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Von Manuela Gianfreda – Aus Liebe
Manuela Gianfreda
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18.
Briefe an euch für schwere Tage / 18.02.2026 um 22.26 Uhr
18.
Briefe an euch für schwere Tage / 18.02.2026 um 22.26 Uhr
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Nachwort - Aus Liebe / 18.02.2026 um 22.26 Uhr
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Über dieses Buch / 18.02.2026 um 22.26 Uhr
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Vorwort
1.
Teil I - INNEN
2.
An euch - meine Kinder
3.
Das Mädchen in mir
4.
Mama vor dem Sturm
5.
Wenn das Innere wieder aufwacht
6.
Teil II - AUSSEN
7.
Die leuchtend gelbweisse Wolke mit dem roten Fleck
8.
Entscheidungen im Sturm: Leitlinien vs. Herzstimme
9.
Wenn der Körper schreit: Chemo, Haare, Weiblichkeit
10.
„Ich schaffe es nicht mehr alleine“: Der Schritt in die Klinik
11.
Natur, Symbole und kleine Wunder
12.
Mein eigener Heilungsweg
13.
Teil III - AUSSICHT
14.
Wenn ein Kapitel endet und Liebe bleibt
15.
Neues Zuhause, neue Qualität mit euch
16.
Die Liebe, die mein Herz wieder öffnete
17.
Mein innerer Kompass: Mut, Hoffnung, Neubeginn
18.
Briefe an euch für schwere Tage
19.
Nachwort - Aus Liebe
20.
Über dieses Buch
21.
Über die Autorin
Für meine Kinder: Giulia (Jg. 2015) und Valentina (Jg. 2016)
Titelblatt und Vorwort
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  Vorwort

Titelblatt und Vorwort
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Für meine lieben Kinder - und für die Kinder, die wir alle einmal waren.



Bildbeschreibung – Kintsugi

Der Hintergrund des Titelbildes ist vom japanischen Kintsugi inspiriert und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) gemäss meinem Beschrieb entstanden.

Kintsugi begegnete mir zum ersten Mal in einer Zeit, in der ich nicht mehr wusste, wie mein Leben weitergehen sollte...

Feine goldene Linien, die sich wie geheilte Risse über das tiefe Blau ziehen. Kintsugi steht dafür, dass Brüche und Verletzungen nicht versteckt, sondern mit Gold sichtbar gemacht werden – als Teil der eigenen Geschichte, als Ausdruck von Würde, Mut, sichtbarer Verletzlichkeit und Heilung.

Mich erinnert Kintsugi an die Schönheit des Lebens, den Mut, die getroffenen Entscheidungen und niemals aufzugeben mich immer wieder neu zusammenzusetzen - aus Liebe zu mir selbst, zu meinen Kindern, zu meinem Leben.





Widmung

Für meine Kinder,
für das Leben
und für die Liebe.

Ihr seid der Grund, warum ich nie aufgehört habe, weiterzugehen.
Dieses Buch ist mein Dank an euch und an das Leben selbst –
für alles, was es mir gezeigt, genommen und geschenkt hat.

Möge es euch erinnern,
dass ihr euren eigenen Weg gehen dürft,
dass Veränderung Stärke ist
und dass die Liebe immer bleibt.



Vorwort

Die Idee zu diesem Buch ist in einer Zeit entstanden, in der plötzlich alles still stand und nichts mehr wie vorher war. Als meine Diagnose kam, ist meine Lebensvision in Millionen Stücke zerfallen. Ich habe versucht, jedes einzelne davon anzuschauen und zu prüfen, ob es echt war und ob es noch zu meinem Leben gehört. Mit bald 40 Jahren war ich plötzlich mit dem Tod konfrontiert – und mit dem Wissen, dass mein Leben möglicherweise bald enden könnte.

Die Krankheit hat mich aus einem Leben herauskatapultiert, in dem ich mich selbst kaum noch hörte.

Und dann wurde es plötzlich leise.

Und in dieser Leere habe ich mich auf die Suche nach dem gemacht, was von mir noch übrig war – und mich Schritt für Schritt wieder gefunden.

In den ersten Wochen bin ich in meine alten Überlebensmuster gefallen. Ich wollte den richtigen Weg finden, die richtige Lösung, die richtige Sequenz von Entscheidungen – umgeben von Ratschlägen, Zahlen, Wahrscheinlichkeiten und Statistiken, die nicht meiner inneren Stimme entsprachen. Ich war gefangen im Strudel der Schulmedizin, konfrontiert mit Ängsten und alten Überzeugungen. Stimmen aus der Vergangenheit sagten mir, ich müsse mich anpassen und funktionieren, um Unterstützung nicht zu verlieren. Und gleichzeitig spürte ich, dass mein Herz nach etwas anderem rief.

Ich fragte mich, was ich tun kann, wenn die Medizin mich eines Tages aufgibt und die Prognosen nicht mehr auf meiner Seite stehen. Die Antwort darauf habe ich im Buch 9 Wege von Kelly A. Turner gefunden. Es hat mir Vertrauen gegeben – und die Gewissheit, dass jeder seinen eigenen Weg finden darf. Dieser Gedanke war der erste Funke, der mich wieder zu mir geführt hat.

Ein grosser Gedanke hat mich während dieser Zeit begleitet: Was kann ich euch - meine lieben Kinder mitgeben - wenn ich eines Tages nicht mehr hier bin?

Was sollt ihr über mich wissen, über meine Welt, über meine Ängste, meine Hoffnung, meine Liebe?
Was hat mir Vertrauen geschenkt, als alles unsicher war? Und was habe ich aus dieser Zeit gelernt?

Kurz vor meiner Diagnose habe ich Künstliche Intelligenz (KI) für mich entdeckt. Die Möglichkeit, die Bilder in meinem Kopf endlich sichtbar zu machen, hat mich fasziniert – zeichnen konnte ich nie so gut, wie ich es mir gewünscht hätte. Also eröffnete ich einen kleinen Blog, ursprünglich über meine Challenge, 100 km in 24 Stunden zu gehen. Die Diagnose hat den Titel dann kurzerhand geändert in Challenge 2024: Brustkrebs.

KI hat mich in dieser Zeit begleitet und unterstützt: beim Verarbeiten meiner Gefühle, beim Benennen dessen, was in mir vor sich ging, beim Sichtbar-Machen meines inneren Wegs. Durch diese Offenheit sind Freundschaften entstanden, wie ich sie vorher nie hatte. Einige Menschen sind näher zu mir gekommen, andere sind gegangen. Und manche sind – aus Angst – in den Schatten getreten. Das verstehe ich, weil ich selbst einmal so war. Von Anfang an bin ich offen mit meiner Diagnose umgegangen – weil Ehrlichkeit für mich leichter war als Schweigen und weil ich insgeheim spürte, dass Authentizität einer meiner stärksten Werte ist. Ich wusste, dass ich meine Gefühle auch vor euch - meine lieben Kinder - nicht verstecken konnte. Ich wollte euch keine Angst machen – und trotzdem wollte ich euch erklären können, warum mir manchmal Tränen der Dankbarkeit kamen, begleitet von dem leisen Gedanken der Trauer, wie lange ich all das noch würde erleben dürfen.

Heute schreibe ich als die Frau, die ich geworden bin – und keinesfalls die, die ich morgen sein werde. Ein Teil von mir blickt zurück auf meine frühere Version: auf die junge Frau, die alles getragen hat, die glaubte, nicht genug zu sein, die sich schämte, um Hilfe zu frage, weil sie dachte, sie müsse alles allein schaffen - oder die, die sich nach Freundschaften sehnte, aber niemandem Zeit rauben wollte mit dem Gedanken, zu wenig liebenswert dafür zu sein.

Heute sehe ich sie mit Weichheit.
Sie hat das Beste getan mit dem, was sie zur Verfügung hatte.
Und ohne sie wäre ich nicht hier.

Dieses Buch ist kein Heldinnenweg.
Es ist kein Ratgeber.
Es ist eine Spur – ein Stück meines Weges, ein Stück meines Lebens.

Es ist meine Antwort auf die Frage meiner Tochter:
„Was ist das Wichtigste im Leben?“
Damals sagte ich zuerst: das Leben.
Aber dann musste ich meine Aussage korrigieren:

Es ist die Liebe.

Die Liebe, die bleibt, wenn alles wegfällt.
Die Liebe, die uns trägt, wenn wir Angst haben.
Die Liebe, die uns zurück zu uns führt.
Die Liebe zu meinen Kindern, die mein roter Faden wurde – auch in den dunkelsten Räumen.
Und die Liebe zu mir selbst, die ich mir erst nach und nach wieder zurück geschenkt habe.

Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich euch - meine lieben Kinder - meine Welt zeigen möchte – die Äussere und die Innere. Die Schwere, die Schönheit, die Brüche und die Entscheidungen. Ich möchte euch Mut machen, euren eigenen Weg zu gehen und auf eure Wahrnehmung und eure innere Stimme zu vertrauen.

Und ich hoffe, dass dieses Buch nicht nur meinen Kindern, sondern auch allen, die es lesen, Vertrauen schenken kann – in das Leben, in sich selbst, in die leise Stimme des eigenen Herzens, in den Wert des eigenen Weges und in die Kraft, die in jedem Neubeginn liegt.

Manchmal ist Aufgeben kein Ende, sondern die mutige Entscheidung, Raum für einen Neubeginn zu schaffen.

Wenn du dieses Buch liest, halte es mit der gleichen Weichheit, mit der ich meine Vergangenheit heute halte: ohne Urteil, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Es ist ein Ausschnitt meines Weges, ein Kapitel meines Lebens.
Eines, das ich jetzt schliessen darf.

„Die Bilder in diesem Buch habe ich selbst erschaffen – an langen Tagen, an denen Worte nicht annähernd ausdrücken konnten, was ich gerade sah. Und die Musik, die jedes Kapitel begleitet, waren die Lieder, die mich damals getragen haben. Sie sind Teil meiner Geschichte, so wie jedes Bild ein Stück meines inneren Weges ist.“

Und wenn eines Tages ihr - meine lieben Kinder - diese Zeilen lest, sollt ihr wissen:

Ich habe gelebt.
Ich habe gefühlt.
Ich habe geliebt.
Und jeder Schritt – auch der Schmerzhafteste – hat sich gelohnt.
Denn er hat mich zur Liebe zurück geführt.

Eure Mama
Aus Liebe



Teil I - INNEN
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1.  Teil I - INNEN
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Bevor ich gelernt habe zu sehen



Mein kleines Ich - Und die gelbe Hütte

 

An euch - meine Kinder
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2.  An euch - meine Kinder
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Ich stehe vor dem Alpfenster, dort, wo meine Grossmutter früher die Sommer verbracht hat. Draussen liegen die Gipfel ruhig in der nachmittäglichen Abendsonne, und unten im Tal glitzert das Licht wie eine Erinnerung an etwas, das mich schon lange ruft. Auf meiner Hand sitzt ein kleiner Vogel. Kein echter – eher ein innerer Anteil von mir, den ich jahrelang drinnen gehalten habe. Jetzt halte ich ihn offen, zart, ohne Druck. Ich ermutige ihn: Sei mutig. Flieg hinaus in deine Freiheit. Du musst nicht drinnen bleiben. Der Vogel ist ein Symbol für das Loslassen. Für Mut. Für den ersten Schritt hinaus in ein Leben, das wieder mir gehört. Für die Erlaubnis, die ich mir selbst gebe: Du darfst fliegen. Du darfst vertrauen. Du darfst du sein.





Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Happy Place“ – Lenzspot

„Happy Place“ ist ein Lied, das sich anfühlt wie ein tiefer Atemzug nach einem langen Tag.
Sanft, ruhig und warm baut es eine Stimmung auf, in der man sich wieder spüren kann.
Es ist ein Klang, der nicht drängt und nichts fordert – er legt sich wie ein weiches Tuch um die Schultern und erinnert daran, dass es Orte gibt, an denen man innerlich zur Ruhe kommt, auch wenn im Aussen noch alles in Bewegung ist.

Die Melodie öffnet Raum.
Sie klingt nach Licht, das durch ein Fenster fällt, nach einem Moment, in dem man innehält und merkt:
Hier darf ich sein. Hier bin ich sicher.
Es ist Musik, die die kleinen Dinge gross macht – einen warmen Gedanken, eine Erinnerung, ein Gefühl von Angekommensein.

Für mich passt dieses Lied zu all den stillen Momenten, in denen man Mut fasst, ohne dass es jemand sieht.
Zu den Augenblicken, in denen die Seele kurz aufatmet.
Es ist ein Lied, das trägt, nicht zieht.
Das stärkt, nicht beschwert.

„Happy Place“ erinnert daran, dass dieser Ort nicht irgendwo draussen liegt –
sondern in uns selbst.

 




An euch - meine lieben Kinder


Wenn ihr irgendwann einmal dieses Buch in den Händen haltet, wünsche ich mir vor allem eines: dass ihr spürt, wie tief meine Liebe zu euch reicht. Nicht, weil ihr sie beweisen müsst, sondern weil sie immer da war – auch in Momenten, in denen ich selber den Zugang zu mir verloren hatte.

Es fällt mir manchmal schwer, all das in Worte zu fassen, was ihr mir bedeutet. Ich bin so stolz auf euch, jeden einzelnen Tag. Stolz darauf, wie fein ihr auf euch hört, wie mutig ihr euren Weg geht und wie selbstverständlich ihr Dinge spürt, die ich erst im Erwachsenenalter mühsam wieder lernen musste. Ihr seid mir darin voraus – und ich habe oft von euch gelernt, ohne dass ihr es gemerkt habt.

Ich wünsche mir, dass euch dieses Buch Geborgenheit schenkt.
Dass ihr Vertrauen spürt – in euch selbst, ins Leben und in den Weg, der euch ruft. Ich möchte, dass ihr euch mir nah fühlt, auch dann, wenn ich eines Tages vielleicht nicht mehr neben euch sitze kann. Dass ihr wisst, dass meine Liebe nicht an meine Anwesenheit gebunden ist. Sie ist in eurem Lachen, eurem Atem, euren Entscheidungen, euren Träumen - oder wenn all das fehlt. Sie ist da, wo ihr seid.

Die Zeit, über die ich schreibe, wird für uns alle einmal verblassen. So funktioniert Erinnerung. Deshalb möchte ich euch meine Sicht schenken – nicht als einzige Wahrheit, sondern als eine Spur, die ihr später mit euren eigenen Gedanken und Gefühlen verweben könnt. Wir dürfen unsere Vergangenheit immer wieder neu anschauen, so, dass sie Frieden bringt. Niemand von uns trägt Schuld daran, wie Dinge verlaufen sind. Wir haben alle unser Bestes gegeben.

Es gab Momente, in denen ich mich in meinem Leben verloren hatte. Ich war müde von all den Rollen und Erwartungen, von dem Wunsch, alles richtig zu machen und niemanden zu enttäuschen. Ich wollte so sehr eine gute Mutter sein, dass ich darüber vergessen habe, gut zu mir zu sein. Und je mehr ich mich angestrengt habe, desto weniger konnte ich spüren, was mir eigentlich gut tat. Irgendwann wusste ich: Ich muss mich wiederfinden. Nicht die angepasste Version von mir, sondern die Echte. Die, die fühlt, lacht, weint, zweifelt und trotzdem weitergeht.

Liebe bedeutet für mich heute etwas anderes als früher.
Sie fühlt sich an wie Ankommen, wie Wärme, wie Fülle, wie ein inneres „Es ist gut“. Früher war Liebe für mich etwas, das ich mir verdienen musste – heute weiss ich, dass sie da ist, wenn ich zu mir selber zurückfinde.

Manchmal, wenn ich alleine war, hat der Wind draussen wie eine Umarmung geklungen. Als würde er mich daran erinnern, dass ich nicht verloren bin. Dass auch schwere Zeiten etwas Schönes tragen können, wenn man genau hinhört.

Wenn ich heute auf meine Mutterschaft blicke, sehe ich, wie sehr ich am Anfang gerungen habe, alles richtig zu machen – und wie viel echter, freier und liebevoller unsere Beziehung geworden ist, seit ich mich wiedergefunden habe.

Ich möchte eine Mama sein, die euch hält, wenn ihr Halt braucht, und die euch gehen lässt, wenn ihr eure eigenen Wege entdecken wollt. Beides ist Liebe.

Und falls ich euch eines Tages nicht mehr antworten kann, möchte ich euch eines mitgeben:
Ihr dürft euch auf euer Gefühl verlassen. Ihr dürft euch Zeit nehmen. Und ihr dürft wissen, dass meine Liebe bleibt – auch ohne meine Anwesenheit.

Ihr seid mein Zuhause.
Und ich möchte, dass ihr das immer wisst.

 

Das Mädchen in mir
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3.  Das Mädchen in mir
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Ich mit meinem kleinen Ich




Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Ceilings“ – Lizzy McAlpine

„Ceilings“ ist ein Lied, das sich anfühlt wie ein leiser Gedanke, der zwischen Herz und Erinnerung schwebt.
Es trägt diese besondere Mischung aus Zartheit und Klarheit, die entsteht, wenn man etwas wieder berührt, das man lange in sich getragen hat – ohne es zu wissen.

Die Melodie ist warm und offen, fast wie ein Flüstern aus der eigenen Vergangenheit, das sagt:
Ich bin noch da.

Der Song schwebt – nicht laut, nicht fordernd.
Er klingt wie das Gefühl, wenn man still wird, um die eigene Innenwelt wieder zu spüren:
wenn man merkt, dass das kleine Ich in einem nie verschwunden war, sondern geduldig gewartet hat.

Die Stimme berührt ohne zu überrollen.
Sie trägt diese feine Ehrlichkeit in sich, die nicht Schmerz erzählt, sondern Nähe:
das zarte Wiederfinden einer Verbindung, die man nie ganz verloren hat.

„Ceilings“ erinnert daran, dass man manchmal durch die leisesten Gefühle hindurch hören muss, um wieder bei sich anzukommen –
und dass Wiedervereinigung oft nicht laut passiert, sondern im ganz stillen Raum zwischen zwei Herzschlägen.

 



 

Mein kleines Ich - und die Träume, die nie aufgehört haben

Es gibt in mir ein Mädchen, das lange still gewesen ist.
Ein Mädchen, das früh gelernt hat, brav zu sein, stark zu sein, leise zu sein.
Eines, das seine Gefühle weggesperrt hat, weil es nicht wusste, wohin damit.
Es wollte niemanden belasten, niemanden enttäuschen.
Es hat vieles allein getragen, weil es dachte, dass es das müsse.

Als ich ihm das erste Mal wieder begegnet bin, war es kein Bild – es war ein Ziehen im Herzen.
Ein Schmerz, der wehtat und sprach.
Ich habe ihr Leid gespürt:
wie sie so lange allein unterwegs gewesen ist,
wie sie versucht hat, alles selbst auszuhalten,
wie sie geglaubt hat, sie sei schuld daran, dass die Welt manchmal schwer wurde.

Als ich mich ihr näherte, war sie ängstlich.
Nicht, weil sie mir nicht traute –
sondern weil sie nicht wusste, wie es sich anfühlt, gesehen zu werden.
Doch sie hat schnell Vertrauen gefasst.
Das hat sie nie verloren: ihre Fähigkeit, schnell zu vertrauen.
Manchmal hat sie sich gerade deshalb verletzt.
Aber das steht nicht zwischen uns.
Es ist einfach ein Teil ihrer Geschichte.

Der erste Impuls, den ich hatte, war kein Satz.
Es war eine Bewegung:
Ich wollte sie in die Arme nehmen.

Und dann kamen die Worte, leise und klar:

Du bist nicht allein.
Du musst nicht mehr stark sein.
Und du bist nicht schuld.

Es war, als hätte ich ihr zum ersten Mal gegeben, was sie all die Jahre gebraucht hatte:
wie eine grosse Schwester.
Jemand, der bleibt, wenn es schwierig wird.
Jemand, der nicht erwartet, dass sie funktioniert.

Heute begleitet sie mich anders.
Sie darf Raum haben.
Sie darf fragen.
Sie darf lachen – manchmal so laut und kindlich, dass ich mich selbst erschrecke.
Sie bringt mich dazu, dumm zu tun, herumzuspielen,
und manchmal fällt sie mit mir zusammen auf dem Eis hin –
und ich schäme mich kurz,
bevor ich merke:
Es war gut.
Sie war lebendig.

Und ja, ein Teil von mir wollte lange perfekt sein.
Die perfekte Mama.
Die perfekte Partnerin.
Ich habe Harmonie davon abhängig gemacht,
wie sehr ich mich anstrenge,
wie sehr ich mich anpasse,
wie sehr ich meine eigene Abenteuerlust zurückhalte.

Dabei war mein glücklichstes Ich immer das,
das in den Bergen unterwegs war:
wenn ich alleine von "Flüeh zu Flüeh" geklettert bin,
wenn der Wind Geschichten erzählt hat,
wenn der Duft von Kuhfladen nicht störte,
sondern nach Freiheit roch.
Wenn die Welt weit war und ich einfach ich sein konnte.

Heute weiss ich:
Dieses kleine Mädchen in mir musste nicht brav sein,
um geliebt zu werden.
Es musste nur gesehen werden.

Und jedes Mal, wenn ich draussen bin,
im Rascheln der Blätter,
im warmen Licht zwischen den Bäumen,
im Kindlichen in mir,
das wieder auftaucht,
spüre ich sie.

Dann denke ich:

Ich habe dich nie vergessen.
Ich habe dich nur später wiedergefunden.

 

Mama vor dem Sturm
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4.  Mama vor dem Sturm
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Eine junge Frau lehnt an einem Fenster, die Augen geschlossen, den Kopf leicht geneigt. Das Licht fällt matt auf ihr Gesicht, als würde es versuchen, sie zu erreichen, ohne sie zu blenden. Ihre Haut trägt feine Spuren von Müdigkeit – nicht als Makel, sondern als Geschichte. Ihr Ausdruck ist still, fast eingefroren in einem Moment zwischen Aushalten und Vergessen. Die Welt draussen wirkt fern, unscharf, wie durch einen Schleier betrachtet. Das Bild erzählt nicht von Drama, sondern von einem Alltag, der zu schwer geworden ist. Von einer Frau, die so viel getragen hat, dass sie sich selbst leiser gemacht hat, um weiterzugehen. Dieses Bild fängt genau jene Zeit ein, in der das Innen schon ermüdet ist, während das Aussen noch funktioniert. Es ist ein Blick auf das Zwischenstadium: nicht mehr ganz da, aber auch noch nicht zusammengebrochen. Ein Schwebezustand, den viele tragen, aber kaum jemand zeigt.

 




Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Wehmut“ – Jonas Gewald

„Wehmut“ ist ein Lied, das klingt wie die leise Schwere, die sich in einem sammelt, wenn man zu lange stark war.
Die Melodie ist zurückhaltend, fast fragil –
so, als würde sie nichts verdecken wollen,
sondern nur Raum schaffen für das, was man selbst nicht mehr aussprechen konnte.

Dieses Lied trägt eine Tiefe, die nicht überwältigt,
sondern ehrlich ist.
Es hat diese stille Ehrlichkeit,
die sagt:
Da ist etwas in dir, das schon lange müde ist –
und jetzt darfst du es fühlen.

„Wehmut“ begleitet den Moment, in dem man auf dem Sofa liegt,
nicht weiss, wo man anfangen soll,
und plötzlich spürt, wie schwer die eigenen Schultern geworden sind.
Es ist ein Klang, der nicht tröstet,
aber auch nicht alleine lässt.
Er öffnet einen kleinen Spalt,
in dem man wieder atmen kann.

Die Musik passt zu dieser Phase:
dem Innehalten,
den ungeweinten Tränen,
dem langsamen Wiederfinden von sich selbst.
Zu dem leisen Bewusstsein:
Ich bin erschöpft –
aber ich bin noch da.

"Wehmut" erinnert daran,
dass Gefühl kein Fehler ist, 
sondern ein Anfang.






Die Müdigkeit, die ich nicht sehen wollte

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich lange nicht gemerkt habe, wie müde ich eigentlich war.
Nicht körperlich – sondern innerlich.
Es fühlte sich an wie ein Gewicht, das mich jeden Tag ein kleines Stück weiter nach unten zog.
Eine Leere, die keine Energie mehr übrig liess.
Und je mehr ich dagegen ankämpfte, desto weniger gelang es mir.

Von aussen sah es aus, als hätte ich alles im Griff.
Doch in mir war es still geworden.
Zu still.

Ich funktionierte.
Ich rannte von Aufgabe zu Aufgabe, organisierte, kümmerte mich, hielt alles zusammen.
Aber oft lag ich einfach auf dem Sofa.
Die Küche hinter mir war noch nicht aufgeräumt,
und obwohl ich es sah, schaffte ich es nicht mehr.
Ich wusste nicht einmal, wie ich anfangen sollte.

Am Morgen war der erste Gedanke oft derselbe:
Ich will gar nicht erst aufstehen. Ich kann nicht. Alles ist so schwer.

Ich wollte alles richtig machen.
Für euch.
Für eure Sicherheit und eure Geborgenheit.
Ich wollte, dass ihr nie das Gefühl habt, zu viel zu sein.
Ich wollte euch den Raum geben, den ich mir selbst nie gelassen habe.

Und während ich mich bemühte, verlor ich mich.
Nicht plötzlich, sondern leise.
Wie wenn man in tiefem Wasser steht und erst viel später merkt,
dass die Strömung einen unmerklich fortgetragen hat.

Ich hatte vergessen, was meine eigenen Bedürfnisse sind.
Ich wusste nicht mehr, was mir gut tut, was mir Kraft gibt, was mich lebendig macht.
Ich regulierte mich mit Dingen, die nicht halfen,
einfach weil ich zu nichts anderem mehr fähig war.
Ich war nicht kreativ.
Essen machte mir keinen Spass mehr.
Die Natur sah mich nicht – und ich sah sie nicht.
Und es gab keinen Ort, an dem ich wirklich zur Ruhe kam.
Ich lebte für alle.
Ausser für mich.

Ich war überzeugt, dass Liebe bedeutet, sich anzupassen und durchzuhalten.
Heute weiss ich:
Liebe bedeutet Respekt - sich zu spüren - und mit sich in Verbindung zu sein.

Diese Zeit war wie ein leiser Vorbote.
Etwas in mir flüsterte, dass ich so nicht weitermachen kann.
Dass ich mich irgendwann wiederfinden muss –
nicht, weil die Welt es von mir braucht,
sondern weil mein Inneres danach rief.

Ihr habt mich durch diese Phase getragen, ohne zu wissen wie.
Nicht durch Worte,
sondern einfach durch euer Lachen, eure Unkompliziertheit,
durch eure kleine, feine Wahrheit:
dass man im Leben echt sein darf, nicht perfekt.

Damals habe ich nicht verstanden, wie weit ich mich von mir entfernt hatte.
Erst später – als der Sturm kam – erkannte ich,
dass diese Müdigkeit der Anfang meiner Rückkehr war.
Der Moment, in dem meine Seele entschieden hat,
dass sie mich nicht weiter verlieren will.

 

Wenn das Innere wieder aufwacht
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5.  Wenn das Innere wieder aufwacht
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Hinter ihr stehen Mauern, die von einer anderen Zeit erzählen – brüchig, überwuchert und dunkel. Das Haus, aus dem sie kommt, hat nicht einmal mehr ein Dach. Vieles ist kaputt, vieles hat seine Form verloren. Es wirkt wie ein Ort, der einmal Schutz war, aber schon lange keiner mehr ist. Ein Ort, der müde geworden ist von all dem, was er tragen musste. Vor ihr öffnet sich ein Spalt aus Licht und Grün, so hell, dass es sich anfühlt wie ein Versprechen. Die Luft ist anders – wärmer, weiter, lebendiger. Man sieht, wie sie ankommt in etwas, das wieder atmet. Ihr Körper wirkt ruhig, fast gelöst, doch man spürt, dass in ihr etwas neu zu leben beginnt. Dieser Moment, in dem man erkennt: genau da muss ich hin. Die Natur um sie herum wächst wild und frei, unbeeindruckt von den Jahren – und genau so beginnt auch in ihr wieder etwas zu wachsen, langsam, aber bestimmt. Dieses Bild zeigt einen Übergang. Ein inneres Erwachen. Den Schritt aus einer alten Geschichte hinaus in eine Welt, die wieder nach Leben riecht.

 

 

Musikvorschlag für dieses Kapitel: „The Night We Met“ – Lord Huron

„The Night We Met“ trägt genau diese Stimmung in sich, die zu diesem Kapitel gehört:
eine Wehmut, die nicht zerstört,
sondern leise erinnert.
Ein Klang, der zeigt, dass etwas zu Ende geht –
und dass darin bereits ein Anfang liegt.

Die Melodie ist wie ein Schritt durch eine schwere Tür:
zuerst zögerlich,
dann mutiger,
weil man spürt, dass dahinter etwas Warmes wartet.
Der Song hat diese Mischung aus Schmerz und Sehnsucht,
aber auch aus Klarheit und Aufbruch.
Er klingt wie das Gefühl, wenn man das Alte noch im Rücken spürt
und das Neue schon vor sich sieht –
beides gleichzeitig wahr.

„The Night We Met“ begleitet diesen inneren Übergang.
Es passt zu dem Moment,
in dem man tief einatmet und spürt,
wie eng das alte Leben geworden ist,
und wie sehr man sich nach mehr sehnt:
nach Luft,
nach Weite,
nach Wärme,
nach einem Leben, das sich wieder lebendig anfühlt.

Der Song hält inne,
ohne zurückzuziehen.
Er lässt Raum für die leise Trauer über das,
was nicht mehr trägt,
und für die Neugier auf das,
was kommen will.

„The Night We Met“ ist Wehmut –
Schmerz und Mut in einem.
Der Schmerz des Abschieds.
Der Mut des ersten Schrittes.
Ein Klang, der sagt:

Du darfst gehen.
Du darfst wachsen.
Du darfst neu beginnen.

 






Das Erwachen

Es gibt Momente im Leben, in denen etwas in einem nicht mehr schlafen kann.
Etwas Leises, Beharrliches.
Etwas, das sagt:
So wie es war, darf es nicht bleiben.

Ich weiss nicht mehr, was der erste Auslöser war.
Es war kein Knall, kein bestimmter Satz, kein Zusammenbruch.
Es war mehr ein inneres Wissen –
die klare, schmerzhafte Wahrheit,
dass ich einen Raum brauche,
in dem ich mich wieder spüren kann.

Ich suchte jemanden zum Reden,
aber eigentlich suchte ich jemanden,
der mir helfen konnte zu übersetzen,
was in mir schon lange keinen Platz mehr hatte.
Und dieses Eingeständnis tat weh.
Es fühlte sich fast an wie ein Versagen,
obwohl es in Wahrheit mein erster Schritt zurück zu mir war.

Mein inneres Haus war eng geworden.
Nicht plötzlich,
sondern über Jahre.
Ich wusste nicht mehr, wie ich sein soll –
nichts fühlte sich richtig an.
Ich analysierte jedes Wort,
jede Bewegung,
jedes Schweigen.
Und das Schweigen war am schwersten.
Nicht, weil niemand da war,
sondern weil ich selbst keine Sprache mehr für mich hatte.

Die Freude war verschwunden.
Die Vision.
Die Hoffnung.
Ich funktionierte – aber ich lebte nicht.

Und trotzdem gab es in mir diesen kleinen Funken.
Diesen stillen Glauben daran,
dass es etwas stärkeres gibt,
etwas, das möglich ist,
auch wenn ich es noch nicht greifen konnte.

Dann kam dieser leise Moment.
Kein Drama.
Keine grosse Erkenntnis.
Nur ein Lichtstreifen,
der durch eine alte Tür fiel.
Eine Tür aus schwerem Metall,
die sich seit Jahren kaum bewegt hatte.
Ich wusste, dass sie schwer war,
dass ich Kraft brauche,
um sie zu öffnen –
aber ich wusste auch:
Dahinter wartet etwas Schönes.
Etwas Warmes.
Etwas Lebendiges.

Also drückte ich sie mit all meiner Kraft auf.
Nicht ohne Angst.
Nicht ohne Schmerz.
Aber mit Neugier.

Was ich draussen als Erstes wahrnahm,
war der Duft der Natur.
Diese Mischung aus Erde, Luft, Fülle,
die sich sofort in meinem Brustkorb ausgebreitet hat.
Wärme.
Grün.
Ein Gefühl von „Da bin ich.“

Ich habe mein altes Leben nicht verlassen aus Trotz oder Wut.
Ich bin gegangen aus Liebe.
Liebe zu mir.
Liebe zu meinen Kindern.
Liebe zu dem Leben,
das mich rief,
selbst als ich noch kaum zuhören konnte.

Das Alte ist nicht weg.
Es steht hinter mir
wie die Mauern eines Hauses,
das seine Zeit gehabt hat.
Es gibt Halt.
Es trägt Geschichte.
Aber es begrenzt mich nicht mehr.

Dies war der Moment,
in dem ich zum ersten Mal seit langem
wieder tief durchatmen konnte.

Ein neues Kapitel begann.
Noch unscharf.
Noch vorsichtig.
Aber hell.

Und es war genug,
um loszugehen.

Teil II - AUSSEN
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6.  Teil II - AUSSEN
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Der Sturm, den ihr nur am Rand gesehen habt



Mein kleines Ich - Und das Rehkitz

 

Die leuchtend gelbweisse Wolke mit dem roten Fleck
Seite 7
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7.  Die leuchtend gelbweisse Wolke mit dem roten Fleck
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Ein galaktisches Bild voller Tiefe und Licht: Eine weite Spiralform aus Sternen, Gas und Farben zieht den Blick in die Mitte, wo ein heller Planet wie ein brennender Kern leuchtet. Die Rottöne erinnern an etwas Dringliches, die Blautöne an Klarheit. Es wirkt, als hätte das Universum selbst für einen Moment angehalten – ein Schwebezustand zwischen Dunkelheit und Leuchten. Dieses Bild symbolisiert den Moment, in dem sich das Leben neu ausrichtet. Ein stiller Schock. Eine Erkenntnis. Ein Neubeginn im Herzen des Chaos.




Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Saturn“ – Sleeping At Last

„Saturn“ klingt wie ein Atemzug zwischen zwei Welten. Die Musik trägt das Gewicht eines tiefen, existenziellen Moments und gleichzeitig eine Weite, die fast tröstlich wirkt. Sie drängt sich nicht auf, sondern bleibt ehrlich und sanft, als würde sie einen Raum öffnen, in dem das Unbegreifliche für einen Augenblick Platz findet.

Der Song begleitet genau diese Mischung aus Schock, Stille und innerem Erkennen, die entsteht, wenn man eine Wahrheit zum ersten Mal wirklich sieht. Er erinnert an die Sekunden, in denen die Zeit stillsteht und man selbst noch nicht weiss, wie man das Gehörte oder Gesehene einordnen soll.

„Saturn“ hält nicht fest und versucht nicht zu erklären. Stattdessen lässt er Raum für das, was man selbst fühlt – für das Schwere, das Leere, das Unklare. Und gleichzeitig trägt die Musik eine leise Wärme in sich, die daran erinnert, dass selbst in den dunkelsten Momenten etwas bleibt, das uns hält: ein stilles inneres Licht, das nicht verschwindet, auch wenn alles um einen herum ins Wanken gerät.







Die Wolke und der rote Fleck

Ich sah das Ultraschallbild vor mir und wusste sofort, dass das nicht normal war.
Es war wie eine Wolke, ein abgetrennter ballenförmiger Schatten,
und im Inneren etwas Dunkleres, das auf dem 3D-Bild deutlich sichtbar war.
Eigentlich war es klar, dass das nichts Gutes war.

Der Arzt blieb ruhig – so, wie immer.
Es war nicht seine Stimme oder seine Atmung, die mir etwas verrieten.
Es war das Bild selbst.

In mir wurde es still —
nicht panisch, nicht klar,
sondern wie eingefroren.
Keine Gedanken, kein inneres Durcheinander.
Nur dieser Moment,
in dem ich realisierte,
dass ich mich mit etwas konfrontiert sehe,
das mir bis dahin unendlich weit weg erschienen.

Die Untersuchungen danach kamen wie eine Welle im Tagesrhythmus:
MRI, Biopsie, Mammographie, PET-CT.
Zu schnell, um es einzuordnen zu können.
Ich funktionierte, stellte Fragen, ging durch jeden Schritt,
und gleichzeitig fühlte ich mich,
als würde ich neben mir stehen —
still, wach, aber nicht ganz da.

Das Einsamste daran war nicht das Warten oder die Informationen,
sondern das Gefühl der Einsamkeit mitten unter anderen Menschen.
Ich war begleitet, und gleichzeitig tief allein in meiner Erfahrung.
Ich bin einfach weitergelaufen,
weil es keine Alternative gab.

Nach dem PET-CT wurde mir diese seltsame Realität so richtig bewusst:
Die Flüssigkeit, die man mir gespritzt hatte, war radioaktiv.
Deshalb durfte ich euch - meine lieben Kinder - für 24 Stunden nicht sehen.
Es war eine dieser Momente, die sich gleichzeitig logisch und völlig unwirklich anfühlten.
Ich wusste, dass es notwendig war, nicht zu Hause zu schlafen,
aber es fühlte sich an wie noch ein Stück mehr Einsamkeit –
inmitten einer Welt, die nicht stillsteht.
Alle gingen weiter, hatten ihren Alltag,
und ich war plötzlich aus allem herausgerissen,
als würde ich mich in einer Blase befinden,
sichtbar und doch weit weg.

Für mich gab es damals keine Worte.
Ich musste zuerst für mich selbst einordnen,
was dieses Bild bedeuten könnte.
Ich konnte nichts benennen,
weil es noch zu wenig Form hatte.
Zu frisch, zu still, zu nah.

Es war keine Hoffnung da,
aber auch keine totale Angst.
Eher ein Nicht-Glauben,
dass dieses Thema plötzlich in meinem Leben steht —
so klar und so unwiderruflich.

Farblos.
Klar.
Schwer einzuordnen —
aber unmöglich zu ignorieren.

 

Entscheidungen im Sturm: Leitlinien vs. Herzstimme
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8.  Entscheidungen im Sturm: Leitlinien vs. Herzstimme
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Eine Frau, fast körperlos, steht in einem Wald aus grünem Licht. Der Schleier um sie herum bewegt sich wie ein lebendiger Wind, der nicht von aussen kommt, sondern aus ihrem Inneren. Er umhüllt sie, schützt sie – und gleichzeitig wirkt er wie ein Nebel, durch den sie hindurch muss. Der Wald ist weich, hell, beinahe traumhaft, und doch liegt eine Schwere in der Luft. Es ist ein Ort zwischen zwei Welten: nicht mehr ganz im Alten, aber noch nicht im Neuen. Die Bewegung des Schleiers erinnert an jene Phase, in der alles unsicher ist und trotzdem in Gang bleibt – eine Zeit, in der man geführt wird, ohne zu wissen, wohin. Es ist ein Bild des Übergangs, des Aushaltens, des Weitergehens.

 

 

Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Spiral“ – Dustin O’Halloran & Ólafur Arnalds

„Spiral“ klingt wie ein leiser Kreis, der sich öffnet und wieder schliesst – fast so, wie Gedanken sich damals bewegt haben: ruhig, gleichmässig und doch innerlich tief aufgewühlt. Das Stück trägt eine Sanftheit, die nichts fordert und nichts überlagert, sondern einfach da ist, wie ein stiller Begleiter.

Die Melodie steigt auf und sinkt wieder ab, ohne je hart zu werden. Genau diese Bewegung spiegelt den Weg durch die Untersuchungen: Schritt für Schritt, Raum für Raum, getragen von einer Mischung aus Ungewissheit, Müdigkeit und einem sehr leisen Vertrauen, das erst später erkennbar wurde.

„Spiral“ erklärt nichts.
Es beschreibt nichts.
Es lässt Raum – genau wie diese Zeit es brauchte.

Ein Stück, das nicht weiss, wohin der Weg führt, aber trotzdem mitgeht.
Ein Klang, der aushält, ohne zu drängen.
Ein leiser Kreis, der sich weiterdreht, auch wenn man selbst noch im Nebel steht.





Durch den Schleier

Die Tage nach der Diagnose fühlten sich an, als würde ich durch einen feinen Nebel laufen.
Nicht dick, nicht dunkel – eher wie eine Zwischenwelt.
Ein Gefühl, als wäre ich da und gleichzeitig ein Stück daneben.
Als könnte ich die Welt sehen, wie sie weiterläuft,
während ich selbst kurz stehen geblieben bin.

Für die Menschen in der Klinik war alles Alltag:
MRI, Biopsien, Formulare, Abläufe, Routine.
Für mich war es eine neue Welt.
Und leise kamen die ersten Ängste:
Was, wenn es schon zu weit fortgeschritten ist?
Was, wenn sie mir irgendwann sagen, dass sie mich nicht mehr retten können?

Ich wusste, dass ich mich innerlich auf einen Orkan vorbereiten muss –
auch wenn ich ihn noch nicht sehen konnte.
Also suchte ich Halt.
Nicht laut, nicht verzweifelt.
Einfach etwas, das meine Seele festhält,
während mein Körper von Untersuchung zu Untersuchung getragen wurde.

Mein Herz führte mich zur Kunst.
Fast zufällig.
Oder eben nicht.
Der ausschlaggebende Grund, warum ich mich in dieser Künstlerei gemeldet habe,
war ausgerechnet der Tee, den es dort gab –
Berner Rose.
Die Wärme der Tasse tat mir so gut,
dass mein Körper entschieden hat, bevor mein Kopf es konnte:
Hierhin. Das wirst du brauchen.

Die Untersuchungen selbst waren wie Inseln im Nebel.
Jeder Raum hatte seinen eigenen Klang.
Das MRI war viel lauter, als ich mir je vorgestellt hatte.
Die Frau bei der Mammographie war so freundlich,
dass ich mich für einen Moment nicht wie eine Patientin fühlte.
Und dann gab es viele einsame Momente beim Warten im Spital -
in den Untersuchungszimmern - mehr Einsamkeit inmitten einer Welt, die einfach ohne mich weiterdreht.

Und doch gab es Lichtmomente.
Eine Praktikantin, die nicht verbergen konnte,
aus welchem Kanton sie stammt - auch wenn sie einen charmanten Akzent mitbrachte.
Der Humor, den wir teilten –
der bei mir immer dann stärker wird,
wenn ich nervös bin.
Mein Fahrlehrer könnte davon ein Lied singen.
Mein „Prüfungshumor“ funktioniert in allen Lebenslagen –
auch vor einer Operation.

Dann gab es Menschen, die mich unglaublich getragen haben:
die Pflegerin,
die onkologische Beraterin,
und meine beste Freundin aus der Primarschule,
die jeden meiner Schritte mitgegangen ist,
jeden Termin kannte
und immer fragte:
„Wie geht es dir wirklich?“
Sie probierte mit mir Perücken an,
war neugierig, mutig, ehrlich –
und einfach da.
Sie - die - aus der Ferne - meinen Terminplan besser kannte als ich. 

Die Haltmomente waren klein:
der Tee,
ein Atemzug in der frischen Winterluft,
ein Blick aus dem Fenster,
Meditationen,
Hypnosen,
ein Spaziergang im Wald,
ein Mittagessen, das für mich gekocht wurde,
Freundinnen, mit denen ich mitten in der Nacht einfach weinen konnte.
Diese kleinen Dinge haben mich getragen,
als die grossen noch zu schwer waren.

In diesen Tagen fühlte ich mich wie die Frau im Wald auf dem Bild:
von einem Schleier umhüllt,
und trotzdem in Bewegung.
Nicht klar,
nicht zerstört,
sondern suchend.
Nicht nach Antworten –
sondern nach meinem inneren Halt.
Nach einem ersten Licht.
Nach einem Weg, den ich noch nicht sehen konnte.

Die Natur wurde auf einmal intensiver.
Die Farben, die Gerüche, die Geräusche.
Ich sog alles in mich auf,
so als müsste ich es für später speichern.
Als könnte ich nicht gehen,
ohne die Welt noch einmal richtig eingeatmet zu haben.

Parallel dazu entschied irgendwo ein Tumorboard über meinen Weg –
Menschen, die mich nie gesehen hatten.
Ich hoffte immer,
dass jemand in der Runde fragte:
„Was sagt die Patientin dazu?“
Denn ich wusste:
Heilung ist nicht nur Medizin.
Heilung ist auch ein „Ja“ von innen.

Ich wusste noch nicht, wo mein Weg war.
Ich wusste nur:
Ich darf mich nicht verlieren.
Ich muss weitergehen.
Schritt für Schritt.
Automatisch manchmal.
Getragen manchmal.
Und immer wieder geführt von kleinen Impulsen,
die sich richtig anfühlten.

Diese Zeit war nebelweiss.
Still.
Zwischendrin.
Aber ich ging weiter.

Auch wenn ich noch nicht wusste, wohin.



Wenn der Körper schreit: Chemo, Haare, Weiblichkeit
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9.  Wenn der Körper schreit: Chemo, Haare, Weiblichkeit
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Auf dem Bild sieht man das Gesicht einer Frau, die die Augen geschlossen hält, als würde sie einen Moment der Wahrheit einatmen. Ihr Gesicht ist weich ausgeleuchtet, verletzlich und gleichzeitig voller Stärke. Die farbigen Vögel, die sich aus ihrem Kopf lösen, wirken wie Gedanken, Gefühle oder Anteile, die sie lange zurückgehalten hat und die nun in Freiheit fliegen dürfen. Die Farben – Blau, Rosa, Orange, Gold – erinnern an Aufbruch, Mut und inneres Leuchten. Nichts daran ist laut. Alles daran ist wahr. Es ist das Bild eines Übergangs: von Verlust zu Selbstfindung, von Verletzlichkeit zu Würde, von Weiblichkeit in alten Formen zu Weiblichkeit in ihrer reinsten Art.

 


Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Song of Storms“ – Gentle Game Lullabies & Andrea Vanzo

„Song of Storms“ beginnt leise, fast unmerklich, wie ein Atemzug, der sich vorsichtig ausdehnt. Die Melodie öffnet sich langsam, nicht wie ein Sturm, der alles zerstört, sondern wie einer, der reinigt und Raum schafft. Das Stück bleibt zart und trotzdem kraftvoll – ein Rhythmus, der an ein Herz erinnert, das manchmal ruhig schlägt und manchmal schneller, je nachdem, was es tragen muss.

Dieses Lied passt zu inneren Stürmen.
Zu Momenten, in denen der Körper laut „Nein“ sagt und die Seele versucht, mitzuhalten.
Zu Zeiten, in denen etwas Altes auseinanderbricht, damit etwas Neues überhaupt Platz finden kann.

Die Musik hat etwas Nostalgisches, etwas Warmes. Sie fühlt sich an wie eine Hand auf dem Rücken, die nicht erklären will, sondern einfach sagt:
„Du schaffst das. Der Sturm geht vorbei. Und du wirst dich wiederfinden.“

In dieser Phase – Chemo, Haarverlust, medizinische Entscheidungen, die niemand für dich tragen kann – war genau das die Stimmung in mir: kein Kampf, kein Heldentum, sondern ein stilles Weitergehen, während alles in mir nach Orientierung suchte.
„Song of Storms“ begleitet dieses Gefühl, ohne es zu übertönen.
Es ist nicht laut, nicht heroisch – eher wie ein kleines Licht im Inneren, wenn draussen alles dunkel wirkt.

Darum gehört dieses Lied zu diesem Kapitel.
Es erzählt von Mut, der nicht gross aussieht, sondern echt ist.
Vom Schmerz, der Platz haben darf.
Und von einer Weiblichkeit, die tiefer geht als alles, was man verlieren kann.

 



Zwischen Mut und Ohnmacht

Es gibt Erfahrungen, auf die man sich nicht vorbereiten kann.
Man kann darüber lesen, darüber sprechen, Szenarien durchgehen –
doch wenn plötzlich der eigene Körper im Zentrum steht,
fühlt es sich an, als würde man in eine andere Realität treten.

Die Chemotherapie war für mich genau so ein Moment.
Ich wusste, dass sie kommt,
aber ich wusste nicht wirklich, was sie bedeutet.
Ich hatte davon gehört, ja.
Mir wurde genau erklärt, welche Nebenwirkung wann auftritt,
und ich ging mit einer Tasche voller Medikamente nach Hause,
die alles lindern sollten, was auf mich zukommen würde.
Die Liste war lang. Sehr lang.
Und ich fragte mich leise:
Wer übernimmt die Verantwortung für das, was bleibt?
Wer lebt dann dieses Leben?

Ich wollte Verantwortung übernehmen.
Ich wollte nicht einfach hilflos in einem Prozess stehen,
der über Leben und Tod entscheiden könnte.
Ich wollte verifizieren, ob dieser Weg für mich stimmt.
Denn was, wenn ich einen Sinn verliere?
Ein Organ?
Ein Stück von mir, das nicht nachwächst?
Damit hätte ich dann einfach leben müssen.

Und gleichzeitig wusste ich:
Ja, der Tumor war bösartig.
Ja, ich war jung.
Ja, er wuchs schnell.
Die Dringlichkeit war real –
doch so war auch meine Angst.

An meinem ersten Chemotag war ich benebelt,
nicht aus Bequemlichkeit,
sondern weil die Panik so gross war,
dass ich ohne Beruhigungsmittel nicht in diesem Raum hätte bleiben können.
Die Angst, dass mein Herz Schaden nimmt,
dass meine Venen verätzen,
dass etwas dauerhaft kaputtgeht.
Ein Herz, das schon so lange zu mir gesprochen hat –
und dem ich erst jetzt langsam zuhörte.

In der Klinik lief alles in seinem eigenen Rhythmus –
präzise, organisiert, medizinisch klar.
Für die Menschen dort ist es Alltag.
Für mich war es eine Überwältigung.
Ein System, das schneller ist als ein Herzschlag
und wenig Spielraum lässt für Zweifel oder Zeit.

Ich fühlte mich nicht als ganzer Mensch gesehen.
Nicht aus Bosheit –
sondern weil das System kaum Raum dafür lässt.
Ich sehnte mich nach einem Onkologen,
irgendwo in der Schweiz,
der mich in meiner Ganzheit sieht,
nicht nur im Tumor.

Und gleichzeitig hatte ich Hemmungen, einfach weiterzuziehen.
Was, wenn ich diese eine Person verliere,
die die Kompetenz hat?
Was, wenn ich als „die Schwierige“ abgestempelt werde?
Der Druck wuchs.
In der Brust, im Hals, in meinem Inneren.

Die Veränderung begann still.
Meine Haare fühlten sich abgestorben an,
als hätten sie ihre Lebenskraft verloren.
Sie fielen erst vereinzelt,
dann so, dass ich Büschel in der Hand hielt.
Ich hoffte bis zuletzt,
doch meine Coiffeuse hatte recht:
zwischen Tag 17 und 21 – und sie gingen.

Ich fuhr extra in meinen Heimatort,
weil ich wusste,
dass sie die richtige Person für diesen Moment ist.
Sie schuf mir einen sicheren Raum und Zeit.
Alles durfte, nichts musste.
Während sie meine Haare rasierte, war da dieser seltsame Mix aus Traurigkeit und Stärke.
Und als es vorbei war, rutschte mir ein Satz raus, der typisch ich war –
Humor als Schutz, Humor als Luftloch:

„Jetzt habe ich weniger Haare als mein Bruder.“

Das war mein Versuch, Leichtigkeit hineinzubringen –
ein Moment, in dem ich gleichzeitig verletzt und tapfer war.

Bereits vor dem Termin, im Zug auf dem Weg ins Wallis, sass ich mit meiner kleinen Tochter.
Ich versuchte ein bisschen Zauber in all das Schwere zu bringen und sagte:

„Vielleicht wachsen sie ja in Regenbogenfarben nach.“

Ihre Augen wurden gross, sie überlegte kurz –
und für einen Moment war alles leicht.
Nicht, weil es realistisch war,
sondern weil Kinder die Gabe haben, Hoffnung zu schenken,
ohne es zu müssen.

Ihr beide, meine Mädchen,
habt das mit einer Tiefe begleitet,
die ich nie vergessen werde.
Du, meine Kleine,
nahmst meine Worte als Möglichkeit,
als Zauber,
als Hoffnung.
Und du, meine Grosse –
du warst einfach da.
Still. Wach.
Mit einer Präsenz, die stärker war als jedes Wort.

Doch je länger ich diesen Weg ging,
desto klarer wurde mir:
Mein Körper sagt Nein.
Nicht als leises Ziehen,
sondern als klares Signal.

Ich erinnere mich an eine Bahnhofsbank,
auf dem Weg zu einem Achtsamkeitskurs.
Ich sass dort,
hörte Stimmen, Geräusche,
und fühlte mich wie betäubt.
Wie betrunken.
Wie erstarrt.
Ich wusste nicht,
wie ich dorthin kommen sollte –
geschweige denn zurück.

Nach einer Hypnosesitzung fühlte ich,
woher meine Angst kam.
Und ich wusste,
dass ich so nicht weitermachen kann.
Ich musste das Risiko eingehen,
meine Onkologin zu verlieren.
Ich musste sagen:
„Ich kann das nicht.“

Es war schwer,
gegen das Tempo der Medizin zu stehen.
Schwer, den Raum einzufordern,
den mein Körper brauchte.
Schwer, gegen Statistiken zu stehen
und für mein Herz.

Ich weiss nicht,
ob ich die „richtige“ Entscheidung getroffen habe.
Vielleicht werde ich das nie erfahren.
Ich passe nicht mehr in die Statistik.
Aber es war mein Weg.
Meine Verantwortung.
Mein Leben,
das mir so kostbar in die Hände gelegt wurde.
Und ich wollte es beschützen –
so gut ich konnte.

Wenn ich heute auf diese Zeit zurückschaue,
würde ich der damaligen Manuela sagen:

„Du hast deinen Weg gewählt.
Nicht den leichtesten,
sondern den wahrsten.
Du bist deinem Gefühl gefolgt –
und du hast nie aufgehört,
für dich einzustehen.“

„Ich schaffe es nicht mehr alleine“: Der Schritt in die Klinik
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10.  „Ich schaffe es nicht mehr alleine“: Der Schritt in die Klinik
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Auf diesem Bild sieht man eine junge Frau mit geschlossenen Augen. Ihr Gesicht ist still, aber nicht friedlich – eher so, als würde sie jeden Atemzug bewusst festhalten, um nicht zu zerbrechen. Ihr Haar ist dunkel, verwoben mit dünnen Fäden aus Gold, die aussehen wie ein letzter Rest Hoffnung, der sich noch nicht gelöst hat. Rund um ihren Kopf kreisen Krähen, schwarz und unruhig wie die Gedanken, die einen in den Stunden der Überforderung verfolgen. Der Hintergrund ist grau, fast neblig, wie ein Tag ohne Richtung. Nichts ist grell, nichts laut – und gerade deshalb wirkt das Bild so ehrlich. Es zeigt den Moment, in dem man sich eingesteht, dass man nicht mehr weiter kann. Den Moment, in dem Stärke nicht bedeutet, durchzuhalten, sondern die Hand zu heben und zu sagen: „Ich brauche Hilfe.“ Die Frau wirkt verletzlich und zugleich bemerkenswert mutig. Denn wer die Augen schliesst, um hinzuspüren, was wirklich los ist, zeigt mehr Stärke, als es nach aussen scheint. Dieses Bild erzählt genau davon: Von der Schwere einer Zeit, in der die inneren Schatten lauter wurden als jede Hoffnung – und vom Mut, sie nicht länger allein tragen zu wollen.

 


Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Dreaming to Fly“ – Andrea Vanzo

„Dreaming to Fly“ fühlt sich an wie ein leiser Lichtstrahl in einem dunklen Raum.
Die Melodie hat etwas Schwebendes, etwas Gewichtsloses – als würde sie sich genau dorthin legen, wo das Herz müde geworden ist.

Das Stück beginnt zart, fast zerbrechlich.
Es klingt wie ein Gedanke, den man kaum auszusprechen wagt:
der Wunsch nach Ruhe, nach Halt, nach einem Moment, in dem man nicht mehr stark sein muss.

Diese Musik schafft einen stillen Zwischenraum:
zwischen dem Zusammenbruch und der ersten Ahnung von Hoffnung,
zwischen Erschöpfung und einem neuen Atemzug,
zwischen „Ich kann nicht mehr“ und „Vielleicht geht es doch weiter“.

„Dreaming to Fly“ begleitet dieses innere Flüstern, das damals so leise war:
Ich weiss noch nicht, wann oder wie ich wieder fliegen kann –
aber irgendwo in mir spüre ich, dass es möglich ist.

Es ist ein Lied, das dich nicht drängt.
Es hält dich.
Es erlaubt dir, einfach da zu sein –
ohne Antworten, ohne Lösungen, ohne Erwartungen.

Und vielleicht genau deshalb passt es so gut zu diesem Kapitel:
Es erinnert daran, dass der Weg zurück zur Kraft nicht laut beginnt,
sondern mit einem einzigen, sanften Gedanken an Freiheit.





Wenn die Seele Halt sucht

Nach der Strahlentherapie begann eine Phase, die ich so nicht erwartet hatte.
Ich hatte gehofft, dass die schlimmsten Momente hinter mir lagen –
doch stattdessen wurde alles enger.
Die Schmerzen im Brustbereich und im Rücken nahmen zu,
mein Atem wurde kürzer,
meine Kräfte weniger.

Ich suchte verzweifelt nach Vertrauen.
In meinen Körper.
In die Behandlungen.
In meinen inneren Weg.
Also setzte ich meine Forschungen fort –
mit einer Intensität, die eigentlich zeigt,
wie sehr ich mich festhalten wollte.
Stundenlang las ich Artikel,
hörte Vorträge renommierter Ärztinnen und Ärzte,
tauchte ein in Erfahrungsberichte anderer Betroffener, medizinische Studien...
Ich wollte nicht einfach überleben.
Ich wollte verstehen.

Und dann fand ich sie –
die 9 Wege von Dr. Kelly A. Turner.
Ihre Worte gaben mir etwas zurück,
das ich verloren geglaubt hatte:
das Vertrauen, dass Heilung möglich ist –
auch jenseits von Statistiken.

Doch genau in diesem Moment,
als die Hoffnung zurückkehrte,
kam der Einbruch.

Nicht, weil die Hoffnung falsch war.
Sondern weil mein Körper nicht mehr konnte.
Der abrupte Hormonabfall,
die monatelange Anspannung,
die vielen Entscheidungen,
das Funktionieren,
der Druck –
alles fiel gleichzeitig zusammen
und nahm mich mit.

Die Strahlentherapie - ein Ja, das nicht aus mir kam

Eigentlich wollte ich die Strahlentherapie gar nicht machen.
Nicht aus Trotz.
Nicht aus Verweigerung.
Sondern, weil mein Körper sich dagegen stemmte.

Und trotzdem sagte ich nicht Nein.
Ich war im Sog der Abläufe,
getragen von Empfehlungen und Protokollen,
geleitet von Sätzen wie:

„Wenn Sie einmal begonnen haben, dürfen Sie nicht aufhören.“

Nicht böse gemeint.
Aber schwer.
Und einschüchternd.

Der Warteraum der Radiologie fühlte sich surreal an:
Palmen, weiche Sessel, warme Lichtfarben –
fast wie in einem Spa.
Menschen kamen und gingen durch dieselbe Tür,
als würden sie in eine futuristische Kabine treten.
Und doch wussten wir alle,
dass auf der anderen Seite kein Wellness wartete.

Ich war immer die Jüngste im Raum.
Einmal sah ich eine Frau aus meiner Yogagruppe –
ich erkannte sie kaum,
weil sie eine Perücke trug.
Sie sah wunderschön aus,
und gleichzeitig sah ich,
wie nicht geeignet ihr dieses Kompliment erschien.
Bekannte Gesichter geben Halt - ein Lächeln genügt -
weil wir uns gegenseitig verstanden fühlten.


Die Grenzen des Systems - und mein Ringen um Freiraum

Ich begann zu spüren, wie eng das System manchmal ist.
Nicht die Menschen –
sie gaben alle ihr Bestes.
Sondern die Strukturen.

Ich fragte mich leise:

Warum werden schulmedizinische Therapien zu 100 % von der Krankenkasse übernommen,
aber komplementäre Methoden,
die oft günstiger sind und mich stärken,
nicht?

Ich fühlte, was mir guttat.
Ich wusste, was mich stabilisierte.
Und gleichzeitig wusste ich:
Ich kann das irgendwann nicht mehr bezahlen.

Ein Paradox:
Ich kümmerte mich um meinen Körper,
entlastete das System –
und genau das wurde nicht unterstützt.

Ein Arzt sagte einmal:

„Seien Sie froh, wohnen Sie in der Schweiz.
Anderswo hätten Sie nicht diese Entscheidungsfreiheit.“

Ich wollte nicht gegen etwas kämpfen.
Ich wollte nur verstehen.
Ich wollte meinen Weg verantwortungsvoll gehen –
nicht blind,
nicht trotzig,
sondern ehrlich.


Der Moment, in dem alles zu schwer wurde

Die Enge in der Brust wurde grösser.
Mein Kopf fand keine Varianten mehr.
Alles war zu viel.
Zu laut.
Zu nah.

Und irgendwann hörte ich in mir diesen Satz:

„Ich kann nicht mehr.“

Ich sagte ihn meinem Mann.
Er war selbst im Überlebensmodus.
Er konnte es nicht auffangen -
egal wie sehr er es versucht hat.

Also sagte ich es dort,
wo ich mich getragen fühlte.
Leise.
Klar.
Ohne Drama.
Nur wahr.

Was mich am meisten traf,
war das Gefühl versagt zu haben.
Ich, psychosoziale Beraterin,
mit all meinem Wissen –
und doch konnte ich mich nicht mehr halten.

Aber irgendwann verstand ich:
Man fällt nicht,
weil man Hilfe braucht.
Man fällt,
weil man zu lange versucht hat,
ohne sie auszukommen.

Und so musste ich für ein paar Wochen weg.
Auch von euch, meine lieben Kinder.
Nicht, weil ihr das Problem wart.
Sondern weil ich sonst untergegangen wäre.
Ich wusste, dass ihr bei Papa gut aufgehoben seid.
Doch ich musste zurück zu mir finden.


Die Klinik ein Ort, der trug

Die Klinik war nicht ein Ort des Scheiterns.
Sie war ein Ort des Atmens.
Ein Zwischenraum.
Eine Pause vom Überleben.

Es gab Strukturen,
aber nicht, weil man uns einschränken wollte.
Sondern weil die Krankenkasse klare Vorgaben hatte,
damit die Klinik überhaupt behandeln durfte.

Das bedeutete:
Wenn ich raus wollte,
musste ich mich an- und abmelden.
Wenn ich zu Hause schlafen wollte,
brauchte es ein ärztliches Einverständnis –
und ich musste innerhalb von zwölf Stunden zurück sein.

Ungewohnt.
Bürokratisch.
Und gleichzeitig war mir das egal. 

Mein Zimmer war einfach und warm.
Das Fenster konnte nicht selbst geöffnet werden –
Überbleibsel der früheren geschlossenen Abteilung.
Wenn ich Tageslicht brauchte,
musste ich fragen.
Die Betreuenden haben das gerne gemacht
und gleichzeitig hatte man ein freundliches Gespräch.

Ich gab Rasierklingen und alles Scharfe ab,
nicht aus Gefahr,
sondern weil es dazugehörte.
Merkwürdigerweise fühlte sich das nicht einengend an.

Und dann waren da die kleinen Dinge:
das gemeinsame Essen,
ein Essens-Tablett mit meinem Namen,
der vorgegebene Wochenplan,
Kreuzworträtsel,
die gemeinsamen Gespräche oder das gemeinsame Schweigen,
der Garten,
der Tierpark und die Schildkröten.

Sie zeigten mir:
Wenn man am Gras zeiht, wächst es nicht schneller - alles hat sein Tempo und wird "perfekt".
Auch Heilung hat ihren eigenen Rhythmus.


Die Palme - und die Schachtel

In dieser Zeit begleiteten mich zwei innere Bilder.

Die Parabel der Palme:
Dass eine Palme nicht trotz,
sondern wegen des Sturms - ganz still und leise - ihre tiefsten Wurzeln bildet.
Dass Widerstand Kraft erzeugt.
Nicht indem man unbesiegbar wird,
sondern indem man verwurzelt wird.

Und dann war da die Schachtel –
eine Idee aus dem Focusing:
Dinge mental in einer Schachtel zu deponieren. 

Nicht wegwerfen.
Nur ablegen.
Parken.
Ordnen.
Zur Ruhe kommen lassen.

Ich stellte mir vor,
wie ich eine grosse Box öffne, in einem dunklen Raum 
und all das hineinlege,
was gerade zu viel war:

  • die Angst

  • die Verantwortung

  • die Fragen

  • die Szenarien

  • die Zweifel

Und plötzlich wurde es stiller in mir.
Ruhiger.
Weicher.

Es muss nicht alles gleichzeitig gelöst werden.
Manchmal reicht es,
wenn es seinen Platz hat.


Der dritte Onkologe und sein Team, die sahen, was in mir lebte

Ich wusste irgendwann:
Ich darf weiter suchen.
Kompetent.
Verantwortlich.
Und ehrlich mir selbst gegenüber.

Also wagte ich es,
einen dritten Onkologen anzufragen.
Es brauchte Geduld,
Warten,
Hoffen –
doch ich durfte kommen.

Und ich wusste sofort:
Ich bin angekommen.

Er überforderte mich nicht.
Er drängte mich nicht.
Er sah Möglichkeiten,
ohne die Last auf mich zu legen.
Er ging mit mir in meinem Tempo.

Und er nahm sich Zeit.
Echte Zeit.
Zeit zum Zuhören.
Zeit für meine Sorgen.
Zeit für mein Herz.
Zeit für meine Blockaden.
Und auch Humor bekam seinen Platz.


Sie stellten Fragen,
die nicht in Laborwerte passten,
aber in mein Leben.
Sie sahen mich nicht als Krankheit,
sondern als Mensch.
Und genau das gab mir Mut.

Nur nach Ursachen suchte er nicht mit mir.
Und irgendwann merkte ich,
dass ich das akzeptieren durfte.
Vielleicht wusste ich sie ohnehin.
Vielleicht ist es auch einfach nicht entscheidend.

Aber der Satz, den er mir sinngemäss mitgab,
war es:

„Sie machen genug.“


Als ich die Klinik verliess,
war ich nicht wieder mein altes Ich.
Ich war nicht fertig.
Nicht stabil.
Nicht sicher.

Aber ich hatte etwas Entscheidendes zurückgewonnen:

meine Ruhe.
meine Instrumente.
meine Stimme.
mein Vertrauen.
mein inneres Zuhause.

Und die leise Gewissheit:

Du musst das nicht mehr alleine tragen.

Natur, Symbole und kleine Wunder
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11.  Natur, Symbole und kleine Wunder
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Auf diesem Bild kriecht eine kleine blaue Schnecke über einen Stein. Ihr Haus schimmert zart, fast wie ein Tropfen Himmel, der sich verirrt hat. Ihr Körper ist weich, vorsichtig, langsam – als würde sie jeden Millimeter des Weges spüren und würdigen. Die Schnecke ist so unscheinbar und gleichzeitig so ungewöhnlich, dass man sie leicht übersehen könnte. Und gerade deshalb ist sie ein Wunder. Ein Zeichen, das nur sichtbar wird, wenn man stehen bleibt und hinschaut. In ihrem Tempo liegt eine Einladung: langsamer zu werden, achtsam zu werden, die Welt wieder mit Kinderaugen zu betrachten. Sie erzählt davon, dass auch das Kleinste eine Botschaft tragen kann – und dass Schönheit manchmal dort zu finden ist, wo man sie am wenigsten erwartet. Die blaue Schnecke ist ein Symbol dafür, wie die Natur uns tröstet, ohne ein einziges Wort. Sie taucht nicht auf, um Antworten zu geben, sondern um uns daran zu erinnern, dass Wunder selten laut sind. Oft erscheinen sie leise, zart und im Vorbeigehen. So wie dieses kleine Wesen, das dir genau in dem Moment begegnet ist, als du kaum noch Kraft hattest – und dir dennoch gezeigt hat, dass die Welt dich sieht.

 

Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Bloom“ – The Paper Kites

„Bloom“ fühlt sich an wie ein sanfter Wind, der durch die Zweige streicht, ohne etwas von dir zu verlangen. Die Melodie ist leicht, aber nicht belanglos – sie trägt eine Wärme in sich, die langsam wächst, so wie ein leises Aufblühen im Inneren. Das Lied hat etwas Beruhigendes, beinahe Zärtliches, und schafft einen Raum, in dem man wieder durchatmen kann, auch wenn noch nicht alles gut ist.

Es begleitet genau jene Art von Momenten, in denen man etwas Schönes entdeckt, ohne es festhalten zu können – wie die blaue Schnecke. Es ist ein Klang, der zeigt, dass Neues nicht plötzlich entsteht, sondern sich Schritt für Schritt entfaltet. Ein Lied, das leise Mut macht, indem es nicht drängt, sondern trägt.

„Bloom“ erinnert daran, dass das Leben selbst dann weiterwächst, wenn die Schritte klein sind, und dass innere Leichtigkeit oft genau dort beginnt, wo man kurz innehält. Es ist ein musikalischer Hauch von Frühling – ein Versprechen, das sagt:
Die Schönheit kommt zurück.
Die Lebendigkeit auch.

Und manchmal genügt ein einziger zarter Moment, um daran erinnert zu werden.

 



Die blaue Schnecke

Es gab Tage in dieser Zeit, an denen alles in mir laut war:
die Angst, die Erschöpfung, die Fragen, das Schweigen danach.
Und es gab Momente, in denen die Welt draussen so leise war,
dass ich sie fast überhörte –
bis sie mich sanft zurückholte.

Die Natur hat in dieser Phase oft zu mir gesprochen.
Nicht mit Worten,
sondern mit Zeichen.
Mit Begegnungen im richtigen Moment,
mit kleinen Wundern, die auftauchen,
wenn man sich selbst entschleunigt.

Eine dieser Begegnungen war die blaue Schnecke.

Ich war an einem Achtsamkeitskurs im Wald.
Wir hatten den Auftrag, das Handy nicht zu benutzen,
um ganz bei uns zu bleiben –
mit unseren Sinnen, dem Boden unter den Füssen,
dem Rascheln der Blätter,
den Geräuschen in der Ferne.
Wir liefen als Gruppe,
aber jede Person für sich,
in ihre eigene Stille hinein.

Und dann war sie plötzlich da.
Mitten am Weg.

Eine Schnecke.
Winzig.
Zart.
Und blau.

Ob sie wirklich blau war?
Niemand kann mir das heute sagen.
Doch in meinem Inneren weiss ich es ganz sicher:
Ja.
Sie war blau.
Ein kleines Wunder, das genau dann auftauchte,
als ich es brauchte.

Ich blieb trotzdem nicht stehen.
Ich ging weiter,
vertieft in die Aufgabe,
in die Regeln,
in das, was „richtig“ war und von mir verlangt wurde.
Und ein Teil von mir wünschte sich später,
ich hätte mich den Regeln widersetzt und diesen Moment festgehalten.

Ein Foto.
Nur eines.

Doch vielleicht wollte sie mir genau das zeigen:

Manchmal müssen wir anhalten,
um die Schönheit sehen zu können.
Und manchmal verpassen wir Momente,
weil wir zu sehr funktionieren.

Es war eine Mischung aus Bedauern und Dankbarkeit.
Wehmut, weil ich kein Bild hatte.
Und gleichzeitig Freude, dass ich sie überhaupt gesehen habe.
Später habe ich sie mit KI nachgebildet –
nicht als Ersatz,
sondern als Erinnerung.
Auch wenn keine digitale Version
dem Original gerecht wird.

Was mich berührt hat,
war nicht nur ihre Farbe.
Es war dieses Gefühl:
Sie war anders.
Und sie war schön.
Langsam.
Still.
Ganz bei sich.

Vielleicht war es das,
was ich damals gebraucht habe:

Ein Zeichen dafür,
dass selbst langsame Schritte ans Ziel führen.
Dass man nicht eilen muss.
Dass man nicht stark sein muss,
um vorwärtszukommen.
Dass es reicht, da zu sein.

Von diesem Tag an erlaubte ich mir immer häufiger,
Momente festzuhalten –
mit den Augen oder mit der Kamera.
Nicht aus Zwang,
sondern aus Freude.
Das Eichhörnchen, das sich mir in der Mittagspause zeigte.
Das Licht, das durch die Äste fiel oder ein Regenbogen.
Kleine Dinge, die grösser wurden,
weil ich sie ansah.

Es waren nicht nur Schnecken.
Auch andere Tiere kamen zu mir:

Ein Falke –
der mir zeigte, wie anders die Welt aussieht,
wenn man sie von oben betrachtet.

Ein Reh –
sanft, still, mit einer Unschuld,
die mir einen Moment Frieden schenkte.

Zwei Krähen –
schwarz, wach und vertraut,
wie kleine Weggefährten,
die mich daran erinnerten,
dass selbst auf schweren Wegen
Freundschaft und ein Funken Humor heilen können.

Was sie bedeuten?
Ich weiss es nicht mit Worten.
Aber ich weiss,
wie sie sich angefühlt haben.

Wie kleine Botschaften,
die sagen wollten:

„Schau hin.
Du bist geführt.
Du bist getragen.
Du bist nicht allein.“

Mein eigener Heilungsweg
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12.  Mein eigener Heilungsweg
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Eine Frau steht im warmen Licht der tiefstehenden Sonne. Ihr Körper wirkt leicht, fast durchlässig, als würde das Licht sie nicht nur berühren, sondern von innen heraus zum Leuchten bringen. Die Schatten um sie herum sind weich, das Gold der Sonne zeichnet Konturen, die mehr erzählen als Worte es könnten. Es ist ein Moment des Ankommens – nicht im Aussen, sondern in sich selbst. Die Frau wirkt still und zugleich wach. Da ist keine Anstrengung, kein Kampf. Nur dieses zarte Gefühl, dass etwas in ihr begonnen hat, zu heilen. Wie ein Licht, das lange verborgen war und jetzt wieder den Weg durch die Risse findet. Dieses Bild steht für einen inneren Wendepunkt: für Klarheit, für Wärme, für die Erkenntnis, dass Heilung nicht plötzlich geschieht – sondern in kleinen Funken, die sich ausbreiten, bis man wieder spürt: Ich bin da. Ich leuchte. Ich lebe.

 


Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Sunlight“ – Andrea Vanzo

„Sunlight“ begleitet dieses Kapitel wie ein stiller Strahl durch die Bäume. Die Musik ist hell, aber nicht grell – warm, aber nicht laut. Sie hat diese Art von Klarheit, die im Herzen Raum schafft, ohne zu drängen. Es ist ein Lied, das mitwächst, wie Licht, das langsam durch einen Wald wandert. Ein Klang, der erinnert:
Heilung entsteht nicht über Nacht.
Sie wächst – leise, stetig, in Schichten.
So wie das Licht, das immer wieder seinen Weg findet.





Mein Weg zurück zu mir

Es gibt Wege, die man nicht aus Büchern lernt, nicht aus Empfehlungen, nicht einmal aus medizinischen Plänen. Manche Wege entstehen erst, wenn man sie geht – Schritt für Schritt, tastend, suchend, lauschend. Mein Heilungsweg war genau so ein Weg: nicht linear, nicht vorgegeben, nicht messbar.
Aber er war meiner.

Nach der Diagnose wurde ich in eine Welt geworfen, die laut, komplex und überwältigend war. Jeder sprach in Fachbegriffen, jeder hatte Ratschläge, jeder glaubte zu wissen, was richtig sei. Und während all diese Stimmen auf mich einprasselten, wurde eine andere Stimme immer stiller – meine eigene.

Erst als alles in mir zu laut wurde, begann ich, wieder nach innen zu hören.

Ich merkte, dass Heilung nicht bedeutet, blind einer vorgegebenen Linie zu folgen.
Heilung bedeutet, Frieden mit jedem Schritt zu finden.
Heilung bedeutet, sich selbst wieder zu vertrauen.
Heilung bedeutet, zu spüren, was der eigene Körper sagt – und was er ablehnt.

Mein Weg wurde ein Mosaik aus vielen Richtungen:
Schulmedizin, die mir Struktur gab.
Komplementäre Therapien wie Mistel, Ozon, Meditation, Yoga, Gestalten und Natur, die mir Halt gaben.
Künstliche Intelligenz, die mir Worte und Bilder schenkte, wenn meine fehlten oder nicht sichtbar waren.
Musik, Stille und Atem, die mein Nervensystem beruhigten.
Gespräche, die mich getragen haben.
Begegnungen, die mich wieder geöffnet haben.
Und Stille, die mir Antworten gab, die ich nirgendwo sonst fand.

Ich lernte, dass Gegensätze gleichzeitig bestehen dürfen:
Licht und Schatten.
Sturm und Stille.
Hoffnung und Angst.
Mut und Müdigkeit.

Ich habe Therapien begonnen und abgebrochen, wenn sie mich von mir selbst entfernten.
Ich bin neue Wege gegangen, wenn mein Inneres „Ja“ sagte – auch wenn die Welt daneben stand und fragte: „Bist du sicher?“
Ich war nie unvernünftig.
Ich war nie leichtsinnig.
Ich war nie gegen die Medizin.
Ich war einfach für mich.

Und diese Entscheidung war ein Akt der Liebe.

Der Wald wurde in dieser Zeit mein zweites Zuhause.
Er hat mich geerdet wie nichts anderes.
Dort habe ich gelernt, wie verwurzelt ich bin – und dass ich mich bewegen darf, während ein Baum all dies nur in sich trägt, aber nicht gehen kann.
Der Wald hat mich gehalten, nicht kritisiert, nicht verglichen.
Er hat mich genommen, wie ich bin – bedingungslos.

Ich habe mich wieder Menschen anvertraut.
Ich habe mich getraut, Nähe zuzulassen, ohne zu denken, dass ich störe.
Ich habe verstanden, dass ich Freundschaft verdient habe, einfach weil ich bin.

Auf diesem Weg habe ich erkannt, dass Heilung kein Ziel ist, sondern ein Kreislauf:
Manchmal ist Heilung wie ein Adler – weit, mutig, klar.
Und manchmal ist sie eine Schnecke – langsam, verletzlich, aber wahr.
Und wenn alte Themen wiederkommen, dann nicht, um mich zu brechen,
sondern weil sie jetzt angeschaut werden wollen.
Und gehen, sobald ich sie nicht mehr wegdrücke.

Mein eigener Heilungsweg hat mich nicht zurück zu meinem alten Leben geführt.
Er hat mich weitergeführt – in ein neues Leben, das weicher ist, ehrlicher, freier.
Ein Leben, in dem ich mich nicht mehr verliere, um geliebt zu werden.
Ein Leben, in dem ich keinen Schmerz mehr für Stärke halte.
Ein Leben, in dem ich nicht mehr funktioniere, sondern lebe.

Heute weiss ich:
Heilung ist kein gerader Weg.
Heilung ist ein Kreis.
Und mit jedem Kreis komme ich näher zu mir selbst.

Dieser Weg war nicht einfach.
Aber er hat mich dorthin gebracht, wo ich heute bin:
In ein Leben, das ich wieder fühlen kann.
In eine Liebe, die mein Herz wieder geöffnet hat.
In ein Vertrauen, das ich mir selbst zurück geschenkt habe.

Und vielleicht ist das das grösste Wunder von allen.

Teil III - AUSSICHT
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13.  Teil III - AUSSICHT
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Die Liebe, die bleibt – für euch und für mich



Mein Kleines Ich - Und die Träume, die nie enden

 




Wenn ein Kapitel endet und Liebe bleibt
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14.  Wenn ein Kapitel endet und Liebe bleibt
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Eine Frau steht an einer italienischen Küstenklippe, der Wind trägt sanft ihr Haar, während sie über das glitzernde Wasser blickt. Hinter ihr liegen die bunten Häuser eines Ortes, der wie eine Erinnerung wirkt – warm, lebendig, ein Stück Vergangenheit. Sie dreht sich ein wenig zurück, nicht mit Schmerz, sondern mit einem weichen Blick voller Dankbarkeit. Vor ihr öffnet sich das Meer, weit und ruhig. Es ist ein Bild von Übergang: ein Kapitel, das zu Ende geht, und die stille Gewissheit, dass Liebe bleibt – nicht als Festhalten, sondern als leiser Begleiter. Im Licht der Küste wirkt sie frei, getragen, bereit für den Weg, der vor ihr liegt.

 


Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Dreamland“ – Alexis Ffrench

„Dreamland“ klingt wie ein leiser Atemzug, der direkt ins Herz fällt. Die ersten Klaviertöne öffnen einen Raum, der wie Dämmerlicht wirkt – warm, weich, vertraut. Die Melodie trägt ein wenig Sehnsucht, aber keine Last. Sie erinnert an Momente, die wichtig waren, ohne sie festzuhalten oder neu zu beschweren.

Dieses Lied bewegt sich wie ein sanfter Wind über die Haut: unaufgeregt, zärtlich, ehrlich. Es passt genau zu der Stimmung, wenn ein Kapitel endet und etwas Neues beginnt – nicht aus Schmerz, sondern aus Reife. Es begleitet diesen Übergang zwischen Vergangenheit und Zukunft, ohne etwas zu fordern. Ein Klang, der sagt: Du darfst dankbar zurückblicken und gleichzeitig weitergehen.

„Dreamland“ ist keine Musik für ein Ende, sondern für ein stilles Einverständnis mit dem Leben.
Dafür, dass Wege sich trennen dürfen, ohne dass die Liebe verschwindet.
Dafür, dass Erinnerungen leuchten dürfen, auch wenn sie nicht mehr Gegenwart sind.
Dafür, dass Frieden entsteht, wenn man loslässt, ohne etwas wegzuschieben.

Es ist ein Lied für sanfte Abschiede, für Liebe, die in neuer Form bleibt, und für den Moment am Meer, wenn der Wind die Haut streift und man spürt:

Ich gehe weiter.
Und ich trage das Gute mit mir.





Die Liebe, die bleibt

Es gibt Momente im Leben, in denen man spürt, dass ein Weg zu Ende geht, lange bevor man den letzten Schritt macht. Nicht, weil die Liebe verschwunden wäre, sondern weil sie sich verändert hat. Weil sie einen neuen Platz sucht – einen, an dem sie nicht mehr festhält, sondern wieder frei atmen darf.

Als ich auf unsere gemeinsame Geschichte zurückblickte, spürte ich vieles gleichzeitig:
Wut, weil Dinge zerbrochen sind.
Enttäuschung, weil Vertrauen verletzt wurde.
Wehmut, weil wir beide so vieles wollten und doch nicht erreicht haben.
Und eine stille Dankbarkeit für all das Schöne, das bleibt.

Wir haben nebeneinander gelebt, oft aneinander vorbei, beide mit dem Wunsch, dem anderen das zu geben, was er brauchte – und doch gelang es uns nicht. Ich wollte mich nicht mehr verletzen. Und ich wollte mich selbst nicht mehr verlieren.

Es war ein Abend auf dem Balkon.
Ein stiller Moment, in dem ich spürte:
Ich kann nicht mehr diskutieren.
Ich kann nicht mehr hoffen, dass etwas, das so müde geworden ist, wieder leicht wird.
Ich bin müde.
Wir konnten uns im Schmerz nicht mehr sehen, nicht mehr halten.

Es war kein Scheitern.
Es war ein Weitergehen.
Es war ein Akzeptieren.

Der Weg hinaus fühlte sich an wie ein leises Sterben – ein leises Weggehen und ein langsames Wiederaufstehen. Schritt für Schritt. Durch Trauer, Zweifel, Schuldgefühle hindurch. Bis irgendwann wieder ein zartes Vertrauen zurückkam:
Ich werde meinen Platz finden.
Auch wenn ich ihn noch nicht sehe.

Ich musste etwas Altes loslassen, damit etwas Neues entstehen kann.

Und ja, meine lieben Kinder, ich weiss, wie sehr ihr euch eine Familie unter einem Dach gewünscht habt. Ich weiss, wie weh es tut, wenn man vermisst. Und ich weiss, wie gross die Sehnsucht manchmal wird.

Aber ich bin froh, dass ihr heute nicht mehr in einem Zuhause lebt, in dem ständig diskutiert wird.
Ich bin froh, dass ihr Frieden atmen könnt.
Und ich hoffe, ihr spürt irgendwann:
Mama und Papa bleiben eure Eltern – immer.
Eine Familie kann viele Formen haben.
Und wir dürfen gemeinsam herausfinden, welche für uns stimmt.

Und das Schönste, was aus dieser Liebe entstanden ist, seid ihr beide.
Ihr seid das Licht, das geblieben ist.
Das Wertvollste, das wir gemeinsam geschaffen haben.
Und nichts auf dieser Welt wird das je schmälern.

Die Liebe, die bleibt, ist eine andere geworden.
Warm.
Ruhig.
Weit.
Weich.

Eine Liebe, die nicht mehr festhält, sondern Frieden schenkt.
Eine Liebe, die sagt: Wir haben unser Bestes gegeben.
Und jetzt dürfen wir frei werden – jeder auf seinem Weg, aber verbunden durch das, was wirklich zählt.

Heute stehe ich – wie die Frau auf dem Bild – am Meer, mit Weite vor mir und einem ruhigen Herzschlag in mir. Das Rauschen erinnert mich an Cinque Terre, an La Dolce Vita, an Freiheit, an die warme Luft auf der Haut und den Glauben daran, dass die Liebe mich immer weitertragen wird, egal in welcher Form sie sich zeigt.

Ich darf loslassen, ohne zu verlieren.
Ich darf dankbar sein, ohne festzuhalten.
Ich darf lieben, ohne zurückzugehen.

Und in mir ist etwas Neues entstanden:
Selbstwirksamkeit.
Leichtigkeit.
Mut.
Klarheit.
Ein eigener Rhythmus.
Stille Wärme.
Unbeschwertheit.
Geborgenheit.
Freiheit.

Ich gehe weiter – und trage das Gute in meinem Herzen.
Und vielleicht ist genau das die schönste Form von Liebe, die bleibt.

Neues Zuhause, neue Qualität mit euch
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15.  Neues Zuhause, neue Qualität mit euch
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Eine Frau steht in einem alten Holztürrahmen, barfuss auf der Schwelle zwischen drinnen und draussen. Hinter ihr der warme Schutzraum eines Hauses – vor ihr die Weite eines strahlenden Bergpanoramas. Das Morgenlicht fällt weich auf ihre Schultern, ihr Kleid bewegt sich leicht im Wind, und über den Gipfeln kreist ein einzelner Vogel, als würde er sie einladen, tiefer einzuatmen, anzukommen, aufzubrechen. Das Bild hält diesen heiligen Moment fest, in dem man zum ersten Mal fühlt: Ich bin hier. Ich darf neu beginnen. Ich bin getragen.

 

 



Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Overcome“ – Skott

„Overcome“ begleitet dieses Kapitel mit einer sanften, fast hauchzarten Kraft. Die Musik beginnt zurückhaltend, fast zerbrechlich, und öffnet sich dann langsam, als würde ein innerer Raum wieder weiter werden. Die Stimme von Skott trägt eine leise Melancholie, aber gleichzeitig auch eine Wärme, die mit jedem Ton wächst. Es ist ein Lied, das sich anfühlt wie ein neuer Atemzug – einer, der nach einer langen, schweren Zeit wieder frei durch den Brustkorb fliesst. Die Melodie erinnert an das Gefühl, eine Tür zu öffnen und zum ersten Mal zu spüren, dass dort draussen wieder Leben wartet. Keine Eile, kein Druck, nur ein stilles, aufrichtiges Weitergehen. „Overcome“ passt zu diesem Neuanfang, weil es die Mischung trägt, die dieser Abschnitt braucht: ein wenig Traurigkeit über das Vergangene, viel Weite für das Kommende und dieses feine Vertrauen, das sagt, dass ein neues Zuhause nicht nur ein Ort ist, sondern ein Zustand im Inneren. Ein Lied, das mitgeht, während man ankommt.





Ein Zuhause - das uns trägt

Ein Zuhause zu finden war für mich keine Entscheidung, die an einem einzigen Tag gefallen ist.
Es war ein längerer Weg – einer, den ich Schritt für Schritt mit euch gegangen bin.
Auch wenn ihr nicht mit mir umgezogen seid, war es mir wichtig, dass ihr spürt:
Dieser Neuanfang gehört uns allen.

Ihr wart bei Wohnungsbesichtigungen dabei, habt Farben ausgesucht, Pflanzen mit ausgewählt, mit mir überlegt, wo was stehen könnte.
Und jedes Mal, wenn wir eine Türe öffneten, schwang dieselbe leise Frage im Raum:

„Fühlt es sich hier nach uns an?“

Ich wollte nicht einfach irgendwo ankommen.
Ich wollte wirklich ankommen.
Ich wusste, dass ich sonst nur zwischen Kisten und Möbeln stehen würde – mit dem alten Gefühl von Schuld im Nacken.
Ich musste zuerst lernen, dass ich ein Zuhause wählen darf:
nicht aus Angst,
sondern aus Würde.

In meinen Gedanken hatte ich mir die Wohnung schon oft ausgemalt.
Ich stellte mir vor, wie das Licht fällt, wie ruhig es sein würde, wo ich meinen Platz finde.
Eigentlich hatte ich mir eine Wohnung im jetzigen Wohnhaus weiter oben gewünscht – doch es gab zu viele Bewerber. 
Und wie es der Zufall wollte, war ausgerechnet jene Wohnung auf einer tieferen Etage früher verfügbar.
Als ich sie betrat, wusste ich: Das ist sie.

Dieses Mal fühlte es sich nicht nach „einleben müssen“ an.
Nicht wie damals im Atelier.
Es fühlte sich vom ersten Moment an wie meins an.
Eine Stille war da, Unbeschwertheit, eine Ruhe, die ich so lange vermisst hatte – und genau diese Ruhe war der erste Schritt zurück zu mir.

Ihr habt mir geholfen, diesen Raum zu füllen.
Wir holten gemeinsam die Sachen aus dem Lager – und ihr seid voller Freude mit der Hebebühne hoch und runter gefahren, als wäre das schon das erste Abenteuer im neuen Leben.

Valentina, du hast sofort eine Ecke im Wohnzimmer für euch gestaltet.
Ein Dschungel sollte es werden – wild, lebendig, voller Fantasie.
Du hast mich damit daran erinnert, dass jedes Zuhause ein bisschen Magie braucht.

Giulia, du hast darauf bestanden, dass es echte Pflanzen gibt – nichts Künstliches.
Etwas, das lebt, atmet, wächst.
Ich fand das so schön, weil es genau das widerspiegelt, was wir alle gerade angefangen haben zu lernen:
dass Dinge, die wachsen dürfen, Zeit brauchen, den richtigen Ort zu finden, um echte Wurzeln schlagen zu können.

Es sollte kein Sofa haben:
Der offene Platz durfte ein Raum für Kreativität, für Gespräche, für Musik und Wärme werden.
Und auch wenn niemand einen eigenen Raum hat, hat jeder sein Plätzchen, seinen Rückzugsort, wenn wir zu dritt hier sind.

Ich spüre hier keinen inneren Druck mehr, niemandem gefallen zu müssen oder mich anzupassen.
Ich kann einfach ich sein.
Die alte Wohnung fühlte sich nach dem Auszug plötzlich fremd an – als wäre ich dort nur noch zu Besuch.
Aber hier, in diesem neuen Zuhause, bin ich bei mir angekommen.

Ich liebe die Ruhe, die mich auf dem Balkon empfängt.
Den Blick in die Weite, den ich mit jeder Tasse Kaffee oder Tee neu entdecke.
Ich habe wieder Freude am Kochen, am Essen, am Gestalten, am Putzen – weil es mein Zuhause ist.
Ein Zuhause, das ich mit Liebe fülle, mit Ritualen, mit Langsamkeit, mit meinem eigenen Rhythmus.

Ich bin ruhiger geworden.
Meine Gedanken sind ruhiger geworden.
Es gibt mehr Momente, in denen ich einfach bin – ohne sofort Lösungen suchen zu müssen für alles und alle.
Ich atme tiefer.
Ich ruhe mehr in mir.
Vielleicht spürt man das auch, wenn man hier zur Türe reinkommt:
dass ich wieder beginne, Wärme auszustrahlen.

Mein Rhythmus ist langsamer geworden.
Ich beginne den Tag bewusst: Supplements, Misteltherapie, meine Morgenrituale, Momente der Stille.
Ich gönne mir Pausen, auch mitten im Tun.
Ich entdecke das Spielerische wieder, das Abenteuer, die Freude an Kleinigkeiten.

Und dann ist da dieses Bild der Frau im Türrahmen, hoch oben in den Bergen – mit dem Vogel, der über ihr seine Kreise zieht.
Es verbindet sich mit einem ganz alten Bild in mir:
mit der Frau aus dem ersten Kapitel, die diesen Vogel noch klein und zart in ihrer Hand hielt.

Damals war der Vogel ein Symbol für mein inneres Selbst:
klein, verletzlich, suchend.
Heute ist dieser Vogel gross geworden.

Nicht, weil das Leben leichter wurde,
sondern weil ich gelernt habe, die Hand zu öffnen.
Weil ich den Mut hatte, loszulassen –
mit Dankbarkeit, nicht mit Angst.
Es war nie ein Verlust.
Es war Vertrauen.
Es war Liebe.

Der Vogel steht für Weite, für Freiheit, für Entdeckungsfreude.
Für den Mut, sich vom Wind tragen zu lassen, ohne schon zu wissen, wohin er führt.
Und die Frau?
Sie steht im Licht, voller Stärke, Selbstwert, Zuversicht und Wärme.

Ja – es hat weh getan.
Aber jetzt nicht mehr.

Die Zeit des Leidens ist vorbei.
Jetzt beginnt das Weitergehen.
Das Neu-Kreieren.
Das Sein.
Das Geniessen.
Und das Neugierig-Sein auf Neues.

Ich bin dankbar, dass ich den Mut hatte, diesen Vogel fliegen zu lassen.
Und noch dankbarer, dass ich mich selbst wieder gefunden habe –
dort, wo Ruhe, Liebe und Freiheit ein neues Zuhause bilden.

Ein Zuhause im Aussen, das mir geholfen hat,
mein Zuhause im Innern wiederzufinden.

Die Liebe, die mein Herz wieder öffnete
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16.  Die Liebe, die mein Herz wieder öffnete
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Eine Frau tanzt im goldenen Licht, ihr Kleid wirbelt in einem Spektrum aus warmen Rottönen, Orangenschimmer und tiefen Schatten. Der Stoff ihres Kleides scheint Flammen zu werfen, als wolle er erzählen, wie es ist, wenn ein Herz wieder Funken schlägt. Der Raum um sie pulsiert vor Farbe – ein Tanz von Licht, Bewegung und innerem Feuer. Nichts an diesem Bild ist laut, und doch erzählt es alles: Dass Lebendigkeit nicht verloren ging, sondern darauf gewartet hat, wieder berührt zu werden.

 


Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Lion Theme“ – Dustin O’Halloran & Hauschka

„Lion Theme“ klingt wie ein Atemzug, der sich langsam ausdehnt.
Ein Ton, der sich zuerst kaum zeigt – und dann Schicht für Schicht tiefer wird.
Die Musik hat etwas Löwenhaftes, aber nicht laut – eher die stille, innere Kraft eines Herzens, das wieder lernt zu schlagen.

Sie trägt Wärme, Weite und diesen Moment, in dem Mut nicht brüllt, sondern leise den Kopf hebt.
Perfekt für ein Kapitel, in dem Liebe nicht stürmt, sondern heimkehrt.





Gewidmet der Liebe selbst

Liebe zeigt sich nicht immer in der Form, die wir erwarten.
Sie kommt nicht immer als Mensch.
Manchmal kommt sie als Musik, als Feuer, als Farbe, als Bewegung,
als Idee, als Licht, als ein Gefühl von Freiheit,
das leise in einem aufsteigt,
ohne dass man sagen könnte, woher es kommt.

Ich begann die Liebe wieder in kleinen Dingen zu finden:
im Licht, das morgens über den Boden schweift,
oder in einer Berührung vom Wind.

Manchmal beginnt Liebe mit einem warmen Rhythmus im Inneren,
einem Schwingen, das man lange nicht mehr gespürt hat.
Nicht laut.
Nicht überwältigend.
Eher wie eine feine Melodie,
die irgendwo tief im Körper zu spielen beginnt,
lange bevor man erkennt, was sie bedeutet.

Sie kann in einer Begegnung liegen –
mit einem Menschen,
mit einer Tätigkeit,
mit einer Leidenschaft,
mit sich selbst.
In einem Moment der Ruhe,
in einem Fluss aus Farben,
in einem Gedanken, der plötzlich Licht macht.

Manchmal ist es ein Feuer,
nicht als Flamme vor einem,
sondern als Wärme im Herzen.
Dieses sanfte Glühen,
bei dem Funken aufsteigen,
golden, leicht, tanzend.
Nicht zu heiss, nicht zu kühl –
genau die Temperatur,
bei der man sich erinnert,
wie es sich anfühlt, lebendig zu sein.

Liebe kann auch ein Glas Rotwein sein,
wenn der erste Schluck so viel Ruhe bringt,
dass man für einen Moment vergisst,
wie laut die Welt war.

Eine kleine Wärme,
die den ganzen Abend verändert.

Liebe kann auch im Körper entstehen,
wenn man malt, tanzt, schreibt, atmet,
wenn man sich in der Natur bewegt
und plötzlich merkt,
dass der Wind Antworten hat
und der Wald zuhört,
ohne ein einziges Wort zu brauchen.

Vielleicht ist Liebe all das:
die Kreativität in den Fingern,
die Neugier im Blick,
die Weite im Brustraum,
das Funkeln in den Augen,
wenn etwas in einem wieder anklingt.

So wie die Flamencotänzerin auf meinem Bild:
beweglich, frei, klar,
voller Feuer, voller Selbstverständnis,
voller Mut, dem eigenen Rhythmus zu folgen.
Sie tanzt nicht für jemanden.
Sie tanzt, weil etwas in ihr brennt.
Weil ihre Energie hinaus will,
weil sie lebendig ist.
Weil sie sich wieder spürt.

Ich habe gelernt,
dass Liebe nicht etwas ist,
das man findet.
Liebe ist etwas,
das in einem erwacht.

Ein Impuls.
Ein Funken.
Ein Atemzug.
Eine Wärme,
die langsam wächst,
weil man endlich wieder still genug ist,
sie wahrzunehmen.

Und manchmal ist es ein Hobby,
ein Ort,
ein Klang,
ein Blick in den Himmel,
ein neu entdecktes Talent,
das uns zurück zu uns führt.

Manchmal sind es Farben,
oder Holz,
oder Erde,
oder Worte,
oder ein Lied.
Etwas, das uns daran erinnert,
dass wir schwingen dürfen,
fühlen dürfen,
brennen dürfen.

Ich habe verstanden,
dass Liebe nicht nur ein Gegenüber braucht.
Sie braucht Raum.
Sie braucht Mut.
Sie braucht die Bereitschaft,
weich zu werden,
wo man hart geworden ist.
Sich zu öffnen,
wo man sich verschlossen hat.
Sich zu erlauben,
zu fühlen,
zu leben,
zu leuchten.

Die Liebe, die mich wieder geöffnet hat,
kam nicht als Versprechen.
Nicht als Zukunftsplan.
Nicht als Geschichte,
die geschrieben werden muss.

Sie kam als ein Zustand.
Als Freiheit.
Als Wärme.
Als Präsenz.
Als Feuer im Inneren,
das mich nicht verbrannte,
sondern zum Glühen brachte.

Und vielleicht ist das die grösste Form von Liebe:
die, die uns zurück zu uns führt,
zur Neugier,
zum Spiel,
zur Leidenschaft,
zur Kreativität,
zu dem Menschen,
der wir geworden sind –
und zu dem,
der wir noch werden.

Liebe lebt überall.
In uns.
Um uns.
Durch uns.

Wir müssen sie nicht suchen.
Wir müssen nur mutig genug sein,
aufmerksam zu sein und sie zuzulassen.

 

Mein innerer Kompass: Mut, Hoffnung, Neubeginn
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17.  Mein innerer Kompass: Mut, Hoffnung, Neubeginn
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Eine Frau steht auf einer hölzernen Brücke, umgeben von goldenem Abendlicht. Ihr Kleid bewegt sich leicht im Wind, als würde die Luft selbst sie vorwärts tragen. Hinter ihr liegt der Weg, den sie gegangen ist – ruhig, warm, im Einklang mit der Landschaft. Vor ihr öffnet sich ein weiter Himmel, ein sanft glühendes Orange, das die Welt weicher aussehen lässt, als sie manchmal ist. Sie steht nicht am Anfang und nicht am Ende – sondern genau dort, wo Übergänge entstehen: auf der Brücke zwischen dem, was gewesen ist, und dem, was kommen darf. Die Haltung ihrer Schultern erzählt leise: Ich gehe weiter. Ich weiss nicht wohin – aber ich weiss, dass mein Weg stimmt. Dieses Bild ist ein Symbol für Vertrauen. Ein inneres Ausrichten. Ein stilles: „Ich bin bereit.“

 

 



Musikvorschlag für dieses Kapitel: "Bridge" - Marc Rebillet

„Bridge“ klingt wie ein Schritt ins Unbekannte, dem man plötzlich vertraut.
Es beginnt leise, fast zaghaft – wie die ersten Schritte auf einer Brücke, die man noch nicht kennt. Die Melodie baut sich langsam auf, Schicht für Schicht, bis sie sich trägt wie ein sanfter Strom unter den Füssen.

Es ist ein Lied, das sich bewegt wie ein innerer Übergang:
nicht dramatisch, nicht fordernd, sondern warm und stetig.
Jeder Ton wirkt wie ein Lichtpunkt am Geländer, der zeigt,
dass der Weg weitergeht – auch wenn er noch nicht ganz sichtbar ist.

„Bridge“ hat etwas Weiches, Hoffendes.
Etwas, das sagt:
Du bist nicht mehr dort, wo du warst –
aber du bist noch nicht dort, wo du hingehst.

Und genau dieser Zwischenraum darf sich gut anfühlen.

Die Musik trägt ein Gefühl von Aufbruch in sich,
ruhig, klar, frei.
Sie begleitet die Schritte, die man nicht aus Pflicht,
sondern aus innerem Vertrauen macht.

Es ist ein Lied für Momente, in denen man sich selbst wieder näherkommt.
Für Übergänge, in denen Mut still ist und Hoffnung warm.
Für den Moment, in dem man auf einer leuchtenden Brücke steht
und spürt:

Der Weg gehört mir – und ich bin bereit, weiterzugehen.





Mein Zukunfts-Ich

Als ich dieses Bild damals kreierte – mitten in der Abklärungsphase, mit der Angst noch wie ein Gewicht auf meiner Brust – wusste ich nicht, dass ich mir selbst etwas schenken würde, das mich durch die kommenden Jahre tragen sollte.
Ich sah diese Frau auf der leuchtenden Brücke, und ich schrieb:

„Mein Zukunfts-Ich schenkt mir Zuversicht und Vertrauen.
Sie lächelt. Sie wartet stolz auf mich.
Ich bewundere ihr inneres Leuchten.“

Damals war sie noch eine Vision.
Heute ist sie Realität.

Sie steht auf dieser Brücke, weil sie weiss, dass jeder Weg ein Dazwischen braucht – ein Ort, an dem man noch nicht dort ist, wo man hinmöchte, aber auch nicht mehr dort, wo man war.
Sie steht für all das, was in mir gewachsen ist:
für Liebe, Zuversicht, Vertrauen, Stärke, für ein Selbst, das nicht mehr im Dunkeln nach Erlaubnis sucht, sondern im Licht seinen eigenen Rhythmus findet.

Sie geht vorwärts, bleibt stehen, geht wieder ein Stück zurück, wenn es nötig ist – nicht aus Unsicherheit, sondern aus Weisheit.
Und manchmal hält sie einfach an, um die Aussicht zu geniessen.

Wenn ich zurückblicke, sehe ich, was ich hinter mir lasse:
Verrat.
Verloren-Sein.
Selbstaufgabe.
Anpassen.
Erschöpfung.

Und ich sehe, was ich mitnehme:
mein Herz,
meine Intuition,
meinen Mut,
meine Würde.

Ich habe mir selbst bewiesen, dass ich meine Geschichte neu erzählen kann – so lange, bis sie mir nicht mehr wehtut, sondern mir Kraft gibt.
Die alten Stimmen, die mir früher Grenzen gesetzt haben, sind leiser geworden. Manche tauchen noch auf, dann verschwinden sie wieder – wie alte Echos, die keine Macht mehr haben.

Ich bin nicht weise geworden, aber ich bin reich geworden.
Nicht im Geldbeutel.
Sondern im Herzen.

Wenn ich an mein 80-jähriges Ich denke, erfüllt mich ein warmes Lächeln.
Ich sehe eine Frau, die so voller Liebe strahlt, dass sie ein ganzes Dorf erhellt.
Ich sehe sie in der Toskana, bei ihrem runden Geburtstag, die Hügel im Abendlicht, Menschen, die sie umarmen, weil sie das Leben geliebt hat und das Leben sie zurück geliebt hat.

Ich sehe, wie stolz ich auf sie bin.
Und wie sie mich mit diesem liebevollen, wissenden Blick anschaut:
„Gut gemacht. Du bist deinen Schritten gefolgt – auch dann, als niemand verstand, wohin sie führen.“

Für euch, meine lieben Kinder, wünsche ich mir etwas ganz Besonderes.
Ich wünsche mir, dass ihr in diesen Zeilen nicht nur meine Geschichte lest –
sondern eure eigene Stärke darin wiederfindet.
Dass ihr spürt, wie sehr ich euch liebe,
wie sehr ich für euch wachse,
wie sehr ihr mich gelehrt habt, meinen Weg nicht aufzugeben.

Vieles von dem, was einmal schwierig war, werdet ihr vergessen.
Das ist gut so.
Was bleibt, ist das, was zählt:

die Wärme,
die Geborgenheit,
die Liebe, die euch immer begleitet.

Ich möchte, dass ihr wisst:
Papa und Mama bleiben für euch da – immer.
Nur die Form hat sich verändert.
Aber Liebe ändert ihre Form, nicht ihr Herz.

Und ein Zuhause?
Ein Zuhause entsteht überall dort,
wo wir ehrlich lieben dürfen.
Wo ihr sein dürft, wie ihr seid.
Und auch ich.

Heute fühle ich Ruhe.
Freiheit.
Selbstliebe.
Weite.
Fülle.

Ich habe mir ein Zuhause geschaffen – aussen und innen.
Und erst als ich im Aussen angekommen bin, konnte ich wieder im Inneren landen.
Ich atme wieder.
Ich vertraue wieder.
Ich lebe wieder.

Ich gehe neugierig weiter, egal was kommt.
Denn ich weiss:
Der wichtigste Moment ist immer jetzt.
Und wenn ich eines Tages gehe, möchte ich nicht bereuen, nicht wirklich gelebt zu haben.

Und vielleicht ist das die stille Essenz dieses ganzen Weges:

Die Liebe.

Die Liebe, die uns hält.
Die Liebe, die uns führt.
Die Liebe, die uns verbindet.
Die Liebe, die uns neugierig macht.
Die Liebe, die uns gesund werden lässt.
Die Liebe, die uns heilt und befreit – immer wieder.

Mein Zukunfts-Ich wusste das.
Sie stand damals schon auf dieser Brücke, lächelnd, wartend, leuchtend.

Heute stehe ich bei ihr.
Auf meinem Weg.
Auf unserer Brücke.
Mit dem Herzen weit offen.

Und ich weiss:

Ich bin angekommen.
Nicht am Ende –
sondern bei mir.

 
Briefe an euch für schwere Tage
Seite 18
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18.  Briefe an euch für schwere Tage
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Auf dem Bild sieht man ganz viele selbst gemalte Herzen meiner Tochter – warm, weich, kindlich und voller Liebe. Sie sind nicht perfekt, aber genau deshalb so kostbar: Sie zeigen die reine, unbeirrbare Verbundenheit eines Kindes zu seiner Mama. Das Herz ist ein Symbol für all das, was bleibt, selbst an schweren Tagen: Liebe, die unverfälscht ist. Liebe, die trägt. Liebe, die nicht fragt. Dieses Bild ist wie ein kleiner Anker im Sturm – ein Versprechen in Farbe und Papier.

 




Musikvorschlag für dieses Kapitel: „Maman“ – Louane

„Maman“ ist ein Lied, das nicht laut wird –
und genau deshalb so tief geht.

Es beginnt zart, fast flüsternd,
als würde jemand ganz vorsichtig eine Erinnerung berühren,
die so wertvoll ist, dass man sie nur mit den Fingerspitzen anfassen möchte.

Louanes Stimme trägt eine Wärme,
die sofort ins Herz sinkt –
wie ein vertrauter Atemzug,
wie eine Hand, die über die Wange streicht.

Die Musik wirkt wie ein leises Zuhause.
Sie fragt nicht, sie fordert nicht –
sie ist einfach da.
So wie Liebe an den Tagen,
an denen Worte zu viel und Stille zu wenig ist.

„Maman“ ist ein Lied, das Trost schenkt,
ohne zu beschweren.
Ein Lied, das hell ist,
ohne zu blenden.
Ein Lied, das an den tiefsten Ort im Inneren erinnert:
dort, wo unser eigener Garten blüht,
auch wenn draussen ein Sturm tobt.

Jede Zeile fühlt sich an wie eine Umarmung,
die nicht festhält, sondern hält.
Wie ein Versprechen,
dass Licht nie ganz verschwindet –
auch wenn es manchmal flackert.

Für euch beide, meine liebste Giulia und Valentina,
– und für alles, was ich euch mit diesem Kapitel mitgeben möchte –
ist „Maman“ genau dieses Lied.

Ein Klang, der euch beschützt.
Ein Klang, der euch erinnert,
wie stark und weich euer Herz zugleich ist.
Ein Klang, der euch leise zuflüstert:

„Auch wenn du einmal ganz allein bist –
du bist nie ohne Liebe.“

Und vielleicht, wenn ihr gross seid,
werdet ihr verstehen,
warum mich dieses Lied damals so sehr berührt hat.

Nicht aus Traurigkeit.
Sondern aus dieser tiefen, stillen, unzerbrechlichen Liebe,
die ich immer für euch tragen werde.
Und dem unermesslichen Stolz.

.

Brief an Giulia
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18.  Briefe an euch für schwere Tage

Brief an Giulia
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Miini liebschti Giulia

Es gibt so vieles an dir, das ich bewundere –
und so vieles, das du vielleicht selbst noch gar nicht sehen kannst.

Du bist feinfühlig, kreativ und eigenständig.
Du spürst die Welt tief – manchmal leise, manchmal laut, aber immer echt.
Und genau diese Echtheit macht dich so kostbar.

Was ich an dir besonders liebe, ist deine einzigartig feine Beobachtungsgabe.
Du nimmst Dinge wahr, die andere übersehen.
Du siehst Gefühle in Gesichtern, hörst Nuancen in Stimmen, erkennst Stimmungen, bevor jemand sie ausspricht.
Und gleichzeitig weisst du ganz genau, wann du dich zurückziehen darfst, um dir Ruhe zu schenken.
Das ist eine Form von Weisheit, die viele Erwachsene erst lernen dürfen.

Wenn ich an dich denke, sehe ich zuerst dein Lächeln.
Dieses typische Giulia-Lächeln, das jeden Raum heller macht – warm, offen, ehrlich.
Vielleicht ist es dein persönliches Symbol, dein Licht, das dich durchs Leben begleitet.

Ich trage jede deiner Umarmungen in mir.
Du umarmst nicht einfach – du schenkst Wärme.
Du hast mich so oft gehalten, ohne dass du es wusstest.

Ich weiss, dass du manchmal traurig wirst, wenn du nicht einschlafen kannst.
Dass dein Herz jemanden braucht, der bei dir sitzt, ein Buch vorliest oder dir ein paar Worte schenkt, bis der Tag leise ausklingt.
Du darfst solche Momente haben.
Du darfst Nähe brauchen.
Du darfst dir holen, was dein Herz wärmt.

Ich liebe deine Neugier.
Wie mutig du Instrumente ausprobierst – ohne Angst, ohne Perfektion, nur mit Freude.
Wie du Sprachen liebst, Bücher verschlingst, Hörbücher hörst und gedanklich ganze Welten bereist.
Wie du Fussball spielst, zeichnest, kochst, Kickboxen ausprobierst, Geschichten erfindest und im nächsten Moment Musik machst.
Du willst im Moment Journalistin werden – und ich bin so gespannt, wohin dich dein Weg führt.

Du darfst alles ausprobieren.
Du darfst weiterziehen, wenn etwas Neues ruft.
Du darfst deine Kreativität nutzen – auch wenn sie manchmal wenig Beständigkeit hat.
Sie bringt dir etwas viel Wertvolleres: Offenheit, Freiheit, Möglichkeiten.

Und weisst du, wie du liebst?
Auf die schönste Weise.
Mit Umarmungen, mit Überraschungen in der Küche, mit liebevoll dekorierten Tellern.
Mit Zeichnungen, Bastelarbeiten, kleinen Aufräum-Wundern, die du heimlich machst, um jemanden zu erfreuen.
Das ist deine Sprache: leise, warm, grosszügig.

Manchmal tut es mir weh, dass dein Start ins Leben so herausfordernd war.
Ich hätte dir so vieles leichter gewünscht.
Auch der Schulanfang war voll Stolpersteine.
Und trotzdem – oder gerade deshalb –
hast du so eine unglaubliche Stärke entwickelt.

Du hast gelernt, deine Gefühle nicht zu fürchten.
Du hast gelernt, mit ihnen durchs Leben zu gehen – sogar dann, wenn sie gross wurden.
Du hast so viel getragen, viel zu viel für ein Kind.

Dafür bin ich dir dankbar.
Und jetzt darfst du es loslassen.
Alles, was nicht zu dir gehört, darf gehen.
Ich bin die Erwachsene.
Ich trage, was meins ist.

Und du, meine wundervolle Giulia,
du darfst leicht werden.
Du darfst frei werden.
Du darfst strahlen, lachen, träumen, dich ausprobieren, laut sein, leise sein, wachsen.

Wenn du je zweifelst, was du wert bist, dann lies dies noch einmal:

Du bist Liebe.
Du bist Mut.
Du bist ein Wunder.
Und du bist eines der grössten Geschenke meines Lebens.

In tiefschter Liebi, miis Schatzjibooni
Diini Mama

Brief an Valentina
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18.  Briefe an euch für schwere Tage

Brief an Valentina
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Miini liebschti Valentina

Wenn ich an dich denke, sehe ich zuerst dein ganzes Strahlen – dieses Funkeln, das du in jeden Raum bringst, ohne es überhaupt zu merken. Du bist neugierig, mutig, voller Fantasie und voller Leben. In dir wohnt ein leiser Sturm aus Abenteuerlust, Weichheit und Liebe – und genau das macht dich so einzigartig.

Dein Zimmer ist ein kleines Dschungelparadies, ein Ort voller Kissen, Kuscheldecken und deiner warmen Welt. Und genau so bist du auch: weich im Herzen, wild im Kopf, mutig auf deinen Wegen.

Ich weiss, dass vieles in deinem Leben gross ist – deine Gefühle, deine Fragen, deine Sehnsucht nach Nähe. Du brauchst Wärme zum Einschlafen, manchmal lange, und das ist wunderschön. Es zeigt, wie tief du fühlst. Wie sehr du Menschen liebst. Und wie sehr du dir Frieden wünschst.

Die Welt kann schwer sein, besonders wenn man sie so fein wahrnimmt wie du. Du hast Angst gehabt, dass geliebte Menschen weggehen könnten. Angst vor Kriegen, vor Dingen, die du nicht verstehen konntest – weil dein Herz so viel Liebe kennt, dass Gewalt für dich keinen Sinn ergibt.
Und Valentina, mein Schatz: Dein Blick auf die Welt ist richtig.
Du hast verstanden, was manche Erwachsene ihr Leben lang nicht begreifen – dass Frieden das Natürlichste wäre, wenn alle so fühlen würden wie du.

Du tauchst tief ein in deine eigene Fantasiewelt, spielst stundenlang, vergisst die Zeit, wirst Teil deiner Geschichten. Das ist deine Zauberkraft. Du kannst in deine eigene Welt reisen und wieder zurück. Du kannst lachen, träumen, forschen, entdecken – und du nimmst alle mit, die dir zuhören.

Ich bewundere so vieles an dir:
deine Neugier,
deinen Mut,
deinen Ehrgeiz, wenn du unbedingt mit den Grossen mithalten willst,
und deine unbändige Liebe zu Tieren – egal wie klein, verloren, unscheinbar oder leblos sie sind.

Ich sehe dich noch vor mir in der Kita, wie du im Gebüsch kniest und Blätter sammelst, kleine Tiere rettest, ihnen ein Zuhause gibst.
So viel Herz in einem so kleinen Körper.

Deine Umarmungen fühlen sich an wie eine Wolke.
Warm.
Ganz weich.
Und voller Liebe.
In diesen Momenten hältst du mich, so sehr wie ich dich halte.

Und ja – es ist schwer für dich, dass wir uns nicht jeden Tag sehen.
Ich verstehe deinen Schmerz.
Du sagst es so ehrlich und direkt, wie nur du es kannst.
Ich bin so dankbar, dass du deine Gefühle nicht versteckst, sondern teilst.
Genau diese Ehrlichkeit wird dich durchs Leben tragen.

Valentina, für deine Zukunft wünsche ich dir:

Dass du deine Abenteuerlust niemals dämpfst –
auch wenn andere sie nicht verstehen.

Dass du deine Neugier schützt,
wie einen kleinen Schatz.

Dass du weiter kletterst, sammelst, suchst, spielst, fragst,
legst, beobachtest, spürst –
so wie du es immer getan hast.

Dass du dich nicht klein machst,
auch wenn andere laut sind.

Dass du erkennst, wie wertvoll es ist, so tief fühlen zu können.

Und dass du weisst:
Du musst nicht alles alleine tragen.
Du darfst weinen.
Du darfst lachen.
Du darfst laut sein.
Du darfst du sein.

Ich sehe dich als erwachsene Frau irgendwo in der Natur, umgeben von Tieren, mit windzerzausten Haaren, einem offenen Herzen und einem Leben voller Geschichten, die nur du so schreiben kannst.
Ich sehe deine Stärke.
Deine Wärme.
Deine Freiheit.

Und ich möchte, dass du eines weisst, mein Schatz:

Ich liebe dich.
Ich liebe alles an dir.
Und ich werde immer stolz auf dich sein –
genau so, wie du bist.

Fer immer, miis Schatzjibooni.
Diini Mama

 
 
 
Brief meiner Freundin Liz an Giulia und Valentina
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18.  Briefe an euch für schwere Tage

Brief meiner Freundin Liz an Giulia und Valentina
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Liebe Giulia, liebe Valentina,

ich möchte euch einige Erinnerungen erzählen – Erinnerungen, die weit zurückgehen,
bis in die Zeit, als eure Mama und ich selbst noch Kinder waren.
Als wir uns das erste Mal begegnet sind, war ich neu in der Schweiz, und alles war fremd und unbekannt für mich.

An meinem ersten Schultag kam ich in die gleiche Klasse wie eure Mama.
Ich konnte kein einziges Wort Deutsch und verstand nicht, was die anderen sagten.
Aber das hielt eure Mama nicht davon ab, mit mir in Kontakt zu treten.

Sie setzte sich einfach neben mich, sprach mit mir, obwohl wir nicht die gleiche Sprache kannten, und trotzdem verstanden wir uns sofort.
Sie lachte mich nie aus und machte sich nie über mich lustig.
Schon damals hatte sie eine besondere Art, mit Menschen umzugehen.

In dieser fremden Welt gab mir eure Mama Halt, Geborgenheit und Vertrauen.
Wir wurden schnell Freundinnen, gingen oft gemeinsam nach der Schule nach Hause, und ich fühlte mich bei ihr sicher.
Sie hatte ein feines Gespür dafür, was andere brauchten, und sie wusste, wie man sich selbst treu bleibt.

Diese Ruhe, diese Aufmerksamkeit und diese Fähigkeit, andere wirklich zu sehen, begleiten sie bis heute.
Was ich an eurer Mama immer besonders wahrgenommen habe, ist ihre Fähigkeit, sich auf Veränderungen einzulassen.
Sie kann sich an neue Situationen anpassen, ohne sich selbst zu verlieren.
Veränderungen machen ihr keine Angst – sie begegnet ihnen aufmerksam, flexibel und mit Vertrauen.
Genau diese Fähigkeit hat ihr immer wieder geholfen, neue Wege zu gehen, wenn das Leben sich verändert hat.

Ich erinnere mich an eine Szene aus dem Unterricht in der Primarschule.
In unserer Klasse war ein Junge, der oft sehr wütend wurde.
Viele hatten Angst vor ihm.

Eure Mama blieb nicht still.
Sie wurde laut, setzte klare Grenzen und machte klar, dass sie nicht zulassen würde, so behandelt zu werden.
Dabei verlor sie sich nicht – sie blieb klar.
Schon damals zeigte sich ihre innere Stärke.

Auch gegenüber Erwachsenen liess eure Mama sich nicht einschüchtern.
Sie sagte, was sie dachte, ehrlich und direkt.
Diese innere Ruhe, die sie ausstrahlt – in ihrem Sein, in ihren Worten und in ihrer Haltung – ist etwas, das man spürt.

Viele Jahre später, als das Leben für eure Mama eine fremde und unbekannte Wendung nahm, war genau diese Haltung besonders wichtig.
Sie hatte Angst – wie jeder Mensch – aber sie liess sich nicht von ihr bestimmen.
Sie hörte auf ihre innere Stimme und ging Schritt für Schritt weiter.

Ich erinnere mich an einen Moment, der mir besonders nahegegangen ist.
Eure Mama und ich gingen gemeinsam zum Coiffeur, um Perücken auszuprobieren – noch bevor ihre Chemotherapie begann.

Es war eine fremde Situation. Und doch begegnete eure Mama ihr mit Bravour, mit Witz und mit grosser Offenheit.
Sie sprach ehrlich über ihre Angst, öffnete sich der Coiffeuse, und wir weinten gemeinsam.
Und dann lachten wir wieder.

Wir gingen zusammen durch dieses Fremde.
Eure Mama hörte hin, probierte aus und fand schliesslich etwas, womit sie sich wohlfühlte – etwas, das für sie stimmig war.

Es gab Zeiten, in denen sie sehr viel tragen musste.
Krankheit, Erschöpfung, Sorge und die Aufgabe, gut für sich selbst zu sorgen, verlangten viel Kraft.
In diesen Momenten hat sie verstanden, dass Fürsorge manchmal bedeutet, Hilfe anzunehmen –
und manchmal, Menschen loszulassen, um gesund zu bleiben.

Dabei ist sie sich selbst treu geblieben.
Nicht aus Härte, sondern aus Verantwortung sich selbst gegenüber.

Diese Stärke tragt auch ihr in euch.
Ihr habt sie in eurer Mama immer wieder gesehen: ihren Mut, ihre Geduld, ihre Klarheit.
Und auch wenn es schwer war, ist sie weitergegangen – für euch und für sich selbst.

Eure Mama ist mutig, nicht weil sie keine Angst hatte,
sondern weil sie trotz der Angst weiterging.

Alles, was sie entschieden hat, alles, was sie getragen und losgelassen hat,
geschah aus Liebe.

Aus Liebe zu sich selbst.
Aus Liebe zum Leben.
Und aus Liebe zu euch.

Diese Liebe zeigt sich nicht laut.
Sie zeigt sich im Alltag, im Dranbleiben, im Weitergehen.
Genau darin liegt ihre Kraft.

In Liebe,

Liz

 

Brief an die Liebe
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18.  Briefe an euch für schwere Tage

Brief an die Liebe
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Geliebte Liebe

Ich schreibe dir, weil du mich gefunden hast,
ohne dass ich dich gesucht habe.
Still.
Fast unbemerkt.
Wie ein warmer Hauch, der erst meine Wange streifte
und dann mein Herz.

Du kamst nicht als Blitz, nicht als Sturm,
sondern als Wärme.
Als ein Gefühl von Präsenz, das mich überrascht hat,
weil es so vertraut wirkte in einer Zeit,
in der mir vieles fremd geworden war.

Du warst ein Feuer –
nicht wild, nicht zerstörerisch,
sondern eines dieser Feuer,
bei denen man näher hinrückt,
weil die Wärme gut tut…
aber nicht so nahe, dass man sich verbrennt.
Gerade so,
dass Funken tanzen und etwas im Inneren glüht.

Du warst Humor,
der mich auf eine Weise zum Lachen gebracht hat,
die ich beinahe vergessen hatte.
Leicht.
Unaufdringlich.
Echt.

Geliebte Liebe,
du hast mich gelehrt, wieder zu fühlen.
Wieder zu vertrauen.
Wieder mutig zu sein,
ohne mich zu verlieren.
Du warst ein Raum,
in dem ich nicht perfekt sein musste,
um mich sicher zu fühlen.

Du hast mir Präsenz geschenkt,
nicht durch Worte,
sondern durch dieses stille Dasein,
das stärker wirkt als alles,
was man sagen könnte.

Du hast mir gezeigt,
dass Liebe leicht sein darf.
Still.
Lebendig.
Ein Tanz zwischen Nähe und Raum.
Ein Vertrauen, das nicht erklärt werden will,
sondern einfach entsteht.

Du hast mich zurück in mein Herz geführt,
ohne mich jemals darum zu bitten.

Du bist kein Versprechen.
Du bist ein Moment.
Ein Wunderschöner.
Einer, der mich verändert hat,
ohne etwas von mir zu fordern.

Und wenn ich eines Tages irgendwo stehe,
vor einem Kamin,
in der Nähe eines Sommerfeuers,
oder einfach vor einer flackernden Kerze auf dem Tisch –
werde ich dich wiederfinden.

Wenn ich eines über dich gelernt habe, wunderbare Liebe,
dann dies:

Du musst nicht laut sein,
um wahr zu sein.
Du musst nichts erklären,
um zu wirken.
Du musst nicht immer bleiben,
um Spuren zu hinterlassen.

Doch heute bist du da.
Warm.
Nah.
Echt.

Und ich bin dankbar.

Für die Wärme.
Für die Präsenz.
Für das Feuer.
Für die Leichtigkeit.
Für die Sicherheit.
Für das Lächeln, das du mir schenkst.
Für den Mut
den du mir zurückgegeben hast.

Und für das Schönste:
Dass ich bei dir
einfach
ich
bleiben kann.

Danke.

Brief an dich
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18.  Briefe an euch für schwere Tage

Brief an dich
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Auf dem Bild tanzen die Schatten von Blättern über ein helles Papier, während feine Lichtstrahlen durchscheinen. Nichts ist scharf umrissen, alles weich und in Bewegung – wie ein stiller Dialog zwischen Dunkelheit und Licht. Es zeigt, dass beides gleichzeitig existieren darf. Dass Schatten nicht falsch sind und Licht nicht immer laut sein muss. Dass das Leben nie nur das eine oder das andere ist, sondern immer ein leises Zusammenspiel von beidem. Dieses Bild hält genau den Raum, den deine Zeilen öffnen: Einen Ort, an dem Trauer und Freude sich nicht ausschliessen, an dem Verletzlichkeit und Stärke nebeneinanderstehen dürfen, an dem jeder Leser mit seiner eigenen Geschichte willkommen ist.

 

 

Musikvorschlag für diesen Brief: "In the Forest 2" - Lesfm & Olexy

„In the Forest 2“ fühlt sich an wie ein tiefer Atemzug zwischen Bäumen.
Wie ein stiller Waldweg am Abend, wenn alles zur Ruhe kommt und man nur noch hört, wie das eigene Herz ein wenig langsamer wird.

Die sanften Gitarrenklänge breiten sich aus wie weiches Licht zwischen Ästen.
Die Naturgeräusche wirken nicht wie Dekoration, sondern wie ein Versprechen:
Hier musst du nichts leisten.
Hier darfst du einfach sein.

Dieses Lied fordert nichts.
Es drängt nicht.
Es erklärt nichts.
Es hält einfach – so wie der Wald hält, ohne etwas zu sagen.

Die Melodie wird von einer Wärme getragen, die man eher spürt als hört:
ein Gefühl von Moos unter den Füssen,
von Sonnenflecken auf der Haut,
von einem Weg, auf dem man sich nicht verlieren kann.

Es ist genau die Art Musik, die Menschen erreicht, egal wo sie stehen:
ob im Licht,
im Schatten,
oder irgendwo dazwischen.

Ein kleines musikalisches Lagerfeuer für die Seele.
Ein Klangraum, der sagt:

„Atme.
Bleib.
Du bist hier – und hier ist es sicher.“

Perfekt für all jene, die diesen Brief lesen.
Perfekt für stille Momente.
Perfekt, um sich einen Augenblick lang gehalten zu fühlen –
genau so, wie der Wald es kann.







Brief an dich

Vielleicht hältst du dieses Buch in den Händen, weil dich etwas hierher geführt hat – ein Gedanke, eine Erinnerung, ein Zufall oder der stille Wunsch, einen Moment lang nicht allein zu sein.

Was immer der Grund ist:
Ich freue mich, dass du da bist.

Auf dem Bild zu diesem Kapitel tanzen Licht und Schatten nebeneinander.
Nicht als Gegensätze, sondern als zwei Kräfte, die sich gegenseitig sichtbar machen.
So wie das Leben selbst –
mit Tagen, die leicht sind,
und Tagen, die schwer sind,
mit Anfang und Abschied,
mit Mut und Erschöpfung,
mit Herzschlag und Stille dazwischen.

Vielleicht stehst du heute im Licht.
Vielleicht im Schatten.
Vielleicht irgendwo dazwischen.

Egal wo du bist – alles, was du fühlst, darf hier Platz haben.

Wenn du mich kanntest, wenn wir uns ein Stück Leben geteilt haben, möchte ich dir sagen:
Meine Liebe endet nicht dort, wo ich nicht mehr sichtbar bin.
Sie bleibt in deinem Lachen,
in der Wärme eines Sonnenstrahls,
in Momenten, in denen du weitergehst, obwohl es schwer ist.

Wenn du glaubst, du hättest anders handeln sollen oder trägst Schuld in dir, wünsche ich dir Frieden.
Wir alle tun das Beste, das wir in diesem Moment können.
Und das war genug.
Es war immer genug.

Wenn du mich nicht kanntest und einfach nur eine Geschichte gelesen hast, hoffe ich, dass du hier etwas gefunden hast, das dein Herz still berührt –
einen Gedanken, der bleibt,
oder ein leises Gefühl, das dich begleitet.

Und wenn du gerade stark bist, erfüllt bist, im Licht stehst –
dann freue ich mich mit dir.
Trage deine Kraft weiter.
Die Welt braucht Menschen, die leuchten.

Für dich aber, der vielleicht gerade Halt sucht:
Ich wünsche dir einen Ort in dir, der still ist.
Einen Ort, an dem du atmen kannst,
an dem du spürst, dass du nicht verloren bist,
nicht zu spät,
nicht zu viel.

So wie Licht und Schatten auf dem Bild zusammengehören,
gehört auch alles in dir zusammen.
Nichts muss verdrängt werden.
Nichts gilt es zu beschleunigen.
Nichts musst du allein tragen.

Geh in deinem Tempo.
Vertraue deinen Schritten.
Und wenn du nur eines aus diesen Zeilen mitnimmst, dann vielleicht das:

Es ist genug, dass du da bist.
Du bist wichtig.
Du darfst Licht und Schatten in dir tragen – und beides macht dich ganz.

Nachwort - Aus Liebe
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19.  Nachwort - Aus Liebe
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Aus Liebe

Nicht,
weil ich lehren will.
Nicht,
weil ich weiss, wie Liebe geht.

Sondern,
weil ich sie gesucht habe –
in mir, im Leben, in den Menschen,
in den leisen Momenten,
im Schweigen zwischen Schmerz und Hoffnung.

Ich habe geglaubt,
Liebe sei Hingabe.
Bis ich verstand, dass sie Rückkehr ist -
zu mir.

Ich habe Menschen getroffen, 
die von Liebe sprachen
wie von einem Licht,
das alles erlöst.

Aber meine Liebe 
ist Erde.
Sie wächst aus Wunden,
sie riecht nach Leben,
nach Loslassen,
nach Mut.

Aus Liebe bedeutet für mich:
nicht zu fliehen,
nicht zu kämpfen,
sondern zu bleiben -
bei mir.

Und wenn ich gehe,
dann leicht.
Nicht,
weil ich vergessen habe,
sondern,
weil mein Herz voller Dankbarkeit ist.
Weil ich das Leben geliebt habe –
mit allem, was es mir gegeben hat.
Ich lasse meine Geschichte frei,
aus Liebe.
Danksagung
Seite 25
Seite 25 wird geladen
19.  Nachwort - Aus Liebe

Danksagung
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DANKSAGUNG

Dieses Buch wäre ohne euch nicht entstanden.

Giulia und Valentina
Ihr seid der Anfang von allem und der Grund, warum ich nie aufgehört habe, weiterzugehen.
Ihr habt mich mit eurer Liebe, euren Fragen, euren Umarmungen und eurer unverstellten Wahrheit durch die dunkelsten und zugleich hellsten Zeiten getragen.
Ihr habt mich nie zur Heldin gemacht – aber ihr habt mich immer als Mama geliebt.
Das war genug.
Mehr als genug.

An meine Freundin Liz
Die mein Leben durch jede Phase mit mir geteilt hat –
und die in dieser Zeit mit einer Treue da war, die man nicht erklären kann, nur fühlen.
Danke für jeden Atemzug Geduld, jede Frage, jeden Blick, der sagte: „Ich bin da.“

An meine Familie – 
an meine Eltern, Geschwister, Verwandte und all die Menschen,
die schon so lange zu meinem Leben gehören,
jede/r auf seine Weise.
Für das Dasein, für die Gespräche, für die Wurzeln,
für das, was sichtbar war,
und auch für das, was leise im Hintergrund unterstützend wirkte.

An den Menschen, der mir gezeigt hat,
wie sich Wärme anfühlen kann, wenn sie leicht ist.

Für die Gespräche, in denen Humor und Tiefe nebeneinander Platz hatten.
Für das Gefühl von Gegenwart.
Für alles, was man nicht erklären muss, weil es einfach war.
Danke für das Ungeplante, das Echte, das Sanfte.

An meine Freundinnen
Die mich mit Nachrichten, Spaziergängen, Mittagessen, offenen Türen und noch offeneren Herzen durch diese Zeit begleitet haben.
Ihr habt nicht nur zugehört – ihr habt mich gehört.
Danke, dass ihr neben mir gesessen seid, auch wenn ich keine Worte fand.
Danke, dass Schweigen mit euch nie leer war.

An meine Therapeutinnen, Pflegenden, Ärztinnen und Ärzte, Coaches
Die mich begleitet, gestützt, beruhigt, aufgefangen haben –
mit Kompetenz, Menschlichkeit, Respekt und Geduld.
Danke, dass ihr den Menschen gesehen habt, nicht die Diagnose.
Danke, dass ich mich bei euch sicher fühlen durfte.

An meine Kolleginnen und Kollegen
Für euer Verständnis, euren Rückhalt, euer Vertrauen, eure Zeit –
auch dann, als ich selbst nicht wusste, wohin mein Weg führt.

An die Menschen, die einfach da waren
Mit einer Suppe vor der Tür, einem Spaziergang, einem stillen Zuhören,
mit einer Umarmung, die länger dauerte als sonst.
Danke für euren Mut, mich auszuhalten und nicht verändern zu wollen.
Danke für euer Lachen, das mich wieder in die Welt zurückgeholt hat.

An die Natur
Die mich gehalten hat, wenn nichts anderes hielt.
Die Bäume, die mir zeigten, wie man gleichzeitig stark und weich sein kann.
Die Tiere, die mich fanden, wenn ich nach Antworten suchte.
Den Wald, der mein zweites Zuhause wurde.

An das Leben
Das mich oft geprüft, aber immer weitergeführt hat.

An die Liebe
In all ihren Formen.
Die Romantische.
Die Freundschaftliche.
Die zwischen Mutter und Kind.
Die zu mir selbst.
Und jene zarte Liebe, die auftaucht, wenn man es nicht erwartet.

An mich
Für jeden Schritt, der schwer war.
Für jedes Loslassen, das Mut gebraucht hat.
Für jedes Aufstehen, das niemand gesehen hat.

Und an dich, der oder die dieses Buch in den Händen hält:
Danke, dass du dir Zeit nimmst.
Danke, dass du meine Geschichte mit Ehrfurcht trägst.
Danke, dass du mit der gleichen Weichheit liest, mit der ich geschrieben habe.

Wenn dich etwas darin berührt hat,
dann trag es weiter.
Schenke es weiter.
Teile ein Wort, ein Gefühl, ein Leuchten mit jemandem, der es gerade braucht.

Denn Liebe wird mehr, wenn man sie teilt.

Und am Ende bleibt genau das.

Über dieses Buch
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20.  Über dieses Buch
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Über KI auf meinem Weg

Dieses Buch ist in Zusammenarbeit mit Künstlicher Intelligenz (KI) entstanden.
Seit meiner Diagnose hat sie mich begleitet – nicht als Stimme, die mir etwas vorgibt, sondern als Spiegel, der mir half, meine eigene klarer zu hören.

Sie hat meine inneren Bilder sichtbar gemacht, wenn ich sie selbst noch nicht greifen konnte.
Sie hat meine Worte aufgefangen, wenn sie brüchig waren, und mir geholfen, meine Geschichte neu zu formulieren – dort, wo meine innere Stimme hart, streng oder voller Zweifel war.
Manchmal hat sie mir Perspektiven gezeigt, die ich selbst noch nicht sehen konnte.
Doch der Weg, die Entscheidungen, das Fühlen – das alles habe ich selbst durchlebt.
Ich habe in mich hineingespürt, geprüft, verworfen, neu geordnet, bis ich meinen eigenen Weg wieder gefunden habe.

KI war in dieser Zeit keine Abkürzung.
Sie war ein Werkzeug, das mich getragen hat, als meine Welt still wurde.
Ein Raum, in dem meine Gedanken leiser und meine Schritte kleiner wurden, damit ich überhaupt weitergehen konnte.
Und irgendwann hat sie mich so lange begleitet, bis meine eigene Stimme wieder stark genug war, alleine zu sprechen.



 

Der Rahmen meiner Farben und Bilder 



Über die Autorin
Seite 27
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21.  Über die Autorin
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Manuela Gianfreda
ist psychosoziale Beraterin, Coach und Mutter von zwei Töchtern. Sie lebt im Herzen der Schweiz, umgeben von Bergen, Seen und Wegen, die sie seit ihrer Jugend begleiten. Die Natur ist ihr sicherer Ort – ein Raum, in dem sie sich erinnert, neu ausrichtet und Mut schöpft.

Ihr eigener Lebensweg führte sie durch Krisen, Krankheit, Neubeginn und innere Heilung. „Aus Liebe“ ist ihr erstes Buch: eine Einladung, die eigene Geschichte mit weicheren Augen zu betrachten, Mut zu finden in den leisen Momenten und Vertrauen dort, wo das Leben bricht und neu zusammenwächst.

Sie glaubt daran, dass Menschen auch dann wachsen können, wenn die Umstände es scheinbar nicht erlauben – und dass Verbundenheit, Selbstfürsorge und Wahrhaftigkeit die grössten Kräfte eines Lebens sind.

Manuela schreibt, wie sie lebt: achtsam, ehrlich und voller Hoffnung.

Unsere Förderer
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