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Von Gabriele Hahn – Endlich nein!
Gabriele Hahn
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Erste Erinnerungen und Kindheit / 02.09.2025 um 6.02 Uhr
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Erste Erinnerungen und Kindheit / 02.09.2025 um 6.03 Uhr
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Erste Erinnerungen und Kindheit / 02.09.2025 um 6.03 Uhr
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Erste Erinnerungen und Kindheit / 02.09.2025 um 6.04 Uhr
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Erste Erinnerungen und Kindheit / 02.09.2025 um 6.24 Uhr
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Erste Erinnerungen und Kindheit
Ich widme diese Autobiographie meinen Brüdern und meinen Eltern, weil wir nicht offen miteinander reden konnten, ich aber gerne unsere Geschichte - unsere Geschichten - mit ihnen teilen möchte, auch wenn meine Eltern schon lange nicht mehr leben.
Vorwort
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Warum ich so lange auf den Prinz gewartet habe, der mich retten kommt, weiß ich eigentlich gar nicht. Und dass es dann besser wurde, als erwartet und jemand anders meine Rettung war, damit hatte ich auch nicht gerechnet.

Aber alles zu seiner Zeit…

Als ich anfing, an meiner Autobiografie zu schreiben, war ich einfach nur begeistert: meine Geschichte geht nicht verloren, obwohl ich alleine lebe! Je länger ich dann an meiner Geschichte schrieb und je länger ich darüber nachdachte, wie ich was schreiben wollte, umso schwieriger fiel es mir, dran zu bleiben. Wie beschreibe ich ohne zu brüskieren, Gewalterfahrungen, wie Machtmissbrauch, wie Sexualität. Wie kann ich über Erkenntnisse berichten, die mir erst jetzt beim Schreiben kommen, wie über eigene Fehler? 

Da heißt es, immer wieder den Mut finden, sich dranzusetzen, weiter zu machen. Die vorgegebenen Kapitel helfen dabei, sie sind das Geländer über dem Abgrund, an dem ich mich entlang vorsichtig vorwärts bewege. 

Was weisst du über deine Geburt?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Was weisst du über deine Geburt?
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Es war ein Faschingsdienstag, in Herne, im Ruhrgebiet, wo meine Eltern mit Peter, dem zweijährigen Erstgeborenen, lebten. Soweit ich weiß, arbeitete mein Vater als Arzt in einem Herner Krankenhaus.
Frühmorgens zwischen 4 und 5 Uhr setzten bei meiner Mutter die Wehen ein. Es war kalt und sie musste zu Fuß - alleine ins Krankenhaus gehen, da unser Vater bei Peter bleiben musste. 

Aber sie hat mir ein Leben lang erzählt, wie leicht die Geburt war und dass ich als kleine Kaffeekanne, zwei Wochen zu früh, auf die Welt kam. Es war der 24.2.1959.

Wie sind die Eltern auf deine(n) Vornamen gekommen? Haben deine Eltern gut gewählt?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wie sind die Eltern auf deine(n) Vornamen gekommen? Haben deine Eltern gut gewählt?
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Meine Eltern hatten mich ursprünglich Carola nennen wollen, aber Peter, der schon sprechen konnte, sagte wohl Kakarola- weswegen es dann Gabriele wurde. Genannt wurde ich immer Gabi, bis ich in die Schweiz kam und ich feststellen musste, dass hier die Kühe so heißen. Seither werde ich in der Schweiz mit Gabriele gerufen und in Deutschland weiterhin Gabi.
Hattest du auch Übernamen?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Hattest du auch Übernamen?
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In der Schule wurde ich Hähnchen genannt. Wegen meines Nachnamens. Wenn ich etwas ausgefressen hatte oder mein Vater sonst ein „ernstes Wort“ mit mir reden wollte, rief er mich streng bei meinem Geburtsnamen: „Gabriele!“
In was für eine Zeit wurdest du geboren?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

In was für eine Zeit wurdest du geboren?
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Meine Eltern hatten den Krieg überlebt. Papa, 1927 in Wuppertal geboren, in eine einfache Handwerkerfamilie, Opa war Seiler, wurde mit 15 in den Krieg eingezogen. Von all den Gräueln, die mein Vater erleben musste, weiß ich wenig, nur dass er später in der Marienburg in russischer Gefangenschaft war. Ich nehme an, dass ihn die Kriegserlebnisse dazu bewogen, Arzt zu werden: er wollte Leid mindern und helfen und er wollte, so nehme ich an, dass seine Eltern auch auf ihn, Karl Johann, stolz waren und nicht nur auf die Schwester, deren Namen ich vergessen habe. Seine Eltern waren streng und ich habe immer in der Erinnerung dieses muffige Wohnzimmer mit dem Harmonium, diesem alten Kasten und dass sich meine Eltern dort nie wohl fühlten.

Und Mama, 1923 geboren, kam aus Ostpreußen. IHerr Metzgerfamilie war in dem 2000 Seelen-Dorf Passenheim in Masuren, die reichste Familie. Ihr Vater konnte dem Dorf sogar ein Karussell spendieren, das die Metzgergesellen anschieben mussten. Sie war die Jüngste und das einzige Mädchen nach vier Brüdern. Robert, Hans, Felix, Günter und Helene Marczinkowski. Und nur Günter überlebte den Krieg. Die anderen sind alle gefallen. Was für ein Wort: gefallen! Erschossen, von einer Granate getroffen, elend verreckt in einem Schützengraben, erfroren: welches Schicksal sie erleiden mussten, weiß niemand so genau.

Mama war während des Kriegs 1 Jahr in Potsdam in einem Mädchenpensionat, wo die jungen Damen nur mit Hut und Handschuhen ausgehen durften und lernten, was für zukünftige Ehefrauen als unabdingbar angesehen wurde. Aber die Großstadt Berlin gefiel ihr, zeitlebens sehnte sie sich nach Großstadt zurück.1945 im Januar bekamen sie und ihre Mutter, der Vater war Jahre zuvor an einem Herzleiden gestorben, die Nachricht von einem Bruder von der Front, dass sie fliehen müssten. „Es ist schlimmer, als ihr es euch vorstellen könnt!“ Nach einer langen Odyssee über die Ostsee mit der ständigen Angst, von u-Booten abgeschossen zu werden, landeten sie schliesslich in Flensburg. Ihre Mutter blieb dort und Mama machte eine Ausbildung zur Krankenschwester und kam ziemlich in Deutschland rum. Ein Jahr arbeitete sie auch als OP-Schwester im Kantonsspital in Aarau. Aus ihren Erzählungen konnte ich entnehmen, dass sie viel flirtete, ihre Umabhängigkeit und auch die Areit sehr genoss.

Und so kamen der junge Arzt und die Krankenschwester sich eines Tages mit den Knien unter einem OP-Tisch näher…das muss 1955 gewesen sein. 1956 nutzte Karl Hahn die durch eine Hepatitis geschwächte Helene aus und machte ihr einen Heiratsantrag. Am 17.3.1956 heirateten sie in Wuppertal.

Sie sehnten sich beide nach Frieden, nach Normalität, nach Wohlstand, nach Anerkennung. Und als sie in Herne, mitten im Ruhrpott waren, sah die wirtschaftliche Zukunft besser aus, als die Kriegsjahre bis 1945. Mein Vater strebte nach Selbständigkeit und wollte Kinder, eine Frau, die für ihn und die Kinder da ist und für die Kinder wollte er eine bessere, leichtere erfolgversprechende Zukunft. Meine Mutter wollte mit meinem Vater zusammen die Allgemeinarztpraxis betreiben, Kinder hatte sie eigentlich nicht gewollt. Und ich war schon das zweite Kind… ein drittes sollte folgen, zwei Jahre nach mir.

Altena, die Burgstadt im Sauerland, in der ich aufwuchs, war zu meiner Zeit eine blühende Kleinstadt mit Drahtzieherein, Gießereien und Stahlindustrie. Die Schornsteine rauchten und im Winter war der Schnee in unserem Garten mit einer Schicht Ruß bedeckt. Die ersten Gastarbeiter aus Italien wurden angeworben, weil nicht genügend einheimische Arbeitskräfte für den Wiederaufschwung zur Verfügung standen. Die wohnten in zugigen Baracken, in Mehrbettzimmern, wo allerdings außer den Betten kein Komfort zur Verfügung stand.

Was ist deine erste eigene Erinnerung an dein Leben?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Was ist deine erste eigene Erinnerung an dein Leben?
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Wir haben in Altena in einer einzigen Straße gewohnt. Dort erst in der Wixbergstrasse 8, wo Mama vom Vermieter gemobbt wurde - er kam einfach in die Wohnung, wann es ihm passte. Dann wohnten wir in der Wixbergstrasse 10, das ist die erste Wohnung, an die ich mich erinnern kann. Später baute Papa in der Wixbergstrasse 14 ein Haus aus und um. Das war das letzte Zuhause in Altena.

meine erste eigene Erinnerung- ich weiß es gar nicht, da sind Bruchstücke: die Reitpeitsche in der Ecke vom Treppenaufgang, als Strafandrohung, mein Zimmer hinter dem Schlafzimmer meiner Eltern, der Spiegel im Flur, wo Mama mir Herrenwinker machte: je eine Strähne vor den Ohren, die sich keck nach vorne biegen. Das Zimmer meiner Brüder, die schmale Treppe hoch. Und der Teppich auf der Treppe war mit Stangen befestigt. Wenn man die losmachte, konnte man die Treppe runterrutschen - auf dem Teppich.
Neben dem Zimmer meiner Brüder - glaube ich - Onkel Herrmann, unser Untermieter.
Zuckerstücke auf die Fensterbank legen, für ein weiteres Geschwisterchen, Axel, mein zweiter Bruder, zwei Jahre nach mir in Altena in Nr. 8 geboren, und ich vor dem Fernseher, beim Let‘s Kiss nachtanzen. Einige der wenigen Sendungen im Schwarz- Weiß-Fernsehen war ein Tanzkurs.
Welche andern frühen Ereignisse hast du nicht vergessen?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Welche andern frühen Ereignisse hast du nicht vergessen?
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Die ersten oder frühen Erinnerungen betreffen die Wohnung und den Garten in der Wixbergstrasse 10. Wie alt war ich da? Schätzungsweise zwischen 4 und 9. Wie schon in der Wixbergstrasse 8 war die Praxis unseres Vaters im Parterre und die Wohnung oben drüber. Ich kann mich an das Wartezimmer erinnern, das rechts hinter der Eingangstür war. Wir mussten immer alle Patienten freundlich grüßen. Dass wir aber nicht alle kennen konnten, fing ich an, jeden Menschen zu grüßen, um ja nichts falsch zu machen. 

Ich aß offenbar zu wenig in den Augen meiner Eltern. Ich weiß, dass ich wieder mal nicht essen wollte. Dieses Mal waren es Bratkartoffeln. Mein Vater war so wütend und ich nehme an, auch verzweifelt, dass er mich mit in seine Praxis nahm, ich heulte schon, und mir eine Spritze in den Po verpasste. Seither esse ich Bratkartoffeln, leider sogar sehr gerne, trotz dieses offensichtlichen Missbrauchs. Aber meinen Appetit auf Bratkartoffeln empfinde ich ein bisschen als Verrat meines Körpers an mir…

Als ich mal vom Garten reinkam und am kleinenWaschbecken direkt hinter dem Hintereingang mir die Hände wusch, entdeckte ich an meinem linken kleinen Finger innen oben am letzten Fingerglied eine ca. 2 cm lange Narbe. Als ich meine Mutter darauf ansprach, meinte sie, sie erinnere sich nicht. Das habe ich nie geglaubt, aber eine Antwort habe ich auch nie erhalten.

Ich erinnere mich an einen kleinen Apfelbaum in der rechten hinteren Ecke unseres Gartens. Dort bin ich gerne hochgeklettert - in der Erinnerung war es ein schöner und sicherer Ort, wenn ich auch heute nicht mehr sagen kann, wieso.

Unten am Fluss, an der Lenne, ca. 200 m von uns entfernt, war ein großes Stahlwerk mit einer Gießerei. Im Winter hatten wir Russ auf dem Schnee und die Wäsche konnte nicht rausgehängt werden, wenn die Gießerei aktiv war. Wir Kinder zogen trotzdem unsere Schokolade durch den Schnee, um Eisschokolade zu essen.

Hunde haben immer zu unserer Familie dazu gehört. Wir hatten in der Wixbergstrasse 10, als ich so ca. zwischen 4 und 9 Jahre alt war, einen schönen, braunen Glatthaardackel mit Namen Don. Aber leider hatten wir auch einen Wellensittich, der - meiner freiheitsliebenden Mutter sei Dank, bei offener Käfigtür seine Runden im Wohnzimmmer fliegen durfte. Eines Abends waren wir im Theater. Unseren Eltern war Bildung und Heranführung an Oper und Operette, klassische Musik für unsere Erziehung sehr wichtig. Ich weiß nicht mehr, ob es Hänsel und Gretel von Humperdinck (nachsehen, wie man ihn schreibt) war, oder etwas anderes; vielleicht auch Peter und der Wolf. 

Als wir nach Hause kamen, lag der Wellensittich zerrupft auf dem Teppichboden, der Dackel schlief sicher in irgendeiner Ecke und war sich keiner Schuld bewusst. Es war ja nicht seine Schuld, dass unsere Eltern vergessen hatten, die Käfigtür zuzumachen. Meine Eltern sahen das anders. Der arme kleine Dackel wurde in den Keller gesperrt und hat dort die ganze Nacht geheult. Am nächsten Tag haben ihn meine Eltern abgegeben. Er ist dann unten im Kleff, ein paar 100 m von uns bei einer lieben Familie noch sehr alt geworden. Mir tut das heute noch weh, dass das arme Tier in den Keller gesperrt wurde.

Welche Rolle spielten in deinem Leben deine Patin und dein Pate für dich?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Welche Rolle spielten in deinem Leben deine Patin und dein Pate für dich?
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Mein Patenonkel war Hans, ein alter Freund meiner Mutter aus Ostpreußen, bzw. wahrscheinlich war es seine Frau, mit der meine Mutter befreundet gewesen war. Sie kamen oft zu Besuch, aber ich erinnere mich sonst nicht an viel, nur, dass Onkel Hans sehr gut aussah und ich ihn später heiraten wollte…
Falls du Geschwister hattest, wie haben sie dich aufgenommen?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Falls du Geschwister hattest, wie haben sie dich aufgenommen?
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Peter war am 18.4.1957 geboren worden, in Dannenberg an der Elbe. Der Stammhalter, der in Vaters Fußstapfen treten sollte. Es muss eine sehr schwere und lange Geburt gewesen sein, von der unsere Mutter später erzählte, dass sie als Arztgattin nicht so hätte schreien dürfen… Sie war mit 34 für damalige Verhältnisse eine Spätgebärende.
Ich bin am 24.2.1959 in Herne geboren worden und wie bereits erzählt, sagte Mama, dass es eine leichte Geburt gewesen sei, und dass sie sich ein Mädchen gewünscht hatte. Und für dieses Mädchen hatte sie auch Pläne.
In Altena im Sauerland ist dann am 3.4.1961 Axel bei einer Hausgeburt auf die Welt gekommen. Er hat sein eigenes Schicksal zu ertragen gehabt und zu ertragen.

Wie mich meine Brüder aufgenommen haben, weiß ich gar nicht richtig. Ich weiß nur, dass unsere Eltern Peter von Anfang an Druck gemacht haben, dass er auf uns aufpassen müsse. Er wurde grundsätzlich zur Verantwortung gezogen, wenn etwas schief lief, wenn wir uns stritten oder wenn er auf mich aufpassen sollte. Es war natürlich klar, dass man ein Mädchen mehr kontrollieren und eingrenzen muss, als einen Jungen. Mädchen können ungewollt schwanger werden.
Wie gross war dein erstes Zuhause? Erinnerst du dich an die einzelnen Räume?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wie gross war dein erstes Zuhause? Erinnerst du dich an die einzelnen Räume?
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Mein erstes Zuhause war in Herne, im Ruhrgebiet. Daran erinnere ich mich nicht, weil meine Eltern mit mir und meinem zwei Jahre älteren Bruder Peter 3 Monate nach meiner Geburt nach Altena ins Sauerland zogen. Auch an die zweite Wohnung in der Wixbergstrasse 8 erinnere ich mich nicht. Ich glaube, ich war mal da, weil Leiendeckers, der Sohn des ehemaligen Vermieters, später dort wohnte, und Dirk, der Enkel des ehemaligen Vermieters, im Gymnasium in meine Klasse ging - das war aber erst in den letzten drei Schuljahren, als Mädchen- und Jungengymnasium zusammengelegt waren.

Meine erste eigene Erinnerung an eine Wohnung betrifft die Wixbergstrasse 10: den Parkplatz vor dem Haus, die leicht abschüssige mit Platten belegte Fläche bis zur Garage, vor der Garage, aber schon hinter dem Haus, ein Tor, durch das man auch in den Garten gelangte. Über diesen Zugang wurde Öl für die Heizung geliefert. Der Tank war kurz hinter dieser Torzufahrt, mit einem großen Deckel geschützt, der auf einem niedrigen Betonsockel angebracht war. Auf diesen Eisendeckel legten wir immer Nüsse für die Eichhörnchen.

Auf der Fläche zwischen Hauseingang und Garage lernte ich Rollschuh fahren und flog regelmäßig auf die Knie. Noch heute habe ich von damals Dreck unter der Haut.

Im Parterre war das Wartezimmer. Die Fenster gingen nach vorne raus. Vor den Fenstern wuchsen Büsche, ich muss mal nachsehen, wie die heißen. Ich zerrieb Zweige zwischen den Fingern - das duftete fein würzig und ich war überzeugt, dass so Parfüm hergestellt wird: es waren meine Parfümbüsche und wenn ich sie heute irgendwo wachsen sehe, heißen sie für mich immer noch so und ich suche wieder den Duft von damals, indem ich etwas Grün abzupfe und es zwischen meinen Fingern verreibe und den Duft einsauge.

Vom Hauseingang ging es rechts ins Wartezimmer und geradeaus hoch in die Wohnung. Rechts in die Küche, deren Fenster auch nach vorne raus ging. Und links in Wohn- und Esszimmer. Wirklich erinnern kann ich mich nur an das Wohnzimmer und da auch nur an das große Fenster. Nicht einmal an den Blick in den Garten kann ich mich erinnern.

Links von der Treppe ging es in einen kleinen Flur, von dem aus rechts eine Tür in den Keller runterging, den ich immer als unheimlich empfand. Das Bad war wahrscheinlich am Ende dieses Flurs. Auf jeden Fall ging links vom Flur eine Tür zum Schlafzimmer meiner Eltern ab. Dahinter lag mein Zimmer.
Wie sah dein Zimmer aus? Hattest du ein eigenes?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wie sah dein Zimmer aus? Hattest du ein eigenes?
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Mein Zimmer in Nr. 10: wenn man zur Tür reinkam, stand gegenüber an der Wand das sehr schmale Bett. Es war so eine Kombination aus Bett und Bücherregal drum rum. Wenn ich im Bett lag, konnte ich aus dem Fenster sehen, das zur Straße raus ging. Links vor dem Fenster war mein Kleiderschrank. 

Es war mir immer eher unangenehm, dass mein Zimmer hinter dem meiner Eltern lag. Ich habe mich da eher eingesperrt und unfrei gefühlt. Die Jungen hatten ein gemeinsames Zimmer im oberen Stock und waren viel freier - meinte ich jedenfalls.

Links neben meinem Bett stand ein weißes Porzellangefäss mit grünen Ranken drauf gemalt und einem schwarzen Lederdeckel. Da drin waren die sogenannten Betthupferl. Süßes, das ich direkt vor dem Schlafengehen- nach dem Zähneputzen - essen durfte. Meine Zähne wurden entsprechend schlecht… Süßes war bei uns Trost und Ruhigstellung. Papa kaufte, als es ihm finanziell sehr gut ging und wir schon im grossen Haus wohnten, oft Pralinenschachteln mit 500 g Pralinen. Wenn ich mich recht erinnere, hatten die vier Schichten. Wir Kinder suchten uns die leckersten aus - Nougat, Marzipan, Krokant -  und ließen unserer Mutter und unserem Vater die anderen.

Von der Zimmertür aus links vor dem Fenster war mein Kleiderschrank. Was sonst noch im Zimmer war, daran kann ich mich nicht erinnern.

Gab es ein Fenster, aus dem du besonders gern rausgeschaut hast? Was sahst du?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Gab es ein Fenster, aus dem du besonders gern rausgeschaut hast? Was sahst du?
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In meinem Zimmer in Nr. 10 gab es ein Fenster, das auf die Straße rausging. Direkt vor dem Fenster war so ein schmaler Vorgarten, ein Zaun, die schmale Straße und dann das Haus auf der anderen Straßenseite. Aber wirklich erinnern kann ich mich nicht. Ich glaube, das Fenster erhielt erst dann eine gewisse Wichtigkeit, als Axel mal aus Versehen von außen einen Pfeil drauf schoss und ein Teil des Fensters zu Bruch ging.
Weisst du noch, wie die Küche ausgesehen hat?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Weisst du noch, wie die Küche ausgesehen hat?
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An die Küche in Nr. 10 kann ich mich nicht erinnern, nur daran, dass wir auf die Fensterbank außen Zuckerstücke gelegt haben, um noch ein Brüderchen oder Schwesterchen zu bekommen.
Wie war es draussen? Gab es einen Hof oder einen Garten?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wie war es draussen? Gab es einen Hof oder einen Garten?
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In Nr. 10 hatten wir einen Garten. Ich erinnere mich an einen Pflaumenbaum, an ein kleines Beet mit Erdbeeren, an den Apfelbaum ganz hinten links im Garten. An den Bach - Linscheider Bach, der unterhalb vom Garten floss und nach ca. 200 m am Ende der Straße in die Lenne mündete.

Papa hatte auch eine Schaukel für uns aufstellen lassen. Ich erinnere mich vor allem an Fotos aus der Zeit: Mama, die mit uns Kindergeburtstage mit Luftballonsuchen mit verbundenen Augen vorbereitete, Kuchen backte, Topfschlagen mit Preisen machte und drinnen Wattepusten und Reise nach Jerusalem.

Ein Foto zeigt uns drei Kinder in dunkelblauen Schneeanzügen mit einem kleinen weißen Schneemann aufgestickt. Auf einem anderen Foto sitze ich auf der Schaukel, brav, im Sommerkleidchen. 

Eine Erinnerung ist, dass Mama auf ihrem Liegestuhl lag, im Badeanzug, und ich ihr einen Regenwurm zeigte, den ich gefunden hatte. Sie war nicht begeistert, weil ich ihn so über sie hielt, dass, wenn er gefallen wäre, er in ihrem Ausschnitt gelandet wäre.

Unser Garten wurde von Papa oder musste Peter das auch schon machen? mit einem mechanischen Rasenmäher gemäht. Damit das leichter ging, mussten wir Kinder im Sommer Steine aus der Wiese raussuchen. Als Belohung durften wir zu Edeka, ca. 3 Minuten von uns entfernt und Eis für uns kaufen.
Ich erinnere mich an ein Foto von mir, mit einem großen Hund im Garten. Aus Erzählungen weiß ich, dass der eine meiner Puppen zerbissen hat. Wie der Hund hieß und wie lange wir ihn hatten, darüber weiß ich nichts.

Und da war noch eine Tasche voll Kätzchen, die uns Kinder begeisterten. Warum keins der Kätzchen dann bei uns einzog, weiß ich nicht mehr. Ich erinnere mich schwach, dass wir Kinder enttäuscht waren. 

Wohnte noch jemand bei euch?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wohnte noch jemand bei euch?
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Ja, Onkel Hermann, in Nr. 10, im oberen Stock, hatte er ein Zimmer neben dem meiner Brüder, die zusammen ein Zimmer hatten.
An Onkel Hermann erinnere ich nicht mehr, nur, dass er mir ein Pony versprach, das weiß ich noch. Da ist natürlich nichts draus geworden.
Was ich nicht mehr genau weiß, ist, wieso wir oben im Zimmer meiner Brüder von den Doppelstockbetten aus fernsehen konnten. Kann es sein, dass wir den Fernseher von Onkel Hermann dafür ausleihen konnten? Wir hatten ja keine zwei Fernseher, unser Fernseher war, wie damals üblich, in einem abschließbaren Schrank, so dass man ihn tagsüber nicht sah.

Sicher aber ist, dass wir die Sendung „Belfegore“ in Schwarz-Weiß oben im Zimmer meiner Brüder zusammen ansahen und es war schön gruselig und immer, wenn man die leuchtenden Augen dieses Monsters sah, kicherten wir und zogen die Bettdecke über den Kopf.
Was für Bücher gab es in deiner Familie? Durftest du sie anschauen?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Was für Bücher gab es in deiner Familie? Durftest du sie anschauen?
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Bücher und damit einhergehend Bildung war bei uns sehr wichtig. Alle sollten lesen. Ich sollte lesen, dabei haben mich nur Bilder von Pferden interessiert. Ich weiß noch, dass mir in der Grundschule immer meine Freundin Claudia als Vorbild hingestellt wurde, die drei Bücher in der Woche las. Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein, aber ich meine, schon damals gedacht zu haben, dass die pure Menge ja über Qualität nichts aussagt…

Meine Eltern wussten, dass ich Pferdegeschichten lesen wollte, wenn überhaupt, dann aber bitte auch mit vielen Fotos von Pferden! Einmal kam Papa mit einem Buch an, auf dem vorne ein kleiner Junge „Mario“ mit einem Pferd abgebildet war. Ich freute mich schon auf die Pferdegeschichte. Aber schon aus dem Inhalt auf dem Rückumschlag des Buches war klar zu erkennen, dass es gar nicht um Pferde ging und Fotos hatte das Buch auch keine von Pferden. Die anfängliche Freude ging in tiefe Enttäuschung über. Ich hatte das Gefühl, das Buch seins im Vorübergehen, ohne lang hinzuschauen, ausgewählt worden.
Erinnerst du dich an Märchen, Gutenachtgeschichten, die man dir erzählt hat? Oder Kinderlieder, die man dir vorgesungen hat?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Erinnerst du dich an Märchen, Gutenachtgeschichten, die man dir erzählt hat? Oder Kinderlieder, die man dir vorgesungen hat?
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Soweit ich mich erinnere, haben unsere Eltern uns Märchen vorgelesen. Ich kenne auf jeden Fall viele Grimm‘sche Märchen.

„Schlaf, Kindlein, schlaf“ war eins der Kinderlieder, dann „Hänschen klein“. Als kleines Mädchen habe ich „hoppe, hoppe Reiter“ geliebt. Dabei wurde ich auf dem Schoß von Mama oder Papa gehalten, die die Beine auf und ab wippten, sodass ein „Reitgefühl“ entstand. „Hoppe, Hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben, fällt er in den Sumpf, macht der Reiter Plumps!“ und beim letzten Wort wurde ich dann unter Lachen vom Schoß gestoßen.

Und dann gab es noch ein ähnliches Spiel, auch auf dem Schoß: ganz leichte Bewegung: „ So fahren die Damen,…“, dann etwas stärker „so reiten die Herren“.. und dann heftige Bewegungen, bei denen man riskierte, das Gleichgewicht zu verlieren, immer lachend:“so rumpelt der Bauer zum Tor hinaus!“

Mama hat immer gesungen, eigentlich den ganzen Tag. Am besten erinnern kann ich mich an  „Leise rieselt der Schnee“ mitten im Sommer. 

Welches waren deine damaligen Medien? Telefon? Radio, TV, Bücher, Comics, Computer, Spielkonsolen, etc.? Gab es Vorschriften deiner Eltern?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Welches waren deine damaligen Medien? Telefon? Radio, TV, Bücher, Comics, Computer, Spielkonsolen, etc.? Gab es Vorschriften deiner Eltern?
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Es gab nur Wählscheibentelefon, das an einem festen Standort war. Man konnte sich also nicht zurückziehen zum Telefonieren. Es war immer öffentlich. Das Telefon stand im Esszimmer. Später in Nr. 14 hatten unsere Eltern ein zweites Gerät im Schlafzimmer, damit Papa auch nachts als Arzt erreichbar war. Aber das Telefon war auf Mamas Bettseite. Sie nahm es immer ab. Ich glaube, in dem Haus hatten wir später auch ein Telefon mit Station, so dass man nun das Telefon auch mit aufs Sofa nehmen konnte zum Telefonieren.

Die Anfänge des Fernsehens waren Schwarz-Weiss, ein sehr eingeschränktes Programm und ich erinnere mich an das Testbild, das gezeigt wurde, wenn noch keine Sendung lief oder keine Sendung mehr lief. Es gab noch einen Sendeschluss. Sandmännchen durften wir ansehen, als wir sehr klein waren. Dann gab es in Schwarz-Weiss eine Science Fiction-Serie: Orion, aber ich glaube, die kam schon in den siebziger Jahren, als wir schon in Nr. 14 wohnten. Dietmar Schönherr und Vivi Bach waren die Stars der Serie. Und die Tänze auf der Raumstation waren wirklich schräg und abgespaced!

Radio hatte ich in Nr. 14, da war ich 10. Allerdings nur WDR. Den von den meisten Teenies geliebten SWR 3 (ich glaube, es war der Sender) bekam ich nicht rein, weil wir doch ziemlich weit unten im Tal lagen.
Erinnerst du dich an Filme und/oder TV-Serien?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Erinnerst du dich an Filme und/oder TV-Serien?
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Dick und Doof, die kleinen Strolche, Sandmännchen
Erinnerst du dich an deine Bilderbücher, Tonbandkassetten, CDs, usw. oder an solche, die deine Freunde oder Freundinnen besassen?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Erinnerst du dich an deine Bilderbücher, Tonbandkassetten, CDs, usw. oder an solche, die deine Freunde oder Freundinnen besassen?
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Tonbandcassetten! Daran erinnere ich mich gut. Als Teenie hörte ich Radio, nahm Lieder auf und wenn der Sprecher dazwischenquatschte, musste man wieder das Lied löschen und auf ein ununterbrochenes Abspielen warten. Oder es fehlte der Schluss des Stücks.
Und die Cassettenbänder verhedderten sich leicht. Dann musste man sie mit einem Bleistift wieder aufrollen. Sie waren sehr empfindlich.

Meine Teenie-Comics waren Asterix und Obelix. Da hatten wir alle Bände und die ganze Familie las sie mit Begeisterung. Ganz vergessen: vorher gab es die Bravo, eine regelmäßig erscheinende Zeitschrift für größere Kinder und Jugendliche. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es Poster zum Raustrennen und je nach Gesamtgrösse, aneinanderkleben und aufhängen. Und da war diese geheimnisvolle Rubrik von „Dr. Sommer“. Da ging es um erste Freundschaften, Zärtlichkeiten, Sex. Ich verstand nichts, was es aber nicht weniger spannend machte.

Man konnte einmal mit gesammelten Gutscheinen aus der Bravo eine Art Puppe bestellen: es war ein kleiner Indianerjunge mit echtem Wildlederanzug. Der hatte sicher auch einen Namen, den weiß ich aber nicht mehr.

Als Teenie hatte ich auch einen Plattenspieler. CDs gab es noch lange nicht. Da mir der einschlägige Sender fehlte und ich sowohl von meiner Mutter, wie auch von meiner Französischlehrerin beeinflusst war, liebte ich französische Chansons: Georges Moustaki, Edith Piaf, Barbara, Jacques Brel, Jean Ferrat. Natürlich war ich auch Fan der Beatles, vor allem von George Harrison, der mir am besten gefiel. James Taylor, Gilbert O‘Sullivan, Cat Stevens mochte ich auch sehr.

Erinnerst du dich an die Geburt von Geschwistern? Was hattest du dabei für Gefühle?
Seite 20
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Erinnerst du dich an die Geburt von Geschwistern? Was hattest du dabei für Gefühle?
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Ich war zwei, als Axel geboren wurde. Ich habe gar keine Erinnerung daran.
Wer passte auf dich auf, wenn deine Eltern nicht konnten? Gab es Kinderkrippen, Kinderhorte, o. ä.?
Seite 21
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wer passte auf dich auf, wenn deine Eltern nicht konnten? Gab es Kinderkrippen, Kinderhorte, o. ä.?
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Ich kann mich nicht erinnern, dass da etwas war. Ich weiß nur, dass irgendwann mein großer Bruder auf Axel und mich aufpassen musste.
Wovor hattest du am meisten Angst?
Seite 22
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wovor hattest du am meisten Angst?
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Am meisten Angst hatte ich vor Krieg - bei uns gab es viele Tiefflieger, die über die Berge dröhnten. Der Krach erschreckte mich immer sehr. Und die Kriegsangst steckt wohl in meinen Genen oder wo auch immer die schrecklichen Erfahrungen meiner Eltern an uns weitergegeben und abgespeichert wurden.
Erinnerst du dich an die Jahreszeiten?
Seite 23
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Erinnerst du dich an die Jahreszeiten?
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Die Jahreszeiten. Das Erste, was mir dazu einfällt, sind unsere Spaziergänge im Bademantel zum Freibad, morgens um 6 Uhr. Das Freibad war beheizt und schon früh im Jahr offen. Es war nur wenige Gehminuten von uns entfernt. Die ganze Familie ging: es war wunderbar aus der noch kühlen Morgenluft in das dampfend warme Wasser zu steigen. Danach dann nach Hause, duschen, frühstücken und ab in die Schule.

Ich erinnere mich nicht wirklich an die Sommer in Altena. Aber wir hatten ja 6 Wochen Ferien, was habe ich da gemacht? An einige Freibadbesuche mit Schulfreundinnen erinnere ich mich, sonst eher an wenig. Erst ab 10 Jahre, oder noch später, an Kaffee und Kuchen auf dem Balkon im eigenen Haus.

Mit 8 habe ich mit Reiten angefangen. Ich erinnere mich an die Reitstunden draußen auf dem Platz, an den aufwirbelnden Staub in der Sommerwärme, an meine Angst, wenn wir draußen reiten, könnte mein Pferd durchgehen. Bei Nico, meinem Lieblingspferd - einem Schimmelpony mit Araberblut - war die Gefahr nicht so gross. Bei Bingo, dem schwerfälligen Braunen auch eher nicht. Aber Milord, der dunkelbraune Araber, ehemaliger Galopper, der ging gerne und dann richtig schnell durch. Die Tiere wurden - ich darf heute an das Elend gar nicht mehr denken - angebunden auf wenigem Platz gehalten. Auf jeden Fall drei von den Schulpferden. Die anderen hatten immerhin eine Box, in der sie sich bewegen und auch mal wälzen konnten. Ich bin oft runtergefallen. 

Offenbar öfter, als ich selbst dachte… Vor ein paar Jahren bin ich nach dem Tod unserer Mutter noch mal in Altena im Reitstall vorbeigegangen. Dort traf ich eine Frau, die ich nicht mehr kannte und kam ins Gespräch mit ihr über den Reitstall früher. „Die Gabi, die ist ja sogar von Nico runtergefallen! Wie sie das gemacht hat, von dem konnte man doch gar nicht runterfallen!“

Da sie mich offenbar nicht erkannt hatte - so wie ich sie auch nicht - sagte ich ihr dann, dass ich die Gabi gewesen sei. An den weiteren Verlauf des Gesprächs oder ob ich direkt danach wieder weggefahren bin, erinnere ich mich nicht mehr.

Winter: Schnee und Schlitten fahren und Gleitschuh fahren. Am unteren Ende der Wixbergstrasse ging links der kurze Löhreweg hoch. Und da war links vom Weg eine Wiese, auf der man im Winter Gleitschuh fahren konnte. Und in der Straße oberhalb vom Kleff war eine Schlittenstrecke, wie lang die genau war und wie sie verlief, weiß ich nicht mehr, nur dass man am Ende auf der Straße landete.

Im Winter sind unsere Eltern auch nach Winterswiese gefahren. Das war sicher eine Stunde Autofahrt, aber dort gab es eine richtige große Schlittenwiese.

Frühling und Herbst kommen in meiner Erinnerung nur wenig vor. Ach doch: ich durfte im Herbst mal mitreiten, die Pferde zur Jagd hochzureiten. Endlich draußen in der freien Natur! Aber da schwang immer die Angst mit vor dem Durchgehen der Pferde, vor dem Runterfallen. Trotzdem war es ein Gefühl von großer Freiheit. Und ich war stolz, da mitmachen zu dürfen.

tja, aber dann kam Italien! Und mein ganz großer Traum von Freiheit.

Welche Rolle spielten Sonntage und Feiertage wie Weihnachten, Sankt Nikolaus, Ostern und Geburtstage in deinem Kinderleben?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Welche Rolle spielten Sonntage und Feiertage wie Weihnachten, Sankt Nikolaus, Ostern und Geburtstage in deinem Kinderleben?
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Sich schön anziehen: das war wichtig an Sonn- und Feiertagen. Und wenn wir auswärts essen waren, war vor oder nach dem Essen ein Spaziergang wichtig. Das war ziemlich langweilig und die Strumpfhosen saßen im Schritt nie richtig, kratzten und Kleider waren eh nicht mein Ding. Witzigerweise habe ich jetzt erst mit 66 Jahren alle Strumpfhosen, die ich noch hatte, weggeworfen: ich bin mir sicher, außer im Hochsommer ziehe ich keine Kleider mehr an. Aber sogar dafür habe ich eine viel bessere Alternative gefunden: Jump suits!

Sonn- und Feiertage hieß lange auch Kirchgang am Morgen. Man musste sich ja zeigen und nahm es einer anderen Arztfamilie übel, dass sie das mit ihrem behinderten Sohn auch taten. Aber ich sehe auch, dass es wichtig für meinen Vater, für unsere Eltern war, sich anzupassen in der Kleinstadt, um anerkannt zu werden und letztlich, um Kunden, sprich Patienten zu haben.

Ostern war immer irgendwie witzig. Mama versteckte Ostereier und Osternester. Es konnte schon mal passieren, dass die besten Verstecke erst Monate später von uns oder ihr selbst entdeckt wurden. Aber vielleicht war das auch nur eine von uns allen geliebte Anekdote.

Nikolaus hieß: am Abend vorher Schuhe putzen und dem Nikolaus hinstellen, damit es etwas Süßes gibt. Gab es natürlich immer, aber solange wir noch kleiner waren, auch symbolisch die Rute, also eine Bestrafung fürs nicht brav sein.

Geburtstage, die noch richtigen Kindergeburtstage, hat Mama perfekt organisiert mit vielen Spielen, Frankfurter Kranz, kalter Schnauze (auch kalter Hund genannt). Sie hat sich sehr dafür ins Zeug gelegt, uns spannende Geburtstage auszurichten. Wer den Frankfurter Kranz nicht kennt: eine Torte in Gugelhupfform aus Rührteig mit zwei oder drei Schichten dicker feiner Buttercreme gefüllt, außen mit Buttercreme eingestrichen und dann noch mit Mandelsplittern verziert. Oben drauf kamen Buttercreme-Spitzen, auf die jeweils kandierte Kirschen gesetzt wurden. Sehr schwer, sehr süß, aber ich glaube, wir haben ihn alle lange geliebt.
Und die kalte Schnauze war nicht weniger schwer, aber die mache ich noch heute von Zeit zu Zeit. Da macht man eine Kakomasse mit viel Kokosfett und schichtet Butterkekse in einer Cakeform abwechselnd mit der Kakaomasse. Das Ganze muss bis zum Verzehr kalt gestellt werden, da ja das Kokosfett schnell schmilzt. Die kalte Schnauze ist noch etwas schwerer als der Frankfurter Kranz, da kann einem nach dem zweiten kleinen Stück schon mal schlecht werden. 

Aber bei uns gab es in dem Fall den Spruch: „Ist dir schön schlecht oder schlecht schlecht?“ Von Pralinen, Kuchen und anderen Süßigkeiten konnte einem ja nur „schön schlecht“ werden…

Weihnachten: das war zeitlebens sehr gefühlsüberladen und irgendwie damit auch überfordernd.
Aber fangen wir mit der Adventszeit an. Zu Weihnachten gehört auch die Adventszeit mit dem Adventskranz, der alle paar Jahre mal in Brand gerät. Zur Adventszeit gehören ganz viele vorweihnachtlich gebackene Kekse, die in verschiedensten Blechdosen in der sogenannten Vorratskammer aufbewahrt wurden. Richtig heimlich konnten wir keine Kekse stibitzen, da die Tür zwischen Küche und Vorratskammer eine Schiebetür war, deren Schieben man immer hören konnte. Aber trotz Ermahnungen hatte eigentlich niemand etwas dagegen, dass wir die Kekse aßen, sobald sie fertig waren. Vanillegipferl, Heidesand im Schachbrettmuster, Lebkuchen, sogar selbst gemachte Marzipanpralinen, leicht überbacken, machte Mama. Zimtsterne gehörten auch zur riesigen Auswahl, die Mama uns backte.

Das Geschenke besorgen und einpacken war eine wichtige und geheimnisvolle Tätigkeit. Das habe ich gerne gemacht. Werden Mama und Papa und Peter und Axel ihre Geschenke gefallen? Wie sehr ich das hoffte, ein Lächeln und ein von Herzen kommendes Danke zu bekommen! Das sind alles Erinnerungen so ca. ab 10 Jahren, d.h., als wir schon in Wixbergstrasse 14 im großen eigenen Haus lebten. Und dort, in dem 60 qm großen Wohn-/Esszimmer, das eine Deckenhöhe von 3 m hatte, wenn das stimmt, ich meine mich so zu erinnern, dort musste selbstverständlich auch ein großer Weihnachtsbaum stehen. Und den schmückte Mama. Natürlich fällt mir in diesem Zusammenhang auch ein Zitat von Loriot ein: „Früher war mehr Lametta!“ Ja, Lametta hing an jedem unserer Weihnachtsbäume und Mama ließ es sich nicht nehmen, das Lametta nach dem 5. Januar wieder ordentlich abzunehmen, glattzustreichen - „zu bügeln“- und für nächstes Weihnachten zu versorgen.

Wie haben eure Mahlzeiten ausgesehen?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wie haben eure Mahlzeiten ausgesehen?
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Alle Mahlzeiten waren ein Familienereignis. Als wir im eigenen Haus wohnten, so ca.  als ich 10 Jahre alt war, ab da kann ich mich erinnern, war der Tag klar strukturiert: 6:15 Uhr aufstehen, 6:30 Uhr frühstücken, um 9 Uhr Papas Kaffeepause, um 12 Uhr Mittagessen, wer erst nach 13 Uhr aus der Schule kam, aß das aufgewärmte Essen alleine. Am Nachmittag um 15 Uhr Kaffee und Kuchen und dann um ca. 18 Uhr Abendessen.

Für das Essen galt die theoretische Regel: morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann. Ich muss lächeln: bei uns gab es immer viel. Für Papa war es wohl das Schönste, dass er immer genug zum Essen hatte und auch anbieten konnte: „Esst Kinder, es ist genug da!“ Wie schlimm muss es für ihn im Krieg gewesen sein, als eben nicht genug da war und er Hunger litt.

Zum Frühstück gab es Brötchen, Graubrot, Schwarzbrot, manchmal Toast, viele Marmeladen, viel Wurst und Holländer Käse. Ich erinnere mich an Leberwurst, die ich auch gerne hatte, weil sie leicht süßlich schmeckte. Und Mama erzählte, dass ihr Vater die Leberwurst aufs Brot strich und oben drauf Erdbeermarmelade. Ich mag eher Käse mit Erdbeermarmelade…

Zu Papas Kaffeepause, wenn er dafür aus der Praxis in die Wohnung hochkam, gab es wieder Brot oder Brötchen und Wurst.

Mama kochte viele viele Jahre für uns. Papa hat ihr Essen gemocht, weil es einfach war, viel Fleisch gab und ihn satt machte. Obwohl: der Arme sagte nie, dass er satt sei, immer nur: „Ich hör jetzt auf.“
Kartoffeln waren täglich auf dem Tisch: als Salzkartoffeln, seltener als Pellkartoffeln (dann vor allem, um zu Kartoffelsalat verarbeitet zu werden), als Kartoffelpüre, am Abend oft als Bratkartoffeln. Reis gab es vor allem für uns Kinder in Form von Milchreis mit Zimt und Zucker und Himbeersirup.
Nudeln waren fast exotisch und kamen vor allem als „Nudeln mit Klopsensosse“ oder gleich, nahezu exotisch, als Miracoli mit fertiger Tomatensoße aus einem Plastiktütchen, auf den Tisch.

Mama liebte Nachtisch, also Desserts und experimentierte da auch gerne. Außerdem buk sie gerne - beides habe ich von ihr. Ich habe relativ früh, ca. mit 10, angefangen, über Mittag, wenn unsere Eltern ihren Mittagsschlaf machten und meine Brüder auf ihren Zimmern in der oberen Etage waren, selbständig Marmorkuchen zu backen. Da war ich alleine, konnte Teig mischen und probieren -  noch heute mag ich oft rohen Teig lieber als das fertige Backergeb is - und gegen 15 Uhr deckte ich den Kaffeetisch und lud alle zum Kaffee ein. 

Aber es gab auch die Variante: „Kann einer mal zu Merz fahren, Kuchen holen?“ Merz war die Konditorei in Altena, gleich beim Bahnhof. Leider traf dieses „einer“ in den meisten fällen Peter, zumindest ab dem Zeitpunkt, als er einen Führerschein hatte und fahren konnte.

Was waren damals deine Lieblingsessen?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Was waren damals deine Lieblingsessen?
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Meine Lieblingsessen waren sicher Kartoffelpuffer mit Zuckerrübensirup,Kartoffelsalat und Fischstäbchen, Milchreis mit Himbeersirup und geschmolzener Butter, Pfannkuchen. Zu den Pfannkuchen gab es reichlich Apfelmus. 

Und natürlich die Klopsensosse mit Spirelli: da es bei uns wegen der Abneigung meiner Mutter weder Zwiebeln noch Knoblauch im Essen gab, briet sie gemischtes Hackfleisch an, tat etwas Mehl drüber, löschte mit - ja, mit was eigentlich? - vielleicht Brühe, ab und gab noch Tomatenmark dazu. Gewürzt hat sie wohl nur mit Salz und Pfeffer, soweit ich mich erinnere. Ich weiß nicht einmal mehr, ob es noch geriebenen Käse zum Draufstreuen gab, bevor wir die Nudeln mit Klopsensosse aßen. Aber geliebt habe ich sie.

Zu Geburtstagen gab es Frankfurter Kranz: ein in einer Gugelhupf-Form gebackener Rührteig, der durchgeschnitten und mit zwei Schichten Buttercreme gefüllt wird: eine sehr schwere Angelegenheit. Aber wir mochten ihn damals.

Dann der gedeckte Apfelkuchen: der Mürbteigboden wurde mit Zimt, Ingwer und Muskat gewürzt und vorgebacken. In der Zwischenzeit kochte man ein Apfelmus, das mit Zucker und Zitronensaft ergänzt wurde. Wenn der Boden fertig gebacken war, modellierte man in der Springform noch den Rand mit frischem Teig, füllte das Apfelmus ein und legte darauf ein Gitter aus Teigsträngen. Das Ganze wurde dann noch fertig gebacken. Ich glaube, die Teigstränge wurden noch mit Eigelb bestrichen, damit sie nach dem Backen schön glänzen.

Zum Apfelkuchen gibt es eine Anekdote aus der Zeit, als Peter, mein älterer Bruder aktiv in der Leichtathletik war und in der Pubertät. Ein Zitat von ihm, so wie ich es in Erinnerung habe: „Oh toll, Apfelkuchen! Und was esst ihr?“ Er konnte Mengen verschlingen, ohne zuzunehmen.

Zu Weihnachten gab es ein Ritual. Papa bereitete vor Heiligabend einen Kartoffelsalat, den ich noch heute liebe. Pellkartoffeln vom Vortag, Essiggurken, Äpfel, und Würfel scharf gebratener Fleischwurst - in etwa Cervelat. Außerdem noch Walnüsse - Baumnüsse. Dazu eine Mayonnaise, die Mama, wenn ich mich richtig erinnere, etwas leichter machte, indem sie Yoghurt hinzufügte, bzw. vielleicht auch zusätzlich, Kartoffelstärke mit Wasser aufkochte und die abgekühlte Masse in die Mayonnaise gab. Am Heiligabend gab es dann Kartoffelsalat mit Würstchen. Da erinnere ich mich gerne dran. 

Und Mama bereitete eine ganze Pute für den 1. und 2. Weihnachtstag zu. Die Pute war immer ein Riesenvogel, der knapp in den Ofen ging. Die Pute wurde mit Äpfeln gefüllt, scharf angebraten und dann, ich glaube, zwei Stunden im Ofen gebraten. Zwischendurch begoss Mama sie immer mit dem austretenden Bratensaft-Fettgemisch. Aus dem machte sie dann auch eine Bratensoße, die aber mit den Jahren immer mehr Puddingkonsistenz bekam, also zu sehr mit Kartoffelmehl gebunden war. Zur Pute gab es Rotkohl - aus dem Glas - mit Äpfeln, Nelken, Lorbeer abgeschmeckt und auch mit Kartoffelmehl angedickt. Und dann noch die obligatorischen Gummiknödel: Fertigknödel, einzeln verschweißt, die man ca. 20 Minuten in siedendem Wasser ziehen lassen musste. Anschließend musste man sie aus der Plastikfolie pellen, wobei, wenn ich dabei half, ich mir immer die Finger verbrannte. Das war zwar ein Fertigprodukt, aber weder von Geschmack, noch von der Konsistenz her, noch von der Handhabung sehr ausgereift.

Was für Kleider hast du getragen?
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Was für Kleider hast du getragen?
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Ich erinnere mich an kratzende Wollstrumpfhosen, die im Schritt nie richtig saßen und rutschten. Einmal zwischen 1. und 4. Schuljahr hatte ich rote Strumpfhosen an und die anderen Kinder lachten und bezeichneten mich als Storch.

Als Mädchen sollte ich Kleider tragen, aber an einzelne Stücke erinnere ich mich nur, weil ich sie von Fotos her kenne.

Nachts trug ich lange Zeit Maxi-Nachthemden, so ziemlich das Blödeste und Unpraktischste, was man nachts tragen kann, denn der gesamte Stoffwust rutscht bei Bewegungen in die Körpermitte und man fühlt sich wie in einer Zwangsjacke. Irgendwann bin ich dann zu Schlafanzügen übergegangen. Die waren schön warm und verrutschten nicht.
Wer und wie waren deine Spielkameraden?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Wer und wie waren deine Spielkameraden?
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Ich kann mich nicht wirklich an Spielkameraden erinnern. Claudia Richter war meine Freundin in der Grundschule, also ca. zwischen 6 und 9 Jahren. Sie wurde mir immer als Vorbild vorgehalten, weil sie drei Bücher pro Woche las. Und ich mochte Lesen nicht, ich wollte Bilder, von Pferden und mich in eine andere Welt hinein träumen.

Ich war wohl ganz kurz, so um die 10 Jahre rum, bei den Pfadfindern. Von da kannte ich Peter, der in meinem Alter gewesen sein musste. Wieso wir zwei nur von einem Schäferhund begleitet, zwei Stunden alleine spazieren gehen durften, ist mir noch heute ein Rätsel. Wir sind die Schlucht am Wixberg hoch gelaufen, bevor sie wieder bewaldet war- es hat regelmäßige Waldbrände dort gegeben, weswegen wir dort zwar über Geröll, aber doch hoch wandern konnten. Es muss Sommer gewesen sein, denn irgendwann hatte der Hund - wohl wegen der Anstrengung oder Durst - Schaum vor dem Maul. Wir dachten natürlich, es sei Tollwut, banden den Hund schon fast zuhause irgendwo an und sagten den Eltern Bescheid. Es stellte sich heraus, dass das arme Tier nur Durst hatte. Es ist wohl wieder wohl behalten nach Hause gekommen.

Ansonsten kann ich mich nicht an Spielkameraden erinnern. Da müssen Nachbarskinder gewesen sein, weil wir im benachbarten Garten mal Räuber und Gendarm gespielt haben.
Wer waren die Nachbarn? Kanntest du/kanntet ihr sie gut?
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Wer waren die Nachbarn? Kanntest du/kanntet ihr sie gut?
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Ich weiß nicht einmal mehr, wie die Nachbarn hießen. Wenn ich mich richtig erinnere, waren wir eine Arztfamilie in einem eher Arbeiterquartier. Die Gießerei und das Stahlwerk waren ja nur ein paar hundert Meter von uns entfernt. Eine Familie eine Straße über uns war mit meinen Eltern befreundet. Sie hatten einen Sohn, der sehr altklug war und mit dem wir auch keinen Kontakt hatten.

Leiendeckers, der Sohn des Vaters, der ohne Erlaubnis die Wohnung meiner Eltern betrat und meine Mutter wohl vor allem gemaßregelt hat und aufdringlich und autoritär war; die Familie lebte jetzt im Haus Wixbergstrasse 8. Irgendwann habe ich mal mitbekommen, dass sich der Sohn für das Verhalten seines Vaters bei unseren Eltern entschuldigt hat. Ich war später mit „Linus“, Dirk, im Gymnasium. Er war der Enkel des quälenden Großvaters.

Und in Wixbergstrasse 10, wo wir anschließend wohnten, zog dann irgendwann meine Französischlehrerin ein, an deren Namen ich mich nicht erinnere, die mir aber französische Chansons nahe brachte, die ich noch heute liebe.
Wer war für dich die einflussreichste Person?
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Wer war für dich die einflussreichste Person?
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In meiner frühen Jugend war das sicher meine Französischlehrerin. Ich durfte zu ihr und sie spielte mir auf Schallplatten französische Chansons vor, die ich heute noch liebe: Georges Moustaki, Jean Ferrat, Barbara, Edith Piaf, George Brassens, aber auch Jacques Brel. Ich kaufte mir Platten und lernte beim Mithören die Texte auswendig. Wörter, die ich nicht verstand, sah ich im Wörterbuch nach. 

Die Tante meiner Mutter, Tante Agnes, war auch eine sehr wichtige Person für mich. Ich erinnere mich gut an sie. Sie konnte backen und kochen wie sonst niemand, sie packte an und unterstützte unsere Mutter oft und viel.

Was für Kontakte hattet ihr mit euren Verwandten? Gab es unter diesen solche, die dir damals oder auch später besonders nahe standen?
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1.  Erste Erinnerungen und Kindheit

Was für Kontakte hattet ihr mit euren Verwandten? Gab es unter diesen solche, die dir damals oder auch später besonders nahe standen?
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Zu Tante Agnes, ihrem Mann Konrad und ihren Kindern Anneliese und Lothar hatten wir ein gutes Verhältnis. Lange auch zu Mamas jüngstem Bruder, dem einzigen von Vieren, der den Krieg überlebt hat und seinen Kindern: Hildegard, Helmut, Jürgen und noch eine kleine Schwester, an deren Namen ich mich nicht erinnere. Die beiden Cousinen sind recht früh gestorben. Die beiden Cousins leben in Norddeutschland: Helmut mit Familie auf Föhr, Jürgen mit Familie in Flensburg.

Das war der größte Teil von Mamas Familie. Sie hatte noch Kontakt zu einer Schwägerin, die in München lebte, deren Mann, Mamas Bruder, im Krieg gefallen war. Roland, ihr einziger Sohn, nahm den Namen der Mutter an. Zu ihm hatten wir alle ein schwieriges Verhältnis.

Von Papas Seite her gab es eine eher schlechte Beziehung zu seinen Eltern in Wuppertal. Auch das Verhältnis zu seiner einzigen Schwester Trude deren Mann und einzigem Sohn war nicht gut. Ich glaube, da war Neid im Spiel, weil Papa es geschafft hatte, sich aus einfachen Verhältnissen und trotz Krieg hochzuarbeiten und Arzt zu werden.

Im Großen und Ganzen habe ich, meine Verwandten aber ebenso wenig näheren Kontakt zu ihnen gehalten. Die einzige Person, mit der ich noch in leichtem Kontakt stehe, ist Anneliese, die inzwischen 86-jährige Cousine meiner Mutter, die auch in der Schweiz lebt, aber im Süden, in Melano.
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