am Hochzeit teil, weil es ihr zu viel gewesen wäre.
 
2016 hat Tony ein zwei-tägiges Treffen organisiert in der Gruppenunterkunft Alpstein in Teufen. Wir wanderten über die Göbsi nach Haslen, wo wir im Rössli zu Abend gegessen haben.

Am 17. Juni 2017 waren wir im Kapuzinerkloster und im Hof zu Wil. Dieses Treffen hat Bruder Gandolf angeregt. Hier waren wohl alle Geschwister (das letze Mal) zusammen, wurde aber fotografisch nicht festgehalten.

Im Jahre 2018 hat Karin Leopold-Wild ihren Manuel geheiratet und wir haben im Eischen oben an Appenzell zu Abend gegessen. Karin hat alle Tanten und Onkel eingeladen.

Am 15. Juni 2019 trafen uns in Bethlis am Walensee in der Kappelle mit Mittagessen im Paradies, sowie Kaffe und Kuchen im Ferienhaus von David und Milena Wild-Hitz oben am Lenis Rank. Sie haben das Treffen auch organisiert mit meiner Unterstützung.

Dann kam die Pandemie und alles hat pausiert, bis wir uns am 3. September 2023 in Appenzell mit Führung und Essen im Eischen getroffen haben. Von diesem Treffen, das Milena und Karin organisiert haben, verfasste ich eine Broschüre mit Fotos, Texten und Adresselisten (jeweils deutsch und italienisch).

Im August 2024 organisierten diese beiden nochmals ein Treffen, diesmal mit Übernachtung im 'Schönen Bühl' in Speicher AR. Hier habe ich eine längliche Karte mit der Gruppenfoto allen zugestellt, mit Angabe der Namen.

Im 2025 feierten wir den 80. Geburtstag von Theres Reich-Wild auf dem an Sohn Christian übertragenen Bauernhof 'Frankriech', unterdessen neu Caloiweg 5 in Summaprada. Sechs Geschwister standen auf der gleichen Treppe wie 2015 (Maria und Sepp waren aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend, Gandolf 2022 gestorben).

Zusammenkünfte und Hinweis auf allfällige Familienfotos

Foto Palmsonntag 1959, Eltern mit ihren neun Kindern
Foto 1978 Mutters 65. Geburtstag im Schützengarten Bühler
1982 Bahnhof Bühler
????  Bühler, Böhl am Waldrand
Foto 1991 Hohe Buche (Tony hat Personenangaben hinzugefügt, Foto A und Foto B)
Foto 2012 am See beim Zürichhorn: alle neun Geschwister
Foto 2013 Ravenna (Anwesen mit Pool, Catering, Bezug zu Familie von Giorgio Papale)
Fotos 2014 auf dem Wesemlin. Grundlage Booklet mit Portraits der Anwesenden. 
Foto 2015 in Cazis: alle neun Geschwister auf Treppe
Foto 2018 Hochzeit Karin Leopold-Wild (8 Geschwister, ohne Maria Brabetz)
Foto 2023 Eischen mit sechs Geschwistern (ohne Maria, Gandolf, Sepp)
Foto 2024 an den Fischteichen in Stein AR mit Legende in Buch Gabriel 2014-2025
Foto 2024 Gruppenfoto aller 52 Anwesenden am Samstag (Versand von 35 Karten). Legende von Tony mit Namen, Geburtstag, Wohnort zur Zeit der Geburt

Adresslisten (2005, 2012 aktuell 2024




 








Arbeiten
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24.  Arbeiten
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Swissboring in Volketswil
(1. September 1978 bis 31. März 1980)

Ich wollte Ingenieur sein mit Helm auf dem Kopf und Stiefel an den Füssen, wenn möglich im Ausland, da die Sehnsucht nach der weiten Welt noch nicht gestillt war.
Das Jahr als Assistent an der ETH gab mir die Gelegenheit, gewisse Themen zu vertiefen und Klarheit zu erhalten, welcher Weg für mich passend wäre. Darum zähle ich dieses Jahr zu meiner Ausbildung. Ich erhielt zudem Einblick in den akademischen Alltag.
Die praxisbezogene Stelle fand ich bei der Swissboring, die ich zwei Monate nach meiner Hochzeit angetreten habe. Für die Baustellenbesuche war ein privates Auto erforderlich. Ich hatte dafür kein Geld, denn ich habe mein erstes verdientes Geld in die Märklin-Eisenbahn gesteckt und sofort angefangen, der Mutter und meinem Sponsor der ersten Gymi-Jahre das Geld in monatlichen Raten zurück zu zahlen. An die unweigerlichen Steuerrechnungen habe ich als junger Mensch nicht gedacht. Meine Frau Veronika hat mir das Geld für einen roten R4 gegeben. Mit diesem fuhr ich von der Dahliastrasse 3 im Zürcher Seefeld über Witikon/Pfaffhausen nach Volketswil zur Arbeit. Über Mittag fuhr ich zu Veronika nach Hause. Heute ginge dies wahrscheinlich nicht mehr in nützlicher Zeit wegen des notorischen Staus in Fällanden.
Ich begleitete Sondierbohrungen in der Panixeralp im Bereich des heutigen Staudammes, im Reppischtal zur Überwachung des Grundwasserstroms, bei Stans, auf der Hinterseite vom Titlis etc. Meist arbeiteten wir mit Geologen zusammen, die die Gesteinsproben für ihre Berichte benötigten. Swissboring war auch spezialisiert auf Mikropfähle, mit denen wir z.B. in der Kathedrale von Genf die Pfeilerfundation verstärkten. Auch waren Bohrungen nötig für Anker zur Stabilisierung der Wände bei Baugruben, Strassenböschungen, etc.
Zum Glück hatte ich bei meinen diversen Studenten-Jobs in Betrieben gearbeitet und das täglich Betriebsleben kennen gelernt. Von meiner Mutter zum ‚Dienen‘ erzogen, wollte ich während meiner Arbeitszeit das Beste für den Arbeitgeber herausholen. Ich machte mir auch immer Gedanken um die Wirtschaftlichkeit. Aus diesem Grunde kam der Finanzdirektor immer wieder auf mich zu und wir berieten uns. Die meisten Mitarbeitenden sind zufrieden, wenn alles seinen gewohnten Fortgang nimmt. Auf zwei spezielle Baustellen möchte ich eingehen. Die Swissboring war spezialisiert auf Bentonit-Wände. Man macht einen Schlitz in den Boden, füllt ihn mit flüssigem Bentonit auf und betoniert nach und nach diesen gefüllten Hohlraum. So erstellte man Baugrubenwände oder auch Teile der fertigen Wand. In Zumikon zur Zeit von Elisabeth Kopp als Gemeindepräsidentin erstellte die Swissboring den Tunnel für die Forchbahn unter dem Dorf. Alles hat bestens geklappt und war ein voller Erfolg. Das war vor meiner Zeit. Basierend darauf offerierten sie für die SBB den unterirdischen Bahnhof Opfikon-Glattbrugg, wenigstens für die Wände und die Decke. Mit der Baustelle hatte ich als Neuling nichts zu tun. Die SBB monierten, dass aus den Fugen immer Wasser austrete, und auch aus den Rissen der betonierten Wände. Dies war Thema in der ganzen Firma. Viele der Mitarbeitenden waren gross geworden bei Staudammprojekten. Die vielen verschütteten Mitarbeiter beim Bergsturz Mattmark im Wallis waren immer wieder Gesprächsthema. Die erfahrenen Leute empfahlen für die SBB-Station Injektionen. Das Wasser liess sich damit nicht aufhalten, es drang einfach höher oben wieder hinaus. Auf irgendeine Weise wurde ich auf die Baustelle dirigiert zur Überwachung der Injektionsarbeiten. Wahrscheinlich wollten sie den Neuling testen. Je länger es dauerte, umso mehr Arbeiter beschäftigte ich. Ich mag mich erinnern, dass ich auf Grund eines Artikels über Fugenabdichtung Richtung Weinfelden gefahren bin, mir dort das System erklären liess und Material bestellte. (Wenn ich mit Veronika die Schwiegermutter Doris Sautter von meinem Patenkind Giulio Brabetz im Altersheim Weinfelden besuche, fahren wir an dieser Fabrik vorbei. Immer kommt mir jenes Projekt in den Sinn). Auch das nutzte nichts. Ich fühlte mich irgendwie verantwortlich. Die SBB waren selbstverständlich nicht zufrieden, aber ich lernte den - auch jungen - Projektleiter Gion Letta kennen. Er sagte mir, die Swissboring hätten das Ganze angeboten ohne Entwässerungsrinne am Mauerfundament mit der Begründung, in Zumikon sei das nicht nötig gewesen. Mit dem damals zuständigen Bauleiter in Zumikon habe ich die Situation besprochen. In Zumikon gab es kein Grundwasser, in Opfikon-Glattbrugg hingegen schon. Vom Studium her und natürlich auch von meinen vielen Spielstunden am Bach in unserem Wald im Steigbach her wusste ich, Wasser sucht seinen Weg. Je mehr wir abdichteten, umso höher stieg das Wasser hinter der Mauer. Diesen Sachverhalt besprach ich mit Gion Letta und offerierte ihm, nachträglich auf beiden Stationsseiten unten an der Mauer entlang einen Entwässerungsgraben zu erstellen, auf Kosten der Swissboring. Damit war die grösste Baustelle beendet und der Garantiefall erledigt. Damals staunte ich als junger Ingenieur, dass in der ganzen Firma niemand diesen Zusammenhang erkannt hatte.
Mit der Zeit durfte ich Offerten rechnen und die Offertgespräche führen. Das war interessant. Manchmal ergab es sich, dass man bei Kapazitätsengpässen mit der Konkurrenz ins Gespräch kam. Für Bauten auf dem Titlis war eine temporäre Transport-Luftseilbahn vom Wallis, von Gadmen, her geplant. Es waren vier Masten zu erstellen. Die Anfrage an uns ging wegen der Verankerung der Masten-Fundamente. Zu den Standorten gab es keine Zufahren. Ich spürte, einige Konkurrenten sahen keine Lösung. Da begann ich die Chance zu wittern. Unterdessen kannte ich die Gemüter der alten erfahrenen Bohrmeister, hatte auch guten Kontakt zu den Magazinern. Das Ganze musste mit möglichst wenig Helikopterflügen abgewickelt werden. Unsere 2-er-Equipe mit Bohrmeister und Gehilfe musste immer eine Woche auf der Baustelle verbleiben, Tag und Nacht, ohne Telefon damals. Dies bedeutete eine minutiöse Organisation, kein Material durfte fehlen. Den Eingeweihten war klar, es kommen nur zwei Mitarbeiter in Frage. Diese verpflichtete ich mündlich, den Job anzunehmen, falls wir den Auftrag erhalten würden. Alles klappte und der Auftrag war ein Erfolg. Weil die Flüge mit dem Helikopter immer am Montag früh und am Freitag spät stattgefunden haben, konnte ich nie mitfliegen. Aber ich besuchte die Crew regelmässig wandernd. Ich nahm die Bestellungen auf, damit am Montag jeweils alles Material und Nahrung in Gadmen war.
Bei der Swissboring machte ich eine prägende Erfahrung. Am Mittwoch 6. Dezember 1979 war ich im Büro. Gegenüber mir sass ein gewiefter, erfahrener Offert-Kalkulator (Graf), von dem ich viel gelernt habe. Er wurde zum Chef gerufen, kam nach einiger Zeit wieder zurück, öffnete seine Schublade, gross sich ein Glas Schnaps ein und trank es leer. Er weinte. Der Chef hatte ihm gekündigt. Nach und nach erfuhren wir, dass es weiteren auch so ergangen war, allesamt langjährige Mitarbeitende. Ich dachte, wann komme ich dran.
Am anderen Morgen ging ich zum Chef (AK), der ca. sieben Jahre älter war als ich und fragte ihn, wer denn nun all die Arbeit machen sollte. Er sagte, ich hätte die Chance. Da war es mit meiner Loyalität zu Ende und ich sagte mir, so nicht und begann eine neue Stelle zu suchen. Mit der Swissboring hoffte ich ins Ausland auf eine Baustelle gehen zu können. Dieser Traum war ausgeträumt. Meine Lehre daraus: Loyalität zahlt sich nicht aus. Letztlich sind wir immer Sklaven (des Kapitals). Ich habe gerne bei der Swissboring gearbeitet. Wie wäre wohl mein Berufsleben verlaufen ohne diese einschneidende Erfahrung?

Am Standort Volketswil arbeitete Robert Rähm ( 1.11.1983) und Max Winkler bei der Solexpert, einer Firma, die auch zur Rodio-Gruppe gehörte wie die Swissboring. Diese war stark in der Überwachung von Staumauern. Beides waren Studienkollegen. Max Winkler wohnte in Volketswil, er war jeweils zur Erntezeit mit einem Mähdrescher unterwegs, einem Ungetüm von Maschine. Seine Eltern betrieben einen Bauernhof und kamen durch Landverkäufe zu Geld. Robert Rähm hat Monique Schaller geheiratet. Wir pflegten Kontakt zueinander. Monique und meine Frau Veronika verstanden sich gut. Sie wohnten in Schwerzenbach. Robert Rähm machte ein Nachdiplomstudium in Fontainebleau und heuerte bei der UBS an. Am 1. November 1983 ist er im Militärdienst tödlich verunfallt, seine jüngste Tochter Isabelle war 6 Wochen alt bei seinem Tod. Monique Schaller Rähm habe ich im Herbst 2023 unterstützt beim Verkauf ihrer Wohnung in Männedorf und ihrem Ferienhaus im Wallis. Im Frühjahr 2022 wurde bei ihr eine unheilbare Krankheit diagnostiziert und sie schied selbstbestimmt mit EXIT am 7. Dezember 2023 aus dem Leben. Die Beziehung zu Monique beschreibe ich andernorts ausführlich.

Bei der Swissboring war es Tradition, dass der Gehende die anderen zu einem Schlusstrunk einlädt. Für mich war das neu. Zum Glück haben mir ältere Angestellte geholfen, ein geeignetes Lokal zu finden und auch die nötigen Sachen zu bestellen. Ich erinnere mich, dass ich damals nicht der grosszügige Niklaus war. Ich war während der Arbeit selten auswärts essen gegangen, meist fuhr ich mittags nach Hause. Wenn ich auf eine Baustelle musste, hat mir Veronika etwas zum Essen mitgegeben. Ich erinnere mich, wie ich einmal einen Mitarbeiter einer ausländischen Tochtergesellschaft umherführen musste. Wir waren auf dem Heimweg von Koblenz her. Auf meinen sonstigen Baustellenbesuchen war mir auf dem Weg jeweils ein Restaurant aufgefallen. Ich schlug vor, dort am Mittag zum Essen zu gehen. Ich war dann erstaunt, dass das Ganze mehr als Fr. 50.- gekostet hat. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, dies als Spesen zu verrechnen. In meinem Denken war ich immer noch der arme Student.%u2028Eine andere Erinnerung habe ich an Ilanz. Ich musste dort übernachten, weil es eine Sitzung im Zusammenhang mit der Baustelle auf der Panixeralp gab. Der junge CEO (AK) sagte mir einmal, es hätte ihn gefreut, dass ich nicht das teuerste Hotel am Platz gewählt hätte. Ich verhielt mich loyal und war sparsam. %u2028Der gleiche CEO fragte mich einmal, ob ich noch Kollegen hätte, die ähnlich denken wie ich. Diese Frage hatte mich damals irritiert. Später, vor allem in den letzten Arbeitsmonaten bei der Swissboring, habe ich erfahren, dass ein anderer Ingenieur, ein Norweger, unglaublich viele Spesen verrechnen würde. Er war verantwortlich für die Autobahn-Baustelle am Ceneri und machte immer Baustellenbesuche. Da kamen einige Kilometer, Übernachtungen und auswärtige Essen dazu. In diesem Zusammenhang hörte ich das erste Mal das Wort ‚Spesenritter‘.
Im Rückblick gesehen, war der Wechsel von der Swissboring zur EWI für meine berufliche Entwicklung gut.

Elektrowatt Ingenieurunternehmung (EWI)

Ich sagte mir, wenn ich unter Umständen wie bei Swissboring den Job wechsle, möchte ich einen anderen Bereich des Ingenieurwesens kennen lernen, also suchte ich nicht mehr bei einer Bauunternehmung, sonder in der Planung.
Meine Schwester Maria Brabetz arbeitete für Basler & Hofmann. Ich durfte mich bei denen bewerben, erhielt aber keine Stelle, denn diese suchten ‚richtige‘ Bauingenieure mit Kenntnissen in der Baustatik, was nicht meine Stärke war. Sie achteten auf die Abschlussnoten in diesen Bereichen. Es klappte dafür bei der in vielen Ländern tätigen Elektrowatt Ingenieurunternehmung. Mein Arbeitsplatz war im Seefeld gleich um die Ecke an der Alderstrasse und mein Tätigkeitsbereich der Siedlungswasserbau. Mein Schwager Sergio Brabetz (*1936) arbeitete in der gleichen Firma im Gebaude am See als Maschineningenieur in der Abteilung Meerwasser-Entsalzungsanlagen unter Mr. Peggs.


Erster Einstiegstext vom 6. Oktober 2024
Weitere Ausführungen folgen später: Lohn, Peter Vogel TEAM, Saudiarabien. Wasseranreicherung. Caracas spanisch Würth. Dubai. Argentinien. Albarella. Werdhölzli. ETH. Jakarta. Leibstadt…
Arbeitskollegen ? Vorgesetzte ? Vorbilder?
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24.1.  Arbeiten – Arbeitskollegen ? Vorgesetzte ? Vorbilder?.
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Unternehmensgründung
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24.2.  Arbeiten – Unternehmensgründung.
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Wendepunkt in meinem Leben

(Geschrieben in der 'Oase des Schreibens' von Rosemarie Meier Dell’Olivo, Pro Senectute, 3. Dezember 2023)

Vorbereitung auf das Alter

Meine Frau arbeitete für die Stadt Zürich, als sie im Alter von 55 Jahren das grosszügige Angebot erhielt, an einem dreitägigen Seminar zur Vorbereitung auf das Alter teilzunehmen. Das Angebot umfasste alle Lebensbereiche, nicht nur die finanziellen Aspekte. Auch die Partner waren eingeladen. Obwohl meine Frau sich nicht anmelden wollte, interessierte mich das Thema, und ich beschloss, gerne drei Urlaubstage dafür zu investieren.
Die Veranstaltung fand am Klusplatz in einem wunderschönen Backsteinhaus statt, dem ehemaligen Spital Thodosianum. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Vortrag eines Treuhänders, der unter anderem sagte, dass man sich in den Ruhestand versetzen lassen und danach sogar wieder arbeiten kann, sogar beim gleichen Arbeitgeber. Diese Aussage pflanzte einen Samen in meinem Kopf. Bisher hatten mich die AHV- und Pensionskasse nicht besonders interessiert; ich hatte einfach gearbeitet.
Zu dieser Zeit war ich beim Kanton Basel-Stadt beschäftigt. Aufgrund eines strukturellen Defizits in der Pensionskasse gab es eine Volksabstimmung, und das Thema war in aller Munde. Ein Kollege aus Basel gab mir das Pensionskassenreglement, das ich auf meiner Pendelstrecke von Basel nach Zürich durchblätterte. Dabei stiess ich auf einen eingerahmten Satz:
"Jede Angestellte und jeder Angestellte kann ab dem 58. Altersjahr auf Ende jeden Monats die Pension verlangen."
In dieser Zeit sagte mein junger Vorgesetzter: "Niklaus, du solltest noch eine Weiterbildung buchen; jeder von uns hat Anspruch auf 3 Tage pro Jahr." Ich fragte ihn, ob es auch ausserhalb meines Fachgebiets sein könnte, denn mein Weiterbildungsbedarf war bereits gedeckt. Also meldete ich mich für einen Kommunikationskurs an. Ich erinnere mich an eine Schlüsselstunde. Nach dem Mittagessen bekamen wir die Aufgabe, eine Zeichnung zu erstellen, die zeigt, wo wir unseren Lebensabend verbringen möchten. Zeichnen war nie meine Stärke. Ich zeigte den Zürichsee als Ergebnis, da ich mir jede Gegend bis in die Linthebene vorstellen konnte. Zu meinem Erstaunen war es weder mein Heimatkanton Appenzell noch die von mir so geliebte Bodenseeregion. Es war jedoch auch nicht Asien oder irgendwo im Ausland.
In mir begann es zu arbeiten, und ich begann zu kombinieren. Ich erkundigte mich bei der Pensionskasse, wie es bei einer vorzeitigen Pensionierung aussehen würde. Die Stadt Basel hatte grosszügige Bedingungen, angelehnt an die Reglemente der Pharma, zum Beispiel volle Pension für alle ab 63 Jahren. Ich hatte bereits bis zum Alter von 61 Jahren eingezahlt, sodass die Einbusse bei einer um drei Jahre vorgezogenen Pensionierung akzeptabel war.
Der Entschluss reifte in mir: Selbstbestimmte Frühpension mit 58 Jahren und Gründung meines Immobilienbüros in Zürich. Dies setzte ich im Herbst 2009 um, im Alter von 58 Jahren. Im Nachhinein war dies einer der besten Entscheidungen meines Lebens und ein bedeutender Wendepunkt. Ich musste lernen zu arbeiten, denn Delegieren war nicht mehr möglich. Im Büro am Rennweg musste ich alles selbst erledigen: Briefe schreiben, den Drucker mit WLAN verbinden, Druckerpapier wechseln, Briefpapier drucken lassen, die Kaffeemaschine warten. Früher hatten das andere in den Betrieben erledigt. Ich ging in meinem Büro praktisch in die Lehre.
Aber ich spürte auch die neuen Freiheiten; ich war nicht mehr eingespannt wie der Schinken in einem Sandwich. Drei Jahre später wurde mein erster Enkel geboren, den ich dank meiner neuen Freiheiten eher betreuen und geniessen konnte als meine eigenen Kinder früher. Auch konnte ich mich langsam von der Berufswelt verabschieden und mich mit dem Älterwerden anfreunden.

Zürich, 13. Dezember 2023 / W

Mein Smartphone als mobiles Büro

Das heute übliche Smartphone hat Apple 2007 auf den Markt gebracht. Ich arbeitete damals in Basel war Fan von Ericsson-Geräten. Mein altes Natel wollte ich ablösen und wusste schon, welches Modell ich erwerben wollte. Mein Sohn Raphael war ziemlich tech-affin. Er telefonierte mir, ich solle unbedingt warten, bis das iPhone von Apple zu kaufen sei in der Schweiz, das könne mehr als er je gedacht hätte. Das hiess etwas. Damals galten Apple-Produkte als abgehoben, teuer, geeignet vor allem für Kreative wie Architekten. Ich kaufte das heute im MOMA ausgestellte iPhone 4. Mit Veronika war ich im Wallis unterwegs Anfang August 2009 auf dem Rückweg vom 60. Geburtstag von Monique Schaller Rähm (1949-1923). Ich wollte mit dem neu erworbenen iPhone telefonieren, schaffte es aber nicht, ich fand die Tastatur nicht. Ich telefonierte Raphael von einer Telefonkabine aus. Ich hatte anfänglich immer wieder Mühe mit dem Gerät und wollte es wirklich zurückgeben. Die Ericsson-Geräte hatten Tasten und waren für Telefonieren und SMS-Verkehr eingerichtet. Apple hat die Bedienung mit Finger auf der Oberfläche eingeführt. Raphael hat mir geholfen und heute möchte ich es nicht missen. Für mein im Jahre 2009 eröffnetes Immobilien-Büro am Rennweg habe ich nur Apple-Geräte gekauft. Für Support hatte ich den Apple-Shop, damals in 100 m Entfernung an der Bahnhofstrasse. Dort besuchte ich gratis auch all die Einführungskurse in die kostenlos installierten Programme zum Schreiben, Rechnen und Präsentieren.
Das Smartphone wurde mehr und mehr mein mobiles Büro. Überall und jederzeit konnte ich auf Dokumente zugreifen, Mails empfangen und versenden, war erreichbar via Telefon oder SMS. Auch Anhänge der Mails liessen sich lesen. Das war für mich die Innovation und Erleichterung in meinem Leben. All die Betriebsanleitungen habe ich gelesen und war immer auf dem neusten Stand. Die Handhabung wurde immer anwendergerechter, dafür die Einstellungen anspruchsvoller.
Andere Leute machten Fotoalben. Ich schaffte es nicht. Apple hat das auch angeboten, liess die Bücher in Irland drucken. Bei einem Versuch war das Porto so teuer und das Buch zerfallen wegen schlechter Bindequalität. Als die Enkel da waren, machte ich erste Versuche mit der in Möchaltorf ansässigen Bookfactory. Wegen eines Projektes auf dem Nachbargrundstück bin ich auf diese Firma gestossen. Es brauchte aber einige Zeit und mehrere Booklets, bis ich das Programm einigermassen sicher bedienen konnte. Das ca. 70 Seiten umfassende Buch für meinen ältesten Enkel Adrian im Jahre 2023 hat mich viel Zeit gekostet, dafür aber weiter gebracht, auch durch die verschiedenen Feedbacks.
Die Digitalisierung hat mein Leben vereinfacht. Wenn ich zurückblicke, habe ich an meinen Arbeitsstellen bei den SBB, dem Flughafen Zürich und beim Kanton Basel-Stadt in leitender Funktion immer grössere Projekte lanciert, die die Grundlage für die heutigen Immobilien-Datenbanken bildeten.
Die Enkel hatten jeweils ein Auge auf unsere iPads und Smartphones. Irgendwie ist das verständlich, sehen sie doch rundum Erwachsene dauernd am Handy oder am Computer. Meine Tochter Milena sagte jeweils, die Kinder sind fasziniert von bewegten Bildern, gleich was der Inhalt ist. Sie hat uns keine Instruktionen gegeben für den Umgang mit ihren Kindern in diesem Bereich. Ich versuchte soviel wie möglich mit ihnen nach draussen zu gehen, damit das Thema erst am Abend zur Sprache kam.
Adressen für Familie Wild-Büchel über Jahre nachgeführt. 2025 zum letzten Mal. Mobil-Nummer und Social-Media sind vorrangige Kommunikationsmittel, Adressen spielen keine grosse Rolle mehr. Geburtstag können problemlos gespeichert werden.

Geschrieben im IC 8, Zürich-Frauenfeld, 22. Oktober 2024
Armee
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25.  Armee
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Kompaniekommandant bei den Genietruppen
Gutes Leben im Alter
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26.  Gutes Leben im Alter
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Meine Gesundheit im Berufsleben

Während der Primarschulzeit hatte ich Wilde Pocken. Das ist die einzige Krankheit, an die ich mich erinnern kann. Ich fehlte in der Schule eine ganze lange Woche lang, war mir nicht passte.
Ganz vage erinnere ich mich eine Mittelohrentzündung und zwar an den Umstand, wie mir meine Mutter schmerzlindernde Umschläge machte.
Bis zu meiner selbstgewählten Pensionierung in Basel mit 58 Jahren trieb ich Raubbau an meinem Körper. Während der ganzen Berufszeit als Angestellter von 28-58 Jahren setzte ich mich für die Arbeit ein, nahm ehrenamtliche Nebenjobs an bei Berufsverbänden, den Kyburgern oder der Genossenschaft Im Walder.
Sport hab ich nicht gross getrieben, jedenfalls nicht bewusst. Am Sonntag bewegten wir uns am Pfannenstiel (Wohnort Zürich-Seefeld, Zollikon 1978-1989) oder am Uetliberg (Wohnort Im Tiergarten ab 1989). Zum Glück hat meine Frau Veronika die Gabe und die Leidenschaft, mit frischen Produkten umzugehen. Sie kauft nach Möglichkeit frische Nahrungsmittel ein und rüstet diese mit viel Liebe und Inbrunst. Sie ernährt die Familie mit vielfältigen Produkten gut und gesund.
Meine Positionen im Geschäftsleben (1986-2009) führten mich an Apéros, Mittag- und Abendessen. Dort habe ich mir angewöhnt, auf Empfehlung meiner Frau, zum Dessert einen Früchteteller zu bestellen. Beim Menü wählte ich vielfach Fisch mit Reis und zur Vorspeise eine Suppe oder Salat. Beim Getränk blieb ich meist beim Weisswein, verzichtete konsequent auf Schnäpse aller Art. Es gab natürlich auch Ausnahmen. Ich habe die Gesellschaft genossen, hatte um die 50 auch das übliche Männer-Bäuchlein.
Bei der Arbeit in Basel stiess ich an meine Grenzen. Intuitiv spürte ich, dass ich Auszeiten bräuchte. Zweimal ging ich für 3-4 Tage nach Leukerbad, allein in ein Hotel mit Bad. Ich konnte es aber nicht lassen, auch dort Akten mitzunehmen und zu bearbeiten.

Pilgern und Wandern ab 52 Jahren
Das beste war eine Pilgerwoche im Herbst 2004. Auf diese bin ich gestossen, als ich jeweils mit Hannes Roose (1940-2007) an der ETH ins Konditionstraining ging. Der Aushang Outdoor-Experience interessierte mich. Also packte ich meinen Rucksack, unerfahren wie ich war, mit Schlafsack, Mätteli, Konservendosen, etc. Die Pilgerstrecke führte von Le Puy nach Conques in Frankreich, eine Woche lang. Die Gruppe setzte sich zusammen aus dem Mittelbau der ETH/UNI, unter Führung eines Jesuiten vom aki, das mir nahestand. Eine Mitpilgerin wollte meinen Rucksack umplazieren und staunte über dessen Gewicht. Bei einer ersten Herberge liess ich vieles zurück, bekamen wir doch Abendessen und Frühstück. Während des Tages hatte ich gar keinen grossen Hunger, ein Apfel und viel Wasser genügte. Das waren hilfreiche erste Erfahrungen. In den Hochalpen hatte es teilweise Schneefelder, aber keinen Handy-Empfang. Das war für mich eine wirklich gute Woche. Ich hatte das Gefühl, aufgetankt zu haben. So bin ich auf das Pilgern und Wandern gekommen. Nach dieser Erfahrung ging ich nochmals mit dem aki 3 Tage Pilgern (Thunersee bis Fribourg) und später mit dem Pilgerzentrum St. Jakob (Stauffacher) vom Bodensee bis zum Genfersee in Tagesetappen. Auch nahm ich bei den Zürcher Wanderwegen an Tageswanderungen teil. Das war im Rückblick mein Sport und es tat mir gut. Wahrscheinlich haben mir diese Tätigkeiten das Leben verlängert.

Ab 2009 hatte ich mein eigenes Büro am Rennweg 50 und durfte auf einmal spüren, dass sogar stressfreies Arbeiten möglich ist. Ich besuchte Museen, nahm an Stadtführungen teil, machte Wanderungen und genoss am Mittag und Vesper das Zusammensein mit Arbeitskollegen.

Gesund alt werden

Es gibt tausend Krankheiten. Aber nur eine Gesundheit. (von Ludwig Börne, 1786-1837)

In dieser Zeit begann ich mich zu fragen, was mache ich eigentlich im Alter mit der vielen Zeit. Ich besuchte Veranstaltungen und setzte mich mit dem Altwerden auseinander. Betont wurde, wie wichtig es sei, möglichst lange beweglich zu bleiben. Alt werden war in meinem Kopf mit Altersheim und Gebrechlichkeit belegt. Es wurde auf die Wichtigkeit einer Tagesstruktur hingewiesen.
Mein Büro am Rennweg führte ich zuerst zusammen mit einer Mitarbeiterin (SB). Ohne sie wäre ich nicht gut gestartet. Sie hat den Gesellschaftervertrag aufgesetzt, der mich vor grösserem Schaden bewahrt hat. Sie hat die Buchhaltung aufgebaut, an deren Systematik ich all die 15 Jahre nichts verändert habe, ausser die Mehrwertsteuersätze. Sie hat früher in einer Kanzlei gearbeitet und kannte das Rapportieren und Rechnungen stellen bei Mandaten. Sie war mir eine gute Partnerin. Wir traten meist zu zweit auf, sie als Juristin, ich als Ingenieur und Immobilien-fachmann.
Ich gewöhnte mir an, immer um 8 Uhr im Büro zu sein und zwar so angezogen (Veston, Krawatte,Hose, Lederschuhe), dass ich jederzeit an einem Meeting mit Kunden hätte teilnehmen können.
Um 12 Uhr gingen wir Mittagessen. Sie suchte vielfach neue Lokale, auch günstige asiatische. Es war immer unterhaltsam, auch wenn wir manchmal wie gestandene Ehepaare um Kleinigkeiten stritten.
Auf 18 Uhr wurde ich zuhause erwartet. Diese Tagesstruktur halte ich immer noch ein, d.h. spätestens um 8 Uhr bin ich angezogen und einsatz- resp. reisefähig.

Professor Daniel Hell, Möglichkeiten der Selbsthilfe
Versuch zur Umsetzung auf mein Leben


Meine Frau Veronika besuchte am 3. Oktober 2024 im Volkshaus die Alterskonferenz der Zürcher Senioren (ZSS), bei denen wir Mitglied sind. Sie wollte nicht, dass ich sie begleite, weil ich  am anschliessenden Apéro dominant auftreten würde, wie anscheinendbeim letzten Mal.

Ein Redner war Professor Daniel Hell, ein ehemaliger Vorgesetzter von Veronika an der PUK, aktuell tätig an der Klinik Hohenegg in Meilen. Er referierte und zeigte Allgemeine Möglichkeiten der Depressionsprophylaxe und Selbsthilfe und führte sechs Punkte auf. Bei der Durchsicht der zur Verfügung gestellten Präsentation fiel mir auf, dass diese Punkte auch auf mich als alternder Mensch zutreffen.

zu 1: Rhythmisieren des Alltags, z.B. guter Tag-/Nachrhythmus

Diese Massnahme bestätigt meinen intuitiv gefundenen Rhythmus. Am Morgen hatte ich immer länger, bis ich bereit war. Eine Stunde vom Aufstehen bis zum Verlassen der Wohnung genügte nicht mehr. Ich schusterte mir einen Ablauf zurecht, an den ich mich strikte halte und so klappt es. Des Weiteren verfolge ich das Intervallfasten, d.h. 16 Stunden nichts essen, bei mir von 7 Uhr abends bis um 11 Uhr mittags. Abendessen nach Möglichkeit um 18 Uhr.
Da ich wegen der Schlafapnoe sensibilisiert auf das Thema Schlaf war, kauft ich die App ‚7-Schläfer‘ von Daniel Vorster für Fr. 140 und hörte alle Beiträge. Gestützt darauf versuche ich immer zwischen 22.30 und 23 Uhr müde ins Bett zu gehen und jeden Tag, auch an Wochenenden, zwischen 6 und 7 Uhr aufzustehen. Kein Schlaf am Tag. All das hat bei mir zu einer unglaublichen Beruhigung des Alltags geführt.

zu 2: Interessen, Hobbies nachgehen

Das Wandern hat sich bei mir fast zu einem Hobby entwickelt. 2014-2016 machte ich - als neuer AHV-Bezüger - bei der Pro Senectute und bei den Bündner Wanderwegen eine Ausbildung zum Wanderleiter, leitete in der Folge Gruppen. Dies war für mich die befriedigtesten Zeit und ich fühlte mich mental und körperlich gesund. Das Erkunden von Wanderungen befriedigte mich und bei der Durchführung war ich unter Leuten, mit denen ich mich unterhalten konnte. Ich hätte gerne an Wanderwochen teilgenommen oder sogar solche selber organisiert und geleitet. Veronika litt unter Hörverlust und konnte sich in Gruppen nur eingeschränkt unterhalten. Sie plädierte für Wandern mit Freunden, in kleinen Gruppen, vor allem nach der Pandemie. Nach der Pandemie haben ich als Wanderleiter aufgehört, zum Teil auch als Folge meines verkalkten Herzens mit verminderter Leistungsfähigkeit. Veronika wollte nicht an Gruppenanlässen teilnehmen, auch weil ich anscheinend dort immer dominant sei und sie nicht zur Geltung komme. Aber diese Art Wandern stellte sich als anspruchsvoll heraus, vor allem die Frage mit wem, wohin, wie lange, wieviele Höhenmeter, bei welchem Wetter usw. Meine Erfahrung ist, man schliesst sich besser einer Wandergruppe an, bei denen das Wandern im Vordergrund steht. Ich fand zeitweise bei ‚zäme go laufe‘ in den umliegenden Quartieren oder Gemeinden Anschluss, man geht wandern vor der Haustüre oder ich nahm sporadisch an Wanderungen der Zürcher Wanderwege oder der Pro Senectute teil.
Veronika drängte auch all die Jahre auf eine Mitgliedschaft in einem Fitness-Studio. Ich sah mich überhaupt nicht an solchen Geräten. Im September 2024 eröffnete in unserer Migros an der Birmensdorferstrasse ein Aktiv-Fitness-Studio. Wir lösten ein Jahresabo für je Fr. 699.-. Ich wollte mich auf Gruppenevents wie MusclePump etc. konzentrieren. Veronika benötigte meine Hilfe bei den Einstellungen ihrer Geräte und dem Gebrauch der App. Die professionelle Unterstützung war nicht für solche Fälle gedacht. Wir verlängerten das Abo nicht mehr. 
Die Lehre für mich: Ich müsste klassisch eine Gymnastik-Stunde besuchen, die wöchentlich zur gleichen Zeit stattfindet und ich in den Alltag integrieren, ritualisieren kann. Aber im 2025 sehe ich noch keinen Bedarf.
Als Ersatz für das (stundenlange) Wandern habe ich ab 2023 das Schreiben gefunden. Im Laufe der Zeit spürte ich die therapeutische oder heilende Wirkung des Schreibens über das eigene Leben.

zu 3: Beziehungen pflegen (ev. Selbsthilfegruppen)

Meine eigene Familie wie auch meine Geschwister sowie die Studentenverbindung Kyburger bilden die Grundlage meiner sozialen Beziehungen.
Dank meinen Stellenwechseln, habe ich bereits als 30-jähriger gespürt, wie fragil Bekanntschaften aus dem Geschäftsleben sind. Mir ist bewusst, am Schluss bleibt eigentlich die Familie.
In meinen 15 Jahren als Büroinhaber konnte ich mich sukzessive vom Geschäftsleben verabschieden. Nach und nach trat ich aus Vereinen und Berufsverbänden aus, 2024 sogar aus dem SIA, dem schweizerischen Ingenieur und Architekten Verein. Diese drei Buchstaben habe ich immer stolz in meinem Titel getragen und mich im Verein engagiert.
Beim Wandern lernte ich zu meinem Erstaunen Menschen kennen, mit denen ich mich auf eine Art austauschen konnte, wie ich es vorher gar nicht kannte. Im Geschäftsleben geht es um Projekte. Beim Wandern geht man stundenlang neben einander her, redet dies und das. Auf der zweiten und dritten Wanderung zusammen werden die Gespräche mit gewissen Menschen persönlicher. Man trifft sich allenfalls sogar zu zweit oder zu dritt und unternimmt in kleinem Rahmen etwas, besucht ein Museum, eine Stadt oder besteigt einen Berg. Auch hier wie im Berufsleben ändern sich die Beziehungen. Was mich in der Rückschau überrascht, beim Wandern waren es mehrheitlich Frauen, mit denen ich den Kontakt über Jahre halten konnte. Allerdings auch hier, das Alter ist weiblich, meist sind über 3/4 der Teilnehmenden Frauen. Diese Begegnungen gaben mir auch vertiefte Einblicke in Lebenssituationen. Für mich war das Wandern in Gruppen eine bereichernde Zeit. Die Gespräche gaben mir Gelegenheit, die eigene Situation einzuordnen und zu relativeren, was zu einer gewissen Gelassenheit führte. Weniger ergiebig in Bezug auf vertiefte Kontakte war die Teilnahme an Anlässen im kirchlichen Kontext oder in Vereinigungen. Hier blieb es meist beim Beschnuppern.

zu 4: Geistige/seelische Bedürfnisse wahrnehmen, (z.b. in Natur oder mittels spiritueller Praxis)

In meiner Jugend hatte ich intensiven Bezug zur Natur, im Feld, im Wald, bei den Tieren. Vom 13. bis zum 50. Lebensjahr war ich eher naturfern unterwegs im Gymnasium, an der ETH und meinen Berufsjahren. Sport war nicht mein Ding. Am Wochenende führten Wanderungen in die Natur. Zum Glück spürte ich in meiner Zeit in Basel das Bedürfnis nach Erholung, Auszeiten und der Natur. Begonnen mit meiner ersten Pilgerwanderung im Jahre 2003, auf Grund der positiven Erfahrung weitergeführt in Form von regelmässigen Tageswanderungen. Dies hat bei mir zu einer neuen Beziehung zu meinem Körper und meinen Mitmenschen geführt. Besonders gut taten mir die schweigend in der Gruppe zurückgelegten Strecken. Beim Pilgern dauerte das meistens so eine Stunde lang.
Die mehrwöchige Ausbildung bei den Bündner Wanderwegen zum Wanderleiter liessen mich in die Natur eintauchen. Eine ganze Woche waren wir z.B. mit einer Biologin unterwegs und lernten vor allem über die Zusammenhänge in der Natur mit Pflanzen, Tiere und Klima. Für die Prüfungen galt es, sich mit der Materie intensiv auseinander zu setzen.
Diese neuen Erfahrungen konnte ich gut einsetzen beim Hüten meiner drei Enkel.

zu 5: Zum Körper Sorge tragen (sich pflegen, sich ausgewogen ernähren, sich bewegen, Sport)

Sich pflegen: Während meiner Berufszeit habe ich Raubbau betrieben an meinem Körper. Der Arbeit habe ich Priorität beigemessen, zeitweise auf Kosten des Schlaf. Veranstaltungen habe ich genossen und war dem Alkohol nicht abgeneigt. Sportlich zählte ich zur Fraktion ‚no sports‘. Bewusst für mich zu sorgen begann ich erst zu meiner Basler Zeit, was sich dann Jahr für Jahr intensivierte. Bald musste ich aufpassen, dass es sich nicht zu einer Obsession entwickelt. Mich interessierten auf einmal all die Beiträge zu Gesundheitsthemen. Irgendwann begannen sich die Ratschläge zu wiederholen, was bedeutet, dass sich das Thema erschöpft, sofern die Empfehlungen im Alltag ihren Niederschlag gefunden haben. Zum Beispiel: Ich benutze nach Möglichkeit nur Seife für die Körperpflege, dusche oder bade nicht mehr täglich. Nach der Rasur pflege ich die Haut wie vom Dermatologen im Hinblick auf Hautkrebs mit Sonnencrème und nicht noch mit einem After Shave. Dem Schlaf widme ich besondere Sorgfalt. In der Rückschau betrachte ich einen gesunden Schlaf als die Grundlage für eine robuste Gesundheit.
Sich ausgewogen ernähren: Bis zu meinem 20. Altersjahr konnte ich jeweils zur Essenszeit an den Tisch sitzen und ein von anderen zubereite Mahlzeit einnehmen. Zudem war die Nachtruhe bis zur Matura geregelt (Nachtruhe um 21.30 und Tagwache um 5.50 Uhr, d.h. mehr als acht Stunden zum Schlafen). Während der Studienzeit in Zürich verpflegte ich mich während der Woche in der Mensa und an den Wochenenden wahrscheinlich eher ungesund aber budget-schonend mit Wurst und Brot. Nachher sorgte meine Frau für gesunde Ernährung vom Einkauf bis zur Zubereitung. Bei den eher zahlreichen Geschäftsessen gab sie mir die Empfehlung, als Dessert jeweils einen Früchteteller zu bestellen. Auf Schnaps verzichtete ich (zum Glück) all die Jahre. Allerdings frönte ich dem Alkohol, vorwiegend Bier und Weisswein. Als AHV-Bezüger stellte ich auf Intervallfasten (16:8) um und achtete darauf, abends spät nichts mehr zu essen und den Alkohol zu reduzieren. Für das Jahr 2025 habe ich mir vorgenommen, dem Zuckerkonsum vermehrt Beachtung zu schenken. All diese Anstrengungen spüre ich, indem meine Schlafapnöe meinen Schlaf nicht allzusehr mit den zugehörigen Aussetzern stört.
Sich bewegen: Bewusst die Bewegung einzuplanen im Alltag begann ich erst mit 59 Jahren, als ich mein eigenes Büro am Rennweg hatte und vielfach meine Wege zu Fuss unternahm. Damals musste ich lernen, wie lange ich unterwegs sein muss, um die 10’000 Schritte pro Tag zu erreichen. Seit das Apple iPhone die Schritte automatisch zählt, lag mein Durchschnitt über die Jahre immer über 10’000 Schritten pro Tag, manche Jahre sogar bei 13-14’000 Schritten. Ich nehme mir auch vor, Treppen zu steigen anstelle Rolltreppen oder Liften, auch wenn in modernen Gebäuden die Treppen eher versteckt sind. Reisen mit dem öffentlich Verkehr bietet viele Gelegenheiten für Bewegung. Die Zeit bei der Intershop ging ich mit dem Auto zur Arbeit nach Winterthur, was prompt zu einer Gewichtszunahme führte, mangels täglicher Bewegung. Dies dauerte nur ein Jahr (2002-2003). Sport hat mir nie etwas bedeutet. Im Rückblick denke ich, wie viele Gelegenheiten ich im Gymnasium all die sieben Jahre lang gehabt hätte, Sport alleine oder mit anderen zu treiben, aber nichts habe ich gemacht. So blieb es mein ganzen Leben.

zu. 6: Bei anhaltenden persönlichen und zwischenmenschlichen Konflikten oder fehlendem Selbstvertrauen Hilfe suchen (z.B. Psychotherapeut)

Anfangs unserer Ehe machte meine Frau Veronika an der PUK ihre Ausbildung zur Dipl. Psychiatrie-Schwester. Sie hielt allerdings für private Probleme den Bezug eines Psychologen als nicht zielführend. Ich selber hatte keinerlei Erfahrung.
Nach meinem (an anderen Ort beschriebenen) ‚annus horribilis’ (2009/2010), wie ich es nenne, versuchten wir es mit einer Paartherapie, die mir eher unangenehm in Erinnerung geblieben ist. Wir kamen nur auf drei Sitzungen, allerdings ohne Fortschritte. Nach meiner Rückkehr in die gemeinsame Wohnung meinte ich mit Veronika einen ‚Deal‘ geschlossen zu haben, dass ich gewisse Zeit für mich habe und wir nicht alles gemeinsam unternehmen würden. Ich wäre z.B. gerne eine oder zwei Wochen pro Jahre mit Gruppen wandern gegangen, weil dies mir immer so gut tat. Damals arbeitet ich vielfach von Montag bis Freitag im Büro. Veronika hatte den Wunsch, einmal pro Woche etwas gemeinsam zu unternehmen. Ihr gefiel es gut in der Region Konstanz-Mainau-Reichenau-Meersburg-Salem. Wir machten Ausflüge dorthin und kauften bei den Hofläden ein. Irgendwann fiel uns das Schild ‚Therme‘ auf und wir planten einen Besuch, der es uns angetan hat. So entstand unser Thermen-Tag am Freitag. An diesem Tag durfte ich nichts anderes mehr abmachen. Mit der Zeit fand ich Gefallen an diesem ‚aufgabenfreien‘ Tag. Veronika war auch zufrieden. 2013 ergab es sich, dass wir vorwiegend am Donnerstag unseren Enkel hüteten. So kam ein zweiter gemeinsamer Tag zustande. Irgendwie spürte ich, mehr möchte ich mich nicht einschränken und begann auf meiner vermeintlichen Abmachung zu beharren, über drei Wochentage könne jeder für sich verfügen. An diesen Tagen traf ich meine Freunde und Bekannten, unternahm Wanderungen oder anderes. Abends war ich nach Möglichkeit um 18 Uhr zu Hause. Veronika indessen wollte alles gemeinsam unternehmen, wenn möglich dem aktuellen Wetter angepasst, wie angeblich andere Ehepaare das so handhaben. Beim Pilgern und Wandern habe ich aber Menschen kennen gelernt, die sich Freiraum gönnen. Zum Beispiel organisiert der verheiratete Fred Duft von Lichtenstein eine 5-tägige Pilgerwanderung über den Lukmanier und geht allein oder mit anderen ins Ausland auf Reisen. Mit ihm habe ich einmal beim Pilgern das Zimmer geteilt. Oder der 2024 verstorbene Paul Lütolf von Witikon, der in seinen 70-er-Jahren alleine mit zwei Pilgerinnen Bergtouren unternahm oder alleine bei Gruppenreisen in ferne Länder reiste, derweil seine Frau Hilda mit anderen Frauen Kunstmuseen im Ausland besuchte. Veronika wollte Golf spielen lernen, was mir überhaupt nicht behagte. Auch wollte sie tanzen gehen, obwohl wir schon bei der Hochzeitsvorbereitung in zehn Stunden kaum den Brautwalzer schafften. Auch wollte sie ein Ferienhaus oder Ferienwohnung, dies als Kompensation ihres ‚Garten-Traumas'. Ich fragte mich mehr und mehr, ob ich mir all diese Wünsche immer und immer wieder anhören sollte. Bei mir verstärkte sich der Wunsch, wie schon im Juli 2009, mein Leben anders auszurichten, diesmal aber auf verträgliche Art. Für mich holte ich Hilfe bei einer Fachärztin für Psychotherapie. Nach etwa drei Sitzungen fragte mich die Therapeutin, ob ich ihre Rechnungen der Krankenkasse einreiche. Ich sagte, das wäre mir nie in den Sinn gekommen, zudem müsste ich dies über den Hausarzt abwickeln, was ich denn dem sagen solle. Sie meinte als Grund: hoher Lebens- und Leidensdruck. Und siehe da, es hat funktioniert. Seit jenem Zeitpunkt staune ich nicht mehr gross über die immer steigenden Krankenkasenprämien. Mit ihr hatte ich gute Gespräche, sie hielt mir den bekannten Spiegel vor. Sie meinte auch, mein Wunsch nach zwei Wochen Aktivität für mich alleine pro Jahr sei legitim und nicht übertrieben. Auch meine wöchentlichen Beschäftigungen ohne Partnerin sei eigentlich fast Voraussetzung für eine funktionierende Partnerschaft.
Nach mehr als 40 Jahren Ehe sowie aus und mit einer gesunden Familie kam ich als Familienmensch zum Schluss, in der bestehenden Konstellation mein Leben weiter zu führen unter Wahrung meiner für mich wichtigen Abgrenzungen.
Zum Gartentrauma meiner Frau und die immer wieder ellenlang repetierten Vorwürfe oder über die nicht erreichten Lebensziele (wie Einfamilienhaus mit Garten) gab mir die Therapeutin eine aus meiner Sicht brutale Methode mit auf den Weg: Die Klopfmethode. (Klopfakupressur: Wofür kann ich Sie verwenden? Die Klopftechnik kann zum Beispiel eingesetzt werden, wenn Sie einen besseren Umgang mit Stress lernen und sich zukünftig nicht mehr so stark von ihm beeinflussen lassen wollen. Auch bei der Überwindung von Schuldgefühlen und Ängsten soll das gezielte Klopfen auf die Meridianpunkte helfen. Selbst traumatische Erlebnisse soll man mit der Technik besser verarbeiten und Trauerarbeit leichter bewältigen können.)

Des weiteren hat sie mir die Lebensweisheit mitgegeben, dass man einen anderen Menschen nicht ändern kann, sondern nur sich selber. Das habe ich aus Gesprächen mit den wenigen ausgewählten Wanderkolleginnen schon erfahren, mit denen ich meine Situation erörtert habe.

Geschrieben in der ZB, 11. Dezember 2024


Mein Morgenritual als ein Ü60 und Ü70
(Dies zum Thema Rhythmisieren des Alltags von Prof. Hell)

Nachdem mein Alltag nicht mehr von Terminen diktiert war und ich meist spätestens um 8 Uhr im Büro war, galt es zu überlegen, wie gestalte ich meinen Tag. Besonders wichtig war dies, als ich meine geschäftliche Tätigkeit im Jahre 2014 im Alter von 63 Jahren vom Rennweg 50 in den Tiergarten 50 zügelte und dort in einem Zimmer mein Büro einrichtete.
Ein erster Grundsatz war: Um 8 Uhr bin ich angezogen und bereit für den Tag, für Telefonate, für Sitzungen, für Gespräche, für Begegnungen. Das hiess aufstehen zu einem bestimmten Zeitpunkt.
In meinen ersten Berufsjahren so um um die 40 Jahre litt ich unter Schlafapnoe und wachte jeweils am Morgen schon müde auf, wusste mir das aber nicht zu erklären. Sobald mein Körper einen Moment der Ruhe gefunden hatte, bin ich eingeschlafen, sei es im Zug, auf einem Stuhl im Einkaufszentrum, an eher langweiligen Sitzungen, beim Schulbesuch zum Leidwesen der Kinder, etc. Im Alter war mein Ziel, weg von CEPAP-Geräten oder Spangen im Mund in der Nacht. Das hiess:
  • Gewicht reduzieren, was bei mir ein Ziel-Gewicht von 75 kg bedeutete, 
  • Alkohol reduzieren, was meiner mehr und mehr abstinenten Familie leicht viel, hatte ich doch den Grundsatz, Alkohol nur in Gesellschaft zu trinken
  • Schlaf beachten. Ich kaufte im April 2022 die Schlaf-App ‚7-Schläfer‘ von Albrecht Vorster zum lebenslänglichen Gebrauch zum Preis von Fr. 140.-. Dort wird empfohlen, abends immer etwa um die gleiche Zeit zu Bett zu gehen und am Morgen alle 7 Tage die Woche etwa zur gleichen Zeit aufzustehen, nach Möglichkeit nach einer durchgeschlafenen Nacht. Ich brauchte mehrere Monate, bis ich das erreichte. Nun gehe ich abends um 10.30-11 Uhr ins Bett und stehe morgens so zwischen 6 und 7 Uhr auf, das gibt 7-8 Stunden Schlaf. Meinem Gefühl nach war diese Regelmässigkeit des Schlafs eine wichtige Grundlage für mein Wohlbefinden. 
Ritual am Morgen bis Bereitschaft, die Wohnung zu verlassen:
  • Aufstehen, Hausschuhe anziehen und auf Toilette
  • Trockenen Mund spülen und in der Nacht angesammelte Säfte ausspucken
  • Bademantel anziehen
  • Kaffeemaschine in Betrieb setzen mit Wasser und Strom
  • Ein Glas Wasser zur Hälfte mit lauwarmem Wasser bereitstellen
  • Bei der Kaffeemaschine zuerst eine Tasse mit heissem Wasser machen, dieses Wasser in das bereit gestellte halbvolle Glas geben
  • Eine Tasse Kaffee zubereiten
  • Glas mit Wasser, Tasse mit Kaffee und Medikamente auf Esstisch
  • Absitzen und langsam das Wasser mit einem Medikament (Euthyrox 25 oder 50 mg alternierend) nehmen
  • Die Tasse Kaffee trinken und die Ruhe geniessen
  • Ein zweites Glas lauwarmes Wasser holen und zweites Medikament einnehmen (Aspirin Cardio 100)
  • Alles aufräumen, meist in Geschirrwaschmaschine, Kaffeekapselbehälter leeren und Kapseln in Recylingbeutel
  • Ev. während Erkalten des heissen Kaffees hinunter zum Briefkasten und Papierzeitung für Veronika holen und ihr ans Bett bringen oder je nach Wunsch ihr einen Kaffee zubereiten 
  • Verschieben Richtung Badezimmer
  • Bademantel aufhängen in meinem Zimmer,
  • Pyjama abziehen und im Bett im Schlafzimmer ausbreiten
  • Ein zweites Mal auf die Toilette, da Kaffee seine Wirkung zeigt
  • Hände waschen
  • Auf die Waage stehen. Gewicht periodisch auf apple.health übertragen
  • Badewasser einlaufen lassen, periodisch (Während der Berufszeit duschte ich eher. Nach der Sanierung unserer Nassräume 2014 bauten wir auf meinen Wunsch hin eine neue Dusche ein, mit stufenlosem Boden und Glastüren. Veronika verlangte das Reinigen des Glases nach jedem Duschen. Dies war aufwändig. Deshalb wechselte ich in die Badewannenfraktion ab 2014).
  • Auf Waage stehen, periodisch und Gewicht in iPhone festhalten
  • Zähne putzen
  • Rasieren von Hand mit Gel und Klinge
  • Badwassertemperatur kontrollieren und ins Bad steigen
  • Körper mit Seife waschen, nach Möglichkeit kein Badezusatz, Haare waschen mit Squamed (Spezialshampoo wegen meiner Psoriasis oder aktinische Keratose auf der Kopfhaut)
  • Sonst Katzenwäsche mit Seife und Waschlappen (Füsse, Pofalte, Achselhöhlen)
  • Aus der Wanne steigen, abtrocknen
  • Brillengläser mit Wasser anfeuchten und Brille putzen
  • Gesicht mit Sonnencrème Lichtschutzfaktor 50 eincremen, jeden Tag gemäss Empfehlung der Hautärztin. Diese Creme ersetzt das früher verwendete Rasierwasser. Bei Sonnenschein werden auch weitere Körperteile eingecremt
  • Haare kämmen
  • Bad so hinterlassen wie angetroffen
  • Am Vorabend bereit gelegte Kleider und ev. Schuhe anziehen
  • Am Vortag vorbereiteten Rucksack nehmen und los geht es nach draussen, sofern etwas ansteht
Wenn ich auf den Zug musste, so genügte bis zu meinem 72. Lebensjahr meist, den Wecker eine Stunde früher zu stellen. Je älter ich werde, so stelle ich den Wecker früher, muss aber zum Glück nicht mehr regelmässig die Wohnung auf einen bestimmten Zeitpunkt verlassen.
Mit diesem Ritual, vor allem auch mit dem Schlaf fühle ich mich ausgeruht und habe jeweils einen schönen langen Tag für meine Aktivitäten. Auf Mittagsschlaf verzichte ich, damit ich am Abend müde bin und problemlos einschlafen kann.
Am meisten hat mir die Beachtung des Schlafes geholfen wie auch der Grundsatz, um acht Uhr angezogen und bereit für das Tagewerk zu sein.
Das CEPAP-Gerät der Lungenliga, früher für ca. Fr. 5000.- erworben, habe ich entsorgt, die Zahn-Spangen zur Erweiterung des Rachenraumes zur Verminderung des Schnarchens habe ich noch behalten, für alle Fälle.

Dazu Idee aus dem Buch von Doris Dörrie: Leben Schreiben Atmen.
Angenehmer Moment in meinem Leben:
(Inspiriert von Max Frisch, Tagebuch 1946-1949, Café de la Terrasse)
Morgenkaffe zwischen den Jahren
In der Zeit zwischen den Jahren, Weihnachten ist vorbei, freie unverplante Tage vor mir. Am Morgen stelle ich die Kaffeemaschine an, ebenso die Lichterkette auf dem Balkon wie auch den 2022 erstmal mit einer Leuchtkette dekorierten Weihnachtsbaum. Alle anderen Lichter sind abgeschaltet. In dieser Stimmung, draussen dunkel, sitze ich am Esstisch und geniesse meinen Morgenkaffe, es ist stille, ich und diese Lichtlein: Ein schöner Moment, ein kraftgebender Start in den Tag, geborgen in der eigenen Wohnung, den Duft des Kaffees in der Nase, das Leben erwacht. Nichts wird von mir erwartet in diesen Tagen, vieles wäre möglich. Was will ich mehr?

Geschrieben am Schreibkurs mit Regula Tanner in Kappel am Albis im Januar 2023.

Abendritual
  • Vor dem Essen 3. Tablette (Cholesterinsenker Atozet 40/100) mit lauwarmem Wasser einnehmen
  • Abendessen wenn möglich um 18 Uhr bis spätestens 19 Uhr, zur Einhaltung des Intervallfastens mit 16 Stunden ohne Nahrungsaufnahme (19 Uhr bis 11 Uhr am andern Tag)
  • Nachrichten am iPad, Fernsehen, Zeitung konsumieren, Gespräche, Lesen, etc.
  • ab 21.30 Uhr, wenn möglich Bildschirmarbeit vermeiden
  • 22.30-23.00 Uhr nach letztem Gang auf die Toilette Übergang ins Bett, direkt zum Schlafen, allenfalls etwas Lesen aus einem Buch aus Papier. Normalerweise schlafe ich relativ rasch ein. Während des Tages verzichte ich auf Schlafpausen, damit ich am Abend wirklich müde bin oder mit anderen Worten, der aufgebaute Schlafdruck hoch ist.
  • 6-7 Stunden Schlaf, wenn möglich ohne Pause

Wir sind Mitglied bei den Zürcher Seniorinnen und Senioren (ZSS), die von einer ehemaligen Nachbarin und FDP-Gemeinderätin Cäcilia Hänny geleitet wird. Dadurch haben wir Zugang zum Seniorweb. Der hat hat im November 2025 der Altersforscher François Höpfliger hat seine fünf Säulen für ein gutes Leben im Alter dargelegt.
  • Wirtschaftliche Sicherheit
  • Gutes Gesundheitssystem
  • verbesserte Grundlagenforschung
  • Soziale Integrateion
  • Offenheit für a) Neues,  für b) nachkommende Generationen und für c) selbstverantwortliches gesundes Verhalten.
Für mich stimmt das. Ich fühle mich integriert, bin neophil, hüte die Enkel, lebe gesund.

Der Altersforscher Otfried Höffe hat ein ganz einfaches Rezept mit seinen vier L oder den big L's: Laufen, Lernen, Lieben, Lachen, (Luft). Seit Adrian auf der Welt ist, übe ich diese Tätigkeiten mit Inbrunst aus. Die L's sind in der Altersliteratur unterdessen ziemlich verbreitet, bilden aber eine einprägsame Leitlinie.

Mir wurde mehr und mehr bewusst. Alt werden ist eine Aufgabe und mit dieser muss man sich aktiv auseinandersetzen. Interessant ist, dass sich bei der Beschäftigung mit dem Alter die Hinweise mehr und mehr wiederholen, ein Zeichen, dass man das Meiste erfahren hat, dies aber umsetzen sollte.

Sir William Osler gilt als Vater der modernen Medizin. Nach ihm ist es wichtigste Aufgabe eines Arztes, den Menschen dazu zu bringen, keine Medikamente zu nehmen. Um Würde und Lebensqualität zu wahren, sollte das Leben nach einem bestimmten Alter nicht künstlich verlängert werden. Er äussert sich kritisch über eine übermässige Lebensverlängerung und medizinische Überversorgung im Alter.
Weltweit steigt die Lebenserwartung – aber Menschen sind auch länger krank. The Lancet Public Health sagt auf Grund einer Langzeitstudie von 1990 bis 2023, dass 1990 die Menschen im Mittel 8.8  und 2023 bereits 10.7 Lebensjahre bei schlechter Gesundheit verbrachten – ein Siebtel des Lebens. 
Dies ist für mich Anregung, mich über den Umgang mit der Gesundheitsindustrie Gedanken zu machen. "Ich, Nikolaus Ignatius Wild, lehne lebensverlängernde Massnahmen ab, die meinen natürlichen Tod hinauszögern. Meine Medikamente (Euthyrox (Schilddrüse), Atozet (Cholesterinsenker), Aspirin Cardio (Blutverdünner) sollen nur fortgeführt werden, solange sie meiner Lebensqualität dienen. Im Falle einer schweren, unheilbaren Erkrankung wünsche ich palliative Betreuung und den Verzicht auf intensivmedizinische Eingriffe. Mein Fokus liegt auf Würde und Schmerzfreiheit." 

Nach dem ärztefreien 2025 habe ich ein Jahr 2026 der Medizin. Ich werde im Dezember 2026 nochmals zum Kardiologen in die Kontrolluntersuchung gehen. Ab Januar 2026 halbiere ich meine Medikation und schaue im Dezember 2026, ob es Auswirkungen hat:
  • Euthyrox: 125 mcg pro Woche statt 250, d.h. Di und Do 50 und Sa 25.
  • Atozet: Di Do Sa statt täglich, 30 mg statt 70 mg pro Woche. Dies ist vertretbar, hat doch die Pharmaindustrie die Senkung der Grenzwerte durchgesetzt und damit muss mir bei meinen Blutwerten jeder seriöse Arzt das Medikament – zum glück in einer tiefen Dosis – verschreiben.
  • Aspirin Cardio: Di Do Sa, 300 mg statt 700 mg pro Woche.
Früher sagte ich jeweils, wenn ich 77 Jahre alt werde, kann ich zufrieden sein. Ich möchte sterben wie meine Mutter oder mein Bruder Gandolf, an Herzversagen. Die Risiken beim Absetzen der Medikamente sind bei allen drei Medikamenten verstärkte Probleme mit dem Herz.


Am 2. Juli 2017 klettert Niklaus am Üetlibert eine (Kletter-) Wand hinauf. Er musste wieder umkehren. Isabelle war dabei.

 

Meine 'lebenslänglich' am Morgen einzunehmenden Medikamente. Euthyrox für die Schilddrüse. Aspirin Cardio 100 und Atozet 40/100 für Herz (Blutverdünner, Cholesterinsenker).

 

Ab wann hat dich das Älterwerden beschäftigt?
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26.  Gutes Leben im Alter

Ab wann hat dich das Älterwerden beschäftigt?
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Wendepunkt in meinem Leben

(Geschrieben in der 'Oase des Schreibens' von Rosemarie Meier Dell’Olivo, Pro Senectute, 3. Dezember 2023)

Vorbereitung auf das Alter

Meine Frau arbeitete für die Stadt Zürich, als sie im Alter von 55 Jahren das grosszügige Angebot erhielt, an einem dreitägigen Seminar zur Vorbereitung auf das Alter teilzunehmen. Das Angebot umfasste alle Lebensbereiche, nicht nur die finanziellen Aspekte. Auch die Partner waren eingeladen. Obwohl meine Frau sich nicht anmelden wollte, interessierte mich das Thema, und ich beschloss, gerne drei Urlaubstage dafür zu investieren.
Die Veranstaltung fand am Klusplatz in einem wunderschönen Backsteinhaus statt, dem ehemaligen Spital Thodosianum. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Vortrag eines Treuhänders, der unter anderem sagte, dass man sich in den Ruhestand versetzen lassen und danach sogar wieder arbeiten kann, sogar beim gleichen Arbeitgeber. Diese Aussage pflanzte einen Samen in meinem Kopf. Bisher hatten mich die AHV- und Pensionskasse nicht besonders interessiert; ich hatte einfach gearbeitet.
Zu dieser Zeit war ich beim Kanton Basel-Stadt beschäftigt. Aufgrund eines strukturellen Defizits in der Pensionskasse gab es eine Volksabstimmung, und das Thema war in aller Munde. Ein Kollege aus Basel gab mir das Pensionskassenreglement, das ich auf meiner Pendelstrecke von Basel nach Zürich durchblätterte. Dabei stiess ich auf einen eingerahmten Satz:
"Jede Angestellte und jeder Angestellte kann ab dem 58. Altersjahr auf Ende jeden Monats die Pension verlangen."
In dieser Zeit sagte mein junger Vorgesetzter: "Niklaus, du solltest noch eine Weiterbildung buchen; jeder von uns hat Anspruch auf 3 Tage pro Jahr." Ich fragte ihn, ob es auch ausserhalb meines Fachgebiets sein könnte, denn mein Weiterbildungsbedarf war bereits gedeckt. Also meldete ich mich für einen Kommunikationskurs an. Ich erinnere mich an eine Schlüsselstunde. Nach dem Mittagessen bekamen wir die Aufgabe, eine Zeichnung zu erstellen, die zeigt, wo wir unseren Lebensabend verbringen möchten. Zeichnen war nie meine Stärke. Ich zeigte den Zürichsee als Ergebnis, da ich mir jede Gegend bis in die Linthebene vorstellen konnte. Zu meinem Erstaunen war es weder mein Heimatkanton Appenzell noch die von mir so geliebte Bodenseeregion. Es war jedoch auch nicht Asien oder irgendwo im Ausland.
In mir begann es zu arbeiten, und ich begann zu kombinieren. Ich erkundigte mich bei der Pensionskasse, wie es bei einer vorzeitigen Pensionierung aussehen würde. Die Stadt Basel hatte grosszügige Bedingungen, angelehnt an die Reglemente der Pharma, zum Beispiel volle Pension für alle ab 63 Jahren. Ich hatte bereits bis zum Alter von 61 Jahren eingezahlt, sodass die Einbusse bei einer um drei Jahre vorgezogenen Pensionierung akzeptabel war.
Der Entschluss reifte in mir: Selbstbestimmte Frühpension mit 58 Jahren und Gründung meines Immobilienbüros in Zürich. Dies setzte ich im Herbst 2009 um, im Alter von 58 Jahren. Im Nachhinein war dies einer der besten Entscheidungen meines Lebens und ein bedeutender Wendepunkt. Ich musste lernen zu arbeiten, denn Delegieren war nicht mehr möglich. Im Büro am Rennweg musste ich alles selbst erledigen: Briefe schreiben, den Drucker mit WLAN verbinden, Druckerpapier wechseln, Briefpapier drucken lassen, die Kaffeemaschine warten. Früher hatten das andere in den Betrieben erledigt. Ich ging in meinem Büro praktisch in die Lehre.
Aber ich spürte auch die neuen Freiheiten; ich war nicht mehr eingespannt wie der Schinken in einem Sandwich. Drei Jahre später wurde mein erster Enkel geboren, den ich dank meiner neuen Freiheiten eher betreuen und geniessen konnte als meine eigenen Kinder früher. Auch konnte ich mich langsam von der Berufswelt verabschieden und mich mit dem Älterwerden anfreunden.

Zürich, 13. Dezember 2023 / W

Mein Smartphone als mobiles Büro

Das heute übliche Smartphone hat Apple 2007 auf den Markt gebracht. Ich arbeitete damals in Basel war Fan von Ericsson-Geräten. Mein altes Natel wollte ich ablösen und wusste schon, welches Modell ich erwerben wollte. Mein Sohn Raphael war ziemlich tech-affin. Er telefonierte mir, ich solle unbedingt warten, bis das iPhone von Apple zu kaufen sei in der Schweiz, das könne mehr als er je gedacht hätte. Das hiess etwas. Damals galten Apple-Produkte als abgehoben, teuer, geeignet vor allem für Kreative wie Architekten. Ich kaufte das heute im MOMA ausgestellte iPhone 4. Mit Veronika war ich im Wallis unterwegs Anfang August 2009 auf dem Rückweg vom 60. Geburtstag von Monique Schaller Rähm (1949-1923). Ich wollte mit dem neu erworbenen iPhone telefonieren, schaffte es aber nicht, ich fand die Tastatur nicht. Ich telefonierte Raphael von einer Telefonkabine aus. Ich hatte anfänglich immer wieder Mühe mit dem Gerät und wollte es wirklich zurückgeben. Die Ericsson-Geräte hatten Tasten und waren für Telefonieren und SMS-Verkehr eingerichtet. Apple hat die Bedienung mit Finger auf der Oberfläche eingeführt. Raphael hat mir geholfen und heute möchte ich es nicht missen. Für mein im Jahre 2009 eröffnetes Immobilien-Büro am Rennweg habe ich nur Apple-Geräte gekauft. Für Support hatte ich den Apple-Shop, damals in 100 m Entfernung an der Bahnhofstrasse. Dort besuchte ich gratis auch all die Einführungskurse in die kostenlos installierten Programme zum Schreiben, Rechnen und Präsentieren.
Das Smartphone wurde mehr und mehr mein mobiles Büro. Überall und jederzeit konnte ich auf Dokumente zugreifen, Mails empfangen und versenden, war erreichbar via Telefon oder SMS. Auch Anhänge der Mails liessen sich lesen. Das war für mich die Innovation und Erleichterung in meinem Leben. All die Betriebsanleitungen habe ich gelesen und war immer auf dem neusten Stand. Die Handhabung wurde immer anwendergerechter, dafür die Einstellungen anspruchsvoller.
Andere Leute machten Fotoalben. Ich schaffte es nicht. Apple hat das auch angeboten, liess die Bücher in Irland drucken. Bei einem Versuch war das Porto so teuer und das Buch zerfallen wegen schlechter Bindequalität. Als die Enkel da waren, machte ich erste Versuche mit der in Möchaltorf ansässigen Bookfactory. Wegen eines Projektes auf dem Nachbargrundstück bin ich auf diese Firma gestossen. Es brauchte aber einige Zeit und mehrere Booklets, bis ich das Programm einigermassen sicher bedienen konnte. Das ca. 70 Seiten umfassende Buch für meinen ältesten Enkel Adrian im Jahre 2023 hat mich viel Zeit gekostet, dafür aber weiter gebracht, auch durch die verschiedenen Feedbacks.
Die Digitalisierung hat mein Leben vereinfacht. Wenn ich zurückblicke, habe ich an meinen Arbeitsstellen bei den SBB, dem Flughafen Zürich und beim Kanton Basel-Stadt in leitender Funktion immer grössere Projekte lanciert, die die Grundlage für die heutigen Immobilien-Datenbanken bildeten.
Die Enkel hatten jeweils ein Auge auf unsere iPads und Smartphones. Irgendwie ist das verständlich, sehen sie doch rundum Erwachsene dauernd am Handy oder am Computer. Meine Tochter Milena sagte jeweils, die Kinder sind fasziniert von bewegten Bildern, gleich was der Inhalt ist. Sie hat uns keine Instruktionen gegeben für den Umgang mit ihren Kindern in diesem Bereich. Ich versuchte soviel wie möglich mit ihnen nach draussen zu gehen, damit das Thema erst am Abend zur Sprache kam.
Adressen für Familie Wild-Büchel über Jahre nachgeführt. 2025 zum letzten Mal. Mobil-Nummer und Social-Media sind vorrangige Kommunikationsmittel, Adressen spielen keine grosse Rolle mehr. Geburtstag können problemlos gespeichert werden.

Geschrieben im IC 8, Zürich-Frauenfeld, 22. Oktober 2024
Religiosität
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27.  Religiosität
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Christliche Erziehung (aus Buch)

Getauft wurde ich von Pfarrer Anton Selva – wie damals üblich – am Tage der Geburt auf Nikolaus. Gemäss Notiz meines Vaters bei der Taufkerze: ‘Geboren 02.25, Taufe 14 Uhr’. Der Name stammt von Bruder Klaus vom Flüeli Ranft. Er gilt als Schutzpatron der Schweiz. 1947 ist er heiliggesprochen worden, was für meine Eltern der Anstoss für die Namensgebung gewesen sein könnte. Namenstag ist am 25. September. An diesen Jahrestagen bekam ich eine Schokolade mit der unausgesprochenen Meinung, diese mit den Geschwistern zu teilen.

Mein zweiter Name Ignatius könnte von einem Onkel inspiriert worden sein. Der älteste Bruder meines Vaters Johann Baptist (Bisch) (1903-1967) ist Jesuit geworden. Ignatius von Loyola war der wichtigste Mitbegründer und Gestalter der später auch als Jesuitenorden bezeichneten „Gesellschaft Jesu“. Die Kurzform tönte wie ‚Nati‘ oder ‚Nazi‘. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es nicht förderlich, diesen Namen den Leuten unter die Nase zu reiben. Ich erwähnte ihn nie. Erst im Berufsleben schrieb ich jeweils Niklaus I. Wild, da viele so ihren zweiten Vornamen in Szene setzten.

Die Feiertage wie St. Nikolaus, Weihnachten und Ostern wurden bei uns gefeiert. Die Adventszeit bis Dreikönigstag war eine schöne Zeit im Jahr. Vater hatte für die Kommode in der Stube einen Aufbau geschreinert, auf dem er die selber hergestellte Krippe aufstellte. Während der übrigen Zeit stand eine heilige Maria dort. Abends um halb neun knieten wir vor ihr auf den Boden und beteten zusammen mit Vater und Mutter. Nachher war für die Kleineren Nachtruhe angesagt.

Das gemeinsame Mittag- und Abendessen begann und endete immer mit einem Tischgebet. Die christliche Erziehung war den Eltern ein Anliegen. Mutter war im katholischen Frauen- und Mütterverein aktiv.

Wir Buben dienten als Messdiener am Sonntag, aber auch werktags an Frühmessen. Wir bildeten eine Gemeinschaft. Der Pfarrer führte uns in den Dienst ein, wir hatten Vorbereitungen für Hochämter, für die wir koordiniert auftreten mussten. Wir übten das Schwingen des Weihrauch-Fasses oder das Tragen des Kreuzes. Auf dem Foto sieht man so einen Auftritt anlässlich einer Primiz.Die katholische Kirche mit dem Pfarrhaus war für mich neben dem Schul- und dem Elternhaus der dritte prägende Ort. Sie war sanierungsbedürftig und wurde 1975 abgebrochen, um die Umfahrungsstrasse zu ermöglichen.

Sich in der Kirche zu bewegen, brauchte anfänglich Mut. Für uns Ministranten war der Altarraum wie eine Bühne. Als ich zwölf war, kam der Pfarrer auf mich zu, ich könnte Oberministrant werden und die Lesung in der Kirche vortragen. Ich sagte das meiner Mutter. Sie übte mit mir zu Hause den Text. Mein erster Auftritt fand an einem Sonntag vor voll besetzter Kirche mit Stehplätzen hinten und auf der Seite statt. Ich war nervös, schaffte es aber mit klarer Stimme, damals noch ohne Mikrofon. Später bemerkte ein Bauer: ‘Niklaus, bei dir habe ich zuhinterst in der Kirche jedes Wort verstanden, vom Pfarrer aber nichts.’ Das hat mich richtig stolz gemacht.

An Tagen mit Frühmesse führte dies für mich als Primarschüler zeitweise zu einem dichten Tagesprogramm wie diesem:

6.00 mit Velo nach Teufen in die Kirche

6.30 Ministrieren zur Frühmesse

7.00 Rückfahrt nach Hause

7.20 Frühstück

7.45 mit Velo in die Schule Bühler

8.10-11.50 Vier Lektionen Schule

12.10 Gemeinsames Mittagessen

13.10 mit Velo in die Schule Bühler

13.30-16.20 Drei Lektionen Schule oder eine Stunde Katechismusunterricht im Sitzungszimmer des Polizeipostens in Bühler am ‘freien’ Mittwoch-Nachmittag

16.20 zeitweise Einkauf in Metzgerei, Bäckerei, Kolonialwarengeschäft, Heimfahrt mit Velo

17.00-18.00 Hausaufgaben, Hilfe im Haushalt

18.00 Gemeinsames Abendessen

18.30 Abwaschen

19.00-20.30 Geschichten lesen oder hören, basteln, spielen, freie Zeit

20.30 Gemeinsames Abendgebet in Stube

20.45 Bettruhe, zeitweise zu zweit im Bett


Religionskrieg auf dem Pausenplatz

In einer Schulpause haben mich zwei Buben aus einer anderen Klasse als Katholik beschimpft und mit mir Streit angefangen. Es waren zugezogene Knaben, die wahrscheinlich von den Eltern aufgehetzt worden waren. Sie hatten die Rechnung ohne die reformierten Kollegen aus meiner Klasse gemacht. Diese nahmen für mich Partei. Einer der Angreifer ging nach der Pause mit einem blauen Auge in den Unterricht zurück. Nachher war die Religion auf dem Pausenplatz kein Thema mehr.

Biblische Geschichte

Primarlehrer Steiner hatte die Idee, im biblischen Unterricht alle Kinder unabhängig von der Konfession zu unterrichten. Davon war meine Mutter nicht beglückt und schrieb ihm einen Brief. Er erläuterte ihr den geplanten Stoff und ich durfte diese Stunde besuchen. Mir gefiel sein Unterricht fast besser als der Katechismus-Unterricht beim Pfarrer.

Kantons- und Religionsgrenze

Grossvater zügelte 1905 vom katholischen Innerrhoden in das reformierte Ausserrhoden. Er hat nicht nur eine Kantonsgrenze überschritten, sondern auch eine Religionsgrenze. Wir lebten in der Diaspora und gehörten nicht richtig dazu. Dies prägte mein Leben. Ein Beispiel: Fasnacht gab es nicht für uns. In Innerrhoden fand diese vor dem Aschermittwoch statt, in Ausserrhoden aber erst danach, just zu Beginn unserer 40-tägigen Fastenzeit. Wir haben uns nie verkleidet oder mitgemacht. Auf der anderen Seite des Rotbachs lag die Göbsi im Innerrhodischen. Unser Land grenzte an den Rotbach. Auf eine Art waren wir entwurzelt.


Primiz von Pater Franz-Xaver Errazuriz aus Chile am 3. September 1961 in Teufen. Ministranten. Niklaus 2. Reihe links, neben Thomas Fürer.

 

*** 

 

Fotorückseite: 3. September 1961 bei Kirche in Teufen. Ministranten: Einzelne Namen wie Niklaus Wild & Thomas Fürer, Sepp Dörig, Toni Schürpf (Göbsi), Bernhard Fürer & Hans Zeller, Pfarrer Forrer, Hans Inauen Schönenbühl

 

Mein Bruder Tony (*1946) meint, er sei nicht auf der Foto, weil er wahrscheinlich das Kreuz getragen hätte und vor uns gewesen sei. Warum diese Primiz eines Geistlichen aus Chile bei uns in Teufen stattgefunden hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Vier Jahre später feierte mein ältester Bruder Gandolf (1940-2022) seine Primiz in Teufen. Die Notizen auf der Bildrückseite stammen einerseits von meinem Vater (blau) und von meinem Bruder Tony (schwarz).

 

 

 

Wir feierten unsere Namenstage eher als unsere Geburtstage. Mein Namenstag war jeweils am 25. September, gratuliert haben mir aber die meisten am 6. Dezember, am Sami-chlaus-Tag.

Ich wurde auch mit 10 Jahren vom Bischof am 4. Juni 1961 gefirmt, mein Firmgötti war ein Nachbar in der Göbsi (Weidseppe-Bisch). An Neujahr durfte ich jeweils zu ihm zum Mittagessen. Er wäre jeweils müde von der Arbeit im Stall und machte nach dem Essen seinen Mittagsschlaf. Mit seiner Mutter machte ich Spiele. 

Wenn ein Katholik in unserem Dorf gestorben ist, wurde er im Bühler beerdigt. Als Ministrant wurde ich gelegentlich angefragt ob ich dabei sein könnte, was der Lehrer jeweils erlaubte, da deswegen keine Gefahr für schlechte schulische Leistungen bestand. Der Pfarrer brachte seine und meine Gewänder und Utensilien von Teufen mit. Wir zogen diese dann in der nahegelegenen Schreinerei an, die der katholischen Familie Fürer gehörte.

Als Ministrant schritt ich an Beerdigungen den Trauernden jeweils mit einem Holzkreuz voran zum Grab. Wenn der zelebrierende katholische Priester mir im Rahmen der damals üblichen Beerdigungsrituale das Kreuz aus der Hand nahm, es nach den Worten «Du bist aus Staub und wirst wieder zu Staub» in den Erdhaufen neben dem Grab steckte, durchzuckte es mich immer, ich spürte, das ist endgültig.  Damals dachte ich, der Tod sei für alle gleich. Dass wir sterben, ist auch heute noch für alle gleich. Wie wir sterben und welche Beerdigungsrituale wir wollen, ist von Person zu Person verschieden.

An diesen Beerdigungen und den dazugehörigen Geschichten lernte ich viel über das Abschied nehmen vom Leben.  Die Mutter hat uns die Philosophie mitgegeben, dass der Tod nur das Ende des irdischen Lebens bedeutet und der Beginn eines neuen Abschnitt sein kann. Eigentlich sollte es nach ihr ein Freudentag sein. 

Auch auf einem Bauernhof geht Geburt und Tod ineinander über. Ich sah auch bestandene Bauern Tränen vergiessen, wenn eine lieb gewordene Kuh, die viele Jahre ihre Milch lieferte, gestorben oder zum Metzger gebracht werden musste. Manchmal half ich dem Vater auch, tote Schweine in der Erde zu vergraben, was damals nicht unüblich war.


Katholische Kirche Teufen AR mit Pfarrhaus, erbaut 1896, abgetragen wegen Umfahrungsstrasse 1972

 

Katholische Kirche Teufen AR, Innenansicht, 1933

In meiner Primarschulzeit sah die Kirche noch so aus. Der Priester las die Messe mit dem Rücken zum Volk, als Ministranten knieten oder standen wir am Fusse des Altars, wo wir zur Wandlung die Glocke mit der Hand bewegten. Im Schiff waren rechts die Knaben und die Männer, links die Mädchen und die Frauen. An Sonntagen war die Kirche voll besetzt, zum Teil mit Stehplätzen hinten und auf der Seite.

Die Kirche spielte bei uns neben dem Bauernhof und der Schule eine prägende Rolle.

Veränderte Einstellungen zu religiösen Fragen mit dem Älterwerden?
Bis zu meiner Matura im Jahre 1971 war mein Leben von der katholischen Kirche und deren christlichen Werten geprägt. Geografisch in Bühler in der Diaspora und in Appenzell im Internat in katholischen Gefilden, als Student an der ETH in Zürich dann wieder in der damals spürbaren Minderheit. In Zürich trat ich 1972 in die Studentenverbindung Kyburger ein und war wieder im katholischen Milieu zu Hause. Heute würde man sagen, ich lebte in einer katholischen Wolke.

In meinem Heimatdorf Bühler sah ich wie die anderen Kinder in die Kirche gingen und auch in die Sonntagsschule. Da wir aber am Rande des Dorfes wohnten, hatten wir nicht so grossen Bezug dazu.

Auf meiner mehrmonatigen Afrikareise 1974/75 spürte ich von Religion im katholischen Sinne nicht viel. Dort lernte ich die islamische Kultur von aussen kennen, vor allem auch der Fastenmonat Ramadan. In Schwarzafrika spielte damals reformiert, katholisch oder Islam keine Rolle oder ich spürte nichts. Mein Bruder war allerdings Missionar in Tansania und führte dort ein Gymnasium im christlichen Sinne. Er meinte, der Islam breite sich aus und Händler würden sich zum Islam bekennen, weil sie finanzielle Unterstützung erhielten. 

Berg Athos
Auf der Landzunge der Halbinsel Chalkidiki in der Ägäis haben Frauen bis heute keinen Zugang. Auf dieser Insel wurde ich das einzige Mal in meinem Leben unsittlich berührt und zwar von einem dort lebenden Mönch. Ich konnte mich davon machen. Schon damals begeisterte mich die ganze Einrichtung nicht besonders, war aber in jenem Lebensalter noch voll von der katholischen Kirche geprägt und hinterfragte nicht viel.

Da ich Ministrant und auch in einem katholischen Internat war, werde ich im Alter öfters darauf angesprochen, wie es denn bei uns so gelaufen sei bezüglich Missbrauchsfälle. Ich habe all die Zeit nichts derartiges erlebt oder gehört. Bei einem Maturandentreffen haben wir das einmal thematisiert. Aber auch keiner meiner Kollegen konnte diesbezüglich etwas berichten.

Für mich gab es nur den Katholizismus. Zuhause, in der Kirche, am Gymnasium und in Zürich bei den Kyburgern war dies die in keiner Art hinterfragte Religion. Mit anderen Religionen oder Strömungen haben wir uns höchstens im Geschichtsunterricht auseinandergesetzt. Heute würde man vom religiösen Leben in einer 'Wolke' leben.

 Auf dieser Grundlage war es für mich selbstverständlich, katholisch zu heiraten. Mein elf Jahre älterer Bruder Gandolf traute uns, auf Wunsch meiner reformierten Frau auch im Beisein ihres Göttis Alfred Müller, der reformierter Pfarrer war.

Als ‚gemischtes‘ Paar hatten wir eine Ehe-Unterweisung zu besuchen, was wir zwei Häuser von meiner Studentenbude am Hirschengraben entfernt, beim Jesuitenpater Schnetzer machten.

Für mich war selbstverständlich, dass unsere drei Kinder katholisch getauft wurden. Dies geschah in Zollikon von Pfarrer Albrecht.

Reformierte Kirche mit der eigenen Familie
Nach unserem Umzug von Zollikon nach Zürich im Jahre 1989 wünschte meine Frau, dass die Kinder zur reformierten Kirche übertreten. Zu meinem Erstaunen genügte dafür ein Gespräch der sympathischen reformierten Pfarrerin, die zu uns nach Hause zu ihrem Antrittsbesuch gekommen ist. Bis zu diesem Gespräch bewegte ich mich buchstäblich in einem katholisch geprägten Umfeld. Es wurde wenig hinterfragt.

Als Familie verkehrten wir in der reformierten Kirche Bühl in Zürich, wo alle drei Kinder konfirmiert worden sind und die älteste Tochter  Milena auch ihren David Hitz geheiratet hat. Meine Frau zog es 2009 einige Jahre in die Predigerkirche zu Pfarrerin Renate von Ballmoos. In jener Kirche wurde die Ökumene gepflegt, war doch im Sold der katholischen Liebfrauenkirche ein katholischer Priester dort tätig.

Mit der Religion auseinander zu setzen begann ich mich mit dem 500 Jahr-Jubiläum der Reformation. Gut erinnern mag ich mich an die Diskussionen in den Medien, ob die Kirche für ein Jubiläum soviel Geld investieren soll. Ich besuchte Veranstaltungen zusammen mit der antiquarischen Gesellschaft, sah bei einem deutschen Sender einen aufschlussreichen dreiteiligen Film über Luther, ergänzt mit begleitenden Gesprächen. Auch las ich Bücher über die Reformation und auch über Zwingli. Der Zwingli-Film in Zürich hat all das konzentriert dargestellt. Ein Beitrag ist mir in der Erinnerung geblieben mit dem Inhalt: Es hat 500 Jahre gedauert, bis die katholische Kirche die Forderungen von Luther erfüllt hat, heute wäre die Reformation nicht mehr nötig. Die Auseinandersetzungen vor 500 Jahren habe ich als über 60-Jähriger zum ersten Mal wahrgenommen. Meine Frau Veronika sagte jeweils, mit meiner Einstellung wäre ich damals auch zu den Reformatoren übergetreten. Dieses Jubiläum hat bei mir zu einem Erkenntnisgewinn geführt.

Mit der Zeit begann ich Religion und Kirche auseinander zu halten, vor allem vor dem Hintergrund, dass das päpstliche Rom  zu erstarren scheint und vom Aufbruch, den ich als Gymnasiast vom zweiten Vatikanischen Konzil 1964 spürte, nicht viel übrig geblieben ist.

Beim Wandern habe ich mit einer 60 jährigen asiatisch aussehenden Frau jeweils über Religionen gesprochen. Sie flüchtete im Verbund mit der ganzen Familie als 20 Jährige von Vietnam in die Schweiz und lebt in Einsiedeln. Sie ist dem Buddhismus treu geblieben, wobei sie immer betont, dies sei keine Religion sondern eine Lebenshaltung. Dies gefällt mir am Buddhismus wie auch durch die Tatsache, dass sich der Buddhismus nicht durch selber angezettelte Kriege ausgebreitet hat. Heute würde ich mich wahrscheinlich eher dieser Lebenshaltung zuwenden.

Bis zu meinem 72. Lebensjahr war meine Haltung, ich werde dem Katholizismus treu bleiben und bezahle auch die entsprechenden Kirchensteuern. Er gehört zu meinem Leben, auch wenn ich ihn nicht mit Kirchenbesuchen praktiziere. Im Sommer 2023 kam ich auf einer Wanderung von Gais nach Trogen in meinem Heimatkanton mit einer Frau (BE) ins Gespräch. Sie wuchs wie ich als eine der jüngeren in einer Grossfamilie auf, im luzernischen Buttisholz. Ihre Jugend und meine deckten sich ziemlich, was die christlich/katholische Erziehung anging. Sie hatte einen Onkel, der im afrikanischen Kamerun Missionar war. Über diesen Benediktiner gibt es ein Buch, das sie mir zum Lesen gegeben hat. Wir redeten über unseren Umgang mit der katholischen Kirche. Ich tat ihr meine Haltung kund und sie meinte, ich solle mir einmal überlegen, denn mit dem Bezahlen der Kirchensteuer halte ich das System am Leben. Dieses Argument hat mich nicht mehr losgelassen und im September 2023 habe ich den Austritt aus der katholischen Kirche gegeben und dies auch bestätigt erhalten. Jetzt bin ich konfessionslos. Meine Gesprächspartnerin ist zu den Christ-Katholischen übergetreten. Sie hat mir folgende schöne Zeilen geschrieben: 'Lieber Niklaus. Ich war gerade in Mariastein, als deine Nachricht kam. Dorthin gingen meine Eltern immer in die Seniorenferien mit der Gemeinde Buttisholz. Die innere Verbundenheit ist ja trotzdem da, zu jener Kraft und Liebe, die uns wollte und geschaffen hat, auch ohne Zugehörigkeit zu dieser Institution. Geprägt bin ich dennoch, nicht nur durch eine teilweise unmögliche Erziehung, sondern auch durch viel Schönes: die Kirchenmusik, Rituale und natürlich das Gebet. Von Herzen ein gutes Wochenende und liebe Grüsse (BE).

An einer Führung über das Zürcher Quartier Aussersihl habe ich am 12. Juli 2025 erfahren, dass in Zürich als Folge des Ersten Lateran-Konzils sich die Katholische und die Christkatholische Kirche trennten. Letztere erhielten die Augustinerkirche an der Bahnhofstrasse, die Katholiken bauten in Aussersihl zwischen Stauffacher und Bahnhof Wiedikon ihre erste Kirche (St. Peter und Paul) mit einem Turm. Eine Zeit lang spielte ich in der Folge mit dem Gedanken, der christkatholischen Kirche beizutreten. 2026 habe ich diese Idee verworfen, bleibe zusammen mit Veronika der reformierten Kirche verbunden, sofern sie die Initiative ergreift.

Vierzig Jahre Katholizismus prägt. Mit dieser Prägung werde ich leben, wenn auch kritischer als früher. Die Grundhaltung für ein sozial verträgliches Zusammenleben wird bleiben. 

Die sich in vielen Ländern ausbreitende Herrschaft der Reichen führt nicht zum guten Leben für uns Menschen, wie die meisten wünschen.

Für ein gutes Leben essentiell wären folgende sieben Basisgüter, unabhängig von der Religion: Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Persönlichkeit, Harmonie mit der Natur, Freundschaft und Musse. Zum Glück sind für mich die Voraussetzungen für ein gutes Leben im Alter gegeben und ich fühle mich dementsprechend privilegiert.

Nachgedanken
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28.  Nachgedanken
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Warum diese Titel meiner Aufzeichnungen?

Die ersten 20 Jahre meines Lebens habe ich in der Familie und dann im Internat, beide Phasen im Appenzellerland erlebt, mit wenig Kontakt in die Schweiz oder in die Welt. Als Student arbeitete ich bei der Speisewagengesellschaft und verkaufte im Zug ab der Minibar Getränke und Sandwiches. So konnte ich mit wenig Geld die Schweiz erkunden. Dies war Ausdruck einer Sehnsucht, die Welt zu erkunden, daher der Titel meiner Aufzeichnungen für meine ersten 28 Lebensjahre. Während des ETH-Studiums machte ich je eine mehrmonatige Afrika- und Asienreise, wo ich die Sehnsucht zum Teil stillen konnte, handkehrum wurde sie auch wieder angefacht.

Bei den Aufzeichnungen über Familie und Beruf stand mein ‚Dienst‘ an der Gesellschaft und für die Familie im Vordergrund.

Beim Schreiben habe ich gemerkt, dass ich gar nicht mehr alles so genau weiss von meinem Leben. Es gelang mir aber, Puzzlestück um Puzzlestück zusammen zu fügen, auch durch Erkundungen in der Familie oder bei Schulkameraden. Im Rückblick verändert sich die Wertung einzelner Lebensphasen.

Warum habe ich mit Schreiben angefangen und für wen?

Meine älteste Tochter Milena hat mich manchmal gebeten, ihren Kindern, also meinen drei Enkeln meine Herkunft im Appenzellerland zu zeigen. In diesem Zusammenhang schwebte mir vor, für jeden Enkel ein Fotoalbum 'Deine ersten zehn Jahre mit deinen Grosseltern' zusammenzustellen und dort auch ihre Vorfahren aufzuführen. Mein ältester Enkel Adrian hat zu seinem 11. Geburtstag am 20. Dezember 2023 sein Buch im Umfang von 64 Seiten erhalten. Für dieses Buch musste ich einiges recherchieren. Unterstützt haben mich auf jeweilige Anfrage hin meine drei Kinder, meine Frau, mein Bruder Tony und meine Schwestern Maria und Martha. An diesem Buch habe ich selber glaub' ich am meisten Freude. Es ist mein erstes selber gestaltetes Buch mit hartem Einband (Bookfactory.ch). Ich habe viele Anfängerfehler gemacht. Für mich ist es ein Nachschlagewerk geworden und es gab mir die Motivation, weitere Themen aus meinem Leben in Beruf und Familie zu dokumentieren. Das Recherchieren macht mir Spass.

Mit dieser Biografie über die meine ersten 28 Lebensjahre sind meine Appenzeller-Jahre festgehalten, über die nur ich berichten kann, weil ich sie alleine, ohne Begleitpersonen oder Mitwisser erlebt habe. Die Familienzeit erlebte ich gemeinsam, allerdings können in dieser Zeit die gleichen Ereignisse verschieden wahrgenommen werden.

Je länger ich schreibe und dabei spüre, wie es mir gut tut, ändert sich meine Einstellung. Ich schreibe die Biografie für mich und betrachte es als ein Dokument für die Nachwelt. Mir ist das Glück beschieden, drei gesunde Enkel begleiten zu können als Grossvater in ihrer Entwicklung. Sie wachsen völlig anders auf als ich und müssen unter ihren Rahmenbedingungen das für sie optimale herausholen. Auch meine eigenen Kinder setzen sich in ihren Arbeitsbereichen ein und sind stolz auf ihre Leistungen. Jede Generation hat ihre Herausforderungen und will sie meistern, jeweils auf ihre Art mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. 

Die Plattform Meet-my-Life ermöglicht der Wissenschaft und interessierten Menschen den Zugriff auf das Dokument, das Einblick gibt in das Leben und Wirken eines Menschen.

Das Schreiben hat Freude gemacht

Das Schreiben war kein Muss, beim Schreiben kamen viele Erinnerungen. 

Im Januar 2023 besuchte ich einen Wochenendschreibkurs im Kloster Kappel am Albis bei Regula Tanner. Dort bekam ich einen gewaltigen Schub mit Schreiben, Vorlesen, sich öffnen, sich austauschen unter Anwendung verschiedener Techniken und Herangehensweisen. Sie gab uns auch fünf Bücher an zur Vertiefung des Themas. Das war für mich der Anstoss, zu schreiben. Am Schreibkurs hat sie uns animiert, ohne Pause (SOP) zu schreiben. Auf diese Art kam bereits einiges Material zusammen. Andere Teilnehmende gaben Einblick in ihre eigenen Versuche, das Thema anzugehen. Später (November 2023) vertiefte ich das Thema bei Rosemarie Meier in der Oase des Schreibens (Pro Senectute Zürich). 

Wie lange habe ich geschrieben, geschah das regelmässig?

In Engelberg ist mein Kollege Lukas Rüst v/o Wenig (Kyburger) im Jahre 2010 mit 55 Jahren an Krebs gestorben. Sein Sohn las an der Beerdigung die vom Vater vorbereiteten Worte in Ich-Form vor.
Von meiner Familie wurde ich in der Folge sanft gebeten, auch so einen Nachruf vorzubereiten. Ich sträubte mich immer dagegen. Im Zusammenhang mit der Anpassung des Erwachsenen-Schutz-Gesetztes habe ich angelehnt an den Leitfaden von Pro Senectute 'Anordnungen für den Todesfall' all die dort aufgelisteten Dokumente zusammengetragen. Neben dem bestehenden Ehevertrag waren das ein mit dem Notar besprochenes Testament und einen Vorsorgeauftrag. Eine Patientenverfügung hatte ich an einer ganztägigen Veranstaltung bei Pro Senectute aufgesetzt. Bei diesen Anordnungen wird empfohlen, für die Hinterbliebenen seine eigene Lebensgeschichte kurz darzulegen. Während der Pandemie, im November 2020 und im März 2022 hatte ich Covid-19, was je eine Isolation von 8-10 Tagen bedeutete. In dieser Zeit habe ich über Teile meines Leben geschrieben und weinte öfters dabei. Später habe ich erfahren, dass es auch ein therapeutisches Schreiben gibt. Vielleicht hilft mir das Schreiben alte Verkrustungen zu lösen. Es ging eine längere Zeit, in der ich mich sporadisch mit meinem Leben auseinandergesetzt habe. Die Texte, die ich in meiner Covid-19-Isolation geschrieben habe, bildeten die Grundlage, sich überhaupt an biografische Aufzeichnungen heran zu wagen. Ich schreibe nicht regelmässig, nehme mir aber jeweils vor, an einem Kapitel zu schreiben und auf die gestellten Fragen einzugehen. Meist konzentriere ich mich auf eine Lebensphase, auf so ein Jahrsiebt, und schreibe meine Gedanken von Hand in ein Buch mit leeren Seiten. Diese Blöcke werden später ergänzt. Ich suche auch Fotos, die zum Geschriebenen passen. Während dieses Prozesses kommen immer mehr Erinnerungen zu Tage. Die Schreibkurse bei Regula Tanner in Kappel am Albis oder mit Rosmarie Meier dell' Olivo bei der Pro Senectute gaben mir viel Input. Dort schrieben wir zu einzelnen Themen, die ich überarbeiten und in die Biografie einbauen konnte. Die Beschäftigung mit dem eigenen Leben führte zu immer mehr Themen und Begebenheiten, die es festzuhalten lohnt, zur eigenen Befriedigung. Mit der Zeit nahm ich mir wirklich vor, nicht mehr nur spontan zu schreiben, sondern bewusst Zeitblöcke einzuplanen. Irgendwann kam mir die Idee, ich könnte mich wie seinerzeit als Student in den Siebzigerjahren nun halt neu in den Zwanzigerjahren in der Zentralbibliothek am Zähringerplatz ein Plätzchen zu suchen und zu arbeiten. In dieser Umgebung war ich am produktivsten. Der Arbeitsplatz ist auf zwei Seiten abgeschirmt, es gibt keine Ablenkung, alle studieren und sind ruhig. Mit meinem Alter war ich sicher in der Minderheit, kam mir aber nicht fehl am Platze vor. 

Warum hat das Schreiben diesmal geklappt?

Beim Schreiben über mein eigenes Leben suchte ich nach einer Struktur, fand diese aber nicht. Die ersten Texte habe ich versucht in eine auf Rudolf Steiner zurückgehende Struktur einzuordnen, bei der immer mehr oder weniger über ein Jahrsiebt geschrieben wird. (Gudrun Burkhard: Schlüsselfragen zur Biografie. Ein Arbeitsbuch. Praxis Anthroposophie 33).

Über Zeitungsberichte über den Biografie-Award bin ich auf die Plattform meet-my-life gestossen und habe im Februar 2023 meine bisherigen Texte in deren Struktur überführt. Im Probemonat kam ich zur Erkenntnis, dass diese Plattform für mich eine Erleichterung darstellt. Ich kann je nach Ereignis in verschiedenen Kapiteln schreiben und habe die Gewissheit, dass es am Schluss ein Ganzes gibt. Bei meet-my-life kann ich mich auf den Inhalt konzentrieren.

Die Biografie bei meet-my-life hat für mich den Wert, dass die Lebensgeschichte dokumentiert und auch mit Fotos unterlegt ist. Das erleichtert mir zu Hause aufzuräumen und los zu lassen. Die Biografie zwingt mich, eine Auswahl zu treffen, diese einzuordnen und zu kommentieren.

Was soll nicht vergessen gehen?

Als meine Mutter 1981 gestorben ist, hat mein Bruder Tony den Haushalt aufgelöst. Er hat die Fotoalben in weiser Voraussicht nicht einfach weggeworfen, sondern ist mit ihnen zur Gemeinde gegangen. Dort sichteten sie die Fotos und nahmen einige in ihr Archiv, vor allem jene Fotos, die die Lebensumstände in den verschiedenen Zeiten darstellten.

Bei meet-my-life stelle ich die Daten einer bestimmten Öffentlichkeit zur Verfügung, die allenfalls Auszüge oder Aussagen verwerten kann.

Meine ersten sieben Jahre habe ich zuhause auf dem Bauernhof verbracht. In der Erinnerung war mir nie langweilig. Die Umgebung, der Wald, die Bächlein, der Stall, die Werkstatt, das waren meine Spielfelder. Das Geld war knapp und trotzdem war das Erleben reich.

Im Beruf musste resp. konnte ich mich ohne Vorbelastung durch die Familie entwickeln. Nichts wurde mir geschenkt oder geraten, ich musste meine Erfahrungen selber machen. Ich habe es geschafft, einige Blessuren habe ich natürlich abbekommen, konnte ich naturgemäss nicht immer den Mund halten.

Die Plattform meet-my-life ist so aufgebaut, dass Forschende gezielt gewisse Schilderungen abrufen und vergleichen können.

Was können andere aus meiner Lebensgeschichte lernen?

Der Mensch ist unglaublich anpassungsfähig. Wenn ich denke, wie ich selber meine Jugend auf dem Land erlebte und wie anders haben 30 Jahre später meine eigenen drei Kinder ihre Jugend in der Stadt erlebt und wiederum weitere 30 Jahre später wachsen meine drei Enkel in eine völlig andere Welt. Und immer kämpft sich der Mensch durch und versucht aus den gegebenen Rahmenbedingungen für sich etwas Sinnvolles zu machen.

Meines Erachtens spiele ich als Person weder heute noch in 100 Jahren eine Rolle, sondern vielmehr die Umstände, in denen ich und andere ihr Leben gemeistert haben.

Was waren die herausragendsten Veränderungen in der Zeit meines Lebens?

Es war vor allem die Digitalisierung und der Umbau der Erde durch die Menschen. Die Fachleute reden gerne vom Anthropozän. Nie in der bisherigen Geschichte hat der Mensch soviel auf der Erde verändert wie dies seit dem Zweiten Weltkrieg geschehen ist. Wie bekannt, geschieht dies auf Kosten der Natur.

Wenn ich denke, dass ich früher im Gymnasium alles auf Papier notierte und heute in der Zentralbibliothek wohl meinen Rohtext auf Papier schreibe, aber ohne aufzustehen gleich am MacBook recherchieren oder den Text auf die Plattform bringen kann, ist meines Erachtens Abbild der grossen Veränderung in meiner Lebensspanne. Im Rückblick leitete ich im Berufsleben immer wieder grössere Informatik-Projekte ein, die uns den Alltag erleichtern sollten aber im weiteren Sinne die Grundlage für die Digitalisierung bildeten.

Hat sich die Erinnerung während des Schreibens verändert?
Im Rückblick und im Vergleich zur heutigen Zeit hatte ich eine friedliche Jugendzeit, eingebettet in Familie, Dorf, Schule und Kirche erleben dürfen. Als junger Erwachsener redete ich nicht oft über meine Herkunft. Die Auseinandersetzung mit meinem Leben hat mir die Augen geöffnet für die schöne und relativ sorglose Jugend, die ich erleben durfte. Das Geld war sicher nicht im Überfluss vorhanden, aber dank der haushälterisch agierenden Mutter hat es gereicht. Was auf den Tisch zum Essen kam, war gesund und unverfälscht. Ich wurde auch gefördert. Erst beim Schreiben und Zusammentragen der Geschichte, vor allem jener meines Vaters, sind mir die Umstände jener Zeit klarer geworden. Fazit: Mein Vater konnte nicht ganz frei handeln, meine Mutter hat sich angepasst und beide haben es als Eltern unter diesen Umständen gut gemacht. Als Kind war ich aufgenommen und eingebettet.


Sind noch weitere Selbstzeugnisse geplant?

Damit die Biografie in nützlicher Zeit auf der Plattform Meet-my-Life als abgeschlossen betrachten werden kann, konzentrierte ich mich auf meine ersten dreissig Lebensjahre. Bei mir herrschte die Vorstellung, diese Zeit sei linear abgelaufen, schön eins nach dem anderen. Im späteren Leben läuft auf einmal Beruf, Familie, Freizeit, Vereinstätigkeit nebeneinander her, wie kann dies überhaupt dokumentiert werden. Je länger ich schreibe und mich mit den Fragen auf Meet-my-Life auseinandersetze, beabsichtige ich, auch die weiteren Lebensjahre, die vor allem als Berufs-, Familien und Alters-Jahre bezeichnet werden können, zu dokumentieren. Ich selber habe mein Berufsleben als intensiv, lebendig und abwechslungsreich empfunden. Zur Schilderung meines Ehelebens ist mir eine Idee gekommen, wie ich die Beziehung schildern könnte — und zwar nicht nur die schönen Seiten, sondern auch die eher belastenden Traumata — ohne andere Menschen zu verletzen. Des Weiteren könnte ich mir vorstellen, auch die Zeit als Berater, Grossvater, Pilgerer, Wanderer und neu Schreibender aufzuzeichnen. Mit 58 Jahren habe ich mich selbstbestimmt vom Grossbetrieb verabschiedet und mir mit der Pension ein sicheres finanzielles Fundament geschaffen, auf dem ich mit meinem Büro Wild Immobilien GmbH weiterhin auf meinem Fachgebiet tätig sein konnte. Dies erlaubte mir einen fliessenden Übergang in das Rentnerdasein, die eine Tätigkeit löst die andere ab, z. B. vom Wandern zum Schreiben.
 
Welches waren meine schönen Phasen in meinem Leben?

Meine schönsten Perioden in meinem Leben waren meine behütete Kindheit, meine ersten Ehejahre in Zürich und Zollikon mit interessanten Nachbarschaften und dann wieder die Pension so ab der Geburt meines ersten Enkels. Mein erster Enkel ist im Dezember 2012 auf die Welt gekommen und meinem Leben auf schöne Weise zusammen mit seinen beiden Brüder eine besondere Phase eingeleitet.

Gibt es Texte von früheren Versuchen, dein Leben zu dokumentieren?

In meinem Leben habe ich eigentlich eher Unterlagen vernichtet als gehortet. Ich hatte auch nie im Sinn, mein Leben zu dokumentieren, vielmehr war geniessen und vergessen mein Motto.

Jean Paul (1763-1825) war ein deutscher Schriftsteller und meinte: Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Nach diesem Geist hat auch mein Vater immer gesagt, Bildung ist wichtig, das kann dir niemand wegnehmen, Besitz hingegen schon.

Wem schulde ich ganz besonderen Dank?

Dank schulde ich meinen Eltern, die mich gewähren liessen und förderten sowie meiner Frau Veronika, die unsere drei Kinder erzogen hat, während ich voll im Berufsleben aufgegangen bin.
Im Pensionsalter sind es vor allem die Begegnungen im Rahmen meiner Beratungsmandate sowie Bekannten, mit denen ich beim Wandern oder anderen Freizeitaktivitäten zu einem vertieften Austausch gekommen bin und den drei lieben Enkeln, die ich regelmässig sehen kann und mir zeigen, dass das Leben einfach weitergeht.

Ich konnte mit dem Schreiben mein Leben ein zweites Mal erleben. Bin ich rückblickend zufrieden mit meinem Leben?

Das Schreiben über mein Leben hat mir vor allem die Lebensumstände meiner Eltern näher gebracht, die mir so nicht bewusst und bekannt waren. Meine Kindheit sehe ich aus heutiger Sicht als eine reiche Zeit an.

Mit meinem Leben bin ich zufrieden und staune immer wieder, dass ich, ohne gross Sport zu treiben, gesund geblieben bin.

Im Beruf bin ich meinen christlichen Werten treu geblieben. Meist stand ich im Dienst der öffentlichen oder halböffentlichen Hand und konnte so einen Beitrag für die Gesellschaft leisten, im Sinne meiner Mutter, die mich zum 'dienen' erzogen hatte.

Mit 53 Jahren bin ich auf das Pilgern gekommen und seit da war ich regelmässig unterwegs in Form von Tagestouren. Mit etwa 65 Jahren machte ich eine mehrwöchige Ausbildung zum Wanderleiter. Dort erfuhr ich viel über die Natur, über die Pflanzengemeinschaften, über die Geologie, die Wälder, das Wetter. Das war mein Sport, verbunden mit Erlebnissen in der Natur. So entdeckte ich aktiv die schönen Gegenden der Schweiz.

Mit den Enkeln konnte ich die Welt wie noch einmal entdecken, fast intensiver als mit den eigenen Kindern.

Im Rückblick war ich eigentlich nie alleine im Leben, ausser im ersten Semester an der ETH in Zürich. In Zürich habe ich bei der Studentenverbindung Kyburger wie eine Ersatzfamilie gefunden und konnte in die Kyburger-Wohngemeinschaft am Hirschengraben einziehen und von dort ging es nahtlos in die Ehe über. Diese Einbettung in die Gemeinschaft ist für mich eine wichtige Grundlage für mein zufriedenes Leben.

Gabriel Garcia Marquez: Nicht was wir gelebt haben, ist das Leben, sondern das, was wir erinnern und wie wir es erinnern, um davon zu erzählen.



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Ritomsee am 28. August 2024
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29.1.  Einzelne Tage – Ritomsee am 28. August 2024.
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Mittwoch, 28. August 2024 Ritom-See im Tessin
Wandern in freier und wenig verbauter Natur,
sonnig, zeitweise wolkig, bis 26°C


Schon immer wollte ich einmal die Ritom-Seen im Tessin erkunden. Zu meiner Zeit bei den SBB war ich immobilientechnisch für den Sihlsee bei Einsiedeln zuständig, vor allem für all die auf abenteuerliche Weise an den Ufern entstandenen camping- und ferienhaus-artigen Bauten auf der Grundlage von auf drei Monate hinaus kündbaren Mietverträgen für Badeparzellen. Analog wurden die Ritom-Seen von den SBB bewirtschaftet und Bahnstrom hergestellt.

Als Wanderleiter bei den Zürcher Wanderwegen habe ich für mich einmal eine Tour zusammengestellt, kam aber nicht dazu, diese vorzuschlagen. Im Wanderprogramm 2024/25 entdeckte ich zu meiner Freude für den 28. August 2024 die von meinem Kollegen Hansueli Scheidegger ausgeschriebene Tour. Er galt für mich als Spezialist, wenn es darum ging, mit einer grösseren Wandergruppe Luftseil- oder Standseilbahnen zu benutzen. Dies musste gut organisiert sein, gibt es doch auch andere Menschen, die zur gleichen Zeit hinauf oder hinunter wollen. Er hat das mit Bravour geschafft. Die Anzahl Teilnehmenden konnte er erst im Zug Zürich ab 08.05 Uhr, abschätzen. Man musste sich nämlich nicht anmelden. Er verteilte Karten mit Nummern und kam auf etwas mehr als 60 Teilnehmende. In Airolo mussten wir ins Postauto umsteigen. Er nahm das fahrplanmässige kleine Postauto und ging in Piotta als erster sofort zu Kasse und kaufte die 61 Tickets, die einzeln gedruckt werden mussten. Wir als Gruppe wurden von seiner Co-Leiterin Tamara Moos (von Seewis) in einem für uns reservierten Postauto zur Talstation Piotta gebracht, wo wir mit der steilsten Standseilbahn in zwei Fuhren hochgebracht wurden (800 m Höhenunterschied in 12 Minuten). Die Bahn hat eine Kapazität von 48 Personen.
Die erste Gruppe wanderte zum Lago Ritom und wartete dort am Ufer auf die zweite Gruppe, die ca. eine halbe Stunde später planmässig ankamen. Zusammen ging es hinauf zum Lago di Tom, wo wir die Aussicht und die Trinkpause genossen. Weiter ging es hinauf zum höchsten Punkt auf 2100 m ü. M.. Von dort hinunter zum schmucken See Lago di Cadagno, an dessen Ufer wir 3/4 Stunden Mittagsrast hatten. Von dort sahen wir zu einer Ansammlung von Hütten. Zwei davon waren für Forscher eingerichtet, die im See die weltweit wenig vorkommende Besonderheit (Meromixis) von zwei völlig voneinander getrennten Wasserschichten mit unterschiedlicher Besiedelung untersuchen. Hansueli teilte die Gruppe auf in eine gemütliche und eine strengere Gruppe. Die erste musste auf die Bahn Piora ab 16.20 und die zweite auf jene von 16.50, damit alle wieder mit dem Postauto nach Airolo und von dort mit dem Treno Gottardo (BLS) um 18 Uhr nach Zürich fahren konnten. Ich stellte mich bei jener Gruppe, die länger wanderte, als Schlussleiter zur Verfügung. Das war nicht ohne, denn in der Gegend war ein Funkloch und man konnte mit dem Smartphone weder telefonieren noch SMS versenden. Im Notfall hätten wir Meldeläufer einsetzen müssen. Um acht Uhr abends kamen wir zufrieden von der vierstündigen Wanderung mit ca. 600 m hinauf und hinunte in Zürich HB an. Hansueli Scheidegger investiert jeweils viel in die Vorbereitung der Wanderung und nimmt mit allen relevanten Personen, hier jene der Ritom-Bahn, auf. Er musste zweimal intervenieren, damit die Gruppe im Bahnwagen Platz gefunden hat wie er es sich vorgestellt hatte. Er konnte nicht alles vorausplanen, kannte er doch das Wetter (es war schön und so um die 26° Celsius)  und auch die Anzahl der Teilnehmenden nicht im Voraus. 

Für mich war es ein traumhafter Tag. Ich war Teilnehmer, kannte aber doch einige Wanderfreudige aus meiner aktiven Wanderzeit: Regula von Zug; Burgi von Zug, die die Kinder ihres Sohnes jeweils in der benachbarten Binz hütet; Röntgenfachfrau Maria Udjvari von Bülach; Nga und Yvette vom Labor des Spitals Einsiedeln; Pia Sonderegger, eine Wanderleiterin der Pro Senectute, die bei mir die praktische esa-Prüfung absolvierte; sie kannte die Marianne, mit der sie früher am Pflegerinnenspital beim Römerhof zusammengearbeitet hat; diese Marianne kam mit einem Hans, beide angereist von Locarno; sie kannte wiederum Margrit Stahel, die ich bei Gottesdiensten und Wanderungen jeweils getroffen habe. Mit dieser und jenem konnte ich mit austauschen. Es war eine friedliche Stimmung.

Bei den Zürcher Wanderwegen muss man sich nicht anmelden für die Wanderung, verpflegt wird aus dem Rucksack, da mit grossen Gruppen die Zeit im Restaurant knapp würde. Wir sind zu sechst auf dem Rückweg beim Ritomsee eingekehrt und ich konsumierte einen Most und ein Stück Nusstorte (Fr. 13.50). In Airolo lud mich Hansueli zu einem Kaffee ein als Dank für meine Schlussleitung. Auf dem Hinweg konsumierte ich im Treno Gottardo bei der Fahrt über den Gotthard einen Kaffee für drei Franken. Das SBB-Ticket kostete mich Fr. 50.50 und damit der gesamte Ausflug von 8-8 Uhr Fr. 67.-. Die etwa 14 km lange Wanderstrecke gab so um 27'000 Schritte.

Für mich sind solche Tage purer Genuss, ich betreibe meinen Sport, bin an der frischen Luft, lerne ein Gebiet neu kennen und kann mich mit lieben Menschen unterhalten.

Wenn beim Autofahren das Schild mit einer Steigung 15 % oder so kam, so fragte ich meine Kinder wie steil denn eigentlich 100 % wären. Meist kam die Antwort 'senkrecht', was aber nicht stimmte, ist es doch ein Winkel von 45°. Die Ritom-Bahn schreibt von maximaler Steigung um die 87.8 %. Beim hinauffahren dachte ich, es müsste mehr sein als nur eine Neigung von ca. 40°.

Ausschreibung, Foto Tatzelwurm mit den zwei Forscherhütten im Vordergrund, Foto Ritomsee, Foto Schritte, Temperatur um die 20° Celsius, Steigung 100% sind 45°

Tagesablauf am Mittwoch, 28. August 2024

6.15 Tagwache mit Kaffee, etc.
7.40 Aus dem Haus
8.05 Abfahrt im HB Zürich mit Treno Gottardo Richtung Tessin
10.50 Ankunft an Bergstation Ritom
16.50 Rückfahrt ab Bergstation Ritom nach Piotta
19.55 Ankunft in Zürich HB
20.15 Zuhause 





Konstanz am 29. August 2024
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29.2.  Einzelne Tage – Konstanz am 29. August 2024.
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Donnerstag, 29. August 2024, Ferientag in Konstanz am See
Sonnig, bis 30°C.

Tagesablauf
7.00 Tagwache mit Kaffee
8.40 Abfahrt mit Auto
9.35 Gemüseladen Tägermoos Kreuzlingen (Hofladen) mit Barzahlung Fr. 30.30
10.17 Drehkreuz bei Therme durchschritten, 27 € für 1.5 h
11.00 Wassergymnastik gratis für 30 Minuten, war gut für beide
11.52 Drehkreuz bei Thermenausgang durchschritten
Zu Fuss dem See entlang Richtung Konstanz
12.30 im Villagio beim Casino zu Mittag gegessen, Tagesmenü, 48 € zusammen, ohne Kaffee und Alkohol.
13.10 Weiter zu Fuss über Brücke, über Seerhein, zur Marktstätte. 
In der Buchhandlung Osiander eine Tasche für Milena zum 43. Geburtstag gekauft wie auch ein Buch von Elke Heidenreich zum Thema 'Altern'. Bei Alnatura eingekauft. Dann zurück zum See .
15.30 Steigenberger Inselhotel, auf der Terrasse Kaffee und Kuchen gegessen bei schönster Aussicht auf den See. Diese Momente sind für mich reiner Genuss und ich fühle mich in den Ferien, so schön ist es, so gepflegt und ruhig. 
16.30 zu Fuss bis zum Auto in der Parkgarage bei der Therme. Gebühr 7 €.
17.10 Weiter mit dem Auto durch den Wald beim Konstanzer Horn (max. 40 km/h, Fahrräder dürfen nicht überholt werden) zu Gartencenter Spiegel, wo wir für Milena eine Hortensie gekauft haben für 25 €. Wir haben schon früher für Milena eine Schale gekauft, die Veronika aber lieber jemand anderem schenken möchte.
17.40 mit dem Auto zurück zum Zoll, dort den einzigen Mehrwertsteuerbeleg Osiander abstempeln lassen (Rückerstattung ca. 8 €).
Weiter ohne Probleme mit dem Auto auf der Autobahn nach Zürich
19.00 Ankunft im Tiergarten
Abendessen vorwiegend Salat
20.00 Fernsehen gemeinsam.
In Waschküche mache ich eine 40°-Wäsche und tumblere anschliessend entsprechende Stücke
22.30 Bettruhe

Insegesamt 130 km mit dem Auto gefahren, 9 km zu Fuss, was 16'000 Schritte ausmacht.

Für jeden solchen Tag erstelle ich am Abend eine Aufstellung über die Ausgaben, wobei ich die Autokilomenter mit 60 Rappen berechne, Beträge sind aufgerundet. Mit der Bahn würden die Tickets für uns beide bis Konstanz-Bahnhof Fr. 72 kosten.

130 km à 60 Rappen, Fr. 78
Gemüseladen im Tägermoos, Fr. 31
Therme 1.5 h, 27 €
Mittagessen im Villagio, 48 €
Buchhandlung Osiander, 52 €
Lebensmittel in der Alnatura, 26 €
Kaffee und Kuchen im Inselhotel, 30 €
Parking Therme 5-6 h, 7 €
Spiegel Gartencenter, Hortensie, 25 €

Insgesamt an diesem Tag 215 € und 109 Fr. ausgegeben, zusammen 324 €/Sfr.

Dieser Tag war ein besonderer Tag, weil wir nicht auf die Insel Reichenau gefahren sind und auch nicht soviel eingekauft haben.  Zudem hatten wir Zeit zum Gehen und für einen Kaffee im Inselhotel. Der Totalbetrag beläuft sich andere Male zeitweise auch auf 500-600 €. Es ist meist der Haupteinkaufstag pro Woche, weil gemäss Veronika ich mit meinem Geld bezahle, obwohl wir eine Gütergemeinschaft haben und es daher unser gemeinsames Geld ist.

Seit der Geburt unseres ersten Enkels Adrian Im Jahre 2012 und vor allem seit ich meine Büroarbeit zu Hause mache (ab 2014), pflegen wir dieses Wochenritual. Daher sage ich, wir würden als Pensionierte 52 Tage pro Jahr, also mehr als sieben Wochen im Jahr Ferien machen. Mit dem Auto fahren wir als Pensionierte mehr als der Durchschnitt, innerhalb von neun Jahren sind wir mit dem BMW 2.0 (Diesel) über 215'000 km gefahren, was pro Jahr um die 24'000 km sind. Nur schon dieser Thermentag macht im Jahr 6'500 km Autofahrten aus.

An diesem Tag gibt Veronika meist den Ablauf vor, sie kennt unterdessen die Geschäfte, die Wege, den Zeitbedarf usw. Es gibt wenig Diskussionen, weil der Ablauf meist gleich  oder mindestens ähnlich ist. Für sie als im Sternzeichen Steinbock geborene ist das wichtig, es gibt ihr Sicherheit und kaum Überraschungen. Diese Tage haben sich für beide als stimmig entwickelt. Anfänglich fand ich es ökologisch unsinnig, was es auch ist. Aber das Resultat eines friedlichen Zusammenseins ist es wert.
Heuried am 30. August 2024 und 30. Juni 2026
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29.3.  Einzelne Tage – Heuried am 30. August 2024 und 30. Juni 2026.
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Freitag, 30. August 2024 Schwimmen im 50 Meter-Becken im Heuried, Sonnig bei 19-31°C

Am Morgen ausgeschlafen bis 7 Uhr, es war für Freitag nichts abgemacht. Da es bis zu 30° warm werden sollte, wusste ich, dass Veronika voraussichtlich ins Heuried schwimmen geht. So war es. Sie machte 20 Längen mit insgesamt 1000 m. Zuhause hat sie sich ein Rezept aus dem Tagesanzeiger zu Gemüte geführt und gesagt, anschliessend gingen wir die Zutaten einkaufen. 
In der nahegelegenen Migros sagte sie, sie kaufe soviel ein, weil ich am Schluss bezahle. Der Einkauf betrug Fr. 125.-
Zuhause merkte sie, dass ihr die Pinienkerne fehlen und wurde unzufrieden, dies auch weil sie Hunger hatte und ihr Milena eine Absage erteilte für die vor einem Tag ausgesprochene Einladung zum Essen oder Kaffee/Kuchen am Sonntag, einen Tag vor ihrem 43. Geburtstag. Über Mittag sollte auch die Kaffeemaschine TX 300 Maestria, unrepariert mangels Ersatzteilen, von der Post gebracht werden.
Das Mittagessen stand wegen der fehlenden Pinienkerne unter einem schlechten Stern.
Veronika schrieb unserem Sohn Raphael, ob wir am Sonntag in der Region Basel zu Mittag essen sollen. Ich habe von den beiden Kindern Isabelle und Thomas Rähm für meinen Einsatz beim Verkauf der Wohnung und des Ferienhauses ihrer Mutter, die am 7. Dezember 2024 infolge einer unheilbaren Krankheit mit Exit aus dem Leben geschieden ist, einen Gutschein Fine to dine im Wert von Fr. 300.- erhalten. Wir einigten uns auf das Restaurant IRIS in den Meriangärten. Ich konnte reservieren und sie machte telefonisch mit ihm noch einige Details aus. Ich anerbot mich, ihm die Bestätigung des Restaurants zu senden mit Zusatzinformationen. Raphael dachte, es sei ausgebucht. Ich brauchte dann für Veronika etwas zu lange zum Recherchieren und sie war auf einmal nicht mehr in der Wohnung. Um vier Uhr kam sie zurück, sie war im Coop, bei Fust wegen einer neuen Kaffeemaschine und gleichzeitig hat sie ihr Ziel von mehr als 10'000 Schritten pro Tag erreicht.
Bevor sie gegangen ist, hat sie mir einen Zettel geschrieben mit drei Themen: 1. Postfinance App üben und Geld von Post an VZ überweisen. 2. Liste der Personen erstellen, mit denen wir noch wandern möchten. 3. Ferien Baden-Baden.
Den dritten Punkt hatten wir schon öfters besprochen, auch andere Ferienziele, die ihr aber nicht behagten. Sie fragte früher schon Raphael an, ob er uns die Pflanzen feuchten könnte während unserer Abwesenheit. All diese Notizen hatte ich. Ich hatte Veronika, die in Baden-Baden nur ins uns bekannte Waldhotel will, schon im Juni gesagt, ich müsste anrufen und könne nicht online buchen. Also telefonierte ich Frau Seifermann und wir checkten in den Monaten September und Oktober, ob wir vier Nächte kommen könnten. Es war schwierig, aber vom 16. bis 19. September 2024 hatte sie ein schönes Zimmer mit Balkon. Also buchte ich diese drei Nächte, denn Frau Seifermann sagte, vielleicht gäbe es im Laufe der Zeit noch die Möglichkeit im gleichen Zimmer eine Nacht länger zu bleiben. Ich war glücklich. Als ich Veronika erklärte, dass ich gebucht hätte, ist sie ausgerastet, auf ihrem Zettel seien nur Diskussionsthemen und nicht Aufträge gestanden. Da wir über Baden-Baden schon des öfteren diskutiert hatten, dachte ich, jetzt könne ich das noch zu Bürozeiten (Freitagnachmittag) erledigen. Für mich stimmte es, aber für sie nicht.

Hinweis für die Lesenden: So verlaufen bei uns manchmal Tage, die gut angefangen und gut hätten enden können, in einem Fiasko. Am liebsten würde ich jeweils allein fort gehen, lesen, schreiben oder einfach sein. Eine solche Behandlung habe ich nicht nötig, zumal sie meint, sie arbeite strukturierter als ich. Ca. 2007 merkte ich eigentlich zum ersten Mal, dass Veronika Mühe hat zum Entscheiden, als sie einen Wintermantel für sich suchte Kleider sind ihre Spezialität und ich sollte helfen. Für die Familie habe früher meist ich entschieden und es gab keine Diskussionen. Als Pensionierter lernte ich ihr mehr Zeit zu geben, bis sie Klarheit hatte. Im vorliegenden Fall dachte ich, nach Diskussionen 21. Juni und am 11. und 16. Juli 24 zum Thema Ferien wäre der Zeitpunkt zum Buchen gekommen. In einem ersten Anlauf sagte sie, sie käme nicht mit am 16.-19. September 2024. Zwei Tage später sagte, sie käme mit, aber eine Woche später, während der Rad-WM, weil sie dann keine Gymnastik habe. Sie ignoriert dabei, dass die Hoteliersfrau gesagt hat, es sei in jener Woche nichts frei. Nach solchen Gesprächen denke ich, lieber bleibe ich zu Hause und fröne meinen Ritualen, Projekten und lieben Menschen.

Tagesablauf am Freitag, 30. August 2024

7.00 Tagwache
9.10 Schwimmbad Heuried, Einzeleintritt für mich Fr. 8.-, Veronika hat ein Saisonabonnement Fr. 110.- das sie schon herausgeholt hatte dank den schönen Wochen
10.30 Abschluss im Schwimmbad
[Der Juni 2026 bescherte uns am Anfang Schafskälte und am Schluss an die 13 Hitzetage. Am Sonntag 28. Juni 2026, unserem 48. Hochzeitstag, wollte Veronika in die Therme Konstanz, weil es dort weniger Menschen hat als in der Badi Mythenquai am Zürichsee. Es war so. Wegen Personalmangel war der Zugang zum Bodensee geschlossen, ab 14 Uhr wäre er offen gewesen. Dies hat Veronika beim Bademeister in Erfahrung bringen können. Sie sagte ihm, sie hätte im Sportbad schon 1.2 km geschwommen, was den Bademeister erstaunte.  Es hatte wirklich weniger Personen, für mich der Verzicht auf den See in kleiner Dämpfer. Am Sonntag ist die Mindestzeit 3 Stunden. Veronika hat für die Bäder in Zürich ein Saisonabo gelöst für Fr. 110.-. Am 30. Juni 2026 ist sie 24 Längen im Heuried geschwommen, was die 1.2 km bedeutet. Sie wollte sich beweisen, dass sie es wirklich kann. Denn gegenüber dem Bademeister wäre 600 m die richtige Aussage gewesen. Veronika ist wirklich fit beim Schwimmen mit ihren 75 Jahren.]
Einkauf Migros für Fr. 123.35
11.35 Zuhause angekommen
12.15 Pöstler läutet und bringt Kaffeemaschine
13.15 Kaffee auf Balkon, ich allein, da Veronika draussen nicht gerne Gespräche führt.
Buchung des Mittagessens in den Meriangärten für Sonntag und Recherche für Rahmenprogramm.
Veronika geht ausser Haus, kauft ein bei Coop für Fr. 21.45


16.00 Veronika kommt heim und moniert, dass ich erst jetzt die Bohnen rüste und auch sonst nicht viel erledigt sei. Die Nachricht über die (aus meiner Sicht schon lange fällige) Hotelbuchung lässt sie explodieren. Sie legt sich ins Bett und liest die Zeitung. Ich schreibe an diesem Bericht. Ich wollte den Plastik in die Migros bringen und Pinienkerne holen gehen. Sie meint, das könnte ich auch am Samstag-Vormittag machen, wenn sie im Heuried am Schwimmen sei. Sie gehe lieber allein, als dass ich alles bestimme. Ich habe zwar nicht das Gefühl, ich hätte am Morgen alles bestimmt. Aber so ist es.
Annus felix 2025
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29.4.  Einzelne Tage – Annus felix 2025.
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Im Sommer 2025 spürte ich eine Leichtigkeit, die ich schon lange nicht mehr hatte. Fast schwebte ich.
Ich führe es auf verschiedene Faktoren zurück.
  • Im Dezember 2024 schaute ich mir zwei Folgen auf ARTE über den Zucker. Dort lernte ich, dass der Mensch ohne Zucker leben kann, im Gegensatz zu Salz, das lebensnotwendig ist. Seit den 2010-er-Jahren gehen wir in die Therme Konstanz und für den Tagesabschluss gönnen wir uns im Café Arome Kaffee & Kuchen. In Zürich frequentiere ich all die Kaffees mit süssem Angebot. 
    Der Zuckeranbau und der Zuckerkonsum macht unserer Gesellschaft weltweit zu schaffen. Mit Zucker sind Leute reich geworden und mit dem Geld können sie Menschen einerseits versklaven und auch die Lebensmittelindustrie beeinflussen.
    Ich begann meinen Zuckerkonsum zu beachten und zu reduzieren. An Weihnachten 2024 ist es mir noch nicht gelungen. Aber im Laufe des 2025 spürte ich, wie es mir wohler wurde und wie sogar mein Gewicht zurückging.
  • Im ersten halben Jahr habe ich mein Buch 'Afrika, die Erweckung für einen Appenzeller' geschrieben bei edition-unik. Es galt einen vorgegebenen Ablauf von 17 Wochen Dauer einzuhalten. Das setzte mich zeitweise unter Druck, wusste doch niemand in der Familie von meinem Projekt.
    Als ich das erste Exemplar in den Händen hatte, wurde mir wohler. Es ist gelungen.
    Beim Pilgern gibt es meist einen Input, z.B. sucht euch einen Stein und traut ihm eure Sorge an. Am Schluss der Pilgerstrecke hiess es, jetzt könnt ihr den Stein und die Sorge loslassen, indem ihr den Stein deponiert oder wegwerft.
    So ist es mir mit dem Buch vorgekommen. Ich habe meine Jugendzeit aufgeschrieben. Im Nachhinein sehe ich sie positiv und stärkend. Ich kann sie getrost beiseite legen. Ich glaube, das hat bei mir diese Leichtigkeit ausgelöst.
  • Im Sommer hatte ich keine Projekte und keine Ziele, die es zu erreichen galt. Ich konnte leben und geniessen, was ich auch tat. Im 2025 ging ich nie wegen einer Krankheit zum Artzt, einzig der Kontrollbesuch beim Augenarzt stand an. Sich nicht mit Kranksein auseinandersetzen zu müssen, ist ein Privileg.
  • Am Schluss des Jahres schaffte ich es sogar, all den süssen Versuchungen zu trotzen. An Silvester 2025 hatte ich mein seit Jahren zum Ziel gesetztes Körpergewicht von 73 kg erreicht. Dies bedeutet für mich, beim Body-Mass-Index liege ich damit auf der Skala im grünen normalen Bereich.
Es war ein schönes Jahr. Barbara Studer empfiehlt: Stark durch die big Ls wie Lachen, Liebe, Licht, Luft und Laufen. So war es für mich.
Mein 74. Geburtstag in der Heimat
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29.5.  Einzelne Tage – Mein 74. Geburtstag in der Heimat.
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Der 24. Mai 2025 lag günstig für einen Ausflug mit der Familie an einem Samstag.

Die Kinder schenkten uns das Buch Close-by. Dort ist die Wanderung an den Seealpsee aufgeführt, anstelle einer langen (Flug-)Reise zu einer Fjordküste in Norwegen (Flug 2h30’, 1628 km). An Weihnachten 2024 legten wir das Datum 24./25. Mai 2025 für die Familie fest. Im Seealpsee wollte ich reservieren, war aber bereits belegt. Dann kam mir die Idee, von meinem Geburtsort Bühler aus etwas zu machen. Statt am Seealpsee auf dem Unteren Gäbris zu übernachten, in einen Raum mit 12 Liegestätten. Zum Wandern wählte ich die Strecke vom Elternhaus Steigbach über die Hohe Buche auf den Gäbris.

Zudem hatte ich die ,verrückte' Idee – mit niemandem besprochen – unsere Verwandten im Appenzellerland zum Mitmachen an Teilen unseres Programms einzuladen. Ich druckte eine Einladungskarte und setzte einen Serienbrief auf. Vor dem Versand habe ich Hans Inauen gefragt, ob wir rund um den Steigbach picknicken könnten. Wir haben Regula und Hans zu uns nach Zürich eingeladen am 2. Februar 2025.

Nach dem Versand des Briefes am 15. März 2025 an neun Verwandte und meinen drei Kindern telefonierte mir Beat Inauen von Gonten. Er würde in den Steigbach kommen, uns ein paar Bilder von unserem Vater zeigen und Crème-Schnitten mitbringen. Das hat mich gefreut. So war es dann auch.

Auf der Hinreise benutzten wir die 20 Minuten Aufenthalt in St. Gallen zum Studium der binären Uhr. Gabriel und Adrian konnten die Darstellung interpretieren. Sie lernen in der Schule mit den Fingern chinesisch zählen, was mit der binären Anzeige identisch ist.

Im Steigbach empfing uns Regula Schildknecht-Inauen (Jg. 1956) und ihre Nichte Astrid (29. Mai 1984), die älteste Tochter von Hans Inauen. Später kam noch Patrizia vorbei. Hans selber war an einem 70. Geburtstag ziemlich weit entfernt. Wir picknickten am eigens hingestellten Tisch vor dem Haus. Astrid zeigte uns ihr Elternhaus. Im obersten Stock existiert noch ein Zimmer im mir bekannten Zustand. Dort habe ich als Gymnasiast gelebt in den Ferien. Es hat eine eingebaute Kommode mit einer ausziehbaren Platte zum Schreiben und Lesen.

Der „Käseladen“ und der Keller erinnern ziemlich an meine frühere Zeit. Der aus Laubsägeliholz ausgesägte Alpaufzug hängt immer noch. Astrid habe ich erzählt, dass dies eine Idee von meinem Primarschulkollegen Hans Mösli, heute Weissküfer, gewesen sei. Sie sagte, eine Tochter ginge mit einem Enkel von Hans Mösli in die Schule.

Die Ebene der Stube und Küche ist gegenüber früher völlig neu, auch im Grundriss. Die beiden oberen Geschosse hingegen sind in ihrer Struktur gleich geblieben.
Unsere Werkstatt und Toilette sind in ein zusätzliches Zimmer umgebaut worden.

Im Schweinestall hat Hans Inauen kürzlich die Schweinebuchten herausgenommen und einen neuen Boden eingezogen. Er handelt neu mit Velos und E-Bikes und unterhält eine entsprechende Werkstatt. Auch möbelt er alte Hobelbänke auf.

Mit Wehmut schauten wir zum Dachsböhl hinauf. Das hat Vater 1967 für Fr. 100’000.- verkaufen müssen. Im Nachhinein wäre es für Vater allenfalls gut gewesen, er hätte den Steigbach verkauft und sich auf den Dachsböhl zurückgezogen. Sechs Jahre später ist Vater gestorben und Hans Inauen sen. hat den Steigbach übernommen.

50 Jahre nach dem Verkauf des Elternhauses habe ich jetzt Abschied nehmen können. In diesen 50 Jahren habe ich mich das urbane Leben gewöhnt und Gefallen daran gefunden. Die grossen Probleme akzentuieren sich meist in den Städten und rufen nach einer Lösung (z.B. Drogen, Verkehr, Umwelt, Integration von Einwanderern, etc.).

Beat Inauen hat uns auf zwei Bildschirmen 45 Fotos aus dem Leben meiner Eltern gezeigt. Er bildete die Zeit des jungen Vaters in den Kriegsjahren (1939 bis 1945) ab mit meinen fünf ältesten Geschwistern. Etliche Fotos sind vom Tag der Beerdigung meiner Grossmutter Wild-Hersche vom Dachsböhl im Juli 1946. Es gab mir Einblick in eine mir unbekannte Zeitspanne. Beat Inauen hat zusammen mit seinem Bruder Donat die Fotos seines Vaters Josef Inauen (1919–2006) digitalisiert. Auch für Tony Wild waren die Bilder neu. Ihm hat das Foto mit der Mähmaschine Aecherli fasziniert. Er konnte sich erinnern, wie sie sich jeweils auf die Maschine gelegt und den Benzindampf eingeatmet hätten. Sie wurden bewusstlos und sind dann heruntergefallen. An diese Maschine kann ich mich nicht erinnern, aber an den von Hans Inauen neu gekauften Rapid. Dort inhalierten wir aber auch den Benzindampf und ‚rugelten‘ vom Dachsböhl den Hang hinunter.

Nach dem Picknick wanderten wir über die Steig-Wissegg zur Strittegg. Dort haben wir den 7. Geburtstag von Linus Wild mit Kuchen und Kerzlein gefeiert. Tony und Vreni Wild-Knechtle sind zu uns gestossen. Mit ihnen genossen wir die Weitsicht auf der Hohen Buche und wanderten weiter zum Gäbris.
Vreni erzählte mir die Idee von der Familienwanderung zum Seealpsee und am anderen Tag weiter zum Aescher/Wildkirchli. Sie meinte, der Aufstieg zum Aescher sei anspruchsvoll. Wahrscheinlich müssten wir angesichts der Kondition unseres Clans von dieser Idee Abstand nehmen.

Der Bezug des Nacht-Lagers auf dem Unteren Gäbris gestaltete sich gut und um 7 Uhr gingen wir essen. Die Enkel haben um 12 und 18 Uhr Hunger. Das Essen war glutenfreies Schweins-Geschnetzeltes, der Wein von Nadine Saxer und VierFass.
Gabriel und Linus waren müde und gingen vor dem Dessert ins Bett. Milena meinte, die Projektwoche und das Schulfest am 23. Mai seien etwas viel gewesen. Milena hat Linus zum Geburtstag eine Pfaditasche selber genäht und Linus hat sie voller Stolz getragen.

Tony und Vreni haben uns spontan auf den Sonntag zu sich eingeladen. Wir hatten Freude am Schlorzifladen im Unteren Gäbris bekundet. Tony gab uns noch Tipps für den Abstieg am Sonntag über Sommersberg nach Gais. Angesichts des Regens am Morgen wählten wir den direkten Weg, wo ich noch zwei sanierte Bauernhäuser zeigen konnte. Auf dem Dorfplatz wies ich auf den Brand von 1780 und die Farbwahl der hellen Häuser hin. Früher waren die Fassaden dunkel, der Reichtum führte zu besser präsentierenden hellen Fassaden. Die verwendeten Farben sind nach heutiger Beurteilung ziemlich giftig, mit Blei besetzt.

In Teufen nahmen wir den Weg bei den Schulbauten vorbei. In 15 Minuten waren wir bei Tony, wo Vreni uns den Lorzifladen servierte und Tony den Enkeln zeigte, wo er den Beamer versteckt hat und wie er fernsehen kann. Der Besuch war kurz und informativ. Markus Wild, mein Göttibub, ist auch noch dazu gestossen.

In Zürich haben wir uns von Milena und ihrer Familie verabschiedet. Mit Isabelle und Raphael haben wir den neu eröffneten Velotunnel besichtigt. Raphael ging auf den Zug nach Basel und Isabelle auf Tram Nr. 7 zum Haus zum Kronberg.

Nachher ging es für Veronika und mich schweigend nach Hause zu Fuss. Zuhause im Tiergarten die üblichen Vorwürfe angehört, was alles falsch gelaufen ist und wie sie schlecht behandelt werde. Warum mache ich überhaupt solche Veranstaltungen?

Rückblick:

Ich frage mich, ob ich überhaupt noch so etwas organisieren soll. Veronika hat keine Freude an Übernachtungen und auch nicht an meinen Ausführungen. Sie unterbricht mich vielfach oder will ihre Sicht darstellen. Wir geben jedenfalls kein harmonisches Bild ab.

Veronika möchte nur essen gehen, ohne weiteres Programm. Ich empfinde das jeweils gar nicht so befriedigend, ist es doch eher ein Konsumieren als ein Zusammensein. Alle müssen für zwei Stunden anständig sein, was für ein Kind eine Tortur bedeuten kann. Einladungen bei uns zu Hause sind wegen der Ansprüche von Veronika immer mit einem ziemlichen Aufwand und Stress verbunden, so dass bei mir gar keine Freude mehr aufkommt.

Veronika lässt sich schwer führen. Bei Anlässen will sie ihre Beiträge leisten und beginnt Geschichten zu erzählen. Ihr fehlen auf einmal Orts- oder andere Namen und ich sollte ihr helfen. Im Nachhinein kritisiert sie mich, ich hätte sie nicht reden lassen.

Der Anlass hat mich so um die Fr. 1’300.- gekostet mit Bahnfahrt, was ich verglichen mit einem 2-stündigen Essen in Zürich als günstig beurteile, angesichts der Programmteile.

Der Austausch mit Verwandten habe ich gut gefunden. Meiner Beobachtung nach hat Raphael bei diesem Anlass das erste Mal realisiert, woher er überhaupt kommt, dies vor allem im Gespräch mit meinem Bruder Tony.

Manchmal frage ich mich, haben die Menschen überhaupt Freude an solchen Begegnungen oder ist es eher eine Pflichtübung? Früher setzte ich mich ein für den Zusammenhalt der Familie. Seit Okober 2025 in Paris weiss ich, dass dies ein schwieriges Unterfangen ist.

Meine Absicht: Ich werde vorsichtig mit solchen Initiativen innerhalb meiner Familie. Ich konzentriere mich auf meine Bekannten und unternehme mit diesen etwas Passendes. 

Mit Veronika etwas auf die Beine zu stellen ist aufwändig. Es klappt eigentlich nur, wenn sie dies nach ihren Vorstellungen machen kann und ich ihr Handlanger bin. Ich lasse ihr künftig den Vortritt und helfe bei ihren Vorschlägen.

Sicher werde ich nichts mehr unternehmen im Zusammenhang mit meiner Vergangenheit.

Ich muss ruhiger werden und mich auf ‚meine‘ hoffentlich noch lange realisierbaren drei Tage pro Woche konzentrieren. So habe ich den mir gut tuenden Ausgleich.

Geschrieben SOP im IR 37 am 26. Mai 2025 und ins Reine gebracht im IC 3 am 7. Januar 2026.


Deckblatt der Einladung Familienwanderung Appenzellerland 2025

 


Innenseite der Einladung zur Familienwanderung im Appenzellerland 2025

 




Im Hauseingang vom Steigbach 80 in Bühler. Alpaufzug als 12-Jähriger zusammen mit Hans Mösli angefertigt. Adrian und Niklaus Wild am 24. Mai 2025. 74. Geburtstag

 


Geburtstagskuchen für Linus auf der Strittegg Bühler AR. Linus wird 7 Jahre alt. Adrian, David, Milena, Linus. Samstag, 24. Mai 2025

 


Familie auf dem Dorfplatz Gais AR nach Abstieg vom Gäbris im Regen. Sonntag 25. Mai 2025. Raphael war Fotograph

 


Niklaus und Veronika am 25. Mai 2025 auf dem Bahnhof Teufen AR. Vreni und Tony Wild haben uns Schlorzifladen angeboten.

 


Niklaus am Bahnhof Teufen AR am 25. Mai 2025, einen Tag nach seinem 74. Geburtstag.

 


Auf der Rückfahrt im Zug nach Zürich. Adrian, Niklaus, Isabelle. Sonntag 25. Mai 2025.

 

Veronika und der Winterblues am 30. Januar 2026
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29.6.  Einzelne Tage – Veronika und der Winterblues am 30. Januar 2026.
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Mich dünkt, seit November 2025 hätten wir mehr Nebel in Zürich als früher. 

Der Advent stand im Zeichen der Weihnachtsvorbereitungen, es gab immer etwas zu erledigen. An Wanderungen oder Ausflüge war nicht zu denken.

Für die Zeit nach Weihnachten und über Neujahr meldete ich bei Veronika an, möchte ich Sonne tanken. Ich nahm deswegen mit Theres in Cazis Kontakt auf. Diese hatte viel vor, gerade an den sicheren Sonnentagen in ihrer Gegend. Wir einigten uns auf den 2. Januar 2026. Am Morgen musste ich absagen, denn Veronika ging es nicht gut. Und siehe da, sie entwickelte Husten, Schwäche, Fieber, aber mindestens keine Lungenentzündung.

Nach ihrer Genesung kam bei ihr der Winterblues. In den Niederungen herrschte Nebel oder Hochnebel vor. Die Therme war Veronika so wichtig, dass sie auch im Nebel dorthin wollte, obwohl in höheren Lagen die Sonne geschienen hätte. Am Donnerstag, 29. Januar 2026 sagte sie, morgen will ich an die Sonne oder einen Ausflug machen. Gemäss Prognosen hätte es ab Walentstadt im Bündnerland am Vormittag Sonne gehabt. So weit wollte sie nicht reisen. Stattdessen schlug sie zu meiner Verwunderung vor, nach Basel zu fahren und nochmals den Globus zu besuchen – diesmal in aller Ruhe – ohne Raphael etwas zu sagen. [Am Samstag, 24. Januar 2026 sind wir spontan nach Basel gefahren, zum Globus. Auf der Fahrt hat Veronika raphael informiert, der uns auf 15 Uhr zu sich und Julia eingealden hat. Für Veronika war dies schon Stress.]
Von der Martinsgasse her kämpften wir alle fünf Stockwerke hinunter. Für mich gab es eine Mütze. Anschliessend gingen wir in die Hasenburg essen (80 Fr.). Raphael wäre zu Hause oben an der Rosshofgasse gewesen und hat uns zum Kaffe eingeladen, aber Veronika wollte ihn nicht stören.

Stattdessen war ihr der Blumenladen Breitenstein in Riehen wichtig. Wir fuhren bei regnerischem Wetter nach Riehen, wo der Laden ausgeräumt war. Veronika war schön enttäuscht. An solche Veränderungen müssen wir uns mehr und mehr gewöhnen. Von diesem Geschäft wünschte sich Veronika früher ihren Geburtstagsstrauss. In Basel war der Bächtelistag 2. Januar kein Feiertag wie in Zürich. Das Blumengeschäft hatte teure aber wunderbare Sträusse. Wir tranken einen Kaffee im gegenüberliegenden Landgasthof. 

Anschliessend wollte Veronika nach Waldshut. Ich suchte die schnellste Verbindung und die führte zurück nach Basel auf die Autobahn. Veronika kam es vor, als ob wir schon nach Zürich fahren würden. Vor Laufenburg kamen wir in einen Stau. Veronika fand die Idee 'Waldshut' nicht mehr gut. 

Sie wollte Isabelle noch sehen vor ihrer Abreise nach Südostasien (9. Februar bis 22. April 2026). Lose haben sie für den Abend abgemacht. 

Veronika will ihr auf den 40. Geburtstag aus ihrem Kiesgeld eine Goldkette schenken. Isabelle hatte bis anhin nie Zeit mit ihr auf Erkundigung zu gehen. Veronika war am Verzweifeln. Auf einmal sagte Veronika, in Zürich würden wir nicht nach Hause sondern zum Juwelier Demuth an der Strehlgasse fahren. Er hätte eine schöne schlichte Goldkette für Fr. 790.- im Schaufenster. Er würde gelegentlich die Preise anpassen. Er könnte verdoppeln. Ich hatte die Idee, dass Isabelle auch in den Laden kommen könnte. Am Telefon sagte Isabelle, sie müsse noch für die WG einkaufen. Ich schlug vor, dass ich das mit ihr mache, während Veronika das Abendessen kocht. 
Wir trafen Isabelle und sie probierte etliche Ketten. Langsam kristallisierte sich eine Länge von 45 cm ohne Anhänger heraus, eher nicht allzu fein. Am Schluss war Isabelle unsicher wie ihre Mutter auch. Die Wahl fiel auf die Kette, die Veronika im Vorfeld im Schaufenster identifiziert hatte. Es wurde nichts verkauft. Herr Demuth geht gerne essen, er schliesse den Laden um halb sechs Uhr und öffne ihn am Samstag wieder so um 10 Uhr.
Draussen schlug Veronika vor, zu den grossen Juweliers Bucherer und Kurz an der Bahnhofstrasse zu gehen. Bucherer war sehr teuer. Bei Kurz war Veronika schon einmal. Dort liessen wir uns von Frau Bolli beraten, im ersten Stock. Diese Frau verstand das Geschäft. Sie konzentrierte sich voll auf Isabelle und brachte genau solche Schmuckstücke, von der Isabelle geredet hat. Sie wog ab und urteilte. Jedenfalls lag jene Kette in der Endauswahl, die jener von Demuth am meisten ähnelte. Sie hatte auch Karabinerverschluss, aber zusätzlich eine Öse zum einklinken, damit die Kette zwei Zentimeter kürzer war. Die Kette war neutral, sie glänzte nicht. Veronika hat gemerkt, dass es das Beste ist, wenn sie sich entscheidet. Sie sagte zur Kette für Fr. 1350.- zu. Weil auf Frau Bolli im Erdgeschoss ein Ehepaar wartete, übernahm Frau Züger den Bezahl- und Einpackprozess. Veronika und Isabelle meinten, jetzt hätten sie eigentlich für das Gleiche das Doppelte bezahlt. Herr Demuth sagte, seine Preise basieren auf einem Goldpreis von 60'000.- und der liege aktuell bei Fr. 135'000.-.
Für den Verkauf von Goldartikeln eigne sich die Münze am Beatenplatz gut. Dort erhalte man sofort das Geld.

Für mich ist interessant, was bei Veronika den Winterblues vertreiben kann. 60 km Richtung Sargans und wir hätten Sonne gehabt. Stattdessen wird der Globus in 100 km im Nordwesten angepeilt.

Weil ich diese Mechanismen bei Veronika kenne, bin ich im Januar 2026 einmal mit dem Zug nach Arosa und einmal nach Klosters Sonne tanken gegangen. Ich mache an den Orten Spaziergänge von 3-4 Stunden und im Zug arbeite ich. Mit Veronika reist man immer mit dem Auto, am Steuer ich selber. Am Ziel ginge es zuerst den Geschäften nach – bös gesagt bis die Sonne untergeht. 



Idee zu Abdankung und Leichenmal
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30.  Idee zu Abdankung und Leichenmal
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Über mein Ende habe ich mir lange Zeit überhaupt keine Gedanken gemacht. Ich sagte immer, es wäre schön, wenn ich 77 Jahre alt werden könnte. Das war’s.

Seit der Pensionierung drängte mich Veronika immer wieder, meinen Lebenslauf zu verfassen für die allfällige Beerdigung. In der Pandemie 2020 habe ich damit angefangen. Auf einmal realisierte ich, dass ich selber nicht genau wusste, wann ich was gemacht hatte. Für den Lebenslauf wäre das nicht relevant gewesen. Aber mich hat es gepackt und ich begann zu recherchieren und aufzuschreiben. Daraus ist 2025 mein Buch bei Edition-Unik ‚Afrika, die Erweckung für einen Appenzeller‘ entstanden.

2022 habe ich mich intensiv mit den Anordnungen für den Todesfall auseinandergesetzt. Auslöser war das neue Gesetz zur KESB. Zusätzlich zum bestehenden Ehevertrag verfassten wir ein Testament, einen Vorsorgeauftrag und eine Patientenverfügung. Pro Senectute hat eine Broschüre herausgegeben, wie man den Nachkommen das Leben erleichtern könnte, indem man zu Lebzeiten die nötigen Dokumente zusammenstellt. Auch den digitalen Nachlass regelte ich. In vielen Stunden habe ich all die Passwörter von Veronika und mir in eine Liste übertragen. 

Auch liess ich mich im Stadthaus Zürich beraten über all die Möglichkeiten der Grabwahl und Bestattungsmöglichkeiten.
Veronika sprach das Thema immer wieder an. Ihre Sorge waren die Kyburger, wo sie die alle unterbringen müsse und wie das gehe. Ich habe sie extra mitgenommen an die Beerdigung von Beat Lanter v/o Primus im Dezember 2024.  Sie liess sich nicht beruhigen, obwohl wir am den Kyburgern mitgeteilt haben, wir würden auf eine studentische Verabschiedung verzichten, d.h. es muss kein separater Saal bereit gestellt werden für den Trauersalamander.

All die Vorschläge konnten Veronika nicht beruhigen. Mit einem Grab im Friedhof Sihlfeld oder Üetliberg konnte sie sich nicht anfreunden, auch nicht mit den vorgeschlagenen Restaurants zur Verpflegung der Angehörigen (Kyburgerhaus Linde Oberstrass, Schützenhaus Albisgüetli).

Ende 2025 kam Veronika einmal heim und sagte, im Friedhof Enzenbühl könnte sie sich ein Grab vorstellen. Sie fuhr neuerdings manchmal mit dem Tram in die Gymnastik. Der Weg führte sie am Schluss zu Fuss von der Station Friedhof Enzenbühl durch den Friedhof zur Gymnastik.

Auf meinen 74. Geburtstag schenkte mir Veronika das Buch ‚Nicht mein Leben‘ von Adolf Muschg mit autobiografischen Momenten. Es ist beschrieben, wie die Hauptfigur mit seiner japanischen Frau die Grabstätte zu bestimmen sucht. Der in Zollikon aufgewachsene wählt sein künftiges Grab im Gebiet vom Friedhof Enzenbühl, das auf Gemeindegebiet von Zollikon liegt. Dieser Aspekt war mir neu, nach einer kurzen Recherche fand ich die Bestätigung.

Veronika sprach vielfach von einer Art Familiengrab, das sie sich wünscht. Ihre Kollegin Bea Lanz hat ihren Mann Martin 2024 im Friedhof Sihlfeld im Mietstaudengrab beerdigt und Veronika gesagt, für sich selber hätte sie an der gleichen Stelle einen Platz vorgesehen. So etwas könnte ich mir auch vorstellen.

Nach längerem Nachdenken wäre dieser Friedhof eine Lösung für uns und eine Erleichterung für Veronika. Die Abdankung könnte in der Friedhofskapelle stattfinden (wie bei Hannes Roose). Der Friedhof Enzenbühl ist mit Tram und Auto gut erreichbar. Das Leichenmal für Bekannte und Angehörige könnte im von Veronika so geliebten EPI Park Restaurant mit Blick auf den See organisiert werden. Für rüstige Menschen zu Fuss erreichbar. In dieser Gegend fühlt sich Veronika wohl und sie kennt alles.

Vieles spricht für diese Gegend:
  • Unsere schönste Familienphase haben wir am Blumenrain 29 gelebt.
  • Raphael und Isabelle sind in der nahen Klinik Hirslanden auf die Welt gekommen.
  • Veronika hat ihre zweite Ausbildung an der PUK (Burghölzli) gemacht in unseren ersten Ehejahren. Vor der Heirat hat sie im Personalhaus Balgrist gewohnt. Als junge Mutter hat sie an manchen Wochenenden im Burghölzli gearbeitet.
  • Seit den 1980er-Jahren besucht sie die Gymnastikstunde bei Lotti Weber an der Rotfluhstrasse 4.
  • Vor dem Advent sammelte Veronika im Friedhof Dekorationsmaterial wie Zapfen, Äste, etc.
  • Veronika pflegt Kontakt zu Menschen, die sie vom Chramschopf Zollikerberg oder von unseren Ferien in Lenzerheide mit dem Familienclub Zollikon her kennt.

Falls in Zürich die Kompostierung zugelassen ist, wäre bei mir dieser Bestattungsart der Vorzug zu geben gegenüber der Kremation.

Geschrieben am 22. Januar 2026


Anordnungen zum Todesfall in Sideboard im Büro im Tiergarten 50: Ordnermappe mit weissem Kreuz am Rücken mit wichtigsten Dokumenten im Zusammenhang mit dem Tod. Ordner Adressen, Versicherungen, Steuern. Schwarze Klemm-Mappe mit Originalen (Schul-, Arbeitszeugnisse, AHV-Beiträge, Erbteilungen Mutter Maria Büchel und Verwandte).

 

Lebensdaten, Wohn- und Arbeitsorte, Besonderes
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31.  Lebensdaten, Wohn- und Arbeitsorte, Besonderes
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Lebensdaten von Niklaus Wild (aus Buch)

Der Eintrag unter dem Datensatz Nr. 19 stellt meine Namen an den Anfang. Aufgeführt sind die Eltern Albert und Maria Wild-Büchel, alle acht Geschwister sowie Ehepartnerin und Kinder. Aus diesen Aufstellungen sind die Geburts-, Heirats- und Sterbedaten ersichtlich.


Niklaus Wild. Datensatz Nr. 19 als Ausschnitt aus Stammbaum, nachgeführt von Tony Wild, geboren 1946.

 



Weitere Ereignisse im Leben von Niklaus Wild:

Geburt: Fronleichnam, Donnerstag, 24. Mai 1951, 02.25 Uhr im Steigbach 80, 9055 Bühler

Taufe: Am Tag der Geburt um 14 Uhr in Teufen von Pfarrer Selva.

Patin/Gotte: Paula Fässler. Pate/Götti: Hans Gmünder

Firmung: 4. Juni 1961 in Teufen von Bischof Josephus Hasler

Ziviltrauung: 28. Juni 1978 im Stadthaus Zürich, mit Veronika Lüscher

Kirchliche Trauung: 1. Juli 1978 in der Klosterkirche Appenzell, getraut von Bruder Gandolf Wild, Kapuzinerpriester und dem Götti von Veronika, Alfred Müller, reformierter Pfarrer

Geburt Milena Franziska Wild, 2. September 1981 im Rotkreuz-Spital Zürich (heute Careum)

Geburt Raphael Matthias Wild, 23. Oktober 1982 in der Klinik Hirslanden Zürich

Geburt Isabelle Katharina Wild, 25. September 1986 in der Klinik Hirslanden Zürich

Geburt von Enkel Adrian Cedric Oliver Wild, 20. Dezember 2012, Maternité Triemli (Eltern in Bonstetten)

Geburt von Enkel Gabriel Casimir Lorenz Wild, 17. Oktober 2014, Spital Affoltern am Albis (Eltern in Bonstetten)

Geburt von Enkel Linus Christoph David Wild, 23. Mai 2018, Spital Affoltern am Albis (Eltern in Knonau)

Ausbildung:

April 1958 bis März 1964 Primarschule Bühler, sechs Klassen

April 1964 bis Juni 1971 Kollegium St. Antonius Appenzell, Langzeitgymnasium mit Abschluss Matura A (Griechisch und Latein) am 17. Juni 1971

September 1971 bis Juli 1978 Studium an der ETH-Zürich an der Abteilung Bauingenieurwesen, 8 Semester mit 1. Vordiplom Oktober 1972, 2. Vordiplom Juli 1975, Diplomsemester mit Abschluss als Dipl. Bauing. ETH am 5. Juli 1977

Wohnorte:

1951 bis 1971: Steigbach 80, 9055 Bühler, Eltern- und Geburtshaus

Juli bis September 1971: Allenmoosstrasse 140, Zürich-Oerlikon im Parterre bei Schwester Maria Brabetz-Wild

September 1971 bis Juni 1972: Geranienstrasse 8, 8008 Zürich in einem Einlegerzimmer

Juli 1972 bis Februar 1973: Clausiusstrasse 66, 8006 Zürich im Parterre in einem Einzelzimmer

März 1973 bis Mai 1973: Zeughausstrasse 43, 8004 Zürich in Dachzimmer

Juni 1973 bis Juni 1978: Hirschengraben 70, 8001 Zürich in Wohngemeinschaft mit vier anderen Kyburgern, grosses sonniges Zimmer mit Balkon, Ölofen

Juli 1978 bis März 1981: Dahliastrasse 3, 8008 Zürich, erste gemeinsame Wohnung mit Veronika Wild-Lüscher

April 1981 bis Juli 1989: Blumenrain 29, 8702 Zollikon, Familienwohnung

ab August 1989: Im Tiergarten 50, 8055 Zürich, Familienwohnung, Eigentumswohnung.

[April 2004 bis September 2009: Rosshofgasse 1, 4051 Basel, als Wochenaufenthalter mit jüngster Tochter Isabelle in Wohngemeinschaft]

Anstellungen:

1964 und 1965, Sommerferien: Lebensmittelladen Concordia Appenzell (bei Tante Martha Bischofberger-Büchel) zur Abgeltung des Klavierunterrichts

1966, Sommerferien: Schlössli Rheinfall, Kiosk, zusammen mit Studienkollege Aldo Traxler

1967, 1968, 1969, 1970, Sommerferien: Ablösung der drei Briefträger in Bühler während 9 bis 10 Wochen

1971: Juli-September: Praktikum bei Bauunternehmung Hatt-Haller an der Bühlstrasse, 8055 Zürich, mit Einsatz beim Neubau Parkhaus Urania

1973, März bis April: Mettler Fenster, St. Gallen-Winkeln

1973, Mai bis Juni: Schweizerische Speisewagengesellschaft, Minibar, stationiert in Lausanne

1973, Juli: Gaz de France, 20 rue Pétrelles, Paris

1976, Juli bis September: Staatliches Elektrizitätswerk (Dimosia Epichirisi Ilektrismou (DEI) (griechisch Δημuσια Επιχερηση Ηλεκτρισμοu (ΔΕΗ)), Athen

1971-1977: Studentenjobs zur Finanzierung des Studiums (Holiday Magic, Kohle Bürke, Manpower)

1977-1978: Assistent an der ETH am Lehrstuhl von Prof. Dr. Angelo Pozzi, Bauplanung und Baubetrieb

1878-1980: Baustellenleiter bei Swissboring in Volketswil, Spezialtiefbau-Unternehmung

1980-1983: Projektingenieur bei der Elektrowatt in Zürich mit Einsätzen im Ausland (Dubai, Caracas) und auf der Kläranlage Werdhölzi in Zürich

1983-1986: Projektleiter, Mitglied Projektleitungsstab, Kläranlage Werdhölzli, FIDES IBB Institut für Bauberatung

1986-1996: Leiter Immobilien, SBB Kreisdirektion III in Zürich, Aufbau der Abteilung und Kommerzialisierung der wichtigen Bahnhöfe

1996-2000: Stellvertretender Direktor, Bereichsleiter Objektmanagement, Mitglied der Geschäftsleitung, Flughafen-Immobilien-Gesellschaft FIG, Zürich-Kloten

2000-2002: Direktor, Leiter Commercial Real Estate, Mitglied der Geschäftsleitung Maag Holding AG, Zürich

2002-2003: Projektentwickler Grossprojekte Intershop Holding AG, Winterthur und Zürich

2003-2009: Leiter Portfoliomanagement Immobilienanlagen, Mitglied der Geschäftsleitung, Kanton Basel-Stadt. Die ersten zwei Jahre Reorganisation der Zentralstelle für staatlichen Liegenschaftsverkehr und Überführung in Immobilien Basel-Stadt, tätig für den Regierungsrat. Immobilienportfolio Verwaltungsvermögen in Kanton Basel-Stadt, Finanzvermögen in Region Nordwestschweiz, Pensionskasse schweizweit. Wert insgesamt 8 Milliarden Schweizerfranken

2009, September: Selbstgewählte Pensionierung beim Kanton Basel-Stadt

Selbständigkeit:

2009-2025: Geschäftsführer und Inhaber der Wild Immobilien GmbH, Rennweg 50, 8001 Zürich, Projektentwicklung, Bauherrentreuhand und Immobilientransaktionen

Weiterbildungen:

1984: Fides Zürich, Institut für Bauberatung, Führungsausbildung sechs Wochen in Fürigen am Bürgenstock

1988: SBB, Kreisdirektion III, Führungsseminar vier Wochen, Ausbildungszentrum Murten

2001: Euromoney Training London: Structuring Real Estate Finance.

2000: IMD, Lausanne, Breakthrough Programme für Senior Executives

2015: Ausbildung zum Wanderleiter, Erwachsenen-Ausbildung, Pro Senectute Zürich, Sportzentrum Kerenzerberg, sechs Tage

2016: Ausbildung zum Wanderleiter: Bündner Arbeitsgruppe für Wanderwege (BAG): mehrwöchige Ausbildung in Malans, Wergenstein, Chur. In fünf Modulen zum Wanderleiter Sommer und Winter

Besonderes:

1970, 19. Juni: Führerprüfung für Motorräder in Appenzell

1971, 24. März: Führerprüfung für Motorwagen in Appenzell

1981, 21. Mai bis 31. Dezember 2024: Mitglied beim SIA Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein, Zürich

1993-1998: Vorstandsmitglied Sektion Zürich als Quästor für 3000 Mitglieder

1982-1985: Delegierter des SIA Zürich

1989-1985: Vertreter der Jungen 1982-1985 im Vorstand. 1989-1993: Ersatzrevisor SIA-Zürich

1985-1992: Mitglied Genossenschaft im Walder, 8008 Zürich, die 12 Einfamilienhäuser im Baurecht der Stadt Zürich geplant und erstellt hat. Vor Bezug Verkauf wegen hohen Erstellungskosten und Hypothekenzins über 7 %

1991, 1. Januar: Ernennung zum Hauptmann der Genietruppen, Eidgenössisches Militärdepartement

1991-1996: Einheitskommandant, Eisenbahn-Genie

1993, 22. Oktober: Führerausweis für Segelschiffe am Walensee

1990-1994: Leiter der Planungskommission im Vorstand der Genossenschaft Kyburgerhaus Zürich zur Vorbereitung der Gesamtsanierung

1994-2000: Verwaltungsratspräsident Linde Oberstrass AG (Kyburgerhaus)

2000, 4. Oktober: Bürgerrecht der Stadt Zürich für die ganze Familie

2008-2013: Verwaltungsratspräsident der Alternativenergie Birsfelden AEB

2015-2021: Pro Senectute Zürich: Wanderleiter, esa-Ausweis (Erwachsenen-Sport-Ausweis)

2016-2022: Zürcher Wanderwege: Wanderleiter mit Ausweis Wanderleiter BAW

2023, Januar: Schreibkurs in Kappel am Albis mit Regula Tanner

2023, 20. Dezember: Fotobuch ‚Adrian Wild, Erste Lebensjahre und seine Vorfahren‘

2025, Mai: Druck des Buches ‘Afrika, die Erweckung für einen Appenzeller’ durch Edition UNIK

Erlebenslauf als Abschluss
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32.  Erlebenslauf als Abschluss
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Erlebenslauf (aus Buch)

Zur Abrundung der Schilderungen eine Rückschau des Autors mit 74 Jahren.

Die ersten zwölf Jahre meines Lebens verbrachte ich im Steigbach in Bühler im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Anscheinend war ich so schüchtern, dass ich nicht einmal bei Verwandten übernachtete wie jeweils meine Geschwister. Nach sechs Klassen in der Primarschule ging ich nach Appenzell ins Kollegium. Dort lebte ich sieben Jahre behütet als interner Gymnasiast. In den langen Sommerferien löste ich zu Hause die Briefträger ab. In Zürich arbeitete ich neben dem Studium an der ETH als Steward bei der Speisewagengesellschaft. So lernte ich weitere Orte der Schweiz kennen. Meine Sehnsucht, die Welt zu sehen, wuchs enorm.

1973 starb mein Vater und ich unterstützte die Mutter bei der Milchsammelstelle. Dazu unterbrach ich das Studium für ein Jahr. Mein Bruder Tony hat die Liegenschaft an unseren Cousin Hans Inauen verkauft und ich hatte einige Monate frei. Mit dem Erbe von weniger als 10’000 Franken erfüllte ich mir einen Traum. Mit meinen 23 Jahren machte ich mich auf - eigentlich nach Indien - landete aber über Sizilien in Afrika. Von Tunis reiste ich auf dem Landweg durch die Wüste zu meinem ältesten Bruder Gandolf in Tansania. Ich war sieben Monate abenteuerlich unterwegs, für mich als ‚Bergler‘ eine wichtige Erfahrung. Mein Bruder Gandolf sagte mir kurz vor seinem Tod im Jahre 2022, er hätte nicht geglaubt, dass ich bei ihm lebend ankäme, kannte er doch die Risiken einer solchen Landreise. Mein erster Flug im Leben war von Nairobi nach Israel, wo ich den politischen Brennpunkt erkundete. Nach meiner Rückkehr studierte ich an der ETH hoch motiviert weiter. Vor meinem Schlussdiplom reiste ich auf dem Landweg in mein Traumland Indien. Vorher arbeitete ich in Griechenland im Rahmen des Studentenaustauschs beim Elektrizitätsdepartement in Athen. Auf der Hinreise hat mich meine Frau Veronika begleitet.

Meine Jugendzeit im Bühler habe ich als eine glückliche Zeit in Erinnerung. Ich war das achte von neun Kindern. Am Mittagstisch waren wir zusammen mit den Mägden und Knechten um die 15 Personen. Bei so vielen Menschen war eine gute Tagesstruktur nötig, für die meine Mutter sorgte. Im Nachhinein hatte ich das Gefühl, neben meinen Eltern hätten mich vor allem meine älteste Schwester Maria und unser Cousin und Pächter Hans Inauen erzogen und Lebensweisheiten vermittelt.

Am Ende meines Studiums lernte ich Veronika Lüscher kennen, die im Aargau in bäuerlichen Verhältnissen aufgewachsen ist. Wir wohnten zuerst im Seefeld und später in Zollikon. Dort kamen unsere drei für uns einzigartigen Kinder auf die Welt, eingebettet in eine gute Nachbarschaft mit anderen Familien. Das war eine unbeschwerte Zeit. Unsere drei Kinder Milena, Raphael und Isabelle haben ihren Weg gemacht. Sie stehen heute auf eigenen Füssen, interessanterweise sind alle drei im Bildungsbereich tätig. 1989 zügelten wir in die Stadt Zürich in den Friesenberg. Diese Gegend liegt unten am Uetliberg, eine ruhige und mit der Uetlibergbahn gut erschlossene und sonnige Lage. Die Kinder konnten alle ihre Orte für die Pfadi, die Schule, Musik- oder Sportaktivitäten ohne den Vater als Chauffeur erreichen.

Damals war es noch üblich, dass ein Ehepartner arbeitete und der andere für die Kinder sorgte. Veronika hat die Kinder erzogen, wofür ich ihr dankbar bin. Sie wollte früh wieder arbeiten gehen und tat dies jeweils an Wochenenden. An diesen Tagen war ich allein mit den Kindern und konnte mein eigenes Programm durchführen. Vielfach kletterten wir auf den Uetliberg oder spielten an und in der Sihl. Im Rückblick waren diese Vater-Tage wichtige Momente für meine Beziehung zu den Kindern.

Ich ging auf in der Arbeit bei den SBB-Liegenschaften und vor allem auch bei der Flughafen Immobilien Gesellschaft. Bei meinen Tätigkeiten handelte es sich um den Aufbau neuer Kompetenzen oder um die Einführung von elektronischen Systemen. Im Rückblick war es der Anfang der Digitalisierung, die systematische Erhebung der Daten. Vielfach ging es auch um Reorganisationen, wo man sich nicht nur Freunde schaffen kann. Dies zum Beispiel bei meiner letzten grossen Aufgabe beim Kanton Basel-Stadt. Dort legte ich zusammen mit Schlüsselpersonen aus dem Baudepartement die Grundlage für die geglückte Transformation zu Immobilien Basel-Stadt. Diese betreut am Rheinknie nun mit modernen Instrumenten und einer passenden Organisation ein ansehnliches Immobilien-Portfolio. Ich hatte vielfach mit dem Kauf und Verkauf von Immobilien zu tun. Dazu muss man sich mit den Örtlichkeiten auseinandersetzen. So lernte ich die Schweiz gut kennen. Meine Arbeitsstellen liessen zum Teil meine Sehnsucht nach der Welt stillen. Mit der Baukommission vom Flughafen Zürich besuchten wir im Zusammenhang mit den Ausbauten andere Drehscheiben rund um den Globus. Wir wurden von den örtlichen Betreibern empfangen und neben der Anlagen-Besichtigung auch in die Umgebung eingeführt.

Mit 58 Jahren liess ich mich in Basel pensionieren. Ich betrieb nachher meine kleine Immobilienfirma am Rennweg in Zürich. Ich beriet Kunden in der Projektentwicklung und beim Verkauf von Liegenschaften.

Daneben machte ich noch die Ausbildung zum Wanderleiter und führte Wanderungen mit passenden Organisationen durch. Diese Zeit genoss ich, der Arbeitsdruck war nicht mehr so gross. Dies erlaubte mir, das Leben in allen Dimensionen zu geniessen und die Schweiz zu erkunden.

Die älteste Tochter Milena gründete in dieser Phase ihre Familie und schenkte uns drei aufgeweckte Enkel Adrian, Gabriel und Linus, gerade zur rechten Zeit, als wir nicht nur Musse, sondern auch noch die nötige Kraft hatten.

Man hat mich wenig klagen gehört. Ich habe ein gutes und intensives Leben gelebt, vielleicht zum Teil auf Kosten von anderen. Ich bin mir bewusst, dass ich mit schnellen Entscheiden auf meinem Weg Menschen verletzt oder auch überfordert habe.

Wenn ich zurückblicke, so finde ich drei meiner Weichenstellungen wesentlich. Die abenteuerliche Reise durch Afrika zu meinem Bruder in Tansania 1974. Die Heirat und Gründung einer Familie. Und nach drei Jahrzehnten Berufszeit als Angestellter mein selbst gewählter Übergang in die Selbstständigkeit.

Die Jahre danach kann ich als geschenkt betrachten, auch dank der Unterstützung meiner Frau zu einer gesunden Lebensweise. Herzlichen Dank!

Euer Niklaus Wild
Unsere Förderer
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