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Von Beatrice Fehr
Sonnenkind
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Beatrice Fehr
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Egal wie weit der Weg .... leuchtende Pfützen
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6.1.
Sonnenkinder
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Auszeit
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8.1.
Oktober 2020
Raumgedanken mit erster Erinnerung
Seite 1
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1.  Raumgedanken mit erster Erinnerung

 

 




                           
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Schwestern

 




Ich erzähle mit Erinnerung und meiner Wahrnehmung aus meinem Leben. 
Im kleinen Land in dem ich aufgewachsen bin, galt es Vieles für sich zu behalten oder für sich zu hüten.
In dieser "Ratio" liegt aber auch eine Gefahr etwas auszulassen, dass ich doch erlebt hatte.


 


Einstimmung 

Raumgedanken mit erster Erinnerung

Farbige Gedanken. Wieder diese Pracht. Schnee liegt auf den Feldern, endlos die Weite. Still die Nacht, leises Rieseln, hell die Flocken, reflektierend. Im Raum das Licht der Laterne. Schauen, einfach nur Schauen. Diese Gedanken, erst schüchtern, schweifend dann bewusst. Eindrücke von Außen. Übersetzen in Worte. Schreiben in Farbe, nein, nur mit Graphit.

Bleich das Blatt, nicht abschweifen, weiter. Feines Gelb im Lichtstrahl der Leuchte. Stille im Raum. Befreit vom Alltag. Schreiben und dieses Gefühl. Versunken, bei mir. Welches Kolorit? Nachtschwärmer.

Raum für mich, dich eingeschlossen. Ich brauche viel, du? Raum auch von räumen, sich Platz schaffen, nehmen, ausfüllen, genießen, nicht zu viel Fülle. Zu Viel? Mein innerer Raum darf sich voll anfühlen. Selbst sein, jubelnd, geheimnisvoll, genährt mit Erinnerung, beschützt und gelassen. Zart, manchmal wartend bis er wieder betreten werden kann. Der Raum. Innen, Aussen.

Annäherung an die Pinsel. Einer borstig, breit, weich und fein der Andere. Steif und noch voller Farbreste der Dritte. Gewählt die Drei. Nun los, ab zum Blatt, zu schnell, die Farbe fehlt. Ich nehme Erde, weich gemacht mit Wasser, toll. Näher der Muse? Wie macht Frau das? Klecksen, kritzeln, sammeln, aufreihen, niedermalen, auswählen, zusammenfügen, darüber sehen.

Sie bleibt weg, die Ruhe, fühlt sich nervig an, ungestüm, will raus aufs Papier. Gelassenes Atmen? Unmöglich. Doch noch raus, weg vom Haus, ab in den Wald. Nimm es mit das Tier, tapsig und sanft sein Gang, schnüffelt im Schnee, beruhigt mein augenblickliches Wesen. Im Gehen langsam die Entspannung, die Schultern lockerer, fliessend das Schnaufen. Dunst steigt auf. Bald im Nebel. Umhüllt vom feinen Kleid, Raureif legt sich auf meinen Mantel, warm werden meine kühlen Backen.

Zurück, entspannt, müde und froh. Ich schlafe und im Traum, die Pinsel, viele.
(b.fehr)



Wenn ich in meinen Fotoalben blättere, meine ich sagen zu können, bei der Geburt meiner Schwester, ich war dreieinhalb, weiss ich noch genau:
Wir wohnten in einem kleinen Haus an der Rösligasse in Liechtenstein. Mama gebar meine Schwester zu Hause und weil anschliessend die Nachgeburt nicht kommen wollte, musste sie noch ein oder zwei Tage ins Krankenhaus. So erzählte es mir meine Mama.
In diesen Tagen waren meine Grosseltern aus Rorschach bei mir und halfen meinem Papa im Haushalt bis meine Mama wieder stark und wohl war. 
Ich hatte nun eine Schwester, s`chlina Brigittle. 

Unser Haus, umgeben mit Wiesen, Garten, Sandkasten, einer wunderbaren Schaukel und einem Wäschgräbli. Das Wäschgräbli, ein Stinkebach mit hunderten von Kröten, umgeben von Brennesseln und dunklen Tannen, bildete die Grenze zu unserem Haus im Westen. Ein Anziehungspunkt für meine Spiele und die von meinem Freund "Ernstle". 
Grenzen waren scheinbar für mich da, um diese zu testen, zu überschreiten oder mindestens versuchsweise daran zu rütteln und ich fiel nicht nur einmal in das trübe, stinkende Gewässer. In der Waschküche wurde ich dann abgeduscht und geschrubbt bis ich wieder geruchs-neutral war. 

                   
()

Glücksschaukel

 

Hinter dem kleinen Haus war eine Lastwagenwerkstatt, eine Autowerkstatt. "Dä Laschtwage-Beck" hiess er bei uns. Der grosse Abstellplatz mit vielen Schrott-Autos bot sich an um Kurbelwellen zu bestaunen, mit Motorenöl zu schmieren und die Auto-Wracks zu erobern, am Steuer zu sitzen und unseren Träumen Realität zu geben.
Dorthin zu fahren, mit lautem Plappermaul-Motorengeräusch, wohin die Fantasie uns trug.

Ernstle und ich verstanden uns prima, ich hatte viele Ideen, er bewunderte dies, er hatte immer die spannenden Träume, bewundernswert für mich und er war immer bereit, meine Ideen in die Tat umzusetzen.

Wir bauten tolle Hütten, begruben tote Mäuse, spielten Doktor, ich die Krankenschwester, spielten Mama und Papa, spielten Verkäufer und er fuhr Traktor. Wir liessen meine Hasen auf der freien Wiese hoppeln und mussten nicht selten mal eine "Such-Truppe" aufbieten mit allen Nachbarskindern, um die ausgebüxten Felltiere zu finden. 
Unsere Zweisamkeit, so sagen wir heute noch war nicht zu stören, wir waren einander Stütze und schenkten uns gegenseitiges Vertrauen, Bewunderung und Respekt und stritten manchmal.
Die Welt war genau so, Richtig.

Mama war da, falls ich sie brauchte zum Trösten, zum Verbinden von kleinen und grossen Blessuren. Diese Zeit beruht auf meinem vierten, fünften Lebensjahr, Ende der fünfziger Jahre.
Ich fühle und weiss, ich bekam viel Zuwendung und Geborgenheit. Ich mag mich an Mamas grüne Seidenbluse mit grauen Tupfen erinnern und den Duft der mich umhüllte, wenn ich in ihrem Arm liegen konnte, an die Sonntage wenn ich in ihr Bett kroch und zwischen Mama und Papa im Gräbli liegen konnte.
An Papa`s dicken Kuss auf meiner Backe wenn er von der Arbeit nachhause kam.

Meine Schwester war damals ein oder zwei Jahre alt.
Meine Mutter erzählte später: "Du bist nie eifersüchtig oder neidisch gewesen auf deine Schwester, du hattest sie sehr gerne und bist auf deinen Ernstle konzentriert gewesen. 

Beim Doktor spielen kam Ernstles Mutter und fand uns nackt in der Garage, es gab einen grösseren Aufstand und wir wussten nicht wie uns geschah, wie hatten uns doch nur untersucht, wie eben beim Doktor. So wie ich es beim "richtigen" Doktor eben erfahren hatte weil mich eine Angina plagte. Ernstle musste drei Tage zu Hause bleiben, ich durfte nicht mit ihm spielen. Doktorspiele waren also verboten! Das tut man nicht, war lediglich die Erklärung.
Manche Ereignisse, die in diese Jahre fielen, erinnern als behütet mit viel Freiheit und als eine genussvolle, frohe und sorglose Zeit.

Wir bekamen oft Besuch von Onkel Ernst und meiner Gotte Friedel, von Elfie, der Cousine meines Vaters, von Mama`s Eltern aus Rorschach. Dann gab es auch sicher feinen Kuchen und wir unternahmen Spaziergänge ins nahe gelegene Riet oder hinaus zum Rhein.

Wenn Nana und Neni die Pflegeltern von Papa mal vorbeischauten, war die Stimmung oft gedrückt, ich wusste nicht warum. Nana hatte eine schrille Stimme, ob das wohl daran lag? 

Mama kochte immer sehr gut und auch unsere Geburtstage waren für alle ein Fest. Meine Lieblingsspeisen waren ihre Käsespätzle, die sie mit saurem Käse abgeschmeckte mit ordentlich gerösteten Zwiebeln obendrauf. 
Ihre wunderbaren Zwetschenknödel mit Mandel-Brösel und Zimtzucker.
Zum Dessert oder am Sonntag gab es oft Apfeltorte mit dickem, fettem Rahm. Wundervoll.

Ich erlebte Mama als liebevoll, manchmal ein bisschen aufgeregt, sanft und sehr bedacht auf Frieden. So wurde ich auch immer wieder ermahnt, nicht zu streiten, sei lieb zu Brigittle und kein Streit mit Ernstle.

Mama und Papa stritten wohl nie. Wenn Papa abends nachhause kam, ging Mama ihm entgegen und sie begrüssten sich liebevoll.
Als Papa einige Tage zuhause bleiben musste, er war krank, hörten wir zusammen im Radio Beromünster Musik, pflückten die reifen Himbeeren im Garten und spielten mit seiner Eisenbahn.
Diese hatte er selbst gebaut und ich war der Lokführer, er spielte den Schaffner.
An den Wochenenden fuhren wir immer mal wieder in die nahen Alpen und wanderten, suchten Himbeeren und Heidelbeeren, starrten endlos auf die Erde um Pilze zu entdecken, brätelten eine Wurst und hielten die Brotstücke über das zu heisse Feuer bis sie schwarz waren, assen es trotzdem, tranken heissen oder kalten Tee aus der Thermosflasche.
Zur Holunderzeit spazierten wir an den Rhein, im Wäldchen entlang dem Rheinufer pflückten wir die reifen Holder-Dolden. Mama kochte feinen Gelée, Konfitüre, Sirup und Papa versuchte Holunderwein herzustellen.

Im Garten musste ich öfters auch mal Unkraut jäten, beim Abernten von Beeren und Bohnen helfen, die ausgegrabenen Kartoffeln auf nehmen und eben den Hasen Futter bringen und schauen, dass sie nicht ausbüxten. Sie sollten nur im eingezäunten Bereich auf der Wiese bleiben.

Für Mama konnte ich Milch aus der Dorfmolkerei holen.
Ernstle und ich hatten die gefüllten Milchkessel beim nachhause laufen immer mal wieder geschwungen, hin und her und rundum. Daheim war dann nur noch ein kleiner Rest-Milch in den blechernen Kessel.

Und sonst, ja, ich konnte spielen bis Ewig.

Es war immer schönes Wetter. Ich war ein Sonnenkind. Im Herzen.
Obwohl, scheinbar gab es doch auch trübes, regnerische Tage, auf Fotos sehe ich Gummistiefel. Die waren sicher nur rund um das Wäschgräbli gedacht.

Wahrscheinlich mit fünf oder sechs Jahren, fürchtete ich mich vor der dunklen Kellertreppe. Unter der Treppe sass bestimmt der Wolf auf dem Kohlehaufen.
Niemand hätte mir die Angst nehmen können, aber mit dem Erzählen vom "Wolf und den sieben jungen Geisslein" und meinem Miterleben und Durchstehen der Angst mit diesem Märchen, habe ich das Gefühl des Verschlungenwerdens wohl bewältigen können oder glaubte wohl an eine "Wiedergeburt" aus dem Bauch des Wolfes.
Alles wird wieder gut!

Das Märchenbuch von den Gebrüdern Grimm habe ich heute noch. Mama hat uns oft vorgelesen aus dem dicken Buch; Rapunzel, Aschenputtel, die sechs Schwäne, Schneeweisschen und Rosenrot und wie sie alle heissen. 


Mit sechs Jahren durfte ich den Kindergarten besuchen. Der schöne Garten rund um den Kindergarten war malerisch und es gab sehr viele andere Kinder zum spielen. Nur an Weniges in diesem Jahr mag ich mich erinnern, die feinen Znüni, die herzigen Hausschuhe, an die dicke, rothaarige Kindergärtnerin mit Namen "Ludmilla" die immer fein roch und die lustigen Augen, die hinter Brillengläsern glänzten, wenn sie ein Lied mit uns sang.

Wir ziehen aus......Umzug
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2.  Wir ziehen aus......Umzug

Meine Eltern hatten Bauland von Nana und Neni bekommen, unsere neues Heim grenzte an das Haus von Nana und Neni. Im Jahr 1965 verliessen wir die Rösligasse. Wir bezogen unser neues Zuhause, zwar in der gleichen Gemeinde, doch für mich war vieles Anders. 

Kein Ernstle im übernächsten Haus. Oft an Sonntagen besuchten wir die "ehemaligen Nachbarn". Es war eine andere Zeit, unser Revier, mein Revier hatte sich verändert.

Nicht mal mehr Hasen hatte ich zu betreuen. Ich bekam dann Zebrafinken, zwei Vögel mit rotem Schnabel, sehr unruhige Tiere in einem Käfig und meine Schwester bekam ein Hamster, der schlief immer. 
Ich hatte mir eine Katze gewünscht, das ging nicht wegen Nana und Neni. Die hatten einen Hund, Rasse Dackel. Katz und Hund vertrugen sich schon rein theoretisch nicht und das noch im selben Garten. 
Um mich zu trösten baute Papa mir ein Gehege für meine  Schneckenzucht.  Die Schnecken klebten eifrig zusammen und innert Wochen schlüpften aus den erst glasig, weissen Eiern die ersten Kleinst-Schneggli. 

Papa brachte mir von einer Wanderung eine kleine Krähe mit. Sie lag halb verhungert am Waldboden und er nahm das kleine Vieh in seine Obhut. Ich konnte das fedrige Geschöpf mit viel zu grossem Schnabel aufpäppeln. Papa zimmerte ein grosse Stallung und unser "Jeffrey" gedieh. Zum Fliegen lernen stieg ich mit ihm auf den nahen Birnbaum, setzte das Tier auf einen Ast und sprang selbst hinunter. Jeffrey flog doch tatsächlich und landete flugs auf meine Schulter. Jetzt war es klar, ich war die "kleine Hexe" und er? Nein er hiess Jeffrey nicht Abraxas.
Zudem ich war ja auch schon zehn Jahre jung und eben, Realität war Realität.

Oft fühlte ich mich eingeschränkt in meinem Tun, denn Nana und Neni waren allgegenwärtig, dominant autoritär. Die Beiden waren nicht nur einmal das Thema bei meinen Eltern. Mama war wohl auch nicht die gewünschte Schwiegertochter. Konnte das wohl sein, denn mein Papa war ja nicht das leibliche Kind von Nana und Neni?
Oft hiess es, "benimm dich, was denken sonst Nana und Neni oder die Nachbarn". Mir gefiel das neue Zuhause nicht. Die Leichtigkeit in meinem Leben war nicht mehr dieselbe. Zudem, ich benahm mich immer gut!

Es war also doch nicht immer Sonnenschein, es regnete im Herzen. 

Am Tisch oder Abends erzählten meine Eltern in diesen Jahren von sich, von ihrer Kindheit. 
Meine Grossmutter aus Rorschach arbeitete als Dienstmädchen in einem Fabrikantenhaushalt in Deutschland. Sie verliebte sich in den Sohn des Hauses, wurde schwanger und gebar Maria, meine Mama. Bald darauf verlor sie ihre Anstellung und reiste dann in die Schweiz um in Rorschach in einem Geschäftshaushalt für Haushalt- und Eisenwaren wiederum als Dienstmädchen zu arbeiten.
Das beruht auf die Zeit Anfang der 30iger Jahre. Mama zweijährig, blieb bei ihren Grosseltern in Deutschland. Erst als ihre Mutter heiratete, zog Mama zu ihrer Mutter und den viel jüngeren zwei Halbschwestern. Laut Kinderausweis war das im Jahre 1937. Mama war beinahe zehn Jahre alt. 

Vom Krieg der in diese Zeit fiel, erzählten mir meine Eltern kaum etwas. Auch Grossmutter nicht.
Ich erfuhr erst in der Schule darüber. Doch heile Welt! In Liechtenstein war das wohl so.

Mama erlernte den Beruf zur Kunststopferin (Flicken von Wäsche und Seidenstrümpfen). Anfangs der fünfziger Jahre verliebte sie sich in Adolf, meinen Papa.


Papa`s biologische Eltern hatten sich scheiden lassen.
Papa und seine Schwester kamen dann zu "Pflege-Eltern". Mit zehn und dreizehn Jahren kamen die beiden Kinder zu Jakob und Maria in Liechtenstein. Maria war die Schwester von Papas Mutter. 
Seine Kindheit bezeichnete er als traurig und lieblos. In seinen Schulferien arbeitete er bei Bauern und half dort als Knecht. Das verdiente, wenige Geld, musste er zu Hause abgeben.

Papa erlernte dann den Beruf zum Kunst-Schlosser,  bildete sich dann weiter zum technischen Konstrukteur. Er entwarf und zeichnete Heizkessel, beziehungsweise Heizbrenner. 
Auf dem jährlichen Volksfest zu Ehren des Fürsten von Liechtenstein am 15.August verliebte er sich in Maria (meine Mama)
1953 heirateten meine Eltern, am 15.August 1955 kam ihre erste Tochter zur Welt, sie heisst Beatrice Maria.
Meine Grossmutter hatte am selben Tag Geburtstag. 43 Jahre liegen dazwischen.

Schulzeit
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3.  Schulzeit


Zu meinem ersten Schultag bekam ich einen roten Schulthek aus Leder mit einem roten Etui für meine Farbstifte. Mama begleitete mich am diesem Tag zur Schule. Schwester Reineldis, eine Nonne, war meine Primarlehrerin. Ich mochte sie gerne, obwohl sie mir vorkam wie ein Mensch aus einer anderen Welt. Sie hatte eine weisse Haube auf dem Kopf mit einem schwarzen Schleier. Die Schwesterntracht mit ihrem schwarzen langen Kleid sah elend unbequem aus. Ich nahm ihren Körpergeruch wahr, wie meine Grossmutter, sie roch nach Kernseife und Lavendel.
Die Haube drückte ihr wohl sehr auf die Stirn, so dass es dicke Falten auf die Stirnhaut warf. Ich hatte grossen Respekt vor ihr. Sr. Reineldis gehörte zum Orden des "kostbaren Blutes". Sie hatte ihr Leben Gott geweiht, erklärte mir meine Mutter.
Ich sollte brav sein, mich benehmen und fleissig lernen und gute Noten heimbringen. Der Auftrag war klar. 

Bis dahin war ich ziemlich sicher ein problemloses Kind, selbständig, immer gut aufgelegt, machte vieles mit mir selber ab und hatte ja Ernstle um Gedanken oder Fragen auszutauschen. Vielleicht auch mal ein bisschen eigensinnig oder waghalsig aber diese Eigenschaft wurde mir nur erzählt. Ich kann das nicht so wahrnehmen. Ich meine, mein Wesen war auch sehr angepasst.
Die ersten Jahre lernte ich fleissig und interessiert und oft waren meine Wünsche zu Weihnachten oder zum Geburtstag ein Buch. Lesen wurde für mich Eintauchen in eine fantastische, geheimnisvolle, fremde, weite Welt.  

Mein Lehrer in der fünften Klasse, ein strenger, herzensguter Mensch mit "Hängebacken" und sanften Augen, empfahl meinem Vater, mich ins Gymnasium zu schicken. Papa war dagegen: " Du bisch a Määtle, was wetsch mit enera Matur, gang is Kloschter, döt chasch d'Handelsschuel mache". 

Ich bestand 1967 die Aufnahmeprüfung und wurde in das erste Jahr aufgenommen. Eine fünfjährige Schulzeit stand mir bevor mit einer dreijährigen Sekundarstufe und im Anschluss zwei Jahre mit dem Abschluss eines Handelsdiploms.

Anpassung war ich ja inzwischen gewohnt aus der Zeit unseres Umzuges, aber hier in diesen Klostermauern, das war noch eine Stufe enger. Es begann eine Zeit mit Kopfnicken. Diskussionen mit den Nonnen oder zuHause waren nicht gewünscht.
"Es git e cha Diskussion".

Eine Nylonschürze, die zu tragende Kleidung im Schulunterricht, reichte bis zum Knie, die eigenen Kleider darunter, gemeint waren Jupes, Kleider und nur solche durfte man tragen, hatten beim Knien am Boden an zu stossen. Dazu gab es ab und dann Kontrollen, die ganze Klasse kniete sich meist in der Turnhalle auf den Boden und so konnte gesichtet werden, wer gegen die Regel verstossen hatte. Zu dieser Zeit war doch der Minirock so modern.

Der Aufklärungsunterricht, so hiess der wirklich, brachte uns Mädchen bei, dass Küssen mit Jungs verboten und eine Sünde ist. Gut, dass ich das mit meinen bald vierzehn Jahren noch nicht ausprobiert hatte. Der Mensch als sündiges Wesen, ging zweimal die Woche in die klostereigene Kapelle und bereute. Gott, Demut und Gebet waren zentrales Thema. Was da alles Sünde sein konnte? Und mit diesem Gott wurde mir oft Angst gemacht. Wenn du nicht...dann bestraft dich der liebe Gott.
So nach dem Motto, Sei nicht du selbst. Habe keine eigenen, schon gar nicht sündigen Gefühle und Gedanken. 

Ich trat in Rebellion, wurde schulisch immer schlechter. Mathe, Französisch waren eine Katastrophe und ich hatte auch ein schlechtes Gewissen und fürchtete meine Noten zu zeigen für Papas Unterschrift. Ich überlegte gar selbst zu unterschreiben. 
Mein Vater konnte ganz schön streng sein aber vielleicht war er einfach hilflos. Ihn hatten doch meine Noten bis und mit fünfter Klasse so stolz gemacht.

Im Winter fuhr ich oft am Mittwoch-Nachmittag in die nahe Alp Malbun zum Skifahren. "Trainierte" mit anderen Jungendlichen aus dem liechtensteinischen Ski-Kader oder fuhr mit Freundinnen auch mal ein paar Stangen. Wir steckten uns Riesenslalom oder Slalom aus, so wie wir es eben konnten. 
Im letzten Lauf brach ich mir mein Bein, ein komplizierter Splitterbruch und somit fehlte ich zwei Monate in der Schule. Ich war im vierten "Klosterjahr".

Probleme waren angesagt. Damit setzte ich wohl ein Votum gegen diese "Missstände", so sehe ich das Heute. Das eigene Unwohlsein, die regnerischen Tage, die Zwänge die mir auferlegt wurden, die neue Autorität mit vielen Strafen und Verboten die meine Eltern seit dem Umzug ins neue Haus an den Alltag legten.
Ihre Angst, die sich auf mich übertrug?
Ich hatte genug, wieder zurück in der Schule benahm ich mich quer, rauchte Zigaretten  mit Freundinnen in der heiligen Kapelle und nach zweimaligem Verweis und den zusätzlich noch schlechteren Noten, "flog" ich von der Schule.

Mit Schwester Brigitte geriet ich auch immer öfters in Rage, die war aber auch so was von blöd! War keineswegs mehr das Brigittle, eine richtige Zicke konnte sie sein.

Es war mir völlig gleich was nun passierte, die Folgen konnte ich jedoch nicht abwägen. Was ich nun machen sollte, war mir unklar. Ich hatte keinen Plan.
Zudem war es mitten im Jahr. Von Heute auf Morgen stand ich vor der Berufswahl.
Bei unserem Hausarzt fragte ich nach, schnuppern zu dürfen. Er nahm mich gerne bei sich auf und ich durfte einige Wochen bei ihm sein. Durch sein grosses Verständnis für meine Situation, empfahl er mir noch andere medizinische Berufe anzusehen. Im Spital konnte ich noch als "Krankenschwester" schnuppern. Dies sagte mir aber weniger zu, vor allem weil es mich manchmal arg grauste.

In Chur besuchte ich dann die Ausbildung/Schule für Arzthelferinnen. Das war doch tatsächlich eine gute Entscheidung. In Anatomie, Biologie, Chemie, Labor und Praxisorganisation brillierte ich mit sehr guten Noten. 

Und dann, unser aller Leben veränderte sich. Eines Morgens weckte mich mein Papa sehr früh. Es war Samstag. Er machte ein besorgtes, trauriges Gesicht. Meine Mama war bei unserem Hausarzt wegen eines Knoten in der Brust, die Zelluntersuchung ergab die Diagnose. Krebs. Mama war gerade 45 Jahre alt und ich bangte sehr um sie.

Ich sah meinen Papa noch nie weinen. Ich fühlte mich ihm sehr nahe, wir weinten zusammen.
Die Operation mit Brustamputation überstand meine Mama gut. Die anschliessenden Bestrahlungen, einige Zeit darauf, nahmen sie sehr mit. Die verbrannten, bestrahlten Stellen, puderte ich ihr jeden Tag.
Sie schämte sich ihres Körpers, war traurig, müde und bleich. Niemandem ausserhalb der Familie wollte sie sich mitteilen. Wir sollten diese Krankheit nur intern bereden. Doch wir sprachen selten darüber. Eigentlich nur dann wenn die drei-monatliche Kontrolluntersuchung anstand.

Liebe und Freiheit
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4.  Liebe und Freiheit

Draussen hatte ein böiger Wind den Regen abgelöst,
verschob die dunklen Wolkenfelder, so fiel bald ein scharfes helles,
bald ein düsteres, stumpfes Licht in den Raum des Wohnzimmers.

Das Tal öffnete sich, es lag vor mir wie eine unendliche Bühne,
deren faltiger Vorhang aufgezogen wurde.
Mit jedem Blick erreichte ich immer wieder neue,
spektakuläre und noch nie so wahrgenommene Details dieser Landschaft.
Eine kleine Stadt, ländlich die Gegend, etwas erhöht die Lage.
Im Tal unten ein breiter Fluss umgeben von weiten Flächen mit riesigen Baumbeständen. Alte Bäume mit schweren, knorrigen Ästen. Buchen und Eichen.
Entlang am Ufer des Flusses viele Eschen, die haben gerne wässerige Füsse
und halten den Boden im Uferbereich.
Ich hatte vergessen wie reich und besonders diese Landschaft,
gerade jetzt im Frühsommer erschien, die Pracht der grossen Bäume im jungen Grün, entlang des Flusses, reizvoll wie eine gut gewachsene,
festlich gekleidete und juwelengeschmückte Frau.
Mir schien die Erde grosszügig und spendabel.
( b.fehr)



Ich feierte den achtzehnten Geburtstag.
Kurze Zeit später war ich zum ersten mal so richtig verliebt.  

Markus war ein besonderer Mann. In der Kunstschule in Zürich in Ausbildung zum Grafiker. Ich fand ihn toll, traf ihn oft an den Wochenenden,
war in seiner Familie willkommen und stellte ihn bald meinen Eltern vor.
"Männergeschichten" bevor ich die Lehre abgeschlossen hatte, wurde von meinen Eltern aber nicht gut geheissen.
Sie hatten wohl auch Angst, offen oder versteckt kam immer wieder die Botschaft "mach uns keine Schande"
Schande wäre, ein uneheliches Kind zu gebären.
So wie meine Mama, unehelich geboren wurde. Zudem, vor der Ehe gibt es keine körperliche Liebe.
Das meinten die Katholiken so wurde es mindestens vermittelt?

Ich traf Markus trotzdem und lebte meine Gefühle. Ich fühlte mich so angenommen wie ich war, ohne wenn und aber, er war ein intelligenter, anständiger, gut aussehender Mann. Träumte mit mir von gemeinsamen Reisen, wir hatten Pläne, zusammenziehen, unsere Gemeinsamkeit geniessen. 
In dieser Zeit schloss ich meine Lehrzeit mit grossem Erfolg ab. Markus noch im Studium in Zürich. 
Ich konnte mich vorstellen für eine Stelle als MPA in Lugano. Ich zögerte das Angebot anzunehmen. Lugano und Zürich zu weit entfernt, so schien es nicht nur mir. Ich entschied mich in Walenstadt zu bleiben und dann mit Studienanbschluss von meinem Freund weiter zu planen. 
Ich liess mich jedoch von den Nörgeleien meiner Eltern immer wieder beeinflussen, war mir nicht mehr sicher, schlussendlich trennte ich mich von Markus und noch heute oder wieder mit dieser Erinnerung durchs Schreiben erkenne ich, dass ich damals überstürzt handelte und diese Beziehung nicht richtig abschliessen konnte.

Eine neue Stelle in Altdorf im Spitallabor und die Weiterbildung zur medizinischen Laborantin brachten mich auf neue Gedanken, neue Freunde, eigene Wohnung und mein erstes Auto, einen weissen, alten, rostigen Simca 1000. 

Der lang gehegte Wunsch ins Ausland zu reisen, konnte ich mir bald erfüllen. Ein Kibbuz in Kiryat shmona, in Israel, engagierte noch Volontäre. Ich meldete mich bei einem Vermittler, der aus der Schweiz Volontäre nach Israel begleitete.

Im Sommer 1978 begegnete ich Menschen aus allen Kontinenten. Ich genoss die grosse  Freiheit weit weg von Liechtenstein. Das israelische Volk war immer im Ausnahmezustand. Lärm von kriegerischen Munitions-Schüssen aus den nahen Golanhöhen waren an der Tagesordnung. 

Menachem Begin und Anwar as Sadat unterzeichneten 1978 ein Friedensabkommen. Die palästinische Seite verpflichtete sich zum Gewaltverzicht, während die Israelis ein Ende des Siedlungsbaues sowie den Rückzug aus den besetzten Gebieten zusagte.

Den Kibbuz nachts zu verlassen war streng untersagt. Draussen bewachten Soldaten das Gelände.

Die Tage im Kibbuz waren mit Arbeit auf den Baumwoll- und Birnenplantagen strukturiert, von früh morgens bis mittags. Unter der glühenden Sonne war es nach dem Mittag unmöglich zu arbeiten. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Wir nutzten das Baden in einem grösseren Fluss, einem Seitenarm des nahen Jordan oder im Pool auf dem Kibbuz-Gelände.
Abends stiegen oft Partys, die wir zu jedem Geburtstag der Schweizer-Volontäres, organisierten.

Bevor ich dann wieder heimkehren sollte, reiste ich noch nach Jerusalem, Nazareth, Bethlehem, die Wüste Negev, an das rote und das tote Meer.
Begegnungen mit Nomaden, Soldaten, Menschen mit der jüdischen Religion die aus Deutschland ins Land flüchteten, die hier lebten, arbeiteten und ihren Glauben leben konnten und eine Zukunft fanden?

Der Abschied fiel mir sehr schwer, die Gedanken zuhause alles sausen zu lassen, hier zu bleiben waren sehr präsent.
Doch reich an vielen Eindrücken und Erkenntnissen stieg ich ins Flugzeug und landete in Zürich.
Nass und kalt, keine beinahe 40Grad-Hitze.
Mir verschlug es die Stimme. Ich konnte nicht mehr sprechen.

 

Familienleben, Arbeit und Freizeit
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4.1.  Liebe und Freiheit – Familienleben, Arbeit und Freizeit.

Meine neue Arbeitgeberin wartete in Liechtenstein. Das hiess, ich musste wieder zuhause wohnen. Papa wollte nicht, dass ich ausziehe, mir eine eigene Wohnung nahm: "Was denken da die Nachbarn, wir haben Platz, du hast dein Zimmer und wenn du bei der Ärztin im Dorf arbeitest, wohnst du hier im Haus".

Ich war reifer, verständnisvoller, toleranter, ruhiger geworden und angepasster. Ich wohnte wieder zuhause.


Mit dem Bruder meiner Arbeitskollegin hielt ich schon längere Zeit Briefkontakt besonders in den Monaten in Israel. Nun konnten wir uns wieder treffen.  Surfen, Skifahren, Radfahren, Spass und dann verliebte ich mich. Oder war die Reihenfolge nicht ganz so genau? Wir waren bereit für eine gemeinsame Zukunft.
Vorerst wollten wir uns eine Wohnung suchen. Ich suchte mir eine Stelle in der Schweiz, nähe Zürich.

Meine Eltern waren selbstverständlich gegen ein „wildes Zusammenleben“, das fanden sie unmoralisch und „es bringt kein Glück“. Und sie waren auch nicht gerade begeistert von meinem Freund. Eben ein Schweizer. Sie wünschten sich einen Liechtensteiner als Schwiegersohn.
Und trotzdem liessen sie mich ein Zusammenleben nicht ausprobieren? Und ich, hatte keine Courage, einfach zu Handeln.
Immerhin, ich war 25 Jahre alt.
Verbunden mit der Angst, Mama könnte wieder krank werden, reagierte ich mit Anpassung.
Beat und ich heirateten. Eine richtige Hochzeit sollte es sein, so stellten es sich alle vor.
Wir machten mit. 

Mir gefiel unser Zusammenleben und mit meiner neuen Arbeit bei einem Arzt in der Zürichsee-Gegend war ich gefordert, hatte viel Verantwortung für drei weitere Angestellte und einer Lehrtochter.
Mein Mann liess sich nach einer Weiterbildung zum Anlage- und Vermögensberater bei einer Versicherung anstellen. 

Zwei Jahre nach unserer Hochzeit kam unsere Tochter zur Welt. Als das kleine Mädchen erstmals in meinen Armen lag, konnte ich gar nicht fassen, wie mir geschah. Das war also unser Kind, irgendwie fremd, ich hatte sie doch schon so lange bei mir im Bauch getragen. Werde ich je eine gute Mutter, werde ich diesem Kind genug zum Gedeihen, Wachsen, ihrer Seele Nahrung bieten können? 

Wir suchten uns eine grössere Wohnung im benachbarten Dorf. Bald lernte ich junge Mütter mit ihren Kindern kennen und vermisste eigentlich nur noch meine berufliche Arbeit. War aber glücklich, zufrieden und Nicole, unser Mädchen, ein Wonneproppen, herzig, gesund, lustig immer gut aufgelegt, selten einmal aufgeregt. Eine frohe, unbeschwerte, leichte Zeit.
Ich führte den Haushalt, nähte viel, konnte einen Stückchen Land im nahen Schrebergarten pachten und baute Gemüse und Blumen an. Genoss die gute Nachbarschaft mit Gleichgesinnten, knüpfte Freundschaften, pflegte in der Gemeinde Kontakte. 
Abends machte ich Geschäftstermine für meinen Mann und Beat war oft bei Kunden. 

Er war sehr erfolgreich und glücklich in seiner Arbeit und stellte sich vor,  ein eigenes Haus zu bauen. Mir gefiel es eigentlich so wie es war, ein Haus war nicht mein Ziel. Wir sahen uns trotzdem um, ich weniger, er intensiver. Bald kam er nach Hause und wollte mir unbedingt ein Haus zeigen, das ihm sehr gefiel. Es war etwas ausserhalb des Dorfes, nahe am Wald, Bach und mit viel Umschwung. Ruhig und schön gelegen. 

Ich wurde zum zweiten Mal schwanger, wir freuten uns auf ein zweites Kind und der Hauskauf hatte so schon mehr Gewicht bekommen. Eigenes Nest mit so vielen Kindern!

Im Juni 1984 bezogen wir unser Haus. Wir richteten ein, ich legte einen Gemüsegarten an, war oft mit meiner Tochter im nahen Wald, wir spielten am Bach und.... ich fühlte mich einsam. Weit weg vom Dorf, abhängig, angewiesen. Beat hatte sein Büro in unserem Haus eingerichtet, war ständig präsent, immer verfügbar für seine Kunden. 

Früher hatte ich oft gezeichnet, gemalt, fotografiert, dies lag nun seit einigen Jahren still. Das wohltuende Malen wieder zu entdecken war wunderbar. Diese Tätigkeit entrümpelte meinen Kopf, ich konnte versinken im Tun mit Seelennahrung. Oft malte ich nachts wenn alle schliefen, hörte dazu Musik und fühlte wieder meine innere Freiheit.

Im November 1984 kam Patrik zur Welt, gesund, ein kleiner Junge der unsere Familie voll und rund machte. Nicole erlebte ich bald fürsorglich, zärtlich und interessiert zu ihrem Bruder.
Meine Kraft und Energie liessen Kinder, Haus, Garten, Büro leicht von der Hand gehen.
Die Monate und Jahre flutschten.

Eine junge Familie, die neu zugezogen war in der Nachbarschaft, suchte eine Tagesmutter für ihre Tochter. Laura kam zu uns. Eine Bereicherung für Nicole. Das aufgeweckte, sympathische, liebe Mädchen fand bald eine gute Freundin in Nicole. Die beiden Mädchen hatten ihren ersten Chindsgitag, ihren ersten Schultag und so war ich mit Patrik allein zuhause.
Mein Wunsch, wieder zu arbeiten, eine ausser häusliche Tätigkeit zu haben, lag nun in Reichweite. 

Als Patrik in den Kindergarten gehen durfte, ergriff ich die Gelegenheit beim Dorfarzt stundenweise zu arbeiten. Ich machte die Blutuntersuchungen im praxisinternen Labor und betreute die Apotheke. So war ich unabhängig vom einem starren Stundenplan und flexibel falls ein Kind krank oder früher aus der Schule zurück kam.
Es existierten noch keine Blockzeiten in der Schule.

In der Gemeinde initiierte ich die Idee eines Mittagstisches für die Schul-Kinder und fand gleich mehrere Mütter die tatkräftig mithalfen. Viele der berufstätigen Mütter nutzten schliesslich dieses Angebot.
Im zweiten Jahr nach der Eröffnung, konnte uns die Schulgemeinde ein grösseres Mittags-Lokal zur Verfügung stellen und finanzielle Unterstützung bieten. Ende der 80iger Jahre war der "Hangar "(Mittagstisch) ein bewährtes und gefragtes Angebot in der Gemeinde.

Mittlerweile arbeitete ich in Zürich als Labor-Lehrerin für die in Ausbildung stehenden medizinisch technischen Laboranten/innen. Heute nennt man dies biomedizinische Analytiker. Dieses Tun beinhaltete auch die Vorbereitungen der Lektionen, die ich zuhause machen konnte und somit war ich nur zwei halbe Tage ausser Haus. Teil-Homeoffice, die ideale Arbeit für mich.
 In der Gemeinde erweckte ich das Jugendhaus zu "neuem Leben" und durfte bald eine zuverlässige sozialpädagogische Begleitung für die Jugendlichen verpflichten. Diese Zeit war recht intensiv. Dies betrifft nicht nur meine ausserhäuslichen Tätigkeiten, Verpflichtungen. Auch in unserer Beziehung kam es öfters zu Fragen, wieviel Freiraum brauchen wir, lieben wir uns noch, wie sieht die gemeinsame Zukunft wohl aus?

Meine Kinder waren mit 11 und 13 Jahren recht selbständig, besuchten nun die Rudolf-Steiner-Schule in Zürich und waren den ganzen Tag ausser Hause. 

 


Abschied
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4.2.  Liebe und Freiheit – Abschied .

Meiner Mutter ging es wieder sehr schlecht, nach einer erneuten Krebs-Operation war sie schwach und gezeichnet von ihrer Krankheit. Mein Vater ging frühzeitig in Pension und kümmerte sich liebevoll um seine Frau.
Nach gut einem Jahr konnten die Beiden wieder Ausflüge zusammen unternehmen, uns besuchen kommen, mit den Kindern spielen.
Doch die Sorge um Mama blieb.
In den Jahren darauf kam es immer wieder zu Einbrüchen mit erneuten Bestrahlungen und Chemo-Therapien.

In den letzten Monaten ihrer Leidenszeit konnte sie nur noch im Bett gepflegt werden, Tag und Nacht brauchte sie Unterstützung, wollte zuhause bleiben und dort sterben.
Eines Abends konnte sie kaum mehr Atmen. Im Krankenhaus angekommen, verstarb sie noch in der gleichen Nacht. Sie war gerade 70 Jahre alt.
Der lange Abschied mit ihrer endlichen Erlösung war für mich ein Aufatmen, gleichzeitig viel Schmerz und Trauer.

Das Daheim in Liechtenstein hatte sich verändert, eine grosse Leere ohne Mama.
Egal wie weit der Weg .... leuchtende Pfützen
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5.  Egal wie weit der Weg .... leuchtende Pfützen

 

Egal wie weit der Weg ist, man muss den ersten Schritt tun. (Mao Tse-tung)

Wege

Wind gegen die Augen, 
Sonnen tanzen im Kaleidoskop der Freude wenn ich die Wege kreuze 
die mir so lange gefolgt,
die Wege wo der Sommer aus den Pfützen leuchtet.  

Rings um mich schwärmt die Kraft,
die sich an Nichts erinnert und Nichts will.
Im Boden tief warten die ungeborenen Gefühle, still.

Mir kommt die Vorstellung, der Weg sieht mich.
Sein Blick ist so heiter, dass die Sonne ein helles Knäuel im altblauen Weltraum wird.

Der Weg sieht mich (b.fehr)


Mein Leben veränderte sich:
Was so rühmlich nach einer einzigen Beziehung aussieht, hatte in meiner Realität sehr viele Entwicklungen, Trennungen, Neuverhandlungen, Phasen der Distanz und Rückkehr in sich, so dass ich in Wahrheit mindestens drei, vier Scheidungen von demselben Mann durchgemacht habe. 

Beat und ich besuchten eine Paartherapie. Wahrscheinlich führte dies zu einer Verlängerung unserer oft unglücklichen Zeit miteinander. Respektvolleren Umgang, Achtsamkeit.
Wir kamen immer wieder zusammen.

Als unsere Kinder in die Lehre kamen, wollte ich nochmals eine Ausbildung machen. Die fünfjährige berufsbegleitende mal- und kunsttherapeutische Studium in Zürich mit 45Jahren in Angriff zu nehmen, war auch eine persönliche Entwicklung.

Wohin sollte die Entwicklung mich führen? Was, sich am Ende verändert haben?

Noch während den Ausbildungsjahren mietete ich in Zürich ein Atelier, warb um Klienten.
Erst kamen Kinder, in kleinen Gruppen, die malend mit Märchenthemen arbeiteten.
Später erwachsene Menschen mit Sinnfragen, in Lebenskrisen, die zu ihren Themen malerisch, gestalterisch Zugang suchten. Dabei durfte ich sie begleiten. 


Und dann doch, Beat und ich trennten uns, nach 25 Jahren Ehe-Leben.
Eine Scheidung ohne Streit?
Wir haben das recht gut gemacht.

Nicole, unsere Tochter, konnte ihr Diplom als Pflegefachfrau feiern und Patrik kurze Zeit darauf den Abschluss zum eidg. diplomierten Koch.
Ich schrieb meine Diplomarbeit.

Mein Vater erkrankte an Dickdarmkrebs, erholte sich einige Monate später recht gut und durfte wieder sein geliebtes Zuhause geniessen, seinen Garten pflegen. 

Das schreibt sich so kurz, protokollarisch. In Wirklichkeit heftige Jahre, kräftezehrend.
Oft suchte ich meine Balance, meinen ureigenen Boden.




 

Sommerwende
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5.1.  Egal wie weit der Weg .... leuchtende Pfützen – Sommerwende.

Sommerwende

 

Fenster hinein, heraus.
Spiegelblank, vertropft, glasklar, trüb, weit, eng, mit Sprossen.

Stille hier. 
Abschliessen, Sommerwiesen 
Rauschen vom Bach, stürmisch, fordernd.

Die Sonne wärmt, leise die Luft, weit und blau der Himmel. 
Wo schwingt der Adler? Nicht über mir.

Die Weiden leer, rundum die Hütten verschlossen, verriegelt. WegZeit, ich und der Hund. 
Die nassen Vorhänge flattern im Wind – Sommerwende
Zufrieden mit mir.
Z
ufrieden. (b.fehr)


Durchatmen, Neuanfang. Das Alleinsein konnte ich immer mehr geniessen, es fiel mir leicht, anstehende Entscheidungen, zu treffen.
Meine Arbeit war hilfreich im Umgang  mit der Trauer um die vergangenen schlechteren Jahre mit dem Vater unserer Kinder.
Das Loslassen der vielen gemeinsamen Jahre hatte auch immer wieder Momente von Schmerz und auch Wut. Auf mich, auf Beat. Ich arbeitete sehr viel, bot zudem noch Workshops bei mir zuhause an.

Immer mehr freute und genoss ich meine Zeit mit mir, nahm intensiv meine Malerei und Töpferei auf, konnte stundenlang verweilen in meinem Garten und pflegte meine Beziehungen.

Ende 2005 lernte ich einen Mann kennen und war bald so richtig verliebt. Vorsichtiges kennen lernen. Schmetterlinge, viele. Glückszeiten.

Monate später konnte ich mir vorstellen gemeinsam unsere gemeinsame Zukunft zu leben. 

Beruflich hatte ich ebenfalls viel Glück. Es war immer mein Ziel, als Gestaltungs- und Kunsttherapeutin in einer Psychiatrie arbeiten zu können. Menschen mit verschiedenen psychischen Problemen, mit spannenden, traurigen, tragischen Biographien, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, mit vielen Familiengeschichten, mit Geheimnissen, traumatischen Geschichten, Menschen mit vielen Eigenheiten aus allen Berufsgruppen suchten Ausdruck in Gestaltungen und Worten.

Mit ähnlichen Zielen: Umgang mit ihrer Krankheit, Sinnfragen, Kraft für ein weiteres Stück ihres Weges zuversichtlich zu gehen.

 

Krebszellen mögen keine Himbeeren
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6.  Krebszellen mögen keine Himbeeren

Königin der Lüfte 

Du fiedriges Geschöpf bewege dich segelnd durch die Lüfte 
unendlich und frei,
ausgebreitet deine schwingenden Flügel
einsam, geniessend, stolz majestätisch
hoch oben nahe der Sonne,
lichtdurchflutet 
scharf dein Blick gerichtet in die Tiefe 
präsent jederzeit, packend, erobernd, bedrohend 
dein Revier ist weit 
Sehnsucht mit Blick in die Ferne 
suchend die Grenzen 
Sehnsucht verbunden 
luftige Erde 
erdige Lüfte 
suchen und finden
( b.fehr)



Ein Knoten in der Brust? Er war nicht verschieblich, veränderte sich aber mit meinem Zyklus. Wohl doch hormonell bedingt? Die Mamographie war ja eben erst gut gewesen. Es liess mir aber keine Ruhe, immer wieder fühlte ich den Knoten.
Die Biopsie ergab, Krebs.

Es riss mir meinen starken Boden auf.  
Vier Tage nach der Gewebeprobe wurde ich operiert.

Weshalb gerade ich, meine „nährende Brust“?
Mein Körper, nicht nur Hülle, auch Fühlen, Spüren, physische und psychische Identität.  
Was wollte mir diese Krankheit sagen?

Krebs ist eine Krankheit, die durch die Entgleisung der Zellfunktionen verursacht wird. Mit fortschreitender Störung nimmt die Zelle allmählich bestimmte Merkmale an, die es ihr ermöglicht, sich zu vermehren und in fremdes Gewebe des Organismus einzudringen (Zitat: Krebszellen mögen keine Himbeeren)

Hatte ich nicht schon genug mitgelitten mit meinen Eltern?
War jetzt schon Schluss mit meinem Hier und Jetzt?  
Und noch dieser aggressive Krebs.
Wohl keine Metastasen aber die höchste Stufe der bösartigen Zellveränderung.
Ich konnte mich nur meinem Mann und meiner Schwester mitteilen, nicht weil ich das Vertrauen im Freundeskreis nicht hatte, sondern weil ich mich „schämte“.
Ich vielleicht in Selbstmitleid verfallen würde? Nichts ist hässlicher und mühsamer, schliesslich wäre jetzt Kampfbereitschaft angesagt, bloss wie sollte ich das anstellen? Eine Krankheit die nicht zu meinem Starksein passte, ich ein ungesundes Leben geführt hatte, meine Selbstfürsorge vernachlässigt habe? 

Nach den Bestrahlungen erholte ich mich recht gut, ich war wieder optimistischer. Nicht mehr so elend müde, lustlos mit beinahe Strahlenbrei im Hirn. Ich konnte mich wieder besser konzentrieren. Die heiss, gerötete Haut auf meiner Brust erholte sich bald.

Die anschliessend an die Bestrahlung angesetzte  Antiöstrogen-Therapie dämpfte meine Lebensqualität deutlich: schweiss-nasse Nächte und auch tagsüber tropfende Ausbrüche, heulendes Elend, lust- und fantasielos, schmerzende Gelenke. Nach gut einem Jahr  und vielen schlafarmen Nächten und mit dem Wissen um die Risikostatistiken, beendete ich diese Therapie.

Medizinisch gelte ich heute als geheilt. Die Unsicherheit verbunden mit einer gewissen Angst und Unruhe vor den jeweiligen Untersuchungen ist geblieben. Beinahe paralysiert erwarte ich jeweils die Befunde Mamographie, Ultraschall und Blutberichte.

Der Glaube an meine Unverwüstlichkeit hat eine andere Realität gefunden.
Sonnige Zeiten?

Kurz darauf erhielt mein Vater die Diagnose eines erneuten Krebs. Sein Darmkrebs hatte metastasiert und die Prognose sah sehr schlecht aus. Mit Chemotherapie drei vier Monate länger "Leben". Er entschied sich, seine verbleibende Zeit noch zu geniessen, seinen Nachlass zu regeln. Er wollte zuhause sterben, ein halbes Jahr nach der Diagnose. Papa wurde 86 Jahre alt.
Ich trauerte sehr um ihn, nicht nur um ihn. 


 

Sonnenkinder
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6.1.  Krebszellen mögen keine Himbeeren – Sonnenkinder.

Sonnenkinder

Eins, zwei, drei
Schritt für Schritt
Zusammen im Tritt
Vier Pfoten hintenan
Still und leise, kein Wort
Gedanken verloren,
die Seele baumelt
Berge, Matten, leiser Hauch das Haar umspielt
mein Herz berührt.
Sonne im Nacken wärmt, kräuselt.
Endlich im Suppen
Und noch ein Weg
Hinter die Egg im Winter.
Wohlsein mit Spatzen, von der Gemse das Fleisch.
Volle Bäuche und weiter mit der Pipperlisi.
Ankommen im Mätteli.

Nochmals Sonne schnaufen.

Es war ein Jahr voller Emotionen.
Im 2012: Meine beiden Kinder verkündeten die Geburt ihrer Söhne.

Während ich nun regelmässig meine Enkelkinder hüte, zwei Mädchen, drei Jungen, im Alter von drei bis acht Jahren, bewegen sich meine Gedanken immer wieder in meine Kindheit. 
Spiele und Rollenspiele sind im Moment sehr beliebt und werden mit viel Fantasie gelebt. Spass darf ohne Ende sein und für mich das Höchste an solchen Tagen wenn ich sehe und spüre, sie sind glücklich, zufrieden und mit leuchtenden Augen dabei.

Das pulsierende Leben in mir und dabei sein dürfen, können, bei und mit ihnen.
Welche Rollen habe ich schon in meinem Dasein erlebt, gespielt, angenommen, ausgehalten?
Die Empathische Streitlustige, Vermittelnde, Sanfte, Zweifelnde, Harmonie suchende, Wütende, Aufbrausende und und... immer noch in Entwicklung zur Verfeinerung. 


Auszeit
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7.  Auszeit

Grau umfasst die Leere, bald wird sie gelb, dies bedeutete die Verführung zum Schreiben. Erzählen, was geschehen, wo gewesen, wie erlebt
Ein hoher Anspruch, noch nicht so wahr 
Wochen vor mir, will mich vergnügen, inspirieren, sehen, aufnehmen.

Auf zu dieser Reise mit dem Camper 
Alles dabei 
Malend, schreibend durch Länder ziehen 
Erholen, Ruhen 
Bin mutig, bin aktiv, entdecke wieder meine Kraft

Bitte nicht stören
In kleinen Schritten vor, dort wo immer die Sonne scheint
Mein Herz hüpft

Zeit, es scheint viel Raum, zuviel 
Vagabundiernd durch die Lande mit leichtem Gepäck 
Sehen und nehmen, Wege laufen,
Stunden und langsam die Tage, 
unruhiges, neugieriges Reissen in mir
Im Hier und jetzt leben
Der Duft nach gebrannter Schokolade,
reifen Tomaten, feuchter Erde, salziger Luft.

Süden, Italien, Frankreich
apricotfarbene Häuser, türkisblaues Meer
hörbar das Rauschen der Brandung
die Schönheit der Küste
Steil und zerklüftet der Fels
Baden mitten im Meer
Tauchen, schnorcheln
Frisch und kühl das Wasser
Sonnig, warm die Luft
Heiss der Stein zum Sitzen und ruhen, wunderbar.
Stadt und Land mit Menschen, so viele Charaktere
Noch mehr Bedürfnisse, Menschen

Am steinigen Strand vereinzelt halb entblößte Menschen, die ihre winterweissen Gliedmassen der Sonne aussetzen.

Auszeit für mich, meine Bedürfnisse, meine Wünsche,
schön, ich erlaube mir.
(b.fehr)

 
Nach diesen fünf Wochen Zeit für mich, beschliesse ich, weniger zu Arbeiten, mir mehr Ruhe zu gönnen.

Schluss-Gedanken
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8.  Schluss-Gedanken


Wars das schon? So kurz, dabei 65 Jahre.
Ja, dankbar. Ich habe und erlebe viel Glück.

Sicher Probleme, auch enge Zeiten mit Kummer. 

Ich nutze die tiefen Täler um hohe Berge und die Alpen zu geniessen. 
Die ruhige "Zwischenzeit, Zwischenhöhe" wird mir immer wichtiger.
 
Meine Kindheit hat mir einen erdigen Boden, starkes und tiefes Urvertrauen geschenkt.

Ich danke den mir vertrauten, verbundenen Menschen die mein Leben immer wieder bereicherten und bereichern.

Neugierig sein dürfen auf die vor mir liegenden Jahre, gute Aussichten.


Abschliessen wollte ich doch?


Am 28. Februar 2020 stufte der Bundesrat die Situation in der Schweiz als «besondere Lage» gemäss Epidemiegesetz ein und verabschiedete die Verordnung über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus (COVID-19), die u. a. Grossveranstaltungen mit mehr als 1'000 Personen verbot. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit(BAG) startete am 1. März 2020 die Kampagne «So schützen wir uns» mit Hygiene-Empfehlungen zum Schutz vor dem neuen Coronavirus.
Wegen  weiterhin stark steigender Infektionszahlen wurde bereits am 16. März 2020 vom Bundesrat die «ausserordentliche Lage» (höchste Gefahrenstufe) gemäss Epidemiengesetz ab Mitternacht bis vorderhand 19. April 2020 erklärt. Mit der neuen Verordnung schränkte er das öffentliche Leben massiv ein, da sämtliche nicht lebensnotwendigen Geschäfte und Dienstleistungen per sofort schliessen mussten. (Wiki)

Am 8. April 2020 verlängerte der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» bis zum 26. April 2020, stellte aber gleichzeitig einen ersten Ausstiegsplan aus dem sogenannten «Lockdown" in Aussicht. ( Presse )

Von einem Tag auf den nächsten bin ich nicht mehr als „Hüterin“ meiner Enkel gefragt. Kann auch meine Vertretungen in der Klinik nicht mehr wahrnehmen. Mich selber hüten, nur um mich sorgen. Das stimmt ja nicht ganz, da ist ja noch mein Herzallerliebster und Eros mein Hund. Langsame Zeiten. Lockdown, die Schweiz steht still.
Ich bleibe hier im Tessin, richte unser Ferienhäuschen ein, gärtnere, male, lese und lasse mich im Moment von der Sonne verwöhnen. 

Abseits, allein für mich, immer wieder gedanklich bei diesem Virus. Will mich nur an meine selbst gegebenen Strukturen halten und nicht immer Radio hören um die News zu erfahren.


Ich komme zu spät
klopfe an, laufe in ein Zimmer
Düster, fahles Licht
Sie warten auf mich mit trübem Gesicht
nein, ich sehe keine Mimik
Es sind Masken, weiss und unnahbar
Gehe wieder raus,
halte dies nicht aus.
Weg von hier, weiter, ein weiter Weg
Zu mir kommen
zu warm, zu kalt
die Luft wird dünn, es ist still.
Aufwachen, durchatmen.
Ich bin, hier. (März 2020, b.f.)

 

 

Werde niemanden gefährden wollen, bleibe einfach hier. Hier in meiner selbstgewählten Quarantäne. Ohne Symptome, gesund.

In den ersten Tagen überschlugen sich meine Gefühle. Freude, Tage nur für mich, nun in der zweiten Woche gesellen sich dazu die trüberen Gedanken gemischt mit „ich vermisse....“

Meine Enkel dürfen nicht mehr zur Schule, die Lage ist sehr, sehr ernst. Es scheint kein Ende in Sicht. Täglich noch mehr Ansteckungen. In meinem Bekanntenkreis wird vermehrt von zuhause aus gearbeitet. Es sind nur noch Lebensmittelgeschäfte und Apotheken geöffnet.
Über 65-jährigen wird empfohlen nicht mehr selbst einzukaufen/hier im Tessin sogar verboten. ZuHause bleiben ist empfohlen.
Seit heute bin ich fahrig, nervös und nehme jetzt das Schreiben um wieder Ordnung in mir zu schaffen. Natürlich könnte ich das ganze Häuschen aufräumen, mit dem Bike eine Runde fahren, im Garten die vielen Farnkräuter schneiden, das Holz hacken zum Anfeuern im Ofen, versuchen im nahen, eiskalten Badesee eine Runde zu schwimmen, brr. Merke, werde mich kümmern, mich langsam dem Schreiben nähern.

Die Vögel zwitschern, trillern, pfeifen, singen. wahrscheinlich in italienisch, keine Vogelart kann ich diesen Tönen zuordnen. Die leichte Bise erfordert den dicken Schal und meine Füsse brauchen noch Wollsocken, ich will draussen bleiben. Die Eidechsen hinter mir im Gestein wuseln an der Hausmauer hoch und runter, hin und her. Kein Motorengeräusch, kein Mensch, kein Nachbar weit und breit.

Kolleginnen und Freunde erzählen am Telefon, die Strassen seien leergefegt, der öffentliche Verkehr im Angebot reduziert. Ängste, Aufbegehren, Unsicherheit, Panik, Existenz, auf sich selbst gestellt sein, bekommen Raum bei vielen von uns. Aber auch grosse Einsamkeit, Leere und Sinnfragen.
Kinder werden mittels Homeschooling von ihren Eltern unterrichtet. Kinder, die lernen wie mutig sie sind, sich selbst bespassen und Kuchen backen.

 

Oktober 2020
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8.1.  Schluss-Gedanken – Oktober 2020.
Auf langen Wanderungen in den sich langsam verfärbenden Laubwäldern, hänge ich meinen Gedanken nach. Oft reüssiere ich die letzten Wochen und Monate. Gute und frohe Zeiten. Sonniger Sommer, lange Tage, viele Stunden in der Natur im und am Wasser. 
Die Reiseeinschränkungen und Empfehlungen lassen noch an den Lockdown im Frühjahr erinnern. 
Beinahe fühlt man sich wieder sicher und so Manches hat sich verändert. Die Wirtschaft erholt sich wieder, es wird wieder gefeiert, ausgegangen, Sportanlässe geniessen wieder Publikum und ihre Fans. Vorsicht ist immer noch angesagt, Händeschütteln soll vermieden werden, Hygiene und Distanz erforderlich.


Nun Ende Oktober 2020 wieder die horrenden Zahlen der Corona positiven Ansteckungen. Noch ist kein Lockdown vom Bundesrat verfügt worden. Die Schulen bleiben offen, der Präsenzunterricht an Hochschulen ist verboten. Einzelne Kantone verhängen einen Teil-Lokdown. Die Spitäler sind an einer gefährlichen Grenze von Bettenauslastungen, das Pflegepersonal am Anschlag.
Meine Tochter mit Familie muss zehn Tage in Quarantäne wegen Coronafall im Arbeitsumfeld.

Viele Menschen die ich kenne sind coronamüde. 

Es sind Masken, weiss und unnahbar, ein weiter Weg, ich sehe keine Mimik. Aushalten!
Aufwachen?

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